Dna-BioBanKen für einzelne Hunderassen? - Jörg T. Epplen, Regina Kropatsch, Gabriele Dekomien Humangenetik Ruhr-Universität, 44780 Bochum

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Dna-BioBanKen für einzelne Hunderassen? - Jörg T. Epplen, Regina Kropatsch, Gabriele Dekomien Humangenetik Ruhr-Universität, 44780 Bochum
Kynologie aktuell

     Jörg T. Epplen, Regina Kropatsch, Gabriele Dekomien
     Humangenetik Ruhr-Universität, 44780 Bochum

     DNA-Biobanken für
     einzelne Hunderassen?
                                    Hunderassen und Rassehunde                          depression (ingezüchtete Populationen zeigen
                                    Die Begriffe Hunderasse und Rassehund gehen         oft reduzierte Fitness, d.h. Fruchtbarkeit etc.)
                                    dem Hundefreund wie dem Experten sehr               komplett außer Acht gelassen.
                                    leicht über die Lippen, warum also überhaupt        Wissenschaftlich absolut einwandfrei und
                                    einmal innehalten und diese gebräuchlichen          umfassend definierte Professor Wolf Herre
                                    Konzepte hinterfragen? Das Hunderassen-             bereits 1961: „Rassen sind vom Menschen
                                    Konzept scheint sich in die heutige Hunde-          in sexueller Isolation gehaltene, verbreitete
                                    zucht teilweise unreflektiert eingeschlichen zu     Untereinheiten eine Art, welche sich in meh-
                                    haben, macht es doch einige Schwierigkeiten,        reren Merkmalen und Erbeinheiten voneinan-
                                    eine griffige Definition dafür aus dem Ärmel zu     der unterscheiden. Es sind Kollektiveinheiten,
                                    schütteln. Hierzu schrieb eine amerikanische        deren Besonderheiten nur durch statistische
                                    Naturschutzexpertin: „Eine Rasse ist eine plan-     Methoden wiedergegeben werden können.
                                    bare genetische Packung“ (Carolyn Christman         Dem subjektiven Ermessen bei der Umgren-
                                    2003: A race is a predictable genetic package).     zung und Merkmalsauswahl ist ein weites Feld
                                    Das Vorhersagen in genetischen Fragen bleibt        gelassen.“ Hier wird die wesentliche Problema-
                                    aber im Wesentlichen auf rein statistische          tik in Rassedefinitionen unmittelbar offenbar,
                                    Wahrscheinlichkeiten beschränkt. Sind beide         nämlich das subjektive menschliche Ermessen.
                                    Eltern eines Menschenkindes gesund und deren        Mitunter erscheint hierfür menschliche Will-
                                    Stammbäume leer in Bezug auf klassische Erb-        kür als eine passendere Umschreibung (z.B. die
                                    krankheiten, so besteht empirisch dennoch ein       Unterscheidung von sieben Teckel-Rassen). Es
                                    3-4 %iges Risiko für eine erblich (mit-)bedingte    wäre besonders interessant zu verfolgen, ob
                                    Auffälligkeit beim Nachkommen. Für domi-            und wie intensiv sich übergreifende Hunde-
                                    nant vererbte Leiden liegt das kindliche Risiko     klub-Dachverbände (FCI, AKC, KC, VDH) in
                                    bei 50 %, wenn ein Elternteil betroffen ist. Was    diesem Zusammenhang in vertiefte Diskussio-
                                    ist also bei Verpaarungen in einer Hunderasse       nen zum Rassekonzept einlassen.
                                    vorhersagbar? Nur vergleichsweise hohe Wahr-
                                    scheinlichkeiten für bekanntes Exterieur, erblich   Sind Stammbaum-Datenbanken den
                                    bedingte Leistungsbereitschaft und Verhalten!       Aufwand wert?
                                    Bezüglich der Rasse-Definition formulierten         Die Zuchtgeschichten älterer Hunderassen
                                    Autoren wie Nussbaumer und Huber (1983)             liegen meistens weitgehend im Dunkeln. Da
                                    eher problembehaftet: „Eine Hunderasse wird         mündliche Überlieferungen der Vorgänge bei
                                    als Gruppe von Hundeindividuen definiert, die       der Rassegründung nicht mehr belegbar sind
                                    durch gerichtete menschliche Selektion auf ein      und schriftliche Aufzeichnungen aus dieser
                                    gestelltes Endziel (Standard) in Bezug auf mor-     Zeit oft fehlen, ist man auf Spekulationen
                                    phologische Merkmale, Leistungsfähigkeit und        bezüglich der Ursprünge vieler traditioneller
                                    Psyche während mehrerer registrierter Genera-       Rassen angewiesen. Die Weimaraner-Freunde
                                    tionen gezüchtet worden sind. Am Ende soll          z.B. verzeichnen graue Landrassen in Thürin-
                                    für möglichst viele Merkmale Reinerbigkeit          gen zu Zeiten von Großherzog Karl August von
                                    (Homozygotie) erreicht werden, so dass sich die     Sachsen-Weimar-Eisenach und Goethe mehr
                                    Rasseangehörigen durch den Besitz bestimm-          oder weniger offiziell als die ältesten Ursprünge,
                                    ter Eigenschaften von den anderen Rassen            obwohl bereits Louis IX im 16. Jahrhundert
                                    unterscheiden und diese Eigenschaften auf           graue Meutehunde beschrieb (La Chasse Roy-
                                    ihre Nachkommen vererben." Derartig frag-           ale, veröffentlicht 1625). Und Karl IX. soll
                                    würdige Strategien bzw. züchterische Irrwege        schon im 13. Jahrhundert graue Jagdhunde
                                    zur möglichst vollkommenen Homozygotie              nach Entlassung aus Gefangenschaft aus „Tar-
                                    sind mittlerweile gottlob praktisch gänzlich        tarien“ (damalige Bezeichnung für die Region
                                    verlassen, hätte man in der logischen Langzeit-     zwischen Schwarzmeer bis zum Kaukasus)
                                    Konsequenz doch lediglich noch identische           importiert haben. Die Wissenslücke bzgl. der
                                    Klone eines einzigen Hundeindividuums, die          Grauen zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert
                                    zu verschiedenen Zeiten lebten. Diese Autoren       lässt sich aus heutiger Aktenlage offensichtlich
                                    haben negative Auswirkungen wie z.B. Inzucht-       nicht mehr füllen. Warum also im Nachhinein
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>135 000 Weimaraner, die seit den 1870iger      manifest werden, kann eine kleinere Zuchtpo-      Validierung.
Jahren gewölft wurden, in der www.weimara-      pulation bei hohen Nachkommenzahlen ein-          Das Erbgut, die zelluläre DNA kann prin-
nerpedigrees.com Datenbank katalogisieren?      zelner Vererber bereits erhebliche Mutations-     zipiell in Kern-DNA und mitochondriale
Einige Zuchtphänomene wie z.B. übersteigerter   frequenzen aufweisen. Über längere Zeiträume      DNA (mtDNA) unterteilt werden. Von den
Einsatz von sog. Moderüden bewirken oftmals     hat der Einsatz von Moderüden sogar noch          Geschlechtschromosomen im Zellkern wird
das Anhäufen von Erbsprüngen (Mutationen)       schlimmere Nachwirkungen als strenge Linien-      nur das Y-Chromosom immer vom Vater an
in nachfolgenden Generationen, u.a. wegen       bzw. Inzucht. Diese Strategien können schon       seine Söhne vererbt. Die Mitochondrien als sog.
möglicher Kopplung von vermeintlich vorteil-    in umfangreichen Datenbanken ausreichend          Kraftwerke der Zellen werden immer nur von
haften Genvarianten mit deletären Mutationen    erfasst werden, sodass ggf. auch unmittelbar      der Mutter in ihren Eizellen an alle Nachkom-
auf ein und demselben Chromosom und mit-        gegengesteuert werden kann. Wie verlässlich       men weitergegeben und somit ihre mtDNA. Mit
hin gemeinsamer Vererbung. Da seltene rezes-    sind aber alte Datenbanken und wie können         variablen DNA-Markern können anhand von
siv vererbte Leiden über die Mutationen bei     sie überprüft werden? Die moderne Moleku-         Y-chromosomalen und mtDNA-Variationen
Moderüden je nach Verpaarungsschema aber        largenetik bietet hierzu auch noch rückblickend   über viele Generationen hinweg rein männliche
frühestens in der übernächsten Generation       Möglichkeiten der Nachuntersuchung und            bzw. rein weibliche Vererbungslinien verfolgt

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                                                                           bieten dem planvollen Züchter eine Möglich-
                                                                           keit, bestimmte Linien in seiner Zucht zu ver-
                                                                           folgen. Allerdings sollte man diese Effekte auch
                                                                           nicht überschätzen: Das Y-Chromosom enthält
                                                                           nur ~50 Gene, die bis auf die Geschlechtsbe-
                                                                           stimmung beinahe bedeutungslos sind. Die
                                                                           mehr als 25 000 Gene auf den anderen Chro-
                                                                           mosomen des Hundes stellen andererseits den
                                                                           komplexen Bauplan dar. mtDNA beim Hund
                                                                           beinhaltet nur 16 700 Bausteine gegenüber
                                                                           insgesamt 5 000 000 000 Basen in allen Chro-
                                                                           mosomen des Zellkerns. Zuchtstrategien, mit
                                                                           denen besonderer Wert darauf gelegt wird,
                                                                           dass gemeinsame Verwandte in den Elternlinien
                                                                           vermieden werden, erweisen sich natürlich als
                                                                           außerordentlich vorteilhaft für die genetische
                                                                           Vielfalt beim Nachwuchs. Trotz der vergleichs-
                                                                           weise kleinen Population der Weimaraner ist
                                                                           die genetische Vielfalt praktisch identisch mit
                                                                           der von großen Rassen wie den Schäferhunden
                                                                           (siehe Artikel in Der Rassehund 2008; Streit-
                                                                           berger und Kollegen). Innerhalb dieser Studien
                                                                           wurde auch klar, dass DNA-Testergebnisse in
                         werden. Über Y-Marker können somit theore-        manchen Linien nicht mit den Stammbaum-
                         tisch Väter, Großväter und Urgroßväter etc. bis   aufzeichnungen in Einklang zu bringen sind.
                         auf die aus dem historischen Stammbaum her-       DNA-Untersuchungen erlauben damit neben
                         vorgehenden eigentlichen Urväter zurückver-       Rückschlüssen z.B. auf klassische Erbkrankhei-
                         folgt werden. mtDNA-Untersuchungen erlau-         ten und Elternschaft auch zuchtgeschichtliche
                         ben festzustellen, ob verschiedene Hunde ein      Schlussfolgerungen.
                         und dieselbe Urmutter haben. Zuchtbuchauf-
                         zeichnungen können demnach auf tatsächliche       DNA-Biobanken
                         biologische Verwandtschaftsverhältnisse hin       Die Sammlung von DNA-Proben, die mit
                         überprüft werden. Bei deutschen Weimaranern       Daten ihrer Spender verknüpft sind bzw. ver-
                         ergaben sich hierbei in unseren Untersuchungen    knüpft werden können, wird als DNA-Bank
                         Auffälligkeiten: Nachfahren eines bestimmten      bzw. DNA-Biobank bezeichnet. DNA-Bio-
                         Ur-Rüden zeigen unterschiedliche Y-Marker-        banken sind u.a. wichtige Voraussetzung zur
                         muster. Manche Hunde, die laut Stammbaum          Abklärung der Ursachen und Mechanismen
                         auf eine gemeinsame Urmutter zurückgeführt        von Erbkrankheiten. Hierbei handelt es sich
                         wurden, zeigen auch verschiedene mtDNA.           um Erkrankungen, für die krankhaft verän-
                         Mitunter stimmen weder die aufgezeichneten        derte Erbanlagen (Mutationen) entscheidend
                         Urväter noch die Urmütter mit den Y- und          sind - und vererbt werden. Mutationen kön-
                         mtDNA-Daten überein (Abbildung 1). Gründe         nen jederzeit neu entstehen und sich je nach
                         für sog. "Kuckucks-Hunde" könnten in fal-         Zuchtstrategie innerhalb einer Rasse mehr
                         schen Stammbaumangaben, Verwechslungen            oder weniger schnell ausbreiten (s. Bemerkun-
                         bzw. "Ammentausch" vermutet werden.               gen zu Zuchtstrategien weiter oben). Für die
                         Anhand umfangreicher DNA-Untersuchungen           Identifizierung solcher krankheitsverursachen-
                         wurde klar, dass mindestens vier verschiedene     den Mutationen können z.B. Familien-Studien
                         Urväter und drei Urmütter die heute gezüchte-     durchgeführt werden, für die oftmals nicht
                         ten deutschen Weimaraner tatsächlich hervor-      nur die Eltern, sondern auch die Großeltern
                         gebracht haben.                                   von betroffenen Hunden untersucht werden
                         Die Bestimmung von Mutter- und Vaterlinien        müssen. Gerade bei Erkrankungen mit spätem
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                                                   zur DNA aus Blutproben (noch vitale weiße           nen. Die DNA-Proben werden nach intensiver
                                                   Blutkörperchen), ist die DNA aus abgestorbe-        Qualitäts- und Mengenkontrolle in mehreren
                                                   nen Mundschleimhaut-Zellen praktisch immer          Teilproben tief gefroren gelagert und stehen
                                                   mehr oder weniger degradiert, d.h. nur noch         dann für viele umfangreiche Untersuchungen
                                                   kürzere Abschnitte bzw. Fragmente sind über-        zur Verfügung. Idealerweise könnten Proben
                                                   haupt als Ausgangsmaterial verfügbar. Somit         von allen lebenden Hunden der betreffenden
                                                   sind für die langfristige Einlagerung immer         Rasse rasch erfasst werden. Zumindest von
                                                   die frischen Blutproben den Mundschleim-            allen in der Zucht stehenden Hunden einer
                                                   hautabstrichen vorzuziehen. Vorteilhaft für         jeweiligen Rasse sollte aber auf jeden Fall die
                                                   die DNA-Aufreinigung sind nicht die heute           DNA-Einlagerung z.B. als Voraussetzung zur
                                                   oftmals bevorzugten Schnellpräparationsme-          Zuchterlaubnis erreicht werden. Derartige
                                                   thoden sondern die klassischen, besonders           Populations-basierte Biobanken stellen die
Krankheitsbeginn stehen Großeltern aber zur        schonenden Reinigungsverfahren, mit denen           notwendige Forschungsinfrastruktur für viele
Probenentnahme häufig schon nicht mehr zur         in der Folge auch sichergestellt ist, dass später   künftige Vorhaben dar, deren Forschungszwe-
Verfügung. Zuvor angelegte DNA-Biobanken           möglichst all‘ die verschiedenen molekularge-       cke zum Zeitpunkt der Zusammenstellung der
können hier zur Problemlösung beitragen. Als       netischen Techniken durchgeführt werden kön-        Biobank noch weitestgehend unbestimmt bzw.
in der Zucht stehende Hunde würde dann die
                                                                            Anzeige
DNA der Eltern und (Ur-)Großeltern in der
entsprechenden Bank eingelagert sein, und die
DNA könnte somit für die Forschung freigege-
ben werden. Des Weiteren würde das Material
der DNA-Biobanken aber auch für eventuell
später notwendige Abstammungsnachweise
zur Verfügung stehen. Bei der Frage nach der
Abstammung geht es um Klärung, ob eine ver-
mutete Verwandtschaftsbeziehung bestätigt
oder ausgeschlossen werden kann. Zuweilen                                                 Anzeige Pets world
ist es notwendig, einen Abstammungsnachweis
noch nach dem Tod z.B. eines der Elternteile
durchzuführen. Hierfür kann dann auch die in
einer DNA-Biobank eingelagerte DNA-Probe
des jeweiligen Hunds (natürlich nicht ohne
ausdrückliches Einverständnis des Besitzers)
genutzt werden. Auf Grund der schnell fort-
schreitenden Weiterentwicklung molekular-
biologischer Möglichkeiten, besonders seit der
Entschlüsselung des gesamten Hundegenoms
(Genom = Gesamtheit der Erbinformation),
können DNA-bzw. Biobanken zukünftig noch
zusätzliche Vorteile bieten, die heute noch
nicht klar ersichtlich sind. In Bezug zum hiesi-
gen Thema stellt sich damit aber vor allem die
Frage, in wieweit DNA-Biobanken auch even-
tuell Zuchtklub-übergreifend anzulegen wären.
Das einfache Motto je umfangreicher desto bes-
ser ist hier sicher intensiv zu diskutieren.
Für die DNA-Einlagerung werden zunächst
vorzugsweise EDTA-antikoagulierte Blutpro-
ben verwendet, aus den weißen Blutkörper-
chen wird die zelluläre Erbsubstanz (Kern- und
mtDNA) isoliert und gereinigt. Im Gegensatz
                                                                                                                                                           29
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                          Lump                                                                                  Blanko v.d.
                     8     Generationen                                                                         Bertholdsburg
                                                                                                          19    Generationen
                                  Argo-Heidi
                                                                                                                         Eddi

         Arco                               Astor
                                                                                              Conrad                              Larry

                Boris                                Harro
                                                                                                        Pablo     I                         Quebec

                                                10 weitere
                         Bachus
                                                Gene- rationen
                                                                                                                                                N
                                  Cerrill                       Reiteralm‘s                                                                 Alfred

                                                                                                                                                        unbekannt sind.
                          Axel                          Arimalisa‘s                                                                                     Die Kosten für DNA-Biobanken sind für viele
                                                                                                                                                        Hundehalter sicherlich ein wichtiges Argument,
                                                Balu                                                                                                    die Einrichtung und Erhaltung der Bank gründ-
                Astor                                                    Duc              L                                                             lich zu diskutieren. In diesem Zusammenhang
       6 weitere
                                                                                       Chester              Y-chromosomale                              ist vorab schon zu bedenken, dass alle nachfol-
                                                        Balou               L
     Gene- rationen
                                                                                                              ‚Vererbung‘                               genden Untersuchungen weitaus kostengünsti-
                                                                          Vico                                                                          ger zu gestalten sind, da die DNA-Präparation
            O        Gero
                                                          L     Fiete                                                                                   immer einen ganz erheblichen Kostenfaktor bei
                                                                                                                                                        den DNA-Tests darstellt. Es ist derzeit noch
                                                                                                                                                        etwas früh genaue Kosten-/ Nutzenanalysen
     B                            Asta v.                                                                                                               anzustellen, zumal die meisten länger existie-
                                                                        Ada v.d.
                                  Petriwehr                                                                      mitochondriale                         renden Biobanken krankheitsorientiert für den
                                                                        Saaletal                                                                        Menschen an universitären Forschungsstellen
                           Senta                                                     5 weitere                    ‚Vererbung‘                           ohne erheblichen kommerziellen Druck betreut
                                                                                     Generationen
                                                                                                                                                        werden. Die Eigentums- und Zugriffsrechte
                        8 weitere
                        Genera- tionen
                                                                                                                Bella                                   auf das Biobank-Material sollte vom jeweili-
                                                                                                                                                        gen Hundeklub mit der betreuenden Biobank-
                    Frya                                                                  Gretel                        Jessie
                                                                                                                                                        Institution vertraglich geregelt werden. Wo die
                                                                                                                                                        DNA-Biobank vorzugsweise eingerichtet wird,
                Biene                        Alfa
                                                                                    Isa                                 Nixe                            entscheiden die Zuchtvereine anhand einer
                                                                                                                                                        möglichst vertrauenswürdigen und langfristi-
         Assi                       Conny                                                                                        Susi                   gen Perspektive der kommerziellen oder uni-
                                                                        Conny
                                                                                                                                                        versitären Einrichtung. Auch ist zu berücksich-
            Cleo                             Zilla
                                                                                                                                                        tigen, dass die Einrichtung und Unterhaltung
                                                                                Hexe               Annette                              Amsel
                                                                                                                                                        von DNA-Biobanken erhebliche Qualitätsan-
                                                                                                                                                        sprüche an die beauftragte Institution stellt,
         Dora                       Anna                                                                          Erle                          Dunja
                                                                         Rina                                                                           vor allem in Bezug auf effiziente Organisation
                                                                                                                                                        und möglichst nach DIN EN ISO akkreditierte
            Gunda                            Gesa                                                       Amourette                   Grandel
                                                                            Arabell                                                                     Laborpraxis. Auch kommerzielle Unterneh-
                                                                                                                                                        mungen mit dem Anspruch, immer auch dem
                                                                                                                                                Anka
         Balu    G                  Otti                                        G                          B            B                               höchsten Probenaufkommen gerecht werden zu
                                                                               Zorro                   Baldewin Bernward                                können, sollten einer kritischen Überprüfung
                                  Golo   G                                                                                              B   Ambro       unterzogen werden. Zentraler Gesichtspunkt
                                                                                                                                                        bleibt jedenfalls die vergleichsweise überschau-
                                                                                                                                                        bare Investition in die Zukunft der betreffenden
                                                                                                                                                        Rassen.
     Legende zur Abbildung 1.
     Stammbauminformation aus frühen Aufzeichnungen bzw.
     modernen Datenbanken können mittels DNA-Tests z.B. in
                                                                                     DNA-Biobanken                                  Vorteile                            Nachteile
     einzelnen Weimaraner-Linien molekulargenetisch nicht                            Zuchtordnung                                   allgemein verbindlich für die       müsste angepasst werden
     nachvollzogen werden:
                                                                                                                                    Rasse
     A. Die Y-chromosomalen Musterunterschiede (O bei Gero; L
        bei Fiete, Vico und Chester) sind biologisch nicht erklär-                   Kosten                                         reduziert bei späteren DNA-         initiale Kosten
        bar, ebenso wenig wie die Y-Unterschiede zwischen Pablo                                                                     Tests
        (I) und Alfred (N).
     B. Die mitochondrialen DNA-Muster stimmen bei Balu (G)                          Zugriff*                                       jederzeit, je nach Vertragstext auch für den verantwortlichen Verein
        und Golo (G) wie erwartet überein, wohingegen Zorro
        (G) gegenüber (Baldewin, Bernhard und Ambro; jeweils B)                      Abstammung*                                    jederzeit überprüfbar, daher praktisch immer stimmig
        deutliche Differenzen aufweisen.                                             zukünftige Projekte                            sofort möglich, auch Rückgriff
     Mögliche Gründe für widersprüchliche Stammbaum-
     Information gegenüber den DNA-Mustern werden im Text
                                                                                                                                    auf Material verstorbener Hunde
     ausführlicher diskutiert.                                                    *Nachteil nur für Züchter, die rein egoistische Zuchtziele verfolgen
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