Dokumentation - Landkreis Ludwigslust-Parchim
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INSTITUT FÜR
SOZIALFORSCHUNG
UND GESELLSCHAFTSPOLITIK
Dokumentation
der
Fachtagung
Umsetzung der Pflegesozialplanung
im Landkreis Ludwigslust-Parchim
Dienstag, 01.07.2014
in Parchim
Foto: Landkreis Ludwigslust-Parchim
Umsetzung der Pflegesozialplanung im Landkreis Ludwigslust-Parchim
Fachtagung am 01.07.2014 in Parchim
1INSTITUT FÜR
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UND GESELLSCHAFTSPOLITIK
Fachtagung „Umsetzung der Pflegesozialplanung im Landkreis Ludwigslust-Parchim“
am 1. Juli 2014 im Landratsamt in Parchim
Mit der Vorlage des Pflegesozialplans 2013 für den Landkreis Ludwigslust-Parchim ist die
Pflegesozialplanung noch nicht abgeschlossen, sondern es handelt sich hier um einen konti-
nuierlichen Prozess: Die einzelnen Komponenten der Pflegeplanung entwickeln sich laufend
weiter: Erstens befinden sich die demografische Struktur sowie Art und Umfang von Hilfebe-
darfen in einer ständigen Entwicklung, zweitens verändern sich auch die pflegerischen Ver-
sorgungsangebote und drittens werden in bestimmten Abständen die rechtlichen Rahmen-
bedingungen weiterentwickelt.
Daher ist die Pflegeplanung keine zeitlich begrenzte Maßnahme, sondern ein Prozess, der
unter Einbeziehung aller beteiligten Akteure laufend fortzuführen ist, um das Versorgungs-
system auch in Zukunft passgenau gestalten und verbessern zu können.
Es war Ziel der Fachtagung, die im Pflegesozialplan enthaltenen Empfehlungen zur Weiter-
entwicklung der pflegerischen Versorgungsstruktur aufzugreifen und deren Umsetzung vor-
zubereiten. Rund 60 Vertreter der Städte und Ämter, der Träger von Diensten und Einrich-
tungen, der Pflegekassen, der Kassenärztlichen Vereinigung, Seniorenvertreter und weitere
Akteure waren der Einladung gefolgt, um mit ihrer Erfahrung an der Umsetzung mitzuwirken.
Umsetzung der Pflegesozialplanung im Landkreis Ludwigslust-Parchim
Fachtagung am 01.07.2014 in Parchim
2INSTITUT FÜR
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Programm der Fachtagung
01. Juli 2014
im Landratsamt Parchim
09:00 Uhr Eröffnung und Begrüßung
Herr Landrat Rolf Christiansen
09:15 Uhr Bedeutung der Pflegesozialplanung aus Sicht der Träger
Herr Hans Hopkes, Vertreter der „kleinen LIGA“ der Wohlfahrtsverbände
09:30 Uhr Pflegesozialplanung im Landkreis Ludwigslust-Parchim: Ergebnisse,
Handlungsempfehlungen, Umsetzung
Dr. Dietrich Engels, ISG
10:30 Uhr Kaffeepause
11:00 Uhr Demenz – Hilfestrukturen im ländlichen Raum
Frau Melina Meding, Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Landesverband
Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Frau Gisela Grote, „Hand in Hand im Bördeland“, Generationenhilfe Börde-
region e.V.
12:00 Uhr Mittagspause
12:45 Uhr Arbeitsgruppen
AG 1: Ehrenamtliche und professionelle Unterstützung bei Demenz
AG 2: Kurzzeitpflege: Bedarf, Konzept und wirtschaftliche Tragfähigkeit ei-
nes eigenständigen Kurzzeitpflegeangebots
AG 3: Wohnen im Alter im ländlichen Raum: Barrierefreiheit und kleinräu-
mige Vernetzung
14:15 Uhr Kaffeepause
14:45 Uhr Berichte aus den Arbeitsgruppen
15:15 Uhr Schlusswort
Herr Harald Haase, Fachdienstleiter Soziales
Umsetzung der Pflegesozialplanung im Landkreis Ludwigslust-Parchim
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3INSTITUT FÜR
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In seinem Grußwort hob Landrat Rolf Christiansen hervor, dass Ludwigslust-Parchim als
einziger Landkreis in Mecklenburg-Vorpommern einen Pflegesozialplan in der kurz bemes-
senen Zeit erstellt habe und wies zugleich auf die gemeinsame Verantwortung aller Akteure
für die Weiterentwicklung der Versorgungsstruktur hin. Anschließend bewertete Hans
Hopkes in seinem Grußwort als Vertreter der „kleinen LIGA“ der Wohlfahrtsverbände den
Pflegesozialplan ebenfalls als wichtige Grundlage für die weitere Arbeit, betonte aber auch
die Schwierigkeit für die Träger, in allen Teilen eines großflächigen Landkreises eine gute
Versorgung zu garantieren.
Im Hauptteil des Vormittags stellte zunächst Dr. Dietrich Engels (ISG) die zentralen Ergeb-
nisse des Pflegesozialplans 2013 vor und zeigte die weiteren Schritte zur Umsetzung auf. In
allem gehe es um den Ausbau der vorstationären Versorgungsangebote, um im Sinne des
Grundsatzes „ambulant vor stationär“ den Bedarf an stationärer Pflege möglichst gering zu
halten. Dazu können insbesondere eine ortsnahe Beratungsstruktur, Hilfen für Angehörige
von Pflegebedürftigen und Personen mit Demenzerkrankung, eine Sicherstellung altersge-
rechter Wohnmöglichkeiten, die Schaffung von ausreichenden Kapazitäten der Kurzzeitpfle-
ge und Tagespflege, eine Vernetzung der Pflegeplanung mit Ärzten und Krankenhaussozial-
diensten sowie eine vorausschauende Sicherstellung des zukünftigen Fachkräftebedarfs
beitragen.
Der zweite Teil des Vormittags war dem Thema des Umgangs mit zunehmenden Demenzer-
krankungen gewidmet. Melina Meding vom Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der
Deutschen Alzheimer-Gesellschaft erläuterte in ihrem Vortrag, welche Formen und Verläufe
von Demenz bekannt sind und welche Belastung die Demenz für die erkrankte Person
selbst, für ihre Beziehung zur Umwelt und insbesondere für die pflegenden Angehörigen
bedeutet und informierte gleichzeitig über Unterstützungsangebote in Mecklenburg-
Vorpommern. Mit dem besonderen Fokus auf mögliche Hilfestrukturen im ländlichen Raum
berichtete dann Gisela Grote vom Verein „Hand in Hand im Bördeland“ (Niedersachsen), wie
aus einer Selbsthilfe-Initiative eine Organisation ehrenamtlicher Hilfen aufgebaut wurde, die
schon wenige Jahre nach ihrer Gründung ein beeindruckendes Maß an Unterstützung für
Angehörige leistet.
Am Nachmittag wurden die Empfehlungen zur Weiterentwicklung in drei Arbeitsgruppen ver-
tiefend diskutiert.
Die AG 1 „Ehrenamtliche und professionelle Unterstützung bei Demenz“ führte das Schwer-
punktthema des Vormittags fort. Der Aufbau ehrenamtlicher Hilfen ist eine gute Möglichkeit,
professionelle Unterstützungsstrukturen zu ergänzen, ist aber auch mit einigen Schwierigkei-
ten konfrontiert: Ehrenamtliche müssen gewonnen und auf ihre Aufgabe vorbereitet werden,
die besonders im ländlichen Raum anfallenden Fahrtkosten müssen erstattet werden und bei
den Betroffenen und Angehörigen müssen Vertrauen aufgebaut und Scham überwunden
werden, damit eine wirksame Entlastung erfolgen kann. Professionelle Pflegekräfte müssen
in Zusatzausbildungen über die Besonderheiten von Demenzerkrankungen geschult werden.
Umsetzung der Pflegesozialplanung im Landkreis Ludwigslust-Parchim
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Schließlich sollte mit einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit das Bewusstsein über Demenz in
der Bevölkerung verbessert werden.
In der AG 2 wurde das Thema „Kurzzeitpflege: Bedarf, Konzept und wirtschaftliche Tragfä-
higkeit eines eigenständigen Kurzzeitpflegeangebots“ vertiefend behandelt. Spezifische
Probleme der Kurzzeitpflege liegen in der Auslastung, die saisonabhängig (Urlaubszeiten)
und wegen der Leerstände zwischen den Nutzungsphasen schlechter kalkulierbar ist, sowie
in der verlässlichen Planbarkeit, die für die Angehörigen nicht immer gegeben ist, aber auch
für die Träger ein Problem darstellt. Anzustreben ist ein eigenständiges Kurzzeitpflegeange-
bot, das nicht im normalen Heimalltag integriert ist, sondern attraktiv gestaltet wird, indem es
als „Pflegeurlaub“ mit aktivierenden Maßnahmen in wohnlicher Atmosphäre konzipiert wird.
Damit kann erreicht werden, dass Pflegebedürftige gerne wiederkommen und dass Angehö-
rige ihre Pflegebedürftigen in „guten Händen“ wissen. Ein solches Angebot sollte eine Min-
destzahl von etwa 12 Plätzen nicht unterschreiten, und wenn es offensiv beworben wird, ist
auch bei angemessener Preisgestaltung mit einer guten Inanspruchnahme zu rechnen.
In AG 3 „Wohnen im Alter im ländlichen Raum: Barrierefreiheit und kleinräumige Vernetzung“
wurde zunächst der Bedarf an altersgerechten Wohnungen bestätigt, da ältere Menschen
auch mit Pflegebedarf möglichst lange in der gewohnten Wohnung leben möchten. Eine
barrierefreie Gestaltung der Wohnung sei weniger ein technisches Problem, sondern dies
scheitere oft an den Kosten, trotz vorhandener Fördermittel. Weiterhin genügt es in ländli-
chen Gebieten nicht, den eigenen Lebensraum barrierefrei/-arm zu gestalten, wenn in der
Wohnumgebung keine ausreichende Infrastruktur (Einkaufsmöglichkeiten), Transportmög-
lichkeiten etc. vorhanden sind. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim gebe es neben den Städ-
ten mit guter Versorgungssituation auch größere Dörfer, in denen zwar die Minimalversor-
gung gesichert ist, es aber an vielem (ÖPNV, ärztliche Versorgung etc.) fehlt, und schließlich
viele kleinere Dörfer, in denen selbst eine Minimalversorgung nicht gegeben sei. Ansätze zur
Verbesserung seien ehrenamtliche Fahrdienste, mobile Verkaufsangebote und Nachbar-
schaftshilfen. Angeregt wurde eine zentrale Informations- und Anlaufstelle, über die die Bür-
gerinnen und Bürger innerhalb ihres Sozialraums miteinander in Kontakt kommen und eh-
renamtliche Angebote miteinander vernetzt werden könnten.
Nach der Arbeitsgruppenphase wurden die Ergebnisse der drei Arbeitsgruppen im Plenum
vorgestellt. Abschließend dankte Harald Haase, Fachdienstleiter Soziales, den Teilnehmen-
den für ihre konstruktiven Beiträge und äußerte die Erwartung, dass die Pflegesozialplanung
im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Zukunft als gemeinsames Projekt weitergeführt werde.
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Präsentation von Herrn Dr. Engels (ISG) zum Vortrag „Pflegesozialplanung im Land-
kreis Ludwigslust-Parchim: Ergebnisse, Handlungsempfehlungen, Umsetzung“
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Pflegesozialplanung
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Angebotsdatei – Beispiel Tagespflege (Ausschnitt)
STADT/AMT ANGEBOT Angebot_2 KAP EINRICHTUNG plus:
Boizenburg/Elbe, Stadt Tagespflege 20 Tagespflege "Am Kurt Bürger"
Adresse
Boizenburg/Elbe, Stadt Tagespflege 15 LARES Pflege
Summe 2 35 Träger
Hagenow, Stadt Tagespflege 15 Tagespflege "Mitten im Leben" Ansprech-
Summe 1 15
Lübtheen, Stadt Tagespflege HEIM, BTW, AD, KUPF 12 Das komplexe Pflegezentrum Lobetal
partner
Summe 1 12
Ludwigslust, Stadt Tagespflege 12 AWO Tagespflege
Summe 1 12
Parchim, Stadt Tagespflege AD 15 DRK Pflegeeinrichtung
Parchim, Stadt Tagespflege 18 Tagespflege Sonnenstrahl
Summe 2 33
Banzkow Tagespflege 16 Tagespflege Banzkow
Banzkow Tagespflege 15 Tagespflege der JUH
Summe 2 31
Crivitz Tagespflege 19 Tagespflege für Senioren
Summe 1 19
… und weitere Ämter
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Pflegesozialplanung
Soziale Inklusion und
im
LandkreisEngagement
Ludwigslust-Parchim
Angebotsspektrum im überregionalen Vergleich
Übersicht zur Angebotsstruktur
Landkreis Ludwigslust-Parchim im Vergleich, Stand: 31.12.2013
Anzahl/ Kennziffer Landes- Bundes-
Bereich Plätze je 100 ab 75 J. vergleich vergleich
Gesundheitsversorgung
Ärzte 120 0,6 0,5 0,8
6 Kliniken Betten: 778 3,7 5,6 5,7
Wohnen im Alter Kreis Viersen:
39 Häuser betreutes Wohnen 1.065 5,1 3,1
Ambulante Dienste
61 Pflegedienste Mitarb.: 936 4,5 4,5 3,7
Tages- und Kurzzeitpflege
15 Tagespflegeeinrichtungen 235 1,1 1,0 0,4
14 Kurzzeitpflegeangebote 34 0,2 0,2 0,5
Stationäre Pflege
37 Pflegeeinrichtungen 2.374 11,4 11,3 10,6
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Angebotsdatei: Nutzungsmöglichkeiten und Fortschreibung
(1) Informationsquelle für Beratung: Bereitstellung der Informationen für
Pflegestützpunkte und weitere Beratungsstellen
(2) Informationsquelle für Bürger: Aufbau eines Internet-Portals (Welche
Angebote gibt es in meiner Umgebung? Was gibt es in der Nachbargemeinde?)
(3) Erweiterung: Bestandsaufnahme von Begegnungszentren für Senioren,
Besuchs- und Betreuungsdienste für Demenzkranke, Seniorenorganisationen,
barrierearme Wohnungen etc. ( zu diskutieren)
(4) Informationsquellen:
• Kreisebene: Sozialplanung, Heimaufsicht, Pflegestützpunkte
• Städte/ Ämter: Bürgerberatung, weitere Ansprechpartner
• Träger: Wohlfahrtsverbände und private Anbieter
(5) Fortschreibung:
• Häufigkeit: 2 Mal jährlich (Jahresmitte + Jahresende)
• Wer? Sozialplanung unter Einbeziehung aller Akteure ( Arbeitsgruppe?)
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im
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4. Empfehlungen zur Weiterentwicklung
(1) Ambulant vor Stationär:
• Bestandsaufnahme im Pflegesozialbericht: 2.374 Plätze in stationären
Pflegeeinrichtungen im Jahr 2013
• rechnerischer Zusatzbedarf ( demografische Entwicklung):
bis 2020 weitere 370 Plätze
bis 2030 weitere 311 Plätze
• Ziel: Ausbau der vorstationären Angebote, um den rechnerischen
Zusatzbedarf durch alternative Angebote zu reduzieren
Fragen:
• Welche Angebote können dazu beitragen? (ambulante Dienste, Tages- und
Kurzzeitpflege, geeignete Wohnangebote, bedarfsgerechte Beratung)
• Wie müssen diese Angebote weiter entwickelt werden?
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Empfehlungen zur Weiterentwicklung
(2) Information und Beratung:
• Kooperation und Vernetzung der Pflegestützpunkte mit anderen
Beratungsstellen, z.B. Krankenhausüberleitung
• ortsnahe Informations-/ Beratungsangebote
• Weiterentwicklung zu aufsuchender Pflegeberatung
Fragen:
• Wer kommt als Ansprechpartner in den Städten und Ämtern in Frage?
• Welche Ressourcen erfordert eine „aufsuchende Pflegeberatung“ in einem
großflächigen Landkreis?
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Pflegesozialplanung
Soziale Inklusion und
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Empfehlungen zur Weiterentwicklung
(3) Begegnungsangebote und Hilfen bei Demenz:
• Begegnungsangebote mit Beratungsmöglichkeit
• Information, Beratung, Schulung für Angehörige
• Ambulante Betreuung der Älteren mit Demenzerkrankung
• Ehrenamtliche Betreuungsdienste
Fragen:
• Welche Begegnungsangebote und welche Angebote für Ältere mit Demenz-
erkrankung und ihre Angehörigen gibt es schon im Landkreis und in den
Städten/ Ämtern?
• Welche Unterstützungsstrukturen gibt es in anderen Landkreisen? Welche
Anregungen können für den Landkreis LUP gewonnen werden?
( weitere Vorträge und Arbeitsgruppe 1)
• Wie können weitere Angebote aufgebaut werden? ( Berücksichtigung in
der weiteren Planung)
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Empfehlungen zur Weiterentwicklung
(4) Wohnen im Alter:
• Kreisweit gute Versorgung mit betreutem Wohnen (1.063 Wohnungen),
aber weiterer Bedarf in einigen Ämtern
• aufsuchende Wohnberatung und Wohnungsanpassung zur Verbesserung
der bestehenden Wohnungen
• Hinreichendes Angebot an barrierefreien und barrierearmen Wohnungen
schaffen
• Bereits 10 ambulant betreute Wohngemeinschaften mit 102 Plätzen, aber
weiter ausbauen als Alternative zu stationärer Pflege
Fragen:
• Wie kann der Bestand an barrierefreien Wohnungen vollständig erfasst und
aktualisiert werden?
• Sind auch barrierearme Wohnungen für ältere Menschen hilfreich? Welches
sind die Kriterien für „barrierearm“? ( Arbeitsgruppe 3)
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Empfehlungen zur Weiterentwicklung
(5) Kurzzeitpflege:
• Kurzzeitpflege ist ein wichtiger Baustein, um vollstationäre Pflege zu
vermeiden: Nachsorge nach Krankenhaus, Entlastung der Angehörigen,
Sicherung der Versorgung bei deren Krankheit, Aktivierung etc.
• Kreisweit gibt es nur 34 eingestreute Kurzzeitpflege-Plätze, dies entspricht
0,2 Plätzen je 100 Ältere ab 75 Jahren (Bundesdurchschnitt 0,5 Plätze)
• Befragung von Diensten und Einrichtungen in LUP: KUPF unzureichend
Fragen:
• Wie kann ein ausreichendes Angebot an Kurzzeitpflegeplätzen geschaffen
werden?
• Wie kann erreicht werden, dass dieses Angebot verlässlich planbar ist und
nicht nur eingestreut?
• Wie kann erreicht werden, dass die Kurzzeitpflege zur Aktivierung und
Rehabilitation genutzt wird und nicht nur als „Betreuung im Heim“?
• Kann Kurzzeitpflege wirtschaftlich erbracht werden? ( Arbeitsgruppe 2)
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Empfehlungen zur Weiterentwicklung
(6) Fachkräftesicherung:
• Zunehmender Bedarf an Fachkräften: Im Jahr 2020 werden in Mecklenburg-
Vorpommern 42 % mehr Pflegekräfte benötigt als im Jahr 2007 (IAB 2010)
• Befragungsergebnisse LUP (ambulante Dienste + stationäre Einrichtungen):
Schon jetzt schwierig, Pflegepersonal zu finden, mit einer Verschlechterung
ab 2015 / 2016 wird gerechnet
Fragen:
• Wie kann der derzeitige und in Zukunft noch steigende Bedarf gedeckt
werden? ( Workshop „Fachkräftebedarf in der Altenpflege“ im Herbst)
Seite 17
Pflegesozialplanung
Soziale Inklusion und
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Weitere Empfehlungen
(7) Gesundheitsversorgung: Aufrechterhaltung der hausärztlichen Versorgung,
Zusammenarbeit mit Krankenhaussozialdienst intensivieren
(8) Ambulante Pflege: ausreichend, aber niederschwellige, hauswirtschaftliche
Unterstützung ausbauen – auch für Menschen mit Behinderung
( Workshop im Herbst)
(9) Tagespflege: Kreisdurchschnitt gut, aber in 8 Ämtern (insbes. östliches
Kreisgebiet) jeweils etwa 8 bis 10 Tagespflege-Plätze zusätzlich
(10)Stationäre Pflege: derzeit gute Auslastung, langfristig steigender Bedarf
Ausbau vorstationärer Wohn- und Pflegeangebote
(11)Sterbebegleitung: unzureichend entwickelt – Hospizangebote aufbauen
Kurzfristig (bis 2015): ortsnahe Beratungsstrukturen, Ausbau Kurzzeitpflege,
niederschwellige Hilfen; kontinuierliches Berichtssystem aufbauen
Langfristig (bis 2025): barrierefreies Wohnen, ambulant betreute
Wohngemeinschaften, Weiterentwicklung der Hospizarbeit
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Pflegesozialplanung
Soziale Inklusion und
im
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Ludwigslust-Parchim
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Dr. Dietrich Engels und Dr. Regine Köller
ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH
Barbarossaplatz 2, 50674 Köln
Tel. 0221 – 23 54 73
E-Mail: Engels@isg-institut.de
Web: www.isg-institut.de
Seite 19
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Präsentation von Frau Meding (Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Landesverband M-V)
zum Thema „Demenz – Hilfestrukturen im ländlichen Raum“
Diagnose Demenz
Folgen im
nachbarschaftlichen Miteinander
Deutsche Alzheimer-Gesellschaft
– Selbsthilfe Demenz –
Landesverband M-V e.V.
Häufigkeit demenzieller
Erkrankungen in Deutschland
• über 1,4 Millionen Erkrankte in Deutschland
• jeden Tag über 100 Neuerkrankungen
• 2050 geschätzt: 3 Millionen demenziell Erkrankte
Risikofaktor: Lebensalter
40%
35%
30%
25%
20%
15%
10%
5%
0%
< 65 J. < 70 J. < 75 J. < 80 J. < 85 J. < 90 J.
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
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© Christina Schwarzfischer
© Christina Schwarzfischer
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
in unserer Region
• MV 2013: 1,6 Mio. EinwohnerInnen
• mittelschwer bis schwer dement: 26.500
+ schätzungsweise 1/3 leicht: ca. 9000
→ ca. 2,2 % demenziell betroffen: 35.200
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
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Was ist eine Demenz?
Verlust von Nervenzellen und ihrer
Verbindungen untereinander:
• Muster von Symptomen (Kontrollverlust)
• Alltagsfähigkeiten beeinträchtigt
→ zunehmender Verlust der Selbstständigkeit
Dauer: mindestens 6 Monate
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
Das Gehirn – unser „Aktenschrank“
Neue Erfahrungen/Erlebnisse werden Neues wird immer seltener gespeichert
gespeichert und können jederzeit und kann somit nicht wieder genutzt
verwendet werden. werden. Auch alte Erinnerungen gehen
zunehmend verloren.
Quelle: Powell, J. (2009). Hilfen zur Kommunikation bei Demenz. Köln: Kuratorium Deutsche Altershilfe. S. 20f.
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
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Hauptsymptome der Demenz
• Beeinträchtigung bis Verlust
der geistigen Leistungsfähigkeit
- Gedächtnis
- Denkvermögen
- Orientierung
- Sprache
- Aufmerksamkeit und Urteilsvermögen
• Persönlichkeitsveränderung
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
„Demenz“ gleich „Alzheimer“?
Anteil an
Ursache
Demenzerkrankungen
Alzheimer-Krankheit ca. zwei Drittel
vaskuläre Demenzen
ca. 30 %
und Mischformen mit Alzheimer-Demenz
sonstige Demenzen
(Lewy-Körper-Demenz, ca. 10 %
Frontotemporale Demenz u.a.)
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
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Quelle: Dr. med. Krämer, G. (2000). Alzheimer-Krankheit: Antworten auf die häufigsten Fragen. Stuttgart: Georg Thieme Verlag. S. 45.
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
Gehirne im Vergleich
normales Gehirn
Gehirn mit
Alzheimer-
Erkrankung
Quelle: Hilfe beim Helfen. Schulungsreihe für Angehörige von Alzheimer- und anderen Demenzkranken. Folie 1.7.
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
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19INSTITUT FÜR
SOZIALFORSCHUNG
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Alzheimer-Krankheit
• Ursachen unbekannt, nur selten vererbt
• Risiko steigt mit Lebensalter
• von Außenstehenden anfangs lange
unbemerkt („Fassadenverhalten“)
• nicht heilbar, stetig fortschreitend:
leichte – mittelschwere – schwere Demenz
• Krankheitsdauer: im Ø 6–9 Jahre
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
Was bedeutet eine Demenz
für die betroffene Person?
zunehmender Orientierungsverlust:
• zeitlich
Welche Uhrzeit, welcher Tag, welches Jahr?
• örtlich
Wo bin ich?
• situativ
Was geschieht um mich herum?
• zu anderen und zu sich selbst
Wer bist Du? Wer bin ich?
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
Umsetzung der Pflegesozialplanung im Landkreis Ludwigslust-Parchim
Fachtagung am 01.07.2014 in Parchim
20INSTITUT FÜR
SOZIALFORSCHUNG
UND GESELLSCHAFTSPOLITIK
Was bedeutet eine Demenz
für die betroffene Person?
• Wahrnehmung der Umwelt und
Selbstwahrnehmung verändern sich
(werden misstrauisch, ängstlich,
manche ablehnend, passiv)
• alltägliche Situationen und Gegenstände
erhalten eine andere Bedeutung
• leben in ihrer eigenen Welt
• nicht betroffen: Gefühle und Erleben!
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
Was bedeutet eine Demenz
für die Angehörigen?
• Menschen mit Demenzsymptomen – anfangs –
überwiegend „in der Häuslichkeit“ betreut/gepflegt
→ Angehörige tragen Hauptlast, oft Isolation
→ „Krankheit der Angehörigen“
• Arno Geiger „Der alte König in seinem Exil“: „Der
einzig verbliebene Platz für ein Miteinander ... war
die Welt, wie der Vater sie wahrnahm.“
• Angehörige sind hauptverantwortlich für best-
mögliches Miteinander und Begegnungsangebote
→ Selbstsorge, Unterstützung annehmen!
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
Umsetzung der Pflegesozialplanung im Landkreis Ludwigslust-Parchim
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21INSTITUT FÜR
SOZIALFORSCHUNG
UND GESELLSCHAFTSPOLITIK
Was bedeutet eine Demenz
für die Angehörigen?
• Herbert M.: „Freunde sind schon ewig nicht mehr
zu mir gekommen. Sie können mit Lisa nicht
umgehen. Und sie stört ja auch. Aber ich kann
doch meine Frau nicht einfach wegsperren ...“
• Elsa H.: „In unserer Mietwohnung konnte ich nicht
mehr mit ihm bleiben. Er hat nachts so geschrien,
dass Nachbarn im Haus regelmäßig die Polizei
holten, weil sie der Meinung waren, ich schlage
meinen Mann.“
Quelle: Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e. V. (2013). Die Tür nach draußen öffnen
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
Je früher erkannt, umso besser!
VERDACHT AUF DEMENZ
AUSSCHLUSS von
- normaler Altersvergesslichkeit
- anderen Ursachen einer Gedächtnisstörung
(wie Depression oder Delir)
DEMENZ
Differentialdiagnose
Primäre Sekundäre
Demenzen Demenzen
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
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22INSTITUT FÜR
SOZIALFORSCHUNG
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nicht-medikamentöse Behandlung
• Alltagsfähigkeiten stärken
Ergotherapie
• Orientierungsfähigkeit fördern
Milieutherapie (Wohnraum, Haus; Tagesablauf)
• Erinnerungen pflegen
Erinnerungs-, Musiktherapie
• Kommunikation anpassen
Validation (ernstnehmen)
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
Wichtig für Demenzkranke ist …
• sie verstehen
• dass sie sich verstanden
fühlen
• sie als Person
akzeptieren und
wertschätzen
© Christina Schwarzfischer
• sozial einbinden
→ Sicherheitsgefühl!
© Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz
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UND GESELLSCHAFTSPOLITIK
Wichtig für Demenzkranke ist …
• in der gewohnten
Umgebung bleiben
können
• selbstständig handeln
• sich bewegen dürfen
© Christina Schwarzfischer
© Christina Schwarzfischer
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Wichtig beim Umgang ist …
• ihre Selbstständigkeit
unterstützen
• nicht auf Defizite
hinweisen
• Betroffene ernst nehmen
• Respekt und
Wertschätzung äußern
• Ruhe und Sicherheit
vermitteln
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Menschen mit Demenz
in Nachbarschaft, Verein, Kirche
• vergessen Termine
• vernachlässigen übernommene Aufgaben
• anderes Erscheinungsbild,
verändertes Verhalten
• belästigen/beschuldigen andere
• sozialer Rückzug
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Kennen Sie eine
der folgenden
Situationen?
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Schlüsseldienst Nachbar
Ihre 90-jährige Nachbarin, Frau Z., lebt allein. Sie ist körperlich sehr fit,
doch schon seit längerem fällt Ihnen und auch anderen Nachbarn auf,
dass ihre geistigen Kräfte nachlassen.
Sie muss sich selbst versorgen und hat, soweit Ihnen bekannt ist,
keinerlei Hilfe. Sie haben noch nie Angehörige oder Freunde gesehen,
die sie besuchen. Auch eine Unterstützung im Haushalt durch eine
Putzfrau oder eine Sozialstation scheint sie nicht zu nutzen.
Seit zwei Wochen klingelt Sie nun sehr häufig bei Ihnen – zumeist weil
sie sich ausgesperrt hat. Da dies bereits häufiger passiert ist, haben Sie
einen Zweitschlüssel von ihr. So können Sie ihr schnell und
unkompliziert helfen.
Allmählich wird jedoch auch dies zur Belastung – insbesondere weil ihr
Zeitgefühl gestört ist, so dass sie immer wieder auch nachts bei Ihnen
klingelt.
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Neue Spielregeln im Kegelverein
Seit Jahren sind Sie, genau wie Herr M., Mitglied im örtlichen
Kegelverein. Regelmäßig einmal in der Woche treffen sich die
Kegelbrüder um 20 Uhr zu einer zweistündigen Partie.
In letzter Zeit fällt Ihnen und anderen Vereinskollegen auf, dass Herr M.
häufig unpünktlich ist oder die Termine sogar ganz vergisst.
Beim gestrigen Treffen schließlich wollte er unbedingt in seinen
Straßenschuhen spielen. Darüber hinaus behauptete er, immer in
diesen Schuhen zu spielen.
Argumente, Fragen oder Erklärungen, die Sie und die anderen
Anwesenden vorbrachten, zeigten keine Wirkung. Herr M. ging darauf
gar nicht ein, sondern wurde ärgerlich.
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Rückzug aus dem Gemeindeleben
Frau L. ist 78 Jahre alt und lebt allein. Ihr Mann ist vor vielen Jahren
verstorben und die beiden Kinder wohnen weit entfernt.
Sie ist ein bekanntes und aktives Mitglied der Kirchengemeinde und
nahm bis vor kurzem regelmäßig an den Gottesdiensten sowie den
Seniorennachmittagen teil.
In letzter Zeit fielen den Gemeindemitgliedern einige Veränderungen
auf. Frau L. war bei den gemeinsamen Treffen sehr ruhig, sie sprach
nicht viel und wirkte eher „in sich gekehrt“. Außerdem besuchte sie die
Seniorennachmittage und Gottesdienste nur noch sehr unregelmäßig.
Seit zwei Wochen kommt Sie nun gar nicht mehr.
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© Christina Schwarzfischer
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„Was kann ein Anker im Leben sein?“
–
„Der Nachbarmensch!“
Frau T., demenzkrank
Zentrum Demenz (Hrsg.) 2008: Demenz-Wegweiser für Schwerin und Umland
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Aufbau ehrenamtlicher Strukturen in MV
• Modellprojekt der AlzMV bis Juni 2016
• Modellstandorte: Mehrgenerationenhäuser
• initiieren selbstständige Träger;
Ziel: flächendeckend mehr vom Land und
Pflegekassen anerkannte Angebote gemäß
BetrAngLVO und -Richtlinie (SGB XI § 45c (3):
(3) Niedrigschwellige Betreuungsangebote;
Betreuung: Gruppen oder 1:1 in Häuslichkeit
• beraten Träger zur Anerkennung ggü. LAGuS
• schulen die Ehrenamtlichen und bilden fort
• wichtig: stabile, selbstständige Netzwerke vor Ort
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denkbare Zusammenarbeit mit AlzMV
• Hinweise auf Beratungen: im PSP, Telefon, Internet
• mehr Fach-/Mitglieder → monatliche
Demenzsprechzeit im Pflegestützpunkt
• Angehörigenschulungen (zwei bis Juni 2015)
aus denen später evt.: Selbsthilfegruppen
• Trägerberatung und Aufbau ehrenamtlicher
Strukturen
• bislang: fast alles im Ehrenamt → Lobbyarbeit ...
... kommunale bzw. Landesförderung
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persönliche Beratung vor Ort
• Pflegestützpunkte Parchim und LuLu
• Demenzberatung im Pflegestützpunkt
Wismar: immer 1. Do. von 14 bis 16:30 Uhr
Dr.-Leber-Straße 2, 23966 Wismar
Telefon: (038 41) 30 40 50 82
• Angehörigengruppen von Mitgliedern der
Alzheimer-Gesellschaft M-V
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Kontakt – bundesweit –
Deutsche
Alzheimer Gesellschaft e.V.
– Selbsthilfe Demenz –
Friedrichstr. 236, 10969 Berlin
E-Mail: info@deutsche-alzheimer.de
Internet: www.deutsche-alzheimer.de
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Ansprechpartner
• Beratung durch Alzheimer-Gesellschaft,
Austausch in Angehörigengruppen; Infomaterial
• Pflegestützpunkte (Wismar)
• gerontopsychiatrische Beratungsstellen,
„Gedächtnissprechstunde“ (Sana Hanse-Klinikum
Wismar)
• Gesundheitsamt; PsychiatriekoordinatorInnen
• Allgemeine und Krankenhaus-Sozialdienste
• Seniorenberatungsstellen
• Pflegedienste
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30INSTITUT FÜR
SOZIALFORSCHUNG
UND GESELLSCHAFTSPOLITIK
Ich freue mich auf
unseren Austausch!
Melina Meding
modellprojekt@alzheimer-mv.de
Deutsche Alzheimer-Gesellschaft – Selbsthilfe Demenz
Landesverband M-V e. V., Rostock
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Präsentation von Frau Grote („Hand in Hand im Bördeland“, Generationenhilfe Börde-
region e.V.) zum Thema „Demenz – Hilfestrukturen im ländlichen Raum“
• unsere Gemeinde
• unser Verein
• unser Projekt:
„Teilhabe von Menschen
mit Demenz“
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
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Einwohner Hohenhameln gesamt
9046
Bis 24 Jahre 2360
25 – 64 4849
65 – 74 1035
75 und älter 803
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
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33INSTITUT FÜR
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UND GESELLSCHAFTSPOLITIK
Zielsetzung des Vereins :
• Hilfe zu günstigen Konditionen für
ältere und hilfebedürftige Menschen
durch Vereinsmitglieder
• Förderung selbstbestimmten
Älterwerdens mit Verbleib im
gewohnten Lebensumfeld
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
• Stärkung des nachbarschaftlichen
Umfelds in den Ortschaften
• Entgegenwirken von Vereinsamung
und Isolation im Alter – auch bei den
Helfern
• Möglichkeit für Helfer, zusätzliche
Vorsorge für das eigene Alter zu
treffen oder das derzeitige Ein-
kommen aufzubessern
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
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34INSTITUT FÜR
SOZIALFORSCHUNG
UND GESELLSCHAFTSPOLITIK
Leitgedanke:
Mitglieder helfen Mitgliedern
Hilfenehmer zahlen 8 € pro geleisteter
Stunde
Helfer bekommen 6 €,
möglich ist sofortige oder spätere
Auszahlung oder Inanspruchnahme von
Hilfe im Alter
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
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35INSTITUT FÜR
SOZIALFORSCHUNG
UND GESELLSCHAFTSPOLITIK
Von der Gründung bis heute
Gründung
November 2012 78 Mitglieder
Heute 231 Mitglieder
Davon 71 Helfer
Hilfeeinsätze im Monat ca. 100
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
Hohenhameln auf dem Weg
zur
demenzfreundlichen Kommune
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
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36INSTITUT FÜR
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Aktueller Stand der Kommune
• Rückgang der Bevölkerungszahlen
• fehlende Finanzmittel
• statistisch leben in Deutschland 1,2 Millionen
Menschen mit Demenz, damit rechnerisch 117
Betroffene in der Gemeinde Hohenhameln
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
• Fehlende ambulante
Betreuungseinrichtungen und
Begegnungsstätten
• mangelhafte Verkehrsanbindung
und Versorgungsmöglichkeiten in
den Ortschaften
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
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37INSTITUT FÜR
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Unsere Aktionen:
gefördert und unterstützt von
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
Vortragsreihe März bis Juni
Information und Sensibilisierung zum Thema
Demenz
• Auftaktveranstaltung für Kommunalpolitiker
• Krankheitsbild, med. Hintergründe, Grenzen
der Medizin
• Wahrnehmung der Lebenswelt von Menschen
mit Demenz
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
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38INSTITUT FÜR
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• Kommunikationsformen im Umgang mit
verwirrten Menschen
• Finanzielle Hilfen, Beratungs- und
Unterstützungsmöglichkeiten
• Juristische Fragen zur Selbstbestimmung
(Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung,
Testament)
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
Unsere Fachreferenten:
• Sozialwissenschaftlerin, Lehrerin für Pflege-
berufe, Teamerin für integrative Validation
• Dipl. Gesundheits- u. Pflegelehrerin
• Facharzt für Psychiatrie, Geschäftsführer
Sozialpsych. Dienst, Gesundheitsamt Peine
• Leiterin des Fachdienstes Soziales/Senioren
und des Pflegestützpunktes Landkreis Peine
• Rechtsanwältin
• Prof. Dr. Böhm aus Wien
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
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39INSTITUT FÜR
SOZIALFORSCHUNG
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Schulungen
• für Mitglieder 20 Stunden niedrigschwelliges
Betreuungsangebot Schulungen im Umgang
mit verwirrten Menschen
• für Mitarbeiter:
→ der Verwaltung
→ Volksbank Hildesheimer Börde
→ im Gesundheitsbereich
→ aus Handel und Handwerk
→ der Polizei und der Feuerwehr
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
Kooperationspartner
• Realschule Hohenhameln
• Volksbank Hildesheimer Börde
• Alten- und Pflegeheim
• Landkreis Peine, Pflegestützpunkt
• „Panisches Orchester“
• Senioren-Tanzlehrerin
• Landfrauen Verein
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40INSTITUT FÜR
SOZIALFORSCHUNG
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Nachhaltigkeit
• Einrichtung einer Begegnungsstätte
• Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz
• Supervision und Schulungen der Vereins-
mitglieder
• Stammtisch für pflegende Angehörige
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
• Tanztee-Nachmittage für Betroffene
und Angehörige
• Vorträge für die allgemeine
Öffentlichkeit zum Thema Demenz
• Veröffentlichungen: Homepage /
Presseartikel
Gisela Grote – Hohenhameln - Clauen
Umsetzung der Pflegesozialplanung im Landkreis Ludwigslust-Parchim
Fachtagung am 01.07.2014 in Parchim
41INSTITUT FÜR
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„Streng genommen erkrankt jeder
Mensch an Demenz, vorausgesetzt,
er wird alt genug, um es zu erleben“
Prof. Dr. Hans Förstl, Psychiater u
Neurologe
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Zentrale Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen
Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen, die am Nachmittag
des 1. Juli stattfanden, in Form kurzer Protokolle dargestellt.
Die vertiefende Diskussion erfolgte in drei Arbeitsgruppen zu diesen Themen:
AG 1: Ehrenamtliche und professionelle Unterstützung bei Demenz
Moderatorin: Melina Meding
AG 2: Kurzzeitpflege: Bedarf, Konzept und wirtschaftliche Tragfähigkeit eines eigen-
ständigen Kurzzeitpflegeangebots
Moderator: Dr. Dietrich Engels
AG 3: Wohnen im Alter im ländlichen Raum: Barrierefreiheit und kleinräumige Vernet-
zung
Moderatorin: Dr. Regine Köller
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Arbeitsgruppe 1 zum Thema
„Ehrenamtliche und professionelle Unterstützung bei Demenz“
Herausforderungen ehrenamtlicher Angebote der Unterstützung
Im Rahmen der Arbeitsgruppe wurde zunächst die Notwendigkeit betont, dass ehrenamtliche
Arbeit lediglich als Ergänzung und nicht als Ersatz professioneller Angebote dienen sollte.
Des Weiteren ergab sich, dass es sich bei dem Aufbau ehrenamtlicher Strukturen um einen
langwierigen Prozess handelt und dass für die Dauerhaftigkeit solcher Strukturen die lang-
fristige Bereitschaft der Ehrenamtler gegeben sein muss.
Die Akquirierung bereitwilliger Personen ist im Bereich der Arbeit mit demenziell erkrankten
Personen besonders schwierig, da häufig Angst vor der Konfrontation mit der Thematik De-
menz zu bestehen scheint. Um jedoch eine langfristige Bereitschaft bereitwilliger Personen
zu gewährleisten, sollte die ehrenamtliche Arbeit zum einen keine Überlastung darstellen
(punktuelle Nutzung) und zum anderen eine angemessene Wertschätzung erfahren. Die
Frage danach, ob ehrenamtliche Arbeit zudem finanziell honoriert werden sollte und wenn,
ob eine pauschale oder stundenweise Bezahlung vorzuziehen sei, wurde dabei ebenfalls
diskutiert.
Zukünftige Handlungsorientierungen
• Um verbreiteten Ängsten zu begegnen und ein Verständnis für Krankheitsbilder und
Symptome der Demenz zu schaffen, sollte vermehrte Aufklärungs- und Öffentlich-
keitsarbeit betrieben werden. Die Aufklärungsarbeit sollte generationsübergreifend
sein, sich also schon an Schulkinder richten und auch Akteure wie Polizeibeamte
miteinbeziehen.
- Bsp. Sozialführerschein für Schulkinder (theoretische und praktische Auseinan-
dersetzung mit der Thematik der Behinderung)
- Bsp. Aufklärung/ Sensibilisierung von Polizeibeamten (Projekt Hand in Hand im
Bördeland)
• Die Thematisierung demenzieller Erkrankungen sollte nicht von einer defizitorientier-
ten, sondern von einer ressourcenorientierten Darstellung geprägt sein und es sollten
positive, regionale Beispiele hervorgehoben werden.
• Ziel dieser Aufklärungsarbeit sollte zum einen sein, die Hemmschwellen potentieller
Ehrenamtler und zum anderen die potentieller Nutzer abzubauen, damit bereits be-
stehende Angebote genutzt werden.
- Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige im Mehrgenerationenhaus Lübz
- Selbsthilfegruppe im Pflegestützpunkt Parchim
• Einheitlich ergab sich, dass Vernetzung und Austausch aller beteiligten Akteure not-
wendig sind.
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44INSTITUT FÜR
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• Punktuelle Nutzung und angemessene Wertschätzung von Ehrenamtlern ist für deren
langfristige Bereitschaft notwendig.
Nutzung ehrenamtlicher Angebote
Bestehende ehrenamtliche Einrichtungen sehen sich oftmals dem Problem gegenüber, dass
auf Grund von Scham- und Angstgefühlen bestehende Angebote von potentiellen Nutzern
nicht in Anspruch genommen werden. Des Weiteren besteht oftmals eine Hemmschwelle
„fremden“ Personen Einblick in den eigenen Haushalt zu gewähren. Zudem besteht auf
Grund von Unklarheiten der Beratungszuständigkeit oftmals ein Informationsdefizit über be-
stehende Angebote und Zuständigkeiten. Es besteht eine besonders hohe Nachfrage nach
Begleitdiensten (Einkaufen, Arztbesuche etc.). In besonders ländlichen Regionen stellt hier-
bei die Erreichbarkeit potentieller Nutzer eine Herausforderung dar, da die ehrenamtlichen
Angebote hierbei mit Fahrdiensten und Fahrtkosten verbunden sind. Die Fragen nach der
Übernahme der Fahrtkosten und nach der eventuellen Nutzung von Privatautos der
Ehrenamtler sind dabei von besonderer Relevanz.
Zukünftige Handlungsorientierungen
• Um Hemmschwellen abzubauen sollte der persönliche Kontakt zu betroffenen Perso-
nen/ Angehörigen gesucht werden und Erstgespräche ggf. aufsuchend geführt wer-
den.
Herausforderungen professioneller Angebote der Unterstützung
Besonders bei der Versorgung demenziell erkrankter Menschen stellt die Suche nach geeig-
neten Fachkräften eine Herausforderung dar. Eine oftmals unzureichende Vorbereitung auf
die Arbeit mit demenziell erkrankten Personen innerhalb der pflegerischen Ausbildungen, die
typspezifischen Unterschiede in der Fähigkeit mit demenziell erkrankten Menschen arbeiten
zu können, die hohen Arbeitsanforderungen, wie auch die geringe Pflegezeit pro Patient und
die allgemeinen Arbeitszeiten, stellen, im Verhältnis zum durchschnittlichen Entgelt, ein
Problem bei der Suche nach geeigneten Fachkräften dar.
Allgemeine Herausforderungen
Regional ansässige Mediziner sind häufig nicht für eine Zusammenarbeit zu motivieren. Die
Problematik liegt unter anderem darin, dass die geriatrische und gerontopsychiatrische Me-
dizin von den allgemeinen Hausärzten nicht mehr abgedeckt werden könne. Probleme ent-
stehen häufig nicht auf Grund der Quantität der Angebote, sondern auf Grund unzureichen-
der Vernetzung und Vermittlung innerhalb der Versorgungslandschaft.
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Zukünftige Handlungsorientierungen
• Informationsdefizite müssen aufgebessert und eine stärkere Vernetzung aller Akteure
angestrebt werden.
- Bsp.: Pflegestützpunkt in Parchim und Ludwigslust als Informationsdienst
- Bsp.: Projekt VERAH Care: Rund 120 Hausärzte beschäftigen Arzthelfer/-innen
mit Zusatzqualifikation, die aufsuchend ambulante medizinische und nicht-
medizinische Leistungen anbieten und eine Schnittstelle zu den Hausärzten dar-
stellen (Liste im Anhang)
- Bsp.: Mobile spezialisierte ambulante Palliativversorgung in Ludwigslust-Parchim
(SAPV)
Fazit
Ehrenamtliches Engagement ist für die derzeitige und zukünftige Versorgungslandschaft
unabdingbar. Viele Probleme liegen nicht in der Quantität der Versorgungsangebote begrün-
det, sondern könnten durch eine stärkere Vernetzung und Kooperation aller Akteure besser
bearbeitet werden. Die Versorgungslandschaft sollte nicht durch Konkurrenz unter den ver-
schiedenen Akteuren, sondern durch fachlichen Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit
geprägt sein. Die gesellschaftliche Aufklärung in Bezug auf das Thema Demenz ist notwen-
dig, um eine frühzeitige und angemessene Versorgung zu gewährleisten.
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46INSTITUT FÜR
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Arbeitsgruppe 2 zum Thema: Kurzzeitpflege - Bedarf, Konzept und wirtschaftliche
Tragfähigkeit eines eigenständigen Kurzzeitpflegeangebots
In der AG 2 wurde das Thema „Kurzzeitpflege: Bedarf, Konzept und wirtschaftliche Tragfä-
higkeit eines eigenständigen Kurzzeitpflegeangebots“ vertiefend behandelt. Das Ziel der
Kurzzeitpflege ist es, die Sicherstellung der Pflege von Pflegebedürftigen in Privathaushalten
und die Rückkehr in den Privathaushalt nach Krankenhausaufenthalt zu ermöglichen. Sie ist
ein Angebot für Pflegebedürftige, deren pflegende Angehörige wegen Krankheit, Urlaub oder
aus anderen Gründen verhindert sind, sowie für die Nachsorge nach einem Krankenhaus-
aufenthalt. Das Angebot an Kurzzeitpflege-Plätzen ist im Landkreis Ludwigslust-Parchim
sehr gering.
Erfahrungen mit der Kurzzeitpflege-Versorgung
Zu Beginn wurden Erfahrungen mit der Kurzzeitpflege-Versorgung im Landkreis Ludwigslust-
Parchim ausgetauscht. Spezifische Probleme der Kurzzeitpflege liegen aus Sicht der Träger
in der Auslastung, die saisonabhängig (Urlaubszeiten) und wegen der Leerstände zwischen
den Nutzungsphasen schlechter kalkulierbar ist. Ein weiteres Problem stellt die verlässliche
Planbarkeit dar: Ein Angehöriger berichtete, dass ein lange vereinbarter Platz kurzfristig ab-
gesagt worden sei und somit der geplante Urlaub nicht möglich war. Auch für die Träger
stellt die Planbarkeit ein Problem dar, wenn ein reservierter Platz aus gesundheitlichen
Gründen nicht in Anspruch genommen wird.
Empirische Daten
Aus einer Untersuchung des ISG aus dem Jahr 2009 lassen sich Hinweise auf Bedarf und
Probleme der Kurzzeitpflege entnehmen, die der Arbeitsgruppe vorgestellt wurden:
Inanspruchnahme
Die Kurzzeitpflege ist ein Angebot für Pflegebedürftige, deren pflegende Angehörige wegen
Krankheit, Urlaub oder aus anderen Gründen verhindert sind, sowie für die Nachsorge nach
einem Krankenhausaufenthalt. In der Diskussion wurde unter anderem die Frage gestellt, ob
während eines Urlaubs der Angehörigen nicht nur die Verhinderungspflege nach § 39 SGB
XI in Anspruch genommen werden könne. Demgegenüber wurde klargestellt, dass es eine
solche Einschränkung nicht gibt (dies wurde auch seitens der Pflegekasse bestätigt). Die
vom ISG durchgeführte Befragung von Kurzzeitpflege-Einrichtungen in NRW ergab folgende
Anlässe, aus denen eine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wurde:
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