KÖLNER ZOOs NR. 4/2012 55. JAHRGANG
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Liebe Freunde des Kölner Zoos!
Was für ein Jahr liegt nun schon fast hinter uns?! Viele
Höhen, aber eben leider auch Tiefen, haben 2012 für den
Kölner Zoo geprägt – vieles ist Ihnen sicherlich bekannt.
Überschattet wurde 2012 durch den tragischen Arbeits-
unfall von Frau R. Kahn mit dem ich mich im Jahresbericht
beschäftigen werde. Unsere Gedanken sind bei ihr und
ihren Angehörigen.
Die Besucherzahlen sind 2012, wie in vielen anderen Zoo-
logischen Gärten auch, leider rückläufig gegenüber dem
Vorjahr. Dies liegt bei uns sicher vor allem daran, dass 2011
das beste Jahr unserer Geschichte war und in diesem Jahr
vor allem die Wochenenden durch schlechtes Wetter geprägt
waren – denken Sie nur an die Osterferien.
Aber es gibt eben auch viel Erfreuliches zu berichten. Mit- Der andere Artikel aus der Feder von Dr. Florian Brandes
te des Jahres konnten wir unsere neue Anlage für Große und Florian Melles beschreibt die Bemühungen zur Wieder-
Ameisenbären (Myrmecophaga tridactyla) eröffnen. Mitt- ansiedlung der Moorente am Steinhuder Meer. Dieses Pro-
lerweile haben wir ein Paar der Großen Ameisenbären. jekt wird auch durch den Kölner mit unterstützt. Nicht nur,
„Guapa“, das Weibchen, stammt aus dem Zoo Dortmund dass wir Nachzuchten zur Verfügung gestellt haben, nein –
und „Yavi“, das Männchen, aus dem Zoo in Amsterdam unser Kurator B. Marcordes, der Vorsitzender der Taxon
(Niederlande). Es sind überaus skurrile Tiere, die anmuten, Advisory Group für Wasservögel des europäischen Zoo-
als ob sie von einem anderen Stern kommen. verbandes (EAZA) ist, stand auch beratend zur Seite.
Unser diesjähriger Elefantennachwuchs „Bindi“ (Elephas Liebe Mitglieder des Fördervereins, liebe Freunde und
maximus) wird von seiner Mutter „Shu Thu Zar“ und den Gönner des Kölner Zoos, liebe Natur- und Tierfreunde, ich
Tanten hervorragend betreut. Vater ist, der Name lässt es möchte mich bei Ihnen ganz herzlich für Ihre Unterstüt-
erahnen, unser Elefantenbulle „Bindu“. zung im zurückliegenden Jahr bedanken. Die vielen positi-
ven, aufbauenden und herzlichen E-Mails, Briefe und
Besonders erfreulich ist und macht uns stolz: unser erster Anrufe haben uns in der schweren Zeit, die wir in diesem
Nachwuchs bei den Bambuslemuren (Prolemur simus). Jahr durchmachen mussten, getröstet und uns Mut gemacht.
Diese Primatenart, genauer gesagt Halbaffenart, gehört zu
den seltensten Arten weltweit. Für alle Unterstützung, Ihr Interesse an unserem Zoo und
unserer Arbeit gilt Ihnen mein Dank im Namen aller Mit-
Bemerkenswert ist ebenso, dass „Kavango“, unser Nach- arbeiterinnen und Mitarbeiter im Kölner Zoo.
wuchsbulle bei den Flusspferden (Hippopotamus amphibius)
nach 10 Jahren endlich eine neue Heimat gefunden hat. Von Herzen wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes,
Er gründet jetzt in einem Zoo in Nordspanien eine neue besinnliches Weihnachtsfest und vor allen Dingen alles
Familie. Gute für das kommende Jahr.
Die „Weihnachtsausgabe“ unserer Zeitschrift enthält zwei Herzlichst, Ihr
Artikel, die sich beide mit europäischen Tierarten beschäf-
tigen. Zum Einen schreibt Dr. Lutz Dalbeck über die Rück-
kehr der Biber. Sicher wissen nicht viele Menschen, dass es
unmittelbar vor der Haustür Kölns diese arbeitssamen
Gesellen zu sehen gibt. Ausführlich berichtet er über eine
wahre Erfolgsgeschichte im Artenschutz – es geht eben doch, Theo Pagel, Zoodirektor
wenn alle mitziehen.
153ZEITSCHRIFT DES
NR. 4/2012
55. JAHRGANG Inhalt
KÖLNER
ZOOs
Wiederansiedlung der Moorente am Steinhuder Meer –
ein Beitrag zoologischer Einrichtungen zum
Artenschutz in Deutschland
Florian Brandes und Florian Melles 155
Die Rückkehr der Biber –
eine Erfolgsgeschichte des Artenschutzes
Lutz Dalbeck 167
Titelbild: Letzte Umschlagseite:
Bambuslemuren (Prolemur simus) gehören zu den seltensten Lemuren- Mutter „Kaya“ ist zwölf Jahre alt und kam 2006 aus Paris zu uns
arten auf Madagaskar. Sie gelten als vom Aussterben bedroht. Daher nach Köln. Sie kümmert sich fürsorglich um ihren Nachwuchs.
sind wir ganz besonders stolz auf den ersten Nachwuchs: „Izy“ ist Ihren Partner „Woody“, den Vater von „Izy“, hielt sie zunächst auf
ein weibliches Jungtier und wurde am 25.6.2012 geboren. Abstand. Jetzt ist die Familie aber vereint.
Greater bamboo lemurs (Prolemur simus) are one of the rarest lemur Mother “Kaya” is twelve years old and arrived in Cologne in 2006
species in Madagascar. They are listed as critically endangered. Thus from Paris. She cares meticulously for her offspring. She kept her
we are especially proud of our first offspring: “Izy” is a female partner “Woody”, the father of “Izy”, initially at a distance. The
youngster and was born on 25.6.2012. family is now, however, finally together. (Fotos: R. Schlosser)
Vorträge im Kölner Zoo
Dienstag, 8. Januar 2013 „Sri Lanka, zum Baden viel zu schade –
19.30 Uhr Auf der Suche nach Reptilien, Amphibien und Spinnentieren“
Peter Klaas, Leiter des Insektariums des Kölner Zoos
Dienstag, 19. Februar 2013 „Verhalten und Raumorientierung des Rotwildes –
19.30 Uhr Ansprüche an den Lebensraumverbund“
Dr. Michael Petrak, Leiter der Forschungsstelle für Jagdkunde und
Wildschadensverhütung im Landesbetrieb Wald und Holz NRW
(ergänzt mit Fotos zum Verhalten des Rotwildes in der Wahner Heide
von Jörg Pape, NABU Köln)
Dienstag, 12. März 2013 „Im Reich des Schneeleoparden –
19.30 Uhr Auf den Spuren der Raubkatze durch Nordindien“
Thomas Bauer, Reisebuchautor aus München
Die Vorträge finden in den Räumen der Zoogastronomie statt. Der Zugang erfolgt
über den Alten Stammheimer Weg (gegenüber dem Eingang zur Flora).
Veranstaltungen im Kölner Zoo
14. Februar 2013 Tour d’Amour
Wer am Valentinstag seine Liebe nicht nur durch die Blume kundtun möchte,
für den ist unsere Tour d’Amour genau das Richtige! Die beliebte Abendführung
zum Liebesverhalten der Tiere startet um 17 Uhr mit anschließendem Cocktail
im Aquarium. Eine Anmeldung ist erforderlich (Zoobegleiter, Tel.: 0221/77 85 121).
24. März 2013 Elefantentag
An diesem Tag dreht sich wieder alles um unsere Kölner Elefantenherde mit
vielen Aktionen und Informationen rund um den Elefantenpark.
154Abb. 1: Eine Gruppe Moorenten (Aythya nyroca). Die Erpel sind anhand der weißen Iris und der intensiver kastanienbraunen Kopf-
färbung von den Weibchen zu unterscheiden.
A flock of ferruginous ducks (Aythya nyroca). The male can be distinguished by its white iris and the intensive chestnut brown head
from the female. (Foto: F. Brandes)
Wiederansiedlung der Moorente am Steinhuder Meer –
ein Beitrag zoologischer Einrichtungen zum
Artenschutz in Deutschland
Florian Brandes und Florian Melles
Gehalten wird sie in vielen zoolo- Niedersachsen stammt der letzte Biologie und Gründe für den Rück-
gischen Einrichtungen, doch meist Brutnachweis aus dem Jahr 1986 gang
führt sie ein wenig beachtetes Leben (KRÜGER & OLTMANNS, 2007).
zwischen größeren und bunteren Nur am Bodensee und im Nordosten Die Moorente gehört zu den Tauchen-
Entenvögeln und dient lediglich der Deutschlands gibt es noch wenige ten (Aythyini) und ist ein Allesfresser
Vervollständigung der Kollektion Brutpaare (SCHNEIDER-JACOBY, mit einem hohen Nahrungsanteil an
heimischer Entenarten. Die Rede ist 2003). Grund genug für das Nieder- submerser Vegetation (Unterwasser-
von der Moorente (Aythya nyroca). sächsische Umweltministerium die pflanzen). Deswegen bevorzugt sie
Dabei hat diese mit schlichter Ele- Moorente in das Programm „Arche flache, stille Gewässer mit reicher
ganz überzeugende Entenart durch- Niedersachsen“ aufzunehmen, in Unterwasservegetation, die gründelnd
aus Beachtung verdient, denn wäh- dessen Rahmen verschiedene Arten oder tauchend aufgenommen werden
rend sie in Südosteuropa und gezielt unterstützt oder wiederange- kann (MELLES, 2010). Solche natur-
Zentralasien noch häufiger vor- siedelt werden sollen. Dazu tragen, nahen Gewässer mit breiter, ungestör-
kommt, wird sie in der Roten Liste wie im Fall der Moorente, auch ex ter Uferzone und weiten Schilfgürteln,
der Brutvögel Deutschlands in Kate- situ-Maßnahmen wie die Zucht in in denen die Moorente im Mai und
gorie 1 „vom Aussterben bedroht“ zoologischen Einrichtungen für An- Juni brüten kann, gibt es aber in
geführt (HAUPT et. al., 2009). In siedlungszwecke bei. Deutschland immer seltener. Auch
Zeitschrift des Kölner Zoos · Heft 4 / 2012 · 55. Jahrgang 155Abb. 2: Auswilderungsgebiete im Bereich der Naturschutzgebiete Meerbruchswiesen / Meerbruch (westliche Verlandungsbereiche des
Steinhuder Meeres, blau eingezeichnet) sowie am Ostufer (Naturschutzgebiet Ostufer Steinhuder Meer, rot eingezeichnet). Dabei die-
nen kleine, geschützte Buchten des Meeres, Schilfzonen im Bereich des Meerbaches sowie ruhige Blänken in den Meerbruchswiesen als
Auswilderungsorte.
Releasing sites in the protected nature reserves “Meerbruchswiesen / Meerbruch” at the Lake Steinhuder Meer (marked blue) and nature
reserve “Ostufer Steinhuder Meer” (marked red). (Bild: Google Earth)
Ersatzlebensräume wie extensiv ge- (ROBINSON & HUGHES, 2003). ein. Der Rückzug in die Brutgebiete
nutzte Teichanlagen, wie es sie früher Die ersten Moorenten treffen Ende beginnt im Februar. In vielen an der
im Osten Deutschlands häufiger gab, Oktober in den Überwinterungsgebieten Zugroute gelegenen Ländern werden
sind rar geworden. Dies hat zu einem
starken Rückgang der Moorente in
Deutschland geführt.
Die Moorente ist ein Zugvogel, was
weitere Gefahren für die Art mit sich
bringt. Der Großteil der in Europa
brütenden Population zieht ab Ende
September
p über den Balkan und ent-
lang der Adria in die Überwinterungs-
gebiete Afrikas. Die westliche Zug-
route über Gibraltar und eine weiter
östlich gelegene über Griechenland,
die Türkei und den Nahen Osten wer-
den scheinbar nur von wenigen
g Moor-
enten genutzt.
g Über die ggenaue Aus-
dehnung der Überwinterungsgebiete
der Moorente ist wenig bekannt. Man
vermutet die Hauptüberwinterungs-
gebiete europäischer Moorenten heute
entlang des Niger, in den Feucht-
gebieten Malis, im Tschad sowie Abb. 3: Moorentenvoliere in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen.
in den küstennahen Feuchtgebieten Aviary for ferruginous ducks in the Wildlife Rescue and Conservation Centre
Ägyptens und Israels sowie im Sudan Sachsenhagen. (Foto: F. Brandes)
156erfahrene, mit dem Projektgebiet ver-
traute Biologen vor Ort sind. Dies ge-
währleistet eine professionelle Betreu-
ung des Projektes und wissenschaftliche
Auswertung der Ergebnisse. Auch die
Nähe der Wildtierstation zur ÖSSM
und zum Projektgebiet erleichtert eine
flexible Zusammenarbeit der Projekt-
partner.
Herkunft der Tiere
Da die Möglichkeit, Moorenten aus
stabilen Populationen der Natur zu
entnehmen, nicht gegeben ist, wurde
die Wildtier- und Artenschutzstation
in Sachsenhagen (WASS) frühzeitig an
den Planungen des Projektes beteiligt.
Die Mitarbeiter der WASS verfügen
über umfangreiche Erfahrung in der
Aufzucht und Auswilderung von
Abb. 4: Eine weibliche Moorente, die ihre acht Küken in der Voliere sorgsam behütet. Entenvögeln. Zahlreiche Wiederfund-
A female ferruginous duck guarding its eight chicks in the aviary. (Foto: F. Brandes) meldungen durch die Vogelwarte
Helgoland dokumentieren den Ver-
bleib der mehr als 900 in den letzten
Zugvögel auch heute noch intensiv be- letzte Brutnachweis stammt aus dem 10 Jahren durch die Auffangstation
jagt. Dadurch kommt es, wie bei ande- Jahr 1980. In den letzten Jahrzehnten ausgewilderten Entenvögel.
ren Arten, vermutlich auch bei Moor- wurden hier umfangreiche Renaturie-
enten zu hohen Verlusten. rungsmaßnahmen durchgeführt und Im Rahmen dieses Projektes hat die
besonders im Naturschutzgebiet Wildtierstation die Koordination der
Bereits im Jahr 2010 begannen, auf „Meerbruchswiesen“ viele naturnahe Beschaffung einer ausreichenden
Initiative des Niedersächsischen Um- Stillgewässer geschaffen, so dass die Anzahl an Moorenten aus Haltung
weltministeriums, die Vorplanungen Moorente heute dort wieder geeignete und Zucht für die Wiederansiedlung
für die Wiederansiedlung der Moor- Lebensräume finden kann. Neben die- übernommen. Mit Unterstützung des
ente am Steinhuder Meer und sowohl sen Voraussetzungen
g besteht hier der Niedersächsischen Umweltministe-
durch den NABU Niedersachsen als räumliche Vorteil, dass mit der Ökolo- riums wurde in der WASS eine 250 m²
auch durch die Ökologische Schutz- gischen Schutzstation Steinhuder Meer große Voliere mit zwei Teichen gebaut,
station Steinhuder Meer (ÖSSM), die
heute auch gemeinsam als Projekt-
träger fungieren, wurden Machbar-
keitsstudien erstellt (BRANDT, 2011;
MELLES, 2010). Hierin wurden geeig-
nete Ansiedlungsgebiete, mögliche
Herkunft der Enten, Auswilderungs-
methoden und Risiken diskutiert. Das
Ergebnis dieser Studien zeigte, dass ein
Ansiedlungsversuch zwar mit Risiken
behaftet ist, unter Einhaltung der
IUCN-Richtlinien für Wiedereinbür-
gerungen aber sinnvoll erscheint, um
dieser bei uns hoch bedrohten Art neu-
en Lebensraum in ihrem ehemaligen
Verbreitungsgebiet zu erschließen, den
sie eigenständig in absehbarer Zeit
nicht erreichen würde.
Das Projektgebiet
Als Wiederansiedlungsgebiet wurden
die Naturschutzgebiete rund um Abb. 5: Die Zoobesucher können sich anhand einer eigens erstellten Tafel über das Projekt
das Steinhuder Meer ausgewählt. Seit informieren.
rund 30 Jahren ist die Moorente aus Zoo visitors are educated about the project via a specifically developed educational panel.
diesem Gebiet verschwunden. Der (Foto: F. Brandes)
157Abb. 6: Soft Releasing: Eine Gruppe Moorenten gewöhnt sich in Abb. 7: Hard Releasing: Diese Moorenten werden aus ihren Trans-
der Auswilderungsvoliere an die neue Umgebung. portboxen heraus in der Ufervegetation freigelassen.
Soft Releasing: A flock of ferruginous ducks is acclimatising to the Hard Releasing: This ferruginous ducks are released from their
new environment in the releasing aviary. (Foto: F. Brandes) transport box in the edge vegetation. (Foto: F. Brandes)
in der bis zu 50 Moorenten unterge- Auch die Wildtierstation selbst hält seit Verwendung, da eine Naturbrut in gro-
bracht werden können. Verschiedene dem Jahr 2012 fünf Zuchtpaare und ßen, oben offenen Anlagen in vielen
Zoos, Vogel- und Wildparke in bereits die erste Zuchtsaison verlief zoologischen Einrichtungen nicht
Deutschland konnten für das Projekt sehr erfolgreich. Drei Entenmütter möglich ist. Prädatoren wie Rabenvö-
gewonnen werden. Darunter auch der haben in der großzügigen Voliere ge- gel oder Marder fressen hier die Eier
Kölner Zoo, der seine Erfahrung in der brütet und 22 Entenküken aufgezogen. oder Jungvögel, so dass es zu hohen
Haltung und Zucht von Entenvögeln Solche in Naturbrut aufgewachsenen Verlusten kommt.
bereits bei der Planung der Mooren- Jungenten werden für die Ansiedlung
tenhaltung in der WASS mit einge- bevorzugt, denn sie haben in ihrem Insgesamt haben bereits 115 Moor-
bracht hat. Verhalten möglicherweise Vorteile enten die Wildtierstation im Rahmen
gegenüber handaufgezogenen Enten, des Projektes durchlaufen. 68 davon
Die Zoos stellen dem Projekt kostenlos weil sie eine natürliche Prägung und konnten 2012 ausgewildert werden.
Nachzuchten von Moorenten zur Ver- Lernphase in ihrer Jugendentwicklung Die übrigen Vögel werden zur Zucht in
fügung, die von den Mitarbeitern der durchlaufen haben. Aber auch künst- der Wildtierstation gehalten oder hier
WASS abgeholt und bis zur Auswilde- lich erbrütete und in arteigenen Grup- überwintert, um im Frühjahr 2013
rung dort untergebracht werden. pen aufgezogene Moorenten finden paarweise ausgewildert zu werden.
Eingang Auswilderung
Herkunft
Anzahl Datum Anzahl Datum
8 10.09.2011 Zoologischer Garten Köln AG 5 18.04.2012
6 30.09.2011 Tierpark Suhl – –
6 23.10.2011 Vogelpark Marlow 3 18.04.2012
29 06.07.2012 Tierpark Cottbus 29 06.07.2012
8 10.06.2012 eigene Nachzucht 8 30.07.2012
6 21.06.2012 eigene Nachzucht 6 22.08.2012
8 01.07.2012 eigene Nachzucht 8 22.08.2021
3 13.08.2012 Zoo Hannover – –
11 18.08.2012 Zoologischer Garten Köln AG 9 22.08.2012
18 23.09.2012 Tierpark Suhl – –
12 02.10.2012 Vogelpark Marlow – –
Gesamt: 115 Gesamt: 68
Tab. 1: Moorenten, die im Jahr 2012 durch zoologische Einrichtungen zur Verfügung gestellt wurden
158Die teilnehmenden Institutionen
erhalten eine eigens erstellte Informa-
tionstafel, die Besucher über das
Projekt informiert und auf den Beitrag
der Zoos zum Artenschutz hinweist.
So erhält die Haltung der oft unterre-
präsentierten Moorente eine neue
Bedeutung, indem die zoologischen
Einrichtungen auf ihre Bedrohung
aufmerksam machen und durch die
Zucht einen direkten Beitrag zum
Artenschutz leisten.
Genetische Gesichtspunkte
Die genetische Variabilität innerhalb
der gesamten Population der Moorente
ist nach heutigem Kenntnisstand
äußerst gering. Die Art ist mono-
typisch (BAUER & GLUTZ VON Abb. 8: Fotofalle im Schilfgürtel zur Überwachung der Moorenten.
BLOTZHEIM, 1979), so dass ein Camera trap in the reed belt for the observation of ferruginous ducks. (Foto: F. Brandes)
eventueller Unterartstatus nicht be-
rücksichtigt werden muss.
sequenziert und mit den Sequenzen Unter dem aus dem englischen über-
Ein anderes Risiko bestand darin, dass anderer Tauchentenarten verglichen. nommenen Begriff Soft Releasing ver-
Moorenten seit Generationen in Mittels der Genanalyse konnte eine steht man ein schonendes Auswilde-
Menschenobhut gepflegt und oft mit Hybridisierung ausgeschlossen wer- rungsverfahren, das dem Tier die
anderen Entenarten vergesellschaftet den. Möglichkeit gibt, sich schrittweise an
werden, was die Gefahr einer Hybridi- das Leben in freier Natur zu gewöh-
sierung mit nahe verwandten Enten- Auswilderungsmethoden nen. In einem Gehege direkt im Aus-
arten mit sich bringt. Um diese auszu- wilderungsgebiet werden die Tiere
schließen, wurde eine genetische Die Methode der Auswilderung, die eine Zeit lang gehalten und können
Untersuchung durch das Institut für bei einem solchen Projekt zur Anwen- sich mit der Umgebung g g vertraut
Pharmazie und Molekulare Biotechno- dungg kommt, kann entscheidend für machen. Nach dem Öffnen des Gehe-
logie der Universität Heidelberg das Überleben der Tiere und damit für ges wird weiterhin Nahrung angebo-
durchgeführt. 66 Blutproben von das ganze Projekt sein. Grundsätzlich ten. Dies wird von vielen Arten gerne
Moorenten aus den teilnehmenden unterscheidet man bei der Freilassung angenommen und die Tiere sind nicht
zoologischen Einrichtungen kamen von Wildtieren aus menschlicher Ob- sofort auf sich allein gestellt, was ihnen
zur Untersuchung. Zwei mitochondriale hut zwischen Soft Releasing und mehr Zeit verschafft selbstständig zu
Markergene wurden mittels PCR Hard Releasing. werden. Grundsätzlich ist diese Aus-
wilderungsmethode für viele verschie-
dene Vogel- und Säugerarten anwend-
bar. Im Gegensatz dazu werden Tiere
beim Hard Releasing nach dem Trans-
port in das Auswilderungsgebiet
direkt aus der Transportbox in die
Wildbahn entlassen.
Bei der Auswahl der geeigneten
Methode spielen die örtlichen Gegeben-
heiten, das Alter und die individuellen
Erfahrungen der Tiere, die Jahreszeit,
das Wetter, Prädatoren und andere
Faktoren eine Rolle.
In diesem Projekt wurden von Anfang
an verschiedene Methoden in Betracht
gezogen. So wurden im Projektgebiet
zwei Auswilderungsgehege zum
Soft Releasing in der Uferzone von
Abb. 9: Am 13.07.2012, wenige Tage nach der Auswilderung, von der Fotofalle aufgenom- Teichen so aufgestellt, dass sie schräg,
menes Bild. Im Hintergrund ist die geöffnete Auswilderungsvoliere zu erkennen. etwa zur Hälfte im Wasser stehen. Die
13.07.2012: Picture made by a camera trap a few days after releasing. In the background zum Wasser hin gerichtete Volieren-
the open releasing aviary. (Foto: ÖSSM) wand lässt sich über einen Seilzug
159Abb. 10: Blick aus der Auswilderungsvoliere. Im Juli 2012 wurden führende Entenmütter mit Jungenten kurz vor dem flügge werden
ausgewildert.
View from inside the releasing aviary. In July 2012 females with chicks were released short time before these become fully-fledged.
(Foto: F. Brandes)
hochfahren, so dass die Enten die lokale Wiederansiedlung der Moor- Wildtierstation werden die Enten mit
Voliere nach dem Öffnen zum Wasser ente zum Ziel hatten (MELLES, 2010). Ringen der Vogelwarte Helgoland
hin verlassen können. Über den zum Informationen über die Durchführung markiert, wodurch sich die Projektver-
Land hin gerichteten Zugang der und über Erfolge bzw. Misserfolge antwortlichen vor allem Informationen
Voliere können die Enten weiter mit dieser Projekte sind aber spärlich. über das Migrations- und Zugverhal-
Futter versorgt werden. Der Zugang ten der Tiere erhoffen.
ist für Prädatoren wie den Fuchs Bei dem Wiederansiedlungsversuch
erschwert, da sie nur durch das Wasser am Steinhuder Meer handelt es sich Weitere Möglichkeiten der Markierung
in das Innere der Voliere gelangen kön- sicherlich um den bisher größten dieser wie Schnabelmarken, die durch Spek-
nen, wenn sie offen ist. Aber auch das Art. Zuständig für die Maßnahmen in tive abzulesen sind, oder eine Besende-
Hard Releasing soll in diesem Projekt den Naturschutzgebieten um das rung der Enten wurden diskutiert,
angewendet werden, damit die Erfah- Steinhuder Meer und die Beobachtung erschienen aber vor allem aus Tier-
rungen beider Methoden miteinander der Enten nach der Auswilderung ist schutzgründen fragwürdig und als zu
verglichen werden können. der beim NABU Niedersachsen ange- riskant für die Tiere. Ob eine Markie-
stellte Biologe Florian Melles (Koautor rung mit Farbringen sinnvoll ist, soll
Monitoring und Erfolgsaussichten dieses Beitrags)
g und die Mitarbeiter in der Zukunft getestet werden. Da
der Ökologischen Schutzstation Stein- Tauchenten aber oft auf dem Wasser
Um überhaupt Aussagen über Erfolg huder Meer. anzutreffen sind und auch an Land sol-
oder Misserfolg eines solchen Projek- che Ringe aufgrund der kurzen Beine
tes machen zu können, ist es natürlich Neben der systematischen direkten schwer zu erkennen sind, scheint auch
notwendig, im Rahmen eines Monito- Beobachtung im Auswilderungsgebiet diese Möglichkeit nicht besonders
rings Daten über das Verhalten der kommen dabei auch Fotofallen zur erfolgversprechend zu sein.
Tiere nach der Auswilderung zu sam- Anwendung, die in unmittelbarer
meln und dies zu dokumentieren. Es Nähe der Auswilderungsvolieren Natürlich gibt es hinsichtlich des An-
sind zwar bereits in der Vergangenheit postiert sind und die ungestörte Beob- siedlungserfolges einige Risikofakto-
in verschiedenen Ländern Europas achtung der Enten rund um die Uhr ren, deren Auswirkungen sich erst in
Projekte durchgeführt worden, die die ermöglichen. Von Mitarbeitern der den nächsten Jahren erkennen lassen:
160Der Jagd auf die Moorente sollte in Reste von zwei wahrscheinlich vom Abschließend muss gesagt werden,
Niedersachsen keine Bedeutung mehr Fuchs gerissenen Jungenten gefunden. dass ein Wiederansiedlungsprojekt wie
zukommen, da sie bundesweit verbo- dieses nur ein Baustein zum Erhalt
ten ist. Allerdings sind Fehlabschüsse Weitere 31 Moorenten wurden im Au- einer Tierart sein kann. Langfristiger
möglich. Um solche zu vermeiden gust bereits flügge im Hard Releasing Erfolg ist nur möglich, wenn der
wurde auch die Jägerschaft frühzeitig in Gruppen auf geeignete Gewässer geeignete Lebensraum für die Zielart
über das Projekt informiert. Ein verteilt, an denen keine Auswilde- vorhanden ist bzw. wiederhergestellt
größeres Problem ist die Jagd auf dem rungsvolieren stehen. Vorteilhaft wurde, wie es hier durch die jahrzehn-
Zug in das Winterquartier. Die Haupt- scheint hierbei, dass sich Prädatoren telange Naturschutzarbeit im Projekt-
zugroute führt, wie oben bereits nicht schon von vornherein auf das gebiet geschehen ist. Um eine stabile
erwähnt, entlang der östlichen Adria- Vorhandensein leichter Beute einstel- und tragfähige Populationsgröße in
küste durch Länder, in denen Zugvögel len können. Niedersachsen zu erreichen, müssen
zum Teil noch intensiv bejagt werden. auch über das jetzige Projektgebiet
Dass es grundsätzlich besonders kurz hinaus Lebensräume erhalten oder ge-
Hier spielt natürlich die Frage, ob die nach der Auswilderung zu Verlusten schaffen werden, auf die eine mobile
seit Generationen in Menschenhand durch Prädatoren kommt, ist normal Art wie die Moorente je nach Jahreszeit
gehaltenen Vögel ein natürliches Zug- und muss einkalkuliert werden, da und Nahrungsgrundlage ausweichen
verhalten zeigen und wohin sie ziehen, den Enten noch die notwendige Erfah- kann. Eine große Rolle speziell bei die-
bzw. ob sie den Weg zurück in das rung zur Feindvermeidung fehlt. So ser Art wird die Frage spielen, wie sich
Ansiedlungsgebiet finden, eine große konnten Moorenten in den ersten das Zugverhalten der Enten nach der
Rolle. Dies herauszufinden, bleibt die Tagen nach der Auswilderung auch Haltung in Menschenobhut über meh-
spannendste Frage, die es im Laufe relativ offen auf der Wasserfläche der rere Generationen darstellt. Werden
dieses Projektes zu beantworten gilt. Teiche beobachtet werden. Dieses Ver- einige der Tiere im Frühjahr wieder in
halten änderte sich bald und die Enten das Projektgebiet zurückkehren oder
Neben der Bejagung durch den Men- waren dann nur noch schwer in der bleiben sie im Winter gar dort? Davon
schen spielen tierische Prädatoren Deckung der Ufervegetation auszu- hängt eine mittelfristig erfolgreiche
(Beutegreifer) eine Rolle. Diese können machen. Wiederansiedlung zu großen Teilen
besonders auf kleine und instabile ab und die Projektverantwortlichen
Populationen, um die es sich ja hier Die Umstellung von der Fütterung in hoffen, genug Daten über den Verbleib
handelt, negative Auswirkungen Menschenobhut auf die selbstständige der Enten sammeln zu können.
haben. Auch im Rahmen anderer Nahrungssuche schien hingegen von
Artenschutzprogramme wird, in Beginn an kein Problem zu sein. In den Danksagung
Zusammenarbeit mit der Jägerschaft, Gewässern herrschte eine gute Nah-
im Projektgebiet eine Prädatoren- rungsgrundlage und Enten konnten Unser Dank gilt allen, die an diesem
kontrolle durchgeführt. Diese soll den wiederholt sofort nach der Auswilde- Projekt beteiligt sind oder es in der
Prädatorendruck auf die Naturschutz- rung bei der Nahrungsaufnahme einen oder anderen Form unterstützen,
gebiete reduzieren, der oft dadurch beobachtet werden. für ihre gute Zusammenarbeit und
entsteht, dass einige Arten wie z.B.
Rotfuchs und Steinmarder von
menschlichen Einflüssen auf die um-
liegende Landschaft profitieren und
hohe Populationsdichten erreichen.
Auswilderungen 2012 und erste Be-
obachtungen
Die erste Auswilderung erfolgte
bereits im April 2012. Acht vorjährige
Moorenten wurden im Hard Releasing
freigelassen. Diese konnten noch eini-
ge Zeit in einer geschlossenen Gruppe
auf dem Gewässer beobachtet werden.
Über die Auswilderungsvolieren wur-
den im Juli 2012 insgesamt 29 Moor-
enten ausgewildert (Soft Releasing).
Zwei Gruppen führender Entenmütter
mit Jungenten kurz vor dem flügge-
werden wurden in je einer Voliere ge-
halten. Es hat sich gezeigt, dass die Abb. 11: Ein freudiges Ereignis: Florian Melles, NABU Niedersachsen (im Vordergrund),
Konzentration von Enten in einem und Thomas Brandt, ÖSSM, öffnen über den Seilzug die Auswilderungsvoliere.
Auswilderungsgehege das Risiko birgt A happy moment: Florian Melles, BirdLife Germany / Lower Saxony (in the front) and
Prädatoren anzulocken. In einem Fall Thomas Brandt, Ecological Station Steinhuder Meer opening the releasing aviary.
wurden kurz nach der Auswilderung (Foto: F. Brandes)
161Abb. 12: Zwei ausgewilderte Moorenten auf dem Weg zu ihrem ersten Erkundungsflug. Hoffentlich können Moorenten auch langfristig
wieder am Steinhuder Meer beobachtet werden.
Two released ferruginous ducks on their first flight. Hopefully it will be possible to watch ferruginous ducks at the “Steinhuder Meer”
in long term. (Foto: A. L. Brandes)
Hilfe. Dazu gehören
g die Kollegen
g und Niedersachsen versucht wird. Projekt- of environment of Lower Saxony took
Mitarbeiter der Ökologischen Schutz- träger
g sind der NABU Niedersachsen up the species in the programme “Ark
station Steinhuder Meer, des NABU und die Ökologische Schutzstation Lower Saxony” to try the re-establish-
Niedersachsen und der Wildtier- und Steinhuder Meer. Für das Projekt ment of a population of ferruginous
Artenschutzstation sowie das Nieder- stellen verschiedene zoologische Ein- ducks at the Lake “Steinhuder Meer”.
sächsische Umweltministerium, der richtungen ihre Nachzuchten zur The project is carried out by BirdLife
Niedersächsische Landesbetrieb für Auswilderung zur Verfügung. Die Lower Saxony and the Ecological
Wasserwirtschaft, Küsten- und Natur- Koordination der Zucht und Haltung Station Steinhuder Meer. Various
schutz und die Region Hannover. der nachgezogenen Enten bis zur Aus- zoological institutions provide the
wilderung hat die Wildtier- und project with their offspring for releas-
Natürlich geht unser Dank nicht zu- Artenschutzstation in Sachsenhagen ing. The coordination of breeding and
letzt auch an alle zoologischen Ein- übernommen. Im Jahr 2012 haben die keeping of the ducks until the releas-
richtungen, ohne deren Unterstützung ersten Auswilderungen stattgefunden. ing is carried out by the Wildlife
nicht genug Moorenten für das Projekt Insgesamt 68 Moorenten konnten im Rescue and Conservation Centre
zur Verfügung stehen würden. Projektgebiet freigelassen werden. Es Sachsenhagen. In 2012 the first releas-
wurde sowohl Soft Releasing als auch ing started. Altogether 68 ducks were
Zusammenfassung Hard Releasing angewendet und über released by Soft Releasing and Hard
das durchgeführte Monitoring konn- Releasing. By monitoring through
Die Moorente (Aythya nyroca) wird ten erste Erfahrungen mit den ver- Florian Melles (co-author, BirdLife
in vielen zoologischen Einrichtungen schiedenen Auswilderungsmethoden Lower Saxony) first data about the
gehalten, ohne dass ihr besondere gesammelt werden. behaviour of the ducks after releasing
Aufmerksamkeit zukommt. Dabei could be collected.
ist die Art in Deutschland vom Aus- Summary
sterben bedroht. Deswegen wurde sie Literatur
vom Niedersächsischen Umweltminis- Many zoos keep ferruginous ducks
terium in das Programm „Arche (Aythya nyroca) but unfortunately BAUER, K. M. & U. N. GLUTZ VON
Niedersachsen“ aufgenommen, in des- without special care or attention. BLOTZHEIM, (1979): Handbuch der
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lung der Moorente (Aythya nyroca) am nous Duck: From research to conser- Tel. 05725/708730
Steinhuder Meer – Machbarkeitsstudie, vation, S. 138 – 143. Conservation florian.brandes@wildtierstation.de
Vorprüfung
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j und Ausfüh- Series No° 6, Birdlife International- www.wildtierstation.de
rungsplan. Ökologische Schutzstation BSPB-TWSG,
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research to conservation, S. 114 – 121.
Conservation series No° 6, Birdlife
International- BSPB-TWSG,
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166Abb. 1: Dank umfangreicher Schutzmaßnahmen wieder heimisch: der Biber (Castor fiber).
The European beaver – once again indigenous thanks to comprehensive conservation measures. (Foto: L. Kanzler)
Die Rückkehr der Biber –
eine Erfolgsgeschichte des Artenschutzes
Lutz Dalbeck
Nach seiner fast vollständigen Ausrot- wenigen 100 Jahren die Paläarktis von Andernach am Rhein lebten, diese
tung erobert der Biber fast unbemerkt Schottland bis zum Pazifik, weitere auch jagten, ist unklar. Sicher ist
seine angestammten Gebiete zurück. 60 Millionen die Neue Welt. Europa aber, dass spätere steinzeitliche Jäger
Auch in Nordrhein-Westfalen ist der war flächendeckend vom Biber besie- und Sammler häufig Biber erlegten
Ur-Rheinländer wieder heimisch, was delt; lediglich auf Irland und Island (HINZE, 1950; DANILOV et al.,
alles andere als selbstverständlich ist. gab es keine Biber (ZAHNER et al., 2011). Aus Sicht der steinzeitlichen
Biber haben eine sehr wechselvolle Ge- 2005). Aufgrund vieler Fossilfunde Jäger war er eine ideale Beute, lieferte
schichte hinter sich und bieten heute wissen wir, dass der Biber auch in er doch neben schmackhaftem Fleisch
dem Gewässerschutz ebenso wie dem Rheinland und Eifel über Jahrzehntau- und Fett auch einen der dichtesten
Natur- und Artenschutz in der moder- sende häufig war. So gibt es Überreste Pelze der heimischen Fauna. Aus dem
nen Landschaft ungeahnte Möglich- von Castor fiber,
r so sein wissenschaft- Rheinland sind von Menschen erbeu-
keiten. Dies aber nur, wenn man sich licher Name, aus dem Raum Ander- tete Biber von zahlreichen späteiszeit-
um den Heimkehrer kümmert. nach, die ca. 600.000 Jahre alt sind lichen Fundstellen bekannt, so vom
(KUNOW & WEGNER, 2005). Niederrhein bei Krefeld (BRANDT &
Verfolgt und beinahe ausgerottet RATZEBURG, 1829), von der Erft bei
Prähistorische Hinweise Bedburg oder häufig im Laacher See-
Biber waren einst auf der gesamten gebiet aus der Zeit des Vulkanaus-
Nordhemisphäre verbreitet; geschätzte Ob die Frühmenschen, die vor 600.000 bruchs (Alleröd, 12.000 vor heute,
100 Millionen bevölkerten noch vor Jahren zusammen mit Bibern bei KUNOW & WEGNER, 2005).
Zeitschrift des Kölner Zoos · Heft 4 / 2012 · 55. Jahrgang 167Das Bibergeil –
Wunderheilmittel seit der Antike
Aus Schriften der Antike erfahren wir
einen weiteren Grund für die Jagd auf
den Biber: das Castoreum oder Biber-
geil, ein aus den getrockneten oder ge-
räucherten Castordrüsen gewonnenes
Heilmittel. Die Bezeichnung Bibergeil
geht auf einen Irrtum zurück, denn
lange hielt man die dem Biber zur
Reviermarkierung dienenden Castor-
drüsen für die Hoden. Der griechische
Dichter Aesop (ca. 600 v. Chr.) erzählt
eine Geschichte, nach der sich die Biber
die Geilsäcke abbeißen und dem Jäger
überlassen, um am Leben zu bleiben
(Solinis, ca. 1500, in BREHM, 1900).
Offensichtlich war bereits in dieser
Zeit das Castoreum das Wertvollste
am Biber. Auch Hippokrates von Kos
(ca. 460 – 370 v. Chr.) und Plinius der Abb. 2: Die in der Eifel freigelassenen Biber kamen in den 1980er Jahren aus der Biberfarm
Ältere (23 – 79 n. Chr.) weisen auf die Popielno, Polen.
heilende Wirkung des Castoreums hin The beavers released in the 1980s came from the Popielno beaver farm in Poland.
(BRANDT & RATZEBURG, 1829; (Foto: Z. Gi ż ejewski)
BREHM, 1900).
Mittelalter – Beginn der ungehemm- Kirche erklärte ihn kurzerhand zum der Zeit der Trächtigkeit der Weibchen.
ten Verfolgung... Fisch – Biber leben schließlich im Was- Aber nicht nur Fell, Fleisch und
ser und haben einen fischähnlichen Castordrüsen: Alles an einem Biber
Vom Mittelalter bis in die Neuzeit Schwanz. Sicherheitshalber ließ man konnte verwertet und vermarktet wer-
hinein war der Biber eine hochge- sich diese Einschätzung durch aus- den, meist mit hohem Gewinn. So
schätzte Jagdbeute. Die wertvollen führliche Gutachten von Universitäten erwähnt Conrad GESNER (1581) in
Pelze wurden im Mittelalter aus bestätigen (HINZE, 1950). So konnten seiner „Enzyklopädie der Tiere“ neben
Skandinavien und Deutschland in den Biber auch während der Fastenzeit ge- Rezepten zur Zubereitung des
Mittelmeerraum und sogar bis in den gessen werden (ZAHNER et al., 2005) schmackhaften Fleisches und des
Orient exportiert. Auch als Fleischlie- und wurden in dieser Saison entspre- Schwanzes, den man briet oder als
ferant war er geschätzt. Die Katholische chend intensiv bejagt – ausgerechnet in Suppe (mit viel Ingwer und Pfeffer)
Abb. 4: Biber sind typische Nagetiere und
können dank ihrer kräftigen Zähne selbst
Abb. 3: Wegen seines beschuppten Schwanzes erklärte die Katholische Kirche den Biber meterdicke Bäume fällen.
zum Fisch. Beavers are typical rodents and can fell
Because of its scaly tail the catholic church declared the beaver as a fish so that it could be even metre-thick trees due to their strong
eaten on fasting days. (Foto: A. Schumacher) teeth. (Foto: A. Schumacher)
168in BREHM, 1900). Allerdings war
diese Einschätzung ebenso wie die an-
derer Autoren der Zeit vermutlich zu
optimistisch (KAUB, 1835). Schon
GESNER (1581) nennt für Deutsch-
land nur noch Elbe und Saale als
Gebiete mit nennenswerten Biber-
vorkommen.
Mit dem Rückgang in Europa und
Asien stiegen die Preise für Biber und
besonders das Castoreum derart, dass
es zeitweise gegen Gold aufgewogen
wurde. Dies öffnete Jagd und Wilderei
Tür und Tor. Häufig kam auch
gefälschtes Bibergeil auf den Markt,
das aus getrocknetem Blut, mit Harz
vermischter Kreide etc. bestand
(GESNER, 1581; DJOSCHKIN &
SAFONOW, W 1972).
Die zahllosen Versuche, die Jagd zu
kontrollieren, die als Regalie dem
jeweiligen Standesherrn vorbehalten
war, blieben letztlich allesamt erfolglos.
Schon die karolingischen Könige hat-
ten unter ihren Jägern eigene „Bevera-
rii“, denen die Fürsorge und Aufsicht
über die Biber- und Otterjagd unter-
stand. Wilderei auf Biber wurde teil-
weise hart bestraft, im Extremfall, so
in Preußen „...bey verlust des Leibes“
(HINZE, 1950). Ernst Herzog von
Bayern (1500 – 1560) erließ als Admi-
nistrator von Salzburg Galeeren-
strafe auf Biberwilderei, ohne dass dies
den gänzlichen Niedergang der Salz-
Abb. 5a – d: Bestandsentwicklung des Bibers in der Eifel zwischen 1988 und 2012. burger Biber hätte aufhalten können
Beaver population development in the Eifel region between 1988 and 2012. (BREHM, 1900).
(Quelle: Biol. Station im Kreis Düren)
zubereitete, auch zahlreiche Anwen- Auch als Aphrodisiakum war Casto-
dungen in der Medizin. Beispielsweise reum gefragt. Bei der Heilwirkung
nutzte man die Galle gegen „Fallsucht“ der „Arzney“ war wohl der Glaube an
(Epilepsie) und den Harn als univer- die „große heilende Kraft“ entschei-
selles Gegengift. Auch dem Fett, der dend, auch wenn im Drüsensekret in
Haut und den Zähnen sprach man kleineren Mengen Salizylsäure, der
heilende Kräfte zu. Wirkstoff zahlreicher Schmerzmittel,
aus den vom Biber verzehrten Weiden-
Das Lukrativste am Biber blieb aber rinden (Sali x) nachweisbar ist
das Castoreum. GESNER (1581) (DJOSCHKIN & SAFONOW, W 1972).
widmet speziell dem Bibergeil ein um-
fangreiches Kapitel mit zahllosen …und der unaufhaltsame Niedergang
Anwendungen. Im Jahr 1685 erschien
in Augsburg die „Castorologia“ von Konsequenterweise wurde dem Biber
MARIUS & FRANCIUS, ein ganzes dank dieserart Wertschätzung bereits Abb. 6: Aktuelle Verbreitung des Bibers
Buch mit 200 Rezepturen allein über im Mittelalter derartig intensiv nach- in NRW. An der Lippe (Topographische
die Heilwirkung des Bibergeils. Es gibt gestellt, dass die Bestände bald zu- Karten 4313 und 4314) tauchen erste Spuren
demnach kaum etwas, wofür oder rückgingen (FLOERICKE, 1927). Um auf.
wogegen es nicht wirken würde, sei es 1520 scheint er noch „...in Mengen am Current distribution of the beaver. First
Pest und Fieber, das „Hirnwüten“ Rheine, an der Donau, in den Sümpfen traces are appearing on the river Lippe
(Epilepsie), Schlaflosigkeit, Lungen-, in Mähren und mehr im Norden...“ (maps 4313 and 4314).
Frauenleiden oder Schlangenbisse. vorgekommen zu sein (Claus Magnus (Quelle: LANUV NRW)
169Mittelrhein scheint der Biber um 1820
nicht mehr vorgekommen zu sein
(BRANDT & RATZEBURG, 1829;
KAUB, 1835). Im Rheineinzugsgebiet
wurde 1877 der letzte Biber an
der Möhne von Fischern erschlagen
(HINZE, 1937). In Deutschland
überlebte nur der Restbestand an der
mittleren Elbe und dort „...nur in den
stillsten Gegenden“ (BREHM, 1900);
im westlichen Europa verblieben da-
rüber hinaus je ein kleines Vorkommen
in Norwegen und an der Rhone.
Zum Glück änderte sich in dieser Zeit
wieder die Mode. Um 1840 herum
waren Biberhüte nicht mehr zeitgemäß
und durch leichtere Hüte aus Seide
abgelöst. Auch das Castoreum ver-
schwand gegen Ende des 19. Jh. all-
Abb. 7: Beim schwimmenden Biber liegen lediglich die Sinnesorgane – Nase, Augen, mählich aus dem Blickfeld der
Ohren – über Wasser. Apotheker; ca. 1900 wurde das Biber-
Only the sense organs – nose, eyes and ears – are situated above water when the beaver geil schließlich aus der 3. Ausgabe des
swims. (Foto: L. Kanzler) deutschen Arzneibuches „als unästhe-
tisch“ gestrichen (Kalning, 1905 in:
DJOSCHKIN & SAFONOW, W 1972).
Die Neuzeit – Eine Mode und ihre waren es immerhin jährlich 50 – 60.000 Diese Entwicklungen kamen gerade
Folgen nach Europa exportierte Pelze (KAUB, noch rechtzeitig, um den Biber vor der
1835). endgültigen Ausrottung zu bewahren.
Doch es kam noch schlimmer für den Es ist also alles andere als selbst-
Biber, als im 17. Jh. eine neue Hutmode Der dramatische Rückgang der Biber verständlich, dass es heute wieder in
aufkam – Biberfilzhüte als Statussym- erreichte angesichts dieser ungehemm- vielen Ländern Europas Biber gibt – so
bol wohlhabender Leute. Dafür wird ten Ausbeutung in der zweiten Hälfte auch vor den Toren Kölns.
die extrem dichte und wasserabwei- des 19. Jh. seinen Höhepunkt. Welt-
sende Unterwolle der Biberpelze zu weit waren die Biber bis auf wenige Die Renaissance des Bibers
weichen, widerstandsfähigen Filzhü- Restvorkommen ausgerottet, nur
ten verarbeitet. Während des Dreißig- jeweils wenige 1.000 Tiere überlebten War es der Mensch, der im 19. Jh. den
jährigen Krieges (1618 – 1648) hat sich dies- und jenseits des Atlantiks die Biber weltweit an den Rand der Aus-
die ursprünglich aus Russland stam- gnadenlose Verfolgung. An Nieder- und rottung gebracht hatte, steht das 20. Jh.
mende Mode mit den Schweden rasch
verbreitet. Castor-Hüte ersetzten in
den höheren Gesellschaften Europas
bald die zuvor üblichen aus Eichhörn-
chenfellen gefilzten Hüte. Kein Gerin-
gerer als der König von England
Charles I (1600 – 1649) bestimmte 1638,
dass „nichts als Biberwolle genutzt
werden darf um Hüte zu machen“
(MÜLLER-SCHWARZE & SUN,
2003). Dadurch brach der bereits arg
bedrängte Biberbestand in Europa und
Asien zusammen, so dass man die
enorme Nachfrage g nach Pelzen nur
noch aus Übersee decken konnte. Der
sich etablierende extrem lukrative
Handel – der Wertzuwachs der Pelze
vom Trapper zum Endverarbeiter
betrug fast 1.000 % – ließ nun auch die
Bestände in der Neuen Welt rasch zu-
rückgehen (MÜLLER-SCHWARZE
& SUN, 2003). Bald wurden jährlich Abb. 8: An größeren Flüssen beschränken sich die sichtbaren Spuren oft auf Baum-
über 200.000 Biberfelle alleine nach fällungen.
London geliefert (ZAHNER et al., Along larger rivers visible traces of the beaver are often limited to felled trees.
2005), und noch zu Beginn des 19. Jh. (Foto: L. Dalbeck)
170Abb. 9: Kleiner Waldbach in der Eifel vor der Besiedlung
durch Biber. Hier kann er nur leben, wenn er Dämme baut und
Lichtungen schafft.
Small woodland stream in the Eifel region prior to settlement by
the beaver. It can only live here when building dams and creating Abb. 10: Derselbe Bach ein Jahr später.
clearings. (Foto: L. Dalbeck) The same stream one year later. (Foto: L. Dalbeck)
dazu im krassen Gegensatz. Denn es Dabei ist die Idee der Wiederansied- 1920er Jahren gelangen erfolgreiche
war auch der Mensch, der dem Biber lung von Bibern nicht neu. Bereits Wiederansiedlungen in Norwegen,
eine schier unglaubliche Renaissance Friedrich-Wilhelm I. (1688 – 1740) Schweden, Litauen und Russland.
ermöglichte. versuchte in den 1730er Jahren eine Weitere folgten besonders ab den
Wiederansiedlung an der Nuthe, einem 1960er Jahren, so dass der Biber inzwi-
Die heimliche Rückkehr Nebenfluss der Havel, die jedoch schen in 20 europäischen Ländern,
scheiterte (GIRTANNER, 1885). in denen er ausgestorben war, wieder
Sowohl in Nordamerika als auch in Friedrich Wilhelm III. (1770 – 1840) vorkommt (ZAHNER et al., 2005;
Europa entstanden Mitte des 20. Jh. startete rund 100 Jahre später einen SCOTTISH BEAVER TRIAL, 2012).
Biberzucht- und Forschungsstationen, erneuten, aber ebenfalls erfolglosen Europaweit – einschließlich Russland –
allen voran die 1932 eröffnete Versuch bei Potsdam. Erst in den hat der Bestand des Europäischen
Versuchsfarm in Woronesh am
gleichnamigen Fluss in Russland
(DJOSCHKIN & SAFONOW, W 1972).
Anfangs war das Ziel dieser Stationen,
eine lukrative Biberzucht für den Pelz-
markt zu ermöglichen. Dies gelang
zwar keinem der Projekte, doch er-
brachten die wissenschaftlichen Arbei-
ten wesentliche Erkenntnisse zu Biolo-
gie und Nachzucht. Zudem standen
dank der Zuchtstationen nun Biber für
Wiederansiedlungen zur Verfügung.
In Europa war Woronesh ab 1947 eine
einmalige Quelle für Um- und Wie-
deransiedlungen. Biber aus Woronesh
waren auch die Grundlage für den
Aufbau weiterer Zuchtstationen, so
einer Forschungsfarm der Polnischen
Akademie der Wissenschaften in
Popielno (NO Polen), die 1958 gegründet
wurde (DJOSCHKIN & SAFONOW, W
1972). Auch diese Zuchtstation war von
wesentlicher Bedeutung für spätere
Wiederansiedlungen (ŹUROWSKI, Abb. 11: Etwa sechs Monate alter Biberteich.
1979), z.B. in der Nordeifel. A beaver pond about 6 months old. (Foto: L. Dalbeck)
171Abb. 12: Etwa 15 jähriger Biberteich. Abb. 13: Biberteich, ca. seit einem halben Jahr aufgegeben.
A beaver pond about 15 years old. A beaver pond abandoned since about six months.
(Foto: L. Dalbeck) (Foto: L. Dalbeck)
Bibers die Marke von 750.000 Tieren südwestlich von Düren freigelassen. Anstieg um die Jahrtausendwende
inzwischen deutlich überschritten. 1985 kamen zwei männliche Biber (SCHADEWINKEL, 2006).
aus Popielno hinzu, die an Stellen
In Deutschland leben aktuell min- mit alleinstehenden Weibchen freige- In dieser Zeit starteten zwei weitere
destens 16.000 Biber, die meisten in lassen wurden. 1989 folgten schließ- Wiederansiedlungsprojekte, die auf
Bayern und an der mittleren Elbe. Sie lich die vier letzten Tiere, diesmal die Bestandsentwicklung und Aus-
sind wieder in fast allen Bundeslän- Wildfänge aus der Umgebung der ge- breitung des Bibers in NRW einen
dern vertreten, allerdings in sehr un- nannten Biberfarm (NAUMANN, wesentlichen Einfluss haben: zum ei-
terschiedlichen Siedlungsdichten 1991). Es dauerte nur wenige Jah- nen an der Maas in den Niederlanden,
(ZAHNER et al., 2005). re, bis die Biber das ursprüngliche zum anderen am Niederrhein nördlich
Wiederansiedlungsgebiet verließen von Wesel. An beiden Stellen wurden
Biber in NRW – ein Fallbeispiel und sich in angrenzenden Gewäs- im Jahr 2002 die ersten Biber freigelas-
sersystemen etablierten. Dennoch sen, an der Maas bis 2004 insgesamt 33,
Nordrhein-Westfalen ist eines der waren die ersten Jahre für die am Niederrhein 26 Tiere. Die Biber
Länder, in das der Biber erst relativ Projektverantwortlichen eine schwe- beider Projekte stammten von der
spät zurückkehrte. Die Wiederansied- re Zeit, da mehrere Tiere starben und mittleren Elbe (BÜNNING et al.,
lung startete genau am 15. Oktober sich eines der ursprünglich zusam- 2004; DIJKSTRA, 2009).
1981 in der Nordeifel, geplant und mengesetzten Paare trennte und da-
organisiert von der Höheren Forst- her keinen Nachwuchs hervorbrachte Auch diese Vorkommen etablierten
behörde des Landes. Drei Pärchen aus (NAUMANN, 1991). Ab Anfang der sich erfolgreich und sind aktuell auf
der Popielno-Farm wurden im Herzen 1990er Jahre nahm der Bestand erst- ca. 150 in Limburg (NL) bzw. 70 Tiere
des Hürtgenwaldes in der Nordeifel mals zu, gefolgt von einem starken am Niederrhein (NRW) angewachsen
Abb. 14: Besonders im Winter sind Biber auf Rinde und Zweige Abb. 15: Klassische, rundherum von Wasser umgebene Biberburg
als Nahrung angewiesen. in der Eifel.
Especially in winter beavers rely on a diet of bark and twigs. Typical beaver lodge surrounded by water in the Eifel region.
(Foto: L. Dalbeck) (Foto: L. Dalbeck)
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