Kölschlive Das Fan-Magazin - Fans1991
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kölschlive Das Fan-Magazin FAN-PROJEKT 1. FC KÖLN 1991 E.V. | PREIS 1,20 € | AUSGABE 4/15 | KL 96 DERBYSIEGER ! 2 Tatsachen vs. Doppelderby- Pokerface Schiedsrichter? sieger Peter Stöger Pro und Contra Videobeweis Doppelt schön Zwischen Vorsicht und All in >> Seite 8 >> Seite 10 >> ab Seite 26
GEIßBOCKPARTNER
Vorwort INhalt
Wenn aus Spieltag
DOPPELDERBYSIEGER! Vorwort/Inhalt 03
Mönchengladbach geschlagen, Leverkusen Bild des Monats 04
geschlagen. Beide Siege verdient. Viel mehr
Festtag wird. geht nicht.
Oder vielleicht doch?
MEINUNG
Videobeweis? 06
Man stelle sich nur vor, dass unser 1. FC Köln
gegen vermeintlich schlagbare Gegner ähn- MAGAZIN
lich gepunktet hätte, wie gegen Schalke, Derbysieg! Derbysieg! Kölle Alaaf! 10
Gladbach, Leverkusen und Wolfsburg. Was Ausgerechnet FC 18
wenn Andreasens offensichtliches Handspiel Der neue FC im Kontext der Liga 21
abgepfiffen worden wäre und… Pokerface Peter Stöger 26
Mitgliederversammlung FC 28
Dann würden wir nicht von unten an den Eu- U21 mit Perspektive 32
ropa League kratzen sondern von oben. Kein Bier nach sechs 36
Zitate – Franz Kremer 40
Man stelle sich das nur vor. Oder vielleicht Fußball für Couch und Sessel 45
besser nicht. Denn es ist gut so, genau wie
es ist. Ein guter Saisonstart, der Hoffnung auf
weitere positive Entwicklung macht, aber kei- FAN-PROJEKT-INFO
ne übertriebene Euphorie entfacht. Op jöck mit dem Effzeh 50
FP-Flüchtlingsaktion 56
In dieser Ausgabe freuen wir uns über die Mitgliederversammlung FP 58
Derbysiege, diskutieren das Für und Wider Fan-Projekt-Kompakt 60
des Videobeweises, bewerten Peter Stögers
Arbeit aus Pokersicht, erinnern an Franz Kre- Impressum 62
mer und trinken kein Bier nach sechs.
Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen.
Wir wünschen allen Lesern ein wunderschö-
nes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Jahr
2016 mit unserem 1. FC Köln!
Wenn aus Bier Bitburger wird.
3 VorwortPro Videobeweis
Marco Jankowski wundert sich über die regelmäßig wiederkehrende „Der Videobeweis entmündigt den Schieds- Trikotausziehen und dem ganzen anderen
richter“. Ich fand das schon immer reichlich Quatsch, mit dem uns die Regelobrigkeit
Diskussion um den Videobeweis. Gerne ausgepackt, wenn gerade mal fadenscheinig bzw. einfach eine Fehlinterpre- da alle paar Jahre überrascht, ändert der Vi-
wieder eine skandalöse Fehlentscheidung geschieht (wie etwa Handre- tation dessen, um was es hier geht: In Wahr- deobeweis nämlich absolut nichts an den
asen…) und dann wieder genauso schnell vergessen. heit ist der Videobeweis ein Hilfsmittel für den Regeln, sondern sorgt lediglich dafür, dass
Schiedsrichter – ein Werkzeug, um seinen Job sie eingehalten werden. Klar kann man ar-
besser machen zu können. Ist es etwa eine gumentieren, dass der Videobeweis nicht in
„Entmündigung“ eines Handwerkers, wenn allen unteren Ligen umsetzbar ist, aber dass
Ganz weg ist sie aber eigentlich nie, die minutenlang unterbrechen“. Furchtbares er einen Hammer bekommt und die Nägel Schiedsrichter in der Kreisklasse unter ande-
Diskussion. Speziell nicht bei jahrelangen Schwarz/Weiß-Denken! Denn natürlich muss nicht mit der Hand in die Wand kloppen ren Vorrausetzungen pfeifen müssen als die-
Befürwortern des Videobeweises…wie mir. man den Videobeweis nicht bei jeder Nicklig- muss? Nein, es ist eine Erleichterung. Und der jenigen in der Bundesliga, ist doch nun ein-
Ich könnte es mir einfach machen, denn die keit im Mittelfeld heraus kramen. Will auch kei- Videobeweise hätte sogar noch den zusätzli- mal grundsätzlich.
Vorzüge des Videobeweises sind schnell und ner. Aber es ist doch so einfach: Legt einfach chen positiven Nebeneffekt, dass es schwerer
einfach aufgezählt. Es geht um nicht mehr klare Kriterien fest, wann ein Videobeweis an- wird, Spiele zu manipulieren. Bleibt zu guter Letzt noch der Klassiker „Fehl-
und nicht weniger als darum, dass einfach die gebracht ist und beschränkt die Anwendung entscheidungen gehören zum Spiel dazu
Spielregeln eingehalten werden. Es geht dar- darauf. „Alles, was mit Toren und möglichen Ein echter „Evergreen“ auch: „Es gleicht sich – die Diskussionen sind doch das Salz in
um, sicherzustellen, dass es um einen sport- Elfmetern zu tun hat“ – reicht doch aus! Das am Ende doch alles aus“. Und bitte kommt der Suppe“. Das ist weniger Argument als
lichen Wettkampf geht. Es geht um Fairplay. sind doch genau die spielentscheidenden Si- mir jetzt nicht mit der sogenannten „Wahren Stammtischparole. „War es eine Fehlentschei-
tuationen. Es sind im Übrigen auch genau die Tabelle“, die eine nette Spielerei ist, aber allein dung – ja oder nein?“ ist in der Regel nach
So, damit wäre eigentlich alles dazu gesagt. Situationen, wo das nächste Scheinargument schon deshalb nicht funktioniert, weil sie alle Ansicht der TV-Bilder eh schnell geklärt. Und
(„Unterbrechungen für den Videobeweis nicht-gegebenen Elfer automatisch als Tore ansonsten gibt’s da eigentlich nur noch „Hät-
Aber irgendwie dann doch wieder nicht. zerstören den Spielfluss“) überhaupt nicht zählt und (logischerweise) keine verlässliche te der Schiri es sehen müssen oder nicht?“
Denn das Thema wird ja immer wieder „kon- zieht: Wie lange wird in solchen Szenen auf Aussage darüber treffen kann, wie eine ge- – sorry, aber spannende, abendfüllende Ge-
trovers diskutiert“ – insofern muss man sich dem Platz debattiert, gejubelt, verzögert oder gebene oder nicht-gegebene rote Karte den spräche füllt man damit auch nicht.
mit der „Gegenseite“ auseinandersetzen. Ich anderweitig der Spielfluss unterbrochen? Spielausgang beeinflusst. Und ich warte auch
bin in diesem Zusammenhang sehr darauf Überlegt mal, wie lange ihr vor dem Fernse- noch immer vergeblich darauf, dass der FC- Die Fehlentscheidungen, die „zum Spiel dazu-
gespannt, den „Contra“-Artikel zu lesen – ein- her braucht, um eine Situation abschließend Abstieg 97/98 – bei dem uns genau die drei gehören“ und das Spiel ausmachen, das sind
fach um zu sehen, warum das hier überhaupt zu beurteilen? 15-30 Sekunden? Leute, die Punkte fehlten, die Oliver Held nicht per Lüge eher: Stand Abwehrspieler A da falsch? Hätte
noch diskutiert werden muss. Denn in jeder meisten Einwechslungen dauern länger als und Hand verhinderte – „am Ende ausgegli- man Stürmer B besser decken müssen? Hätte
Diskussion stoße ich eigentlich immer wieder das! Inwiefern es also nachhaltig den Spiel- chen“ wird. Spieler C gegen Gegner D eher ins Tackling
auf dieselben fadenscheinigen Argumente, fluss zerstören soll, wenn draußen ein fünfter gehen müssen? Darf der so frei stehen? Das
denen ich mich jetzt mal widmen möchte. Schiri vor dem TV sitzt, genau dasselbe tut… „Fußball muss einfach bleiben“ – auch sind die Fragen, die einen Fan bewegen soll-
gerne als Argument gebracht. Inwiefern ten! Kurzum: Alles, was mit dem Spiel zu tun
Da wäre der Klassiker: „Wir können doch Was haben wir da sonst noch? Achja, das meist verhindert der Videoweis das? Im Gegen- hat, nicht mit demjenigen, der es nur über-
nicht das Spiel für jedes kleine Foul von Schiedsrichtern vorgebrachte Argument satz zu passivem Abseits, gelben Karten fürs wachen soll.
Meinung 6Contra Videobeweis
Karl von Luckwald versteht die Befürworter des Videobeweises, ist aber
als unverbesserlicher Fußballromatiker trotzdem dagegen.
Fehler unterlaufen den Spielern, aber eben- Rote Karten gegen Adil Chihi, Lukas Podolski
Ja, sie haben Recht: Schmadtke, Heldt, Rang- hafte Faszination des Fußballs haben schon so jenen vier Unparteiischen, die im Auge und Petit im Viertelfinale des DFB-Pokals 2010
nick und viele weitere. Sie alle sprechen sich viele schlaue Menschen versucht in Worte des Fans Störkörper sind, aber ohne die ein gegen den FC Augsburg. Was haben wir ge-
für die Einführung des Videoschiedsrichters zu fassen, doch keiner hat es so treffend und Fußballspiel keinen geordneten Lauf neh- schimpft! Kinhöfer heißt unter FC-Fans in An-
aus. Und das mit guter Begründung. Das simpel auf den Punkt gebracht, wie Sepp men kann. Der Videobeweis wird die Fehler lehnung an Robert Hoyzer seitdem nur noch
Spiel wird schneller, die Fehlentscheidungen Herberger: „Die Leut‘ gehen zum Fußball, weil der Spieler nicht abstellen können, aber jene Kinhoyzer. Der FC ist ausgeschieden, aber wir
der Schiris nehmen zu. Warum also sollen sie sie net wisse, wie’s ausgeht.“ Anders gesagt: Fehler der Schiedsrichter deutlich minimie- haben es alle überlebt und denken und dis-
nicht das sehen dürfen, was jeder Zuschauer Der Reiz des Fußballs liegt im Unabsehbaren. ren. Das bringt Gerechtigkeit, aber weniger kutieren noch heute über dieses Spiel.
am heimischen TV-Gerät in Zeitlupe nachge- Zum Unabsehbaren gehören Fehler. Und es Emotionen und Gesprächsstoff.
liefert bekommt? Die technischen Vorausset- stellt sich die Frage, ob wir nicht genau des- Es mag paradox klingen, aber Schiedsrich-
zungen sind gegeben: Spielentscheidende wegen diesen Sport so lieben. Es ist brutal, aber die Schiedsrichter sind ein terfehler sind ein elementarer Bestandteil
Szenen könnten binnen 15 Sekunden aufge- Feindbild, deren Fehler – profitiert man selbst der Fußballfaszination. Manche Fehler haben
klärt werden. Das perfekte Spiel ist eine Illusion, der man – hämisch und dankend entgegengenom- bekanntlich große Fußballgeschichte ge-
sich – so wie es derzeit der FC Bayern Mün- men werden, im umgekehrten Fall allerdings schrieben. Mit dem Videobeweis hätte es Ma-
Aus nüchterner Perspektive spricht alles für chen beweist – allenfalls annähern kann. Prin- gnadenlose Vernichtungsfantasien freisetzen. radonnas „Hand Gottes“ nicht gegeben, vom
die Revolution. Aber aus der Sicht des tradi- zipiell ist das Spiel durchsetzt von Fehlern. Was passiert, wenn der Schiri offensichtlich Wembley-Tor 1966 und seiner Wiederholung
tionellen Fußballromantikers, der gerne alles Der Zuschauer weiß das, deswegen steht er falsch liegt? Der Fan ballt die Faust und er 2010 ganz zu schweigen. Thomas Helmers‘
andere als nüchtern ist, bedeutet die Einfüh- unter permanenter Grundspannung, die sich skandiert wie tausend andere Mitstreiter laut- und Stefan Kießlings Phantomtore 1995 bzw.
rung des Videobeweises womöglich einen ra- beim Fehlpass des eigenen Spielers in einem hals „Schieber, Schieber“ und verwandelt das 2013 – kein Thema.
dikalen Einschnitt in das Wesen seiner größ- hysterischen Raunen entlädt, hingegen bei Stadion in einen Hexenkessel. Gab es in Köln
ten Leidenschaft. Ballgewinn mit anschließendem Konter in jemals ein lauteres Pfeifkonzert als am 10. Der Videobeweis wird kommen. Ganz sicher.
Schnappatmung umwandelt. Die ständige März 2012 beim Spiel gegen Hertha BSC, wo Wahrscheinlich ist er sogar sinnvoll. Aber die
Warum bloß strömen jedes Wochenende Präsenz des Fehlers ist ein entscheidender Guido Winkmann Mato Jajalo und Lukas Po- bittersüße Tradition des Schiedsrichterfehlers
hundertausende Menschen in riesige Arenen, Faktor für die die unbändigen Emotionen im dolski vom Platz gestellt hat? Diese Partie ist wird ein Ende nehmen. Aber was heißt schon
um sich anzusehen, wie 22 Männer einem Fußball. Und Emotionen sind die Kernessenz wegen seiner Atmosphäre bis heute unver- Tradition? Und wie viel gibt es davon über-
kleinen Lederball hinterherjagen? Die rätsel- dieses Sports. gessen. Ebenso historisch: Thorsten Kinhöfers haupt noch im Fußball der Postmoderne?
Meinung 8Derbysieg! Derbysieg! Kölle Alaaf!
Ein Derby fast ohne Gästefans? Am Ende konnte Stöger jubeln.
Denn ein Derbysieg ist auch bei
schlechter Stimmung schön.
Derby-
sieg!
Yann Sommer holte ihn wieder raus.
Heimfans die vor allem als
politischer Newsticker fungieren?
Andere sagten leise Servus.
Das gibt es. Ist aber nicht so schön.
Fußball wurde trotzdem gaespielt. Anthony Modeste schoss den Ball ins Netz.
Magazin 12 13 MagazinEndlich wieder ein Heimspiel. wurde dann von Risse eingefangen
Derby-
sieg!
und endete in einem üppig belegten Am Ende jubelten alle
Jubelsandwich.
und Maroh wurde endgültig zum
Alleinunterhalter.
Der Papa sieht rot.
Der Roger steht kurz davor. Maroh jubelte erst alleine,
Magazin 14 15 MagazinPrima Antwort auf die vorherigen Ob Top Gun Jojic Sumo Hosiner
Fehlentscheidungen.
Kölle
Alaaf!
Die waren oft ziemlich Dazu noch Handreasenball. oder
Banane. Die Nachricht war klar. Zirkusdirektorzaubererwasauchimmer
Vogt.
Wir sind eben ein
Karnevalsverein.
Nur wer Helau sagte,
bekam die rote Karte.
Magazin 16 17 MagazinAusgerechnet Modeste,
ausgerechnet Ujah,
ausgerechnet der 1. FC Köln
Der 1. FC Köln spielt nur null zu null gegen dem Krankenhaus treffen würde.
Hoffenheim, weil
Der 1. FC Köln geht gegen Ingolstadt in Füh-
ausgerechnet der Exhoffenheimer rung, gewinnt aber nicht. Den Ausgleich
Anthony Modeste schießt
vier Chancen vergibt, aus denen er in den ausgerechnet Exkölner Marvin Matip.
ersten Saisonspielen mindestens sechs Tore
gemacht hätte. Der 1. FC Köln verliert gegen Hannover 96.
Das einzige Gegentor ist
Der 1. FC Köln scheidet gegen Werder Bremen
aus dem Pokal aus. Das einzige Tor schießt ausgerechnet der illegitime Nachkomme
der Hand Gottes.
ausgerechnet Exkölner Anthony Ujah.
Aus der Vergangenheit könnte man noch er-
Der 1. FC Köln verliert gegen die Hertha aus gänzen.
Berlin. Beide Tore schießt
Ausgerechnet van Lent
ausgerechnet Vedad Ibisevic,
Ausgerechnet Wynhoff
der zuvor ungefähr 17456 Minuten kein Tor
erzielt hatte. Ausgerechnet…
Der 1. FC Köln verliert gegen Eintracht Ausgerechnet…
Frankfurt. Drei Tore schießt
Und manchmal frage ich mich in solchen Mo-
ausgerechnet Alexander Meier, menten:
der nach Verletzungspause sein erstes Spiel Warum bin ich ausgerechnet Fan
macht, aber gegen Köln vermutlich sogar aus des 1. FC Köln?
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21 MagazinLiebe Freundinnen und Freunde Hector und Horn bekamen so in der 2. Bun-
des heiligen Hennes, desliga Chancen, zu echten Leistungsträgern
zu wachsen, was in der Bundesliga weitaus
wenn man die beste Platzierung, zu diesem schwieriger geworden wäre. Dadurch besaß
Saisonzeitpunkt, nach 19 Jahren erreicht hat, und besitzt dieses Team einen erfrischend
wenn man die beste Hinrunde seit 19 Jahren kölschen Touch. Die Identifikation mit den
spielt, dann darf man sicherlich von einer Spielern war zuletzt nur bei Poldi so groß!
„historischen Chance/Situation“ sprechen. Und auch, wenn es leider immer noch Ewig-
Auch wenn man dem gemeinen Kölner im- gestrige, Dauernörgler und andere Subjek-
mer wieder nachsagt, dass er zu schnell ab- te gibt, die geistig irgendwo zwischen den
hebt und zu schnell ins Träumen gerät, was 70ern und 80ern kleben geblieben sind. Ihre
natürlich nur dumme und längst überholte Ansichten, Ansprüche etc. sterben doch Gott
Vorurteile sind. Niemand wurde durch dieses sei Dank langsam aber sicher aus.
permanente Auf und Ab der jüngeren Ver-
gangenheit so gebeutelt wie wir Kölner! Und Es ist eine wunderbare Sachlichkeit einge-
es herrschte zuletzt eher der Pessimismus kehrt was die absolute Mehrheit der Fans
über der glorreichen Karnevalshochburg als angeht. Man erwartet nicht mehr im Hau-
dass man von „Abheben“ reden könnte. ruck-Verfahren den EL-Platz, gepaart mit
Zauberfußball und teuren Stars. Man hat
Hin und wieder wähnten wir uns kurzfristig sich endlich mit der Rolle des Underdogs
auf dem richtigen Weg. Aber es schwangen angefreundet und genießt deren Vorzüge!
immer Zweifel mit. Ich persönlich, Jahrgang
´75, kann mich nicht daran erinnern, dass wir Wenn man mal vom FC-Bayern-Werbe-Sen- Am überraschendsten empfinde ich die die den Etablierten Dampf machten. Und es
mal so gut aufgestellt waren wie derzeit. Und der, genannt Sport1, absieht und sich mit den wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung funktionierte. Der Klassenerhalt gelang. Und
damit meine ich die Zeit seit dem ersten Ab- Fans anderer Clubs auseinander setzt, wird der letzten Jahre. Wie gesagt, 2012 drohte das ist die Basis für die Entschuldung.
stieg. Wir hatten vernünftige Vorstände, aber man überrascht, wie positiv der FC und sei- die Insolvenz. Man war nicht mehr liquide.
dann kein Geld und kein Team. Mal hatten ne Entwicklung wahrgenommen werden. Ja, Bereits im Aufstiegsjahr, Wehrle sei geprie- Sollten wir nicht mehr absteigen sind wir
wir ein gutes Gerüst, aber dann die falschen manche Clubs, die vor kurzem noch hämisch sen, wurden schwarze Zahlen geschrieben. 2018 nahezu schuldenfrei, wie Wehrle an-
Trainer oder Manager. Immer wieder musste über uns lachten, beneiden uns förmlich. Und Und ich glaube abgesehen von Hoffenheim kündigte.
das wenige Positive durch ein deutliches „Ja, das ist gut so. Gilt es doch Neid als die höchs- gab es wenige Aufsteiger, die gleich ein
aber...“ relativiert werden. te Form der Anerkennung! solches Budget zur Verfügung hatten, was Und das Ganze wird nicht durch Spieler-
den Transfermarkt angeht. Der Kader wurde verkäufe erreicht. Nein, wir sind endlich so
Hauptverantwortlich ist natürlich die neue Der Weg der kleinen Schritte, den wir ganz sinnvoll verbreitert, auf Ausfälle vorberei- aufgestellt, wie sich das für einen Profi-Club
Führung. Egal ob Spinner, Ritterbach, Schuma- sicher nicht erfunden haben, funktioniert. tet, was den Unterschied ausmachte zu den gehört. Neue Einnahmequellen wurden er-
cher, Jacobs, Wehrle oder Schmadtke. Sie alle Und man hätte es diesem „Chaosclub, Karne- „Eintagsfliegen“ wie Düsseldorf, Paderborn, schlossen, die Vermarktung hochgejagt, neue
stehen stellvertretend für die vielen fleißigen valsclub, Pulverfass, etc...“ so nicht zugetraut. Braunschweig, Fürth u.a. die vielleicht eine Partner an Land gezogen.
Helfer und Mitarbeiter im gesamten Verein. Auch als man im ersten Jahr Bundesliga nicht gute erste Elf besaßen, aber deren Kader zu
gerade den attraktivsten Fußball spielte, wur- klein war, um eine ganze Saison zu überste- Klare Ansage der Führung:
Statt der drohenden Insolvenz 2012/13, ge- de jeder Sieg euphorisch gefeiert. Denn die hen. Dem trugen Schmadtke, Jacobs und Das Geld, welches wir durch Transfers ein-
lang im Folgejahr der Aufstieg. Mit einem „echten“ FC-Fans wussten, wie schwer das Stöger Rechnung und holten NICHT, wie in nehmen, wird wieder in den Kader fließen!
Team, welches natürlich auch ein wenig aus war. Und das zunächst mal nichts anderes der unrühmlichen Vergangenheit, zwei oder Die Entschuldung läuft nicht auf Kosten der
der Not heraus geboren wurde. Wimmer, zählt als Punkte und Klassenerhalt! drei teure Spieler. Nein, man holte 6 Spieler, sportlichen Substanz!
Magazin 22 23 MagazinEin Dogma zum niederknien und genau das,
was die arme, geplagte FC-Seele hören will.
War es doch in der Vergangenheit immer ein
Eiertanz auf dem Drahtseil, wenn es um die
Finanzierung neuer Spieler ging. Aber unter
diesen geschaffenen Voraussetzungen lässt
sich endlich etwas aufbauen.
So wie vergangenen Sommer. Dem Aber-
glauben zur Folge sei die zweite Saison in
der Bundesliga immer die schwerste. Was
so nicht stimmt. Die meisten Teams stei-
gen statistisch gesehen in der ersten Saison
wieder ab. Danach in der dritten und dann
erst in der zweiten Saison. Aber unabhän-
gig davon galt es wie immer, sich weiter zu
verstärken, da die Konkurrenz dies eben-
falls versucht. Die Einnahmen von Ujah und
Wimmer konnten zusätzlich in Transfers
gesteckt werden, so dass wieder eine Men-
ge frisches Blut in den Kader floss. Mit der
Gewissheit, dass noch Budget frei ist, um
ggf. im Winter nochmal nachzubessern.
nutzt, sich auf Schlüssel-Positionen wie im Bremen schlägt Mainz, in Mainz! stand auf den 16. Platz haben, fühle ich mich
Zum sportlichen Status Quo: defensiven sowie offensiven Mittelfeld die Mainz schlägt Wolfsburg! ziemlich sicher. Aber trügt der Schein?
Wie oben beschrieben, stehen wir verglichen Top-Spieler zu stapeln. Aber das soll kein Ha- Wolfsburg bügelt Bremen 6:0!
mit den letzten Jahrzehnten verdammt gut da. dern sein. Die Dinge sind so, wie sie sind. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber ich
Passieren kann also alles. Ab wann ist es denn kann es gar nicht oft genug sagen:
Die Mannschaft zeigt eine permanente, po- Dahinter gibt es bereits eine klare Abstufung nun erlaubt, als Kölner, träumen zu dürfen?
sitive Entwicklung! Klar, wir sind noch weit zu den „1B“-Spitzenteams, wie WOB, Schalke, Sind wir schon so weit? Haben wir das Po- Es macht richtig Laune mit den Jungs!
davon entfernt, die Gegner auszuspielen und LEV und BMG, die dem Rest der Liga, an Bud- tential, um nach Platz 6 (oder 7, der je nach
haben Probleme, wenn es um die Kreativität get und Kaufkraft einfach voraus sind. Aber Pokalsieger auch reicht) zu streben? Wo be- Auch wenn sie es oftmals verpassen eine
geht. Aber das sind „First-World-Problems“, selbst hier ist nichts mehr in Stein gemeißelt, ginnt der Größenwahn? Wann ist es noch re- Bude zu machen. Bis zum Winter stehen
mit denen sich auch der Großteil der Bundes- wie letztes Jahr die Augsburger und momen- alistisch? Und täte es uns gut, einen Überra- stehen noch ein paar Spiele auf dem Pro-
liga plagen muss. tan die Berliner demonstrieren. Die internati- schungs-Coup zu landen? gramm.
onal vertretenen Clubs schwächeln mitunter.
An diesem Punkt sind lediglich die Bayern Dahinter folgt der „dreckige Rest“. Das heißt Das sind nun die Fragen, die mich, seit der Da geht noch was!
und der BVB über jeden Zweifel erhaben! Teams, wo jeder jeden schlagen kann. Und Partie in Leverkusen beschäftigen. Und jetzt,
Kein Wunder, wenn man die Möglichkeit das geschieht ja auch fleißig. da wir (Stand 23.11.15) 9 fette Punkte Ab- Bis bald, liebe FC-Freunde
Magazin 24 25 MagazinPokerface Peter Stöger Oder: Im richtigen Moment All in
Beim Pokern mit Stefan Raab musste Peter
Stöger als erster die Runde verlassen. Aller- Mal werden wir vielleicht sogar ein Spiel
dings nicht, weil er schlecht gespielt hatte. dominieren können. In anderen Spielen
Laut Expertenmeinung hatte Stöger so gut werden wir uns hauptsächlich defensiv
wie keine Fehler gemacht, sondern lediglich wehren müssen und in anderen wird viel-
Pech gehabt. So etwas kann passieren. Beim leicht mal eine ausgefallene Taktik den
Poker, im Leben und genauso beim Fußball. Erfolg bringen – vielleicht mal ganz hoch
Vor der letzten Saison hatte ich das Vergnü- verteidigen oder nur auf Konter spielen.
gen, Peter Stöger für koelsche-ziege.de zu Aber wir wollen schon immer auf drei
interviewen. Dabei unterhielten wir uns auch Punkte spielen. Natürlich nicht kopflos
über Pokern und vieles von dem, was Peter ins Verderben rennen und auch mal ein
Stöger damals über das Kartenspiel sagte, ist Unentschieden mitnehmen. Aber nur mit
heute in seiner Arbeit als Fußballtrainer zu er- Unentschieden und Sicherheitsfußball
kennen. hält man nicht die Klasse.
Wenn ich glaube, dass es passt, gehe ich Nur mit kopfloser Offensive oder blindem
auch schon mal früh All in. Natürlich in Anrennen aber eben auch nicht. Genau für
der Hoffnung, die anderen Spieler zu be- diesen Realismus und dieses Pokerface bin
eindrucken, früh einen Pott zu gewinnen. ich Peter Stöger unglaublich dankbar. Als
Aber wenn die Karten gar nichts herge- ich Ihn gegen Ende des Interviews fragte, ob
ben, dann macht das keinen Sinn. Mir man seine Fußballtaktik wie folgt beschrei-
gefällt es, dass Poker über einen längeren ben könnte.
Zeitraum gespielt wird. Da will ich ja nicht
direkt am Anfang rausfliegen. gefühlt immer zwei Asse auf der Hand haben den Pott abzuräumen. Auch wenn der Also um beim Pokern zu bleiben: Erst Poker-
oder Leverkusen, die tendenziell so etwas Gegner mal mehr Chips vor sich liegen face und dann im richtigen Moment All in.
Das ist aus meiner Sicht der große Unter- wie zwei Könige auf der Hand haben. Gegen hat. Das wird unsere Einstellung sein.
schied zwischen Trainerfüchsen wie Peter die Bayern hat es für uns nicht gereicht, aber Antwortete er
Stöger und nennen wir sie mal Konzepttrai- gegen die Pillen schon. Weil Stöger erkannte, Das sollte auch unsere Einstellung sein. Wer
nern wie Alexander Zorniger, Roger Schmidt dass noch eine weitere Zehn und ein Bube nicht gewinnen will, hat in der Bundesliga Das haben Sie gut umschrieben.
und auch dem in Köln grandios gescheiterten auf dem Tisch lagen. Und während Roger nichts verloren. Aber wir sind nicht der gro-
Stale Solbakken. Peter Stöger spielt nicht mit Schmidt stur an seinen beiden Königen fest- ße FC Barcelona, der jeden Gegner mit dem Schön, von Peter Stöger Recht zu bekommen.
dem Blatt, das er gerne hätte sondern mit dem hielt, spielte Peter Stöger sein Blatt aus und immer gleichen Tiki-Taka weghauen kann, Und ich hoffe er führt den 1. FC Köln Schritt
Blatt, das er tatsächlich auf der Hand hält. Beim gegen zwei Paare hatten Schmidts Könige oder der VFB Stuttgart, der das bis zu Zorni- für Schritt zu den großen Pötten und am
1. FC Köln sind das normalerweise keine zwei keine Chance. gers Entlassung auch zu glauben schien. Wir Ende zum Jackpot.
Asse, sondern eher ein Bube und eine Zehn. sind der 1. FC Köln und wir müssen uns und
Aber wenn man es wie beim Pokern be- unsere Taktik eben (noch?) an den Gegner an- Ich bin gespannt und voller Vorfreude.
Und dann spielt man gegen die Bayern, die trachtet, werden wir immer versuchen, passen. Peter Stöger weiß das. Auch auf das erste richtige All in!
Magazin 26 27 MagazinMitgliederversammlung Und alle so Ja!
Zusammengefasst – Dank Mannschaft und uns Fans
sportlicher und finanzieller Leitung geht es mit dem 1. FC Kîln weiter bergauf
Magazin 30 31 MagazinU21: Mannschaft mit Perspektive
Martin Scheer über die zu Saisonbeginn stark verjüngte Regionalligaelf Während bis zu sechs Vereine vom Aufstieg Augenhöhe mit der Konkurrenz. Sollte in der
träumen dürfen, heißt es für den Rest: Rette Winterpause jedoch Maurice Exslager, der Fix-
Großes Stühlerücken in der Sommerpause am Geißbockheim. Neben dem Trainerteam sich wer kann. Auch die U21 des 1. FC Köln punkt der Offensivabteilung und treffsichers-
verließen rund ein Dutzend Spieler den 1. FC Köln. Ersetzt wurden sie zu großen Teilen gehört, wie vor Saisonbeginn prognostiziert, ter Akteur den Verein verlassen, dann stünde
durch Akteure der eigenen U19, doch der auffälligste Mann der Hinrunde ist ein anderer, im zu den Teams, die vom Abstieg bedroht hinter dem Erreichen des Saisonziels ein grö-
Vergleich zu seinen Kollegen ein echter Routinier, sein Name: Maurice Exslager. Er macht sind. Um die Wertigkeit des angestrebten ßeres Fragezeichen. Schon im Vorjahr wog
in einer extrem jungen und talentierten Mannschaft des Öfteren den Unterschied aus. Klassenerhaltes der U21 besser einschätzen der Abschied von Abwehrchef Roman Golo-
Beim Saisonziel Klassenerhalt und der Entwicklung von Talenten befindet sich der Club zu können, hier ein Auszug der Tabellen- bart schwer, den es im Januar zum damaligen
zwar auf Kurs, doch ein Blick auf die Tabelle verrät die ambitionierte Herausforderung. nachbarn: Rot-Weiss Essen, SC Verl, Borussia Zweitligisten FC Erzgebirge Aue zog. Auch
Dortmund II und FC Schalke 04 II. Die gute der Abgang von Defensivallrounder Leon
Nachricht dabei: Nur in den Begegnungen Binder, der sich Rot-Weiss Essen anschloss,
Zur Lage beim FC Viktoria Köln (0:4) und gegen die schmerzte. Die U21 geriet durch zusätzliches
Maximal fünf von neunzehn Vereinen steigen nen Clubs FC Kray und FC Wegberg-Beeck ab, Sportfreunde Lotte (2:4) war die von Martin Verletzungspech in erhebliche Turbulenzen
am Saisonende aus der Regionalliga West ab. bleiben bis zu drei Teams, die im Sommer in Heck trainierte Mannschaft chancenlos, zeig- und konnte die Abstiegsgefahr erst am vor-
Ziehen wir die zur Winterpause abgeschlage- ihre jeweilige Oberliga absteigen werden. te sich hingegen in den übrigen Spielen auf letzten Spieltag bannen.
Magazin 32 33 Magazindie talentierten Spieler sich ihren Traum vom
Profisein erfüllen können oder nicht. Leis-
tungpotential und den Willen zu vereinbaren,
darum geht es. Nicht wenige scheitern daran.
Auch wenn es banal klingen mag, Verletzun-
gen, Sperren oder Formschwäche von Mit-
spielern gilt es zu nutzen. Wem dies gelingt,
der hat das Zeug zum Profi. Davon träumen
alle, die in der Jugend und in der U21 beim
1. FC Köln spielen. Nur noch ein Schritt ist
es von hier zu den Profis. Nur die wenigsten
schaffen ihn. Zuletzt Timo Horn, Jonas Hec-
tor und Yannick Gerhardt. Dass es in Zukunft
noch mehr werden, daran arbeiten die Ver-
Ausblick den nächsten Karriereschritt gehen wird. Ob antwortlichen am Geißbockheim. Dies zei-
Spannend wird im kommenden Jahr zu be- beim FC oder mittels einer Vertragsverlän- gen auch die der Öffentlichkeit präsentierten
obachten sein, wie sich die Mannschaft wei- gerung mit anschließender Leihe wird sich Ausbaupläne hinsichtlich der Trainingsräum-
ter entwickeln wird. Dies gilt natürlich gerade zeigen. Das A und O ist in diesem Alter die re- lichkeiten und Plätze für die Jugend entlang
für die Spieler, die schon verstärkt in den Fo- gelmäßige Spielpraxis. Jene holten sich in der des Militärrings.
kus der Profiabteilung gerückt sind. Nament- Hinrunde auch die Langzeitverletzten Domi-
lich zu nennen: Torhüter Daniel Mesenhöler, nic Maroh und Mergim Mavraj sowie Kasuki
Rechtsverteidiger Lukas Klünter und die in Nagasawa und Bard Finne, beides Kandidaten
der Offensive flexibel einsetzbaren Marcel für eine mögliche Ausleihe in der Winterpau-
Hartel und Lukas Cueto. Die Personalie Da- se, da sie im Profikader fast gar nicht zum
niel Mesenhöler verspricht große Spannung, Zuge kamen. Punktuelle Verstärkungen aus
denn sein Vertrag endet ebenso im Sommer der Profiabteilung werden auch weiterhin
2016, wie der von Profireservekeeper Thomas vonnöten sein, um das Saisonziel, den Klas-
Kessler. Sollte Timo Horn im Sommer 2016 senverbleib, zu sichern. Die persönliche und
von seiner Ausstiegsklausel (9 Millionen Euro) fußballerische Weiterentwicklung eines jeden
in seinem bis 2019 geltenden Arbeitspapier einzelnen Spielers wird darüberhinaus weiter
Gebrauch machen, dann könnte die große die Hautaufgabe des Trainers Martin Heck
Stunde von U20-Nationalspieler Mesenhöler und seiner Assistenten Uwe Grauer und Pa-
schlagen, der seit 2007 bei den Geißböcken trick Helmes sein.
zwischen den Pfosten steht. Nicht wenige
trauen ihm diesen Sprung zu, der in seiner Der ehemalige U21-Trainer, Stephan Engels,
Statur und der Interpretation seines Torwart- äußerte kürzlich in einem Interview mit dem
spiels dem Hannoveraner Ron-Robert Zieler Kölner Stadt-Anzeiger, dass oftmals nur Klei-
ähnelt. Sicher erscheint nur, dass Mesenhöler nigkeiten darüber entscheiden würden, ob
Magazin 34 35 MagazinKein Bier
nach sechs
Text: Bastian Hoyer
Und dann stehst du in Zarnovica am Bahnhof
und du fühlst dich an diesem gleichermaßen
weitläufigen wie unbedeutendem Ort im
zentralslowakischen Nichts ziemlich verloren.
Die anderen drei mit ausgestiegenen Reisen-
den suchen fluchtartig rasch das Weite und
das etwas entfernte Zentrum des Städtchens,
welches doch tatsächlich ein ebensolches
haben soll. Alleine am Bahnhof zurückgeblie-
ben geht der Blick dem Schnellzug nach, der
sich schon längst aufgemacht hat, seinem
Tagesziel Bratislava näher zu kommen. In der
Ferne verschwindet er alsbald in einer langen
Rechtskurve und dann passiert erst einmal
nichts mehr. Aber so wirklich rein gar nichts.
Nein, etwas tut sich doch – alle 60 elendig
langsam verrinnenden Sekunden klackt der
große Zeiger der Bahnhofsuhr ein kleines
Stück auf dem Zifferblatt weiter. Und dann er-
scheint sie irgendwann am Horizont: eine im
Volksmund sogenannte Brotbüchse. Dieser
niedliche und kräftig ruckelnde Schienenbus
mit dem liebenswerten Spitznamen bringt
einen dahin, wo der Schnellzug vorhin ohne
Halt durchgefahren ist: Hlinik nad Hronom.
Magazin 36 37 MagazinDas fahrende Butterbrotbehältnis jedoch hält inoffiziellen Auftritt. Als ein leicht gewande-
dort pflichtbewusst. Und auf ein Neues: Was ter Endsiebziger barfuss binnen 15 Minuten
gibt es hier eigentlich? Vor allem dann, wenn fast sechs Runden entlang der Seitenauslinie
am Bahnhof wieder Ruhe eingekehrt ist und läuft, ist der bundesligaverdorbene Zuschau-
die Brotbüchse in der Ferne verschwunden ist. er letztlich vollkommen irritiert. Da können
Der Fahrplan gibt Auskunft darüber, dass die die beiden Tore in Durchgang zwei, welche
letzte Abfahrt des Tages um zehn nach sechs der Heimmannschaft zum Sieg verhelfen,
am frühen Abend unbedingt erreicht werden nichts mehr ändern. Erfreulicherweise wird
sollte. Denn triftige Beweggründe für einen nach dem zum Glück pünktlichen Abpfiff
längeren Aufenthalt gibt es nämlich nicht. vollkommen durchgefroren eine Exkursion
Gegenüber vom niedlichen Bahnhofsgebäu- unter der Autobahn wieder hindurch, jedoch
de verläuft parallel zu den Gleisen und nahe- den Bahnhof rechter Hand liegen gelassen,
zu dezibelneutral die Autobahn. Die unter ihr ins Dorf unternommen. In der einzigen Gast-
hindurch- und über die Schienen führende wirtschaft, die nicht nur ziemlich anspre-
Straße führt ins Dorf, dessen Kirchturmspitze chend aufgemacht ist, fließt zudem auch das
sich aus der Ansammlung der Dächer erhebt. Premiumerzeugnis des Biersponsors der slo-
Unter der Autobahn hindurch führt die Straße wakischen Nationalmannschaft mit 14 Grad
in das noch kleinere Dörfchen Dolna Zdana Stammwürze aus dem Zapfhahn. Aber Ach-
und zum kleinen Fußballstadion. Zweite Liga tung: zehn nach sechs!
wird hier gespielt. Mag sein, dass es nur die
zwölft- oder fünfundzwanzigstbeste zweite
Liga aller Zeiten ist, aber dennoch bleibt es
zweite Liga. Alle zwei Wochen ein Höhepunkt
im ansonsten eher beschaulich verlaufenen
Leben der Bewohner in Hlinik. Da ist es auch
vollkommen egal, dass der Klub FK Pohronie worden als der Aufstieg ins Unterhaus fest- Da verwundert es nicht, dass die interessan-
Ziar nad Hronom heißt und unter dem Na- stand. War der Plan der Bauherren, dass sich teren Beobachtungen an der Schankausga-
men der größeren Nachbarstadt antritt. Zwei- diese Baumaßnahme durch Eintrittsgelder be als auf dem Spielfeld gemacht werden
te Liga bleibt zweite Liga. Und da spült auch finanzieren soll, dann war architektonisch können. Letztlich dürften es etliche Liter
bloß ein Spiel gegen die Zweitvertretung von schlicht nicht mehr möglich, denn Männer Hochprozentiges mit diversen Obstaromen
Slovan Bratislava knapp 600 Menschen in zahlen am Eingang einen Euro, übrige Bevöl- gewesen sein, die die zahlreichen Kehlen
das eckige Rund des ein klein wenig aufge- kerungselemente genießen freien Eintritt. Ein wärmten und das Spiel dadurch beträcht-
hübschten Sportplatzes. Gegenüber der klei- Hoch auf die Gleichberechtigung! Mehr wäre lich verschönerten. Es bedurfte nicht nur
nen Haupttribüne mit überdachtem Bier- und aber aufgrund des dargebotenen Niveaus einer konsequenten Halbzeitansprache der
Schnapsausschank sind in Schnellbauweise auch nicht gerechtfertigt. Stockfehler und Trainer, um die Torlosigkeit zu beenden, son-
zwei Unterstände mit grün getöntem Glas ausgelassene Tormöglichkeiten in inflationä- dern eines wirklichen Wachmachers. Solch
und jeweils 125 Sitzgelegenheiten errichtet rer Anzahl hüben wie drüben. einer hatte dann in der Halbzeitpause seinen
Magazin 38Franz Kremer stellt die
entscheidende Frage
Der erste Präsident des 1. FC Köln und große Ziele
Franz Kremer war der erste Präsident des den 1. FC Köln zum damals modernsten Club
1. FC Köln und damit des großartigsten Ver- Deutschlands. Der Boss (so sein Spitzname)
eins der Welt. Ein Verein, den es ohne ihn ver- professionalisierte den gesamten Verein.
mutlich gar nicht geben würde.
Ihm verdanken wir das Geißbockheim, den
Als Vorsitzender des Kölner BC von 1901 war Hennes und die ersten großen Erfolge. Das
Franz Kremer 1948 die treibende Kraft bei Kremer hoch hinauswollte, wurde schon im
der Gründung des 1. FC Köln durch Fusion Jahr 1948 deutlich. Warb er doch für die Fu-
seines Vereins mit der Spielvereinigung Sülz sion der damals unterklassigen Vereine mit
07. Seine Visionen und Leidenschaft machten dem Spruch:
„Wollen Sie mit mir
Deutscher Meister werden?“
Magazin 40www.fc-karte.de
der
tt auch in
5 % Raba s ichern
Und er ließ diesen Worten Taten folgen. Franz Kremer starb 1967, stilgerecht und 15 /2016
Saison 20 maten,
1960, 1962 und 1963 erreichte der 1. FC Köln Kölner bis zum Ende am 11.11. Seine letz- Geldauto
aden: am
das Finale um die Deutschen Meisterschaft, ten Worte waren (übrigens zu seiner Frau, Karte aufl ion
er im Stad
konnte sich allerdings nur 1962 (4:0 gegen nachdem Hannes Löhr im Spiel gegen Ein- online od
den 1. FC Nürnberg) durchsetzen. 1964 wur- tracht Frankfurt das vorentscheidende zwei
de der Effzeh der erste Meister der neuge- zu null geschossen hatte)
gründeten Bundesliga. Heute schwer vorstell-
bar galt Köln in dieser Zeit als das „Real Madrid
des Westens“. Jetzt kannst du
Dass wir dieses Zitat veröffentlichen, hat nicht
das Radio
damit zu tun, dass wir in den nächsten Jahren
auf die Meisterschaft hoffen, oder sie gar er-
ausmachen.
warten. Es tut einfach gut, daran zu erinnern, Möge er in Frieden ruhen und danke für alles.
dass der Effzeh mal ein großer Verein war und Hoffentlich können wir irgendwann ihm zu
zu hoffen, dass das irgendwann wieder ein- Ehren wieder diese wunderschöne Schale in
mal so sein wird. den kölschen Himmel recken.
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Fußball für Couch und Sessel
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Bastian Hoyer mit Tipps
zum runden Leder in Wort und Bild
1
2
Werner Skrentny. gie die übrigen Bundesligastadien 2015/16
Es war einmal ein überstrahlt. Genau dieser Umstand ist auch
1 // Geißbock rot Stadion. ein Grund für die schier übergroße Karten-
Art.-Nr.: 4080281
29,95 € / Mitgliederpreis 26,96 € Verschwundene nachfrage für Heimspiele. Nach dem Studium
2 // Sweatjacke „Jakobusstr.“ Kultstätten des von Skrentnys Werk reduziert sich alles auf die
Art.-Nr.: 2010310 / Gr. S-5XL Fußballs. eine erklärende und unfair vergleichende Fra-
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Verlag Die Werkstatt, ge, was ein neuer, steriler und beliebiger Be-
3 // Hoodie „Blumenallee“
Art.-Nr.: 2020099 / Gr. XS-2XL Göttingen 2015, tonbunker gegen eine durch die Historie und
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4 // Cap „Kölner“
Art.-Nr.: 2050243
te aufbieten kann. Nichts. Stadien werden zu
14,95 € / Mitgliederpreis 13,46 € Mit Stadien verhält es sich ähnlich wie mit Kultstätten und diese wiederum Bestandteil
5 // Beanie „Wappen“ den eigenen Lieblingsschuhen: Wenn Sie ein- einer wachsenden Fußballkultur. Knapp 100
Art.-Nr.: 2050220
14,95 € / Mitgliederpreis 13,46 € gelaufen und bequem zu tragen sind, werden dieser großartigen Orte hat Skrentny ein
sie zumeist ausrangiert. Denn das was älteren Andenken bewahrt und in sein Buch aufge-
Stadien anhaftet, ist diese gewisse imaginäre, nommen. Darüber hinaus hat er aber auch
historische Patina, die nur in Pokalfights unter allerlei Fakten beigepackt, die sehr interes-
Flutlicht mit einem abschließenden Elfme- sant zu lesen sind. So fand bereits 1926 das
terkrimi oder bei Abstiegsdramen und un- erste Flutlichtspiel in Deutschland statt und
3 erwarteten Spielwendungen entsteht. Eines auch der 1. FC Köln hatte ein skurriles Erleb-
der in absehbarer Zukunft – zumindest in der nis, indem er im Gelsenkirchener Parkstadion
gegenwärtigen Form – verschwinden Stadi- einen Auswärtssieg landete – gegen Borussia
Immer auf dem neuesten Stand bleiben! en dürfte das Böllenfalltor sein, dessen Ma- Dortmund!
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45 MagazinFrank Willmann. Alex Raack.
Jan Mohnhaupt. Kassiber aus der Den muss er machen.
Auf der Kippe. Gummizelle. Die Kunst des Phrasen, Posen,
Die zwei Leben des Geschichten vom perfekten Plattitüden – die
Michael Tönnies. Fußball. Strafstoßes. wunderbare Welt der
Verlag Die Werkstatt, Verlag Die Werkstatt, Verlag Die Werkstatt, Fußball-Klischees.
Göttingen 2015, Göttingen 2015, Göttingen 2015, Verlag Edel,
232 S., 19,90 €. 160 S., 9,90 €. 320 S., 16,90 €. Hamburg 2015,
176 S., 16,00 €.
Das Zustandekommen dieses Buches ist Ein Taschenbuch, welches auf 160 Seiten Elf Meter sind nicht viel. Eine kurze Strecke
schlicht purer Zufall gewesen. Eigentlich woll- nahezu die gesamte Bandbreite an Themen von wenigen Schritten. Im Fußball kann diese Es wird auch in Zukunft so bleiben – defi-
te Mohnhaupt eine Geschichte über den MSV rund um den Fußball in kurze Kurzgeschicht- kleine Distanz die Welt bedeuten, große Parti- nitiv! Weiterhin wird sich die gesamte Fuß-
Duisburg machen. In einer seiner schwierigs- chen packt, ist wahrlich eine reife Leistung. en zu epochalen Ereignissen machen. Von ei- ballgemeinde darüber beschweren wie in-
ten Phasen seit seinem Bestehens überhaupt, Obendrein stellt dies zudem eine weitere nem Moment zum nächsten werden Helden kompetent, übertrieben, manchmal auch zu
wo niemand absehen konnte, wie und ob es Qualität dar, denn so ist es möglich auch nur geboren oder bekommen große Karieren ei- emotionslos und zu distanziert sich Kom-
in der darauf folgenden Woche überhaupt mal zwischendurch eine dieser kleinen und nen irreparablen Knick. Lyttleton geht Fragen mentatoren bei den Spielen, die für viele
noch weitergeht. In solch einer Situation gro- von Willmann zumeist miterlebten Geschich- nach, die diese eigentlich simple Torschuss- so viel bedeuten, äußern. Heute Bela Rethy,
ßer Ungewissheit und Unsicherheit befand ten zu lesen. Jedoch werden es vermutlich variante offen lässt und die schier unmöglich früher Gerd Rubenbauer. Das tröstliche für
sich auch einer der bekanntesten und belieb- eher mehrere an einander gereiht – oder anmuten, seriös beantworten zu werden. Rethy und seine Kollegen der Gegenwart:
testen Spieler, die je sich das Trikot der Zebras sogar das gesamte Buch in einem Stück wer- Wie schafft es ein Torwart in einem Elfme- Irgendwann, wenn sich über seine Nachfolger
übergestreift haben. Genauso wie in jenen den. Zu interessant und lesenswert sind seine terschießen mehrmals in die richtige Ecke zu lustig gemacht wird, werden wir ihn sogar
Tagen des Sommers 2013, stand Michael Tön- Erlebnisse rund um Derbys in Bosnien-Herze- springen? Warum versagen oftmals gerade vermissen. Vielleicht. So wie es (nicht nur)
nies’ Leben ab 2004 ständig buchstäblich auf gowina und Serbien, seine humorvollen Er- erfahrene Spieler und scheitern tragisch? Wa- dem Autor mit Rubenbauer und dessen ker-
der Kippe. Nach seiner aktiven Kariere verlief läuterungen, weshalb der FC Bayern das Böse rum sollten englische Nationalspieler besser nigen, oberbayrischen Akzent geht. Halt eben
sein Leben stetig bergab. So richtig bedroh- im Fußball verkörpert und dass mit Puyol der auf ein Elfmeterschießen bereits im Vorfeld „fulminant“. Ähnlich verhält es sich mit Spie-
lich wurde es jedoch erst, als ihm nicht nur letzte Spieler mit einer derart ausgeprägten verzichten – besonders wenn es gegen eine lern, die einem nach ihrem Laufbahnende
sprichwörtlich die Luft zum Atmen wegblieb. Identifikation zu nur (s)einem Verein die ei- deutsche Auswahl geht? Welche physischen fehlen, an denen man sich zu ihrer aktiven
Dass er sich letztlich dann doch für eine glei- gene Laufbahn beendet hat. In Bezug auf die und welche psychischen Faktoren wirken auf Zeit gerieben hat. Typen, deren markige Äu-
chermaßen riskante wie alternativlose Lun- amüsante Komponente ist Willmanns unfrei- Spieler vor und bei einem Elfmeter(schießen) ßerungen oder auffälliges Erscheinungsbild
gentransplantation entschied, ist auch der willige und schweißtreibende, finnische Fuß- ein? Was lässt sich an wertvollen Erkenntnis- einem in Erinnerung geblieben sind und mit
Verdienst einiger Menschen, denen der „Di- ballquarantäne in diversen Saunen während sen aus anderen Sportarten wie Golf, Hand- denen man eigene prägende Erlebnisse ver-
cke“ mehr bedeutet als er sich damals selbst. der Endphase der WM 2002 ein Höhepunkt ball oder Rugby ziehen, um möglichst erfolg- bindet. All denen und noch einiger anderer
Inzwischen haben er und sein geliebter MSV des Buches. Erfinderisch schafft er es man- reich dabei zu sein? All diesen Fragen und Themen und den dazu mehr oder minder
es geschafft wieder zu atmen und sind von chen Saunagang zu umgehen, um irgendwie noch einigen mehr geht der Autor in seinem passenden Ausrufen gibt dieses Buch den
der Kippe gesprungen. Ein Buch, welches und irgendwo die deutschen Spiele im TV zu Buch mit Beispielen und Statistiken nach und gebührenden Rahmen, gemäß dem Titel des
berührt, ermutigt und auch erklärt, wieso im sehen, bis ihn ein Stromausfall während des reichert diese mit Anekdoten und sporthisto- letzten Kapitels: „Fußballherz, was willst du
einstigen Jugoslawien zehn Biere 1000 D- Finales zur Verzweiflung treibt. Und zurück in rischen Fakten an. mehr?“
Mark kosteten. die Sauna.
Magazin 46 47 MagazinGottfried Weise. bewusst nicht aus. Vor diesem Hintergrund den Unterschied zum Grau der 1960er und tung raffinierter Spielzüge und vor allem die
Als Maradona 80.000 der diversen Widrigkeiten mit denen damals 70er Jahre ausmachte. Da mutet es regelrecht Offenlegung taktischer Unzulänglichkeiten
lockte. Die DDR-Klubs Aktive wie Fans zurechtkommen mussten, tragisch an, dass mit Ausnahme von den eu- der jeweiligen Abwehr, die dem gegneri-
im Europapokal. ist das Erreichte umso höher einzuschätzen. ropäischen Auftritten Manchester Uniteds, schen Kollektiv durch angebliches Versagen
Verlag Die Werkstatt, Weise ist ein bemerkenswerter Beitrag zur Best die große internationale Fußballbühne einen Torerfolg ermöglichte. Fußballtaktik
Göttingen 2015, deutschen Zeitgeschichte gelungen verwehrt geblieben ist. Denn trotz seiner und das sich daraus ergebende Diskussions-
240 S., 19,90 €. Mithilfe konnte sich der nordirische Fußball- potenzial nehmen eine immer größer wer-
verband damals weder für eine EM- oder WM- dende Bedeutung in der Berichterstattung
Ohne jeden Zweifel war das Jahr 1974 das Endrunde qualifizieren. Zudem rutschte Best und an den Stammtischen der Republik ein
beste Jahr des DDR-Fußballs und von Jürgen zwischen die Fronten des nordirischen Bür- – vorhandene Kompetenz der Wortführer hin
Sparwasser. Mit dem 1. FC Magdeburg holte Dietrich gerkriegs, da militante Gruppierungen beider oder her. Doppelsechs, Spielverlagerung „fal-
er den einzigen Titel im Europapokal in den Schulze-Marmeling. Seiten ihn für ihre jeweiligen Zwecke gewin- sche“ Neun sind Begriffe, die im Wortschatz
Arbeiter- und Bauernstaat und bei der WM in George Best. nen wollten. George Best ließ sich allerdings eines Fußballfans heutzutage enthalten sein
der BRD gelang ihm der Siegtreffer im Bruder- Der ungezähmte nicht vor irgendeinen Karren spannen, was sollten. Es ist schon eine enorme Entwick-
duell gegen die Bundesrepublik. Der natio- Fußballer. auch letztlich dazu führte, dass er sowohl bei lung, die der Fußball seit seinen Anfängen
nale Heldenstatus wahr ihm jedoch danach Verlag Die Werkstatt, Protestanten wie Katholiken gleichermaßen durchgemacht hat. Sah anfänglich die Spiel-
nicht beschieden – ganz im Gegenteil. Hatte Göttingen 2015, beliebt war und ist. Imposanter Beleg hier- weise sehr unstrukturiert bis chaotisch aus,
der überwiegende Großteil der DDR-Bevölke- 272 S., 16,90 €. für war seine Beerdigung vor zehn Jahren als waren es Trainer wie der Österreicher Meisl,
rung gehofft, der spätere Weltmeister würde weit über 100.000 Menschen den Weg seines die für die ersten feinen Akzente sorgten und
die Unterlegenheit des Sozialismus auf der Ein nordirisches (Fußball-)Sprichwort, wel- Trauerzugs durch Belfast säumten und für die dessen Mannschaft die Zuschauer verzauber-
Anzeigtafel deutlich machen, wurde Spar- ches drei der größten Fußballer in einem ein- größte Beerdigung Nordirlands sorgten. Es te. Später folgten der Ukrainer Lobanowskyi
wasser nur zum Helden der Parteifunktionäre. zigen Satz vereint, sagt: „Maradona good, Pelé ist an der Zeit George Best endlich ganz weit und der ehemalige FC-Coach Rinus Michels,
Angebote vom FC und vom Niederrhein wa- better, George Best!“ Dies bestätigt tatsäch- vorne in der Reihe der größten Fußballer aller welche die Vielfalt an Spielweisen bereicher-
ren nur ein schwacher Trost, zeigten aber die lich auch der ehemalige brasilianische Ball- Zeiten zu führen. ten. Der eine ließ schon vor über 40 Jahren
teilweise vorhandene Qualität und Konkur- zauberer mit seiner Einschätzung, wonach er ohne den damals standardmäßigen Libero
renzfähigkeit des DDR-Fußballs auf Kontinen- Best als „den Besten“ überhaupt sieht. Schul- spielen, der andere kreierte mit dem genialen
talebene. Und große Momente gab es zuhauf. ze-Marmelings exzellente Biographie arbeitet Johan Cruyff den totalen Fußball, mit dem
Nicht nur die Gastspiele von Cruyff, Maradona klar heraus, dass George Best weit mehr war, Jonathan Wilson. Ajax Amsterdam Mitte der 1970er Jahre zur
oder Bayern München waren Höhepunkte im als das was immer noch sehr viele in ihm se- Revolutionen auf bestimmenden Klubmannschaft in Europa
ansonsten tristen und grauen Punktspielalltag hen: Einen modebewussten, für Alkohol und dem Rasen. wurde. Heutzutage stellen Guardiolas „Tiki-Ta-
der DDR-Oberliga. Ernüchternd war jedoch, Frauen sehr zugänglichen und in finanziellen Eine Geschichte ka“ und ein möglichst vielseitiger Spielertyp
dass eine Fahrt zum Auswärtsspiel für den Dingen unglücklich agierenden Menschen, der Fußballtaktik den aktuellen Stand dar, den Wilson auf rund
Normal-Fan ausgeschlossen war. Ein bitterer dessen viel zu früher Tod mit nicht einmal 60 (Neuauflage). 600 Seiten sehr anschaulich erläutert.
Beleg hierfür ist die nicht einmal fünfstellige Jahren eine Folge ebenjener Faktoren war. Verlag Die Werkstatt,
Zuschauerzahl als Jena im Rheinstadion der Ihn in eine bestimmte Schublade zu stecken Göttingen 2015,
Landeshauptstadt sich 1981 anschickte ge- ist genauso unmöglich wie eine konkrete Be- 576 S., 19,90 €.
gen Tiflis den zweiten großen Titel in die DDR schreibung seines Spielstils, der sich durch
zu holen. Gerade diese bitteren und dunklen höchstes technisches Niveau und überra- Kaum ist der Abpfiff eines Bundesligaspiels
Seiten des DDR-Fußballs spart dieses Buch schende Einzelaktionen auszeichnete und so ertönt, beginnt schon die taktische Aufberei-
Magazin 48 49 MagazinZwei Highlights überstrahlen
manchen Ausrutscher
Michael Sandmann zeigt die Auswärtsbilder
Bei den Resultaten der Auswärtsspiele im weiteren Verlauf der
Hinrunde waren einige Tiefschläge dabei. Und zuletzt hat es dann
auch mit dem Toreschießen nicht mehr gut geklappt.
Trotzdem denken die FC-Fans bei den Auswärtsspielen der Hinrunde
2015 weniger an Frankfurt und Bremen (Pokal), sondern an die
umjubelten Siege in Leverkusen und auf Schalke. Aber es begann
mit der Alex Meier-Show …
Samstag, 12. September 2015 Besonders hoffnungsfroh fuhren tausende Torschützenkönig der Vorsaison schoss einen
1. Bundesliga, 4. Spieltag FC-Fans zum „Samstags-Topspiel“ nach Frank- kopflosen FC mit drei Toren fast im Alleingang
furt. Denn die Eintracht schien für den neu- ab. Da der FC allerdings durch Modeste und
en Super-FC ein dankbarer Gegner zu sein. Heintz auch noch zweimal ins Eintrachtnetz
Jonas Hector, FC-Stammspieler in der Natio- traf, komplettierten drei weitere Gegentreffer
nalmannschaft, hatte in der vorangegange- die 2:6-Klatsche. Dank des herausragenden
Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln nen Länderspielpause zwei Sahneleistungen Saisonstarts spielten sich andere Szenen ab,
6:2
abgeliefert. Wie der Sky-Reporter zu sagen als noch bei einer länger zurückliegenden
pflegt, es war angerichtet. Angerichtet aber 3:6-Pleite bei den Hessen (2005). Aufmunte-
nur für den SGE-Comebacker Alex Meier. Der rung, statt Entzweiung.
FP-Info 50 51 FP-InfoSie können auch lesen