NO. 19//WINTERWINTER 20202020 - RADIO KLASSIK
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No. 19//Winter € 5,50
2020
Die grüne Weihnacht S. 2 24 x Menschlichkeit S. 10
Weihnachtsprogramm – alle Sendungen S.12
Best of „Unser Beethoven“ S. 20 Don Giovanni als Mörder? S. 48GRAFENEGG 2021
10. Juni–5. September
Münchner Philharmoniker · Valery Gergiev
Zubin Mehta · Joyce DiDonato · Christian Tetzlaff
Wiener Philharmoniker · Paavo Järvi
Filarmonica della Scala · Semyon Bychkov · Sol Gabetta
Piotr Beczała · Hélène Grimaud · Renée Fleming
Tonkünstler-Orchester · Rudolf Buchbinder · Toshio Hosokawa
© Alexander Haiden
grafenegg.com
Wir danken unseren Hauptsponsoren:Wien: 107,3 | Graz: 94,2 | Österreichweit: DAB+
EDITORIAL
Weihnachten steht vor der Tür. Ein Weihnachten,
das wahrscheinlich ganz anders wird, als wir uns
jemals vorstellen konnten. Wird es überhaupt ein
gemeinsames Feiern geben, in den Familien, in
den Kirchen?
Liebe Leserinnen und Leser von magazin KLASSIK,
diese Ausgabe hatte einmal den Übertitel „Wunder –
No. 19//Winter
2020
€ 5,50
Weihnachten – Staunen – Schenken“. Während ich diese
1
Zeilen schreibe, greift der zweite Lockdown dieses Jahres
erneut in unser Leben ein und wir haben in den vergan-
genen Wochen und Monaten über ganz andere Dinge
gestaunt und uns gewundert. Mit unserem Radioprogramm
und diesem dennoch stimmungsvollen Magazin, wollen
wir Ihnen einen Funken weihnachtlicher Normalität
weitergeben.
Freuen Sie sich außerdem auf den Jahresrückblick
„Unser Beethoven“, auf Notizen eines Möchtegern-Ös-
terreichers und auf einen musikalisch-juristischen Brief-
wechsel zum Thema „Don Giovanni“!
Im Advent präsentieren wir Ihnen Rainer Maria
Die grüne Weihnacht S. 2 24 x Menschlichkeit S. 10
Weihnachtsprogramm – alle Sendungen S.12
Rilkes Weihnachtsbriefe an seine Mutter – gelesen von
Michaela Krauss. Im neuen Jahr wird Martin Haselböck
Best of „Unser Beethoven“ S. 20 Don Giovanni als Mörder? S. 48
Cover: seine RESOUND-Sendereihe einmal im Monat mit den
Der Baum am Titel ist eine Interpreta Sinfonischen Dichtungen von Franz Liszt fortsetzen.
tion der gezeichneten Vorlagen Ich wünsche Ihnen eine ruhige Adventzeit, gesegnete
des Gugginger Künstlers Heinrich
Reisenbauer (siehe Artikel auf Weihnachten und einen guten Rutsch in ein besseres Jahr!
der nächsten Seite). studio VIE
hat den Tannenbaum für diese Jahres Ihr Christoph Wellner
zeit vergoldet.
Chefredakteur
P.S.: Selbstverständlich überträgt radio klassik
Stephansdom alle wichtigen Weihnachts-
Gottesdienste aus dem Wiener Stephans-
dom! Bitte entnehmen Sie diese Termine
dem vollständigen Weihnachtsprogramm
auf S. 12.magazin KLASSIK Winter
2020
DIE GRÜNE
WEIHNACHT.
2
Jasmin Wolfram im Gespräch mit Nina Katschnig,
managing director galerie gugging.Wien: 107,3 | Graz: 94,2 | Österreichweit: DAB+
JW:
In wenigen Tagen wird die Tanne ein
symbolischer Mittelpunkt des Weihnachtfests sein.
.
In der künstlerischen Auseinandersetzung der
Gugginger Künstler ist die Tanne als Weihnachts-
motiv sehr beliebt. Woran liegt das?
Interview – Jasmin Wolfram
Das liegt wohl daran, dass es Tradition ist,
NK:
Der Tannenbaum das Weihnachtsfest mit einem geschmück-
in der Art Brut. ten Baum zu feiern, und da die Künstler Jahreszeiten
bezogene Themen immer wieder gerne aufgreifen,
kommt es zu diesen Arbeiten. Es wird auch zumeist
ein Christbaum gezeichnet, weil das unserer Kultur
entspricht und weil sich die Künstler ganz einfach
jedes Jahr auf Weihnachten freuen. Das Weihnachts-
fest im Haus der Künstler ist eines der schönsten ge-
meinsamen Feste des Jahres.
JW:
Auf den ersten Blick verleiht die
kindliche Anmutung eine
Leichtigkeit des Seins. Der zweite Blick
oftmals jedoch ein schweres
persönliches Schicksal.
Ist dem so?
Sowohl die vermutete kindliche Anmutung
NK:
als auch das schwere persönliche Schicksal
sind Interpretationen des Betrachters. Wie man etwas 3
betrachtet und in weiterer Folge auch bewertet, hat
immer mit einem selbst zu tun. Kunstwerke stellen
oftmals Projektionsflächen für die Rezipienten dar
und das nochmals verstärkt, wenn es sich um Werke
von Künstlern mit besonderen Vorzeichen handelt.
Da blüht die Fantasie bei vielen so richtig auf. Wenn
man wirklich wissen möchte was/wer hinter den
Werken steht, so müsste man die Schöpferin/den
Schöpfer dazu befragen.
JW:
Bitte um Ihre
Begriffserklärung von
„Art Brut“.
Foto – Heinrich Reisenbauer, Tannen, 2012, Bleistift, Farbstift
Der Begriff „Art Brut“ wurde vom franzö-
NK:
sischen Künstler Jean Dubuffet, der auch
ein einflussreicher Kunstschriftsteller war, in den
1940er Jahren begründet. Dubuffet, der vor seiner
künstlerischen Karriere als Weingroßhändler tätig
war, hat sich dabei vom „brut“ – das meint trocken
ausgebauten, unverfälschten, ungesüßten Wein und
© Privatstiftung – Künstler aus Gugging
Champagner – inspirieren lassen. Er meint damit
eine Kunst, die frei, unbeeinflusst, nicht intellektuell
und roh ist. Dubuffet selbst sammelte diese Kunst
und fand sie an ungewöhnlichen Orten wie etwa auf
der Straße, in der Volkskunst, in Gefängnissen oder
in psychiatrischen Kliniken inner- und außerhalb
Europas. Art brut meint seit jeher eine Kunst jenseits
etablierter Strömungen und Formen.magazin KLASSIK Winter
2020
JW:
Arbeiten der Gugginger Künstler So wie jedes Jahr werden wir gemeinsam
NK:
werden von der heimischen Szene bewundert am 24. Dezember ab 13.30 Uhr Weihnach-
und vom internationalen Publikum ten feiern. Zuerst gibt es ein Lagerfeuer vor dem Haus
mit großem Interesse aufgenommen. Wie gehen der Künstler, wo Weihnachtslieder gesungen werden
die Künstler mit dieser Popularität um? und es gibt Tee und Kekse.
Dann gehen wir hinein, wo schon ein schön ge-
Das ist ganz unterschiedlich, wie wohl sonst schmückter Baum auf uns wartet, und es wird wieder
NK:
auch. Dem einen ist der Erfolg und die gesungen, Gedichte werden vorgetragen und Heinrich
damit verbundene Popularität wichtig, dem anderen Reisenbauer liest das Weihnachtsevangelium. Nach-
nicht so sehr. Prinzipiell ist es aber so, dass ich einen dem dann die Geschenke verteilt wurden, sitzen wir
sehr „entspannten“ Umgang damit bemerke. Johann noch gemütlich zusammen und genießen ein feines
Garber beispielsweise ist sich seines Erfolges als Künst- Essen, das sich die Künstler zuvor gewünscht haben.
Foto – Johann Garber, Ein Gesenk Christbaum, 2012, Tusche
ler sehr bewusst und genießt ihn auch. Es hat ihm Weihnachten mit den Künstlern zu erleben ist ein-
große Freude bereitet, zu seinem 70. Geburtstag in fach schön!
der galerie gugging seine eigene Ausstellung zu kura-
tieren. Ihn interessiert es, wo er steht und was die JW:
anderen Künstler um ihn herum machen und so hat 5 Tannen, 5 unterschiedliche Arbeiten und den-
er auch ganz gezielt die Werke für seine Ausstellung noch charakteristisch für den jeweiligen Künstler.
„curated by Johann Garber“ ausgewählt. Generell Würden Sie dem zustimmen?
glaube ich jedoch, auch wenn es vielleicht nicht im-
© Privatstiftung – Künstler aus Gugging
mer sofort erkennbar ist: Es freuen sich die meisten NK: Ja, dem stimme ich absolut zu! Jede/r
Künstler, wenn ihre Werke gesehen werden und Künstler/in hat seinen/ihren eigenen, un-
Anerkennung finden. Das ist auch bei den Gugginger verwechselbaren Stil. Da ist wunderbar dieses innere
Künstlern der Fall. Ausdrucksbedürfnis zu erkennen, das einer jeweilig
ganz eigenen Formensprache folgt und nichts an-
derem. Das ist für mich faszinierend. Die Künstler
arbeiten zwar jeder für sich, aber doch sind sie jetzt
4 räumlich nicht alle getrennt während sie arbeiten.
Sie sehen sehr wohl wie die anderen Künstler arbei-
ten, aber es interessiert sie nicht, sich davon etwas
abzuschauen bzw. in ihre eigene Arbeit zu integrie-
ren. Heinrich Reisenbauer wird seine Tannen immer
so zeichnen oder malen und nicht anders. Da ist er
der nüchternste von allen. Im christlichen Glauben
erzogen, sind die von den anderen KünstlerInnen
abgebildeten Arbeiten „Christbäume“. Johann Gar-
Foto – Helmut Hladisch, Ein Christbaum, 2013, Bleistift
ber liebt an Weihnachten auch, dass es Geschenke
gibt und deshalb integriert er sie auch in seine klas-
sisch mit Feder und Tusche ausgeführte Zeichnung.
JW:
Ein dekorativer Christbaum-Bausatz,
ein lebender Christbaum zum Mieten, oder doch
die klassische Nordmann-Tanne?
Wonach werden Sie heuer Ausschau halten?
© Courtesy galerie gugging
Ehrlich gesagt, weiß ich das noch nicht!
NK:
Nachdem ich immer zuerst mit den Künst-
lern und dann mit meiner Familie feiere, bin ich schon
mit zwei schön geschmückten Christbäumen „ver-
Bleistift, Farbstifte © Courtesy galerie gugging
sorgt“. Ich glaube aber, dass es dieses Jahr nicht viel
Foto – Laila Bachtiar, Christbaum, 2011,
anders sein wird als in den letzten Jahren. Irgendwie
hätte ich dann doch gerne auch einen Baum zu Hause
und so wird der dann quasi in letzter Minute bei
einem Christbaumstand in einem Park gekauft. Da
JW: sind dann zumeist die Bäume noch da, die etwas
Wie werden Laila Bachtiar, Johann Garber, seltsam gewachsen sind … unregelmäßig und nicht
Helmut Hladisch, Heinrich Reisenbauer so gerade. Da finde ich dann immer ein nicht so
sowie Günther Schützenhöfer dieses großes, „brutes“ Bäumchen, das ich dann mit großer
Weihnachten verbringen? Freude schmücke und so auch in Weihnachtsstimmung
komme.Wien: 107,3 | Graz: 94,2 | Österreichweit: DAB+
Bleistift, Farbstifte © Privatstiftung – Künstler aus Gugging
Foto – Günther Schützenhöfer, Christbaum, 2016,
5
Kulturtipp
galerie gugging
nina katschnig
„überdrüber … leopold strobl
& arnulf rainer“
19. November 2020 –
7. März 2021
Die galerie gugging lädt mit „über
drüber …“ zum Gipfeltreffen zweier
österreichischer Ausnahmekünstler
der Übermalung und Überzeich
nung. Der Altmeister Arnulf Rainer
trifft hier auf den Shootingstar
Leopold Strobl, der dieses Jahr
seinen 60. Geburtstag feiert und
von der Galerie mit einer 60 Arbeiten
umfassenden Werksschau be
schenkt wird.
www.galeriegugging.com
Di – Fr 10.00 bis 18.00 Uhr
Sa 12.00 bis 18.00 UhrAUF
AUGENHÖHE
NIKOLAUS
EIN
Josef Oberleithner schlüpft
seit 47 Jahren in die Rolle des
Bischofs von Myra.Wien: 107,3 | Graz: 94,2 | Österreichweit: DAB+
Alice Bˆsch Österreich, 1896 © Salzburger Weihnachtsmuseum
Foto – Gemälde Öl auf Holz Sign.
Sein weißer Bart hat bereits die Nikolaus-Länge er- Wenn der gelernte Bäcker als Nikolaus auftritt, so
reicht. Denn Anfang Dezember ist Josef Oberleithner will er vor allem eines: „Freude schenken.“ Auch
Text – Marlene Groihofer
rund um St. Pölten stets unterwegs. Dann reiht sich
Termin an Termin, es geht vom Kindergarten zur
alte, einsame Menschen, besuchte er stets. Und er
bekommt viel zurück. Als er an Krebs erkrankt war,
7
Niederösterreichischen Landesregierung, von der erreichte ihn Post aus dem Kindergarten: „Nikolaus,
Schule zum Hausbesuch. Samt Bischofsstab, Mütze bitte werd’ wieder gesund.“
und Kostüm: Josef Oberleithner stellt den Heiligen
Nikolaus dar, seit mittlerweile 47 Jahren. Wie seine
Besuche heuer aussehen, in Corona-Zeiten? „Ich
nehme die Situation wie sie kommt“, sagt der 81-Jäh-
rige. Wohl wird der Abstand eine Rolle spielen, der
Händedruck entfallen, die Pandemie ein offensicht-
licher Begleiter sein.
„Schau, der sieht aus wie der echte Nikolaus“, wird
um ihn herum getuschelt. Denn Josef Oberleithners
Haar und Bart erstrahlen weiß – und sind natur.
Gefestigt ist der Niederösterreicher in seinen
Grundsätzen: „Ich bin kein ‚Erziehungsnikolaus‘“,
Foto – Josef Oberleithner © Marlene Groihofer
sagt Josef Oberleithner. Manche Eltern würden sich
Verbote wünschen, „die gibt’s von mir aber nicht.“
Wichtig sei ihm, sich auf Augenhöhe mit den Kindern
zu begeben. „Ich bin ein Meister im ‚Runterhockerln‘
geworden.“
Seine eigene Kindheit war eine Zeit der Ent-
behrungen und des Schuftens. „Teufelskind“, wurde
er als „lediger Bub“ einer jungen Mutter in Schule
und Pfarre gerufen. Das Ministrieren war ihm lang
verboten. „Das alles hat sehr wehgetan“, sagt der
81-Jährige, der seine ersten Lebensjahre bei einer Radiotipp
Ziehmutter verbrachte. „Bis heute stelle ich mich
deshalb bei Ungerechtigkeiten auf die Füße.“ Lebenswege
Dennoch blieb Josef Oberleithner der Kirche
06.12., 17.30 Uhr
treu, war über Jahrzehnte hinweg Mesner, Vorbeter,
Kommunionspender und Leiter von Wortgottesfeiern. Eine Sendung von Marlene
Und er ist glühender Marienverehrer: „53 Jahre lang Groihofer über den Nikolaus
bin ich nach Mariazell gepilgert.“ Josef Oberleithner.magazin KLASSIK Winter
2020
„DIE
KRIPPE
STEHT
FÜR
8
In alten Gemäuern
im Weinviertel befindet
sich ein weihnacht
licher Schatz. In Sitzen
dorf an der Schmida
hat Familie Schreiber
über 1.000 Krippen aus
der ganzen Welt ge
sammelt.
Krippen in allen möglichen Formen und Darstellungen
gesammelt. „Mein Vater hatte eine burgenländische
Kastenkrippe geerbt, mit einem Storch und Menschen
Text – Stefan Hauser
in regionaler Tracht, damit wurde früher bei uns die
Das Haus atmet Geschichte. Ein ehemaliges Refekto- Verkündigung nach Hause gebracht“, schildert Ro-
rium aus dem 12. Jahrhundert wurde zum Refugium switha Schreiber-Jetzinger. Sie verwaltet nach dem
von Hiltigund und Gerhard Schreiber. Hiltigund Tod ihres Vaters und der Erkrankung ihrer Mutter
war jahrelang Diözesankonservatorin der Erzdiözese den Krippenschatz im Haus. Der ganze Wohntrakt
Wien und leitete das Referat für kirchliche Kunst und und die ehemaligen Werkstätten einer Sattlerei sind
Denkmalpflege. Das Ehepaar hat über Jahrzehnte bis auf den letzten Platz mit Krippen aller Art gefüllt.Wien: 107,3 | Graz: 94,2 | Österreichweit: DAB+
Darstellen der Texte Dank haben sie ihm diese Krippe geschenkt“, erzählt
Warum Krippen seit jeher einen wesentlichen Platz Roswitha Schreiber-Jetzinger. Nicht nur die weih-
in Kirchen und in Familien haben, erklärt Roswitha nachtliche Darstellung steht in den Schreiberschen
Schreiber-Jetzinger so: „Dadurch, dass früher die Messen Sammlungen im Mittelpunkt, sondern auch Fasten-
auf Latein gelesen wurden, war es für die Leute sehr krippen. Sie stellen die letzten Lebenstage Jesu dar
schwierig zu verstehen, was im Zentrum der Liturgie- und seine Auferstehung.
texte zur Geburt Jesu stand. Die Kunst und vor allem Ein Glanzstück der Sammlung Schreiber ist eine
Foto – Krippe aus Maiskolben © Stefan Hauser
Weihnachtskrippen hatten die Aufgabe, den Menschen Weihnachtskrippe aus einer aufgelassenen Klosterkirche.
das darzustellen, was der Pfarrer gerade vorliest. Das „Aus dieser haben meine Eltern die Figuren bekommen,
ist es, wovon wir sprechen.“ allerdings fehlte Maria mit dem Jesuskind. Die hat mein
Ihre Mutter Hiltigund hat sogar zahlreiche Vater dann gebastelt und meine Mutter angemalt.“
Krippen selbst gebastelt: „Meine Mutter ist geprüfte
Krippenbaumeisterin, sie hat Landschaften gebaut, Tradition geht weiter
Höhlen, Tempel und andere Krippenhintergründe“, Eine große Papierkrippe aus tschechischer Pro-
so Tochter Roswitha. Ihre Eltern haben bei Ausflügen venienz darf in der Sammlung nicht fehlen. „Mein
immer in Kirchen nachgefragt, ob es nicht eine Weih- Vater ist jährlich vor Weihnachten zu einem Künstler
nachtskrippe gibt, die nicht mehr gebraucht wird, über die Grenze gefahren und kam dann mit einigen
so haben sie etliche in ihren Bestand bekommen. neuen Papierfiguren zurück.“ Die beiden Schreiber-
„Mama hat auch leidenschaftlich auf Flohmärkten schwestern malten die Handwerker, Bauern oder
Ausschau gehalten“, so Schreiber-Jetzinger. Selbstver- Kulissen an und rechtzeitig zum Weihnachtsfest war
ständlich stellten Krippen für sie und ihre Schwester die Papierkrippe wieder ein Stück größer.“
einen wesentlichen Bestandteil der Weihnachtszeit in Die Schreibers schenkten der Gemeinde Sitzen-
ihrer Kindheit dar. „Wir hatten eine große Krippe mit dorf an der Schmida eine große Krippe. Diese wird
rund 40 Zentimeter großen Figuren. Jährlich haben jährlich in der Weihnachtszeit auf dem Hauptplatz
unsere Eltern bei einem Südtiroler Krippenbauer ausgestellt. Damit ist gesichert, dass die Tradition des
eine weitere Figur in Auftrag gegeben. Die Über- Kripperlschauens weitergeht. Roswitha Schreiber-Jet-
raschung für uns Kinder war immer: Was kommt zinger hofft, geeignete Räumlichkeiten für die über
heuer dazu? So wurde die Krippe mit Hirten, oder 1.000 Krippen der Sammlung zu finden, um sie der
9
Foto – Tschechische Papierkrippe © Stefan Hauser
auch einem Haflinger-Pferd ergänzt.“ Als Roswitha Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
heiratete, bekam sie von ihren Eltern diese Krippe als
Hochzeitsgeschenk. Schreiber-Jetzinger ist in ihrem
Brotberuf Reitlehrerin und freut sich besonders über
die Pferdefigur in ihrer Hauskrippe. Selbstverständlich
hat sie die von ihren Eltern erlernte Krippentradition
an ihre drei Kinder weitergegeben.
Krippen mit unterschiedlichem Flair
Bei einer Führung durch die Krippensammlung Foto – Heilige Drei Könige aus Blech © Stefan Hauser
zeigt sich deren Internationalität und Unterschied-
lichkeit. In einer mexikanischen Krippe, in der die
Hirten nicht Schafe hüten, sondern Lamas, tragen die
Figuren typische Tracht, Männer haben einen Som-
brero auf. Lehmmandlkrippen, aus Lehm gefertigt,
finden sich genauso in der Sammlung, wie Figuren
aus Maisstroh. „Wenn man das äußere Grün eines
Maiskolbens trocknet, kann man die Blätter biegen und
formen“, schildert Roswitha Schreiber-Jetzinger. Auch
Wachs eignet sich für Formgestaltung. Den Beweis
dafür bringt eine edle Krippe, deren Figuren barockes
Gewand mit Brokat tragen. „Auch Josef und Maria
sind prunkvoll gekleidet, allerdings übertreffen die
Heiligen Drei Könige das traute Paar“, sagt Roswitha
Schreiber-Jetzinger augenzwinkernd.
Dank von Priestern
In den Holzschränken der Krippensammlung Radiotipp
finden sich auch Heilige Drei Könige, die aus Blech
gefertigt wurden. Eine spezielle Krippe in der Samm-
lung stammt aus dem afrikanischen Uganda. Eine
Perspektiven
Art Kugel zum Auseinandernehmen zeigt das Ge- 30.12., 17.30 Uhr
schehen zu Bethlehem. „Unser Vater hat über Jahre
zwei Priesterstudenten aus Uganda unterstützt. Zum Die 1.000 Krippen der Schreibers.
Eine Sendung von Stefan Hauser.magazin KLASSIK Winter
2020
Peter
Foto – Erlacher Madonna, um 1320-1330
Nach meiner Abendsendung ging ich zur U-Bahn-
Station Stephansplatz. Viele Eilige, die alle wohin
wollten: nach Hause, zum Essen oder zum Treffen.
Darunter ich. Da fiel mein Blick auf einen Mann,
Text – Arabella Fenyves
der mit geschlossenen Augen auf der Bank am Bahn-
steig lag. Aus seiner Manteltasche ragte eine Flasche
© Dom Museum Wien
Hochprozentiges. Es war Ende November und kalt.
Ich hatte Mitleid.
Ich fragte nach. „Entschuldigen Sie, geht es Ihnen
gut?“ Der Mann öffnete die Augen und blinzelte mich
an. Er freute sich. Wir stellten uns einander vor. Er
hieß Peter.
Tun, was man kann
Wir wechselten ein paar Worte und
unaufgefordert steckte ich ihm einen
Geldschein zu. Nicht originell, aber
hoffentlich hat es Peter gefreut. Er war
schon wieder eingeschlafen.
MENSCH-
Bildergruppe, um 1415 © Dom Museum Wien
Foto – Geburt Christi aus einer gotischen
LICHKEIT
Ich dachte nach: Peters Probleme kann ich nicht
lösen. Aber es gibt Leute, die sich da besser auskennen.
24 x Menschlichkeit
24 x Menschlichkeit bietet unter anderem kleinen
Und die könnte ich unterstützen. Vereinen und Initiativen eine Plattform. Der Grundge-
So ging ich am nächsten Tag in den Sender, beseelt danke ist, Aufmerksamkeit zu schenken, denn vielleicht
von dem Gedanken, eine Weihnachts-Benefiz-Sendung braucht jemand die Hilfe dieser Organisation oder will
zu gestalten. Das Echo der Kolleginnen und Kollegen diese sogar unterstützen. Mitten im Vorweihnachts-
war enorm. Aus der Idee wurde ein täglicher Advent- stress entstand diese spontane Idee. Es war tatsächlich
kalender, der auf verschiedenste Hilfsorganisationen in nicht einfach, sie so kurzfristig umzusetzen aber: wo
Wien und Graz und sogar weltweit aufmerksam macht. ein Wille, da ein Weg.
Hören Sie zu! Ihre Arabella Fenyves
Foto – Hans Schwathe, Monstranz, 1919
Radiotipp
24x
© Dom Museum Wien
Menschlichkeit
Zweimal täglich im Advent
1. bis 24. Dezember 2020www.dorotheum.com
Entdecken Sie Kunst, Antiquitäten und Juwelen
in einem der größten Auktionshäuser der Welt
Beratung und Übernahme zur Auktion
Palais Dorotheum, Wien, +43-1-515 60-570WEIHNACHTS-
DEZ Fr. 25
10.15 Uhr
NIKOLAI-MESSE
Do. 31
09.05 Uhr
24 MISSA
Joseph Haydn
Live aus dem Stephansdom mit Kardinal
Do. Christoph Schönborn SOLEMNIS
09.05 Uhr 16.30 Uhr OP. 123
A CEREMONY VESPER Ludwig van Beethoven
Laura Aikin, Bernarda Fink,
OF CAROLS Johann Baptist Gänsbacher
Live aus dem Stephansdom mit Kardinal
Johannes Chum, Ruben Drole, Arnold
Schoenberg Chor, Concentus
OP. 28 Christoph Schönborn Musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt
26
Benjamin Britten
Choir of Clare College Cambridge, 14.00 Uhr
Graham Ross
Sa. SILVESTER-
14.00 Uhr 10.15 Uhr
KLASSIKER
WEIHNACHTS MESSE Moments Musicaux
aus Wien
LIEDER INFranz
B-DUR
Schubert
16.30 Uhr
AUS GANZ Live aus dem Stephansdom
JAHRES
ÖSTERREICH
27
Vom Andachtsjodler bis Still, Still, Still …
SCHLUSS
So.
ANDACHT
Live aus dem Stephansdom
16.30 Uhr
10.15 Uhr mit Kardinal Christoph Schönborn
VESPERAE PASTORAL-
SOLENNES DE MESSE
18.00 Uhr
CONFESSORE Johann Baptist Vanhal SYMPHONIE
Wolfgang Amadé Mozart
Live aus dem Stephansdom mit
Live aus dem Stephansdom
NR. 9 (ARR.
Kardinal Christoph Schönborn
FRIEDRICH
19.00 Uhr
KALKBRENNER)
Ludwig van Beethoven
STILLE NACHT, Etsuko Hirose (Klavier), Chœur
Philharmonique d’Ekaterinbourg,
HEILIGE NACHT
Chöre, Stars, Hits und Raritäten
Andreï Petrenko
zum Heiligen Abend
20.00 Uhr
24.00 Uhr DIE FLEDER-
CHRISTMETTE MAUS
Johann Strauß Sohn
Live aus dem Stephansdom
mit Toni Faber Herbert von Karajan, 1960
PROGRAMMDas Weihnachtsoratorium
von Johann Sebastian Bach.
JAN
Alle sechs Kantaten an den passenden Tagen in
sechs Besetzungen. Jeweils um 09.05 Uhr.
25.12. J. S. Bach: Kantate „Jauchzet, frohlocket" BWV 248/1
Paul Schweinester, Daniel Schmutzhard, Wiltener
Sängerknaben, Academia Jacobus Stainer, Johannes Stecher
26.12. J. S. Bach: Kantate „Und es waren Hirten in
01
derselben Gegend" BWV 248/2
Regula Mühlemann, Wiebke Lehmkuhl,
Fr. Sebastian Kohlhepp, Michael Nagy, Gächinger
10.15 Uhr Kantorei, Hans-Christoph Rademann
27.12. J. S. Bach: Kantate „Herrscher des Himmels,
HOCHAMT erhöre das Lallen" BWV 248/3
MIT ORGEL- Dorothea Röschmann, Andreas Scholl,
Werner Güra, Klaus Häger, RIAS
MUSIK
Live aus dem Stephansdom
Kammerchor, Akademie für Alte Musik
Berlin, René Jacobs
1.1. J. S. Bach: Kantate „Fallt mit Danken,
fallt mit Loben" BWV 248/4
Christine Schäfer, Bernarda Fink,
03
Werner Güra, Gerald Finley, Arnold
Schoenberg Chor, Concentus Musicus
Wien, Nikolaus Harnoncourt
So. 3.1. J. S. Bach: Kantate „Ehre sei Dir,
10.15 Uhr Gott gesungen" BWV 248/5
MISSA IN Dorothee Mields, Elvira Bill,
Markus Schäfer, Klaus Häger,
NATIVITATE Thomanerchor Leipzig, Gewand
DOMINI
Joseph Gabriel Rheinberger
hausorchester, Gotthold Schwarz
6.1. J. S. Bach: Kantate „Herr, wenn die
stolzen Feinde schnauben" BWV 248/6
Live aus dem Stephansdom
Juliane Banse, Cornelia Kallisch, Robert Swensen,
Thomas Quasthoff, Windsbacher
Knabenchor, Münchner
Bachsolisten, Karl-Friedrich
06
Beringer
Mi.
10.15 Uhr (Weihnachts)oratorien
KRÖNUNGS einmal anders.
Jeweils um 19.00 Uhr.
MESSE
Wolfgang Amadé Mozart
25.12. G. F. Händel: Messiah
La Capella Reial de Catalunya, Le Concert des Nations,
Jordi Savall
„OMNES DE 26.12. Joseph Eybler: Weihnachtsoratorium
SABA VENIENT“
Joseph Eybler
Sabine Ritterbusch, Waltraud Hoffmann-Mucher, Harry
van Berne, Jelle Draijer, Alsfelder Vokalensemble Bremen,
Bremer Domchor, I Febiarmonici, Wolfgang Helbich
Live aus dem Stephansdom mit Kardinal
Christoph Schönborn
[Beginn 17.00 Uhr!!]
27.12. Carl Heinrich Graun: Weihnachtsoratorium
Monika Mauch, Marion Eckstein, Georg Poplutz,
Weihnachtsfenster. Raimund Nolte, Arcis-Vocalisten München,
Jeweils um 13.05 Uhr Barockorchester L’Arpa Festante, Thomas Gropper
24 Gedanken von Menschen 1.1. Joseph Haydn: Die Schöpfung
zum Advent und zu Weihnachten hin.
Judith Belgen, Thomas Moser, Kurt Moll, Lucia Popp,
25.12. Away In A Manger – Krippenklassiker Kurt Ollmann, Chor des Bayerischen Rundfunks, Symphonie
26.12. Adeste fideles – O come, all ye faithful orchester des Bayerischen Rundfunks, Leonard Bernstein
27.12. In dulci jubilo – In Süßer Freude 3.1. Heinrich von Herzogenberg: Die Geburt Christi
3.1. Joy To The World – Ensemble Oriol, Kammerchor der Hochschule der Künste
Frohe Weihnachten Berlin, Staats- und Domchor Berlin, Christian Grube
6.1. The Three Kings – 6.1. Hector Berlioz: L’enfance du Christ, Trilogie sacrée op. 25
Omnes de Saba Karen Cargill, Yann Beuron, William Dazeley, Matthew Rose,
Peter Rose, London Symphony Orchestra, Tenebrae Choir,
Colin Davis. [Beginn 20.00 Uhr!!]magazin KLASSIK Winter
2020
KAMMER- ORCHESTER ALTERNATIV
MUSIK UND
Fauré
SOLISTEN
CDs IM WINTER
Interpreten – Fauré Quartett Herbert Pixner
Label – Berlin Classics Bruckner: 8. Symphonie Symphonic Alps Live
EAN – 885470014227 Interpreten – Wiener Interpreten – Herbert Pixner
Philharmoniker, Christian Projekt & Berliner Symphoniker
Thielemann Label – Three Saints Records
Wenn ein Kammermusikensemble EAN – 9120095920166
Label – Sony Classical
25 Jahre in der gleichen Beset- EAN – 194397865820
zung musiziert, darf man davon Der Akkordeonist und Trompeter
ausgehen, dass unter den Mitglie- „… ein Triumph, wie ihn ein Pixner ist bekannt für seine spe-
dern eine gewisse Harmonie und römischer Imperator nicht schö- ziellen Projekte. Die Aufnahme
Text – Christoph Wellner
Text – Michael Gmasz
Text – Michael Gmasz
Zuneigung, und ein gemeinsa- ner wünschen konnte.“ Mit diesen mit den Berliner Symphonikern
mes Verständnis für Klang und Worten bedachte Hugo Wolf die gehört zu den ungewöhnlichsten
Interpretation herrscht. Wie beim Uraufführung der 8. Symphonie Hörerlebnissen der letzten Monate.
Fauré Quartett, das sein 25-jähriges von Anton Bruckner in ihrer zwei- Wie charmant Volksmusik und Or-
Jubiläum nun mit einer, dem Na- ten Fassung von 1892. Ein ähn- chesterklang harmonieren, hätten
mensgeber gewidmeten CD feiert. licher Triumph war den Wiener wohl wenige vermutet. Und wie bei-
Nebst einiger Liedbearbeitungen Philharmonikern unter Christian läufig erklingt in „Hiatabua“ eines
stehen die Klavierquartette Nr. 1 Thielemann mit ebendiesem Werk der spektakulärsten E-Gitarren-Soli
& 2 im Mittelpunkt. So facetten- im Oktober 2019 gelungen, der auf des heurigen Jahres.
14
reich Faurés Musik ist, so bunt und CD nun den Beginn eines gesam- Memorabilia
abwechslungsreich ist auch die ten Bruckner-Zyklus markiert. Ein Interpreten – Mats Eilertsen
Interpretation des Fauré Quartetts. monumentales Werk, große Bögen Trio & Trio Mediaeval
Zwei Trios musizieren zusam
Von tiefer Traurigkeit bis hin zu ab- prägen die Interpretation, der Zug men: drei Frauenstimmen
soluter Leichtigkeit und frischem nach vorne ist immanent spürbar. mit Schwerpunkt alter Musik
und ein Klaviertrio aus
Frohsinn reicht die Palette, von Thielemann ist jedoch entgegen dem Jazz. Verarbeitet werden
Dramatik pur bis „streichelweich“ weit verbreiteter Meinung auch ein norwegische Poesie und
das Spiel des Fauré Quartetts. Kirchenmusik. Ein aufregen-
Freund der leisen Töne. Philharmo- des Experiment!
nischer Goldstandard in jeglicher Label – NXN Recordings
Beethoven: Trios Hinsicht! EAN – 7090052640036
Interpreten – Philippe Cassard,
Anne Gastinel, David Grimal Goldmark: Symphonic Lia Pale
Ein spätes CD-Debüt nach Sing My Soul
15 Jahren Zusammenarbeit Poems Vol. 2
präsentieren Philippe Cassard, Interpreten – Bamberger Interpreten – Lia Pale, Dominik
Anne Gastinel und David Symphoniker, Fabrice Bollon Fuss, Tobias Faulhammer,
Grimal mit zwei Meisterwerken Im Frühling, in Italien, das Gregor Aufmesser
Beethovens. Geister- und Götz-Vorspiel und noch einige Nach dem deutschen Kunst
Erzherzogtrio, klanglich frisch weitere Tondichtungen von lied (mit Schubert, Schumann
aufbereitet. Karl Goldmark. Inklusive des und Brahms) haben sich Lia
Label – la dolce volta „recht magyarischen“ sym Pale (Gesang) und mathias
EAN – 3770001903989 phonischen Tonstückes Zrinyi rüegg (Arrangement) nun dem
Op.47. barocken Klang von Händel
Label – cpo verschrieben. Neue Besetzung,
Schumann neuer Schwung: Das beste
EAN – 761203525126
Interpreten – The Erlkings Album von Lia Pale so far.
Nach den Schubert-Liedern Label – Lotus Records
widmen sich Bryan Benner Legendary Eterna Recordings EAN – 9005321200598
und seine Erlkings nun zwei Interpreten – Staatskapelle
großen Zyklen von Robert Berlin, Otmar Suitner, Günther
Schumann. Liederkreis und
Dichterliebe auf Englisch im Herbig
einzigartigen Erlkings-Sound. Mit einer fünf CDs umfassen
Label – Rhythmic Dog
den Sonderedition als Hom
EAN – 9120071700188
mage an die Ära Otmar Suitner,
feiert die Staatskapelle Berlin
ihr 450-Jahr-Jubiläum. 26
prägende Jahre von Mozart bis
Pfitzner.
Label – Berlin Classics
EAN – 885470016061Wien: 107,3 | Graz: 94,2 | Österreichweit: DAB+
KLAVIER OPERN WEIH-
NACHTEN
G.F. Händel
Rinaldo It’s Christmas
Interpreten – Accademia Interpret – Jonas Kaufmann
Bach/Brahms/Feldman: Label – Sony Classical
Bizantina, Ottavio Dantone
Encounter EAN – 0194397868227
Label – HDB Sonus
Interpret – Igor Levit
EAN – 0806891579300
Label – Sony Classical
EAN – 0194397865721 Das erste Weihnachtsalbum des
Mit diesem Werk hat 1711 Hän- beliebten deutschen Tenors. Und
Dieses Album ist ein Corona-Pro- dels großartige Londoner Opern- dann gleich ein Doppelalbum! 40
dukt. Igor Levit reflektiert seine Ein- Karriere begonnen. Die Vorlage Mal Kitsch, 40 Mal Weihnachten
Text – Christoph Wellner
Text – Christoph Wellner
Text – Christoph Wellner
samkeit während des Lockdowns. von Torquato Tasso war damals – von alten Kirchenliedern bis zu
Das Repertoire zeigt, dass es ihm gerade in Mode. 1731 hat Händel modernen Popklassikern. „Denk
nicht gut ging. Choralvorspiele von den Rinaldo überarbeitet und ihn ich an Weihnachten, dann steigen
Bach und Brahms sowie dessen „Vier noch prächtiger gestaltet. Ottavio viele Erinnerungen in mir hoch“,
ernste Gesänge“. „Palais de Mari“ von Dantone präsentiert eine Mischfas- schreibt Kaufmann im Beiheft. „So
Morton Feldman zeigt mit knapp sung, die gleichzeitig auch die erste wird es jedem ergehen. Weihnach-
29 Minuten Dauer, dass sich dieser Produktion des neuen Labels der ten ist das Fest des Innehaltens, des
amerikanische Exzentriker in seinem Accademia Bizantina ist. Man darf Sich-Erinnerns. Es ist das Fest der
Spätwerk auch „kurz“ fassen konnte. auf Fortsetzungen gespannt sein! Freude und der Lichter.“ Festlich!
15
Bach: Goldberg Variationen Johann Sebastian Bach
Interpret – Lang Lang Carl Heinrich Graun Weihnachtsoratorium BWV 248
Viele Musikfans haben sich Polydorus Interpreten – Münchener
darauf gefreut, viele haben Interpreten – barockwerk Bach-Chor, Münchener
sich davor gefürchtet. Kann
das gutgehen? Lang Lang hamburg, Ira Hochman Bach-Orchester, Karl Richter
spielt Goldberg. Und die Die Opern von Graun (1704- Wiederauflage der legendären
Mehrheit ist – zu Recht – der 1759) waren bereits Ende des zweiten Einspielung des
Meinung: Das hätten wir 19. Jahrhunderts vergessen. Weihnachtsoratoriums unter
ihm nicht zugetraut. Wird Langsam kommen sie wieder Karl Richter (auch auf Vinyl er-
nicht in die Top 5 der Interpre ins allgemeine Bewusstsein. hältlich!). Von der Interpre
tationsgeschichte eingehen, Ira Hochman tut ihren Teil mit tation her, natürlich für heutige
aber immerhin. In der Limited der Einspielung des Polydo- Ohren gewöhnungsbedürftig.
Edition mit einer Liveauf rus aus dem Jahr 1726. Man Aber diese Solisten versprü
nahme auf insgesamt vier spürt förmlich, wie wichtig hen bis heute die festlichste
CDs. Graun für die Entwicklung der Stimmung: Christa Ludwig,
Label – Deutsche Grammophon Deutschen Oper werden Franz Crass, Gundula Janowitz
EAN – 0028948189717 sollte. Es wird Zeit, ihn neu zu und natürlich: Fritz Wunderlich!
entdecken! Label – Archiv Produktion
Label – cpo EAN – 0028948391769
Schubert: Klaviersonaten EAN – 0761203526628
D 959 & D 960 Chanticleer Sings Christmas
Interpret – Hans-Jürg Strub Camille Saint-Saëns Interpreten – Chanticleer
Die letzten beiden Klaviersona Die Weihnachtskonzerte von
ten von Schubert sind stets Le Timbre d’argent
Interpreten – Les Siècles, Chanticleer sind in den USA
ein Prüfstein für Pianistinnen legendär. Das neue Weih
und Pianisten. Der Schweizer accentus, François-Xavier Roth nachts-Album beweist nun
Klavierprofessor Strub inter 1864 entstanden, 1877 urauf auch auf Tonträger, wie gut
pretiert sie meisterhaft – geführt, Erfolge zu Beginn dieses Ensemble sich um Weih
am Klavier und im Beiheft. An des 20. Jahrhunderts – dann nachten annehmen kann:
spieltipp: das Andante soste vergessen. Dabei ist diese Traditionelle Weihnachtslieder
nuto aus D 960. Oper von der Anlage mit Hof und Gospel-Songs, gregoria
Label – Ars Produktion manns Erzählungen zu ver nische Choräle, europäische
EAN – 4260052383070 gleichen und blickt mit einer und mexikanische Musik
Art cineastischem Flash- des 16. und 17. Jahrhunderts
back im Finale weit in die Zu sowie festliche Werke von
kunft. Anhören! Komponisten und Arrangeuren
Label – Palazzetto Bru Zane der Gegenwart werden mitein
EAN – 9788409201907 ander vereint.
Label – HDB Sonus
EAN – 0190295228880magazin KLASSIK Winter
2020
BIOGRAPHIE BIOGRAPHIE MUSIK I
I II Eleonore Büning
Warum geht der Dirigent so
Gregor Demblin Hilde Berger oft zum Friseur?
Wie ich lernte, Plan B zu lieben Die Windsbraut Antworten auf die großen und
Die Geschichte von Oskar kleinen Fragen der Musik
Kokoschka und Alma Mahler
Die ganz besondere Geschichte
Über die Frage, die im Titel gestellt
eines besonderen Menschen. Dem-
Benannt nach einem Gemälde Ko- wird, machen sich wahrschein-
blin beschreibt sehr direkt wie sich
koschkas ist dieser biographische lich nicht so viele Menschen
sein Leben nach einem Unfall als
Roman eine wunderbare Nach- Gedanken wie über viele andere
Querschnittgelähmter geändert hat.
erzählung einer großen Liebesge- in diesem humorvollen Buch der
Er macht Mut für die Herausforde-
schichte. Das Buch ist auch Vorlage Grande Dame der deutschsprachi-
rungen im Leben. „Mir wurde klar,
für den gerade entstehenden Film: gen Musikkritik. Eine amüsante
dass das Leben keine Generalprobe
„Alma und Oskar“. Sammlung für jeden Musikfan.
ist. Es ist schade um jeden Tag, an
Geschenkverdächtig!
dem wir nicht zufrieden sind.“
ISBN: 978-3-71090-099-0
ISBN: 978-3-90371-502-8
ISBN: 978-3-20521-116-7
gebunden | 28,00 EUR
gebunden | 20,00 EUR
gebunden | 14,00 EUR
Böhlau Verlag Wien
Benevento Verlag
story.one Verlag
224 Seiten
196 Seiten
80 Seiten
16
BÜCHER
LESEN „DYLAN“ KRIMI
Carsten Henn Stefan Kutzenberger Hans-Otto Thomashoff
Der Buchspazierer Jokerman Im Wahn gefangen.
Ein Wien-Krimi
Der Weinjournalist und ehemalige Die schönste Verschwörungstheo-
Radiomoderator Carsten Henn hat rie seit langem (wenn nicht über- Inspektor Sperling ist Bohemien,
mit dem Buchspazierer ein fanta- haupt): Die Welt wird von Bob Opernliebhaber und Dackelbesitzer.
sievolles und zu Herzen gehendes Dylan-Fans gesteuert, weil sie als Als die junge Alice ihn bittet, ihren
Plädoyer für die Literatur, die Bü- einzige Gruppe in allen Ländern, Vater zu schützen, der ein Heilmit-
cher und das Lesen geschrieben. Parteien, Religionen etc. vorkom- tel für Schizophrenie gefunden hat,
Verpackt in eine Geschichte um men. Nicht nur für Dylanologen weshalb ein Pharmakonzern ihn
den Buchhändler Carl und das ein Pflichtprogramm! und das Medikament vernichten
vorlaute Mädchen Schascha. will, erkennt er, welch grauenvoller
Plan hinter all dem steht.
ISBN: 978-3-82701-424-5
ISBN: 978-3-8392-2721-3
ISBN 978-3-86612-477-9
gebunden | 14,40 EUR
gebunden | 12,00 EUR
gebunden | 22,70 EUR
Gmeiner Verlag
Pendo Verlag
Berlin Verlag
224 Seiten
282 Seiten
352 SeitenWien: 107,3 | Graz: 94,2 | Österreichweit: DAB+
MUSIK II MUSIK III MUSIK IV
Richard Kurdiovsky / Stefan Daniel Ender Jochen Köhler
Schmidl (Hg.) Zuhause bei Helene und Alban Arturo Benedetti Michelangeli
Das Wiener Konzerthaus Berg. Eine Bilddokumentation Auf der Suche nach dem
1913-2013 Vollkommenen
Ein Vierteljahrhundert verbrachte
Wie so oft bei wissenschaftlichen Alban Berg mit seiner Ehefrau Sehr persönlicher Zugang eines Fans,
Publikationen dauert es ein wenig, Helene in ihrer Wohnung in der sich mit Zeitzeugen austauscht.
bis die gesammelten Schriften Wien-Hietzing, drei Sommer Der Klavierprofessor aus Halle lässt
veröffentlicht werden. Mit ein wenig konnten sie gemeinsam im Kärnt- Schüler, Klavierbauer und Aufnah-
Verspätung liegt nun der Jubiläums- ner „Waldhaus“ genießen. Ein meleiter zu Wort kommen und run-
band des Wiener Konzerthauses vor, Bildband mit vielen modernen det den Band mit einem Beitrag zur
der sich der künstlerischen Nutzung, Fotografien sowie zeitgenössischen musikalischen Interpretation des
als auch Aspekten der Repräsenta- Aufnahmen und Dokumenten gibt italienischen Pianisten ab. Zum
tion und politischen Instrumenta einen reichhaltigen Einblick in 100. Geburtstag von ABM veröf-
lisierung des Hauses widmet. den Alltag des Künstlerehepaars. fentlicht, musste heuer schon eine
Zweitauflage gedruckt werden!
Verlag der Österreichischen
ISBN: 978-3-20521-096-2
ISBN: 978-3-95593-045-5
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Akademie der Wissen
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Wolke Verlag
218 Seiten
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216 Seiten
schaften
IM WINTER 17
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„Ich bin bei Oikocredit, weil es Geld, das
für mich als Biobauer eine Form
von Dank ist an andere, denen
es nicht so gut geht. Mein Geld
dem Leben
ist keine Spende, sondern eine
Starthilfe für den Neubeginn.” dient
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Biobauer aus Salurn
Mitglied und Anleger bei Oikocredit
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2020
EIN BUCHHALTER
NAMENS LEONARD
BERNSTEIN antworten. Der Mann drehte sich zu mir um und be-
Foto – Radek Knapp © Herbert Zotti
trachtete mich genauer: „Sind Sie wegen der Karten
für die Abendvorstellung hier?“, fragte er. „Über-
haupt nicht. Ich sitze nur so da.“ Ich zeigte auf den
Musikverein hinter mir und fügte hinzu: „In dieses
Monster gehe ich sicher nicht freiwillig hinein. Da
muss man mich schon mit Gewalt hineinschleppen.“
Meine gespielte Abneigung gegen den Musikverein
amüsierte ihn aus irgendeinem Grund. „Warum?
Mögen Sie keine Musik?“ „Schon. Aber bestimmt
nicht genug, um sich um einen Platz zu prügeln.“
Wie sogar die größten Er nickte ein paar Mal, als hätte etwas von meinem
Musikbanausen in Geplapper einen Nerv bei ihm getroffen. „In diesem
Wien auf ihre Rechnung Fall hätte ich eine perfekte Lösung.“ Er holte aus
Text – Radek Knapp
seiner Jackentasche eine CD heraus und reichte sie
kommen.
18 Eine wahre Begebenheit
mir. „Hier, für Sie“, sagte er, „damit Sie auch in Zu-
kunft dieses Haus erfolgreich meiden können.“ Ich
aus dem Leben des nahm die CD entgegen und bedankte mich. Es war
bestimmt eine von diesen Werbe-CDs, die der Mu-
Autors Radek Knapp. sikverein in Massen produzierte, um Abonnenten zu
ködern. Er hatte bestimmt noch zehn davon in der
Das Musikzentrum in meinem Gehirn ist so minimal Tasche. „Genießen Sie die Aussicht“, sagte der Mann
geraten, dass ich nicht einmal wage, unter der Dusche zum Abschied und ging wieder hinein. Als ich allein
zu summen. Sogar die einfachste Melodie verwandelt war, drehte ich die CD um, um die Rückseite zu be-
sich in meinem Mund zu einer akustischen Katast- gutachten. Dort war ein Foto, auf dem ein Dirigent
rophe. Die Zahl jener Menschen, die deswegen den sich mit sonderbar konzentriertem Gesicht über sein
Raum verließen, ist beträchtlich und steigt laufend. Orchester beugte. Ich musste zwei Mal hinschauen.
Ich werde auch nie eine Querflöte oder eine Geige Es war der alte Mann von gerade eben. Nur ohne
spielen und kann mit größter Sicherheit behaupten, Zigarette und in einem Frack. Darunter stand in roten
sollte ich jemals ein Instrument in die Hand nehmen, Buchstaben: „Leonard Bernstein dirigiert Chopin“.
dann nur, um es von A nach B zu tragen. Trotzdem
oder gerade deshalb war das Universum an meiner
musikalischen Weiterbildung interessiert und be-
scherte mir einen horizonterweiternden Moment.
Eines Morgens saß ich zufällig auf den Stufen des
Musikvereins und langweilte mich. Plötzlich öffnete Buchtipp
sich die Tür hinter mir und ein älterer Herr kam he-
raus. Er sah aus wie ein Buchhalter, der gerade eine
ISBN: 978-3-99050-181-8
kurze Mittagspause einlegte. Er setzte sich nicht weit
gebunden | 20,00 EUR
von mir und zündete sich eine Zigarette an. Dann
Amalthea Verlag
machte er eine Handbewegung, die die umliegenden
Gebäude miteinschloss, und sagte halb zu sich selbst,
160 Seiten
halb zu mir: „Es ist nicht leicht, in dieser Stadt in die
Ferne zu schauen. Finden Sie nicht?“ Er hatte einen
eigenartigen Akzent. Wie Tewje, der Milchmann aus
Radek Knapp
Anatevka. „Deshalb schaue ich nie weiter weg als auf
Von Zeitlupensymphonien
meine Füße“, versuchte ich möglichst geistreich zu und Marzipantragödien.
Notizen eines Möchtegern-
Österreichers© Felix Broede
REBEKKA BAKKEN
WINTER NIGHTS
Do, 17.12.2020
19:30 Uhr
Informationen & Tickets
t +43 2682 719 1000
kulturzentren.atmagazin KLASSIK Winter
2020
EIN WAND-
SCHRANK IN
Foto – Sascha Becker als „Unser Beethoven“
KÄRNTEN Ein Best Of
„Unser Beethoven“
© Michaela Krauss-Boneau
382. So viele Zitate von und werden (Stichwort: ein Wandschrank in Kärnten als
Text – Monika Jaroš
über Beethoven sollen es „Aufnahmestudio“!). Möglich war das nur dank eines
schlussendlich sein, wenn die hochmotivierten Kern-Teams um Michaela Krauss-
am 16. Dezember 2019 gestar- Boneau, Sascha Becker und Clemens Janout sowie
tete Reihe „Unser Beethoven“ meinen MusikredaktionskollegInnen Ursula Magnes
mit 31. Dezember 2020 ihren und Michael Gmasz. Danke für euer Engagement
Abschluss findet. Dabei stand und Durchhaltevermögen!
die Fortführung des Projekts mehr als einmal in Frage. Im Folgenden finden Sie eine bunte Auswahl
Corona-bedingte Studiosperren mussten mit teils der besten Zitate von und über Beethoven. Nach-
abenteuerlichen Home-Office-Lösungen kompensiert zuhören sind sämtliche Beiträge im Podcast auf
www.radioklassik.at.
Aufsehenerregender Auftritt des jungen Beethoven in Wien.
Pianisten-Wettstreit mit Abbé Gelinek:
„Ich erinnere mich noch jetzt, als eines Tages Gelinek meinem Vater erzählte,
er sey für den Abend in eine Gesellschaft gebeten, wo er mit
einem fremden Clavieristen eine Lanze brechen sollte. ‚Den wollen wir zusam
20
menhauen‘, fügte Gelinek hinzu. Den folgenden Tag fragte mein Vater
den Gelinek, wie der gestrige Kampf ausgefallen sey? ‚O!‘ ‒ sagte Gelinek ganz
niedergeschlagen, ‚an den gestrigen Tag werde ich denken!
In dem jungen Menschen steckt der Satan. Nie hab’ ich so spielen gehört!
Er fantasierte auf ein von mir gegebenes Thema,
wie ich selbst Mozart nie fantasieren gehört habe. Dann spielte er eigene
Compositionen, die im höchsten Grade wunderbar und großartig sind, und er
bringt auf dem Clavier Schwierigkeiten und Effecte hervor,
von denen wir uns nie haben etwas träumen lassen.‘ ‚Ey‘, sagte mein Vater,
‚wie heißt dieser Mensch?‘ ‚Er ist‘, antwortete Gelinek, ‚ein kleiner,
häßlicher, schwarz und störrisch aussehender junger Mann, den der Fürst
Lichnowksy vor einigen Jahren aus Deutschland hierhergebracht, um ihn bey
Haydn, Albrechtsberger und Salieri die Composition lernen zu lassen,
und er heißt Beethoven…‘“
(Czerny, S. 69 f.)
Johann Wolfgang von Goethe
über Beethoven:
Unprätentiös an seinen „Sein Talent hat mich in
Leipziger Verleger Breitkopf & Härtel: Erstaunen gesetzt;
„sie erhalten Morgen eine anzeige von kleinen allein er ist leider eine
Verbesserungen, welche ich während der ganz ungebändigte
Aufführung der Sinfonien machte; ‒ als ich sie Persönlichkeit, die zwar
ihnen gab, hatte ich noch keine gar nicht unrecht hat,
davon gehört ‒ und man muß nicht so wenn sie die Welt
göttlich seyn wollen, etwas hier oder da in detestabel findet, aber sie
seinen Schöpfungen zu verbessern.“ freilich dadurch weder
(Briefwechsel Bd. 2, S. 45) für sich noch für
andere genußreicher
macht.“
(Fiebig, S. 18)Wien: 107,3 | Graz: 94,2 | Österreichweit: DAB+
Liebenswürdige Antwort auf Fanpost
einer kleinen Verehrerin von ca. 8-10 Jahren:
„Nicht entreiße Händel, Haydn, Mozart ihren Lorbeerkranz;
ihnen gehört er zu, mir noch nicht. Deine Brieftasche
wird aufgehoben unter andern Zeichen einer noch lange nicht verdienten Achtung
von manchen Menschen. Fahre fort, übe nicht allein die Kunst,
sondern dringe auch in ihr Inneres; sie verdient es, denn nur die Kunst
und die Wissenschaft erhöhen den Menschen bis zur Gottheit.
Solltest Du, meine liebe Emilie, einmal etwas
wünschen, so schreibe mir zuversichtlich. Der wahre
Künstler hat keinen Stolz. Betrachte mich als Deinen und als Freund Deiner Familie.“
(Briefwechsel, Bd. 2, S. 274 f.)
Auf der Suche nach einem Bedienten
mit speziellen Fähigkeiten;
Adressat: Freund Nikolaus Zmeskall: Missglückte Druckfahnen-
Kontrolle:
„[...] unterdessen hat sich der Bediente bey mir
gemeldet [und] sagte mir, daß er bey „stellen sie sich vor,
ihnen gewesen, und daß sie nichts auszusezen ich finde gestern, daß ich
an ihm gehabt, als daß er sie nicht im Verbessern der
recht frisiren könne. ‒ sollten sie sonst nichts Fehler von der Violonschell
ärgeres, welches ich sie mir bitte aufrichtig Sonate selbst wieder
zu sagen, an ihm auszustellen haben, neue Fehler gemacht habe! ‒
so würde ich dabey bleiben, denn die Frisur ist sie mögen hieraus sehen,
wie sie wissen, mein leztes augenmerk, daß ich in einem
Es müste denn seyn, daß man meine Finanzen wirklichen solchen zustande
Frisiren und Tappiren könnte“ bin, wo es heißt
(Briefwechsel, Bd. 2, S. 323) ‚Herr in deine Hände
befehle ich meinen Geist‘ ‒“
(Brief an Breitkopf & Härtel
21
Ohne Starallüren: bzgl. der Violoncellosonate op. 69,
zit. n. Briefwechsel, Bd. 2, S.76)
„Bei einer andern Gelegenheit kam die Unterhaltung auf
den Ruhm, den sein Name in der Welt erlangt hätte.
‚Ach, Unsinn!‘ sagte er, ‚ich habe niemals daran gedacht,
für den Ruf und die Ehre zu schreiben.
Was ich auf dem Herzen habe, muß heraus,
und darum schreibe ich.‘“
(Czerny, zit. n. Briefwechsel, Bd. 2, S. 184)
Einmal gipfelte Beethovens rigorose Ahndung von Druckfehlern in den Ausruf:
„Fehler ‒ Fehler ‒ sie sind selbst ein einziger Fehler!“
(Beethoven an Breitkopf & Härtel, zit. n. Briefwechsel, Bd. 2, S. 187)
Äußeres Erscheinungsbild:
„Der damals übliche Filzhut, den er beim
Nachhausekommen, wenn
auch von Regen triefend, nur nach leichtem
Ausschwenken (eine Gewohnheit, die er auch wohl
bei uns, unbekümmert um alle
Zimmereinrichtung, übte) über die oberste Spitze
des Kleiderstockes schlug, hatte in Folge dessen in seinem Deckel die Ebene
verloren und war davon gewölbt nach oben ausgedehnt. Vor wie nach
dem Regen nur selten oder gar nicht gebürstet und dann wieder einmal bestaubt,
hatte der Hut ein bleibend verfilztes Aussehen. Dazu trug er denselben nach
Thunlichkeit aus dem Gesichte hinaus, um die Stirne frei zu haben,
während beiderseits die grauen wirren Haare, wie Rellstab bezeichnend sagt:
‚nicht kraus, nicht starr, sondern ein Gemisch von Allem‘,
nach Außen flogen.“
(Breuning, S. 64 ff.)magazin KLASSIK Winter
2020
Beethovens Faktotum Anton Schindler
über eine von dessen seltsameren Angewohnheiten:
„Ging er während der Arbeit in den Zärtlich-leidenschaftliche Bekenntnisse gegenüber
Vormittagsstunden nicht aus, um sich wieder zu seiner „Unsterblichen Geliebten“:
sammeln, so stellte er sich, oft im tiefen Negligé,
ans Waschbecken und goß große Krüge voll „die Liebe fordert alles und ganz mit
Wasser auf seine Hände, dabei die ganze Skala Recht, so ist es mir mit dir,
auf- und abwärts heulend oder zu Abwechslung dir mit mir ‒ nur vergißt du so leicht, daß
brummend; bald durchschritt er wieder ich für mich und für dich leben
mit rollenden oder stieren Augen das Zimmer, muß ‒ wären wir ganz vereinigt, du
notierte einiges und setzte dann das Aufgießen und würdest dieses schmerzliche
Heulen weiter fort. eben so wenig als ich empfinden. [...]
Dies waren Momente tiefster Meditation, davon Bleibe mein Treuer einziger schaz,
kein besonderes Aufhebens zu machen wäre, mein alles, wie ich Dir, das übrige müßen
hätten sie nicht nach zwei Seiten hin unangenehme die Götter schicken, was für unß seyn
Folgen gehabt. Zunächst bewirkten sie muß und seyn soll.“
oft Lachen bei seinen Dienstleuten, und dies (Beethoven, zit. n. Gruber, S. 21 f.)
gewahrend, geriet der Meister in Zorn, der
ihn bisweilen zu lächerlichen Ausbrüchen gebracht.
Oder er geriet mit den Hauseigentümern Kreatives Chaos?
Harfenfabrikant Johann Andreas
in Konflikt, wenn das Wasser durch den Boden
Stumpff über seinen Besuch
gedrungen, was leider oft vorgekommen ist.
bei Beethoven:
Dies war ein Hauptgrund, daß Beethoven
allenthalben ein unbeliebter Einwohner gewesen. „Beethoven beklagte sich
Der Boden seiner Wohnstube hätte mit über die Unvollkommenheit
Erdpech belegt sein müssen, um das Durchdringen des Flügels, worauf man
des vielen Wassers zu verhindern. Und von in dem gegenwärtigen Zustand
diesem Überfluß an Begeisterung unter den Füßen nichts mit Kraft und
22 merkte der Meister nichts!“
(Schindler, S. 401 f.)
Effekt vortragen könne.
,Ich besitze selbst ein
Londoner Instrument,
Was stören ein Genie negative Musikkritiken? welches aber nicht das leistet,
Beethoven an die Herausgeber der was man von dorther
„Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ über eine erwarten sollte. Kommen Sie,
Rezension seiner „Eroica“: hier steht es im Neben-
zimmer, in einem höchst
„Ich höre, daß man in der Musikalischen
elenden Zustand.‘
Zeitung so über die Sinfonie, die ich ihnen voriges
Als ich solches eröffnete,
Jahr geschickt, und die sie mir wieder
welch ein Anblick trat mir
zurückgeschickt, so loßgezogen hat, gelesen habe
entgegen! Der obere
ich’s nicht. Wenn sie glauben, daß sie mir damit
Teil war tonlos und die
schaden, so irren sie sich, vielmehr bringen sie ihre
zerrissenen Saiten
Zeitung durch so etwas in Mißkredit“
(Briefwechsel, Bd. 1, S. 287)
waren ineinander verwirrt,
wie ein Dornstrauch
vom Sturmwind gegeißelt!“
Kaffee-Zubereitung (Johann Andreas Stumpff,
als eigene Wissenschaft: handschriftliche Erinnerungen
1824, zit. n. Hürlimann,
„Zum Frühstück nahm er Kaffee,
S. 141 f.)
den er sich meist selbst in
einer Glasmaschine bereitet hat. Kaffee scheint
sein unentbehrlichstes Nahrungsmittel Ein Zeitgenosse über Beethovens Wesen:
gewesen zu sein, womit er denn „Sobald sich sein Gesicht zur
auch so skrupulös verfuhr, wie von Freundlichkeit aufheiterte, so verbrei
den Orientalen bekannt. Sechzig Bohnen tete es alle Reize der kindlichen Un
wurden auf eine Tasse gerechnet schuld; wenn er lächelte, so glaubte
und oft abgezählt, besonders wenn Gäste man nicht blos an ihn, sondern an die
anwesend waren.“ Menschheit: so innig und wahr war
(Schindler, S. 402) er in Wort, Bewegung und Blick.“
(Anonyme Aussage „eines Zeitgenossen“,
zit. n. Breuning, S. 33 f.)Sie können auch lesen