Soziales Phänomen: Wohnungslosigkeit in Klagenfurt 2019 - BAWO

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Soziales Phänomen: Wohnungslosigkeit in Klagenfurt 2019 - BAWO
Soziales Phänomen:
Wohnungslosigkeit in                                            2019

Klagenfurt
Erhebung der Klagenfurter Situation

                   Im Auftrag des Sozialreferats der Stadt Klagenfurt
Soziales Phänomen: Wohnungslosigkeit in Klagenfurt 2019 - BAWO
Erhebung der Klagenfurter Situation durch die BAWO

                  Im Auftrag des Sozialreferats der Stadt Klagenfurt

         Projektteam: Cornelia Kössldorfer, Christian Beiser, Heinz Schoibl

 Mitwirkung bei Datenaufbereitung und statistischer Auswertung: Angela Schoibl

Wir bedanken uns für die Mitarbeit bei folgenden Kontakt-/Beratungsstellen:

Abt. Gesundheit Magistrat Klagenfurt, Abt. Jugend Magistrat Klagenfurt, Abt. Soziales Magistrat
Klagenfurt, Abt. 13 des Landes Kärnten, AK Kärnten, Autark, AVS Kärnten, Bevorrechtete Schuld-
nerberatung des Landes Kärnten, Bezirksgericht, Bürgerservice des Landes, Caritas Kärnten, Di-
akonie De la tour, Erwachsenenvertretung Vertretungsnetz, Frauenhaus Klagenfurt, JUNO Kla-
genfurt, Justizanstalt Klagenfurt, Klinikum Klagenfurt, Abt. Psychiatrie, Mädchenzentrum, Neu-
start Kärnten, Oikos, Pro Mente Kärnten, Verein Impulse, Verein Vobis, Volkshilfe Kärnten,
Wohnservice Stadt Klagenfurt

                                                                               Klagenfurt 2020

Impressum:
BAWO – Wohnen für Alle

1210 Wien, Gerichtsgasse 3/2/3, www.bawo.at, office@bawo.at

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Soziales Phänomen: Wohnungslosigkeit in Klagenfurt 2019 - BAWO
INHALT

Vorworte ......................................................................................................................................................................................... 6
Ausgangssituation ...................................................................................................................................................................... 8
Zur Durchführung der Wohnbedarfserhebung in Klagenfurt............................................................................ 9
Datenbasis ................................................................................................................................................................................... 10
    Bilanz des Wohnbedarfs, Klagenfurt 10/2019 .................................................................................................. 11
         Geschlechtsspezifische Aspekte ............................................................................................................................ 12
         Altersspezifische Aspekte des Wohnbedarfs .................................................................................................. 12
         Wohnungsnot betrifft nicht nur alleinstehende Personen ...................................................................... 13
         Zuzug – woher kommen die Menschen mit akutem Wohnbedarf ....................................................... 13
         Vernetzte Hilfestruktur in Klagenfurt ................................................................................................................ 14
         Status der aktuellen Wohnversorgung nach ETHOS-Kategorien......................................................... 15
    Wohnbedarf: untergliedert nach Bedarfsgruppen (ETHOS-light) ........................................................... 19
         ETHOS- light im Geschlechtervergleich ............................................................................................................. 20
         ETHOS- light im Altersvergleich............................................................................................................................ 21
         ETHOS- light differenziert nach Staatsbürgerschaft ................................................................................... 22
         Ursachen für den akuten Wohnbedarf im ETHOS light-Überblick ...................................................... 22
    Bedarfsgruppe: Obdachlosigkeit ................................................................................................................................ 24
    Bedarfsgruppe: Wohnungslosigkeit ......................................................................................................................... 26
    Bedarfsgruppe: Ungesichertes Wohnen................................................................................................................. 29
    Bedarfsgruppe: Ungenügende Wohnversorgung ............................................................................................. 31
Schlussfolgerungen und Empfehlungen aus der Sicht der BAWO ................................................................. 33
Anhang I: Zusätzliche Informationen und Materialien ....................................................................................... 35
    Gerichtliche Kündigung, Räumungsverfahren und Zwangsräumung..................................................... 36
    Geschichte und aktueller Stand des Ausbaus der Wohnungslosenhilfe in Kärnten....................... 38
    Weiterführende Literatur und verwendete Materialien .............................................................................. 39
Anhang II: Tabellenband ..................................................................................................................................................... 40
    Datenbasis und Doppelnennungen ........................................................................................................................... 40
    Status der Wohnversorgung (Ethos) inkl. Doppelnennung ......................................................................... 46
         ETHOS-Kategorie: Obdachlos / Notschlafstelle ............................................................................................ 47
         ETHOS-Kategorie: Wohnungslosigkeit .............................................................................................................. 56
         ETHOS-Kategorie: Ungesicherte Wohnversorgung .................................................................................... 64
         ETHOS-Kategorie: ungenügende Wohnversorgung.................................................................................... 73
Anhang III: Instrumente der Erhebung........................................................................................................................ 80
    ETHOS – Europäische Typologie für Obdach- und Wohnungslosigkeit ................................................ 81
    Fragebogen ............................................................................................................................................................................ 82
    Erläuterungen zum Fragebogen: Wohnungslosenerhebung Klagenfurt 2019 ................................. 85
    Datenschutzabklärung durch die Abteilung Soziales ...................................................................................... 88

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Soziales Phänomen: Wohnungslosigkeit in Klagenfurt 2019 - BAWO
ABBILDUNGS-UND TABELLENVERZEICHNIS

Abbildung 1: Bilanz des Wohnbedarfs, n=628 Personen in Wohnungsnot ............................................ 11
Abbildung 2: detaillierter Überblick über die einzelnen ETHOS-Kategorien ........................................ 18
Abbildung 3: ETHOS-Light, n=610 ............................................................................................................................... 20
Abbildung 4: Wohnstatus bei Männern               Abbildung 5: Wohnstatus bei Frauen ........................... 21
Abbildung 6: Obdachlos in Klagenfurt, n= 97 (inkl. Doppelnennungen) ................................................. 24
Abbildung 7: von Wohnungslosigkeit betroffen, n= 222 .................................................................................. 26
Abbildung 8: Unsichere/Ungesicherte Wohnversorgung, n= 229 .............................................................. 29
Abbildung 9: Ungenügende Wohnversorgung, n= 72 ........................................................................................ 31

Tabelle 1: Verteilung nach Geschlecht, n=464 ....................................................................................................... 12
Tabelle 2: Altersverteilung, n=557 ............................................................................................................................... 12
Tabelle 3: Profil des Wohnbedarfs, n=628 ............................................................................................................... 13
Tabelle 4: Lebensmittelpunkt, n= 464 ........................................................................................................................ 13
Tabelle 5: Zuzug im letzten Jahr, n= 464............................................................................................................... 13
Tabelle 6: woher kommen die Menschen in Wohnungsnot, die im vergangenen Jahr zugezogen
sind? n= 109 ............................................................................................................................................................................... 14
Tabelle 7: Doppel- und Mehrfachnennungen, n=168 ......................................................................................... 14
Tabelle 8: Status der Wohnversorgung nach ETHOS-Kategorien ................................................................ 16
Tabelle 9: Überblick über die Bedarfsgruppen nach ETHOS-Light ............................................................. 19
Tabelle 10: Geschlechterverteilung im Überblick (ohne Mitziehende) ................................................... 20
Tabelle 11: Altersverteilung im Überblick (ohne mitziehende Erwachsene) ....................................... 21
Tabelle 12: Verteilung nach Staatsbürgerschaft im Überblick (ohne Mitziehende) .......................... 22
Tabelle 13: Ursachen für Wohnungsnot im Überblick (ohne Mitziehende) ........................................... 22
Tabelle 14: Obdachlosigkeit (mit Mitziehenden und Doppelnennungen), n=97 ................................. 24
Tabelle 15: Geschlechterverteilung, n= 86 ........................................................................................................... 25
Tabelle 16: Altersverteilung, n= 86.............................................................................................................................. 25
Tabelle 17: Dauer, n= 86 .................................................................................................................................................... 25
Tabelle 18: Ursachen (Mehrfachnennungen), n=117 ......................................................................................... 25
Tabelle 19: im letzten Jahr zugezogen, n= 86 ......................................................................................................... 25
Tabelle 20: Nationalität, n= 86 ....................................................................................................................................... 25
Tabelle 21: Wohnungslosigkeit, unter Berücksichtigung von Doppelnennungen .............................. 26
Tabelle 22: Geschlechterverteilung, n= 172 ........................................................................................................ 27
Tabelle 23: Altersverteilung, n=172 ............................................................................................................................ 27
Tabelle 24: Dauer, n=172 .................................................................................................................................................. 27
Tabelle 25: Ursachen (Mehrfachnennungen), n=186 ......................................................................................... 27
Tabelle 26: im letzten Jahr zugezogen; n=172 ....................................................................................................... 27
Tabelle 27: Nationalität, n=172 ..................................................................................................................................... 28
Tabelle 28: tabellarischer Überblick über “Ungesichertes Wohnen”, n=229 ........................................ 29
Tabelle 29: Geschlechterverteilung, n=167 ............................................................................................................. 30
Tabelle 30: Altersverteilung, n=208 ............................................................................................................................ 30
Tabelle 31: Dauer, n=165 .................................................................................................................................................. 30
Tabelle 32: Ursachen, (Mehrfachnennungen), n=169 ........................................................................................ 30
Tabelle 33: im letzten Jahr zugezogen, n=167 ....................................................................................................... 30
Tabelle 34: Nationalität, n=167 ..................................................................................................................................... 30
Tabelle 35: Ungenügende Wohnversorgung, n=72 ............................................................................................. 31
Tabelle 36: Geschlechterverteilung, n=52 ................................................................................................................ 32
Tabelle 37: Altersverteiliung, n=63 ............................................................................................................................. 32

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Soziales Phänomen: Wohnungslosigkeit in Klagenfurt 2019 - BAWO
Tabelle 38: Dauer, n=52 ..................................................................................................................................................... 32
Tabelle 39: Ursachen (Mehrfachnennungen), n=55 ........................................................................................... 32
Tabelle 40: im letzten Jahr zugezogen, n=52 .......................................................................................................... 32
Tabelle 41: Nationalität, n=52 ........................................................................................................................................ 32

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Soziales Phänomen: Wohnungslosigkeit in Klagenfurt 2019 - BAWO
VORWORTE

1. Vizebürgermeister und Sozialreferent Jürgen Pfeiler

Sehr geehrte Damen und Herren!

Als Sozialreferent der Stadt Klagenfurt war es mir ein besonderes Anliegen, die vorliegende Stu-
die „Soziales Phänomen: Wohnungslosigkeit“ in Auftrag zu geben. Wohnungslosigkeit ist ein brei-
tes Phänomen, das in vielerlei Facetten in Erscheinung tritt. Klagenfurt hat mit seinen bestehen-
den Angeboten in der Wohnungslosenhilfe bereits Verantwortung übernommen und wir wollen
dies auch weiterhin tun. Um den Bedürfnissen wohnungsloser Menschen adäquat und nachhal-
tig begegnen zu können, war es uns wichtig, eine Bestandsaufnahme der Situation abbilden zu
können. Durch die aktive Beteiligung der vielen Institutionen und Einrichtungen in der Stadt
Klagenfurt ist uns eine solide Erhebung vorliegend. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.
Danke auch der BAWO – Wohnen für Alle für die Durchführung und Koordination.

Ich freue mich, dass die Studie zur Wohnungslosigkeit ein fixer Bestandteil der Jahresplanung
der Abteilung Soziales der Stadt Klagenfurt werden wird.

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Soziales Phänomen: Wohnungslosigkeit in Klagenfurt 2019 - BAWO
Sehr geehrte Damen und Herren!

Als Koordinatorin der Studie „Soziales Phänomen: Wohnungslosigkeit“ bin ich sehr erfreut, dass
wir sie Ihnen in dieser Form präsentieren dürfen.

Durch meine Tätigkeit bei „WoSaMa“ (Interessensgemeinschaft Wohnungslosenhilfe Kärnten)
und der Vorstandstätigkeit in der BAWO – Wohnen für Alle im Rahmen meines Aufgabengebiets
bei der Volkshilfe Kärnten, habe ich immer wieder mit der Stadt Klagenfurt bezüglich einer Stu-
die zur „Wohnungslosigkeit“ gesprochen und bin auch auf Interesse gestoßen. Im Oktober 2019
konnten wir die Studie in Kooperation mit vielen Institutionen und sozialen Einrichtungen
durchführen. Als Kontaktperson und Bindeglied zwischen der Stadt Klagenfurt, der BAWO, die
für die Studie beauftragt wurde und allen Mitwirkenden, möchte ich mich bei allen Beteiligten,
Befürwortern und Interessenten ganz herzlich bedanken.

Cornelia Kössldorfer / WoSaMa, BAWO

Projektteam: Cornelia Kössldorfer, Christian Beiser und Heinz Schoibl

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mit diesem Bericht legen wir nun ein solides Datenmaterial vor, mit dem es möglich wird, adä-
quat auf die Bedürfnisse der Betroffenen zu reagieren. Wir freuen uns sehr, dass es weiters im
Interesse der Stadt liegt, diese Studie jährlich durchzuführen. Damit wird nochmal mehr an Be-
wusstsein für die Betroffenen geschaffen und eine Verantwortung für Menschen in Wohnungs-
not übernommen. Unsere Überlegungen und Interpretationen der Ergebnisse haben wir im Ka-
pitel „Schlussfolgerungen und Empfehlungen aus der Sicht der BAWO“ zusammengefasst und
wollen damit einen schlüssigen Weg für die Weiterentwicklung der Angebote für Menschen in
Wohnungsnot weisen.

Christian Beiser / BAWO                         Heinz Schoibl / BAWO

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AUSGANGSSITUATION

In Klagenfurt ist das Angebot der Wohnungslosenhilfe im Vergleich zur Kärntner Situation
(siehe dazu Anhang I: Geschichte und aktueller Stand der Wohnungslosenhilfe in Kärnten; S. 37)
gut ausgebaut. 1950 hat die Stadt Klagenfurt das bis jetzt bestehende „Obdachlosenheim“ ge-
gründet. Mehr als 30 Jahre später, 1988 wurde das Eggerheim der Caritas mit der Tagesstätte
für wohnungslose Menschen ins Leben gerufen. Wieder fast 20 Jahre später, im Jahr 2006 wurde
die Jugendnotschlafstelle Klagenfurt eröffnet. 2008 folgten das Sozial Betreut Wohnen, sowie die
Fachstelle für Wohnungssicherung der Volkshilfe Kärnten. Im Jahr 2013 wurde zudem die Frau-
ennotschlafstelle (Volkshilfe Kärnten) und im Jahr 2017 das Kältetelefon (Caritas Kärnten) als
weitere spezifische Angebote der Wohnungslosenhilfe finanziert.

Aufgrund der trotzdem überschaubaren Angebotsstruktur in der Wohnungslosenhilfe war es
sowohl für die BAWO als auch für die Stadt Klagenfurt von Interesse, die Studie in der Klagenfur-
ter Soziallandschaft so breit wie möglich anzulegen. Zudem tritt Wohnungslosigkeit als Phäno-
men in vielen verschiedenen Facetten auf und wird oft erst in akuter Form sichtbar (akute Woh-
nungsnot: Obdachlosigkeit, Menschen in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe). Die verdeckte
Form der Wohnungslosigkeit (z.B. temporäre Unterkünfte bei Freund*innen/Verwandten, etc.)
zum Teil sichtbar zu machen, war ebenfalls Ziel dieser Erhebung.

Damit war in einem ersten Treffen mit den politisch Verantwortlichen der Rahmen für die Stu-
die abgesteckt und auch festgelegt, dass nach den ETHOS-Kategorien (Europaen Typology of
Homelessness, siehe Anhang III, S. 77) erhoben wird. Zur übersichtlicheren Darstellung werden
die Ergebnisse auch in der ETHOS-light-Version (siehe dazu S. 18) zusammengefasst und analy-
siert.

Im Sommer 2019 wurde deshalb der persönliche Kontakt mit allen 25 Einrichtungen in der Sozi-
allandschaft Klagenfurt gesucht. In der detaillierten Vorbereitung zu Wohnbedarfserhebung
wurde mit den Teilnehmenden ein Workshop im Herbst abgehalten. Gemeinsam konnten der
vorbereitete Fragebogen erörtert, die verwendeten Begriffe und die zugrunde gelegten ETHOS-
Kategorien erklärt werden. Das Engagement und das Interesse der Einrichtungen waren aus-
schlaggebend für die heute vorliegende Studie. Die Beteiligung und hervorragende Kooperation
machen es möglich, auf ein Datenmaterial mit sehr hohem Niveau zurückgreifen zu können.

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ZUR DURCHFÜHRUNG DER
      WOHNBEDARFSERHEBUNG IN KLAGENFURT

Neben den im Folgenden dargestellten Daten und Detailergebnissen konnten folgende Zusatzin-
formationen eingeholt werden

Die Wohnservicestelle der Stadt Klagenfurt hat im Oktober 2019 insgesamt 126 Wohnungsan-
träge entgegengenommen. In dieser Bedarfserhebung werden jedoch nur jene berücksichtigt,
welche gemäß den ETHOS-Kategorien einen akuten Wohnbedarf im Sinne einer prekären bzw.
unzureichenden Wohnversorgung aufwiesen. Wünsche nach Wohnungswechsel etc. wurden
nicht berücksichtigt.

Weiters hat sich auch das Bezirksgericht an der Studie beteiligt und insgesamt 16 Wohnbe-
darfsmeldungen vorgetragen. In insgesamt 16 Fällen wurde im Oktober 2019 ein Räumungs-
termin anberaumt. Im selben Zeitraum wurden insgesamt 14 Räumungen tatsächlich durchge-
führt. Leider war es dem Bezirksgericht nicht möglich, für die davon betroffenen Personen einen
Fragebogen auszufüllen und im Detail über die im Erhebungszeitraum anberaumten bzw. exeku-
tierten Delogierungen zu informieren. In Ermangelung personenbezogener Kerndaten ist es uns
jedoch nicht möglich festzustellen, inwieweit diese Personen ohnedies gemäß Kontakt zu einer
Beratungseinrichtung erfasst wurden und es sich somit um eine Doppelnennung gehandelt
hätte.

In dieser Wohnbedarfserhebung wurden ausschließlich jene Bedarfsfälle aufgenommen, die per-
sönlich in einer Beratungseinrichtung vorgetragen wurden. So wurden z.B. die Mitteilungen
über die Einleitung von Delogierungsverfahren nicht berücksichtigt, wenn es diesbezüglich zu
keiner persönlichen Vorsprache gekommen war.

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DATENBASIS

Einträge gesamt:        567 Einträge im Onlinetool gemacht, davon 11 ohne Informationen zu
                          Personen (diese Testdurchläufe wurden entfernt)

Bereinigte Datenbasis: 556 Einträge (Fragebogen) sind Basis für die Auswertung, wobei hier
                         noch Doppel- und Mehrfachnennungen enthalten sind

Doppelnennungen:          92 Einträge wurden entfernt, weil es sich um Mehrfachnennun-
                           gen handelt.

Bereinigte Gesamtzahl: 464 Fragebögen liegen dieser Auswertung zugrunde.

In den Fragebögen wurden auch mitziehende 164 Haushaltsmitglieder eingetragen, von denen
jedoch keine personenbezogenen Daten (Alter, Geschlecht etc.) abgefragt wurden. Dabei handelt
es sich um:

          mitziehende Volljährige =        60
          mitziehende Minderjährige =     104

         Insgesamt waren im Oktober 2019 in der Stadt Kla-
       genfurt 628 Personen von Obdachlosigkeit, Wohnungs-
       losigkeit oder prekärer bis ungenügender Wohnversor-
          gung betroffen. Das entspricht einem Anteil an der
            Klagenfurter Bevölkerung von ca. 0,6 Prozent.

                                                                                                10
BILANZ DES WOHNBEDARFS,
                           KLAGENFURT 10/2019

Im Oktober 2019 haben in den Beratungs- und Betreuungseinrichtungen in Klagenfurt 464 Per-
sonen vorgesprochen, für die zumindest ein Fragebogen ausgefüllt wurde. In insgesamt 92 Fäl-
len wurden von unterschiedlichen Einrichtungen Fragebögen für identische Personen ausgefüllt.
Diese Mehrfachnennungen werden im Folgenden nur im Rahmen der Auswertung des jeweiligen
Wohnstatus (z.B. obdachlos und verdeckt wohnungslos) berücksichtigt, wenn z.B. eine Person
im Verlauf eines Monats von einer Einrichtung aufgrund der Obdachlosigkeit erfasst, von einer
anderen Einrichtung zudem nach einer (temporären) Unterkunft bei Bekannten auch als (ver-
deckt) wohnungslos vorgemerkt wurde.

Für die nachstehende Bilanz des Wohnbedarfs bleiben Mehrfachnennungen ausgeschlossen. Die
Bilanz des Wohnbedarfs geht in diesem Sinne von einer Grundgesamtheit von 464 Personen aus.

In einzelnen Fragenbögen sind zudem insgesamt 164 mitziehende Voll- und Minderjährige ange-
führt. Davon sind 104 minderjährig und weitere 60 volljährig.

Damit ergibt sich eine Gesamtzahl von insgesamt 628 Personen mit einem akuten Wohnbedarf.

ABBILDUNG 1: BILANZ DES WOHNBEDARFS, N=628 PERSONEN IN WOHNUNGSNOT

                              mitziehende
                            Minderjährige; 104

      mitziehende
     Volljährige; 60
                                                                                         Männer; 297

      Trans-
     gender; 1

            Frauen; 166

        Männer         Frauen   Transgender      mitziehende Volljährige   mitziehende Minderjährige

Der akute Wohnbedarf, der in der Stadt Klagenfurt im Zeitraum des Oktober 2019 erhoben
wurde, weist ein spezifisches Profil bezüglich Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit auf.

                                                                                                       11
GESCHLECHTSSPEZIFISCHE ASPEKTE
Danach waren in diesem Zeitraum 297 Männer (64%), 166 Frauen (36%) sowie eine Transgen-
der-Person (0,2%) mit fehlender oder ungenügender Wohnversorgung konfrontiert.

TABELLE 1: VERTEILUNG NACH GESCHLECHT, n=464

 männlich                               297            64,0%
 weiblich                               166            36,0%
 transgender                              1             0,2%

Die vorliegende Geschlechtsverteilung, wonach Frauen mit einem Anteil von lediglich einem
Drittel erheblich unterrepräsentiert sind, entspricht den Ergebnissen vergleichbarer Erhebun-
gen. Danach sind Frauen zwar zu höheren Anteilen von ökonomischer Armut betroffen als Män-
ner, bleiben jedoch im Segment sichtbarer Armut (wie eben bspw. Wohnungsnot) tendenziell im
Verborgenen.

ALTERSSPEZIFISCHE ASPEKTE DES WOHNBEDARFS
Die meisten erfassten Personen sind zwischen 20 und 40 Jahre alt (51,4%). Wichtig ist hier je-
denfalls noch die große Gruppe der mitziehenden Minderjährigen. Die Altersgruppe der unter
20Jährigen ist mithin mit einem Gesamtwert von 152 um vieles gewichtiger als in der im Detail
erfassten Personengruppe.

Auffällig ist insbesondere der große Anteil der unter 30Jährigen, die zusammengenommen mit
den mitziehenden Minderjährigen einen Anteil von knapp 52% erreichen.

               Mit anderen Worten erscheint Wohnbedarf in der Stadt Klagenfurt als
               vorrangiges Problem für die jüngere Generation.

TABELLE 2: ALTERSVERTEILUNG, n=557

                                   in absoluten                   kumulative
         Altersgruppe                                Prozent
                                        Zahlen                       Prozent
 mitziehende Minderjährige                    104     18,7%            18,7%
 bis inkl. 20 Jahre                            48       8,6%           27,3%
 21-30 Jahre                                  137     24,6%            51,9%
 31-40 Jahre                                  101     18,1%            70,0%
 41-50 Jahre                                   64     11,5%            81,5%
 51-60 Jahre                                   73     13,2%            94,7%
 61-70 Jahre                                   30       5,4%           100%

                                                                                                 12
WOHNUNGSNOT BETRIFFT NICHT NUR ALLEINSTEHENDE PERSONEN
Entgegen der verbreiteten Meinung weisen die Daten der Wohnbedarfserhebung darauf hin,
dass Wohnungsnot keineswegs nur ein Problem von alleinstehenden Menschen ist, sondern zu
großen Anteilen mehr oder minder vollständige Familien betrifft.

In der Klagenfurter Erhebung sind 60 mitziehende Volljährige sowie 104 mitziehende Kinder
und Jugendliche von Problemen der Wohnungsnot mitbetroffen. Mit Blick auf mitziehende Kin-
der und Jugendliche ist diesbezüglich eine dramatisch schlechte Ausgangslage für Heranwach-
sen und Erwachsen-Werden zu konstatieren.

TABELLE 3: PROFIL DES WOHNBEDARFS, n=628

 männlich                                                297        47,3%
 weiblich                                                166        26,4%
 transgender                                               1         0,2%
 Mitziehende, ohne An-                                   164        26,1%
 gabe des Geschlechts
 Gesamt (ohne Doppelnennungen)                           628       100,0%

Das vorliegende Profil des Wohnbedarfs in der Stadt Klagenfurt spiegelt eine in der Wohnungs-
losenhilfe häufig zu beobachtende Tatsache wieder, wonach Wohnungsnot zwar häufig alleinste-
hende Personen betrifft, jedoch auch relativ viele mitziehende Personen (26%) von der Notlage
betroffen sind. Mehrheitlich handelt es sich bei den mitbetroffenen Haushaltsmitgliedern um
minderjährige Personen (17%).

ZUZUG – WOHER KOMMEN DIE MENSCHEN MIT AKUTEM WOHNBEDARF
Die vorliegenden Daten sprechen eine sehr deutliche Sprache. Danach leben die aktuell erfassten
Menschen in akuter Wohnungsnot zu hohen Anteilen in Klagenfurt (84%). Immerhin jedoch sind
24% erst im vergangenen Jahr nach Klagenfurt gezogen. Es gibt in diesem Sinne einen (steten?)
Zuzug von Menschen in problematischen Lebenssituationen, der insbesondere im Falle von Ob-
dachlosigkeit besonders ausgeprägt ist.

In der Gruppe der obdachlosen Personen beläuft sich der Anteil der im letzten Jahr zugezogenen
Menschen auf 44%.

TABELLE 4: LEBENSMITTELPUNKT, n= 464               TABELLE 5: ZUZUG IM LETZTEN JAHR,
                                                   n= 464
 Klagenfurt                 392     84,5%
                                                    ja               112       24,1%
 Klagenfurt Land             22       4,7%
                                                    nein             352       75,9%
 anderer Bezirk              40       8,6%
 anders Bundesland            7       1,4%
 außerhalb Österreichs        3       0,6%

                                                                                                  13
Ein Anteil von 24% der im Oktober erfassten Personen in Wohnungsnot ist im Verlauf des ver-
gangenen Jahres nach Klagenfurt zugezogen. Demnach ist die Wohnbedarfssituation in Kla-
genfurt offensichtlich eher stabil, tendenziell jedoch mit einem (steten?) Zuzug konfrontiert.

Ein Blick auf die Ursprünge dieser Zuwanderung macht deutlich, dass es sich dabei zu hohen An-
teilen um ein Kärntner Problem handelt. Überwiegend haben die aktuell erfassten Personen in
Wohnungsnot bis vor einem Jahr in einem anderen Bezirk Kärntens gelebt.

TABELLE 6: WOHER KOMMEN DIE MENSCHEN IN WOHNUNGSNOT,
DIE IM VERGANGENEN JAHR ZUGEZOGEN SIND? n= 109

    Klagenfurt                          4          3,7%
    Klagenfurt Land                     3          2,8%
    Anderer Bezirk                     53         48,6%
    Anderes Bundesland                 34         31,2%
    Außerhalb Österreichs              15         13,8%

Auch der Zuzug aus anderen Bundesländern spielt eine bedeutende Rolle (31,2%). Demgegen-
über erweist sich der Zuzug aus dem engeren Umfeld von Klagenfurt-Land als vernachlässigbare
Größe (2,8%). Eine durchaus nennenswerte Gruppe bilden jene Personen, die von außerhalb Ös-
terreichs nach Klagenfurt gekommen sind (13,8%).

Die gesamte Liste mit den bisherigen Aufenthaltsorten findet sich im Anhang II auf den Seiten
42. An dieser Stelle genügt eine Hervorhebung jener Ortschaften, aus denen mehrere Zuzüge er-
folgten: St. Veit steht mit acht Zuzügen an der Spitze, gefolgt von Völkermarkt und Wolfsberg mit
jeweils sechs. Auf Villach entfallen vier Zuzüge, auf Hermagor und Krumpendorf jeweils drei.

VERNETZTE HILFESTRUKTUR IN KLAGENFURT
Der Blick auf die Doppel- und Mehrfachnennungen macht deutlich, dass die Hilfen für Menschen
in Wohnungsnot eng vernetzt sind. Dementsprechend häufig kommt es vor, dass Menschen in
Wohnungsnot im Verlauf eines Monats von mehr als einer Einrichtung erfasst wurden.

TABELLE 7: DOPPEL- UND MEHRFACHNENNUNGEN, n=168

                                                          Anzahl der Mehrfachnen-
                       Einrichtung                                                             in %
                                                                  nungen1

    Caritas - WLH                                                              48               28,6%

    Volkshilfe - WLH                                                           47               28,0%

    Drogenambulanz                                                             19               11,3%

    Abteilung Soziales Klagenfurt                                              11                 6,5%

1      Insgesamt handelt es sich um 71 Personen, die öfter als 1 Mal / bis zu 5 Mal genannt wurden. Aussor-
       tiert wurden 92 Mehrfachnennungen = in der Summe sind das 168 Einträge.

                                                                                                      14
JUNO Klagenfurt                                                       11               6,5%

 Verein Neustart                                                        7               4,2%

 Amt der Kärntner Landesregierung                                       4               2,4%

 Verein Impulse Wohnen                                                  4               2,4%

 weitere Einrichtungen mit 1 bis 3 Nennungen                           17              10,2%

 gesamt                                                     168 Einträge               100%

Mehrfachnennungen betreffen insbesondere die Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe im en-
geren Sinne (Caritas und Volkshilfe), auf die knapp 60% der Mehrfach-Einträge entfallen. Wich-
tige Kooperationspartner*innen sind des Weiteren die Drogenambulanz, die Abteilung für Sozia-
les sowie JUNO und der Verein Neustart.

STATUS DER AKTUELLEN WOHNVERSORGUNG NACH ETHOS-KATEGORIEN
Wohnungsnot ist kein in sich homogener Status sondern weist bei differenzierter Betrachtung
eine Vielzahl unterschiedliche Bedarfs- und Problemlagen auf. In unserer Analyse nehmen wir
Bezug auf die von der FEANTSA (Europäischer Dachverband der Wohnungslosenhilfeeinrichtun-
gen) entwickelte Typologie von Obdach- und Wohnungslosigkeit sowie von unsicherer und un-
genügender Wohnversorgung (ETHOS). Danach unterscheiden wir insgesamt vierzehn Einzel-
Kategorien, die von Obdachlosigkeit (Überleben auf der Straße) bis hin zum Phänomen des
Überbelags reichen.

Die nachstehende Tabelle gibt einen Überblick über die Komplexität des Problems Wohnbedarf,
bevor wir in einem nächsten Schritt einzelne Kategorien zu Bedarfsgruppen zusammenfügen,
um so eine lesbare Darstellung der Ergebnisse realisieren zu können.

Bei der differenzierten Aufschlüsselung aller ETHOS-Kategorien fällt auf, dass einzelne Katego-
rien zahlenmäßig eher bis sehr knapp besetzt sind. Das macht für Auswertung und Interpreta-
tion wenig Sinn, weshalb wir einzelne Kategorien zu Bedarfsgruppen zusammenfügen.

In der nachstehenden Tabelle werden die einzelnen Kategorien des Wohnstatus vorgestellt und
jeweils sinngemäß zusammengefügt. Die farblich unterlegten Kästen entsprechen der nachfol-
gend verwendeten Untergliederung von ETHOS in Bedarfsgruppen (ETHOS light).

                                                                                                  15
TABELLE 8: STATUS DER WOHNVERSORGUNG NACH ETHOS-KATEGORIEN

                                                                          mitzie-     mitziehende
                                                           eingetra-                                ETHOS
                            Kategorie            gesamt                 hende Voll-   Minderjäh-
                                                          gene Person                                light2
                                                                          jährige         rige

                     keine Angabe zum
                                                  33           12             6             15          33
                        Wohnstatus

                            obdachlos             54           51             3              0
    losigkeit
    Obdach-

                                                                                                        97
                            Notschlafstelle       67           57             6              4

                            WLH-Einrichtung      134          125             7              2
     Wohnungslosigkeit

                            Frauenhaus            20           10             1              9

                            Asyl / Migration-                                                          222
                                                  48           17            10             21
                            Einrichtung

                            in Institution un-
                                                  50           45             0              5
                            tergebracht

                            bei Bekannten /
                                                 157          131             9             17
                            Verwandten etc.

                            ungesichertes
     ungesichertes Wohnen

                                                  17           14             2              1
                            Wohnen

                            Delogierungs-
                            verfahren einge-      40           18             6             16         229
                            leitet

                            Delogierungs-be-
                                                  22           12             2              8
                            schluss liegt vor

                            bedroht durch
                                                  15           10             2              3
                            häusliche Gewalt

                            provisorische
    Wohnversorgung

                            Wohnverhält-           7            6             0              1
     ungenügende

                            nisse
                                                                                                        72
                            ungenügende
                                                  51           42             5              4
                            Räume

                            Überbelag             19            6             6              7

2 Bei den Gesamtzahlen der ETHOS-light Bedarfsgruppen werden die Doppelnennungen innerhalb der
Sub-Kategorien nicht mitgezählt. Deshalb ergeben sich Abweichungen gegenüber einer glatten Addition.
                                                                                                              16
Hier und in der nachstehenden Grafik werden die Daten tabellarisch in einzelne Kategorien
differenziert vorgestellt. In der nachfolgenden Interpretation aber werden diese in Bedarfsgrup-
pen (hier farbig unterlegt) zusammengefügt und zusammengefasst interpretiert.

                                                                                                   17
ABBILDUNG 2: DETAILLIERTER ÜBERBLICK ÜBER DIE EINZELNEN ETHOS-KATEGORIEN

      180

      160
                                                                                17
      140
                                                                                 9
                                            2
      120
                                            7

      100

       80
                                 4           125                                 131

       60              0
                        3        6                                  5                                                              4
       40                                                           0                                                              5
                                57                           21                                   16
                15      51
                                                   9                                                        8                      42   7
       20                                                    10     45                   1        6                   3
                 6                                 1                                                        2                1          6
                                                                                         2                            2
                                                             17                                   18                         0          6
                12                                 10                                    14                12        10      6
        0

                      Person, für die Fragebogen ausgefüllt wurde       mitziehende Volljährige        mitziehende Minderjährige

18
WOHNBEDARF: UNTERGLIEDERT NACH BEDARFSGRUPPEN (ETHOS-LIGHT)
Bezogen auf die vier großen Kategorien Obdachlosigkeit, Wohnungslosigkeit, ungesichertes und
ungenügendes Wohnen zeigt sich folgende Verteilung:

TABELLE 9: ÜBERBLICK ÜBER DIE BEDARFSGRUPPEN NACH ETHOS-LIGHT

                                                             mitziehende Volljäh-         mitziehende Minder-
     Bedarfsgruppen             primäre Personen*
                                                                    rige*                       jährige*

 Obdachlosigkeit                                 86                             7                            4

 Wohnungslosigkeit                             172                            14                            36

 ungesichertes Woh-
                                               167                            21                            41
 nen

 ungenügende
                                                 52                             9                           11
 Wohnversorgung

 Basis für Auswertung                          477                            51                            82

   keine Angaben zum
                                                  12                             6                           15
      Wohnstatus*

*Anmerkung zur Anzahl der „primären Personen“ (d.h. Personen, für die ein Fragebogen vorliegt): Innerhalb der ein-
zelnen Kategorien wurden Doppelnennungen herausgefiltert.

*Anmerkung zur Anzahl der primären Personen: Die Summe der Gesamtzahlen in den Sammelkategorien ist höher als
die um Doppelnennungen bereinigte Gesamtzahl aller primären Personen, da es im Rahmen des Erhebungszeitraums
möglich ist, dass einzelne Personen von einer Kategorie, z.B. Obdachlosigkeit, in eine andere Kategorie, z.B. Einrich-
tung der WLH, wechseln.

*Anmerkung zur Anzahl von mitziehenden Haushaltsmitgliedern: Für diese Personen wurden keine personenbezoge-
nen Daten erhoben, so dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass z.B. mitziehende Volljährige, zugleich auch als
primäre Person geführt wird. In den Angaben zu den mitziehenden Haushaltsmitgliedern können somit Doppelnen-
nungen nicht ausgeschlossen werden.

*Anmerkung zur Zeile „keine Angaben zum Wohnstatus“: In 12 Fragenbögen finden sich keine Einträge zum aktuellen
Wohnstatus; in diesen Fragebögen sind 6 mitziehende Volljährige sowie 15 mitziehende Minderjährige enthalten.
Diese Fragebögen können in der Detailauswertung zum Thema Wohnversorgung und Stand des akuten Wohnbedarfs
nicht einbezogen werden.

                                                                                                                  19
ABBILDUNG 3: ETHOS-LIGHT, n=610

                                                 9
                                  52                 11
 ungenügendes Wohnen
                                                           167                        21             41
  ungesichertes Wohnen
                                                           172                            14         36
     Wohnungslosigkeit
                                       86                   7 4
        Obdachlosigkeit

                          0                 50                   100          150              200           250

                primäre Person         mitziehende Volljährige          mitziehende Minderjährige

Der Überblick über die unterschiedlichen Segmente des sozialen Phänomens Wohnungsnot /
Wohnungslosigkeit macht deutlich, dass die Schwerpunkte jedenfalls in den Bedarfsgruppen des
ungesicherten Wohnens (zusammen: 229 Betroffene) sowie Wohnungslosigkeit (zusammen:
212) sind. In diesen beiden Bedarfsgruppen sind nicht nur die meisten Kontakte angefallen. Hier
finden sich auch viele mitziehende Minderjährige (zusammen: 77) sowie mitziehende Erwach-
sene (zusammen: 35).

Demgegenüber wurden von den Kontakt- und Beratungsstellen im Verlauf des Monats Oktober
„nur“ relativ wenige Menschen in Obdachlosigkeit (zusammen: 97) sowie Menschen mit ungenü-
gender Wohnversorgung (zusammen: 72) erfasst.

Dieses Ergebnis unterstreicht auch die zentrale Anforderung an das Hilfesystem, Wohnverhält-
nisse zu sichern und z.B. Delogierungen vorzubeugen. Für den engeren Bereich der Wohnungs-
losenhilfe steht jedenfalls die Aufgabe an, Auswege aus der Wohnungslosigkeit sowie Ablösen
aus der Wohnungslosenhilfe zu realisieren und die Dauer der Problembelastung zu reduzieren.

ETHOS- LIGHT IM GESCHLECHTERVERGLEICH

TABELLE 10: GESCHLECHTERVERTEILUNG IM ÜBERBLICK (OHNE MITZIEHENDE)

                          obdachlos              wohnungslos           ungesichert             ungenügend

         Männer            66     77%                114         66%     95         57%         33        63,5%

         Frauen            20     23%                57          33%     72         43%         19        36,5%

    transgender               0        0               1     0,6%         0           0          0            0

                                                                                                            20
ABBILDUNG 4: WOHNSTATUS BEI MÄNNERN                     ABBILDUNG 5: WOHNSTATUS BEI FRAUEN

        Wohnstatus bei Männern                                  Wohnstatus bei Frauen

                 33; 11%               66; 21%                         19; 11% 20; 12%

           95; 31%
                                                                                        57; 34%
                                114;                               72; 43%
                                37%

             obdachlos      wohnungslos                             obdachlos        wohnungslos
             ungesichert    ungenügend                              ungesichert      ungenügend

ETHOS- LIGHT IM ALTERSVERGLEICH

TABELLE 11: ALTERSVERTEILUNG IM ÜBERBLICK (OHNE MITZIEHENDE ERWACHSENE)

                         obdachlos               wohnungslos       ungesichert           ungenügend

 unter 20 Jahre            12     13,5%            19    9,1%        19      9,0%           3      5,0%

  mitziehende
                            4      4,5%            36   17,3%        41      19,4%         11      18,6%
 Minderjährige

   21 – 40 Jahre           38     42,7%            85   40,9%       103      51,7%         14      23,7%

   41 – 60 Jahre           27     30,3%            51   24,5%        39      18,5%         22      37,3%

     älter als 60           8      9,0%            17    8,2%         9      4,3%           9      15,3%
           Jahre

         gesamt            89     100%            208   100%        211      100%          59      100%

In der Bedarfsgruppe „Obdachlosigkeit“ ist ein relativ geringer Anteil von Betroffenen in jungem
Alter zu verzeichnen. Insgesamt gesehen, wird jedoch deutlich, dass der Anteil der unter 20Jäh-
rigen (besonders ausgeprägt in der Bedarfsgruppe „ungesichertes Wohnen“ mit knapp 30%) er-
schreckend hoch ist.

In den weiteren Bedarfsgruppen sind vor allem die älteren Jahrgänge in der Mehrzahl, so zeigt
sich etwa bei den 21-40jährigen Personen in ungesicherten Wohnverhältnissen ein Spitzenwert
von knapp 52%. Bei Personen mit ungenügender Wohnversorgung übernehmen die 41-60Jähri-
gen die traurige Spitze.

                                                                                                     21
ETHOS- LIGHT DIFFERENZIERT NACH STAATSBÜRGERSCHAFT

TABELLE 12: VERTEILUNG NACH STAATSBÜRGERSCHAFT IM ÜBERBLICK (OHNE MITZIE-
HENDE)

                      obdachlos        wohnungslos         ungesichert        ungenügend

 Österreich             65     76%       135      79%       142      85%        38     73,0%

 EU-Bürger*in           12     14%         10      6%        14       8%         2       4,0%

 Drittstaatsan-
                         9     10%         27     16%        11       7%        11     23,0%
 gehörige

Wohnungsnot betrifft vor allem Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft. Die Anteile
der österreichischen Staatsbürger*innen liegen in allen vier Bedarfsgruppen sehr hoch, von 73%
im Bereich ungenügender Wohnversorgung bis 85% im Falle ungesicherter Wohnverhältnisse.
EU-Bürger*innen und Drittstaatsangehörige bilden eine Minderheit von zusammengenommen
ca. 15%.

Die Situation in Klagenfurt unterscheidet sich in diesem Punkt deutlich von den vergleichbaren
Ergebnissen der Bedarfserhebungen in Salzburg und Vorarlberg, wonach Österreicher*innen je-
weils nur knapp die Hälfte der Betroffenen stellen, während EU-Bürger*innen (z.B. auch viele
Notreisende) sowie Drittstaatsangehörige (viele davon mit Fluchthintergrund) in erheblich grö-
ßerer Anzahl Probleme mit Wohnversorgung und Wohnsicherheit haben, als dies in Klagenfurt
der Fall ist.

URSACHEN FÜR DEN AKUTEN WOHNBEDARF IM ETHOS –LIGHT ÜBERBLICK
Akuter Wohnbedarf verdankt sich zu großen Anteilen drei zentralen Risikofaktoren, die jedoch
in den einzelnen Bedarfsgruppen höchst unterschiedlich ausgeprägt sind. So spielt etwa bei ob-
dachlosen Personen die Trennung von Lebensgemeinschaften eine wichtige Rolle, gefolgt von
Entlassung aus Institutionen sowie Delogierung aus der früheren Wohnung. Noch deutlicher
zeigt sich diese Reihung in der Bedarfsgruppe der Personen in ungesicherter Wohnversorgung.

TABELLE 13: URSACHEN FÜR WOHNUNGSNOT IM ÜBERBLICK (OHNE MITZIEHENDE)

                      obdachlos        wohnungslos         ungesichert        ungenügend

 Scheidung              34   29,1%        39    21,0%        89    52,7%        14     25,5%

 Entlassung             25   21,4%        84    45,2%        21    12,4%         4       7,3%

 Delogierung            16   13,7%        10     5,4%        10     5,9%         1       1,8%

 andere                 42   35,9%        53    28,5%        49    29,0%        36     65,4%

                                                                                          22
Die Entlassung aus einer stationären Einrichtung spielt für die Entwicklung von Wohnungslosig-
keit eine große Rolle, gefolgt von Scheidung / Trennung. Demgegenüber finden sich hier nur we-
nige Einträge, bei denen eine Delogierung die akute Wohnungsnot verursacht hätte.

In der Bedarfsgruppe der Personen in ungenügenden Räumlichkeiten finden sich neben den Fol-
gen einer Scheidung / Trennung vorrangig finanzielle Probleme wie z.B. Schulden etc., die zur
Entwicklung der akuten Wohnungsnot geführt haben.

                                                                                         23
BEDARFSGRUPPE: OBDACHLOSIGKEIT

Unter die Kategorie Obdachlosigkeit haben wir die Einzelkategorien „obdachlos“ sowie „Nächti-
gung in einer Notschlafstelle“ zusammengefasst. Damit sind hier jene Personen zusammenge-
fasst, die (noch) keinen Zugang zu stabilen Hilfeangeboten, z.B. betreutes Wohnen etc., realisie-
ren konnten und auf einem sehr niedrigen Niveau des Überlebens verharren.

TABELLE 14: OBDACHLOSIGKEIT (MIT MITZIEHENDEN UND DOPPELNENNUNGEN), n=97

                                                              mitziehende           mitziehende
          Obdachlosigkeit               primäre Person
                                                              Volljährige          Minderjährige

 Obdachlosigkeit                                      51                       3              0
 Notschlafstelle                                      57                       6              4
 abzüglich Doppelnennungen                           - 22                     -2             -0

 Obdachlosigkeit gesamt                               86                      7               4

Obdachlosigkeit ist vorwiegend ein Problem von Singles, die mit einem Anteil von 89% diese Be-
darfsgruppe dominieren. In der Gruppe der obdachlosen Personen scheinen nur wenige mitzie-
hende Voll- und / oder Minderjährige auf, am ehesten finden sich diese in der Gruppe der Näch-
tiger*innen in einer Notschlafstelle. Mit Erleichterung kann jedenfalls hervorgehoben werden,
dass im Oktober 2019 keine mitziehenden Minderjährigen auf der Straße genächtigt haben.

Auffällig ist innerhalb dieser Kategorie eine große Anzahl von Doppelnennungen, wonach etwa
jede/r Vierte im Verlauf eines Monats gleichermaßen auf der Straße etc. oder in einer Notschlaf-
stelle nächtigt. Die Grenzen zwischen den Teilgruppen Obdachlosigkeit und Notschlafstelle sind
mithin eher fließend.

ABBILDUNG 6: OBDACHLOS IN KLAGENFURT, n= 97 (INKL. DOPPELNENNUNGEN)

                          Obdachlosigkeit gesamt
                            7; 7%     4; 4%
                                                   86; 89%

       primäre Person   mitziehende Volljährige   mitziehende Minderjährige

                                                                                             24
Von Obdachlosigkeit betroffene Personen

TABELLE 15: GESCHLECHTERVERTEILUNG,          TABELLE 18: URSACHEN (MEHRFACHNEN-
n= 86                                        NUNGEN), n=117

                   abs.           in %                          abs.          in %
 männlich             66           77%        Scheidung            34          29%
 weiblich             20           23%        Entlassung           25          21%
                                              Delogierung          16          14%
Der Frauenanteil ist im Kontext sichtbarer
                                              andere               42          36%
Wohnungslosigkeit besonders niedrig.

TABELLE 16: ALTERSVERTEILUNG, n= 86          TABELLE 19: IM LETZTEN JAHR ZUGEZO-
                                             GEN, n= 86
                      abs.         in %
                                                                abs.          in %
 < 20 Jahre                12     13,9%
                                              ja                 38           44%
 21 – 40 Jahre             38     44,2%
                                              nein               48           56%
 41 - 60 Jahre             27     31,4%
 > 61 Jahre                  8      9,3%     Von Bedeutung erscheint diesbezüglich,
 keine Angabe                1      1,2%     dass ein großer Teil der jüngst Zugezogenen
                                             (42%) aus anderen Kärntner Bezirken nach
                                             Klagenfurt gekommen ist. Weitere 32%
                                             kommen aus anderen Bundesländern.

TABELLE 17: DAUER, n= 86                     TABELLE 20: NATIONALITÄT, n= 86

                   abs.           in %                          abs.          in %
 < 1 Monat            23           27%        Österreich           65          76%
 1–6 Monate           25           29%        EU-Ausland           12          14%
 > 6 Monate           38           44%        Drittstaat               9       10%

                                                                                     25
BEDARFSGRUPPE: WOHNUNGSLOSIGKEIT

Unter der EHOS-light Kategorie Wohnungslosigkeit fassen wir die Einzelkategorien WLH-Ein-
richtung, Frauenhaus, Asyl/Migration sowie Unterbringung in einer Institution zusammen. Es
handelt sich hier somit um Personen, die in regulären und stabilen Hilfestrukturen Aufnahme
gefunden haben und in diesem Rahmen eine bedarfsspezifische Betreuung genießen.

In dieser Bedarfsgruppe finden sich tendenziell wenige mitziehende Volljährige (6,3%), jedoch
eine nennenswerte Anzahl von mitziehenden Minderjährigen (16,2%).

TABELLE 21: WOHNUNGSLOSIGKEIT, UNTER BERÜCKSICHTIGUNG VON DOPPELNENNUNGEN

                                                               mitziehende            mitziehende
      Wohnungslosigkeit                primäre Person
                                                               Volljährige           Minderjährige

 WLH-Einrichtung                                     125                         7               2
 Frauenhaus                                           10                         1               9
 Asyl/Migration                                       17                     10                 21
 in Institution wohnhaft                              45                         0               5
 abzüglich Doppelnennungen                           - 25                    -4                 -1

 Wohnungslosigkeit gesamt                            172                     14                 36

ABBILDUNG 7: VON WOHNUNGSLOSIGKEIT BETROFFEN, n= 222

                   36; 16%              0; 0%

        14; 6%                                                 172; 78%

       primäre Person      mitziehende Volljährige   mitziehende Minderjährige

                                                                                                26
Von Wohnungslosigkeit betroffene Personen

TABELLE 22: GESCHLECHTERVERTEILUNG,             handelt es sich um eine (noch) kurze Phase
n= 172                                          der Wohnungslosigkeit. Bei knapp der
                                                Hälfte der wohnungslosen Personen ist al-
                     abs.          in %         lerdings bereits eine ausgedehnte Phase der
 männlich             114           66%         Wohnungslosigkeit gegeben. Hier dürfte ei-
                                                nerseits mitspielen, dass die WLH-Einrich-
 weiblich              57           33%         tungen ja einen Aufenthalt von etwa einem
 Transgender            1          0,6%         Jahr anbieten. Tendenziell könnte dafür je-
                                                doch auch die Tatsache zum Tragen kom-
                                                men, dass die Beendigung der Wohnungslo-
Die Geschlechtsverteilung weist mit 2/3         sigkeit bzw. die Ablöse aus der Wohnungslo-
Männer und 1/3 Frauen einen sehr typi-          senhilfe mit Schwierigkeiten verbunden ist.
schen Überhang von Männern im Kontext
sichtbarer Armut aus. Offensichtlich tun sich
                                                TABELLE 25: URSACHEN (MEHRFACHNEN-
auch in Kärnten die Frauen tendenziell          NUNGEN), n=186
schwer, Zugang zu formellen Hilfestruktu-
ren im Umfeld der Wohnungslosenhilfe zu
                                                                    abs.           in %
realisieren.
                                                 Scheidung              39           21%

TABELLE 23: ALTERSVERTEILUNG, n=172
                                                 Entlassung             84           45%
                                                 Delogierung            10            5%
                       abs.        in %
                                                 andere                 53           29%
 < 20 Jahre                 19       11%
 21 – 40 Jahre              85       49%        Auffällig ist hier insbesondere, dass der Auf-
                                                nahme in ein Angebot der Wohnungslosen-
 41 - 60 Jahre              51       30%
                                                hilfe zum großen Teil die Entlassung aus ei-
 > 61 Jahre                 17       10%        ner institutionellen Versorgung (Klinik, Haft
                                                etc.) vorausgeht. Dies könnte ein Indiz dafür
Während Minderjährige und junge Erwach-         sein, dass das Entlassungsmanagement der
sene (unter 20 Jahre) in der Bedarfsgruppe      in Frage kommenden Institutionen sich zu
Wohnungslosigkeit mit 11% einen eher be-        großen Anteilen damit zufrieden gibt, eine
scheidenen Anteil einnimmt, legt die Alters-    Aufnahme in eine (semi)stationäre Betreu-
gruppe der 21-40Jährigen mit 49% or-            ung in der WLH sicherzustellen.
dentlich vor. Bei den älteren Erwachsenen
nehmen die Anteile dagegen rapide ab. Nur
                                                TABELLE 26: IM LETZTEN JAHR ZUGEZO-
jede/r Elfte ist älter als 61 Jahre.            GEN; n=172

TABELLE 24: DAUER, n=172                                            abs.           in %
                                                 ja                   31           18%
                     abs.         in %
                                                 nein                141           82%
 < 1 Monat             38           22%
 1 – 6 Monate          51           30%         Die Mehrzahl der wohnungslosen Personen
                                                ist seit länger als einem Jahr in Klagenfurt
 > 6 Monate            83           48%
                                                aufhältig. Ein eher kurzfristiger Wechsel des

Bei jede/r Fünften dieser Bedarfsgruppe

                                                                                          27
Aufenthalts und ein Zuzug aus anderen Be-
zirken oder Bundesländern stellt eher eine
Ausnahme dar.                                In dieser Bedarfsgruppe dominieren öster-
                                             reichische Staatsbürger*innen mit einem
                                             Anteil von 79%. Wenige EU-Ausländer*in-
TABELLE 27: NATIONALITÄT, n=172              nen bilden in dieser Gruppe die Ausnahme.
                                             Ein nennenswerter Anteil von 16% entfällt
                   abs.          in %        auf Drittstaatsangehörige (einschließlich
 Österreich          135           79%       Fluchthintergrund).

 EU-Ausland           10            6%
 Drittstaat           27           16%

                                                                                  28
BEDARFSGRUPPE: UNGESICHERTES WOHNEN

Unter die Light-Kategorie „ungesichertes Wohnen“ fassen wir folgende Einzelkategorien zusam-
men: temporär bei Freunden/Bekannten, temporär ohne Rechtstitel, Delo-Verfahren eingeleitet,
Delo-Beschluss liegt vor sowie in eigener Wohnung von Gewalt bedroht.

TABELLE 28: TABELLARISCHER ÜBERBLICK ÜBER “UNGESICHERTES WOHNEN”, n=229

                                                              mitziehende     mitziehende
          ungesichertes Wohnen               primäre Person
                                                              Volljährige    Minderjährige
 temporär bei Bekannten / Verwandten                  131               9               17
 temporär ohne Rechtstitel                             14               2                   1
 Delo-Verfahren eingeleitet                            18               6               16
 Delo-Beschluss liegt vor                              12               2                   8
 von Gewalt bedroht                                    10               2                   3
 abzüglich Doppelnennungen                            - 18              0               -4
 ungesichertes Wohnen gesamt                          167              21               41

Gegenüber den Bedarfsgruppen Obdach- und Wohnungslosigkeit sind von ungesicherter
Wohnversorgung auch viele mitziehende Erwachsene (9%) sowie Minderjährige (18%) erfasst.
Von Bedeutung erscheint zudem der hohe Anteil (69%) von Personen, die temporär bei Bekann-
ten / Verwandten unterschlüpfen. Demgegenüber waren im Verlauf des Monats Oktober 2019
zusammengenommen immerhin 62 Personen (inkl. Mitziehender) von Delogierungsverfahren /
-beschlüssen betroffen. Das entspricht einem Anteil von 27%.

ABBILDUNG 8: UNSICHERE/UNGESICHERTE WOHNVERSORGUNG, n= 229

           41; 18%       0; 0%
                                        167; 73%
 21; 9%

                 primäre Person
                 mitziehende Volljährige
                 mitziehende Minderjährige

                                                                                       29
Von unsicherer / ungesicherter Wohnversorgung betroffene Personen

TABELLE 29: GESCHLECHTERVERTEILUNG,            jede/r Vierte ist bereits länger als 6 Monate
n=167                                          von dieser Notlage betroffen.

                 abs.             in %         Die größte Untergruppe weist eine Dauer
                                               der Belastung von 1-6 Monate auf (44%).
 männlich                95              57%
 weiblich                72              43%   TABELLE 32: URSACHEN, (MEHR-
                                               FACHNENNUNGEN), n=169
Unsichere / ungesicherte Wohnversorgung
ist gleichbedeutend mit tendenziell unsicht-                   abs.           in %
barer Armut / Wohnungsnot. Dementspre-
chend ist auch der Anteil der davon be-         Scheidung              89            53%
troffenen Frauen deutlich höher (43%) als       Entlassung             21            12%
in den Bedarfsgruppen Obdach- und Woh-
                                                Delogierung            10            6%
nungslosigkeit.
                                                andere                 49            29%
TABELLE 30: ALTERSVERTEILUNG, n=208
                                               Im Vordergrund steht i die Ursache der
                    abs.           in %        Scheidung etc.. Dies ist in 53% der Betroffe-
                                               nen der Fall. Demgegenüber sind hier Ent-
 < 20 Jahre                19        9,1%      lassung aus einer institutionellen Unter-
 mitziehende               41       19,7%      bringung oder eine erfolgte Delogierung
 MJ.                                           eher von untergeordneter Bedeutung.
 21 – 40 Jahre           103        49,5%
                                               TABELLE 33: IM LETZTEN JAHR ZUGEZO-
 41 - 60 Jahre             39       18,8%
                                               GEN, n=167
 > 61 Jahre                   6      2,9%
                                                               abs.           in %
Auffällig ist in dieser Gruppe auch der be-     ja                    41             25%
sonders hohe Anteil betroffener Minderjäh-
riger und junger Erwachsener unter 20 Jah-      nein                  126            75%
ren. Deren Anteil beläuft sich auf 32%.
                                               Jede/r Vierte dieser Bedarfsgruppe ist im
Die Gruppe der 21-50Jährigen stellt mit ins-   vergangenen Jahr zugezogen und hat mehr-
gesamt 50% klar die Mehrheit in der Be-        heitlich ein temporäres Quartier bei Be-
darfsgruppe.                                   kannten aufgeschlagen.

TABELLE 31: DAUER, n=165                       TABELLE 34: NATIONALITÄT, n=167

                  abs.            in %                         abs.           in %
 < 1 Monat               51              31%    Österreich            142            85%
 1 – 6 Monate            73              44%    EU-Ausland            14             8%
 > 6 Monate              41              24%    Drittstaat            11             7%

Die Dauer dieser Form der Wohnungsnot ist      Überwiegend handelt es sich um Österrei-
erheblich kürzer, als dies in der Bedarfs-     cher*innen (85%).
gruppe Wohnungslosigkeit der Fall ist. Nur
                                                                                        30
BEDARFSGRUPPE:
               UNGENÜGENDE WOHNVERSORGUNG

Unter der Light-Kategorie „ungenügende „Wohnversorgung“ fassen wir folgende Einzelkatego-
rien zusammen: provisorische Wohnverhältnisse, ungenügende Räumlichkeiten sowie Überbe-
lag.

Insbesondere handelt es sich hier um Personen, die in ungenügenden Räumen (Substandard
bzw. in sehr schlechtem Zustand) leben. Auf diese Personengruppe entfällt ein Anteil von knapp
80%.

Auffällig ist hier weiters, dass nur relativ wenige Haushalte in Kontakt- und Betreuungseinrich-
tungen vorgesprochen haben, die von Überbelag (mehr Personen als Räume) betroffen sind.

TABELLE 35: UNGENÜGENDE WOHNVERSORGUNG, n=72

 ungenügende Wohnver-                                   mitziehende Voll-   mitziehende Min-
                                primäre Person
       sorgung                                               jährige           derjährige

 provisorisches Wohnen                        6                      0                     1

 ungenügende Räume                          42                       5                     4

 Überbelag                                    6                      6                     7

                abzüglich
                                            -2                      -2                    -1
         Doppelnennungen

 ungenügende Wohnver-
                                           52                        9                   11
    sorgung gesamt

ABBILDUNG 9: UNGENÜGENDE WOHNVERSORGUNG, n= 72

               11; 15%     0; 0%
    9; 13%
                                                  52; 72%

    primäre Person                 mitziehende Volljährige
    mitziehende Minderjährige

                                                                                               31
Von ungenügender Wohnversorgung betroffene Personen

TABELLE 36: GESCHLECHTERVERTEILUNG,
                                                Scheidung            14             26%
n=52
                                                Entlassung             4            7%
                    abs.           in %         Delogierung            1            2%
 männlich              33          63,5%        andere               36             65%
 weiblich              19          36,5%
                                               Die in den anderen Bedarfsgruppen domi-
In dieser Bedarfsgruppe dominieren die         nierenden Ursachen erscheinen in der
Männer mit einem Anteil von 63,5%.             Gruppe der Menschen in ungenügenden
                                               Wohnverhältnissen eher unwesentlich.

TABELLE 37: ALTERSVERTEILIUNG, n=63            In jedem vierten Fall (25%) wird auf eine
                                               zugrunde liegende Scheidung verwiesen.
                       abs.         in %
                                               Stattdessen werden für diese Bedarfsgruppe
 < 20 Jahre                    3    4,8%       Probleme im Zusammenhang mit psychi-
 mitziehende               11      17,5%       schen Krankheiten (22%), Schulden (13%)
 MJ.                                           und Sucht (7%) genannt.

 21 – 40 Jahre             18      28,6%
                                               TABELLE 40: IM LETZTEN JAHR ZUGEZO-
 41 - 60 Jahre             22      34,9%
                                               GEN, n=52
 > 61 Jahre                    9   14,3%
                                                              abs.           in %
Auf Jugendliche und junge Erwachsene ent-       ja                   12             23%
fällt zusammengenommen ein Anteil von
22%. Die größte Altersgruppe sind hier die      nein                 40             77%
41-60Jährigen mit einem Anteil von 35%.
                                               Knapp ein Viertel der hier genannten Perso-
                                               nen ist im vergangenen Jahr nach Klagenfurt
TABELLE 38: DAUER, n=52                        zugezogen.

                     abs.          in %
                                               TABELLE 41: NATIONALITÄT, n=52
 < 1 Monat                 4          8%
 1 – 6 Monate          16            31%                          abs.           in %
 > 6 Monate            32            61%        Österreich           38             73%
                                                EU-Ausland               2          4%
Auffällig ist in dieser Bedarfsgruppe, dass
die Betroffenen bereits lange Zeit in dieser    Drittstaat           12             23%
Notlage leben. Insgesamt 61% sind bereits
länger als 6 Monate davon betroffen.           Österreicher*innen dominieren diese Be-
                                               darfsgruppe mit einem Anteil von 73%.
                                               Nennenswert sind hier jedoch auch Dritt-
TABELLE 39: URSACHEN (MEHRFACHNEN-             staatsangehörige, die zu knapp einem Vier-
NUNGEN), n=55                                  tel an dieser Gruppe beteiligt sind.

                    abs.           in %

                                                                                        32
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