Zukunftsaspekte der heiligen Odilia als Seelenführerin

 
WEITER LESEN
Schweiz                     Suisse                       Svizzera                        Svizra

   XII – 2021 Mitteilungen aus dem anthroposophischen Leben Nouvelles de la vie anthroposophique Notiziario della vita antroposofica

   Zukunftsaspekte der heiligen Odilia als Seelenführerin
   Mitte August entwickelte Michaela Spaar an einem Odilien-Spaziergang in Arlesheim, den ich mit Freunden organisiert hatte,
   sprechende Bilder davon, was Odilia uns in den heutigen Herausforderungen vermitteln kann. Odilia (um 660 bis 720) ist als Hei-
   lige und Äbtissin zweier Frauenklöster auf dem Odilienberg am Ostrand der Elsässer Vogesen in die Geschichte eingegangen. Ihr
   Todestag fällt auf den 13. Dezember, den Luzientag, der bis zur Einführung des gregorianischen Kalenders 1582 als Winterson-
   nenwende gefeiert wurde. Es gab also gute Gründe, Michaela Spaar zu bitten, für unsere Dezember-Ausgabe etwas darüber zu
   schreiben, was diese Frauengestalt der Merowingerzeit uns zu sagen vermag.                               Konstanze Brefin Alt

   Michaela Spaar                                                    genleiden und Blindheit angerufen wird. Sie gilt auch als
                                                                     Lichtheilige und Botin des göttlich-geistigen Lichtes, die
   Die Legende der vom Vater verstossenen blinden Tochter,           die Augen öffnen kann – auf physischer und auf seelisch-
   die durch die Taufe sehend wurde, kann auch uns Heuti-            geistiger Ebene. Sie ist darüber hinaus Schutzpatronin des
   ge tief berühren. Odilia war eine im Mittelalter beliebte,        Elsasses und von Arlesheim bei Basel; auch ist Odilia tief
   vom Volk besonders verehrte Heilige, die bis heute bei Au-        mit dem christlich-therapeutischen Heilimpuls verwoben.
                                                                     Wie ein roter Faden zieht sich das Motiv der seelisch-geis-
                                                                     tigen Verwandlungsprozesse in Verbindung mit der Nähe
                                                                     zum Tod durch ihr Leben. Es sind subtil beschriebene
                                                                     Stirb- und Werdeprozesse, die ihre enge Beziehung zum
                                                                     iroschottischen, zum esoterischen Christentum andeuten.
                                                                     Sie können aber auch Wegweiser für jeden sein, der sich
                                                                     auf den spirituellen Weg begibt.
                                                                         Die Blindgeborene wird heimatlos und wächst in der
                                                                     Fremde auf. Die etwa 13-Jährige wird bei der Taufe se-
                                                                     hend; auch erhält sie dann ihren Namen. Hinweise in
                                                                     der Legende deuten darauf hin, dass Odilias Taufe nach
                                                                     iroschottischer Taufpraxis erfolgte. Diese lehnte sich an
                                                                     das urchristliche Taufritual an, bei dem der Täufling durch
                                                                     dreimaliges Untertauchen an die Schwelle des Todes ge-
                                                                     führt wurde. Er erlebte die Ganzkörpertaufe als Erleuch-
                                                                     tung, als Erwachen des neuen Menschen. In Odilia wird in
                                                                     diesem Moment etwas erweckt, das vorher wie ein verbor-
                                                                     gener Keim in ihr schlummerte: ein Bewusstsein für ihre
                                                                     zukünftige spirituelle Aufgabe.

                                                                     Finsternis in Erleuchtung verwandeln
                                                                     Auffallend ist bei der später überlieferten Fluchtlegende,
                                                                     dass die spannungsvolle Beziehung Odilias zu ihrem Va-
Bild aus dem Netz

                                                                     ter im Zentrum steht. Ja, sie erfährt hier ihren Höhepunkt
                                                                     und damit die erlösende Wendung. Herzog Eticho will sei-
                                                                     ne Tochter zwingen, sich mit einem angesehenen Herzogs-
                                                                     sohn zu vermählen. Odilia hatte sich jedoch entschieden,
   Miniatur aus der Kopie des «Hortus deliciarum» (um 1175)          ihr Leben ganz Christus zu weihen und den Armen, Kran-
   von Herrad von Landsberg: Odilia mit ihrem Vater (Schlüssel-      ken und Bedürftigen zu helfen und zu dienen. So bleibt ihr
   übergabe, unten links) und Johannes dem Täufer (oben rechts).     nur ein Ausweg – zu fliehen. Doch der verblendete Vater

                                                                                                                               1
reitet ihr mit seinem Gefolge                                    Michaela Spaar:                                      Heiligtum auf dem Odilien-
hinterher. Odilia flüchtet sich                                  Odilia. Lebensspuren und Heilimpulse                 berg in eine christliche Heil-
in das von Felsen umgebene                                       222 Seiten, zahlreiche Abb. und Fotos von Jürg Buess
                                                                                                                      stätte zu verwandeln. Odilia
Tal der heutigen Ermitage                                        und Manfred Christ, gebunden. Futurum Verlag, Basel  setzte sich für die erneuern-
                                                                 22014. CHF 29.90. ISBN 978-3-85636-242-3
bei Arlesheim und wird auf                                                                                            den Kräfte des Christentums
wundervolle Weise gerettet,                                      Die heilige Odilia, Schutzpatronin des Elsass und    ein, die den Menschen im
indem sich ein Felsspalt öff-                                    guter  Geist von  Arlesheim,  ist für uns Heutige    Laufe des Lebens bis in sein
                                            kaum fassbar. Die Autorin nimmt die Legende von ihrem Leben
nete und sie aufnimmt.                                                                                                tiefstes Inneres ergreifen
                                            unter die Lupe und entschlüsselt ihre Bilder. Sie erkundet den Odili-
    Als Kulminationspunkt                   enberg und weitere ihr gewidmete Kultorte. Sie lässt erkennen, wie        und langsam verwandeln
kann der Moment betrach-                    und warum die heilige Odilia in Arlesheim zur Inspiratorin einer neu-     können.
tet werden, als sich der                    en Medizin werden konnte. Damit sind grosse Brücken gespannt, die             Dass die heilige Odilia
                                            weit Vergangenes in unmittelbare Nähe rücken, und in der Lokalge-
Felsspalt vor den Augen des                                                                                           diesen Rückzug und Ein-
                                            schichte lässt sich der Keim für Weltbedeutendes erkennen.
Vaters schliesst. Der Vater                 In anschaulicher Sprache entrollt die Autorin ein spannend zu lesen-      weihungsprozess        gerade
in seiner Blindheit prallt an               des, dramatisches Geschehen, das sie mit behutsamen Deutungen             hier durchlebte, scheint ent-
der Felswand ab. Durch das                  auf den spirituellen Hintergrund hin transparent macht.                   scheidend für den christlich-
                                            Ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der zukünftigen Bedeutung
Innehalten und Loslassen                                                                                              therapeutischen Heilimpuls.
                                            des esoterischen Christentums in seinem Zusammenhang mit the-
entsteht ein Freiheitsmo-                   rapeutischen Impulsen – durchgehend mit faszinierenden Farbauf-           Es ist wie ein spirituelles
ment. In das Seelendunkel                   nahmen bebildert.                                                         Vermächtnis, das sie dem
des Vaters muss Licht ein-                                                                                            Ort Arlesheim gegeben hat.
gedrungen sein, sodass in                                                                                             Die durch Rudolf Steiner
ihm ein Aufwacherlebnis stattfinden kann. Dieses Ereig- und die Ärztin Ita Wegman vor 100 Jahren begründete An-
nis scheint innere Entwicklungsschritte in ihm ausgelöst throposophische Medizin ist mit diesem von der heiligen
zu haben. Er muss sein Vorhaben notgedrungen aufgeben Odilia gelebten, heilend-verwandelnden Strom des thera-
und schmerzhaft erkennen, dass seine Tochter Odilia für peutischen Christentums eng verbunden.
eine andere, wichtigere Aufgabe ausersehen ist. So über-                                 Ita Wegman beschrieb den von der heiligen Odilia an-
gibt er ihr kurze Zeit danach den Odilienberg und sie baut geregten Verwandlungsprozess sehr anschaulich: «Das
dort zwei christliche Frauenklöster auf.                                             [das Heidnische ins Christliche umwandeln] konnte sie
    Warum ist wohl die heilige Odilia zu den Höhlen ober- [Odilia] durch die helfende Kraft der Liebe, durch ihr Wir-
halb von Arlesheim geflohen? Es muss ein besonderer Ort ken in unermüdlicher Tätigkeit zeigen. Es war eine neue
gewesen sein, der ihr geeignet erschien, sich vor den dunk- Kraft, die heilend wirkte und die sie den Armen und Kran-
len Kräften zu schützen, die sie verfolgten. Sie muss hier ken spendete, ein Christentum in seiner schönsten Art.
einen weiteren seelisch-geistigen Reifungsprozess durch- Diese Kraftquelle der heilenden Liebe, die in einem Men-
gemacht haben, der sie befähigte, das ehemalige keltische schen bewusst werden kann, wurde das Finden des heili-
                                                                                     gen Grals genannt. Es wurde in damaligen Zeiten viel von
*   Vorwort von Ita Wegman, in: Nora von Baditz: «Augen, die sehend wurden.          diesem Gral gesprochen. Unter dem Gral verstand man die
    Eine Legende aus dem Leben der heiligen Odilie», Stuttgart 1960, S. 6. Die       Umwandlungskräfte, die im Menscheninnern tätig sind
    Angabe, dass das Vorwort von Ita Wegman stammt, fehlt in dieser Ausgabe.
    Darauf hat Peter Selg in «Die letzten drei Jahre. Ita Wegman in Ascona» in
                                                                                     und die in der Seele vorhandene Finsternisse in Erleuch-
    der Fussnote 238 auf S. 177 hingewiesen.                                         tung umzaubern können.»*

«Anthroposophie – Schweizer Mitteilungen»
XII 2021
                                                        Inhalt / Table / Indice
Publikationsorgan der Anthroposophischen                Michaela Spaar: Zukunftsaspekte der heiligen Odilia als Seelenführerin                  1
Gesellschaft in der Schweiz.
Unabhängige Beilage zur Wochenschrift                   Michael Bauer: Prière pour l’amour / Gebet um Liebe                                     3
«Das Goetheanum», Nr. 48 – 26. November 2021.
Redaktionsschluss für Januar 2022: 8.12.21              Anthroposophische Gesellschaft in der Schweiz / Société anthroposophique suisse
Redaktion: Konstanze Brefin Alt,
Thier­steinerallee 66, 4053 Basel, 061 331 12 48,          Konstanze Brefin Alt: Mit dem «Karma» Ernst machen. Zur Jahrestagung 3
kbrefinalt[ät]anthroposophie.ch.                           Catherine Poncey: «Deviens un être d’initiative». Rapport
Délai de rédaction pour janvier: 8-12-21                		 du congrès annuel                                                          3
Rédaction francophone: Catherine Poncey,                   Konstanze Brefin Alt: Bericht über die Herbstkonferenz
63 rte de la Tsarère, 1669 Les Sciernes-d’Albeuve,
c.poncey[ät]bluewin.ch.                                 		 der Zweigverantwortlichen                                                  7
Die Meinung der Autoren muss sich nicht mit der-
                                                           Catherine Poncey: Rapport de la conférence d’automne
jenigen der Redaktion decken. Die Rechte an den         		 des responsables de branches                                               7
eingesandten Texten bleiben bei den Autoren.
                                                        Milena Kowarik und Andrea de la Cruz: Bericht zum Theaterprojekt
Einzelabonnement: Sekretariat der Anthroposophi-
schen Gesellschaft in der Schweiz, Oberer Zielweg 60,      Frage! Begegne! Spiele!                                                              8
4143 Dornach, 061 706 84 40, Fax 061 706 84 41,
info[ät]anthroposophie.ch.                              Sur les pas d’Alexander Strakosch: Rudolf Steiner en Adriatique.
                                                           Traduction de François Gautier                                                       9
Auflage (Stand Oktober 2021): 2100 Exemplare.
Papier: RecyStar® Natur, 100% Altpapier.                Aus der anthroposophischen Arbeit in der Schweiz /
Druck: Birkhäuser+GBC, Reinach/BL.
                                                        Du travail anthroposophique en Suisse                                              10–14
Weitere Informationen unter:
https://www.anthroposophie.ch/de/gesellschaft/          Bücher und Hinweise / Livres et informations                                       15–16
publikationen/schweizer-mitteilungen.html

    2     Anthroposophie – Schweizer Mitteilungen, XII 2021
Augen öffnen zum Herzensblick                                                   sie zu einer inneren Geburt des geistigen Menschen zu ge-
Wofür kann Odilia uns heute die Augen öffnen? Odilia kann                       langen.
zur Seelenführerin werden, wenn wir ihren Herzensblick                              Mit Odilias Herzensblick können wir erkennen, dass die
erkennen: Wie sie die Mitmenschen wahrnimmt und aus                             Auseinandersetzung mit dem Dunklen und Finsteren Teil
Mitgefühl wissend erkennt, was dem anderen fehlt. Die-                          unseres Entwicklungsweges ist. Sie kann uns Wegweiserin
ser Blick zeigt sich deutlich im Umgang mit ihrem Vater.                        sein, unsere Schattenseiten, unsere blinden Flecken wahr-
Obwohl er sie mehrmals in die Nähe des Todes brachte                            zunehmen und sie nach und nach zu durchlichten. Odilia
und sie verstiess, ertrug sie diese Bitternis und Kränkun-                      weist uns darauf hin: Der von den dunklen Seelenanteilen
gen tapfer. Sie sah, wie seine Seele verdunkelt war. Nur in                     gereinigte Mensch kann sich mit dem Geistigen unmittel-
dem Moment, in dem ihr geistiger Auftrag bedroht war,                           bar verbinden. Odilias Heilimpuls ist nicht etwas historisch
setzte sie mit Entschiedenheit ein Zeichen – und floh. Aber                     Vergangenes, sondern birgt sehr viel Hoffnungsvolles und
sie konnte ihm seine Schattenseiten verzeihen. Mehr noch:                       Zukünftiges. Er ist verbunden mit der vertrauensvollen
Nach seinem Tod setzte sie sich betend für seine seelische                      Gewissheit, dass dies auch gelingt.
Erlösung ein. Odilia ist mit den Kräften des Todes in Be-
rührung gekommen, um diese zu überwinden und durch                              Informationen: http://www.odilienzeit.ch

            Prière pour l’amour                                                             Gebet um Liebe
            Ô Seigneur, en amour rends-moi aussi généreux                                   O Gott, an Liebe mach mich überreich,
            Que la fontaine, là sur le chemin le peut!                                      Dass ich dem Brunnen an dem Wege gleich!
            Que de mon coeur jaillisse le don                                               Dass mir das Geben so von Herzen geht,
            Comme les eaux de la fontaine, sur le chemin le font!                           Als wie dem Brunnen, der am Wege steht!
            Et qu’à chacun je donne, bon ou mauvais                                         Und dass ich jedem geb, ob bös ob gut,
            Comme sur le chemin la fontaine le fait,                                        Wie es der Brunnen an dem Wege tut,
            Et que jour et nuit, en aide je sois pareil                                     Und dass ich dienstbereit bei Tag und Nacht,
            À la fontaine, qui sur le chemin veille.                                        So wie der Brunnen, der am Wege wacht.
            La plénitude d’amour, donne-la moi,                                             Den Überfluss der Liebe gib in mich,
            Ô Seigneur, je te le demande, à Toi.                                            O Gott! das bitt’ ich Dich.
                                                           Michael Bauer

Traduction de François Gautier. Extrait de «Prière pour l’amour» de Michael Bauer / Auszug aus dem «Gebet um Liebe» von Michael Bauer.

Jahrestagung Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz                     Congrès public Société anthroposophique suisse

Mit dem «Karma» Ernst machen «Deviens un être d’initiative»
Die Jahrestagung der Anthroposophischen Gesellschaft in der                     Le thème du congrès public d’automne de la Société anthro-
Schweiz mit dem Motto «Werde ein Mensch mit Initiative» zu                      posophique suisse, tenu du 5 au 7 novembre au Goetheanum
den Karmavorträgen, die vom 5. bis zum 7. November 2021                         à Dornach, a certainement bouleversé les âmes présentes
stattfinden konnte, erlebte ich als einen die Resilienz stärken-                par son sérieux au regard des épreuves mondiales du temps
den Ort. Klar, prägnant, zumeist sogar in Worten sparsam, aber                  présent. Pourtant les conférenciers et artistes ont su tenir un
nicht weniger umfassend, näherten sich die verschiedenen Dar-                   équilibre entre des thèmes difficiles et la grâce de l’eurythmie,
stellungen den Fragen rund um das menschliche Schicksal als                     de l’art de la parole et de la musique. Les francophones sont
das uns alle von der «Wiege bis zur Bahre» und an beiden Enden                  reconnaissants à Danuta Perennès pour son travail d’interprète.
ins Geistige greifende, tief treffende und betreffende Thema.
                                                                                Catherine Poncey
Konstanze Brefin Alt
                                                                                Connaître son destin et le réaliser
Von der Schicksalserkenntnis                                                    Tel a été le fil rouge des conférences, imprégnées de la
zur Schicksalsermöglichung                                                      joie intérieure de se retrouver enfin ensemble et déjà dans
Um sich dem zu nähern, was Schicksal des Menschen ist,                          l’ambiance de lumière particulière qui va vers Noël.
gibt es ganz unterschiedliche Verständniszugänge, die                               Peter Selg a introduit le thème en insistant sur le sérieux
sich bis ins Zeitliche hinein stark unterscheiden, obwohl                       indispensable lorsque l’on travaille la question du karma,
sie doch alle ins gleiche geistige Gebiet führen, das hin-                      en se gardant bien de toute spéculation et avec un profond
ter den Lebensgeheimnissen wirksam ist. Basale Voraus-                          respect pour le Vous. Rudolf Steiner lui-même avait une

                                                                                           Anthroposophie – Schweizer Mitteilungen, XII 2021   3
setzung zum Verständnis ist jedoch, sich so ernsthaft wie      méthode et il convient de s’y référer absolument. Ce thème
zurückhaltend im Urteil in das Thema einzuarbeiten und         a été central dans sa vie, même si cela s’est intensifié après
jegliches Spekulieren zu unterlassen, wie Peter Selg in        le Congrès de Noël et il a toujours été lié à la réincarnation.
seinem am Freitagabend die Tagung einleitenden Referat         Pour la Société anthroposophique, cette étude est vitale
«Rudolf Steiners Verständnis des menschlichen Schicksals»      pour toutes les époques futures. C’est sa tâche culturelle
ausführte. Er könne im Grunde nicht verstehen, wie An-         et philosophique. C’est à travers les étapes de vie de Rudolf
throposophen, die sich für Schicksalsfragen interessierten     Steiner que le conférencier montrera comment celui-ci
und die Karmavorträge studierten, sich nicht auch an die       s’est très peu occupé de lui-même mais surtout des autres.
Methodik Steiners hielten. Spekulationen und Vorurteile        Son propre parcours s’est révélé par le destin de l’autre.
hätten in diesem Gebiet schon viel sozialen Schaden ange-      Il s’est tourné vers le Toi, le Vous, avec de la piété et un
richtet, es brauche «Erkenntnisandacht» (Rudolf Steiner),      souci de l’observation des détails jusque dans la forme du
ein tiefes soziales Interesse und Respekt vor dem Ande-        corps physique, la démarche; toujours avec amour, avec
ren. Sein ganzes Leben lang begleiteten Rudolf Steiner         respect. Soulever une partie du voile d’Isis avec religiosité
Fragen von Reinkarnation und Karma. Er wollte sie an-          et humilité vis-à-vis de la connaissance. Sans cela les ré-
fangs viel zentraler in den Mittelpunkt des anthroposophi-     sultats peuvent être désastreux. Nous sommes alors inévi-
schen Gesellschaftslebens stellen, musste jedoch in einer      tablement ramenés vers nous-mêmes et vers l’acceptation
Stufenfolge vorgehen; auch die Mysteriendramen, die ein        de notre propre destin, dans la conscience de l’innatalité et
Schicksalstableau einer Gemeinschaft über verschiedene         de l’immortalité.
Inkarnationen offenlegen, bilden eine Etappe auf diesem            Julien l’Apostat –Herzeloïde-Tycho Brae. Julien comme
Weg. Nach der Weihnachtstagung habe Steiner dieses The-        médiateur entre paganisme et christianisme. Cette indivi-
ma nochmals neu gefasst, um den Mitgliedern Wege zu            dualité que Martina Maria Sam a choisi de suivre était
weisen, mit diesen Fragen erkenntnisbezogen, unspekula-        nommée par Rudolf Steiner comme une des grandes fi-
tiv und pietätvoll umgehen zu lernen – und die michaeli-       gures de l’histoire de l’univers. Né en 331, éduqué dans
sche Schicksalsaufgabe ihrer Anthroposophischen Gesell-        le christianisme arien, neveu de Constantin, il vit son
schaft zu erfassen und zu ergreifen.                           enfance dans les stratégies de pouvoir, devient césar puis
    Den Blick zunächst in vergangenes Schicksal wendend,       empereur pour une courte période avant d’être assassiné,
sprach Martina Maria Sam am Samstagmorgen über die             en marche vers la Perse en 363. IL fut initié des mystères
Wesenheit des Julian Apostata/Herzeloide/Tycho de Brahe,       d’Eleusis et aimait par-dessus tout la vérité. Il n’a pas
der als «Vermittler zwischen Heidentum und Christentum»        réussi à réconcilier les anciens principes d’initiation avec
die Aufgabe gestellt war, die vorchristlichen Mysterien zu     les principes christiques. Rudolf Steiner explique que le
bewahren, um sie später dem Christentum einverleiben zu        moment n’était pas venu au 4e siècle. Ce fut une tragédie
können. Gemäss den Darstellungen Rudolf Steiners sieht         pour Julien. Puis il devint la mère de Perceval, Herzéloïde,
man diese Individualität in ihrem Leben zwischen 331 und       dans cette famille du Graal chargée de préparer le chris-
363 als Kaiser Julian Apostata in Konstantinopel an dieser     tianisme ésotérique. Perceval étant une réincarnation de
Aufgabe zunächst scheitern. Das Bewahren als Lebens-           Mani, qu’il n’avait pas pu rencontrer en Perse. Plus tard au
geste greift sie als Mutter von Parzival wieder auf, den sie   Dannemark, il est astronome, invente des instruments de
vor der Ritterschaft abhalten möchte. Als Tycho de Brahe       mesure et fait sur sa tour des observations très exactes des
inkarniert, vereinigt sie schliesslich das ptolemäische und    étoiles. À Prague, il collabore avec son assistant Kepler-
das kopernikanische Weltbild im Tychonischen Weltmo-           myope- et aide celui-ci à élaborer ses lois. Il développera
dell. Den Vortrag in der Gegenwart und dem auf uns Zu-         un modèle géo-héliocentrique et reliera le copernicisme
kommenden rundend, sprach Martina Maria Sam von dem            à une spiritualité plus ancienne. Sa tâche: conserver les
im Ätherischen wiederkommenden Christus, mit dem die           anciens mystères pour pénétrer le christianisme de
Wiedervereinigung von Christentum und Heidentum und            conscience, relier la sagesse et la moralité. Julien est à
zugleich das Weltgericht und für uns die Aufgabe des «Kar-     nos côtés et peut nous aider à agir dans le temps présent
maordnens» begonnen hat; dabei können wir die Individu-        au nom de l’anthroposophie.
alität des Julian Apostata/Herzeloide/Tycho de Brahe als           C’est Marc Desaules qui a tenu au pied levé la confé-
Helfer an unserer Seite finden.                                rence de clôture – Claus-Peter Röh étant malade – avec le
    Das Thema Schicksal abrundend war Marc Desaules            titre «Initiative, argent et karma». Deviens un être d’initia-
am Sonntagvormittag für Claus-Peter Röh eingesprungen          tive, le thème de ce congrès résume bien l’appel karmique
und sprach über «Initiative, Geld und Karma». Beginnend        inscrit dans nos vie d’anthroposophes. Or c’est l’argent,
damit, dass Geld für sich genommen «nichts» sei – ausser       sous forme de prêt à l’initiative, qui lui permet de deve-
dem Wert, den wir ihm beimessen würde. Das bedeute in          nir réalité dans la civilisation. Sans argent, pas d’initiative
der Folge: Wir seien es selbst, die dafür sorgten, dass Geld   agissante dans la vie sociale. Cet argent est là dans la vie
vor allem in Sicherheiten, in die Habensebene fliesse, in      sociale parce que l’esprit humain s’y active. Or, lorsque
Boden, Immobilien, Maschinen, statt das Freisetzen initia-     nous accordons un prêt à une personne pour son initiative,
tiver Zeitgenossen zu ermöglichen. Üblicherweise würden        nous concédons une valeur à l’initiative et à la personne
gewährte Darlehen Sicherheiten (Immobilie, Maschinen           qui la porte. Mais si nous cherchons à garantir notre prêt
usw.) des Kreditnehmers bedingen. Die Konsequenz: Bo-          en exigeant un gage (par exemple une hypothèque sur une
den, Gewässer, Sachwerte würden wertvoll, der schick-          maison ou un terrain), c’est à ce bien terrestre, ce gage
saltragende Mensch jedoch entwertet. Dem könne man             que nous octroyons de la valeur, et plus à l’initiative elle-
nur dadurch entgegenwirken, dass dem Menschenbruder,           même. Ce phénomène pèse lourdement sur notre destin
der Menschenschwester auch bezüglich Geld voll vertraut        d’humanité, et pourtant, nous pouvons dès aujourd’hui y
wird; indem man den Menschen in ihnen spriessen liesse,        changer quelque chose. Il nous appartient de donner de

   4   Anthroposophie – Schweizer Mitteilungen, XII 2021
würde Christus, der Herr des Kar-        Jahrestagung vom 11. bis 13. Februar 2022        la valeur aux initiatives au lieu de
ma, gestärkt. Marc Desaules gab                                                           l’attribuer aux choses de ce monde.
den Zuhörenden Aufgaben mit: sich        «Die Wissenschaftlichkeit                        C’est pourquoi quiconque en de-
täglich zu fragen, ob man genügend       der Anthroposophie»                              vient conscient prêtera de manière
bezahlt für die Dinge, die man kauft                                                      directe, car toute banque intermé-
                                         In «Anthroposophie – Schweizer Mitteilun-
– sich monatlich anzuschauen, wie-       gen» XI/2021 wurde auf Seite 11 der ur-          diaire va nécessairement devoir
viel man den Initiativträgern um         sprüngliche Titel der im Februar stattfinden-    exiger des garanties. On comprend
uns herum anvertraut habe, statt         den Jahrestagung publiziert. Der Vorstand        ainsi mieux pourquoi il n’y a pas de
das Kapital auf dem Konto liegen zu      der Anthroposophischen Gesellschaft in der       banques en tant qu’institut de prêts
lassen – und einmal im Jahr, viel-       Schweiz hat sich jedoch entschieden, nun         dans la proposition de réforme de la
leicht auf Weihnachten zu, darauf        dem wissenschaftlichen Aspekt der Anthro-        société que Rudolf Steiner a initiée
                                         posophie nachzugehen. Das entsprechende
zu schauen, ob man von der Fülle,                                                         avec la tripartition de l’organisme
                                         Programm wird demnächst publiziert. KBA
die man erfahren durfte, andere hat                                                       social.
teilhaftig werden lassen.

                                                                 Rencontrer le karma dans ma profession
Die Verflechtungen von Karma und Beruf                          Des témoignages sont venus compléter les conférences.
Es gab am Samstagmorgen und am Sonntagmorgen je eine Des expériences de vie dans la pédagogie ou la socio-thé-
Sequenz mit zwei Kurzreferaten über die Frage, wie man rapie avec Johannes Greiner et Kathrin Fichtmüller,
im Beruf mit dem Karma in Berührung kommt.                      au sein de la communauté des Chrétiens avec Anand
    Zukunftsgerichtet sei der Blick des Pädagogen, so Jo- Mandaiker et pour la médecine Matthias Girke. Permettre
hannes Greiner (selbst Pianist und Lehrer), habe er doch à des élèves de forger leur avenir, rencontrer Tom, un être
in seinen Schülern die Menschen vor sich, die die Welt in différent, avec ses exigences et arriver parfois à ses propres
30 Jahren gestalten werden. Und                                                          limites. Essayer de connaître cet
die Fragestellung: Wo willst du hin      Congrès annuel du 11 au 13 février 2022         homme défunt que je n’ai jamais
und wie soll ich dir helfen, dahin zu                                                    rencontré. Comprendre quel est le
kommen – sei nicht harmlos. Der          «Le   caractère     scientifique                sens de la maladie pour un patient
Lehrer selbst sei ein Lernender,         de l’anthroposophie»                            sont autant de miracles de vie qui
auch ein Scheiternder, denn er soll                                                      me permettent, à travers l’autre, de
                                         Dans le numéro d’«Anthroposophie – Nou-
in den Schülern erwecken, was er         velles de la vie anthroposophique» de no-       réaliser ce pour quoi je suis venu
selbst noch nicht zur Verfügung hat      vembre 2021, nous avons publié, page 11,        sur terre. La contribution de Kaspar
für die Realität, die erst kommen        l’annonce du congrès de février tel qu’il       Zett pendant l’assemblée générale
werde.                                   avait été prévu. Le comité de la Société an-    témoigna de sa vie comme ingé-
    Der Beitrag von Anand Manda-         throposophique suisse a cependant décidé        nieur, constructeur de tunnels et
iker, Christengemeinschaftspries-        de poursuivre avec les aspects scientifiques    eurythmiste thérapeute. Il esquissa
                                         de l’anthroposophie. Le programme sera
ter in Bern, stand quasi im Zeichen                                                      l’histoire de cet art du mouvement
                                         publié prochainement.                   KBA
des Wunders – des Wunders etwa,                                                          depuis les débuts avec Lory Smits
das er erlebt habe, als ihm als jun-                                                     en 1921 jusqu’aux temps présents.
ger Priester bei einer Bestattung am Sarg des Verstorbe-            La cérémonie pour les défunts fut aussi l’occasion
nen seine Frage: Wer bist du? beantwortet wurde… Und er pour Jana Sikora Docteur en médecine à la Clinique
habe gelernt, auch etwas mitzutragen, ohne nun genau zu d’Arlesheim de parler de ses expériences personnelles
wissen, was dies sei – weil er es wolle. Denn das Schicksal avec les défunts. Certaines fois, le passage est facile mais
sei dasjenige, was als das Heilige dem Menschen bliebe.         ce n’est pas toujours le cas et face aux difficultés de la
    Katrin Fichtmüller, langjährige Mitarbeiterin in La situation actuelle, nous pouvons aider avec la prière sui-
Branche, liess uns teilhaben an den Etappen ihrer Bezie- vante (source: GA 157 a 16-12-1915):
hung mit einem der betreuten Menschen. Ein Lernweg
in mehrfacher Hinsicht wurde da erlebbar, der sie neben                       Esprits de vos âmes
bestärkenden Erfahrungen auch Ab­gründe und Grenzen                           Gardiens vigilants,
kennenlernen liess. Die Schilderung zeugte vom Prozess                        Que vos ailes apportent
des sich Einlassens auf den anderen, der eine Verbindung                      L’amour implorant de nos âmes
wachsen liess, in der vom gegenseitigen Bewegen des                           Aux hommes de la terre confiés à votre garde
Schicksals gesprochen werden kann.                                            Afin qu’unie à votre force
    Wie er der Schicksalsfrage gerecht werden könne, stel-                    Ma prière rayonne au secours
le sich Matthias Girke, Medizinische Sektion am Goethe-                       De ceux qu’elle cherche avec amour.
anum, bei jeder Diagnose. Krankheit breche zumeist un-
gebeten ins Leben des Menschen ein. Und es gelte für den                      Esprits de vos âmes,
Arzt, nicht nur das Wirksame, sondern auch das Gute für                       Gardiens vigilants
genau diesen Menschen zu finden, denn in jeder Therapie                       Que vos ailes apportent
kann sich Schicksal wenden, wenn der Mensch durch die                         L’amour implorant de nos âmes
Krankheit in ein gesundes Ahnen seines Schicksals findet.                     Aux hommes des sphères confiés à votre garde
    Auch der Beitrag von Kaspar Zett, Dozent Heileuryth-                      Afin qu’unie à votre force
mie, zum 100-jährigen Bestehen der Heileurythmie in der                       Ma prière rayonne au secours
Mitgliederversammlung am Samstagnachmittag (siehe                             Des âmes qu’elle cherche avec amour.

                                                                          Anthroposophie – Schweizer Mitteilungen, XII 2021   5
Abschnitt Mitgliederversammlung) stellte sich in die Reihe                 Une assemblée générale paisible
«Schicksalsfindung durch den Beruf». So folgten wir einer-                 L’assemblée générale, présidée par Clara Steinemann,
seits dem Weg, den Kaspar Zett vom Ingenieur im Tunnel-                    s’est déroulée sereinement et sans commentaires de la part
bau zur Heileurythmie brachte, andererseits aber auch der                  des membres. Les comptes ont été approuvés. Le nouveau
Entwicklung der Heileurythmie von den allerersten Anfän-                   comité composé de Clara Steinemann, Marc Desaules,
gen der Eurythmie 1911 mit Lory Smits bis zur weltweit                     Paul Zebhauser, Milena Kowarik et Stefano Corona a
einzigartigen staatlichen Anerkennung hier in der Schweiz                  été accepté. Quant aux départs, Johannes Greiner a in-
der Heileurythmie-Ausbildung respektive Grundständigen                     sisté sur le fait que ce n’était pas sa propre volonté même
Heileurythmie-Ausbildung.                                                  s’il accepte cette décision. Il collaborera autrement avec
   Selbst das Totengedenken schien in der karmischen                       le comité, de l’extérieur. Peter Selg a évoqué sa charge de
Verantwortung im Beruf auf: Knüpfte Jana Siroka, Klinik                    responsabilités entre l’Institut Ita Wegman et sa tâche à la
Arlesheim, doch an ihre persönliche Erfahrung als Ärztin                   Section d’anthroposophie générale comme raisons de sa
mit dem Tod, der sich als milder Übergang, als harsche,                    démission. Il restera à la disposition de la Société suisse
auch den Therapeuten herausfordernde Zäsur oder Erlö-                      pour des conférences et son soutien.
sung ereignen könne. Als Hilfe für Menschen, die in Brenn-
punkte der Gegenwart geraten seien, lebende und verstor-
bene, gab sie ein Mantram für Krisenzeiten, das von Rudolf                 Des contributions arstistiques extraordinaires
Steiner während der Kriegsjahre vor jedem von ihm in-                      Il est quasi impossible de référer des contributions artis-
nerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft gehaltenen                     tiques mais elles ont porté les âmes par l’eurythmie, l’art
Vortrag in den vom Krieg betroffenen Ländern gesprochen                    scénique avec des extraits des drames autour du person-
wurde (siehe «Menschenschicksale und Völkerschicksale»,                    nage de Strader et une musique inoubliable.
GA 157, 1. Vortrag, Berlin, 1. September 1914 und «Das Ge-                     Nous avons vécu des moments extraordinaires lors de
heimnis des Todes», GA 159, Seite 30):                                     la commémoration des défunts avec «In der Lichtesluft des
                                                                           Geisterlandes», récité par Sighilt von Heynitz, et «Gra-
               Geister Eurer Seelen, wirkende Wächter,                     mata Cellam» de Peter Vasks, avec l’eurythmiste Elisabeth
               Eure Schwingen mögen bringen                                Viersen et Milena Kowarik au violoncelle. Eurythmie
               Unserer Seelen bittende Liebe                               aussi avec la Pierre de fondation par l’ensemble Kairos et
               Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,                         le TIAOAIT par l’ensemble du Goetheanum.
               Dass, mit Eurer Macht geeint,                                   Et une musique comme venant directement du ciel
               Unsre Bitte helfend strahle                                 avec Alžběta Hnilová, soprano, Johanna Lamprecht à
               Den Seelen, die sie liebend sucht.                          l’alto et Johannes Greiner à l’orgue dans une interprétation
                                                                           de Hospodin (le Seigneur est mon berger) d’Anton Dvořàk
               Geister Eurer Seelen, wirkende Wächter,                     et de l’Ave Maria de Leoš Janáček.
               Eure Schwingen mögen bringen
               Unserer Seelen bittende Liebe
               Eurer Hut vertrauten Sphärenmenschen,
               Dass, mit Eurer Macht geeint,
               Unsre Bitte helfend strahle                                 klang von Johannes Greiner, Orgel und Klavier, und
               Den Seelen, die sie liebend sucht.                          Alžběta Hnilová, Sopran – am Freitagabend unterstützt
                                                                           von Johanna Lamprecht, Bratsche, erklang von Anto-
                                                                           nin Dvořàk «Hospodin» (Der Herr ist mein Hirte) und von
Tragende künstlerische Gestaltung                                          Leoš Janáček «Ave Maria», am Sonntag von Antonin Dvořàk
Raumöffnend wirkte beim Totengedenken die Kunst mit                        «Když mne stará matka» und aus «Rusalka» das «Měsíční
der Eurythmie zu «In der Lichtesluft des Geisterlandes»,                   píseň».
gesprochen von Sighilt von Heynitz, und dem «Gramata
Cellam» von Peter Vasks, mit der Eurythmistin Elisabeth
Viersen und Milena Kowarik, Cello und Gesang.                              Eine erstaunlich ruhige Mitgliederversammlung
   Die Eurythmie erwies sich als erlebbare Stütze im Ta-                   Die von Clara Steinemann geleitete Mitgliederversamm-
gungsgeschehen: Sowohl der Auftakt mit dem Grundstein-                     lung ging auch für Schweizer Verhältnisse ungewohnt ru-
spruch des Kairos Eurythmie-Ensembles unter der Lei-                       hig über die Bühne. Das war sicher zu grossen Teilen der
tung von Ursula Zimmermann als auch die von Stefan                         Tatsache geschuldet, dass die Delegiertenversammlung,
Hasler moderierte Demonstration zum TIAOAIT und die                        welche die Mitgliederversammlung vorbereitete, am 25.
zum Abschluss gezeigte Bewegungskomposition um das                         April stattgefunden hatte, also schon vor mehr als einem
TIAOAIT des Goetheanum Eurythmie-Ensemble – mit                            halben Jahr. Das «gewohnte Geschäft» (Jahresberichte
der Sprecherin Barbara Stuten –, welche in jener Zeit                      des Vorstands in «Anthroposophie – Schweizer Mitteilun-
gleich an verschiedenen Orten zur Aufführung kam.                          gen» I/2021 und der Finanzbericht in II/2021) ging qua-
   Wie aus anderen Sphären überraschte der nach dem                        si geräuschlos über die Bühne. Auch die Bestätigung der
ersten und dritten Vortrag angesetzte musikalische Aus-                    Neuaufstellung des Vorstands der Schweizer Landesgesell-
                                                                           schaft, in dem nun Clara Steinemann, Marc Desaules,
                                                                           Paul Zebhauser, Milena Kowarik und Stefano Coro-
Grundständige Heileurythmie-Ausbildung am Goetheanum: http://heileuryth-   na zusammen wirken (ohne Johannes Greiner und Peter
mie-ausbildung.ch/ausbildung-grundstaendig/
Heileurythmie-Ausbildung: http://www.heileurythmie.ch/heileurythmie/aus-   Selg) geschah diskussionslos. Mögliche Wogen schienen
bildung/                                                                   geglättet, die freundschaftlichen Bande gestärkt.

    6    Anthroposophie – Schweizer Mitteilungen, XII 2021
Johannes Greiner legte noch einmal seinen Stand-             Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft und
punkt dar, dass er die Entscheidung seiner Kollegen und         seiner Aufgabe im Ita Wegman Institut restlos ausgelastet
Kolleginnen akzeptiere, er aber nicht von sich aus die Vor-     sei – und die Wahrnehmung der Vorstandsaufgaben Zeit
standstätigkeit aufgegeben hätte – zumal er sein Verbin-        und Hingabe erforderten. Gleichzeitig versicherte er den
dunghalten mit Menschen, die es nicht so einfach hätten         Anwesenden, dass er an den wichtigen Veranstaltungen der
mit der Gesellschaft, als sehr wichtig gesehen habe und         Landesgesellschaft weiter mitwirken werde und auch für
sehe. Es war gleichzeitig erlebbar, dass die Zusammenar-        Zweigvorträge in der Schweiz zur Verfügung stehe.
beit mit dem Vorstand auf anderer Ebene weitergeht.                Und so wurden tatsächlich alle Traktanden einstimmig
   Peter Selg berichtete, dass er die Vorstandstätigkeit ab-    und ohne Rückfragen oder Kommentare angenommen.
gegeben habe, weil er mit der Arbeit in der Allgemeinen                                                     Konstanze Brefin Alt

Vorstände- und Delegiertenkonferenz                                                   aber den Mitgliedern vorbehalten –
                                                                                      oder spirituell, aber nicht weniger
Hüllen- und Schwellen-Diskussion                                                      pragmatisch: dass man die Verstorbe-
zur Anthroposophischen Gesellschaft                                                   nen bewusster einbeziehen könne.
                                                                                         Andreas Heertsch und Milena Ko-
                                                                                      warik machten darauf aufmerksam,
Durch die Verschiebung der Jahres-         als Träger unseres gemeinsamen Be-         dass die Frage, was Anthroposophi-
tagung von Mitte Februar auf Anfang        strebens für die Anthroposophie sicht-     sche Gesellschaft sei und wie sie ge-
November konnte die Herbst-Vorstän-        bar werden muss.                           staltet werden soll, auf der Ebene des
de- und Delegiertenkonferenz am                Das zweite Thema, eine Art Anre-       Weltgesellschafts-Bewusstsein ange-
Freitagnachmittag zumindest äusser-        gungen zur Belebung der Anthroposo-        kommen sei: Am 12. März 2022 wer-
lich wie ein Auftakt zur Tagung erlebt     phischen Gesellschaft, brachten Ursula     den Tätigseinwollende aus aller Welt
werden, allein schon der Durchlauf mit     Zimmermann und Milena Kowarik              an einem Runden Tisch am Goethea-
den Warteschleifen wegen der Schnell-      ein; Grundlage waren verschiedene          num darüber diskutieren.
tests für das Covid-19-Zertifikat legten   Gespräche mit Menschen in Dornach.            Den Schluss gestaltete Felicia Bir-
das Gewicht stärker auf das Wochen-        Durch die zahlreichen Statements, die      kenmeier mit einem kurzen Bericht
ende als auf das gleich Bevorstehende,     sie zusammengetragen hatten, wurde         über den neuen Christoph-Peter-
das jedoch Gesprächsstoff beinhaltete.     deutlich: Das Bestreben seit Anfang der    Zweig, einem Fachzweig mit angeglie-
    Eröffnet wurde die Herbstkonferenz     1990er-Jahren, an dem wir alle beteiligt   dertem Musik-Seminar in Dornach,
mit dem Adagio aus der Mysterien-          waren, die Mitgliedschaft absolut nie-     und einer Einladung an Musiker und
Sonate «Nativitas» (Christi Geburt) von    derschwellig zu gestalten, «entwerte-      Musikerinnen schweizweit, doch mon-
Heinrich Ignaz Franz Biber (1644–1704).    te» die Mitgliedschaft auch – sofern sie   tags mal in die Arbeit hereinzuschau-
Felicia Birkenmeier, Violine, und Mile-    nicht ein inneres Anliegen ist.            en… (Infos: Gotthard Killian, gjk[ät]
na Kowarik, Cello, öffneten für die An-        In der angestossenen Diskussi-         posteo.de.) Sie endete ihren Beitrag
wesenden den Raum dieser geheimnis-        on über diese Fragestellung wurden         mit einem wunderschön die Weite be-
vollen, ruhig strahlenden Musik.           Beispiele genannt; etwa ganz prag-         schreibenden Largo aus den Solosona-
    Marc Desaules beschrieb, wie die       matisch: man könnte, wie das Rudolf        ten für Violine des anthroposophischen
Anthroposophie in der Welt durch In-       Steiner schon gemacht habe, eine           Komponisten Christoph Peter (1927–
stitutionen, Schulen, Höfe, Kliniken,      Wochenendtagung mit einem öffent-          1982), dem Namenspatron des Musik-
ja selbst das Goetheanum als Bühne         lichen Vortrag beginnen, die Tagung        Zweiges.             Konstanze Brefin Alt
sichtbar werde, während nichts da-
von, selbst bis zum Wirken der Sek-
tionen der Hochschule, den Namen
Anthroposophische Gesellschaft trage.
Sie würde nicht sichtbar, obwohl sie       Conférence des responsables de branches
all diese Bestrebungen für die Anthro-
posophie ermöglicht habe und deren         Comment rendre la Société visible
Leib sei. Dabei ginge es keinesfalls
um eine Stärkung des Vereinsmässi-         Du côté de la Romandie, notons la          par Milena Kowarik. Les musiciens
gen, denn gerade davor wollte Rudolf       présence pour la première fois de          sont invités à rendre visite à cette
Steiner die Gesellschaft bewahren.         Jean-Claude Hucher comme repré-            branche et à participer à ses activités.
Der Verein sollte der Gesellschaft nur     sentant de la branche Christian Rose-      (Renseignements: Gotthard Killian,
ermöglichen Hülle für die Hochschule       Croix à la conférence des délégués.        gjk[ät]posteo.de.)
und die Lebensfelder als Seele zu sein,    Fecilia Birkenmeier représentait,              Les propos de Marc Desaules iront
nicht aber dabei «irdisch» zu werden.      elle, la nouvelle branche Christoph-       dans le sens de la visiblité de la Société
    Die Diskussion war spannend,           Peter-Zweig dédiée à la musique et         et de notre responsabilité à devenir ac-
wurde aber im Grunde erst eröffnet,        a interprété, au violon en scordatura      tif pour la rencontrer vraiment. À côté
zumal sich doch auch die Frage in den      un extrait d’une sonate des mystères       des champs de travail, écoles, biodyna-
Raum stellte, inwieweit Gesellschaft       de Biber, accompagnée au violoncelle       mie etc., les branches ne sont pas les

                                                                         Anthroposophie – Schweizer Mitteilungen, XII 2021   7
plus visibles. C’est pourtant la société     statuts mais elle est fondée sur l’Es-     avec les champs de travail, sans ou-
qui au travers de ce qu’elle paie grâce      prit-Âme de l’anthroposophie. Nous         blier le soutien des défunts. Créer des
aux dons reçus permet que des choses         sommes des lieux où la Société s’in-       ponts, devenir partenaires des champs
se réalisent dans le monde. La socié-        carne par les initiatives. Que faisons-    d’activité. Cela s’est réalisé dernière-
té est comme un corps humain. Pour           nous en tant que branches pour rendre      ment à Lausanne sur la thématique si
que son âme puisse s’incarner correc-        des impulsions possibles? Que faisons-     actuelle de l’immunité, en fêtant les
tement, le corps doit être capable de        nous pour devenir des lieux où il se       100 ans de l’eurythmie curative.
l’accueillir. L’âme (le Goetheanum)          passe quelque chose pour l’anthropo-          Ursula Zimmerman s’est expri-
s’incarne dans le monde à travers le         sophie? Dans le Comité directeur de la     mée sur la conscience d’appartenance
corps (les branches, les membres).           Société Universelle, il y a une nouvelle   à cette Société où nous sommes réunis
Et comme pour le corps humain, gar-          conscience des besoins des membres         par le karma. Se demander pourquoi
dons-nous de penser que notre Société        et c’est un bon signe pour l’avenir.       nous sommes membres et que repré-
a un cœur mécanique qui fonctionne               Les interventions des participants     sente la carte rose pour nous.
comme une pompe. Elle a bien des             iront dans le sens d’un travail commun                            Catherine Poncey

Frage! Begegne! Spiele!                                                                 Identität verlieren. Das Stück endet mit
                                                                                        der Überwindung der Maschine durch
Transformativer Dialog durch Theaterpraxis                                              einen Einzelnen, der sich gegen diese
                                                                                        Entmenschlichung stellt, in einer Be-
Frage! Begegne! Spiele! (FBS) ist ein           Die jungen Menschen konnten             stätigung jeder Identität durch das Aus-
Programm, das in Zusammenarbeit              zwischen verschiedenen Erfahrun-           sprechen des eigenen Namens.
mit dem Initiativforum für Geflüchte-        gen wählen, die sie in dieser Woche            Eine Gruppe kümmerte sich um
te (Milena Kowarik) und der Jugend-          machen wollten. Die grösste Gruppe         stimmige Kostüme und Requisiten,
sektion am Goetheanum (Andrea de la          waren die Schauspieler, die die Ge-        die sie am Felsli (unterhalb des Goe-
Cruz, Ioana Viscrianu) vor zwei Jahren       schichte einer Künstlertruppe insze-       theanum) aufbauten. – Umrahmt
als Idee entstanden ist und im Oktober       nierten, die versucht, die Reise dreier    wurde das Stück von einer kleinen
2021 realisiert wurde.                       Reisender zu erzählen, die auf der Su-     Gruppe von Musikern, geleitet von
    Das Projekt will Begegnung, In-          che nach einem würdigen Leben ihre         Angel Chiok (StArt International) und
klusion und Kreativität zwischen jun-        Heimat verlassen.                          Milena Kowarik. – Verpflegt wurden
gen Menschen mit unterschiedlichem              Der Regisseur führte die Geschich-      wir von der Kochgruppe, geleitet von
Hintergrund durch Kunst fördern. Es          te so, dass sich die Reise der Figuren     Massa Ando, die auf sehr verschiede-
kamen 21 junge Menschen aus 15               dramatisch entwickelt, bis sie sich in     ne kulinarische Vorlieben einzugehen
Ländern ans Goetheanum, um sechs             einer grossen Metropole wiederfinden.      wusste. – So konnten die Teilnehmen-
Tage gemeinsam an einer Theaterauf-          Das hektische urbane Leben lässt die       den sechs Tage lang neue Fähigkeiten
führung zu arbeiten.                         Reisenden und die Menschen in der          lernen und Verbindungen knüpfen.
    Ziel war es, Menschen mit und            Stadt langsam zu einer Maschine wer-           Der schönste Moment in der Mu-
ohne Fluchterfahrung zusammenzu-             den, in der sie ihren Namen und ihre       sikgruppe war der, als die vier Teil-
bringen und die Frage nach der eige-
nen Identität gemeinsam künstlerisch
zu bewegen. Viele der TeilnehmerIn-
nen waren Jugendliche (17–25 J.), die
wegen Krieg, Gewalt oder Konflik-
ten aus ihren Heimatländern fliehen
mussten und sich nun in der Schweiz
aufhalten. Andere Teilnehmende wa-
ren Jugendliche, die in der Schweiz
und in Deutschland leben und zum
Teil an den Freiwilligenprogrammen
der Freunde der Erziehungskunst teil-
genommen hatten.
    Die künstlerische Leitung hatte
Henric Lewengard inne, der von An-
fang an im Planungsprozess dabei
war. Das Drehbuch wurde aus den
Erzählungen aus der Biografiearbeit
am Morgen entwickelt. Da wurden
die Fragen und die sehr bewegenden
                                                                                                                                   Fotos z.V.g.

Geschichten der Teilnehmenden im
Gespräch und auch künstlerisch ver-
arbeitet.                                    Die Theatergruppe nach der Aufführung auf dem Felsli…

   8   Anthroposophie – Schweizer Mitteilungen, XII 2021
und die Ungewissheit der Zukunft. In
                                                                                            kurzer Zeit entstand eine menschliche
                                                                                            Wärme, die man in diesen Zeiten oft
                                                                                            vermisst hatte. Viele Menschen aus
                                                                                            der Schweiz und Deutschland hatten
                                                                                            noch nie Kontakt mit Geflüchteten.
                                                                                            Es war spannend zu beobachten, wie
                                                                                            sich Gespräche zu den verschiede-
                                                                                            nen Lebensweisen und kulturellen
                                                                                            Hintergründen entwickelten, die von
                                                                                            Respekt und Interesse geprägt waren.
                                                                                            Wir durften viel voneinander lernen,
                                                                                            und nicht zum ersten Mal erlebte ich,
                                                                                            welche Kraft und liebevolle Hilfsbe-
                                                                                            reitschaft von den Menschen ausgeht,
                                                                                            die die beschwerliche Flucht in die
                                                                                            Schweiz geschafft haben.
                                                                                                Das Programm konnte dank der fi-
… und mitten im Spiel.                                                                      nanziellen Unterstützung von Movetia
                                                                                            Schweiz, dem Programm Jugend in
                                                                                            Aktion und der Anthroposophischen
nehmenden aus Afghanistan und Eri-          und Momenten. Man konnten für eini-             Gesellschaft in der Schweiz realisiert
trea Volkslieder ihrer Heimat sangen.       ge Tage vergessen, in welcher Weltlage          werden.            Milena Kowarik und
    Die Aufführung fand nach sechs          wir uns befinden, woher wir kommen                                       Andrea de la Cruz
Tagen gemeinsamem Proben unter
freiem Himmel statt, um es allen Men-
schen aus der Region zu ermöglichen,
daran teilzunehmen.
    Die Darbietung erzeugte eine fei-       Sur les pas d’Alexandre Strakosch:
erliche Stimmung, die ich so schon
lange nicht mehr um das Goetheanum
                                            Rudolf Steiner en Adriatique
erlebt habe. Die fast 100 Zuschauer
waren berührt und konnten nach der          Traduction: François Gautier.                   y passions l’après-midi, souvent aussi
Aufführung bei japanischen Waffeln                                                          la soirée. Au café, l’après-midi et au
mit den Künstlern ins Gespräch kom-         Lors du cycle «Physiologie occulte» don-        repas du soir, Rudolf Steiner était avec
men.                                        né à Prague, Rudolf Steiner demanda à           nous. Parfois, le soir, il souhaitait que
    «Ein fabelhaftes Beispiel für die       A. Strakosch s’il pouvait en Istrie lui trou-   nous soyons plus longtemps ensemble,
Widerstandsfähigkeit und Stärke des         ver une maison à louer pour lui et Marie        nous restions alors sur la terrasse sous
Menschen. Ich war so bewegt, dass ich       von Sivers ainsi que les sœurs Waller et        le ciel étoilé. Alors, Marie Strakosch
am Ende nicht klatschen konnte, statt-      Imme von Eckardtstein. Marie von Sivers         et moi-même passions la nuit dans la
dessen kamen mir die Tränen. Danke,         avait besoin d’une convalescence, et c’est      maison voisine, invités par notre chère
dass Sie den Glauben an die Mensch-         au-dessus de Portorose (Slovénie) que le        Imme von Eckardtstein. (…)
heit wiederhergestellt haben», sagte        séjour put se faire:                                En de telles occasions, Rudolf Steiner
eine Zuschauerin.                                                                           était d’une humeur aimable et enjouée,
    Die TeilnehmerInnen bezeichneten        Rudolf Steiner souhaitait alors pouvoir         ce qui permettait de dépasser la gène
die Erfahrung als «eine unvergessliche      être en «immersion», c’est-à-dire avoir         qu’on pouvait avoir en sa présence. ( … )
Woche»; Höhepunkt des Programms             toute la tranquillité requise pour son              De Trieste, j’apportais toujours les
bildete für sie die Beziehungen, die        travail. Ainsi, il avait été convenu, déjà à    derniers journaux viennois pour Rudolf
sich durch die Begegnung und die ge-        Prague, que personne ne devrait, à part         Steiner, et je me rappelle bien son re-
meinsame Initiative ergaben. Darüber        nous, connaître son lieu de séjour. On          gard à mon arrivée: avais-je bien sous
hinaus wurde deutlich, dass unter den       pouvait bien craindre que sinon, l’inten-       le bras les journaux? Il lisait aussi volon-
Teilnehmenden unabhängig von ihrer          tion de son séjour échouât. Pour cette          tiers le «Piccolo», feuille locale de Trieste
Herkunft Freundschaften entstanden          raison, nous prîmes peur quand un ami           en italien. Une fois, il s’exclama en sou-
sind, die auch über den Anlass hinaus       habitant Trieste vint en toute hâte nous        riant: «Voyez-vous, ça c’est un vrai jour-
Bestand haben werden. «Ich nehme            apprendre qu’il avait vu Rudolf Steiner         nal!» et avec un coup d’œil espiègle sur
viele Erfahrungen und Antworten auf         devant une librairie. Nous le priâmes de        nos visages surpris, il dit «Oui, il écrit
Fragen mit, von denen ich nicht wuss-       n’en parler à personne, en lui en disant        sur la quatrième (et dernière) page le
te, dass ich sie habe, und stelle fest,     le motif. Bien sûr, nous en parlâmes à          contraire de ce qu’il y a sur la première.
dass ich noch privilegierter bin, als ich   Rudolf Steiner: il avait été «découvert»;       Il sait bien qu’en parvenant à la dernière
dachte», sagte ein Teilnehmer.              Il dit simplement et aimablement: «Il ne        page, le lecteur a largement oublié ce
    Der Abschied fiel uns allen schwer.     parlera pas», et il eut raison.                 qu’il a lu sur la première.» (…)
Es war eine Woche voller Leichtigkeit,          Une ou deux fois par semaine,                   Nous priâmes Rudolf Steiner de
Freude und tiefgehenden Gesprächen          nous venions de Trieste à Portorose, et         bien vouloir faire une conférence pu-

                                                                              Anthroposophie – Schweizer Mitteilungen, XII 2021    9
blique à Trieste. La salle était celle du                           Lorsque je fis les comptes de cette                                   convenait alors à notre groupe. Rudolf
cercle Schiller qu’avait fondé Robert                               conférence, je ne trouvai que les dé-                                 Steiner n’avait pas donné de thème;
Hammerling; les concerts du «Quar-                                  penses occasionnées, mais rien n’était                                c’était souvent ainsi dans les cercles
tetto Triestino» s’y donnaient aussi; il                            demandé par le propriétaire. «Pour l’or-                              de membres, et nous n’osions pas exi-
n’y avait donc pas de préjugé «natio-                               ganisation d’une telle conférence, je ne                              ger quoi que ce soit. Pourtant, il vint et
nal» dans cette ville sur l’usage de cette                          voudrais rien recevoir», me dit-il, «mais                             demanda en nous regardant aimable-
salle. (…)                                                          si vous voulez me faire une joie, je vous                             ment de quoi nous aimerions l’entendre
                                                                    demanderai un exemplaire du livre:                                    parler. Une dame lui pria de parler de
«L’énigme de la mort comme clé du secret                            «Comment acquérir des connaissances                                   l’amour. Il nous regarda encore, et dans
de la vie» en fut le thème. La salle, pou-                          des mondes supérieurs?».                                              son regard s’unissaient l’amour et un
vant contenir 400 personnes était presque                               Le petit groupe des membres de-                                   immense sérieux, et il prononça des
pleine. Le «Piccolo» avait en effet publié                          manda aussi à Rudolf Steiner qu’il                                    paroles que je n’ai plus en mémoire,
des lignes élogieuses sur Rudolf Steiner,                           donne une conférence dans son cercle.                                 mais qui pour nous tous furent un iné-
qui venait d’avoir fait impression au con-                          Les rencontres de notre branche se                                    puisable viatique.
grès philosophique de Bologne.                                      faisaient dans notre maison, lieu qui

Aus der anthroposophischen Arbeit in der Schweiz, Dezember 2021
Du travail anthroposophique en Suisse, décembre 2021
Del lavoro antroposofico in Svizzera, dicembre 2021

Arbeitsgemeinschaft Sterbekultur AGS                                Arlesheim, Bauern-Zweig AGS                                            Anthroposophische Gesellschaft in der Schweiz /
  Auskunft: Franz Ackermann, Zürichbergstr. 27, 8032 Zürich,          Auskunft: Matthias Hünerfauth, 056 667 14 68, Susanne Küf-           Société anthroposophique suisse
  044 252 18 07, sekretariat[ät]sterbekultur.ch                       fer Heer, 061 701 19 46
  Veranstaltungsprogramme: www.sterbekultur.ch
  Siehe auch: www.sterben.ch, www.mourir.ch
                                                                    «Dornacher Sonntage»: Vorträge/Ausflüge für Bauern, Gärtner            Geplante Termine / Dates prévues
                                                                      und Freunde der biodynamischen Landbaumethode. Ort bitte
Zürich: Gesprächs Café Reden über Leben und Sterben. 8. Dez,          erfragen                                                             11.2. 22       Goetheanum, Dornach
  15–16.30 h. Fischlistube Restaurant Alterszentrum Klus Park,      – So 5. Dez, 11–12.30 h, Die Tiefen des Seelenlebens – zum                            Delegiertenversammlung/Rencontre des
  Asylstrasse 130, 8032 Zürich. info[ät]sterbekultur.ch               Grundstein. Marcus Schneider; 14–16 h, Mein Weg zur An-                             Délégués
Basel: Offene Gesprächsrunde über Leben, Sterben und Tod.             throposophie und biodynamischen Landwirtschaft. Was                  11.–13.2.22    Goetheanum, Dornach
  Musikraum Birkenmeier, Lerchenstr. 102, 4059 Basel (15er-           mich begeistert. Tomfei Kougnon, Junglandwirt                                       Öffentliche Jahrestagung mit Mitglieder-
  Tram, Haltestelle Lerchenstrasse)                                 – So 16. Jan, 11–12.30 h, Widar – Michael – Christus. Die                             versammlung: «Die Wissenschaftlichkeit
Lausanne:                                                             Botschaft der Edda. Marcus Schneider; 14–16 h, Kosmische                            der Anthroposophie»
– Premier samedi du mois, 14h30, «Travail autour du mourir»           Signaturen der Corona-Pandemie. Hartmut Ramm                                        Congrès annuel public de la Société
  6 rue de l’industrie, Lausanne. Fréderique List, 079 589 60 68,
                                                                                                                                                          anthroposophique suisse: «Le caractère
  list[ät]bluewin.ch
                                                                                                                                                          scientifique de l’anthroposophie»
Veranstaltungen:
– Sam 11 déc, 10h–17h, 11e rencontre régionale à Lausanne:          Die kleine Malschule
  Les contes de la vie. Ecole Rudolf Steiner, rte du Bois Genoud      Infos/Unterlagen; Andrea Raiser, Pfeffingerhof, Stollenrain 11,      Oberer Zielweg 60, 4143 Dornach, Tel. 061 706 84 40,
  36, Lausanne. Rens.: frederique.list[ät]bluewin.ch                  4144 Arlesheim, 061 701 39 28                                        Fax 061 706 84 41, info[ät]anthroposophie.ch
                                                                    Künstlerische Ausbildung und Kurse nach dem Malimpuls
                                                                      Licht, Finsternis und Farbe von Liane Collot d‘Herbois, entwi-
                                                                      ckelt auf Grundlage der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners.
Aarau, Troxler-Zweig AGS                                              Einstieg ist jederzeit möglich
   Rudolf Steiner Schule Aargau, Eurythmiesaal, Alte Bernstrasse                                                                          Kurse: Anmeldung: Therapiesekretariat, 061 705 72 70,
   14, 5503 Schafisheim.                                                                                                                    therapiesekretariat[ät]klinik-arlesheim.ch
   Auskunft: Elisabeth Häusermann, Bodenmattstrasse 3, 4654                                                                               – Therapeutisches Singen für Menschen mit Atemwegser-
   Lostorf, 062 298 10 14, www.anthroposophie.ch                    Klinik Arlesheim                                                        krankungen Kursleitung: Viola Heckel
Zweigabende: 20 h (falls nicht anders angegeben)                       Pfeffingerweg 1, 4144 Arlesheim. Auskunft: 061 705 71 11,            Kurs: Mi 1. 8. Dez, 18.15–19.15 h
– Mi 1. 8. 15. Dez, Fragen an die Zeit – Anthroposophie                Infos unter www.klinik-arlesheim.ch                                – Heileurythmie
   heute. Johannes Greiner                                          100 Jahre Klinik Arlesheim, Veranstaltungen und Geschichte(n):          – Beweglich bleiben (60+). Kurse:
– Mi 22. Dez, Ich und Welt im Licht der Anthroposophie.                100.klinik-arlesheim.ch                                                 Mo 18. Okt–13. Dez (9 Termine), 10.30–11.15 h
   Daniel Baumgartner                                                  Veranstaltungen finden nur insoweit statt, als es die Massnah-          Mo 18. Okt–13. Dez (9 Termine), 11.15–12 h
Freie Hochschule für Geisteswissenschaft (blaue Mitglieds-             men und Verordnungen von Bundesrat, BAG und den Kan-                    Kursleitung: Nicole Ljubic, dipl. Heileurythmistin
   karte), Die Klassenstunden werden gelesen, 20 h:                    tonen BL und BS zulassen. In der Klinik Arlesheim und im Ita         – Gesundheitskräfte stärken (50+).
– Mo 13. Dez, 5. Wiederholungsstunde                                   Wegman Ambulatorium Basel gilt ein Corona-Schutzkonzept,                Kurs: Fr 22. Okt–17. Dez (9 Termine) 10.30–11.15 h
Kurse:                                                                 insbesondere Maskentragpflicht, auch für Personen mit At-               Kursleitung: Nicole Ljubic, dipl. Heileurythmistin
– Mi 18.30–19.30 h, Eurythmie mit Angeli Schmitz. Auskunft:            test. Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen nur mit gülti-       – Zur Stärkung der Lebenskräfte und Erfrischung der
   Elisabeth Häusermann, 062 298 10 14                                 gem Covid-Zertifikat und Ausweis.                                       Seele. Arbeit an musikalischen Elementen und an Herbst-
                                                                    Ein Wunder kann immer geschehen – Himmeli und Geo-                         und Adventsgedichten. Kursleitung: Veronika Ryser
                                                                       metrie, Eija Koski, Finnland                                            Kurs: Do 2. 9. Dez, 17.30–18.30 h
                                                                    – Ausstellung: Geometrische Strohgebilde, Bis 9. Jan, Foyer
Aesch, Eurythmeum CH                                                   Haus Wegman. Öffnungszeiten: Mo–Sa 8–20 h, So 9–20 h,
   Postadresse: Apfelseestr. 9a, 4202 Duggingen, 061 701 84 66,        (Maskentragpflicht, auch für Personen mit Attest)                  Odilien-Zweig AGS
   www.eurythmeum.ch. Künstlerische Veranstaltungen, Ausbil-        – Workshops mit Eija Koski: Ein Himmeli selber herstellen:
                                                                                                                                            Ziegelackerweg 5, 4144 Arlesheim. Auskunft: Günther v. Ne-
   dungsgänge sowie Laien- und Fortbildungskurse                       Fr, 7. Jan 2022, 10–16 h: Himmeli Wunder
                                                                                                                                            gelein, 061 701 68 22
                                                                       Sa, 8. Jan 2022, 9–17.30 h: Wand Himmeli
                                                                                                                                          Zweigthema: Mi 20.15 h, Anthroposophische Leitsätze (GA 26)
                                                                       So, 9. Jan 2022, 10–16 h: Himmeli Wunder
                                                                                                                                          Sprachgestaltungskurs: Mo 9–10 h, Suzanne Breme-Richard.
                                                                       Saal Pfeffingerhof, Pfeffingerweg 1, 4144 Arlesheim. Anmel-
                                                                                                                                            Auskunft: 061 701 94 26
Eurythmie Verband Schweiz EVS                                          dung: bis 31. Dez per E-Mail an caecilia.weiligmann[ät]klinik-
                                                                       arlesheim.ch. Kosten: Fr/So mit vorbereiteten Sets, inklusive
   Postadresse: Apfelseestrasse 9a, 4202 Duggingen, Sekretariat:       Getränken und Snacks CHF 100.–; Sa mit selbst zubereitetem
   evs[ät]eurythmie-verband.ch. Fortbildungen, Veranstaltungen,        Stroh, inklusive vegetarischem Mittagessen im Klinik-Restau-       Ascona, Casa Andrea Cristoforo
   Kurs- und Stellenangebote siehe www.eurythmie-verband.ch            rant, CHF 140.–. Weitere Infos: eija.koski[ät]ekoart.fi, ekoart.     Via Collinetta 25, 6612 Ascona-Collina. Fon 091 786 96 00,
                                                                       fi, eijakoskihimmelist Instagram                                     Fax 091 786 96 61, mail[ät]casa-andrea-cristoforo.ch, www.
                                                                    Kultur: Im Therapiehaus                                                 casa-andrea-cristoforo.ch
Arbon,                                                              – Freie Hochschule für Geisteswissenschaft: So 19. Dez., 20 h,
                                                                       5. Stunde
                                                                                                                                          Kulturangebot:
                                                                                                                                            Die Casa Andrea Cristoforo feiert vom 24. Dez 2021 bis 6.
   Anthroposophische Arbeitsgruppe                                  – Leseinitiative: Mo 18.15–19.15 h, Die Offenbarungen des               Jan 2022 die zwölf heiligen Nächte. Thema: «Das Tor des
  Auskunft: Heidi Bachmann, Metzgergasse 12, 9320 Arbon,               Karma (GA 120). Für Klinikmitarbeitende und Interessierte.           Mondes und das Tor der Sonne – Gesetzmässigkeiten
  071 446 47 02                                                        Kontakt/Anmeldung: jan-dirk.monden[ät]klinik-arlesheim.ch            des Schicksals». Das Programm finden Sie auf www.casa-
Zweigabend: Jeweils letzter Mi im Monat, 19.30 h, Lektüre Das       – Anthroposophische Studiengruppe: Do 20–21 h, Das                      andrea-cristoforo.ch/kulturelles-angebot/
  Künstlerische in seiner Weltmission (GA 276), Begleitung:            Johannes-Evangelium (GA 112). Auskunft: Veronika Ryser,            Anthroposophische Initiative Sopraceneri (Auskunft: Erich
  Claude-Mario Jansa                                                   061 701 91 77                                                        Jakob, Via alla Basilica 2, 6605 Locarno, 076 381 00 04)

10                                                                                                Veranstaltungen und Nachrichten, Anthroposophie – Schweizer Mitteilungen, XII 2021
Sie können auch lesen