2019 Juli - Programm

 
 
2019 Juli - Programm
„The Eagle has landed“
                      Die Mondlandung vor 50 Jahren
                      Seite 3




2019   Juli
          Programm
2019 Juli - Programm
2 Editorial

                                                                                                                                               Inhalt

                                                                                                                                                  2 Editorial
                                                                                                                                                  3 Aktuell
                                                               Liebe Hörerinnen                                                                     Die Mondlandung vor 50 Jahren
                                                               und Hörer,                                                                         4 Musik
                                                                                                                                                    Das 29. Rudolstadt-Festival
                                                           der Tag der offenen Tür neulich in unserem Berliner Funk-                                Reihe ‚25 Jahre ROC Berlin‘:
© Deutschlandradio/
               Christian Kruppa




                                                           haus war nicht nur ein Fest für tausende Besucherinnen                                   das Rundfunk-Sinfonieorchester
                                                           und Besucher, sondern auch für alle, die bei Deutschland-                                Berlin
                                                           radio arbeiten. Das große Interesse an unseren drei Pro-     8 Literatur
                                  grammen, unserem Online-Auftritt und der Audiothek, an Diskussionsrunden,               Das italo-slawische Triest
                                                                                                                         ‚Lesezeit‘ mit Angela Lehner
                                  aber auch an den Sendestudios, den Übertragungsfahrzeugen und vielem mehr
                                  hat uns alle sehr gefreut. In vielen Gesprächen mit Ihnen haben wir erfahren,        10 Lange Nacht
                                  was Sie an Deutschlandradio gut finden und wo wir uns noch verbessern können.          „Wir sind in unserer Haut gefangen“
                                                                                                                          Eine ,Lange Nacht‘
                                  Vielen Dank dafür! Wir freuen uns schon auf den Tag der offenen Tür am
                                                                                                                          über die Familie Wittgenstein
                                  22. September im Kölner Funkhaus.
                                       Radio ist, wie das Internet, ständig im Fluss, vieles verändert sich. Und die   11 Landeskorrespondentinnen
                                                                                                                      		 und Landeskorrespondenten
                                  Kunst besteht darin, einerseits dafür zu sorgen, dass Sie, liebe Hörerinnen und
                                                                                                                          Berichte aus Niedersachsen
                                  Hörer, sich in Ihrem Programm zu Hause fühlen – und dass wir zugleich offen
                                                                                                                       12 Visitenkarte
                                  sind für Neues.
                                                                                                                          Die ,Lange Nacht‘ in Deutschlandfunk
                                       Einige Veränderungen erwarten Sie ab Juli im Programm von Deutschland-             und Deutschlandfunk Kultur
                                  funk Kultur: Neu ist der Kakadu-Podcast! Die Kindersendung wird künftig werk-
                                                                                                                       13 Radiomenschen
                                  tags als Podcast jederzeit zu hören sein. Das wird den Lebensgewohnheiten
                                                                                                                          Katja Vossenberg
                                  vieler Kinder, die nachmittags noch im Kindergarten, in der Schule oder im Hort         Thomas Fuchs
                                  sind, gerechter. Am Sonntagmorgen verlängern wir die ,Kakadu‘-Zeit um ein
                                                                                                                       14 Gastbeitrag
                                  ‚Kakadu-Magazin‘. Werktags hören Sie ab 22.03 Uhr eine Stunde ,Hörspiel‘ oder           Jochen Schönleber
                                  ,Feature‘. In der Nacht kommen einige neue Sendungen hinzu: zum Beispiel
                                  am Sonntag ‚Stunde 1 – Labor‘ und ‚Diskurs‘ oder am Mittwoch eine verlängerte 		     15 Programmkalender Juli 19
                                  ‚Chormusik‘. Neu in der Montagnacht ab 0.05 Uhr läuft das Podcastmagazin
                                  ,Lakonisch elegant‘ – und ab September ist für den Sonntagvormittag ein Fami-        78 Hörspiel und Feature
                                  lienmagazin geplant. Wobei eine Tradition fortgesetzt wird: Das ,Sonntagsrätsel‘ 		     Monatsübersichten
                                  bleibt! Schließlich ist es nach über 2.700 Sendungen eine feste Institution und      80 Hörspiel und Feature
                                  hat überaus treue Fans.                                                                 Tipps/Ursendungen
                                       Und auch in unserem Programmheft ändert sich etwas: Alle Hörspiel-
                                                                                                                       86 Hintergrund
                                  und Featuresendungen werden in Übersichten zusammengefasst und auf                      Podcast des Monats: ‚Eine Stunde
                                  sechs weiteren Seiten chronologisch vorgestellt: Prädikat hörenswert! Bleiben           Liebe‘
                                  Sie uns gewogen, wann, wo und wie immer Sie uns hören!                                  Die französische Fremdenlegion
                                                                                                                                                    und ihr Mythos
                                      Ihr                                                                                                           Seilbahnen als Retter im Nahverkehr?
                                      Andreas-Peter Weber
                                                                                                                                                 88 Feuilleton
                                      Programmdirektor Deutschlandradio                                                                             Traumwissen und Traumkulturen
                                                                                                                                                    Street-Art in Jordanien
                                      Hörerservice                                            Service-Nummern
                                                                                                                                                 90 Kinder
                                      Telefon                                                 Nachrichten                                           Gedichte
                                      0221 345-1831                                           0221 345-29911
                                                                                                                                                    Heute bin ich wild und böse
                                      Fax                                                     Verkehrslage
                                      0221 345-1839                                           0221 345-29916                                     91 Hörerforum/Nachrichten
                                      E-Mail                                                  Seewetterbericht
                                      hoererservice@deutschlandradio.de                       0221 345-29918
                                      Internet                                                Programme hören
                                      deutschlandradio.de/kontakt                             0221 345-63000

                              Impressum
                              Herausgeber Deutschlandradio, Körperschaft des             Covergestaltung Grafik-Desk
                              öffentlichen Rechts, Raderberggürtel 40, 50968 Köln,       (Deutschlandradio Service GmbH)
                              Telefon 0221 345-0                                         Gestaltung Mohr Design
                              Verantwortlich Dr. Eva Sabine Kuntz (v.i.S.d.P.),          Druck pva, Druck- und Mediendienstleistungen GmbH,
                              Dr. Jörg Schumacher, Dr. Helmut Buchholz                   Industriestraße 15, 76829 Landau
                              Redaktion Bettina Mayr, Brigitte Vankann                   Vertrieb Deutschlandradio Service GmbH (DRS)
                              (Deutschlandradio Service GmbH)                            Raderberggürtel 40, 50968 Köln
                              Mitarbeit Petra Baron, Mario Loch                          Adressenänderungen
                              (Deutschland­radio Service GmbH), Ulrike Wallisch          adressverwaltung@deutschlandradio.de
                              Programmbeirat Markus Frania, Dr. Jan-Christoph Kitzler,   Neu- und Abbestellungen deutschlandradio.de/kontakt             Die Mission Apollo 11
                              Rolf K. Otten (Deutschlandradio Service GmbH),             Redaktionsschluss 21. Mai 2019,                                 © picture-alliance/Neil Armstrong/
                              Susanne Pickert, Barbara Roth                              Programmänderungen vorbehalten                                  NASA/dpa
Aktuell 3



„The Eagle
 has landed“




                                                                                     © picture-alliance/ullstein bild
Die Mondlandung vor 50 Jahren:
Am 21. Juli 1969 betrat ein
Mensch erstmals den Mond
                Die Erfolgschancen liegen             Der Plan war verwegen. US-Astronauten
unter 50 Prozent, doch das Husarenstück          hatten bis dahin erst 15 Minuten im Weltraum                           Mein Grundgesetz
glückt. Am 20. Juli 1969 landen die NASA-        verbracht und die NASA keinen Plan, wie man
Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin       die gewaltige Trägerrakete konstruieren und
                                                                                                                        Meine Meinung
auf dem Mond. Als sie Stunden später aus         wie das Raumschiff aussehen sollte, das die                            Was bedeutet das deutsche Grundgesetz für
ihrer Landefähre klettern und Fußabdrücke        Crew zum Mond und wieder zurück beför-                                 Sie? Diese Frage haben hunderte Hörerinnen
im Mondstaub hinterlassen, schauen über          dert. Aber immerhin: Nach Kennedys Rede                                und Hörer beantwortet. Für die Reihe ‚Mein
eine halbe Milliarde Menschen zu. „A small       war Geld kein Problem mehr. Schon bald ar-                             Grundgesetz. Meine Meinung‘ haben wir
step for a man, a giant leap for mankind” –      beiteten bis zu 400.000 Amerikaner daran,                              daraus 70 Beiträge gemacht und bis zum
die Erfüllung eines Menschheitstraums wird       die Sowjets beim Wettlauf zum Mond zu                                  Verfassungstag am 23. Mai gesendet. Gabi J.
weltweit im Fernsehen übertragen.                schlagen. Als die Mission Apollo 11 am 16. Juli                        hat sich zu Art. 3 GG gemeldet: (3) Niemand
    Das epochale Ereignis war das Ergebnis       1969 vom Kennedy Space Center in Florida                               darf wegen seines Geschlechtes, seiner
eines 20-jährigen Wettlaufs zur Eroberung        startet, sitzen Neil Armstrong, Buzz Aldrin                            Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache,
des Weltraums, bei dem anfangs die Sowjet-       und Michael Collins an der Spitze einer 110                            seiner Heimat und Herkunft, seines Glau-
union die Nase vorn hatte. Der Sputnik-          Meter hohen Saturn-V-Rakete, deren Trieb-                              bens, seiner religiösen oder politischen An-
Schock vom 4. Oktober 1957 hatte die USA         werke sie mit 160 Millionen PS in den Himmel                           schauungen benachteiligt oder bevorzugt
eiskalt erwischt. Offiziell spielte das Weiße    tragen. Nach dreitägiger Reise erreicht ihr                            werden. Niemand darf wegen seiner Behin-
Haus die Bedeutung des piepsenden sowje-         Raumschiff den Mond und schwenkt ein in                                derung benachteiligt werden.
tischen Satelliten zwar herunter, aber hinter    eine Umlaufbahn. Tags darauf, am 20. Juli                              Unsere Hörerin Gabi J. sagt:
den Kulissen begann hektische Betriebsam-        1969, zwängen sich Aldrin und Armstrong in                             „Ich bin selber auch betroffen. Ich sitze nicht
keit: Der Raketeningenieur Wernher von           die Landefähre und beginnen den Abstieg                                im Rollstuhl, aber es ärgert mich seit 20 Jah-
Braun, der für die Nazis die V2-Rakete ent­      zur Oberfläche, während Collins im Orbit die                           ren, wie schwierig das ist, im ÖPNV oder im
wickelt hatte, durfte endlich beweisen, dass     Stellung hält. Nach dramatischen Minuten –                             Zug als behinderter Mensch zurechtzukom-
auch die Amerikaner einen Satelliten in den      Fehlermeldungen des Bordrechners hätten                                men. (…) Als Mensch mit Behinderung hat man
Orbit befördern können. Am 31. Januar 1958       beinahe zum Abbruch der Landung geführt –                              immense Kosten, die in keiner Weise über den
meldete er Vollzug – die USA waren wieder        setzt Kommandant Neil Armstrong den ‚Ad-                               Steuerausgleich abgedeckt sind. Ich war auch
im Rennen.                                       ler‘ sanft auf. Um 21.17 Uhr MEZ funkt er dem                          selber schon bei Vorstellungsgesprächen mit
    Die frisch gegründete NASA bekam den         Kontrollzentrum in Houston: „The Eagle has                             dabei und sehe da immer große Vorbehalte
Auftrag, möglichst bald einen Menschen in        landed.” Der Rest ist Geschichte.                                      vom Arbeitgeber. Zum Teil verstehe ich das
die Erdumlaufbahn zu schießen. Doch die               Zum 50. Jahrestag der ersten Mondlan-                             auch, dass man da Ängste hat und keine
Konkurrenz war erneut schneller: Am 12.          dung können Hörerinnen und Hörer die Reise                             Schwerbehinderten beschäftigen möchte.
April 1961 flog der russische Kosmonaut          von Armstrong und Co. akustisch hautnah                                Aber man sollte da auch nicht mit dieser
Juri Gagarin ins All, umrundete die Erde und     miterleben. In einer zehnteiligen Original-                            Quote kommen, die der Arbeitgeber erfüllen
landete heil an einem Fallschirm. Als Alan       Ton-Dokumentation berichtet das Deutsch-                               muss, die ja freiwillig ist und wo man sich
Shepard drei Wochen später in einer Mer-         landfunk-Wissenschaftsmagazin ‚Forschung                               freikaufen kann. Manchmal denke ich schon,
cury-Kapsel kurz in den Weltraum vorstieß,       aktuell‘ ab 15. Juli täglich, was vor 50 Jahren                        dass da etwas mehr Druck entstehen sollte.
waren die Amerikaner wieder nur Zweite.          an Bord von Apollo 11 geschah. Deutschland-                            Mich würde auch persönlich interessieren,
US-Präsident John F. Kennedy wollte das          funk Kultur fragt nach, wie das historische                            wie die Quote beim Deutschlandfunk ist.“
ändern. In einer Rede vor dem Kongress for-      Ereignis Generatio­nen geprägt und unseren
                                                                                                                        Anm. d. Red: Die Quote beim Deutschland-
derte er am 25. Mai 1961: „Ich glaube, dass      Blick auf die Erde verändert hat. Was sucht
                                                                                                                        radio lag 2018 bei 6,17 %. Erforderlich sind
diese Nation sich das Ziel setzen sollte, noch   der Mensch im All? Wozu sollten Menschen
                                                                                                                        5 %, Deutschlandradio erfüllt diese Quote
vor Ende des Jahrzehnts einen Menschen           erneut zum Mond fliegen? Wie inspirierte
                                                                                                                        schon länger und musste demzufolge auch
auf den Mond zu schicken und ihn sicher          die Mondlandung die Popmusik? ‚Studio 9
                                                                                                                        keine Ausgleichsabgabe leisten. Bewerbun-
wieder zur Erde zurückzubringen.“                am Morgen‘ liefert ab 15. Juli Antworten.
                                                                                                                        gen von Schwerbehinderten werden bei der
                                                 Eine umfassende Sendungsübersicht finden
                                                                                                                        Einladung zum Vorstellungsgespräch ent-
                                                 Sie unter deutschlandfunk.de/mondlandung
                                                                                                                        sprechend der gesetzlichen Vorgaben bevor-
                                                 und im Kalenderteil des Programmhefts.
                                                                                                                        zugt berücksichtigt.
                                                    Ralf Krauter,                                                       Informationen zur Reihe und alle Beiträge
deutschlandfunk.de/                                 Redakteur ‚Forschung aktuell‘,                                      zum Nachhören finden Sie unter
mondlandung                                         Deutschlandfunk                                                     deutschlandfunk.de/meingrundgesetz
4 Musik


                                                   29. Rudolstadt-Festival
                                                   Eine Sommernacht mit Roots-,
                                                   Folk- und Weltmusik
 Klassik-Pop-et cetera                             Live von den Bühnen der Stadt                    13. Jazzdor Strasbourg-Berlin

 Die Gastmoderatoren                               Ein langes Wochenende, 20 Bühnen, mehr
                                                                                                    Claudia Solal & Benjamin Moussay/
                                                                                                    Miles Perkin Quartet
       Deutschlandfunk                             als 300 Konzerte mit Musik aus aller Welt –
       Samstags jeweils 10.05 Uhr                  kann man das überhaupt im Radio abbilden?        Deutschlandpremieren und Uraufführungen
                                                   Man kann! Jedenfalls versuchen wir es – und      prägen Jahr für Jahr das Festival Jazzdor in
  6. 7. Johannes Enders (Saxofonist)
                                                   das seit vielen Jahren. Wenn am ersten Juli-     Berlin, das in diesem Jahr erneut für etliche
 13. 7. Miki Kekenj (Geiger und Komponist)         Wochenende im Saaletal Deutschlands größ-        musikalische Sternstunden sorgte. Die Sän-
                                                   tes Festival für Folk, Lied und Weltmusik über   gerin Claudia Solal und der Pianist Benjamin
 20. 7. Ernst Hutter (Musiker)                     die Bühne(n) geht, ist Deutschlandfunk Kultur    Moussay spielen zwar schon seit rund 15
                                                   wieder live dabei. Mit Konzert-Übertragun-       Jahren zusammen, gastierten allerdings zum
 27. 7. Julia Fischer (Geigerin)                   gen, Reportagen und Interviews – und mit         ersten Mal gemeinsam auf einer deutschen
                                                   einer großen Live-Sendung am Samstag-            Bühne. Ihr fein strukturiertes Duo changiert
                                                   abend. Dabei wird in diesem Jahr der Iran        sehr charmant zwischen Traum und Wirklich-
                                                   besonders im Fokus stehen – ein Land, das        keit, ist poetisch und sinnlich zugleich. Kraft-
Nippon Sounds                                      mehr zu bieten hat als politische Konflikte      voller und stärker auf Improvisation basie-
Japans Musikszene                                  und die religiöse Engstirnigkeit seiner Mul-     rend, ist die Musik des kanadischen Bassisten
von Improvisation bis Idol Pop                     lahs: Zehn Ensembles – aus dem Land selbst       und Multitalents Miles Perkin und seines in-
                                                   und aus der Diaspora – werden die reiche         ternational besetzten Quartetts, das Ende
Japan ist nicht nur für seine uralte, kaum         persische Tradition und die aktuelle Musik-      Mai unter dem Namen ‚The Point is Question‘
durchschaubare Hofmusik Gagaku bekannt.            szene des Landes repräsentieren. Zu den          ein neues Album vorgelegt hat. Diese vielge-
Gerade in jüngster Zeit lassen sich eigenwil-      Highlights in Rudolstadt gehören in diesem       staltige und unaufgeregt pulsierende Musik
lige musikalische Strömungen und Trends            Jahr aber auch das 40. Euroradio Folk Fes-       wurde beim Berliner Jazzdor-Festival zum
beobachten: Sei es der schrille Girl Idol Pop –    tival mit Folkbands aus ganz Europa, die         ersten Mal überhaupt live aufgeführt.
ein Teenstar-Kult, der seine Fans in manische      barocke Bourrée als Tanz des Jahres und die         Deutschlandfunk Kultur
Abhängigkeit versetzt – oder auch die impro-       Verleihung des Folk- und Weltmusikpreises           Montag, 8. Juli, 20.03 Uhr
visierende Underground-Szene, die ihr ganz         Ruth an den Münchner Hackbrett-Spieler              In Concert
eigenes Verständnis von zeitgenössischer           und Kabarettisten Rudi Zapf.
Musik etabliert hat. Ebenso beliebt sind die           Deutschlandfunk Kultur
aufgeräumten Digitalklänge des Elektronik-             Samstag, 6. Juli, 19.05 Uhr
künstlers Ryoji Ikeda. Seit den 70er-Jahren            Konzert
bildete sich in Japan mit Künstlern wie Merz-




                                                                                                                                                   © Jürgen B. Wolff/Rudolstadt-Festival
bow eine spezielle Form der Noise-Musik
aus. Und noch heute beherbergt jeder Plat-
tenladen in Tokio oder Osaka eine große Ab-
teilung mit Japanese Loud Music. Auf den
Bühnen geht es oft laut, lärmend und anar-
chisch zu. Im Publikum dagegen herrscht
beispiellose Stille und Konzentration. Wer
so wie Autorin Leonie Reineke vor Ort ein
wenig sucht, findet zahllose musikalische
Besonderheiten im Land der aufgehenden
Sonne.
   Deutschlandfunk
   Dienstag, 2. Juli, 22.05 Uhr
   Musikszene




                                    Eine Sommernacht mit Roots-,
                                             Folk- und Weltmusik –
                                    Live von den Bühnen der Stadt
                                           Deutschlandfunk Kultur
                                        Samstag, 6. Juli, 19.05 Uhr
Elisaveta Blumina
                                                 Deutschlandfunk Kultur
                                                                                                                                                          Musik 5
                                                 Dienstag, 16. Juli, 20.03 Uhr


Geniale Hand für das Leichte
Der Dirigent Arthur Fiedler

Wie sein Vater spielte der in Berlin zum Gei-
ger ausgebildete Arthur Fiedler zunächst im
Boston Symphony Orchestra. Doch Fiedler
konnte mehr. Als er 1930 zum Dirigenten des
Boston Pops Orchestra ernannt wurde, nahm
seine Karriere die entscheidende Wende. Mit
dem Ensemble, das aus Mitgliedern des Bos-




                                                                                               © ullstein bild/Brill
ton Symphony Orchestra bestand, bereiste
Fiedler die ganze Welt. Das von ihm favori-
sierte Repertoire aus leichter klassischer und
klassisch arrangierter Musik mit vorwiegend
unterhaltendem Charakter erwies sich als
äußerst zugkräftig. Auf Schallplatten ver-




                                                                                                                                                            © Sebastian Rosenberg
kaufte es sich millionenfach. Einige Aufnah-
men wurden zu diskografischen Meilenstei-
nen, wie die Gershwin-Einspielungen mit
dem Pianisten Earl Wild. Dass Fiedler mit den
Boston Pops darüber hinaus noch Titel der
Beatles und von Elvis Presley in sinfonischen
Arrangements aufnahm, erhöhte seine Popu-                                                                              Werke von Weinberg und Honegger
larität einmal mehr. 1979 leitete Fiedler ein
                                                   On Stage
                                                                                                                       Elisaveta Blumina und das
Jubiläumskonzert anlässlich seiner 50-jäh-               Deutschlandfunk                                               Georgische Kammerorchester
rigen künstlerischen Verbindung mit dem                  Freitags jeweils 21.05 Uhr
Boston Pops Orchestra. Nur wenige Wochen          5. 7. ‚Archivo Pittoresco‘
                                                                                                                       Elisaveta Blumina ist eine Anwältin für Kom-
später, am 10. Juli 1979, verstarb der Maestro   		 Die portugiesische Sängerin und 		                                 ponisten, die in Vergessenheit geraten sind.
in seinem Haus in Brookline, Massachusetts.      		 Gitarristin Lula Pena                                              Sie hat sich für das Werk der umstrittenen
   Deutschlandfunk                               		Rudolstadt-Festival                                                 Galina Ustwolskaja nach dem Zusammen-
   Donnerstag, 11. Juli, 22.05 Uhr               		 7. Juli 2018                                                       bruch der Sowjetunion eingesetzt, hat Gidon
   Historische Aufnahmen                                                                                               Kremer mit der Musik von Mieczysław Wein-
                                                 12. 7. Songwriter mit Band (1/2)
                                                                                                                       berg vertraut gemacht, was dem Schaffen
                                                 		 Der Norweger Thomas Dybdahl
                                                 		 Berlin, Frannz Club
                                                                                                                       des vielfach verfolgten und 1996 verstorbe­
                                                                                                                       nen Komponisten eine größere Aufmerk-
 Historische                                     		 19. Februar 2019
                                                 		 (Teil 2 am 19. Juli)                                               samkeit bescherte. Mit Weinberg gastiert
 Aufnahmen                                                                                                             die Pianistin aus Russland auch beim Geor­-
                                                 26. 7. Nachtwächter mit warmem Bariton
       Deutschlandfunk
                                                                                                                       gi­schen Kammerorchester mit dem ‚großen‘
                                                 		 Der britische Retro-Soul-Künstler
       Donnerstags jeweils 22.05 Uhr                                                                                   Klavierquintett, einer Fassung für Klavier und
                                                 		 Jonathan Jeremiah
                                                                                                                       Streicher. Ob die motorische Kraft, das bitter-
                                                 		 München, Club Strom
 4. 7. Natürlichkeit und Menschlichkeit
                                                 		 25. Februar 2019                                                   böse Scherzo-Treiben oder der entlarven­de
		 Der Pianist Wilhelm Backhaus                                                                                        Klageton: Der schöpferi­sche Austausch mit
		 (1884 – 1969)                                                                                                       Schostakowitsch ist in diesem Werk deutlich
11. 7. Geniale Hand für das Leichte                                                                                    vernehmbar. Von Arthur Honegger erklingt
		 Der Dirigent Arthur Fiedler (1894 – 1979)     Songwriter mit Band                                                   zudem die ,Sinfonie Nr. 2‘. Im Kriegsjahr 1942
                                                 Der Norweger Thomas Dybdahl                                           in Zürich uraufgeführt, ist diese Sinfonie auch
18.7. Sternstunden
                                                                                                                       von dem abgründigen Lauf der Welt geprägt.
		 Der Pianist Rudolf Firkušný (1912 – 1994)
                                                 Thomas Dybdahls Songs sind sanft und me-                              Jedenfalls attestiert Honegger selbst dem
		 spielt Dvořák und Janáček
                                                 lancholisch. Der norwegische Singer/Song-                             Adagio einen „düsteren“, bisweilen gar „ein
		 L EO Š JANÁČ EK
                                                 writer und Gitarrist hat mit 19 Jahren seine                          wenig verzweifelten“ Charakter.
		 ‚Im Nebel‘. 4 Stücke für Klavier
		(Ausschnitt)                                   erste EP veröffentlicht, er komponiert und                               Deutschlandfunk Kultur
		 Rudolf Firkušný, Klavier                      produziert für Film und Theater, hat mit inter-                          Dienstag, 16. Juli, 20.03 Uhr
		    AN TO N Í N DVO Ř ÁK                       nationalen Künstlern wie Morcheeba oder                                  Konzert
		 Konzert für Klavier und Orchester             Judy Collins gearbeitet und mit ‚All These
		 g-Moll, op. 33                                Things‘ sein achtes Album herausgebracht.
		 Rudolf Firkušný, Klavier                      Bei seinem Konzert im Frannz Club in Berlin
		 Cleveland Orchestra                           präsentierte sich Dybdahl singend und gitar-
		 Leitung: George Szell                         respielend als Frontmann einer hervorragend
		 Studio-Aufnahmen aus den Jahren               harmonierenden Band.
		 1970 und 1954
                                                    Deutschlandfunk
25. 7. Ein halbes Jahrhundert Erfolgs-              Freitag, 12./19. Juli, 21.05 Uhr
		geschichte                                        On Stage
		 Das Philip Glass Ensemble und
		 sein experimentelles Repertoire
6 Musik

                Porträt der Schweizer Pianistin                    Young Euro Classic 2019                          Rossini in Wildbad – live
                und Komponistin Luzia von Wyl
                                                                   Jugendorchester aus aller Welt                   ‚Matilde di Shabran,
                              Deutschlandfunk
                   Samstag, 18. Juli, 21.05 Uhr                    zu Gast im Konzerthaus Berlin                    o sia Bellazza e cuor di ferro‘

                                                                   Aus Israel und Griechenland, Chile und           In dieser Komödie – seiner letzten für Ita-
                                                                   Schweden, aus der Dominikanischen Repu-          lien – hat Rossini ein Feuerwerk musikali­
                                                                   blik und der Slowakei reisen die jungen          scher Formen und Ideen gezündet. Dieses
                                                                   Musikerinnen und Musiker in diesem Jahr          brillante und dramaturgisch interessante
                                                                   unter anderem an. Fünf Konzerte zeichnen         Dramma gio­coso hat die gleiche Gattungs-
                                                                   wir auf. Die ‚Nationale Jugendphilharmonie       bezeichnung wie Mozarts ‚Don Giovanni‘
                                                                   der Türkei‘ und das ‚National Youth Orchestra    und auch hier darf man rätseln, ob die Haupt-
                                                                   of Great Britain‘ waren bereits in früheren      figur Corradino, der Frauen- und Poeten-
                                                                   Jahren zu Gast. Erstmals hier zu erleben sind    hasser, eine eher lächerliche oder eine tra-
                                                                   das ‚International Tatarstan Youth Orchestra‘,   gische Figur ist. Matilde wird ihn heilen. Für
                                                                   das ‚Galilee Chamber Orchestra‘ mit Musike-      diese anspruchsvolle und groß besetzte
                                                                   rinnen und Musikern aus Israel und Palästina,    Oper hat das Festival in Wildbad mit Alisdair
                                                 © Fadil Berisha




                                                                   und das ‚Orquesta Sinfónica Nacional Juve-       Kent, Sara Blanch, Victoria Yarovaya, Julio
                                                                   nil‘ aus der Dominikanischen Republik. Sie       Mastrototaro, Emmanuel Franco eine ideale
                                                                   alle bringen Musik aus ihren Heimatländern       Besetzung. Gespielt wird die Oper in einer
                                                                   mit nach Berlin, häufig sind darunter auch       eigens erstellten Neu­edition in der Fassung
Experimentierfreude                                                Uraufführungen wie etwa der türkischen           der römischen Uraufführung von 1821.
und Gestaltungsdrang                                               Komponistin Füsün Köksal oder des Israelis       Stefania Bonfadelli, in zahlreichen Rossini-
Porträt der Schweizer Pianistin                                    Wisam Gibran. Diese musikalischen Gast-          Rollen auf der Bühne umjubelt, hat eine
und Komponistin Luzia von Wyl                                      geschenke werden kombiniert mit Klassikern       vielversprechende Regie-Karri­ere begon-
                                                                   des Orchesterrepertoires etwa von Ludwig         nen. Es dirigiert José Miguel Pérez-Sierra.
Der Pianistin Luzia von Wyl aus Luzern gelin-                      van Beethoven oder Antonín Dvořák. Auch             Deutschlandfunk Kultur
gen in ihren Kompositionen überzeugende                            2019 wird es wieder viel zu entdecken ge-           Samstag, 27. Juli, 19.05 Uhr
Grenzgänge zwischen kammermusikalischer                            ben. Besondere Empfehlung und schon fast            Oper
Finesse und zupackenden Grooves. Seit sie                          kein Geheimtipp mehr: die Zugaben!
ihr Musikstudium 2011 mit einem Master in                             Deutschlandfunk Kultur
Jazz-Klavier und Komposition abgeschlossen                            23./25./28. Juli sowie
hat, ist es Luzia von Wyl gelungen, sich einen                        4./6. August, 20.03 Uhr                       Musikfest Bremen 2019
hervorragenden Namen in der Schweizer                                 Konzert                                       Sonderkonzert zum 300. Todestag
Szene zu machen. Den Kern ihrer Arbeit bil-                           23. Juli                                      von Arp Schnitger – Livemitschnitt
det ihr eigenes Ensemble, mit dem sie bereits                         International Tatarstan
seit acht Jahren zusammenspielt. Sie selbst                           Youth Orchestra                               1705 erlebte der junge Johann Sebastian
bezeichnet die Gruppe als ihre Werkstatt.                             (Russland)                                    Bach in der Lübecker Marienkirche die
Seit der Gründung hat sie immer wieder per-                           25. Juli                                      Abendmusiken des bewunderten Kompo-
sonelle Wechsel vorgenommen und ganze                                 Orquesta Sinfónica Nacional Juvenil           nisten Dieterich Buxtehude, an denen er
Instrumentengruppen ausgetauscht. Inzwi-                              (Dominikanische Republik)                     auch selbst mitwirkte. Vielleicht hatte er bei
schen ist die Besetzung allerdings deutlich                           28. Juli                                      dieser Gelegenheit auch die Möglichkeit,
stabiler, und das Luzia von Wyl Ensemble                              Nationale Jugendphilharmonie                  eines der Instrumente des berühmten Orgel-
platziert sich demonstrativ zwischen allen                            der Türkei                                    bauers Arp Schnitger kennenzulernen, das
Stühlen: Instrumente wie Flöte, Fagott und                            4. August                                     kurz zuvor im Lübecker Dom auf Anregung
Streicher lassen an klassische Kammermusik                            Galilee Chamber Orchestra                     Buxtehudes errichtet worden war. Auch in
denken. Die Rhythmusgruppe aus Bass,                                  (Israel, Palästina)                           der St. Pankratius-Kirche in Hamburg-Neuen-
Schlagzeug und Piano verweist dagegen ein-                            6. August                                     felde hat Schnitger 1688 eine neue Orgel ein-
deutig auf die Jazz-Tradition. Geschickt setzt                        National Youth Orchestra                      gebaut. Sie wurde aufwendig restauriert und
von Wyl die verschiedenen Klangfarben in                              of Great Britain                              ist seit 2017 wieder spielbar. In dieser Kirche,
Szene, hin und wieder sind sogar Einflüsse                                                                          in der Arp Schnitger am heutigen Tage vor
der arabischen Musik auszumachen, etwa                                                                              300 Jahren bestattet wurde, erinnern Vox
in Gestalt der Knickhalslaute Oud. Für Zu-                                                                          Luminis und das Arp-Schnitger-Ensemble
sammenhalt sorgen die Grooves, für die sich                                                                         unter Lionel Meunier sowie der Organist Hil-
Luzia von Wyl auch schon mal von der Rock-                                                                          ger Kespohl nicht nur an ihn, sondern auch
musik inspirieren lässt.                                                                                            an Buxtehudes Abendmusiken, die seinerzeit
   Deutschlandfunk                                                                                                  die ersten öffentlichen und kostenlosen Kon-
   Donnerstag, 18. Juli, 21.05 Uhr                                                                                  zertveranstaltungen waren.
   JazzFacts                                                                                                           Deutschlandfunk
                                                                                                                       Sonntag, 28. Juli, 21.05 Uhr
                                                                                                                       Konzertdokument der Woche
Musik 7

                                                   25 Jahre ROC Berlin



Grenzenlos: Das Rundfunk-
Sinfonieorchester Berlin
                                                                                                                     wäre, engagiert sich das Orchester auch
                                                                                                                     weiterhin im Bereich der Kammermusik,
                                                                                                                     und ebenfalls für exklusive Projekte mit
                                                                                                                     Deutschland­radio bleibt noch Platz. Stefan
                                                                                                                     Lang, Ressortleiter Musikproduktion bei
                                                                                                                     Deutschlandfunk Kultur: „In der Spielzeit
                                                                                                                     2019/20 wird mit dem RSB die Serie mit Film-
                                                                                                                     musik von Alfred Schnittke fortgeführt, und
                                                                                                                     wir werden Nikolai Kapustin als Komponisten
                                                                                                                     entdecken. In Sachen Klavier und Orches-
                                                                                                                     ter versprechen wir uns interessante Ent-
                                                                                                                     deckungen bei den Komponisten Conrad
                                                                                                                     Ansorge und George Catoire. Von Anton
                                                                                                                     Rubinstein – nicht nur ein großer Pianist,
                                                                                                                     sondern auch ein bedeuten­der Komponist –
                                                                                                                     nehmen wir zwei Klavierkonzerte in Angriff!“
                                                                                                                         Die Ideen gehen dem Orchester, dem
                                                                                                                     Dirigenten und auch den Programmredak-
                                                                                                                     teuren offensichtlich nicht aus. Da war es auf
                                                                                                                     der Jahres-Pressekonferenz beruhigend zu
                                                                                                                     hören, dass Vladimir Jurowski seinen Vertrag
                                                                                                     © Simon Pauly




                                                                                                                     um drei Jahre bis 2023 verlängert hat.
                                                                                                                        Matthias Sträßner
                Eigentlich hatte alles mit einer   20 auch aus politischen Gründen viel Gele-
Zweckentfremdung von Heeresgerät im Ers­           genheit: Am Vorabend des 75. Jahrestages                          25 Jahre Deutschlandradio und ROC
ten Weltkrieg begonnen. Im Mai 1917 impro-         des Endes des Zweiten Weltkrieges wird                            Als Hauptgesellschafter der Rundfunk
visiert der Rundfunkpionier Hans Bredow an         Jurowski in der Berliner Philharmonie Werke                       Orches­ter und Chöre GmbH Berlin (ROC)
der Westfront in Rethel nahe Reims mit einem       von Karl Amadeus Hartmann (das ‚Concerto                          setzt sich Deutschlandradio für den Erhalt
primitiven Röhrensender ein musikalisches          funebre‘ für Violine und Streichorchester)                        des hohen künstlerischen Niveaus der
Programm. Schon sechseinhalb Jahre später,         sowie Dmitri Schostakowitschs 8. Sinfonie                         Klangkörper ein. Die ROC besteht in ihrer
am 29. Oktober 1923, wird in Berlin im Vox-        spielen. Und zum 30. Jahrestag des Mauer-                         heutigen Zusammensetzung seit 1994 und
Haus die erste ganze Rundfunksendung aus-          falls erklingt Johannes Brahms’ ‚Ein deut-                        wird von Deutschlandradio, der Bundesrepu-
gestrahlt, und nach weiteren sechseinhalb          sches Requiem‘ zusammen mit Motetten                              blik Deutschland, dem Land Berlin und dem
Jahren hat sich im Medium des Rundfunks            von Heinrich Schütz!                                              Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) getragen.
ein neuer Orchester-Typus fest etabliert: das           Das Motto der Spielzeit – ,Grenzenlos‘ –                     Die ROC veranstaltet jährlich über 200 Kon-
Funkorchester. Heute ist es müßig, sich da­        bewahrheitet sich Programm für Programm.                          zerte, von denen viele von Deutschlandfunk,
rüber zu streiten, in welcher Stadt der Grün-      Da sind zum einen Konzerte, die gerade                            Deutschlandfunk Kultur und den Program-
dungsreigen begonnen hat: ob in Leipzig,           auch von neuer Musik (Georg Katzer, George                        men des rbb übertragen werden. Zum
Berlin oder Kopenhagen. In jedem Fall ist          Enescu oder Marko Nikodijevic als ‚Com-                           25-jährigen Jubi­läum möchten wir Ihnen
das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB)        poser in Residence‘) geprägt sind. Die kon-                       die Klangkörper in einer vierteiligen Reihe in
eines der ältesten Rundfunkorchester in            zertante Oper ist mit Richard Strauss’ ‚Die                       unserem Programmheft vorstellen. Die Reihe
Deutschland und Europa. Und auch heute             Frau ohne Schatten‘ und George Enescus                            wird betreut von Dr. Matthias Sträßner,
noch will das Orchester künstlerisch unter         ‚Strigoii‘ (Die Geister) vertreten, das Ballett                   Deutschlandradio-Beauftragter für die ROC.
Beweis stellen, was es im 21. Jahrhundert          mit Peter Tschaikowskys ‚Dornröschen‘ und
heißt, ein modernes Orchester nicht nur im         Verdis Ballettmusik aus ‚Otello‘. Neben Klas-                        Rundfunk Orchester
Konzertsaal, sondern auch für Rundfunk und         sikern der Schauspielmusik (Edvard Griegs                            und Chöre GmbH Berlin
neue Medien zu sein.                               ‚Peer Gynt‘) kommt es im Bereich der Film-                           Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
    Das kann es mit Vladimir Jurowski, der         musik zu einer kleinen Sensation: Die Auf-                           Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
den Klangkörper seit 2017 leitet, allemal.         nahme der rekonstruierten Filmmusik zu ‚La                           Rundfunkchor Berlin
Denn der 1972 in Moskau geborene Dirigent          Roue‘ (Das Rad), einem Mammutfilm des                                RIAS Kammerchor
kennt keine musikgeschichtlichen, stilisti­        Kino-Visionärs Abel Gance – 420 Minuten (!)                          Berlin
schen oder dirigiertechnischen Grenzen.            lang, zwischen 1919 und 1922 entstanden –,                           roc-berlin.de
Dies zu beweisen, bietet die Spielzeit 2019/       wird gemeinsam mit dem Dirigenten Frank
                                                   Strobel von ZDF/arte und Deutschlandradio,
                                                   der Fondation Jérôme Seydoux-Pathé und
                                                   dem Musikfest Berlin realisiert. Als wenn das
rsb-online.de                                      noch nicht genug der Grenzüberschreitung
8 Literatur

                                                                                                  „Als wären sie nie gewesen“
                                                                                                  Neue Literatur aus den
                                                                                                  Randgebieten Frankreichs

Norbert Zähringer                                 Widerspenstige Anmut                            Als sich 1974 in Nordfrankreich das letzte
‚Wo wir waren‘                                    Das italo-slawische Triest                      große Grubenunglück ereignete, war Sorj
                                                                                                  Chalandon 22 Jahre alt. Er und seine Kolle-
In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969        Triest wirkt wie eine Kreuzung aus Wien,        gen von der Pariser Tageszeitung Libération
betritt Neil Armstrong als erster Mensch den      Ljubljana und Zagreb – mit einem Meer ne-       verurteilten die Fahrlässigkeit der Kohle-
Mond. Abermillionen verfolgen auf der Erde        ben den Boulevards. Slawische, romanische       industrie und das Desinteresse der Regie-
die Fernsehübertragung. Das machen sich           und österreichische Einflüsse überlagern        rungspolitiker am Tod von 42 Minenarbeitern
einige zunutze. Martha Rohn etwa, eine            sich auch in der Literatur. Fulvio Tomizza      als Verbrechen. In seinem detailgenau re-
Mörderin, entkommt in jener fernsehstillen        (1935 – 1999) kam aus Istrien nach Triest,      cherchierten Roman ‚Am Tag davor‘ verbin-
Nacht aus dem Frauenzuchthaus, und – Zu-          machte den Verlust der nun zu Jugoslawien       det Chalandon die Zeit, in der man die Kohle-
fall oder nicht – ihr fünfjähriger Sohn Hardy     gehörenden Dörfer im Hinterland zum Stoff       armee für die Modernisierung des Landes
flieht aus dem Kinderheim, in das er als ver-     seiner großen Romane und gab Italien einen      brauchte, mit der Gegenwart. Auch der 2018
meintliches Waisenkind ,Nummer 13‘ nach           Teil seiner verdrängten Geschichte zurück.      mit dem Goncourt-Preis ausgezeichnete
ihrer Verurteilung gesteckt wurde. Er weiß        Während Marko Kravos, Jahrgang 1943,            Roman ‚Wie später ihre Kinder‘ spielt in ei-
ja gar nichts über sie, weiß nicht einmal, dass   die slowenische Lyrik der Grenzstadt prägte     ner Region, die einst von der Kohleindustrie
sie noch lebt. Ein Ehepaar nimmt sich seiner      und der hochbetagte Romancier Boris Pa-         und von Hochöfen lebte. Der 1978 in den
an, bietet ihm ein Zuhause. Da träumt er da-      hor vom Widerstand der Slowenen erzählte,       Vogesen geborene Autor Nicolas Mathieu
von, eines Tages Astronaut zu werden, und         schildert die 1964 in Argentinien geborene      schreibt über die 90er-Jahre, als soziale
tatsächlich: Jahre später, in Amerika, ist die    Triestinerin Cecilia Prenz, wie sie mit ihrer   Aufstiegsversprechen in der Großregion
Verwirklichung des Kindheitstraums zum            Familie zuerst Zuflucht in Belgrad fand. Ihr    Grand-Est längst nicht mehr galten. Mathieu
Greifen nah. ‚Wo wir waren‘, ein breit gefä-      Vater, der Dichter und Romancier Octavio        selbst wie auch seine jugendlichen Prota-
cherter, ein gesamtes Jahrhundert umspan-         Prenz, war auch dort bald nicht mehr er-        gonisten wünschten sich nichts sehnlicher,
nender Roman einer zerrissenen Familie, ist       wünscht und suchte nach einem Ort, wo           als der Welt der Malocher und „der mit 25




                                                                                                                                                  Die Statue von James Joyce am Canale Grande in Triest
– wie alle Romane Zähringers – einfallsreich      Süden, Osten und Norden miteinander             Jahren verwelkten Geliebten“ zu entfliehen.
und turbulent erzählt, mal nahe am Slap-          verschmolzen. Triest, am Rande Italiens         Doch ihr Milieu zu verlassen und sich einen




                                                                                                                                                  © mauritius images/enricocacciafotografie
stick, dann wieder retardierend; ein großes       gelegen, bildet mit seinen multikulturellen     Namen zu machen, gelang ihnen ebenso
Tableau, das Zeiten, Länder, Geschichtliches      Schichtungen einen Kern Europas.                wenig wie den Eltern.
und vor allem eine Vielzahl von Schicksalen          Deutschlandfunk Kultur                          Deutschlandfunk Kultur
verschränkt.                                         Sonntag, 7. Juli, 22.03 Uhr                     Freitag, 12. Juli, 19.30 Uhr
   Deutschlandfunk                                   Literatur                                       Zeitfragen. Literatur
   Mittwoch, 3./10. Juli, 20.30 Uhr
   Lesezeit




      Das italo-slawische Triest
      Deutschlandfunk Kultur
      Sonntag, 7. Juli, 22.03 Uhr
Literatur 9

Angela Lehner
‚Vater unser‘

Die Polizei hat sie hergebracht, in die psychi-
atrische Abteilung des alten Wiener Spitals.                                                                           Studio LCB
Nun erzählt Eva Gruber in Angela Lehners                                                                               Aus dem Literarischen
Roman ,Vater unser‘ dem Chefpsychiater                                                                                 Colloquium Berlin
Doktor Korb, warum es so kommen musste.                                                                                Lesung: Jens Balzer
Sie spricht vom Aufwachsen in der erzkatho-                                                                            Gesprächspartner: Bodo Mrozek
lischen Kärntner Dorfidylle. Vom Zusammen-




                                                                                                     © Paula Winkler
                                                                                                                       und Thomas Meinecke
leben mit den Eltern und ihrem jüngeren                                                                                Moderation: Katharina Teutsch
Bruder Bernhard, den sie unbedingt retten                                            Angela Lehner
will. Auf den Vater allerdings ist sie nicht gut                                                                       Mondlandung, Woodstock, Ölkrise und
zu sprechen. Töten will sie ihn am liebsten.
                                                    Lesezeit                                                           Anti-AKW-Bewegung sind die bekannten
Das behauptet sie zumindest. Denn manch-                                                                               Wegmarken eines Jahrzehnts, das aus heu-
mal ist die Frage nach Wahrheit oder Lüge                 Deutschlandfunk                                              tiger Sicht eine Scharnierepoche bildet. Der
für den Leser nicht zu unterscheiden. Wir                 Mittwochs jeweils 2.30 und 20.30 Uhr                         Aufbruchsgeist der 60er-Jahre wird in den
haben es mit einer sehr unzuverlässigen                                                                                70ern globalisiert und kommerzialisiert zu
                                                    3. 7. Norbert Zähringer liest aus seinem
Erzählerin zu tun, die dabei aber komisch,         		 Roman ‚Wo wir waren‘ (Teil 1)
                                                                                                                       internationalen Genussgemeinschaften. Der
frech und besserwisserisch neue, dichte,                                                                               Kulturjournalist Jens Balzer erklärt in seinem
aber vor allem irritierende Zusammenhänge           10. 7. Norbert Zähringer (Teil 2)                                  mitreißenden Buch ‚Das entfesselte Jahr-
herstellt.                                                                                                             zehnt. Sound und Geist der 70er‘, wie die
                                                    17. 7. Angela Lehner liest aus ihrem Roman                         Nachkriegsutopien sich nicht nur im Punk
   Deutschlandfunk
                                                   		 ‚Vater unser‘ (Teil 1)                                           in apokalyptische Gesellschaftsfantasien
   Mittwoch, 17./24. Juli, 20.30 Uhr
   Lesezeit                                         24. 7. Angela Lehner (Teil 2)
                                                                                                                       verwandelten. Nebenbei nimmt auch die
                                                                                                                       Frauenbewegung ihren Lauf und die Umwelt
                                                   31. 7. Gunther Geltinger liest aus seinem                           wird zum Thema der Politik. Unsere heuti-
                                                   		 Roman ‚Benzin‘                                                   gen Konflikte gründen alle, so Balzers These,
„Manchmal verwechsele ich                                                                                              im Geist der 70er. Mit ihm diskutiert der Pop­
meine Bücher und meine Kinder“                            Weitere Informationen zu den                                 historiker Bodo Mrozek. In seiner zeitgleich
                                                          Literatursendungen in Deutsch­landfunk                       bei Suhrkamp erschienenen Studie über
Mutterschaft und Literatur
                                                          und Deutschlandfunk Kultur finden Sie                        die Poprevolution der 50er- und 60er-Jahre
                                                          unter deutschlandradio.de/literatur
Das Schreiben über Mutterschaft verändert                                                                              zeigt er, dass die Nachkriegsgesellschaft
sich: Viele Romane – vorwiegend von Auto-                                                                              dem Kulturtransfer aus Amerika mehrheitlich
rinnen – verhandeln Mutterschaft in all ihren                                                                          feindlich gegenüberstand. Die frühe Pop-
Ambivalenzen. Denn immer noch arbeiten             Jureks Reise                                                        kultur wurde mehr mit Delinquenz in Verbin-
sich Frauen an den bekannten Vorstellungen         Ein Sputnik-Tagebuch                                                dung gebracht als mit späteren Kampfvoka-
ab, nach denen eine kinderlose Frau Karriere                                                                           beln wie Befreiung und Revolution. Mit Poli-
machen und eine Mutter selbstlos und für-          Am 4. Oktober 1957 eröffnete die Sowjet-                            zeiakten, Presseartikeln und einer fundierten
sorgend sein soll. Für Schriftstellerinnen         union das Weltraumzeitalter mit dem Start                           Popgeschichte liefert Mrozeks ‚Jugend –
prallen diese zudem mit dem weiterhin ver-         des Sputniks, der rund 800 Mal die Erde um-                         Pop – Kultur‘ die Basis einer globalen Erfolgs-
breiteten Genie-Mythos zusammen. Ist eine          rundete, bevor er beim Wiedereintritt in die                        story. Gemeinsam mit diesen Exegeten der
kreative schöpferische Tätigkeit nach der          Atmosphäre verglühte – so steht es in den                           großen Popjahrzehnte diskutiert der Pop­
Geburt eines Kindes überhaupt noch mög-            Geschichtsbüchern. Wie sonderbar muss                               autor Thomas Meinecke.
lich? Wie behauptet eine Mutter das ‚Zimmer        es also sein, in einer Kapsel zu erwachen, die                         Deutschlandfunk
für sich allein‘, das essenziell für das Schrei-   Sputnik heißt und durchs Weltall fliegt. Und                           Samstag, 27. Juli, 20.05 Uhr
ben ist? Und was muss sich im Literatur­           wie verwirrend, in dem kleinen Raumschiff                              Studio LCB
betrieb ändern, damit Schreiben und Mut-           ein Wohnzimmer zu entdecken, eine Küche,
terschaft besser zu vereinbaren sind? Darü-        einen sprechenden und psychologisch ver-
ber sprechen u. a. Anke Stelling, Sheila Heti      sierten Bordcomputer, ein Solarium und
und Antonia Baum.                                  schließlich Anna, die Ingenieurin, die ver-
   Deutschlandfunk Kultur                          sucht, das alte Raumschiff zu reparieren und
   Freitag, 19. Juli, 19.30 Uhr                    zurück zur Erde zu bringen. Jurek, der ver-
   Zeitfragen. Literatur                           wirrte Sputnikpassagier, erlebt eine Reise,
                                                   die ihn in die Tiefen des Weltraums ebenso
                                                   wie in die der eigenen Seele führt. Und er
                                                   hält, was ihm widerfährt, in seinem Tage-
                                                   buch fest, ironisch, melancholisch, stau-
                                                   nend und stets gefasst auf neue Kuriositä­
                                                   ten. Von der Einsamkeit eines Astronauten
                                                   in seiner Raumkapsel schwebend im All
                                                   handelt das Hörstück von Ulrich Woelk.
                                                   Anlass der Sendung ist die Landung von
                                                   Apollo 11 auf dem Mond vor 50 Jahren.
                                                      Deutschlandfunk Kultur
                                                      Sonntag, 21. Juli, 22.03 Uhr
                                                      Literatur
10 Lange Nacht




                                                          „Wir sind in
                                                           unserer Haut
                                                           gefangen“
Eine Lange Nacht über die Familie Wittgenstein
                Die Familie Wittgenstein war                                                                  Eine andere Tochter, Margaret, stand für Gus-
im Wien des 19. und 20. Jahrhunderts öko­                                                                     tav Klimt Modell. Sie selbst war nicht zufrie-
nomisch und kulturell bedeutsam. Der Vater                                                                    den mit der Darstellung und ließ diese von
Karl und die Mutter Leopoldine stammten                                                                       anderen Malern ändern. Das Bild hängt heute
aus früh assimilierten jüdischen Familien.                                                                    in der Neuen Pinakothek in München. Der
Karl begründete das erste österreichische                                                                     älteste Sohn Hans verschwand spurlos. Ein
Eisen-Kartell und erwarb sich als Stahlma-                                                                    anderer schluckte Gift. Die beiden jüngsten
gnat unvorstellbaren Reichtum. Er zog sich                                                                    Söhne Paul und Ludwig suchten sich mit
schon mit 52 Jahren aus dem Stahlgeschäft                                                                     ungeheurer Energie eigene Wege. Paul als
zurück und investierte in Immobilien, Aktien                                                                  Pianist und Ludwig als Philosoph.
und Anleihen. Durch geschickte Anlagepoli-                                                                         Paul und Ludwig
tik vergrößerte sich das Familienvermögen                                                                     Paul hatte im Ersten Weltkrieg seinen rechten
auch noch nach seinem Tod, während des                                                                        Arm verloren. Als Auftraggeber finanzierte
Ersten Weltkrieges.                                                                                           er dann Klavierwerke für die linke Hand von




                                                                                                                                                                                                              Karl und Leopoldine Wittgenstein
     Talente und Bildung                                                                                      Komponisten wie Maurice Ravel, Sergej Pro-
Der Anspruch in der Familie war immens                                                                        kofjew und Paul Hindemith. Paul Wittgenstein




                                                                                                                                                                                                              © akg-images/Imagno
hoch. Es galt immer, den bequemen Weg zu                                                                      war sehr kritisch mit den Ergebnissen. Man-
vermeiden und den schwierigsten zu wäh-                                                                       che Kompositionen korrigierte er oder ließ
len. So lebte die Familie in einem Kosmos,                                                                    sie unveröffentlicht in der Schublade liegen.
den sie sich selbst geschaffen hatte. Die Mit-                                                                     Ludwig Wittgenstein schrieb an der Front
glieder konnten es sich leisten, sich eine ei-                                                                im Ersten Weltkrieg eine logisch-philoso-
                                                                                                                                                                      Deutschlandfunk Kultur
gene Welt nach ihren Gesetzen zu gestalten.                                                                   phische Abhandlung, die 1921 mit dem Titel
                                                                                                                                                                      Samstags, 0.05 Uhr
Die Talente und die Bildung der Familien­                                                                     ‚Tractatus‘ veröffentlicht wurde. Trotz des
                                                                                                                                                                      Lange Nacht
mitglieder waren bedeutend. Musiker wie                                                                       großen Erfolges in der Fachwelt beendete
Johannes Brahms und Gustav Mahler waren                                                                       Ludwig Wittgenstein vorerst sein philoso-               Deutschlandfunk
zu Gast im Hause Wittgenstein. Als großzü-                                                                    phisches Denken, ganz im Sinne des letzten              Samstags, 23.05 Uhr
giger Mäzen war Karl Wittgenstein am Bau                                                                      Satzes des Tractatus: „Wovon man nicht spre-            Lange Nacht
der Wiener Secession beteiligt. In seiner                                                                     chen kann, darüber muss man schweigen“,            6. 7. „Ein kleines Ja und ein großes Nein“
Gemäldesammlung fanden sich neben alten                                                                       und widmete sich praktischen Tätigkeiten.                Eine Lange Nacht über George Grosz
Meistern Werke von Claude Monet und                                                                           Er arbeitete zuerst als Volksschullehrer. Da-
Gustav Klimt.                                                                                                 nach beauftragte ihn seine Schwester Marga-      13. 7. „Wir sind in unserer Haut gefangen“
     Die Schicksale der acht Kinder                                                                           ret, als Architekt am Bau ihres Hauses in der    		     Eine Lange Nacht
Die Älteste der acht Kinder, Hermine Witt-                                                                    Kundmanngasse mitzuwirken. Anschließend          		 über die Familie Wittgenstein
genstein, war Ratgeberin beim Aufbau der                                                                      holten ihn Bertrand Russell und John May-         20. 7. Buh aus Nordwest
Kunstsammlung. Sie notierte auch die Fami-                                                                    nard Keynes nach Cambridge. Er war einer                 Eine Lange Nacht
lienerinnerungen für die nächste Generation.                                                                  der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahr-              über Opernskandale
                                                                                                              hunderts.
                                                                                                                                                                27. 7. „Oh Bartleby! Oh Menschheit!“
                                                          Ludwig Wittgenstein © picture-alliance/akg-images




                                                                                                                   Verbundenheit und Zwist
                    Paul Wittgenstein©akg-images/Imagno




                                                                                                                                                                       Die Lange Nacht über den
                                                                                                              In der faszinierenden Familie Wittgenstein               amerikanischen Schriftsteller
                                                                                                              waren die unterschiedlichen Schicksale auf               Herman Melville
                                                                                                              verschiedenartige Weise miteinander ver-
                                                                                                              bunden. Die Verknüpfungen veränderten
                                                                                                              sich auch durch die Zeitgeschichte. Der Erste
                                                                                                              Weltkrieg war der erste große Einschnitt,
                                                                                                              der bei den Familienmitgliedern gravierende
                                                                                                              Änderungen bewirkte. Der Zweite Weltkrieg
                                                                                                              führte zu Zwist in der Familie. Besonders
                                                                                                              tragisch ist, dass die enge Verbindung der
                                                                                                              Brüder Ludwig und Paul danach zerrissen
                                                                                                              war.
                                                                                                                 Barbara Giese
Landeskorrespondentinnen und -korrespondenten (Teil 13) 11

                Als Radio der Länder
                unterhalten wir Korres­
                pondentenstudios in
                allen 16 Landeshaupt-




                                                                                                                                                 © Deutschlandradio/Studio 54
                städten und am Finanz-
                standort Frankfurt/Main.
                Unsere Inlandskorres­
pondenten stehen für den föderalen
Sendeauftrag der drei Deutschland-                                           NIEDERSACHSEN
radio-Programme. In dieser Artikelreihe
stellen die Kolleginnen und Kollegen von                                              Hannover         Dietrich Mohaupt (links im Bild), geboren
Kiel bis München ihre Bundesländer vor.                                                                im Wendland, aufgewachsen in Salzgitter.
                                                                                                       Während des Studiums in Bamberg erste
                                                                                                 Gehversuche im Privatfunk, später Volontariat
                                                                                                 in Bielefeld. Anschließend erst NDR in Kiel,
                                                                                                 dann Deutschlandradio-Landeskorrespondent
                                                                                                 in Schleswig-Holstein, seit Mitte 2016 in Nieder-
                                                                                                 sachsen.
                                                                                                     Alexander Budde, geboren 1971 in Kerpen,
                                                                                                 während des Studiums freier Mitarbeiter der
                                                                                                 Deutschen Presse-Agentur in Berlin. 2001
                                                                                                 Redakteur beim Schwedischen Rundfunk SR
Berichte aus Niedersachsen                                                                       und freier Hörfunkautor der ARD für die skan-




Vom VW-Diesel-
                                                                                                 dinavischen und baltischen Länder. 2013 Rück-
                                                                                                 kehr nach Deutschland, seither Landeskorres­
                                                                                                 pondent in Niedersachsen.




skandal über den Klimaschutz
bis zum Hybridhuhn
                 Besonders spannend an der         Dieser Alltag hat mich dann ein paar Tage         Was über Tage hängen bleibt, ist der Duft
Tätigkeit als Landeskorrespondent finde ich     später wieder eingeholt, bei Nieselregen         ungezählter Stallbesuche – mal pickt ein ge-
ja, dass der Tag morgens ganz ruhig im Büro     und 12 Grad in Hannover. Büroarbeit – bald       stapeltes Hybridhuhn nach dem Mikrofon,
anfangen kann oder auch mal ganz früh im        beginnt in Braunschweig der nächste große        mal quiekt ein gerade kastriertes Ferkel im
ICE von Hannover nach Berlin auf dem Weg        Prozess gegen VW im Zusammenhang mit             Kastenstand. Nicht allen schmeckt das: Pro-
zur Jahreshauptversammlung des VW-Kon-          dem Dieselskandal. Also: Akkreditierungen        testiert wird im Mastland Niedersachsen mit
zerns oder am Vormittag gleich mittendrin       vorbereiten, Ü-Wagen-Einsatz planen …            Leidenschaft! Autos bewegen die Menschen
im Herzen der Landespolitik, im Landtag         Wie gesagt, er ist wirklich sehr abwechs-        hier, Roboter auch: Auf der Hannover Messe
bei der Landespressekonferenz oder … na ja,     lungsreich, der Job als Landeskorrespon-         schaut ‚Pepper‘, der angeblich so smarte
auf jeden Fall ist der Job sehr abwechslungs-   dent in Hannover.                                Assistent, mitfühlend tatenlos aus großen
reich. Aber ganz ehrlich – so richtig genieße                                                    Kulleraugen.
ich ihn, wenn ich rauskann, raus aus dem           Dietrich Mohaupt,                                 Ich selbst bin noch immer der haptische
Büro, raus aus Hannover. Nichts gegen die          Landeskorrespondent                           Typ, bevorzuge beim Lesen Greifbares,
Landeshauptstadt, aber es gibt schönere            Niedersachsen                                 schmücke Textzeilen mit dem Marker, um sie
Ecken in Niedersachsen.                                                                          besser verdaulich zu machen. Mein großer
     Darum habe ich mich zum Beispiel sehr                                                       Traum vom papierlosen Büro bleibt vorerst
gefreut über die Bitte der Kollegin Jule Rei-   Schief sitzt der Schutzhelm auf dem tief-        unerfüllt. Einen anderen habe ich in den ers­
mer aus der Abteilung Wirtschaft und Gesell-    roten Kopf. Um meinen Hals baumeln Gru-          ten fünf Jahren meiner Dienstzeit verwirk-
schaft im Deutschlandfunk, Mitte Mai die        benlampe und Dosimeter. Mit den Fingern,         licht: mit Ostfriesen Tee trinken. Alles schlürft,
Aktion im Rahmen der Denkfabrik ‚Wandern        die noch frei sind, nestle ich an Aufnahme-      alles schweigt. Schroffe Herzlichkeit!
mit dem Deutschlandfunk‘ im Großen Moor         gerät, Schreibblock, Kamera. Spurt in Gum-           Die Vielfalt an Sendeplätzen, die Offen-
bei Gifhorn zu begleiten. Raus in die Natur,    mistiefeln durch den Staub des Bergwerks –       heit für all die Geschichten und ihre Ge-
gemeinsam mit Hörerinnen und Hörern             bei gepflegter Saunatemperatur. Wieder           schichte dahinter – das ist, was mir an meiner
unserer Programme mit der Moorbahn bzw.         eine Grubenfahrt mit Politprominenz in der       Arbeit für die Programme von Deutschland­
zum Teil zu Fuß unterwegs in der faszinieren­   maroden Schachtanlage Asse II. Besichtigt        radio so viel Freude bereitet – zumal wir hier
den Moorlandschaft – bei perfektem Wetter       werden diverse Problemzonen – und man            im Landesstudio Niedersachsen inzwischen
und begleitet von NABU-Experten, die uns        müsste sich amöbenhaft aufspalten können,        zu zweit daran arbeiten.
viel über die Bedeutung von Mooren für den      um möglichst alles gleichzeitig zu tun: Töne
Klimaschutz erzählt haben. Zwischendurch        aufnehmen, Gespräche anzetteln, Fakten               Alexander Budde,
eine kurze Live-Schalte in die Sendung          recherchieren. Soll noch mal einer lästern,          Landeskorrespondent
‚Sonntagsspaziergang‘ im Deutschlandfunk,       wir Radioleute würden den großen Streit-             Niedersachsen
zum Abschluss ein Picknick mit den Teilneh-     fragen unserer Zeit nicht genügend auf den
mern der Tour: ein echtes Sahnehäubchen         Grund gehen!
auf meinem Berufsalltag.                                                                            deutschlandradio.de/
                                                                                                    landeskorrespondenten
12 Visitenkarte



EigenART
in der Dunkelheit
                                                                              Dr. Monika Künzel und Renate Alves (v. l.), Redaktion ,Lange Nacht‘




                                                                                                                                                © Deutschlandradio/Bettina Fürst-Fastré
Die ,Lange Nacht‘ in
Deutschlandfunk und
Deutschlandfunk Kultur

                In der Redaktion der Sendung         Die ‚Lange Nacht‘ erzählt Geschichte(n):       Was verbindet die Schriftstellerin Elke
‚Lange Nacht‘ im Kölner Funkhaus gibt es        von russischen Revolutionen, vom D-Day,         Heidenreich mit dem Musiker und Schrift-
einen Blickfang: eine Wand mit Hunderten        von Berlin-Kreuzberg und Alt-Wien. Vom          stellerkollegen Sven Regener? Im Zweifel
von Post-its auf Jahreskalendern. Stichworte    Ende des Vietnam-Krieges, von den Narben        die Liebe: die Liebe zum gesprochenen,
stehen für Themenabende, für Innenwelten,       deutscher Teilung, Originalton-Geschichten      zum geschriebenen Wort, zur Musik.
Außenwelten – Lebenswelten von Künstle-         von Müttern und Töchtern oder von Ge-               On air und online
rinnen und Künstlern wie Lotte Lenya, Ingmar    schlechterrollen und ihren Zuschreibungen       Beobachten, beschreiben, nicht bewerten:
Bergman und Walter Felsenstein, von Musi-       in Blau und Rosa …                              Um das Manuskript und das geeignete Mu-
kern wie Jimi Hendrix und Svjatoslaw Richter,        Das Verborgene kommt ans Licht             sikkonzept wird oft Monate gerungen. Und
Schriftstellerinnen und Schriftstellern wie     Die nächtliche Hörsituation ist entscheidend    doch ist das nur ein Teil der Arbeit. Erst in
Brigitte Reimann, Heiner Müller, Heinrich       für die Dramaturgie der Sendung: Nicht die      den Studios in Berlin, Köln oder Wien, mit
Böll, Günter Grass und Fanny zu Reventlow,      klassische Information ist das Wesentliche.     versierten, eigensinnigen Teams aus Regie,
Exzentrikern wie Hunter S. Thompson und         Das Verborgene, Verdrängte dringt ins Be-       Technik und Sprecherinnen und Sprechern
Dylan Thomas, fröhlichen Pessimisten wie        wusstsein und sucht – authentisch und dis-      wird mit ihrer Erfahrung, ihrer Fantasie aus
Wilhelm Busch und Erich Mühsam.                 kret – nach gedanklicher und musikalischer      dem Text ein Klangbild, eine Erzählung, die
    Themen- und Formatvielfalt                  Entsprechung, ein Balanceakt. Die Diskre-       die Spannung hält. Die ‚Lange Nacht‘ ist als
Was macht das Werk all dieser Künstler aus?     panz von Leben und Werk ist oft beschrieben     wöchentlicher dreistündiger Themenabend
Wie behaupten sie sich im Strudel des Welt-     worden, die Brüche in den Biografien. In        ein Unikat in der Radiolandschaft: zu hören
geschehens? Und wo finden wir die Künstle-      nächtlicher Zwiesprache können Zuhöre-          on air an jedem Wochenende, an zwei auf-
rinnen und Künstler? Im Theater wie Thomas      rinnen und Zuhörer Analogien zu ihrem eige-     einanderfolgenden Nächten und eine Wo-
Bernhard? An einem Tischchen im Kaffee-         nen Leben entdecken. Drei Stunden Sende-        che lang online.
haus wie Franz Schubert oder Peter Alten-       zeit, da bleibt Raum selbst für verstörende         Was zwischen den Stichworten auf den
berg? Im Wirtshaus wie Joseph Roth und Irm-     Themen, für Kriegstraumata, Lebenslügen,        zahllosen Post-its bis zu den fertigen Sen-
gard Keun? Oder in Worpswede, einer Künst-      schwierige Familienkonstellationen. Die Sen-    dungen in unserer Redaktion passiert, das
lerkolonie fern der großen Zentren?             dung schafft viel Raum für Begegnungen:         überlasse ich Ihrer Fantasie ...
    Philosophie, Zeitgeschichte, Medizin,       Was etwa sucht die renommierte Wiener
                                                                                                   Dr. Monika Künzel,
Sport, Psychologie – die Stoffe fordern ver-    Scheidungsanwältin Helene Klaar in einer
                                                                                                   Redaktionsleitung ,Lange Nacht‘
schiedene Formate: Features, Klangbilder,       Sendung über Arbeitssucht? Sie hat einen
Essays, Diskussionsrunden. Oder wir orga-       anderen Blick auf die Folgen unentwegter
                                                                                                   Deutschlandfunk Kultur
nisieren Literatur hautnah im Kölner Theater    Betriebsamkeit für die Beziehung, für die          Samstags, 0.05 Uhr
COMEDIA, wie auch in diesem Jahr, wenn          Familie. Solche überraschenden Konstel-            Deutschlandfunk
Norwegen Gastland der Frankfurter Buch-         la­tionen bei der Auswahl der Studiogäste          Samstags, 23.05 Uhr
messe ist.                                      bringen eine besondere Dynamik in diese            Lange Nacht
                                                nächtlichen Gespräche.
Radiomenschen 13




                                                                                    Mit Kindern auf Augenhöhe
© Deutschlandradio/
Bettina Fürst-Fastré




                                                                                    Dass ich zum Radio wollte, wusste ich schon in der Schu-
                                                                                    le. Ich konnte mir nichts Schöneres vorstellen, als hinter
                                                                                    einem Mikrofon zu sitzen und den Menschen Geschich-
                                                                                    ten zu erzählen. Also schrieb ich nach meinem Studium
                       Einblicke in Lebenswelten                                    Praktikumsbewerbungen an alle ARD-Landesrundfunk­
                                                                                    anstalten. Ich erhielt eine einzige Zusage vom Kinderfunk
                       Wie vermisst man eigentlich einen Berg? Das ist eine         des damaligen ‚Sender Freies Berlin‘, SFB. Ich hatte keine
                       Frage, die sich die meisten Menschen in ihrem Leben          Ahnung, wie meine Bewerbung dort gelandet war, denn
                       vermutlich nicht stellen. Es sei denn, sie beschäftigen      ich hatte mich nicht im Kinderfunk beworben. Doch ich
                       sich viel mit Kartografie oder Geodäsie. Oder haben          sagte mir, lieber Kinderfunk als gar kein Radio, und zog
                       es gerade zur Aufgabe – wie momentan Forscherinnen           von München nach Berlin. In den drei Monaten Praktikum
                       und Forscher in Nepal –, den Mount Everest neu auszu-        lernte ich, mit dem Mikrofon Umfragen zu machen, Inter-
                       messen. Fragenstellen ist etwas Tolles. Wer Fragen stellt,   views mit und für Kinder aufzunehmen, und durfte erste
                       versucht andere Menschen zu verstehen, Einblicke zu          Moderationserfahrungen sammeln.
                       bekommen, andere Lebenswelten kennenzulernen. Des-                Fasziniert von der sich mir neu eröffnenden Hörspiel-
                       halb fasziniert mich das Fragenstellen. Das berufliche       welt, dem Spiel der Schauspielerinnen und Schauspieler
                       Fragenstellen begann bei mir sehr klischeehaft: bei der      vor dem Mikrofon und den damit verbundenen intensiven
                       Lokalzeitung. Unterwegs bei Taubenzüchterinnen und           und kreativen Momenten, verbrachte ich viele Abende im
                       -züchtern, bei der Jahreshauptversammlung von Klein-         Tonstudio des Senders, im ‚Haus des Rundfunks‘. Noch
                       garten-Vereinen oder bei Kaninchenschauen. Die Klas-         heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn in der Produk-
                       siker.                                                       tion ein Text lebendig wird, Figuren entstehen und Hal-
                            Vor und während des Studiums habe ich mich vor          tungen hörbar werden. Aus dem Praktikum entstand eine
                       allem gefragt, wie Menschen in anderen Ländern leben.        freie Mitarbeit quer durch das Kinder- und Erwachsenpro-
                       Einige Einblicke dazu habe ich in Litauen, Ungarn und        gramm der ARD. Nach der Wiedervereinigung wurden
                       Österreich sammeln können. Im Studium kamen dann             dann die Programme von Deutschlandradio meine beruf-
                       die etwas größeren Fragen auf: Wie funktioniert eigent-      liche Heimat. Irgendwann wollte ich nicht länger selbst
                       lich ein Mediensystem? Was liegt im Rahmen des öffent-       die Geschichte erzählen, sondern sie schreiben und erle-
                       lichen Informationsinteresses? Und konkreter: Was            ben, wie sie im Studio lebendig, wie sie als Hörspiel hör-
                       macht eigentlich einen guten Beitrag aus? Antworten          bar wird. Meine Laufbahn als Hörspielautor begann. Dank
                       darauf gab es im Journalistik-Studium in Dortmund            der Aufmerksamkeit eines Verlages wurde aus einem
                       mit Volontariat beim WDR in Köln und stundenlangem           meiner Hörspielkrimis ein Kinderbuch, weitere Bücher
                       Arbeiten beim Campussender eldoradio*.                       folgten. Gleichzeitig arbeitete ich weiterhin für die ver-
                            Im Masterstudium kamen grundsätzlichere Fragen          schiedensten Redaktionen im Deutschlandfunk Kultur
                       dazu: Wie kommt es, dass wir als Gesellschaft so zusam-      als Beitragsmacher und Autor. Doch je länger ich dies tat,
                       menleben, wie wir es tun? Und konkret in meinem Fall:        umso mehr begeisterte mich die Arbeit mit und für Kin-
                       Was verstehen wir eigentlich unter Geschlechtern und         der. Ihnen Hintergründe und Zusammenhänge deutlich zu
                       warum scheint dieses Wissen darum so fest und eindeu-        machen, Probleme darzustellen und mögliche Lösun­gen
                       tig zu sein? Diese Fragen treiben mich noch immer um.        aufzuzeigen, das machte und macht mir einfach Spaß.
                       Vor allem beschäftigt mich, wie sich die beiden Felder            Augenblicklich ist der ‚Kakadu-Podcast‘ die neue
                       kombinieren lassen: Welche Rolle Geschlechtersensibi-        große spannende Herausforderung für uns. Doch glück­
                       lität im Journalismus spielen kann, versuche ich deshalb     licherweise lebt der Redaktionsvogel Kakadu in einem
                       jeden Tag aufs Neue herauszufinden. Einmal in meiner         Team von tollen Autorinnen und Autoren, die sehr erfah-
                       Abschlussarbeit, dann in Seminaren, momentan ver-            ren darin sind, Radio für Kinder zu machen. Inzwischen
                       tretungsweise als feste Redakteurin und sonst als freie      ist es mein Hauptberuf zu organisieren, dass die Ge-
                       Planerin für Deutschlandfunk Nova.                           schichten anderer Autorinnen und Autoren hörbar, dass
                            Übrigens: Es gibt verschiedene Methoden, mit de-        sie lebendig werden. Zum Glück teilen viele wunderbare
                       nen die Forscherinnen und Forscher in Nepal den Mount        Menschen hier im Programm diese Leidenschaft und
                       Everest vermessen. Eine davon ist die Triangulation –        engagieren sich, diese Kinderhörspiele und Funkerzäh-
                       dabei werden Kantenwinkel gemessen und anschlie-             lungen zu realisieren.
                       ßend Entfernungen mit Dreiecken berechnet. So wurde
                                                                                       Thomas Fuchs,
                       es auch schon in den 1850er-Jahren gemacht.
                                                                                       Abteilung Hintergrund
                          Katja Vossenberg,                                            Kultur und Politik
                          Freie Mitarbeiterin                                          Redaktion ,Kakadu‘
                          Deutschlandfunk Nova                                         Deutschlandfunk Kultur
                                                                                                                                         © Deutschlandradio/
                                                                                                                                         Christian Kruppa
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