An diesem Klinikum funktioniert Integration

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05 / 2019 | 04.04.2019
                         Das GesunDheitsmaGazin Des universitätsklinikums leipziG




                                           „An diesem Klinikum
                                         funktioniert Integration“
                                 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht das UKL
                                     und trifft Mitarbeiter verschiedener Nationalitäten
Fotos: Stefan Straube




                        Tierischer Besuch                     Neuer „da Vinci“                        Er hat das „magische Auge“
                        Therapiehund Sunny besucht            Zweiter OP-Roboter geht                 Prof. Wittekind, Direktor des
                        Patienten auf Palliativstation        an der Uniklinik in Betrieb             Instituts für Pathologie, emeritiert
                                                    seite 4                                 seite 5                                 seite 6
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                           n   Der Augenblick

                           Der Neue ist da
    Foto: Stefan Straube




                           Maria Ziebarth (r.) und Natalija Filimonova, beide Mitarbeiterinnen im OP-Manage-                                    einmal an der Konsole zu sitzen und die Rolle des operierenden Arztes einzunehmen.
                           ment des UKL, ließen sich vor kurzem in einen neuen OP-Roboter „da Vinci“ einwei-                                    Ein „da Vinci“ kommt am UKL schon seit vielen Jahren zum Einsatz – unter anderem
                           sen. Während einer Operation sind sie unter anderem dafür zuständig, die Werkzeuge                                   in der Urologie, der Gynäkologie, Viszeralchirurgie und jetzt auch in der Thoraxchir-
                           des Roboters bei Bedarf zu wechseln. Die Schulung gab ihnen die Möglichkeit, auch                                    urgie.




Herzgesundheit im Fokus
Nächste Veranstaltung der Vortragsreihe„Medizin für Jedermann“ am 10. April
                                                              n Was hält ein Herz jung? Was
                                                              sind die risikofaktoren für eine
n     iMPressuM                                               Herzalterung? Welche Medika-
                                                              mente sind bei älteren Men-
                                                              schen sinnvoll? Diese und an-
                                                              dere Fragen rund um die
        liebigstraße aktuell                                  Herzgesundheit wird Prof. Dr.
        Das gesundheitsmagazin des                            ulrich laufs, Direktor der klinik
        universitätsklinikums leipzig                         und Poliklinik für kardiologie
        Herausgeber:                                          am universitätsklinikum leip-
        Universitätsklinikum Leipzig                          zig, innerhalb der traditionsrei-
        Der Vorstand
                                                                                                       Foto: Stefan Straube




        Liebigstraße 18                                       chen Vortragsreihe„Medizin für
        04103 Leipzig                                         Jedermann“ am 10. April beant-
        Telefon:                  (0341) 97 109               worten.
        Telefax:                  (0341) 97 15 909
        E-Mail: redaktion@uniklinik-leipzig.de                „Die Herzgesundheit ist die Sum-
        Redaktion:                                            me aus positiven und negativen
        Helena Reinhardt (v.i.S.d.P.),                        Faktoren“, so der Leipziger Kardio-
        Ines Christ
        (Unternehmenskommunikation UKL).
                                                              loge. „Damit meine ich nicht nur                                Gut gefüllt ist in der Regel der Hörsaal von Haus 4 zu den Veranstaltungen der Reihe „Medizin für Jedermann“.
        Frank Schmiedel (Projektleiter LVZ).                  die genetischen Voraussetzungen
        Universitätsklinikum Leipzig,                         des einzelnen Menschen, sondern                                 netische Voraussetzungen mit-           Herzmuskel wird steif und               und kräftiges Herz tun kann und
        14. Jahrgang                                          auch seinen Lebensstil. All das                                 bringt, kann er doch mit einem          schwach? „Je älter der Mensch, des-     kritisch diskutieren, ob und wann
                                                              wirkt zusammen. Wenn ein Mensch                                 zerstörerischen Lebensstil alles ka-    to mehr schlägt sich sein Lebensstil    Medikamente nötig sind.
        In Kooperation mit der Redaktion der
                                                              also nicht ganz so optimale geneti-                             putt machen.“                           nieder“, so Prof. Laufs. „Das Herz                           Uwe Niemann
        LEIPZIGER VoLKSZEITUNG.                               sche Voraussetzungen hat, kann er                               Der Fachmann kann gut erkennen,         altern lässt vor allem Nikotinmiss-
        Druck:                                                doch mit seinem Lebensstil – bei-                               ob ein Herz noch fit geblieben          brauch, ein unbehandelter hoher         Medizin für Jedermann
        Leipziger Verlags- und                                spielsweise nicht rauchen und                                   oder ob es stark gealtert ist: Zeigt    Blutdruck und das Nachlassen von        Thema: Gesundes Herz
        Druckereigesellschaft mbH & Co. KG,                   sportlich aktiv sein – vieles ausglei-                          es sich gut durchblutet und kräf-       körperlicher Aktivität.“ Deshalb        bis ins hohe Alter
        Peterssteinweg 19,
        04107 Leipzig                                         chen. Andersherum gilt aber leider:                             tig? Ist es krankhaft vergrößert?       wird er vor allem deutlich machen,      10. April, 18.15 bis 19.30 Uhr
                                                              Selbst wenn ein Mensch beste ge-                                Oder verkalken die Gefäße und der       was jeder selbst für ein gesundes       Liebigstraße 20, Hörsaal im Haus 4



LIEBIGSTRASSE AKTUELL                                |
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Bundespräsident Steinmeier besucht das UKL
als Ort eines gelingenden Miteinanders
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen und Nationen berichteten am 26. März aus ihrem Alltag
n Am 26. März besuchte Bundesprä-                                                                                                                                          im 2. Jahr, bei der Gesprächsrunde mit
sident Frank-Walter Steinmeier mit                                                                                                                                         dem Bundespräsidenten zusammen. Sie
seiner Frau Elke Büdenbender im Rah-                                                                                                                                       hat ein Projekt initiiert unter dem Motto
men ihrer Leipzig-Reise unter dem                                                                                                                                          „Wir sind bunt“, bei dem am 22. Juni die-
Motto „Zusammenleben im Einwan-                                                                                                                                            ses Jahres sich die verschiedenen Men-
derungsland Deutschland – Chancen                                                                                                                                          schen, die am UKL tätig sind, außerhalb
und Probleme im multinationalen Ar-                                                                                                                                        ihres Arbeitsalltags begegnen und von ih-
beitsumfeld“ das Universitätsklini-                                                                                                                                        ren Erfahrungen berichten sollen.
kum Leipzig (UKL).                                                                                                                                                         Einen weiteren Aspekt der Zuwanderung
                                                                                                                                                                           erleben die UKL-Beschäftigten täglich
Das UKL steht dabei gemeinsam mit der                                                                                                                                      auch an anderer Stelle: In den Ambulan-
Medizinischen Fakultät der Universität                                                                                                                                     zen und Kliniken sind heute immer häufi-
Leipzig für ein Beispiel gelingenden Mit-                                                                                                                                  ger Patientinnen und Patienten anzutref-
einanders: Hier arbeiten Menschen aus 60                                                                                                                                   fen, deren Muttersprache nicht deutsch
Nationen zusammen in Krankenversor-                                                                                                                                        ist. Das bringt Herausforderungen für
gung, Forschung und Lehre. In den Klini-                                                                                                                                   Ärzte und Pflegende mit sich. Zum einen
ken und Ambulanzen werden Patienten                                                                                                                                        aufgrund der nach wie vor existierenden
unterschiedlichster Herkunft und Natio-                                                                                                                                    Sprachbarriere, aber zum anderen auch,
nalität behandelt. Über diese Erfahrungen                                                                                                                                  weil die Patienten beispielweise an in
tauschte sich der Bundespräsident in einer                                                                                                                                 Deutschland seltenen angeborenen Er-
Gesprächsrunde im Justus von Liebig-                                                                                                                                       krankungen leiden. Dazu konnten Prof.
Raum aus. Hier traf er mit Ärzten, Pfle-                                                                                                                                   Holger Stepan für die Geburtsmedizin
genden und Angehörigen anderer Berufs-                                                                                                                                     und Prof. Wieland Kiess für die Kinderkli-
gruppen zusammen, um sowohl vom                                                                                                                                            nik berichten. In beiden Kliniken ist die
Arbeitsalltag im UKL als auch von ihren                                                                                                                                    Zahl der ausländischen Patienten in den
persönlichen Lebenswegen zu erfahren.                                                                                                                                      letzten Jahren überdurchschnittlich ange-
Im Anschluss setzte der Bundespräsident                                                                                                                                    stiegen. Als größte Herausforderung im
seinen Austausch in der Kantine von Haus                                                                                                                                   Alltag bezeichneten beide – wie übrigens
7 fort.                                                                                                                                                                    unisono auch alle anderen Teilnehmer am
„Das Universitätsklinikum Leipzig ist ein                                                                                                                                  Gespräch – die Sprachbarriere. Diese sei
Beweis, wie es gelingen kann, durch an-                                                                                                                                    ein Hindernis für eine gute Versorgung
spruchsvolle Arbeit den Menschen, die                                                                                                                                      der Patienten, aber auch für eine gelin-
von außen gekommen sind, das Ankom-                                                                                                                                        gende Integration im Arbeitsalltag. Je bes-
men zu ermöglichen. Viele derjenigen mit                                                                                                                                   ser jemand die deutsche Sprache beherr-
                                             Fotos: Stefan Straube




ganz unterschiedlichem Hintergrund aus                                                                                                                                     sche, um so einfacher gestalte sich das
Vietnam, Nordafrika oder anderen euro-                                                                                                                                     Ankommen und das Zusammenarbeiten.
päischen Ländern haben mir gesagt, Leip-                                                                                                                                   Wie das konkret aussieht, darum ging es
zig sei zu ihrer zweiten Heimat geworden,                                                                                                                                  auch beim anschließenden Mittagessen
und ich glaube, das ist ein Beleg dafür,                                                                                                                                   im neuen vegetarischen Bistro im Haus 7,
dass Integration hier in diesem Klinikum                                                                                                                                   bei dem weitere Mitarbeiterinnen und
funktioniert“, sagte der Bundespräsident                                                                                                                                   Mitarbeiter zu der Runde dazukamen.
nach der Gesprächsrunde vor der Presse.                              Herzlich willkommen am UKL: Prof. Michael Stumvoll, kommissarischer Medizinischer Vorstand, begrüßt   Insgesamt verbrachte der Bundespräsi-
„Wir sind sehr stolz auf diese Möglich-                              Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender an der Liebigstraße.          dent mit seiner Frau zwei Stunden am
keit, über unsere Erfahrungen und unsere                                                                                                                                   UKL, angefüllt mit vielen angeregten Un-
Arbeit berichten zu können“, sagte Prof.                             Denn inzwischen richten Kliniken den               Medizinischen Berufsfachschule selbst              terhaltungen.
Michael Stumvoll, kommissarischer Me-                                Blick auch bei der Suche nach Pflegekräf-          ausbilden zu können und auf diese Weise            „Wir freuen uns sehr darüber, dass sich
dizinischer Vorstand des UKL. „Als Uni-                              ten ins Ausland. Das UKL hat hier bereits          jedes Jahr viele neue Kolleginnen und              der Bundespräsident für unsere Arbeit
versitätsmedizin beschäftigt uns das The-                            vor Jahren erste gute Erfahrungen mit              Kollegen zu gewinnen“, ergänzt Stumvoll.           und unsere Themen interessiert hat und
ma Zuwanderung in mehrerer Hinsicht,                                 OP-Pflegekräften aus Lettland gemacht.             Dort lernen zudem inzwischen auch zu-              hoffen, dass für ihn der Besuch anregend
vor allem aber mit Blick auf die Chancen,                            Aktuell werden weitere Möglichkeiten der           nehmend Schülerinnen und Schüler                   und bereichernd gewesen ist und er für
die sich daraus für die Fachkräftegewin-                             Gewinnung von Schwestern und Pfle-                 nicht-deutscher Nationalität, was die              seine Arbeit hilfreiche Informationen
nung ergeben, sowohl bei Ärzten und                                  gern jenseits der Grenzen geprüft. „Dabei          Vielfalt im UKL ergänzt und bereichert.            mitnehmen konnte“, resümmiert Prof.
Wissenschaftlern als auch bei anderen                                sind wir in der sehr komfortablen Lage,            Stellvertretend für diese traf Fabienne            Michael Stumvoll.
Berufen“, so Stumvoll.                                               unseren Nachwuchs in unserer großen                Münchenhagen, Krankenpflegeschülerin                                         Helena Reinhardt




Bundespräsident Steinmeier und seine Frau hören den Teilnehmern der Gesprächsrunde aufmerk-                              Weißer Kittel statt Schlips und Anzug: Etliche Teilnehmer kamen in ihrer Dienstkleidung zum Ge-
sam zu.                                                                                                                  spräch – ein ausdrücklicher Wunsch des deutschen Staatsoberhauptes.



                                                                                                                                                                                      |   LIEBIGSTRASSE AKTUELL
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„Sunny“ lässt die Schmerzen vergessen
Therapiehund besucht Patienten auf UKL-Palliativstation
n Seit einigen Wochen ist auf der Pal-
liativstation des Universitätsklini-
kums Leipzig hin und wieder ein neu-
er Mitarbeiter tätig. Er heißt Sunny,
hat vier Pfoten, weiches Fell und ist
ausgebildeter Therapiehund. Ge-
meinsam mit seiner Besitzerin Danie-
la Trambowsky besucht er ein bis zwei
Mal im Monat die Patienten auf Stati-
on und sorgt für Momente der Leich-
tigkeit und Freude.

Daniela Trambowsky arbeitet selbst als
Schwester auf der Palliativstation UCC-1
am UKL. Die Besuche mit ihrem sechsjähri-
gen Golden Retriever finden ausschließlich
in ihrer Freizeit statt. Nach Hundeführer-
schein und Begleithundeprüfung hat Sunny
auch eine Ausbildung zum Besuchshund
absolviert.
Schwester Daniela ging dafür mit dem Rü-
den zu einer Leipziger Trainerin, die sich auf
die Ausbildung von Therapie- oder Begleit-
hunden spezialisiert hat. Die Expertin testete
Sunnys Wesen. Sie prüfte, ob er gehorsam ist
                                                 Foto: privat




oder vielleicht schreckhaft, ob er nett zu
Menschen ist oder Angst vor Rollstühlen
zeigt, und anderes. „Mein Hund bekam bei-
spielsweise gezeigt, wie man eine Beziehung
zum Patienten aufbaut, wie sie ihm Leckerlis                Zusammen mit seiner Halterin Daniela Trambowsky (l.) besucht Therapiehund Sunny schwerkranke Patienten der Palliativstation des UKL auf ih-
geben dürfen und wie man neben einem                        ren Zimmern und sorgt für Momente der Freude. Der Patient auf diesem Foto ist in der Zwischenzeit leider bereits verstorben.
Rollstuhl mitläuft“, erläutert Schwester Da-
niela. Nach sechs Monaten Ausbildung ging                   gen für das Konzept des „Besuchsdienstes“:                     Besuch empfangen können Patienten, die in           Die Teilnahme eines Patienten am Besuchs-
es Anfang des Jahres los.                                   Der Hund, der normalerweise im Haushalt                        Isolationszimmern liegen. Dort darf Sunny           programm verordnen entweder die behan-
Der Einsatz von Haus- und Nutztieren zur                    lebt, kommt mit seiner Halterin stunden-                       nicht hinein.                                       delnden Ärzte oder der Wunsch ergibt sich
Begleitung Schwerkranker und Sterbender                     weise zu Besuch.                                               Daniela Trambowsky spricht vor den Besu-            aus den Alltagsgesprächen. Der eine oder
und ihrer Angehörigen ist auf Palliativstati-               Für Sunnys Auftritte auf der Station in der                    chen mit den Patienten, ob nicht doch jemand        andere brauche manchmal erst etwas Ermu-
onen bereits gängige Praxis. Häufig sind es                 Semmelweisstraße gelten verständlicherweise                    Angst vor Hunden habe. Zwischen fünf Mi-            tigung, so Daniela Trambowsky. Doch die
Hunde. Wenn die Sprache beeinträchtigt                      strenge hygienische Vorschriften. Zusammen                     nuten und einer halben Stunde hält sich Sun-        bisherigen Erfahrungen seien sehr positiv
oder jemand durch eine demenzielle Er-                      mit dem Institut für Hygiene, Krankenhaus-                     ny in der Regel am Bett eines Patienten auf.        gewesen. „Ein Patient sprach noch lange von
krankung verwirrt ist, ziehen sich die Be-                  hygiene und Umweltmedizin am UKL wur-                          Der Golden Retriever darf gestreichelt werden       dem Tag, als er mit Sunny spazieren war. Ei-
troffenen oft in sich selbst zurück. Besuchs-               den klare Regelungen geschaffen: „Vor jedem                    oder „Leckerlis“ bekommen. Seine Halterin           nen anderen hatte ich noch nie so lächeln
hunde erreichen diese Menschen auf einer                    Besuch wird Sunny auf sauberes Fell und auf                    ist immer dabei. Erlaubt es der Gesundheits-        gesehen“, berichtet sie. „Sie vergessen für ei-
Ebene ohne Worte. Auf diese Weise können                    Zecken und Flöhe untersucht. Natürlich muss                    zustand des Patienten, gehen sie zusammen           nen Moment ihre Schmerzen und können
sie selbst Schwerkranken aus ihrer inneren                  er regelmäßig geimpft und entwurmt wer-                        auch bis zu einer Stunde lang im Innenhof           auch mal loslassen.“ Auch spüre sie eine grö-
Isolation heraushelfen. Solch ein Tier kann                 den“, erläutert Schwester Daniela. Außerdem                    der Klinik spazieren. „Länger geht eigentlich       ßere Leichtigkeit in ihrem eigenen Team:
dann sogar direkt auf der Station leben. Die                muss er bei schlechtem Wetter Überzieher auf                   nicht, auch für meinen Hund ist das alles sehr      „Alle freuen sich, wenn Sunny da ist.“
UKL-Palliativstation entschied sich hinge-                  den Pfoten tragen. Leider keinen tierischen                    anstrengend“, meint Schwester Daniela.                                                Markus Bien




50 000 Euro für die UKL-Geburtsmedizin
Leipziger Unternehmer übergibt Scheck
n Im März konnte                – am UKL wurde ihre
sich das Team der Ge-           Tochter     entbunden.
burtsmedizin      über          Nun bedanken sich die
eine große Spende               zufriedenen Eltern mit
freuen: Der Leipziger           dieser     großzügigen
Immobilienunterneh-             Spende. „Das freut uns
mer Michael Klem-               natürlich sehr,“ sagt
mer, Chef und Inha-             dazu Prof. Holger Ste-
ber der VICUS AG,               pan, Direktor der Ge-
überreichte gemein-             burtsmedizin.       „Das
sam mit seiner Frau             Geld fließt jetzt in die
Lucille Kristiansen ei-         Ausstattung      unseres
nen Scheck über                 Kreißsaals und unserer
50 000 Euro.                    geburtsmedizinischen
                                Station – auf diese Wei-
Die Summe stammt aus            se können wir einige
                                                                   Foto: privat




einer privaten Samm-            besondere Extras an-
lung, die das Paar zu           schaffen, die den Auf-
Gunsten der UKL-Ge-             enthalt noch angeneh-
burtsmedizin initiiert          mer machen sollen.“
hat. Der Hintergrund                                  hr                          50 000 Euro spendeten Unternehmer Michael Klemmer (r.) und seine Frau Lucille Kristiansen (5.v.l.) an Prof. Holger Stepan (M.) und Team.



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Interdisziplinäre Nutzung nimmt zu: Zweiter
„da Vinci“-Operationsroboter geht in Betrieb
Tausende Patienten seit 2011 erfolgreich mit Vorgängermodell behandelt / Investition von drei Millionen Euro
n Den Ärzten des Universitätsklinikums
Leipzig (UKL) steht ab sofort ein zweiter„da
Vinci“-Operationsroboter für komplexe
operative Eingriffe zur Verfügung. Mit dem
Großgerät der neuesten Generation
(„Xi-Serie“) arbeiten Urologen, Chirurgen
und Gynäkologen. Investiert wurden rund
drei Millionen Euro, finanziert vom Sächsi-
schen Staatsministerium für Wissenschaft
und Kunst. Die erste Operation mit dem
neuen„da Vinci“ führte Prof. Jens-Uwe Stol-
zenburg durch, der Erfahrenste unter den
Nutzern des OP-Roboters am UKL.

„Diese neue Generation des ‚da Vinci‘ bietet
noch mehr Vorteile gegenüber dem hervorra-
genden und bereits gut etablierten Vorgänger“,
betont Prof. Stolzenburg. Das UKL gehe damit
einen konsequenten Schritt weiter in die Rich-
tung des geplanten Zentrums für roboter-assis-
tierte Chirurgie, in dem Urologen, Chirurgen
und Gynäkologen jeweils am „da Vinci“ operie-
ren würden, sagt der Direktor der Klinik und
Poliklinik für Urologie.
„Wir arbeiten bereits seit 2011 mit dem OP-
Roboter, mehrere tausend Patienten sind
seitdem erfolgreich damit operiert worden.
Aufbauend auf diesen guten Erfahrungen                                       Prof. Jens-Uwe Stolzenburg arbeitet seit vielen Jahren mit dem Operationsroboter und führte auch die erste Anwendung mit dem neuen Gerät durch.
setzen wir unseren Weg fort“, so Prof. Stol-
zenburg. Perspektivisch sieht er sogar die                                   Die Assistenz des Robotersystems führt die         rückkehren. Zusätzlich besitzt der „da Vinci        der Operation einer adipösen Patientin gelang
Notwendigkeit eines dritten Gerätes, um dem                                  minimal-invasive Chirurgie zu höchster Präzi-      Xi“ nun zwei Konsolen. Die zusätzliche Kon-         es Prof. Bahriye Aktas, Direktorin der Klinik
steigenden Bedarf gerecht zu werden: „Die                                    sion. Durch die geringe Größe der Eintritts-       sole kann zu Ausbildungszwecken genutzt             und Poliklinik für Frauenheilkunde, mit Robo-
Zahl und das Spektrum der Patienten, die für                                 stellen sinkt die operationsbedingte Infekti-      werden. Auch ein Simulatorprogramm steht            terunterstützung einen 3500 Gramm schweren
eine roboter-assistierte Behandlung in Frage                                 onsgefahr. Weitere Vorteile bestehen in der        nun zur Verfügung.                                  Uterus minimal-invasiv zu entfernen. Norma-
kommen, erweitert sich, auch weil mit der                                    3D-Sicht für den Operateur und der großen          Nach dem Premiereneinsatz des neuen Gerätes         lerweise wiegt eine Gebärmutter unter 100
Zahl der beteiligten Fachgebiete zudem die                                   Beweglichkeit aller Instrumente. Durch die         in der UKL-Urologie leistete der „da Vinci“ an-     Gramm. Ohne dieses moderne technische Hilfs-
Interdisziplinarität steigt“, so der Klinikdi-                               schonende OP-Methode erholt sich der Patient       schließend auch in der Gynäkologie des Univer-      mittel hätte der Bauch dafür weit bis zum Rip-
rektor der UKL-Urologie.                                                     rascher und kann schneller in den Alltag zu-       sitätsklinikums Leipzig wertvolle Dienste. Bei      penbogen geöffnet werden müssen.          MB




Erfolgreiche Premiere für „da Vinci“
in der UKL-Thoraxchirurgie
Operationsroboter bei Entfernung einer Thymusdrüse eingesetzt
n Am Universitätsklinikum Leipzig ist                                                                                                                                             Der Facharzt für Thoraxchirurgie führte die ers-
der Operationsroboter „da Vinci“ nun                                                                                                                                              te roboter-assistierte Thymektomie am UKL
auch erstmals erfolgreich in der Tho-                                                                                                                                             durch – unterstützt von Prof. Jens-Carsten Rück-
raxchirurgie bei einer Thymektomie                                                                                                                                                ert vom Universitätsklinikum Charité Berlin.
eingesetzt worden. Dem Patienten                                                                                                                                                  Der Einsatz eines Roboters bei einer Operation sei
wurde dabei die Thymusdrüse voll-                                                                                                                                                 jedoch kein Selbstzweck, sondern müsse sinnvoll
ständig entfernt. Bereits nach zwei Ta-                                                                                                                                           sein, sagt Dr. Broschewitz: „Die für uns entschei-
gen konnte der Leipziger nach Hause                                                                                                                                               dende Frage lautet: Hat der Patient einen Vorteil
entlassen werden. Für diesen Eingriff                                                                                                                                             von der Anwendung?“ Die Antwort auf diese Fra-
sei der Roboter ideal, sagt Dr. Johan-                                                                                                                                            ge ist positiv: „Wie präzise wir mit dem Roboter
nes Broschewitz von der Klinik und Po-                                                                                                                                            erkranktes Gewebe auf engstem Raum entfernen
liklinik für Viszeral-, Transplantations-,                                                                                                                                        können, ist beeindruckend“, erläutert der Thorax-
                                                     Fotos: Stefan Straube




Thorax- und Gefäßchirurgie am UKL.                                                                                                                                                chirurg, „darüber hinaus ist das Verfahren über
                                                                                                                                                                                  kleinste Hautschnitte durchführbar.“
Der Thymus oder die Thymusdrüse ist ein Or-                                                                                                                                       Lothar Senftleben, der Patient, habe sich hier-
gan des lymphatischen Systems und wichtiger                                                                                                                                       durch erfreulich schnell von dem minimal-invasi-
Teil des Immunsystems. Sie befindet sich ober-                                                                                                                                    ven Eingriff erholt. „Die Thymektomie mit dem
halb des Herzens im sogenannten vorderen Mit-                                                                                                                                     Roboter ist radikal und schonend zugleich. Auf-
telfell und ist nur in der Kindheit und Jugendzeit                                                                                                                                grund der positiven Erfahrungen freuen wir uns,
aktiv. Später wird sie mehr und mehr durch                                   Bei Lothar Senftleben (r.) musste die Thymusdrüse vollständig entfernt werden. Der Eingriff war      diese am UKL standardmäßig für unsere Patien-
funktionsloses Fettgewebe ersetzt. Der Thymus                                zugleich der erste Einsatz des „da Vinci“-Operationsroboters in der Thoraxchirurgie des UKL.         ten anbieten zu können“, resümiert Prof. Uwe
kann jedoch auch Tumore bilden oder zur Funk-                                Dr. Johannes Broschewitz (l.) führte die OP durch – assistiert von einem im Umgang mit dem           Eichfeld, Leiter des Bereichs Thoraxchirurgie.
tionsstörung von Muskeln führen. „Veränderun-                                Roboter erfahrenen ärztlichen Kollegen der Berliner Charité.                                         Am UKL wird der „da Vinci“-Operationsrobo-
gen des Thymus sind nicht selten Zufallsentde-                                                                                                                                    ter seit mehreren Jahren vor allem in der Urolo-
ckungen“, bestätigt Dr. Broschewitz, „obwohl sie                       hervorrufen, würden sie ohne Entdeckung und            che, die so genannte Myasthenia gravis, verursa-    gie, nun auch verstärkt in der Viszeralchirurgie
häufig keine Beschwerden bei den Betroffenen                           Entfernung weiterwachsen oder Muskelschwä-             chen.“                                              und Gynäkologie, eingesetzt.         Markus Bien



                                                                                                                                                                                               |   LIEBIGSTRASSE AKTUELL
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seite 6




Standardisierte Diagnostik
und das magische Auge
Prof. Dr. Christian Wittekind, Direktor des instituts für Pathologie, ist in den ruhestand gekommen
n „Die Pathologen des Jahres 1996
waren in der Regel noch Wesen, die
im Studierzimmer ihre Diagnosen
am Mikroskop stellten und sich we-
nig dafür interessierten, was der be-
handelnde Arzt mit den Diagnosen
anfangen konnte“, blickt Prof. Dr.
Christian Wittekind, ehemaliger Di-
rektor des Instituts für Pathologie,
zurück. „Das sieht heute, 23 Jahre
später, ganz anders aus. Da ist der
Pathologe eingebunden in die klini-
sche Tätigkeit und muss wissen, wie
er Therapieentscheidungen beein-
flusst.“

Das Jahr 1996 nennt Prof. Wittekind als
willkürliches Beispiel. Aber dieses Da-
tum ist für ihn ein einschneidendes.
Denn in jenem Jahr kam er nach Leip-
zig. Vorerst allein, seine Frau blieb noch   xxxxxxxxxx
in der Wahlheimat Erlangen, damit die
ältesten seiner vier Kinder noch die
Schule beenden konnten. Erst zwei Jah-
re später vereinigte sich die Familie.
Und in der sächsischen Metropole hatte
dann auch Frau Dr. Wittekind die Mög-
lichkeit, Karriere zu machen.
„Mit 39 Jahren hatte ich 1990 nach be-
ruflichen Stationen in Freiburg im
Breisgau und Hannover die selbststän-
dige Abteilung Pathologie am Universi-
tätsklinikum Erlangen übernommen“,
erzählt der 67-Jährige. „Dort wurde es
aber immer schwerer, die eigenen An-
sprüche und die eigene Entwicklung in        23 Jahre lang leitete Prof. Christian Wittekind das Institut für Pathologie. Über die Jahre veränderte sich die Tätigkeit von Pathologen stark: Sie sind
der Pathologie fortzuschreiben. Ich          heute viel stärker klinisch eingebunden.                                                                                          Foto: Stefan Straube
wurde auf die Stelle in Leipzig aufmerk-
sam gemacht, bewarb mich und wurde           achtet, sind es heute mehr als 60 000.              Ausbildung für die Studenten so zu ge-               durch behalte, für meinen Beruf. Und
am 30. Mai 1996 vom damaligen Rektor         Als Prof. Wittekind kam, wurden im                  stalten, dass sie erkennen, wie wichtig              der macht mir auch heute noch große
der Universität Leipzig Cornelius Weiss      Jahr zwölf Demonstrationen der Befun-               die Pathologie in ihrem späteren beruf-              Freude.“
vereidigt. Der Rektor machte mir die         de verstorbener Patienten vorgenom-                 lichen Werdegang ist. „100 Prozent aller             Eine weitgehend standardisierte Diag-
Bedeutsamkeit dieses Datums für Leip-        men. Heute finden Tumorboards und                   Krebsdiagnosen werden durch Patholo-                 nostik hat Prof. Wittekind etabliert. Da-
zig deutlich: An einem 30. Mai wurde         Fallbesprechungen, die lebende Patien-              gen gestellt“, verdeutlicht Prof. Witte-             mit ist in 95 Prozent der Fälle genau
die Paulinerkirche, die Kirche der Uni-      ten betreffen, etwa 650 Mal pro Jahr                kind. „Aber leider ist es mir nicht immer            auszumachen: Ist das nun Krebs oder
versität Leipzig, dem Erdboden gleich        statt. „Wir haben heute einen guten Ruf.            gelungen, die Wertigkeit meines Faches               nicht? „Bei den schwierigen Diagnosen
gemacht. Und zwar nicht im Krieg, son-       Das Institut steht für Qualität und für             für die gesamte Medizin zu vermitteln.               braucht der gute Pathologe aber das
dern 1968 durch eine Sprengung als           Hilfsbereitschaft – besonders in Fällen,            Viele haben erst in der praktischen Ar-              magische Auge. Das ist eigentlich ein
symbolischer Akt. Damit wurde ich ein-       bei denen andere nicht weiterkommen.                beit gelernt, welche bedeutende Rolle                morphologisches Gedächtnis, bei dem
gestimmt auf meine Tätigkeit und auf         Das gilt nicht nur für Sachsen, sondern             die Pathologie spielt.“                              mit den Jahren Bilder von Tausenden
mein Leben in Leipzig.“ Er hatte ja          deutschlandweit“, betont Prof. Witte-               Pathologe ist er übrigens geworden, weil             Gewebeproben im Hirn gespeichert
schon gehört und gelesen, dass Leipzig       kind.                                               ihn immer mehr interessierte, warum                  sind und bei jedem schwierigen Fall
eine Kulturstadt ist. Aber erst vor Ort      Der Anfang des neuen Chefs am Institut              etwas schief geht, und nicht, warum et-              dann abgerufen werden können. Ich bin
merkte er, wie viel geschichtliche Ent-      war nicht einfach – für beide Seiten.               was gut gegangen ist. „Mit dieser Her-               froh, dass das bei mir doch recht gut
wicklungen aus Leipzig und Sachsen           Immerhin haben es die Mitarbeiter mit               angehensweise kommt man dem Fehler,                  funktioniert.“
hervorgegangen sind.                         Haltung getragen, dass ihnen deutlich               also im Extremfall dem Tod, am besten                Die Tumorklassifikation gehörte zu sei-
Mitte der neunziger Jahre war die Stadt      gesagt wurde, dass Arbeitsproduktivität             auf die Spur“, erklärt er. „Zudem ist die            nen Forschungsschwerpunkten und zu
noch im Umbruch, ebenso wie das Uni-         kein theoretischer Unsinn aus den ver-              Pathologie am besten geeignet, die Ge-               denen des Instituts. „Leider hatte ich
versitätsklinikum. Und gerade das hat        gangenen Zeiten der DDR ist, sondern                samtheit der Medizin im Auge zu behal-               immer weniger Personal für die For-
Prof. Wittekind gereizt: „Ich hatte hier     nun praktische Realität werden muss.                ten. Auch das war eines meiner Ziele.“               schung. Um die Relationen zu verdeut-
die Möglichkeit eines Neuaufbaus. Das        Prof. Wittekind war und ist kantig und              Natürlich steht auch für einen Patholo-              lichen: Einst gab es am Institut einen
wäre in den gestandenen Universitäts-        unbequem, aber nie zum Selbstzweck.                 gen der Patient im Mittelpunkt. Gerade               Lehrstuhl und fünf C3-Professuren,
klinika im Westen nicht möglich gewe-        „Ich hatte die Idee, wie ein Institut zu            durch die Ausprägung der klinischen                  heute sind es ein Lehrstuhl und eine
sen. Dort lief alles gut, aber wehe, man     laufen hat. Ich hatte aber nicht die Idee,          Arbeit durch den Institutsdirektor.                  C3-Professur, die nicht einmal besetzt
wollte etwas ändern. In Leipzig gab es       ob das Institut autoritär oder liberal ge-          „Aber mit meinen morphologischen Fä-                 ist. Da sind durchschlagende For-
gute Gründe für Änderungen.“ Zudem           führt werden muss“, sagt er rückbli-                higkeiten kann ich mehr für den Patien-              schungsergebnisse natürlich schwer zu
lockte natürlich auch die Größe des Ins-     ckend. „Mein Leitbild war simpel: Alle              ten erreichen als mit meinen kommuni-                erreichen.“
tituts für Pathologie. In Erlangen hatte     arbeiten fleißig und gut, weil das Spaß             kativen Fähigkeiten“, lächelt Prof.                  Der Tumorklassifikation wird sich Prof.
Prof. Wittekind zehn Mitarbeiter, in         macht. Wenn ich aber den Eindruck                   Wittekind. „Die direkte Arbeit am Pati-              Wittekind aber auch nach seiner Emeri-
Leipzig 60.                                  hatte, dass mein Leitbild verwässert                enten kostet Kraft, und ich ziehe mei-               tierung widmen. Und das in Zusam-
Sein Anspruch als neuer Chef in der          wurde, und eben nicht alle fleißig und              nen Hut vor den Kollegen, die das tag-               menarbeit mit vielen Kollegen bei der
Messestadt war, das Institut für Patho-      gut arbeiten, dann wurde ich sicher                 ein tagaus leisten. Ich muss keinem                  Union for International Cancer Control
logie auf eine optimale Krankenversor-       auch autoritär. Ansonsten glaube ich,               vermitteln, dass er bald stirbt. Ich muss            (UICC), also der Internationalen Verei-
gung, Forschung und Lehre auszurich-         dass ich das Institut liberal führte und            nicht immer wieder die Grundlagen der                nigung, die sich der Erforschung, Prä-
ten. Wurden im Institut 1996 etwa            jeden Mitarbeiter förderte.“                        ärztlichen Arbeit und der Medizin er-                vention und Behandlung von Krebser-
18 000 Gewebeproben im Jahr begut-           Sein Anspruch an die Lehre war, die                 läutern. Ich nutze die Kraft, die ich da-            krankungen widmet.        Uwe Niemann



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SEITE 7




Nahrungsergänzungsmittel helfen nicht,
einer Depression vorzubeugen
Studie untersuchte mehr als 1000 Teilnehmer aus vier europäischen Ländern
n Durch die tägliche Einnahme von
Nahrungsergänzungsmitteln        kann
man einer Depression nicht vorbeu-
gen. Das ist das Hauptergebnis der
MooDFOOD-Studie, die aktuell größte
randomisierte kontrollierte Studie, die
die präventive Wirkung von Nahrungs-
ergänzungsmitteln und einer psycho-
logischen Beratung zu gesunder Er-
nährung     und    Lebensweise      auf
Depression untersucht hat. An der Un-
tersuchung waren Forscher der Leipzi-
ger Universitätsmedizin zusammen mit
14 anderen Forschungseinrichtungen
aus Europa beteiligt. Die Hauptergeb-
nisse der MooDFOOD-Studie sind in
der aktuellen Ausgabe der renommier-
                                               Foto: MooDFOOD




ten Fachzeitschrift „Journal of the
American Medical Association“ (JAMA)
veröffentlicht.

An der Studie nahmen über 1000 überge-
wichtige oder adipöse Personen aus vier eu-
ropäischen Ländern teil. Sie hatten ein er-                Nahrungsergänzungsmittel helfen nicht, einer Depression vorzubeugen.
höhtes Risiko, an einer Depression zu
erkranken und berichteten zu Studienbe-                    über die Dauer von einem Jahr kann dem             Psychiatrie und Psychotherapie am Univer-      gänzungsmittel dazu eher ungeeignet sind.“
ginn über eine mindestens leichte depressive               Auftreten einer depressiven Episode in der         sitätsklinikum Leipzig und Vorstandsvorsit-    MooDFOOD wurde von der Europäischen
Symptomatik, aber keine Depression. Die                    untersuchten Stichprobe nicht vorbeugen;           zender der Stiftung Deutsche Depressions-      Kommission (7. Rahmenprogramm, grant
Studienteilnehmer wurden zufällig in Grup-                 Nahrungsergänzungsmittel wirken also               hilfe. „Depressionen sind schwere, oft         agreement: 613598) gefördert und wurde an
pen eingeteilt und nahmen entweder täglich                 nicht präventiv in Bezug auf Depression.           lebensbedrohliche Erkrankungen. Sie redu-      der Freien Universität in Amsterdam, Nie-
ein Nahrungsergänzungsmittel ein, das aus                  Die Nahrungsergänzungsmittel-Präparate             zieren die Lebenserwartung im Schnitt um       derlande, koordiniert. Insgesamt waren 14
Omega-3-Fettsäuren, Kalzium, Folsäure, Se-                 waren in der Studie nicht wirksamer als die        zehn Jahre. Wie bei jeder schweren Erkran-     Forschungseinrichtungen aus Europa an
len, Vitamin D und Zink bestand, oder ein                  Placebo-Präparate, in einigen Analysen so-         kung sollte man sich deshalb sowohl im Be-     dem Projekt beteiligt. Dabei war die Medizi-
Placebo-Präparat. Zudem erhielt die Hälfte                 gar schlechter. Für eine professionelle psy-       reich Vorsorge als auch in der Therapie auf    nische Fakultät der Universität Leipzig und
aller Studienteilnehmer eine professionelle                chologische Beratung zu gesunder Ernäh-            Methoden und Behandlungen mit nachge-          die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und
psychologische Beratung in Einzel- und                     rung und Lebensweise konnte in der                 wiesener Wirkung verlassen. Um den Ver-        Psychotherapie des Universitätsklinikums
Gruppensitzungen zu gesunder Ernährung                     Stichprobe ebenfalls keine präventive Wir-         lauf der Erkrankung zu beeinflussen, zählen    Leipzig unter Leitung von Prof. Dr. Ulrich
und Lebensweise, mit dem Ziel, ein gesün-                  kung nachgewiesen werden.“                         dazu medikamentöse Therapie und Psycho-        Hegerl eines der vier Studienzentren in Eu-
deres Ernährungsmuster zu etablieren.                      „Diese Ergebnisse sind für die Millionen de-       therapie, aber nicht Nahrungsergänzungs-       ropa.                    Katarina Werneburg
Dr. Elisabeth Kohls, die das Projekt an der                pressiv Erkrankter und auch die Allgemein-         mittel. Es ist verständlich, dass Menschen
Universität Leipzig koordinierte, erläutert                bevölkerung in Deutschland bedeutsam“,             nach Möglichkeiten suchen, das eigene Risi-
das Hauptergebnis der Studie: „Die tägliche                betont Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Koautor des        ko an einer Depression zu erkranken zu re-     Lesen Sie zum Thema Depression auch
Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln                     Artikels, ehemaliger Direktor der Klinik für       duzieren. Wir wissen jetzt, dass Nahrungser-   unseren Ratgeber auf Seite 14.




                                                                                                               Medizin ist unsere Berufung – werden Sie jetzt Teil unseres Teams als

                                                                                                               Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-in
                                                                                                               Vollzeit (Teilzeit möglich) · unbefristet · Vergütung nach Haustarif

                                                                                                               Unser überzeugendes Angebot
                                                                                                               • Eine intensive und strukturierte Einarbeitung von Anfang an bereitet Sie
                                                                                                                 optimal auf alles vor, was Sie an Ihrem neuen Arbeitsplatz erwartet.
                                                                                                               • Durch den 4-Monats-Dienstplan können Sie Arbeit und Freizeit langfristig planen.
                                                                                                               • Mit unserem Betrieblichen Gesundheitsmanagement und der arbeitgeber-
                                                                                                                 finanzierten Altersvorsorge denken wir an Ihre Zukunft.
                                                                                                               • Mit vielseitigen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten bleiben Sie immer
                                                                                                                 am Puls der Zeit.
                                                                                                               • Bei uns haben Sie eine langfristige berufliche Perspektive, die sich an Ihre
                                                                                                                 persönliche Lebenssituation anpassen lässt.
                                                                                                               • Darüber hinaus bieten wir Ihnen Kinderbetreuung, vergünstigte Speisen-
                                                                                                                 versorgung, ein rauschendes Mitarbeiterfest und vieles mehr.

                                                                                                               Wir freuen uns auf Sie!


                                                                                                               Sie wollen alles über unser Stellenangebot erfahren?
                                                                                                               Dann besuchen Sie unsere Website:


                                                                                                               www.uniklinikum-leipzig.de/stellenangebote




                                                                                                                                                                       |   LIEBIGSTRASSE AKTUELL
An diesem Klinikum funktioniert Integration
SEITE 8




        n Kalender



             Veranstaltungen und Ausstellungen am UKL
                     9. April                                                            10. April                            Marshall und Dr. Frank Striegler.
                                                                                                                              19 Uhr, Anatomie-Hörsaal




                                                                                                                                                                         Bild: Gabriel Machemer
        Wissenschaftskino                                                    Medizin für Jedermann                            Liebigstraße 13
        „Club der roten Bänder“                                              Prof. Ulrich Laufs, Direktor der Klinik für
                                                                             Kardiologie, informiert Patienten, Angehörige                 21. April
                                                                             sowie Interessierte zum Thema „Gesundes
                                                                             Herz bis ins hohe Alter“.                        25 Jahre Bayreuther Osterfestival
                                                                             18.15 – 19.30 Uhr                                Zum 25-jährigen Jubiläum spielt die In-
                                                                             Hörsaal, Liebigstraße 20, Haus 4                 ternationale Junge Orchesterakademie
                                                                                                                                                                                     ten ausgesucht. Neben den schönsten
                                                                                                                              – bestehend aus 100 Musikern aus über
                                                                                                                                                                                     Hasen sind außerdem Portraits von Kin-
                                                                                                                              40 Nationen – mit dem Dirigenten Mat-
                                                                             Mannschaftsärzte stellen sich vor                thias Foremny bekannte Stücke von Ri-
                                                                                                                                                                                     dern ausgestellt, die er innerhalb eines
                                                                                                                                                                                     Projekts zum Thema Waisenkinder für
                                                                                                                              chard Wagner und Anton Bruckner. Der
                                                                                                                                                                                     die Franckeschen Stifungen im Jahr 2013
                                                                                                                              Reinerlös des Konzertes geht zu gleichen
  Foto: pd




                                                                                                                                                                                     gezeichnet hat. Die Ausstellung ist bis 30.
                                                                                                                              Teilen an die Stiftung Kinderklinik und
                                                                                                                                                                                     April zu sehen.
                                                      Foto: Stefan Straube




                                                                                                                              Die JOBLINGE gAG Leipzig, mit der Ju-
                                                                                                                              gendliche und junge Erwachsene bei der                 Räume der Kinderradiologie
        Das Leben von sechs gewöhnlichen Teen-                                                                                Suche nach einem nachhaltigen Arbeits-                 Liebigstraße 20a, Haus 6
        agern ändert sich durch schwere Schick-                                                                               verhältnis      unterstützt      werden.
        salsschläge von heute auf morgen. Plötzlich                                                                           20 Uhr, Großer Saal,                                   Malerei in der
        bestimmen Untersuchungen, Diagnosen                                                                                   Gewandhaus Leipzig, Augustusplatz 8
        und Krankenhausalltag ihr Leben, was sie                                                                                                                                     Universitätszahnmedizin
        eines Tages im „Club der roten Bänder“                               Wie sieht der Alltag eines Mannschaftsarztes                                                            Die neue Ausstellung von der Künstlerin
        vereinen wird. Im Anschluss: Diskussion
        unter anderem mit Prof. Dr. Florian Lor-
                                                                             im Profisport aus? Welche typischen Verlet-
                                                                             zungen sind bei Hand- und Fußball zu erwar-
                                                                                                                                     Laufende                                        Marlet Heckhoff in den Räumen der Polikli-
                                                                                                                                                                                     nik für Zahnerhaltung und Parodontologie
        dick (UCCL) und Prof. Dr. Ulrike Köhl
        (Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und
                                                                             ten? Und wie wird man eigentlich Mann-
                                                                             schaftsarzt? Dies und viel mehr kommt am 10.
                                                                                                                                   Ausstellungen                                     entführt die Betrachter in futuristische Tie-
                                                                                                                                                                                     fen. Die Bilder zeigen ein Spiel mit Formen,
        Immunologie) sowie dem Regisseur des                                 April 2019 im Historischen Hörsaal der Ana-      Hasen und Nasen im Wartezimmer                         Farben und Dimensionen, die durch ver-
        Films Felix Binder zum Thema Krebsfor-                               tomie, Liebigstraße 13, zur Sprache. Mit dabei                                                          schiedene Maltechniken hervorgehoben
        schung und Krebsmedizin. Weitere Infor-                                                                               In den Räumen der Kinderradiologie gibt                werden. Die Ausstellung ist bis 30. April zu
                                                                             sind neben UKL-Prof. Pierre Hepp, Mann-
        mationen finden Sie auf Seite 12.                                                                                     es für Klein und Groß wieder einiges zu                sehen.
                                                                             schaftsarzt des Handball-Bundesligisten SC
                                                                                                                              entdecken. Der Künstler Gabriel Mache-
        19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum                                    DHfK Leipzig, auch die Mannschaftsärzte des                                                             Ebene 1 der Universitätszahnmedizin
                                                                                                                              mer hat aus seiner Sammlung von aber-
        Grimmaische Straße 6                                                 Fußball-Bundesligisten RB Leipzig: Dr. Robert                                                           Liebigstraße 12, Haus 1
                                                                                                                              tausenden Hasenzeichnungen die schöns-




Erstes Childhood-Haus in Deutschland
Modellprojekt zum Schutz von Kindern lädt Fachexperten zu Informationstag
n Im September 2018 wurde                                                                                                                                              aus. „Im Nachgang besteht die
am UKL das erste Childhood-                                                                                                                                            Gefahr, dass unsere Schutzbe-
Haus in Deutschland durch                                                                                                                                              fohlenen Verhaltensstörungen,
Königin Silvia von Schweden                                                                                                                                            Ängste und Depressionen ent-
eingeweiht. Das von der                                                                                                                                                wickeln, sich aus ihrem sozialen
Childhood-Foundation unter-                                                                                                                                            Umfeld zurückziehen oder an
stützte Modellprojekt für ei-                                                                                                                                          Beziehungsstörungen leiden“,
nen übergreifenden Kinder-                                                                                                                                             ergänzt Diplompsychologin Dr.
schutz       ist     zentrale                                                                                                                                          Petra Nickel, Leiterin der inter-
Anlaufstelle zur Betreuung                                                                                                                                             disziplinären      Kinderschutz-
von Kindern und Jugendli-                                                                                                                                              gruppe am UKL.
chen, die Opfer von Gewalt,                                                                                                                                            Das Anliegen aller an dem Pro-
Missbrauch oder Vernachläs-                                                                                                                                            jekt Beteiligten ist daher, den
sigung wurden. Die einzigar-                                                                                                                                           Kindern und Jugendlichen für
tige Einrichtung hat Ende                                                                                                                                              das weitere Leben so viel Nor-
März    Kooperationspartner                                                                                                                                            malität wie möglich zu gewähr-
und Experten zu einem Infor-                                                                                                                                           leisten. Dazu arbeiten unter
mationstag eingeladen, um                                                                                                                                              dem Dach des Childhood-Hau-
die Funktion und Arbeitswei-                                                                                                                                           ses die Mediziner verschiedener
se vorzustellen.                                                                                                                                                       Fachrichtungen eng zusammen
                                                                                                                                                                       mit dem Gericht, der Polizei
Mit der Einrichtung des ersten                                                                                                                                         und dem Jugendamt.
Childhood-Hauses am Universi-                                                                                                                                          Alle Kooperationspartner haben
tätsklinikum Leipzig wurde ein An der Uniklinik Leipzig befindet sich das erste Childhood-Haus Deutschlands. Das Kinderschutz-Modellprojekt ist eine zentrale Anlauf- ihre neuartige gemeinsame Ar-
bereits seit langem von Fachkräf- stelle zur Betreuung von Kindern und Jugendlichen, die Opfer von Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung wurden. Foto: S. Straube beit am 27. März einem Fach-
ten, Institutionen und Verbän-                                                                                                                                         publikum vorgestellt. Ziel war
den gefordertes Anliegen praktisch um-           beit zwischen Klinik, Polizei und Justiz             „Für die Minderjährigen, die hier betreut              es, die Arbeitsweise der Einrichtung ärzt-
gesetzt: Hier können in einem                    sollen dabei den Betroffenen Aussagen                werden, sind sowohl die körperlichen als               lichen Kollegen und Vertretern der betei-
geschützten Raum Kinder und Jugendli-            vor Gericht erspart werden. Daher ver-               auch die seelischen Folgen der Erlebnisse              ligten Institutionen sowie weiterer Ein-
che, die Gewalt oder Missbrauch erfah-           eint das Childhood-Haus Elemente einer               extrem belastend“, führt Dr. Matthias                  richtungen in Sachsen vorzustellen und
ren haben, kompetent und interdiszipli-          Klinik, wie Untersuchungsräume, mit                  Bernhard, Oberarzt an der UKL-Klinik                   zu vermitteln, wann und wie das Child-
när ambulant versorgt und betreut                denen eines Gerichts, wie Befragungs-                für Kinder- und Jugendmedizin und                      hood-Haus deren Arbeit unterstützen
werden. Durch die enge Zusammenar-               räumen.                                              ärztlicher Leiter des Childhood-Hauses,                kann.                    Helena Reinhardt



LIEBIGSTRASSE AKTUELL            |
An diesem Klinikum funktioniert Integration
SEITE 9




   n Blumenstrauss des monats


   Ein Dankeschön für Schwester Marie
                                                                                                                                   Der Blumenstrauß des Monats        hat. „Viele Patienten bedanken
                                                                                                                                   geht dieses mal in die Zentrale    sich ja direkt bei uns, aber so
                                                                                                                                   Notfallaufnahme des UKL: Ste-      im Nachhinein bekommen wir
                                                                                                                                   fanie Endres aus dem Leipziger     in der Notaufnahme doch eher
                                                                                                                                   Umland wollte sich damit be-       selten ein Dankeschön“, freute
                                                                                                                                   sonders bei Marie Pfeiffer aus     sich Schwester Marie, die seit
                                                                                                                                   der ZNA bedanken. „Im Januar       Anfang 2016 in der ZNA tätig
                                                                                                                                   musste ich in die Notaufnah-       ist.
                                                                                                                                   me, nachdem ich mich am El-
                                                                                                                                   lenbogen verletzt hatte“, be-      Mit dem „Blumenstrauß des Mo-
                                                                                                                                   schreibt sie ihr Erlebnis. „Dort   nats“ möchten wir Mitarbeite-
                                                                                                                                   waren alle sehr freundlich, aber   rinnen und Mitarbeitern der
                                                                                                                                   Schwester Marie ist mir ganz       Universitätsmedizin „Danke“ sa-
                                                                                                                                   besonders aufgefallen – sie hat    gen für ihre Arbeit und ihr Enga-
                                                                                                                                   sich ganz rührend um mich ge-      gement. Wenn Sie jemanden ken-
                                                                                                                                   kümmert und dafür gesorgt,         nen, der schon lange einen Blu-
                                                                                                                                   dass ich mich wohl gefühlt         menstrauß verdient hat, sagen
                                                                                                                                   habe“. Dafür bedankte sie sich     Sie es uns. Wir freuen uns auf
                                                                                                                                   nun mit einem Blumenstrauß         Ihre Vorschläge, bitte per Mail an
                                                                                                                                   – über den sich Marie Pfeiffer     redaktion@uniklinik-leipzig.de
                                                                                                                                   (r.), Anästhesietechnische As-     oder per Telefon unter 0341 –
                                                                                                                                   sistentin, zusammen mit der        97 15905.
                                                                                                                                   leitenden Schwester der ZNA,
                                                                                                                                   Oksana Kasch (l.), sehr gefreut    Das Team der „Liebigstraße aktuell“




„Die Medizin hat sich unglaublich entwickelt –
zu unserem Glück“
Simone Freude erhielt von ihrem Mann erst eine Niere und dann auch noch eine Teilleber
n Würden Sie sich für eine Organ-              schaft zieht, sondern auch die Leber.“                                                                         schrauber nach Leipzig ins Leberzentrum
transplantation entscheiden, wenn              Anfangs war medizinisch alles noch zu                                                                          am Universitätsklinikum verlegt worden.
diese Ihr Leben retten würde? Die              beherrschen, zweimal im Jahr wurde die                                                                         Dort kämpften die Mediziner mittels Dia-
Mehrheit beantwortet diese Frage               heute 52-Jährige untersucht. Sie gebar ei-                                                                     lyse gegen die Wassereinlagerungen in ih-
mit „Ja“. Dennoch sind nur 35 Prozent          nen gesunden Sohn. Doch 2013 wurde es                                                                          rem Körper. Am Anfang dieser Behand-
der deutschen Bevölkerung bereit,              prekär: Die Zysten verursachten heftige                                                                        lung wog sie 85 Kilogramm, am Ende 47
auch selbst ein Organ zu spenden.              Schmerzen, gegen die sogar Morphium                                                                            Kilogramm. Bei Andreas wurden – wie
Dieser Unterschied führt dazu, dass            eingesetzt werden musste. Die Ärzte ent-                                                                       schon bei der Nierenspende – viele Un-
den Transplanteuren weniger Organe             schieden sich, die am stärksten betroffene                                                                     tersuchungen vorgenommen, um sicher-
zur Verfügung stehen als benötigt.             Niere zu entfernen. Damit begann die                                                                           zustellen, dass mit der Transplantation
Der Grund: Viele Menschen treffen              Zeit der Dialyse, die aber stets nur ein                                                                       nicht nur der Frau geholfen werden kann,
keine Entscheidung für oder gegen              Übergang sein kann.                                                                                            sondern auch, dass der Mann nicht ge-
eine Organspende, oder halten diese            „Die Ärzte hatten mit uns beiden schon                                                                         schädigt wird.
nicht schriftlich fest. Um für eine Aus-       gesprochen, ob eine Lebend-Nierenspen-                                                                         „Ich hatte von Mai bis August im Kran-
einandersetzung mit diesem Thema               de in Frage kommen würde“, blickt And-                                                                         kenhaus gelegen, musste deshalb für die
zu sensibilisieren und mehr Men-               reas Freude zurück. „Das ist ja zuallererst                                                                    Operation wieder Fitness gewinnen“, sagt
                                                                                             Fotos: Stefan Straube




schen zu einer aktiven Entscheidung            eine Frage an mich gewesen. Und natür-                                                                         Simone Freude. „Also habe ich zu Hause
zu bewegen, informiert das Universi-           lich habe ich zugestimmt. Für meine Frau                                                                       am Rollator wieder gehen gelernt. Dann
tätsklinikum Leipzig aktuell mit der           mache ich alles.“ Nach Gesprächen und                                                                          sind wir sogar noch eine Woche in den
Kampagne „Deine Entscheidung!“                 Voruntersuchungen stand dann fest, dass                                                                        Urlaub gefahren: 15 Kilometer von Dres-
über die Organtransplantation und              eine Transplantation möglich ist, auch                                                                         den entfernt, damit im Falle des Falles die
Organspende. An dieser Stelle erzäh-           wenn sie die Blutgruppe 0 und er die                                                                           Hilfe ganz nah ist. Das war für mich nach
len ehemalige Patienten, was die Ent-          Blutgruppe B hat. „Die Medizin hat sich                                                                        den Monaten schwerer Krankheit wirk-
scheidung ihres Spenders für die Or-           ja unglaublich entwickelt – zu unserem                                                                         lich Entspannung.“
ganspende für sie und ihr Leben be-            Glück“, sagt der 54-Jährige.                                     Simone Freude mit ihrem Mann Andreas –        Am 17. Oktober 2017 fand dann in Leip-
deutet.                                        Ein Jahr später wurde im Klinikum Dres-                          ihrem Partner und Lebensretter.               zig die Lebend-Lebertransplantation
                                               den die Nierentransplantation vorgenom-                                                                        statt. Zwölf Stunden dauerte die OP, fünf
Für den Partner da sein – das wird oft so      men. „Seine rechte Niere liegt seit 2014                        in Innsbruck wurde ich untersucht und          Wochen musste sie noch im Kranken-
leicht dahingesagt. Die Geschichte des         bei mir vorn links“, sagt Simone Freude                         die Ärzte rieten mir, zurück nach Dresden      haus bleiben. „Ich wurde wie ein rohes Ei
Dresdener Ehepaares Simone und Andre-          und streicht ihrem Mann über die Hand.                          in die Uniklinik zu fahren, weil man mich      behandelt“, lacht sie heute. „Naja, es
as Freude zeigt, wie weit es gehen kann, ja,   Zwei Jahre später musste ihre zweite Nie-                       da am besten kennt.“                           kommt ja auch nicht oft vor, dass eine
manchmal gehen muss, wenn man für              re entfernt werden. Sie war durch die Zys-                      Also zurück nach Dresden, die Schmerzen        schon Transplantierte ein weiteres Organ
den Partner da ist.                            ten sehr groß geworden, zudem verur-                            wurden höllisch, Notarzt, Intensivstation.     bekommen muss. Mein größtes Glück
„Schon in der Kindheit hatte ich mit di-       sachte die kranke Niere immer wieder                            Die Zystenleber hatte eine schwere Sepsis      war es, von meinem Mann nach der Nie-
versen Nierenerkrankungen zu kämpfen“,         Infektionen. Und gerade das braucht eine                        verursacht, die mit größter Mühe nach          re auch noch eine neue Leber zu bekom-
erzählt Simone Freude. „Nierenbecken-          Transplantierte am wenigsten.                                   vier Wochen überstanden war. Zugleich          men. Leider wissen viele nicht genug
entzündung, Blasenentzündung, alles            Das war ja schon allerhand, was man für                         wurde aber klar: Die Leber muss trans-         über eine Lebendspende – beispielswei-
schmerzhaft und unangenehm. Dazu ka-           den Partner tun kann. Die Leidensge-                            plantiert werden. Und jetzt begann Kapi-       se, dass auch eine blutgruppenübergrei-
men Kreislauf- und Blutdruckprobleme.          schichte der Dresdner Buchhalterin ging                         tel 2 des Für-den-Partner-da-Seins: And-       fende Organspende möglich ist. Wir
Als ich 20 Jahre alt war, kamen die Medi-      aber noch weiter. Sie erinnert sich: „Im                        reas Freude wurde gefragt, ob er seiner        wünschen uns, dass mehr Menschen da-
ziner der Ursache auf die Spur. Ich litt an    Mai 2017 fuhren wir nach Innsbruck in                           Frau auch einen Teil seiner Leber spenden      ran denken, dass auch sie im Ernstfall
einer polyzystischen Nierenerkrankung,         den Urlaub. Am zweiten Tag bekam ich                            würde. Und natürlich stimmte er zu.            helfen können.“
die nicht nur die Nieren in Mitleiden-         starke Schmerzen im Bauch. In der Klinik                        Simone Freude war inzwischen per Hub-                                      Uwe Niemann



LIEBIGSTRASSE AKTUELL         |
An diesem Klinikum funktioniert Integration
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Mit dem Forschungsflugzeug ins ewige Eis
Meteorologen starten Messkampagne zur Untersuchung von arktischen Wolken
n Während in Deutschland allmäh-
lich der Frühling Einzug hält, brechen
Forscher der Universität Leipzig und
des Alfred-Wegener-Instituts in die
Arktis auf, um der Klimaerwärmung
auf den Grund zu gehen. Im Fokus ih-
rer Kampagne Arctic aircraft cam-
paign Arctic Boundary Layer Fluxes
(AFLUX) sind tiefliegende Wolken am
Rand der Meereisfläche und deren
Rückkopplung mit bodennahen Pro-
zessen über dem Meereis. Knapp fünf
Wochen lang werden die Wissen-
schaftler des Alfred-Wegener-Insti-
tuts, Helmholtz-Zentrum für Polar-
und Meeresforschung (AWI), des
Deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrt, der Universität Clermont-
Ferrand in Frankreich sowie der Uni-
versitäten Köln und Leipzig von Spitz-
bergen aus zu einer Reihe von
Messflügen aufbrechen.
                                              Die Kampagne AFLUX in der Arktis wird von einem robusten Messflugzeug unterstützt.                                                 Foto: Uni Leipzig
„Die AFLUX-Kampagne ist die dritte in
einer Serie von drei großen Expeditionen      Die Messkampagne AFLUX wird von Dr.                  die über die Meereiskante strömen – ab-            (AC)³.“ Bei HALO-(AC)³ sollen mit Hilfe
mit dem Polarflugzeug im Rahmen unse-         Christof Lüpkes vom Alfred-Wegener-                  hängig von der Verteilung und Dichte der           des    deutschen    Forschungsflugzeugs
rer Arktisforschung“, sagt Prof. Dr. Man-     Institut geleitet. Im Fokus stehen Wolken,           Eisschollen – in nur wenigen Stunden               HALO vor allem arktische Kaltluftaus-
fred Wendisch vom Institut für Meteoro-       die direkt über dem Meereis liegen, und              deutlich ändern. Aufgrund fehlender                brüche und Warmluft-Vorstöße in die
logie der Universität Leipzig. Er ist         ihre Rolle hinsichtlich der arktischen Er-           Messdaten sind diese Effekte in aktuellen          Arktis untersucht werden, denn mögli-
zugleich Sprecher des von der Deutschen       wärmung. „Vor zwei Jahren gab es bereits             Klimamodellen leider noch unzurei-                 cherweise besteht ein Zusammenhang
Forschungsgemeinschaft (DFG) geförder-        eine große Messkampagne, dort sind aber              chend beschrieben. Genau hier sollen die           dieser Kaltluftausbrüche aus der inneren
ten Sonderforschungsbereiches (SFB)           noch Fragen offengeblieben. Dieses Mal               Messungen von AFLUX helfen, um ge-                 Arktis mit den derzeitigen milden Win-
Transregio 172 „Arktische Klimaverände-       konzentrieren wir uns ganz gezielt auf               zielt die Prozesse in den Randgebieten             tern in Mitteleuropa. Auf der MOSAiC-
rung“. Im SFB- Forschungsverbund sollen       die Energieflüsse in der arktischen Grenz-           des Meereises zu untersuchen.                      Expedition, die im September startet,
Klimaentwicklungen in der Arktis über         schicht“, erklärt Lüpkes. Dr. André Ehr-             AFLUX stellt für die Wissenschaftler den           wird der deutsche Eisbrecher Polarstern
längere Zeiträume und mit verschiedenen       lich von der Universität Leipzig fügt hin-           Endspurt der ersten Förderperiode des              in die Arktis aufbrechen und ein Jahr
Methoden beobachtet werden. Die Ver-          zu: „Die Randgebiete der arktischen                  SFB dar. Wendisch erläutert: „Die erste            lang fest eingefroren im arktischen Eis
lässlichkeit von Modellen zur Vorhersage      Eisfläche werden sich in Zukunft, bei ei-            Phase war hauptsächlich lokal, also                durch das Nordpolarmeer driften. Insge-
der Erwärmung weltweit und speziell in        nem weiteren Abschmelzen des Meerei-                 räumlich begrenzt orientiert. In der zwei-         samt werden 600 Menschen aus 17 Län-
der Arktis soll so weiterentwickelt werden.   ses, ausdehnen. Genau diese Regionen                 ten Phase wollen wir unseren Fokus auf             dern teilnehmen. Geleitet wird die größte
Viele Faktoren, die das Klima dieser Regi-    haben jedoch einen sehr starken Einfluss             regionale Einflüsse und Ursachen, die              Arktis-Forschungsexpedition aller Zeiten
on beeinflussen und so zur überdurch-         auf Wolken und dadurch auf den Ener-                 nicht vor Ort liegen, erweitern. Wir freu-         vom Alfred-Wegener-Institut, Helm-
schnittlichen Erwärmung beitragen, sind       giehaushalt der Arktis.“ So können sich              en uns auf zwei weitere große Highlights,          holtz-Zentrum für Polar- und Meeresfor-
jedoch noch nicht vollständig verstanden.     nach aktuellen Erkenntnissen Wolken,                 die MOSAiC-Expedition und HALO-                    schung.                    Susann Huster




Geschichte geht ins Ohr
Ägyptisches Museum der Universität Leipzig bietet jetzt Audioguide an
n Die jungen Besucher, aber auch alle         Exkursion in Leipzig und haben die ersten            wurden die Beteiligten dabei von Mareike           schichten über Königsstatuen, Mumien,
anderen Gäste des Ägyptischen Muse-           Textentwürfe für die Audioguides vor den             Greb, einer professionellen Sprecherin,            Amulette sowie ein altägyptischer Zauber-
ums können ab sofort die Audioguides          Objekten im Ägyptischen Museum getes-                Tontechnikerin Diana Heinrich und dem              spruch. Die Zuhörer können sich Beiträge
im Museum direkt an den Objekten              tet. Im Tonstudio wurden die Texte                   Zentrum für Medien und Kommunikation               über das Alltagsleben der alten Ägypter
anhören. Benötigt wird dazu lediglich         schließlich eingesprochen. Unterstützt               der Universität Leipzig. Zu hören sind Ge-         und den Pharao sowie seine Residenz an-
ein internetfähiges Smartphone. In-                                                                                                                   hören. Sie erfahren auch Interessantes über
formationen liegen an der Museums-                                                                                                                    die Mode im alten Ägypten und römische
kasse aus. Alternativ gibt es an der                                                                                                                  Frisurentrends.
Kasse ein Blatt mit den QR-Codes zu                                                                                                                   Die jungen Besucher können durch den
den Audioguides. Wenn die Besucher                                                                                                                    Audioguide die antike Kultur am Nil
mit ihrem Smartphone oder Tablet                                                                                                                      kennenlernen, auch wenn einmal keine
den QR-Code einscannen, werden sie                                                                                                                    Führung stattfindet. Ebenso können sie
direkt zu dem Audioguide weiterge-                                                                                                                    ausgewählte Themen nach ihrem Muse-
leitet.                                                                                                                                               umsbesuch zu Hause vertiefen, denn auf
                                                                                                                                                      den Audioguide kann man auch außer-
„Der Audioguide richtet sich vor allem an                                                                                                             halb des Museums zugreifen. Gefördert
Kinder und Jugendliche“, erklärt Privatdo-                                                                                                            wurde die Maßnahme durch Exzellenz-
zentin Dr. Nadja Braun, Ägyptologin und                                                                                                               mittel des Bundes für die Lehre.
Lehrerin. Ihre Schüler waren in der Ver-                                                                                                              Öffentlich vorgestellt wird der Audioguide
gangenheit bereits aktiv bei der Erstellung                                                                                                           am 4. Juli 2019, um 18.15 Uhr im Hörsaal
eines Schülerführers für das Ägyptische                                                                                                               8 von PD Dr. Nadja Braun in ihrem AE-
Museum. Anschließend haben sie gemein-                                                                                                                GYPTIACA-Vortrag. Danach gibt es im
sam mit Dr. Franziska Naether vom Ägyp-                                                                                                               Museum Gelegenheit, den Audioguide
tologischen Institut, Leipziger Studieren-                                                                                                            auszuprobieren und mit den Beteiligten
den sowie Wissenschaftlern Texte zu den                                                                                                               ins Gespräch zu kommen.                 SH
Highlights des Museums und ausgewähl-
ten Themen geschrieben. Ende vergange-        Das alte Ägypten im Ohr: Ein neuer Audioguide für Mobiltelefone bringt den Besuchern des Ägyptischen    Hörproben gibt es unter dem Link https://
nen Jahres waren die Schüler aus Naila auf    Museums der Uni Leipzig die erste antike Hochkultur näher.                          Foto: Uni Leipzig   soundcloud.com/user-778792758/tracks.



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