Erland Brügger - Schweizerischer Arbeitgeberverband

Erland Brügger - Schweizerischer Arbeitgeberverband
S C H W E I Z E R I S C H E R A R B E I TG E B E R V E R B A N D
U N I O N PAT R O N A L E S U I S S E
U N I O N E S V I Z Z E R A D E G L I I M P R E N D I TO R I

August/Août 2014




                                                                   FIRMENPORTRÄT / ENTREPRISES



                                                                   Erland
                                                                   Brügger

                          DOSSIER                                     BRENNPUNKT
                          JOURNÉE DES EMPLOYEURS 2014 à               Grosse Auftritte am diesjährigen
                          Lausanne : deux orateurs de marque          ARBEITGEBERTAG in Lausanne
                          MARCHÉ DU TRAVAIL                           ARBEITGEBER IM GESPRÄCH
                          L’économie et la société                    Willy Ruf über Swissport und
                          ont besoin de l’immigration                 die Flugzeugabfertigung in Zürich
Erland Brügger - Schweizerischer Arbeitgeberverband
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                                                            Pietro Stuck, Anzeigenleiter
                                                            Tel. 044 928 56 17, Fax 044 928 56 00
                                                            arbeitgeber@zs-werbeag.ch
                                                            www.zs-werbeag.ch




Lohnender Ausblick.                                        …Alterskapital gleich wie
Wir verzinsen das                                          den obligatorischen Teil.
überobligatorische…




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E D I TO R I A L   1




                                      Geschätzte Sozialpartner
                                                                                        René Pfister ist Chefredaktor und
                                                                                        Informationschef des Schweizerischen
                                                                                        Arbeitgeberverbands.




                                                                                        der-Ammann. Im Brennpunkt legen
                                                                                        wir ausführlich dar, was der SAV-Präsi-
                                                                                        dent und der Wirtschafts- und Bil-
                                                                                        dungsminister zu diesem und anderen
                                                                                        aktuellen Themen zu sagen hatten.
Diese Publikation wurde vom Verband
Schweizer Medien für das Jahr 2014                                                      Ein Beispiel für eine nicht immer ein-




                                                                            Bild: zVg
mit dem Gütesiegel «Q-Publikation»                                                      fache, aber letztlich gut gelebte Part-
ausgezeichnet.
                                                                                        nerschaft zwischen Arbeitgeber und
«Schweizer Arbeitgeber»
                                                                                        Arbeitnehmenden ist die Firma Swiss-
109. Jahrgang
Erscheint monatlich                   Liebe Leserinnen und Leser                        port, die aus der Swissair hervorge-
Herausgeber                                                                             gangen ist und sich als weltweit führen-
Schweizerischer Arbeitgeberverband    Die Sozialpartnerschaft ist einer der             des Unternehmen für die Flugzeug-
Chefredaktor                          Pfeiler des viel zitierten «Erfolgsmo-            abfertigung etabliert hat. In Zürich be-
René Pfister                           dells Schweiz». Sie ermöglicht Arbeit-            schäftigt Swissport rund 2000 Mitar-
Redaktion deutscher Teil              gebern und Gewerkschaften das Aus-                beitende. Sie sollen trotz hohem Kos-
Daniela Baumann
Bearbeitung der Urteile:              handeln von Arbeitsbedingungen, die               tendruck auch künftig grosszügigere
Ruth Derrer Balladore                 auf die Voraussetzungen der Branchen              Arbeitsbedingungen haben als die An-
Redaktionsadresse                     und Regionen Rücksicht nehmen. Und                gestellten der Konkurrenz, wie Willy
Hegibachstrasse 47, 8032 Zürich       sie hat entscheidend dazu beigetragen,            Ruf, Chef von Swissport Zürich, im Ge-
Telefon +41 (0)44 421 17 00
zeitung@arbeitgeber.ch
                                      dass der Arbeitsmarkt in der Schweiz              spräch erklärt. Warum und welche
www.arbeitgeber.ch                    bislang liberal und effizient funktio-            Ziele das Unternehmen anstrebt, erfah-
Abonnementspreis                      niert hat. Doch in jüngster Zeit häufen           ren Sie im Interview ab Seite 8.
Pro Jahr Fr. 130.–                    sich die Versuche, die Sozialpartner-
(Ausland Fr. 180.–) + MwSt
                                      schaft mittels Gesetzen auszuhebeln               Glasklare Ziele verfolgt der Getränke-
Einzelnummer: Fr. 10.–
+ MwSt und Versandkosten              und die Arbeits- und Lohnverhältnisse             hersteller Rivella, der in der Schweiz
Druck /Abonnemente                    in ein rigideres Korsett zu stecken. Das          mit einem Bekanntheitsgrad von prak-
Sihldruck AG, Zürich                  jüngste Beispiel war der Versuch der              tisch 100 Prozent zu den Ikonen der
Telefon +41 (0)44 295 97 97
                                      Gewerkschaften, die Einführung von                Markenlandschaft gehört. Heute be-
www.sihldruck.ch
druckerei@sihldruck.ch                flächendeckenden Mindestlöhnen                     schäftigt die Firma, zu der auch Pro-
Inserate                              zu erzwingen. Diese Initiative wurde              dukte wie Michel und Passaia gehören,
Zürichsee Werbe AG                    vom Souverän zwar erfreulich klar                 rund 270 Mitarbeitende. Doch auch
Pietro Stuck, Anzeigenleiter          abgelehnt, aber eines ist sicher: Weite-          der Erfinder des mit Milchserum produ-
Seestrasse 86, 8712 Stäfa
Telefon +41 (0)44 928 56 17
                                      re Angriffe auf den liberalen Arbeits-             zierten «Durstlöschers der Nation»
Fax +41 (0)44 928 56 00               markt und die Verhandlungsspielräume              muss sich permanent anstrengen, um
www.zs-werbeag.ch                     der Sozialpartner sind bereits in der             erfolgreich zu bleiben. Zurzeit setzt
arbeitgeber@zs-werbeag.ch
                                      Pipeline.                                         man in Rothrist vor allem auf ein grös-
Auflage
Druckauflage: 4100
                                                                                        seres Sortiment, aber auch ein ver-
Beglaubigt gemäss WEMF/ SW 2013:      Deshalb ist es nur folgerichtig, dass             stärktes Auslandgeschäft und neue Ver-
Total verbreitete Auflage: 3534        die Bedeutung der Sozialpartnerschaft             kaufsstrategien, wie Geschäftsleiter
Verkaufte Auflage: 3108
                                      für die Wettbewerbsfähigkeit der                  Erland Brügger im Firmenporträt ab
Gratisauflage: 426
                                      Schweizer Wirtschaft am ARBEITGEBER-              Seite 22 darlegt.
Leserschaft
Rund 15 000 Leserinnen und Leser.     TAG in Lausanne ein zentrales Thema
Über 50 Prozent Top-Führungskräfte    war – sowohl für den Präsidenten des              Ich wünsche Ihnen eine spannende
und Firmeninhaber (Quelle: Leser-     Schweizerischen Arbeitgeberverbands               Lektüre dieser Ausgabe, die wegen
befragung Publicom AG, 2008)
                                      (SAV ), Valentin Vogt, wie auch für den           der Ferienzeit einen leicht gekürzten
Titelbild
zVg                                   Gastredner, Bundesrat Johann Schnei-              Umfang hat. 3


                                                                                                       Schweizer Arbeitgeber   8 / 2014
Erland Brügger - Schweizerischer Arbeitgeberverband
2    SOMMAIRE


                                         Valentin Vogt et le Conseiller fédéral
33   É D I TO R I A L
                                         Schneider-Ammann
34   EN BREF                             Lors de la JOURNÉE DES EMPLOYEURS
     Perspectives                        qui s’est tenue cette année à Lausanne,
                                         les exposés de Valentin Vogt, président
36   MEMBRES                             de l’Union patronale suisse (UPS), et du
     Association Suisse d’Assurances     Conseiller fédéral Johann Schneider-
                                         Ammann ont particulièrement retenu
37   OPINION                             l’attention. L’un et l’autre portaient no-
     Jürg Zellweger                      tamment sur le marché suisse du tra-
                                         vail et ses perspectives, ainsi que sur
38   ENTRETIEN                           le partenariat social. Notre dossier en




                                                                                                 Photo: Daniela Baumann
     Willy Ruf, CEO de                   présente les principaux éléments, ainsi
     Swissport à Zurich                  que les temps forts de l’Assemblée des
                                         membres de l’UPS. Dès la page 44
40   D R O I T D U T R AVA I L
40   Bonus – jurisprudence précisée
42   Exercice de fait                    Entretien: Willy Ruf, CEO de Swissport
     d’une activité syndicale
43   Invocation de motifs                Notre rubrique Entretien accueille Willy Ruf, CEO de Swissport à Zurich. A partir
     de licenciement a posteriori        de la branche des services de Swissair pour les passagers et l’enregistrement des
                                         bagages, Swissport est devenu le principal centre de services des lignes aé-
44   DOSSIER                             riennes du monde. Willy Ruf, CEO de l’unité commerciale de l’aéroport de Zurich,
44   JOURNÉE DES EMPLOYEURS 2014:        s’exprime notamment sur la pression des coûts et sur ce que cela signifie pour
     allocution présidentielle           Swissport. Page 38
      de Valentin Vogt
47   Préserver les atouts de la Suisse
49   L’Assemblée des membres             L’économie et la société ont besoin
     à Lausanne
                                         de l’immigration
50   ENTREPRISES                         Dans son dixième rapport de l’Observatoire, le Secrétariat d’Etat à l’économie
     Rivella                             (Seco) a dressé une nouvelle fois un bilan des conséquences pour le marché
                                         suisse du travail de l’accord sur la libre circulation des personnes entre la Suisse
52   M A R C H É D U T R AVA I L         et l’UE. Il en ressort, entre autres, que l’immigration a permis à l’emploi de
     L’économie et la société            connaître en Suisse une croissance supérieure à la moyenne et qu’elle a soulagé
     ont besoin de l’immigration         les comptes de nos assurances sociales. L’Union patronale suisse est ainsi confor-
                                         tée dans sa conviction que notre pays a besoin de l’immigration. Page 52
53   É C L A I R AG E
     Claudine Amstein
                                         Rivella : un riche assortiment
54   SANTÉ ET SÉCURITÉ
     AU T R AVA I L
                                         pour affronter l’avenir
     Accidents non professionnels:                                                                                        Avec un degré de notoriété de 99 pour
     La prévention en entreprise en                                                                                       cent, Rivella est une des marques icônes
     vaut la peine                                                                                                        de notre pays. Malgré cela, elle doit
                                                                                                                          déployer d’incessants efforts à Rothrist
55   F O R M AT I O N                                                                                                     (AG) pour s’imposer et se développer
     La formation modulaire en                                                                                            sur le marché des boissons. Avec des
     horlogerie fête ses 20 ans                                                                                           innovations comme Rivella Cliq, l’entre-
                                                                                      Photo: m. à d.




                                                                                                                          prise familiale préserve aussi son remar-
56   I N T E R N AT I O N A L                                                                                             quable niveau de qualité. Page 50
     Adoption de la réforme
     des retraites en Allemagne




           Employeur Suisse   8 / 2014
Erland Brügger - Schweizerischer Arbeitgeberverband
I N H A LT   3


Willy Ruf über den Flugzeugabfertiger
                                                                                                        4    KURZ UND BÜNDIG
Swissport und den Standort Zürich
                                                              Als Dienstleistungszweig der Swissair     5    AU S B L I C K
                                                              entstanden, hat sich Swissport zum
                                                              führenden Anbieter für die Passagier-     6    M I TG L I E D E R
                                                              und Gepäckabfertigung an Flughäfen             Schweizerischer
                                                              in aller Welt entwickelt. Das Schweizer        Versicherungsverband
                                                              Geschäft macht nach wie vor mehr als
                                                              zehn Prozent des Umsatzes aus. Willy      7    S TA N D P U N K T
                                                              Ruf, CEO der Geschäftseinheit Zürich,          Jürg Zellweger
                                                              erklärt im Gespräch die Neupositionie-
                                                              rung des Unternehmens nach dem            8    A R B E I TG E B E R I M G E S P R ÄC H
                                                              Swissair-Grounding. Zudem spricht er           Willy Ruf,
                                                              über den Kostendruck in der Luftfahrt          Chef von Swissport in Zürich
                                                              sowie den Umgang mit körperlich be-
                                                              lastenden Tätigkeiten und deren Fol-      10   ARBEITSRECHT
                                           Bild: zVg




                                                              gen. Seite 8                              10   Bonus:
                                                                                                             Präzisierung der Rechtsprechung
                                                                                                        12   Kündigung
Im Brennpunkt : Valentin Vogt                                                                                bei gewerkschaftlicher Tätigkeit
                                                                                                        13   Nachschieben
und Bundesrat Schneider-Ammann                                                                               von Kündigungsgründen
Am diesjährigen ARBEITGEBERTAG in Lausanne standen zwei Redner im Mittel-
punkt: Valentin Vogt, der Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands                             14   BRENNPUNKT
(SAV ), sowie Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Beide setzten sich unter an-                           14   ARBEITGEBERTAG 2014: Präsidial-
derem mit dem Schweizer Arbeitsmarkt und dessen Perspektiven und mit der                                     ansprache von Valentin Vogt
Sozialpartnerschaft auseinander. Das Wichtigste zu den Referaten sowie zur Mit-                         17   Die Stärken der Schweiz bewahren
gliederversammlung des SAV im Brennpunkt. Ab Seite 14                                                   18   SAV-Mitgliederversammlung

                                                                                                        21   KO LU M N E
Rivella geht mit breiterem Sortiment                                                                         Reinhard K. Sprenger

wieder auf Wachstumskurs                                                                                22   UNTERNEHMEN
Mit dem «Durstlöscher der Nation» auf                                                                        Porträt von Rivella
der Basis von Milchserum wurde der
Getränkehersteller aus Rothrist zu einer                                                                25   VERBÄNDE
der bekanntesten Schweizer Marken.                                                                      25   Schweizer Medien: Tiefere Erträge
Heute macht die Firma Rivella rund                                                                      26   Viscom: Grafische
140 Millionen Franken Umsatz – und                                                                           Branche in der Offensive
will gemäss Geschäftsleiter Erland Brüg-                                                                27   Swissmem: Berufsbildung
ger wieder schwungvoll wachsen: mit                                                                          am Industrietag im Fokus
neuen, erfrischenden Rivella-Varianten,
erweiterten Absatzstrategien und ver-                                                                   28   ARBEITSSICHERHEIT
stärkter Expansion ins Ausland. Mehr                                                                         UND GESUNDHEITSSCHUTZ
                                                  Bild: zVg




dazu im Firmenporträt. Seite 22                                                                              Prävention in Betrieben lohnt sich

                                                                                                        29   ARBEITSMARKT
Wirtschaft braucht die Zuwanderung                                                                           Wirtschaft wie auch Gesellschaft
                                                                                                             brauchen die Zuwanderung
Zum zehnten Mal hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) Bilanz über die
Auswirkungen des Freizügigkeitsabkommens zwischen der Schweiz und der EU                                30   SERVICE
auf den Arbeitsmarkt gezogen. Der Bericht zeigt etwa, dass die Zuwanderung
ein überdurchschnittliches Beschäftigungswachstum ermöglicht und die Sozi-                              31   EVENTS
alversicherungen entlastet hat. Fazit aus Sicht des Schweizerischen Arbeitgeber-                             Tag der Bauwirtschaft
verbands: Unser Land bleibt auf die Zuwanderung angewiesen. Seite 29




                                                                                                                 Schweizer Arbeitgeber   8 / 2014
Erland Brügger - Schweizerischer Arbeitgeberverband
4                      KURZ UND BÜNDIG


                       Temporärbranche weiter auf Wachstumskurs
                       Die Temporärbranche ist im vergangenen Jahr erneut gewachsen – und ist gut ins neue Jahr gestartet.
                       Die Zukunftsaussichten sind jedoch gemäss dem Branchenverband Swissstaffing noch ungewiss.


                       Um 6,3 Prozent hat die Lohnsumme                  der Personaldienstleister erreichte 6,5       «Wer in der Schweiz temporär arbeitet,
                       von Temporärarbeitenden 2013 gegen-               Milliarden. In den letzten zehn Jahren        geniesst Vorteile wie Mindestlöhne und
                       über dem Vorjahr zugenommen, wie                  ist die Temporärbranche im Schnitt um         klare Arbeitszeitregelungen, solide Ver-
                       der Branchenverband Swissstaffing mit-              9,8 Prozent pro Jahr gewachsen, wie           sicherungslösungen für Krankheit und
                       teilte. Das Wachstum erfolgte trotz zag-          Swissstaffing weiter mitteilte – bei ei-        Alter sowie grosszügige Weiterbildungs-
                       haftem Wirtschaftsklima im Inland wie             nem durchschnittlichen BIP-Wachstum           leistungen», erklärt Myra Fischer-Rosin-
                       im Ausland. Die Personaldienstleister             von 3 Prozent.                                ger, die neue Direktorin von Swissstaf-
                       vermittelten im letzten Jahr 303 000                                                            fing. Die Arbeitsbedingungen sind im
                       Menschen einen Temporäreinsatz. Das               Fortschrittliche Bedingungen                  GAV Personalverleih geregelt, der seit
                       entspricht der Bevölkerung des Kantons            Die Schweizer Temporärbranche ist             2012 in Kraft ist. Er ist mit rund 300 000
                       Freiburg, wie Swissstaffing-Präsident               auch gut ins laufende Jahr gestartet. Im      unterstellten Mitarbeitenden der grösste
                       Georg Staub betont.                               Frühjahr hat aber eine Verlangsamung          GAV in der Schweiz und Träger des Wei-
                         Die Temporärarbeitenden leisteten im            eingesetzt – und die Aussichten sind ge-      terbildungsfonds «temptraining». Die-
                       vergangenen Jahr 161 Millionen Einsatz-           mäss Swissstaffing aufgrund der Verun-          ser hat bisher Weiterbildungsleistungen
                       stunden und erzielten eine Lohnsumme              sicherung wegen der künftigen Zuwan-          für 6500 Temporärarbeitende bewilligt –
                       von 4,7 Milliarden Franken. Der Umsatz            derungspolitik noch ungewiss.                 in der Höhe von 11 Millionen Franken. 3



                       Die Sicherheits-Charta erhält stetig Zulauf
                       Die vor drei Jahren von der Suva und den Sozialpartnern lancierte Sicherheits-Charta zeigt Wirkung:
                       Unterzeichneten zum Start 20 Verbände die Charta, zählt sie heute 500 Mitglieder.


                       Pro Jahr verunfallen laut Suva 181 500            500 Mitglieder über alle Branchen hin-        ben bewahren und ebenso viele schwere
                       Versicherte bei der Arbeit. Das sind 100          weg dazu, für mehr Sicherheit am Ar-          Invaliditätsfälle verhindern will. Auf-
                       Unfallopfer pro Arbeitsstunde. Mit der            beitsplatz zu sorgen. Sie haben sich mit      grund der hohen Anzahl Mitglieder der
                       Lancierung der Sicherheits-Charta vor             ihrer Unterschrift verpflichtet, bei Gefahr    Sicherheits-Charta ist die Suva zuver-
                       rund drei Jahren hat sich die Suva zu-            Stopp zu sagen, die Gefahr zu beheben         sichtlich, in Zusammenarbeit mit den
                       sammen mit den Sozialpartnern zum                 und erst dann weiterzuarbeiten.               Sozialpartnern das Kampagnenziel zu
                       Ziel gesetzt, diese Zahlen zu senken. Wa-           Die Sicherheits-Charta ist ein entschei-    erreichen.
                       ren es zur Lancierung der Charta rund 20          dendes Element der «Vision 250 Leben»,          Anlässlich eines ersten Erfahrungs-
                       grosse Verbände aus dem Bauhaupt-                 mit der die Suva zwischen 2010 und            austauschs diskutierten über 70 Vertre-
                       und dem Ausbaugewerbe, Gewerkschaf-               2020 die jährliche Anzahl tödlicher Be-       ter der verschiedenen Sozialpartner an
                       ten und Planer, bekennen sich bis heute           rufsunfälle halbieren und somit 250 Le-       der Messe «ArbeitsSicherheit Schweiz
                                                                                                                       2014» in Bern darüber, wie gemeinsam
                                                                                                                       am Arbeitsplatz menschliches Leid ver-
                       Von links: Nico Lutz, Unia, Heinrich Bütikofer, Schweizerischer Baumeisterverband, und Robert   hindert werden kann. Robert Krieger,
                       Krieger, PanGas AG, befragt vom Leiter Unternehmenskommunikation der Suva, Jan Mühlethaler.     CEO der PanGas AG , sagte auf dem
                                                                                                                       Podium, für ihn sei klar, dass Arbeitssi-
                                                                                                                       cherheit Chefsache ist. Deshalb habe er
                                                                                                                       persönlich die Sicherheits-Charta unter-
                                                                                                                       schrieben. Nico Lutz, Sektorleiter Bau
                                                                                                                       der Gewerkschaft Unia, betonte, dass
                                                                                                                       Arbeitssicherheit und Gesundheits-
                                                                                                                       schutz nur gemeinsam mit den Arbeit-
                                                                                                                       nehmenden verbessert werden können.
                                                                                                                       Diese müssten von Betroffenen zu Be-
                                                                                                                       teiligten werden. 3
    Bild: zVg / Suva




                                                                                                                       www.sicherheits-charta.ch
Erland Brügger - Schweizerischer Arbeitgeberverband
KURZ UND BÜNDIG                                            5


Den Umgang mit der Vielfalt                                                             AU S B L I C K
im Unternehmen messen
                                                                                        Gute Exportaussichten
                                                                                        Die Stimmung bei den Schweizer KMU mit
Die Hochschule Luzern ermittelt und        gen zu Diversity Management sowie
                                                                                        Blick auf ihre Exporte ist nach wie vor gut.
unterstützt mit dem Forschungsprojekt      Fragen zu den Kriterien Alter, Geschlecht,
«Diversity Index» die Umsetzung von        Nationalität, Religion und Gesundheit.       Die kleinen und mittleren Unternehmen in
Diversity Management in Schweizer          Jede Organisation erhält nach erfolg-        der Schweiz sind nach wie vor mehrheitlich
Grossorganisationen. Der Diversity Index   reicher Teilnahme eine Auswertung zu         optimistisch und rechnen im dritten Quartal
erlaubt es, das Management der Vielfalt    ihren Ergebnissen.                           mit einem Anstieg der Ausfuhren. Das geht
quantitativ zu erfassen, Stärken und          Teilnehmen können Organisationen,         aus dem neusten Exportbarometer von Cre-
Schwächen aufzuzeigen und durch die        die den weltweiten Hauptsitz, den Sitz       dit Suisse und Switzerland Global Enterprise
qualitative Analyse Massnahmen zu de-      der Länder- oder Europagesellschaft          hervor. Die bei rund 200 KMU durchgeführte
finieren.                                   oder den Hauptsitz einer Division in der     Befragung ergibt bei den Exportperspektiven
  Der nach 2013 zum zweiten Mal durch-     Schweiz haben sowie mindestens 250           einen Wert von 65,3 Punkten. Dies deutet klar
geführte Diversity Index ermittelt via     Mitarbeitende beschäftigen. Eingabe-         auf steigende Ausfuhren hin, denn die Wachs-
Onlineumfrage die Umsetzung von Di-        frist ist der 31. August 2014. 3             tumsschwelle liegt bei 50 Punkten.
versity Management durch die folgen-                                                       Besonders starke Wachstumsimpulse für
den sechs Kategorien: allgemeine Fra-      www.diversity-index.ch                       die Exporte sind gemäss CS aus den USA sowie
                                                                                        aus Grossbritannien zu erwarten. Positiv ent-
                                                                                        wickeln dürften sich auch die Ausfuhren in
Erwerbsarbeit schützt vor Armut                                                         die Eurozone, obwohl die Dynamik etwas
                                                                                        nachgelassen hat. Lediglich in Frankreich ist
                                                                                        mit einer rückläufigen Nachfrage nach Gütern
In der Schweiz waren 2012 gemäss den       Erwerbstätigkeit vermag vor Armut zu         aus der Schweiz zu rechnen. Positive Impulse
neuesten Ergebnissen des Bundesamts        schützen: Die Armutsquote der erwerbs-       für das Exportwachstum dürften auch die
für Statistik 590 000 Personen oder 7,7    tätigen Bevölkerung lag mit 3,5 Prozent      grossen Schwellenländer in Asien liefern. Der
Prozent der ständigen Wohnbevölke-         markant tiefer als jene der nicht er-        wichtigste Absatzmarkt in Europa bleibt
rung in Privathaushalten von Einkom-       werbstätigen Personen ab 18 Jahren           Deutschland, wohin 80 Prozent der befragten
mensarmut betroffen. Die durchschnitt-      (15,7 Prozent). Rund 130 000 Personen        Schweizer KMU Waren oder Dienstleistungen
liche Armutsgrenze betrug für eine Ein-    waren 2012 jedoch trotz Erwerbsarbeit        ausführen werden. Etwas mehr als die Hälfte
zelperson rund 2200 Franken pro Monat      von Armut betroffen. Im Vorjahresver-         werden in die Region Asien-Pazifik exportie-
und für zwei Erwachsene mit zwei Kin-      gleich hat sich die Armutsquote der Ge-      ren, 46 Prozent nach Nordamerika, 28 Prozent
dern 4050 Franken. Alleinerziehende,       samtbevölkerung kaum verändert. Seit         in die Regionen Naher Osten /Afrika sowie 21
Personen mit geringer Bildung und Per-     Beginn der Datenerhebung 2007 hat            Prozent nach Südamerika. 3
sonen in Haushalten ohne Arbeitsmarkt-     die Armut um 1,6 Prozentpunkte abge-
teilnahme sind besonders oft armuts-       nommen, bei den Erwerbstätigen um
betroffen.                                  1,3 Prozentpunkte. 3



GAV als App jederzeit griffbereit                                                       KMU-Exportperspektiven
                                                                                          80
Die Kontrollstelle L-GAV des Gastgewer-    Zusätzlich zum Vertragstext des L-GAV          75
bes lancierte ihre erste App über den      finden die Nutzer Antworten zu den              70
Landes-Gesamtarbeitsvertrag (L-GAV).       wichtigsten Fragen über den Gesamt-            65
                                                                                          60
Damit ermöglicht sie den Arbeitneh-        arbeitsvertrag sowie Informationen             55
menden und Arbeitgebern im Gastge-         rund um den Mindestlohn, die Aus- und          50
                                                                                          45
werbe jederzeit den Zugriff auf den Ge-     Weiterbildung und Arbeitsverträge.                  2. Q 10 4. Q 10 2. Q 11 4. Q 11 2. Q 12 4. Q 12 2. Q 13 4. Q 13 2. Q 14
samtarbeitsvertrag via Smartphone oder       Die App mit dem Namen «L-GAV»                             KMU-Perspektiven-Index
Tablet. Ob zu Hause auf dem Sofa, auf      steht gratis im Apple App Store, dem                        Wachstumsschwelle
dem Arbeitsweg im Zug oder Bus oder        Google Play Store sowie dem Windows
am Arbeitsplatz – die App informiert       Phone Store in den drei Landessprachen
schnell und einfach über die Rechte        Deutsch, Französisch und Italienisch                                                          Quelle: Switzerland Global Enterprise

und Pflichten der Arbeitnehmer und Ar-      zum Download bereit. 3
beitgeber.


                                                                                                         Schweizer Arbeitgeber              8 / 2014
Erland Brügger - Schweizerischer Arbeitgeberverband
6               M I TG L I E D E R


                Schweizerischer Versicherungsverband


                Gegen den Trend zur Überregulierung
                An der Generalversammlung des Schweizerischen Versicherungsverbands (SVV ) in Bern unterstrich
                Präsident Urs Berger die Zugkraft der Privatassekuranz für die Schweizer Volkswirtschaft. Zudem
                warnte er vor der aktuellen Tendenz zur Überregulierung. Als Gastreferent trat Bundesrat Alain Berset
                auf, der über die Stossrichtung der Landesregierung zur Reform der Altersvorsorge informierte.



                In seiner Präsidialrede präsentierte Urs        gebungsprozesse im Bereich der sozia-       setzungen für eine mehrheitsfähige Re-
                Berger eine stabile und leistungsstarke         len Krankenversicherung und aufsichts-      form», sagte Berset. Zudem ging er auf
                Privatassekuranz. «Unsere Branche hat           rechtliche Entwicklungen standen im         Anpassungen der Vorlage ein, die der
                ihre Funktion als treibende Kraft der           Vordergrund. Diese Themen werden            Bundesrat aufgrund der Vernehmlas-
                Schweizer Volkswirtschaft einmal mehr           den Verband gemäss Dürr weiterhin           sungsantworten vorgenommen hat –
                bewiesen. Hinsichtlich der Wertschöp-           beschäftigen – wie auch der Einfluss         etwa die maximale Erhöhung der Mehr-
                fung gehört der Versicherungssektor zu          internationaler Entwicklungen. Die Ver-     wertsteuer auf 1,5 Prozent oder der
                den bedeutendsten Branchen des Lan-             sicherer verfolgen deshalb Regulie-         Verzicht auf den Koordinationsabzug.
                des», stellte er fest.                          rungsprojekte auf internationaler Ebene       Die abschliessenden Gastreferate wa-
                                                                wie Facta oder Solvency II mit grosser      ren dem gesellschaftlichen Wandel ge-
                Eingriffe als grösstes Risiko                    Aufmerksamkeit.                             widmet: Suzanne Thoma, CEO bei der
                Die Versicherer müssen laut Berger un-                                                      BKW Energie AG, reflektierte über die
                terschiedlichen Erwartungen gerecht             Bundesrat Berset plädiert                   veränderte Wahrnehmung der Wirt-
                werden und sind mitverantwortlich,              für ausgewogene Reform                      schaft in Politik und Gesellschaft – und
                dass die Schweiz ihre Erfolgsgeschichte         Bundesrat Alain Berset rief in seinem       was diese veränderte Wahrnehmung
                fortsetzen kann. Um dies zu erreichen,          Gastreferat die Versicherer auf, die Re-    wiederum für die Wirtschaft bedeutet.
                sei es allerdings notwendig, die aktuel-        form «Altersvorsorge 2020» konstruktiv      Professor Kurt Imhof vom Forschungs-
                len Tendenzen zur Überregulierung zu            zu begleiten: «Das Ziel ist eine ausge-     institut Öffentlichkeit und Gesellschaft
                überdenken, bekräftigte Berger. Für die         wogene Reform.» Er informierte über         der Universität Zürich zeichnete den
                Assekuranz stellten die Eingriffe in die         die Stossrichtung, die der Bundesrat für    Wandel der Medienlandschaft der letz-
                liberale Wirtschaftsordnung seit Jahren         die Botschaft verabschiedet hat. Die Ver-   ten Jahre nach und erklärte, wie sich
                das grösste Risiko dar.                         nehmlassung habe gezeigt, dass zwei         als Folge davon die öffentliche Wahr-
                   SVV-Direktor Lucius Dürr führte in sei-      Ziele grundsätzlich unterstützt würden:     nehmung von Wirtschaft, Politik und
                nem Leistungsbericht durch die Kern-            Das Leistungsniveau der Altersvorsorge      Gesellschaft verschiebt.
                themen der Interessensvertretung im             solle erhalten bleiben – und es brauche
                vergangenen Jahr. Die Reform «Alters-           eine gleichzeitige Reform der ersten        Drei neue Mitglieder
                vorsorge 2020 », verschiedene Gesetz-           und zweiten Säule. «Dies sind Voraus-       im Vorstand
                                                                                                            Die Delegierten wählten an der 84. Ge-
                                                                                                            neralversammlung drei neue Vorstands-
                Standen an der diesjährigen Generalversammlung des SVV im Zentrum:                          mitglieder, nämlich Ivo Furrer (CEO
                Bundesrat Alain Berset und Verbandspräsident Urs Berger.                                    Markt Schweiz, Swiss Life), Severin Moser
                                                                                                            (Vorsitzender der Geschäftsleitung, Al-
                                                                                                            lianz Suisse) sowie Antimo Perretta (CEO,
                                                                                                            Axa Winterthur). Die bisherigen Vor-
                                                                                                            standsmitglieder Philippe Egger, ehe-
                                                                                                            maliger CEO der Axa Winterthur, und
                                                                                                            Klaus-Peter Röhler, ehemaliger CEO bei
                                                                                                            Allianz Suisse, haben per 31. Dezember
                                                                                                            2013 demissioniert. Bruno Pfister, Group
                                                                                                            CEO von Swiss Life, trat bereits auf den
                                                                                                            Zeitpunkt der Generalversammlung zu-
                                                                                                            rück. 3 (MM / Pfi.)
    Bild: SVV




                                                                                                            www.svv.ch
Erland Brügger - Schweizerischer Arbeitgeberverband
S TA N D P U N K T   7



Irrlicht in der
Berufsbildungspolitik
Mit akademisch klingenden Titeln wie «Professional Bachelor»
soll die höhere Berufsbildung aufgewertet werden. Doch das ist
definitiv der falsche Weg. Jürg Zellweger




                                                                                                   währten Stärken der höheren Berufsbildung und
                                                                                                   unterwerfen sie dem unpassenden Massstab
                                                                                                   der Hochschulwelt. Die höhere Berufsbildung
                                                                                                   kann sich so leider nicht profilieren, zumal sich
                                                                                                   alle Eckwerte zwischen diesen Bildungsberei-
                                                                                                   chen unterscheiden: 1. Für den Zugang zur
                                                                                                   höheren Berufsbildung spielt die praktische Er-
                                                                                                   fahrung eine zentrale Rolle – nicht die Matura.
                                                                                                   2. Die berufsbegleitenden Ausbildungen sind
                                                                                 Bild: Rob Lewis   den Bedürfnissen der Branchen und Teilneh-
                                                                                                   mer angepasst – nicht europäisch normiert.
                                                                                                   3. Die Inhalte werden von Berufsverbänden (mit-)
                                                                                                   definiert und von bewährten Berufsleuten ver-
                                                                                                   mittelt – und sind nicht Produkt akademischer
Jürg Zellweger ist Mitglied   Der Nationalrat möchte die Abschlüsse der eid-                       Freiheiten. 4. Die Abschlüsse der höheren Berufs-
der Geschäftsleitung          genössischen Prüfungen und der höheren                               bildung zielen auf die Übernahme von Verant-
des Schweizerischen
Arbeitgeberverbands.
                              Fachschulen aufwerten, indem sie den akade-                          wortung in Firmen – und nicht auf weitere aka-
                              mischen Titeln angeglichen werden. Der                               demische Ausbildungen. Kurz: Der Professio-
                              Vorstoss von SP-Nationalrat Aebischer schlägt                        nal Bachelor entpuppt sich als Irrlicht in der Be-
                              etwa Berufs-Bachelor, Bachelor-HF oder Pro-                          rufsbildungspolitik. Wer diesem Irrlicht folgt,
                              fessional Bachelor / Master anstelle der eidge-                      fördert nach der formellen Angleichung auch
                              nössischen Fachausweise und Diplome vor.                             den handfesten Umbau in der höheren Berufs-
                              Die höhere Berufsbildung sei international nicht                     bildung: Mit Normierung (und Verlängerung) der
                              bekannt und Berufsleute würden bei Bewer-                            Ausbildung; dominierender staatlicher Finan-
                              bungen im Ausland benachteiligt, so die Argu-                        zierung, die privates Engagement verdrängt; Ak-
                              mentation. Die Benachteiligung nehme auch                            kreditierung von (Autonomie anstrebenden)
                              in der Schweiz zu, da internationale Firmen und                      Institutionen; inputorientierten ECTS -Punkten
                              Chefs aus dem Ausland eher Fachleute mit                             anstelle von outputorientierten Kompetenzen.
                              akademischen Abschlüssen suchen würden. Sin-                         Das sind gefährliche Ideen, welche die starke und
                              nigerweise soll man der Akademisierung also                          wichtige Verbindung zur Arbeitswelt schwä-
                              ausgerechnet mit akademisch klingenden Titeln                        chen.
                              zu Leibe rücken. Kann das – mit dem Trick der
                              Umetikettierung – gelingen?                                          Richtig dagegen ist der vom Bund eingeschla-
                                                                                                   gene Weg, um die höhere Berufsbildung besser
                              Der Trick besteht darin, die Grenzen zwischen                        zu positionieren. So gilt es, international ver-
                              beruflicher und akademischer Bildung zu ver-                         ständliche Diplomzusätze und Niveaueinstufun-
                              wischen, um die Berufsbildung vom Prestige                           gen für die Abschlüsse zu erarbeiten und die
                              vermeintlich höher positionierter Abschlüsse                         Reputation der Berufsbildung national und in-
                              profitieren zu lassen. Doch es wird nicht lange                       ternational zu stärken. Das braucht Zeit und
                              dauern, bis das durchschaut wird. Denn Arbeit-                       Arbeit, bringt aber echte Transparenz für die Ar-
                              geber lassen sich nicht gern täuschen. Und                           beitgeber und dokumentiert die Qualität der
                              auch einem Berufs-Profi ist nicht gedient, wenn                       höheren Berufsbildung, ohne sie unter unnöti-
                              sein Abschluss nach (verspätetem) Hochschul-                         gem Zwang zu verändern. Es ist zu hoffen,
                              abgänger tönt. Noch gravierender ist: Die vor-                       dass der Vorstoss von Aebischer im Ständerat
                              geschlagenen Titel verwischen auch die be-                           als Irrlicht erkannt und abgelehnt wird. 3


                                                                                                                         Schweizer Arbeitgeber   8 / 2014
Erland Brügger - Schweizerischer Arbeitgeberverband
8   A R B E I TG E B E R I M G E S P R Ä C H


                            Willy Ruf, CEO von Swissport International Ltd., Station Zürich


                            «Mit Stolz für Swissport arbeiten»
                            Vom Dienstleistungszweig der Swissair für die Passagier- und Gepäckabfertigung
                            hat sich Swissport zum führenden Anbieter für Fluggesellschaften in aller Welt
                            entwickelt. Willy Ruf ist CEO der Geschäftseinheit am Flughafen Zürich. Er äussert
                            sich unter anderem zum Kostendruck in der Branche und was er für das
                            Unternehmen Swissport bedeutet. Interview: Daniela Baumann



                            Herr Ruf, was ist beim in 45 Ländern an über 260        zehn Prozent nach wie vor gross. Mit den Flughä-
                            Flughäfen tätigen Unternehmen Swissport heute           fen Zürich, Basel und Genf ist die Schweiz immer
                            noch schweizerisch – abgesehen vom Namen ?              noch die mit Abstand grösste Ländergesellschaft
                            Willy Ruf: Swissport war immer eine Schweizer           der Gruppe. Das kommt natürlich aus unserer Ge-
                            Firma und ist es noch heute. Seit wir nicht mehr        schichte heraus: Swiss International Air Lines macht
                            Teil der Swissair sind, wechselten zwar die Besitz-     gut die Hälfte des Umsatzes hierzulande aus.
                            verhältnisse mehrfach, aber der Hauptsitz ist stets
                            hier geblieben. Die operationellen Konzepte, die        Ist die Zusammenarbeit mit der Swiss in Stein ge-
                            an den Swissport-Standorten weltweit angewen-           meisselt ?
                            det werden, stammen ebenfalls aus der Schweiz.          Nein, das ist sie nicht. Der Vertrag mit unserer Haupt-
                            Sie zeichnen sich durch typische Attribute von Swiss-   kundin läuft noch bis Ende Oktober 2015. Wir sind
                            ness wie Präzision und Zuverlässigkeit aus. Der         im Moment in Verhandlungen über eine Verlänge-
                            Markt nimmt uns auch deshalb als Schweizer Un-          rung. Die Zusammenarbeit mit der Swiss ist seit
                            ternehmen wahr.                                         jeher sehr eng und matchentscheidend für uns.
                                                                                    Wir haben gute Karten, aber auch die Swiss prüft
                            Wie wurde aus der Tochtergesellschaft der Swiss-        Möglichkeiten, ihre Kosten zu optimieren.
                            air der grösste Flugzeugabfertiger der Welt ?
                            Die Unabhängigkeit von der Swissair war eine di-        Welche Alternativen zu Swissport gibt es am Flug-
                            rekte Folge des Groundings und insofern nicht ge-       hafen Zürich ?
                            wollt. Sie erlaubte aber eine Neupositionierung         Zurzeit sind drei Unternehmen mit einer Abferti-
                            vom Dienstleistungszweig innerhalb der Swissair         gungslizenz aktiv. Wir sind klar der Marktleader, vor
                            zu einem eigenständigen Unternehmen, das auch           allem dank dem Auftrag von Swiss International
                            Geschäftspartnerschaften mit direkten Konkurren-        Air Lines. Unsere nächstgrösseren Kunden sind Air
                            ten der heutigen Swiss International Air Lines ein-     Berlin, Lufthansa und Edelweiss Air. Doch der Wett-
                                                                                    bewerb ist intensiv. Bei Vertragsende schreiben die
                                                                                    Airlines die Leistungen wieder aus und alle in Zü-
« Die Fluggesellschaften müssen                                                     rich lizenzierten Unternehmen können offerieren.
ständig ihre Kosten senken – und diesen                                             Aufgrund der Überkapazitäten auf dem Markt
                                                                                    müssen die Fluggesellschaften ständig ihre Kosten
Druck geben sie an uns weiter. »                                                    senken – und diesen Druck geben sie natürlich an
                                                                                    ihre Zulieferer weiter.
                            gehen kann. Seither hat das Wachstum exponen-
                            tiell zugenommen. In den ersten Jahren war es vor       Was bedeutet dieser Kostendruck für Swissport ?
                            allem organisch, indem wir Lizenzen auf weiteren        Wir müssen die tieferen Erträge kostenseitig mit
                            Flughäfen erwarben. Seit 2011 sind wir vermehrt         Produktivitätsfortschritten, insbesondere durch Au-
                            über die Akquisition von Konkurrenten gewachsen.        tomatisierung, wettmachen. Die Personalkosten
                            Dadurch konnten wir in den letzten drei Jahren          machen gut zwei Drittel unserer Gesamtkosten
                            den Umsatz weltweit auf drei Milliarden Schwei-         aus. Wir haben heute deutlich weniger Mitarbei-
                            zer Franken verdoppeln.                                 tende als noch vor fünf Jahren. Der Passagierdienst
                                                                                    wurde stark automatisiert, der Flugpassagier macht
                            Welche Bedeutung hat heute das Schweizer Ge-            heute vom Check-in bis zum Boarding fast alles
                            schäft für den Konzern ?                                selber. In der Logistik dagegen läuft vieles noch
                            Obwohl die Bedeutung relativ gesehen abgenom-           manuell, so etwa die Gepäcksortierung. Nicht weil
                            men hat, ist der Umsatzanteil der Schweiz mit über      die Technologie fehlt, sondern weil die bestehende
A R B E I TG E B E R I M G E S P R Ä C H   9


                                                                                                    Grösse haben wir den Vorteil einer
                                                                                                    hohen Produktivität. Dadurch können
                                                                                                    und wollen wir uns einen gewissen Auf-
                                                                                                    preis bei den Löhnen leisten, um der
                                                                                                    «preferred employer» am Flughafen Zü-
                                                                                                    rich zu sein.

                                                                                                    Welche Anforderungen stellt die Arbeit
                                                                                                    bei Swissport an das Personal ?
                                                                                                    Die Anforderungen in unseren beiden
                                                                                                    Geschäftsbereichen sind unterschied-
                                                                                                    lich: Im Passagierdienst werden eine
                                                                                                    abgeschlossene Berufslehre, ein gutes
                                                                                                    Auftreten, eine gewisse IT-Affinität sowie
                                                                                                    Sprachenkenntnisse vorausgesetzt. In
                                                                                                    der Flugzeug- und Gepäckabfertigung
                                                                                                    brauchen Mitarbeitende neben einer
                                                                                                    Berufslehre einen Führerausweis sowie
                                                                                                    eine gute körperliche Verfassung, da die
                                                                                                    Belastung insbesondere für den Rücken
                                                                                                    hoch ist. In gewissen Tätigkeiten be-
                                                                                                    wegt ein einzelner Mitarbeitender meh-
Willy Ruf leitet die Station Zürich der Swissport Inter-                                            rere Tonnen pro Tag.
national Ltd. mit über 2000 Mitarbeitenden aus 40 Na-
tionen seit Anfang 2013. Zuvor war er bereits zehn                                      Bild: zVg   Wie gehen Sie mit allfälligen gesund-
Jahre für das Unternehmen tätig, das nach dem Motto                                                 heitlichen Problemen von Mitarbei-
«From Landing to Take-off: We care» für die vollum-                                                  tenden infolge dieser belastenden Tä-
fängliche Betreuung der Flugzeuge und der Passagiere       Billig-Airlines und Flug-                tigkeiten um ?
während des sogenannten Turnarounds am Boden               gesellschaften aus dem                   Wir verfügen über sogenannte Schon-
zuständig ist. Ruf verfügt über einen MBA-Abschluss        nahen Osten zuneh-                       arbeitsplätze. Damit können wir betrof-
und ist Vater zweier Kinder.                               mend bedrängt werden,                    fenen Mitarbeitenden intern eine Alter-
                                                           zwingt uns, in einem                     native anbieten, sodass sie immer noch
                                                           neuen GAV weitere Kor-                   einen Beitrag leisten können, aber phy-
 Anlage nur mit sehr hohem Aufwand           rekturen vorzunehmen.                                  sisch nicht mehr so stark belastet sind.
 nachgerüstet werden kann. Ein weite-                                                               Ausserdem betreiben wir ein Case Ma-
 rer Kostenfaktor ist die Minimierung von    Das dürfte nicht einfach werden.                       nagement, um Personen, die beispiels-
 Leerzeiten. Der Arbeitsanfall schwankt      In der Tat nicht. Wir haben jedoch ein                 weise wegen Unfall oder Krankheit aus
 im Tagesverlauf stark, der Personalein-     gutes Verhältnis zu den Sozialpartnern,                unseren betrieblichen Prozessen ausge-
 satz muss innert kürzester Zeit hoch-       die das Geschäft sehr gut verstehen. Da-               schieden sind, möglichst rasch wieder
 oder heruntergefahren werden. Und           her ist es uns immer wieder gelungen,                  zu integrieren. Primär in ihrem ange-
 zwar in einer Art und Weise, die auch       konsensfähige Lösungen zu finden. Ver-                  stammten Arbeitsbereich, falls dies
 für die Mitarbeitenden annehmbar ist.       handlungen sind ein Geben und Neh-                     nicht möglich ist, in einem anderen Be-
                                             men. Wenn wir etwas fordern, um die                    reich im Unternehmen oder in dritter
 Sie haben auf dieses Jahr mit den So-       Kosten runterzubringen, müssen wir es                  Priorität auch ausserhalb von Swissport.
 zialpartnern den Gesamtarbeitsver-          den Mitarbeitenden in anderer Form
 trag angepasst. Weshalb ?                   abgelten können.                                       Was ist Ihnen als Führungsperson mit
 Wir bieten unseren Mitarbeitenden sehr                                                             Blick auf Ihre Mitarbeitenden wichtig?
 grosszügige Anstellungsbedingungen          Finden Sie genügend Personal, um die                   Mir ist es primär ein Anliegen, dass unsere
 und attraktive Sozialleistungen. Von un-    Stellen zu besetzen ?                                  Mitarbeitenden gerne und mit Stolz für
 seren Konkurrenten hat keiner einen         Ja, die Nachfrage nach Jobs am Flugha-                 Swissport arbeiten. Zudem müssen sie
 GAV, und wir haben historisch bedingt       fen generell und bei Swissport ist un-                 selbständig und eigenverantwortlich
 die mit Abstand höchsten Kosten pro         gebrochen. Der Flughafen ist ein Mag-                  Entscheidungen treffen können, denn
 gearbeitete Stunde. In vielen Bereichen     net und fasziniert die Leute nach wie                  im Schichtbetrieb ist der Vorgesetzte
 bezahlen wir deutlich mehr als der Ge-      vor. Ausserdem verdient man bei uns                    nicht immer anwesend. Wichtig ist des-
 setzgeber verlangt, so wird zum Beispiel    nicht schlecht – auch dank der Nacht-                  halb eine Kultur, in der die Mitarbeiten-
 die Nachtarbeit doppelt abgegolten. Der     und Wochenend-Arbeit, die finanziell                    den auch einmal einen Fehler machen
 Kostendruck unserer Kunden, die von         abgegolten wird. Aufgrund unserer                      dürfen. 3


                                                                                                                  Schweizer Arbeitgeber   8 / 2014
10   ARBEITSRECHT


     Urteil

     Bonus –
     Präzisierung der Rechtsprechung
     Damit die Gratifikation eine Sondervergütung bleibt, darf sie neben
     dem Lohn nur eine zweitrangige Bedeutung haben. Wird ein kleiner
     Lohn und dafür eine grosse Gratifikation ausgerichtet, ist diese trotz der
     vereinbarten Freiwilligkeit das eigentliche Entgelt für die Arbeit. Sobald
     der Lohn jedoch die wirtschaftliche Existenz des Arbeitnehmers bei
     Weitem deckt, bildet das Verhältnis Gratifikation – Lohn kein Kriterium
     mehr, um über den Lohncharakter der Gratifikation zu entscheiden.



     Sachverhalt                                   tribution to the current and future suc-
     A. war seit dem 1. Januar 2005 als Direk-     cess of the Company.
     tor bei der X. AG angestellt. Im Arbeits-        A bonus will only be awarded if neit-
     vertrag war ein Fixlohn von 280 000           her the Member of Senior Management
     Franken vereinbart, und es wurde ein          nor the Company have delivered notice
     Bonus in Aussicht gestellt. In den Jahren     of termination before the time of the         spruch auf die Ausrichtung eines Bonus.
     2005 bis 2007 wurden Boni von 560 000         written notification of the bonus.»            Dabei sei zu beachten, dass X. nach
     Franken, 600 000 Franken und von                                                            dem Verlust im Jahr 2008 wieder nam-
     550 000 Franken teils in bar, teils als ak-   2.1.1 Für das Jahr 2008 ging die Vorin-       hafte Gewinne geschrieben habe. Der
     tienbasierte Wertrechte (Incentive Share      stanz von einem Lohnbestandteil von           Bonus müsse daher höher ausfallen als
     Units; ISU) ausbezahlt. Am 19. Januar         insgesamt mindestens 425 000 Franken          für das Jahr 2008. Unter Berücksichti-
     2009 unterzeichneten die Parteien die         aus, indem sie zum Fixlohn von 280 000        gung der gesamten Umstände setzte
     Dokumente «Exemption from Duties»             Franken den durchschnittlichen Bonus          die Vorinstanz den variablen Lohnanteil
     sowie «Professional Reorientation-Trans-      der Jahre 2005 bis 2007 von 570 000           für das Jahr 2009 auf 280 000 Franken
     fer Agreement». Gemäss diesen war A.          Franken addierte und diese Summe hal-         fest, wobei A. nur drei Viertel (210 000
     ab dem 20. Januar 2009 freigestellt. Am       bierte. So wird nach Auffassung der Vor-       Franken) zustünden, weil sein Arbeits-
     23. April 2009 hielt X. fest, sie gehe von    instanz ein übermässiger Gratifikations-       verhältnis am 30. September 2009 ge-
     einer einvernehmlichen Auflösung des           anteil verhindert. Die A. für das Jahr 2008   endet habe.
     Arbeitsverhältnisses per 31. August 2009      ausbezahlte Summe von 463 000 Fran-
     aus. Nachdem A. dagegen protestiert           ken (Fixlohn von 280 000 Franken plus         2.2 Weder A. noch X. können nachvoll-
     hatte, kündigte sie das Arbeitsverhält-       die Bonuszuteilung von 183 000 Fran-          ziehen, weshalb die Vorinstanz für die
     nis mit Schreiben vom 9. Juni 2009 auf        ken) übersteigt diesen Betrag. Die Vor-       Jahre 2008 und 2009 verschiedene Be-
     den 30. September 2009.                       instanz erachtete die Bonuszuteilung          rechnungsmethoden zur Anwendung
                                                   von 183 000 Franken mit Blick auf das         gebracht hat, wobei sie unterschied-
     Aus den Erwägungen                            verheerende Geschäftsjahr 2008 und            liche Meinungen über die korrekte Be-
     2 . Vor Bundesgericht streitig ist nur        die Tatsache, dass die Abteilung von A.       rechnung haben. A. leitet aus der bun-
     noch der Bonus für die Jahre 2008 und         aufgelöst und dieser entlassen werden         desgerichtlichen Rechtsprechung ab,
     2009 sowie die Art der Auszahlung. Im         musste, für ausreichend. Die Auszahlung       wenn der Bonus den Fixlohn über-
     Arbeitsvertrag wird auf die «Regulations      eines Teils in ISUs könne A. nicht bean-      schreite, werde zwingend der gesamte
     for Members of Senior Management»             spruchen, da diese bezwecke, Schlüssel-       Bonus zum Lohnbestandteil.
     verwiesen, die in Ziff. 4 unter dem Titel      mitarbeiter zu halten oder anzuwerben.
     «Bonus» festhalten:                           Vor Mitteilung des Bonus am 21. Januar        3. Bei einer Gratifikation im Sinne von
        «The Company at its discretion may         2009 sei A. schon von seinem Vorgesetz-       Art. 322d OR handelt es sich um eine
     pay a bonus in addition to the annual         ten auf die Möglichkeit des Abbaus            ausserordentliche Zulage, die zum Lohn
     salary. However, there is no entitlement      seiner Stelle hingewiesen und am 19. Ja-      hinzutritt und bei bestimmten Anlässen
     to a bonus, irrespective of whether such      nuar 2009 zur beruflichen Neuorientie-         ausgerichtet wird. Sie hängt immer in
     payments were made in previous years.         rung freigestellt worden. Er sei daher        einem gewissen Masse vom Willen des
     Whether a bonus is paid at all, as well       weder ein «anzuwerbender» noch ein            Arbeitgebers ab. Um den Charakter einer
     as the amount of any bonus depends            «zu haltender» Arbeitnehmer gewesen.          Sondervergütung zu wahren, darf eine
     on the performance of X., the relevant                                                      Gratifikation neben dem Lohn nur eine
     department and the personal perfor-           2.1.2 Auch für das Jahr 2009 hatte A.         zweitrangige Bedeutung haben. Daher
     mance of the individual and their con-        nach Auffassung der Vorinstanz An-             wird der akzessorische Charakter dann
ARBEITSRECHT           11


                                                                            benshaltungskosten des Arbeitnehmers          zog dabei insbesondere den Verlust von
                                                                            erheblich und den Durchschnittslohn           7,687 Milliarden Franken heran. Mit Blick
                                                                            um ein Vielfaches übersteigen würde.          darauf falle eine Kürzung um lediglich
                                                                                                                          25 Prozent, die A. akzeptieren würde,
                                                                            3.2 Würde der Bonus integral als Lohn-        ausser Betracht. Sie stellte bezüglich der
                                                                            bestandteil angesehen, ergäbe dies zu-        Leistungen von A. und seiner Abteilung
                                                                            sammen mit dem Basissalär nach den            darauf ab, dass diese aufgelöst («perfor-
                                                                            Ausführungen von A. selbst für die Jah-       mance … of the relevant department»)
                                                                            re 2005 bis 2007 einen Lohn, der zwi-         und er selbst entlassen («personal per-
                                                                            schen 830 000 Franken und 880 000             formance of the individual») werden
                                                                            Franken schwankt. Vor diesem Hinter-          musste. Vor diesem Hintergrund erach-
                                                                            grund ist nicht zu beanstanden, wenn          tete sie eine Herabsetzung des Bonus
                                                                            nur ein Teil der Sondervergütung als          auf 183 000 Franken für gerechtfertigt.
                                                                            Lohnbestandteil betrachtet wird. Dass
                                                                            die Vorinstanz den Lohnbestandteil in-        3.3.2 A. wiederholt vor Bundesgericht
                                              Illustration: Christine Ruf




                                                                            klusive Fixlohn auf mindestens 425 000        seine Vorbringen, wonach seine Abtei-
                                                                            Franken ansetzt, mag für die Jahre 2005       lung für das Jahr 2008 trotz der Krise
                                                                            bis 2007 angehen. Für den Bonus des           ein dem Vorjahr entsprechendes Ergeb-
                                                                            Jahres 2008 kann daraus aber nichts ab-       nis erreicht habe. Er selbst habe 4 000 000
                                                                            geleitet werden, da dieser unabhängig         Franken Gewinn erwirtschaftet, und die
kaum mehr gewahrt, wenn die Gratifi-                                         davon, ob er als Lohnbestandteil oder         «Year End Evaluation» für das Jahr 2008
kation regelmässig einen höheren Be-                                        als Gratifikation zu qualifizieren ist, vari-   sei gleichbleibend gut gewesen. Schliess-
trag erreicht als der Lohn. Wird ein klei-                                  abel ausgestaltet ist. Für die Frage, in      lich verweist er auch auf die Lohnkür-
ner Lohn vereinbart und dafür eine                                          welchem Mass der Lohn variabel bezie-         zungen für die Geschäftsleitung, die ge-
grosse Gratifikation ausgerichtet, er-                                       hungsweise erfolgsbedingt ausgestal-          ringer ausgefallen seien.
weist sich diese trotz der vereinbarten                                     tet werden darf, ist die Rechtsprechung
Freiwilligkeit als das eigentliche Entgelt                                  zur Abgrenzung zwischen Lohn und              3.3.3 Die Performance von A. und sei-
für die Arbeit. Sie wird dadurch zumin-                                     Gratifikation nicht einschlägig. Selbst        ner Abteilung sowie die Auswirkungen
dest teilweise zum Lohn im Rechtssinn.                                      wenn der Bonus Lohnbestandteil wird,          auf das Geschäftsergebnis bilden zu-
Sobald der eigentliche Lohn jedoch ein                                      bedeutet dies nicht, dass er dadurch          sammen mit diesem selbst die tatsäch-
Mass erreicht, das die wirtschaftliche                                      zum Fixlohn würde, sondern nur, dass          lichen Grundlagen, nach denen der
Existenz des Arbeitnehmers bei Weitem                                       die Ausrichtung nicht vom Willen des          Bonus festzusetzen ist. In tatsächlicher
gewährleistet beziehungsweise seine                                         Arbeitgebers abhängt und die Höhe             Hinsicht kann das Bundesgericht indes-
Lebenshaltungskosten erheblich über-                                        nach den im Vertrag vereinbarten Kri-         sen nur prüfen, ob der angefochtene
steigt, bildet die Höhe der Gratifikation                                    terien objektiv festzusetzen ist.             Entscheid offensichtlich unrichtig und
im Verhältnis zum Lohn kein taugliches                                                                                    damit willkürlich ist. Dass aus dem Ar-
Kriterium mehr, um über den Lohncha-                                        3.3 Für das Jahr 2008 hat X. einen Bo-        beitszeugnis von A. auf eine gute per-
rakter der Sondervergütung zu ent-                                          nus ausgerichtet. Sofern dieser dem           sönliche Leistung geschlossen werden
scheiden. Bei derartigen Einkommens-                                        entspricht, was A. aufgrund der Verän-        könnte, genügt nicht, um den Schluss
verhältnissen lässt sich ein Eingriff in die                                 derungen der vereinbarten Parameter           von der Kündigung und der Schliessung
Privatautonomie der Parteien durch ein                                      objektiv als variable Vergütung bean-         der Abteilung auf eine Performance, die
entsprechendes Schutzbedürfnis des                                          spruchen kann, kommt der Frage, ob            zusammen mit dem schlechten Ge-
Arbeitnehmers nicht legitimieren.                                           die Vergütung als Gratifikation oder als       schäftsergebnis die Bonuskürzung im
                                                                            Lohnbestandteil angesehen wird, keine         Vergleich zum Vorjahr rechtfertigt, als
3.1 Übersteigt die Gratifikation den Fix-                                    Bedeutung zu, da dies nur die Frage der       geradezu willkürlich auszuweisen. Nicht
lohn, wird sie entgegen der Auffassung                                       Freiwilligkeit der Leistung beziehungs-       massgebend ist, dass die Kürzung bei
von A. nicht zwingend integral zum                                          weise das freie Ermessen bei deren Fest-      der Geschäftsleitung allenfalls weniger
Lohnbestandteil. Nachdem das Bundes-                                        setzung beschlägt. Zu prüfen bleibt, ob       hoch ausgefallen ist, da diesbezüg-
gericht in seiner jüngsten Rechtspre-                                       die Vorinstanz zu Recht davon ausging,        lich andere Parameter zur Anwendung
chung bei hohen Einkommen den Ein-                                          der für das Jahr 2008 ausbezahlte Bonus       kommen können.
griff in die Privatautonomie der Parteien                                    von 183 000 Franken in bar ohne akti-
entsprechend dem Schutzbedürfnis des                                        enbasierte Entschädigung sei korrekt.         Urteil des Schweizerischen
Arbeitnehmers eingeschränkt hat, er-                                                                                      Bundesgerichts, 16. Mai 2013
scheint die Qualifikation der gesamten                                       3.3.1 Die Vorinstanz prüfte die verschie-     (4A_721/2012)
Sondervergütung als Lohnbestandteil                                         denen Kriterien, die gemäss der getrof-
insbesondere dann nicht als geboten,                                        fenen Vereinbarung bei der Bonusfest-
wenn der so berechnete Lohn die Le-                                         setzung zu berücksichtigen waren. Sie


                                                                                                                                        Schweizer Arbeitgeber   8 / 2014
12   ARBEITSRECHT


     Urteil

     Faktische Ausübung
     gewerkschaftlicher Tätigkeit
     Eine Kündigung bei gewerkschaftlicher Tätigkeit des
     Arbeitnehmers ist nicht per se missbräuchlich, sondern nur,
     wenn diese das Kündigungsmotiv darstellt. So weit die
     Arbeitgeberin keine Kenntnis von dieser Tätigkeit hat, kann
     sie auch nicht den Kündigungsgrund darstellen.



     Sachverhalt                                 Kündigung wurde jedoch von beiden
     A. war seit 2002 als Taxichauffeur bei       Vorinstanzen verneint.
     der X. AG tätig. Mit Schreiben vom
     23. August 2010 kündigte X. A. das Ar-      3.4 Die Vorinstanz hat festgestellt, dass
     beitsverhältnis unter Einhaltung der        X. nicht gewusst habe, welche Rolle A.
     gesetzlichen Kündigungsfrist von zwei       im Zusammenhang mit der Einführung
     Monaten auf den 31. Oktober 2010. Im        der Nachtarbeitszeitgutschrift zuge-
     Kündigungsschreiben wurde zur Be-           kommen sei. Zwischen X. und A. bezie-           fasst. Eine solche habe A. im Zusam-
     gründung der Kündigung auf ein Schrei-      hungsweise den betroffenen Chauf-                menhang mit den Nachtarbeitszeitgut-
     ben vom 19. September 2008 verwiesen,       feuren sei es seit dem1. April 2008 – seit      schriften wahrgenommen, weshalb die
     in welchem A. im Zusammenhang mit           der Einführung der Nachtarbeitszeit-            Kündigung missbräuchlich sei.
     einer Transportverweigerung verwarnt        gutschrift – zu keiner erneuten Bespre-
     wurde, sowie auf verschiedene Meldun-       chung gekommen. Die Kontakte be-                4.1.1 Die Vorinstanz hat festgestellt, A.
     gen seitens der Disposition, wonach A.      züglich der rückwirkenden Einführung            habe zwar nach eigenen Angaben im
     immer wieder einzelne Fahraufträge          der Gutschrift seien nur noch über die          Mai 2008 die Gewerkschaft Y. angefragt,
     verweigert habe. Mit Schreiben vom          jeweils mandatierten Rechtsanwälte              als die Interessengemeinschaft Nacht-
     27. Oktober 2010 erhob A. Einsprache        und das zuständige Gericht gelaufen.            arbeitszeitgutschriften, bestehend aus
     gegen die Kündigung.                        A. habe selber angegeben, dass er sein          A. und drei weiteren Delegierten der
                                                 Engagement betreffend die Nachtar-               Chauffeure, und die Geschäftsleitung
     Aus den Erwägungen                          beitszeitgutschriften in seiner Freizeit        von X. in den Gesprächen um die rück-
     2 . Nachdem das Verwaltungsgericht          wahrgenommen habe, weshalb es für               wirkende Einführung der Nachtarbeits-
     des Kantons Bern mit Urteil vom 4. De-      X. nicht ersichtlich gewesen sei, dass er       zeitgutschrift nicht mehr weitergekom-
     zember 2006 entschied, dass Art. 17b        im Hintergrund massgeblich beteiligt            men seien. A. habe aber nie geltend
     ArG betreffend Lohn- und Zeitzuschlag        gewesen sei. Da X. keine Kenntnis von           gemacht, dass er selbst für die Gewerk-
     auch auf angestellte Taxifahrer anwend-     seiner Rolle gehabt habe, würde sich            schaft Y. tätig geworden sei. So sei denn
     bar sei, gelangte A. zusammen mit an-       die Einvernahme von weiteren Zeugen             die Gewerkschaft gegenüber X. auch
     deren Chauffeuren im Dezember 2007           zum Nachweis der führenden Rolle von            nie in Erscheinung getreten.
     an X. und verlangte die Einführung der      A. erübrigen.                                     Eine bloss faktische Ausübung einer
     Nachtarbeitszeitgutschrift im Betrieb         A. zeigt keineswegs auf, inwiefern            gewerkschaftlichen Tätigkeit sei vom
     für alle Nachtarbeitenden. Diese wurde      die vorweggenommene Beweiswürdi-                Schutzbereich von Art. 336 Abs. 2, lit. a
     per 1. April 2008 eingeführt, allerdings    gung der Vorinstanz willkürlich gewe-           OR nicht erfasst; selbst wenn A. betref-
     blieb die rückwirkende Einführung für       sen wäre.                                       fend die Durchsetzung von rückwirken-
     die Vorjahre strittig. Es kam zu einem                                                      den Nachtarbeitszeitgutschriften von
     gerichtlichen Verfahren, welches für alle   4.1 A. rügt eine Verletzung beziehungs-         der Gewerkschaft Y. im Hintergrund
     Chauffeure und A. mit einem Vergleich        weise eine fehlerhafte Auslegung von            unterstützt worden wäre, habe dies in
     abgeschlossen wurde.                        Art. 336 Abs. 2, lit. a OR . Dabei macht er     jedem Fall nicht das Motiv der Kündi-
        A. macht geltend, die von X. am 23.      geltend, die Vorinstanz sei zu Unrecht          gung darstellen können, da X. keine
     August 2010 ausgesprochene Kündi-           davon ausgegangen, dass die bloss fak-          Kenntnis davon hatte.
     gung sei im Zusammenhang mit seiner         tische Ausübung einer gewerkschaftli-
     Rolle als führende Kraft im laufenden       chen Tätigkeit vom Schutzbereich von            4.1.2 Eine Verletzung von Art. 336 OR
     Verfahren betreffend die rückwirkende        Art. 336 Abs. 2, lit. a OR nicht erfasst sei:   ist nicht ersichtlich. A. führt keineswegs
     Einführung von Nachtarbeitszeitgut-         Sämtliche gewerkschaftliche Tätigkei-           aus, worin sich eine solche faktische
     schriften erfolgt, weshalb diese miss-      ten, somit auch faktische, seien vom            gewerkschaftliche Tätigkeit ergeben
     bräuchlich sei. Eine missbräuchliche        Anwendungsbereich dieser Norm er-               hätte. Eine solche wurde von der Vorin-
ARBEITSRECHT           13


                                                                          Urteil

                                                                          Nachschieben von
                                                                          Kündigungsgründen
                                                                          Das Nachschieben von Kündigungsgründen ist zulässig,
                                                                          solange es sich um Ereignisse handelt, die sich vor dem
                                                                          Aussprechen der Kündigung ereignet haben.



                                                                          Sachverhalt                                 er dennoch einige anerkannt. Insge-
                                                                          A. war seit 2002 als Taxichauffeur bei       samt sei X. damit der Beweis gelungen,
                                                                          der X. AG tätig. Mit Schreiben vom 23.      dass das Motiv für die Kündigung in
                                                                          August 2010 kündigte X. A. das Arbeits-     den anerkannten Pflichtverletzungen
                                            Illustration: Christine Ruf




                                                                          verhältnis unter Einhaltung der gesetzli-   durch A. lag; weiterer Beweismassnah-
                                                                          chen Kündigungsfrist von zwei Monaten       men zur Abklärung der einzelnen Vor-
                                                                          auf den 31. Oktober 2010. Im Kündi-         fälle bedürfe es unter diesen Umstän-
                                                                          gungsschreiben wurde zur Begründung         den nicht.
                                                                          der Kündigung auf ein Schreiben vom
stanz auch nicht festgestellt. Er ver-                                    19. September 2008 verwiesen, in wel-       4.3.2 Die Rüge von A. ist unbegründet.
kennt überdies, dass eine Kündigung                                       chem A. im Zusammenhang mit einer           Das Nachschieben von Kündigungs-
bei gewerkschaftlicher Tätigkeit nicht                                    Transportverweigerung verwarnt wurde,       gründen ist nach der bundesgerichtli-
per se missbräuchlich ist, sondern nur,                                   sowie auf verschiedene Meldungen sei-       chen Rechtsprechung zulässig, solange
wenn diese das Kündigungsmotiv war.                                       tens der Disposition, wonach A. immer       es sich um Ereignisse handelt, welche
   Das Motiv einer Kündigung ist Tat-                                     wieder einzelne Fahraufträge verweigert     sich vor dem Aussprechen der Kündi-
frage, das Bundesgericht ist an die Fest-                                 habe. Mit Schreiben vom 27. Oktober         gung ereignet haben. A. bringt nicht
stellungen der Vorinstanz gebunden.                                       2010 erhob A. Einsprache gegen die          vor, dass es sich bei den «nachgescho-
Die Vorinstanz hat verbindlich festge-                                    Kündigung.                                  benen Kündigungsgründen» um Vor-
stellt, dass X. von der Rolle von A., im                                                                              fälle handeln würde, die sich nach der
Zusammenhang mit der rückwirkenden                                        Aus den Erwägungen                          Kündigung zugetragen haben. Ohne-
Einführung der Nachtarbeitszeitgut-                                       4.3 A. bringt vor, «das Nachschieben        hin hat die Vorinstanz nicht festgestellt,
schriften, keine Kenntnis hatte. Dem-                                     von Kündigungsgründen in dieser Art         um was für Vorfälle es sich dabei genau
nach konnte auch eine faktische ge-                                       und Weise und in diesem Ausmass» sei        handelt und ob sich diese so ereignet
werkschaftliche Tätigkeit nicht das                                       nicht zulässig. X. habe «klammheimlich»     haben, wie von X. dargestellt. Denn
Motiv einer Kündigung sein. Die Rüge                                      während acht Monaten Gründe für eine        ausschlaggebend ist, dass das Motiv
ist unbegründet.                                                          Kündigung «gesammelt», um später ge-        der Kündigung in den (zumindest teil-
                                                                          stützt auf diese angeblichen vorhande-      weise) anerkannten Pflichtverletzungen
Urteil des Schweizerischen                                                nen «Vorfälle» eine Kündigung auszu-        durch A. lag.
Bundesgerichts, 18. Juni 2013                                             sprechen. Es könne nicht sein, dass der
(4A_169/2013)                                                             Arbeitgeber nach erfolgter Kündigung        Urteil des Schweizerischen
                                                                          dem Gericht diese «Vorfälle präsentiere»,   Bundesgerichts, 18. Juni 2013
                                                                          ohne dass sich der Arbeitnehmer jemals      (4A_169/2013)
                                                                          während laufendem Arbeitsverhältnis
                                                                          dazu habe äussern können.

                                                                          4.3.1 Die Vorinstanz hat festgestellt,
                                                                          dass X. im Rahmen des Gerichtsverfah-
                                                                          rens weitere Gründe – neben den im
                                                                          Kündigungsschreiben genannten – vor-
                                                                          gebracht habe, die zur Kündigung ge-
                                                                          führt haben. Darunter das Fehlverhal-
                                                                          ten von A. an Silvester 2009 und die
                                                                          zweimalige Verwarnung wegen fal-
                                                                          schen Ausfüllens der Kontrollkarten.
                                                                            Obwohl A. einige ihm gegenüber er-        Es handelt sich auf dieser Doppelseite um zwei
                                                                          hobene Vorwürfe bestritten habe, habe       verschiedene Aspekte aus dem gleichen Urteil.



                                                                                                                                      Schweizer Arbeitgeber   8 / 2014
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