2018.RRGR.351-beilage - Grosser Rat - Kanton Bern

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Jahresbericht der Universität Bern 2017
2017 IN ZAHLEN                                                                                                                  UNIVERSITÄT BERN




                                                                                                                www.unibe.c h




17’882 Studierende und Doktorierende

39 Bachelorstudiengänge, 72 Masterstudiengänge, 31 Doktorats­
                                                                                                                Jahresbericht   International vernetzt und regional verankert, steht die Universität Bern im
                                                                                                                                Austausch mit der Gesellschaft und pflegt Partnerschaften zwischen Wissen­
                                                                                                                                schaft, Wirtschaft und Politik. Die Universität Bern verpflichtet sich, reflektiert



                                                                                                                2017
programme, 10 Graduiertenschulen und 96 Weiterbildungsstudiengänge                                                              und ethisch fundiert Verantwortung gegenüber den Menschen, der belebten
                                                                                                                                und der unbelebten Natur zu tragen. Sie will auch in Zukunft wichtige
4’307 Studienabschlüsse, davon 600 Doktorate und 493 Weiter­                                                                    Ausbildnerin sein, einen starken Wirtschaftsstandort fördern und sich durch
bildungsabschlüsse                                                                                                              problemorientierte Forschung zu gesellschaftlich relevanten und drängenden
                                                                                                                                Fragen profilieren.
4’499 Vollzeitstellen, 563 Professorinnen und Professoren

8 Fakultäten, rund 150 Institute und 9 inter- und transdisziplinäre
Kompetenzzentren

4 Nationale Forschungsschwerpunkte, 438 Nationalfonds-Projekte,
92 EU-Projekte und mehr als 30 internationale Grants
Rund 700 neue Forschungskooperationen zum Technologietransfer mit
der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft

875 Millionen Franken Jahresbudget, davon 327 Millionen im
­Wettbewerb eingeworbene und erwirtschaftete Drittmittel
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Inhalt



                                           4
                                           Highlights
                                                          18
                                                          Organigramm
                                           2017




                                           10
                                           Leitgedanken
                                                          22
                                                          Strategie 2021
                                           des Rektors




                                           12
                                           Vizerektorat
                                                          34
                                                          Personalia
                                           Lehre




                                           13
                                           Vizerektorat
                                                          42
                                                          Statistiken
                                           Forschung




                                           14
                                           Vizerektorat
                                                          48
                                                          Jahresrechnung
                                           Qualität




Bildstrecke:
Starke Institutionen
                                           15
                                           Vizerektorat
                                           Entwicklung
Wer in der Schweiz ein politisches
Anliegen hat, trägt es auf die Strasse –
wie die Feministinnen oder die Bauern
auf dem Umschlag. Demokratische
Institutionen schaffen einen Ausgleich
von politischen Interessen.
                                           16
                                           Verwaltungs-
Mit ihrem strategischen Themen­            direktion
schwerpunkt «Politik und Verwaltung»
hilft die Universität Bern, den histo­
risch gewachsenen Schweizer Instituti­
onen Sorge zu tragen – aber auch, sie
fit zu halten und auf aktuelle Heraus­
forderungen vorzubereiten.

Die Bildstrecke in diesem Jahresbericht
stellt einige der wichtigsten Schweizer
Institutionen vor – angefangen beim
Stammtisch (Bild links).
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Grusswort des Rektors




Im Dialog




Die Universität Bern hat ein sehr intensives
und erfolgreiches Jahr hinter sich. Besonders
am Herzen lag und liegt uns der Austausch mit
der Bevölkerung. Wir haben deshalb aktiv den
Dialog mit den Einwohnerinnen und Einwohnern
von Stadt und Kanton Bern gesucht.

Besonders erfolgreich war aus meiner Sicht
die Nacht der Forschung im September, als
wir mehr als 9000 Gäste begrüssen und über
unsere Arbeiten informieren durften. Besonders
gefreut hat mich zudem, dass sich dabei die
Uni Bern als Ganzes engagiert hat: Rund 800
Dozierende, Doktorierende und Studierende
haben mit ihrem Enthusiasmus für Forschung
und Wissenschaft eine inspirierende Atmosphäre
geschaffen. Ein weiterer Höhepunkt war die
Aktion ­«Container3» – eine mobile Ausstellung
zum Thema Klima, Energie und Mobilität, die
wir gemeinsam mit der Stadt Bern organisiert
haben. Damit konnten wir ein aktuelles und
gesellschaftlich bedeutendes ­Thema aus den
­Forschungslabors in die Quartiere bringen.
 ­Wichtig war und ist uns natürlich auch der
  Austausch mit Politik und Wirtschaft, wie er
  etwa am jährlichen «Spirit of Bern» im Zentrum
  steht. Dort ­referierte 2017 Professor Thomas
  ­Zurbuchen, wissenschaftlicher Direktor der
   NASA und ­Alumnus der Universität Bern.

Mehr zu den Leistungen und Höhepunkten Ihrer
Universität im Jahr 2017 erfahren Sie auf den
folgenden Seiten. Nur so viel vorne weg: Es gibt
noch viel zu entdecken, worauf Sie stolz sein
können. Ich möchte mich an dieser Stelle im
Namen der Universität bei allen Mitarbeitenden
und allen, die uns im vergangenen Jahr unter-
stützt haben, herzlich bedanken.

         Prof. Dr. Christian Leumann, Rektor




                              Jahresbericht der Universität Bern 2017   3
2018.RRGR.351-beilage - Grosser Rat - Kanton Bern
Highlights 2017




Heisse Spur bei Suche nach ausserirdischem Leben                            UNO-Nachhaltigkeitsbericht unter Berner Leitung




                                                                            Peter Messerli ist Professor für Nachhaltige Entwicklung
                                                                            an der Universität Bern und leitet neu als Ko-Vorsit-
                                                                            zender das wissenschaftliche Expertengremium, das
                                                                            den UNO-Weltbericht zur Nachhaltigen Entwicklung
Ein internationales Forschungsteam mit Berner Beteiligung gibt im           verfasst. Ernannt wird er vom scheidenden UNO-
Februar die Entdeckung von weiteren Exoplaneten bekannt. Sie kreisen        Generalsekretär Ban Ki-moon zusammen mit Endah
um den Zwergstern «TRAPPIST-1» und auf ihrer Oberfläche könnte flüs-        Murniningtyas aus Indonesien.
siges ­Wasser existieren. «Bei der Suche nach Leben anderswo ist dieses
Planeten­system zurzeit wahrscheinlich unsere beste Chance», so Assis-
tenzprofessor Brice-Olivier Demory vom Center for Space and Habitability.
Der Astrophysiker hat berechnet, dass die neuentdeckten Exoplaneten
ähnliche Massen wie die Erde haben. Nur kurze Zeit später gelang es
Berner Forschenden mit einem internationalen Team zudem, die Umlauf-
periode des äussersten Planeten von «TRAPPIST-1» zu bestimmen.

                                                                            Antibiotikaresistenz-Gen in Kuhmilch gefunden

Alpweiden gab es schon vor 4’000 Jahren




                                                                            Forscherinnen und Forscher des Instituts für
                                                                            Veterinär-Bakteriologie untersuchten Milch, die von
Das abschmelzende Eis auf dem Schnidejoch-Pass                              Kühen mit Euterentzündungen stammte. Dabei
im Berner Oberland gibt prähistorische Objekte frei.                        entdecken sie ein Gen, das Bakterien gegen die neu-
Sie zeigen, dass die Menschen in der Schweiz bereits                        este Generation von Breitband-Antibiotika resistent
deutlich früher als bisher angenommen Alpwirtschaft                         macht. Das neuartige Resistenz-Gen könnte auch auf
betrieben. Zu diesem Schluss kommen Berner For-                             menschliche Bakterien übertragen werden. Falls das
schende, die aus Zweigen geflochtene Ringe unter-                           geschieht, wird insbesondere die Behandlung von
sucht haben. Sie stammen aus der Zeit um 2’100 v.Chr.                       Spitalinfektionen durch Breitband-Antibiotika gefähr-
und wurden wahrscheinlich zur Errichtung mobiler                            det. Deshalb sollte der unangemessene Antibiotika-
Zäune für die Wanderweidewirtschaft verwendet.                              Einsatz eingeschränkt werden, um eine weitere
                                                                            Evolution und Ausbreitung des Gens zu vermeiden.


4   Jahresbericht der Universität Bern 2017
2018.RRGR.351-beilage - Grosser Rat - Kanton Bern
Forscher röntgen erstmals Gletscher                        Universität Bern wird Mitglied von «The Guild»




Dank einer speziellen Technik gelingt es Forschenden
der Universität Bern im Juni zum ersten Mal, einen
Gletscher zu «röntgen». Dazu haben die Physiker und
Geologen im Tunnel der Jungfraubahnen – unterhalb
des Eigergletschers – mehrere Detektoren installiert.      An ihrer Generalversammlung im Juni nimmt «The Guild» die Universität
Diese Detektoren registrieren kosmische Elementarteil-     Bern als Mitglied auf. Das Netzwerk ist die Vereinigung der forschungs-
chen, die Eis und Fels durchdringen. Mit den gewon-        starken Universitäten Europas. Es zählt 19 der bedeutendsten Universitäten
nenen Daten lässt sich der Fels unter dem Gletscher        Europas aus 14 Ländern zu seinen Mitgliedern und besteht seit 2016.
abbilden und das Fliessen des Eises beobachten. Dies       «The Guild» engagiert sich für die Stärkung der Stimme der akademischen
ermöglicht es, die Auswirkungen des Klimawandels           Institutionen, der Forschenden und der Studierenden.
auf den Gletscher abzuschätzen.




Berner Hochschulen fördern Nachhaltigkeit                                     NASA-Forschungsdirektor kommt zu Besuch




Der Nachhaltigkeitstag im April wird erstmals gemein-                         Thomas Zurbuchen ist als Forschungsdirektor der
sam mit der Pädagogischen Hochschule PH Bern und                              US-Raumfahrtsbehörde NASA einer der weltweit
der Berner Fachhochschule BFH durchgeführt. Rund                              einflussreichsten Wissenschaftler. Im Januar besucht
300 Besucherinnen und Besucher informieren sich an                            er die Weltraum-Laboratorien der Universität Bern und
Referaten, Ständen und Workshops über Nachhaltig-                             erzählt in einem öffentlichen Vortrag von seiner Arbeit
keit in der Forschung, der Lehre und im Betrieb der drei                      in Washington und von seiner Zeit an der Universität
Berner Hochschulen.                                                           Bern, wo er studiert und doktoriert hat.




                                                                                             Jahresbericht der Universität Bern 2017    5
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Literatin lehrt zu Finsternis                               Lichtverschmutzung bedroht die Bestäubung




Die bekannte dänische Schriftstellerin Josefine Klougart
weilt als achte Friedrich Dürrenmatt Gastprofessorin
an der Universität Bern. In ihrem Seminar am Walter
Benjamin Kolleg und an einer öffentlichen Auftaktveran-
staltung spricht sie über Finsternis als wiederkehrendes,   Künstliches Licht – zum Beispiel von Strassenlaternen – stört nachtaktive
zentrales Motiv in der Literatur. Schreiben und literari-   Insekten beim Bestäuben von Pflanzen. Das hat zur Folge, dass die
sches Erleben ist für die Autorin ein Ringen gegen die      Pflanzen weniger Samen und Früchte produzieren und dadurch in ihrer
Dunkelheit.                                                 Fortpflanzung beeinträchtigt werden. Das konnte ein Forschungsteam um
                                                            Eva Knop vom Institut für Ökologie und Evolution erstmals nachweisen.
                                                            Langfristig hat das vermutlich negative Folgen für die Biodiversität.




Spielerisches Fest des Wissens                                                 Berner Weltraumforschung feiert Jubiläum




                                                                               Der «Urknall» der Weltraumforschung an der Universi-
                                                                               tät Bern ereignete sich am 27. Oktober 1967 mit dem
                                                                               Testflug einer Zenit-Rakete. Mit an Bord befanden sich
                                                                               wissenschaftliche Messinstrumente aus den Berner
Im September lädt die Universität Bern zur dritten Nacht der Forschung.        Labors. 50 Jahre danach zeigt eine Ausstellung die
Über 9’000 Besucherinnen und Besucher ergreifen die Gelegenheit,               wichtigsten Stationen dieser Berner Erfolgsgeschichte.
die Vielfalt der Wissenschaft und Forschung an der Universität Bern zu
entdecken. 600 Forscherinnen und Forscher geben in 60 verschiedenen
Projekten Einblicke in ihr Schaffen. Das Publikum darf auch selber Hand
anlegen und beispielsweise ein Mikroskop oder eine alte Buchdruck­
maschine bedienen.




6   Jahresbericht der Universität Bern 2017
2018.RRGR.351-beilage - Grosser Rat - Kanton Bern
Highlights 2017




Thomas Stocker erhält den «Schweizer Nobelpreis»                           Globalisierung braucht Gestaltung




                                                                           Am World Trade Forum Anfang Oktober in Grindelwald
                                                                           diskutieren politische Vertreter mit Forscherinnen und
                                                                           Forschern über die Chancen und Risiken des globalen
                                                                           Handelssystems und die Krise der Globalisierung. Die
Im September wird Klimaforscher Thomas Stocker mit dem Schweizer           Konferenz markiert das Ende des Nationalen For-
­W issenschaftspreis Marcel Benoist ausgezeichnet. Er erhält den Preis     schungsschwerpunkts «NCCR Trade Regulation», der
 für seine theoretischen Modellierungen und die Eiskernbohrungen in        seit 2005 am World Trade Institute der Universität Bern
 Grönland und der Antarktis, mit denen er Klimaveränderungen aufzeigt.     angesiedelt war. Der Forschungsschwerpunkt lieferte
 Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Präsident der Stiftung, empfängt       unter anderem Erkenntnisse zum Einfluss von Handel
 den Leiter der Abteilung für Klima- und Umweltphysik zur Preisübergabe.   auf den Klimawandel und Migration.




                                                                           Sie hat das Alltägliche im Blick

Tausende sind dem Admiral auf der Spur




                                                                           Die amerikanische Sozialanthropologin Veena Das
                                                                           gehört zu den einflussreichsten Wissenschaftlerinnen
                                                                           des Fachs. Die Krieger-Eisenhower-Professorin an der
                                                                           Johns Hopkins Universität in Baltimore (USA) und
                                                                           Ehrendoktorin der Universität Bern ist im Mai Gast an
                                                                           den Anthropology Talks des Instituts für Sozialanthro­
Jeden Herbst fliegen Millionen von Admiralsschmetterlingen vom Norden      pologie. Hier spricht sie über ihre ethnografischen
Europas in südliche Gefilde. Ein Team um den Biologen Marco Thoma          Schlüsselkonzepte und aktuellen Forschungsprojekte,
vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern untersucht    die das Alltägliche zum Gegenstand haben.
das Flugverhalten dieser Wanderfalter. Dafür greifen die Forschenden
auf Beobachtungen von Bürgerinnen und Bürgern aus Europa zurück,
die ihre Tiersichtungen online melden. Mit 200’000 Meldungen aus über
20 ­Ländern ist das Berner Admiral-Projekt das grösste Citizen-Science-
Netzwerk in Europa.


                                                                                          Jahresbericht der Universität Bern 2017   7
2018.RRGR.351-beilage - Grosser Rat - Kanton Bern
8   Jahresbericht der Universität Bern 2017
Berichte



          Inhalt nächste Seiten:

             10
          Leitgedanken

            12
          Lehre

            13
          Forschung

            14
          Qualität

            15
          Entwicklung

             16
          Finanzen, Betrieb und
          Infrastrukturen

            18
          Organigramm

            19
          Universitätsleitung

            20
          Fakultäten

            21
          Senat




          Repräsentiert werden

          Das Parlament soll, wie hier im
          Nationalratssaal, den Willen
          der Wählerinnen und Wähler
          ­abbilden und tragfähige
           Gesetze schmieden, die als
           Grundlage des Zusammen­
           lebens dienen.

           Das Institut für Politikwis­
           senschaft analysiert unter
           anderem das Schweizer
           Politsystem, Abstimmungen
           und Wahlen. Die Untersuchun­
           gen zeigen etwa, dass das
           Wahlsystem heute die kleinen
           Parteien b­ enachteiligt – und
           die Frauen sind auch 47
           Jahre nach ­Einführung des
           Stimm- und Wahlrechts für
           beide G­ eschlechter noch stark
          ­untervertreten.


Jahresbericht der Universität Bern 2017   9
Universität mit Ausstrahlung

                     Die Universität Bern schärft ihr Profil
                     als forschungsintensive, international
                     vernetzte Universität mit regionaler
                     Verankerung. Gemeinsam mit dem Kanton
                     stärkt sie den Medizinalstandort Bern.




Von Prof. Dr. Christian Leumann, Rektor

                     Die Ausstrahlung unserer Universität auf nationaler       I­nnenohr auf Zehntelmillimeter genau operiert werden
                     und internationaler Ebene lässt sich an zahlreichen        kann. Ingenieurinnen, Chirurgen, Neuroradiologinnen,
                     Erfolgen ablesen. So sind wir neu Mitglied in «The         Neurologen und Audiologinnen des ARTORG Center
                     Guild» – einem Netzwerk europäischer Universitäten,        haben für diese weltweite Premiere zusammen­
                     die unser Engagement für Exzellenz in der Forschung        gearbeitet. Die Universität Bern fördert gezielt solche
                     und in der forschungsorientierten Bildung teilen.          Forschung über die Fakultätsgrenzen hinweg, denn
                     Professor Thomas Stocker wurde der «Schweizer              interdisziplinäre Ansätze sind für die Lösung aktueller
                     Nobelpreis» – der Prix Marcel Benoist – verliehen.         Herausforderungen zentral.
                     Professor Willy Benz ist neu Präsident des ESO-Rats,            Aus diesem Grund wurden im vergangenen Jahr
                     der führenden e­ uropäischen Organisation für astrono-     die Interfakultären Forschungskooperationen IFK lan-
                     mische Forschung. Und Professor Peter Messerli wurde       ciert. Die IFK lehnen sich an die Gefässe der Nationalen
                     zum ­Ko-Vorsitzenden des UNO-Weltberichts über             Forschungsschwerpunkte (NCCR) an. Drei Projekte
                     Nachhaltige Entwicklung ernannt.                           wurden bewilligt. Eines davon untersucht unter dem
                           Dass die Universität Bern in den unterschied-        Titel «One Health» den Zusammenhang der Gesund-
                     lichsten Bereichen wahrgenommen wird, zeigt auch           heit von Umwelt, Tier und Mensch. Das Projekt vereint
                     der Besuch von Bundesrat Johann Schneider-Ammann           Forschende aus der Mikrobiologie, den Umweltwis-
                     anlässlich der Nacht der Forschung. Auch Bundesrätin       senschaften, der Pflanzen- und Tiergesundheit, der
                     Simonetta Sommaruga war an der Universität Bern            Humanmedizin und der Bioinformatik. Für solch neue,
                     zu Gast, anlässlich einer Tagung der Rechtswissen-         interdisziplinäre Forschungsansätze ist die Universität
                     schaftlichen Fakultät, an der über die Einführung einer    Bern als Volluniversität dank ihres breiten wissenschaft-
                     Alternative zur Ehe und zur eingetragenen Partner-         lichen Profils hervorragend aufgestellt. Die weiteren
                     schaft diskutiert wurde. Bundespräsident Alain Berset      IFK-Projekte befassen sich mit religiösen Konflikten
                     hat an einer Vorlesung der Wirtschafts- und Sozial­        und möglichen Bewältigungsstrategien sowie mit der
                     wissenschaftlichen Fakultät zum politischen System         Bedeutung des Schlafs für die Gesundheit und Lebens-
                     der Schweiz mit Studentinnen und Studenten disku-          qualität (siehe auch Seiten 13 und 24).
                     tiert. Weiter durften international geschätzte Persön-
                     lichkeiten wie Josefine Klougart als achte Friedrich      Engagiert für Gleichstellung
                     ­Dürrenmatt Gastprofessorin für Weltliteratur oder der    Ein weiteres Highlight des vergangenen Jahres war die
                      Philosoph Simon Blackburn an den Einstein Lectures       erstmalige Preisvergabe des Gleichstellungspreises «Prix
                      in Bern begrüsst werden. Diese Anerkennungen und         Lux», der an Personen oder Institutionen verliehen
                      Ehrungen sind jahrzehntelanger Forschungs- und Lehr-     wird, die sich an der Universität für Chancengleichheit
                      tätigkeit zu verdanken.                                  einsetzen. Dass die Philosophie auch heute noch vielen
                                                                               als ein Fach bärtiger Männer gilt, ist ein Klischee, dem
                     Innovative interdisziplinäre Forschungsvorhaben           eine Gruppe junger ­Philosophinnen entgegentritt.
                     Ein interessantes Beispiel interdisziplinärer Forschung   Mit «Women in P­ hilosophy» haben sie eine öffent-
                     ist die roboterassistierte Cochlea-Implantation, bei      lichkeitswirksame Kampagne gestartet, die unseren
                     der dank einem extrem genauen Kamerasystem im             gesamtuniversitären ­Gleichstellungsbestrebungen




10   Jahresbericht der Universität Bern 2017
Leitgedanken




                                        «Interdisziplinäre Ansätze
                                      sind für die Lösung aktueller
                                      Herausforderungen zentral.»




e­ ntspricht. Die Universität Bern engagiert sich für Gen-   enger Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für
 der Studies und die Gleichstellung beider Geschlechter,     Diabetologie (UDEM) am Inselspital aufgebaut. Das
 so unter anderem mit dem Interdisziplinären Zentrum         schnelle Wachstum im biomedizinischen Bereich stellt
 für Geschlechterforschung. Fabienne Amlinger, eine          die Universität vor Herausforderungen in Bezug auf
 Forscherin des IZFG, wurde dieses Jahr mit dem              Finanzen und Infrastruktur.
 Brigitte-Schnegg-Preis der Schweizerischen Gesellschaft
 für Geschlechterforschung ausgezeichnet. Doch nicht         Wissen zum Nutzen aller
 nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in den stillen      Die Universität schafft in unterschiedlichster Weise und
 Kammern beziehungsweise den Labors wurde viel voll-         in unterschiedlichsten Gebieten Wissen und macht
 bracht. So konnte dieses Jahr unter Berner Beteiligung      dieses nach aussen sicht- und nutzbar. Alle Mitar-
 eine Datenbank von PAGES (Past Global Changes)              beitenden und Studierenden der Universität tragen
 online gestellt werden. Diese macht die weltweiten Kli-     ihren Teil hierzu bei. Dafür sei ihnen an dieser Stelle
 madaten aus über 2’000 Jahren für alle zugänglich. Die      herzlich gedankt. Auch beim Kanton, insbesondere
 Daten wurden über Jahre gesammelt und digitalisiert.        beim Grossen Rat und bei Regierungspräsident und
 Sie dienen nun der Rekonstruktion von Klimaverhält-         Erziehungsdirektor Bernhard Pulver, möchte ich mich
 nissen der Vergangenheit sowie der Entwicklung von          im Namen der gesamten Universität bedanken. Wichtig
 Klimamodellen und helfen damit, unser Wissen über           ist mir an dieser Stelle auch die Verdankung unserer
 das Klima zu erweitern.                                     Donatorinnen und Donatoren für ihre Beiträge zur
                                                             ­Förderung der Universität. Dank des Engagements und
Bekenntnis zum Medizinalstandort Bern                         der Unterstützung von ihnen allen wird die Universität
Gemeinsam mit dem Kanton treibt die Universität die           Bern auch weiterhin höchst erfolgreich sein und ihr
Stärkung des Medizinalstandorts Bern voran. Wichtige          Wissen zum Nutzen aller mehren.
Projekte sind hier das geplante Zentrum für Präzisions-
medizin, die 100 zusätzlichen Plätze für Studierende
der Humanmedizin und der Wiederaufbau des
Pharmazie­studiums in Bern. Anfang 2017 wurde der
Grundstein gelegt für «sitem-insel», das neue Institut
für translationale Medizin und Unternehmertum, an
dem neben der Universität auch der Kanton, die Eidge-
nossenschaft, das Inselspital sowie private Träger betei-
ligt sind. Aktuell entsteht gerade das zweite Stockwerk
des neuen Institutsgebäudes – und dies nur gerade
vier Jahre nach Lancierung der Idee. Stellvertretend für
grössere Projekte im Rahmen von «sitem-insel» sei hier
das neue Diabetesforschungszentrum genannt, das
dank privater Förderung des Schweizer Unternehmers
Willy Michel entstehen kann. Das Zentrum wird in




                                                                                               Jahresbericht der Universität Bern 2017   11
Lehre




                     Gute Lehre im Zeitalter der Digitalisierung

                     Die Digitalisierung führt dazu, dass sich
                     Studentinnen und Studenten Wissen
                     künftig vermehrt selbstständig aneignen
                     werden. Umso wichtiger wird die Aufgabe
                     der universitären Lehre, Wissen kritisch zu
                     überprüfen und zu reflektieren.




Von Prof. Dr. Bruno Moretti, Vizerektor Lehre

                     In einem Jahresbericht informiert man normalerweise       verbunden. Fast wie Wesen mit zwei Gehirnen, einem
                     über das vergangene Jahr. Wir befinden uns aber in        internen und einem externen.
                     einer Phase, in der eine Art Revolution stattfinden            An der Universität kennen wir das schon lange:
                     soll: die Digitalisierung. Ob 2018 als «Jahr 0» einer     Das Wissen, das sich früher Professorinnen und Pro-
                     neuen Epoche in die Geschichte eingehen wird, bleibt      fessoren in einem ganzen Leben angeeignet haben,
                     zu bestätigen. Unbestritten ist, dass die Debatte über    steht heute bereits den jüngsten Studierenden durch
                     die digitale Zukunft 2017 voll entbrannt ist, wobei       das Internet zur Verfügung. Die Zukunft dürfte uns
                     ein beliebtes Motto dieser Diskussionen «The Future       noch weitere enorme Fortschritte bei der digitalisierten
                     is now» lautet. In diesem Sinne ist es sicher gerecht­    Systematisierung von Wissen und der Interaktion mit
                     fertigt, hier über die Zukunft zu sprechen. Schliess-     Wissen bringen.
                     lich kann eine Universität nicht nach dem Motto
                     «Future happens» leben.                                    Lernen mit Menschen
                                                                                Was bedeutet dies für die universitäre Lehre? Zum
                                                                                Beispiel eine grössere Autonomie der Studierenden,
                                                                                die einen besseren, strukturierteren Zugang zu den
                              «Vieles, was man an einer                         Informationsquellen haben und selbstständiger arbei-
                             Universität lernt und erwirbt,                     ten können. Der Schwerpunkt der Lehre wird auf die
                               ist nicht digitalisierbar.»                      kritische Überprüfung und Diskussion dieser Informati-
                                                                                onen verschoben. Dies ist aber noch keine Revolution,
                                                                                sondern eine systematische Erweiterung von Lehr-
                                                                                und Lernformen, die schon jetzt vorhanden sind. In
                                                                                diese Richtung gehen auch einige unserer Projekte im
                     Wissen ist leicht zugänglich                               Rahmen des Programms «Förderung Innovative Lehre»
                     «Alles, was sich digitalisieren, automatisieren und        (siehe Seite 30).
                     visualisieren lässt, wird es auch», sagt Gerd Leonhard,          Lernen wird immer eine Arbeit bleiben, nie
                     der bekannte Futurist, der sich auch als «Zukunfts­        mühelos, aber immer spannend. Gute Lehre besteht
                     berater» bezeichnet. Anzeichen dieser Tendenz sehen        weiterhin aus Kompetenz und Interesse für das Fach
                     wir überall. So kann man sich fragen, ob die Trennung      und für die Menschen, mit denen man arbeitet.
                     ­zwischen dem Arbeits- und dem Festplattenspeicher         Und sie berücksichtigt weiterhin Erkenntnisse der
                      unserer Computer – vereinfacht gesehen – nicht           ­Lernforschung.
                      auch auf unser Funktionieren im alltäglichen Leben              Gerd Leonhard ergänzt seine oben zitierte Aussage
                      übertragen werden kann. Dann übernehmen unsere            übrigens mit einem weiteren Satz: «Alles andere wird
                      Gehirne die Funktion des Arbeitsspeichers und             immer wertvoller werden.» Also alle Dinge, die nur der
                      unsere S­ martphones und Computer liefern uns die         Mensch kann und die nicht digitalisierbar sind. Und
                      ­Informationen, die wir brauchen. So wären wir immer      vieles von dem, was man an einer Universität lernt und
                       enger mit einer ­persönlichen externen Festplatte        erwirbt, ist nicht digitalisierbar.




12   Jahresbericht der Universität Bern 2017
Forschung




                   Forschung mit Mehrwert

                   Die Universität Bern initiiert und fördert
                   vielversprechende Verbundprojekte
                   verschiedener Fakultäten. Damit bereitet
                   sie den Boden für Innovationen.




Von Prof. Dr. Daniel Candinas, Vizerektor Forschung

                    Das Grants Office berät und unterstützt Forscherin-          beteiligt sein. Insgesamt können von der Universität
                    nen und Forscher beim Einwerben von Drittmitteln.            Bern drei IFK mit je 1,5 Millionen Franken pro Jahr
                    ­Daneben vergibt die Universität Bern eigene Förder-         während vier Jahren unterstützt werden.
                     mittel. So werden mit den «Initiator Grants» seit 2014
                     Berner Nachwuchsforschende nach dem Doktorat bei            Internationales Evaluationsverfahren
                     der Vorbereitung von Drittmittelanträgen unterstützt,       Sieben Projektgruppen reichten einen IFK-Antrag ein.
                     und mit den Interdisziplinaritäts-Grants (ID Grants) soll   Das Evaluationsverfahren erwies sich als sehr aufwen-
                     die fachübergreifende Forschung an der Universität          dig, war es doch teilweise schwierig, kurzfristig pro
                     Bern gefördert werden. Letztere wurden 2017 zum             Antrag drei bis fünf internationale Persönlichkeiten als
                     dritten Mal vergeben. Insgesamt erhielten sieben            Gutachter oder Gutachterin zu gewinnen. Nach dem
                     interdisziplinäre und interfakultäre Forschungspartner      Eingang der Reviews wurden diese in einem ganztägi-
                     knapp eine Million Franken zur Vorbereitung eines           gen Panel in Bern besprochen. Dieses war international
                     Gesuchs bei einer grossen Förderagentur wie dem             besetzt und ihm gehörten auch der Rektor und der
                     Schweizerischen Nationalfonds oder bei europäischen         Vizerektor Forschung an. Durch den Evaluationsprozess
                   ­Forschungsprogrammen.                                        konnte sich die Universität Bern bei allen beteiligten
                                                                                 Forschungspersönlichkeiten (aus Frankreich, Italien,
                                                                                 den Niederlanden, Deutschland, Österreich, Schweden,
                                                                                 Grossbritannien und den USA) als innovative Hoch-
                           «Die Universität stärkt die                           schule präsentieren. Die Universitätsleitung bewilligte
                         wissenschaftliche Qualität und                          auf Empfehlung des Panels drei Projekte – One Health:
                          Aktualität ihrer Forschung.»                           Cascading and Microbiome-Dependent Effects on
                                                                                 Multitrophic Health, Religious Conflicts and Coping
                                                                                 Strategies sowie Decoding Sleep: From Neurons to
                                                                                 Health & Mind. Alle eingereichten Projekte wiesen eine
                                                                                 hohe wissenschaftliche Qualität auf. Den Ausschlag
                         Im Berichtsjahr neu gesprochen wurden die von           gab die Qualität der Vernetzung und der Organisation,
                   der Universität Bern geschaffenen Interfakultären             die über die Einzelprojekte hinaus einen interdisziplinä-
                   Forschungskooperationen (IFK). Die Strategie 2021 hält        ren, wissenschaftlichen Mehrwert erzielen wird.
                   fest, dass sich die Forschungstätigkeit der Universität
                   durch eine ausgeprägte Inter- und Transdisziplinarität        Alle acht Berner Fakultäten beteiligt
                   sowie durch die Mitarbeit in nationalen und inter-            Mit den IFK stärkt die Universität Bern die wissen-
                   nationalen Forschungsverbünden auszeichnen soll.              schaftliche Qualität und Aktualität der Forschung und
                   Bei den IFK handelt es sich um Verbundprojekte, die           schärft ihr Profil als forschungsintensive Universität.
                   jeweils acht bis zwölf Forschungsgruppen umfassen.            Dass alle acht Fakultäten an einer IFK beteiligt sind,
                   Sie ­orientieren sich an den Themenschwerpunkten der          unterstreicht das Bekenntnis zur Volluniversität. Mit
                   Universität Bern, wie sie in der Strategie festgelegt         den IFK ist auch die Hoffnung verbunden, dass sich
                   wurden. Pro IFK müssen mindestens zwei Fakultäten             neue strategische Forschungszentren ergeben.




                                                                                                Jahresbericht der Universität Bern 2017   13
Qualität




                     Qualitätskultur weiterentwickeln

                     Alle Bereiche der Universität Bern
                     werden regelmässig evaluiert. Das Ziel
                     ist, eine einheitliche Qualitätskultur
                     aufzubauen, die gleichzeitig die
                     Eigenheiten unterschiedlicher Lehr- und
                     Forschungskulturen respektiert.




Von Prof. Dr. Silvia Schroer, Vizerektorin Qualität

                     Die Universität Bern wird bis 2023 ihre erste Institutio-   der Fakultäten für die Jahre 2018–2021 im Hinblick auf
                     nelle Akkreditierung gemäss Hochschulförderungs- und        Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit geprüft sowie
                     Koordinationsgesetz abgeschlossen haben. Gegenstand         Forschungszentren evaluiert und die Erneuerung ihrer
                     der Akkreditierung ist das universitäre System der          Leistungsaufträge begleitet.
                     Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung (QSE). Die
                     Vorbereitungen für diesen intensiven Prozess laufen auf     Aktionspläne für Fakultäten und Zentren
                     Hochtouren. Begonnen haben sie aber schon früher.           Für den Aufbau einer Qualitätskultur reicht es
                     Denn QSE umfasst weit mehr als die erfolgreiche             nicht, Informationen über erfolgte Massnahmen zur
                     Akkreditierung – das System wird seit langem auf            ­Qualitätssicherung und -entwicklung zu erfas-
                     allen Ebenen der Universität verankert. Organisatorisch      sen. Auch reine Zahlen sind nicht aussagekräftig
                     handelt es sich um ein komplexes System und ideell um        genug. ­Entscheidend ist, dass die Ziele des QSE
                     eine die ganze Universität durchdringende Kultur, von        und die erfolgreiche U ­ msetzung sichtbar werden.
                     der die Glaubwürdigkeit dieser Institution abhängig ist.     ­Evaluations­verfahren müssen deshalb bis zu einem
                     Ausnahmslos alle, die an der Universität Bern arbeiten,       gewissen Grad ­vereinheitlicht werden, um vergleich-
                     forschen, lehren, studieren sowie alle Organisationsein-      und verwertbare Daten zu liefern.
                     heiten und Gremien sind mitverantwortlich für Qualität              Es wäre aber paradox, wenn die Evaluations­
                     und Nachhaltigkeit der universitären Leistungen.              prozesse die Forschenden, Lehrenden, Studierenden
                                                                                   und Mitarbeitenden so viel Zeit und Energie kosten,
                                                                                   dass die Qualität ihrer Arbeit darunter leidet. Daher
                                                                                   verlangt die Universität Bern von den Fakultäten,
                                 «Qualitätssicherung                               Zentren und anderen Einheiten der Hochschule, dass
                               und -entwicklung ist ein                            sie sich beim QSE selbst organisieren, sie leistet aber
                              komplexes System und eine                            zugleich professionelle Unterstützung. Die Univer-
                                die ganze Universität                              sität Bern nimmt dabei Rücksicht auf die Eigenheiten
                                                                                   von Fächer- und Forschungskulturen. Im Jahr 2018
                               durchdringende Kultur.»                             werden Aktionspläne zur weiteren Entwicklung des
                                                                                   QSE-Systems ausgearbeitet. Grundlage sind jeweils die
                                                                                   Ziele und Massnahmen, die in den neuen Leistungs­
                                                                                   vereinbarungen oder Leistungsaufträgen mit den
                          Sämtliche Bereiche werden regelmässig evaluiert:         ­Fakultäten und Zentren auf Basis der universitären
                     Studienprogramme und Lehrveranstaltungen, die                  Strategie 2021 verankert wurden.
                     Leistungen der Verwaltung, aber auch Prozesse wie
                     Ernennungsverfahren. Aus den Ergebnissen werden             Frauenanteil soll steigen
                     Massnahmen abgeleitet und umgesetzt. Die Schwer-            Punkto Gleichstellung will die Universität Bern bis 2020
                     punkte der Arbeit im Jahr 2017 lagen für das Vizerek-       einen Frauenanteil von 25 Prozent auf Stufe Professur
                     torat Qualität unter anderem bei Evaluationen von Stu-      erreichen. Dafür hat sie den universitären Aktionsplan
                     dienprogrammen wie Islamwissenschaft, Geschichte,           Gleichstellung 2017–2020 eingesetzt, an dem sich
                     Chemie, Biochemie, Biologie, Informatik und Sportwis-       Fakultäten, Zentren und die Verwaltung beteiligen.
                     senschaft. Zudem wurden die Leistungsvereinbarungen




14   Jahresbericht der Universität Bern 2017
Entwicklung




                  Internationaler Auftritt wird gestärkt

                  Die Universität Bern will ihre Leistungen
                  in Forschung und Lehre weltweit besser
                  sichtbar machen und setzt Anreize für
                  internationale Aktivitäten.




Von Prof. Dr. Achim Conzelmann, Vizerektor Entwicklung

                  Regional verankert und international vernetzt – dies        wissenschaftspolitische Diskussion mitzugestalten,
                  hat sich die Universität Bern in der Strategie 2021         die ­schweizerische Perspektive einzubringen und
                  zum Ziel gesetzt. Die Hochschule ist seit langem über       ihre P­ osition auf dem globalen Wissenschaftsmarkt
                  Grenzen hinweg aktiv: Sie pflegt den Studierenden­          zu stärken.
                  austausch, wirbt erfolgreich internationale Forschungs-           Im Sinne der Internationalisierung der Nachwuchs-
                  mittel ein, engagiert sich in länderübergreifenden          förderung wurden Doktoratsstellen ausgeschrieben, um
                  Forschungsprojekten und kann international vielbe-          vielversprechende Nachwuchsforschende zu gewinnen.
                  achtete Publikationen vorweisen. Diese Erfolge sollen       14 hochmotivierte Doktorandinnen und Doktoranden
                  weltweit verstärkt kommuniziert und die Visibilität         aus 13 Nationen haben sich in einem kompetitiven
                  der Universität erhöht werden. Anfang 2017 hat die          Verfahren durchgesetzt und verfolgen nun an sechs
                  Universitätsleitung deshalb eine Internationalisierungs-    Fakultäten ihre Forschungsprojekte (siehe Seite 32).
                  strategie verabschiedet und entsprechende Schritte in             Auch Summer Schools erhöhen die inter-
                  die Wege geleitet.                                          nationale Sichtbarkeit und verknüpfen sie mit
                                                                              Nachwuchs­rekrutierung, wenn sie für Bachelor-
                  Kommunikation, Visibilität und Vernetzung                   und ­Masterstudierende angeboten werden. Die
                  Als erste Massnahme wurde 2017 am Vizerektorat              erste Berner ­«Bachelor Summer School» wird 2018
                  Entwicklung die erste «International Communication          unter der ­Federführung des Oeschger-Zentrums für
                  Officer» englischer Muttersprache angestellt. Sie hat      ­Klima­forschung durchgeführt.
                  eine Kommunikationsstrategie ausgearbeitet, um Ziel-              Als eine «Internationalisation@home»-Massnahme
                  gruppen weltweit zu erreichen.                              schreibt das Vizerektorat Entwicklung jährlich sechs
                                                                              englischsprachige Lehraufträge aus. Sie erweitern
                                                                              das Lehrangebot für reguläre wie für englisch­
                                                                              sprachige Austauschstudierende.
                                 «Die Erfolge der
                           Universität sollen weltweit                       Interkulturelle Kompetenzen werden gefördert
                             kommuniziert und ihre                           Um der interkulturellen Heterogenität gerecht zu
                           Visibilität erhöht werden.»                       werden, bietet die Hochschuldidaktik Unterstützung
                                                                             an. So können Dozierende, die Studierende mit inter-
                                                                             nationalen Lern- und Lebenserfahrungen unterrichten,
                                                                             auf neue didaktische Materialien und Best-Practice-
                                                                             Beispiele zurückgreifen. Weiterhin gepflegt werden
                      Mit exzellenten Partnern will Bern in For-             internationale Partnerschaften, damit Berner Studie-
                  schungskooperationen attraktiv sein und heraus­            rende Auslanderfahrung sammeln können. Neu fördert
                  ragende Lehr- und Forschungspersönlichkeiten für           das Mentoringprogramm MILSA die reflektierte
                  die Universität gewinnen. Ein Erfolg ist die Aufnahme      Auseinandersetzung mit der neuen sozialen, kulturellen
                  in den europäischen Verbund forschungsintensiver           und akademischen Umgebung im Gastland – damit
                  Universitäten «The Guild». Die Mitgliedschaft in           Studierende interkulturelle Kompetenz erwerben und
                  diesem Netzwerk ermöglicht es der Universität, die         ihren Lernerfolg erhöhen.




                                                                                            Jahresbericht der Universität Bern 2017   15
Finanzen, Betrieb und Infrastrukturen




                     Investitionen in strategische Initiativen

                     Die erneut gestiegenen Erträge und der
                     neue Leistungsauftrag mit dem Kanton
                     Bern ermöglichen es der Universität,
                     zusätzliche Studienplätze in der Medizin
                     anzubieten und weitere gezielte
                     Ausbauten vorzunehmen.




Von Dr. Daniel Odermatt, Verwaltungsdirektor

                     Die Jahresrechnung 2017 schliesst sowohl bei den           Neuer Leistungsauftrag gibt Planungssicherheit
                     Grundmitteln mit 28 Millionen Franken als auch bei         2017 wurde der Leistungsauftrag 2018 – 2021 zwischen
                     den Drittmitteln inklusive Fonds mit 23 Millionen Fran-    Kanton und Universität Bern vom Regierungsrat
                     ken positiv. Gemessen an der Gesamtfinanzierung von        verabschiedet. Er formuliert die Erwartungen an die
                     875 Millionen Franken konnten knapp 6% als Rücklage        Universität in Form von strategischen Schwerpunkten
                     erwirtschaftet werden. Dies ist ein willkommener und       und Zielen, Indikatoren sowie Sollwerten. Im Gegenzug
                     notwendiger Beitrag an die Aufstockung des Medizin-        führt der Auftrag die vorgesehenen Abgeltungen der
                     studiums um 600 Studierende und an den Ausbau des          kommenden vier Jahre als finanzielle Eckwerte auf.
                     Pharmaziestudiums. Auch der Aufbau des Zentrums            In Kombination mit dem Eigenkapital bei den Grund-
                     für Präzisionsmedizin oder die frisch gestarteten Inter­   mitteln von 44 Millionen Franken hat die Universität
                     fakultären Forschungskooperationen IFK sowie Initiati-     damit eine stabile Planungsgrundlage für die nächsten
                     ven im Bereich Digitalisierung und Internationalisierung   vier Jahre und kann so die strategischen Schwerpunkte
                     profitieren davon.                                         entschlossen anpacken.

                                                                                Institutsgebäude Mittelstrasse bezugsbereit
                                                                                Baulich war das Jahr 2017 geprägt durch kleinere
                          «Die Forscherinnen und Forscher                       Inbetriebnahmen, grosse Baustellen und langfristige
                             waren in der kompetitiven                          Planungen. Für die Studentinnen und Studenten
                          Mitteleinwerbung sehr engagiert                       konnten in der Vorderen Länggasse zusätzliche Unter-
                                  und erfolgreich.»                             richtsräume und attraktive Lernarbeitsplätze in Betrieb
                                                                                genommen werden. Im Gebäude der Exakten Wissen-
                                                                                schaften wurden Labors renoviert und erweitert.
                                                                                     Die grossen Baustellen sind in der Mittleren Läng-
                           Der Aufwand stieg gegenüber dem Vorjahr um 2%        gasse und auf dem Insel-Areal zu finden. Die Umbau-
                     auf 823 Millionen Franken. Die Erträge wuchsen um          arbeiten im ehemaligen SBB-Gebäude Mittelstrasse 43
                     insgesamt 3%. Dabei stand mit einem Plus von 6% die        wurden weitgehend abgeschlossen, der Bezug erfolgt
                     Forschungsförderung an der Spitze: Die Forscherinnen       2018. Die Bauarbeiten am Neubau Murtenstrasse 24
                     und Forscher der Universität Bern waren in der kompe-      für das Institut für Rechtsmedizin und für die Klinische
                     titiven Mitteleinwerbung sehr engagiert und erfolgreich.   Forschung konnten nach einem Baustopp aufgrund
                     Die Beiträge des Bundes wuchsen um 5%, die Erträge         von Problemen mit dem Grundwasser wieder aufge-
                     aus der interkantonalen Universitätsvereinbarung IUV um    nommen werden.
                     3% und der Trägerbeitrag des Kantons Bern um 2%.                Im Zusammenhang mit der strategischen
                           Erstmals nach einem einfacheren und transparen-      ­Ausrichtung im Bereich Medizin sollen auf dem Insel-
                     teren Modell gesteuert wurden 2017 die universitären        Areal Neubauten realisiert werden. Unter der Füh-
                     Dienstleistungsbetriebe in der Human- und Tierme-           rung der kantonalen Baudirektion laufen u  ­ mfassende
                     dizin. Durch konsequente Trennung der Rechnung              Planungsarbeiten, um die benötigten Flächen trotz
                     für die medizinischen Dienstleistungen von jener für        angespannter Finanzlage des Kantons sicher­zustellen.
                     Lehre und Forschung sind die 72 Millionen Umsatz der        Die Universität ist dankbar und auch darauf ange-
                     Dienstleistungsbetriebe neu in der Position Drittmittel     wiesen, dass hier Schritte in die Zukunft gemacht
                     «Übrige Erträge» ersichtlich.                               werden können.




16   Jahresbericht der Universität Bern 2017
Finanzen, Betrieb und Infrastrukturen




Universitätsfinanzierung 2017


in 1’000 Franken                                                                                                                     2017                   Anteil


Grundmittel 1                                                                                                                     548’065                   62.6%


                Beitrag Kanton Bern                                                                                               314’170                   35.9%
                Interkantonale Universitätsvereinbarung IUV 2                                                                     107’789                   12.3%
                Beiträge Bund                                                                                                      98’505                   11.3%
                Übrige Erträge                                                                                                     27’600                   3.2%
                           – Studiengebühren                                                                                        19’251                  2.2%
                           – Diverse                                                                                                 8’349                  1.0%


                (+) Gewinn / (–) Verlust                                                                                          + 28’372


Drittmittel 1                                                                                                                     326’770                   37.4%


                Forschungsförderung                                                                                               135’950                   15.5%
                           – Schweizerischer Nationalfonds SNF                                                                    103’847                   11.9%
                           – Kommission für Technologie und Innovation KTI                                                           4’118                  0.5%
                           – EU-Forschungsprogramme                                                                                 14’150                   1.6%
                           – Übrige internationale Forschungsförderung                                                             13’834                    1.6%
                Ressortforschung öffentliche Hand                                                                                  20’366                   2.3%
                Mittel privater Sektor 3                                                                                            32’101                   3.7%
                Übrige Erträge                                                                                                    138’353                   15.8%
                           – Weiterbildung                                                                                         10’687                   1.2%
                           – Dienstleistungsbetriebe                                                                               72’010                   8.2%
                           – Diverse                                                                                               55’656                   6.4%


                (+) Gewinn / (–) Verlust                                                                                          + 23’153


Total Ertrag                                                                                                                      874’835                   100%
Total Aufwand                                                                                                                     823’310
Jahresergebnis (+) Gewinn / (–) Verlust                                                                                           +51’525




        1   Grundmittel / Drittmittel: Einnahmen der Universität, die zur strukturellen Grundfinanzierung der Universität dienen, zählen als Grundmittel.
            Alle übrigen Einnahmen werden als Drittmittel ausgewiesen.
        2   Interkantonale Universitätsvereinbarung (IUV): Die IUV regelt die Beteiligung der Kantone: Sie bestimmt, welchen Beitrag der Heimatkanton einer
            Studentin oder eines Studenten zur Abgeltung des Studiums bezahlt.
        3   Mittel privater Sektor: Einnahmen von Privatwirtschaft, Privatpersonen, Stiftungen und ähnlichen Organisationen.




                                                                                                                 Jahresbericht der Universität Bern 2017         17
Organigramm


                                  Grosser Rat                   Regierungsrat
                                                                des Kantons Bern




Rekurskommission                                                Senat                                                         Wiss. Integrität

                                                                                                                              Ombudsstelle




                                                                Rektorat
                                                                Christian Leumann*




                                  Rektoratsdienste                                               Generalsekretariat
                                                                                                 Christoph Pappa




Vizerektorat                      Vizerektorat                  Vizerektorat                     Vizerektorat                 Verwaltungs­-
Forschung                         Lehre                         Entwicklung                      Qualität                     direktion
Daniel Candinas*                  Bruno Moretti*                Achim Conzelmann*                Silvia Schroer*              Daniel Odermatt*




Fakultäten


Theologische         Rechtswissen-      Wirtschafts-        Medizinische      Vetsuisse-           Philosophisch­     Philosophisch-     Philosophisch­
Fakultät             schaftliche        und                 Fakultät          Fakultät             historische        humanwissen-       naturwissen­
Andreas Wagner       Fakultät           Sozialwissen-       Hans-Uwe          Andreas              Fakultät           schaftliche        schaftliche
                     Peter V. Kunz      schaftliche         Simon             Zurbriggen           Stefan Rebenich    Fakultät           Fakultät
                                        Fakultät                                                                      Tina Hascher       Gilberto
                                        Fritz Sager                                                                                     ­C olangelo




Kompetenzzentren                                Fundamental Physics / Biomedical Engineering / Cognition, Learning and Memory / Climate Change /
                                                Development and Environment / Space and Habitability / International Trade Regulation /
                                                Public Management / Regional Economic Development


Fakultäre Zentren                               Global Studies / Study of Language and Society




* Mitglieder der Universitätsleitung




18   Jahresbericht der Universität Bern 2017
Universitätsleitung




Universitätsleitung


               Dr. Daniel Odermatt                              Prof. Dr. Bruno Moretti
               Verwaltungsdirektor                              Vizerektor Lehre



Prof. Dr. Christian                  Prof. Dr. Achim                                Dr. Christoph Pappa
Leumann                              Conzelmann                                     Generalsekretär
Rektor                               Vizerektor Entwicklung




                                     Prof. Dr. Silvia Schroer                                     Prof. Dr. Daniel Candinas
                                     Vizerektorin Qualität                                        Vizerektor Forschung




                                                                                                  Jahresbericht der Universität Bern 2017      19
Fakultäten




Fakultäten

                             Prof. Dr. Andreas Wagner         Prof. Dr. Gilberto Colangelo
                             Dekan der Theologischen          Dekan der Philosophisch-
                             Fakultät                         naturwissen­schaftlichen
                                                              Fakultät


           Prof. Dr. Hans-Uwe Simon      Prof. Dr. Fritz Sager
           Dekan der Medizinischen       Dekan der Wirtschafts-
           Fakultät                      und Sozialwissenschaft-
                                         lichen Fakultät




                             Prof. Dr. Tina Hascher                Prof. Dr. Stefan Rebenich
                             Dekanin der Philosophisch-­           Dekan der Philosophisch­-
                             human­wissenschaftlichen              historischen Fakultät
                             Fakultät


                                                  Prof. Dr. Andreas                      Prof. Dr. Peter V. Kunz
                                                  Zurbriggen                             Dekan der Rechtswissen-
                                                  Dekan der Vetsuisse-                   schaftlichen Fakultät
                                                  Fakultät




20   Jahresbericht der Universität Bern 2017
Senat




Senat

Der Senat ist das oberste         Vorsitz                             Mitglieder mit beratender             Ständige Gäste
rechtsetzende Organ der           Prof. Dr. Christian Leumann         Stimme
Universität und unterstützt die   Rektor
Universitätsleitung bei der                                           Universitätsleitung                   Abteilung für die Gleichstellung
Erfüllung des Leistungsauftrags                                       Prof. Dr. Bruno Moretti               von Frauen und Männern
des Regierungsrates.              Fakultäten                          Vizerektor Lehre                      Lilian Fankhauser
                                  Prof. Dr. Andreas Wagner                                                  Co-Leiterin
                                                                      Prof. Dr. Daniel Candinas
                                  Dekan Theologische Fakultät
                                                                      Vizerektor Forschung
                                  Prof. Dr. Peter V. Kunz
                                                                      Prof. Dr. Silvia Schroer              Abteilung Kommunikation
                                  Dekan RW Fakultät
                                                                      Vizerektorin Qualität                 & Marketing
                                  Prof. Dr. Sibylle Hofer                                                   Christian Degen
                                                                      Prof. Dr. Achim Conzelmann
                                  Delegierte RW Fakultät                                                    Leiter (seit Januar 2018)
                                                                      Vizerektor Entwicklung
                                  Prof. Dr. Fritz Sager
                                                                      Dr. Daniel Odermatt
                                  Dekan WiSo Fakultät
                                                                      Verwaltungsdirektor                   Generalsekretariat
                                  Prof. Dr. Artur Baldauf
                                  Delegierter WiSo Fakultät                                                 Verena Fiechter
                                                                      Generalsekretär                       Sekretärin Senat
                                  Prof. Dr. Hans-Uwe Simon
                                  Dekan Medizinische Fakultät         Dr. Christoph Pappa
                                  Prof. Dr. Daniel Buser
                                  Delegierter Medizinische Fakultät   Administratives
                                                                      und technisches Personal
                                  Prof. Dr. Andreas Zurbriggen
                                  Dekan Vetsuisse-Fakultät            Barbara Ingold
                                                                      Delegierte
                                  Prof. Dr. Stefan Rebenich
                                  Dekan Phil.-hist. Fakultät          Philipp Muster
                                                                      Delegierter
                                  Prof. Dr. Elena Mango
                                  Delegierte Phil.-hist. Fakultät
                                  Prof. Dr. Tina Hascher              Ehrensenatoren
                                  Dekanin Phil.-hum. Fakultät         Dr. Renatus Gallati
                                                                      Berchtold Weber
                                  Prof. Dr. Ernst Hossner
                                                                      (verstorben am 31. März 2017)
                                  Delegierter Phil.-hum. Fakultät
                                                                      Walter Inäbnit
                                  Prof. Dr. Gilberto Colangelo        Dr. Celia Zwillenberg
                                  Dekan Phil.-nat. Fakultät
                                  Prof. Dr. Robert Häner
                                  Delegierter Phil.-nat. Fakultät


                                  Interfakultäre und gesamt­
                                  universitäre Einheiten
                                  Prof. Dr. Heike Mayer
                                  Delegierte


                                  Verband der Dozentinnen
                                  und Dozenten (VDD)
                                  Dr. Béla Filep
                                  Delegierter
                                  PD Dr. Rouven Porz
                                  Delegierter


                                  Verband der Assistentinnen
                                  und Assistenten (VAA)
                                  Dr. Zoë Lehmann Imfeld
                                  Delegierte
                                  Stefan Emmenegger
                                  Delegierter


                                  Studierende (SUB)
                                  Lucas Brönnimann
                                  Delegierter
                                  Deny Fux
                                  Delegierter
                                  Carole Klopfstein
                                  Delegierte
                                  Jochen Tempelmann
                                  Delegierter




                                                                                                  Jahresbericht der Universität Bern 2017   21
22   Jahresbericht der Universität Bern 2017
Strategie 2021



          Inhalt nächste Seiten:

             24
          Teilstrategie
          Volluniversität

             26
          Teilstrategie
          Themenschwerpunkte

             30
          Teilstrategie
          Lehruniversität

             32
          Teilstrategie
          Nachwuchsförderung




          Ordnung schaffen

          Die Verwaltung stellt der
          Politik Grundlagen für ihre
          Entscheide bereit und führt
          diese aus. In Kommissions­
          zimmern im Bundeshaus
          suchen Parlamentsmitglieder
          gemeinsam mit Fachleuten aus
          Verwaltung und Wissenschaft
          nach gangbaren Lösungen.

          Das Kompetenzzentrum für
          Public Management (KPM)
          untersucht, wie Behörden
          und öffentliche Institutio­
          nen effizient und erfolgreich
          agieren können, und berät
          sie bei Reformen. In Studium
          und Weiterbildung bildet die
          Universität Bern Führungs­
          kräfte für den öffentlichen
          Sektor aus. Rechtsexperten
          der Universität Bern begleiten
          regelmässig Gesetzgebungs­
          prozesse.


Jahresbericht der Universität Bern 2017   23
Teilstrategie
     ­V OLLUNIVERSITÄT

     Die Universität Bern ist eine
     Volluniversität nach europäischer
     Tradition. Auf diesem Fundament
     entwickelt sie Kompetenz­zentren,
     in denen sich die verschiedenen
     Disziplinen untereinander und
     mit externen Partnern ver­
     netzen – für Forschung und Lehre
     auf qualitativ höchstem Niveau.




                      Wie hängt die Gesundheit von Böden und Pflanzen mit der Gesundheit von Mensch und Tier zusammen? Die Interfakultäre
                      Forschungskooperation «One Health» untersucht den Einfluss von Umweltchemikalien auf die Nahrungskette.



                      Zusammen geht es besser
                      Umweltchemikalien und Gesundheit, religi­                  die von Theologieprofessorin Katharina Heyden und
                      öse Konflikte und Schlaf: Mit diesen Themen                Rechtsprofessor Martino Mona koordiniert wird.
                      befassen sich die drei neuen Interfakultären               Obwohl religiöse Konflikte täglich die Nachrichten
                      Forschungskooperationen der Universität                    ­füllen, gibt es bisher kein überzeugendes Modell,
                      Bern. Forscherinnen und Forscher unter­                     das die Rolle der Religion in politischen und sozia-
                      schiedlicher Disziplinen arbeiten darin zusam­              len ­Konflikten beschreibt. «Wir gehen davon aus,
                      men, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.                      dass Religionen Konflikte sowohl verursachen und
                                                                                  ­verschärfen als auch positiv beeinflussen können»,
                      «An einer halbstündigen Diskussion in unserem                so Heyden und Mona. Auf Basis der Forschung sollen
                      Projektkonsortium lernen wir oft mehr als an einer           Analysetools entwickelt werden. Sie könnten der
                      dreitägigen Fachtagung», erklären Matthias Erb,              Öffentlichkeit und der Politik helfen, die religiösen
                      Professor am Institut für Pflanzenwissenschaften,            Dimensionen eines Konflikts besser zu verstehen und
                      und Andrew M   ­ acpherson, Chefarzt und Professor           wirksame, kontext­spezifische Lösungen zu entwi-
                      für Gastro­enterologie. Die beiden Koordinatoren der         ckeln – dies nicht zuletzt im Umgang mit religiös-­
                      neuen Inter­fakultären Forschungskooperation (IFK)           fundamentalistischem Terrorismus.
                      «One Health» sind überzeugt, dass interdisziplinäre
                      Zusammenarbeit grosses Potenzial freisetzt. Die betei-     Für Schlaf und Gesundheit
                      ligten Forschungs­gruppen untersuchen den Zusam-           Was geschieht, während wir schlafen, und was können
                      menhang der Gesundheit von Böden, Pflanzen, Tier           wir tun, wenn der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört ist?
                      und Mensch entlang der Nahrungskette. Dabei gehen          Dies will die IFK «Decoding Sleep» herausfinden, die
                      sie von der in den letzten Jahren gewonnenen Erkennt-      von Claudio Bassetti, Professor für Neurologie, und
                      nis aus, dass Mikro­organismen die Gesundheit von          Fred Mast, Professor für Psychologie, koordiniert wird.
                      Böden über Pflanzen bis zu Tieren und Menschen stark       Schlaf-Wach-Störungen betreffen 20 bis 30 Prozent
                      beeinflussen. Wie wirken sich nun Umweltchemikalien        der Bevölkerung. Bis zu einem Viertel von ihnen nimmt
                      auf die mikrobiellen Gemeinschaften innerhalb einer        regelmässig Schlafmittel. Dadurch steigt das Risiko
                      Nahrungskette aus, und welchen Einfluss hat dies auf       für Unfälle sowie Herz- und Gefässerkrankungen.
                      die Gesundheit des Systems? Diesen Fragen geht die         ­«Schlafstörungen können aber auch Symptome von
                      IFK «One Health» nach, indem die Auswirkungen eines         Krankheiten wie Parkinson, Demenz oder Depression
                      Pflanzengifts, eines Schwermetalls und eines Pestizids      sein», betonen die beiden Koordinatoren. Die IFK
                      genauer u ­ ntersucht werden.                               «Decoding Sleep» soll dazu beitragen, Schlaf-Wach-
                                                                                  Störungen und neuropsychiatrische Erkrankungen
                      Welche Rolle spielt die Religion?                           früher und präziser zu diagnostizieren und mit perso-
                      Um religiöse Konflikte und mögliche Lösungen geht es        nalisierten Therapien gezielt behandeln zu können.
                      in der IFK «Religious Conflicts and Coping ­Strategies»,



24    Jahresbericht der Universität Bern 2017
Teilstrategie VOLLUNIVERSITÄT




 Zahlreiche Berne­
 rinnen und Berner
 informierten sich
 an der Ausstellung
 «Container3»,
 was sie selber
 zum Klimaschutz
­beitragen können.




                      Klimawandel im Quartier
                      In einer mobilen Ausstellung themati­                           Die Themen Klima, Energie und Mobilität standen
                      sierten die Stadt Bern und die Universität                im Zentrum von «Container3». Die Ausstellung machte
                      im Spätsommer 2017 den Klimawandel.                       den Zusammenhang zwischen dem globalen Klima-
                      «­Container3 – eine Berner Ausstellung                    wandel und lokalem Klimaschutz erlebbar. So gab das
                      rund ums Klima» gab Einblicke in die                      Oeschger-Zentrum für Klimaforschung Einblick in ein
                      Klima­forschung und zeigte, wie sich die                  aktuelles Projekt der Universität Bern zu den Auswir-
                      Bundesstadt für nachhaltige Mobilität und                 kungen des Klimawandels auf die Wasserressourcen
                      erneuerbare Energien einsetzt.                            im Seeland. Im sogenannten «Gemüsegarten» der
                                                                                Schweiz drohen wegen den häufigeren Hitzewellen im
                      Die Wanderausstellung, die in vier Schiffscontainern      Sommerhalbjahr Wasserkonflikte. Schon heute müssen
                      gezeigt wurde, tourte durch alle Berner Stadtteile.       die Felder grossflächig bewässert werden. Ebenfalls
                      Darüber hinaus war sie während einiger Tage auch an       vorgestellt wurde das Projekt «Oldest Ice», bei dem
                      der «10th International Carbon Dioxide Conference» in     ­Klimaforschende nach dem ältesten Eis der Erde suchen.
                      Interlaken zu sehen. Hier trafen sich auf Einladung der    Das europäische Vorhaben trägt zum besseren Ver-
                      Universität Bern rund 500 Forscherinnen und Forscher       ständnis des Klimas der letzten 1,5 Millionen Jahre bei.
                      aus der ganzen Welt, um unterschiedliche Aspekte des            In den zwei Containern «Energie» und «Mobilität»
                      Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) zu diskutieren. Zum      zeigte das Amt für Umweltschutz, wie sich die Stadt
                      Abschluss gastierte die Ausstellung auf der Grossen        Bern ihrer Verantwortung stellt und den klimafreund-
                      Schanze. Dort war sie am 16. September auch Teil der       lichen Umgang mit Energie sowie eine nachhaltige
                      Nacht der Forschung der Universität Bern.                  Mobilität fördert.




Stellarium Gornergrat neu eröffnet
Der Gornergrat bei Zermatt ist einer der besten Standorte für astronomische Beobachtungen in
Mitteleuropa. In den letzten 50 Jahren wurde auf 3089 Metern über Meer internationale Forschung
im Observatorium betrieben. Heute bevorzugt die Wissenschaft Standorte wie Chile oder Hawaii, wo
grössere Teleskope an geeigneteren Lagen aufgestellt werden können. Nun haben die Universitäten
Bern und Genf das Stellarium Gornergrat neu eröffnet – für die Öffentlichkeit und insbesondere für
Schulen. Partner sind dabei die Burgergemeinde Zermatt und die Stiftung Hochalpine Forschungs­
stationen Jungfraujoch & Gornergrat.
    «Lehrpersonen mit wenig oder gar keinem Vorwissen in Astronomie bieten wir eine attraktive
Möglichkeit, das Thema Weltraum in die Schule zu bringen», sagt Timm-Emanuel Riesen vom C   ­ enter
for Space and Habitability der Universität Bern. So können auf einem pädagogischen Internet­
portal Beobachtungsaufträge eingegeben werden, die das Stellarium durchführt und dokumentiert.
­Möglich sind auch Exkursionen für Schulklassen.
    www.stellarium-gornergrat.ch



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