Mission: Sauber. - LEADER Digital

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www.leaderdigital.ch
                                                                                                                   Nov. / Dez. 13 / 2019
                                                                                                                           Preis Fr. 8.50



                                                                                                                        Ausgabe für die
                                                                                                                        Ostschweiz und
                                                                                                                        das Fürstentum
                                                                                                                          Liechtenstein

                         DAS UNTERNEHMERMAGAZIN


      Weiterbildung qualifiziert mich!                                                                      bzbuchs.ch




                                                                                                               Mit
                                                                                                            Sonderteil
                                                                                                                 Schweizer
                                                                                                                KMU-Tag




                        Roger Tinner:                                                                   In dieser Ausgabe:
                                                                                                         Milo Stössel, Peter
                        «Kreativität ist nicht                                                      Eisenhut, Ralph Bleuer,
                        objektiv definierbar.»                                                        Samuel Zuberbühler,
                                                                                                        Thomas Schneider,
                        Seite 52                                                                         Arno Noger, Isabel
                                                                                                    Schorer, Benjamin Pipa,
                                                                                                            Sandro Horber,
                                                                                                           Bruno Damann,
                                                                                                      Christine Bolt, Bruno
                                                                                                                Hug u.v.m.


                                             Ihr Gas(t)geber für Wartung und Verkauf
                                             von Lastwagen, Omnibussen, Transportern                             thomannag.com



                        Fokus
Thomann_Zeileninserate_2019.indd 7
                                                         Fokus                                           Mission:          14.12.18 10:06
                                                                                          DACHCOM




                        Kommunikation
                        Esprit mit Bodenhaftung
                                                         Sicherheit
                                                         Sicherheitsbedürfnisse von KMU
                                                                                                         Sauber.
                                                                                                         pronto-ag.ch

                        Ab Seite 52                      Ab Seite 74
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Jetzt
Jetzt die Neuen Renault Master und Trafic erleben:
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Renault PRO+ WOCHEN
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   KANGOO EXPRESS                        Neuer TRAFIC                         Neuer MASTER                          ALASKAN
   KANGOO EXPRESS                        Neuer TRAFIC                         Neuer MASTER                          ALASKAN
   ab Fr. 14
   KANGOO
   ab   Fr.  300.–
           EXPRESS
             14   300.–                  ab Fr.TRAFIC
                                         Neuer
                                         ab     18 150.–                      ab Fr.MASTER
                                                                              Neuer  20 200.–                       ab Fr. 24 850.–
                                                                                                                    ALASKAN
   ab
   Auch
   Auch Fr.  14   300.–
        als Elektrofahrzeug
        als Elektrofahrzeug
   verfügbar
                                         ab Fr.
                                            Fr. 18
                                                18 150.–
                                                   150.–                      ab
                                                                              ab
                                                                              Auch
                                                                              Auch
                                                                                   Fr.
                                                                                   Fr.  20
                                                                                        20   200.–
                                                                                             200.–
                                                                                   als Elektrofahrzeug
                                                                                   als Elektrofahrzeug
                                                                              verfügbar
                                                                                                                    ab
                                                                                                                    ab Fr.
                                                                                                                       Fr. 24 850.–
                                                                                                                           24 850.–
   Auch als Elektrofahrzeug
   verfügbar                                                                  Auch als Elektrofahrzeug
                                                                              verfügbar
   verfügbar                                                                  verfügbar




Profitieren
Profitieren Sie
            Sie  bis
                 bis Ende
                     Ende  November
                           November    vom
                                       vom Flottenrabatt
                                           Flottenrabatt bis
                                                         bis 29
                                                             29 %,
                                                                %, dem
                                                                   dem
Profitieren
Pro+  Bonus Sie
              vonbis Ende
                   Fr. 1   November
                         500.– und     vom
                                    einem  Flottenrabatt
                                          Spezialangebot bis
                                                          auf29 %,
                                                              dem  dem
Pro+
Pro+  Bonus
      Bonus   von
              von Fr.  1
                       1 500.–
                         500.– und
                   Fr. Kangoo  und  einem
                                    einem Spezialangebot
                                          Spezialangebot auf
                                                          auf dem
                                                              dem
100
100 %
    %   elektrischen
        elektrischen   Kangoo  Z.E.
                               Z.E.
100 % elektrischen Kangoo Z.E.
St.
St. Gallen                      CITY-GARAGE   AG                                                      071 274 80 74
St. Gallen
    Gallen                      CITY-GARAGE
                                CITY-GARAGE AGAG                                                      071
                                                                                                      071 274 80 74
                                                                                                          274 80 74
Wil
Wil                             WOLGENSINGER
                                WOLGENSINGER     AG                                                   071 911 11 12
Wil                             WOLGENSINGER AG  AG                                                   071
                                                                                                      071 911 11 12
                                                                                                          911 11 12
Näfels
Näfels                          Freihof-Garage
                                Freihof-Garage AG                                                     055 618 44 88
Näfels                          Freihof-Garage AG
                                               AG                                                     055
                                                                                                      055 618 44 88
                                                                                                          618 44 88
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                                                                                                                            Vertragsabschluss
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                                                                                                80, Katalogpreis Fr. 20
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                                                                         Access   Neuer  Trafic
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                                                                          6300.–. Neuer
                                                                            900.–,Neuer
                                                                                    minusTrafic Kastenwagen
                                                                                           Pro+Kastenwagen       Access
                                                                                                  Bonus Fr. 1 500.–      =Energy
                                                                                                                           Fr. 18 150.–.95 L1H1
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                                                                                           Pro+       29 %Fr.
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                                                                                                                                   850.–, minus
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                                                                                                                                          Neuer
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                                                                                                                                            17 %
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Mission: Sauber. - LEADER Digital
Editorial 3




                   Das Dreamteam
                   als Albtraum
                   Die St.Galler Wirtschaftsverbände haben sich vergeblich für ein rein bürgerliches Duo im
                   Ständerat starkgemacht. Ihr Einsatz war verständlich: Der Ständerat ist ein Schlüsselele-
                   ment für die wesentlichen Fragen der Zukunft, und die Anzeichen der jüngsten Zeit sind nicht
                   günstig. Auch die kleinen Kammer hat mittlerweile eine Begeisterung für eine Verbotskul-
                   tur und neue Belastungen für den Mittelstand entwickelt. Das wird kaum besser, wenn mit
                   Paul Rechsteiner weiterhin einer der prominentesten Verfechter einer wirtschaftsfeindlichen
                   Politik mit dabei ist.

                   Aber vielleicht dürfte man das an dieser Stelle gar nicht schreiben. Denn Rechsteiners Resul-
                   tat war nur möglich, weil er weit über die linke Seite der Bevölkerung hinaus Stimmen erhal-
                   ten hat. Womöglich waren sogar einige Unternehmer dabei. Wie kaum ein anderer ist es dem
                   SP-Ständerat in den letzten Jahren gelungen, zu verschleiern, wofür er wirklich steht. Inzwi-
                   schen scheint man ihn als durchaus konsensfähigen Vernunftspolitiker wahrzunehmen. Ein
                   Blick auf seine Positionen straft das Lügen, aber Marketing ist bekanntlich alles: Wenn der
                   Verkäufer gut ist, kauft eben auch der Eskimo einen Kühlschrank.

                   Eine wahrhaft traurige Rolle hat in diesem Zusammenhang die CVP gespielt. Ihr war es nur
                   wichtig, den eigenen Ständerat Beni Würth durchzubringen. Da wollte man sich nicht auf die
                   eine oder andere Seite festlegen lassen, was die anderen Kandidaturen angeht. Und Würth
                   scheint sich ja prächtig mit Rechsteiner zu verstehen. Bei allem Respekt vor einer schönen
                   Männerfreundschaft: Wir haben es bei der SP immer noch mit einer Partei zu tun, die den
                   Kapitalismus abschaffen will. Auch als Partei der Mitte hätte hier eine klare Positionierung
                   notgetan. Aber es war natürlich bequem, die eigene Wählerschaft abzuholen und alles links
                   der Mitte mit dem Bild eines «Dreamteams» im Ständerat ebenfalls abzugrasen.

                   Für Unternehmer ist es eher ein Albtraum: Ein Mitte-Links-Gespann vertritt den Kanton
                   St.Gallen. Wie immer ist der Wählerwille zu respektieren, aber vor den Konsequenzen darf
                   man dennoch die Augen nicht verschliessen: Eine Politik zum Wohl der Wirtschaft darf hier
                   nicht erwartet werden.

                   Natal Schnetzer
                   Verleger


                                                                                                              Anzeige




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Im Fokus 5




K+D verkauft Kerngeschäft
     Die St.Galler K+D-Gruppe verkauft ihr Kerngeschäft Pharmaverpackun-
     gen an die deutsch-schwedische, weltweit tätige AR Packaging Group AB.
     Die K+D-Gruppe mit der K+D Immo AG und der K+D Valueinvest AG
     bleiben im Besitz von Stefan Kuhn. «If you can’t beat them – join them.
     Lieber jetzt aussteigen, anstatt zu warten und Gefahr zu laufen, den Aus-
     stiegszeitpunkt zu verpassen. Der Entscheid erfolgte vor allem zugunsten
     unserer Arbeitsplätze», sagt Kuhn, bisheriger Eigentümer und langjähriger
     Präsident des Verwaltungsrates.




                                                                    LEADER | Nov. / Dez. 2019
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6 Inhalt

  41                                                         16




                                                     55      20




           12   Spotlight                                    52   Fokus Kommunikation
                Wichtiges in Kürze                                Kreativität mit Bodenhaftung



           14   Philipp Landmark, LEADER-Redaktor            70   Milo Stössel, MS Direct AG
                Der Detailhandel kämpft mit dem                   Die besondere Verantwortung
                Strukturwandel                                    des Marktführers



           16   Ökonom Peter Eisenhut                        74   Fokus Sicherheit
                «Nichts wird mehr sein wie früher»                Lösungs- statt produktorientierte Sicherheit



           20   «Zukunft St.Galler Innenstadt»               79   Rückblick
                Mit zehn Massnahmen gegen das Ladensterben        Wirtschaftforum Thurgau



           23   Sven Bradke, Mediapolis AG                   80   Rückblick
                Listenverbindungen abschaffen                     HSG-Ball 2019



           26   Sonderteil Schweizer KMU-Tag                 83   Rückblick
                1200 Führungskräfte in St.Gallen                  Continuum-Forum



           35   Serge Honegger                               85   Rückblick
                Die Katze des Nobelpreisträgers                   LEADER-Pferde-Event




                                                                                           LEADER | Nov. / Dez. 2019
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Inhalt 7


                33      36




                30




                38




                     86      Vorschau                                            89   Vorschau
                             Kispi-Night 2020                                         Prix SVC Ostschweiz



                     88      Christof Reichmuth                                  90   Stephan Ziegler, LEADER-Chefredaktor
                             Stichhaltigkeit der Stichtage                            Schlusspunkt




                                                                                                                                  Anzeige




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8 Kolumne
  Rubrik




 Keine Qual                                            Das zweite politische
 der Wahl                                              Erdbeben in 100 Jahren
                          Drei von sieben              Seit dem 20. Oktober 2019 ist vieles über
                          St.Galler Regierungs-        das «politische Erdbeben in der Schweiz»
                          mitgliedern werden im        geschrieben worden. Bebt es auch im Bun-
                          kommenden März aus-          desrat?
                          gewechselt – immer
                          vorausgesetzt, die vier      Seit den 90er-Jahren war das Muster jeweils
                          wieder kandidierenden        gegeben. Erstens: SVP, SP und Grüne legten
                          Regierungsräte kom-          alle vier Jahre gleichzeitig oder abwechs-
                          men durch, aber davon        lungsweise zu. Die Mitte wurde geschwächt.
                          ist auszugehen.              Zweitens: Die Distanz zwischen links und
                                                       rechts vergrösserte sich. In diesem Herbst
 Das ist eine ziemliche Umwälzung: CVP, FDP und        war es anders: Sowohl SVP als auch SP muss-
 SP müssen je eines ihrer jeweils zwei Mandate         ten unten durch. Federn liessen auch die FDP
 ersetzen. Und in allen drei Fällen standen die        und, etwas weniger stark, die CVP. Kurz:
 Bewerber nicht gerade Schlange. Im Gegenteil:         Alle vier Regierungsparteien wurden geschwächt.
 Trotz anderslautender Bekundungen taten sich
 die Parteien ziemlich schwer, valable Kandida-        Ein wenig Powerplay
 turen aufzutreiben. Bei der FDP standen sich für      Die Grünen und die Grünliberalen, beide Oppositionsparteien, legten kräftig
 die Nomination ein altgedienter Kantonsrat und        zu. Nun spielen sie ein bisschen Powerplay. Selbstbewusst tun sie sogar so,
 eine Quereinsteigerin gegenüber, bei der CVP          als ob die Zukunft ihnen gehöre. Bei aller Kritik an den Wahlsiegern, Fakt ist:
 eine Stadtpräsidentin und ein abgewählter Nati-       Für die vier Regierungsparteien zusammen bleibt nur noch die Hälfte der
 onalrat, und die SP machte sich gar nicht erst die    Wählerstimmen. Reicht das, rein mathematisch, in unserem gut austarierten
 Mühe, parteiintern für eine Auswahl zu sorgen.        System? Ich kann durchaus verstehen, dass die Grünen laut «Nein» rufen.
                                                       Wie sieht es in den EU-Ländern aus? Schon seit Beginn dieses Jahrzehnts
 Was das Wahlvolk erhält, ist also nicht die Essenz    drängen oppositionelle Bewegungen von links über die Mitte bis rechts jene
 eines erbitterten Kampfes einer Vielzahl von Spit-    Parteien in die Defensive, die zum Teil seit Jahrzehnten an den Hebeln der
 zenleuten, die unbedingt in die Regierung möch-       Macht sassen. Volksparteien sind bei Jungen out. Was hingegen als «Bewe-
 ten. Es ist eher die Auswahl unter solchen, die das   gung» daherkommt, ist europaweit in.
 entweder schon lange werden wollten oder aber
 einfach die Gunst der Stunde witterten.               Das erste Erdbeben
                                                       Vor acht Jahren löste ein Erdbeben in Japan ein kleines politisches Beben in
 Was das für die künftige Regierungszusammen-          der Schweiz aus. Damals kamen alle in der eidgenössischen Exekutive vertre-
 setzung und die Resultate ihrer Arbeit heisst,        tenen Parteien unter die Räder. Am meisten verlor die FDP, am wenigsten die
 wird sich noch weisen. Aber erstaunlich ist es        SP. Andere triumphierten damals, zum Beispiel die BDP. Diese ist mittlerweile
 schon, dass es den grossen Parteien nicht gelingt,    fast schon wieder von der nationalen Bildfläche verschwunden. Im Gegen-
 zumindest in der Vorstufe zur Nomination mehr         satz zu jenem Widmer-Schlumpf-Fanclub gelang es den Grünliberalen, viele
 valable Anwärter zu finden. Fragt man diese           Junge zu überzeugen und an sich zu binden.
 Parteien, so behaupten sie zwar allenthalben,         Ob nachhaltig oder nicht: Am Anfang dieser beiden grossen Erschütterungen
 dass ihre Liste möglicher Kandidaturen lang sei –     der Schweizer Parteienlandschaft stehen wirtschaftliche Krisen oder Um-
 aber leider konkrete Gründe da und dort ein An-       weltprobleme irgendwo auf der Welt. Sie haben auf die Schweiz ausgestrahlt.
 treten verhindert hätten. Das mag in vereinzelten
 Fällen zutreffen, ist aber über alles gesehen doch    Zauberformel ja oder nein?
 eher eine Schutzbehauptung. Entweder ist das          Die Parteienlandschaft ist im Umbruch. Die «Zauberformel» für den Bun-
 Amt des Regierungsrats nicht so attraktiv, wie        desrat auch? Sie ist auf Dauer angelegt; sie setzt auf eine stabile politische
 man vielleicht glaubt. Oder aber die, die in Frage    Landschaft. Umbruch? Stabilität? Das beisst sich. Kann die sprichwörtliche
 kämen, scheuen einen Weg, auf dem sie auf             Beständigkeit unseres politischen Systems Bestand haben?
 Konkurrenz stossen könnten.                           Ich bin überzeugt: Das Pendel wird bei den nächsten Parlamentswahlen wie-
                                                       der zurückschlagen. Ist es jetzt der Moment, hektisch und nervös zu tun?
 Die Wähler jedenfalls müssen wie immer mit            Ich gehe trotz aller Diskussionen und Androhungen davon aus, dass bei den
 dem arbeiten, was sie erhalten. Oder darauf hof-      Bundesratswahlen vom 11. Dezember die bisherigen Kandidaten der vier
 fen, dass von anderer Seite noch etwas kommt.         Bundesratsparteien gewählt werden.

                                                       Der Rheintaler SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel ist Mitglied
 Marcel Baumgartner ist LEADER-Redaktor                der Aussenpoli­tischen Kommission und Mitglied des Europarates.

                                                                                                                LEADER | Nov. / Dez. 2019
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Facts & Figures 9


Klose verstärkt Point-Break-Team                                                     Kopf des Monats

Die Digital-Marketing-Beratungsagentur Point Break
GmbH baut ihren Standort St.Gallen aus: Helena Klose                                 Stefan Grob, Werber
erweitert das Team als Digital-Marketing-Managerin.
Klose sei mit ihrer Berufserfahrung im Online-Marke-
ting und Social-Media-Bereich und ihrem Master in
Kommunikationswissenschaft die ideale Ergänzung
für das PB-Team.



                             Bogen wird neuer Operndirektor am
                             Theater St.Gallen
                             Der neue Operndirektor des Theaters St.Gallen
                             heisst Jan Henric Bogen. Derzeit ist der studierte
                             Musikwissenschafter und Jurist Stellvertretender        Nach fast 20 Jahren als Geschäftsleiter der
                             Intendant an der Opera Vlaanderen in Antwerpen          Complecta Agentur für Text und Konzept schlägt
                             und Gent sowie Intendant des Kurt-Weill-Festes in       Stefan Grob ein neues Kapitel auf: Ab 1. Januar
                             Dessau. Er tritt die Nachfolge von Peter Heilker auf    2020 wird seine St.Galler Firma voll und ganz in der
                             die Spielzeit 2021/2022 an.                             Romanshorner Kommunikationsagentur Advery
                                                                                     aufgehen. Grob wird deren Agenturleiter.

Martullo-Blocher
                                                                                     Alle Complecta-Mitarbeiter gehen mit Stefan Grob;
holt Nationalen
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Die Ems-Chemie setzt                                                                 Agentur mit Design- und Digitalkompetenz und
konsequent auf den                                                                   einem Team von gegen 30 Professionals. Zudem ist
Berufsnachwuchs.                                                                     Advery ein Ausbildungsbetrieb, der rund 20 Lehr-
Deshalb ist das Bünd-                                                                lingen mit psychischen oder physischen Schwierig-
ner Unternehmen nun                                                                  keiten eine Chance auf einen Ausbildungsplatz gibt.
von der Heerbrugger Hans-Huber-Stiftung und der Zürcher Stiftung FH Schweiz          «Das ist einzigartig in der Schweiz und ich freue
für den Nationalen Bildungspreis 2019 nominiert worden. «Die Berufsbildung ist ein   mich sehr, dass ich diese Agentur mit sozialer
Grundpfeiler der Ems-Chemie», betont CEO Magdalena Martullo-Blocher (Bildmitte).
                                                                                     Haltung führen darf», so der Geschäftsleiter in spe.

                                                                                     Advery wurde 2017 vom Ausbildungs- und Integra-
                                              Paganini tritt zurück
                                                                                     tionsunternehmen Brüggli in Romanshorn ins Leben
                                               Nach neunjähriger Tätigkeit als       gerufen. Ihre Leistungen reichen vom Markenauftritt
                                               Direktor verlässt Nicolo Paganini     über die Werbekampagne bis zu Corporate-Publi-
                                               die Olma-Messen St.Gallen auf         shing-Dienstleistungen. Immer sind junge Berufs-
                                               eigenen Wunsch per 31. Mai 2020.      leute involviert, die bei Advery auf eine Tätigkeit im
                                               Was nun auf die Messe alles wartet,
                                                                                     ersten Arbeitsmarkt vorbereitet werden.
                                               vertrage sich schlecht mit seinem
                                               Amt als Nationalrat: Das Grosspro-
                                                                                     Stefan Grob (*1976) ist verheiratet und hat zwei
jekt «Olma-Neuland», die operative Führung des Tagesgeschäfts und die Umset-
                                                                                     Kinder. «Ich lebe gerne in der Stadt St.Gallen, weil
zung verschiedener strategischer Initiativen erforderten von der Führung einen
                                                                                     die Menschen hier eine gesunde und bodenständige
in jeder Hinsicht überdurchschnittlichen Einsatz.
                                                                                     Mentalität haben.» Der Geschäftsführer der Christ-
                                                                                     lichsozialen Parteigruppe CSP des Kantons St.Gallen
                                                                                     ist seit 2014 – mit einem Unterbruch – Mitglied des
Geiger verlässt REGIO
                                                                                     St.Galler Stadtparlaments. Dort setzt er sich vor
Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee
                                                                                     allem für Kinderrechte und Kinderschutz sowie
Nach zehn Jahren erfolgreicher Führung verlässt                                      eine familienfreundliche Politik ein.
Rolf Geiger die Geschäftsstelle der REGIO Appenzell
AR-St.Gallen-Bodensee per Ende Januar 2020, um eine
neue Herausforderung zu übernehmen. Geiger über-                                     Trotz seines beruflichen und politischen Engage-
nahm die Führung der Geschäftsstelle im März 2010.                                   ments findet Stefan Grob noch Zeit, seine «Jünger»
Die damals neu gegründete Region besteht heute aus                                   in Kundalini-Yoga zu unterrichten; er ist seit 2014
47 Gemeinden aus den Kantonen Appenzell Ausser-                                      Inhaber und Geschäftsführer der gleichnamigen
rhoden, St.Gallen und Thurgau.
                                                                                     Yogaschule in St.Gallen. Und last, but not least
                                                                                     doziert Grob, der selbst einen Executive MBA an der
                                                                                     FHS St.Gallen gemacht hat, auch noch an der WIOS-
Aktuelle News aus der Ostschweizer Wirtschaft und Politik finden                     Kaderschule in Wil – naheliegenderweise: Marketing,
Sie täglich auf www.leaderdigital.ch                                                 Kommunikation und Führung.

                                                                                                                   LEADER | Nov. / Dez. 2019
Mission: Sauber. - LEADER Digital
10 Start-ups, Digitalisierung & Co.



   › noch
     Die Ostschweiz wird
          digitaler
       Die Digitalisierung der Ostschweiz schreitet mit grossen Schritten     in 55 Märkten der Kette mit Hauptsitz in St.Gallen erhältlich.
       voran – Initiativen wie «IT rockt!» oder die IT-Bildungsoffensive      Wöchentlich wird die ursprünglich aus Dänemark stammende
       sprechen eine deutliche Sprache: Die Gegend zwischen Alpstein          App gegen Food-Waste in weiteren Spar-Supermärkten und
       und Bodensee will sich als eigentlichen IT-Cluster positionieren.      Spar-express-Filialen implementiert.
       Der neue Hub «east#digital» der LEADER-Herausgeberin Metro-


                                                                            › Software
       Comm AG begleitet den digitalen Wandel der Ostschweiz unter
       der Contentverantwortung von Patrick Stämpfli – mit                    AIB und GVG arbeiten mit
       eastdigital.ch, mit einem mehrmals jährlich erscheinenden
                                                                                       aus St.Gallen
       Magazin und mit der east#digital conference im Frühjahr 2020.
                                                                              Das Amt für Immobilienbewertung und die Gebäudeversiche-


   ›   Namics holt Gold
                                                                              rung des Kantons Graubünden haben ihre Software erneuert
                                                                              und arbeiten nun mit modernster Bewertungs- und Versiche-
                                                                              rungssoftware des St.Galler Softwareunternehmens GemDat.
       Die Fullservice-Digitalagentur Namics mit Sitz in St.Gallen holt
                                                                              Ergänzt um die komfortable Tablet-Lösung Rubin Mobile,
       sich beim Best of Swiss Apps Award mit der Tamedia-App «FuW
                                                                              erledigen die Mitarbeiter der Versicherung die Schadenaufnah-
       jetzt» eine Gold-Auszeichnung. Mit intuitivem Design und klarer
                                                                              men vor Ort nun komplett papierlos.
       Formensprache führt die Anwendung Nutzer durch den gesam-


                                                                            › begeistert
       ten Börsentag. Sie erhalten aktuelle und exklusive Inhalte, die
       sich dem Tagesablauf und der verfügbaren Lesezeit der Nutzer           St.Galler «City Messenger»
       anpassen. Damit überzeugten die Mediengruppe Tamedia und
       Namics die Expertenjury des BOSA und erhalten eine Auszeich-
                                                                                          Nutzer
       nung in der Kategorie «Design».                                        Am 23. Oktober wurde in St.Gallen die Weltneuheit «City Mes-



   › von
                                                                              senger» lanciert. Mit Text- und Bildnachrichten informiert der
                                                                              «City Messenger» einfach und schnell über aktuelle Einkaufs-
     HSG beginnt mit Bau                                                      und Unterhaltungsangebote in St.Gallen und ermöglicht den
         Lernzentrum                                                          Nutzern eine direkte Interaktion mit den Betrieben – alles mit
                                                                              dem Ziel, die Innenstadt zu beleben. Innerhalb von 24 Stunden
       Die Universität St.Gallen hat den Spatenstich für das HSG
                                                                              hatten bereits über 1000 Menschen den Messenger installiert.
       Learning Center begangen. Ab dem Frühjahr 2022 sollen in


                                                                            › Shop
       dem 50-Millionen-Bau zukunftsweisende didaktische Formen
       ermöglicht werden. Insgesamt werden 500 bis 700 Lern- und              Beneva Black gewinnt
       Arbeitsplätze entstehen, um «zusätzlichen Raum für das Lernen
       im digitalen Zeitalter» zu schaffen.
                                                                                   Usabilty Award


   › Venture-Kick-Jury
                                                                              Das Widnauer Beauty-Start-up Beneva Black gewinnt
                                                                              einen internationalen E-Commerce-Preis in der Kategorie
     Nanoglue überzeugt                                                       Masterclass Storytelling. Der «Shop Usability Award» ist
                                                                              als der wichtigste E-Commerce-Award im deutschsprachigen
                                                                              Raum bekannt und erhält jährlich über 700 Bewerbungen.
       Das St.Galler Medtech-Start-up Nanoglue erhält von der Initi-
                                                                              Vor zwei Jahren gründeten Raphael Rohner und David
       ative Venture Kick 40'000 Franken. Die Firma nutzt eine an der
                                                                              Nüesch die Beneva International AG mit einem Onlineshop,
       Eidgenössischen Technischen Hochschule entwickelte Nano-
                                                                              der Beauty- und Kosmetikprodukte anbietet.
       technologie, um eine Paste herzustellen, durch welche Haut-


                                                                            › Angebot
       transplantate besser anwachsen und schneller heilen. Dadurch
       wird das Risiko von Infektionen in der Wunde reduziert.                TKB bündelt digitales

   › Food-Waste
     Spar geht gegen
                 vor
                                                                              Kürzlich hat die Bank eine neue E-Banking-Lösung lanciert und
                                                                              mit ihrem Kundenportal OLIVIA zusammengeführt. Für Kunden
                                                                              der TKB sind neu sämtliche digitalen Services mit nur einem
       Der erste Spar-Markt starteten im Sommer 2019 mit Too Good
                                                                              Login zugänglich. Im durch die neue E-Banking-
       To go. Mittlerweile sind Too-Good-To-go-Lebensmittelpakete



                                 In Zusammenarbeit mit Startfeld St.Gallen und Startnetzwerk Thurgau.


                                                                                                                        LEADER | Nov. / Dez. 2019
Kolumne 11




                                                        Nach den Wahlen ist
  Lösung erweiterten Kundenportal OLIVIA können
  sie Zahlungen erledigen, Börsenaufträge abwickeln,
                                                        vor den Wahlen
  Adressänderungen aufgeben, Produkte verwalten         Die Wahlen vom 20. Oktober
                                                        waren noch nicht einmal fertig
  und eröffnen oder einen Finanzassistenten nutzen.
                                                        ausgezählt, da wurde bereits die


› Olma-Messen
                                                        Zauberformel des Bundesrates
                                                        infrage gestellt. Nicht viel länger
               lancieren                                dauerte es, bis die Erneuerungs-
  neue Eventagentur                                     wahl der St.Galler Regierung
                                                        vom kommenden März themati-
  Caroline Derungs und Daniel Oswald leiten ab Früh-
                                                        siert wurde.
  jahr 2020 gemeinsam eine neu gegründete, noch
  namenlose Live-Communications-Agentur unter
  dem Dach der Olma-Messen St.Gallen. Kernaufgabe
                                                        Diese wurden umso mehr zum Thema, als die lang-
  der Agentur sei die Kreation, Konzeption und
                                                        jährige Vorsteherin des Gesundheitsdepartements,
  Umsetzung von Live-Communications-Projekten           Regierungsrätin Heidi Hanselmann, wenige Tage
  wie Corporate Events, Messeauftritte, Public Events   vor den eidgenössischen Wahlen ihren Rücktritt
  sowie Side-Events zu Messen und Kongressen.           mitteilte.



› Neuer
                                                        Zwei Tage nach den eidgenössischen Wahlen hat
                                                        die St.Galler Regierung ihre neue Spitalstrategie
         CEO und Eigentümer                             vorgestellt. Endlich kann eine Diskussion mit den
  für LC Systems                                        nötigen Grundlagen stattfinden! Als «Vorwahl-
                                                        kampf» für die kantonalen Wahlen läuft jetzt die
  Das Arboner Unternehmen LC Systems-Engineering        Vernehmlassung zur Weiterentwicklung der Spital-
  mit einer Tochtergesellschaft in Deutschland wurde    strategie «4plus5». Die parlamentarische Debatte
  per 07.11.2019 durch Bernd Genal übernommen.          wird kurz nach den Wahlen im April 2020 in der
                                                        alten Zusammensetzung stattfinden.
  Genal erwirbt die Firma von Rolf Niederer, der dem
  30-jährigen inhabergeführten Unternehmen              Egal, wer für das künftige St.Galler Kantonspar-
                                                        lament oder für die Regierung kandidiert, die
  vorstand.
                                                        Spitaldebatte wird so oder so zu einem Wahl-


› Firmenkreditrechner
                                                        kampfthema. Die SVP des Kantons St.Gallen hat
                                                        vor einigen Tagen eine Resolution verabschiedet.
  Fintech-Startup lanciert                              Diese verdeutlich, dass die SVP bereits 2013/2014
                                                        mehrfach darauf aufmerksam gemacht hat, dass
                                                        eine Zementierung der St.Galler Spitallandschaft
  Das Suchen nach detaillierten Angaben jedes einzel-   zu grossen finanziellen Herausforderungen führen
  nen Firmenkreditangebots soll ein Ende haben:         wird und längerfristig nicht gehalten werden kann.
  Mit dem neuen Online-Firmenkreditrechner kredit-      Dass die damalige Strategie nicht zukunftsgerich-
                                                        tet war, zeigt sich jetzt, nur wenige Jahre nach der
  vergleich.ch von PR Fina Kredit aus Reute AR lassen
                                                        Volksabstimmung vom November 2014, bei dem
  sich die Angebote auf einen Blick kostenlos und
                                                        das St.Galler Stimmvolk Krediten von fast einer
  transparent vergleichen.                              Milliarde Schweizer Franken zugestimmt hatte.
                                                        Die von der Regierung nun vorgestellte neue


› schweiz
                                                        Strategie kommt daher einige Jahre zu spät.

  Alle Digitalnews der Ost-                             Aufgrund der stetig steigenden Kosten im Gesund-
                                                        heitswesen und der rasanten Spezialisierung
           auf eastdigital.ch                           der Medizin ist Handlungsbedarf angezeigt. Bei
                                                        der Beurteilung der Vorlage stehen eine qualitativ
  Der neue Hub «east#digital» der LEADER-Herausge-
                                                        hochstehende Gesundheitsversorgung der
  berin MetroComm AG begleitet den digitalen Wan-       Bevölkerung sowie eine Klärung und Sicherung der
  del der Ostschweiz – mit einem mehrmals jährlich      finanziellen Situation der Spitäler im Mittelpunkt.
  erscheinenden Magazin, mit eastdigital.ch und der     Zentral ist insbesondere die Sicherstellung der
  east#digital conference im Frühjahr 2020.             Notfallversorgung in allen Regionen. Was mir
  Newsletter: www.eastdigital.ch,                        jedoch in der aktuellen Vorlage noch fehlt, ist
                                                        die interkantonale Zusammenarbeit.
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                                                        Michael Götte, Fraktionspräsident SVP St.Gallen,
                                                        Gemeindepräsident Tübachs


                                                                                      LEADER | Nov. / Dez. 2019
12 Spotlight


                                                                          Finanzkoryphäe in Vaduz
                                                                          Am 18. Dezember spricht im Rahmen des Business-Lunches
                                                                          «Meet the President» die Direktorin der Schweizerischen National-
                                                                          bank, Andréa M. Maechler, zur allgemeinen Wirtschaftslage, zu den
                                                                          Finanzmärkten und zu den geldpolitischen Herausforderungen.
                                                                          Ein spannendes und lohnendes «Muss» für alle Wirtschafts- und
                                                                          Finanzinteressierten. meet-the-president.com




  «Startfeld Diamant»                                                     Rekordergebnis für
  geht in die 9. Runde                                                    Pizolbahnen
  Ab sofort können sich interessierte Start-ups für den Preis bewerben.
  Teilnahmeschluss ist der 17. Januar 2020. Das Publikumsvoting läuft
  von Mitte Januar bis zum 17. Februar 2020. Insgesamt 52'500 Franken
  vergibt die SGKB an die besten Ostschweizer Start-ups.
  sgkb.ch/startfelddiamant




             HSG verteidigt
             Führungsposition                                             Die Pizolbahnen können wegen der guten Wetterbedingungen
                                                                          2018 das bisher beste Jahresergebnis ausweisen. Der Sommerum-
             Die «Financial Times» hat «Strategy and International        satz stieg um 43 Prozent, in der Wintersaison lag das Umsatzplus
             Management» der Universität St.Gallen zum weltweit           bei 11 Prozent. Insgesamt sei im Geschäftsjahr 2018/19 mit 355'000
             besten Master-Studiengang für Management 2019                Ersteintritten und über 2,5 Millionen Frequenzen auf den Anlagen
             gekürt. Die HSG verteidigt damit ihren Spitzenplatz          ein Umsatz ohne Gastronomie von 8,7 Millionen Franken erzielt
             der vergangenen Jahre. «Die Art, wie unser Programm          worden.
             Management-Ausbildung begreift und vermittelt,
             macht es einzigartig», so SIM-HSG Managing
             Director Omid Aschari.




   Brasilianische Schokolade
   aus dem Fürstenland
   Schokolade Made in Switzerland, mit viel Liebe zu Brasilien: Juliana
   Hassler stellt mit ihrer Firma Billy & Bugga exotische Schokolade in
   Wil her. Sämtliche Schokoladen werden per Hand geschöpft und in        «People’s» holt 4. Rang
   Handarbeit einzeln gefertigt. Die Verpackung ist exotisch mit Aqua-
   rellfarbe gestaltet und lässt erahnen, welche Geschmacksexplosio-      Die Fluglinie People’s aus Altenrhein war in diesem Jahr erstmals
   nen einen erwarten.                                                    für die «Swiss Travel Awards» nominiert. Dabei hat sie in der
                                                                          Kategorie Airlines Kurz-/Mittelstrecke den vierten Platz errungen.




                                                                          Zur Rose wächst offline
                                                                          Nach den ersten drei Shop-in-Shop-Apotheken in Bern, Basel und
                                                                          Zürich dehnen die Versandapotheke Zur Rose aus Frauenfeld und
                                                                          die Migros ihre Zusammenarbeit auf die Westschweiz aus. Im nächs-
                                                                          ten Frühjahr soll eine Shop-in-Shop-Apotheke in Crissier VD öffnen.

                                                                                                                       LEADER | Nov. / Dez. 2019
Spotlight 13


Valiant eröffnet Geschäftsstelle
                             Die Berner Bank Valiant eröffnete an der Markt-
                             gasse 11 in St.Gallen ihre erste Geschäftsstelle der
                             Ostschweiz. In den Räumlichkeiten kombiniert sie
                             persönliche Beratung und digitale Dienstleistungen.
                             Mit der Eröffnung startet Valiant auch ein neues
                             Kapitel im Hypothekargeschäft: Sie lanciert einen
                             unabhängigen Hypothekenvergleich und öffnet
                             erstmals ihr Finanzierungsgeschäft für Pensions-
                             kassen und Versicherungen.
                                                                                       Module entlasten
                                                                                       Verwaltungsräte
                                                                                       Ein neu von der St.Galler Spezialistin für Unternehmen-
                                                                                       sentwicklung Continuum AG aufgebauter Katalog von
                                                                                       Dienstleistungen für die Verwaltungs- und Familienräte
                                                                                       von Familienunternehmen ist nun verfügbar. Die jeweils
                                                                                       in drei Pakete zusammengefassten Angebote sollen den

Herzstück für E-Autobatterie-                                                          Präsidenten und seine Mitglieder im Gremium entlasten,
                                                                                       die Professionalisierung erhöhen sowie eine konstruktive
Herstellung aus der Ostschweiz                                                         Aussensicht bewirken.

                             2019 hat der erste deutsche Autobauer eine Pilot-
                             fertigung für Batteriezellen in Betrieb genommen.
                             Dabei hat Bühler+Scherler aus St.Gallen in Zusam-
                             menarbeit mit der Bühler Group aus Uzwil einen
                             Extruder beigesteuert. Dieses Herzstück der Pro-
                                                                                       Reka investiert eine
                             duktion dient zur Herstellung der Batteriepaste           Million in Wildhaus
                             für E-Autos.
                                                                                       Zum Auftakt der Wintersaison am 20. Dezember er-
                                                                                       strahlt das Reka-Feriendorf Wildhaus in neuem Glanz.
                                                                                       25 Wohnungen und die «Social Area» werden komplett
                                                                                       erneuert. Mit der Investition von rund einer Million Fran-

Zwischen Durchschnitt                                                                  ken wolle Reka ein Zeichen setzen: Trotz dem aktuell in
                                                                                       der Öffentlichkeit stark beachteten Bergbahnenstreit

und Leuchttürmen                                                                       um ein gemeinsames Skiabo bleibe Wildhaus ein famili-
                                                                                       enfreundlicher Standort.

Die wesentlichen Kennzahlen für die Entwicklung des Wirtschaftsraums St.Gallen
wie Produktivität, Beschäftigtenwachstum liegen nahe beim Schweizer Mittel-
wert. Um die Standortattraktivität deutlich zu erhöhen, braucht es Investitionen in
Schüsselbranchen. Das sind Haupterkenntnisse einer Studie, die am Standortforum
St.Gallen vorgestellt wurde. Die Agglomeration St.Gallen liegt beim Bruttoinlands-
produkt pro Kopf und bei der Produktivität leicht unter dem Schweizer Durchschnitt.




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14 Schwerpunkt




  Der Detailhandel kämpft
  mit dem Strukturwandel
                    Für die Ostschweiz ist der Detailhandel ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
                    Die Zukunftsaussichten der Branche sind jedoch alles andere als rosig,
                    die Digitalisierung und die Internationalisierung setzen ihr zu.




                    Es gibt verschiedene Indikatoren, um die Befind-       In kurzer Zeit hat ein gewaltiger Strukturwandel
                    lichkeit des Detailhandels in der Ostschweiz zu ver-   stattgefunden. Die Credit Suisse schreibt in der
                    messen. Man kann beispielsweise durch ein Wohn-        Einleitung zu ihrem aktuellen Retail Outlook 2019
                    quartier spazieren, kurz bevor die Karton-Abfuhr       denn auch: «Als wir vor genau zehn Jahren die ers-
                    kommt: Meist in guter Schweizerart fein säuberlich     te Ausgabe des Retail Outlooks präsentierten, sah
                    gebündelt stapeln sich am Strassenrand die Hüllen      die Welt des Schweizer Detailhandels recht anders
                    der Pakete, die in den letzten Wochen von der Post     aus als heute. Zalando wurde gerade erst gegründet,
                    oder verschiedenen Parcel-Services verteilt wurden.    die meisten Schweizerinnen und Schweizer hielten
                                                                           Alibaba für den fast gleichnamigen Charakter aus
                                                                           ‹Tausend und einer Nacht›, und der Euro/Franken-
  «Das Ausland ist faktisch zum drittgrössten
                                                                           Kurs lag bei etwa 1.50. Die meisten Konkurrenten der
  Detailhändler in der Schweiz geworden.»                                  hiesigen Retailer waren an der gleichen Einkaufs-
                                                                           strasse oder allenfalls im nächstgelegenen Einkaufs-
                    Der Onlinehandel floriert                              zentrum zu finden.»
                    Die Aufschriften lesen sich wie ein Who-is-Who des     Nahe gelegen ist in vielen Teilen der Ostschweiz
                    Versandhandels. Kartons von Brack, Digitec, Ama-       ein Einkaufszentrum im Ausland. Auch an einem
                    zon, Conrad, Alibaba, Nespresso, Microspot, Le         Samstag einen Schweizer Grenzübergang beob-
                    Shop, Coop ... und natürlich Zalando warten aufs       achtet, kann deshalb einiges über die Situation
                    Recycling. Der Eindruck trügt nicht: Der Online-       des Detailhandels erfahren. Der Euro-Wechselkurs
                    handel floriert. Gemäss dem Kölner EHI Retail Ins-     befeuert den Einkaufstourismus, «das Ausland
                    titute kamen 2017 die 250 stärksten Onlineshops der    ist faktisch zum drittgrössten Detailhändler
                    Schweiz auf einen Umsatz von 7 Milliarden Franken.     in der Schweiz geworden», sagt der St.Galler
                    Immerhin: Drei Viertel davon entfalle auf Schweizer    Ökonom Peter Eisenhut im Interview mit dem
                    Onlineshops.                                           Leader.

                                                                                                         LEADER | Nov. / Dez. 2019
Schwerpunkt 15




                Negative Umsatzentwicklung                            in dieser Branche als im Maschinenbau oder in der
                Der Detailhandel in der Schweiz muss 2019 mit         Finanzbranche.» Bodmer kam damals auf die Zahl von
                einem Umsatzrückgang von 0.7 Prozent rechnen,         20'000 Vollzeitstellen und einem Beschäftigungsan-
                prognostiziert BAK Economics in der Studie «Pers-     teil von 6 Prozent. Allerdings sei die Beschäftigten-
                pektiven Detailhandel Schweiz». Vor allem im ersten   zahl im Detailhandel in den letzten Jahren deutlich
                Halbjahr ging der Umsatz um 0.6 Prozent zurück.       zurückgegangen: Zwischen 2008 und 2013 gingen in
                2018 war die Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr     der Ostschweiz knapp 15 Prozent der Stellen verloren.
                noch leicht positiv, vor allem unter Ausklammerung
                des Bekleidungsbereichs. Aber bereits in den Jahren   Leerstehende Läden
                2015, 2016 und 2017 war die Entwicklung jeweils       Gerade in den grossen Flanierzonen wie etwa in der
                negativ. Auch für 2020 erwartet BAK Economics bes-    Innenstadt von St.Gallen ist der Strukturwandel au-
                tenfalls eine Stagnation bei den Umsätzen.            genfällig: Viele einstige Anziehungspunkte für den
                «Die Eintrübung der Konsumentenstimmung macht         Einkauf in der Innenstadt sind verschwunden, ande-
                sich im Schweizer Detailhandel bemerkbar», schrei-    re Geschäfte haben ihr Sortiment gestrafft und ihre –
                ben die Studienautoren. Diese Konsumentenstim-         immer noch teure – Verkaufsfläche redimensioniert.
                mung wird einmal pro Quartal vom Staatssekretariat    Da und dort sind leerstehende Läden stumme Zeu-
                für Wirtschaft (Seco) erhoben. Früher entwickelte     gen des Wandels. Allerdings gibt es auch immer noch
                sich die Konsumentenstimmung einigermassen pa-        Detaillisten, die Idealisten sind und sich mit Enga-
                rallel zur Einschätzung der Sicherheit der Arbeits-   gement gegen den Verfall stemmen. Sie legen wert
                plätze, inzwischen haben sich diese beiden Parame-    auf überdurchschnittlichen Service und ein erlese-
                ter entkoppelt. Beschäftigung und Einkommen in        nes Sortiment, um sich abzuheben. Das tut gut, denn
                der Schweiz dürften sich weiter solide entwickeln,    nach wie vor gibt es ja auch etliche uninspirierte Ab-
                bei der Konsumentenstimmung überwiegt aber eine       leger von Ladenketten, die ihre Kunden nach dem
                pessimistische Einschätzung.                          Prinzip «more of the same» langweilen, aber sich
                Zur schlechten Stimmung kommt, dass sich die          irgendwie halten können.
                Wechselkursituation wieder gewandelt hat. Der         Die in St.Gallen inzwischen häufig anzutreffenden
                Schweizer Franken wurde wieder aufgewertet und        Pop-up-Stores sind wohl noch keine grossartigen
                unterschritt den Kurs von 1.10 Franken für einen      Umsatztreiber, mit Sicherheit beleben sie aber das
                Euro. «Nachdem der Einkauftourismus 2018 zurück-      Stadtbild mehr als ein leerer Laden. Die oft unkon-
                ging, könnte die aktuelle Wechselkursentwicklung      ventionellen Läden mit Ablaufdatum bieten viel-
                eine erneute Trendwende herbeiführen», schreibt       leicht jene Erlebnis-Momente beim Einkauf, die
                BAK Economics. 2018 stellten die deutschen Grenz-     beim nüchternen Preisvergleich im Internet fehlen.
                behörden 7.2 Prozent weniger Ausfuhrbescheinigun-
                gen aus.                                              Noch mehr Online-Konkurrenz
                                                                      Doch die Konkurrenz durch den digitalen Handel
                                                                      wird zunehmen. «Momentan hängt der Marktein-
«Momentan hängt der Markteintritt                                     tritt Amazons wie ein Damoklesschwert über den
Amazons wie ein Damoklesschwert über                                  Köpfen der Schweizer Händler», schreibt die Credit
                                                                      Suisse im Retail Outlook. Um dann gleich aufzuzei-
den Köpfen der Schweizer Händler.»                                    gen, «dass die Furcht wohl etwas übertrieben ist.»
                                                                      Unter anderem, weil Schweizer bereits heute bei aus-
                Bedeutend für die Ostschweiz                          ländischen Amazon-Ablegern wie amazon.de ein-
                In einer anderen, Ende Oktober am Standortforum       kaufen, und weil der US-Riese in der Schweiz nicht
                von Wirtschaft Region St.Gallen (WISG) und Wirt-      auf eine grüne Wiese trifft, denn hier haben sich in
                schaft St.Gallen-Bodensee präsentierten Studie        den letzten Jahren etliche einheimische Online-
                über den Wirtschaftsraum St.Gallen, hielt BAK Eco-    Händler etabliert.
                nomics fest, dass der Detailhandel mit einem An-      Der Markteintritt von Amazon wird also die Karten
                teil von 6 Prozent an der gesamten Wertschöpfung      nicht gänzlich neu mischen, dennoch ist der Trend
                eine Schlüsselbranche für in Stadt und Agglomera-     für die CS eindeutig: Der Schweizer Detailhandel
                tion St.Gallen darstelle. Eine Branche, die hier im   werde wegen der zunehmenden Internationalisie-
                Schweizer Vergleich eine überdurchschnittliche Be-    rung und Digitalisierung weiterhin stark unter Druck
                deutung hat – auch, weil bestimmte Branchen mit       bleiben. «Es deutet alles darauf hin, dass der Struk-
                hoher Wertschöpfung in der Ostschweiz fast gänz-      turwandel in der Branche noch einige Zeit anhalten
                lich fehlen.                                          dürfte.»
                Schon 2016 schrieb Frank Bodmer, der Leiter volks-
                wirtschaftliche Analyse der IHK St.Gallen-Appen-
                zell, der Ostschweizer Detailhandel werde allge-      Text: Philipp Landmark
                mein unterschätzt: «Es arbeiten mehr Menschen         Bild: Thomas Hary


                                                                                                    LEADER | Nov. / Dez. 2019
16 Schwerpunkt




  «Nichts wird mehr sein wie früher»
                    Für den Ökonomen Peter Eisenhut ist die Schwäche des Detailhandels kein
                    vorübergehendes, konjunkturbedingtes Problem, sondern eine strukturelle
                    Herausforderung.



                    Wir haben ein Wirtschaftswachstum und ein                Wagen Sie eine Prognose, was mit der Branche
                    Bevölkerungswachstum, also müsste man doch               passieren wird?
                    mehr Kleider und mehr Nudeln verkaufen. Die              Die Herausforderungen im Detailhandel sind kein
                    Tendenz beim Detailhandel sieht aber anders aus.         kurzfristiges, konjunkturelles Problem, sondern ein
                    Warum, Peter Eisenhut, ist das so?                       langfristiges, strukturelles Thema, welches an den
                    Das ist auf den ersten Blick wirklich erstaunlich,       Fundamenten der herkömmlichen Geschäftsmodel-
                    stimmt aber nur für die Käufe im Inland. Denn im         le rüttelt Die Branche wird sich auch in den kom-
                    Zuge der Frankenstärke ist der Einkaufstourismus         menden Jahren im Umbau befinden. Dabei kommt es
                    auf rund 11 Milliarden Franken angewachsen. Zu-          nicht einfach zu einer linearen Zunahme des Online-
                    dem hat die Digitalisierung dazu geführt, dass Ein-      Handels, vielmehr sind Omnichannel-Strategien zu
                    käufe in der ganzen Welt nur noch einen Klick ent-       entwickeln und in den Geschäftsalltag zu implemen-
                    fernt sind. Die Online-Einkäufe im Ausland belaufen      tieren: Läden, Kataloge, Webshops, Online-Markt-
                    sich auf rund 2 Milliarden Franken pro Jahr. Seit        plätze, Shopping-Apps, Soziale Medien usw. Wir
                    2011 haben sie sich verdreifacht und wachsen wei-        stehen am Beginn des Konsumentenzeitalters, das
                    ter, jährlich um etwa 20 Prozent. Mit dieser Interna-    auf den individuellen Verbraucher fokussiert. Da-
                    tionalisierung des Detailhandels einher geht die bei-    mit einher geht die Entwicklung der Detailhändler in
                    nahe vollständige Transparenz über das weltweite         Richtung Technologieunternehmen.
                    Angebot und die Preise. Der Konsument weiss jeder-
                    zeit, welche Jeans wie viel im Laden in St.Gallen oder   Wie sehen denn die Supermärkte der Zukunft aus?
                    irgendwo sonst auf der Welt kostet.                      Die neuesten Ladenkonzepte funktionieren ganz
                                                                             ohne Kassen. Der Kunde wird über eine App oder
                                                                             über Gesichtserkennung beim Betreten des Ladens
  «Wir stehen am Beginn des                                                  identifiziert. Künstlich intelligente Kameras folgen
  Konsumentenzeitalters, das auf den                                         ihm und Sensoren erkennen, welche Waren er aus
  individuellen Verbraucher fokussiert.»                                     den Regalen nimmt. Die Identifizierung dank Ge-
                                                                             sichtserkennung dient auch dazu, dem Kunden auf
                                                                             Basis seiner früheren Einkäufe personalisierte Kauf-
                    Leidet der ganze Detailhandel gleichermassen?            vorschläge zu machen. Die Läden sind 24 Stunden
                    Seit 2010 ist der Umsatz von Food-Artikeln leicht an-    offen, tagsüber teilweise bedient, in der Nacht wer-
                    gestiegen, im Non-Food-Segment hingegen ist er um        den sie gänzlich zu Selbstbedienungsshops.
                    rund 10 Prozent gesunken. Einen besonders starken
                    Rückgang muss der Detailhandel mit Kleidern hin-         Einst wurde geunkt, Media-Markt sei das Schau-
                    nehmen, liegen doch die aktuellen Umsätze rund           fenster von Amazon. Müsste man nicht Dienstleis-
                    30 Prozent unter dem Jahr 2010 – und dies bei einem      tungen und Beratung separat bepreisen?
                    Wachstum der Bevölkerung von knapp 10 Prozent.           Die grosse Herausforderung im Online-Handel ist
                    Zalando und andere lassen die Schweizer Modehäu-         jedenfalls, ihn rentabel zu machen. Denn fährt man
                    ser zittern.                                             mit ihm längerfristig Verluste ein, schwächt das nicht
                                                                             nur die Ertragskraft und die Investitionsbereitschaft,
                    Gleichzeitig drängen auch noch ausländische              sondern mindert gleichzeitig die Chancen, den
                    Unternehmen in den Schweizer Markt.                      Strukturwandel erfolgreich zu meistern.
                    Der Schweizer Detailhandel steht mittlerweile mit
                    der ganzen Welt in Konkurrenz: Durch den Einkaufs-       Was bedeutet das für die Wirtschaft als Ganzes?
                    tourismus, den Online-Handel und auch durch Filia-       Hinter dem Detailhandel stehen ja unzählige
                    len von ausländischen Unternehmen in der Schweiz.        Zulieferer und Produzenten.
                    Diese Internationalisierung hat zu einem hohen           Über den Wareneinkauf und Zulieferverflechtun-
                    Preisdruck und einer erhöhten Preissensibilität der      gen profitieren tatsächlich zahlreiche Unterneh-
                    Konsumenten geführt.                                     mungen aus anderen Branchen vom Detailhandel.

                                                                                                            LEADER | Nov. / Dez. 2019
Schwerpunkt 17




Peter Eisenhut, geschäftsführender
Partner der Ecopol AG aus St.Gallen:

«Tal der Tränen»
durchschreiten.




                                       LEADER | Nov. / Dez. 2019
18 Schwerpunkt



                                                                               nale Entscheidung: Das Suchen der Konsumenten
                                                                               nach den besten Alternativen ist ein zentrales Merk-
                                                                               mal einer Marktwirtschaft und löst gewünschte und
                                                                               notwendige Anreize zu Strukturanpassungen bei in-
                                                                               ländischen Produzenten und Detailhändler aus. So
                                                                               trägt der Einkaufstourismus einen Teil zum Kampf
                                                                               gegen die viel beschworene Preisinsel Schweiz bei.

                    Dabei bilden die grössten Player Coop und Migros           Das hören nun die Landwirte und Verkäuferinnen
                    eine Art Duopol mit dem Ergebnis, dass viele Liefe-        nicht gerne.
                    ranten stark von den zwei marktmächtigsten Akteu-          Es ist natürlich so, dass diverse Kosten wie Löhne,
                    ren abhängig sind.                                         Mieten, Werbung oder Logistik für die hiesigen De-
                                                                               tailhändler in der Schweiz anfallen und wesentlich
                    Entspannt sich diese Situation durch neue Player           höher liegen als im Ausland. Auch der Einkauf von
                    wie Aldi und Lidl nicht etwas?                             Lebensmittel und generell landwirtschaftlichen Pro-
                    Die Umsätze der Discounter sind seit ihrem Markt-          dukten ist in der Schweiz aufgrund von Produktions-
                    eintritt kräftig gestiegen, liegen aber sehr weit hinter   kosten und von gesetzlichen Rahmenbedingungen
                    den beiden Platzhirschen zurück. Der höhere Kon-           viel teurer als im Ausland. Marktabschottungen und
                    kurrenzdruck im Detailhandel ist insbesondere an           Konkurrenzschutz sind grundsätzlich nicht die Lieb-
                    einem härter werdenden Preiskampf zu spüren. Da-           linge der Ökonomen, aber wenn sie gesellschaftlich
                    bei profitieren die Discounter von der erhöhten Preis-     erwünscht sind, ist das anzuerkennen. Dann sollten
                    sensibilität der Konsumenten. Aldi und Lidl haben          sich allerdings auch die Konsumenten bewusst sein,
                    den Strukturwandel im Food-Segment sicherlich              dass sie nicht gleichzeitig die höchsten Löhne, die
                    beschleunigt. Wie weit davon die Zulieferer profitie-      qualitativ besten Produkte und die tiefsten Preise ha-
                    ren konnten, sei dahingestellt.                            ben können.

                                                                               Der Onlinehandel als scharfe Konkurrenz wird
  «Einkäufe in der ganzen Welt sind                                            auch bevorteilt. Ein Paket aus China in die Schweiz
  nur noch einen Klick entfernt.»                                              ist billiger ist als eines von Frauenfeld nach
                                                                               Rorschach.
                                                                               Alleine der chinesische Onlinehändler Aliexpress
                    In der Ostschweiz spielt das grenznahe Ausland             schickt rund 80'000 Pakete in die Schweiz. Pro Tag,
                    eine besondere Rolle. Wie stark wirkt sich da die          wohlgemerkt. Bis heute wird China im Rahmen der
                    Entwicklung des Wechselkurses aus?                         Regelung des Weltpostvereins als Entwicklungsland
                    Die Ostschweiz mit ihrer Grenzlage spürt den Ein-          eingestuft und profitiert von Vorzugsbedingungen.
                    kaufstourismus besonders ausgeprägt. Die Entwick-          Das wird sich hoffentlich bald ändern.
                    lung des Wechselkurses spielt dabei eine wichti-
                    ge Rolle. Vom Herbst 2008 bis Herbst 2011 fiel der         Das Internet und der Grenztourismus machen den
                    Eurokurs von 1.60 Franken auf 1.10 Franken. Der            Geschäften das Leben schwer. Beklagt werden
                    Wertverlust des Euro um einen Drittel hatte dem            aber auch ganz andere Faktoren, etwa das Fehlen
                    Einkaufstourismus mächtig Schub verliehen. Der             von genügend Parkplätzen in Innenstädten.
                    Frankenschock im Januar 2015, ausgelöst durch die          Zur Attraktivität des Einkaufens gehört unbestritten
                    Aufhebung des Mindestkurses löste eine zweite Ein-         die gute Erreichbarkeit, ob mit dem Auto oder mit öf-
                    kaufswelle ins Ausland aus.                                fentlichen Verkehrsmitteln. Das Mobilitätsverhalten
                                                                               wird sich in Zukunft verändern, aber die Frage «Wie
                    Umsatz, der den hiesigen Detaillisten fehlt.               komme ich in ein Einkaufszentrum?» bleibt wichtig.
                    Ein starker Franken schmälert jedenfalls die Konkur-       Zur Erklärung der «Krise der Innenstädte» greift die
                    renzfähigkeit der inländischen Detaillisten. Das Aus-      Parkplatzdiskussion allerdings zu kurz.
                    land ist faktisch zum drittgrössten Detailhändler der
                    Schweiz geworden. Allerdings nicht zum Nachteil            Die Innenstädte verlieren an Anziehungskraft:
                    von allen, denn die Konsumenten profitieren von den        Es gibt weniger Läden mit kleinerem Angebot,
                    günstigen Einkaufsbedingungen im Ausland. Aus-             weniger Parkplätze – und die Öffnungszeiten sind
                    landeinkäufe senken die Lebenshaltungskosten und           unpraktikabel.
                    der reale Wert der Löhne steigt. Zudem bremsen sie         Das ist so. Man kann sich die Vergangenheit zwar
                    die Schwäche des Euros.                                    weiterhin herbeisehnen, der Fachhandel in den In-
                                                                               nenstädten wird aber nie mehr so sein wie früher.
                    Das hören hiesige Detaillisten aber nicht gerne.           Trotzdem schlägt das Pendel etwas gar stark in Rich-
                    Das mag sein. Aber ich halte wenig von patriotischen       tung digitales Einkaufen aus. Das Einpendeln steht
                    Appellen. Einkaufstourismus ist durchaus eine ratio-       uns noch bevor.

                                                                                                              LEADER | Nov. / Dez. 2019
Kolumne 19
                                                                                             Schwerpunkt



Sie machen den Detaillisten Hoffnung?
Der stationäre Handel hat ja durchaus seine Stär-          Boomende
ken und bietet auch Chancen. Riechen, anfassen,
schmecken, miteinander einen Schwatz halten, sich          Verwaltung
beraten lassen – das alles kann das Internet nicht im
gleichen Masse bieten wie der persönliche Kontakt          In Bund, Kanton und
im stationären Handel. Gemeinsame Anlässe der La-          Gemeinden deuten
denbesitzer, Coworking-Spaces, ein gezielter Bran-         die Personalbudgets
chenmix und schön gestaltete Aussenräume fördern           auch für das kommen-
zudem die Aufenthaltsqualität der Innenstädte.             de Jahr nur in eine
                                                           Richtung: nach oben.
Und das Angebot wird kleiner, edler?                       Die Leidtragenden
                                                           sind die Steuerzahler.
Das stationäre Angebot und die Sortimente werden
sich jedenfalls verändern und mit persönlichen Ser-
vices angereichert werden müssen. Der Kundenkon-
takt erfolgt off- und online parallel und kombiniert,
                                                           Das Personalbudget des Bundes wird das kom-
Lieferwünschen aller Art wird entsprochen. Das Er-
                                                           mende Jahr die Marke von sechs Milliarden über-
reichen von guten Renditen wird allerdings auch in
                                                           schreiten. Das ist eine Folge von Lohnerhöhun-
der «Neuen Welt» eine Herausforderung bleiben.
                                                           gen, Sonderzahlungen an einzelne Mitarbeiter
                                                           und einem Aufbau von rund 300 neuen Bürostel-
Heute erwirtschaften die Geschäfte nicht mehr              len. Der Beamtenapparat des Bundes schwillt da-
genügend Umsatz pro Quadratmeter, um die ho-               mit 2020 auf rund 37'630 Vollzeitstellen an.
hen Mieten zu finanzieren. Viele Vermieter wollen
die Mieten aber nicht senken.
Sich dem Druck nach tieferen Mieten zu entzie-             Innert vier Jahren sind diese Stellen um 7,5 %
                                                           gestiegen; die Ausgaben für das Personal sind
hen, dürfte mittel- bis längerfristig erfolglos sein. Es
                                                           um 10,5 % auf über sechs Milliarden angewach-
spricht vieles dafür, dass sich auch die Ladenbesitzer
                                                           sen. Ein Beamter kostet den Steuerzahler rund
an tiefere Renditen gewöhnen müssen. Aber natür-
                                                           160'500 Franken (Lohn, Beiträge für Sozialversi-
lich fällt es sehr viel schwerer, den Gürtel enger zu      cherungen, Überbrückungsrenten und Halbtax-
schnallen, als ihn ein Löchlein weiter zu machen.          Abos, Kosten für Weiterbildung oder für Kinder-
                                                           betreuungen etc.). Nicht enthalten sind darin
                                                           Ausgaben für Raummieten, Möbel, PC etc.
                  «Der Kundenkontakt erfolgt off-
                  und online parallel und kombiniert.»     Auch die Stadt St.Gallen hat kürzlich höchst ne-
                                                           gative Schlagzeilen produziert: Hier sind 46 (!)
                                                           neue Stellen geplant.
Städte und Detaillisten versuchen, mit verschie-
denen Massnahmen Gegensteuer zu geben, in
St.Gallen tauchen überall Pop-up-Stores auf: Ist           Vordergründig einleuchtende Begründungen
das nachhaltig oder ist das Pflästerlipolitik?             für das Stellenwachstum finden sich immer:
Was nachhaltig sein könnte, ist die erhöhte Flexibi-       Neue technische Systeme, neue Vorschriften
lität, originelle Zwischennutzungen machen durch-          und Verfahren müssen eingeführt und begleitet
                                                           werden. Die Möglichkeit der Stellenreduktion
aus Sinn und können auch für die Konsumenten
                                                           oder des Hinterfragens einzelner Stellen, wie
attraktiv und bereichernd sein.
                                                           das in der Privatwirtschaft üblich ist, findet
                                                           beim Staat selten statt. Was einmal aufgebaut
Die Branche soll den Strukturwandel also an-               ist, bleibt.
nehmen?
Sich gegen den Strukturwandel zu stemmen, führt
mit Sicherheit in die Krise. Nur eine aktive Mitge-        Das neue eidgenössische Parlament wird –
staltung des Wandels mit entsprechenden Innova-            gerade auch im Energiebereich – den Bürokra-
tionen macht Sinn und ist längerfristig erfolgsver-        tiewahnsinn aller Voraussicht nach weiter vor-
                                                           antreiben. Die Steuerzahler leiden weiter. Die
sprechend, auch wenn kurzfristig allenfalls ein «Tal
                                                           Möglichkeit einer Quittung auf dem Wahlzettel
der Tränen» zu durchschreiten ist. Der Detailhandel
                                                           existiert erst wieder in vier Jahren. Eigenverant-
braucht Raum und Freiheit zum Experimentieren,             wortung der Parlamentarier ist aber auch hier
die ihm von der öffentlichen Hand vermehrt gewährt         ein gutes Rezept.
werden sollten.

Text: Philipp Landmark
Bilder: Thomas Hary                                        FDP-Kantonsrat Walter Locher, St.Gallen


                                                                                      LEADER | Nov. / Dez. 2019
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