Orthodoxe Kirchengemeinden Balingen und Albstadt

Orthodoxe Kirchengemeinden Balingen und Albstadt
Orthodoxe
                         Kirchengemeinden
                      Balingen und Albstadt

                ERZBISTUM DER ORTHODOXEN GEMEINDEN RUSSISCHER TRADITION
                                    IN WESTEUROPA



                              GEMEINDEBLATT
                              DEZEMBER 2019



                                      Kapelle zum Hl. Martin von Tours in
                                      Balingen, (Siechenkapelle),
                                      Tübinger Str. 48, 72336 Balingen
                                      www.orthodoxe-kirche-balingen.de
                                      Tel. 07432 941 521
                                      Fax 07432 941 522
                                      info@orthodoxe-kirche-balingen.de




Kapelle zum
Hl. Sergius von Radonesch
in Albstadt,
Schloßstr. 42, 72461 Albstadt
www.orthodoxe-kirche-albstadt.de
info@orthodoxe-kirche-albstadt.de
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!!! Aktuelles !!! Termine !!!
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01.12.2019           Katechese für die Kinder


08.12.2019           Gemeindeversammlungen


22.12.2019           Vortrag zum Thema:
                     Hl. Ambrosius von Mailand


12.01.2020           Katechese für die Kinder




Herausgegeben von den Orthodoxen Kirchengemeinden Balingen und Albstadt.


Unsere Bankverbindungen:
Orthodoxe Kirchengemeinde Balingen       Orthodoxe Kirchengemeinde Albstadt
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Regionalteam Baden-Württemberg

Jahresprogramm 2020
Wochenendseminar für junge Er-
wachsene
Das nächste Wochenendseminar für
junge Erwachsene findet
vom 24. – 26. April 2020
im Freizeithaus Käsenbachtal
in Albstadt statt.
                                      OJB - Sommerlager
                                      Das OJB-Sommerlager in Baden-
                                      Württemberg findet vom
                                      3. bis 13. September 2020 wieder in
                                      der Jugendbegegnungsstätte
                                      Uchtstr. 28 in 78598 Königsheim
                                      statt.
                               Eingeladen sind Kinder von 7 - 15 Jahren.
OJB - Jugendtag in Stuttgart
Am 26.09.2020 wird der fünfte Jugend-
tag in Stuttgart stattfinden.
Der Jugendtag wird wieder in der rumä-
nischen Kirchengemeinde Christi Geburt,
Stammheimerstr. 104 in 70439 Stuttgart-
Zuffenhausen stattfinden.
Wer Interesse hat darf sich gerne bei uns melden 07432/941521 oder
ojb-bw@gmx.de.
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Über das Weihnachtsfest
Das Weihnachtsfest wird am 25. Dezember gefeiert, neun Monate nach
Mariä Verkündigung. Christi Geburt oder Weihnachten ist nach Ostern das
fröhlichste und feierlichste Fest im Jahr.
Weihnachten geht die Weihnachtsfastenzeit, auch Fastenzeit des hl. Phi-
lippus genannt, voran, welche 40 Tage dauert. Der Vortag von Weihnach-
ten ist ein strenger Fasttag und heißt sočel’nik (Heiliger Abend). Diese
Namensbezeichnung kommt vom Namen einer Speise – sočivo, die aus
gekochtem Getreide und Beeren besteht. Der Tradition nach ist dies die
einzige Speise, die man am Vortag von Weihnachten zu sich nehmen darf.
Gewöhnlich isst man bis zum Erscheinen des ersten Sterns nichts. Unter
dem ersten Stern versteht man den Stern, der sich nach der Abenddäm-
merung als erster am Himmel zeigt. In der kirchlichen Praxis jedoch be-
deutet der Stern bisweilen den Zeitpunkt des Anbrechens des Festtags,
und zwar wenn am Vortag von Weihnachten nach der Liturgie das Tropa-
rion “Deine Geburt, Christus, unser Gott...” zum ersten Mal gesungen
wird. In diesem Moment gehen alle Geistlichen zur Weihnachtsikone in
die Mitte der Kirche. Ihnen wird eine große Kerze vorangetragen, die den
Stern von Betlehem symbolisiert, der den Magiern das Gotteskind gezeigt
hat. Eben bis zum Erscheinen dieses “Sterns” isst man nichts.
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Die Geburt Christi geschah nach der Verlobung der heiligen Jungfrau Ma-
ria mit Josef, einem alten und gerechten Mann: er war schon achtzig Jahre
alt.
Josef stammte aus königlichem Geschlecht, aus dem Hause der Könige
David und Salomo. Aus erster Ehe hatte er vier Söhne – Jakobus, Simon,
Judas und Joses – und zwei Töchter. Nachdem seine Frau Salome gestor-
ben war, lebte Josef ziemlich lange als Witwer und verbrachte seine Tage
makellos. Er war Zimmermann und ein sehr armer Mensch.
Die Jungfrau Maria wurde ihm anvertraut, damit er sich um sie kümmere
und ihre Jungfräulichkeit bewahre. Ihre Ehe war also keine echte Ehe,
sondern nur eine vermeintliche. Schon bald stellte sich heraus, dass Maria
ein Kind vom Heiligen Geist in sich trug. Josef war Zeuge des makellosen
Lebens der Jungfrau Maria und, obwohl er ihr Mann genannt wurde, war
er nur ihr Beschützer. Der Herr wollte dem Teufel das Geheimnis der Ge-
burt Seines Sohnes verbergen, und deshalb wurde die Heilige Jungfrau
dem gerechten Josef zur Frau gegeben, damit der Feind nicht wisse, dass
es ebendiese Jungfrau ist, über die der Prophet Jesaja gesagt hatte, dass
sie den Erlöser gebären werde. Josef wusste am Anfang selbst nichts da-
von, dass Maria bald ein Kind gebären sollte. Nachdem Maria drei Monate
bei Elisabet, ihrer Verwandten, gewesen war, wurde ihre Schwangerschaft
offensichtlich, und Josef war sehr bestürzt und betrübt, als er davon er-
fuhr. Er dachte, dass Maria das Gelübde der Jungfräulichkeit gebrochen
habe.
Er selbst war ein gerechter Mann, und wollte, dass das, was geschehen
war, nicht überall bekannt wurde, und beschloss deshalb, Maria entweder
heimlich fortzuschicken oder selbst zu gehen. Da aber erschien ihm ein
Engel des Herrn im Traum und sagte:
– Fürchte dich nicht, Josef, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen. Sie ist
deine Frau, weil sie dir angetraut ist, aber auch Jungfrau, weil sie Gott ein
Gelübde abgelegt hat. Fürchte dich nicht. Ihr Kind ist vom Heiligen Geist.
Sie wird einen Sohn gebären, und du als Vater wirst ihm einen Namen
geben, obwohl du nur sein vermeintlicher Vater bist. Du wirst das Kind
Jesus nennen. Er ist der Erlöser und wird Sein Volk von seinen Sünden
befreien. Als Josef erwachte, tat er alles so, wie es ihm der Engel gesagt
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hatte, und nahm Maria zu sich und diente ihr in Frömmigkeit und Furcht,
weil er jetzt wusste, dass sie die Mutter des Erlösers sein wird. Vor der
Geburt Christi und auch nach der Geburt wagte es der alte Mann nicht,
Maria zu berühren, weil er sie so tief verehrte, wie ein Diener seine Her-
rin. Vor und nach der Geburt blieb Maria Jungfrau. So lehrt es die heilige
Kirche, so sagen es einstimmig die Heiligen Väter.
In jener Zeit befahl der römische Kaiser Augustus, in allen Rom damals
bekannten und unterstehenden Ländern eine Volkszählung durchzufüh-
ren. Augustus war der Neffe des Julius Caesar. Nachdem er alle Rivalen
besiegt hatte, errang er die volle Macht und wurde zum einzigen Herr-
scher über das riesige Römische Reich.
Jetzt wollte er alle seine Untertanen zählen, darunter auch all jene, die in
den Randgebieten und Provinzen lebten, deren eine Israel war. Alle muss-
ten in die Stadt gehen, aus der sie stammten und sich dort bei den Volks-
zählern melden.
Josef lebte mit Maria in Galiläa in der Stadt Nazaret, aber sie stammten
aus dem Geschlecht des Königs David, und mussten deshalb nach Bet-
lehem gehen. Betlehem ist eine kleine Stadt unweit von Jerusalem, in süd-
licher Richtung. Es lag auf dem Weg nach Hebron, der Stadt der Priester,
wo Maria unlängst bei ihrer Verwandten Elisabet und ihrem Mann, dem
Priester Zacharias, den Eltern Johannes des Täufers, zu Gast gewesen war.
Betlehem liegt etwa auf halbem Weg von Jerusalem nach Hebron. Von
Nazaret bis nach Betlehem dauerte die Reise ungefähr drei Tage oder et-
was länger. Der Vorfahre Josefs, der Prophet und Psalmensänger David,
war in Betlehem geboren und hier auch zum König gesalbt worden. Öst-
lich der Stadt befand sich der Brunnen Davids und ihm gegenüber eine
Höhle in einem felsigen Berg, auf dem die Stadt Betlehem lag. Neben der
Höhle war ein Feld, das Salome, einer Verwandten Marias und Josefs, ge-
hörte. Als sich die heiligen Wanderer der Stadt näherten, kam die Zeit, da
Maria gebären sollte. Josef suchte einen dafür geeigneten Ort, fand aber
keinen. Auf Grund der Volkszählung waren sehr viele Menschen nach Bet-
lehem gekommen. Die Herberge war überfüllt, und in allen Häusern wa-
ren Gäste untergebracht. Maria und Josef kehrten zu der Höhle zurück, da
sie nirgends Platz gefunden hatten und der Tag zur Neige ging.

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Diese Höhle war ein Ort, an dem man das Vieh für die Nacht unterstellte,
und hier sollte der Erlöser der Welt geboren werden. Hier gebar die Jung-
frau Maria, während sie zu Gott betete, in der Nacht schmerzlos unseren
Herrn Jesus Christus. Niemand half ihr; es war auch nicht nötig. Maria
wickelte den Neugeborenen selbst in Windeln.
Der Überlieferung nach erfolgte die Geburt Christi um Mitternacht von
Samstag auf Sonntag. In der Welt geschahen während der Geburt Christi
große Wunder. Zum Zeitpunkt der Geburt des Erlösers tat sich in der Höh-
le eine Quelle auf, die aus einem Stein sprudelte; weit davon entfernt, in
Rom, entsprang eine Quelle wohlriechenden Öls und floss in den Fluss
Tiber. Der heidnische Tempel, der Ewiger Tempel genannt wurde, stürzte
ein, die Götzenbilder in ihm fielen zu Boden, und am Himmel erschienen
drei Sonnen. In Spanien erschien in dieser Nacht eine Wolke, die in blen-
dendem Licht erstrahlte, in Israel erblühten die Weingärten, obwohl es
Winter war.
Besonders wunderbar war die Erscheinung der Engel, über die im Evange-
lium berichtet wird: Engel stiegen singend vom Himmel herab, und die
Menschen konnten sie klar sehen. Es geschah so: Gegenüber der Höhle, in
der Christus geboren wurde, war ein großer Turm, der Ader genannt wur-
de; in ihm lebten Hirten. Drei von ihnen schliefen in dieser Nacht nicht,
sondern bewachten die Herde, und ihnen erschien in großem Glanz der
Erzengel Gabriel, der in himmlischer Herrlichkeit erstrahlte. Als ihn die
Hirten sahen, erschraken sie sehr. Aber Gabriel sprach zu ihnen: “Fürchtet
euch nicht!” Er erzählte von der Freude, die mit der Geburt des Erlösers in
die Welt gekommen war. Er sagte ihnen, wo sie das Kind finden konnten,
das gewickelt in einer Krippe lag. In der Zeit, als Gabriel ihnen alles erzähl-
te, hörte man plötzlich vom Himmel den Gesang vieler Engel, die Gott mit
folgenden Worten priesen: “Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Er-
den, den Menschen ein Wohlgefallen.”
Nachdem sie sich beraten hatten, beschlossen die Hirten, zum Geburtsort
des Kindes zu eilen und zu sehen, ob es wahr sei, was ihnen der Erzengel
Gabriel erzählt hatte. Als sie dort angekommen waren, sahen sie alles so,
wie es ihnen gesagt worden war: die Allreine Gottesmutter, den heiligen
Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Die Hirten glaubten, dass Er

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Christus, der Herr und Erlöser, ist, den sie erwartet hatten und der nun
endlich gekommen war, um die ganze Menschheit zu retten. Sie erzählten
über die Erscheinung der Engel und verneigten sich vor dem Kind. Josef,
Salome und alle, die zu der Höhle gekommen waren, wunderten sich über
die Erzählung der Hirten. Maria aber hörte still zu und bewahrte diese
Worte in ihrem Herzen. Etwas später kehrten die Hirten, Gott lobend und
preisend, zu ihren Herden zurück.




Einige Monate vor der Geburt Christi war am Himmel ein seltsamer Stern
erschienen. Die östlichen Gelehrten und Philosophen bemerkten ihn und
begannen zu rätseln, warum er erschienen war. Wie die Heiligen Väter
berichteten, begann der Weihnachtsstern genau in dem Augenblick am
Himmel zu leuchten, als der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria verkün-
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dete, dass sie den Erlöser der Welt gebären werde. Die Weisen wussten
dies nicht, wunderten sich sehr über die Erscheinung des Sterns und frag-
ten sich, was sie zu bedeuten habe. Drei von ihnen, einer aus Persien, der
zweite aus Äthiopien und der dritte aus Arabien, wurden von Gott auf
wundersame Weise belehrt, dass der neue Stern die Geburt des Messias,
Christi, des Königs des Himmels und der Erde, anzeige. Und als nur noch
wenig Zeit bis zur Geburt Christi verblieb, brachen die Weisen eilig auf
und gingen dem Stern nach, jeder aus seinem Land. Unterwegs trafen sie
zusammen, und nachdem sie erfahren hatten, dass sie dasselbe Ziel hat-
ten, glaubten sie noch mehr an die Wahrheit dessen, was ihnen durch
Gott geoffenbart worden war. Die Weisen erreichten Palästina und kamen
schließlich am Tag der Geburt Christi in die Hauptstadt Judäas, Jerusalem.
Die Nachricht darüber, dass in die Stadt Weise aus dem Osten gekommen
seien, die noch dazu in ihren Ländern angesehene Menschen und Herr-
scher waren und nach dem neuen König fragten, wurde Herodes hinter-
bracht, der zu jener Zeit über das Land herrschte. Der König Herodes er-
schrak sehr. Er ließ Priester und besonders gesetzeskundige Schriftgelehr-
te zu sich kommen und fragte sie, wo der Messias geboren werden sollte.
Die Berater des Herodes antworteten: Es soll in Betlehem in Judäa ge-
schehen. Darauf schickte Herodes nach den Weisen, empfing sie mit Eh-
ren und fragte sie nach der Zeit der Erscheinung des Sterns; schließlich
sprach er zu ihnen, wobei er seine böse Absicht verheimlichte: “Geht,
macht den neugeborenen König ausfindig. Wenn ihr ihn gefunden habt,
sagt es mir, damit auch ich kommen und ihn verehren kann.”
Als die Weisen Jerusalem verlassen hatten, erschien ihnen sogleich wieder
der wegweisende Stern. Sie freuten sich sehr und folgten ihm. Dieser
Stern war ungewöhnlich, weil er der Erde sehr nahe gekommen war, und
schließlich blieb er über der Höhle stehen, wo das Kind war. Als die östli-
chen Weisen und Herrscher die armselige Umgebung sahen, verstanden
sie, dass das Reich des Neugeborenen nicht in Pracht und herrlichen Ge-
mächern bestehe, sondern in Armut, Demut und Verachtung der weltli-
chen Ehren. Die heidnischen Weisen verloren jedoch den Glauben nicht,
der sie hierhergeführt hatte, selbst als sie ein für sie so unerwartetes Bild
erblickten. Im Gegenteil, ohne jede Verwirrung und ohne Murren betra-
ten sie den Viehstall. Sie gingen sofort zur Krippe, fielen auf die Erde nie-
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der und beteten das Kind an. Sie verneigten sich vor ihm nicht nur als Kö-
nig, sondern auch als Gott.
Die Weisen hatten Gaben mitgebracht: Einer Gold, der andere Weihrauch,
der dritte ein wohlriechendes Öl (Myrrhe). Das Gold wurde Christus als
König dargebracht, der Weihrauch Christus als Gott und die Myrrhe Chris-
tus als Menschen, weil man mit Myrrhe den Leichnam der Toten einbal-
samierte.
Als die Weisen Betlehem verlassen hatten, erschien ein Engel des Herrn
Josef im Traum und sagte ihm, dass er mit dem neugeborenen Kind Jesus
Christus und mit Seiner Mutter, der Allreinen Jungfrau Maria, nach Ägyp-
ten fliehen und dort so lange bleiben solle, bis ihm der Engel befehlen
werde zurückzukehren. Herodes trachte nach dem Leben des Kindes. Jo-
sef erwachte, stand sogleich auf, nahm das Kind und Seine Mutter und
brach noch in der Nacht nach Ägypten auf.




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Es begleitete sie der älteste Sohn Josefs, Jakobus, der später Bruder des
Herrn genannt wurde. Er half unterwegs dem betagten Josef und Maria
mit dem Kind.
Es ist nicht bekannt, wie lange Zeit der Herr in Ägypten verbrachte. Einige
sagen, es seien zwei Jahre gewesen, andere meinen fünf Jahre, wieder
andere nennen die Zahl sieben. Eines ist aber sicher: Die Heilige Familie
lebte dort, bis Herodes starb. Nach seinem Tod erschien der Engel des
Herrn Josef wieder im Traum und befahl ihm, in seine Heimat zurückzu-
kehren.
Zuerst wollte Josef nach Judäa gehen, aber als er erfuhr, dass dort an Stel-
le des Herodes sein Sohn Archelaus regierte, überlegte er es sich anders.
Archelaus war der grausamste der drei Söhne des Herodes. Er begann
seine Herrschaft damit, dass er dreitausend Menschen töten ließ, viele
ließ er an Festen mitten im Tempel martern, und er war deshalb bei sei-
nem Volk verhasst.
Die Söhne des Herodes hatten das Reich in vier Teile geteilt. In Galiläa
herrschte Herodes Antipas, der sanfter als sein Bruder Archelaus war, und
deshalb beschloss Josef, nach Galiläa zu ziehen. Ebendas hatte der Engel
gesagt, als er Josef abermals erschien. Die Heilige Familie zog in das Haus,
wo sie auch früher gewohnt hatte.
Die Gottesdienste des Weihnachtsfestes sind feierlich und erhaben. Viele
Gesänge sind speziell für dieses Fest geschrieben worden.
Troparion im 4. Ton
Deine Geburt, Christus, unser Gott, ließ erstrahlen der Welt das Licht der
Erkenntnis; denn in ihm wurden die Anbeter der Gestirne von einem
Stern belehrt, Dich anzubeten als die Sonne der Gerechtigkeit und Dich
zu erkennen als den Aufgang aus der Höhe. Herr, Ehre sei Dir!
Kontakion im 3. Ton
Die Jungfrau gebiert heute den, der vor allem Sein ist, und die Erde bie-
tet eine Höhle dar dem Unfassbaren; die Engel lobpreisen mit den Hir-
ten; die Magier wandern dem Sterne nach; denn für uns ist geboren
worden als kleines Kind der urewige Gott!
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Die Kirchen und die Häuser werden für dieses Fest mit Weihnachtsbäu-
men geschmückt. Zu Hause wird auf den Baum außer dem üblichen
Schmuck ein achtzackiger Stern angebracht als Symbol des Sterns von
Betlehem, der die Weisen zum Gotteskind geführt hat.
Die dem Weihnachtsfest folgenden zehn Tage werden auch "Heilige Tage"
genannt. An diesen Tagen gibt es kein Fasten. Es sind Tage der Freude.
Quelle: Orthodoxes Glaubensbuch; Einführung in das Glaubens- und Gebetsleben der russischen
orthodoxen Kirche.




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Moskau-Reise
 der Delegation des Erzbistums vom
      1. bis 5. November 2019
Eine Delegation von 105 Klerikern und Laien aus den Ländern Frankreich,
Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Italien, Schweden und
Großbritannien begleitete Erzbischof Johannes nach Moskau.
Das Patriarchat kümmerte sich um die Visa-Formalitäten und die gesamte
Logistik auf russischem Boden, besonders auch um die
Personentransporte und das Hotel, in dem fast die gesamte Delegation
aus Westeuropa wohnen konnte. Diese Logistik wurde durch die
Mitarbeiter von Metropolit Antonij von Chersonèse und Bischof Savva von
Zelenograd, sowie ehrenamtlich Tätige aus den Pfarreien übernommen.
Die Koordination besorgen sehr zuvorkommend und effizient
Mönchsdiakon Micha (Sorret) und Andrej Brilkov.
Die Flugzeugtickets und die abschließenden Visa-Formalitäten fielen in
unsere Zuständigkeit. Einige administrative Missverständnisse in
                                    13
Konsulaten führten zu Beunruhigungen, wobei sich alles im Wesentlichen
arrangieren ließ. Seitens des Erzbistums lag die Koordination in den
effizienten und nicht weniger zuvorkommend agierenden Händen – eine
als sehr angenehm empfundene Situation – von Matthieu Jurconi unter
der Federführung von Vater Jean Gueit.
Die Aufforderung, eine Flasche Wein als Geschenk an unsere Gastgeber
mitzubringen, wurde freudig begrüßt und von den meisten Mitgliedern
der Delegation auch umgesetzt – zur großen Freude der davon
Profitierenden.
Während des gesamten Aufenthalts wurde die Delegation des Erzbistums
immer sehr herzlich zu den Gottesdiensten und den Besuchen empfangen.
Erzbischof Johannes war ununterbrochen umgeben von gleichrangigen
Gesprächspartnern; Metropolit Antonij und Bischof Savva begleiteten ihn
die meiste Zeit über.
Unsere Delegation umgaben ebenfalls ununterbrochen Journalisten und
Reportagen wurden täglich ausgestrahlt auf den Kanälen des russischen
Fernsehens, wie auch im Internet, vor allem auf der Seite des Moskauer
Patriarchats. Gemäß unserem Wissensstand hat die russische Presse vor
allem auf informative Weise berichtet über den Hintergrund und den
Ablauf dieses Besuchs.
Trotzdem war zu bedauern, dass Personen zur Delegation unseres
Erzbistums gehörten, die in noch nicht ferner Vergangenheit ihre
ausgesprochene Abneigung gegen das Erzbistums kundgetan hatten, aber
doch sehr präsent waren vor den Kameras. Andere Personen, die nicht
zum Erzbistum gehören, versuchten vehement, sich in die Delegation
einzugliedern, und mussten auf Abstand gehalten werden.
Die verschiedenen Fahrten zwischen den besuchten Orten gaben Anlass zu
sehr fruchtbaren Gesprächen mit unseren Gastgebern, die uns viele
Fragen stellten zu unserer Geschichte, zu unserm Leben und zu unseren
Lebensgewohnheiten.
Das offizielle Programm fand in der Hauptsache an drei Tagen statt, am 2.,
3. und 4. November. Es war ausgearbeitet worden in Hinblick auf die
Geschichte des Erzbistums, vor allem was den Besuch im Donskoi-Kloster
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angeht, wo die Reliquien des heiligen Patriarchen Tichon ruhen, sowie den
des Diözesanhauses, in dem das Konzil von Moskau der Jahre 1917-1918
stattfand. Den Mitgliedern der Delegation des Erzbistums wurde gestattet,
an allen besuchten Orten zu fotografieren.
Freitag, 1. November: Ankunft der Mitglieder der Delegation
Erzbischof Johannes landete abends am Flughafen Scheremetevo in
Begleitung der Väter Jean Gueit und Anatole Rakovitch, sowie etwa 15
weiteren Personen. Er wurde am Flughafen durch die Vertreter des
Patriarchats, insbesondere Metropolit Antonij, Bischof Savva und
Erzpriester Nikolaj Balachov, sowie Vertreter der örtlichen Behörden
empfangen im Beisein der Presse.
Die meisten anderen Teilnehmer kamen am gleichen Tag in der russischen
Hauptstadt an und wurden sämtlich bei ihrer Ankunft willkommen
geheißen und ins Hotel des Danilov-Klosters gebracht, wo die Delegation
untergebracht war.




Samstag, 2. November: Donskoi-Kloster, Dreieinheits-Sergius-Lavra und
das Diözesanhaus, in dem das Konzil von Moskau 1917-1918 stattfand
Nach dem Frühstück verließen wir das Hotel, um zuerst zum Donskoi-
Kloster zu fahren, in dem die Reliquien des heiligen Patriarchen Tichon
                                    15
ruhen. Wir wurden empfangen vom Prior (наместник), Bischof Thomas
von Bronnitsy.
                                                 Mitglieder des Chores
                                                 unserer Alexander-
                                                 Newski-Kathedrale, die
                                                 zur Delegation
                                                 gehörten, sangen einen
                                                 Velicanie-Gesang,
                                                 während wir die
                                                 Reliquien verehrten.
                                                     Für viele von uns war
                                                     das ein sehr
                                                     berührendes Ereignis.
Der heilige Patriarch Tichon, den wir als Gründer unseres Erzbistums
ansehen dürfen, wird in der russischen Emigration sehr geschätzt, vor
allem auch in der „Weißen“ Emigration. Bischof Thomas rief uns in
Erinnerung, dass seine Reliquien wunderbarerweise aufgefunden wurden
dank eines Brandes im Jahre 1992, der zum Teil die kleine Hauptkirche des
Donskoi-Klosters zerstört hat. In ihr war der hl. Tichon im Jahr 1925
bestattet
worden, bis er
in die große
Hauptkirche
überführt
werden
konnten, wo
die Reliquien
heute verehrt
werden
können.
Bischof
Thomas
schenkte Erzbischof Johannes eine große Ikone des heiligen Patriarchen
Tichon für die Kathedrale des hl. Alexander Newski.

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Jeder von uns erhielt von unseren Gastgebern ebenfalls eine Ikone der
Gottesmutter vom Don oder des hl. Tichon als Erinnerung an diese
Begegnung.




Im Anschluss daran fuhren wir zur Dreieinheits-Sergius-Lavra, wobei die
Fahrt aufgrund der Straßenarbeiten mit zahlreichen Staus recht lange
dauerte. Gegen Ende des Vormittags kamen wir an und begaben uns
direkt zur Hauptkirche der Dreieinheit, die zu dieser Gelegenheit für uns
reserviert worden war. Sie ist eines der ältesten historischen Gebäude der
Lavra und wurde um 1420 erbaut. In dieser Kirche empfangen die Mönche
bis heute die Mönchstonsur.
Bischof Paramon, der Patriarchalvikar, feierte ein Moleben vor den
Reliquien des heiligen Sergius von Radonesch, bei dem unser Chor sang.
Derweil konnten die Mitglieder der Delegation die Reliquien verehren.
Zwei andere Säle wurden dann für uns geöffnet: der Serapion-Saal
(Cерапионова палата) und die Nikon-Kapelle (Никоновский придел).


                                    17
Der Serapion-Saal befindet sich am Ort der Zelle des hl. Sergius und erhielt
seinen Namen im Gedenken an Bischof Serapion von Novgorod, der
Archimandrit der Lavra Anfang des 16. Jahrhunderts war.
Zahlreiche Reliquien (mehrere Hundert) werden dort aufbewahrt und wir
erhielten die Möglichkeit, sie verehren zu können, wie auch diejenigen der
Nikon-Kapelle, in welcher vor allem auch die Reliquien des hl. Nikon von
Radonesch, eines Schülers des hl. Sergius, aufbewahrt werden.
Danach waren wir zu einem sehr reichen Essen eingeladen ins
Refektorium der Mönche der Lavra, das uns aus diesem Anlass überlassen
wurde. Nach dem Essen konnte jeder die Lavra frei erkunden, um Einkäufe
zu tätigen oder einfach nur umherzugehen an diesem geistlichen Ort mit
seiner geschichtsträchtigen Architektur.




                                     18
Bei der Rückkehr nach Moskau besuchten wir zuerst das Diözesanhaus, in
dem das Konzil von Moskau 1917-1918 stattfand. Das Gebäude, das in der
Sowjetzeit als chemische Fabrik und dann als Filmstudio herhalten musste,
wurde dem Patriarchat in den 1990er Jahren zurückgegeben. Es konnte
restauriert werden und beherbergt jetzt die Orthodoxe Universität des hl.
Tichon, an der Studenten und Studentinnen aufgenommen werden. Wir
kamen zum Ende der Sonntagsvigil dorthin, nach deren Ende der Rektor
des Instituts des hl. Tichon, Vater Vladimir Vorobiev (Владимир
Воробьёв) eine herzliche Willkommensansprache hielt. Seine
Sprachbehinderung durch seinen im Gulag ruinierten Unterkiefer
erinnerte an eine ähnliche Behinderung unseren verstorbenen Vater
Nicolas Obolensky, der im Konzentrationslager der Nazis leiden musste. In
der Ansprache wurden die Bande hervorgehoben, die das Institut des hl.
Tichon zum Theologischen Institut St. Serge unterhält und die Rolle der
„Schule von Paris“ in Erinnerung gerufen.


                                   19
Sonntag, 3. November: Liturgie in der Christus-Erlöser-Kathedrale von
Moskau




                                                     Die Delegation begab
                                                     sich eine Stunde vor
                                                     der Ankunft von
                                                     Erzbischof Johannes
                                                     zur Christus-Erlöser-
                                                     Kathedrale in
                                                     Moskau; Patriarch
                                                     Kyrill traf dort
                                                     anderthalb Stunden
                                                     später ein. Zusammen
                                                     mit dem Patriarchen
                                                     konzelebrierten bei
der Göttlichen Liturgie 17 Bischöfe, mehr als 60 Priester und an die 10
Diakone. Beim Kleinen Einzug wurde die patriarchale und synodale
Urkunde (грамота) verlesen und feierlich an Erzbischof Johannes
übergeben.


                                    20
Erzbischof Johannes von Dubna
                                          wurde im Anschluss daran zur
                                          Würde eines Metropoliten
                                          erhoben und von Patriarch
                                          Kyrill mit dem weißen Klobuk
                                          bekleidet.




Den Vätern Anatole
Rakovitch und Jean
Gueit wurde ein
Patriarchalkreuz
verliehen.




                                               Am Ende der Liturgie
                                               hielten zuerst Patriarch
                                               Kyrill von Moskau und ganz
                                               Rußland und im Anschluss
                                               daran Metropolit Johannes
                                               von Dubna eine Ansprache
                                               (vgl. die Anhänge 1 und 2).
Patriarch Kyrill überreichte dann an Metropolit Johannes Reliquien des
heiligen Patriarchen Tichon und eine große Ikone der Heiligen des
Moskauer Konzils, die er dem Erzbistum zum Geschenk machte. Im
gleichen Zuge erinnerte der Patriarch daran, wie wichtig das Konzil von
Moskau in der Tradition unseres Erzbistums ist: « Es ist bekannt, dass
seine Beschlüsse (i.e. des Konzils von Moskau) eine besondere Bedeutung
im Leben der russischen kirchlichen Entität in Westeuropa besitzen, die
von einem Teilnehmer dieses historischen Konzils geleitet wurde –
Metropolit Evlogij seligen Andenkens, für dessen Seelenruhe wir heute
gemeinsam gebetet haben. Mögen diese Gaben der Mutterkirche als

                                    21
Zeichen dienen für die geistliche Kontinuität und eine unerschütterliche
Verbindung, deren Wiederherstellung wir heute feierlich begehen. »
(« Известно, что его постановления имели особое значение в жизни
русского церковного удела в Западной Европе, возглавлявшегося
участником этого исторического Собора приснопамятным
митрополитом Евлогием, о упокоении души которого мы вместе
молились сегодня. Пусть эти дары Матери-Церкви станут
знамением духовного преемства и непреложной связи,
возобновление которой мы торжественно празднуем сегодня »)
Metropolit Johannes von Dubna erhielt zudem ein Kreuz und eine
Panagia. Er seinerseits übergab an Patriarch Kyrill eine Ikone Christi, die
vor der Revolution angefertigt worden ist und aus dem Schatz der
Alexander-Newski-Kathedrale stammt, als Geschenk.
Auf die Liturgie folgte ein Essen im Gebäude der Christus-Erlöser-
Kathedrale von Moskau. Metropolit Juvenalij von Krutitsk und Kolomensk,
der Patriarchalvikar der Moskauer Diözese (митрополит Ювеналий,
Патриарший наместник Московской епархии), grüßte alle Anwesenden
mit einem österlichen « Christus ist auferstanden! » voller innerer
Bewegtheit und die Antwort ließ die Gewölbe des Refektoriums erzittern.
Ausnahmsweise waren Video- und Fotoaufnahmen während des Essens
untersagt.
Die Delegation versammelte sich im Anschluss für ein Gruppenfoto mit
Patriarch Kyrill und den russischen Würdenträgern. Dann ließ der Patriarch
einem jeden eine Ikone als Geschenk überreichen - eine Kopie der kurz
vorher Metropolit Johannes geschenkten Ikone der Heiligen Väter des
Konzils von Moskau, auf der Rückseite mit einem Text als Erinnerung an
die kanonische Eingliederung des Erzbistums in das Moskauer Patriarchat
versehen.
Die Delegation wurde daraufhin zurück ins Hotel gebracht und konnte den
Rest des Tages nutzen, um Moskau zu erkunden.




                                      22
Montag, 4. November: Liturgie in der Maria-Entschlafen-Kathedrale im
Moskauer Kreml und Besuch des Pokrovski-Klosters
                                                  Das Fest der Ikone der
                                                  Kasaner Gottesmutter
                                                  wird in der russischen
                                                  Kirche am 4. November
                                                  (neuen Stils) gefeiert.
                                                  Diese Ikone ist zutiefst
                                                  verbunden mit
                                                  Wendepunkten der
                                                  russischen Geschichte
und vor allem mit dem Jahr 1612, als sie der Prozession für die Befreiung
Moskaus vorangetragen wurde. Das Ende der polnischen Besetzung
schließt die Zeit der Unruhen ab und eine neue Dynastie, diejenige der
Romanows, sorgt für neue Stabilität. An diesem Tag der „Nationalen
Einheit“, der durch den ersten Romanow, Michael I. von Rußland,
eingeführt und bis zur bolschewistischen Revolution von 1917 in Rußland
gefeiert wurde, gedenkt man der Einheit des russischen Volkes, die auch
ohne eine starke Macht Rußland zu behüten vermag. Im Jahr 2005 wurde
dieser Tag der nationalen Einheit zum Feiertag in der Russischen
Föderation erklärt.
Unsere Delegation wurde früh am Morgen in die Maria-Entschlafen-
Kathedrale des Moskauer Kreml geleitet zur Liturgie, die von Patriarch
Kyrill, Metropolit Johannes und anderen russischen Würdenträgern in
Konzelebration gefeiert wurde. Dieser Augenblick war von vielen von uns
besonders erwartet worden aufgrund der historischen Bedeutung des
Tages und des Ortes. Eine Delegation von etwa einhundert Personen aus
der Metropolie von Smolensk, der seine Heiligkeit Patriarch Kyrill
besonders verbunden ist, war gleichfalls anwesend. Es sei in Erinnerung
gerufen, dass die Maria-Entschlafen-Kathedrale durch Metropolit Peter im
14. Jahrhundert begonnen wurde, der dorthin den Primatialsitz von Kiew
her übertrug. Sie sollte ein Jahrhundert später die erste Steinkirche von
Moskau sein und Ivan III. zerriss auf ihren Stufen das Schreiben, das
Moskau der Mongolenmacht unterstellte. Ivan IV. wurde hier zum Zar
gesalbt und der Semski Sobor (die Ständeversammlung) wählte hier
                                    23
Michael I. zum Zaren, den ersten Romanow.




Während der Liturgie sang der Chor der Alexander-Newski-Kathedrale
unter der Leitung von Protodiakon Alexandre Kedroff abwechselnd mit
dem Chor der Smolensker Metropolie. Besonders der Cherubimhymnus
berührte die Teilnehmer sehr.
Nach der Liturgie waren Metropolit Johannes, sowie die Väter Anatole
Rakovitch, Jean Gueit, Theodor Van der Voort, Nicolas Cernokrak, Vladimir
Zelinsky, Syméon (Cossec), Anatole Negruta, wie auch der Sekretär des
Rats, Nicolas Lopoukhine, und Alexis Konovalov, der Sohn des
verstorbenen Erzbischofs Serge, zu einem Essen mit dem Patriarchen
eingeladen, zusammen mit einer Delegation der Smolensker Metropolie.
Wer wollte, konnte nach dem Essen am Besuch des Stauropegialen
Klosters vom Schutzfest der Gottesmutter (Pokrovski) in Moskau
aufbrechen, um dort die Reliquien der heiligen Matrona zu verehren. Die
Besucher wurden dort von der Oberin (настоятельница) empfangen,
Higumenia Theophanie. Gegen Abend gab seine Eminenz Metropolit
Johannes, zusammen mit Vater Jean Gueit, im Hotel eine Pressekonferenz
vor etwa zwanzig Journalisten der russischen Medien.
Am Abend erwartete die Delegation zum Erstaunen vieler ein festliches
Essen, an dem neben Metropolit Johannes auch Metropolit Antonij und
                                   24
Bischof Savva teilnahmen. Mit dieser Zusammenkunft fand unser
Moskaubesuch seinen Abschluss. Ein jeder war sich zweifelsohne der
historischen Tragweite der Ereignisse bewusst, die wir miterleben durften,
doch die warme und herzliche Atmosphäre dieses Festessens verlieh den
feierlichen Zeremonien eine zusätzliche freudige Note.
Dienstag, 5. November: Stauropegiales Pokrovski-Kloster in Moskau und
stauropegiales Sretenski-Kloster
Metropolit Johannes von Dubna, Vater Anatole Rakovitch und Protodiakon
Jean Drobot fuhren in Begleitung von Metropolit Antonij zum
stauropegialen Pokrovski-Kloster, wo sie von der Oberin
(настоятельница), Higumenia Theophanie, empfangen wurden. Die
Delegation begab sich im Anschluss daran in das stauropegiale Sretenski-
Kloster, wo sie durch den Prior (наместник) der Gemeinschaft, Erzbischof
Amvrosij von Vereia empfangen wurde, der sie auch in die Kirchen des
Klosters führte und mit ihr das Seminar besichtigte.
Am Nachmittag begleiteten Metropolit Antonij, Bischof Savva und
Erzpriester Nikolai Balachov Metropolit Johannes zum Flughafen, von wo
aus er nach Paris zurückflog.
Die anderen Mitglieder der Delegation flogen im Laufe des Tages in ihre
Heimatländer zurück.
Fazit
Der Besuch von Metropolit Johannes und der Delegation des Erzbistums
war besonders im Hinblick auf das vorgesehene Programm bestens
vorbereitet, denn die historischen Grundlagen des Erzbistums wurden
beständig in Erinnerung gerufen: die enge Verbindung mit dem hl. Tichon
und mit dem Konzil von Moskau der Jahre 1917-1918, die
Kommemorierung von Metropolit Evlogij, die Liturgie in der so
geschichtsträchtigen Maria-Entschlafen-Kathedrale des Kreml, in der unser
Erzbischof Serge und Patriarch Alexej II., beide seligen Andenkens, schon
im Jahr 1995 konzelebriert hatten.
Der herzliche Empfang durch unsere Gastgeber und ihre offenkundige
Sorge, Missverständnisse auszuschließen, alles das gepaart mit einer
Organisation, auf die man nur voller Dankbarkeit zurückblicken kann,
                                    25
haben den Mitgliedern unserer Delegation den Freiraum geschenkt, ihren
Emotionen und ihren Hoffnungen neben den offiziellen Feierlichkeiten
freien Lauf lassen zu können.
Generell war die Atmosphäre geprägt von tiefer Besinnlichkeit, oft genug
durchzogen von ernsten und freudigen Noten. Jedem war bewusst, einem
Ereignis von historischer Tragweite beizuwohnen; jedem war aber auch
klar, welche Hoffnung für die Zukunft des Erzbistums hier mitspielt, die
unsere Zukunft ist, aber auch, dass es sich um ein grundlegendes Moment
handelt.
Diesbezüglich zeigen die von Patriarch Kyrill in klaren Worten
ausgedrückte Anerkennung der Daseinsberechtigung unseres Erzbistums
und der Respekt vor seiner Berufung und seinen Traditionen durch die
zahlreichen Bezugnahmen auf Patriarch Tichon, auf Metropolit Evlogij, auf
das Konzil von Moskau von 1917-1918, wie auch der Respekt vor seinen
Statuten und seiner Funktionsweise, wie er in der Urkunde zur
kanonischen Eingliederung zum Ausdruck gebracht wird, dass unser
Erzbistum seine ursprüngliche Sendung erfüllen konnte: die Weitergabe
der Überlieferungen der russischen Kirche und der Beschlüsse des Konzils
aller politischen Schwierigkeiten zum Trotz. Es ist mehr als geziemend, sich
auch in Erinnerung zu rufen, dass die Metropoliten Evlogij und Vladimir
das Erzbistum auch in geistlicher Hinsicht grundlegend geprägt haben,
eine ihm eigene geistliche Prägung nämlich in auch für ihre Gläubigen
besonders schmerzhaften Momenten, die bis zur Untersagung jedweder
politischen Einmischung ihres Klerus geführt hatte.
Nunmehr, nach dem Abschluss dieser Feierlichkeiten, dürfen wir uns
verantwortlich fühlen für die Weiterführung und die Weiterentwicklung
dieses historischen Augenblicks, aber auch für die Verwirklichung der
Hoffnungen, die in dieses Ereignis gelegt werden.




                                    26
Bericht Sommerlager 2019
                        von Christina Novikova
Die Sommerferien hatten begonnen und es war für Kinder, Betreuer und
Organisatoren wieder einmal an der Zeit, den Weg nach Königsheim anzu-
treten. Passend zu der Sommerhitze wurde dieses Jahr auch das Thema
des Lagers gewählt. Es sollte 10 Tage lang das Land Ägypten mit seiner
Geschichte und allem was dazu gehört im Vordergrund stehen.
Wie immer ging es mit der Segnung des Hauses los. Anschließen ging es
                                mit einer Mahlzeit und Kennenlern-
                                spielen weiter.




                                  27
Der erste Abend wurde schließlich mit Gesang und einer gemütlichen
Runde am Lagerfeuer ausgeklungen. Daraufhin nahm der Alltag im Camp
seinen Lauf, es wurde viel gespielt und gesungen, aber auch die täglichen
Dienste wie zum Beispiel der Hausputz wurden erledigt. Samstagabend
wurde dann, nach dem Abendessen, gemeinsam die Vesper gefeiert und
am Sonntagmorgen die Liturgie, welche von Vater Michael und Vater
Athanasius gehalten wurde.




                                                        Anschließend
                                                        fand am Nachmit-
                                                        tag das traditio-
                                                        nelle Sonntags-
                                                        spiel statt. Dieses
                                                        Jahr wurde das
                                                        Spiel „Chaos“
                                                        gespielt. Dabei
                                                        ging es darum,
                                                        Zettel, welche im
                                                        ganzen Haus ver-
                                                        steckt waren, zu
finden, und die Wörter, die draufstanden, an den jeweiligen Betreuer zu
bringen, bis man alle nötigen Zettel gefunden hatte und am Ende ange-
                                    28
langt war. Damit war verbunden, dass jeder Zettel eine Aufgabe mit sich
brachte, welche die Kinder dann erfüllen mussten. Dies gelang allen sehr
gut und jeder hatte eine Menge Spaß bei dem Spiel. Am Schluss kam jede
Gruppe zur selben Zeit am Ziel an, somit hatte jeder das Spiel gewonnen.
                                       Zum Abendessen wurde wieder
                                       ein kleines, festliches Bankett er-
                                       öffnet, wo es einige Köstlichkeiten
                                       zu essen gab. Leider konnte das
                                       Bankett
                                       dieses
                                       Jahr
                                       auf-
                                       grund
                                       von Re-
                                       gen
nicht draußen am Lagerfeuer stattfinden, doch
auch im Speisesaal kam jeder in den tollen Ge-
nuss.
Am Dienstag stand dann der Wandertag auf
dem Plan. Dieses Jahr gab es am Wandertag
eine Besonderheit. Zum ersten Mal ging das
gesamte Camp nicht zusammen wandern. Es
wurde aufgeteilt zwischen den großen Kindern und den kleinen.




                                    29
Die Großen fuhren zunächst
                                  in das Donautal, um dort
                                  wandern zu gehen. Alle wa-
                                  ren fasziniert von der
                                  Schönheit der Natur, doch
                                  am Ende auch ziemlich er-
                                  schöpft.




Da kam das abschließen-
de Grillen an einer Grill-
stelle im Schmeiental ge-
nau richtig.




                                   Anschließend fuhr man
                                   wieder mit den Autos zu-
                                   rück nach Königsheim.




                             30
Die kleineren Kinder dage-
                                     gen wanderten zu der Ruine
                                     Granegg,




zur Beilsteinhöhle




                     und von dort aus weiter zu einem Spielplatz.
                     Dort wurde ausgiebig gespielt, getobt und
                     schließlich, nachdem man zurück ins Lager
                     nach Königsheim gelaufen war gegrillt.




                           31
Der Mittwoch verlief
                                                       zunächst wie üblich
                                                       – mit dem Erledigen
                                                       der Dienste und der
                                                       Katechese. Am
                                                       Nachmittag hatten
                                                       die Hilfsbetreuer ein
                                                       Programm für alle
                                                       Kinder des Lagers
                                                       vorbereitet. Es ging
                                                       darum, spielerisch
                                                       einige in der Bibel
beschriebene Szenen aus dem Leben des Moses kennenzulernen. Dazu
wurden die Bibelstellen auch vorgelesen. Das Spiel endete in einem Ab-
schlussquiz, in welchem jede Gruppe bemerkenswerte Ergebnisse erzielte.
Am Abend gab es für große und kleine Kinder jeweils getrennte Nacht-
wanderungen. Bei der Nachtwanderung der Großen hatten sich die
Hilfsbetreuer noch ein kleines Extra überlegt und im Wald Knicklichter mit
kleinen Botschaften verteilt. Und sich selbst mit Knicklichtern in den Wald
gesetzt. Die Kinder fanden die Nachtwanderung sehr spannend und am
Schluss kehrte jeder mit einem Knicklicht in die Herberge zurück.




                                    32
Der Donnerstag verlief für die
                                         meisten Campbewohner wie
                                         üblich. Nur für die Hilfsbetreu-




er, Vater Michael und Emi-
lia stand ein anderes Pro-
gramm auf dem Plan. Sie
gingen nämlich alle zu-
sammen auf der Donau
Kanufahren und legten an einem Tag eine Strecke von 21 Kilometern zu-
rück. Das machte allen Spaß, nahm jedoch auch sehr viel Kraft in An-
spruch. Ab Freitag liefen die Vor-       bereitungen für den bunten
Abend                                    im vollen Gange. Es wurde
                                          fleißig geprobt, die Requisiten
                                          wurde gebastelt und anpro-
                                           biert.




                                   33
Am Samstagabend,
                                           nachdem die Vesper vorbei
                                           war, bereiteten die Köchin
                                           Olga und ihre Helfer das
                                           große Festbankett für alle
                                           vor. Es gab eine große
                                           Auswahl an Speisen und
                                           Getränken, an welchen sich
                                           jeder erfreute und satt aß.


Als das Essen dann aufgegessen
und das Geschirr gespült war,
wurde es Zeit für den großen
Auftritt.
Jede Gruppe erfreute das Publi-
kum mit den unterschiedlichsten
Präsentationen, es wurde sehr
viel gelacht und man blickte
nochmals gemeinsam auf die
schönen 10 Tage zurück, welche
man gemeinsam in Königsheim verbracht hatte.

                                 34
Am Sonntagmorgen wurde schließlich gemeinsam mit den Eltern
die Sonntagsliturgie gefeiert, zusammen gegessen und das Haus auf
Hochglanz gebracht.
Da wurde es auch schon Zeit wieder nach Hause zurückzukehren und die
ersten Kinder und ihre Eltern verließen Königsheim und machten sich auf
die Heimfahrt. Schließlich waren alle weg, freuten sich jedoch bereits da-
rauf, nächstes Jahr wieder zurückzukommen.




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Gottesdienste Dezember 2019
Samstag, 30. November 2019
19.00 Uhr Abendgottesdienst, anschl. Beichtgelegenheit
Ort: Hl. Sergius von Radonesch Albstadt
Sonntag, 1. Dezember 2019
24. Sonntag nach Pfingsten
10.00 Uhr Göttliche Liturgie
im Anschluss Katechese für die Kinder
Ort: Hl. Sergius von Radonesch Albstadt
Samstag, 7. Dezember 2019
19.00 Uhr Abendgottesdienst, anschl. Beichtgelegenheit
Ort: Hl. Martin von Tours, Balingen
Sonntag, 8. Dezember 2019
25. Sonntag nach Pfingsten
Nachfeier Hl. Bischof Nikolaus von Myra
10.00 Uhr Göttliche Liturgie
Nikolausfeier
Gemeindeversammlung
Ort: Hl. Martin von Tours, Balingen
Samstag, 14. Dezember 2019
19.00 Uhr Abendgottesdienst, anschl. Beichtgelegenheit
Ort: Hl. Martin von Tours, Balingen
Sonntag, 15. Dezember 2019
26. Sonntag nach Pfingsten
Sonntag der heiligen Vorväter
10.00 Uhr Göttliche Liturgie
Ort: Hl. Martin von Tours, Balingen
Samstag, 21. Dezember 2019
19.00 Uhr Abendgottesdienst, anschl. Beichtgelegenheit
Ort: Hl. Martin von Tours, Balingen


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Gottesdienste Dezember 2019
Sonntag, 22. Dezember 2019
Sonntag vor Weihnachten
Sonntag der heiligen Väter
10.00 Uhr Göttliche Liturgie
im Anschluss Vortrag zum Thema: Hl. Ambrosius von Mailand
Ort: Hl. Martin von Tours, Balingen
Dienstag, 24. Dezember 2019
Vorabend der Geburt unseres Herrn und Gottes und Retters Jesus Chris-
tus im Fleische
11.00 Uhr Vesper mit anschließender Basiliusliturgie
Ort: Hl. Sergius von Radonesch Albstadt
Mittwoch, 25. Dezember 2019
Hochfest der Geburt unseres Herrn und Gottes und Retters Jesus Chris-
tus im Fleische
10.00 Uhr Göttliche Liturgie
Ort: Hl. Martin von Tours, Balingen
Samstag, 28. Dezember 2019
19.00 Uhr Abendgottesdienst, anschl. Beichtgelegenheit
Ort: Hl. Martin von Tours, Balingen
Sonntag, 29. Dezember 2019
28. Sonntag nach Pfingsten
Sonntag nach Weihnachten
10.00 Uhr Göttliche Liturgie
Ort: Hl. Martin von Tours, Balingen
Dienstag, 31. Dezember 2019
19.00 Uhr Moleben zum neuen Jahr
Ort: Hl. Sergius von Radonesch Albstadt

                                           Änderungen sind möglich
                      www.orthodoxe-kirche-balingen.de/gottesdienste/

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