Osho über die Liebe

Osho über die Liebe

Osho über die Liebe Liebe ist... Geliebter Osho, was ist Liebe? Liebe ist das Strahlen, der Duft des Sich-Selbst-Kennens, des Sich-Selbst- Seins. Anand Talfis ist sehr jung, er ist erst neun Jahre alt, aber er ist seinem Alter weit voraus. Sein geistiges Alter muss nahezu doppelt so hoch sein, ungefähr achtzehn, daher die Frage. Liebe ist überfließende Freude. Liebe ist, wenn du gesehen hast, wer du bist; dann bleibt nichts, als dein Sein mit anderen zu teilen. Liebe ist, wenn du gesehen hast, dass du nicht von der Existenz getrennt bist. Liebe ist, wenn du eine organische, orgasmische Einheit gefühlt hast mit allem, das ist.

Liebe ist keine Beziehung, Liebe ist ein Seinszustand. Sie hat nichts mit irgendjemand anderem zu tun. Man liebt nicht, man ist Liebe. Und natürlich, wenn man Liebe ist, dann liebt man - aber das ist ein Ergebnis, ein Nebenprodukt, das ist nicht die Quelle. Die Quelle ist, dass man Liebe ist. Und wer kann Liebe sein? Gewiss, wenn du dir nicht bewusst bist, wer du

bist, kannst du nicht Liebe sein - du wirst Angst sein. Angst ist genau das Gegenteil von Liebe. Denk daran, Hass ist nicht das Gegenteil von Liebe, wie die Leute immer denken; Hass ist Liebe auf den Kopf gestellt, er ist nicht das Gegenteil von Liebe.

Das wirkliche Gegenteil ist Angst. In Liebe dehnt man sich aus, in Angst schrumpft man. In Angst wird man verschlossen, in Liebe öffnet man sich. In Angst zweifelt man, in Liebe vertraut man. In Angst bleibt man einsam, in Liebe verschwindet man; daher erhebt sich die Frage von Einsamkeit überhaupt nicht. Wenn man nicht ist, wie kann man da einsam sein?

Dann sind diese Bäume und die Vögel und die Wolken und die Sonne und die Sterne alle in dir. Liebe ist, wenn du deinen inneren Himmel kennen gelernt hast. Und Tallis, dies ist der richtige Moment, das richtige Alter, um in die Welt der Liebe einzutreten. Dies ist die Zeit, in der Eltern, die Gesellschaft, der Staat und die Kirche immer die Kinder vergiften und sie furchtsam machen. Dies ist die Zeit, in der Angst erzeugt wird von den Ausbeutern. Dies ist die Zeit, in der die Gesellschaft kleine Kinder zu Sklaven reduziert; und man kann nur zum Sklaven reduziert werden, wenn große Angst erzeugt worden ist.

Dies ist auch die Zeit - wenn die Gesellschaft gesund ist und nicht von dummen Politikern und Priestern beherrscht wird, wenn die Gesellschaft nicht pathologisch ist - dann ist dies die Zeit, in der die Gesellschaft Kindern hilft, immer liebevoller zu werden, den Kindern hilft, mehr über Schönheit, über Musik, über Dichtung, über Tanz, über Meditation zu erfahren. Dies ist die Zeit, in der das Kind ganz einfach ohne jede Schwierigkeit einen Sprung machen kann. Später wird es immer schwieriger, denn wenn du älter wirst, werden auch die Ängste älter und stärker. Wenn du älter wirst, wird das Ego stärker.

Wenn du älter wirst,

nimmt deine Lernfähigkeit ab. Wenn du älter wirst, wirst du immer feiger, fürchtest dich vor dem Unbekannten. Das kleine Kind ist frei von Angst; Kinder werden ohne jede Angst geboren. Wenn die Gesellschaft ihnen helfen und sie darin unterstützen kann, ohne Angst zu bleiben, ihnen helfen kann, auf die Bäume und die Berge zu klettern und in den Meeren und Flüssen zu schwimmen, wenn die Gesellschaft ihnen auf jede erdenkliche Art helfen kann, Abenteurer zu werden, Abenteurer des Unbekannten, und wenn die Gesellschaft große Neugierde in ihnen hervorrufen kann, statt ihnen tote Glaubenssysteme zu geben, dann werden die Kinder zu großen Liebhabern heranwachsen, zu Menschen, die das Leben lieben.

Und das ist wahre Religion; es gibt keine höhere Religion als Liebe. Tallis, meditiere, tanze, singe und geh immer tiefer in dich selbst hinein. Höre den Vögeln aufmerksamer zu. Schau die Blumen mit Ehrfurcht, Staunen an. Werde nicht gelehrt, gib den Dingen nicht fortwährend Namen. Das ist Gelehrtheit - die große Kunst, alles zu benennen, alles in eine Kategorie zu bringen. Fang in diesem Alter an, Gitarre zu spielen, oder lerne, Flöte zu spielen. Triff dich mit Menschen, misch dich unter Menschen, so viele Menschen wie möglich, denn jeder Mensch bringt eine andere Seite Gottes zum Ausdruck.

Lern von den Menschen. Sei nicht furchtsam. Diese Existenz ist nicht dein Feind. Diese Existenz bemuttert dich, diese Existenz ist bereit, dich in jeder möglichen Weise zu unterstützen. Vertraue, und du wirst anfangen, eine neue Woge von Energie in dir zu spüren.

Diese Energie ist Liebe. Diese Energie möchte die ganze Existenz segnen, denn in dieser Energie fühlt man sich gesegnet - und wenn du dich gesegnet fühlst, was kannst du anderes tun als die ganze Existenz segnen? Liebe ist der tiefe Wunsch, die ganze Existenz zu segnen.

Liebe und Freiheit Beide Flügel sind notwendig Wenn du allein bist, fühlst du dich einsam, du fühlst, dass du den anderen vermisst; dein Leben scheint nur halb zu sein. Es verliert Freude, es verliert sein Fließen und Blühen; es bleibt unterernährt. Wenn du mit dem anderen zusammen bist, dann entsteht ein neues Problem, weil der andere anfängt, in deine Sphäre einzudringen.

Er fängt an, dir Bedingungen zu stellen, er fängt an, Dinge von dir zu verlangen, er fängt an, deine Freiheit zu zerstören - und das schmerzt...

Bis jetzt war die Lebensweise der Menschheit so geisteskrank, dass du nur ein Bedürfnis erfüllen kannst. Du kannst frei sein, aber dann musst du die Vorstellung von Liebe fallen lassen... da ist niemand, der dich hindert, da ist niemand, der sich einmischt, niemand, der Ansprüche stellt, niemand, der dich besitzen will. Aber dann wird das Leben kalt, beinahe tot. Die Mehrheit der Menschheit hat sich für die Liebe entschieden und die Vorstellung von Freiheit fallen gelassen. Die Menschen leben wie Sklaven. Der Mann hat die Frau zu einer Sache reduziert, zu einer Ware; und natürlich hat die Frau auf ihre eigene subtile Art dasselbe getan: alle Ehemänner stehen unter dem Pantoffel.

Der Mann hat die Frau zur Sklavin erniedrigt, und die Frau hat den Mann zum Sklaven erniedrigt. Und natürlich hassen beide die Sklaverei, beide leisten Widerstand. Sie sind ständig am Kämpfen; irgendein kleiner Vorwand, und der Kampf beginnt. Aber der wirkliche Kampf findet woanders statt, viel tiefer; der wirkliche Kampf besteht darin, dass sie um Freiheit bitten. Sie können es nicht so klar sagen, sie haben es vielleicht völlig vergessen. Seit Jahrtausenden haben die Menschen so gelebt. Sie haben gesehen, dass ihre Väter und Mütter auf dieselbe Weise gelebt haben, sie haben ihre Großeltern auf dieselbe Weise leben sehen...

dies ist die Art, wie Menschen leben - sie

haben es akzeptiert. Ihre Freiheit ist zerstört. Es ist, als ob wir versuchten, mit einem Flügel in den Himmel zu fliegen. Einige Menschen haben den Flügel der Liebe, und einige Menschen haben den Flügel der Freiheit - beide sind unfähig zu fliegen. Beide Flügel sind notwendig... Liebe ist ein natürliches Bedürfnis; sie ist wie Nahrung. Wenn du hungrig bist, fühlst du dich natürlich zutiefst unwohl. Ohne Liebe ist deine Seele hungrig; Liebe ist Seelennahrung. Genauso wie der Körper Nahrung, Wasser, Luft braucht, so braucht die Seele Liebe. Aber die Seele braucht auch Freiheit, und es ist eines der merkwürdigsten Dinge, dass wir diese Tatsache noch nicht akzeptiert haben.

Wenn du liebst, ist es nicht nötig, deine Freiheit zu zerstören. Sie können beide zusammen existieren; es gibt keinen Widerspruch zwischen ihnen. Es liegt an unserer Dummheit, dass wir den Widerspruch geschaffen haben. Ändere deine Konditionierung bezüglich Liebe und Freiheit: Liebe den anderen, aber gib dem anderen vollständige Freiheit. Liebe den anderen, aber stelle von Anfang an klar, dass du deine Freiheit nicht verkaufst. Und wenn du das nicht in dieser Kommune, hier mit mir zustande bringst, bringst du es nirgendwo zustande. Dies ist der Beginn einer neuen Menschheit. Natürlich ist es jetzt erst ein Samen, aber bald wirst du ihn zu einem mächtigen Baum heranwachsen sehen.

Wir experimentieren mit vielen Dingen. Eine der Dimensionen unseres Experiments besteht darin, Liebe und Freiheit zusammen möglich zu machen, ihre Koexistenz möglich zu machen. Liebe einen Menschen, aber besitze ihn nicht und las dich nicht besitzen!

Bestehe auf Freiheit und verliere nicht die Liebe! Dazu besteht keine Notwendigkeit. Es gibt keine natürliche Feindschaft zwischen Freiheit und Liebe; es ist eine geschaffene Feindschaft. Natürlich ist es

jahrhundertelang so gewesen, deshalb hast du dich daran gewöhnt; sie ist eine Sache der Konditionierung geworden... Du brauchst nur ein wenig meditativ zu sein. Meditation heißt, einfach den Verstand zu dekonditionieren. Was immer die Gesellschaft getan hat, muss rückgängig gemacht werden. Wenn du dekonditioniert bist, kannst du die Schönheit von Liebe und Freiheit zusammen sehen; sie sind zwei Seiten derselben Münze.

Wenn du jemanden wirklich liebst, gibst du ihm oder ihr vollkommene Freiheit - das ist ein Geschenk der Liebe. Und wenn Freiheit da ist, antwortet die Liebe ungeheuer stark. Wenn du jemandem Freiheit gibst, hast du das größte Geschenk gemacht, und die Liebe kommt wie eine Woge auf dich zu...

Liebe ist ein grundlegendes Bedürfnis, so grundlegend wie Freiheit, daher müssen beide erfüllt werden. Und ein Mensch, der voller Liebe und frei ist, ist das Schönste, was es auf der Welt gibt. Und wenn sich zwei Menschen von solcher Schönheit treffen, ist ihre Beziehung gar keine Beziehung. Es ist ein Sich-Beziehen. Es ist ein ständig fließender Strom. Es wächst ständig zu größeren Höhen. Die höchste Steigerung von Liebe und Freiheit ist es, Gott zu erfahren. In Gott findest du beides: ungeheure Liebe, vollkommene Liebe und absolute Freiheit.

Ein reifer Mensch ist eine Einheit, er kann auch alleine sein.

Und wenn ein reifer Mensch Liebe gibt, gibt er, ohne Bedingungen zu stellen: Er gibt einfach. Und wenn ein reifer Mensch Liebe gibt, fühlt er sich dankbar, dass du seine Liebe angenommen hast, nicht umgekehrt. Er erwartet nicht, dass du dankbar bist dafür - nein, überhaupt nicht, er braucht deinen Dank gar nicht. Er dankt dir dafür, dass du seine Liebe annimmst. Und wenn zwei reife Menschen sich lieben, geschieht eines der größten Paradoxe im Leben, eines der schönsten Phänomene: Sie sind zusammen und doch vollkommen allein; sie sind so sehr zusammen, dass sie beinahe eins sind. Aber ihr Einssein zerstört nicht ihre Individualität; tatsächlich

verstärkt es sie noch: Sie werden noch mehr zum Individuum. Zwei reife Menschen, die sich lieben, helfen einander, freier zu werden. Da ist keine Politik dabei, keine Diplomatie, kein Bestreben zu dominieren. Wie kannst du die Person beherrschen, die du liebst? Denk daran, Freiheit ist ein höherer Wert als Liebe... Wenn Liebe also Freiheit zerstört, hat sie keinen Wert. Liebe kann fallen gelassen werden; Freiheit muss gerettet werden: Freiheit ist ein höherer Wert. Und ohne Freiheit kannst du nie glücklich sein - das ist nicht möglich. Freiheit ist ein tiefer Wunsch jedes Mannes, jeder Frau - äußerste Freiheit, absolute Freiheit.

Man beginnt, alles zu hassen, das zerstörerisch ist für die Freiheit...

Ich bin hier, um euch Freiheit zu geben. Ich möchte euch nichts aufzwingen. Ich möchte euch in keiner Weise verkrüppeln; ich möchte, dass ihr einfach ihr selbst seid. Und wenn der Tag kommt, an dem ihr unabhängig von mir seid, seid ihr fähig, mich zu lieben - vorher nicht. Ich liebe euch. Ich kann es nicht ändern... Ich liebe euch einfach. Wenn ihr nicht hier seid, ist dieses Chuang Tzu Auditorium voll mit meiner Liebe; es macht keinen Unterschied. Diese Bäume bekommen immer noch meine Liebe, diese Vögel bekommen sie immer noch. Und selbst wenn alle Bäume und alle Vögel verschwinden, das macht keinen Unterschied - die Liebe strömt weiter.

Liebe ist, also strömt Liebe. Wann immer zwei Menschen sich lieben, sollten sie nicht vierundzwanzig Stunden lang zusammen sein. Es ist sehr schädlich für sie, und mehr als das, es schadet der Liebe selbst. Die Leute töten und zerstören ihre Liebe, indem sie zu viel zusammen sind, denn tief in ihrem Innern wird etwas verletzt. Jeder braucht einen bestimmten Raum für sich, und Liebende mischen sich zu sehr in das Leben des anderen ein, ohne es zu merken. Sie lieben, daher wollen sie festhalten, sich bei allem und jedem einmischen und so wird Liebe zerstört.

Liebe kann überaus schön sein, wenn sie nicht zerstört wird. Wenn sie

zerstört wird, kann sie zur größten Hölle werden, die es gibt. Wenn du zu sehr alleine lebst, wirst du gelangweilt. Es gibt keine Aufregung - immer nur dich und dich und dich. Es ist monoton, ein einziger Ton. Du brauchst eine Veränderung, ein wenig Würze. Der andere bringt den Wechsel, bringt eine andere Welt in deine Welt, und das ist hilfreich. Wenn du daher das Bedürfnis nach dem anderen spürst, dann suche ihn auf. Und wenn du spürst, dass das Bedürfnis erfüllt ist, geh zurück in deine eigene Welt.

Wenn Liebende fähig sind, diesen Rhythmus des Alleinseins und Zusammenseins zu erkennen, und sich ständig zwischen den beiden bewegen, wenn du dich plötzlich danach fühlst, allein zu sein, und du gehst - das meine ich mit Liebe.

Wenn die andere Person dich liebt, respektiert sie dein Bedürfnis, und wenn du sie liebst, achtest du ihr Bedürfnis. Die Alternative ist Liebe oder keine Liebe. Wenn du dem anderen keinen Raum zugestehst, wird er nach und nach unglücklich und wird ganz weggehen. Gib ihm deshalb ein wenig Raum, halte nicht fest, und die Liebesaffäre kann anhaltend werden. Sie kann immer weiter gehen, wenn die Leine lang genug ist. Wenn die Leine sehr kurz ist, fühlt man sich früher oder später eingesperrt, und wenn dieses Gefühl einmal da ist, wird Freiheit plötzlich wichtiger als Liebe. Freiheit ist nicht wichtiger als Liebe, aber sie wird so empfunden, wenn die Liebe selbst zum Gefängnis wird.

Wenn die Liebe ständig in Freiheit überfließt, dann gibt es kein Problem - die Beziehung bereichert dich jeden Tag mehr. Je größer die Freiheit in der Liebe ist, um so größer die Möglichkeit, dass sie für immer und ewig dauert.

In dem Moment, in dem die Frauen verstehen, dass dies der Weg ist, auf dem Liebe für längere Zeit bestehen kann, die Blume weiterhin blühen kann, gibt es kein Problem. Das Problem entsteht, weil sie denken, dass du versuchst zu entkommen, und dass die Liebe zerstört wird, daher werden sie furchtsam und halten noch mehr fest. Je fester sie halten,

desto mehr fängst du an wegzulaufen - so beginnt der Teufelskreis. Sobald Verständnis zwischen euch fließt, gibt es kein großes Problem mehr. Wir sind hier, um einander glücklich zu machen, nicht unglücklich. Wenn du den anderen glücklich machst, wächst dein eigenes Glück und der andere gibt es zurück, und das hört nicht auf.

Das kann sich immer weiter auf tausendundeine Art widerspiegeln. Es ist ein tief verwurzeltes Problem in jeder Mann/Frau-Beziehung: Der Mann hat mehr Bedürfnis nach Freiheit als nach Liebe, und die Frau hat mehr Bedürfnis nach Liebe als nach Freiheit. Es ist nicht nur dein Problem; es ist ein Problem bei jedem Paar auf der ganzen Welt. Die Frau sorgt sich überhaupt nicht um Freiheit. Sie ist bereit, eine Sklavin zu werden, wenn sie nur den anderen auch zum Sklaven machen kann. Sie ist bereit, jede Art von Bindung einzugehen, wenn der andere auch zur Bindung gezwungen wird. Sie ist bereit, in einem Gefängnis zu leben, wenn der andere bereit ist, in einer dunklen Zelle zu leben.

Und der Mann ist bereit, sogar die Liebe zu opfern, wenn sie zu riskant für seine Freiheit wird. Er würde gerne im offenen Himmel leben, auch allein, das ist in Ordnung. Er würde gerne in einer liebevollen Beziehung leben, aber sie wird dunkel und zu einem Gefängnis. Da liegt also die Schwierigkeit. Wenn beide verständnisvoll sind, einigen sie sich irgendwie. Er schraubt sein Bedürfnis nach Freiheit ein wenig herunter, und die Frau schraubt ihr Bedürfnis nach Bindung und ihre Besitzgier ein wenig herunter; sie erreichen ein Gleichgewicht - halbe/halbe. Dann braucht die Frau fünfzig Prozent Liebe und fünfzig Prozent Bindung und der Mann fünfzig Prozent Liebe und fünfzig Prozent Freiheit.

Dann gibt es die Möglichkeit des Verstehens und Wachsens.

Wenn du hundert Prozent Bindung forderst, und er hundert Prozent Freiheit fordert, dann gibt es ständigen Konflikt und Zanken und Nörgeln - und das ist hässlich. Und wozu das alles? Du findest einen anderen.

Vielleicht findest du jemanden, der eine Bindung will, und vielleicht findet er jemanden, der ihm Freiheit lässt. Wenn du Freiheit gibst, muss es bedingungslos sein. Ob Sex oder kein Sex, das ist nicht die Frage. Wenn du dem anderen seinen eigenen Raum zugestehst, gibst du ihn total, ohne Gängelband. Es ist auch nicht eine lange Leine - es gibt Leine.

Wenn du mit Freiheit eine lange Leine meinst, ist es nicht Freiheit. Es ist eine geschickte List - und die wird dir nicht helfen. Du gibst Raum und Freiheit, aber du hoffst immer weiter, dass es nicht als selbstverständlich hingenommen wird. Das ist die Verwirrung; deshalb fühlst du dich aus dem Gleichgewicht geworfen. Wir geben dem anderen Freiheit mit der Vorstellung, dass der andere sie nicht nutzen wird. Tief in unserem Innern hoffen wir ständig, dass der andere sich uns gegenüber verpflichtet fühlt, uns mehr lieben wird. Wir geben Freiheit, aber mit der tiefen, unbewussten Hoffnung, dass der andere sie nicht nutzen wird.

Wenn der andere sie nutzt, dann entsteht das Problem. Gib vollständige Freiheit. Du solltest dich gut fühlen dabei, dass sie sich nicht schuldig fühlt. Jemandem Schuldgefühle zu machen, ist eine Sünde; keine andere Sünde kommt dieser gleich. Sie verkrüppelt die Menschen, lähmt sie. Sag ihr also, dass sie vollständig frei sein kann und sich nicht schuldig fühlen soll.

Wenn du das einmal akzeptiert hast, hast du eine sehr sehr tiefe Freiheit in dir selbst, denn dies ist ein grundlegendes Gesetz: Wenn du anderen Freiheit geben kannst, dann hast du sie. Und nichts kommt der Freiheit gleich. Wenn du anderen keine Freiheit gibst, dann hast du sie nicht, kannst sie nicht haben. Je mehr du davon gibst, desto mehr hast du davon. Je weniger du gibst, desto weniger hast du davon. Es ist ein zweischneidiges Schwert - es schneidet nach zwei Seiten. Du gibst dem anderen Freiheit, und sofort bist du frei. Du versuchst, eine Gefangenschaft, ein Besitzverhältnis um den anderen herum aufzubauen, und du bist gebunden, du bist ein Sklave; es ist gegenseitig.

Also akzeptiere es einfach. Wenn du das tust, kommt sehr bald tiefe Ruhe über dich, plötzlich ist Freiheit da. Sie kann in diesem Moment kommen.

Es ist nicht eine Frage, über die man nachdenkt. Es ist nur ein Blitz des Verstehens. Und wenn sie sich von einem anderen angezogen fühlt, was kann sie tun? Da kann man nichts machen. Man ist ein Opfer so vieler Begierden. Habe also Mitgefühl mit ihr und sage ihr nur, sie soll sich darüber überhaupt keine Sorgen machen. Bald wirst du sehen, dass ihr Schuldgefühl verschwinden wird, indem du ihr mehr Freiheit gibst, und dann verschwindet allmählich auch das Verlangen nach anderen. Es ist ein Teufelskreis. Du fühlst dich zu jemandem hingezogen, und du fühlst dich schuldig, weil du einem anderen versprochen hast, für immer bei ihm zu bleiben.

Du gehst gegen dein eigenes Versprechen, dein eigenes Ego, dein eigenes Image. Je schuldiger du dich fühlst, desto mehr fühlst du dich angezogen. Je mehr du versuchst, ein Verlangen zu unterdrücken, desto mächtiger wird es. Je mehr du ihm Widerstand leistest, desto mehr phantasiert der Kopf darüber.

Wenn das Schuldgefühl verschwindet, ist es ein gutes Zeichen; ein Zeichen, dass deine Geliebte aus dem Teufelskreis herauskommt. Bald wird sie sehen, dass niemand sie hindert, und der ganze Reiz wird vergehen. Sie wird sehen, dass da jemand ist, der sie so sehr liebt, dass er sogar bereit ist, ihren Liebhaber zu lieben. Sie wird eine neue, sogar tiefere Beziehung zu dir verspüren. Und dies ist etwas, was du verstehen musst: Du kannst jemandem auf zwei Arten nahe sein. Du kannst durch das Gesetz dazu gezwungen sein, durch Gewissen, Schuldgefühl, Religion, die Polizei - dann bist du ihm zwar nahe, aber du bist ihm nicht wirklich nahe.

Du bist ihm nur körperlich nahe.

Es gibt eine andere Nähe, die aus der Freiheit kommt. Beide Partner haben die Freiheit, so weit entfernt zu sein, wie sie es möchten, aber dennoch wählen sie, beieinander zu sein. Es ist eine Wahl aus

vollkommener Freiheit heraus. Sie hat einen andersartigen Duft. Sie ist nicht von dieser Welt... sie ist beinahe etwas aus einer anderen Welt. Also nimm es einfach an, und nimm es mit Freude an. Fühle dich glücklich darüber, dass du ihr eine solche Freiheit geben konntest. Liebe ist eine sehr zarte Blume Osho, warum sind wir so liebesunfähig? Jedes Kind wird mit soviel Liebe geboren, wie man nur haben kann, mit mehr Liebe, als man in sich fassen kann - mit überfließender Liebe.

Ein Kind wird als Liebe geboren; ein Kind ist aus dem Zeug, das Liebe heißt. Aber die Eltern können keine Liebe geben. Sie haben ihre eigenen verschleppten Probleme - ihre Eltern haben sie nie geliebt. Sie können nur so tun, sie können nur von Liebe reden. Sie können sagen: „Wir haben dich sehr lieb", aber alles, was sie tun, ist völlig lieblos. Ihre Art, sich zu verhalten, ihre Art, das Kind zu behandeln, ist sehr verletzend; sie ist ohne Achtung. Kein Vater, keine Mutter achtet das Kind. Wer käme überhaupt auf den Gedanken, ein Kind zu achten? Ein Kind wird überhaupt nicht als Mensch angesehen.

Ein Kind wird vielmehr als Problem angesehen. Solange es brav ist, gut; solange es kein Schreihals ist, kein Primärtherapeut - gut. Solange es den Eltern nicht im Weg steht - bestens, so muss ein Kind sein.

Aber da ist keine Achtung, und da ist keine Liebe. Die Eltern haben selbst nie erfahren, was Liebe ist. Die Mutter hat den Mann nie geliebt, der Mann hat die Frau nie geliebt. Es gibt keine Liebe zwischen den beiden, sondern Herrschsucht, Besitzenwollen, Eifersucht und lauter Gifte, die die Liebe zerstören. Liebe ist eine sehr zarte Blume. Sie muss geschützt werden, sie muss gestärkt werden, sie muss gewässert werden; nur dann kann sie kräftig werden. Und die Liebe des Kindes ist sehr zart - freilich, weil das Kind zart ist, sein Körper zart ist. Glaubt ihr vielleicht, ein Kind, das sich selbst überlassen bleibt, könnte überleben? Vergesst nicht, wie hilflos der Mensch ist.

Wenn ein Kind sich selbst überlassen bleibt, ist es praktisch

unmöglich, dass es überlebt. Es wird sterben. Und genau das passiert mit der Liebe. Die Liebe wird im Stich gelassen. Die Eltern können nicht lieben, sie wissen nicht, was Liebe ist, sie haben nie genug Liebe bekommen. Denkt an eure eigenen Eltern. Und macht euch klar: ich sage nicht, dass sie verantwortlich sind. Sie sind Opfer wie ihr - ihren eigenen Eltern erging es auch nicht anders. Und so weiter... Ihr könnt bis auf Adam und Eva zurückgehen, bis zu Gott... dem Vater. Es scheint, selbst Gottvater war Adam und Eva gegenüber nicht sehr respektvoll, jedenfalls nicht respektvoll genug. Deshalb schrieb er ihnen vom ersten Moment an vor: „Tut dies“ und „lasst jenes", und fing mit dem ganzen Unfug an, den alle Eltern machen.

„Esst keine Frucht von diesem Baum..." und nachdem Adam von der Frucht gegessen hatte, reagierte der Vater, Gott, so wütend darauf, dass er Adam und Eva aus dem Himmel warf.

Diese Vertreibung lauert überall, und alle Eltern drohen ihrem Kind, es zu verstoßen, es hinauszuwerfen. "Wenn du nicht hörst, wenn du nicht folgst, wirst du hinausgeworfen." Und natürlich bekommt das Kind Angst. Ausgestoßen? In die Wildnis dieses Lebens? Es fängt an, Kompromisse zu schließen. Nach und nach wird das Kind zum Sinnverdreher. Es fängt an, zu manipulieren. Es hat keine Lust, zu lächeln, aber wenn die Mutter kommt und es Milch haben will, lächelt es. Nun, das ist Politik - der Anfang, das ABC aller Politik. Tief drinnen verspürt es Hass, weil es nicht geachtet wird; tief drinnen fühlt es sich frustriert, weil es nicht so, wie es ist, geliebt wird.

Man erwartet von ihm bestimmte Dinge, und erst dann wird es geliebt.

Die Liebe wird von ein paar Bedingungen abhängig gemacht: das Kind ist, so wie es ist, unwert. Erst muss es seinen Wert beweisen, dann wird die elterliche Liebe möglich. Also fängt es an, sich würdig zu erweisen, und fängt an, sich zu verstellen. Es verliert seinen Wert an sich. Sein Respekt vor sich selbst geht nach und nach verloren, es fängt an, sich unwert zu fühlen. Und viele Male fragt sich das Kind: sind das meine wirklichen Eltern? Oder haben sie mich vielleicht adoptiert? Vielleicht täuschen sie

mich, denn es scheint keine Liebe da zu sein." Und tausendmal sieht es die Wut in ihren Augen, die hässliche Wut in den Gesichtern der Eltern - und aufgrund so nichtiger Dinge, dass das Kind kein Verhältnis zur Sache erkennt.

Wegen ganz minimaler Dinge sieht es die Eltern in Rage geraten - und kann es nicht fassen. Es ist ungerecht und unfair. Aber es muss alles über sich ergehen lassen, es muss sich beugen, es muss sich ins Notwendige schicken. Nach und nach stirbt seine Liebesfähigkeit. Liebe gedeiht nur in Liebe. Liebe braucht ein Milieu der Liebe; das ist das allererste, was man sich merken muss: Nur in einem Milieu der Liebe gedeiht Liebe überhaupt. Sie braucht verwandte Schwingungen um sich her. Wenn die Mutter liebevoll ist, wenn der Vater liebevoll ist, nicht nur dem Kind gegenüber, wenn sie auch liebevoll zueinander sind, wenn das Zuhause eine Atmosphäre der Liebe hat, wo Liebe strömt, wird das Kind als ein Liebeswesen zu leben beginnen; und dann wird es nie die Frage stellen: „Was ist Liebe?" Das wird es von Anfang an wissen, das wird sein Grundstein sein.

Aber das geschieht nicht. Es ist ein Unglück, aber das ist bis heute noch nicht geschehen. Und ihr lernt die Verhaltensweisen eurer Eltern: ihr Nörgeln, ihr Streiten. Beobachtet euch nur immer selbst. Wenn du eine Frau bist, beobachte: mag sein, dass du fast haargenau die Art nachahmst, wie deine Mutter sich früher verhielt. Beobachte dich, wenn du nur deinem Freund oder deinem Ehemann zusammen bist. Was machst du? Wiederholst du etwa nicht? Wenn du ein Mann bist, beobachte! Was machst du? Wiederholst du nicht? Verhältst du dich nicht wie dein Pappi? Machst du nicht den gleichen Unsinn, den er früher immer gemacht hat? Und früher hattest du es nicht fassen können – „Wie kann mein Vater nur so was tun?" – und jetzt machst du das gleiche...

Die Menschen machen immer wieder dasselbe; die Menschen sind Nachahmer; der Mensch ist ein Affe. Du imitierst deinen Pappi oder deine Mami - und das muss aufhören. Nur dann wirst du wissen, was Liebe ist, andernfalls bleibst du verkorkst.

Ich kann nicht definieren, was Liebe ist, weil es keine Definition für Liebe gibt. Sie ist so wenig definierbar wie Geburt, wie Tod, wie Gott, wie Meditation. Sie ist eine von den undefinierbaren Größen - ich kann sie nicht definieren. Der erste Schritt ist, dass du deine Eltern loswerden musst. Und damit meine ich nicht, dass du deine Eltern missachten sollst, durchaus nicht.

Ich wäre der letzte, der so etwas sagt. Und ich meine damit nicht, dass du deine leiblichen Eltern rauswerfen sollst - ich meine damit: Wirf deine inneren elterlichen Stimmen raus, dein inneres Programm raus, deine inneren Tonbänder raus. Lösche sie, und du wirst einfach erstaunt feststellen, dass du frei wirst, sowie du deine Eltern aus deinem Inneren rauswirfst. Zum ersten Mal wirst du fähig sein, Mitleid für deine Eltern zu empfinden; andernfalls nicht - du wirst nachtragend bleiben. Jeder ist seinen Eltern gegenüber nachtragend. Wie sollst du auch nicht nachtragend sein, nachdem sie dir soviel Schaden zugefügt haben - wenn auch unwissentlich? Sie wollten nur das Beste für dich, sie wollten alles für dein Wohl tun.

Aber was können sie schon tun? Mit gutem Willen allein ist es nicht getan. Sie meinten es gut, das ist wahr. Darüber besteht kein Zweifel; jeder Vater, jede Mutter will für das Kind alle Freuden des Lebens. Aber was können sie machen? Sie haben selbst keine Freude gekannt. Sie sind Roboter. Und ob wissentlich oder unwissentlich, absichtlich oder unabsichtlich, sie schaffen eine Atmosphäre, in der das Kind früher oder später in einen Roboter verwandelt wird. Wenn du Mensch und keine Maschine werden willst, wirf deine Eltern raus. Und du musst genau aufpassen. Es ist eine schwere Arbeit, eine mühselige Arbeit; du kannst es nicht auf Anhieb schaffen.

Du musst sehr umsichtig in deinem Verhalten sein. Beobachte, wann deine Mutter „dran" ist und durch dich hindurch agiert. Kappe die Taue, nimm Abstand. Mach etwas völlig Neues, etwas, was sich deine Mutter nicht einmal hätte vorstellen können.

Zum Beispiel: dein Freund dreht sich um nach einer anderen Frau, voller Anerkennung in den Augen. Beobachte jetzt, was du tust. Tust du das

gleiche, was deine Mutter getan hätte, falls sich dein Vater anerkennend nach einer anderen Frau umgesehen hätte? Wenn du das tust, wirst du nie erfahren, was Liebe ist, sondern wiederholst einfach alte Geschichten. Es ist der gleiche Akt, nur von anderen Schauspielern inszeniert, mehr nicht, das gleiche, abgedroschene Drama, immer von neuem inszeniert. Sei kein Imitator, spring raus. Mach etwas Neues. Mach etwas, was deiner Mutter nicht im Traum eingefallen wäre.

Mach etwas Neues, was deinem Vater nicht im Traum eingefallen wäre. Dies Neue muss in dein Inneres dringen, dann kann deine Liebe zu fließen anfangen. Der erste Grundpfeiler ist also, deine Eltern loszuwerden. Der zweite Grundpfeiler ist... Die Leute meinen, dass sie nur dann lieben können, wenn sie den Menschen finden, der es wert ist. Blödsinn! So wirst du nie einen finden. Die Leute meinen, sie würden erst lieben, wenn sie einen perfekten Mann oder eine perfekte Frau finden. Blödsinn! So wirst du nie eine finden, weil es perfekte Frauen und perfekte Männer nicht gibt. Und falls es sie gibt, werden sie auf deine Liebe pfeifen.

Sie werden nicht daran interessiert sein.

Ich habe von einem Mann gehört, der sein Leben lang Junggeselle blieb, weil er auf der Suche nach der perfekten Frau war. Als er siebzig war, fragte ihn jemand: Du bist überall herumgereist, von Kabul nach Kathmandu, von Kathmandu nach Goa, von Goa nach Poona, und überall hast du gesucht. Konntest du nirgends eine perfekte Frau finden? Nicht mal eine einzige?" Der alte Mann wurde sehr traurig. Er sagte: ja, ein einziges Mal bin ich einer begegnet; einmal bin ich der perfekten Frau begegnet." Der andere sagte: Und was ist dann passiert? Warum hast du sie nicht geheiratet?" Da wurde er noch trauriger.

Er sagte: Was soll man machen? Sie war auf der Suche nach dem perfekten Mann." Um in Liebe zu fließen und zu gedeihen, dazu bedarf es keiner Perfektion. Liebe hat nichts mit dem anderen zu tun. Ein liebender Mensch liebt ganz einfach, genauso wie ein lebendiger Mensch atmet, trinkt, isst und schläft. Ganz genauso liebt ein wirklich lebendiger Mensch, ein liebender Mensch. Du sagst ja auch nicht: „Solange die Luft nicht völlig rein und

unverschmutzt ist, werde ich nicht atmen!" Du atmest selbst in Los Angeles weiter, du atmest weiter in Bombay. Du atmest auch überall da weiter, wo die Luft verschmutzt, vergiftet ist. Du atmest weiter. Du kannst es dir nicht leisten, nicht zu atmen, nur weil die Luft nicht so ist, wie sie sein sollte. Wenn du hungrig bist, isst du etwas - egal was. In einer Wüste, wenn du vor Durst stirbst, wirst du alles trinken. Du bestehst nicht auf Coca Cola; du nimmst einfach alles - alles Trinkbare, einfach Wasser, selbst schmutziges Wasser. Ein lebendiger Mensch liebt einfach. Liebe ist eine natürliche Funktion.

Als zweites merkt euch: verlangt keine Perfektion, sonst werdet ihr finden, dass keine Liebe in euch fließt. Im Gegenteil, ihr werdet sehr lieblos werden. Leute, die Perfektion fordern, sind sehr lieblose Leute - neurotische Leute. Selbst wenn sie eine Geliebte oder einen Liebsten finden können, erheben sie Anspruch auf Perfektion - und die Liebe wird durch diesen Anspruch zerstört. Sobald ein Mann eine Frau liebt, oder eine Frau einen Mann liebt, werden sofort Ansprüche angemeldet. Die Frau fängt an zu fordern, der Mann solle perfekt sein. Nur weil er sie liebt! Als ob er damit eine Sünde begangen hätte! Von jetzt an hat er perfekt zu sein, von jetzt an muss er all seine Schwächen fallen lassen - nur wegen dieser Frau.

Jetzt darf er nicht mehr menschlich sein. Entweder muss er übermenschlich werden oder er muss unecht, falsch, ein Betrüger werden. Natürlich, übermenschlich zu werden ist sehr schwierig, und so werden die Menschen lieber Betrüger. Sie fangen an, sich etwas vorzumachen, zu schauspielern und Spielchen zu spielen. Im Namen der Liebe spielen die Menschen einfach nur rum.

Merk dir, niemals Perfektion zu fordern. Du hast kein Recht, irgendwas von irgendwem zu fordern. Wenn dich jemand liebt, sei dankbar, aber fordere nichts - weil er keine Verpflichtung hat, dich zu lieben. Wenn jemand liebt, ist das ein Wunder. Sei fasziniert von dem Wunder.

Aber die Leute sind nicht fasziniert. Lauter Nichtigkeiten zuliebe zerstören sie alle Möglichkeiten der Liebe. Sie sind nicht sonderlich an der Liebe interessiert - und an der Freude, die sie bringt. Sie sind mehr an anderen Egotrips interessiert. Nimm deine Freude wichtig. Alles andere ist unwesentlich.

Liebe so, dass es eine natürliche Funktion ist, so wie das Atmen. Und wenn du einen Menschen liebst, fange nicht an zu fordern; andernfalls verschließt du vom ersten Augenblick an gewisse Türen. Erwarte überhaupt nichts. Wenn dir etwas zufällt, sei dankbar. Wenn dir nichts zufällt, brauchst du auch nichts, besteht keine Notwendigkeit. Du darfst es nicht erwarten. Aber seht euch die Menschen an, seht wie selbstverständlich sie einander sind. Wenn deine Frau dir das Essen bereitet, dankst du ihr nie dafür. Ich meine nicht, dass du dein Dankeschön verbalisieren solltest, aber es sollte sich in deinen Augen ausdrücken.

Aber es ist dir egal, es ist dir selbstverständlich - das ist schließlich ihre Arbeit.

Von wem hast du das? Wenn dein Mann hingeht und Geld für dich verdient, dankst du ihm nie dafür. Du empfindest nicht die geringste Dankbarkeit: das ist schließlich die Pflicht des Mannes. So denkt ihr. Wie kann da die Liebe wachsen? Liebe braucht ein Klima der Liebe, Liebe braucht ein Klima der Dankbarkeit, des Dankens. Liebe braucht eine Atmosphäre, in der nichts gefordert, nichts erwartet wird. Das ist das zweite, was man sich merken muss. Und das dritte ist: Fang damit an, Liebe zu geben, statt darüber nachzudenken, wie du sie bekommst. Wenn du sie gibst, bekommst du; es gibt keinen anderen Weg.

Die Menschen sind mehr daran interessiert zu raffen und zu nehmen. Jeder ist interessiert am Nehmen, und niemand scheint Freude am Geben zu haben. Die Leute geben sehr widerstrebend; und falls sie je geben, geben sie nur, um zu bekommen, und sie verhalten sich fast wie Geschäftsleute. Es ist ein Kuhhandel. Sie schauen immer darauf, dass sie

mehr bekommen, als sie geben - dass es ein guter Handel ist, ein gutes Geschäft. Aber der andere hält es genauso. Liebe ist kein Geschäft, sei also nicht mehr so geschäftstüchtig. Andernfalls wirst du dein Leben, deine Liebe und alles versäumen, was schön daran ist; denn alles Schöne ist überhaupt nicht geschäftsmäßig. Geschäft ist das Hässlichste von der Welt - ein notwendiges Übel. Aber die Existenz weiß nichts von Geschäften. Blumen blühen - das ist kein Geschäft. Sterne leuchten - das ist kein Geschäft. Und du brauchst auch nichts dafür zu bezahlen, und niemand verlangt etwas von dir. Ein Vogel kommt angeflogen und sitzt vor deiner Türe und singt ein Lied, und er wird dich nicht um ein Gutachten oder dergleichen bitten.

Er hat das Lied gesungen, und danach fliegt er glücklich davon, ohne eine Spur zu hinterlassen. Genau so wächst Liebe. Gib, und kümmere dich nicht darum, was für dich dabei herausspringen wird.

Ja es wird, es wird tausendfach etwas herausspringen, aber ganz natürlich, von selbst. Man braucht es nicht zu fordern. Wenn du forderst, kommt es nie. Wenn du forderst, hast du es getötet. Gib also. Fang an zu geben. Am Anfang wird es schwer sein, weil du dein ganzes Leben dazu angehalten worden bist, nicht zu geben, sondern zu nehmen. Zunächst wirst du mit deinen Panzerungen kämpfen müssen. Deine Muskulatur ist hart geworden, dein Herz ist erstarrt, du bist kalt geworden. Am Anfang wird es schwer sein, aber jeder Schritt wird zu einem nächsten Schritt weiterführen, und allmählich kommt der Fluss ins Fließen.

Als erstes werde deine Eltern los. Indem du deine Eltern los wirst, wirst du die Gesellschaft los; indem du deine Eltern los wirst, wirst du die Zivilisation, das Bildungssystem, alles los - weil deine Eltern das alles repräsentieren. Du wirst individuell. Zum ersten Mal gehörst du nicht mehr zur Masse, besitzt du eine authentische Individualität, bist du für dich. Genau das heißt Wachstum. Genau so sollte ein erwachsener Mensch

sein. Ein erwachsener Mensch ist jemand, der keine Eltern braucht. Ein erwachsener Mensch ist jemand, der glücklich in seinem Alleinsein ist - sein Alleinsein ist ein Lied, eine Feier. Ein erwachsener Mensch ist jemand, der glücklich mit sich selbst sein kann. Sein Alleinsein ist nicht Einsamkeit, seine Vereinzelung ist Alleinheit, sie ist meditativ. Er ist völlig frei von elterlichen Prägungen. Und das Schöne ist, dass nur so jemand den Eltern gegenüber Dankbarkeit empfindet!

Das Paradoxe ist, dass nur so jemand seinen Eltern vergeben kann. Er empfindet Mitleid und Liebe für sie, er empfindet sehr stark für sie, weil sie genauso gelitten haben wie er.

Er ist ihnen nicht böse, nein, nicht im geringsten. Vielleicht hat er Tränen in den Augen, aber böse ist er nicht, sondern er wird alles tun, um seinen Eltern zu helfen, zur gleichen Fülle des Alleinseins, zur gleichen Höhe des Alleinseins zu kommen. Werdet Individuen, das ist das erste. Das zweite: erwartet keine Perfektion, und bittet nicht und fordert nicht. Liebt gewöhnliche Leute. Nichts ist verkehrt an gewöhnlichen Leuten. Gewöhnliche Leute sind außergewöhnlich. Jeder einzelne Mensch ist ganz einmalig. Habt Achtung vor dieser Einmaligkeit.

Drittens: Gebt, und gebt bedingungslos - und dann werdet ihr wissen, was Liebe ist. Ich kann es nicht definieren: ich kann euch den Weg zeigen, wie ihr sie züchten könnt. Ich kann euch zeigen, wie man einen Rosenstock pflanzt, wie man ihn wässert, wie man ihn düngt, wie man ihn schützt. Und eines Tages dann, aus heiterem Himmel, kommt die Rosenblüte, und dein Haus ist voll von dem Duft. Ganz genau so kommt die Liebe. [ http://radreise.ohost.de ]

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