Risikomanagement in Transport und Logistik 2015

 
 
BME/DHBW-Umfrage Risikomanagement 2015




                            Ergebnisse der Umfrage

                      „Risikomanagement in
                   Transport und Logistik 2015“




 Umfrage des Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) e.V. und
   Prof. Dr. Paul Wittenbrink von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach.




Zeitraum der internetbasierten Umfrage: September und Oktober 2012




Prof. Dr. Paul Wittenbrink                             Gunnar Gburek
Duale Hochschule Baden-Württemberg Lörrach             Bereichsleiter Logistik
Hangstraße 48-50                                       BME e.V., Frankfurt


79539 Lörrach im November 2012                         Tel.: 069/3 08 38-121
wittenbrink@dhbw-loerrach.de                           E-Mail: gunnar.gburek@bme.de


                                                                                          1
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Inhaltsverzeichnis
1.     Einleitung ....................................................................................................................................... 4

2.     Die Risiken im Überblick ............................................................................................................. 6

3.     Strategien zur Risikobewältigung ............................................................................................. 10

     3.1.     Supply Chain Risiken ......................................................................................................... 10

     3.2.     Steigende Energie- und Transportpreise ........................................................................ 11

     3.3.     Insolvenz eingesetzter Dienstleister ................................................................................ 13

     3.4.     Compliance .......................................................................................................................... 15

     3.5.     Fachkräftemangel ............................................................................................................... 16

     3.6.     Green Logistics ................................................................................................................... 18

4.     Zusammenfassung ..................................................................................................................... 19




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Verzeichnis der Abbildungen

Abbildung 1: Branchenverteilung der Umfrageteilnehmer ........................................................... 4

Abbildung 2: Umsatzklassenverteilung der beteiligten Unternehmen ....................................... 5

Abbildung 3: Verteilung der beteiligten Unternehmen nach Anzahl der Mitarbeiter ................ 5

Abbildung 4: Risikoeinschätzung der Unternehmen, Teil 1 ......................................................... 6

Abbildung 5: Risikoeinschätzung der Unternehmen, Teil 2 ......................................................... 8

Abbildung 6: Geplante Maßnahmen von Unternehmen, für die Supply Chain-Risiken
             bestehen ..................................................................................................................... 10

Abbildung 5: Gründe von Unternehmen, von Supply Chain-Risiken
             nicht betroffen zu sein .............................................................................................. 11

Abbildung 6: Geplante Maßnahmen von Unternehmen, für die das Risiko steigender
             Energie- und Transportpreise besteht ................................................................... 12

Abbildung 7: Gründe von Unternehmen, von steigenden Energie- und Transportpreisen
             nicht betroffen zu sein .............................................................................................. 13

Abbildung 8: Geplante Maßnahmen von Unternehmen, für die das Risiko
             einer Insolvenz von Dienstleistern besteht ........................................................... 14

Abbildung 9: Gründe von Unternehmen, von dem Risiko einer Insolvenz
             von Dienstleistern nicht betroffen zu sein ............................................................. 14

Abbildung 10: Geplante Maßnahmen von Unternehmen, für die
              Compliance-Risiken bestehen ................................................................................ 15

Abbildung 11: Gründe von Unternehmen, von Compliance-Risiken nicht
              betroffen zu sein ........................................................................................................ 16

Abbildung 12: Geplante Maßnahmen von Unternehmen, für die das Risiko eines
              Fachkräftemangels im Transport- und Logistikbereich besteht ......................... 17

Abbildung 13: Gründe von Unternehmen, vom Risiko eines Fachkräftemangels
              im Transport- und Logistikbereich nicht betroffen zu sein .................................. 17

Abbildung 14: Geplante Maßnahmen von Unternehmen, für die das Risiko im
              Zusammenhang mit unzureichenden Green Logistics-Aktivitäten besteht ...... 18

Abbildung 15: Gründe von Unternehmen, von Risiken in Verbindung mit
              unzureichenden Green Logistics-Aktivitäten nicht betroffen zu sein ................ 19




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Prof. Dr. Paul Wittenbrink


1. Einleitung
189 Unternehmen haben sich im September und Oktober 2012 an einer Umfrage zum
„Risikomanagement in Transport und Logistik 2015“ beteiligt. Durchgeführt wurde die Umfrage vom
Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) gemeinsam mit Prof. Paul
Wittenbrink von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach. Neben der Identifikation von
Risiken wurden die Unternehmen nach ihrer jeweiligen Risikobewältigungsstrategie gefragt.
Abbildung 1 bis Abbildung 3 zeigen die Strukturdaten der Umfrageteilnehmer.

Abbildung 1: Branchenverteilung der Umfrageteilnehmer




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Abbildung 2: Umsatzklassenverteilung der beteiligten Unternehmen




Abbildung 3: Verteilung der beteiligten Unternehmen nach Anzahl der Mitarbeiter




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2. Die Risiken im Überblick

Bei dem Risikomanagement geht es zunächst darum, die relevanten Risiken zu
identifizieren. Daher wurden die Unternehmen zunächst danach gefragt, ob bestimmte
potenzielle Risiken für das eigene Unternehmen zutreffen oder nicht. Abbildung 4 zeigt das
Ergebnis, wobei hier neben der Gesamtbewertung durch alle Teilnehmer auch die
Ergebnisse zu den Antworten von Einkäufern aus Industrie und Handel (im Folgenden
Verlader) sowie Anbietern logistischer Dienstleistungen (im Folgenden Dienstleister)
ausgewiesen werden.

Abbildung 4: Risikoeinschätzung der Unternehmen, Teil 1




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Supply Chain-Risiken
Die zunehmende internationale Vernetzung sowohl bei den Absatz- als auch bei den
Zuliefermärkten führt gleichzeitig zu wachsenden Ansprüchen an die Logistik und zu einer
steigenden Komplexität. 82 % der Verlader und 60 % der Transport- und Logistikdienstleister
gaben an, dass für sie durch die zunehmende internationale Vernetzung die Supply Chain-
Risiken steigen, d.h. die Zuverlässigkeit und Planbarkeit der gesamten Supply Chain immer
schwieriger wird. Dass diesem Punkt mehr Verlader als Dienstleister zustimmten, ist
nachvollziehbar – handelt es sich bei der Organisation der internationalen Supply Chain
doch um deren Kernkompetenz. Dass auch 60 % der Dienstleister hier Probleme sehen,
zeigt die Relevanz des Themas


Steigende Energiepreise und Transportkosten
Aber auch das Thema steigender Energiepreise, und hier liegt der Fokus auf dem Ölpreis,
steht für die Unternehmen ganz oben auf der Liste möglicher Risiken im Transport- und
Logistikbereich. Für 59,6 % der Unternehmen führen steigende Ölpreise zu immer höheren
Transportkosten, so dass einige Transporte, die heute noch durchgeführt werden, sich
zukünftig kaum noch lohnen. Die Umfrage zeigt auch die unmittelbare Betroffenheit der
Transport- und Logistikdienstleister bei diesem Thema, geben doch knapp drei Viertel dieser
Unternehmen an, dass es sich um ein unternehmerisches Risiko handelt, während dies bei
den Verladern immerhin noch 54 % der Unternehmen sagen. Da die Kraftstoffkosten,
zumindest beim reinen Lkw-Transport, bis zu ein Drittel der Gesamtkosten ausmachen,
fangen die ersten Unternehmen an, ihre Transportstrukturen zu überdenken.


Risiko einer Insolvenz eingesetzter Dienstleister
Verbunden mit den steigenden Kraftstoffkosten ist die Ergebnissituation bei den
Transportunternehmen: Knapp die Hälfte der Unternehmen (52 %) sieht die Gefahr, dass
Dienstleister (bzw. Subunternehmer) insolvent gehen und die Supply Chain dadurch
unterbrochen wird. Hier kommen auch die Erfahrungen aus der Krise 2009 zum Tragen, in
der manche vermeintlich gute Preise nur von kurzer Dauer waren und in nicht wenigen
Fällen schnell Ersatz für insolvente Transportunternehmen gefunden werden musste.
Erstaunlich: Während etwas mehr als die Hälfte der Verlader das Problem sieht, sehen sich
mit 65,1 % fast zwei Drittel der Dienstleister mit dem Thema konfrontiert. Dies deutet darauf
hin, dass viele Logistikdienstleister keinen eigenen Fuhrpark einsetzen sondern beim
Transport vielfach auf Subunternehmer setzten, was in Krisenzeiten eine riskante Strategie
sein kann.


Compliance
Das Thema „Compliance“ gewinnt immer mehr an Bedeutung, gerade auch im
Logistikbereich. Sowohl die Regelungsdichte als auch die Sanktionen nehmen immer weiter
zu, was für die Unternehmen mit einer steigenden Komplexität verbunden ist. Nach Angaben
von 49,1 % der Unternehmen besteht bei ihnen die Gefahr, Kunden zu verlieren bzw. hohe
Strafen zu zahlen, weil Lieferanten/Unterlieferanten Compliance-Regeln nicht einhalten bzw.
auch die eigene Organisation diese Regeln nicht sicherstellen kann. Insofern entwickelt sich
dieses Thema langsam zu einem der Hauptrisiken im Transport- und Logistikbereich.



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Fachkräftebedarf
Weiterhin sehen 47,1 % ein Risiko für das eigene Unternehmen, in der Tatsache, dass der
Fachkräftebedarf in der Transport- und Logistikbranche in Zukunft nicht ausreichend gedeckt
wird. Neben dem zunehmenden Fahrermangel steigt auch der Bedarf an qualifizierten
Logistikkräften, ohne die die wachsende Komplexität in der Logistik kaum bewältigt werden
kann. Dies Thema ist natürlich insbesondere für die Transport- und Logistikdienstleister
relevant (62,8 %), für die es zunehmend schwieriger wird, den Personalbedarf zu decken.
Aber auch knapp 40 % der Verlader klagen über das Problem, sei es in den eigenen
Logistikbereichen oder indirekt bei ihren Logistikdienstleistern.


Green Logistics
Nicht ganz so bedeutend, aber immerhin 44 % der Befragten sehen das Risiko, Kunden zu
verlieren, wenn sie sich nicht stärker den Themen „Umwelt“ und „Green Logistics“ widmen.
Besonders relevant ist das Thema für Transport- und Logistikdienstleister: Während
immerhin 37,7 % der Verlader das Problem sehen, ist das Thema „Green Logistics“ für
60,9 % der Logistikunternehmen eine Herausforderung, was zeigt, dass die Ansprüche der
Verlader hier inzwischen recht hoch sind.


Abbildung 5: Risikoeinschätzung der Unternehmen, Teil 2




Begrenzte Straßeninfrastruktur
Neben der direkten Identifikation von Risiken wurden die Unternehmen gebeten, bestimmten
Aussagen zuzustimmen bzw. diese abzulehnen (vgl. Abbildung 5). Hiernach stimmen fast
drei Viertel der Unternehmen (73,5 %) der Aussage zu, dass die Infrastruktur der Straße
nicht ausreicht, um das prognostizierte Verkehrswachstum zu bewältigen. Hier zeigen sich
die chronische Unterfinanzierung der Verkehrsinfrastruktur und die Erwartung, dass die
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Verkehrsprobleme, z.B. in Form von Staus und Verkehrsengpässen in Zukunft eher weiter
zunehmen.

Tendenz zu ruinöser Konkurrenz
Interessant ist auch die Aussage, dass in der Transportbranche eine Tendenz zu ruinöser
Konkurrenz besteht, wodurch der Substanzerhalt der Branche gefährdet ist. Knapp zwei
Drittel der Verlader (66,7 %) stimmen dieser Aussage zu. Noch sehr viel höher ist die
Zustimmung der Transport- und Logistikunternehmen zu dieser Aussage. Hier sehen mit
85,7 % fast 90 % dieser Unternehmen eine Tendenz zu ruinöser Konkurrenz. Die aktuellen
Kostensteigerungen, insbesondere beim Personal und Diesel, finden nur bedingt einen
Niederschlag in den Preisen, wodurch viele Transportunternehmen in ihrer Existenz
gefährdet sind. Hier sind aber auch die Transportunternehmen selbst gefragt, scheinen sie
doch so stark im Wettbewerb zu stehen, dass auch notwendige Preiserhöhungen kaum
durchsetzbar sind.

Liquiditätsengpässe
Knapp zwei Drittel der Unternehmen stimmen der Aussage zu, dass sich die Zahlungsmoral
der Kunden verschlechtert hat, wodurch Liquiditätsengpässe resultieren können. Keine neue
Erkenntnis, aber ein zunehmendes Problem für viele Unternehmen. Damit verbunden sind
die hohen Sicherheitsanforderungen der Banken, die für viele Unternehmen gerade bei
Logistikinvestitionen zu einer Kreditklemme führen. Hier scheinen Transport- und
Logistikunternehmen (71,4 %) weit mehr betroffen zu sein als Verlader (55 %), was
sicherlich auch eine Folge unterdurchschnittlicher Renditen und geringer Eigenkapitelquoten
im Transport- und Logistikbereich ist.




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3. Strategien zur Risikobewältigung

Die Risiken zu identifizieren ist ein wesentlicher Bestandteil des Risikomanagements. Noch
wichtiger ist es aber, Maßnahmen zu ergreifen, die diese bewältigen. Insofern bestand ein
weiterer Schwerpunkt der Umfrage darin, nach den geplanten bzw. schon eingeleiteten
Maßnahmen zu fragen.


3.1.    Supply Chain Risiken
Für mehr als drei Viertel aller Unternehmen (76,2 %) bestehen zunehmende internationale
Supply Chain Risiken. Daher wurden die Unternehmen auch gefragt, was sie planen bzw.
bereits umgesetzt haben, um die Risiken zu bewältigen. So ist bei den Supply Chain-Risiken
die wichtigste Risikovermeidungsstrategie das Vermeiden von Single-Sourcing, indem
wichtige Lieferteile immer aus verschiedenen Regionen bezogen werden. Dicht gefolgt vom
Thema Supply Chain Visibility, mit dem für die Unternehmen das Ziel verbunden ist, sichtbar
zu machen, wo sich die (Zuliefer-) Bestände gerade befinden. Immerhin fast jedes fünfte
Unternehmen sieht das Supply Chain-Risiko, hat nach eigenen Angaben bisher jedoch keine
Lösung, eine aus Unternehmenssicht nicht besonders befriedigende Situation.

Abbildung 6: Geplante Maßnahmen von Unternehmen, für die Supply Chain-Risiken
bestehen




Für knapp ein Viertel der Unternehmen sind keine internationalen Supply Chain-Risiken
erkennbar. Der Hauptgrund dafür ist, dass für 36,8 % dieser Unternehmen keine
internationalen Supply Chain Risiken erkennbar sind, was sicherlich auch damit zu tun hat,
das diese Unternehmen weniger international tätig sind. Fast 40 % dieser Unternehmen
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sagen aber auch, dass sie ihre Prozesse standardisiert und überschaubare
Unternehmenseinheiten geschaffen haben, um die Risiken zu bewältigen. Auch scheinen
viele Unternehmen ein mit ausreichenden Kompetenzen ausgestattetes Supply Chain-
Management geschaffen zu haben. Ausreichende Sicherheitsbestände sind offensichtlich
nur für wenige Unternehmen eine Lösung, womöglich wollen sie die höheren Kosten nicht in
Kauf nehmen.


Abbildung 7: Gründe von Unternehmen, von Supply Chain-Risiken nicht betroffen zu
sein




3.2.   Steigende Energie- und Transportpreise

Angesichts von fast 60 % der Unternehmen (59,6 %), die ein Risiko steigender
Transportpreise infolge von Energiepreissteigerungen sehen, stellt sich die Frage, welche
Maßnahmen sie planen, um diesem Risiko entgegenzuwirken. Hier wird ein ganzes Bündel
von Maßnahmen geplant. Fast ein Drittel der Unternehmen (31,1 %) plant zur
Transportkostensenkung verstärkt regional einzukaufen, wovon, wenn es realisiert wird, die
heimischen Unternehmen profitieren. Aber auch die Wiederentdeckung der Lagerhaltung, mit
dem Aufbau regionaler Lagerstrukturen kommt für ca. ein Viertel der Unternehmen wieder
infrage. Ob damit der bisherige Trend zu Zentrallagerkonzepten gestoppt wird, wird sich erst
in Zukunft zeigen.

Die gute Nachricht für Bahn und Binnenschiff: Die Verlagerung wird von mehr als jedem
fünften Unternehmen (22,2 %) als wichtiger Ansatz angesehen, die Transportkosten zu
senken. Zudem haben ca. 15 % der Unternehmen, die das Risiko im Griff zu scheinen
haben, die Maßnahmen bereits umgesetzt.
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Interessant: Schien das Dieselpreis-Hedging in der Vergangenheit eher eine untergeordnete
Rolle zu spielen, scheint dieser Ansatz für immer mehr Unternehmen eine relevante
Alternative zu werden, da sich hierdurch Energie- und damit Transportpreisschwankungen in
planbare Größen verwandeln lassen. 11,9 % der Unternehmen, die das Risiko aus eigener
Einschätzung bewältigt haben, setzten auf diesen Ansatz. Darüber hinaus wollen 22,2 % der
Unternehmen, die sich mit dem Risiko Energiepreise konfrontiert sehen, ein Hedging planen.
Den Lieferservice zu verändern, indem z.B. der 24-Std-Service seltener angeboten wird, ist
für immerhin 18,9 % der Unternehmen, für die das Energie- und Transportpreisrisiko besteht,
ein Thema. Dies ist insofern interessant, da hier die immer wieder genannte Entschleunigung
der Logistik ihre ersten Ansätze findet.

Abbildung 8: Geplante Maßnahmen von Unternehmen, für die das Risiko steigender
Energie- und Transportpreise besteht




Knapp 40 % der Unternehmen sehen vor dem Hintergrund zunehmender Energiepreise
kaum Transportpreisrisiken. Der Hauptgrund, und dies nennen 71,2 % dieser Unternehmen,
ist der geringe Transportkostenanteil ihrer Produkte, so dass selbst größere
Transportkostensteigerungen kaum Auswirkungen auf den Produktpreis haben. Insofern
zeigt sich hier die sehr unterschiedliche sektorale Betroffenheit, indem Unternehmen mit
höheren Wertdichten nur bedingt von dem Problem betroffen sind, während sich für
Unternehmen mit hohen Transportkostenanteilen die Preissteigerungen schnell zu einem
unternehmerischen Risiko entwickeln können. Einige der nicht betroffenen Unternehmen
geben aber auch an, dass sie gar nicht mit stark steigenden Energiekosten rechnen, es ist
aber eine Minderheit. Auch sieht ein Teil der Befragten eine Möglichkeit darin, durch eine
steigende Produktivität der Transport- und Logistikdienstleister Preissteigerungen auffangen
zu können, was auf noch vorhandene Potenziale in diesem Bereich hindeutet. Dabei stellt
sich die Frage, ob die Dienstleister diese Potenziale allein heben können, oder ob hier eine
enge Kooperation mit den Auftraggebern hilfreich sein kann.

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Abbildung 9: Gründe von Unternehmen, von steigenden Energie- und
Transportpreisen nicht betroffen zu sein




3.3.   Insolvenz eingesetzter Dienstleister

Ein weiteres von den Unternehmen gesehenes Risiko ist die Insolvenz des eingesetzten
Transportdienstleisters. Eine zentrale Maßnahme ist hier, eine besondere Vorsicht bei der
Auswahl der Dienstleister walten zu lassen und regelmäßige Bonitätsprüfungen
vorzunehmen. Dies planen 72,2 % der Unternehmen, die hier ein Risiko sehen. Zusätzlich
haben 56,3% der Unternehmen, für die das Risiko bewältigt zu sein scheint, dies umgesetzt.

Fast ebenso wichtig ist es, immer auch eine Alternative zu haben, so dass mehrere
Dienstleister für vergleichbare Aufgaben eingesetzt werden (58,2 % der Unternehmen, die
das Risiko sehen bzw. 73,2 % der Unternehmen, die es bewältigt haben).

Eine zentrale Maßnahme ist es auch, mehrere Verkehrsträger zu nutzen, um die Auswahl zu
haben. Dies wird von knapp einem Drittel der Unternehmen als wichtiger Ansatz gesehen.
Hier tun sich dann vielleicht neue Potenziale für den Schienengüterverkehr auf.

Den eigenen Fuhrpark einzusetzen, scheint kaum eine Alternative zu sein. Da scheinen die
Kosten zu hoch zu sein, zumal es ausreichend Alternativen gibt. Interessant: Von den
Unternehmen, für die das Thema kein Risiko darstellt, geben 26,8 % an, dass sie bei den
Preisen der Dienstleister valide prüfen, ob diese das Überleben sichern. Hier scheint also
das Thema „Kostentransparenz“ auch auf Verladerseite immer mehr Einzug zu halten.




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Abbildung 10: Geplante Maßnahmen von Unternehmen, für die das Risiko einer
Insolvenz von Dienstleistern besteht




Abbildung 11: Gründe von Unternehmen, von dem Risiko einer Insolvenz von
Dienstleistern nicht betroffen zu sein




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3.4.   Compliance

Compliance – ein Thema, das gerade in den letzten Jahren Einzug in die Fachwelt gefunden
hat, stellt für knapp die Hälfte der Unternehmen ein risikorelevantes Thema dar. Was sind
hier die zentralen Strategien? Ganz oben auf der Agenda steht die Definition und
Überwachung klarer Compliance-Regeln, zu denen auch regelmäßig Audits durchgeführt
werden. Dabei werden auch die Lieferanten einbezogen und kontrolliert. Zudem plant ein
Teil der Unternehmen nur noch in Ländern einzukaufen, in denen klare Regeln gelten.
Interessant ist aber auch, dass bei knapp 40 % der Unternehmen, für die mit dem Thema
keine Risiken verbunden sind, Kunden keine entsprechenden Regeln verlangen, was
bedeutet, dass das Thema noch nicht bei allen Unternehmen angekommen ist.

Abbildung 12: Geplante Maßnahmen von Unternehmen, für die Compliance-Risiken
bestehen




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Abbildung 13: Gründe von Unternehmen, von Compliance-Risiken nicht betroffen zu
sein




3.5.   Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel in der Logistik stellt für 47,1 % der Unternehmen ein
unternehmerisches Risiko dar. Eine zentrale Strategie, dieses Thema zu bewältigen, ist die
eigene Ausbildung und Qualifizierung von Mitarbeitern. Angesichts des Fachkräftemangels
wird die Ausbildung der Mitarbeiter immer wichtiger, was sich auch darin zeigt, dass ca. zwei
Drittel der Unternehmen, die das Thema „Fachkräftemangel in der Logistik“ als Risiko
identifiziert haben, planen, stärker in die Ausbildung zu investieren. Fast ebenso wichtig
scheint die Bindung der Mitarbeiter zu sein, um dadurch die Fluktuation zu begrenzen. Aber
auch in die Mitarbeiterakquisition zu investieren ist eine wichtige Lösung, sagen doch knapp
40 % der Unternehmen, dass Sie entweder schon eine gute Personalrekrutierung haben,
oder in diese investieren wollen.




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Abbildung 14: Geplante Maßnahmen von Unternehmen, für die das Risiko eines
Fachkräftemangels im Transport- und Logistikbereich besteht




Abbildung 15: Gründe von Unternehmen, vom Risiko eines Fachkräftemangels im
Transport- und Logistikbereich nicht betroffen zu sein




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3.6.   Green Logistics

Als weiteres großes Risiko wird von den Unternehmen gesehen, dass ein Kundenverlust
droht, wenn sie sich nicht ausreichend auf das Thema „Green Logistics“ vorbereiten (44 %).
Während immerhin 37,7 % der Verlader das Problem sehen, ist das Thema für 60,9 % der
Dienstleister eine Herausforderung, was zeigt, dass die Ansprüche der Verlader hier
inzwischen recht hoch sind. Auch ist das Thema „Carbon Footprint-Analyse“ im Transport-
und Logistikbereich angekommen. Während bei Industrie- und Handelsunternehmen nur ca.
ein Viertel (24,1 %) der Kunden entsprechende Analysen verlangt, liegt dieser Wert bei den
Dienstleistern bei fast zwei Dritteln (61,9 %) (vgl. Abbildung 5, S. 8).

70% der Unternehmen planen konkrete Maßnahmen bzw. haben diese schon umgesetzt.
Hier stehen die Umweltzertifizierung, die (damit verbundene) Erstellung eines
Umweltberichts sowie die Erstellung von Carbon Footprint-Analysen ganz oben auf der
Agenda. Das Thema „Green Logistics“ bleibt also erhalten und wird den Transport- und
Logistikbereich auch in Zukunft immer mehr beschäftigen. Interessant und positiv zugleich.
Bei allen Maßnahmen sind die eigenen Aktivitäten für die Unternehmen noch wichtiger als
die von den Dienstleistern und Lieferanten verlangten.


Abbildung 16: Geplante Maßnahmen von Unternehmen, für die das Risiko im
Zusammenhang mit unzureichenden Green Logistics-Aktivitäten besteht




                                                                                       18
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Abbildung 17: Gründe von Unternehmen, von Risiken in Verbindung mit
unzureichenden Green Logistics-Aktivitäten nicht betroffen zu sein




4. Zusammenfassung

Das Thema „Risikomanagement“ wird auch im Transport- und Logistikbereich immer
relevanter. Aus Sicht der Unternehmen bestehen erhebliche Risiken im Bereich der
internationalen Supply Chain. Weitere Risiken werden durch steigende Energie- und
Transportpreise, die mögliche Insolvenz von Dienstleisterns, den Fachkräftemangel und im
Bereich Compliance gesehen. Darüber hinaus sehen viele Unternehmen, dass die
Straßeninfrastruktur kaum ausreicht, das prognostizierte Verkehrswachstum zu bewältigen.
Zudem besteht nach Ansicht vieler Unternehmen in der Transportbranche eine Tendenz zu
ruinöser Konkurrenz, die den Anstieg der Preise verhindert und somit den Substanzerhalt in
der Transportbranche gefährdet. Schließlich sinkt die Zahlungsmoral im Logistikbereich und
die hohen Sicherheitsanforderungen der Banken führen zu einer Kreditklemme bei
Logistikinvestitionen.

Insgesamt gewinnt das Risikomanagement an Bedeutung, zumal die Risiken in einer immer
weniger stabilen Welt zunehmen, was sich zunehmend auch in der Logistikbranche
bemerkbar macht. Viele Unternehmen haben jedoch schon ein umfassendes
Risikomanagement aufgebaut. Zentral ist es dabei, die Risiken zu identifizieren, um darauf
aufbauend konkrete Maßnahmen zur Risikobewältigung einzuleiten.


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