Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge - Bedeutung für die Elektromobilität VDI/VDE-Studie Mai 2019

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Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge - Bedeutung für die Elektromobilität VDI/VDE-Studie Mai 2019
Brennstoffzellen- und
Batteriefahrzeuge

Bedeutung für die Elektromobilität

VDI/VDE-Studie
Mai 2019

                                     © shutterstock/Hadrian
Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge - Bedeutung für die Elektromobilität VDI/VDE-Studie Mai 2019
Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge - Bedeutung für die Elektromobilität VDI/VDE-Studie Mai 2019
Vorwort
Die Elektromobilität stellt zweifelsohne einen wichti-   Eine sachgerechte Diskussion erfordert zudem die
gen Beitrag zum Klimaschutz und zur Nutzung erneu-       Berücksichtigung aller Einflussgrößen. Neben den
erbarer Energien im Verkehrssektor dar. Die derzeit in   speziellen Nutzerinteressen, insbesondere der Wirt-
Politik, Medien und Öffentlichkeit geführte Diskussi-    schaft mit ihren speziellen Anforderungen und der
on zur zukünftigen Elektromobilität lässt jedoch aus     Stärkung des Standorts Deutschland, zählen hierzu
Sicht der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt            auch Aussagen zu den systemtechnischen Aspekten.
(VDI-GEU) und der VDI-Gesellschaft Fahrzeugtech-         Gleichfalls sind die verfügbaren Rohstoffe zu bewer-
nik (VDI-FVT) sowie der Energietechnischen Gesell-       ten sowie die ökologischen Konsequenzen zu berück-
schaft im VDE (VDE/ETG) eine Ausgewogenheit in           sichtigen. In diesem Zusammenhang ist auch der
Bezug auf die Eigenschaften der einzelnen Systeme        technische und wirtschaftliche Aufwand für Herstel-
vermissen. Der Schwerpunkt der Diskussion kon-           lung und Betrieb der neuen Infrastrukturen zu thema-
zentriert sich vorrangig auf Anwendungen von Batte-      tisieren.
riefahrzeugen.
                                                         VDI-GEU, VDI-FVT und VDE/ETG haben im Rah-
Aktuell unterstützt die Bundesregierung die Elektro-     men einer interdisziplinären Arbeitsgruppe aus Hoch-
mobilität mit Kaufprämien und dem Aufbau einer           schulen, Forschungseinrichtungen und Industrie ver-
Ladeinfrastruktur. So sollen gemäß Koalitionsvertrag     sucht, den derzeitigen Entwicklungstand von Brenn-
bis 2020 mindestens 100.000 Ladepunkte für Elektro-      stoffzellenfahrzeugen (FCEV) und batterie-
fahrzeuge zusätzlich verfügbar gemacht und die Er-       elektrischen Fahrzeugen (BEV) darzustellen. Durch
richtung von privaten Ladesäulen gefördert werden.       Einbindung von vielfältigem Sachverstand sollen
In Bezug auf Wasserstoff und Brennstoffzellen sieht      relevante technische, ökologische und ökonomische
der Koalitionsvertrag derzeit nur eine Förderung der     Aspekte beider Technologien angemessen bewertet
Sektorenkopplung sowie eine Anpassung des regula-        werden.
tiven Rahmens zur Einführung von „grünem Wasser-
stoff“ vor.                                              Die Analysen konzentrieren sich vorrangig auf den
                                                         Pkw-Bereich; der Lkw-Sektor bleibt trotz seiner ener-
Es ist die Auffassung von VDI-GEU, VDI-FVT und           gie- und klimapolitischen Relevanz ausgespart genau-
VDE/ETG, dass die brennstoffzellenbasierte Elektro-      so wie andere Optionen, z. B. synthetische Kraftstof-
mobilität ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Redu-    fe.
zierung der Emissionen von Treibhausgasen leisten
kann. Dies ist auch die Einschätzung der Bahnbetrei-     Ziel dieser Studie ist ein möglichst objektiver Ver-
ber und neben Kostenaspekten ein gewichtiger Grund       gleich der Vor- und Nachteile, um Vertretern aus
für deren Entscheidung, neben Batteriezügen auch in      Politik, Medien und interessierter Öffentlichkeit die
Brennstoffzellenzüge zu investieren.                     Möglichkeit zu geben, sich ausgewogen zu informie-
                                                         ren.

Düsseldorf im Mai 2019

Dipl.-Ing. Martin Pokojski
Vorsitzender des VDI/VDE-Fachausschusses
„Wasserstoff und Brennstoffzellen“

                                                                                                  www.vdi.de
Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge - Bedeutung für die Elektromobilität VDI/VDE-Studie Mai 2019
Autoren
             An dieser Studie haben folgende Personen aus den Arbeitskreisen der VDI-GEU und VDI-FVT sowie der VDE/ETG
             mitgearbeitet:

             Frank Belmer, Shell New Energies, Hydrogen Operations Coordinator Europe, Hamburg

             Dr.-Ing. Boris Bensmann, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Institut für Elektrische Energiesysteme
             (IfES)

             Torsten Brandt, Siemens AG, Process Industries and Drives Division, Erlangen

             Dr. Carsten Cremers, Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT, Pfinztal

             Monika Derflinger, Ford Research & Innovation Center Aachen, Aachen

             Prof. Richard Hanke-Rauschenbach, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Institut für Elektrische Ener-
             giesysteme (IfES)

             Dr.-Ing. Thomas Grube, Institut für Elektrochemische Verfahrenstechnik (IEK-3), Forschungszentrum Jülich GmbH,
             Jülich

             Prof. Dr. Angelika Heinzel, ZBT GmbH – Zentrum für BrennstoffzellenTechnik, Duisburg

             Dipl.-Ing. Willi Horenkamp, Technische Universität Dortmund, Institut für Energiesysteme, Energieeffizienz und
             Energiewirtschaft, Dortmund

             Dipl.-Ing (FH) Thomas Jungmann, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Abteilung Brennstoffzellen-
             systeme, Freiburg

             Stefan Kaimer, Ford Research & Innovation Center Aachen, Aachen

             Paul Karzel, Shell Hydrogen Operations, Hamburg

             Dr. Martin Kleimaier, Essen

             Dr. Philipp Lettenmeier, Siemens AG, Hydrogen Solution, Erlangen

             Dipl.-Ing. Martin Pokojski, Inecs GmbH, Berlin

             Dr. Gerd Sandstede, Frankfurt am Main

             Dr. sc. ETH Zürich Michel Suermann, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Institut für Elektrische
             Energiesysteme (IfES)

             Prof. Dr.-Ing. Thomas von Unwerth, Fakultät Maschinenbau Technische Universität Chemnitz, Chemnitz

             Erik Wolf, Siemens AG, Hydrogen Solutions, Erlangen

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Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge - Bedeutung für die Elektromobilität VDI/VDE-Studie Mai 2019
VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge    3

Inhalt
Abkürzungen                                                                                      4
Kernaussagen                                                                                      6
Handlungsempfehlungen                                                                             8
Zusammenfassung                                                                                   9
1    Einführung                                                                                  12
2    Marktentwicklung von Brennstoffzellenfahrzeugen                                             13
     2.1    Anwendungspotenziale                                                                 13
     2.2    Absatzentwicklung                                                                    13
3    Bewertungskriterien der Elektromobilität-Technologien                                       15
4    Elektromobilität – Kernaussagen und Argumente                                               16
     4.1    Politische Zielstellungen                                                            16
     4.2    Tanken und Reichweite                                                                19
     4.3    Infrastruktur                                                                        30
     4.4 Energiebeschaffung                                                                      36
     4.5    Kritische Rohstoffe                                                                  40
     4.6    Kosten Pkw (TCO)                                                                     43
5    Forschungsbedarf                                                                            46
Literatur                                                                                        47

                                                                                       www.vdi.de
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4   VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge

             Abkürzungen
             AC             Alternating Current (Wechselstrom)

             BEV            Battery Electric Vehicle (Batterieelektrisches Fahrzeug)

             CEP            Clean Energy Partnership

             CAPEX          Capital Expenditures (Investitionsausgaben)

             CGH2           Compressed Gaseous Hydrogen (Druckwasserstoff gasförmig)

             CNG            Compressed Natural Gas

             CO2            Kohlendioxid

             DC             Direct Current (Gleichstrom)

             U.S. DOE       United States Department of Energy

             EE             Erneuerbare Energie

             EEG            Erneuerbare Energien Gesetz

             EPA            Environmental Protection Agency

             FCEV           Fuel Cell Electric Vehicle (Brennstoffzellenfahrzeug)

             FCH-JU         Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking

             H2             Wasserstoff

             HEV            Hybrid Electric Vehicles (Hybrid-Elektrofahrzeuge)

             ICE            Internal Combustion Engine (Verbrennungskraftmaschine)

             IKT            Informations- und Kommunikationstechnologie

             LCA            Life Cycle Assessment (Lebenszyklusanalyse)

             LH2            Liquid Hydrogen (Flüssig-Wasserstoff)

             LPG            Liquied Petroleum Gas (Flüssiggas)

             MEA            Membrane Electrode Assembly (Membran-Elektroden-Anordnung)

             METI           Ministry of Economy, Trade and Industry (Japan)

             MKS            Mobilitäts-/Kraftstoffstrategie

             MSRP           Manufacturer's Suggested Retail Price

             NFZ            Nutzfahrzeuge

             PGM            Platinum Group Metals

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VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge   5

PHEV     Plug-in Hybrid Electric Vehicles (Plug-in-Hybridfahrzeuge)

RED II   Renewable Energy Directive

REEV     Range Extended Electric Vehicles (Elektrische Fahrzeuge mit Reichweitenverlän-
         gerung)

SOC      State of Charge (Batteriekapazität)

TCO      Total Cost of Ownership (Gesamtkosten des Betriebs)

TRL      Technology Readiness Level (Technologiereifegrad)

TWh      Terrawattstunde

WACC     Weighted Average Cost of Capital (Gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten)

ZEV      Zero Emisssion Vehicle (Null-Emissions-Fahrzeug)

                                                                                 www.vdi.de
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6   VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge

             Kernaussagen
             Politische Zielstellungen                                  BEV, von einem sukzessiven Ausbau der
                                                                        Erzeugungs- und Transportsysteme auszugehen.
                Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEV) und
                                                                        Durch die Vor-Ort-Speicherung von großen
                Batteriefahrzeuge (BEV) sind lokal emissionsfrei.
                                                                        Mengen Wasserstoff an der Tankstelle sind
                Darüber hinaus haben sie das Potenzial, die
                                                                        Nachfragespitzen mit Vollauslastung der
                politischen Zielsetzungen der Bundesregierung in
                                                                        Tankstelle unproblematisch.
                Bezug auf die Senkung der CO2-Emissionen zu
                unterstützen, wenn regenerativer Strom zum              Bei geringer Marktdurchdringung sind die Infra-
                Einsatz kommt.                                          strukturinvestitionen für BEV geringer. Bei einer
                                                                        hohen Marktdurchdringung ist je nach Annahmen
                Die Elektromobilität fördert den Einsatz erneuer-
                                                                        von geringeren Kosten für die H2-Infrastruktur
                barer Energien im Verkehr und unterstützt die
                                                                        auszugehen.
                Bemühungen zur Sektorenkopplung.
                                                                        Der H2-Transport erfolgt in der Regel mit Lkw.
                Mit der Herstellung von Brennstoffzellen und
                                                                        Für die Zukunft bietet es sich bei einer größeren
                Brennstoffzellensystemen inklusive zugehöriger
                                                                        Nachfrage an, vorhandene Erdgasleitungen durch
                Komponenten könnte die Wertschöpfung in
                                                                        Umrüstung für den exklusiven H2-Transport zu
                Deutschland gesteigert werden.
                                                                        nutzen.

                                                                        Die Bereitstellung von Flüssigwasserstoff (LH2)
             Tanken und Reichweite                                      führt zu technisch einfacheren Tankstellen, da die
                                                                        aufwendige Gasverdichtung, Vorkühlung und
                Wasserstoff erlaubt schnelles Tanken bei                Qualitätsanalysen entfallen können. Die beförder-
                weltweit einheitlichen Tanksystemen.                    te H2-Menge in einem Trailer lässt sich auf 4 t
                                                                        (Faktor 3 bis 3,5 im Vergleich zu druckförmigen
                Die Wasserstoffvollbetankung von FCEV ist mit           Gastransport) steigern.
                3 min bis 5 min vergleichbar mit der heutigen
                Fahrzeugbetankung. Auch bei Einsatz von
                Schnellladestationen dauert das Nachladen von
                                                                     Energiebeschaffung
                BEV ca. 20 min bei einer Begrenzung der La-
                dung auf 80 % der Batteriekapazität (SOC).
                                                                        Die Wasserstoffbeschaffung ist von der Markt-
                FCEV verfügen nach aktuellem                            einführung über den Markthochlauf bis hin zum
                Entwicklungsstand gegenüber BEV über eine               Massenmarkt generell als unkritisch hinsichtlich
                größere Reichweite bei gleichzeitig größerer            Verfügbarkeit und Kosten (dieseläquivalenter
                Nutzlast und ermöglichen das Heizen im Winter           Preisbereich) einzuschätzen. Dennoch ist derzeit
                ohne signifikante Reichweitenreduzierung.               in Deutschland die Versorgung von Tankstellen
                                                                        mit grünem Wasserstoff sowohl in ausreichender
                Batteriefahrzeuge nutzen derzeit die eingesetzte        Menge als auch zu angemessenen Marktpreisen
                Primärenergie mindestens um etwa den Faktor 2           mit Problemen verbunden und benötigt deshalb
                effizienter als Brennstoffzellenfahrzeuge. Die          einen weiteren Ausbau von Erzeugungskapazität
                Speicherwirkung von Wasserstoff und der damit           für grünen Wasserstoff.
                möglicherweise deutlich geringeren Abregelung
                von Stromquellen aus erneuerbaren Energien              Wasserstoff entwickelt sich zu einem globalen
                wird dabei nicht berücksichtigt.                        Handelsgut. Durch Bezug des Energieträgers aus
                                                                        Ländern mit günstigen Stromkosten lassen sich
                                                                        die H2-Beschaffungskosten verringern.
             Infrastruktur                                              Wasserstoff als chemischer Energieträger lässt
                                                                        sich ohne Verluste längerfristig speichern. In
                Durch Nutzung von großtechnisch produziertem            Verbindung mit geeigneten Speichersystemen
                Wasserstoff und Erweiterung bestehender                 (z. B. Kavernen) ist eine Entkopplung von Erzeu-
                Tankstellenanlagen ist eine schnelle Anpassung          gung und Nachfrage möglich. Hierzu zählt auch
                der Wasserstoff-Infrastruktur möglich. Mittel- bis      eine saisonale Speicherung sowie die Schaffung
                langfristig ist, wie bei der Ladeinfrastruktur für

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Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge - Bedeutung für die Elektromobilität VDI/VDE-Studie Mai 2019
VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge             7

   strategischer Reserven, vergleichbar mit den            Kosten
   heutigen fossilen Bevorratungen.
                                                               Die Kosten für die Nutzung von BEV und FCEV
   In Zukunft sollte sich mit Elektrolyseuren und              werden derzeit von den Anschaffungskosten
   Nutzung des steigenden Stromangebots aus                    dominiert.
   erneuerbaren Energien eine weitgehend
   emissionsfreie sowie wirtschaftlich konkurrenz-             Die Serienfertigung von Batteriesystemen ist
   fähige Wasserstofferzeugung realisieren lassen.             weiter fortgeschritten als die von Brennstoff-
                                                               zellen. Entsprechend ist die Kostenreduktion bei
   Der Einsatz von Elektrolyseuren, aber auch                  Batterien aktuell deutlich ausgeprägter als bei
   FCEV und BEV, bietet das Potenzial zur Opti-                Brennstoffzellensystemen.
   mierung der Stromversorgung. Durch gezielten
   Einsatz der Systeme ist ein netzdienlicher Betrieb          Bei höheren Energie- bzw. Reichweitenanforde-
   möglich. Des Weiteren kann die Abwärme der                  rungen ergeben sich Kostenvorteile für das FCEV
   Elektrolyse in Wärmesysteme integriert und der              gegenüber dem BEV. Mit der Aufnahme der
   Sauerstoff technisch genutzt werden.                        Serienfertigung verstärkt sich dieser Effekt.

   Wasserstoff lässt sich in unterschiedlichen
   Bereichen (Strom, Wärme, Verkehr und Indus-
                                                           Sozioökonomische Faktoren
   trie) verwenden. Wasserstoff bietet damit
   Potenzial für die von der Politik gewünschte
                                                               Brennstoffzellenfahrzeuge enthalten einen Teil an
   Sektorenkopplung.
                                                               Komponenten, die vom konventionellen Ver-
                                                               brennungsmotor bekannt sind; sie können über-
                                                               nommen oder adaptiert werden. Damit ergeben
Kritische Rohstoffe                                            sich neue Geschäftsfelder, Arbeitsplätze entste-
                                                               hen.
   Eine Diversifizierung der (Elektromobilitäts-)
   Technologien reduziert das Risiko von                       Brennstoffzellenfahrzeuge werden auch in Zu-
   Rohstoffverknappungen.                                      kunft mit (kleinen) Batterien hybridisiert sein.
                                                               Die Entwicklungen im Batteriebereich kommen
   Als kritische Rohstoffe gelten bei der Batterie             damit auch dem FCEV in Hinsicht auf Serienfer-
   Lithium, Nickel, Kobalt und bei der Brennstoff-             tigung und Kosten zugute.
   zelle Platin mit abnehmender Tendenz. Die För-
   derkapazitäten dieser Rohstoffe müssen ausge-
   baut werden, bevorzugt durch Steigerung der Re-
   cyclingrate.

                                                                                                    www.vdi.de
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8   VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge

             Handlungsempfehlungen
             Die Brennstoffzellentechnologie kann wie die Batte-     eine sichere Energieversorgung: Dies trägt zur
             rietechnologie bei Nutzung erneuerbarer Energien        Planungssicherheit der Industrie bei und zieht zu-
             einen nachhaltigen Beitrag zur Erreichung der politi-   sätzliche Investitionen nach sich.
             schen Ziele im Verkehrsbereich leisten. Die sich er-
             gänzenden Technologien ermöglichen die Substitution     Umstellung auf Elektromobilität: Zur Unterstüt-
             von konventionellen Verbrennern ohne Komfortein-        zung des Markthochlaufs empfiehlt sich die Um-
             schränkungen. Mittel- bis langfristig können sie dazu   stellung der Fahrzeugflotten im privaten wie öf-
             beitragen, die volkswirtschaftlichen Kosten der Mobi-   fentlichen Bereich.
             lität im Vergleich zum Status quo zu senken. Voraus-
             setzung ist die Schaffung der erforderlichen Rahmen-    Begleitende Forschung zum Markthochlauf:
             bedingungen. Hierzu zählen:                             Sowohl für Batterien als auch Brennstoffzellen
                                                                     herrscht im Vergleich zu herkömmlichen Ver-
                 Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur für den         brennern Forschungsbedarf in den Bereichen Ne-
                 öffentlichen Personen- und Güterverkehr: Der öf-    bensysteme, Lebensdauer bzw. Degradationsver-
                 fentliche Nahverkehr stellt einen Schlüsselsektor   halten im Realbetrieb sowie Lebenszyklusanaly-
                 zur Einführung von innovativen Verkehrssyste-       sen.
                 men dar und liefert einen entscheidenden Beitrag
                 zur angestrebten Luftreinhaltung. Die hierbei ge-   Wertschöpfung in Deutschland: Ein großer Anteil
                 schaffene Infrastruktur beschleunigt den Markt-     der Wertschöpfung für Batterien liegt heute nicht
                 hochlauf im Individualverkehr, da sie der Ein-      in Europa, die Batteriezellenproduktion findet
                 satzfähigkeit von Elektrofahrzeugen zugute-         überwiegend in Asien statt. Zur Unterstützung
                 kommt.                                              der Wettbewerbsfähigkeit sollte die Politik durch
                                                                     Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen den
                 Realisierung der geplanten 400 Wasserstofftank-     Aufbau von Produktionseinrichtungen/Arbeits-
                 stellen: Das bestehende Tankstellennetz ist für     plätzen für Brennstoffzellen und Batterien in
                 einige Anwendungen ausreichend. Jedoch erst bei     Deutschland unterstützen.
                 Vorhandensein einer ausreichenden Infrastruktur
                 sind aus Sicht des Privatkunden die Vorausset-      Serienproduktion von Komponenten elektrischer
                 zungen gegeben, um Wasserstofffahrzeuge ohne        Antriebssysteme: Im Bereich Elektromotor und
                 Einschränkungen zu nutzen.                          Batterien haben serientaugliche Herstellprozesse
                                                                     Einzug gehalten. Für Brennstoffzellen, -kompo-
                 Überprüfung der Regularien zur schnelleren          nenten und Wasserstoffspeicher muss weiter an
                 Realisierung von Tankstellen: Die Realisierung      solchen gearbeitet werden, auch um die erforder-
                 von Wasserstofftankstellen ist mit diversen Auf-    liche Kostendegression zu erreichen.
                 lagen verbunden, die die Umsetzung verzögern.
                 Zur Beschleunigung des Genehmigungsprozesses        Rahmenbedingungen für Elektromobiltät: Es sind
                 sind bundesweit einheitliche standardisierte Ver-   diskriminierungsfreie politische Rahmenbedin-
                 fahren unter Beibehaltung der entwickelten hohen    gungen zu schaffen. Die Anrechenbarkeit nach
                 Sicherheitsstandards einzuführen. Die Notwen-       RED II (Vorgabe des Europäischen Parlaments)
                 digkeit der Genehmigung nach BImschG bei Ein-       ist für FCEV und BEV gleichzustellen.
                 satz von Elektrolyseuren ist zu überprüfen und
                                                                     Kosten der Energiebeschaffung: Die Kosten der
                 sinnvolle Ausnahmen sind zu definieren.
                                                                     Elektromobilitiät durch EEG-Umlagen, Netz-
                 Einbeziehung des Energieträgers Wasserstoff in      entgelte sowie Steuern sind zu überprüfen.
                 die sektorenübergreifende Langzeitstrategie für

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VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge          9

Zusammenfassung
Politik                                                     lässt sich allein über die Vergrößerung des Tanks
                                                            erreichen. Der Gewichtszuwachs ist gering. Dies gilt
Die führenden Industrienationen unterstützen die            es bei der Anwendung der Fahrzeuge zu berücksichti-
Einführung der Elektromobilität. Für Europa insbe-          gen. BEV besitzen heute Vorteile im Kurzstreckenbe-
sondere forciert die Europäische Kommission mit             reich, während sich FCEV insbesondere im Nutzlast-
ihren Klimazielen die Verringerung der Emissionen           und Langstreckenverkehr empfehlen.
von Treibhausgasen im Verkehrsbereich.
                                                            Bei konventionellen Fahrzeugen erfolgt die Behei-
Die deutsche Regierung unterstützt die Elektromobili-       zung der Fahrgastzelle durch Nutzung der Motoren-
tät mit Kaufprämien und dem Ausbau einer Ladein-            abwärme. Bei FCEV reicht die Brennstoffzellenab-
frastruktur. In Bezug auf Wasserstoff und Brennstoff-       wärme im Allgemeinen aus. Im Unterschied hierzu ist
zellen sieht der Koalitionsvertrag eine Förderung der       bei BEV eine Beheizung nur über die Batterie mög-
Sektorenkopplung sowie eine Anpassung des regula-           lich. Dies kann bei niedrigen Umgebungstemperatu-
tiven Rahmens zur Einführung von „grünem Wasser-            ren die Reichweite deutlich verringern.
stoff“ vor.
                                                            Die Umwandlung des Wasserstoffs in der Brennstoff-
Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEV) und Batteriefahr-          zelle in elektrische Energie ist mit Wirkungsgradver-
zeuge (BEV) können bei Nutzung erneuerbarer Ener-           lusten verbunden. FCEV weisen deshalb im Vergleich
gien gleichermaßen Beiträge zur Unterstützung der           zu BEV eine deutlich geringere Effizienz auf. Im
umweltpolitischen Ziele leisten. Brennstoffzel-             Vergleich zu einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor
lenelektrische Antriebe bieten darüber hinaus für           besitzt ein FCEV jedoch vor allem im Teillastbereich,
Deutschland und Europa das Potenzial, einen hohen           dem überwiegenden Betriebsbereich der Pkw, einen
Anteil der Wertschöpfung darzustellen.                      wesentlich höheren Wirkungsgrad.

                                                            Die Energiebilanz von FCEV lässt sich abhängig von
                                                            der Nutzung mittels zusätzlicher Batterien (plug-in)
Tanken und Reichweite
                                                            verbessern. Hierbei erfolgt eine Ladung der Batterie
                                                            sowohl über das Netz als auch während der Fahrt über
Tankverhalten und Tankdauer von FCEV sind mit
                                                            die Brennstoffzelle oder während der Rekuperation
dem konventioneller Fahrzeuge auf Mineralöl- und
                                                            der Bremsenergie, sodass die Vorteile beider Systeme
Erdgasbasis vergleichbar. Der Tankvorgang liegt bei
                                                            (BEV und FCEV) zum Tragen kommen.
3 min bis 5 min und entspricht dem eines konventio-
nellen – mit Flüssigkraftstoff auf Mineralölbasis be-
triebenen – Fahrzeugs. Zum Vergleich hierzu beträgt
die Ladezeit bei BEV für eine Vollladung abhängig           Infrastruktur
von der Ladeleistung bis zu mehreren Stunden. Mit-
tels Schnelladestationen ist eine Ladezeit (bei einer       BEV- und FCEV-Infrastrukturen stellen wichtige
Begrenzung auf 80 % der Batteriekapazität (SOC))            Bausteine für den Verkehrsbereich dar. Sie bieten die
von ca. 20 min erreichbar.                                  Möglichkeit, klimaverträgliche, saubere und erneuer-
                                                            bare Verkehrskonzepte zu realisieren.
Die mechanische Schnittstelle zwischen Fahrzeug und
Zapfsäule sowie der Betankungsprozess sind beim             Vorteilhaft in Bezug auf Wasserstoff ist die leichtere
Tanken von Wasserstoff weltweit einheitlich. Im             Umsetzung, da vorhandene Strukturen genutzt werden
Gegensatz dazu gibt es für das Laden von BEV unter-         können. Bestehende Tankstellen lassen sich entspre-
schiedliche Stecksysteme und Ladeleistungen. Des            chend erweitern.
Weiteren ist die Anpassung der Netzinfrastruktur eine
                                                            Die Verweildauer von FCEV am Ort der Betankung
wesentliche Voraussetzung für die Installation von
                                                            ist vergleichbar mit dem heutigen Standard für Benzin
DC-Schnellladestationen.
                                                            oder Diesel bzw. LPG/CNG (Flüssigwasserstoff/
Bei BEV korreliert die Leistung der Batterie mit der        komprimiertes Erdgas). Entsprechend erfolgt die
Kapazität. Mit zunehmender Reichweite, das heißt            Kapazitätsauslegung von Wasserstofftankstellen in
zunehmender Kapazität, erhöhen sich auch die Leis-          einem zu heutigen Tankstellen vergleichbaren Vorge-
tung und das Gewicht der Batterie. Demgegenüber             hen. An einer Tanksäule können also in einer gewis-
sind bei FCEV Energiewandlung und -speicherung,             sen Zeitdauer viele Fahrzeuge nacheinander tanken.
und damit Leistung und Kapazität, entkoppelt. Eine          Zum Vergleich hierzu wird bei BEV eine Vielzahl
Vergrößerung der Reichweite, das heißt Kapazität,           von Ladesäulen benötigt, um das gleichzeitige Laden

                                                                                                     www.vdi.de
10   VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge

             einer vergleichbaren Anzahl von Fahrzeugen während       Eine Szenarienanalyse des Forschungszentrums Jülich
             dieser Zeitdauer zu ermöglichen. Dies gilt auch bei      und der RWTH Aachen zum Infrastrukturbedarf von
             Einsatz von DC-Schnellladesäulen. Sie verkürzen          BEV und FCEV zeigt, dass für große Fahrzeugflotten
             zwar die Ladezeiten, dennoch ist auch hier im Ver-       von 20 Mio. Pkw die Investitionen in ein H2-Versor-
             gleich zu FCEV von 3-mal bis 5-mal längeren Lade-        gungssystem geringer ausfallen als für eine Batterie-
             zeiten bei einer Begrenzung auf 80 % der Batterieka-     ladeinfrastruktur; die spezifischen Kosten je gefahre-
             pazität auszugehen. Deshalb ist eine entsprechend        nen Kilometer sind hingegen vergleichbar. Die Inves-
             größere Zahl an Stellplätzen mit Ladeeinrichtungen       tition für die H2-Versorgung berücksichtigt hierbei
             vorzusehen, um die gleiche Betankungskapazität zu        neben den Tankstellen und Logistikkomponenten
             erreichen. Dies gilt insbesondere für Lademöglichkei-    auch saisonale Speicher mit einer Gesamtkapazität
             ten entlang der Autobahnen. Zusätzlich kann aufgrund     von 60 Tagesverbräuchen. Als Speicheroption für den
             des in diesem Fall nicht steuerbaren Ladens ein Netz-    Wasserstoff bieten sich Salzkavernen an, mit deren
             ausbau in den vorgelagerten Netzebenen erforderlich      Hilfe die Speicherung großer Mengen (einige
             sein.                                                    10 TWh) an erneuerbaren Energien besonders kosten-
                                                                      günstig darstellbar ist. Die Investition für das Laden
             Der Platzbedarf von Wasserstoffzapfsäulen weicht         von Batteriefahrzeugen umfasst die Kosten der Lade-
             nicht wesentlich von dem heutiger Benzin- und Die-       säulen sowie des Netzausbaubedarfs in Verteilnetzen.
             selzapfsäulen ab. Je nach Anlieferungskonzept ist        Ein eventuell notwendiger Netzausbau im Übertra-
             jedoch von einem erhöhten Platzbedarf für den erfor-     gungsnetz sowie saisonale Speicher sind dabei bislang
             derlichen H2-Speicher am Tankstellenort auszugehen.      nicht berücksichtigt worden. Ein Vergleich sollte
                                                                      jedoch auch für BEV den Aufwand für einen Lang-
             Das Tanken ist wie bisher als eigenständiger Vorgang     zeitspeicher für erneuerbare Energien berücksichti-
             zu betrachten, die Tankstellen müssen hierzu angefah-    gen.
             ren werden. Dies kann, insbesondere in der Einfüh-
             rungsphase von Wasserstofftankstellen, mit längeren
             Anfahrtstrecken verbunden sein.
                                                                      Energiebeschaffung
             Der Transport von H2 erfolgt in der Regel mit Lkw.
             Für die Zukunft bietet es sich bei einer größeren        Die Wasserstoffbeschaffung ist in jeder Phase der
             Nachfrage an, vorhandene Erdgasleitungen durch           Markteinführung als unkritisch hinsichtlich Verfüg-
             Umrüstung für den H2-Transport zu nutzen.                barkeit und Kosten einzuschätzen. Während kurzfris-
                                                                      tig vor allem Nebenprodukt-Wasserstoff aus Indust-
             Analysen zum Nutzerverhalten von BEV zeigen, dass        rieprozessen sowie Wasserstoff aus der Methan-
             BEV überwiegend zu Hause und am Arbeitsplatz             dampfreformierung zur Verfügung gestellt werden
             geladen werden. Dennoch werden auch für BEV-             kann, sollten mittel- bis langfristig nach Möglichkeit
             Nutzer ohne eigene Garage Lösungen benötigt, die         nur erneuerbare Primärenergien zur H2-Produktion
             das Nachladen sicherstellen. Hierzu zählen unter         eingesetzt werden.
             anderem öffentliche Ladesäulen. In der Diskussion ist
             derzeit auch das sogenannte „Laternenladen“.             Wasserstoff entwickelt sich zu einem globalen Han-
                                                                      delsgut. Untersuchungen zu einer weltweit angelegten
             Beim Übernachtladen kann bei einem gesteuerten           H2-Logistik zeigen zudem, dass Wasserstoff in Regi-
             Laden von einer Reduzierung des Ausbaubedarfs an         onen mit besonders hohem Aufkommen an erneuerba-
             Netzkapazität gegenüber dem ungesteuerten Ladevor-       ren Energien kostengünstig produziert und beispiels-
             gang ausgegangen werden. Die Umsetzung dieses            weise per Schiff zu den Verbrauchszentren transpor-
             Konzepts ist jedoch in hohem Maße von für Batterie-      tiert werden kann.
             fahrzeuge reservierten Stellplätzen abhängig, da diese
             mit unterschiedlich hohem Aufwand mit Lademög-           Unter Einbeziehung der erforderlichen Infrastruktur-
             lichkeiten ausgestattet werden müssen.                   komponenten lässt sich nachweisen, dass die H2-
                                                                      Kosten an der Tankstelle gegenüber heutigen Kraft-
             Die Infrastrukturinvestitionen für BEV sind bei einer    stoffkosten wettbewerbsfähig sind (jeweils ohne Steu-
             geringen Marktdurchdringung geringer als für FCEV.       ern und Abgaben). Im Vergleich mit Batteriefahrzeu-
             Bei einer größeren Marktdurchdringung ist von gerin-     gen ist aber zu berücksichtigen, dass in dem Strom-
             geren Investitionen für die H2-Infrastruktur auszuge-    preis für Batteriefahrzeuge Abgaben und Steuern ent-
             hen. Eine Mischung beider Systeme – BEV für die          halten sind, was gegenüber wasserstoffversorgten
             kürzeren Strecken und FCEV für die Langstrecke –         Fahrzeugen eine Benachteiligung darstellt.
             könnte ein Kostenoptimum ergeben. Dies zu belegen,
             erfordert jedoch noch detaillierte weiterführende Stu-   Wasserstoff als chemischer Energieträger lässt sich
             dien.                                                    ohne Verluste kostengünstig längerfristig speichern,
                                                                      hat jedoch höhere Umwandlungsverluste. In Verbin-
                                                                      dung mit geeigneten Speichersystemen (z. B. Kaver-

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nen) ist eine Entkopplung von Erzeugung und Bedarf          prognostizierte Elektromobilität bis zum Jahr 2050
bis hin zur saisonalen Speicherung möglich.                 und unter Einbeziehung aller weiteren Anwendungen
                                                            nicht ausreichen, jedoch aber deren Rohstoffressour-
Wasserstoff bietet die Möglichkeit, in unterschiedli-       cen. Daher sind Preissteigerungen und temporäre
chen Bereichen (Strom, Wärme, Verkehr und Indust-           Verknappungen durchaus vorstellbar, sofern nicht in
rie) zum Einsatz zu kommen. Der Energieträger bietet        gleichem Maße neue Bergwerk- und Recyclingkapa-
damit das Potenzial für die von der Politik gewünsch-       zitäten geschaffen werden. Dagegen sind absolute
te Sektorenkopplung.                                        Verknappungen eher unwahrscheinlich, da üblicher-
                                                            weise entweder zuvor neue Rohstoffvorkommen ge-
Der Einsatz von Elektrolyseuren zur Wasserstoffer-          sichtet und erschlossen oder Rohstoffsubstitutionen
zeugung ermöglicht eine emissionsfreie Energiebe-           eingeleitet werden. So gibt es bereits erste erfolgrei-
reitstellung, sofern diese mit Erneuerbaren-Energien-       che Entwicklungen, diese kritischen Rohstoffe deut-
Strom betrieben werden. Ein wirtschaftlich konkur-          lich effizienter zu nutzen oder sogar komplett zu sub-
renzfähiger Einsatz setzt aber günstige Strompreise         stituieren.
voraus.

Elektrolyseure für die Versorgung von FCEV und
BEV bieten das Potenzial zur Optimierung der Strom-         Kosten
versorgung. Durch gezielten Einsatz der Systeme ist
ein netzdienlicher Betrieb möglich.                         Die Kosten für die Nutzung von BEV und FCEV
                                                            werden derzeit von den Anschaffungskosten
                                                            dominiert. Da die Kostenreduktion durch Serienfer-
                                                            tigung für Batteriesysteme weiter fortgeschritten ist
Kritische Rohstoffe
                                                            als für Brennstoffzellensysteme, sind diese aufgrund
                                                            der späteren Markteinführung zurzeit wirtschaftlich
Im Bereich „Elektromobilität“ gelten Lithium, Nickel
                                                            benachteiligt.
und Kobalt für die Batterie und Platin für die Brenn-
stoffzelle sowie Seltenerdmetalle für den Elektromo-        Mit Aufnahme der Serienfertigung auch bei Brenn-
tor als sogenannte kritische Rohstoffe.                     stoffzellensystemen sind für Fahrzeuge mit höheren
                                                            Energie- bzw. Reichweitenanforderungen bei der
Zur Vermeidung von Rohstoffverknappungen oder
                                                            Anschaffung Kostenvorteile für das Brennstoffzellen-
Preissteigerungen müssen die Förderkapazitäten aller
                                                            fahrzeug zu erwarten. Größere FCEV-Fahrzeuge wie
genannten kritischen Rohstoffe erhöht werden, insbe-
                                                            SUVs sollten hierbei anfangs Kostenvorteile haben,
sondere die für Lithium und Kobalt. Dies erfolgt bes-
                                                            da vergleichbare BEV entsprechend große Batterien
tenfalls in Form einer gesteigerten Recyclingrate, die
                                                            benötigen. Bei kleineren Fahrzeugen ist von einer
besonders für Lithium de facto im technischen Maß-
                                                            etwas späteren Kostenparität auszugehen.
stab noch nicht existiert.

Auch würde ein verstärktes Recycling insbesondere
das Risiko von strukturellen Verknappungen mindern,         Offene Punkte
die vor allem bei Sekundärmetallen auftreten können,
da deren Minenproduktionsmenge nur vom Primär-              Die Analysen im Rahmen dieser Studie zeigen, dass
metall abhängt. Dies betrifft vor allem Kobalt und          zu verschiedenen Punkten nicht ausreichende Infor-
teilweise Platin. In gleicher Weise würden monopol-         mationen vorliegen oder vorliegende Informationen
artige Strukturen in den Bereichen „Minenprodukti-          teilweise nicht konsistent sind. Dies spricht für einen
on“ und „Rohstoffreserven“, wie es sie z. B. für Sel-       weitergehenden Forschungsbedarf. Insbesondere sind
tenerdmetalle (China), für Platin (Südafrika) und für       hiervon die Themenblöcke „Nebensysteme“, „Le-
Kobalt (Kongo) gibt, abgemildert und langfristig            benszyklusanalysen“, „Lebensdauer der Systeme“
aufgebrochen.                                               sowie „Serienproduktionsprozesse für deren Kompo-
                                                            nenten“ betroffen.
Nach heutigem Stand würden, wenn überhaupt, nur
die Rohstoffreserven an Kobalt und Nickel für eine

                                                                                                       www.vdi.de
12   VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge

             1 Einführung
             Die Reduzierung der Treibhausgasemissionen ist            Bord gerade die Menge Kohlendioxid freigesetzt
             oberstes Ziel der globalen Klimapolitik. Fossile Ener-    wird, die bei der Herstellung benötigt wird, gelten
             gieträger müssen hierzu in allen Sektoren durch er-       diese Kraftstoffe als klimaneutral. Als vorteilhaft ist
             neuerbare Energien ersetzt werden. Im Verkehrssektor      hierbei zu werten, dass das vielfältig diskutierte
             sind elektrische Antriebe ein wichtiger Lösungsweg.       Reichweitenproblem, insbesondere in Verbindung mit
             Sie zeichnen sich durch die im Vergleich zum Ver-         Batteriesystemen, aufgrund der mit den heutigen
             brennungsmotor sehr hohe Effizienz aus und ermögli-       Kraftstoffen vergleichbaren Energiedichte nicht mehr
             chen den Einsatz von Strom aus Windkraft und Foto-        zur Diskussion stehen würde. Nachteilig ist jedoch der
             voltaik. Dies ist von großer Bedeutung, da der Anteil     schlechtere Wirkungsgrad der gesamten Kette durch
             der biogenen Energieträger begrenzt ist und die hier-     die zusätzlichen Wandlungsverluste bei der Herstel-
             für erforderlichen Agrarflächen mit der Nahrungsmit-      lung dieser Kraftstoffe sowie durch den schlechteren
             telherstellung im Wettbewerb stehen. Weiterhin ist        Wirkungsgrad der Verbrennungsmotoren. Außerdem
             beim Straßenverkehr die lokale Emissionsfreiheit der      bleiben die lokalen Emissionen erhalten. Darüber
             elektrischen Antriebe von großer Bedeutung. Nur so        hinaus sind die Produktionsanlagen für synthetische
             lassen sich die lokalen Emissionen – einschließlich       Kraftstoffe mit hohen Investitionen verbunden, da sie
             Lärm – nachhaltig reduzieren und die Lebensqualität       eine CO2-Bereitstellung, Wasserstoffproduktion und
             in den Ballungszentren deutlich verbessern.               Produktsynthese umfassen.

             Zur Elektromobilität zählen grundsätzlich alle Fahr-      Das Thema klimaneutrale Mobilität spielt (in naher
             zeugsysteme mit elektrischen Antriebssystemen. Sie        Zukunft) eine wichtige Rolle sowohl im Luft-, Schie-
             sind in unterschiedlicher technischer Ausprägung          nen-, Schiff- als auch Straßenverkehr. Der Straßen-
             verfügbar. Neben den derzeit intensiv diskutierten        verkehr beinhaltet hierbei die Bereiche Personen- und
             Batteriefahrzeugen, insbesondere solche mit Lithium-      Lastkraftwagen (Pkw und Lkw), Busse, Fahrräder
             Ionen-Batterien, zählen hierzu auch Systeme, die          sowie im weiteren Sinne auch Flurförderfahrzeuge
             Wasserstoff als Energieträger nutzen. Wasserstoff         und Gabelstapler.
             kann per Elektrolyse – vorzugsweise mit erneuerba-
             rem Strom – gewonnen und mittels Brennstoffzellen         Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf
             (typischerweise Niedertemperatur-Polymer-Elektro-         batterieelektrische Fahrzeuge sowie Fahrzeuge mit
             lyt-Brennstoffzellen, kurz PEMFC) an Bord der Fahr-       Brennstoffzellenantrieb. Ziel ist es aufzuzeigen, wel-
             zeuge wieder in elektrische Energie umgewandelt           che Konsequenzen aus der Nutzung der unterschiedli-
             werden. Im Unterschied zu Batteriefahrzeugen, bei         chen Technologien resultieren können. Dabei werden,
             denen die elektrische Energie in Batterien gespeichert    dem Kenntnisstand entsprechend, die Vor- und Nach-
             wird, wird bei Brennstoffzellenfahrzeugen der Was-        teile der einzelnen Entwicklungen dargestellt.
             serstoff heute üblicherweise in Druckbehältern bei
             hohen Drücken gespeichert. Diese Technik hat sich         Neben der bereits angesprochenen Möglichkeit, er-
             gegenüber früher angedachten Speichersystemen mit         neuerbare Energien nutzen zu können, ist von Rele-
             tiefkaltem flüssigem Wasserstoff oder Methanol ba-        vanz, dass sich insbesondere Elektrolyseure, mit de-
             sierten Systemen mit H2-Reformer durchgesetzt.            nen der Wasserstoff aus erneuerbarem Strom gewon-
                                                                       nen wird, für eine umfassende Systemintegration
             Parallel zu den Elektrofahrzeugen arbeitet die Öl- und    eignen. Neben der Nutzung von Strom- und Gasnet-
             Kraftfahrzeugindustrie an Systemen, die synthetische      zen zum Transport von elektrischer Energie und Was-
             Kraftstoffe – flüssig oder gasförmig – als Energieträ-    serstoff zählen hierzu auch Maßnahmen, die die Nut-
             ger für Verbrennungsmotoren nutzen. Sie dienen als        zung dieser Systeme zur Flexibilisierung des Energie-
             Ersatz der fossilen Produkte und werden über regene-      angebots als auch der Energienachfrage ermöglichen.
             rativ gewonnenen Wasserstoff sowie Kohlendioxid           Auch bietet sie die Möglichkeit, bei lokal vorhande-
             z. B. aus der Luft, biogenen Quellen oder industriellen   nem Bedarf Wärme bereitzustellen, die bei der Elekt-
             Prozessen gewonnen. Da bei der Verbrennung an             rolyse als Nebenprodukt anfällt.

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2 Marktentwicklung von
  Brennstoffzellenfahrzeugen
H2 als Energieträger und Brennstoffzellen als Ener-          Fahrstunden [9] bzw. 25.000 Fahrstunden [10] errei-
giewandler für den mobilen Bereich wurden in zahl-           chen, und bei zahlreichen Projekten konnte ein positi-
reichen Projekten untersucht, bewertet und realisiert.       ves Fazit gezogen werden: „All of these projects have
Hierbei hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass H2-       proven that fuel cell buses can operate with the same
Brennstoffzellenlösungen erhebliche Marktanteile bis         flexibility as diesel buses without compromising the
2050 erreichen können [1]. Begründet liegt dies in der       productivity of public transport“ [11]. Eine deutliche
leichten Handhabung der Fahrzeuge, der großen                Reduzierung der Anschaffungskosten ist in den letz-
Reichweite sowie der Erfüllung der technischen Her-          ten Jahren ebenso zu verzeichnen [12; 13].
ausforderungen.
                                                             Aufgrund der zahlreichen Anwendungsfälle ist es
                                                             nicht verwunderlich, dass die Bedeutung der Brenn-
2.1    Anwendungspotenziale                                  stoffzellentechnologie, insbesondere im mobilen Be-
                                                             reich in Nordamerika und Asien, deutlich wächst [14].
Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge gibt es einen          Diese Wachstumsraten werden auch zu einem Anstieg
großen Markt. So werden bereits heute beispielsweise         der Beschäftigten im Brennstoffzellenbereich führen.
im Schichtbetrieb von Logistikunternehmen
elektrisch- oder gasbetriebene Gabelstapler genutzt.
Um dort die Auslastung noch weiter zu erhöhen, wer-          2.2    Absatzentwicklung
den heutzutage bereits sehr schnell wieder zu betan-
kende Brennstoffzellen-Gabelstapler eingesetzt. So           In den letzten Jahren ist ein stark wachsender Absatz
wird der größte Marktanteil von brennstoffzellenbe-          für sämtliche Elektromobilitätsvarianten zu verzeich-
triebenen Fahrzeugen mit ca. 65 % bei Gabelstablern          nen (Bild 1). Er beläuft sich derzeit auf etwa 1 % des
im Jahr 2050 gesehen [1]. Brennstoffzellen-                  globalen Markts [15]. Verglichen untereinander liegen
Gabelstaplern wird bereits heute die vollständige            die BEV-Pkw-Neuzulassungen mit gut 750.000 Fahr-
technische Reife, TRL 9, und Massenmarkteignung              zeugen alleine im Jahr 2017 im Vergleich zu PHEVs
attestiert [1]. Allein in den USA wurden seit 2009           und FCEVs um den Faktor 2 bzw. 230 höher. Den
über 16.000 [2] Brennstoffzellen-Gabelstapler be-            größten Absatzmarkt bildet die Volksrepublik China,
schafft bzw. bestellt und bei verschiedensten Endkun-        in dem bereits jedes zweite BEV verkauft wird.
den kommerziell erfolgreich eingesetzt [3; 4]. Gegen-
über batteriebetriebenen Gabelstaplern ergeben sich          Die große Absatzdiskrepanz im Bereich der Null-
klare Vorteile aufgrund der längeren Lebensdauer des         Emissionen-Fahrzeuge (engl. zero emission vehicles
Brennstoffzellenstacks, der größeren Reichweite,             (ZEVs)) ist auf einen früheren (Massen-)Markteintritt
deutlich schnelleren Betankungszeiten und geringeren         der reinen Batteriefahrzeuge im Vergleich zu Brenn-
Betriebskosten [5]. Daneben überzeugen die Brenn-            stoffzellenfahrzeugen, deutlich mehr Fahrzeugmodel-
stoffzellen-Gabelstapler auch durch ein unproblemati-        len und einen tendenziell besseren Ausbaugrad der
sches und sicheres Handling [5].                             Ladeinfrastruktur zurückzuführen. Dennoch haben
                                                             auch die FCEV-Neuzulassungen in den derzeit drei
Auch Brennstoffzellen-Autos (FCEV) haben eine                Absatzmärkten USA (Kalifornien), Japan und Europa
vollständige technische Reife erreicht [6]. Dies bestä-      rasant zugenommen (Bild 1).
tigen praktische Erfahrungen: Bereits 2011 hatten im
Rahmen der F-Cell World Drive drei B-Klasse F-Cell           Aus Verbrauchersicht spielen die Anschaffungskosten
von Mercedes Benz in 125 Tagen rund um die Welt              eine entscheidende Rolle. In Bezug auf die Marktent-
erfolgreich 30.000 km zurücklegen können [7; 8].             wicklungen von BEV, PHEV und FCEV kommt der
Mittlerweile sind Brennstoffzellenautos auch von             Umstand zum Tragen, dass Batteriefahrzeuge kleiner
Honda, Toyota und Hyundai [6] kommerziell erhält-            und kostengünstiger gebaut werden können. Die sin-
lich.                                                        kenden Kosten für Li-Ionen-Batterien unterstützen
                                                             dies; mit unter 200 €/kWh nähern sie sich inzwischen
Im Vergleich zu Brennstoffzellen-Autos wird für              den Rohstoffkosten an. Beigetragen zu dieser Kosten-
Brennstoffzellen-Busse zukünftig ein höherer Markt-          senkung haben die Anstrengungen verschiedener
anteil erwartet. Zudem ist mit TRL 8 nahezu die voll-        Hersteller (Tesla, Samsung, LG etc.), die Batteriezel-
ständige technische Reife bestätigt [6]. Im realen           len für Elektromobile auf den Markt bringen.
Fahrbetrieb konnten Brennstoffzellen-Busse bereits
DOE (U.S. Department of Energy)-Ziele von 20.000

                                                                                                      www.vdi.de
14   VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge

             Was die derzeitige Preissituation bei ZEV betrifft,            490 km mit einem Preis von 74.500 US$ (unverbind-
             sind in Tabelle 1 Indikatoren für die drei Hauptmärkte         liche Preise der Hersteller). Dies entspricht einer
             Deutschland, USA und Japan aufgezeigt. In den USA              Kaufpreisersparnis von rund 16.000 US$ bzw.
             ist beispielsweise der Toyota Mirai mit 58.365 US$             160.000 km Fahrstrecke (bei 10 $/kgH2), etwa ver-
             bei einer Reichweite von knapp 620 km gelistet und             gleichbar mit einer typischen Pkw-Lebensdauer.
             der Tesla Model S (75 kWh) bei einer Reichweite von

             Bild 1. BEV, FCEV und PHEV Neuzulassungen von 2014 bis 2017 [16; 17]
             (Quelle: Universität Hannover)

             Tabelle 1. Aktuelle Listenpreise für drei repräsentative ZEV [18] (Quelle: Fraunhofer ISE)

                                        Deutschland                         USA                                Japan

                                              €                       USD                €          Jap. Yen             €

             Toyota Mirai                  78.600           MSRP of 58.365            48.923        7.236.000          55.500
                                                          (+ 895 for delivery)       (49.652)

             Tesla Model S75               69.999                 74.500              62.319        9.600.000          73.632
                                        (71.999 ohne
                                       Umweltprämie)

             Nissan Leaf 40 kWh             31.950                29.900              25.136        3.150.360          24.195
             (Ausstattung ZE1)                                (22.490 after
                                                                                     (18.850)
                                                           federal tax credit)

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VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge         15

3 Bewertungskriterien der Elektromobilität-
  Technologien
Eine objektive Bewertung der Technologien erfordert       Auf der Basis dieser Kriterien wurden für die Katego-
die Erfassung aller wesentlichen Einflussgrößen.          rien
Hierzu zählen neben den politischen Zielstellungen
und der Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutsch-            politische Zielstellungen,
land die Marktentwicklung, technische Aspekte, Fra-
gen zur Infrastruktur, Möglichkeiten der emissions-           Tanken und Reichweite,
freien Mobilität, die Verfügbarkeit von Rohstoffen,
                                                              Infrastruktur,
Lebensdaueranalysen (Life Cycle Cost) sowie der
Kundennutzen. Dieser Studie liegen deshalb die in             Energiebeschaffung,
Bild 2 aufgeführten Bewertungskriterien zugrunde.
Sie werden in Abschnitt 4 erläutert und soweit mög-           kritische Rohstoffe und
lich detailliert bewertet.
                                                              Kosten (TCO)

                                                          unter Berücksichtigung des Kundennutzens Kernaus-
                                                          sagen erarbeitet, die in den nachfolgenden Abschnit-
                                                          ten detaillierter ausgeführt werden.

Bild 2. Bewertungskriterien der Elektromobili-
tät

                                                                                                   www.vdi.de
16   VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge

             4 Elektromobilität – Kernaussagen und
               Argumente
                                                                            Die Verordnung 333/2014 [21] fordert bis 2021
             4.1     Politische Zielstellungen                              eine Reduktion der durchschnittlichen CO2-
                                                                            Emissionen von Neuwagenflotten auf 95 g CO2
              Kernaussagen                                                  pro km. Dies entspricht einem Benzinverbrauch
                                                                            von etwa vier Litern pro 100 Kilometer.
                    FCEV und BEV sind lokal emissionsfrei. Dar-
                    über hinaus haben sie das Potenzial, die politi-        Die Richtlinie 2014/94 „Infrastruktur für alterna-
                    schen Zielsetzungen der Bundesregierung in              tive Kraftstoffe“ [22] sieht die stärkere Verbrei-
                    Bezug auf die Senkung der CO2-Emissionen                tung von umweltverträglichen, alternativen Kraft-
                    zu unterstützen, wenn regenerativer Strom zum           stoffen vor. Für teil- und vollelektrische Fahrzeu-
                    Einsatz kommt.                                          ge ist die Infrastruktur mit nicht diskriminieren-
                                                                            dem Zugang zu öffentlicher Ladeinfrastruktur
                    Die Elektromobilität fördert den Einsatz er-            auszubauen.
                    neuerbarer Energien im Verkehr und unter-
                    stützt die Bemühungen zur Sektorenkopplung.         Diese Zielstellungen spiegeln sich in unterschiedli-
                                                                        chen Aktivitäten der EU-Mitgliedsländer wider. Unter
                    Mit der Herstellung von Brennstoffzellen und        anderem haben Großbritannien [23] und Frankreich
                    Brennstoffzellensystemen inklusive zugehöri-        [24] angekündigt, bis 2040 den Verkauf von Fahrzeu-
                    ger Komponenten könnte die Wertschöpfung            gen mit fossilen Brennstoffen zu verbieten. Der
                    in Deutschland gesteigert werden.                   schwedische Autohersteller Volvo plant, ab 2019 nur
                                                                        noch Hybrid- oder Elektroautos zu produzieren und
                                                                        anzubieten [111]. Auch VW hat im Dezember 2018
                                                                        angekündigt ab 2026 die letzte Produktion auf einer
                                                                        Verbrenner-Basis zu starten [112].
             Ökologie/emissionsfreie Mobilität
                                                                        Speziell für Deutschland sieht die Bundesregierung in
             Die Einführung der Elektromobilität wird durch die         der Elektromobilität einen Beitrag zur Vereinigung
             führenden Industrienationen unterstützt. Die Politik       von technologischem Fortschritt und Umwelt-/Klima-
             forciert dies durch Gestaltung entsprechender Rah-         schutz. Sie bietet die Chance, die Spitzenposition der
             menbedingungen.                                            deutschen Unternehmen auf dem Weltmarkt zu stär-
                                                                        ken und den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutsch-
             Die Europäische Kommission unterstützt mit ihren           land zu unterstützen. Großflächige Fahrverbote in den
             Klimazielen die Verringerung der Treibhausgasemis-         Städten könnten sich auf diese Weise vermeiden las-
             sionen im Verkehrsbereich. Der Umwelt- und Ener-           sen [25]. Sie unterstützt deshalb die Einführung der
             gieplan, den die Kommission im Jahr 2014 vorgestellt       Elektromobilität u.a. mit Kaufprämien für den Erwerb
             hat, sieht bis zum Jahr 2030 eine Verringerung des         von Elektrofahrzeugen, mit der Förderung des Aus-
             Ausstoßes an Treibhausgasen um 40 % vor (ausge-            baus einer Ladeinfrastruktur sowie der Beschaffung
             hend vom Stand im Jahr 1990). Der Anteil der erneu-        von Elektrofahrzeugen für den öffentlichen Bereich
             erbaren Energien soll bis dahin um 27 % gesteigert         [26].
             und eine Verbesserung der Energieeffizienz (z. B.
             Verringerung von thermischen Verlusten) um eben-           Aussagen im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregie-
             falls 27 % erreicht werden [19].                           rung [27] unterstützen dies. Die Regierung fühlt sich
                                                                        hiernach mit ihrer Mobilitätspolitik dem Pariser Klima-
             Speziell für den Verkehrsbereich fördert die EU die        schutzabkommen und dem deutschen Klimaschutzplan
             Einführung innovativer Antriebssysteme durch ihr           2050 verpflichtet. In Bezug auf Wasserstoff und
             Weißbuch und entsprechende Richtlinien:                    Brennstoffzellen sollen das Nationale Innovationspro-
                                                                        gramm und die Mobilitäts-/Kraftstoffstrategie (MKS)
                   Das Weißbuch Verkehr [20] geht davon aus, dass       technologieoffen weiterentwickelt und die Mittel zu
                   sich mittels Elektromobilität der Anteil konventi-   deren Umsetzung erhöht werden. Die Sektorenkopp-
                   oneller Fahrzeuge in der Stadtlogistik halbieren     lung soll vorangebracht und der regulative Rahmen so
                   lässt. Bis 2030 sollte sich eine CO2-freie städti-   verändert werden, dass „grüner Wasserstoff“ und
                   sche Logistik erreichen lassen.                      Wasserstoff als Nebenprodukt von industriellen Pro-
                                                                        zessen als Kraftstoff genutzt oder für die Herstellung

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VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge           17

konventioneller Kraftstoffe (z. B. Erdgas/CH4) ver-             Ein Schwerpunkt der japanischen Aktivitäten
wendet werden kann.                                             liegt bei der Einführung von Wasserstoffantrie-
                                                                ben. Schon frühzeitig hat Japan Bestrebungen un-
In Bezug auf die Elektromobilität (batterieelektrisch,          terstützt, Wasserstoff als Energieträger zu för-
Wasserstoff und Brennstoffzelle) sollen bestehende              dern. Unter anderem will die Regierung von To-
Förderprogramme, soweit erforderlich, über das Jahr             kyo, das Tokyo Metropolitan Government
2020 hinaus aufgestockt und ergänzt werden. Der                 (TMG), mit einem Investitionsvolumen von
Aufbau einer flächendeckenden Lade- und Tankinfra-              348 Mio. US$ die Errichtung von Tankstellen
struktur soll intensiviert werden. Bis 2020 sollen              und anderer H2-Infrastrukturelemente bis 2020,
mindestens 100.000 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge              dem Jahr der olympischen Spiele, fördern [31].
zusätzlich zur Verfügung stehen, hiervon mindestens
ein Drittel als DC-Schnellladesäulen. Für eine nach-            Aus Sicht des japanischen METI (Ministry of
haltige Umstellung der Busflotten auf alternative               Economy, Trade and Industry) bestehen bei den
Antriebe sind neben den Fahrzeugen auch geeignete               Käufern drei Vorbehalte gegen Elektroautos: der
Ladeinfrastrukturen sowie Betriebsmanagementsys-                hohe Preis, die geringe Reichweite und die nied-
teme geplant. In Bezug auf Wasserstoff hat die Bun-             rige Zahl von Ladestationen. Hier setzt die staat-
desregierung bereits 2016 das zweite Regierungspro-             liche Förderung an. Der hohe Preis wird durch
gramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie              den teilweisen bis vollständigen Verzicht auf
2016 bis 2026 beschlossen. Das Programm ist Be-                 Steuern für Elektroautos verringert. Durch Sub-
standteil der Innovationsstrategie der Bundesregie-             ventionen sinkt der Kaufpreis um durchschnitt-
rung und Baustein eines nachhaltigen Energiesystems             lich 5 %.
[29].
                                                                Zur Steigerung der Reichweite werden die Auto-
Der Blick auf andere Regionen bestätigt das globale             hersteller ermutigt, leistungsfähigere Batterien zu
Interesse an der Elektromobilität:                              entwickeln. Der Staat unterstützt dies, indem die
                                                                Subvention für den Kaufpreis mit der Reichweite
    In Europa sind die Aktivitäten der französischen            steigt. Für jeden Kilometer Reichweite zahlt der
    Regierung erwähnenswert [29]. Der Wasser-                   Staat 1.000 Yen (7,40 Euro).
    stoffentwicklungsplan soll die Industrie in die
    Lage versetzen, im globalen Wettbewerb eine                 In Bezug auf die Ladeinfrastruktur fördert die
    führende Rolle zu spielen. Bis 2023 sollen bis zu           Regierung den Bau von Ladestationen mit über
    5.000 H2-Fahrzeuge auf die Straße gebracht wer-             55 Mrd. Yen (407 Mio. Euro). Die regionalen
    den (derzeit 250 Fahrzeuge). Für die H2-Versor-             Präfekturen stellen ebenfalls Gelder dafür bereit.
    gung der Fahrzeuge ist die Errichtung von 100               Ende März 2017 waren bereits rund 40.000 La-
    Tankstellen vorgesehen, verglichen mit derzeit              destationen verfügbar [32]. Zusätzlich will die
    20. Zielmarkt für die H2-Anwendung ist vorran-              Stadtregierung der Hauptstadt Tokio ab diesem
    gig der kommerzielle Sektor. Angestrebt wird der            Jahr den Bau von Ladestationen für Apartment-
    Einsatz von Wasserstoff in Taxis, Baumaschinen,             blocks und Hochhäuser subventionieren.
    Stadtbussen, Reisebussen, Lastwagen und Eisen-
    bahnen.                                                     USA: Obwohl die Administration unter Präsident
                                                                Donald Trump den Klimawandel bezweifelt und
    Insbesondere China strebt eine schnelle Elektri-            höhere CO2- und Stickoxidemissionen für US-
    fizierung des Verkehrssektors an. Bereits 2016              Neuwagen zwischen 2022 und 2025 erlaubt [33],
    verfügt China über 500.000 Elektrofahrzeuge und             sprechen sich dutzende US-Städte für die Reduk-
    Plug-in-Hybride [30]. Bis 2025 will die chinesi-            tion der Treibhausgasemissionen und für mehr
    sche Regierung den Anteil an E-Fahrzeugen auf               Klimaschutz aus.
    7 Mio. steigern. Laut dem Vorstandsvorsitzenden
    von BYD, Wang Chuanfu, will China den Ver-                  Dreißig Städte, darunter auch New York City und
    kehr im Land bis 2030 vollständig elektrifizieren.          Chicago wollen in den kommenden Jahren insge-
    Öffentliche Busse könnten bis 2020 vollständig              samt 114.000 Elektrofahrzeuge im Wert von
    elektrifiziert sein, Lkw und Sonderfahrzeuge bis            10 Milliarden US-Dollar für den städtischen Ein-
    2025. Als problematisch könnten sich die derzeit            satz anschaffen. Dazu zählen Polizeifahrzeuge,
    fehlenden Batterien herausstellen. Experten er-             Straßenkehrmaschinen oder Müllwagen. Die Zahl
    warten hier bis 2020 einen Engpass.                         der Bestellungen entspricht rund drei Viertel des
                                                                gesamten Elektroautoabsatzes in den USA im
    Japan hat bei der Weltklimakonferenz 2015 in                vergangenen Jahr.
    Paris verkündet, bis 2030 einen Marktanteil von
    20 % bis 30 % für Elektroautos und Plug-in-                 Nach Aussagen des Umweltbeauftragten von Los
    Hybride anzustreben.                                        Angeles werden die Städte weiterhin führend sein
                                                                beim Umgang mit dem Klimawandel, unabhän-

                                                                                                      www.vdi.de
18   VDI/VDE-Studie Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge

                 gig von Entscheidungen der US-Regierung. Los         in Deutschland und Europa. Für Europa zeigt dies
                 Angeles begann bereits Ende 2015 im Verbund          z. B. die vom „Fuel Cell and Hydrogen Joint Under-
                 mit drei anderen Städten mit den Anfragen nach       taking“ recherchierte Übersicht zur Wertschöpfungs-
                 Elektroautos. Ursprünglich lautete die Anfrage       kette von Brennstoffzellensystemen [35]. In der Erhe-
                 auf 24.000 Elektroautos, seither haben sich 26       bung gaben fast 50 Unternehmen an, im Bereich
                 andere Städte angeschlossen.                         Brennstoffzellenfahrzeuge außer Brennstoffzellenbus-
                                                                      se aktiv zu sein, davon ca. 15 als Fahrzeugintegrator.
                 Weitere Unterstützung erhält die Elektromobilität    Im Bereich der Brennstoffzellenbusse gibt es mit
                 durch eine Kampagne von 16 Autoherstellern und       insgesamt mehr als 80 aktiven Firmen sogar noch
                 7 US-Bundesstaaten [34]. Sie investieren             mehr Marktteilnehmer, wovon sich mehr als 30 als
                 1,5 Mio. US$ für Anzeigen wie „Drive Change,         Fahrzeugintegratoren bezeichnen.
                 Drive Electric“, mit denen die Vorzüge von
                 Elektroautos herausgestellt werden. Zu den Au-       Der Brennstoffzellenbranchenführer Deutschland
                 tobauern gehören Daimler, BMW, Volkswagen,           2018 der Arbeitsgemeinschaft Brennstoffzellen im
                 Toyota und General Motors, zu den Bundesstaa-        VDMA [36] listet insgesamt 57 aktive Unternehmen
                 ten zählen u.a. Connecticut, Massachusetts und       und Einrichtungen im Bereich der Brennstoffzellen
                 New York. Trotz hoher Investitionen der Auto-        unabhängig von der Anwendung. Diese haben gemäß
                 bauer läuft der Absatz bisher aber eher zögerlich.   den dort aufgeführten Ergebnissen einer Industriebe-
                                                                      fragung im Jahr 2017 einen Umsatz in Deutschland
                                                                      von 190 Mio. Euro erzielt.
             Wertschöpfung
                                                                      Besonders stark sind Deutschland und Europa im
             Deutschland ist in der Automobilindustrie mit extrem     Bereich der Komponenten und Materialien aufgestellt.
             hoher Fertigungstiefe und kompletter Wertschöp-          So hat eines der führenden Unternehmen für Elektro-
             fungskette vertreten. Diese Situation könnte sich beim   katalysatoren seinen Hauptsitz in Europa und zwei
             Einsatz von BEV tiefgreifend ändern, da derzeit die      weitere bedeutende Hersteller sitzen in Deutschland.
             Batteriefertigung vorrangig in den USA und in asiati-    Ebenso sitzt ein weltweit führender Hersteller von
             schen Ländern etabliert ist.                             Elektrolytmembranen in Europa. Europaweit gibt es
                                                                      weiterhin mehrere Hersteller von Membran-
             Im Bereich der elektrotechnischen Komponenten hat        Elektrodeneinheiten, von denen ein führender Herstel-
             auch Deutschland hervorragende Kompetenzen. Offen        ler seinen Sitz in Deutschland hat. Gleiches gilt für
             ist die Situation bei der Fertigung von Brennstoffzel-   Bipolarplatten und Dichtungstechnik. In den letzten
             len. Hier hat die Automobilindustrie lange auf kanadi-   Jahren haben sich in Europa darüber hinaus mehrere
             sches Know-how zurückgegriffen, dabei aber auch          Zulieferer für Brennstoffzellenstapel für den automo-
             stets parallele Entwicklungen vorangetrieben. In         bilen Antrieb etabliert. Maßgeblich waren hier sicher-
             Nordamerika und Japan haben sich Hersteller von          lich die Autostack- und Auto-Stack-Core-Aktivitäten
             Brennstoffzellenstapeln schon etablieren können, in      des „Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking“
             Deutschland wird mit „Autostack Industrie“ ein Pro-      (FCH-JU), die aktuell im Rahmen des von Bundesmi-
             jekt zur Vorbereitung der Massenfertigung im Rah-        nisterium für Wirtschaft und Energie finanzierten
             men des NIP gefördert (Daimler, VW, Ford und ande-       Vorhabens „Autostack Industrie“ weitergeführt wer-
             re Partner).                                             den. Gleichfalls stark vertreten ist die Industrie im
                                                                      Bereich Tank- und Hochdrucktechnologie.
             Brennstoffzellenelektrische Antriebe umfassen im
             Wesentlichen die Baugruppen elektrische Antriebe         Insgesamt bieten brennstoffzellenelektrische Antriebe
             mit Elektromotor, Leistungselektronik, Pufferbatterie,   für Deutschland und Europa das Potenzial, einen
             Stromerzeugung mit dem Brennstoffzellenstapel,           hohen Anteil der Wertschöpfung darstellen zu kön-
             Peripheriekomponenten für Anodenversorgung (Was-         nen, mit entsprechenden Auswirkungen z. B. auf den
             serstoff), Kathodenversorgung (Luft), Kühlung und        Arbeitsmarkt. Derzeit sind keine Bauteile oder Kom-
             Stromeinspeisung in den Fahrzeugzwischenkreis            ponenten bekannt, für die bereits eine marktdominie-
             sowie den Wasserstoffspeicher einschließlich Sicher-     rende Stellung nicht europäischer Firmen etabliert
             heits- und Betankungsvorrichtungen.                      wäre. Allerdings ist die Produktionskapazität weltweit
                                                                      auch noch sehr beschränkt, da es im Gegensatz zur
             Jede dieser Baugruppen umfasst wiederum eine grö-        Batterie, wo Zellen z. B. auch im großen Umfang für
             ßere Zahl von Bauteilen, für deren Herstellung zum       den IKT- und Verbrauchermarkt produziert werden,
             Teil spezielle Materialien benötigt werden, sodass       für die meisten Brennstoffzellenkomponenten keine
             sich analog zur heutigen Antriebstechnik eine struktu-   alternativen Absatzmärkte gibt.
             rierte Wertschöpfungskette aufbauen lässt. Dabei gibt
             es gerade im Bereich der Material- und Komponen-
             tenzulieferer schon eine Reihe aktiver Unternehmen

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