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Das Janus-Gesicht der Macht
Persönliche und gesellschaftliche Konsequenzen
rücksichtnehmender versus rücksichtsloser
Einwirkung auf Andere
Wolfgang Scholl
Humboldt-Universität zu Berlin
Das Janus-Gesicht der Macht 1Das Janus-Gesicht der Macht
Gliederung
• Macht als Potenzial
• Nutzung des Potenzials:
Machtausübung, Einflussnahme und Manipulation
• Reaktionen der Betroffenen auf Macht und Einfluss
• Rückwirkungen auf den Machtausübenden
• Konsequenzen für Wissen und Effektivität
• Zusammenfassung
Das Janus-Gesicht der Macht 2Macht als Potenzial –
Gängige Definitionen
Macht kommt von got. „magan“ = vermögen. Power, pouvoir
etc. kommen von lat. „potis“ = vermögend, mächtig; „potis
esse“ = mächtig sein, vermögen wird zu „posse“ = können.
-"Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Bezie-
hung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzu-
setzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht" (Max Weber)
-"A hat Macht über B in dem Maß, wie er B dazu bringen kann,
etwas zu tun, was B sonst nicht getan hätte" (Robert A. Dahl)
-"Unter Macht wird das Vermögen verstanden, auf das Verhalten
anderer Einfluss zu nehmen" (Michael Argyle)
-"Macht ist die Fähigkeit zu handeln" (Rosabeth M. Kanter)
Wer möchte diese Fähigkeit nicht haben?
Das Janus-Gesicht der Macht 3Macht als Potenzial –
Forschungsergebnisse (Keltner et al., 2003)
Hohes Machtpotenzial Geringes Machtpotenzial
¾ Gefühle: Positive Stimmung, Gefühle: Negative Stimmung,
Stolz, Begehren, Freude; bei Ehrfurcht, Scham, Schuld;
Anmache: Ärger, Verachtung. bei Anmache: Furcht, Angst.
¾ Aufmerksamkeit liegt auf Aufmerksamkeit liegt auf
Belohnungen, Chancen; Bedrohungen, Gefahren;
Andere als mögliche Mittel Selbst als mögliches Mittel
für eigene Zwecke. für die Zwecke Anderer.
¾ Automatische Kognitionen: Systematischere Kognitionen:
Stereotype Kognitionen, Individuierende Kognitionen,
Outgroup-Diskriminierung, Ingroup-Diskriminierung,
Ingroup-Favorisierung. Outgroup-Favorisierung.
¾ Verhalten: Zupackend, Verhalten: Gehemmt,
nach eigenen Vorstellungen, kontextabhängig,
ggf. normüberschreitend. auf Normen achtend
Das Janus-Gesicht der Macht 4Macht als Potenzial
– und dessen Nutzung
• Macht zu haben, fühlt sich gut an.
• Mit Macht kann man viele andere Belohnungen erlangen,
so dass ein Machtpotenzial an sich belohnend wirkt, schon
vor jeder Nutzung. Macht ist ein sekundärer Verstärker
(Psychologie), ein generelles Tauschmedium (Soziologie).
• Daher: Menschen streben nach Kontrolle anderer.
• Macht zu haben ist das eine; das Potenzial zu nutzen ist –
je nach den Folgen für die Betroffenen – etwas anderes,
denn mit Macht kann man andere schützen und fördern
oder aber angreifen, benachteiligen und - im Doppelsinne
des Wortes - verletzen. Etliche Autoren unterscheiden
daher zwischen Machtausübung und Einflussnahme und
eventuell Manipulation:
Das Janus-Gesicht der Macht 5Einflussnahme, Machtausübung
und Manipulation (Scholl, 1976, 1991)
• Einfluss(nahme) ist eine intendierte Einwirkung von A auf das
Erleben und/oder Handeln von B, die im Einklang mit den
Interessen von B ist. → Die Interessen von B werden gewahrt
oder gefördert.
• Macht(ausübung) ist eine intendierte Einwirkung von A auf
das Erleben und/oder Handeln von B, die gegen die Interessen
von B ist. → Die Interessen von B werden verletzt.
• Manipulation ist eine Machtausübung von A auf B, die von B
entweder gar nicht bemerkt wird oder als Einflussnahme wahr-
genommen wird, weil die Verletzung der Interessen von B
nicht bemerkt wird. → Die Interessen von B werden verletzt,
aber es wird von B nicht registriert oder nicht A zugeschrieben.
• Soziale Einwirkung – als Oberbegriff - ist gegeben, wenn A
das Erleben und/oder Handeln von B (mit)verursacht.
Die Einwirkung ist umso stärker, je mehr Varianz im Erleben
und Handeln von B durch A verursacht wird. Ein Machtpotenzial
im bisherigen Sinne ist hier also ein Einwirkungspotenzial.
Das Janus-Gesicht der Macht 6Empirische Untersuchung von
Macht- und Einflussepisoden
• Beschäftigte in Organisationen werden mit der Macht-
Einfluss-Unterscheidung vertraut gemacht, die im übrigen
dem deutschen Alltags-Sprachgebrauch entspricht.
• Sie schildern vier Episoden: Macht selbst ausgeübt,
Einfluss selbst ausgeübt, Machtausübung erfahren,
Einflussnahme erfahren.
• Instruktionsbeispiel:
1. "Erinnern Sie sich an eine Situation an Ihrem Arbeitsplatz, in der
Sie Macht ausgeübt haben. Skizzieren Sie diese Situation und
beschreiben Sie, was Sie erreichen wollten."
2. "Beschreiben Sie, welche Strategie Sie benutzt haben, um an Ihr
Ziel zu kommen."
3. "Beschreiben Sie Ihre Gedanken und Gefühle im Zusammenhang
mit der Machtausübung"
Weitere skalierte Fragen zu Reaktionen, Lernen usw. folgten.
Das Janus-Gesicht der Macht 7Beispiel Machtausübung
1. Ich arbeitete in einem Ferienjob am Fließband in einer
Fensterproduktion. Manchmal musste ich Leim an einer Ecke
auftragen. Die vorgegebene Zeit war schwer einzuhalten,
daher fing ich an, einfach die ganze Kante zu bestreichen,
was schneller ging. Ein Kollege weiter hinten musste
allerdings mehr überflüssigen Leim abwischen.
2. Einmal kam ein Kollege und sagte, dass ich ihm unnötig
Arbeit machen würde. Ich entschuldigte mich und sagte,
dass ich es nicht gewusst hätte und dass ich es noch nicht
so gut kann. Da die Kollegen immer wieder wechselten,
machte ich einfach weiter so.
3. Ganz zu Anfang versuchte ich, es besser zu machen, aber
dann war ich ganz zufrieden mit meiner nachlässigeren
Arbeitsweise. Ich rechtfertigte mich damit, dass für den
anderen das Abwischen sicher nicht schwerer war als das
erleichterte Auftragen für mich. Außerdem war ich neu.
Das Janus-Gesicht der Macht 8Beispiel Einflussnahme
1. Ich bin Tanzlehrerin und hatte mit einer anderen Frau eine
6-Minuten Show für 14 Tänzer und Tänzerinnen vorzu-
bereiten. Gefordert waren vor allem technisch schwierige
Figuren, aber die Kollegin wollte mehr freie Jazz-Elemente
unterbringen und im Wettbewerb besser dastehen.
2. Sie traf sich wöchentlich mit mir, machte ihre Ideen und
Interessen ganz klar, war aber auch sehr offen für meine
Ideen und akzeptierte sie. Ich veränderte meine Musik, die
sie nicht mochte, bis wir beide zufrieden waren. Mein Show-
Konzept mit der grundlegenden Choreographie blieb
gewahrt, enthielt nun aber mehr Jazz-Elemente.
3. Zunächst fühlte ich mich überfordert von ihren Wünschen,
und die ständigen Abstimmungen und Revisionen waren
harte Arbeit. Als die Saison voranschritt, wurden schritt-
weise Erfolge sichtbar, und am Ende war das Team
erfolgreich, und wir waren beide zufrieden.
Das Janus-Gesicht der Macht 9Grundlagen sozialer Einwirkung
Wirkung auf die Alternativenwahl Scholl (1976, 1991): French & Raven
des / der Betroffenen Grundlagen sozialer (1959):
Einwirkung power bases
Ausschluss aller Alternativen Zwang
Coercive power
Höhere Kosten für präferierte Alt. Bestrafung
Anordnung e. Alternative (Kombi) Legalität Legitimate p.
Indirekter Ausschluss e. Alternative Situationskontrolle
normative Akzeptanz der Alternat. Legitimation Legitimate p.
Höherer Nutzen e. Alternative Belohnung Reward p.
Identifikation mit Bezugsperson Attraktivität Referent p.
Übernahme Alternativenbeurteilung Sachkenntnis Expert p.
Neubeurteilung der Alternativen Information Information i.
Das Janus-Gesicht der Macht 10These: Je restriktiver eine Grundlage, umso
mehr eignet sie sich zur Machtausübung
Wahrscheinlichkeit von Wirkung auf die Scholl (1976, French &
Macht Alternativenwahl 1991) Raven (1959):
Einfluss des / der Betroffenen power bases
(Alt. = Alternativen)
Ausschluss aller Alternat. Zwang
Coercive power
Höhere Kosten f. präf. Alt. Bestrafung
Anordnung e. Alternative Legalität Legitimate p.
Indirekter Ausschluss e. Alt. Situationskontrolle
normative Akzeptanz d. Alt. Legitimation Legitimate p.
Höherer Nutzen e. Alt. Belohnung Reward p.
Imitation der Bezugsperson Attraktivität Referent p.
Übernahme Alt.beurteilung Sachkenntnis Expert p.
Neubeurteilung der Alternat. Information Information i.
Das Janus-Gesicht der Macht 11Verteilung von Macht und Einfluss
über die Einwirkungsgrundlagen
Grundlagen Macht Einfluss
Bestrafung 29 1
Legalität 192 21
Sit.kontrolle 33 8
Legitimität 34 57
Belohnung 5 28
Attraktivität 3 10
Sachkenntnis 15 51
Information 17 75
0% 20% 40% 60% 80% 100%
Episoden 328 251
Machtausübung
(Reanalyse der Daten von Buschmeier, 1995)
Das Janus-Gesicht der Macht 12Emotionale Reaktionen der
Macht- bzw. Einfluss-Betroffenen
(Reanalyse der Daten von Buschmeier, 1995)
120
100
80
60
40
20
0
Personen Beeinflusste Bemächtigte
Emotionen Positiv Neutral Negativ
Die Macht-Einfluss-Unterscheidung muss zur Unterscheidung
von hohem und geringem Einwirkungspotenzial hinzukommen!
Das Janus-Gesicht der Macht 13Weitere Konsequenzen bei den Betroffenen:
Psychologische Reaktanz
• Reaktanz ist ein motivationaler Zustand, eine bedrohte oder
verlorene Freiheit zu schützen bzw. wieder herzustellen.
• Stärke der Reaktanz hängt ab von
– der Wichtigkeit der Freiheit für die Person,
– der Stärke der Freiheitseinengung.
• Verhaltensreaktion
– Widerstand: direkte Wiederherstellung der Freiheit; oder
– indirekte Wiederherstellung durch demonstrative Eigenständigkeit.
• Emotionale Reaktion: Ärger.
• Kognitive Reaktion: Aufwertung der versperrten Alternative.
Î Offene Machtausübung sollte zu Reaktanz führen.
Das Janus-Gesicht der Macht 14Weitere Konsequenzen bei den Betroffenen:
Erlernte Hilflosigkeit
• Wenn einem Individuum Ereignisse widerfahren, die
durch sein Verhalten nicht änderbar sind, d. h. wenn
sie unkontrollierbar sind, dann führt das zu erlernter
Hilflosigkeit.
• Erlernte Hilflosigkeit hat drei Folgen:
– Verhalten: Passivität; es fehlt der Anreiz, etwas zu tun
– Emotion: Traurigkeit, Depression
– Kognition: Lernen ist beeinträchtigt, Änderungen der
Situation werden oft nicht bemerkt.
Î Machtausübung, gegen die Widerstand zwecklos ist,
sollte zu erlernter Hilflosigkeit führen.
• Reaktanz und Hilflosigkeit scheinen unvereinbar, aber ...
Das Janus-Gesicht der Macht 15Reaktionen auf Kontrollverlust –
integriertes Modell (Wortmann & Brehm, 1975)
hoch Wichtiges
Ereignis:
Reaktanz
Motivation,
Kontrolle
auszuüben
Hilflosigkeit
Weniger
wichtiges
gering Ereignis:
gering Erfahrung der Unkontrollierbarkeit hoch
Dieses Modell wurde sowohl experimentell als auch bei
Arbeitslosen bestätigt .
Das Janus-Gesicht der Macht 16Wirkung von Macht und Einfluss
auf Reaktanz und Hilflosigkeit
5 Macht Einfluss Angaben von
Beschäftigten,
(Buschmeier,
4
1995)
3
2
1
0
-1 Widerstand Widerstand Inneres Hilflosigkeit
aus Sicht des aus Sicht des Widerstreben (Widerstreben
Einwirkenden Betroffenen d. Betroffenen - Widerstand)
Das Janus-Gesicht der Macht 17Machtausübung korrumpiert den
Machthaber ... psychisch
Kipnis prüfte und bestätigte folgende Thesen (1976):
• Ein hohes Machtpotenzial erhöht die „Versuchung“ für den
Machthaber, verfügbare härtere Mittel zur Durchsetzung
persönlicher Vorstellungen einzusetzen, auch gegen die
Interessen der anderen.
• Nutzt der Machthaber seine Überlegenheit und fügen sich die
anderen, dann sieht er deren Leistung als nicht selbst,
sondern von ihm verursacht;
• er findet eine Rechtfertigung seines Tuns in der Abwertung
der Betroffenen: die sind nicht fähig, haben kein Recht,
verdienen es nicht besser ... und in der Aufwertung seiner
Person als wertvoller.
• Er distanziert sich von den Betroffenen und wird in Zukunft
noch eher geneigt sein, seine Überlegenheit auszuspielen.
Das Janus-Gesicht der Macht 18Machtausübung korrumpiert den
Machthaber ... auch materiell
Mitchell et al. (1998) bestätigten folgende Thesen:
• Personen in höherer Machtposition unterliegen weniger
strengen Kontrollen (geprüft an Business Schools).
• Personen in höherer Machtposition haben mehr Spielraum,
weniger klare Erwartungen und mehr soziale Distanz nach
unten (große Ölgesellschaft).
• Personen in höherer Machtposition schreiben sich Erfolge
eher selbst zu, Misserfolge eher den Umständen. Bei
geringerer Macht schreiben sie es eher ungenügender
eigener Anstrengung und Fähigkeit zu (Experiment).
• Mehrdeutige Standards und fehlende Sanktionssysteme
führen zu mehr organisationaler und persönlicher Krimina-
lität (180 Elektronik-Firmen).
• Klare Standards und Rechenschaftspflicht vermindern ille-
gale Handlungen; allerdings nimmt auch das freiwillige
Engagement für die Organisation ab (Experiment).
Das Janus-Gesicht der Macht 19Machtausübung wird den „Tätern“
oft nicht (sofort) bewusst, weil
• sie sich an ihre eigenen Rechtfertigungen gewöhnt haben
bzw. ihrer eigenen Propaganda zunehmend glauben (s.o.),
• es gesellschaftlich vorfabrizierte Rechtfertigungen gibt, z.
T. mit der Folge selbsterfüllender Prophezeiung,
– die Vorrechte aufgrund angeblicher Fähigkeitsunterschiede
zuteilen, weil die anderen genetisch oder kulturell niedriger
stehen (Rassismus, Kolonialismus; Sexismus: Logik,
Rationalität, Führungsfähigkeit eher bei Männern?),
– die Änderungen zugunsten der Benachteiligten als Fehlverhal-
ten ablehnen und entsprechend bewertete Subtypen kreieren
(die abstoßende Karrierefrau, das Mannweib, die Lesbe, die
Emanze versus die fürsorgliche Mutter oder das Vollweib),
• wahrgenommene Machtpotenziale automatisch rücksichts-
lose (oder rücksichtnehmende) Ziele und entsprechende
Handlungen auslösen können wie z. B. sexuelle Übergriffe
(Bargh & Alvarez, 2001).
Das Janus-Gesicht der Macht 20Machtausübung, Einflussnahme
und Wissensproduktion
Machtausübung beeinträchtigt die Wissensproduktion, weil
• mächtigere Personen Diskussionen oft beenden, wenn sie ihre Inter-
essen gefährdet sehen;
• Personen mit abweichender Meinung unter Konformitätsdruck kommen;
• Personen mit relevantem Wissen, aber geringerem Status oft nicht
gehört oder von Entscheidungen ausgeschlossen werden;
• Informationen manipuliert werden zugunsten der persönlich präfe-
rierten Alternativen;
• Reaktanz oder Hilflosigkeit als Reaktionen auf Machtausübung den
Prozess der Wissensgewinnung weiter verschlechtern.
Einflussnahme dagegen fördert die Wissensgewinnung; sie
• fördert den Austausch unterschiedlicher Meinungen und Standpunkte;
• erfordert fortgesetzte, intensive Diskussionen;
• induziert eine Suche nach neuen, besseren Alternativen, mit denen sich
die Interessen aller Beteiligten besser befriedigen lassen
• lässt Statusunterschiede in den Hintergrund treten.
Das Janus-Gesicht der Macht 21Wissenszuwachs bei Macht-
ausübung und Einflussnahme
„Inwiefern haben Sie (der Einwirkende), Ihrer Meinung nach, im
Verlauf der Situation neue Erfahrungen und Kenntnisse gewon-
nen?“ (Untersuchung 9)
Macht- Einfluss-
n situationen situationen Skala t Sign
97 2.19 2.44 0-5 1.73 .044
„Hat die andere Person (Betroffener) von Ihnen Informationen,
Ideen und/oder Anregungen über die Sache, um die es bei der
Entscheidung ging, erhalten?“ (Untersuchung 4)
Macht- Einfluss-
n situationen situationen Skala t Sign.
35 3.64 4.27 0-6 2.55 .008
nach Buschmeier (1995)
... und mangelndes Wissen führt zu geringerer Effektivität:
Das Janus-Gesicht der Macht 22Effektivität bei Macht-
ausübung oder Einflussnahme
„Hat die Entscheidung zur Verwirklichung der Ziele und Aufgaben der
betrieblichen Änderung beigetragen?“ (Untersuchung 4)
Macht- Einfluss-
beurteilt von n situationen situationen Skala t Sign.
beiden Seiten 35 3.26 4.06 0-6 3.50 .001
„Inwieweit ist das Problem insgesamt gelöst worden? (Untersuch. 9)
Macht- Einfluss-
beurteilt von n situationen situationen Skala t Sign.
Einwirkendem 94 3.75 4.24 0-5 2.91 .002
Betroffenem 90 2.94 4.14 0-5 6.12 .000
nach Buschmeier (1995)
Das Janus-Gesicht der Macht 23Eine andere Untersuchung, andere
Messungen, dieselben Thesen
• Innovation und Information (Scholl, 2004):
20 gelungene und 20 misslungene Innovationen aus 16
Unternehmen wurden aus ca. 5 Interviews pro Fall rekon-
struiert; Informationspathologien wurden hier qualitativ
erfasst. 4 der 5 Befragten füllten anschließend einen
Fragebogen aus mit Fragen zu Informationspathologien,
Konflikthandhabung, Handlungsfähigkeit und Innovations-
erfolg.
• Wissenzuwachs wurde – umgekehrt gepolt - als Ausmaß
von Informationspathologien gemessen.
• Machtausübung und Einflussnahme wurden als
entsprechende Stile der Konflikthandhabung gemessen.
• Effektivität wurde als Ausmaß des Innovationserfolgs
bestimmt.
Das Janus-Gesicht der Macht 24Innovation und Information
Erhobene Innovationsfälle
(Scholl, 2004)
42 untersuchte Innovationsprozesse aus 16 Unternehmen (A -P)
Produkte Verfahren
Minidosiergerät (A) EDV- Materialwirtschaft (A)
Hochdruckentladungslampe (C) PPS- Einführung (B)
Antibiotikum (D) BTX- Vertriebsabwicklung (C)
CD- Kunststoff (E) Phosphorsäureherstellung (I)
Spezialverpackung (F) Galenik- Produktion (J)
Konzertkopfhörer (G) EDV- Finanzbuchhaltung (K)
Studiomikrofon (G) 20 Stärkeäther - Herstellung (L)
Leitungssuchgerät (H) erfolgreich EDV- Vertriebsabwicklung (L)
Antibiotischer Futterzusatz (I) Electronic- Mail - Einführung (N)
Exzenterschleifer (M) CAD- Einführung (O)
Fehlerortungsgerät (H) Computergestützte Wertanalyse (B)
2
Induktionsmeßsonde (A)
EDV- Angebotsverfolgung (A)
Halogenlampe Japan (C)
PPS- Einführung (C)
Magentherapeutikum (D)
PVC - Beschichtungsmaschine (F)
Auto- Kunststoff (E) EDV- Produktionslogistik (J)
Leichtkopfhörer (G) HICOM - Einführung (K)
Universalmikrofon (G) 20 Conticracker (L)
Unterwassermesssonde (H) erfolglos BTX- Vertriebsabwicklung (N)
Partikelmessgerät (H) EDV- Vertriebsdatenbank (O)
Schnellkleber (L)
Akku- Schleifer (M)
Keramikwerkstoff (P)
Synthetische Duftstoffe (P)
Das Janus-Gesicht der Macht 25Informationspathologien
und Innovationserfolg
Informationen wurden ..
100
80 ..nicht (korrekt)
36
Informationspathologien
verarbeitet.
60
Anzahl der
..nicht (korrekt)
40 26
12 übermittelt.
14 ..nicht beschafft.
20 15
7 ..nicht produziert.
10 15
0
gelungene misslungene
Ø 2.2 Innovation Innovation Ø 4.8
Das Janus-Gesicht der Macht 26Ursachen von
Informationspathologien
35
Informationspathologien
Anzahl der
30
25
20
misslungene
Innovationen 15
gelungene 10
Innovationen
5
0
es ein en gs- ng ene
d s nk n bu ss gen
geln usst d e d i gu
e s ü e
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a n w ch ä n m au e
M be u ns rst ble c ht a n tel iss
g
m Ve Pro Un Vors "W
oble W Ma n 27
Pr voMacht, Einfluss und Effektivität
Effektivität
(Innovationserfolg)
+.31 +.34
Wissenszuwachs Handlungs-
(wenig Info.pathologien) fähigkeit
+.28
+.47 –.33
Einflussnahme Macht-
(Interessenberücksicht.) ausübung
–.33
Pfadmodell der Konsequenzen von Machtausübung und Einflussnahme
auf die Effektivität (chi2=5.24, df=4, p=.26, GFI=.94)
Das Janus-Gesicht der Macht 28Zusammenfassung
• Ein hohes Macht- bzw. Einwirkungspotenzial ermöglicht
Kontrolle; es ist in sich belohnend und wird erstrebt.
• Bei der Nutzung des Macht- bzw. Einwirkungspotenzials ist zu
unterscheiden, ob es autonomiefördernd oder einschränkend
genutzt wird oder – anders gesagt – ob im Einklang mit den
Interessen der Betroffenen (= Machtausübung) oder gegen
deren Interessen (= Einflussnahme).
• Machtausübung führt – anders als Einflussnahme - bei den
Betroffenen zu negativen Gefühlen sowie zu Reaktanz oder
Hilflosigkeit.
• Machtausübung korrumpiert die Machtausübenden durch
Rechtfertigungen, Abwertung der Betroffenen, Selbstauf-
wertung und verstärkt – auch aufgrund geringerer Kontrollen
– die Missachtung moralischer und legaler Standards.
• Machtausübung schädigt die soziale Gemeinschaft durch
geringere Wissensproduktion und geringere Effektivität.
Das Janus-Gesicht der Macht 29Das Janus-Gesicht der Macht ...
zeigt sich erst in der Nutzung des jeweiligen
Einwirkungs- bzw. Machtpotenzials, nämlich positiv
in der Berücksichtigung der Interessen anderer
oder negativ in ihrer Verletzung.
Die Auswirkungen betreffen nicht nur die Ziel-
personen, sondern auch die Einwirkenden selbst
sowie das Wissen, die Handlungsfähigkeit und die
Effektivität der jeweiligen sozialen Einheit.
Folgende Sinnsprüche fassen es gut zusammen:
"Machtausübung korrumpiert, absolute Macht
korrumpiert absolut."
"Macht ist die Chance, nicht lernen zu müssen."
Das Janus-Gesicht der Macht 30Vielen Dank für Ihre
Aufmerksamkeit
Das Janus-Gesicht der Macht 31Literaturangaben
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Das Janus-Gesicht der Macht 33Sie können auch lesen