Denk_mal nachhaltig - werkstatt denkmal 2020 Berliner Kinder und Jugendliche forschen zum Tag des offenen Denkmals - Denk mal an Berlin
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
Denk _ mal nachhaltig
Berliner Kinder und
Jugendliche forschen
zum Tag des
offenen Denkmals
werkstatt denkmal 2020Kooperationspartner 2020 Inhalt
Für die Unterstützung der werkstatt denkmal
bedanken wir uns in diesem Jahr herzlich bei:
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Das Jugendprojekt werkstatt denkmal . . . . . . . . 5
Charlottenburg-Wilmersdorf
Das Ledigenheim in der Danckelmannstraße:
„Vom Bullenkloster zum Studentenwohnheim“ . . . . . . . . 6
Marzahn-Hellersdorf
Das Gründerzeitmuseum im Guthaus Mahlsdorf:
„Holz und Töne – das klingende Gutshaus“ . . . . . . . . . . . . 10
Mitte
Der Bärenzwinger im Köllnischen Park: „Art zum
Artenschutz – nachhaltige Wappen für Berlin“. . . . . . . . . 14
Neukölln
Das Schloss Britz mit Gutspark und Gutshof:
„Gutshof Britz – vom Landgut zum Kulturgut“ . . . . . . . . . 18
Pankow
Das Denkmalensemble Kastanienallee 9–12:
„Auf Spurensuche in der Kastanienallee“ . . . . . . . . . . . . . . 22
Reinickendorf
Der Ortskern Hermsdorf mit Dorfanger und
Straße Alt-Hermsdorf: „Lernen vom alten Dor�kern
für heutige nachhaltige Nutzung“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
Museumspartner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Das Jugendprojekt werkstatt denkmal
im Rückblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
Der Verein Denk mal an Berlin e.V. . . . . . . . . . . . . 32
Mitgliedsantrag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
Förderprojekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34/35
Impressum/Bild- und Textnachweis . . . . . . . . . . 35Vorwort Vorstellung des Projektes
Liebe Leserin, lieber Leser, Das Jugendprojekt werkstatt denkmal von Denk mal an Berlin e.V.
wer hätte das ge- Papier genauestens untersucht. Doch bevor die Mit seinen Arbeitsschwerpunkten Denkmal- Die Kinder und Jugendlichen sind bei die-
dacht, dass wir in die- Kinder in die Details der Dachformen, Spros- sanierung und Bewusstseinsbildung setzt sich sem Projekt eingeladen, gemeinsam mit Künst-
sem ver�lixten Jahr senfenster und Ziegel einstiegen, lernten sie Denk mal an Berlin e.V. für die Berliner Denk- lern, Museumspädagogen und Experten eine
doch sechs Jugend- erst einmal, was überhaupt ein Denkmal ist. mallandschaft in ihrer Gesamtheit ein. Der Zeitreise in die gebaute Vergangenheit ihres
projekte zum Tag des Und gehen jetzt viel aufmerksamer für ihre Verein fördert den Denkmalschutz durch Ver- Umfeldes zu unternehmen, es zu erforschen, zu
offenen Denkmals Umgebung durch die Stadt. anstaltungen, Spendensammlungen, Öffent- dokumentieren und mitzugestalten. Durch die
auf die Beine stellen Auch Bären wohnten eng, wie Kinder der lichkeitsarbeit und Jugendprojekte. Auseinandersetzung mit historischen und ak-
können? Regional- Möwensee-Grundschule bei der Erforschung Das Jugendprojekt werkstatt denkmal wird tuellen gesellschaftlichen Hintergründen wird
museen und Schulen des Bärenzwingers im Köllnischen Park feststel- seit 2004 durchgängig in jedem Jahr zum die Nachbarschaft bewusster wahrgenommen.
sei Dank! Viel Spaß len mussten. Das Gebäude mit den drei Kä�igen, „Tag des offenen Denkmals“ vom Verein in Die Kinder und Jugendlichen können Verant-
also bei der Erkun- in die die Kinder krochen, fanden alle viel zu eng Kooperation mit dem Arbeitskreis Berliner wortung übernehmen und lernen den ideellen
dung unter dem und begrüßten die heutige Nutzung als Galerie. Regionalmuseen organisiert. Es ist das lang- Wert eines Originals erkennen und schätzen. So
diesjährigen Thema „Denk_mal nachhaltig“! Begeisterung löste das Gründerzeitmuseum lebigste und größte Projekt seiner Art in Berlin. wächst der Wunsch, Schönes und Bedeutendes
Wer heute über Wohnungsnot klagt, sollte im Gutshaus Mahlsdorf aus. Charlotte von Mahls- 2010 gab es dafür den höchsten Berliner Denk- zu erhalten und im Umfeld sinnvoll einzube-
sich das Ledigenwohnheim in der Danckelmann- dorf († 2002) hätte sich sicher über das Interesse malpreis, die Ferdinand-von-Quast-Medaille. ziehen.
straße ansehen. 1908 wurde das Reformprojekt der Kinder aus der BEST-Sabel Grundschule Die kreativ-künstlerischen, historisch fun- Die Ergebnisse sind so vielfältig wie die Be-
für unverheiratete Männer mit 6 qm großen Kaulsdorf gefreut. Vom Baum bis zur Musik er- dierten und pädagogisch betreuten Projekt- gegnungsräume, die in der Projektwoche ent-
Zimmern eröffnet. Damit versuchte man die schloss Projektleiterin Kio Wilhelm den jungen wochen der werkstatt denkmal richten sich stehen. Als Abschlusspräsentationen entstehen
katastrophalen Berliner Wohnverhältnisse zu Besuchern die Herstellung von Musikmaschi- an Berliner Schülerinnen und Schüler aller Theaterstücke, Kurz�ilme, Podcasts, Zeitungen,
lindern. Die jungen Forscher aus Charlottenburg nen und mit großem Eifer machten sich alle an Jahrgangsstufen. Im Fokus stehen Bau- oder Ausstellungen oder historisch fundierte Bei-
bauten ein solches Zimmer nach und waren er- ihre eigene Musiktruhe, deren Deckel sie mit Gartendenkmale, die sich in der schulischen träge, die auf Führungen oder in Denkmal-
staunt, was hineinpasst. Nur ein eigenes Bad fan- einer Intarsie bestückten. Das Konzert gibt es Umgebung be�inden. Bislang wurden in allen parcours eine ungewöhnliche Perspektive auf
den sie im inzwischen als Studentenwohnheim am Tag des offenen Denkmals zu hören! 12 Berliner Bezirken mittelalterliche Gebäude, unsere Stadt eröffnen.
genutzten Denkmal doch unverzichtbar. In Neukölln schließlich bot sich Schloss Britz Wallanlagen, Gotteshäuser, Wohngebäude,
In der Kastanienallee 12 in Prenzlauer Berg mit Gutshof und -park als Untersuchungsobjekt Bunkeranlagen, Parks, Friedhöfe, Einzeldenk-
lernten SchülerInnen der Kurt-Tucholsky-Schule des benachbarten Albert-Einstein-Gymnasiums male, Schulgebäude, Vergnügungsparks, Ver-
schon etwas größere Wohnungen (38–40 qm) an. Die Nutzung der dortigen Gebäude über die kehrsanlagen, Industrieanlagen, Mühlen,
kennen. Das alte Mietshaus ist fast unverändert Jahrhunderte hinweg wurde erforscht und auf Stadtbäder und Kliniken sowie eine Spolien-
– befremdlich für die jungen Interviewer der Tafeln dokumentiert, die die Besucher über die sammlung erforscht!
Hausbewohner, die vergeblich nach Toiletten in wechselvolle Geschichte informieren werden.
den Wohnungen und Fahrstühlen Ausschau hiel- Unsere nun im 17. Jahr durchgeführten Ju-
ten. Ob die Nachhaltigkeit, die im Haus gep�legt gendprojekte wurden wieder ermöglicht durch
wird und die moderaten Mieten zum Nachden- �inanzielle Unterstützung des Landesdenkmal-
ken über heutige Ansprüche angeregt haben? amtes Berlin, der Stiftung Berliner Sparkasse,
Noch weiter zurück in die Geschichte des der Wilhelmine Grund-Stiftung und der Stif-
Wohnens führte das Museum Reinickendorf die tung Pfefferwerk. Ihnen und dem bewährten
Workshop-TeilnehmerInnen der Grundschule am Arbeits-Team von werkstatt denkmal (Ockert,
Fließtal. Der Dorfanger von Hermsdorf kann Knoll, Ohle) ein herzliches Dankeschön!
auf stolze 10 Jahrhunderte Wohngeschichte zu-
rückblicken. Was davon im Denkmalensemble Ihre
noch überliefert ist, wie die Büdnerhäuser oder Elisabeth Ziemer
Werkstätten, wurde mit Zollstock, Bleistift und Vorsitzende des Vereins Denk mal an Berlin e.V.
4 5Vom „Bullenkloster“ zum
Studentenwohnheim
Der Schriftzug „Ledigenheim“ prangt auf der großen gold-
Das Ledigenheim in der gelb leuchtenden Fassade. Gleich im Eingangsbereich gibt
-
es so viele Namensschilder, so viele Brie�kästen! „Jedes
rg
Danckelmannstraße
tt en bu
Zimmer hat eine Nummer wie zum Beispiel 82.00.03.26.
rlo
Danckelmannstr. 46–47, 14059 Berlin
Cha
An den Zahlen kann man erkennen, wer in welcher Etage
Mit seinen 6qm kleinen Einzelzimmern und in welchem Zimmer wohnt“, erklärte die Verwaltungs-
galt das erste 1907 in der Charlotten-
leiterin Regina Neukrantz, die mit Hausmeister Mario
burger Danckelmannstraße gebaute
Hielscher die Kindern durch das beeindruckende Gebäude
und 1908 eröffnete „Ledigenheim“ als
und die Höfe führte. Dabei berichtete sie viel zur Geschich-
r f
Pilot-Projekt der Reformbewegung.
r sd o
te des Hauses und wie es früher hier zuging: „Es war auch
lm e
Das vierstöckige Haus war als Unter-
W i kunft für ledige, also unverheiratete ein öffentliches Haus, nach Anmeldung konnte jeder die
Männer gedacht, die sich ansonsten Bäder nutzen. Dafür wurden z.B. die Badewannen im Kel-
oft nur stundenweise begrenzte lerbereich für eine halbe Stunde zur Verfügung gestellt.“
Schlafstellen in engen Arbeiterwoh- Im schattigen Hof schauten sich die Mädchen Zimmer-
nungen leisten konnten. Bis zu 370 Ar- Grundrisse an und erfuhren, dass für eine bessere und
beiter, Angestellte und Handwerker nachhaltige Nachnutzung Architekten beauftragt wurden,
mit geringem Einkommen wohnten die kleinen Zimmer umzubauen. Sollte man alles neu ma-
im Ledigenheim in verhältnismäßig chen oder nur die Küchen vergrößern? Oder jedes Zimmer
komfortablen Zimmern mit Gemein-
lieber mit einem eigenen Bad ausstatten? Eindeutige Ant-
schaftsraum, öffentlicher Badeanstalt,
wort der jungen Denkmalschützer: ein eigenes Bad!
einer Volksbücherei, einer Speisehalle
und Geschäften. Weil Frauen keinen
Frau Neukrantz erzählte: „Wer hier wohnt, kann sich
Zutritt hatten, wurde das Heim auch wie in einer großen Familie fühlen. Es ist immer jemand
„Bullenkloster“ genannt. da, es ist immer etwas los. Man trifft sich vor allem in der
Seit 1979 sind hier im als Studenten- Küche, wo es auch internationale Kochabende gibt.“
wohnheim genutzten Gebäude heute Als Jessica Waldera auf Details an den Fassaden hin-
Studierende aus aller Welt zu Hause wies, staunten die Kinder über Blumen, Vögel, Wölfe und
wie von der Freien Universität, der Affen, die sie dort entdeckten, und hielten sie gleich auf
Technischen Universität und der ihren Notizblöcken fest. Im Museum Charlottenburg-
Humboldt-Universität – insgesamt Wilmersdorf schließlich wurde es praktisch: Auf einem
156 Mieter, verwaltet vom studieren- Zeitstrahl von 1907 bis heute stellten die Kinder das zum
denWERK Berlin. Die Zimmer sind Ledigenheim Erlernte mit Texten und Fotos dar. Die jungen
nach Umbauten 13 bis 18 qm groß
Entdecker bauten aus kleinen Kartons und Papier-Möbeln
und mit Bett, Tisch, Schreibtisch,
kreativ ihre eigene Wunsch-Wohnung.
Regal und Wäscheschrank möbliert.
Die Küchen, der Club-Raum und Und als Highlight entstand ein 1:1-Wohn-Modell, um
Sanitär-Räume werden gemeinsam nochmal die Größe der Wohnsituation erfahrbar zu ma-
genutzt. Jede Etage hat 4 Bäder und chen. Dazu wurde aus Pappe der Grundriss der Wohnung
2 Toiletten für 8 bis 12 Bewohner. Es gebaut und die Kinder waren selbst die Möbel wie Bett,
gibt einen Fitness- und einen Wasch- Regal, Schrank oder Schreibtisch – so nebeneinander
maschinenraum. liegend war das ganz schön eng!
6 7„Es war interessant zu sehen, was alles in so ein
Charlottenburg-Wilmersdorf
kleines Zimmer passt. Denn diese 6 Quadratmeter
sind nicht groß. Jeder von uns hat in dem aus großen
Pappen gebauten Zimmer etwas dargestellt – ein „Vorher habe ich noch nie
Bett, einen Stuhl, einen Tisch. Das war ganz schön über ein Studentenwohnheim
eng! Ich könnte mir vorstellen, dort zu wohnen. nachgedacht und ich wusste
Aber ein eigenes Bad wäre schon besser.“ gar nicht, dass es das in
Emilia (7)
meiner Wohnnähe gibt. Für
unseren Zeitstrahl und die
Darstellung der Entwicklung
des Hauses habe ich die Fotos
„Dass wir unsere eigenen gemacht. Das Projekt war toll,
Zimmer gestalten konnten, weil es so viele kreative Ideen
fand ich gut. Ich habe ver- gab.“
sucht, aus Papier zu bauen, Ava (10)
wie ich mir mein Zimmer
wünsche. Also bei mir gibt es
ein Bett und eine Tanz�läche,
weil ich gern tanze. Jetzt
kommt noch ein Fernseher
und ein schönes Bild rein.“
Mia (7)
Präsentation zum
Tag des offenen Denkmals
Am Samstag, 12. September 2020 um 12 Uhr
präsentieren die Kinder die Ergebnisse in einer
Ausstellung im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf.
Diese ist bis 17 Uhr und auch noch am Sonntag,
Workshopteilnehmer
13. 09. von 11 bis 17 Uhr zu sehen.
7 Ferien-Kinder aus ganz Berlin
mit Dr. Nicola Crüsemann Treffpunkt:
unter der Leitung von Jessica Museum Charlottenburg-Wilmersdorf,
Waldera von den kleinen baumeistern Schloßstraße 55, 14059 Berlin
8 9Holz und Töne – das klingende
Gutshaus
Ein zwischen hohen Bäumen verstecktes gut erhaltenes
Wohnhaus voller lebendiger Geschichte mit schönen alten
Möbeln und ungewöhnlichen „Musik-Maschinen“ – das
war nicht nur eine spannende Zeitreise für die Kinder der
Das Gründerzeitmuseum im BEST-Sabel Grundschule Kaulsdorf. Um mehr darüber zu
Gutshaus Mahlsdorf erfahren, ging es bei einer kleinen Führung mit der jetzi-
Marzahn- Hultschiner Damm 333, 12623 Berlin
Mit vollständig eingerichteten Wohn-
räumen und den Musikmaschinen ge-
hört dieses Gründerzeitmuseum zu
gen Museumsleiterin Monika Schulz-Pusch durch das
denkmalsanierte Haus in die einzelnen Räume und zu sel-
tenen Objekten.
Beim Erkunden auf eigene Faust entdeckten die jungen
Hellersdorf
den beeindruckendsten Gründerzeit- Forscher schöne Möbel mit �iligranen Holz-Intarsien und
Sammlungen Europas. Das um 1815 über 20 ungewöhnliche Musikinstrumente! Haus-Restau-
erbaute Gutshaus war einst der Mittel- rator Horst Riesebeck erklärte den Kindern die außer-
punkt einer für die Region typischen gewöhnliche Sammlung, die mögliche Tonerzeugung mit
ländlichen Gutsanlage mit hufeisen- den Geräten, wie man früher Töne speicherte und wie die
förmigem Wirtschaftshof und Garten- Truhen gebaut wurden. Manche Instrumente durften die
land, dem späteren Landschaftspark. Mädchen und Jungen sogar selbst bedienen.
Im heutigen Museum sind alle Wohn- Nach einem Picknick im schönen Garten des Gutshofes
räume komplett mit Möbeln und ging es um den Baustoff Holz als nachwachsenden Roh-
Hausrat des einfachen und gehobenen stoff. Eine kleine Rallye kreuz und quer durch das Gelände
Bürgertums aus der Zeit von 1880 bis
gab spannende Antworten auf viele Fragen, z.B. wie viele
1900 ausgestattet. Der große Garten-
Baumarten es hier gibt und wie sie heißen, was die Jahres-
saal mit Freitreppe zum Park wurde
als „gutes Zimmer“ möbliert. Das ringe bedeuten, wie viele Bäume jetzt im Gutspark stehen
Herrenzimmer beherbergt hoch- und was das Besondere an der Fleischroten Rosskastanie
wertige Möbel, Schreibtisch mit Zu- ist. Im Jahr 1794 wurden übrigens mal alle Bäume gezählt
behör, eine Standuhr und einen – da waren es 877 Stück.
gusseisernen Ofen. Im Damensalon Im Labor vom Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf
stehen Plüschmöbel mit viel passen- bekam jeder ein kleines Holzkästchen und bestückte es mit
dem Zubehör. Eindrucksvoll dokumen- kleinen Spielwerken. Melodien wie „Für Elise“, „Peter und
tiert die Musikmaschinen-Sammlung der Wolf“, „Frère Jacques“ oder „Pink Panther“ klangen
den technischen Erfindergeist der da- schon mal zur Probe. Für die Deckel, die mit echtem Holz
maligen Zeit mit Spieldosen, Musik- verschönert werden sollten, musste vorab ein geometri-
automaten für den Restaurantbetrieb,
sches Bild oder Muster mit Dreiecken oder Vierecken ent-
Tanzsaal-Orchestrion, Phonograf und
worfen werden: Erst auf Papier zeichnen, dann auf ganz
Grammophon mit Schellackplatten.
Charlotte von Mahlsdorf (alias Lothar
dünnes Holzfurnier übertragen und schließlich mit einem
Berfelde), Gründerin und langjährige Cutter vorsichtig ausschneiden und auf den Deckel kleben
Leiterin des Museums, sammelte seit – ganz schön kniffelig. Nach dem Trocknen wurde alles
ihrer Jugend historische Alltagsgegen- noch mit Sandpapier nachbearbeitet und als Höhepunkt
stände. Aus dieser Sammlung entstand gab es ein kleines Konzert mit den schön gestalteten
ab 1958 das Gründerzeitmuseum. Musiktruhen. Ungewöhnlich, aber auch einzigartig!
10 11„Wie wichtig es ist, gute alte Sachen aufzuheben,
Marzahn-Hellersdorf
haben wir in Mahlsdorf gelernt. Am besten hat es
mir in der Werkstatt gefallen. Wir durften selbst
entscheiden, welches Muster auf unsere Musikbox
kommt. Ich habe ein Jesuskreuz ausgewählt.“
Klara (9)
„Im Gründerzeitmuseum
fand ich die großen
Grammophone schön,
weil man nicht nur Musik
sondern auch von früher
verschiedene Sprachen
hören konnte. Das war die
erste Maschine, mit der
auch Sprachen aufgenom-
men werden konnten.“
Ansgar (11)
„Es war ganz schön schwierig,
die Muster aus dem dünnen
Holz mit dem Cuttermesser
zu schneiden. Prima, dass
im Museum alles aufgehoben
wurde. Das war auch ganz
schön viel Arbeit!“
Präsentation zum
Max (10)
Tag des offenen Denkmals
Workshopteilnehmer Am Sonntag, 13. September 2020 um 14 Uhr
12 Kinder der Klasse 5 bis 6 der werden die eigenen Spielwerkkästchen vorgeführt und
BEST-Sabel Grundschule Kaulsdorf, es wird berichtet, was die Kinder im Workshop gemacht
Lehrerin Gisela Schlegel, haben.
Lehrerin Frau Windhorst, Leiterin
Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf Treffpunkt:
(Haus 2) Iris Krömling unter der Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf (Haus 2),
Leitung von Annette Kio Wilhelm Alt-Marzahn 55, 12685 Berlin
12 13Art zum Artenschutz –
nachhaltige Wappen für Berlin
Wie ist es zum Auszug der Bären vom Bärenzwinger ge-
kommen und warum ist heute hier Kunst zu sehen? Wie
wird das Gebäude nachgenutzt? Was hat das mit Arten-
schutz zu tun und wie könnte ein neues Wappen für Berlin
aussehen? Das erforschte und erarbeitete die Klasse 5b der
Möwensee-Grundschule.
Der Bärenzwinger im Sie waren dabei den Bären auf der Spur, erkundeten das
Köllnischen Park Gehege im Köllnischen Park, die Berliner Wappen-Ge-
Im Köllnischen Park, 10179 Berlin schichte und beschäftigten sich auch mit vom Aussterben
bedrohten Tieren. Bärenzwinger-Mitarbeiter Benedikt er-
Urs, Vreni, Lotte, Jule, Tilo, Maxi und
klärte am Bärenzwinger die wechselvolle Geschichte des
Schnute – mehrere Generationen
von Braunbären beherbergte der Denkmals und dass seit 2015 nach dem Tod der letzten
Bärenzwinger im Köllnischen Park Bärin Schnute auch aus tierschutzrechtlichen Gründen
neben dem Märkischen Museum. Die keine weiteren Tiere in den Zwinger eingezogen sind.
Berliner Bevölkerung wünschte sich Ganz spannend war, nicht nur die Außengehege mit den
damals ein lebendiges Wappentier in leeren Wassergräben zu sehen, sondern sich auch in den
der Stadt. Und so lebten im vom Innenräumen umzuschauen. In einem Innengehege maßen
Architekten Ludwig Hoffmann für die die Schüler per Zollstock die Größe eines Bären aus und
Berliner Stadtreinigung angelegten erlebten hautnah, wie es hier für die Tiere gewesen sein
Backstein-Gebäude nach dem Um- muss. Viel zu eng! Normalerweise brauchen Bären so viel
und Ausbau fast 80 Jahre lang Wap- Platz, wie die Stadt Berlin groß ist, erfuhren die jungen
pentiere der Hauptstadt. 1939 zogen
Besucher noch vom Experten.
erstmals Bären in das Gehege ein wie
Museumspädagogin Stefanie von Schroeter vermittelte
Lotte und Jule aus dem Berliner Zoo
oder Urs und Vreni aus dem welt-
den Kindern, dass das historische Gebäude nicht geschlos-
bekannten Berner Bärengraben. Letz- sen wurde, nachdem die Bären hier verschwanden, son-
tere waren ein Geschenk der Stadt dern auch heute weiter genutzt wird. Als Kulturort mit
Bern zur 700-Jahr-Feier Berlins. einer Galerie und verschiedenen Ausstellungen. Aktuell
Nach dem Mauerfall 1989 ermöglich- wird „sound.nodes“ gezeigt.
ten private Spenden die Restaurie- Nach einer Einführung in Berlins Stadtgeschichte mit
rung des baulich angeschlagenen historischen Berlin-Wappen durch Kunstvermittlerin
Zwingers und somit seinen Erhalt. Mareike Bräuniger zeichnete jeder selbst skizzenhaft ein
Nach einigen Versuchen der Zwischen- Wappen. Im Museumsgarten vom Mitte Museum in der
nutzungen, z.B. auch als Sauna, wird Pankstraße wurden die Kinder dann richtig kreativ. Mit
der unter Denkmalschutz stehende viel bunter Farbe und Naturmaterialien gestaltete jeder
Bau seit 2017 als Galerie für zeit-
ein eigenes Wappen für Berlin mit gefährdeten Tieren –
genössische Kunst genutzt. Ver-
so landeten zum Beispiel ein Wolf, eine Fledermaus, eine
schiedene Ausstellungen, Vorträge
und Diskussionen finden hier statt. Eidechse oder ein Feldhase darauf. Zu den einzelnen
Mitte
Das Bezirksamt Mitte, das sich um Tieren entwickelten die Mädchen und Jungen noch Vor-
den Bärenzwinger kümmert, will ihn schläge, wie diese zu schützen sind.
als öffentlichen kulturellen Lehr- und Nachdem die Schüler am 12. September eine Prozession
Lernort sowie Wissensstandort für mit den Wappen um den Bärenzwinger gemacht haben,
Stadtkultur weiterentwickeln. werden diese als Ausstellung in der Schule gezeigt.
14 15Mitte
„Gut, dass wir in den Zwinger reingehen durften.
Für uns war es schon sehr eng und für die Bären
damals erst recht. Heute würden Bären gar nicht
mehr so zugelassen werden, keiner würde das „Ich wusste vorher gar nicht,
mehr erlauben.“ dass es hier diesen Bären-
Lorenz (9) zwinger gab. Ich �inde nicht
gut, Tiere einzusperren. Sie
sollten in freier Wildnis leben
können. Die Kä�ige hier waren
viel zu klein.“
Semih (10)
„Für mein Wappen habe ich
einen Greifvogel gemalt und „Die armen Bären wurden ein-
echte Federn eingearbeitet. gesperrt und konnten nicht
Es ist gruselig, dass so viele frei sein. Das �inde ich traurig.
Tiere vom Aussterben Es ist wichtig, dass wir uns für
bedroht sind. Auch Tier- die Tiere engagieren, damit
quälerei �inde ich nicht gut. sie nicht aussterben.“
Man muss besser auf die Sophie (10)
Tiere aufpassen!“
Luan (11)
Workshopteilnehmer
Präsentation zum
21 Schülerinnen und Schüler der
Klasse 5b der Möwensee-
Tag des offenen Denkmals
Grundschule, Klassenlehrer Thomas Am Samstag, 12. September 2020 von 13 bis 15 Uhr
Ueberle, Kunstvermittlerin Mareike präsentieren die Kinder die Ergebnisse mit einer
Bräuniger, Erzieherin Kirsten Karge Prozession um den Bärenzwinger.
unter der Leitung von Stefanie von
Schroeter in Kooperation mit dem Treffpunkt:
Mitte-Museum Bärenzwinger, Im Köllnischen Park, 10179 Berlin
16 17Neukölln
Gutshof Britz –
vom Landgut zum Kulturgut
„Großstadt Neukölln. 1920–2020“ heißt die aktuelle Aus-
stellung im Museum Neukölln anlässlich „100 Jahre Groß
Berlin“, die die Schüler vom Albert-Einstein-Gymnasium
im Rahmen des Workshops zuerst besuchten. Mit großen
Würfeln, die mit historischen Motiven bestückt waren,
bauten sie wie bei einem Puzzle acht typische Orte Neu-
Das Schloss Britz mit köllns zusammen. Unter diesen markanten Schauplätzen
Gutspark und Gutshof war natürlich auch der Gutshof Britz, für den sich die
Alt-Britz 81, 12359 Berlin Zehntklässler vor allem interessierten. Auf weiteren histo-
rischen und aktuellen Fotogra�ien konnten feinste Verän-
1699 wurde das alte Fachwerkge-
derungen im Stadtbild verfolgt und verschiedene Epochen
bäude vom ehemaligen Rittergut
Britz durch ein neun-achsiges zwei-
verglichen werden.
geschossiges Steinhaus ersetzt. 1705 Auch wenn sich das Gymnasium der Schüler direkt
ließ man einen barocken Gutspark neben dem Gutshof be�indet und sie schon zu Grundschul-
mit Statuen, einer Orangerie und zeiten das Gelände häu�ig besuchten, gab es bei einer Rallye
Teichen anlegen. Schloss Britz ent- über das ehemalige Rittergut noch neue Erkenntnisse:
wickelte sich fortan zum Mustergut Beim selbstständigen Erkunden und durch Gespräche
mit Seidenbau, vorbildlicher Land- mit verschiedenen Gutshof-Mitarbeitern entdeckten die
wirtschaft und moderner Dorfschule. Jugendlichen noch Orte und Ecken, die sie vorher gar nicht
Mit der Neuerrichtung sämtlicher kannten. Wie das kleine und feine Hotel, das neben dem
Wirtschaftsgebäude des Gutshofes Restaurant im Schloss beherbergt ist.
mit damp�etriebener Spritfabrik in Und immer wurden Fotos gemacht oder Skizzen ange-
der 1.Hälfe des 19.Jahrhundert erleb-
fertigt. Denn zum Ende der Workshop-Woche sollten mit
te das Anwesen eine neue Blütezeit.
Bildern illustrierte Texte erstellt werden, die auf künftigen
Ab 1888 wurde das Gebäude innen
und außen im Stil der Neo-Renais- Info-Tafeln die unterschiedlichen Nutzungen des Gutshofes
sance überformt. 1924 ging das Gut vom Mittelalter bis heute kritisch für alle Besucher er-
in den Besitz der Stadt Berlin über. läutern. Für die sechs Stationen wurden die Musikschule
Nach der Zwischennutzung als Flücht- im ehemaligen Verwalterhaus, der Turm mit der heutigen
lings- und Kinderheim öffnete 1988 Verwaltung des Museums Neukölln, das Museum selbst im
das Schloss nach vorbildlicher Restau- ehemaligen Pferde- und Ochsenstall, der „Kulturstall“ im
rierung mit ausgewählten Möbeln ehemaligen Kuhstall mit dem Schweizerhaus, das Schloss
und Gemälden aus der Zeit des Histo- und der Park sowie der Schornstein der ehemaligen
rismus. Schnapsbrennerei ausgewählt.
Zum Gutshof gehörten neben der Im Archiv des Museums ging es nochmal auf Spuren-
Brennerei die Schmiede mit Uhren-
suche in die Vergangenheit. Recherchen in historischen
turm, das Schweizerhaus, das Ver-
Quellen versetzten die Gymnasiasten ins Staunen. Hier
walterhaus sowie Pferde-, Kuh- und
Ochsenstall. Typisch an einigen Ge-
wurde mal Schnaps gebrannt? Was heißt „Schweizer-
bäuden ist die unverputzte Ziegel- haus“? Wer war Friedrich Ewald Graf von Hertzberg?
bauweise im italienisch-ländlichen Nach fünf spannenden Tagen waren sich die Schüler
Villenstil. Ehemalige Anlagen werden einig: Krass, wie sich der Ort im Laufe der Zeit entwickelte
heute als Museum, Kulturstall, Musik- und wie gut das ganze Areal heute genutzt wird. Ein
schule oder Restaurant genutzt, auch Lieblingsplatz in dieser Stadt, den sie jetzt viel besser als
historische Nutztierrassen leben hier. andere kennen!
18 19„Jetzt haben wir uns mal genauer mit dem Nachbar-
ort hier beschäftigt und erfahren, wie sich im Laufe
der Geschichte alles verändert hat. Es ist jetzt ein
Neukölln
Kulturort. Besser wäre noch, wenn es im Schloss
Angebote für alle geben würde, eine Art Nachbar- „Ich wusste gar nicht, dass
schaftshaus.“ hier mal eine Schnapsbrenne-
Vincent (15)
rei war, von der jetzt nur noch
der Schornstein steht. Wir
haben im Workshop viel über
den Erbauer der Brennerei
herausgefunden und dass
hauptsächlich Kartoffel-
Schnaps hergestellt wurde.“
Ida (15)
„Gerade erstellen wir Zeich-
nungen und machen Fotos.
Gut, wie alles heute nach-
genutzt wird: Im früheren
Verwalterhaus ist jetzt eine
Musikschule. In der spiele
ich seit 2 Jahren Geige.
Und im ehemaligen Kuhstall
�inden auch Konzerte statt.“
Lucien (14)
„Wir kennen den Gutshof Britz
schon ganz gut, weil wir mit
der Klasse öfter hierher-
kommen und unsere Lehrerin
hier arbeitet. Es gibt auch
eine Museums-AG an unserer
Schule, die sich mit den
Objekten hier beschäftigt.
Zum Beispiel in den Fächern
Geschichte oder Politik.“
Tracy (15)
Präsentation zum
Workshopteilnehmer Tag des offenen Denkmals
32 Schülerinnen und Schüler der Am Sonntag, 13. September 2020 von 11 bis 16 Uhr
10. Klasse vom Albert-Einstein- präsentieren die Schüler an sechs Stationen auf dem
Gymnasium, die Volontäre Gutshofgelände ihre Ergebnisse.
Marisa Schulz und Eric Strohmeier,
Museumslehrerin Silvia Haslauer Treffpunkt:
unter der Leitung von Anabel Fuchs Museum Neukölln, Alt-Britz 81, 12359 Berlin
20 21Auf Spurensuche in der
Kastanienallee 12
Pankow
Es war wie eine Reise in eine andere Zeit, als die Mädchen
und Jungen der 7. Klasse der Kurt-Tucholsky-Oberschule
die vielen in den wilden Garten mündenden Hinterhöfe
Das Denkmalensemble durchstreifen. Dunkle Durchgänge, bröckelnde Fassaden,
Kastanienallee 9–12 bunte Graf�iti überall – kein alltägliches Bild für die Heran-
Kastanienallee 12, 10435 Berlin wachsenden.
Bei ihren Erkundungen vor Ort erfuhren sie von An-
Im Ortsteil Prenzlauer Berg von wohner Christoph Hamann, dass die etwa 38 bis 40 qm
Pankow liegt die 1826 angelegte Kasta-
großen Wohnungen fast alle bewohnt und die Mieten noch
nienallee. Eine 950 m lange Allee, die
bezahlbar sind. Ihm war wichtig, den Jugendlichen zu
sich von der Schönhauser Allee/Ecke
Eberswalder Str. bis zur Fehrbelliner vermitteln, wie man in Berlin auch leben kann. Er selbst
Str. im Bezirk Mitte zieht. Sie erhielt wohnt seit 10 Jahren hier, sagte: „Nachhaltigkeit ist ein gro-
den Namen nach ihrer Erstbepflan- ßes Thema bei uns. Wir nehmen Dinge selbst in die Hand,
zung mit Rosskastanien. Nach Sanie- reparieren manches selber. Es liegt in unserer Verantwor-
rung und Modernisierung des größten tung, wie schön wir es uns machen können. Bestimmte
Teils der Häuser in den 1990er Jahren Räume und die Höfe nutzen wir zusammen. Keiner muss
wurde die Allee zum Viertel mit für sich allein sein, wir können uns im Garten für gemein-
Kneipen, Bars und Galerien. Der same Aktionen treffen.“
„Berliner Prater“, Berlins ältester Dass die Wohnungen ziemlich eng sind, dass die Öfen
Biergarten mit Theater/Galerie, und noch mit Kohle beheizt werden und die Toiletten sich im
die Kastanienallee 10 sind historisch
Treppenhaus be�inden, war für die jungen Forscher eher
erkundet – anders die Kastanienallee 12:
befremdlich. Beim Rundgang durch das Gebäude zeigte
Der 1889 errichtete Gebäudekomplex
mit Vorderhaus, 3 Hinterhäusern und
eine Anwohnerin im Hinterhaus, wie sie zwei Wohnungen
Garten ist fast unerforscht. zusammengelegt hat – das ge�iel schon besser.
Von der Nr. 12 aus führen 4 berlin- Mit eigenen Video-Aufnahmen dokumentierten die
typische Hinterhöfe zum ehemaligen Jugendlichen die ungewöhnlichen Wohn-Situationen. Im
„Hirschhof“, einem Treff von Künst- Archiv vom Museum Pankow recherchierten die Schüler
lern und DDR-Bürgerrechtlern in den dann weitere Details zum Gebäudekomplex, sichteten alte
1980er Jahren. Die zusammengelegten Fotos, Stadtpläne und historische Karten.
Hof-Anlagen von Kastanienallee 12 Von Bettina Tacke und Christoph Betz erfuhren sie
und Oderberger Straße 19 verband als etwas zu Interview- und Kameratechniken. Wie führe ich
Durchgang ein 3 m hoher Hirsch aus ein Interview? Welche Fragen stelle ich, um gute Informa-
Stahl. Nach Privatisierung und Tren- tionen zu bekommen? Wie halte ich alles gut im Bild fest?
nung der Grundstücke hatten 1990
Es folgten noch erste Tests mit der Kamera.
Künstler den 4. Hinterhof bzw. den
Am letzten Tag des Werkstatt-Projektes führten die
Garten der Kastanienallee 12 neu zu
einer abenteuerlich-idyllischen Oase Siebtklässler in Kleingruppen Film-Interviews mit ver-
gestaltet. Die Wohnungen wurden schiedenen Bewohnern durch. Dabei erfuhren sie noch so
seit dem Bau nicht modernisiert, hier viel mehr über das ganz andere Wohnen, das für sie unge-
leben heute Familien, Jugendliche, wöhnliche Leben und die nachhaltigen Ansätze – gelebte
Ältere und Künstler. Geschichte mitten in Berlin!
22 23Pankow
„Wenn man hier reinkommt, denkt man, dass
hier keiner mehr wohnt. Ich würde hier nicht „Es ist aus meiner Sicht nicht normal, wie man
gern wohnen, es ist viel zu eingeengt.“ hier wohnt und eher ungewöhnlich. Die Leute, die
Daniel (12) hier wohnen, sind sehr glücklich. Die kennen es
nicht anders.“
Milan (12)
„Ich habe mal hier in der
Nähe gewohnt und wusste
nicht, dass es diese Höfe
gibt. Die Böden in den
Wohnungen quietschen
und einen Fahrstuhl gibt
es nicht, aber die Woh-
nungen sind gemütlich
hergerichtet. Und der
Garten ist ganz schön.“
Sarwien (13)
„Alles sieht hier sehr ver-
nachlässigt aus. Und dass die
Toiletten außerhalb der
Wohnung sind, geht gar nicht.
Das �inde ich sehr schlimm.
Die Wohnungen sind sehr eng
und die niedrigen Decken
verstärken das noch.“
Tuana (13)
Präsentation zum
Tag des offenen Denkmals
Am Samstag, 12. September 2020 um 14 und 16 Uhr
führen die Schüler und Bewohner durch den Gebäude-
Workshopteilnehmer komplex und zeigen Ausschnitte aus den entstandenen
12 Schülerinnen und Schüler der Videos.
7. Klasse der Kurt-Tucholsky-Ober-
schule, Pädagogin Margot Potemans, Treffpunkt:
Journalistin Bettina Tacke, Video- Kastanienallee 12, 10435 Berlin
filmer Christoph Betz unter der Um Anmeldung wird gebeten:
Leitung von Ellen Roters ellen.roters@ba-pankow.berlin.de
24 25Lernen vom alten Dor�kern für
heutige nachhaltige Nutzung
Reinickendorf
Aus welchem Baustoff besteht „mein“ Haus? Welche For-
men haben Dächer, Fenster, Türen oder Ziegelsteine? Steht
das Gebäude unter Denkmalschutz? Wofür wurde das
Haus früher genutzt und wer wohnt wie heute darin? Ist
das nachhaltig und zukunftsfähig?
Mädchen und Jungen der „Grundschule am Fließtal“ in
Der Ortskern Hermsdorf Hermsdorf lernten in ihrer unmittelbaren Umgebung in
mit Dorfanger und Nachbarschaft zu ihrer eigenen Schule altes Kulturgut des
Straße Alt-Hermsdorf Denkmalensembles von Alt-Hermsdorf kennen. Sie er-
Alt-Hermsdorf, 13467 Berlin forschten mit künstlerischen und wissenschaftlichen
Methoden beispielhaft ausgewählte Elemente, wobei ein
Im Norden des Bezirkes Reinicken- besonderes Augenmerk auf der Nachhaltigkeit der Bauten
dorf liegt der Ortsteil Hermsdorf mit
im Detail lag: Die Kinder beobachteten, verglichen, zeich-
einer Fläche von etwa 6qkm. Herms-
neten, fotogra�ierten, �ilmten, frottierten und machten
dorf wird begrenzt von Lübars, Waid-
mannslust, Tegel, Frohnau und der
viele, viele Notizen.
Brandenburgischen Gemeinde Glieni- Im Museumsgarten vom Museum Reinickendorf gab es
cke. Am östlichen Ende der Straße zuerst eine Einführung zum Thema Denkmal, Denkmal-
Alt-Hermsdorf findet man den histo- p�lege und Denkmalschutz und erste Informationen zum
rischen Ortskern mit dem Dorfanger, Hermsdorfer Denkmalensemble. Dann ging es in kleinen
der unter Denkmalschutz steht. Gruppen in der Straße Alt-Hermsdorf zu ausgewählten
Dieser Ortskern entstand Ende des Objekten. Mit dabei u.a. drei „Büdnerwohnhäuser“ sowie
11.Jahrhunderts. Das einstige Sack- ein Wohn-/Werkstättengebäude. Ausgestattet mit Klemm-
gassen-Dorf ist später um eine halb- brettern, Steckbriefen bzw. Aufgabenblättern, Zollstöcken
kreisförmige Anlage erweitert worden. zum Messen der Längen und Übersichten zu Formen z.B.
Im 12.Jahrhundert wurde am Anger von Ziegeln, Dächern, Fenstern oder Türen begann die kon-
eine Holzkirche erbaut, im 16.Jahr-
krete Erarbeitung. Die Kinder erfuhren dabei von Begrif-
hundert eine Fachwerkkirche. Auf
fen, die für sie ganz neu waren: Hohlfalz- und Krempziegel,
neuem Standort wurde im 18.Jahr-
hundert die jetzige Dor�irche errichtet. Lehmpappe, Sprossenkreuze, Satteldach, Pultdach, Tonnen-
Typische und zum Teil unter Denkmal- dach, Knüppelwalmdach oder Rundbogenfenster. Das klang
schutz stehende Bauten im Ortskern für die Mädchen und Jungen mitunter auch ganz lustig …
Hermsdorf bestehen aus Ziegelsteinen. Die Häuser wurden ebenso in Sachen Barrierefreiheit,
Schon im 13.Jahrhundert wurden Brandschutz, Schallschutz oder Kälteschutz begutachtet.
hiesige Vorkommen aus Ton und Oder, ob sie Bewegungsmelder, Solar�lächen oder Ein-
Lehm als Baustoff verwendet. Im bruchschutz besitzen und wie sie sich in den alten Herms-
19.Jahrhundert nutzte man für die dorfer Dorfanger „einbetten“.
Bebauung Berlins und Brandenburgs Zwischen den Workshop-Tagen gab es auch eine kleine
sehr intensiv Ton aus der Region und Hausaufgabe: Malt ein Bauerndorf, wie ihr ihn euch vor-
belieferte Berlin mit Hermsdorfer
stellt! Aus den daraus entstandenen wundervollen Werken
Ziegeln.
wurde eine kleine Galerie in den Museumsräumen.
Das Germanische Gehöft des Muse-
ums Reinickendorf in der Straße Alt-
In anschließenden gegenseitigen Präsentationen der
Hermsdorf 35 beherbergt eine origi- Forschungsergebnisse staunten die Kinder, was ihre Mit-
nal nachgebaute Wohnanlage der schüler alles herausgefunden hatten.
Semnonen – in alter Bauweise mit Und nun freuen sie sich alle, diese zum Tag des offenen
Pfostengerüst, Holz, Lehmflecht- Denkmals auch den Eltern und allen weiteren Besuchern
wänden und Strohdach. zu zeigen und persönlich vorzutragen.
26 27„Worüber ich gestaunt habe ist, dass auf den Dächern
dieser alten Häuser moderne Solaranlagen drauf
sind. Unser erforschtes Haus wurde von 1888 bis
Reinickendorf
1891 gebaut. Vorher war hier eine Werkstatt, jetzt
wohnen hier Leute drin. Und statt der Ziegel wie bei „Das Projekt ist cool, weil man sich die Häuser im
vielen anderen Häusern ist hier Teerfolie auf dem Kiez noch mehr im Detail anschaut. Es hat viel mit
Dach. Es ist ein sogenanntes Pult-Dach.“ Bauen zu tun – ich liebe Bauen! Später werde ich
Lenny (10) mal selber Häuser bauen, aber mit richtig großen
Fenstern für viel mehr Licht!“
„So ein Haus abzuzeichnen,
Stylianos (10)
ist gar nicht leicht. Es sind
so viele Details zu entde-
cken wie die Blumen an den
Fensterläden. Oder die Tür
ist „kassettiert“, also mit
Kassetten bzw. Vierecken
aus Holz versehen. Wir
haben erfahren, dass das
Haus bald saniert werden
soll. Dafür wird genau ge-
schaut, welche Farbe und
welcher Putz früher ver-
wendet wurde.“ „Wir haben in unserem Pro-
Sophia (10) jekt viel gelernt, wie Häuser
aussehen können und wie sie
gebaut wurden und werden.
Ich gehe ab sofort auf jeden
Fall viel aufmerksamer durch
meinen Kiez und will mir
viele weitere Häuser genauer
anschauen!“
Fabio (10)
Präsentation zum
Workshopteilnehmer Tag des offenen Denkmals
23 Schülerinnen und Schüler der Am Sonntag, 13. September 2020 um 11 Uhr
Klasse 4c der Grundschule am Fließtal präsentieren die Schüler im Museum Reinickendorf ihre
in Hermsdorf, Klassenlehrerin Carola Workshop-Ergebnisse.
Warkotsch sowie Katja Hock unter
der Leitung von Claudia Wasow-Kania Treffpunkt:
und Anja Wiese Museum Reinickendorf, Alt-Hermsdorf 35, 13467 Berlin
28 29Die Museumspartner 2020 Das Jugendprojekt werkstatt denkmal im Rückblick
Museum Charlottenburg-Wilmersdorf Museum Neukölln
in der Villa Oppenheim Alt-Britz 81
Schloßstraße 55/Otto-Grüneberg-Weg 12359 Berlin
14059 Berlin täglich 10–18 Uhr
Di–Fr 10–17 Uhr; Sa/So/Feiertage 11–17 Uhr Tel. 627 277 727
Tel. 90 29 24 106 E-Mail: info@museum-neukoelln.de
E-Mail: museum@charlottenburg-wilmersdorf.de www.museum-neukoelln.de
www.villa-oppenheim-berlin.de
Aktuelle Sonderausstellung:
Aktuelle Sonderausstellung: „Großstadt Neukölln. 1920–2020“
„Schichten. Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. bis 30. Dezember 2020
Fotografien von Hadas Tapouchi“
bis 11. Oktober 2020 Museum Pankow
Prenzlauer Allee 227–228
10405 Berlin
Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf Di, Do, Sa/So 10–18 Uhr
Alt-Marzahn 51 Tel. 481 40 47
12685 Berlin E-Mail: pankemuseum@gmx.de
Mo–Fr 10–18 Uhr www.berlin.de/museum-pankow
Tel. 54 79 09 21
E-Mail: info@museum-marzahn-hellersdorf.de Aktuelle Sonderausstellung:
www.kultur-marzahn-hellersdorf.de „Au�ruch und Reform –
Pioniere der modernen Sozialarbeit in
Aktuelle Sonderausstellungen: Prenzlauer Berg während der Weimarer Republik“
„StadtRandLage. Ein Marzahn-Hellersdorfer ABC“ bis Frühjahr 2021
(Haus 1) bis 16. April 2021
„Mahlsdorf bleibt Mahlsdorf“ (Haus 2)
bis 29. November 2020 Museum Reinickendorf
Alt-Hermsdorf 35
13467 Berlin
Museum Mitte Mo–Fr 9–17 Uhr, So 9–17 Uhr
Pankstraße 47 Tel. 404 40 62
13357 Berlin E-Mail: info@museum-reinickendorf.de
So–Fr 10–18 Uhr www.museum-reinickendorf.de
Tel. 460 60 190
E-Mail: info@mittemuseum.de Aktuelle Sonderausstellung:
www.mittemuseum.de „Mitten in Reinickendorf. 100 Jahre (Groß-)Berlin“
bis 25. Oktober 2020
Aktuelle Sonderausstellunge:
„Wer wir sind und was wir tun –
mitten im Museum“ Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen
bis 31. Januar 2021 www.regionalmuseen-berlin.de
30 3131 31Denk mal an Berlin e.V. – Damit wir uns weiterhin für die Denkmale Berlins einsetzen
Wer sind wir und was machen wir? können:
Ja, ich möchte Mitglied von Denk mal an Berlin e.V. werden zum Jahresbeitrag von:
⬜ 80 Euro als Einzelperson
In Berlin gibt es über 8200 Denkmäler, ein
⬜ 40 Euro als Einzelperson mit ermäßigtem Jahresbeitrag
ganzer Kosmos vom Mittelalter bis heute. (Rentner, Pensionär)
Schlösser, Paläste und Parkanlagen, Miethäuser ⬜ 15 Euro als Einzelperson
und Arbeitersiedlungen, Kinos und Ledigen- (Schüler, Azubis, Studenten, Erwerbslose, Sozialhilfeempfänger gegen entsprechenden Nachweis)
heime, Zwangsarbeiterlager und Auswanderer- ⬜ 60 Euro als gemeinnütziger Verein
bahnhöfe und noch viel mehr gibt es in unserer ⬜ 300 Euro als juristische Person (mit bis zu 10 Mitarbeitern)
Stadt. ⬜ 600 Euro als juristische Person (mit mehr als 10 Mitarbeitern)
Wir setzen uns dafür ein, dass diese Denk- ⬜ 300 Euro als Fördermitglied (Einzelperson)
mäler in ihrer Vielfalt erhalten bleiben und eine ⬜ 3.000 Euro als Fördermitglied (juristische Person)
sinnvolle Rolle in der Zukunft �inden, dass sie ⬜ als Familienmitgliedschaft (Hälfte des zutreffenden Normalsatzes)
Identität stiften, zugleich aber auch als Zeugen Als Familienmitglieder gelten Ehegatten/Lebenspartner und Kinder.
von Unrecht und Gewalt auftreten können. Der Beitrag ist jährlich bis zum 31. März zu zahlen; bei Eintritt im laufenden Jahr bis 4 Wochen nach
Zu diesem Zweck bieten wir Begegnungen Zugang des Aufnahmebeschlusses.
mit Fachleuten, Debatten, Führungen, Vorträge
Bei Aufnahme ab dem 30. September ist die Hälfte des Jahresbeitrags zu zahlen.
und Exkursionen an. Im Jahr 2003 haben wir Eine Beitragserstattung bei Ausscheiden vor Jahresende erfolgt nicht.
unseren Verein gegündet und seit 2004 orga-
nisieren wir jedes Jahr Jugendprojekte zum Tag
Ermächtigung zum Einzug von Forderungen durch das SEPA-Basis-Lastschriftverfahren
des offenen Denkmals. Warum? Weil es eine
Zukunft für unsere Denkmäler nur mit der Name:
nächsten Generation gibt.
Anschrift:
Dabei �inanzieren wir einwöchige Work-
shops, die von den Berliner Regionalmuseen E-Mail:
oder anderen Trägern durchgeführt werden. An: Denk mal an Berlin e.V., Kantstraße 106, 10627 Berlin
2010 erhielten wir dafür vom Landesdenk-
Gläubiger-Identi�ikationsnr.: DE 32ZZZ00000872102
malamt Berlin die höchste Auszeichnung, die
Ferdinand-von-Quast-Medaille.
Auf der vorigen Seite haben wir die Cover Hiermit ermächtige(n) ich/wir Sie widerru�lich, die von mir/uns zu entrichtenden Zahlungen wegen
vieler Broschüren versammelt, die wir über „jährlicher Mitgliedsbeitrag“ bei Fälligkeit zu Lasten meines/unseres Kontos mit der
unsere Jugendprojekte gemacht haben. Auf der IBAN:
übernächsten Seite �inden sie Fotos unserer
BIC:
Förderprojekte. Denn auch das gehört zu
unserem Engagement: Wir sammeln Gelder für Kreditinstitut:
besondere Denkmale, die saniert werden müs- Mitgliedsbeitrag:
sen oder die, wie der Turm der Parochialkirche durch Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise(n) ich mein/wir unser Kreditinstitut an,
in der Klosterstraße, im Krieg zerstört wurden. die von Denk mal an Berlin e.V. auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen.
Hinweis: Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum,
Sind Sie neugierig geworden? die Erstattung des belasteten Beitrags verlangen. Es gelten dabei die mit meinem/unserem
Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen.
Werden Sie Mitglied! Wir freuen uns auf Sie!
Wenn mein/unser Konto die erforderliche Deckung nicht aufweist, besteht seitens des kontoführenden
Kreditinstitutes keine Verp�lichtung zur Einlösung.
Teileinlösungen werden im Lastschriftverfahren nicht vorgenommen.
Ort, Datum Unterschrift
32 33
✂Wir retten Berliner Denkmale! Impressum
Herausgeber:
Denk mal an Berlin e.V.
Verein zur Förderung der Denkmalpflege
Kantstraße 106, 10627 Berlin
Telefon: 45 08 77 17
E-Mail: mail@denk-mal-an-berlin.de
www.denk-mal-an-berlin.de
Koordination und Redaktion:
Gritt Ockert
werkstatt@denkmal-an-berlin.de
Layout und Satz:
Gudrun Ohle
Fotos:
Thomas Knoll
knoll@ooh-foto.de
Seit dem Jahr 2004 fördert der Verein Denk mal an Berlin e.V.
die Restaurierung von Denkmalen in Berlin. Unser erstes Pro-
jekt war der Buttbrunnen neben dem Alten Museum in Mitte,
der gereinigt und technisch wieder instandgesetzt wurde.
Unser größtes Projekt war der Au�bau des im Krieg zerstörten
Turms der Parochialkirche in Mitte. Aktuell wollen wir die
Grabstätte des Theaterintendanten Oscar Blumenthal (1852–
1917) auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee sanieren.
Machen Sie mit?
Für Berlin, für die Geschichte unserer Stadt.
34 35In Zusammenarbeit
mit dem Arbeitskreis
Berliner Regionalmuseen
www.denk-mal-an-berlin.deSie können auch lesen