Kantonslager 2021 Eine Woche Abenteuer - reiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau - forumKirche
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Nummer 15
31. Juli bis 20. August 2021
3 Wochen
reiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau
Eine Woche Abenteuer
Kantonslager 2021Editorial
… Inhalt
3+4 Kala21: Auf der Suche nach dem Schuh
Jubla-Scharen erlebten Abenteuer im Wilden Westen
5 Kirchengeschichte: Domherren als visionäre Vordenker
Die Auflösung des Bistums Konstanz und ihre Folgen
Detlef Kissner 6 Weltkirche: Mit und für die Armen
Ein Blick auf die Theologie der Befreiung
Bild: Detlef Kissner
«Endlich Ferien!» – Viele atmen in diesen Tagen auf.
Sie fahren mit der Familie an die Adria, fliegen für eine
Trecking-Tour nach Nepal oder bereisen die Meere mit
einem Kreuzfahrtschiff. Und das alles, um dem Alltag
zu entfliehen, einfach etwas anderes zu erleben.
Manch eine Schar der Jungwacht Blauring (Jubla) fährt
gerade einmal eine halbe Stunde mit dem Velo zu
ihrem Lagerplatz und taucht ebenso in eine komplett
andere Welt ein. Die Kinder und Jugendlichen verlas-
sen ihre familiäre Komfortzone und leben eine Woche
lang in Zelten, wo sie anders als zu Hause Wind,
Regen und Hitze ausgesetzt sind. Sie sind dabei näher
an der Natur dran, bemerken morgens grasende Rehe 7 Kirche setzt sich ein: Am Ende soll es eine Lösung geben
auf einer Waldlichtung, hören einen raschelnden Igel in Einblicke in den Sozialdienst einer Pfarrei
der Nacht oder bewundern einen funkelnden Sternen-
himmel. Im Zeltlager gibt es auch nicht das «volle 8 Gedankenimpuls von Paul de Lagarde
Programm». Das Leben ist einfach. Eine feine Brat-
wurst wird zum Highlight.
Gerade für Jüngere ist es nicht immer einfach, in
PFARREIMITTEILUNGEN
einem anderen Umfeld zu leben. Sie sind plötzlich
eine*r von vielen, Teil einer grossen Gruppe, in der
sie erst ihren Platz finden müssen. Sie erhalten eine 9 Den Glauben feiern:
Aufgabe, müssen lernen zu teilen, sich auf andere Gottesdienste und Gedanken zum Sonntag
einzulassen und Einigungen auszuhandeln. Bezugs-
Bild: Claudia Koch
personen sind in dieser Zeit nicht die Eltern, sondern
junge Leiter*innen, zu denen die Kinder oft aufschau-
en und die ihnen neue, durchaus attraktive Spielarten
des Erwachsenseins vermitteln. Schliesslich bietet ein
Lager den Teilnehmer*innen unzählige Möglichkeiten,
etwas auszuprobieren, neue Fähigkeiten an sich zu
entdecken. Gelingt die Integration in die Lagergemein-
schaft, wird diese als schützendes und tragendes
Miteinander erlebt.
Die Erinnerung an diese eindrucksvolle Zeit bringt
Jugendliche immer wieder dazu, selbst Leiter*innen zu
werden. Sie möchten der nächsten Generation ähnli-
che Erlebnisse ermöglichen, aber auch selbst noch 10 Aus der Natur: Vielseitigkeit der Kräuter nutzen
einmal eintauchen in diese Lagerwelt. Selbst ehemali- Wissen für die Küche und zur Heilung
ge Leiter*innen, die inzwischen eine eigene Familie
gegründet haben, lässt dieses Lagerleben nicht los. 10+11 Kirche ohne Grenzen: Evangelium in Farbe
Einige von ihnen taten sich erstmals bei diesem Kan- Ikonen-Schule in der Schweiz
tonslager zusammen und zelteten mit ihren Partner*in-
nen und Kindern in dieser Woche am Rande des 12 Thurgau: Daheim beim Geigenbauer
Hauptplatzes. Aus Stammtischgesprächen wird kreuz&quer
Um den Alltag hinter sich zu lassen, muss man nicht
unbedingt tausende von Kilometern zurücklegen. 12 News
Es reicht oft die Gemeinschaft mit Menschen, die von
der gleichen Idee beseelt sind. 13 Inserate · Aus dem Bistum · Leserbrief
14+15 Tipps aus der Redaktion: Veranstaltungen und Medien
16 Cartoon & Zum Schluss
Titelbild: Eine Jubla-Schar zieht durch das Eingangstor auf den Hauptplatz.
Bild: Detlef Kissner
2 forumKirche | 15-2021Kala21
Auf der Suche nach dem Schuh
Jubla-Scharen erlebten Abenteuer im Wilden Westen
TGEISCTHICEHLTE
Bild: Detlef Kissner
Nach sechs Jahren war es wieder soweit:
Die 20 Scharen der Jungwacht Blauring
(Jubla) Thurgau verbrachten eine Ferien-
woche miteinander im Kantonslager
(Kala), das dieses Mal seine Zelte rund
um den Emerzer Weiher (TG) aufschlug.
Die ca. 1000 Teilnehmenden wurden dabei
in die Welt des Wilden Westens entführt.
forumKirche sammelte während dieser
Zeit Eindrücke von Verantwortlichen,
Eltern und Kindern.
Die Programmmacherinnen vor dem Start
Sarah Anner und Jeannette Meier sind
schon von klein auf bei der Jubla gewesen
und haben bereits zwei Kalas miterlebt.
Beim Kala21 sind sie für das Rahmenpro-
gramm verantwortlich. «Wir haben immer
gern Geländespiele organisiert», sagt
Jeannette. «Wir sind kreative Köpfe. Es hat Sarah Anner (30) und Jeannette Meier (29) mit dem Material für das Geländespiel
uns gereizt, für so viele Leute etwas auf die
Bild: Detlef Kissner
Füsse zu stellen», ergänzt Sarah. Drei Jahre einander, es wird auf fairen Einkauf geach-
lang haben sie getüftelt und gefeilt – vom tet, ein nachhaltiger Lebensstil gepflegt, die
Grobkonzept bis hin zur Materialbestellung. Kinder werden für die Kostbarkeit der Natur
Als Berufstätige haben sie sich dazu viel sensibilisiert, Abfall wird getrennt…
an Wochenenden getroffen, im letzten Jahr «Ein*e Präses achtet vor allem auf die
einmal pro Monat einen Sonntag lang. kleinen Dinge im Miteinander, spricht sie
an und macht sie bewusst», erklärt Silvia.
Weil bei einer Umfrage an der Basis die Darüber hinaus habe sie*er eine Schlüssel-
traditionellen Start- bzw. Abschlussveran- funktion in ganz besonderen Momenten –
staltungen wenig Punkte erhalten hatten, da zu sein, ein Gebet oder einen Lager-
entschieden sich die beiden, auf diese segen zu sprechen oder einen Gottesdienst
Anlässe zu verzichten und gleich mit einem mit der Schar zu feiern.
grossen Geländespiel zu beginnen. «Neu
Bild: zVg
sind auch das Foodfestival und die Take-
Away-Angebote», erklärt Jeannette. Letztere
sind Programmblöcke wie Baseball oder Silvia Kummer-Huber (40) vor dem Lager-Café,
Bubble Soccer, die einzelne Scharen für wo sie für Leiter*innen da ist.
einen Vormittag buchen und bei sich auf
dem Platz durchführen können. Achtsame Begleiter*innen
Jede Jubla-Schar hat ihre*n Präses, die*den
Im Blick auf Corona hatten sich die beiden sie selber wählt. Manche gehören dem Seel-
Leiterinnen verschiedene Varianten für die sorgeteam an, die meisten sind Ehrenamt-
einzelnen Programmpunkte überlegt. Sie liche, meist ehemalige Jubla-Mitglieder. Zu
sind froh, dass alles uneingeschränkt durch- ihrer Aufgabe gehört es, die Scharleitung zu Peter und Cornelia Keller
geführt werden kann. Allenfalls das Wetter beraten und zu begleiten, ein Netzwerk zu
könnte ihnen noch einen Streich spielen. der Pfarrei, den Eltern, den Ehemaligen und Die Daheimgebliebenen
Schlaflose Nächte hatten sie vor dem Kala den kantonalen Stellen aufzubauen und Cornelia und Peter Keller haben vier Jungen.
keine. Nur bei der Arbeit schweiften in den darauf zu achten, dass der Glaube lebendig Die beiden ältesten, Flurin (12) und Nino
letzten Wochen die Gedanken hier und da in bleibt. Dieser spirituelle Auftrag kommt (10), sind zusammen mit ihrer Schar von
Richtung Kala ab. «Da fiel mir plötzlich nach Ansicht von Silvia Kummer-Huber, Bischofszell aus ins Kala geradelt. Ihre Mut-
etwas ein, das ich gleich aufschreiben Kantonspräses der Jubla Thurgau, ohne ter konnte sie gut ziehen lassen: «Ich weiss
musste», sagt Sarah. Jetzt müssen sich die grosse Aktionen aus: «Unser Grundsatz ist ja, dass sie in guten Händen sind.» Ausser-
beiden noch um die Deko im Hauptlager ‹Glauben leben›. Und das findet bereits in dem ist es für Flurin schon das dritte Lager.
kümmern. «Es soll einen Wow-Effekt geben. vielfältiger Weise statt.» Schon die Kleinsten «Beim ersten Lager war es schon speziell,
Die Kinder sollen staunen, wenn sie auf den dürfen mitbestimmen, jede*r kann mitma- eine Woche lang nichts von ihm zu hören»,
Platz kommen», so Jeannette. chen, in den Scharen herrscht ein gutes Mit- (Fortsetzung nächste Seite)
forumKirche | 15-2021 3Kala21
Bild: Detlef Kissner
(Fortsetzung von Seite 3)
erinnert sich Cornelia Keller. Inzwischen wis-
sen sie und ihr Mann, wenn sie nichts von
den beiden hören, geht es ihnen gut. Mit
den beiden jüngeren Brüdern schauen sie
manchmal die Bilder auf der Kala-Webseite
an, die täglich neu hochgeladen werden. Die
beiden geniessen es, mehr Aufmerksamkeit
von den Eltern und Grosseltern zu erhalten. Das Foodfestival beginnt mit einer kleinen Erfrischung.
Cornelia Keller war selbst bei Blauring, ist
aber nie bei einem Zeltlager mitgegangen. empfehlen können wir aber das Schlangen- sehr cool. Danach gingen wir auf unseren
Im Rückblick findet sie es ein wenig schade: brot von unserem Stand», meint einer von Platz zurück und dann ins Bett.»
«Hätte man mir ein ‹Schüpfli› gegeben, hätte ihnen. Manche mögen es exotisch. Drei
ich mich vielleicht auch getraut.» Mädchen der Jubla Sirnach schwören auf
Bild: Detlef Kissner
Dumplings, kleine chinesische Teigtaschen.
Impressionen vom Foodfestival «Die haben richtig gut geschmeckt»,
Zur Halbzeit im Kala steht das grosse Food- schwärmt eine, die sich damit auskennt.
festival auf dem Programm. Auf dem Haupt- Die beiden Programmverantwortlichen be-
platz warten über 20 Marktstände, an de- trachten zufrieden das grosse Treiben. «Voll
nen die Leiter*innen köstliche Spezialitäten gut», meint Jeannette. «Ich finde es toll, wie
anbieten. Es duftet nach gegrilltem Poulet sich alle an die Regeln halten», ergänzt
und Schokolade, Fruchtspiesse konkurrieren Sarah im Blick auf die Corona-Vorgaben.
mit Falafel-Bällchen. Die Kinder und Jugend- Auch das Geländespiel sei bei den Kindern
lichen, die nach einem genauen Zeitplan gut angekommen, sie hätten den «Schuh
scharweise durch das grosse Tor einziehen, des Jublatu» (siehe Kasten) gefunden. Was
erhalten zur Begrüssung einen Erfrischungs- die Bastelateliers in zwei Tagen angeht, sind
trunk. Nach einem Willkommensgruss und sie ebenso optimistisch: «Wenn das Food-
einem gemeinsamen Tanz zum Country- festival funktioniert, laufen die Ateliers auch, Joel Meier (26) und Michaela Hut (28) haben
Klassiker «Cotton Eye Joe» kann das Festi- weil sie im kleineren Rahmen stattfinden.» ihre Schicht hinter sich.
val beginnen. Ein kleiner Junge hat sich mit
Bild: Detlef Kissner
seinem grösseren Bruder zusammen für Die Netzwerkerinnen
das Schoko-Fondue entschieden. Die Spu- «Kein Netz», meldet so manches Handy auf
ren um seinen Mund zeugen untrüglich da- den Lagerplätzen. In den meisten Scharen
von. Eine kleine Gruppe der Jubla Gachnang sollen die Kinder und Jugendlichen auch
geniesst Schoko-Bananen. «Besonders kein Handy benutzen. Da gewinnt die gute
alte Post wieder an Bedeutung. Die Fach-
stelle Kinder und Jugend (KIJU) der katholi-
Der Schuh des Jublatu schen Landeskirche Thurgau hat einen sol-
Beim Kala hat jede Schar ihren eigenen chen Dienst im Kala eingerichtet. «Jeden
Lagerplatz und ihr eigenes Programm. Vormittag fahren zwei Mitarbeiter*innen die
Doch drei Mal in der Lagerwoche treffen Lagerplätze der Scharen ab, bringen Post
sich alle Scharen zu einem gemein- und nehmen Briefe und Päckli aus den Post-
samen Anlass auf dem Hauptplatz. Im säcken wieder mit», erzählt Joel Meier von
Kala21 begleitet die Teilnehmer*innen Janik (11), Jungwacht Tobel der KIJU. Damit werden die Lagerteilneh-
dabei die Geschichte vom «Schuh des mer*innen nicht nur untereinander vernetzt,
Jublatu»: Als die Indianerstämme eine Ein Tag aus der Sicht von Janik sondern auch mit der «Aussenwelt». Freun-
Goldader auf ihrem Land entdecken, «Wir haben am Morgen ein Spiel im Wald de und Angehörige können ihnen über ein
unterzeichnen sie gemeinsam einen gemacht zusammen mit der Jubla Pfyn. Postfach in Weinfelden ebenso kleine und
Landvertrag. Diesen Vertrag verstecken Das hat mir voll Spass gemacht. Zum grosse Post zukommen lassen. Auch an die
sie im Schuh des Jublatu, den Akando Zmittag gab es verschiedene Salate und Verbindung «nach oben» wurde gedacht:
an einen sicheren Ort bringen soll. eine feine Wurst. Es hat mir geschmeckt. Besucher*innen des «Postamts» können
Dieser wird aber vom Gangsterclan ge- Am Nachmittag haben wir ein Recycling- inspiriert durch indianische Traumfänger
fangen genommen. Akando gelingt es in Game gespielt. Es war nicht das beste ihre Träume auf Zettel schreiben und diese
letzter Sekunde, den Schuh in den Wald Game, aber es hat mir Spass gemacht. an Schnüren aufhängen.
zu werfen. Wer findet den Schuh mit dem Am Abend gingen wir auf den Hauptplatz
Detlef Kissner
wertvollen Plan wieder? Beim Gelände- und da konnte ich verschiedene Dinge
spiel machen sich alle auf die Suche. essen. Alles fand ich lecker. Dann gab es Weitere Eindrücke auf
eine coole Feuer-Show und die fand ich www.forumkirche.ch und www.kala21.ch
4 forumKirche | 15-2021Kirchengeschichte
Domherren als visionäre Vordenker
Die Auflösung des Bistums Konstanz und ihre Folgen
Bild: Wikimedia Commons
Vor 200 Jahren löste der Papst Welche damals entstandenen
das Bistum Konstanz auf, doch Spezifika prägen uns noch heute
einige Traditionen leben unter – ausser der öfter genannten
der Oberfläche weiter. Dazu Administrationsgebiete im
gehört die prinzipiell starke Bistum Chur und St. Gallen?
Stellung der Domkapitel in der Spezifisch ist in den Deutsch-
Schweiz. Der Kirchenhistoriker schweizer Bistümern die Ver-
Markus Ries1 erinnert daran: fassung der Domkapitel, die
Die Domherren haben über die sich stark am kirchlich Gewach-
Bischofswahlen hinaus eine senen orientiert. Die Domkapi-
eigenständige geistliche Ver- tel übernehmen nicht einfach
antwortung. die kapitels- und traditions-
feindlichen Grundhaltungen des
Das Bistum Konstanz galt vor Kirchenrechts von 1918 und
200 Jahren als vergleichsweise 1983. Spezifisch ist auch der
liberal. Warum war das so? Name des Bistums Basel – es
Liberal ist hier eine anachronisti- heisst anders als die Bischofs-
sche Kategorie. Korrekt ist, stadt.
dass die Konstanzer Bistums-
leitung, viele Angehörige des Inwiefern ist die Verfassung der
Klerus und auch Ordensleute Domkapitel fortschrittlicher als
eine konstruktive Rezeption der das Kirchenrecht?
Aufklärung suchten. Und dass Die Verfassung unserer Dom-
sie diese Haltung auch nach kapitel ist nicht fortschrittlicher
den grossen Enttäuschungen als das Kirchenrecht, sondern
und Verlusten der Revolutions- Das Konstanzer Münster war das Zentrum des Bistums Konstanz, sie ist traditionstreuer. Die Dom-
zeit beibehielten. das von 585 bis 1821 existierte. kapitel waren traditionell weit
mehr als Wahlmännerversamm-
Eine der spannendsten Figuren lungen: Es handelte sich um
vor 200 Jahren war Ignaz Heinrich von Warum gab es nach dem Bistum Konstanz geistliche Körperschaften mit eigener Ver-
Wessenberg. Dem Generalvikar des auf dem Schweizer Territorium nicht ein antwortung, denen der Bischof im gewis-
Bistums Konstanz wurde vorgeworfen, grosses Bistum? Stattdessen wurde ein Teil sen Sinne sogar Rechenschaft schuldete.
gegen den Pflichtzölibat zu sein. Welche vom Stiftspropst von Beromünster und Fast schon eine Art schüchterner Anfang
anderen Reformdebatten von damals andere Teile von den Bistümern Basel und von Teilung der Gewalt. Starb ein Bischof,
beschäftigen uns auch heute noch? Chur verwaltet. so trat das Domkapitel in seine Funktion
Viele der damals wichtigen Themen sind Initianten der Reorganisation waren die ein und leitete das Bistum. All das hat das
seit dem Konzil wieder in den Vordergrund Kantonsregierungen. Sie strebten zunächst Gesetzbuch des Kirchenrechts in seinem
getreten: Beteiligung der Gläubigen an der eine grosse Lösung an. Als sie damit beim monarchie-orientierten Organisationsver-
Liturgie, Aus- und Weiterbildung der Seel- Nuntius auf Widerstand stiessen, war es ständnis einfach abgeschafft.
sorgenden, kirchliche Medienarbeit, per- rasch vorbei mit der Einigkeit – und jeder
sönliches Format der Seelsorgenden, Kanton suchte für sich eine optimale, ko- Sollten die Domherren sich stärker
Qualität von Predigt und Religionsunter- stengünstige Lösung. einbringen?
richt, ja ganz generell der Verkündigung. Ja. Domkapitel sind geistliche Korporatio-
Die Bistümer Basel und St. Gallen haben nen. Falls sie sich tatsächlich auf die Tradi-
Wenn von Wessenberg gemässigter gewe- eine weltweit einzigartige Bischofswahl. tion besinnen wollen, müssen sie eigen-
sen wäre: Hätte das Bistum Konstanz län- In Basel dürfen die Kantone mitreden, in ständig Verantwortung übernehmen. Sie
ger bestehen können – oder wäre es früher St. Gallen muss der Bischof aus St. Gallen haben die Möglichkeit, als Vordenker zu
oder später ohnehin aufgelöst worden? kommen und wird vor Ort gewählt. Wie wirken, Impulse zu geben und wesentlich
In der Tat spielte der Konflikt zwischen kam es zu diesen besonderen Privilegien? die Zukunft mitzugestalten.
Wessenberg und dem Luzerner Nuntius, Historisch gesehen sind es keine Privi-
einem Teil des Klerus und der Klöster eine legien, sondern es ist die Weiterführung Raphael Rauch/Red.
wichtige Rolle. Ich kann mir vorstellen, der Tradition. Dies lag im Interesse der
dass die Stadt Konstanz ohne diesen Streit Römischen Kurie. Rom wollte nicht zu- 1 Markus Ries (62) ist Professor für
immer noch Bischofssitz wäre – und nicht lassen, dass die Kantonsregierungen das Kirchengeschichte an der Universität Luzern.
Freiburg. Eine Abtrennung der in Österreich angestrebte Recht zur Bischofsernennung
und der Schweiz gelegenen Teile wäre aber erhielten. Ganzes Interview auf www.forumKirche.ch
so oder so zu erwarten gewesen.
forumKirche | 15-2021 5Weltkirche
Mit und für die Armen
Ein Blick auf die Theologie der Befreiung
Bild: Manuela d'Ávila/Wikimedia Commons
Sie waren vor 50 Jahren für Weiterentwicklung
viele Held*innen: Dom Helder Am Ende der Militärdiktaturen
Camara, Ernesto Cardenal, kam es zu Veränderungen in der
Dorothee Sölle, Vertreter*innen Theologie der Befreiung: Frauen,
der Befreiungstheologie. indigene Völker und afroameri-
Und heute? kanische Theolog*innen be-
mängelten das Fehlen ihrer
Wie kann man als Christ*in in- Unterdrückungssituationen in
mitten von Armut und Ungerech- den Analysen. Dazu kamen die
tigkeit leben? Aus dieser Frage Bedeutung des religiösen Plu-
entstand in den 60er- und 70er- ralismus für Armut und Un-
Jahren die Theologie der Befrei- gerechtigkeit, der Migration so-
ung. Damals kamen in vielen wie ökologische und «queere»
lateinamerikanischen Ländern Theologien.
Militärdiktaturen an die Macht, In den 80er-Jahren fand die
welche die Mehrheit des Volks Theologie der Befreiung auch in
ausbeuteten. Menschenrechts- den deutschsprachigen Ländern
organisationen zählen als Folge ein grosses Echo. Nach dem
etwa 50’000 Morde, 350’000 Fall der Mauer wurde es aber
«Verschwundene» und 400’000 still um diese «sozialistische»
politische Gefangene. Forderun- Theologie. Nur wenige arbeite-
gen nach Reformen wurden ten daran weiter. Seit 1985 tau-
niedergeknüppelt. Ab 1965 schen sich Vertreter*innen der
kam es daher zu politischen Theologie der Befreiung auf den
Umstürzen. Südkontinenten in der Ökumeni-
Immer mehr Christ*innen und schen Vereinigung der Drittwelt-
Kirchenvertreter*innen wandten Der Befreiungstheologe Leonardo Boff bei einem öffentlichen Vortrag Theolog*innen aus.
sich gegen Unterdrückung, Fol- 2018 in Porto Alegre (Brasilien).
ter und Elend. Sie fragten nach Heiligsprechung Romeros
den Ursachen der Armut. Ein Teil Die Befreiungstheologie stiess
der Kirchen-Hierarchie stand aber auf Gewerkschaften und linken politischen viele soziale Initiativen in Lateinamerika,
Seiten der Machthaber, wenn diese sich Parteien zusammenschloss. Südafrika und Südasien an, dazu kamen
ein antikommunistisches und christliches auch Unterstützungsnetzwerke im Westen.
Mäntelchen umhängten. In Misskredit geraten So wurde das Thema der «einen Welt»
In den 1960er-Jahren wurde der Befrei- wichtig, das sich in der Ökumene in den
Ursprünge ungstheologie von aussen unterstellt, sie Bereichen Bewahrung der Schöpfung, so-
1968 prangerten die Bischöfe an der zwei- stelle die (marxistische) Ideologie vor den ziale Gerechtigkeit, Menschenrechte,
ten allgemeinen lateinamerikanischen Glauben. So wird Helder Camara die Aus- Arbeits- und Gewerkschaftsrechte sowie
Bischofskonferenz in Medellín (Kolumbien) sage zugeschrieben: «Wenn ich den Armen Frauen- und Kinderschutz wiederfindet.
die soziale Ungerechtigkeit an: Gott steht zu essen gebe, nennen sie mich einen Papst Franziskus aus Argentinien ist ein
auf Seiten der Armen; dort müsse auch die Heiligen. Aber wenn ich frage, warum die Vertreter der «Theologie des Volkes». Diese
Kirche stehen. Kapitalismus und Marxis- Armen nichts zu essen haben, schimpfen sieht die Kraftquelle, den Alltag im Elend
mus wurden verurteilt, man suchte einen sie mich einen Kommunisten». Trotz gros- zu bestehen, im Glauben, der Kultur und
«Dritten Weg» zur Befreiung. Im Beisein von ser bischöflicher Unterstützung wurde die der Volksfrömmigkeit. Der Papst zeigt mit
Papst Paul Vl. bestimmten die Bischöfe Theologie verunglimpft. Die Glaubenskong- seinem Lebensstil und seinen Aussagen,
«die Option für die Armen» zur kirchlichen regation des Vatikans veröffentlichte 1984 dass die Option für die Armen in der Kirche
Leitlinie. und 1986 zwei Instruktionen gegen sie, unabdingbar ist. Wie nah er der Befreiungs-
Neben Theologen wie Gustavo Gutierrez, ab Mitte der 80er-Jahre wurde vielen Be- theologie steht, zeigte sich bei der Heilig-
Hugo Assman oder Leonardo Boff hatte die freiungstheolog*innen die Lehrerlaubnis sprechung von Oscar Romero 2018. Er trug
Bewegung viele Eltern: Die Erfahrung der entzogen, Leonardo Boff zu einem «Buss- den blutbefleckten liturgischen Gürtel
Not durch ungerechte Systeme und das schweigen» verdonnert. In vielen latein- Romeros und darüber ein Messgewand
Zweite Vatikanum. Vor Ort entstanden klei- amerikanischen Militärdiktaturen war bis Pauls VI. Auf einem Plakat lateinamerikani-
ne Gemeinschaften von Laien. Sie trafen in die 80er-Jahre dazu die Verfolgungen scher Pilger*innen stand: «Einen Propheten
sich regelmässig und sprachen über ihren Andersdenkender alltäglich. In der Folge kann man töten, die Stimme der Gerech-
Glauben, die Bibel und ihren Alltag. Aus wurden Christ*innen, Priester und einige tigkeit nicht».
dieser Basisbewegung wuchs in manchen Bischöfe ermordet, wie Bischof Oscar
Ländern eine politische Kraft, die sich mit Romero 1980. Christiane Faschon
6 forumKirche | 15-2021Kirche setzt sich ein
Am Ende soll es eine Lösung geben
Einblicke in den Sozialdienst einer Pfarrei
Die Kirche feiert Gottesdienste, bringt ne Klient*innen zu Ämtern begleiten, ihnen Einbindung in die Pfarrei. Er ist Teil des
Menschen den Glauben nahe und sorgt helfen, Formulare auszufüllen, sich auch Seelsorgeteams und nimmt an dessen
sich um deren seelisches Wohl. Dieses einmal in ein rechtliches Problem hinein- wöchentlichen Sitzungen teil. «Auch in den
Bild ist weit verbreitet. Dass Kirche aber knien oder eine finanzielle Unterstützung Kaffeepausen läuft viel unter den
auch Notleidenden ganz praktische Hilfe bei verschiedenen Institutionen zusammen- Kolleg*innen an Austausch und Beratung»,
gewährt, kommt in der öffentlichen Wahr- sammeln. Es ist ihm wichtig, dass es am so der Sozialpädagoge. Einmal pro Jahr ge-
nehmung oft zu kurz. Andreas Pfiffner ist Ende eine Lösung gibt. «Das können ande- staltet er einen Sonntagsgottesdienst mit
mit 80 Stellenprozenten für den kirch- re soziale Einrichtungen oft nicht leisten, und hält die Predigt. Für die Pfarrei wie für
lichen Sozialdienst in der Pfarrei Romans- weil es ihren Auftrag sprengen würde oder die Hilfesuchenden ist sein Dienst unver-
horn zuständig. Er gibt Einblicke in seine sie die Kapazitäten dazu nicht haben», sagt zichtbar geworden. «Wir sind aus der Kirche
Arbeit und zeigt auf, warum es sie Andreas Pfiffner. Den Unterschied nehmen ausgetreten. Sie und ihre Stelle wären
braucht. auch seine Klient*innen wahr. Einer mein- eigentlich ein Grund wieder einzutreten»,
te: «Sie sind die erste Anlaufstelle seit bald meinte ein Klient.
Weil er in Gefahr ist zu vereinsamen, soll zehn Jahren, die uns kurz und unkompli-
Detlef Kissner
Beat S.1 in ein Wohnheim für Männer ziert Hilfe angeboten hat. Dafür sind wir 1 Name geändert
ziehen. Doch schon der erste Schritt über- ihnen sehr dankbar.» Da die Beratung der
fordert ihn. Andreas Pfiffner begleitet ihn Schweigepflicht unterliegt, können die
und schaut sich mit ihm das Heim an. Hilfesuchenden dort auch einmal ihrem Hilfen auf verschiedenen Ebenen
«Beat S. kommt bis heute vorbei, z. B. Ärger Luft machen oder ihr Herz ausschüt- Die Diakonie gehört neben der Glau-
wenn er Hilfe braucht beim Kleiderbestel- ten. «Manche Gespräche gehen auch ins bensverkündigung und der Liturgie zu
len im Internet», sagt Andreas Pfiffner. In Seelsorgerliche hinein», so Pfiffner. den Grundaufgaben der Kirche. In vielen
anderen Fällen setzt sich der Sozialpäda- Pfarreien sind für diese Aufgabe Seelsor-
goge dafür ein, dass eine Krankenkassen- Vernetzt gende verantwortlich, in einigen werden
rechnung überbrückt werden kann, hilft In den zurückliegenden Jahren sind gute dafür eigens Fachpersonen angestellt.
beim Erstellen bzw. Ausdrucken einer Be- Kontakte von seiner Stelle zu anderen Unterstützt werden die Thurgauer Pfar-
werbung oder vermittelt vorübergehend örtlichen sozialen Einrichtungen wie den reien auf kantonaler Ebene durch die
eine Unterkunft. Solche Beratungen und Sozialen Diensten Romanshorn, Perspektive Caritas Thurgau, die neben ihren Angebo-
Begleitungen, die kostenlos sind und jeder Thurgau, Pro Senectute oder der evangeli- ten für Armutsbetroffene (z. B. Schulden-
und jedem offenstehen, gehören zu seiner schen Pfarrei gewachsen. Man weiss um- beratung) einen Runden Tisch für Verant-
Hauptaufgabe. Daneben ist er zuständig einander, tauscht sich aus und schätzt die wortliche im Bereich Diakonie ins Leben
für die Notunterkunft, die die Pfarrei Hilfe- Zusammenarbeit. Diese Verbindungen sind gerufen hat. Ergänzende Möglichkeiten
suchenden zur Verfügung stellt, und regelt wichtig, um Fragen auf kurzem Weg klären zur Unterbringung von Menschen bietet
deren Vergabe. Er kümmert sich um die oder Hilfesuchende unkompliziert an den der neu gegründete Verein Kirchliche
Bedürfnisse von Passant*innen und be- richtigen Ort vermitteln zu können. Notherberge Thurgau.
treut Freiwillige wie z. B. die Begleitgruppe Ebenso wichtig ist für Andreas Pfiffner die
St. Johannes, die vorwiegend Senior*innen
besucht und mit ihnen die Freizeit gestal-
tet. Sein längerfristiges Ziel ist es, ein Pro- Bild: Detlef Kissner
jekt in der Pfarrei zu initiieren, bei dem
Menschen, die aus dem Tritt geraten sind,
einfach mitarbeiten können und so wieder
Anschluss finden.
Spielräume für Begleitung
Vor gut zwei Jahren wurde der Sozialdienst
der Pfarrei Romanshorn ins Leben gerufen.
Seit dieser Zeit hat Andreas Pfiffner bereits
87 Klient*innen betreut. Anfangs wurden
sie noch vom Sozialamt oder von Bera-
tungsstellen zu ihm geschickt. «Inzwischen
ist unser Angebot bekannter, immer mehr
Menschen finden den Weg direkt zu mir»,
sagt Pfiffner.
Er schätzt die Vielseitigkeit seiner Aufgabe
und die Spielräume, die sie ihm bietet: «Ich
habe die Zeit und die Möglichkeit, auf Rat-
suchende gut einzugehen.» So kann er sei- Andreas Pfiffner hat ein offenes Ohr für die Sorgen von Hilfesuchenden.
forumKirche | 15-2021 7Gedankenimpuls
Bild: congerdesign/pixabay.com
«Wir müssen so viel wie
möglich Geschlossen-
heiten hervorrufen,
Heimaten, die man nicht
vergisst.»
Paul de Lagarde, deutscher Orientalist und Kulturphilosoph ·
1827– 1891
8 forumKirche | 15-2021Den Glauben feiern
Bild: kropekk_pl/ pixabay,com
Gottesdienste anderssprachige Missionen
Albanische Mission
So, 15. August 13.00 Uhr St. Nikolaus Wil
Kroatische Mission
So, 1. August 17.30 Uhr St. Peter Schaffhausen
So, 8. August 17.30 Uhr St. Peter Schaffhausen
So, 15. August 09.30 Uhr Klosterkirche Münsterlingen
12.00 Uhr Klösterli Frauenfeld
17.30 Uhr St. Peter Schaffhausen
Polnische Mission
So, 1. August 13.00 Uhr St. Martin Arbon
So, 8. August 13.00 Uhr St. Martin Arbon Aussen und innen
So, 15. August 13.00 Uhr St. Martin Arbon
Gedanken zum Evangelium: Joh 6,24-35
Portugiesische Mission
Im August finden keine Gottesdienste statt. In der Bibelstelle vom 1. August hören wir von Menschen, die
etwas suchen – in unserem Fall suchen sie Jesus. Aber was wollen
Spanische Mission
So, 1. August 10.30 Uhr Klösterli Frauenfeld sie von ihm? Was treibt sie an? Was treibt sie um? Nun ja, immer-
12.00 Uhr St. Stefan Kreuzlingen hin hat er ja schon einige Wunder und Zeichen gewirkt und damit
Sa, 7. August 18.30 Uhr St. Maria Schaffhausen eine Menge Aufmerksamkeit auf sich gezogen! Oberflächlich gese-
So, 8. August 09.30 Uhr St. Martin Arbon hen könnte man ihnen Sensationslust unterstellen. Vielleicht sind
11.00 Uhr St. Stefan Amriswil es aber auch ganz persönliche, tiefe Sehnsüchte oder Nöte, die sie
Sa. 14. August 18.30 Uhr St. Maria Schaffhausen zu Jesus treiben. Allerdings erinnert sich Jesus, dass viele dieser
So, 15. August 10.30 Uhr Klösterli Frauenfeld Leute dabei waren, als er mit fünf Broten und zwei Fischen 5'000
12.00 Uhr St. Stefan Kreuzlingen Menschen ernährt hat. Deshalb ist ihm auch klar, dass die Men-
Tamilische Mission schen nicht in erster Linie zu ihm kommen, weil er sie mit besonde-
Der nächste Gottesdienst findet am 28. August statt. ren Taten beeindruckte, sondern weil diese Menschen eine beson-
dere Erfahrung gemacht haben. Er hat ihren Hunger gestillt – ihren
Ungarische Mission
So, 1. August 17.00 Uhr Bruder Klaus Tägerwilen Hunger nach Leben. Es ist, als ob er ihnen sagen würde: Lasst
So, 8. August 17.30 Uhr Münster Konstanz euch nicht von Oberflächlichkeiten irgendwelcher Zeichen blenden,
Sa, 14. August 15.30 Uhr Klösterli Frauenfeld sondern erkennt die Sehnsucht hinter der Sehnsucht!
Schaut in Euch rein und erkennt das Bedürfnis hinter Euren vorder-
gründigen Wünschen. Es sind nicht die Zeichen und Wunder, die
die Jünger*innen sehen wollen; was sie eigentlich suchen, ist je-
Gottesdienste in Radio & Fernsehen mand oder etwas, das ihren Hunger nach Leben stillt. Etwas, das
Sonntag, 1. August, 10 Uhr, Radio SRF 2 Kultur wirklich «satt» macht! Oberfläche lockt! Wirklich Nahrhaftes erfüllt.
Röm.-kath. Predigt – Mit Theologin Silvia Huber Vielleicht ist die Ferienzeit eine gute Gelegenheit darüber nachzu-
Sonntag, 8. August, 10 Uhr, Radio SRF 2 Kultur denken, wer oder was Ihnen wirklich guttut, und wer oder was nur
Christ.-kath. Predigt – Mit Diakonin Susanne Cappus oberflächlich Aufmerksamkeit bindet, aber am Ende gar nicht er-
füllt, was es verspricht. In diesem Sinne verstehe ich Jesu Aus-
Sonntag, 15. August, 10 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
Röm.-kath. Predigt – Mit Seelsorger Volker Eschmann sage: «… Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt,
sondern weil ihr (…) satt geworden seid!» als Einladung, den Blick
Sonntag, 1. August, 10.00 Uhr, SRF1 wieder nach innen zu wenden und zu erkennen, was einem wirklich
Röm.-kath. Gottesdienst zum 1. August
guttut, was wir wirklich brauchen, und liebevoll mit sich umzu-
Aus der Kirche San Nicolao in Lugano
gehen, sich nicht von Äusserlichkeiten blenden zu lassen, dafür
Sonntag, 8. August, 9.30 Uhr, ZDF aber die tieferliegenden Bedürfnisse hinter den Bedürfnissen
Kath. Gottesdienst – «Gelobt bist du, Maria» wahrzunehmen. Gutes Gelingen!
Aus der Mainzer Kirche St. Rabanus Maurus
Sonntag, 15. August, 9.30 Uhr, ZDF Tanja Tribull, Ermatingen
Evang. Gottesdienst
Sonntagslesungen
Regionale Sendungen 1. August – 18. Sonntag 8. August – 19. Sonntag
Radio TOP: TOP Kick und TOP Church: www.topchurch.ch im Jahreskreis im Jahreskreis
Erste Lesung: Ex 16,2-4.12-15 Erste Lesung: Jer 23,1-6
Radio Munot: Gedanken zum Tag Zweite Lesung: Eph 4,17.20-24 Zweite Lesung: Eph 2,13-18
Montag bis Freitag 6.50 Uhr Evangelium: Joh 6,24-35 Evangelium: Mk 6,30-34
Unterwegs – ein kirchliches Magazin aus Schaffhausen
Jeweils am letzten Sonntag im Monat, 10 Uhr, Wdh. 22 Uhr 15. August – Mariä Aufnahme in den Himmel
Erste Lesung: Offb 11,19a; 12,1-6a.10ab
Schaffhauser Fernsehen SHf: Gedanke am Wuchenänd Zweite Lesung: 1 Kor 15,20-27a
Samstag, 18.55 Uhr bis Sonntag, 18 Uhr, stdl. Wiederholung Evangelium: Lk 1,39-56
forumKirche | 15-2021 9Aus der Natur · Kirche ohne Grenzen – Englisch
Vielseitigkeit der Kräuter nutzen Evangelium in
Wissen für die Küche und zur Heilung Ikonen-Schule in der Schweiz
Am 15. August werden zu Mariä Himmel- Jugendliche dafür zu gewinnen. Aber bei ei- Seit Anfang 2021 gibt es in Luzern eine
fahrt traditionell in der Kirche Kräuter nigen bleibt doch etwas hängen.» Wie bei- Ikonen-Schule. Sie ist in der römisch-
gesegnet. Eine, die mit Kräutern und spielsweise die essbaren Blüten, die zuerst katholischen Kirche der Schweiz eine der
deren Wirkung vertraut ist, ist die Lehrerin einigen etwas Überwindung abverlangen. In ersten derartigen Einrichtungen. Eine
Ursula Haltiner aus Romanshorn. sechs Pflanzkübeln, die die Schule auf- Innovation also. Um mehr über ihr Wirken
gestellt hat, und in einem kleinen Garten und das Handwerk der Ikonographie zu
Chrüterhäxli. So lautet die Webseite der kann Haltiner mit ihren Schüler*innen erfahren, hat sich «Kirche ohne Grenzen»
Kräuterliebhaberin Ursula Haltiner. «Mein praktisch arbeiten. In den Pflanzkübeln mit Stefanie Blaser (39), einem Grün-
Partner hat mich immer so genannt», sagt surren Bienen um pink blühende Rosen- dungsmitglied des Vereins, getroffen.
Haltiner lachend. Ihr Onkel betrieb im Tessin melissen, gelbe Taglilien und Currykraut –
ein Hotel und die Nichte durfte während den alles geniessbar. «Es benötigt Fachkräfte, welche sich mit
Ferien in der Küche mithelfen. Vorher kannte christlicher Bildtheologie auseinander-
sie nur die gängigen Kräuter wie Peterli, Nachfrage an Naturkosmetik wächst setzen. Denn hinter christlichen Bildern,
Schnittlauch und Maggikraut. Im Tessin Doch nicht nur in der Küche, auch zur Hei- Statuen oder eben Ikonen, steckt viel
lernte sie die mediterranen Kräuter lernen lung sind Kräuter unverzichtbar. Deshalb Theologie und Symbolik», beginnt Stefanie
und lieben. Den Ausschlag, sich intensiver stellt Ursula Haltiner auf Bestellung Salben Blaser das Gespräch und gibt somit einen
mit Kräutern zu beschäftigen, gab der Gar- und Cremen wie auch Kosmetik aus dem ersten Grund an, weshalb es in der West-
ten einer Studienkollegin während der Aus- Küchenschrank her. «Seit der Pandemie ist kirche eine Ikonen-Schule benötigt. Klar
bildung zur Arbeits- und Hauswirtschafts- die Nachfrage an Naturkosmetik gestiegen. könne jede*r das Gesehene interpretie-
lehrerin. «Idealerweise war Gartenbau ein Gerne leite ich die Teilnehmer*innen an, ren, aber um bestimmte Gesten, Farben
Teil der Ausbildung», sagt Haltiner. Mit ver- wie sie mit wenigen Mitteln selbst etwas und Weiteres entsprechend und korrekt
schiedenen Kursen hat sie fortlaufend ihr herstellen können», sagt Haltiner. Sie wird einordnen zu können, würde es mehr als
Wissen erweitert und sich ebenfalls mit der auch für Kurse gebucht, wie kürzlich von der eine persönliche Interpretation benötigen.
Wirkung von Heilkräutern beschäftigt. Ende Frauengemeinschaft Romanshorn. Mit von «Wir setzen mit dieser neu gegründeten
der 80er-Jahre bewirtschaftete sie einen der Partie ist auch die ehemalige Gemeinde- Ikonen-Schule den Auftrag des Zweiten
Garten mit über 60 verschiedenen Kräutern leiterin Gaby Zimmermann, die jeweils einen Vatikanischen Konzils um, bei welchem in
auf wenigen Quadratmetern. kirchlichen Impuls einfliessen lässt. Auch Sacrosanctum Concilium Art 126ff. eben-
Inzwischen interessiert sie sich vermehrt für war Haltiner bei der neuen Bepflanzung des dies klar gefordert wird. Diese Artikel
Wildkräuter; also für alles, das auf unseren Kräutergartens der Pfarrei behilflich. Vor tragen den Bischöfen auf, dass sie vor Ort
Wiesen wächst. einem Jahr konnten daraus die ersten Kunstakademien fördern sollen und dass
Kräuterbüschel gebunden werden, die an sie somit auch die Künstler*innen der
Jugendliche für Kräuter interessieren Mariä Himmelfahrt gesegnet und an die sakralen Kunst fördern», betont Blaser
Ihre Begeisterung für Kräuter möchte sie als Gottesdienstbesucher*innen verteilt wur- eindringlich.
Lehrerin für Wirtschaft, Arbeit und Haushalt den. Als Schutz und um sie im Dezember
an der Sekundarschule Weitenzelg in in den Rauhnächten fürs Räuchern einzu- Zugang zum Glauben
Romanshorn auch an die Schüler*innen setzen. «Diese Vielseitigkeit ist es, die mich Im Osten betreiben die Klöster selbst
weitergeben. Dabei kann sie ihr Wissen als an den Kräutern und Heilpflanzen so be- Ikonen-Schulen im klassischen Sinne, ver-
Absolventin der Kräuterakademie in Salez geistert», sagt Haltiner. einzelt auch Priester in ihren Gemeinden,
(SG) gleich in der Küche anwenden. Haltiner wodurch die Ikonentheologie weiterver-
sagt dazu: «Es ist zwar nicht so einfach, Claudia Koch mittelt wird. Im Westen jedoch gehe es
um christliche Bilder im Allgemeinen wie
Statuen, moderne Bilder und nebst ande-
Bild: Claudia Koch
Ursula Haltiner
pflanzt auf dem rem eben auch um Ikonen. «Darum ist
Schulareal mit unser Auftrag als Ikonen-Schule nicht nur
ihren Schüler*innen das Herstellen von Ikonen, sondern das
verschiedene Kräuter Betreiben christlicher Bildtheologie. Und
an, darunter auch dies bis hin in die akademische Auseinan-
solche mit essbaren dersetzung damit», so Blaser. In der West-
Blüten. kirche sei es nicht so, dass nur Ordens-
leute und Priester Ikonen schreiben dürfen
und können, sondern alle Gläubigen, die
einen Zugang zum christlichen Glauben
und Ikonen haben.
Geschriebenes Evangelium
Es sei ein anderer Zugang zum Evange-
lium. Einer, welcher weit mehr als bloss
10 forumKirche | 15-2021Kirche ohne Grenzen – Englisch
Bild: Romina Monferrini
Farbe
die intellektuelle Ebene berühre. Ikonen
würden geschrieben und nicht gemalt, da
man bei jeder Ikone, auch wenn es sich
dabei um einen Heiligen handle, das Evan-
gelium abschreibe. Bei Ikonen aber nicht
Buchstabe für Buchstabe, sondern Strich
für Strich. Blaser beschreibt: «Es ist ein
Schreiben, welches das Evangelium durch
den ganzen Körper hindurchgehen lässt
und alle Sinne anregt». Personen und gan-
ze biblische Szenen werden abgebildet.
Ikone für jede*n
«Die Ikonen-Schule bietet Kurse und
Workshops für Institutionen, Gruppen und
Pfarreien an, leistet Aufklärungsarbeit, hält Stefanie Blaser: «Wir raten Anfänger*innen, ein Porträt zu schreiben, danach kann man sich auch
themenspezifische Referate, investiert in mal Gewändern widmen. Für Fortgeschrittene warten ganze Szenen zum Schreiben.»
Forschung christlicher Bildtheologie, stellt
im Auftrag für Privat- oder Geschäfts-
kund*innen individuelle Ikonen her und Wunsch an Klerus und Gläubige Theologie wie auch in der Volksfrömmig-
leitet Einzelpersonen sowie Gruppen im «Wir wünschen uns, dass der Klerus aber keit vor Ort ernst genommen werden»,
Ikonenschreiben, dem ikonographischen auch die Gläubigen selbst sensibler betont Blaser zum Schluss des Gesprächs.
Handwerk selbst, an», listet Blaser die werden und christliche Bilder als solche
Tätigkeitsfelder des Vereins auf. Das Her- erkennen und anerkennen, dass sie eine Interview & Text: Romina Monferrini
stellen einer eigenen Ikone bedürfe keiner Tiefe haben. Diese Kunst sollte in der Übersetzung: Monika Freund Schoch
Vorkenntnisse oder aussergewöhnlicher
künstlerischer Talente. Jede*r könne eine
schöne Ikone schreiben. In einem Kurs in
einem Kloster (als Exerzitien) oder in einer
Gospel in color Concilium Art 126ff. These articles im-
pose on the bishops that they should
örtlichen Pfarrei oder Gruppierung kann Icon School in Switzerland endorse locally academies of art and that,
man die Ikone herstellen. «Angeleitet therefore, they also promote the artists of
Since the beginning of 2021 there is an
durch einen unserer Ikonographen und sacred art,» emphasizes Blaser emphati-
Icon School in Switzerland. It is one of
begleitet durch Impulse sowie Gebet», cally.
the first such institutions in the Roman
erklärt Blaser. Sie bieten Kurse für jegliche
Catholic Church in Switzerland. There- Written Gospel
Alterskategorien an und besprechen mit
fore, it’s an innovation. To learn more Through the icons there’s a different
den Pfarreien und Gruppierungen jeweils
about its work and the craft of icono- approach to the Gospel, which touches
individuell, welche Art von Kurs am sinn-
graphy, KoG met with Stefanie Blaser far more than just the intellectual level.
vollsten und auch realisierbar ist. Blaser
(39), a founding member of the Icons are written, not painted, because
fügt ausführend hinzu: «Man kann zudem
association. even if it presents a saint, the Gospel is
Passiv- oder Aktivmitglied beim Verein
being transcribed thereby. With icons,
Ikonen-Schule werden und hat damit je «It needs professionals who deal with
however, not letter by letter, but brush-
nach dem auch die Möglichkeit, an weite- Christian image theology, because behind
stroke by brush-stroke. Blaser describes:
ren Angeboten teilzunehmen oder sich Christian pictures, statues or even icons,
«During this way of writing the Gospel
sogar verbindlicher einzubringen.» there is a lot of theology and symbolism»,
passes through the whole body and
So hat die Ikonen-Schule noch viele Aufga- Stefanie Blaser begins the conversation
stimulates all the senses.» Persons and
bengebiete, welche vergeben werden können. and thus gives a first reason why there is
entire biblical scenes are being depicted.
a need for an icon school in the Western
Church. Of course, everyone can interpret Request to clergy and faithful
what they see, but in order to be able to «We wish that the clergy, but also the
Bild: zVg
Romina Monferrini (33)
ist eine aus dem Dorf classify certain gestures, colors and fur- believers themselves, would become
Monteroni di Lecce ther aspects appropriately and correctly, more sensitive and not simply dismiss
stammende Theologin. more than a personal interpretation would Christian images as art, but recognize and
Sie arbeitet in einer Pfarrei be needed. «With this newly founded Icon acknowledge that it has a depth. And take
in Luzern, ist im Leitungs- School, we are implementing the mandate it seriously in theology as well as in local
team im Institut im Reusshaus und of the Second Vatican Council, which popular piety,» Blaser emphasizes at the
Präsidentin der Ikonen-Schule.ch clearly calls for this in Sacrosanctum end of the conversation.
forumKirche | 15-2021 11Thurgau
Daheim beim Geigenbauer News
Aus Stammtischgesprächen wird kreuz&quer Rütli in Frauenhand
Am diesjährigen Nationalfeiertag haben
auf der Rütliwiese Frauen aus der ganzen
Bild: Meditate_with_Fernando/pixabay.com
Die ökumenisch veranstalteten Stamm- Schweiz das Wort. Sie würdigen dort das
tischgespräche werden ab diesem Som- vor 50 Jahren eingeführte Frauenstimm-
mer in einem neuen Format angeboten: recht, blicken aber auch nach vorne, da
Unter dem Titel «kreuz&quer – Gespräche die Gleichberechtigung nach wie vor
über Gott und die Welt» finden sie an ver- politisches Engagement bedingt. Mit dabei
schiedenen Orten statt, daran teilnehmen sind unter anderem Renata Asal-Steger,
kann man über Livestream. Die Leiter der Präsidentin der Römisch-Katholischen Zen-
beiden Bildungseinrichtungen erklären, tralkonferenz (RKZ), die Bundesrätinnen
was zu dieser Umgestaltung geführt hat. Viola Amherd und Simonetta Sommaruga
sowie die Präsidentin des Schweizerischen
Dass die Stammtischgespräche in die Katholischen Frauenbundes SKF, Simone
Jahre gekommen seien, verneint Thomas Curau-Aepli.
Bachofner, Leiter des evangelischen
In Gottesdiensten bleibt Maskenpflicht
Bildungszentrums tecum. Es werde ja
In Deutschland und Österreich sind Gottes-
einiges weitergeführt. «Die Unterbrechung
dienste ohne Maskenpflicht teilweise mög-
durch Corona und der Leitungswechsel
lich. In der Schweiz hält das Bundesamt
beim katholischen Partner liess uns über
für Gesundheit (BAG) an der Maskenpflicht
Änderungen nachdenken. Wir hatten
fest – obwohl in Restaurants und Theatern
einfach Lust auf etwas Neues.» Für Eine Klangschale bringt im Menschen etwas
an Sitzplätzen Masken abgenommen wer-
Jean-Pierre Sitzler, seit einem halben Jahr zum Schwingen. Um Mitschwingen, «In Reso-
den dürfen. «In Innenräumen besteht ein
Leiter der Fachstelle Kirchlichen Erwachse- nanz sein» geht es im nächsten Halbjahr auch
wesentlich grösseres Risiko, dass Aerosole
nenbildung (KEB) der katholischen Landes- bei den Gesprächsrunden von kreuz&quer.
über grössere Distanzen verteilt und einge-
kirche stellte sich auch die Frage, wie man
atmet werden», begründet das BAG die Ein-
neue Teilnehmer*innen gewinnen kann,
schränkung. Auch würden bei lautem Spre-
ohne die bisherigen zu verlieren. So soll Sitzler den Vorteil, andere Zielgruppen
chen und beim Singen mehr Aerosole aus-
die Veranstaltung im neuen Format nicht anzusprechen: «Wir erreichen damit Men-
gestossen, als wenn normal geatmet werde.
mehr wie bisher im Frauenfelder Brauhaus schen, die mehr im Internet unterwegs sind
Sternen stattfinden, sondern im privaten oder solche, für die der Weg zum Veranstal- 35 Pastoralräume angekündigt
oder beruflichen Umfeld der Gesprächs- tungsort zu weit wäre.» Thomas Bachofner Der Bischof von Trier wollte seine Diözese
partner*innen. Ausserdem wechselt man denkt auch an die Möglichkeit, «gelungene komplett umkrempeln und 35 Grosspfar-
von einer Präsenzveranstaltung zu einem Formate irgendwann mit anderen Bildungs- reien einsetzen – mit Leitungsteams aus
Livestream auf Youtube. Das Thema soll trägern zu teilen». Um den dialogischen Priestern und Laien, was Rom jedoch ver-
künftig nicht mehr in einem Einstiegs- Charakter beizubehalten, können sich die bot. Nun legt Bischof Stephan Ackermann
referat, sondern im Interview entwickelt Teilnehmer*innen künftig über eine Chat- einen neuen Vorschlag vor: die Errichtung
werden. funktion mit Fragen oder Anmerkungen von 35 Pastoralräumen in den nächsten
Gleich bleibt, dass es um ethisch-religiöse einbringen. «Wir überlegen auch noch, ob zwei Jahren. In ihrer jeweiligen Flächenaus-
Fragestellungen geht. «Es wird auch wie drei bis fünf Teilnehmende zum Interview dehnung sind diese fast identisch mit den
bisher ein Halbjahresthema geben, das an hinzukommen sollen», so Sitzler. einstmals geplanten Grosspfarreien, beste-
den einzelnen Abenden aus verschiedenen hen jedoch aus mehreren kirchenrechtlich
– z. T. auch kontroversen – Perspektiven be- Mitschwingen selbstständigen Pfarreien, die jeweils einen
leuchtet wird», erklärt Thomas Bachofner. Das nächste Halbjahresthema lautet «In eigenen Leiter haben.
Resonanz sein». Dazu haben die Veranstal-
Alter Messritus wird eingeschränkt
Andere Zielgruppen erreichen ter den Komponisten Peter Roth, den Gei-
Papst Franziskus hat am 16. Juli ein «Motu
Für wechselnde Veranstaltungsorte spricht genbauer Martin Kuhn und den Fischinger
Proprio» veröffentlicht, mit dem er den
seiner Ansicht nach, dass es attraktiv ist, Benediktinerpater Gregor Brazerol als
ordentlichen Messritus als «einzige Aus-
Menschen in ihrem jeweiligen Kontext zu Gesprächspartner eingeladen. Die Serie
drucksweise» des Römischen Ritus fest-
interviewen, wie z. B. in einem Geigenbau- beginnt am 1. September mit dem Thema
legt. Der ausserordentliche Ritus darf mit
atelier oder einer Klosterzelle. «Damit wird «Wenn Worte Seelen zum Schwingen brin-
sofortiger Wirkung nur noch mit Erlaubnis
auch eine gewisse Stimmung und Atmo- gen». Piroska Gavallér-Rothe, Expertin für
des Ortsbischofs gefeiert werden. Die
sphäre übertragen», so sein Kollege von Gewaltfreie Kommunikation, geht der Frage
Lesungen in der üblicherweise auf Latein
der KEB. Gerade bei einem Livestream nach, was geschieht, wenn funktional aus-
gefeierten Messfeier müssen zudem in der
brauche es ansprechende Hintergründe, gerichtete Kommunikation um die Kraft
jeweiligen Landessprache vorgetragen wer-
um eine gewisse Studiomonotonie zu ver- der Resonanz ergänzt wird.
den. Franziskus’ Vorgänger Benedikt XVI.
meiden. Die ersten beiden Veranstaltungen
2007 hatte diesen umfangreicheren Ritus
werden allerdings noch aus den Räumen Detlef Kissner
noch erlaubt.
des tecum übertragen.
Das digitale Format bietet für Jean-Pierre Weitere Infos: www.keb.kath-tg.ch kath.ch/Red.
12 forumKirche | 15-2021Inserate · Aus dem Bistum · Leserbrief
Kath. Kirchgemeinde Altnau-Güttingen-Münsterlingen
Katholische Landeskirche hurgau www.pra.kath-tg.ch
Im Pastoralraum Region Altnau mit Sitz in Güttingen freut
Katholischer Kirchenrat des Kantons Thurgau
sich unser Team und die Behörde auf eine Mitarbeiterin/
Die Katholische Landeskirche Thurgau leistet mit vier Fachstellen und etlichen Mitarbeiter im Sekretariat. Per 1. Oktober 2021 oder nach
Vereinbarung suchen wir Sie, als
Spezialseelsorgestellen verschiedene überpfarreiliche Dienste der katholischen
Kirche im Kanton Thurgau. Das Generalsekretariat verantwortet die Quer-
schnittsbereiche und unterstützt zahlreiche Abläufe. Für die internen Aufgaben Pfarreisekretärin|Pfarreisekretär
im Zentrum Franziskus in Weinfelden suchen wir eine*n im Pensum 70 %
IT- und Betriebs- Aufgabengebiet
• Allgemeine admin. Sekretariatsarbeiten in Zusammenarbeit und Ab-
Assistenten*in | 40 % sprache mit dem Pastoralraumleiter und der Sekretärin im Pensum 50%
• Redaktionelle Aufgaben für den Pfarreiteil «forumKirche»
• Redaktionelle Aufgaben für unsere Webseite des Pastoralraumes
Ihre Aufgabenbereiche umfassen: Region Altnau
• Sicherstellen der Haustechnik im Zentrum Franziskus und der Bürogeräte • Führen der Pfarreibücher und der Pfarramtskartei
(Computer, Telefon, Drucker) an den sechs Aussenstellen • Gegenseitige Ferienvertretung im Sekretariat
• First-Level-Support für Mitarbeiter*innen in Weinfelden und in den • Teilnahme an Sitzungen
• Aktive Teilnahme am Pfarreileben
Aussenstellen
• Bearbeitung und Kontrolle von Leasingverträgen der IT-Hardware Anforderungsprofil
• Einkauf von Büromaterial, Papier, Toner, Kaffee etc. • Kaufmännische oder gleichwertige Ausbildung
• Allgemeine administrative Aufgaben zur Unterstützung im Generalsekretariat • Erfahrung in (Pfarrei)-Sekretariatsaufgaben
• Wünschenswert: Stellvertretung im Bereich Zahlungsverkehr • Gute EDV-Kenntnisse mit einer guten Einbindung zu den sozialen Medien
• Kenntnisse in Layout/Grafikdesign von Vorteil
Was Sie für diese Stelle mitbringen: • Sehr gute Formulierungsgabe in Wort und Schrift
• Erfahrung in IT-Support • Organisatorisches Flair und Teamfähigkeit
• Flair für technische Geräte • Freundliches Auftreten und Diskretion
• Erfahrung in administrativen Aufgaben • Positive Einstellung zur Kirche und vertraut mit der kath. Tradition
• Eigenständiges und eigenverantwortliches Arbeiten und Handeln Wir bieten
• Interessante, vielseitige und begeisternde Tätigkeit
Wir bieten Ihnen eine vielseitige und selbständige Tätigkeit in einem kleinen • Gestaltungsfreiraum
Team. Anstellungsbedingungen gemäss Besoldungsreglement der Katholischen • Zusammenarbeit in einem engagierten Team
Landeskirche Thurgau. Auskünfte erteilen Michaela Berger-Bühler und • Umfassende Einführung in die Aufgabenbereiche
Urs Brosi (071 626 1111). • Anstellungsbedingungen gemäss Besoldungsverordnung der
Bewerbungen senden Sie bitte bis 15. August 2021 per E-Mail an Kath. Landeskirche
michaela.berger@kath-tg.ch.
Die Bewerbungsunterlagen senden Sie bitte bis zum 17. August 2021 an:
Otto Braun, Präsident KG AGM, Alte Landstrasse 46, 8596 Scherzingen
T 071 688 33 19, braunotto@gmx.ch
Auskunft erteilt Ihnen Otto Braun oder das Sekretariat, T 071 695 14 39.
Suche nach moralischer Gewissheit
Was mich bewegt: ein Beitrag von Wieslaw Reglinski
Leserbrief
Was ist Wahrheit? (Joh 18, 38) Diese Frage ist zum «locus classi-
cus» auf der Spurensuche in der Wirklichkeitsfindung, zum zentralen forumKirche Nr. 13, Seite 3 bis 5: Gendergerechte Sprache
Thema der Philosophie und der Logik, der Literatur und der Kunst ge-
worden. Und auch der Rechtsprechung – mit ihrer Verpflichtung die Das ist eine Huldigung und Unterwerfung an den Genderismus,
ganze Wahrheit und nur die Wahrheit zu sagen (vgl. c. 1531 § 1 CIC). der bekanntlich die christliche Familie und auch die Schöpfungs-
Die Frage des Pilatus kann durchaus ein Ansporn sein, sich der eige- ordnung Gottes zerstört! Das ist ein absolutes Ärgernis!! Zeitgeist
nen Erfahrungen in der Beziehung zum Wahrheitsanspruch bewusst – nicht Gottes Geist! Jesus ist sehr wohl in dieser Welt, aber nicht
zu werden. Wissenschaftlich betrachtet ist Wahrheit das, was objek- von dieser Welt. Und die Kirche ist der Leib Christi. Die Glieder
tiv (durch Beweise und Begründungen) belegt sein kann und (im Ide- dieser Kirche heissen Kinder Gottes. Ein Bekenntnis zu Jesus
alfall) breit akzeptiert ist. Subjektive Wahrheiten hängen dagegen Christus brauchen wir, nicht eine gendergerechte Sprache.
von persönlichen Meinungen und Horizonten ab. Zwei Menschen
können die gleiche Situation ganz unterschiedlich wahrnehmen und Bruno Portman, Pfarrer em., Tobel
trotzdem mögen beide recht haben. Woran erkenne ich, dass es
sich im bestimmten Fall um eine objektive Wahrheit handelt?
Im Tätigkeitsfeld eines kirchlichen Gerichtes wird der Anspruch nach
einer objektiven Wahrheitsfindung nicht verlangt. Es soll dort über
die Prozessfrage «lediglich» eine moralische
– und somit keine absolute, dafür eine jeden
vernünftigen Zweifel ausschliessende Ge-
wissheit gegeben sein (vgl. c. 1608 § 1 CIC).
Unsere Quellenangabe ist und bleibt: Ich bin
der Weg und die Wahrheit und das Leben
(Joh 14, 6).
Dr. Wieslaw Reglinski, Offizial
forumKirche | 15-2021 13Sie können auch lesen