NOTRUF Das Magazin von Aktion Deutschland Hilft
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NOTRUF
Ausgabe 4/2021
*** ***
Das Magazin von Aktion Deutschland Hilft
S C H W E R P U N K T: s c h ü t z e n , s i c h e r n , s t ä r k e n
Schützen, sichern, stärken Hochwasser Deutschland Die Plastikflut stoppen
Seiten 4-12 Seiten 13-17 Seiten 18-19
Sei schneller als die Katastrophe: Der Winter kommt, die Hilfe bleibt. Mehr Nachhaltigkeit und
Ein Jahr Jubiläumskampagne Fünf Monate nach der Flut. Umweltschutz in Indonesien
25Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Die Plastikflut stoppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Unser Signal für mehr Vorsorge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Benefiz & Aktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Sichere Ernten trotz Klimawandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Unternehmen helfen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Haiti: Katastrophensicher Bauen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Tigray . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Land und Leben retten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Lösungen, auf die man sich im Notfall verlassen kann . . . 11
Hochwasser-Katastrophe Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Manege frei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Gegen Fäulnis und Gestank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
Container bezogen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
Verantwortlich für den Inhalt: Anja Trögner
Redaktion: Ilja Schirkowskij, www.weltundwort.de
Gestaltung: Roland Rossner, www.roland-rossner.de
Impressum Gesamtauflage: 98.900 Exemplare
Herausgeber Erscheinungsweise: viermal jährlich
Aktion Deutschland Hilft e. V. Ausgabe 4/21: Dezember 2021
Willy-Brandt-Allee 10–12
53113 Bonn
Telefon 0228 / 242 92-0 Bildnachweis:
Spenderservice 0228 / 242 92-444 arche noVa/Kenia: (Titel) | Ruprecht Stempell: (S. 3) | laif core/Christian Berg: (S. 4,
Telefax 0228 / 242 92-199 5 u.) | CARE: (Thong Thi Huong S. 5 Mitte) | Habitat for Humanity: (Andeás Szekér
www.aktion-deutschland-hilft.de S. 6); (Haiti S. 7) | Malteser International: (Myanmar S. 8, 9) | SODI: (Namibia S. 10);
service@aktion-deutschland-hilft.de Mosambik S. 11 o.); (Südafrika S. 11 Mitte) | Manuel Fischer/freshpixel: (S. 11 u.) |
World Vision: (Rona Tanjung S. 12 o.); (Somalia S. 12 u.) | Aktion Deutschland Hilft:
(Hirschfeld S.13 o.) | Eva Beyer: (S. 13 Mitte, u., S14) | Johanniter: (Deutschland S. 15)
| ADRA: (Deutschland S. 16) | medeor: (Markus Bremers S. 17) | Help: (Indonesien S.
18, 19) | Adobe Stock: (S20/21) | privat: (S. 20, 21) | Paul Hahn: (S. 22-23) | Tim Freccia:
(Rückseite)
Gemeinsam vorsorgen.
Besser helfen.
2Liebe Leserin, lieber Leser,
„Die Menschheit wird die Pariser So wie es jetzt ist, wird es nicht bleiben. Zu lange haben wir die
Klimaziele verfehlen, wenn die Folgen unseres klimaschädlichen Handelns ignoriert. Das Kli-
Treibhausgasemissionen nicht ma wird sich in den nächsten Jahren weiter verändern, und wir
schnell und drastisch reduziert werden.“ So lautet die zentrale müssen uns darauf vorbereiten. Viele Menschen auf der Welt
Botschaft des 6. Sachstandsberichts des Weltklimarats, dessen können das leider nicht. Denken wir nur an die Bewohnerinnen
erster Teil im August dieses Jahres veröffentlicht wurde. Kon- und Bewohner von Madagaskar, die aktuell aufgrund einer der
kret heißt das: Wenn nicht alle Länder jetzt beginnen, den Aus- extremsten Dürren in der Geschichte ihrer Insel hungern müs-
stoß von CO2 zu senken, ist es schon sehr bald unmöglich, die sen. Sie haben keine Möglichkeiten, sich aus eigener Kraft der
globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad oder gar 1,5 Grad Situation anzupassen. Solche Katastrophen gibt es ohnehin zu
gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. viele auf der Welt, aber sie werden mit dem Klimawandel in den
kommenden Jahren zunehmen.
Damit wären mit hoher Wahrscheinlichkeit einige Kipppunkte
für das Weltklima erreicht, und das mit verheerenden Folgen: Ich setze mich als Botschafter bei der Jubiläumskampagne „Sei
Noch schneller schmelzendes Polareis, ein sich dramatisch be- schneller als die Katastrophe“ von Aktion Deutschland Hilft
schleunigender Anstieg der Meeresspiegel und eine weitere ein, um die notleidenden Menschen auf der Welt zu unterstüt-
Zunahme von Extremwetterereignissen wie heftige Wirbel- zen. Mit Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge können wir
stürme, sintflutartige Regenfälle mit Überschwemmungen sie auf die Veränderung des Weltklimas und seine Folgen vor-
und Dürren. Die Klimakrise würde für uns alle auf der Welt zur bereiten und Not verhindern, bevor sie entsteht. Bitte verges-
unumkehrbaren Realität werden. sen wir nicht, dass es hauptsächlich die Industriestaaten sind,
die seit Jahrzehnten klimaschädliche Emissionen verursachen.
Können wir es schaffen, die Notbremste zu ziehen und unser Wir haben eine Verantwortung denjenigen gegenüber, die we-
Handeln radikal zu verändern? Ich will ehrlich zu Ihnen sein: nig zum Klimawandel beitragen, seine Konsequenzen aber am
Ich bin dieser Tage pessimistisch. Aus meiner Sicht ist es sogar meisten spüren.
wahrscheinlich, dass die Welt das 1,5-Grad-Ziel schon um das
Jahr 2040 gerissen haben wird. Aber ich sage auch: Der Mensch In diesem Sinne bitte ich Sie: Engagieren Sie sich für die Men-
ist immer noch der größte Faktor im Klimasystem. Er hat es schen in Not, engagieren sie sich für unser Klima.
nicht nur im negativen, sondern auch im positiven Sinne in der
Hand, die Klimaentwicklung mit seinem Tun zu beeinflussen. Ihr
Deshalb bin ich immer noch engagiert und höre nicht auf, in
der Öffentlichkeit zu warnen und aufzuklären.
Prof. Dr. Mojib Latif
Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome
3Unser Signal für mehr Vorsorge
"Sei schneller als die Katastrophe“
lautet der Titel unserer Kampagne zum 20. Jubiläum des Über 5 Millionen Euro Spenden konnten wir bisher für die
Bündnisses Aktion Deutschland Hilft. Vor einem Jahr star- Kampagne sammeln. Viele Vorsorgeprojekte sind bereits
tete unser Vorhaben: Mit zehn Millionen Euro Spenden finanziert, andere zu einem großen Teil. Was hat sich im
über 65 weltweite Vorsorgeprojekte realisieren und damit vergangenen Jahr getan? Werfen wir einen Blick auf einige
ein Signal für weltweit mehr Katastrophenvorsorge setzen. Vorsorgeprojekte, die Menschen in besonders betroffenen
Prominente Botschafter und Botschafterinnen wie Prof. Dr. Gebieten vor zukünftigen Naturkatastrophen und den Fol-
Mojib Latif, Steffi Neu, Sven Plöger, Rita Russek, Sebastian gen des Klimawandels schützen werden.
Ströbel, Kai Wiesinger und Bettina Zimmermann unterstüt-
zen uns nach wie vor dabei.
Sichere Ernten trotz Klimawandel
Vietnam gehör t zu den zehn weltweit am stärksten
vom Klimawandel betroffenen Ländern.
In den letzten 50 Jahren ist der Meeresspiegel um 20 Zenti- anbauen. Besonders im Norden des Landes, dicht an der Grenze
meter gestiegen. An seiner 3.400 Kilometer langen Küste zum zu Laos, wo es keine Küsten gibt, ist Landwirtschaft die Haupt-
Südchinesischem Meer häufen sich Taifune. Alleine im letzten einkommensquelle. Hier wohnen viele Angehörige ethnischer
Jahr trafen 14 Wirbelstürme aufs Land, sieben davon allein in Minderheiten unter teilweise schlechtesten Bedingungen. Miss-
den Monaten Oktober und November. Auch die Regionen im lingt eine Ernte, wird das für die mittellosen Menschen zu einem
Landesinneren bleiben von Wetterextremen nicht verschont: existenziellen Problem.
Hier wechseln sich starke Regenfälle und Überschwemmungen
mit dürreartigen Trockenperioden ab, was die Landwirtschaft Mit Wetterdaten zu guten Ernten
erschwert und ihre Erträge unsicher macht.
Hieran will die Bündnisorganisation CARE etwas ändern: Mit
Dabei leben rund 80 Prozent der gesamten Bevölkerung in Viet- staatlichen Klimadaten soll die Lebensgrundlage der Menschen
nam von dem Reis, Gemüse und Maniok, den sie auf ihren Feldern verbessert und ihre Resilienz gegenüber den Folgen des Klima-
4wandels gestärkt werden. Wie das geht? Die Helferinnen und doch ein Starkregen eine Ernte zerstört, springt eine „Klima-
Helfer vernetzen die ländliche Bevölkerung mit Mitarbeitenden Mikroversicherung“ ein. Als Grundstock dafür dient ein von
aus meteorologischen und landwirtschaftlichen Behörden, die CARE finanzierter Treuhandfond. Hinzu kommen Einzahlungen
die Kleinbäuerinnen und -bauern mit Handlungsempfehlungen von insgesamt über 100 Kleinspargruppen. Die Bäuerinnen
aus Wetterprognosen versorgen. Per SMS erhalten sie unter an- und Bauern schließen sich zu lokalen Solidargemeinschaften
derem Informationen darüber, wann die besten Zeitpunkte sind, zusammen und sichern einander mit eingezahlten Mitglieds-
um Felder zu bestellen; und wann diese zu schützen sind, wenn beiträgen ab.
das Wetter extrem zu werden droht. Außerdem erstellen sie für
die Bauern leicht verständliche Klimakarten und informieren sie
über ökologischen Anbau und die Verwendung von Biodünger.
Das Katastrophenvorsorgeprojekt von CARE gehört in
Mikroversicherung für Notfälle das Cluster „Bildung und Wissen vermitteln“. Es ist ein
Vorzeigeprojekt der Jubiläumskampagne und bereits
So sollen Ernteausfälle in Zukunft vermieden und die ländliche vollständig finanziert.
Bevölkerung für mehr Klimaschutz sensibilisiert werden. Falls
Quang Thi San beim
CARE-Workshop in Vietnam.
„Ich bin so stolz“ Wie junge Frauen Wetterdaten für den Anbau ausnutzen
Quang Thi San gehört zur ethnischen Volksgruppe Kho Mu und Wetterdaten einen Anbaukalender nur für unsere Gemeinde und
lebt in dem kleinen Dorf Dong in Dien Bien im Norden Vietnams. meldeten uns an, um regelmäßig Wettervorhersagen zu bekom-
Im Winter 2018 verloren ihr Mann und sie eine ganze Ernte auf- men. Dank des neuen Wissens und der Unterstützung war ich
grund eines unerwarteten Kälteeinbruchs. „Der herkömmliche mutig genug, Neues auszupro-
Anbaukalender der Distriktbehörde, den wir bislang immer be- bieren. Mein Mann und ich
folgt hatten, ist keine Garantie mehr für eine erfolgreiche Ernte“, konnten seitdem unsere
erzählt Quang Thi San. Die Wetterzyklen haben sich verändert Ernte verdoppeln und
und sind nicht mehr allgemein vorhersagbar. CARE wählte sie wurden in unserer Ge-
und andere Frauen aus benachbarten Gemeinden für ihr Vorsor- meinde zu Vorreitern
geprojekt aus. Quang Thi San lernte ökologischen Reisanbau, den der neuen Anbaume-
Einsatz von Biodünger und natürliche Methoden der Schädlings- thoden. Ich bin so stolz.“
bekämpfung. „In den Workshops entwickelten wir mithilfe von
5Haiti: Katastrophensicher Bauen
Das Einzige, was
Reselaure tun konnte,
war die Schäden am
Haus mit Plastikplanen
a u s z u k l e i d e n . F ü r m e h r
reichte es nicht.
Heute können Reselaure und ihre Kinder Clodinal und Myrtyl in L´Asile
wieder lachen. Ihr neues Haus schützt sie vor den Stürmen.
Bei jedem Regen drückte der Wind Wasser in die Nahrungsmittel, Wasser, Kleidung, Schulbesuch der Kinder
Räume, überall war es feucht und kalt. Insekten und Arbeit für ein Einkommen, wenn beispielsweise die ei-
und Nagetiere krochen unter der Plane her und genen Felder brachliegen. Für die Reparatur der Schäden am
verschreckten die Kinder. „Uns war kalt, wir hatten Haus bleibt oft nichts übrig.
Angst und keine Ruhe“, schildert die junge Mutter
ihre Lage. Hinzu kam noch die Sorge vor dem nächs Wie Reselaure behelfen sich die Menschen mit Plastikplanen
ten Sturm: Würde das Haus dann endgültig zusam oder notdürftigen und oftmals gefährlichen Konstruktionen,
menfallen? um eine kaputte Außenwand oder das löchrige Dach zu flicken.
Monate- oder jahrelang bleiben die Familien in den dürftigen
Leidtragende des Klimawandels Übergangslösungen wohnen. Bei jedem weiteren Sturm wird
das eigene Haus zur Lebensgefahr.
Reselaure Dordi und ihre Familie leben im Bezirk Nippes auf der
Tiburon-Halbinsel in Haiti. Eine ganze Serie von Naturkatastro- Nachhaltige und sichere Häuser
phen hat das Land in den letzten zehn Jahren heimgesucht:
Die Tragödie in Port-au-Prince, Hurrikan Matthew und jüngst Seit Jahren ist die Bündnisorganisation Habitat for Humanity
das Erdbeben nordöstlich von Les Cayes. Und das sind nur die in Nippes aktiv. Durch Hurrikan Matthew wurden hier rund 25
Speerspitzen der regelmäßigen Wetterextreme, unter denen die Prozent aller Gebäude zerstört oder beschädigt. Die Häuser der
Menschen in Haiti leiden. Auch Dürren treten vermehrt auf. Das betroffenen Familien nicht nur wiederaufzubauen, sondern sie
Land, in dem jeder zweite Bürger in Armut lebt, zählt eindeutig auch katastrophensicher zu machen, das war und ist nach wie
zu den Leidtragenden des Klimawandels. vor das Ziel der Helferinnen und Helfer. Viele Häuser haben sie
bereits neu errichtet – auch das von Reselaure. Im Sinne der
Zuhause unter Lebensgefahr Hilfe zur Selbsthilfe wurden dabei lokale Handwerkerinnen und
Handwerker in nachhaltigen Bautechniken geschult, damit sie
Nach jeder Katastrophe fangen die Menschen wieder bei null Reparaturarbeiten auch in Zukunft zusammen mit den Familien
an. Viele verkaufen den noch übriggebliebenen Besitz, um Geld eigenständig vornehmen können.
für einen wie auch immer gearteten Neuanfang zu haben. Der
Staat hilft kaum. Wenn Hilfsorganisationen nicht einspringen, Das erprobte Programm zur Katastrophenvorsorge gehört mit
müssen die Menschen Grundsätzliches selbst sicherstellen: seinem nachhaltigen Ansatz „Pathways to Permanence“ – zu
6Deutsch „Wege zur Beständigkeit“ – zu den Modellprojekten
von UN-Habitat, dem weltweiten Wohn- und Siedlungspro-
gramm der Vereinten Nationen. Das Vorsorgeprojekt in Haiti
ist Teil der Jubiläumskampagne. Noch ist es nicht vollständig
finanziert und benötigt weitere Spenden. Mit einem Projekt-
volumen von 500.000 Euro können die Helferinnen und Helfer Auch Oxelia ist Besitzerin eines katastrophensicheren Hauses
weitere 30 Häuser zu je 28 m2 und zwei Häuser zu je 45 m2 in Corail. Sie sagte ein paar Tage nach den jüngsten Erdbeben:
bauen und insgesamt 60 lokale Handwerker schulen. 500 Men- „Wir hatten alle zu viel Angst, um wieder ins Haus zu gehen,
schen bekommen so ein sicheres Zuhause und müssen nicht weil man die Nachbeben noch spüren konnte. Aber jetzt ist es
fürchten, bei der nächsten Katastrophe obdachlos zu werden. schon ein paar Tage her, und ich sehe, dass die Häuser meiner
Nachbarn viele Risse haben, aber meines ist in Ordnung.“
Die katastrophensicheren Häuser orientieren sich
an der landestypischen Architektur, die in den länd-
lichen Gebieten Haitis weit verbreitet ist. Die tradi-
tionelle Bauweise und das vorhandene lokale Wis-
sen werden mit modernen Bautechniken ergänzt,
die von der Bevölkerung leicht umgesetzt werden
können. Beim Bau kommen ausschließlich regional
verfügbare Materialien zum Einsatz.
Jedes Haus steht auf einem Fundament aus Stein und
Zement. Die Wandstruktur besteht aus Holzrahmen,
die in Querrichtung mit kleinen Steinmetzplatten
verstrebt sind, sodass sie seitlichen Lasten wie etwa
Windböen standhalten. Mit Hilfe von Metallbändern
werden alle Verbindungen nochmals verstärkt. Die
Wände werden aus Zement gefertigt, in die Quer-
streben aus Holz und Steinen eingesetzt sind. Das
Dach besteht aus einer starren Holzkonstruktion
sowie kräftigen Sperrholz- und Wellblechplatten.
Türen und Fenster sind ebenfalls aus dickem Holz.
Eine kleine Treppe und eine Rampe aus Zement sind
vor jedem Haus angebracht. Zu guter Letzt folgt ein
farbenfroher ortstypischer Anstrich im Ornamentstil.
Bei den jüngsten Erbeben im Juli und August dieses
Jahres hat keines der in dieser Bauweise errichteten Blick auf eine Baustelle: Das Fundament und das Traggerüst
Häuser Schäden davongetragen. aus Holz sind schon fertig. Nun folgt das Dach.
7Myanmars bewohnte Westküste ist Stürmen und
Fluten schutzlos ausgeliefert.
Mit einem Megafon durchs Dorf: So werden die Menschen
in Zukunft vor Katastrophen gewarnt.
Land und Leben retten
Der Rakhine-Staat nimmt einen großen Teil der west die Böden versalzen und ihre Tiere verenden lassen. Ein Drittel
lichen Küste Myanmars ein. Sie ist maßgeblich für aller Haushalte lebt hier unter der Armutsgrenze. So etwas wie
zwei Dinge bekannt: Die traumhaften Strände, wie ein Versicherungssystem gibt es nicht. Wer Geld für Schutzvor-
den Ngapali-Beach, und die historische Tempelstätte kehrungen oder den Wiederaufbau braucht, leiht es sich privat.
Mrauk U. Seit neustem auch für Platz 2 im Klima- Verschuldung ist in Myanmar keine Seltenheit.
Risiko-Index.
Schutz von Mensch und Küste
Insgesamt 57 Extremwetterereignisse, darunter Naturkatastro-
phen wie der verheerende Zyklon Nargis im Jahr 2008 mit 140.000 32 Küstengemeinden im Rakhine-Staat haben die Helferinnen
Toten, haben die Menschen in Myanmar in den vergangen zwei und Helfer von Malteser International für ihr Katastrophenvor-
Jahrzehnten erlebt. Diese Häufigkeit, die andauernden politi- sorgeprojekt ausgesucht. Sie wollen die rund 33.000 dort le-
schen und wirtschaftlichen Krisen sowie die steigende Armut benden Menschen für den Notfall vorbereiten und ihnen dabei
im Land haben Myanmar eine traurige Bilanz beschert: Platz 2 helfen, ihre Küsten auf natürliche Weise vor Extremwetter zu
des Langzeit Klima-Risiko-Index (2000 – 2020) von Germanwatch. schützen. Das Vorsorgeprojekt ist Teil der Jubiläumskampagne.
Nach Costa Rica ist es damit das zweitgefährdetste Land der Welt, Seit einer Teilfinanzierung und eines Zuschusses des Bundesmi-
wenn es um die Folgen des Klimawandels geht. nisteriums für Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) konn-
ten die Malteser mit einer lokalen Partnerorganisation bereits
Armut verhindert Vorsorge Maßnahmen umsetzen.
Wetterextreme treffen die Menschen meist unvorbereitet. Mangrovenwälder und
Besonders in der Regenzeit, zwischen Mai und Oktober, bleibt Krabbenzucht
den Einwohnern oft nichts anderes übrig, als sich irgendwie
in Sicherheit zu bringen und zuzusehen, wie die extremen So wurden Nothilfepläne mit den Dorfgemeinschaften erar-
Monsunregen und Überschwemmungen die Ernten zerstören, beitet, Komitees gegründet und geschult. Sie sind nun dafür
8Mangrovenwälder schützen vor Stürmen und bilden gleichzeitig einen geschützten Lebensraum für Meerestiere.
zuständig, Menschen vor herannahenden Stürmen zu warnen,
insbesondere Ältere und Menschen mit Behinderung. Ausge-
stattet mit medizinischem Material leisten sie im Notfall auch
Erste Hilfe. Zusätzlich wurden das an Siedlungen angrenzende
Ufer verstärkt und neue Fluchtwege gebaut.
Um die Küsten und die Umwelt zu schützen, pflanzten die Hel-
ferinnen und Helfer mit den Dorfbewohnern Mangroven-Setz-
linge an. Fünf lokale Baumschulen wurden dafür gegründet,
die diese Arbeit in Zukunft eigenständig fortsetzen sollen. Die
entstehenden Mangrovenwälder werden an den Küsten natür-
liche Barrieren gegen Sturmfluten und Überschwemmungen Fünf Baumschulen haben die Malteser gegründet, um die
bilden. Darüber hinaus schaffen sie Lebens- und Schutzräume Westküste mit Mangroven aufzuforsten.
für Meerestiere.
Weitere Hilfe braucht Spenden
Im weiteren Projektverlauf sollen die Dorfbewohnerinnen und
-bewohner im klimafreundlichen Umgang mit Ressourcen ge-
schult werden. Auch die Handhabung von Müll gehört dazu.
Einkommen schaffende Maßnahmen wie das Anlegen von
Haus- und Gemüsegärten oder der Ausbau einer Krabbenzucht
soll die Küstenbevölkerung in Zukunft finanziell absichern und
selbstbestimmter machen. Dafür benötigt das Vorsorgepro-
jekt der Malteser weitere Spenden. Kämen diese zusammen,
stünden die Dorfgemeinschaften den Folgen des Klimawandels Das Komitee probt für den Ernstfall: Besonders Ältere und
nicht hilflos gegenüber. Menschen mit Behinderung sind bei Katastrophen gefährdet.
9An zwei namibischen Schulen bekamen die Schülerinnen und Schüler Umwelt-
unterricht in mobilen Schulklassen und erhielten dafür auch ein Zertifikat.
Gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit
Mosambik, Namibia und Südafrika – das länderüber des ersten Umweltbildungszentrums in Boane nahe der Haupt-
greifende agrarökologische Vorsorgeprojekt von stadt Maputo ein, das im März 2021 eröffnet wurde. Hier ent-
SODI zeigt erste Erfolge. stand ein Curriculum und erste Fortbildungsveranstaltungen in
Agrarökologie für Lehrerinnen und Lehrer.
Die drei afrikanischen Länder haben bereits nationale Strategien
und Aktionspläne für den Klimaschutz verabschiedet. Allerdings Ökologische Anbaumethoden
bestehen weiterhin große Herausforderungen bei der Umset-
zung: Die ländliche Bevölkerung wird häufig nicht ausreichend Im östlichen Südafrika und in Mosambik schulten Helferinnen
eingebunden, was zum Scheitern vieler Klimaschutzprojekte und Helfer 396 kleinbäuerliche Familien in neuen agrarökolo-
führt. Das Katastrophenvorsorgeprojekt von SODI geht hier ei- gischen Anbaumethoden. Es gab Trainings für Bodenkunde,
nen anderen Weg – wir berichteten in Notruf 4/2020. Nach einer Gartenbau und Kleintierzucht verbunden mit der Verteilung von
Teilfinanzierung konnte das Projekt bereits anlaufen und erste Saatgut und Kleinvieh. Zur Überbrückung der Trockenzeit wur-
Zwischenziele erreichen. den in den Regionen Südafrikas drei große Regenwassertanks
für die Gärten von über 1.100 betroffenen Menschen installiert.
Zusammen mehr erreichen
Farmernetzwerke gegründet
Bei einer Auftaktveranstaltung in Namibias Hauptstadt Wind-
hoek trafen sich alle Projektbeteiligen zum Austausch von Wis- In den nördlichen und westlichen Kap-Provinzen in Südafrika
sen und um zukünftige Aktivitäten zu planen. Anschließend gründeten sich Farmernetzwerke mit derzeit rund 600 Mit-
besuchte Mosambiks Delegation die Partner in Namibia, um gliedern. Drei Musterfelder für agrarökologische Landnutzung
deren innovative Arbeit an zwei Umweltbildungszentren und wurden angelegt, auf denen die Landwirtinnen und Landwirte
in Schulen kennenzulernen. Die Erfahrungen flossen in den Bau neue Bewässerungskonzepte und den Einsatz einer speziellen
10Einweihung des Umweltbildungszentrums in Mosambik,
symbolisch mit der Pflanzung eines Baumes.
Sorte Süßgras, die ganzjährigen Ertrag bringt, testen. Nach der
Erprobungsphase sollen die klimaangepassten Felder in weite-
ren Regionen entstehen.
Trotz der Corona-Pandemie konnten die Helferinnen und Helfer
von SODI eine Basis für die weitere länderübergreifende Zusam-
menarbeit schaffen und erste konkrete Maßnahmen für Um-
weltschutz und eine nachhaltigere Landwirtschaft etablieren. Auf Musterfeldern wird der Anbau einer speziellen Süß-
Für eine vollständige Finanzierung des Vorsorgeprojekts fehlen grassorte erprobt, die wenig Wasser braucht und ganzjährig
(nur) noch 20.000 Euro. Ertrag liefert.
„Lösungen, auf die man
sich im Notfall verlassen kann“
Seit der Flutkatastrophe im Juli 2021 ist Ka den sind, müssen Menschen einfachere Mittel
tastrophenvorsorge auf tragische Weise und Wege finden, mit den Risiken umzugehen.
auch ein großes Thema in Deutschland „Simple is beautiful“, sozusagen.
geworden. Wie setzen Länder in ärmeren Re-
gionen Präventionsmaßnahmen um? Und wie „Simple is beautiful“ – wie meinen Sie das?
kann Vorsorge trotz politischer und gesellschaft- Ganz wichtig bei der Frühwarnung ist bei-
licher Herausforderungen funktionieren? Diese und spielsweise dies: Verstehen die Menschen, was
weitere Fragen beantwortet Martin Hiltbrunner (Foto) die Warnsignale bedeuten? Sind sie für alle Bevölke-
im Interview. Er ist Referent für Humanitäre Hilfe bei World rungsgruppen verständlich? Wissen sie, was sie tun müssen?
Vision und Experte für Frühwarnsysteme und Notfallpläne. Es müssen nicht unbedingt technische Maßnahmen sein – sie
müssen vor allem unter Katastrophenbedingungen verlässlich
Aktion Deutschland Hilft: Herr Hiltbrunner, was können sein. Das sind wichtige Faktoren, auch bei der Frühwarnung in
Deutschland oder die Europäische Union von anderen Ländern Deutschland und Europa.
bezüglich Katastrophenvorsorge lernen?
Martin Hiltbrunner: Wir alle können grundsätzlich voneinander Wie leistet World Vision Katastrophenvorsorge?
lernen. Und mit Blick auf Katastrophenvorsorge gibt es sicher- Katastrophenvorsorge findet nicht isoliert statt, sondern wird
lich Dinge, die wir uns von Ländern in anderen Weltregionen häufig auf verschiedenste Art und Weise in Hilfsprojekte inte-
abschauen können. Wo weniger technische Kapazitäten, weni- griert, wenn es inhaltliche Anknüpfungspunkte gibt. Als kinder-
ger Budget oder weniger gut ausgebildetes Personal vorhan- fokussiertes Hilfswerk integrieren wir die Maßnahmen oft in
11Ob in Vietnam, Sri Lanka
oder Indonesien: Katastro-
phenvorsorge beginnt hier
bereits in der Schulklasse.
Bildungsprojekte. Kinder erhalten dann nicht nur Zugang zu stellen. Dafür bilden wir Dorfkomitees, die wir darin schulen,
Bildung, sondern lernen auch, wie sie mit Risiken bei möglichen die Informationen auszulesen und an die anderen Bewohner
Katastrophen umgehen können. weiterzutragen.
Gleichzeitig unterstützen wir Familien dabei, sich mit Einkom- World Vision arbeitet vor allem mit Kindern und deren Familien.
men generierenden Aktivitäten an die Veränderungen anzupas- Wieso ist es so wichtig, bei Katastrophenvorsorge jüngere Men-
sen, die der Klimawandel mit sich bringt. Unsere Projekte haben schen einzubeziehen?
oft einen starken „multisektoralen Ansatz“. Das heißt, wir kom- Es ist wichtig, Kinder schon früh für mögliche Gefahren und ihre
binieren Aktivitäten verschiedener Sektoren wie Bildung, Kinder- Folgen zu sensibilisieren und den richtigen Umgang mit diesen
schutz oder Einkommensförderung in einem Projekt. Risiken zu zeigen. In Asien setzen wir besonders viele Projekte
zur Katastrophenvorsorge mit Kindern um, etwa in Sri Lanka.
Außerdem arbeiten wir häufig mit Dorfgemeinschaften zusam- Dort bilden wir Kinderclubs, beziehen Kinder von Anfang an in
men. Wir fragen direkt vor Ort: Was brauchen die Menschen, das Projekt ein. Das ist wichtig, da Kinder Gefahren für sich und
um sich zum Beispiel bei einem Erdbeben besser schützen zu Gleichaltrige erkennen, die Erwachsene nicht sehen oder als
können? Die Analyse der Risiken sowie die nötigen Hilfsmaß- anders gefährlich einstufen. Die Kinder lernen, wie sie mit den
nahmen werden gemeinsam mit den Einwohnern erarbeitet. Risiken umgehen können. Und wir erklären ihnen, wie sie das
Wissen an ihre Eltern, Geschwister und Freunde weitergeben –
Haben Sie ein Beispiel für so ein Hilfsprojekt? damit die Katastrophenvorsorge alle erreicht.
Somalia ist ein gutes Beispiel – leider. Es gibt viele Probleme: den
Bürgerkrieg, häufige Überschwemmungen und Dürren, Armut.
Unter diesen schwierigen Bedingungen versucht ein großer Teil
der Menschen, von Land- und Viehwirtschaft zu leben. Auf Un-
terstützung von der Regierung – nachdem etwa Unwetter die
Ernte zerstört haben – können sie dort nicht hoffen.
Das Hauptziel unserer Hilfsprojekte zur Katastrophenvorsorge
ist deshalb, die Resilienz der gefährdeten Bevölkerung zu erhö-
hen: Damit es ihnen gelingt, durch ihre Vieh- und Landwirtschaft
genug Einkommen zu erwirtschaften, um sich und ihre Familien
zu versorgen. Wichtig ist dabei, dass die Dorfgemeinschaften
Risiken frühzeitig erkennen und darauf reagieren können. Dank
Wettermessstationen, die wir in einigen Provinzen installiert Ein Helfer von World Vision überreicht einer Bäuerin
haben, können sie rechtzeitig die Anzeichen einer Dürre fest- dürreresistentes Saatgut.
12Manuela Roßbach (l.), geschäftsführende
Vorständin von Aktion Deutschland Hilft,
und Missy Motown (r.), Geschäftsführe-
rin des Helferstabs Hochwasser Ahr, vor
einem Mobilheim in Ahrweiler.
Hochwasser Deutschland
Der Winter kommt, die Hilfe bleibt
„Es ist die größte Summe, die Aktion Deutschland
Hilft seit seiner Gründung vor 20 Jahren für Hilfsmaß
nahmen nach einer Katastrophe zur Verfügung steht.
Diese hohe Spendenbereitschaft aus Deutschland ist
beispiellos – ebenso wie die Zerstörungen und die
Schäden, die diese Katastrophe hinterlassen hat.“
So lautet die Bilanz unserer geschäftsführenden Vorständin
Manuela Roßbach rund fünf Monate nach der Hochwasser-Kata-
strophe vom 14.Juli 2021. Mehrmals reiste sie in die Flutgebiete,
um sich ein Bild von den Schäden, aber auch der Hilfe unserer
Bündnisorganisationen zu machen. Insgesamt 15 von ihnen sind
weiterhin in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Mit Unterstützung von ADRA wurde in Ahrweiler die
SchraubbAHR eröffnet. Hier kann man sich Werkzeuge
Konkret und vielfältig ausleihen und vom Schlosser wieder reparieren lassen.
Von den 260 Millionen Euro Spenden konnten die Helferinnen
und Helfer bereits über 100 Millionen Euro sinnvoll einsetzen.
In über 80 Städten und Gemeinden wurde dank der Gelder viel-
fältig und konkret geholfen. So haben Betroffene, Helfer und
Freiwillige über die letzten Monate medizinische Versorgung
erhalten und werden nach den traumatischen Erlebnissen auch
in Zukunft professionell therapeutisch begleitet. Aufräumarbei-
ten wurden mit Solarbeleuchtungen, Notstromaggregaten, Bau-
trocknern, Werkzeugen und Transportmöglichkeiten unterstützt.
Über 13 Millionen Euro flossen in finanzielle Soforthilfen. Tau-
sende Anträge sind bei den Blaulichtorganisationen im Bündnis
gestellt worden. Um den Menschen auch langfristig zur Seite zu
stehen, werden aktuell an vielen Standorten in den betroffenen Besonders für Ältere ist Mobilität im Hochwassergebiet
Regionen Fluthilfebüros eingerichtet und mobile Beratungsteams eine Herausforderung. Die AWO unterstützt dies zum
entsendet. So haben Betroffene feste Ansprechpartner für ihre Beispiel mit Fahrdiensten.
13Helfer haben deshalb damit begonnen, Heizgeräte zu ver-
teilen und Heizöfen zu installieren. Für Familien, deren Häu-
ser besonders stark beschädigt und derzeit nicht winterfest
sind, entstehen gerade 170 Mobilheime in den stark zerstörten
Städten Sinzig und Bad Neuenahr-Ahrweiler sowie in der Ver-
bandsgemeinde Altenahr. Die Übergangshäuser werden auf
erschlossenen Baulückengrundstücken errichtet. Dort können
Wasser- und Stromversorgung sowie die Abwasserbeseitigung
eingerichtet werden.
In der Region bleiben
Helferinnen und Helfer wie Corinna Eich (r.) von den Nach einer Bedürftigkeitsprüfung werden die Mobilheime durch
Maltesern fahren täglich raus, um mit Betroffenen zu die Kommunen an betroffene Familien der Gemeinden vergeben
sprechen und ihnen gezielt zu helfen. und können gegen eine geringe Miete bis zu drei Jahre bezo-
gen werden. Finanziert wurde das Projekt von Spenden an das
Region und können sich unter anderem bei rechtlichen Problemen Bündnis. Die Kommunen sind Eigentümer und Verwalter der
beraten lassen und weitere finanzielle Hilfe beantragen. Mobilheime, denn sie kennen am besten die Bedarfe in ihren Ge-
meinden. Vertraglich garantiert ist, dass die Erlöse aus den Miet
Mobile Häuser für Familien einnahmen komplett in gemeinnützige Projekte zurückfließen.
Viele Häuser und Wohnungen sind aufgeräumt, entkernt und Für Cornelia Weigand, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde
entkeimt. Sie stehen leer, sind aber nicht bezugsfertig, weil Altenahr, sind die Mobilhäuser eine Win-win-Lösung: „Diese
Bau- oder Renovierungsarbeiten noch laufen. Aufgrund zer- Mobilhäuser ermöglichen einem Teil der Betroffenen, über den
störter Leitungen gibt es mancherorts nach wie vor Schwierig- Winter zu kommen und dabei ihre sozialen Kontakte und Bin-
keiten bei der Versorgung mit Strom und Gas. Die kommenden dungen behalten zu können. Damit werden gleichzeitig unsere
Wintermonate bereiten den Betroffenen Sorge, denn in vielen Bemühungen unterstützt, dass die Menschen in der Region blei-
Haushalten fehlt es an Heizmöglichkeiten. Helferinnen und ben und nicht in andere Regionen abwandern.“
Ki nder Wie hilft unser Bündnis aktuell noch in den Flutgebieten? Lesen Sie mehr auf
f ür www.aktion-deutschland-hilft.de/hochwasser-deutschland
ell
e spezi
Nach den Sommerferien ist die Advents- und Zum großen Auftakt am 26. November gibt es
Weihnachtszeit für Kinder die schönste Zeit beispielsweise eine Live-Show im WDR-Fernse-
im Jahr: Vorfreude auf die Feiertage mit der hen und eine Musikwunsch-Aktion auf WDR 2. Ab
Hilf
Familie, ein bunter Weihnachtsbaum, Ge- dann können die Menschen drei Wochen lang für
schenke. Doch für viele Kinder, die ihr Zuhause über 30 Hilfsprojekte speziell für Kinder spenden.
oder sogar ihre Angehörigen im Hochwasser ver- Von Handwerkerinitiativen, die Kinderzimmer
Über 30 loren haben, wird die kommende Weihnachtszeit wiedereinrichten, Freizeitangeboten an Schulen
Hilfsprojekte spe- eine andere sein. Inmitten von Zerstörung und und Kitas, bis zu innovativen Spielplätzen in Con-
ziell für Kinder, wie Wiederaufbau ist an Normalität nicht zu denken. tainern – alle Projekte sollen Kinder ganz konkret
für diesen Jungen Doch daran kann man etwas ändern. im Alltag unterstützen und ihnen Freude schen-
aus Dernau, sollen ken. Zum Finale der Spendenaktion am 22. De-
mit der Spenden- „Der Westen hält zusammen – Wir helfen Kindern zember werden nochmal besonders bedürftige
aktion „Der Westen nach der Flut“ – so heißt die mehrwöchige Spen- Familien und Kindereinrichtungen überrascht.
hält zusammen – denaktion des Westdeutschen Rundfunks und Dabei wird auch die „Maus“ einen besonderen
Wir helfen Kindern unserem Bündnis. Hierbei wird in allen WDR-Pro- Auftritt haben. Weitere Informationen zu den
nach der Flut“ grammen – im Radio, im Fernsehen und im Netz Projekten und wie sie die Aktion unterstützen
realisiert werden. – zu Spenden aufgerufen. können, finden Sie unter:
www.aktion-deutschland-hilft.de/WDR
14Mit einer Zirkusvorstel-
lung für Kinder wurde das
Zelt in Dernau eingeweiht.
Ma r e i
ne ge f
Dass es vorangeht mit der Fluthilfe der Johanniter, an dem Bürgerversammlungen und andere Veranstaltungen
zeigt sich mal strahlend bunt, mal ganz mobil. stattfinden können, damit Austausch und Beisammensein als
Gemeinde wieder möglich ist.
Blau-gelb leuchtet ein Zirkuszelt, das sich mitten in der Klein-
stadt Dernau mit zwei großen Masten in den Himmel erhebt. Fluthilfebüros
Das mit einem festen Fußboden und Heizung ausgestattete
Zelt ist nach der feierlichen Einweihung sowohl Anlaufstelle Fast fünf Millionen Euro Spenden haben die Johanniter durch
für Kinder und Jugendliche als auch Versammlungsort in dem eine vor Ort koordinierte Ausgabe finanzieller Soforthilfen und
zerstörten Gebiet im Ahrtal. Verteilung von Werkzeugen, Waschmaschinen und Bautrock-
nern bereits sinnvoll eingesetzt. In den nordrhein-westfälischen
Regelmäßig finden hier Kinder- und Jugendtreffs statt. In dem Orten Erftstadt, Rheinbach-Flerzheim und Eschweiler wurden
Zirkuszelt finden die jungen Menschen einen fröhlichen und ge- mit weiteren Spendengeldern nun feste Anlaufstellen geschaf-
schützten Ort. Hier können sie Abstand von den Bildern des All- fen: In sogenannten Fluthilfebüros, die derzeit noch teils in An-
tags gewinnen, einfach mal Spaß haben und der Seele Zeit zum hängern untergebracht sind, können sich Betroffene in Sachen
Verarbeiten der tragischen Erlebnisse geben. Auch die Erwach- Sofort- und Wiederaufbauhilfe beraten lassen und haben feste
senen profitieren davon: Sie haben mit dem Zelt einen Platz, Ansprechpartner für ihre Region.
Zwei Fragen an Gregor Hoppe,
Referent für Hochwasserhilfe der Johanniter in NRW
Aktion Deutschland schieht und wohin es für welchen Zweck fließt. Darüber hinaus
Hilft: Herr Hoppe, gibt es Gesprächsangebote für Betroffene.
welche Aufgaben ha-
ben die Fluthilfebüros? Was ist dabei besonders wichtig?
Gregor Hoppe: Die Teams Unsere Hilfe soll möglichst nachhaltig sein. Dafür ist es notwen-
dort helfen bei der Antrag- dig, gute Strukturen vor Ort zu haben, nah an den betroffenen
stellung von Hilfen, damit die Bü- Menschen zu sein und als kompetenter und hilfsbereiter An-
rokratie für die Betroffenen vor Ort möglichst gering ist. Und sprechpartner zur Verfügung zu stehen. So sind wir mit unseren
sie erstellen auch die Mittelverwendungsnachweise, also den Projektbüros auch als Vermittler zu Unternehmen und Hand-
Nachweis, was mit dem Geld aus unseren Spenden, dem Geld werksbetrieben tätig, um dringend notwendige Reparaturen
der Bündnisse „Aktion Deutschland Hilft“ und „NRW Hilft“ ge- und Wiederaufbauarbeiten schneller voranzubringen.
15Zusätzlich konnten sich
Gegen Fäulnis und Gestank Betroffene auch Druck-
sprühgeräte ausleihen.
Effektive Mikroorganismen (EM). Das ist eine
Mischung aus verschiedenen mikroskopisch
kleinen Lebewesen, die, aufgelöst in Wasser,
auf verunreinigte Flächen aufgetragen wer-
den. Sie funktionieren wie ein natürliches
Reinigungsmittel und neutralisieren gesund-
heitsschädliche Fäulnis-, Schimmel- und Ge-
ruchsbakterien – ohne zusätzliche Chemie
und zu 100 Prozent biologisch, um die Um-
Welche giftigen Gefahren vom Hochwasser ausgehen und welt nicht noch weiter zu belasten.
wie man Mikroorganismen einsetzt, erfuhren Betroffene bei
Informationsveranstaltungen. Effektive Mikroorganismen kamen schon bei vergangenen
Hochwassern an der Oder und der Elbe erfolgreich zum Einsatz.
Darüber hinaus werden sie regelmäßig bei Nothilfeeinsätzen
Wo Fluten komplette Landstriche und Häuser durch der Helferinnen und Helfer nach Überschwemmungen im Aus-
spülen, gelangt vieles ins Wasser: Pestizide aus der land genutzt, um auch dort Infektionsrisiken zu verringern und
Landwirtschaft, Fäkalien aus kaputten Abwasser Krankheitsausbrüche wie Cholera zu unterbinden.
rohren und Chemikalien des täglichen Gebrauchs wie
Reinigungsmittel. 30.ooo Liter bereits verteilt
Wenn das Wasser weicht, setzt sich der Mix aus giftigen Stoffen An 20 Verteilerstellen im besonders betroffenen Ahrtal wurden
in Innen- und Außenräumen ab. Das hat nicht nur einen unan- bisher über 30.000 Liter der Effektiven Mikroorganismen aus-
genehmen Geruch zur Folge, sondern birgt auch Gefahren für gegeben. Zusätzlich konnten sich die Bürgerinnen und Bürger
die Gesundheit. Drucksprühgeräte ausleihen, um die EMs auf größeren Flächen
aufzutragen. Mit Informationsveranstaltungen, die teilweise
Mikroorganismen helfen in Kirchen stattfanden, wurden Betroffene über bakterielle Ge-
fahren im Hochwasser und die richtige Anwendung und Dosie-
Um die betroffenen Menschen zu unterstützen, ihre Häuser und rung der Mikroorganismen informiert. Wer selbst betroffen ist,
Gärten wieder bewohn- und nutzbar zu machen, verteilten die kann auf der Homepage von ADRA Deutschland die Ausgabe-
Helferinnen und Helfer von ADRA Deutschland sogenannte stellen und Termine einsehen.
16Container bezogen I n Ka l e n b o r n i m A h r t a l h a -
„Der Schlamm ist raus, die Medikamente sind raus, der Putz b e n i n z w e i Co n t a i n e r n e i n e
ist jetzt von den Wänden. Es ist ein offenes Loch quasi“, so
beschreibt Inge Göttling ihre alten Geschäftsräume in Alte- A p o t h e k e u n d e i n e A r z t p ra x i s
nahr, die von den Wassermassen beschädigt wurden. Nach
der Flutkatastrophe hat die Apothekerin ihre Medikamente in ihren Betrieb aufgenommen.
einer provisorischen Ausgabestelle verkauft. Nun hat sie einen
der neu errichteten Container unserer Mitgliedorganisation
action medeor bezogen – wir berichteten im Notruf 3/2021 –
und kann den Apothekendienst wieder regulär aufnehmen.
Nötig ist das allemal.
„Viele Menschen sind sehr erschöpft. Die erste Erkältungswelle
rollt an. Dazu beobachten wir ganz viele Beschwerden wie
Schlafstörungen und innere Unruhe. Auch die verschriebenen
Rezepte der Ärzte zeigen, dass die psychische Belastung bei den
Menschen sehr groß ist“, erzählt Göttling.
Die Arztpraxis nebenan
Direkt neben der Apotheke, in einem zweiten Container, konnte
Dr. Stefanie Nacke mit ihrem kleinen Team neue Behandlungs- Die beiden Container im Kalenborn im Ahrtal sind bezogen.
räume einrichten. Die Praxis der Allgemeinmedizinerin stand
ursprünglich in Altenahr und wurde von den Fluten ebenfalls
komplett zerstört. Nur die Patientenakten konnte sie retten.
Noch ist nicht alles beim Alten, aber die ersten Patientinnen
und Patienten können empfangen und behandelt werden. „Wir
hoffen, dass wir bald Blutabnahmen machen können. Dass wir
impfen können. Dass wir etwas mehr untersuchen können“,
sagt Nacke.
Insgesamt 250.000 Euro hat Aufbau und Einrichtung der Contai-
ner gekostet. Geld, das aus den Spenden für die Hochwasserhilfe
des Bündnisses kam. Für mindestens ein Jahr ist der Betrieb der Inge Göttling (dritte v. l.) und ihr Team in der „neuen“
Apotheke und der Arztpraxis in Kalenborn gesichert – und damit Burg-Apotheke.
auch die medizinische Grundversorgung für die unmittelbare
Region. Nun sind die Helferinnen und Helfer dabei, weitere Pro-
jekte zur Unterstützung der Menschen zu planen.
„Wir sehen, dass durch die Hochwasserkatastrophe insbeson-
dere alte, kranke und pflegebedürftige Menschen ihre Heimat
verlassen mussten“, sagt Sid Peruvemba, Vorstandssprecher von
action medeor, der schon mehrmals in den vergangenen Mo-
naten in den Katastrophengebieten war. „Wir wollen besonders
diese Menschen unterstützen und suchen gerade nach Möglich-
keiten, wie wir gemeinsam mit örtlichen Organisationen und
den lokalen Verwaltungen das langfristig erreichen können.“ Dr. Stefanie Nacke kann nun wieder Patienten empfangen.
17Die Plastikflut stoppen
Plastik ist überall. Es ist vielseitig
e i n s e t z b a r, g ü n s t i g h e r z u s t e l l e n ,
einfach zu verarbeiten – aber leider
schwer loszuwerden.
Die Helferinnen und Helfer
von Help verteilen Stoffta-
schen, damit die Bevölkerung
nicht so viele Einweg-Pla-
stiktüten nutzt.
Nur 10 Prozent des Plas
tikmülls wird recycelt.
Der Rest landet auf
riesigen Müllbergen.
Das Plastikproblem geht uns alle an, aber die Folgen sind nicht gibt es nicht. Viele Familien sammeln ihren Müll nach wie vor in
überall in gleichem Maße spürbar. Deutschland ist weltweit Gärten. Was nach einiger Zeit nicht wegweht, wird irgendwann
unter den Spitzenreitern, wenn es um die Produktion von Plas verbrannt. Der Großteil des Plastiks landet auf Müllkippen, wo
tikmüll geht. 6,3 Millionen Tonnen entstehen bei uns jährlich. die riesigen Abfallberge jährlich weiter anwachsen.
Das macht 76 Kilogramm Kunststoffabfall pro Person. Wir haben
definitiv ein Plastikproblem, doch unser Entsorgungssystem er- Wetterextreme tun ihr Übriges: Aufgrund der besonderen geo-
laubt es uns, zumindest die gesundheitliche und ökologische grafischen Lage auf dem pazifischen Feuerring bebt in Indone-
Gefahr des Mülls einigermaßen unter Kontrolle zu halten: Rund sien fast täglich die Erde. Immer wieder kommt es dadurch zu
55 Prozent des Plastiks wird recycelt – Tendenz steigend. Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Tsunamis.
Dabei verteilt sich der Plastikmüll über ganze Landstriche und
In Ländern wie Indonesien ist das anders. Nur rund 10 Prozent landet schließlich in den Gewässern. Jährlich gelangen so über
der 6,8 Millionen Tonnen Kunststoffabfall pro Jahr wird wieder- eine Million Tonnen Plastik in die Weltmeere. Auch in Zentral-
verwertet. Dabei wurden bis vor wenigen Jahrzehnten dort viele Sulawesi breitete sich nach dem Tsunami 2018 ein riesiger Pla-
Einwegprodukte aus natürlichen Materialien selbst produziert, stikteppich aus. Nachdem die Nothilfe für die Betroffenen der
beispielsweise Rattan-Körbe oder Bananenblatt-Verpackungen. Tsunamis abgeschlossen war, entschied sich die Bündnisorga-
Doch Plastikprodukte eroberten auch hier den Markt – schneller, nisation Help – Hilfe zur Selbsthilfe zu bleiben und gemeinsam
als das Entsorgungssystem mithalten konnte. mit der Bevölkerung etwas gegen die Plastikkrise zu unterneh-
men. Vieles ist seitdem geschehen.
Plastikmüll
soweit das Auge reicht Mit Plastikmüll Geld verdienen
Heute gilt Indonesien als der zweitgrößte Verursacher der Pla- So gründeten die Helferinnen und Helfer acht Abfallbanken, um
stikkrise in den Weltmeeren. Ein geregeltes Recyclingsystem den bereits bestehenden Plastikmüll zu reduzieren. Bei diesen
18Mit Aufklärungskampagnen wird die Bevölkerung
für Umweltschutz sensibilisiert.
sogenannten „Bank Sampah“ können die Bewohnerinnen und Change“ ausgebildet, um den Freundes- und Familienkreis für
Bewohner ihren Plastikmüll gegen einen kleinen Geldbetrag ein- das Plastikproblem zu sensibilisieren und die Idee von Klima-
tauschen. Eine Idee, die Anreize schafft und Früchte trägt: Dank schutz weiterzutragen.
der Abfallbanken konnten bis heute bereits rund 3 Tonnen Pla-
stikmüll gesammelt und 78 Arbeitsplätze geschaffen werden. Kräfte bündeln ist gefragt
Ein Teil des so gesammelten Mülls wird in den eigens eingerich- Help nutzt weiter die Potenziale vor Ort, um den nachhaltigen
teten Recyclingstationen geschreddert und anschließend wei- Wandel in Indonesien voranzutreiben und gleichzeitig die
terverkauft. Aus dem restlichen Teil entstehen recycelte Produkte Wirtschaft zu stärken. Das kann auch Deutschland anspornen,
wie beispielsweise gewebte Taschen, Pflastersteine und kleine mehr in Sachen Umweltschutz zu tun. Auch bei uns ist noch
Möbelstücke. Luft nach oben. Man darf nicht vergessen: Das Plastikproblem
ist ein globales Problem. Jeder auf der Welt kann zu seiner Lö-
Schritt für Schritt sung beitragen.
in eine nachhaltige Zukunft
Damit ein Umdenken stattfinden kann, machen die Helferinnen
und Helfer die Öffentlichkeit auf die Gefahren von Plastikmüll
aufmerksam, etwa durch Social-Media-Kampagnen und Infor- Ein Teil des
mationsveranstaltungen. Zusätzlich arbeitet Help mit den lo- gesammelten
kalen Schul- und Umweltbehörden zusammen und erreichte so, Plastiks wird zu
dass die staatlichen Stellen das Thema „Müllvermeidung“ offi- neuen Produkten
ziell in den Lehrplan aufgenommen haben. In diesem Rahmen verarbeitet und
wurden bereits rund 80 Schülerinnen und Schüler zu „Agents of verkauft.
19H lh erz ic en
benefiz & aktionen
In diesem Jahr feiert unser Bündnis
20-jähriges Bestehen. Wir freuen
uns sehr, dass in unserem Jubilä-
umsjahr so viele Spenderinnen und
Spender ihre Jubiläen nutzten, um
bei ihren Gästen Spenden für Men-
schen in Not zu sammeln. Daher
Edeltraud Nölkensmeier
widmen wir diese Doppelseite allen
Jubilarinnen und Jubilaren dieses Volker Weymayr
Jahres, gratulieren von Herzen zum
(halb-)runden Geburtstag und dan-
ken vielmals für die Sammlungen.
Für das neue Jahr 2022 wünschen
wir alles Gute, vor allem Gesund-
heit! Ein paar Jubiläumsfeiern stel-
len wir Ihnen hier vor:
Jörg Pauly Walter Rechthaler und
seine Frau Eva
Es sollte „ein Geburtstagsgeschenk für alle“ werden, so Unter dem Motto „Spenden statt schenken“ feierte Volker
Edeltraud Nölkensmeier. Die Kölnerin feierte im Sommer Weymayr im Juli seinen 80. Geburtstag. Dem Jubilar aus
ihren 85. Geburtstag und stellte für die zugedachten Geld- Amberg gingen die erschreckenden Bilder der Flutkatastro-
geschenke eine Spendenbox auf. 600 Euro kamen zusam- phe in Deutschland nicht aus dem Sinn. Daher entschied er
men, die nun Menschen zugutekommen, die ihre Heimat sich, die Geburtstagsspenden seiner Gäste in Höhe von 720
verlassen mussten und auf der Flucht sind. Von Herzen Euro für die Hilfe dort einzusetzen. Hierüber freuen wir uns
vielen Dank! sehr! Vielen Dank!
Schon früh im Jahr war klar: Jörg Pauly aus Bernkastel-Kues Helfen in der Not war für Walter Rechthaler und seine Frau
möchte seinen 50. Geburtstag im September feiern und Eva immer schon ein wichtiges Anliegen. Da lag es nahe,
buchte hierfür die Räumlichkeit. Geschenke? Nein, die wollte auch seinen 70. Geburtstag in den Dienst der guten Sache
er nicht, sondern Spenden für einen guten Zweck. Dann kam zu stellen und Spenden für die aktuelle Flutkatastrophe
das Hochwasser in Deutschland und Jörg Pauly war sofort zu sammeln. Das gefiel auch Petrus und er schickte zwei
klar, hier wollte er helfen: „Ich bin geschockt von der Wucht Tage Sonnenschein an den Bodensee, die der Jubilar aus
der Natur und traurig über die Schicksale der Menschen, die Reutlingen nutzte, um am ersten Tag bis Mitternacht di-
von jetzt auf gleich alles verloren haben.“ Mit rund 75 Gäs rekt am Wasser und am zweiten Tag mit einer Schifffahrt
ten (auf dem Foto mit seinen „Moselsternchen“) sammelte zur Insel Mainau zu feiern. Seine Gäste gaben gerne: 3.000
er die stolze Summe von 2.000 Euro für die Menschen im Euro kamen für die Fluthilfe zusammen! Unser herzliches
Ahrtal. Ganz herzlichen Dank hierfür! Dankeschön.
Feiern und Gutes tun
Sie möchten einen freudigen Anlass, wie einen Geburtstag, eine Hilfsprojekten zur Verfügung.
Hochzeit, ein Jubiläum oder eine Geburt, für einen Spendenauf- Unsere Mitarbeiterin Silvia Wörner berät Sie gerne:
ruf zugunsten von Menschen in Not nutzen? Gerne unterstützen 0228 / 242 92-450
wir Sie bei der Planung und Durchführung Ihrer Spendenaktion Weitere Informationen finden Sie unter:
20
und stellen Ihnen Informationsmaterialien und Bilder aus den www.Aktion-Deutschland-Hilft.de/AnlassGl k üc wunsc h benefiz & aktionen
Paul und Luis Pallerberg
sammeln für Hochwasser-Hilfe
Gertrud Stengert
Der kleine Bruder, Luis,
brachte mit seinem spon-
Gertraud Fischer tanen Ausspruch alles ins
Rollen: „Für die Menschen
müssen wir unbedingt
spenden!“ Die anstehende Konfirmation von Paul war die
perfekte Gelegenheit, auch Familie und Freunde um Unter-
stützung zu bitten. Luis bastelte eine Spendenbox, die sich
schnell mit Spenden der Gäste füllte. 320 Euro kamen zu-
sammen, die die Württemberger aus Pliezhausen nun für die
Hochwasser-Hilfe zur Verfügung stellten. Wir danken ganz
herzlich für das Engagement und die tolle Idee, die Famili-
enfeier für eine Spendensammlung zu nutzen!
Hans-Peter Molls Ralf Derwenkus
Nachdem die Feier ihres 100. Geburtstages im letzten Jahr An ihrem Ehrentag stand alles im Zeichen der Zahl Sieben: die
pandemiebedingt nur sehr klein ausfallen durfte, freuten sich Verzierung auf der leckeren Torte, die 700 Euro Spenden und das
Gertrud Stengert und ihre Familie, in diesem Jahr wieder zu nun zu führende Alter der Jubilarin Gertraud Fischer aus Wielen-
einem Fest zusammenzukommen. Alle neun Kinder mit Partne- bach. „Bei der Einladung zu meinem 70. Geburtstag“, berichtet
rinnen und Partnern, einige Enkel, zwei der insgesamt 15 Urenkel die Oberbayerin, auf dem Foto mit der Bäckerin der herrlichen
und weitere Verwandte reisten aus allen Teilen Deutschlands an, Geburtstagstorte zu sehen, „schlug ich meinen Gästen vor, statt
um miteinander zu feiern. Seit etwa zwei Jahren lebt die rüstige Geschenke und Gutscheine eine Spende für die Hochwasserka-
Seniorin in einem Altenzentrum und hält sich durch die tägliche tastrophe zu geben. Dies wurde begeistert aufgenommen.“ Das
Lektüre der Tageszeitung auf dem Laufenden. Das inspirierte sie, freut uns auch und wir danken herzlich für die Hilfe!
auf Geschenke zu verzichten und stattdessen um Spenden für
die Hochwasserhilfe zu bitten. Auch ihre Heimatstadt Ratingen „Meiner Frau kam der Gedanke, statt Mitbringsel doch lieber
bei Düsseldorf war von schweren Überschwemmungen betrof- für die Hochwasseropfer und Helfer zu sammeln“, erzählt Ralf
fen. 1.020 Euro kamen bei diesem besonderen Jubiläum zusam- Derwenkus aus Berlin, der wie jedes Jahr anlässlich seines Ge-
men! Von Herzen vielen Dank hierfür! burtstags zu einem Pesto-Essen in den heimischen Garten ein-
lud. Denn: „Meine Frau stammt aus Altena, aber das Haus ihrer
Eltern ist zum Glück unbeschädigt geblieben.“ Auf unserer Web-
Der Bauunternehmer Hans-Peter Molls aus dem niederrhei- site richtete er eine Spendenaktion ein und bewarb sie über Face-
nischen Gangelt war erschüttert, als er die Bilder vom Hoch- book. „Alle Gäste waren von der Idee begeistert, haben teilweise
wasser sah. Schnell stand sein Entschluss fest, anlässlich seines auch von Eltern Spenden mitgebracht. Insgesamt sind 465 Euro
Geburtstags zu Spenden für die Betroffenen aufzurufen. Dem zusammengekommen.“ Wir freuen uns riesig hierüber und auch
sind seine Gäste großzügig gefolgt und stellen mit insgesamt über das Lob des Berliners: „Wir danken allen Helferinnen und
8.205 Euro einen großen Spendenbetrag zur Verfügung. Darüber Helfern in Ihren Mitgliedsorganisationen für den freiwilligen und
freuen wir uns sehr und danken vielmals! hoch professionellen Einsatz!“
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