Stunde Null Guillaume Bruère Geheimnisvolle Musen

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Stunde Null Guillaume Bruère Geheimnisvolle Musen
MAGAZIN 2 · APRIL 2019     CHF 8.–

                                       Stunde Null
                                          Seite 10
                                     Guillaume Bruère
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                                     Geheimnisvolle
                                        Musen
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Stunde Null Guillaume Bruère Geheimnisvolle Musen
3
Fernand Lége Die Frau in Blau, 1912, Detail, Kunstmuseum Basel, Schenkung Dr.h.c. Raoul La Roche, 1952 © 2019, ProLitteris, Zurich

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                                                                                                                                                                                                                                                  Liebe Leserinnen
                                                                                                                                                                                                                                                  und Leser
                                                                                                                                                                                                                                                  Haben Sie schon Ihr Billet für den Mond-Ball am Samstag, den 11. Mai? Es gibt noch
                                                                                                                                                                                                                                                  Tickets, aber Sie müssen sich beeilen, um mit rund tausend bestens gelaunten Ballgästen
                                                                                                                                                                                                                                                  das ultimative, garantiert schräge Tanzvergnügen zum 50. Jahrestag der Landung auf
                                                                                                                                                                                                                                                  dem Mond zu feiern – wir sind gespannt auf Ihr Kostüm …!
                                                                                                                                                                                                                                                      Häufig werden wir gefragt, was uns bewegt, einer bestimmten Position Raum zu
                                                                                                                                                                                                                                                  geben – vor allem, wenn es um zeitgenössische Kunst geht. Tatsächlich verfolgen wir die
                                                                                                                                                                                                                                                  Entwicklung mancher Künstlerinnen und Künstler über einen langen Zeitraum und
                                                                                                                                                                                                                                                  schaffen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Guillaume Bruère fragte vor mehr als zehn
                                                                                                                                                                                                                                                  Jahren, ob er im Kunsthaus nach den Originalen zeichnen dürfe. Auch im Schauspielhaus
                                                                                                                                                                                                                                                  hat er vor und hinter den Kulissen gearbeitet. Inzwischen ist er international unterwegs
                                                                                                                                                                                                                                                  und geachtet und nun ist es soweit: Wir präsentieren eine Ausstellung seiner Bilder aus
                                                                                                                                                                                                                                                  dem Kunsthaus und dem Schauspielhaus. Das Museum als Atelier und manchmal
                                                                                                                                                                                                                                                  sogar als Probestätte: Wir erinnern uns gerne daran, wie der grosse Bruno Ganz einige

                                                                                                                                     Kosmos
                                                                                                                                                                                                                                                  seiner wichtigsten Rollen, darunter als Protagonist im Film «Der Untergang», in den
                                                                                                                                                                                                                                                                           ehrwürdigen Sälen der Alten Meister stundenlang einstudierte …
                                                                                                                                                                                                                                                                                Es ist viel los im Kunsthaus und am Heimplatz: Die Arbeiten
                                                                                                                                                                                                                                                                           an der Fassade der Kunsthaus-Erweiterung sind fast abge-
                                                                                                                                                                                                                                                                           schlossen; im Inneren läuft der Ausbau auf Hochtouren (und da
                                                                                                                                                                                                                                                                           ist noch viel zu tun). Am Tag der offenen Tür haben sich tausende
                                                                                                                                                                                                                                                                           Gäste einen allerersten Eindruck verschafft und wir freuen uns,

                                                                                                                                      Kubismus
                                                                                                                                                                                                                                                                           dass sie unsere Begeisterung teilen. Unsere Restaurierungs-
                                                                                                                                                                                                                                                                           abteilung arbeitet bereits intensiv an einigen Hauptwerken, die
                                                                                                                                                                                                                                                                           in den Chipperfield-Bau einziehen werden, darunter auch
                                                                                                                                                                                                                                                                           das monumentale Wandbild von Max Ernst, das dank einer Zu-
                                                                                                                                                                                                                                                                           wendung der Hans Imholz-Stiftung restauriert und ein Prunk-
                                                                                                                                                                                                                                                                           stück der neuen Bar sein wird.
                                                                                                                                                                                                                                                                                In den kommenden Monaten erwartet Sie ein interessantes
                                                                                                                                                                                                                                                                           Projekt: Wir sind neugierig, was es mit der «Stunde Null» in der

                                                                                                                                     Von Picasso bis Léger
                                                                                                                                                                                                                                                                           Kunst auf sich hat. In einer eindrücklichen Präsentation in den
                                                                                                                                                                                                                                                                           historischen Sammlungsräumen werden ungesehene Schätze der
                                                                                                                                                                                                                                                                           Schweizer und internationalen Kunst ans Licht gehoben. Und
                                                                                                                                                                                                                                                                           falls Sie den Mond-Ball wider Erwarten verpassen: Das nächste
                                                                                                                                                                                                                                                                           grosse Tanzvergnügen – «The Roaring Twenties» – findet am
                                                                                                                                                                         Modellfoto Bar: © David Chipperfeld Architects
                                                                                                                                                                                                                                                                           25. April 2020 statt. (Aber wir sehen uns vorher!)

                                                                                                                                                                                                                                                                                      Viele Grüsse
                                                                                                                                                                                                                                                                                      Ihr Christoph Becker

                                                                                                                                                             30.03.
                                                                                                                                                              04.08.19                                                    Cover: Guillaume Bruère, Zeichnung nach Vincent van Gogh im Kunsthaus Zürich, 2013
                                                                                                                                                                                                                          Courtesy the artist, © Guillaume Bruère
Stunde Null Guillaume Bruère Geheimnisvolle Musen
Stunde Null Guillaume Bruère Geheimnisvolle Musen
6                                                         GUT ZU WISSEN                                                                                                                                  GUT ZU WISSEN                                                        7
     San Keller, Wer schläft zuerst, 2005,
     Videoinstallation, Kunsthaus Zürich,
     © beim Künstler

                                                                          MITGLIEDER                                                                                                  OBJEKT DER BEGIERDE

                                                                          Grosses Kino für
                                                                          Kunsthaus-Mitglieder                                                                                        Grande
                                                                          Julian Schnabels «Van Gogh – At Eternity’s Gate» ist
                                                                          eine faszinierende Reise in den Körper und Geist von
                                                                                                                                                                                      Femme II
                                                                          Vincent van Gogh, der einige der beeindruckendsten und
                                                                          gefeiertsten Kunstwerke der Welt erschuf. Kunsthaus-                                                        Wie schon Paul Cézanne,
                                                                                                                                                                                                                                      © Digital Arts Association
                                                                          Mitglieder erhalten gegen Vorweisen ihres Mitglie-                                                          glaubte auch Alberto
                                                                          derausweises an der Kinokasse ihr Ticket für CHF 15*                                                        Giacometti, dass das Abbil-
                                                                          anstelle der CHF 19 in den Arthouse Kinos und im                                                            den eines Menschen schei-                       KULTURNEWS
                                                                          Kosmos in Zürich (ab 18. April, während der ganzen
                                                                          Laufzeit).
                                                                                                                                                                                      tern müsse. Denn während er                     Digitale Kunst
                                                                             Am Mittwoch, 15. Mai um 20 Uhr läuft «Operation                                                          diesen noch nachzubilden
                                                                                                                                                                                                                                      Im Museum of Digital Art (MuDA)
                                                                          Avalanche» – der kanadische Thriller um die erste                                                           versuche, verändere er sich
                                                                                                                                                                                                                                      in Zürich ist bis zum 19. Mai
    MITGLIEDER + GÄSTE                                                    Mondlandung von Matt Johnson (2016) im Kino Kosmos.                                                         ständig. Dennoch versuchte                      die Ausstellung «Zach Lieberman.

    After-Work
                                                                          Nach dem Film unterhält sich Cathérine Hug (Kuratorin                                                       er das Unmögliche immer                         Künstler, Forscher, Lehrer» zu
                                                                          «Fly me to the Moon», Kunst-
                                                                                                                                                                                      wieder von Neuem und hoffte,                    sehen. Der Künstler experimentiert
                                                                          haus Zürich) mit Ulrich Koehler                                                                                                                             mit neuen Ausdrucksformen und

    @ Kunsthaus                                                           (Planetengeologe, DLR, Berlin).
                                                                                                                                                                                      trotz allem Fortschritte zu
                                                                                                                                                                                                                                      möchte mit dem spielerischem
                                                                          Kunsthaus-Mitglieder er-                                                                                    machen. Auch sein ambitio-
                                                                                                                                                                                                                                      Gebrauch von Technologie über-
                                                                          halten reduzierte Tickets für                                                                               niertestes Projekt – der Auf-                   raschen, Grenzen zwischen dem
                                                                          CHF 17 statt CHF 19. Online                                                                                 trag für eine Platz-Skulptur                    Sichtbaren und Unsichtbaren
    Geniessen Sie Ihren Feierabend donnerstags
                                                                          ein reguläres Ticket reservieren                                                                            in New York – scheiterte.                       verschwinden lassen.
    zwischen 17 und 20 Uhr mit einem erfrischenden                        und beim Bezug vor Ort den
    Apéro und lassen Sie sich anschliessend im                                                                                                                                        Die grossen Skulpturen aber,                    www.muda.co/zurich
                                                                          Mitgliederausweis vorweisen.
    Kunsthaus inspirieren! Als Mitglied erhalten Sie                                                                                                                                  die der Künstler von 1957
                                                                          * Nicht kumulierbar mit
    im Kunsthaus-Restaurant 10 % Rabatt – auch                              anderen Reduktionen.
                                                                                                                                                                                      bis 1960 dafür schuf, wurden
    auf Ihren Apéro – und freien Eintritt ins Museum.                                                                                                                                 dennoch realisiert – und
      Für Ihre Gäste haben wir ein neues Angebot                                                                                                                                      weltberühmt. Zusätzlich zu
    entwickelt: Apéro im Kunsthaus-Restaurant                                                                                                                                         einigen originalen Gipsen
    (und ab Herbst 2019 im wiedereröffneten Café                                                                                                                                      für das Projekt aus dem
    im Foyer) mit anschliessendem Besuch                                                                                                                                              Besitz der Giacometti-Stiftung
    der Sammlung:                                                                                                                                                                     kann das Kunsthaus ab
                                                                                                                                                                                      Sommer auch wieder den
    CHF 18.– pro Person: Softdrink, Bier, Wein                                                                                                                                        Bronzeguss einer der monu-
    inkl. kleine Apéro-Platte und Museumseintritt.
    CHF 22.– pro Person: Aperitif (Hugo, Aperol                                                                                                                                       mentalen Frauenfiguren
    Spritz, Milano Spritz, Bombay & Tonic) inkl. kleine
                                                                                       SHOP                                                                                           zeigen. «Grande femme II»
    Apéro-Platte und Museumseintritt.
                                                                                                                                                                                      heisst das Werk – und
                                                                                       Gestern Flasche –                                                                              wenn Scheitern so aussieht,
                                                                                       heute Tasche!                                                                                  dann ist das Scheitern auf         Vincent van Gogh, Sämann bei Sonnenuntergang, 1888
                                                                                                                                                                                                                         Sammlung Emil Bührle
                                                                                                                                                                                      staunenswertem Niveau!
                                                                                       Mit der «I was a bottle»-Kollektion präsen-
                                                                                       tiert Francesco Rossi ein zeitgemässes                                                                                            KULTURNEWS
                                                                                       Recycling-Konzept: Mit modernster Techno-
                                                                                       logie wird aus gebrauchten PET-Flaschen                                                                                           Sammlung Emil Bührle
                                                                                       ein robustes und geschmeidiges Gewebe                                                                                             im Musée Maillol
                                                                                       hergestellt.                                  Alberto Giacometti, Grande femme II, 1960
                                                                                                                                     Kunsthaus Zürich, Alberto Giacometti-Stiftung,                                      Noch bis zum 21. Juli sind im Musée Maillol in
                                                                                          In exklusiver Zusammenarbeit mit dem       Geschenk Bruno und Odette Giacometti,
                                                                                       Kunsthaus Zürich ist daraus nun eine          © Succession Alberto Giacometti / 2019                                              Paris die Meisterwerke der Sammlung Emil Bührle
                                                                                       schöne und praktische Tasche im Kandinsky-    ProLitteris, Zürich                                                                 ausgestellt. Diese hochkarätige Sammlung –
                                                                                       Look entstanden.                                                                                                                  Kunsthaus-Besucher kennen sie aus der Aus-
                                                                                                                                                                                                                         stellung 2010 – ist zum ersten Mal in Frankreich
                                                                                       Tasche «Kandinsky»                                                                                                                zu sehen.
                                                                                       CHF 49.– / Mitglieder CHF 44.10                                                                                                   www.museemaillol.com
Stunde Null Guillaume Bruère Geheimnisvolle Musen
ANIsH kApooR
                                                                                                                                                                                               Ohne Titel, 2004
                                                                                                                                                                                               schale aus japanischem
                                                                                                                                                                                               Lack auf holz
                                                                                                                                                                                               150 × 150 cm
                                                                                                                                                                                               © 2019, ProLitteris, zurich

                                                                                                                         AUkTIoN Moderne
                                                                                                                         und zeitgenössische
                                                                                                                         Kunst 19. JUNI 2019
                                                                                                                         EINLIEFERUNGEN NEHMEN WIR
ANREISE MIT DER BAHN                                                                                                     JEDERZEIT GERNE ENTGEGEN.
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                                                                                                                         Schwarzwaldallee 171 4058 Basel 061 312 32 00 info@bbw-auktionen.com www.bbw-auktionen.com
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Stunde Null Guillaume Bruère Geheimnisvolle Musen
10     AUSSTELLUNG                                                                        AUSSTELLUNG                            11

     STUNDE                         Kunst zwischen Resignation und Aufbruch

      NULL
                                                               7. Juni – 22. September 2019           KURATOR Philippe Büttner

                     Isabelle Waldberg, Construction en bois, 1945        Sophie Taeuber-Arp, Douze Espaces, 1939
                     Holz, 44 × 56 × 54 cm                                Öl auf Leinwand, 80,5 × 116 cm
                     Kunsthaus Zürich, 1981, © 2019 ProLitteris, Zürich   Kunsthaus Zürich, Geschenk Hans Arp, 1958
Stunde Null Guillaume Bruère Geheimnisvolle Musen
12                                                         AUSSTELLUNG                                                                                                                    AUSSTELLUNG                                                    13

 W                        ie repräsentiert die Kunsthaus-
                          Sammlung die Kunst der Jahre 1933
                          bis 1955? Das Kunstschaffen dieser
                          Jahre ist geprägt durch starke Ver-
 änderungen und massive Kontraste. Nach der Vorkriegszeit
 und den Kriegsjahren selber – die in der «Stunde Null»
 des Kriegsendes gipfelten – wird im Jahrzehnt nach 1945 der
                                                                   wie Serge Brignoni, Otto Tschumi oder Alberto Giacometti
                                                                   (bis 1934) dem Surrealismus nahe, während andere wie
                                                                   Max Bill, Fritz Glarner oder Sophie Taeuber-Arp ungegen-
                                                                   ständliche Herangehensweisen vertraten. Dazu stossen
                                                                   massgebende internationale Positionen: Werke von Miró,
                                                                   Dalí, Tanguy, Picasso, Léger, Kokoschka oder Klee ver-
                                                                   treten wichtige Spielarten der internationalen Moderne
                                                                                                                                mit Werken ab den frühen 1950er-Jahren vertretene
                                                                                                                                nordamerikanische Abstraktion eines Jackson Pollock oder
                                                                                                                                Jean-Paul Riopelle. Ihnen allen gegenüber stehen Jean
                                                                                                                                Dubuffet und Alberto Giacometti für die andauernde Prä-
                                                                                                                                senz beziehungsweise Wiederaufnahme der figürlichen
                                                                                                                                Tradition mit veränderten Vorzeichen.
                                                                                                                                    In der Skulptur dominiert die Arbeit an der menschli-
 Schritt von der Auseinandersetzung mit den tiefgreifenden         zwischen Surrealismus und Figuration, während etwa           chen Figur (Germaine Richier, Marino Marini, ab 1935
 Folgen des Krieges zur Erschaffung einer neuen künstleri-         Kupka, Vantongerloo und Moholy-Nagy die Abstraktion          Alberto Giacometti), doch fehlen auch einige gewichtige
 schen Sprache vollzogen, mit der eine neue Freiheit des Aus-      repräsentieren.                                              abstrakte Positionen nicht (Alexander Calder, nach
 drucks einhergeht.                                                                                                             dem Krieg Antoine Pevsner). Später tritt mit dem aufkom-
    Besonders schön zu fassen sind die Kontraste in der                        DIE PRÄSENZ DER ABSTRAKTION                      menden Nouveau Réalisme eines Jean Tinguely der
 Malerei der Zeit von 1933 bis zum Kriegsende. Was die             Nach dem Krieg wird die ungegenständliche Kunst zum          neue Ding-Charakter des Kunstwerks zu Tage.
 Schweiz betrifft, ist zum einen die traditionelle Kunst ge-       führenden Idiom: In der Schweiz stehen dafür, abgesehen          Auch inhaltlich sind die Unterschiede riesig. In den
 genständlicher Prägung etwa von Hermann Huber zu                  von den bereits etablierten Zürcher Konkreten (mit Glarner   1930er-Jahren finden sich Werke mit dezidiert politisch-
 nennen. Begleitet werden diese Werke von einer ebenfalls          als «malerischem» Sonderfall in den USA), namentlich         sozialkritischem Hintergrund wie etwa Otto Baumbergers
 gegenständlichen Schweizer Malerei, die für eine moder-           Wilfrid Moser und Hugo Weber. International manifestieren    «Masse» von 1936, und andere, die den Krieg im engeren
 nere Auffassung steht – erwähnt seien hier Max Gubler und         sich einerseits das europäische Informel mit Wols, Nicolas   Sinn thematisieren (Mirós düstere, vom Geschehen in
 Varlin. Daneben stechen die stärker international ver-            de Staël, Georges Mathieu und Maria Vieira da Silva,         Spanien markierte Komposition «Personnages et oiseaux
 netzten Positionen hervor: Unter ihnen standen Künstler           und andererseits die im Kunsthaus zur Hauptsache erst        dans la nuit» von 1939, Kokoschkas «What Are We Fighting
                                                                                                                                For» von 1943 und natürlich Giacomettis Hauptwerk
                                                                                                                                «La main» von 1947). Kontrastierend dazu – obwohl eben-
                                                                                                                                falls aus der Kriegszeit – Fernand Légers vitalistische,
                                                                                                                                1944 in den USA entstandene Komposition «Fleur jaune».

                                                                                                                                              VOM RÉDUIT ZUM «ALL OVER»
                                                                                                                                Schweizer Reduit-Idyllen repräsentieren eine mental und
                                                                                                                                künstlerisch andere Welt, so etwa Hermann Hubers be-
                                                                                                                                rührendes, Geborgenheit zelebrierendes Bild «Vorlesende
                                                                                                                                und Knabe» von 1940/41, oder Jakob Ritzmanns Beschwö-
                                                                                                                                rung eines Schrebergartenhäuschens als bescheidener
                                                                                                                                Energiezelle inmitten des bangen Alltags der vom Toben
                                                                                                                                des Weltkriegs umgebenen Schweiz.
                                                                                                                                   Nach dem Krieg verarbeiten im Figürlichen Dubuffet,
                                                                                                                                Giacometti und Tschumi, im abstrakten Informel etwa
                                                                                                                                de Staël in ihren Werken die massive Zäsur, die jener mit
                                                                                                                                sich gebracht hat. Später lichtet sich das Bild, leuchtende
                                                                                                                                abstrakte Strukturen wie in Bildern von Vieira da Silva
                                                                                                                                in Frankreich oder Riopelle in Nordamerika verkünden
                                                                                                                                eine neue, energetisierte Weltschau durch Farbe.
                                                                                                                                   Insgesamt zeigt die Präsentation sehr deutlich, wie viele
                                                                                                                                Energien der Krieg band und wie viele sein Ende
                                                                                                                                wiederum freisetzte. Von entscheidender Bedeutung ist
                                                                                                                                                                                                  Fernand Léger, La fleur jaune, 1944
                                                                                                                                der als Folge des Ersten Weltkriegs lancierte Surrealismus,       Öl auf Leinwand, 74 × 91,5 cm
                                                                                                                                                                                                  Kunsthaus Zürich, Geschenk in memoriam C. und
                                                                                                                                der Ausdrucksweisen für die psychische und physische              S. Giedion-Welcker, 1982, © 2019 ProLitteris, Zürich
                                                                                                                                Katastrophe von Faschismus und Krieg bereithielt und im
                                                                                                                                                                                                  Hilla von Rebay, With Tenderness, 1946
                                                                                                                                New Yorker Exil schliesslich Grundlagen für den Abstrak-          Öl auf Leinwand, 94 × 77 cm
                                                                                                                                                                                                  Kunsthaus Zürich, Geschenk der Künstlerin, 1947
                                                                                                                                ten Expressionismus Pollocks zur Verfügung stellte.               © The Hilla von Rebay Foundation
                                                                                                                                   Eindrucksvoll ist die innovative Präsenz von Künstlerin-
                                                                                                                                                                                                  Hermann Huber, Spinnendes Mädchen, 1940
                                                                                                                                nen: Werke wie Taeuber-Arps abstrakte Formfindung                 Tempera auf Leinwand, 69 × 53 cm
                                                                                                                                                                                                  Kunsthaus Zürich, Geschenk Herr Ruch-Baur zur
                                                                                                                                «Douze Espaces» von 1939, Richiers Neuerfindungen des             Erinnerung an seine Gattin, 1940
                                                                                                                                weiblichen und des männlichen Körpers in der Kriegs-              © Nachlass Hermann Huber
Stunde Null Guillaume Bruère Geheimnisvolle Musen
14                                                         AUSSTELLUNG                                 AUSSTELLUNG                                                             15

                                                                                                               zeit, Isabelle Waldbergs organisch-konstruktive Versuchs-
                                                                                                               anordnung «Construction en bois» von 1945, eine spek-
                                                                                                               takuläre abstrakte Komposition Hilla von Rebays von 1946
                                                                                                               oder Verena Loewensbergs kühl geladene konkrete
                                                                                                               Komposition von um 1950 markieren einige der dichtesten
                                                                                                               Stationen der Ausstellung.

                                                                                                                         DIE GLEICHZEITIGKEIT DES ANDEREN
                                                                                                               Trotz aller Brüche und Einschnitte: Das Figürliche und die
                                                                                                               Abstraktion bleiben nebeneinander als grundlegende
                                                                                                               Idiome der Moderne bestehen und tragen nach dem Krieg
                                                                                                               beide zur grundsätzlichen Erneuerung der künstlerischen
                                                                                                               Arbeit bei: Die sich animistisch gebende Abstraktion
                                                                                                               eines Pollock wird zum entscheidenden Paradigma einer
                                                                                                               neuen, nun von Amerika getragenen und von ihm im Kalten
                                                                                                               Krieg durchaus auch politisch genutzten Kunst, während
                                                                                                               in Europa Alberto Giacometti (und später Francis Bacon)
                                                                                                               weiterhin darauf setzen, die grundsätzlichen Fragen der
                                                                                                               Kunst anhand der essenziell erneuerten Arbeit am mensch-
                                                                                                               lichen Körper verdichten und ausdrücken zu können.
                                                                                                                  In der Ausstellung ist Pollocks «Number 21» von 1951
                                                                                                                neben einem gleich grossen und aus demselben Jahr
                                                                                                               stammenden Selbstbildnis des zur Entstehungszeit 40-
                                                                                                               jährigen Zürcher Malers Walter Sautter zu sehen: Sautter
                                                                                                               malte sich fast etwas ratlos im Atelier stehend. Sein
                                                                                                               qualitätsvolles Bild zeigt, wie er nach einer offenen Mal-
                                                                                                               weise strebte, die ihn, den ihn umgebenden Raum und sein
                                                                                                               Bild insgesamt zu etwas Ganzem machen konnte. Dem-
                                                                                                               gegenüber bewegte sich der zur Entstehungszeit seines
                                                                                                               Bildes nur ein Jahr jüngere Pollock in völlig anderen Sphä-
                                                                                                               ren: Seine «All Over»-Malerei ist ein brandender energeti-
                                                                                                               scher Rhythmus, der zum Teil zwar noch Erinnerungen an
                                                                                                               Anthropomorphes zu enthalten scheint, aber vor allem
                                                                                                               ein entfesseltes, völlig neues «Sprechen» von Malerei zele-
                                                                                                               briert. Kurzum: Neben Sautters Selbstbildnis ist Pollocks
                                                                                                               Bild eines der Malerei selber.
                                                                                                                  Die Position der Schweizer Kunst ist insgesamt schil-
                                                                                                               lernd: Neben den Künstlerinnen und Künstlern, die sich
                                                                                                               einer formalen und inhaltlichen Radikalität öffneten, finden
                                                                                                               wir wie erwähnt auch die an einer traditionelleren Narra-
                                                                                                               tion festhaltenden Maler. Sie schufen Bilder, die formal
                                                                                                               zwar nichts Neues hervorbrachten, die aber eine bis heute
                                                                                                               berührende Einfühlung in die Schweizer «condition hu-
                                                                                                               maine» dieser Jahre an den Tag legen. Am Ende der gewähl-
                                                                                                               ten Epoche steht dann der geniale Bewegungsrebell Jean
                                                                                                               Tinguely, der die Kunst mit einer ebenso freien wie spieleri-
                                                                                                               schen Geste ganz neu zu den Menschen zurückbringt.

                                                                                                               Der folgende Beitrag berichtet über eine der Aus­stellung
 Jackson Pollock, Number 21, 1951
 Kunstharzfarbe auf Leinwand, 145 × 94 cm                    Walter Sautter, Selbstbildnis, 1951               ­zugeordnete Präsentation der Ergebnisse des Projekts
 Kunsthaus Zürich, Geschenk des Holenia Trust im             Öl auf Leinwand, 146 × 97 cm
 Andenken an Joseph H. Hirshhorn, 1988                       Kunsthaus Zürich, Leihgabe des Kantons
                                                                                                                zur Erforschung der Provenienzen der in den Jahren 1933
 © Pollock-Krasner Foundation / 2019 ProLitteris, Zürich     Zürich, 1952, © Nachlass Walter Sautter            bis 1950 erworbenen Werke der Grafischen Sammlung.
Stunde Null Guillaume Bruère Geheimnisvolle Musen
16                                                            AUSSTELLUNG                                                                                                                            AUSSTELLUNG                                                             17

                              PROVENIENZEN
                                                                                                                                           schmälern müsste, hat seine Autorität verloren». Wie sich das     gen Geschäften im internationalen Kunsthandel, zahlreiche
                                                                                                                                           Sammlungsfeld in der Zwischenkriegszeit änderte, lässt sich       Ankäufe tätigte. So stand Wartmann in den 1940er-Jahren in
                                                                                                                                           aus heutiger Sicht daran erkennen, dass unter anderem fol-        reger Korrespondenz mit dem Basler Antiquar Oskar Schloss,
                                                                                                                                           gende «Klassiker der Moderne» neu in die Sammlung gelang-         dem Vorgänger von Ernst Beyeler, und kaufte ab und an selbst

                                IM FOKUS
                                                                                                                                           ten: Kirchner, Cézanne, Munch, Kollwitz, Toulouse-Lautrec,        oder über Mitglieder der Sammlungskommission bei der
                                                                                                                                           Liebermann, Klimt, Picasso, Corinth, Pechstein, Kokoschka,        Galerie Aktuaryus in Zürich oder auf Auktionen bei Dr. August
                                                                                                                                           Heckel, Klee, Schiele, Nolde, van Gogh, Dix.                      Klipstein in Bern Werke an. Viel umfangreicher waren die
                                                                                                                                                                                                                                      Zugänge aus Schweizer Privatsamm-
                                                                                                                                           DEM FLUCHTGUT AUF DER SPUR                                                                 lungen, etwa aus der Sammlung des
                                                                                                                                           Welche Wege die Blätter dieser heute                                                       Basler Kunsthistorikers Paul Ganz,
                                                                                                                                           weltbekannten Künstlerinnen und                                                            der auf dem internationalen Kunst-
                                                                                                                                           Künstler nahmen, bevor sie ihr Do-                                                         markt Werke des Künstlers Johann
                                                                                                                                           mizil in den Beständen der Grafi-                                                          Heinrich Füssli ankaufte und zusam-
                                                                                                                                           schen Sammlung fanden, wird an-                                                            men mit dem Zürcher Sammler Paul
                                                                                                                                           hand von rund sechs Schlaglichtern                                                         Hürlimann dafür sorgte, dass die
                                                                                                                                           in der Ausstellung präsentiert. Dabei                                                      Grafische Sammlung am Kunsthaus
                                                                                                                                           geht es um Ankäufe des norwegi-                                                            seit den 1940er-Jahren über einen
                                                                                                                                           schen Kunsthändlers Harald Horst                                                           weltweit einmaligen Zeichnungs-
                                                                                                                                           Halvorsen, der vom NS-Regime au-                                                           und Grafikbestand des Künstlers
                                                                                                                                           torisiert wurde, Werke Edvard                                                              verfügt. Als Abschluss wird sodann
                                                                                                                                           Munchs aus der Aktion «Entartete                                                           von einem ominösen Diebstahl aus
                                                                                                                                           Kunst» im Ausland zu veräussern.                                                           dem Davoser Künstlernachlass von
                                                                                                                                           Munchs mehrfarbiger Holzschnitt                                                            Ernst Ludwig Kirchner die Rede
                                                                                                                                           «Kopf an Kopf» aus dem Jahr 1905                                                           sein – ein beispielhafter Fall, der auf-
                                                                                                                                           wurde von ebendiesem Kunsthänd-                                                            zeigt, wie die internationale Zusam-
                                                                                                                                           ler als «Mann und Weib sich                                                                menarbeit der Provenienzforschung
                                                                                                                                           küssend» angekauft und birgt bis                                                           Früchte trägt.
                                                                                                                                           heute Rätsel. Anhand einiger Bei-
                                                                                                                                           spiele wird auch das vieldiskutierte                                                               MEHRHEITLICH UNBEDENKLICH
                                                                                                                                           Thema Fluchtgut ausgeleuchtet: Die                                                        Zu Projektende können rund zwei
                                                                                                                                           «Sammlung B.» – nach umfangrei-                                                           Drittel der Provenienzen der Zu-
                                                                                                                                           cher Recherche als Sammlung Otto                                                          gänge zwischen 1933 und 1950 als
                                                                                                                                           Oppenheimer zu identifizieren – hat                                                       unbedenklich und lückenlos oder als
                    Die Erwerbungen der Grafischen Sammlung 1933–1950                                                                      das Kunsthaus für ein Werk mit dem                                                        lückenhaft ohne Hinweise auf be-
                                                                                                                                           bekannten Motiv der «Kuh» von                                                             denkliche Handwechsel eingestuft
                                   TEXT Joachim Sieber, wissenschaftlicher Mitarbeiter Provenienzforschung
                                                                                                                                           Rudolf Koller getauscht. Wie es zu                                                        werden. Von den restlichen Fällen
                                                                                                                                           diesem Tausch von fast 1000 Blättern deutscher expressionis-      konnte mindestens der Vorbesitzer identifiziert werden, hier
                                                                                                                                           tischer Grafik mit einem opulenten Ölgemälde kam, wird            besteht weiterer Forschungsbedarf. Im Rahmen des Projekts
 Dieser Teil der Ausstellung basiert auf den Forschungsergeb-              venienz war hingegen nur teilweise möglich. Bei keinem Werk     genauer unter die Lupe genommen.                                  wird die Publikation dieser letzten Besitzer auf der Website
 nissen des vom Bundesamt für Kultur geförderten Proveni-                  konnte jedoch ein eindeutiger Hinweis auf einen konfiskato-        Es ist bekannt, dass das Kunsthaus Zürich in den 1930er-       des Kunsthauses oder in der Sammlung Online realisiert.
 enzprojekts (siehe auch Magazin 3/18) und thematisiert, wie               rischen Handwechsel und somit auf NS-Raubkunst gefunden         und 1940er-Jahren einige ( jüdische) Eigentümerinnen und
 zwischen 1933 und 1950 Werke auf Papier in die Sammlung der               werden. Zwischen 1933 und 1950 gelangten zehn Prozent der       Eigentümer bei der Ausfuhr und dem Depositum von Werken
 Zürcher Kunstgesellschaft gelangten.                                      Sammlungsbestände der Grafischen Sammlung – rund 9500           aus Deutschland oder von Deutschland besetzten Gebieten
    Ziel des Projekts war es, die Provenienzen für den Zeitraum            Werke – ans Haus. Davon lag der Bestand von 3900 Blättern       unterstützte. Dass dabei teilweise auch Werke angekauft oder
 von 1933 bis 1945 durch Recherchen weitmöglichst zu klären                im engeren Fokus. Die grosse Anzahl an Werkzugängen ist der     geschenkt wurden, wird anhand des Nachlasses von Lovis
 und zu prüfen, ob Blätter aus einschlägigen Quellen stammen,              Verdienst Dr. Wilhelm Wartmanns, der sich in seiner Tätigkeit   Corinth, welcher zwischen 1933 und 1938 von der Witwe
 die im Verdacht stehen, mit NS-Raubkunst Handel getrieben                 als erster Konservator und Direktor seit 1910 mit grossem       ­Charlotte Berend-Corinth im Kunsthaus Zürich eingelagert
                                                                                                                                                                                                             Schenkung aus dem im Kunsthaus deponierten
 zu haben.                                                                 Engagement der Erschliessung und dem Ausbau der grafi-           wurde, aufgegriffen.                                             Nachlass des Künstlers: Lovis Corinth, Der Teich, 1886
                                                                           schen Bestände widmete. Einen Fokus legte Wartmann auf die                                                                        Grafitstift auf Maschinenbüttenpapier, 30,4 × 47,5 cm
                                                                                                                                                                                                             Kunsthaus Zürich, Grafische Sammlung, 1935
               KEINE RAUBKUNST GEFUNDEN                                    französische und deutsche Moderne. So schrieb er bereits 1925                KUNSTHANDELSPLATZ SCHWEIZ
                                                                                                                                                                                                             Ernst Ludwig Kirchner, Strassenszene, 1922
 Eine Identifikation der Vorbesitzerinnen und Vorbesitzer                  im Neujahrsblatt, «der Satz, dass die Berücksichtigung der      Ein weiterer Fokus wird auf den Kunsthandelsplatz Schweiz         Farbholzschnitt auf Papier, 67,7 × 37,5 cm
 konnte dabei fast ausnahmslos erfolgen, die Klärung der Pro-              nichtschweizerischen Kunst den inneren Wert der Sammlung        gelegt, wo das Kunsthaus Zürich, im Gegensatz zu den weni-        Kunsthaus Zürich, Grafische Sammlung, 1947
Stunde Null Guillaume Bruère Geheimnisvolle Musen
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                                                                                                                                                                            KENNERSCHAFT UND TRADITION SEIT 1864
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                                                                                                                                                                                                                                                       Tel. +41 (0)31 381 46 73
                              Hardturmstrasse 102 ∙ 8031 Zürich                                                                                          in Zürich (Auswahl)          Titlisstrasse 48 | 28. bis 31. Mai 2019                          galerie@kornfeld.ch
                              Tel. 044 445 63 63 ∙ office@kollerauktionen.ch                                                                             in Bern (sämtliche Werke)    Laupenstrasse 41 | 6. bis 12. Juni 2019                          www.kornfeld.ch
                              www.kollerauktionen.ch
20                                                               AUSSTELLUNG   21

 Guillaume
 Bruère
 24. Mai – 8. September 2019                    KURATORIN Mirjam Varadinis

 Guillaume Bruère zeichnet an
 der Langen Nacht 2018
                                                              Die Zürcher
                                                          Zeichnungen
 Guillaume Bruère
 Porträt von Andrea im Kunsthaus Zürich, 2018
 Buntstifte, Ölkreide und Acryl auf Papier,
 200 ×148 cm
22                     AUSSTELLUNG                                                                                                                            AUSSTELLUNG                                                  23

                                                       u bist in den letzten                                                                                                Anfänglich habe ich in Museen viel beobach-
                                                       Jahren sehr oft                                                                                                      tet und gelernt, dort aber während einiger
                                                       nach Zürich gekom-                                                                                                   Jahre wenig gezeichnet. Dies, weil ich mit
                                                       men. Kannst du                                                                                                       meinem kleinen Skizzenblock (30×40 cm)
                                                       etwas über die Hin-                                                                                                  nicht zurechtkam. Mein rechter Arm musste
                                     tergründe erzählen, die dich zum                                                                                                       den Block halten, damit meine linke Hand
                                     ersten Mal hierher gebracht haben?                                                                                                     zeichnen konnte, und so war meine körper-

 Der französische Künstler              GB Nach Zürich kam ich zum ersten Mal
                                     im März 2012. Ich wollte gerne im Kunsthaus
                                                                                                                                                                            liche Energie zu stark eingeschränkt. Ich
                                                                                                                                                                            verstand langsam, dass ich im selben Format
                                     Zürich zeichnen, nachdem ich das zuvor                                                                                                 wie im Atelier zeichnen musste, nämlich
 Guillaume Bruère (* 1976) war       schon im Louvre in Paris, in der Gemäldega-
                                     lerie in Berlin, der Staatsgalerie in Stuttgart
                                                                                                                                                                            50 × 70 cm. Um meinen Körper zu befreien,
                                                                                                                                                                            brauchte ich aber einen Tisch oder eine Staf-
 in den letzten Jahren immer         sowie der Tate Britain in London getan hatte.
                                     Alberto Giacometti interessierte mich, denn
                                                                                                                                                                            felei. Normalerweise ist es nicht erlaubt, mit
                                                                                                                                                                            Tisch in einer Museumssammlung zu zeich-

 wieder im Kunsthaus Zürich          mit ihm begann sozusagen mein künstleri-
                                     sches Leben. Aber auch nach Arnold Böcklins
                                                                                                                                                                            nen. Das kam im Kunsthaus auch erst mit der
                                                                                                                                                                            Zeit, als mich die Mitarbeiter schon besser

 sowie im Schauspielhaus             «Der Krieg» (um 1897) wollte ich zeichnen.
                                     Robert Fleck, mein langjähriger Förderer und
                                                                                                                                                                            kannten. Aber bei Böcklin hatte ich bewusst
                                                                                                                                                                            die Grauzonen des Erlaubten ausgetestet.

 zu Gast. Insgesamt hat er an
                                     Begleiter, stellte den Kontakt zu Bice Curiger                                                                                         Denn wenn du fragst, ob es erlaubt ist, eine
                                     her, die zu der Zeit Kuratorin am Kunsthaus                                                                                            so grosse Rolle auf dem Boden auszubreiten,
                                     war. Daraufhin reiste ich mehrere Male nach                                                                                            sagt man dir sicher nein. Also habe ich es
 den zwei Orten über 400             Zürich.                                                                                                                                einfach gemacht.

 Zeichnungen realisiert. In          Wie gehst du vor, wenn du in
                                     Museumssammlungen zeichnest?
                                                                                                                                                                            Deine Arbeiten haben etwas zutiefst
                                                                                                                                                                            Menschliches. Kein Wunder spielt

 seiner ersten Einzelaus-            Wählst du im Vorfeld die Werke aus,
                                     die du zeichnen willst, oder lässt
                                                                                                                                                                            das Porträt eine so wichtige Rolle. Es
                                                                                                                                                                            scheint mir, dass es das Gesicht
                                     du dich eher von der Energie am Ort                                                                                                    und insbesondere die Augen sind, die
 stellung in der Schweiz zeigt       treiben und wählst dann Werke
                                     spontan aus?
                                                                                                                                                                            dir Zugang verschaffen zur Persön-
                                                                                                                                                                            lichkeit deines Gegenübers, und
 Bruère eine Auswahl aus                Wenn ich in ein Museum gehe, suche ich
                                     die Exponate nicht nach rationalen Kriterien
                                                                                                                                                                            uns die Menschen, die du abzeichnest,
                                                                                                                                                                            neu entdecken lassen. Ist das so?
 diesen beiden Werkgruppen.          aus, sondern intuitiv: Ich gehe schnell durch
                                     die Räume und stoppe bloss, wo mich etwas
                                                                                                                                                                               Mich prägen die Fayum-Porträts, die Por-
                                                                                                                                                                            träts von Rogier van der Weyden, Hans Hol-

 Kuratorin Mirjam Varadinis          zum Zeichnen aufruft. Das passiert nur bei
                                     wenigen Exponaten. Dieser Prozess ist sehr
                                                                                                                                                                            bein oder Albrecht Dürer. Ein gemaltes Por-
                                                                                                                                                                            trät stellt uns vor einen Widerspruch: Man

 unterhielt
                                     spannend für mich, es ist ein bisschen wie                                                                                             hat den Eindruck, einen Menschen zu sehen,
                                     wenn ich ein Tier auf der Jagd wäre.                                                                                                   der einen selbst wiederum beobachtet (durch
                                                                                                                                                                            den weissen Punkt in der gemalten Pupille),
 sich mit dem                        Im Unterschied zu den klassischen
                                     Kopisten, denen man in den grossen
                                                                                                                                                                            obwohl es lediglich ein Gemälde ist. Parallel
                                                                                                                                                                            zu meinen ersten Museumszeichnungen, bei
 Künstler.                           Museen dieser Welt begegnet und die
                                     jeweils monatelang vor den Werken
                                                                                                                                                                            denen es oft um Porträts geht, habe ich 2009
                                                                                                                                                                            selber damit begonnen, Porträts zu machen.
                                     der grossen Meister sitzen und diese                                                                                                   Dabei bekam ich bald den Eindruck, dass et-
                                     minutiös abzeichnen, arbeitest du                                                                                                      was vom Wesen des Menschen, der mir Mo-
                                     sehr schnell – und meist nicht einfach                                                                                                 dell sass, unmittelbar in das Bild einfloss. Ein
                                     mit dem kleinen Zeichenblock auf                                                                                                       Porträt hilft, der Vergänglichkeit zu entflie-
                                     den Knien, sondern mit Tisch oder                                                                                                      hen, und ich sehne mich danach, diese Ver-
                                     Staffelei ausgerüstet. Manchmal                                                                                                        antwortung zu übernehmen, mit den Mitteln
                                     tauchst du auch auf, rollst eine riesige                                                                                               der Zeichnung und der Malerei.
                                     Papierrolle aus und zeichnest darauf,             Die grosse Papierrolle vor Böcklins «Der Krieg»

                                     wie z. B. als du Böcklins «Krieg» in              Guillaume Bruère                                                                     Für die Ausstellung im Kunsthaus
                                                                                       Zeichnung nach Arnold Böcklins «Der Krieg» im Kunsthaus Zürich, 2012
                                     unserer Sammlung abgezeichnet hast.               Buntstifte auf Papier, 70 × 50 cm                                                    sind speziell vier neue, grossforma-
24                                                       AUSSTELLUNG                                                                                                   AUSSTELLUNG                                                                        25

 tige Porträts entstanden. Die Modelle            Guillaume Bruère
                                                                                                            kreide und Aquarell). Ähnlich wie die Eindrü-
 waren Menschen, die normalerweise                Zeichnung nach Alberto Giacometti im                      cke aus meinen Museumsbesuchen prägen
 nicht im Rampenlicht stehen: nämlich             Kunsthaus Zürich, 2013
                                                  Buntstifte und Ölkreide auf Papier, 70 × 50 cm            mich jene aus Tanz und Theater. Gerne würde
 zwei Aufsichten des Kunsthaus                    Guillaume Bruère
                                                                                                            ich mal direkt auf der Bühne mitmachen und
 Zürich sowie zwei Mitarbeiterinnen               Zeichnung während der Proben zu «Yvonne,                  auch den Bereich Musik, insbesondere die
 vom Schauspielhaus Zürich. Warum                 die Burgunderprinzessin» im Schauspielhaus Zürich, 2015
                                                  Buntstifte, Ölkreide und Aquarell auf
                                                                                                            Oper, erkunden.
 wolltest du genau diese Menschen                 Papier, 70 × 50 cm
 porträtieren?                                    Alle Werke: Courtesy the artist, © Guillaume Bruère       Dich verbindet offensichtlich eine
    Aufsichtspersonen zu porträtieren war ein                                                               spezielle Beziehung mit Zürich.
 alter Wunsch von mir, und ich freue mich                                                                   Wie stellst du dir deine Zukunft vor?
 sehr, dass ich mir diesen für die Ausstellung                                                                 Zürich ist für mich tatsächlich eine Her-
 im Kunsthaus erfüllen durfte. Die Aufsichts-                                                               zensangelegenheit. Ich hab hier viele Freunde
 personen sind ein Teil des Museums, werden                                                                 und Freundinnen gefunden und in vielen
 aber meist nicht beachtet. Während sie nor-                                                                Bereichen grosse Unterstützung erfahren.
 malerweise die Aufgabe haben, Exponate zu                                                                  Daher freue ich mich auch sehr, dass wir nun
 schützen und Besuchende zu beobachten,                                                                     die Ausstellung im Kunsthaus machen. Ich
 werden sie durch meine Porträts selbst                                                                     kann mir auch vorstellen, dass ich mich nach
 Thema der Kunstwerke und rücken so ins                                                                     Jahren des mobilen Zeichnens hier etwas
 Zentrum des Museums.                                                                                       permanenter niederlasse. Ich suche einfach
                                                                                                            noch ein Atelier oder eine kleine Wohnung …
 Die Porträts entstanden als öffentli-
 che Zeichnungsperformances am                                                                              Zur Ausstellung erscheint ein umfassender
 Tag der offenen Tür sowie an der                                                                           Katalog mit allen Zeichnungen (448 Seiten,
 Langen Nacht der Museen 2018. Das                                                                          rund 400 Abbildungen). Er ist am Kunsthaus-
 Performative spielt insgesamt                                                                              Shop für CHF 48.– erhältlich.
 eine wichtige Rolle in deinem Schaf-                                                                          Die Ausstellung wird unterstützt von
 fen, und wir werden im Rahmen                                                                              Swiss Re – Partner für zeitgenössische Kunst,
 der Ausstellung ja auch zwei Perfor-                                                                       sowie der Dr. Georg und Josi Guggenheim-
 mances zeigen. War dieses Inte-                                                                            Stiftung.
 resse an der Performance der Grund,
 dass du in den letzten Jahren
 immer wieder auch im Schauspiel-
 haus Zürich gezeichnet hast?
    2013 durfte ich bei Tanzproben von Sasha
 Waltz in Berlin zeichnen, und da dachte ich
 mir, dass es interessant wäre, den Bereich des
 Theaters weiter zu erkunden. Anfang 2014                                                                                                                   BEGLEIT VERANSTALTUNGEN
 bot mir Barbara Frey an, während der Vorbe-
                                                                                                                                                              Freitag 24. Mai, 19 Uhr
 reitungen ihrer nächsten Inszenierung der                                                                                                                  Zeichnungsperformance mit Guillaume
 «Drei Schwestern» von Anton Tschechow zu                                                                                                                   Bruère im Vortragssaal.
                                                                                                                                                            Mit Ausstellungsticket und für Mitglieder
 zeichnen, ein paar Tage zu Beginn und ein
                                                                                                                                                            gratis, sonst CHF 10.– / CHF 8.– reduziert.
 paar am Ende der Probenzeit. Danach kam
                                                                                                                                                              Samstag, 8. Juni, 11 Uhr
 ich erneut ins Schauspielhaus für die Proben
                                                                                                                                                            Künstlergespräch mit Bice Curiger,
 von «Yvonne, die Burgunderprinzessin» von                                                                                                                  Direktorin Fondation Vincent van Gogh         WIR BRAUCHEN IHRE
 Witold Gombrowicz, und 2015 für «Meer»                                                                                                                     Arles, Barbara Frey, Intendantin              UNTERSTÜTZUNG!
 von Jon Fosse. Während der drei Proben                                                                                                                     Schauspielhaus Zürich und Guillaume
                                                                                                                                                                                                          Das Buch zur Ausstellung umfasst alle
                                                                                                                                                            Bruère. Moderiert von Mirjam
 wurde mir ein Tisch zur Verfügung gestellt                                                                                                                 Varadinis, Kuratorin der Ausstellung.
                                                                                                                                                                                                          Zeichnungen, die in Zürich entstanden sind.
                                                                                                                                                                                                          Das sind über 400. Dieser Umfang sprengt
 und ich zeichnete nur, wenn die Schauspiele-                                                                                                               Mit Ausstellungsticket und für Mitglieder
                                                                                                                                                                                                          unseren normalen Budgetrahmen, und
 rinnen und Schauspieler auf der Bühne etwas                                                                                                                gratis, sonst CHF 10.– / CHF 8.– reduziert.
                                                                                                                                                                                                          wir lancieren daher unsere erste Crowd-
 ausprobierten. Die Blätter legte ich rasch auf                                                                                                               Sonntag, 25. August, 14 Uhr                 funding-Initiative. Unterstützen Sie uns! Als
 dem Boden um mich herum aus, ich verwen-                                                                                                                   Öffentliche Performance mit Guillaume         Belohnung wartet u.a. die allererste
                                                                                                                                                            Bruère bei der Henry Moore-Plastik            Lithografie von Guillaume Bruère auf Sie.
 dete dasselbe Papier und Material wie im                                                                                                                   an der Seepromenade in Zürich.                Mehr Info unter: wemakeit.com/projects/
 Kunsthaus Zürich (meistens Buntstifte, Öl-                                                                                                                 Eintritt frei.                                guillaume-bruere-das-buch
26                                                                                                                                                                  ANZEIGEN                                                                                                                           ANZEIGEN                                                     27

                                                                                                                          2.3.– 4.8.2019
                                                                                                                                                                                                                                                      FEINE SCHWEIZER IMMOBILIEN
                                                                                                                                                                                                                                                                 Wir pflegen noch die Kunst
                                                                                                                                                                                                                     Oetenbachgasse 7 – 8001 Zürich
                                                                                                                                                                                                                     Ecke Rennweg Bahnhofstrasse
                                                                                                                                                                                                                                                        der diskreten und k petenten Objektvermiung.
                                                                                                                                                                                                                                                      www.fsp.immo                                                                 Tel. 044-915 4600
                                                                                                                                                                                                                     paradisdesinnocents.ch

                                                                                                                                                                                                                     positive luxury brand
                                                                                                                                                                                                                     swiss design – swiss made

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 Mit bewährter Anlagephilosophie.

                                                                                                                                                                              KMTG_Ins_KhM_89x122_01032019                                                                                                                                            Wir halten Wort.
              Raymond Pettibon, No Title (I expect to...), 1988, Ink on paper, © Raymond Pettibon, Courtesy the artist, David Zwirner, and Regen Projects, Los Angeles

                                                                                                                                                                                    19. Mai 2019 bis 13. April 2020
                                                                      ALBERT ANKER
                                                                                                                                                                                    L’univers de Germaine.
                                                      8. - 11. Mai 2019                                                                                                             Muda Mathis, Sus Zwick, Hipp Mathis
                           FRÜHJAHRSAUKTION
                                                                                                                                                                                    Kunstmuseum Thurgau
                                            GEMÄLDE • GRAFIK • PLAKATE • SCHMUCK
                                              SCHWEIZER KUNST • ANTIQUITÄTEN                                                                                                        Kartause Ittingen                                                                                                               Finanzberatung muss nicht abstrakt sein.
                                                                                                                                                                                    www.kunstmuseum.ch
                                           Vorbesichtigung:                                                                                                                         1. Mai bis 30. September
                          Täglich vom 27. April bis 5. Mai 2019 10 bis 19 Uhr                                         •                                                             täglich 11–18 Uhr
                                                                                                                                                                                    1. Oktober bis 30. April
                                                                                                                                                                                    Montag bis Freitag 14 –17 Uhr                                     Grosse private Vermögen sind oft vielschichtig und bestehen aus komplexen
                                             DOBIASCHOFSKY AUKTIONEN AG
                                                                                                                                                                                    Samstag, Sonntag und                                              Finanzanlagen. Mit unserem individuellen Beratungsansatz schaffen wir Klarheit
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                                                                                                                                                    Magazin

Kunsthaus Zuerich_128_A_89x122mm.indd 1                                                                                                                              27.02.19 14:22
28                             SAMMLUNG                                                                                                                                                           SAMMLUNG                                                                     29
                                                                                                                                                                                                                                weibliche Figuren, nun als Skulpturen real
                                                                                                                                                                                                                                im Raum – aus Marmor, Holz, Bronze.
                                                                                                                                                                                                                                Eine kleine Geschichte der weiblichen
                                                                                                                                                                                                                                ­Figur in der europäischen Skulptur von
                                                                                                                                                                                                                                 1860 bis 2006. Werke von Vincenzo Vela,
                                                                                                                                                                                                                                 ­Auguste Rodin, Marino Marini, Rebecca
                                                                                                                                                                                                                                  Warren – und in ihrer Mitte eine hoch
                                                                                                                                                                                                                                  aufragende Bronzeskulptur Alberto Gia-
                                                                                                                                                                                                                                  comettis. Werke wie diese zentrale Figur,
                                                                                                                                                                                                                                  würde man der antiken Person versichern,
                                                                                                                                                                                                                                  zitieren für unsere Zeit eigentlich das, was
                                                                                                                                                                                                                                  in deren Zeit die «Kultbilder» waren, also
                                                                                                                                                                                                                                  etwa die grosse Statue der Athene im Par-
                                                                                                                                                                                                                                  thenon in Athen. Feierliche Frontalität,
                                                                                                                                                                                                                                  erhabene Würde ... Wobei bei Giacometti,
                                                                                                                                                                                                                                  würde man anfügen, die hieratische Prä-
                                                                                                                                                                                                                                  senz nicht auf die Wirkungsmacht des
                                                                                                                                                                                                                                  Göttlichen verweise. Sie meine das Ver-
                                                                                                                                                                                                                                  mögen der Skulptur selber, anhand der
                                                                                                                                                                                                                                  Gestalt des Menschen – und zwar in ei-
                                                                                                                                                                                                                                  ner aus der Sinnhaftigkeit gestürzten Epo-
                                                                                                                                                                                                                                  che – einen bedeutungshaften Raum zu

                             Geheimnisvolle
                                                                                                                                                                                                                                  eröffnen; das Vermögen eine Präsenz zu
                                                                                                                                                                                                                                  verdichten, die zugleich Unnahbarkeit
                                                                                                                                                                                                                                  meint. Letzteres nicht zuletzt aufgrund
                                                                                                                                                                                                                                  der Oberfläche der Figur, die nicht die ei-

                             Musen
                                                                                                                                                                                                                                  nes Menschen imitiert, sondern Gestal-
                                                                                                                                                                                                                                  tung erfahrbar macht. Und damit zugleich
                                                                                                                                                                                                                                  den Prozess der Wahrnehmung, auf dem
                                                                                                                                                                                                                                  diese Gestaltung basiert.
                                                                                                                                                                                                                                     Aber längst wäre unsere antike Person
                                                                                                                                                                                                                                  schon in den letzten Raum dieser Ausstel-
                                                                                                                                                                                                                                  lung geflüchtet. «Warten Sie», würde man
                                                                                                                                                                                                                                  ihr nachrufen, «dort ist nochmals eine
                                            Zöge man derzeit mit einer halbwegs gebil-                                                Dann aber würde es knifflig. Denn gegen-     Raum Salvador Dalí abkupfert – zwei ge-        Muse zu sehen!» – «Ist ja nur ein Kopf»,
                                            deten Person aus der klassischen Antike                                                   über von Böcklins Gemälde hängen vier        heimnisvolle, aber eben durchaus beunru-       würde die entsetzte Antwort lauten …
                                            durch das Kunsthaus, so würde diese wohl                                                  bedeutende Bilder des wichtigsten italie-    higende Figuren von Musen. Ihre kopflo-        «und überdies schläft sie ja!»
 Unter Einbeziehung einiger spektakulärer   spätestens vor Cy Twomblys Achilles-Bild                                                  nischen Künstlers der Moderne, die zwar      sen Gestalten waren wohl von Abbildun-            Das ist es ja gerade: «Muse endormie»
                                            in einen Zustand katatonischer Verstörung                                                 tiefe Wurzeln in dem haben, was wir heute    gen beschädigter, archaischer griechischer     heisst dieses Werk, eine Skulptur von
 Leihgaben wird im ersten Stock des         fallen. Kurz aufatmen würde sie vielleicht                                                Antike nennen, aber zugleich etwas dar-      Skulpturen inspiriert. Hier würde unsere       Constantin Brancusi, aus Rumänien stam-
 Altbaus aktuell eine Sonderpräsentation    vor Poussins Bild der schlafenden Venus.
                                            Trost spenden könnte dann möglicher-
                                                                                                                                      stellen, was die Antike so nicht kannte:
                                                                                                                                      eine Welt, die zwar im Mythischen badet,
                                                                                                                                                                                   leidgeprüfte antike Person wohl nach Luft
                                                                                                                                                                                   schnappend sagen: «Von mir aus Kykla-
                                                                                                                                                                                                                                  mend, geboren nur ein paar hundert Kilo-
                                                                                                                                                                                                                                  meter entfernt von jenem antiken Tomis
 der Sammlung gezeigt.                      weise auch die aktuelle Sammlungspräsen-
                                            tation im ersten Stock des Moserbaus mit
                                                                                                                                      aber nicht im Sinne eines allen bekannten
                                                                                                                                      und zugänglichen kollektiven Mythos –
                                                                                                                                                                                   den-Kunst, aber doch nicht so!» Wie auch
                                                                                                                                                                                   immer, dieses Bild der Musen, dunkel, tot,
                                                                                                                                                                                                                                  am Schwarzen Meer, in das Augustus
                                                                                                                                                                                                                                  den Dichter Ovid verbannte … schlafende
                                            dem Titel «Geheimnisvolle Musen». Im                                                      sondern in Form individueller, traumarti-    aber eingefügt in eine mysteriöse Spiel­       Muse, erwachende Wahrnehmung.
 Bis 22. September 2019                     ersten Saal zelebrieren dort Angelika Kauff-                                              ger Welten der Wahrnehmung, die die          anordnung, in die Unbekanntes seinen
                                            mann und Hans Jakob Oeri in klassizisti-                                                  Kunst für immer verändern sollten.           Schatten wirft, eröffnete völlig neue Mög-
                                            scher Manier antike Erzählstoffe. Und                                                        Von diesen vier Bildern Giorgio de Chi-   lichkeiten, wie Bilder funktionieren, was
                                                                                           Foto © Kunsthaus Zürich, Franca Candrian

 TEXT Philippe Büttner
                                            ­Sebastiano Ricci delektiert sich malerisch                                               ricos stammen drei aus einer privaten        sie uns gegenüber behaupten können.
                                             an den Resten untergegangener antiker                                                    Sammlung. Das wichtigste, historisch sehr
                                             Pracht.                                                                                  einflussreiche dieser Bilder heisst «Die           EINE KLEINE GESCHICHTE
                                                Im zweiten Saal gefiele wohl Böcklins                                                 beunruhigenden Musen» (1918). De Chi-               DER WEIBLICHEN FIGUR
                                                                                                                                                                                                                                   Werke:
                                             wunderbares Bild «Frühlingserwachen»                                                     rico malt hier das Schloss seines heimi-     Im nächsten Saal dann, ausgehend von de         Alberto Giacometti: © Succession Alberto
                                                                                                                                                                                                                                   Giacometti / 2019 ProLitteris, Zurich
                                             mit seiner hypnotisch dichten Vergegen-                                                  schen Ferrara und davor – auf einem Bret-    Chiricos auf der Leinwand evozierten, ver-      Marino Marini: © 2019 ProLitteris, Zurich
                                             wärtigung mythischen antiken Personals.                                                  terboden, den in einem andern Bild im        stümmelt sitzenden Musen-Statuen: fünf          Rebecca Warren: © Rebecca Warren
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                                                                                                                                                                                                                                                                           Live-Band
                                                                                                                                                                                                                                                                           pianobeat
                                                                                                                                                                                                                                                                     DJ David Suivez
                                                                                                                                                                                                                                                                            Eintritt in
                                                                                                                                                                                                                                                                     die Ausstellung
                                                                                                                                                                                                                                                                           «Fly me to
                                                                                                                                                                                                                                                                          the Moon»
                                                                                                                                                                                                                                                                      Vorverkauf CHF 45.–
                                                                                                                                                                                                                                                                     Abendkasse CHF 55.–
                                                                                                                                                                                                                                                                       Mitglieder CHF 40.–

     Felix Maria Diogg (1762-1834),
     1793, Öl auf Leinwand, 148x176 cm,                     JETZT EINLIEFERN
     verkauft für CHF 10’000.-                              Kontaktieren Sie unser Expertenteam Tel. 043 399 70 63

              Seestrasse 341 | CH-8038 Zürich | www.schulerauktionen.ch | info@schulerauktionen.ch

                         O b e r d o r f s t r a s s e 1 3 . 8 0 0 1 Z ü r i c h . w w w. s t e f i t a l m a n . c h

                                                                                                                        Unterstützt von: Privatklinik Bethanien, Helvetia Kunstversicherungen, accurART Kunstversicherungsmakler AG, JTI, Welti-Furrer Fine Art AG
32                                                                            ANZEIGEN                                                                                                                                                                       ANZEIGEN
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                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           33
                                                                                          KUNST
                                                                                        BRAUCHT                                                                                                                                                                          FORUM            % RORSCHACH
                                                                                                                                               „Ich
                                                                                        K R E AT I V E
                                                                                          KÖPFE.
                                                                                       IMMOBILIEN

                                                                                                                                            bewahre
                                                                                                                                                                                                                                                                         Von Kopf
                                                                                          AUCH.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Marc Quinn, AAA GTATA GGCAG, 2009, Inv. 13583, © Marc Quinn, 2019
                                                                                                                                             Werte“
                                                                                                                                   Ralph Geigle, Leiter Verwaltung

                                                                                                                            Ginesta Immobilien
                                                                                                                                                                                                                                                                         bis Fuss
                                                                                                                          Küsnacht, Horgen, Chur
                                                                                                                                 www.ginesta.ch
                                                                                                                                                                                                                                                                          Menschenbilder
                                                                                                                                                                                                                                                                          im Fokus der
     2EHUGRUIVWUDVVH‡=ULFK‡‡ZZZEOXPHQELQGHUFK                                                                                                                                                                                        Sammlung Würth
                                                                                                                                                                                                                                                                          12. Februar 2019
                                                                                                                                              GALERIE                                                                                                                     bis 21. Februar 2021
                                                                                                                                      AUSSTELLUNGEN                                                                                                                       Eintritt frei
                                                                                                                                       www.utebarth.com

                                                                                          Eberhard Ross
                                                                                          refugium
                                                                                          23. März - 16. Mai 2019

                                                                                       ART FORUM UTE BARTH                                                                                                                                                                www.forum-wuerth.ch
                                                                                                                 Galerie für Moderne & Zeitgenössische Kunst
                                                                                       Kartausstrasse 8 CH-8008 Zürich T +41 44 3802711 info@utebarth.com                                                                                                                 Alle Kunstaktivitäten des Forum Würth
                                                                                                                                                                                                                                                                          Rorschach sind Projekte von Würth.

                                                                                         Alles, was Kunst braucht.                                                           18. 5. – 11. 8. 2019                                                                                         AT E L I E R R I G H I N I | F R I E S

                                                                                         boesner-Läden sind mehr als Bezugsquellen für Künstlermaterialien,
                                                                                         Bilderrahmen und Bücher. Es sind Orte der Inspiration und Begegnung                 Jean-Luc Mylayne                                                                                             BUNTE NATUR
                                                                                                                                                                             Herbst im Paradies
                                                                                         für Künstler und Kunstbegeisterte.                                                                                                                                                               Die Farbstiftzeichnungen von
                                                                                                                                                                                                                                                                                               Sigismund Righini

                                                                                                                                                                                                                                                                                             27. April bis 6. Juli 2019

                                                                                         Aarberg | BE
                                                                                                                                                                             Stefan Gritsch                                                                                        Do 17 – 20 Uhr | Sa 10 – 17 Uhr | Eintritt frei

                                                                                                                                                                             Bones n’ Roses
                                                                                         Münchwilen | TG
                                                                                         Unterentfelden | AG
                                                                                         Zürich | ZH
                                                                                         www.boesner.ch
                                                                                                                                                                             CARAVAN 2 / 2019:
        Featured Artist:                                                      Anz_CH_Kunsthaus_Zurich_89x60_0917.indd 1                                     05.09.17 11:52   Moritz Hossli
        Lydia Martin
                                    Featured
                                    Featured Artist:
                                             Artist: Nicole
                                                     Nicole Schuste
                                                            Schuste

                                                                                                                                                                             *Aargauer Kunsthaus
                                                                                                                                                                             Aargauerplatz CH–5001 Aarau
                                                                                                                                                                             Di – So 10 –17 Uhr Do 10 – 20 Uhr                                                                         Die Ausstellung zeigt farbenfrohe
                                                                                                                                                                             www.aargauerkunsthaus.ch                                                                             Landschaftsdarstellungen aus dem Spätwerk
                                                                                                                                                                                                                                                                                      von Sigismund Righini (1870 – 1937).
                                                                                                                                                                             Jean-Luc Mylayne, N° 524, Février Mars Avril 2007 © Jean-Luc Mylayne,
                                                                                                                                                                             Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles;                   Atelier Righini Fries, Klosbachstrasse 150, 8032 Zürich
                                                                                                                                                                             Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
        www.foc.ch                                                                                                                                                                                                                                                          Weitere Informationen unter: www.righini-fries.ch

                                                                                                                                                                                                                                                           inserat_89x122_feb-19.indd 1                                              27.02.19 19:05
34                           ERWEITERUNG                                                                                                                                                         35

 Vom Ist zum Soll
 Wie wird es in der Kunsthaus-Erweiterung aussehen?
 TEXT Björn Quellenberg                                                                                                                       Festsaal
                                                                                                                                              Das Neue Kunsthaus weckt die Neugier
                                                                                                                                              seiner Besucher. Am Tag der offenen Tür

                                                                                                                                                                                           Bar
                                                                                                                                              vom Samstag, 2. März, haben sich über
                                                                                                                                              1300 Baustellen- und Kunsthaus-Fans ein
                                                                                                                                              Bild von den Orten gemacht, an denen
                                                                                                                                              die diversen Innenausbaugewerke be-
                                                                                                                                              schäftigt sind. Während draussen die letz-
                                                                                                                                              ten Teile der Fassade fertig gemauert
                                                                                                                                              werden, arbeiten im Innern bis zu
                                                                                                                                              100 Handwerkerinnen und Handwerker
                                                                                                                                              parallel auf verschiedenen Geschossen.
                                                                                                                                              Sie montieren Lifte und Türen, isolieren
                                                                                                                                              und gipsen, verlegen Leitungen und
                                                                                                                                              installieren die Lüftungstechnik in soge-
                                                                                                                                              nannten Doppelböden.
                                                                                                                                                   Wir stellen Ihnen den heutigen und
                                                                                                                                              den zukünftigen Zustand dreier öffenli-
                                                                                                                                              cher Einrichtungen in Bildern vor – die
                                                                                                                                              Bar, den Festsaal und den Shop.

                                                      Modellfotos © David Chipperfield Architects; Fotos © Amt für Städtebau, Juliet Haller

                                    Shop
36                                                               ANZEIGEN                                                                                                                                                          INTERN                                                          37
                                                                                                                                                                                                                                                         lung und bekomme oft spontane Anfra-

                                                                            EKSTASE
                                                                                                                                                                                                                                                         gen. Diese bespreche ich wenn nötig im
                                                                                                                                                                                                                                                         Team, mit dem Sammlungskonservator
                                                                                                                                                                                                                                                         oder auch mit anderen beteiligten Abtei-
                                                                                                                                                                                                                                                         lungen und Personen. Ich schätze diese
                                                                                                                                                                                                                                                         Interdisziplinarität sehr.
                                                                                                                                                                                                                                                             In letzter Zeit ist die Planung und Be-
                                                                                                                                                                                                                                                         gleitung der vielen Sponsoringprojekte,
                                                                                                                                                                                                                                                         z. B. die Restaurierung einer Polyurethan-
                                                                                                                                                                                                                                                         skulptur von Fischli / Weiss, zu einem
                                                                                                                                                                                                                                                         recht grossen Teil meiner Arbeit gewor-
                                                                                                                                                                                                                                                         den. Ausserdem laufen im Hinblick auf die
                                                                                                                                                                                                                                                         Eröffnung des Erweiterungsbaus derzeit
                                                                                                                                                                                                                                                         viele interne Projekte an, die es restaura-
                                                                                                                                                                                                                                                         torisch zu koordinieren gilt, so auch die
                                                                                                                                                                                                                                                         Einbindung der privaten Sammlungen
                                                                                                                                                                                                                                                         Bührle, Looser und Merzbacher. Für hand-
                                                                                                                                                                                                                                                         werkliche Aufgaben habe ich im Moment
                                                                                                                                                                                                                                                         nur sehr wenig Kapazität.

                                                                                                                                                                                                                                                         Was ist die grösste Herausfor-
                                                                                                                                                                                                                                                         derung in Ihrem Job?
                                      04.04. – 04.08.19                                                                             V.l.n.r.: Sandra Weber, Tobias Haupt, Jean F. Rosston, Julia Sawitzki, Patrick Decker, Kerstin Mürer, Eva Glück.        Finanzielle Barrieren sind ja immer
                                                                                                                                                                                                                                                         auch eine Herausforderung für die Umset-

                                                                                                                                               Erhalten und
                                      Eine Kooperation mit:
                                                                                                                                                                                                                                                         zung von Aufgaben und auch Teil meines
                                                                                                                                                                                                                                                         Alltags. Bisher ist es mir aber in meiner
                                                                                                                                                                                                                                                         noch kurzen Amtszeit gelungen, Lösun-

                                                                                                                                               erfahrbar machen
                                                                                                                                                                                                                                                         gen zu finden und dafür Unterstützung zu
     190225_ZPK_Ins_Kunsthaus-Magazin_Ekstase_181x122mm.indd 1                25.02.2019 09:54:30
                                                                                                                                                                                                                                                         erhalten.

                                                                                                                                                                                                                                                         Gibt es ein besonderes Erlebnis?
                                                                                                                                                                                                                                                            Für mich sind das immer die Momente,
                                                                                                                                               Die Restaurierung am Kunsthaus Zürich engagiert sich                                                      in denen ich mich intensiv mit Künstlerin-
                                                                                                                                               dafür, die rund 110 000 Werke der Sammlung zu erhalten                                                    nen und Künstlern und deren Kunst, und
                                                                                                                                                                                                                                                         nicht nur mit dem Material beschäftigen
                                                                                                                                               und präsentabel zu machen. Das Kunsthaus-Magazin                                                          konnte. Aus den letzten Jahren sind mir
                                                                                                                                               unterhielt sich mit der Leiterin, Kerstin Mürer.                                                          darum besonders die Zusammenarbeit
                                                                                                                                               INTERVIEW Kristin Steiner
                                                                                                                                                                                                                                                         mit Pipilotti Rist, Abraham Cruzvillegas
                                                                                                                                                                                                                                                         oder Peter Fischli in Erinnerung geblie-

                HIPPOLYTE ET ARICIE
                                                                                                                                                                                                                                                         ben. Grundsätzlich macht es mich immer

                                                                                                                                               F
                                                                                                                                                                                                                                                         glücklich, wenn durch gute Zusammenar-
                                                                                                                                                                                                                                                         beit ein «Schaffensrausch» entsteht.
                                                                                                                                                   rau Mürer, was genau                                    schnelle Klimaschwankungen, hohe Licht-
                                                                                                                                               beinhaltet Ihre Arbeit?                                     einwirkung oder starke Erschütterung          Und was ist Ihre Motivation?
                                                                                                                                                   Die Arbeit als Museumsrestauratorin                     nicht ausschliessen können.                      Mit Blick auf die Zukunft des Kunst-
                                                                                                                                               und Leiterin der Abteilung ist vielfältig                      Recherchen und Analysen, aber auch         hauses ist dies sicher, das Team und die
                                                                                                                                               und spannend. Das Team und ich arbeiten                     die Dokumentation unserer eigenen Ar-         Abteilung für das neue, grössere Museum
                                                                                                                                               täglich für den Erhalt und Schutz der                       beit spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.   so zu positionieren, dass auch die zusätz-
                                                                                                    Foto © Kunsthaus Zürich, Franca Candrian

                                                                                                                                               Sammlungswerke. Unsere erste Priorität                      Besonders bei der installativen, zeitgenös-   lichen Herausforderungen und Bedürf-
                                                                                                                                               ist klar die Schadensvorbeugung. Wir be-                    sischen Kunst sind sie oft eine Erhaltungs-   nisse abgedeckt werden können. Um die
                                                                                                                                               urteilen zum Beispiel bei Leihanfragen die                  massnahme, mit welcher Schlüsseleigen-        Kunst in die Zukunft tragen zu können,
        Oper von Jean-Philippe Rameau
                                                                                                                                               Ausleihfähigkeit eines Kunstwerks und                       schaften oder Dos and Don’ts festgehalten     müssen wir besonders im Bereich Medien-
                                                                                                                                               wägen alle Risikofaktoren ab. Immer wie-                    werden. Einen typischen Arbeitstag gibt       kunst noch Kompetenzen ausbauen.
        PR EMIER E 19 M AI 2O19
                                                                                                                                               der empfehlen wir, von einer Ausleihe ab-                   es so nicht. Ich bin Ansprechpartnerin für
                                                                                                                                               zusehen, weil wir Beschädigungen durch                      alle Belange um die Erhaltung der Samm-
38                                                      GLOSSE                                                                              CLICK

 Lieber Oskar                                                                                                                                           CLICK
 Kokoschka
 Liebe und Leid bestimmen Kunst und Literatur.
 Mal mehr und mal weniger. Sind es doch gerade diese
 Sujets, die jeden von uns aus der Fassung bringen.
 Glauben wir sonst alles im Griff zu haben. Doch die
 Liebe hat uns im Griff, wehe, sie lässt uns fallen! Leid,                                                  2
 Tod und Verlust pulst in uns, wir rennen die Angst
 weg oder versuchen es mit anderen Mitteln.
      Zuerst war es schwierig, Sie, lieber Oskar
 Kokoschka, ohne Ihre Obsession zu Alma Mahler
 zu sehen. Geisterte doch eine Biografie von Alma in
 meinem Kopf herum. Bei der Ausstellung winkte
 mich sogleich Ihre Puppe zu sich heran. Gerne hätte
 ich den Alma-Ersatz gestreichelt, um den Frust
 richtig nachempfinden zu können, aber eigentlich
 reichte schon der Augenschein in sicherem                                                                                                   3
 Museumsabstand. Nein, dieses Ding konnte wirklich
 keine Frau ersetzen, erst recht wohl nicht eine
 Femme fatale. Ausser den Beziehungskriegen gibt
 es noch die wahren Schlachtfelder; Sie wandten
 sich ihnen zu, Oskar. Sie zogen freiwillig 1914 in den
 ersten Weltkrieg, Sie flüchteten vor der Verlet-                                            Tag der
 zung der Seele durch die Liebe. Sie nahmen in Kauf
 zu sterben, aber überlebten Kopf- und Lungenver-                                            offenen Tür
 letzung. Krieg schafft eigene Traumata der Seele.
 Was dachten Sie wohl später über Ihren postjugend-
                                                                                             2. März 2019
 lichen Unsinn zur Sinnlosigkeit?
      Mit einem Bild «What We Are Fighting For»                                              1  Baustelle offen: Treppauf, treppab
                                                                                             durchliefen 1352 Personen den
 haben Sie mich am Haken. Seit Tagen geistert mir                                            gesicherten Parcours. Wow!

 dieses Bild durch Kopf und Herz. Ein apokalyp-                                              2   Schülerinnen und Schüler traten
                                                                                             als Junges Literaturlabor Zürich mit
 tisches Wimmelbild. Bitte verzeihen Sie mir den Ver-                                        eigenen Texten auf.
 gleich, Oskar. Warum? Warum Krieg, warum in                                                 3   Was läuft hinter den Kulissen?
 dieser Form. Das Chaos der Striche, die dünn aufge-                                         Ein Blick in die Grafische Sammlung und
                                                                                                                                                    4
                                                                                             ins Restaurierungsatelier gehört zu den
 tragene Farbe und die naturgetreuen Nager. Nur                                              Highlights an jedem Tag der offenen Tür.
 Ratten werden fett im Krieg, sie sehen glücklich aus                                        4
 und tragen Uniformen. Ach Oskar, wie sehr müs-
                                                                                                Bitte mitmachen! Manche
                                                                                             künstlerische Strategie setzt auf
                                                                                                                                        1
                                                                                             den Spieltrieb des Publikums.
 sen Sie gelitten haben in Ihrem Leben, bis hinein in
 Ihre Träume. Wie wichtig sind Ihre Kunstwerke
 für uns: Wir empfinden Ihre Erschütterung mit –
                                                                 Fotos © Caroline Minjolle

 nichts ist okay, OK?

 Ihre Sabine Meisel
 www.sabinemeisel.com
40                                SERVICE                                                                                                             SERVICE                                                                                41

 Hier finden Sie eine Auswahl                                                          SAMMLUNG                                                                      FAMILIENWORKSHOPS                            9 – 12 JAHRE
                                                AUSSTELLUNGEN                                                          VERANSTALTUNGEN
                                                                            Samstags 15 – 16 Uhr. Eine                                                       Sonntags 10.30 – 12.30 Uhr                Cool-Tur around
                                            Fly me to the Moon.                                                     Fly me to the Moon.
 an Führungen, Veranstal-                                                   Anmeldung ist nicht erforderlich.                                                Erwachsene CHF 10.– /                     the Moon
                                            50 Jahre Mondlandung                                                    50 Jahre Mondlandung                     Kinder und Jugendliche CHF 5.– /
                                                                            Kosten: Eintritt                                                                                                           mit Janina Kriszun (Musikver-
                                            bis 30. Juni 2019                                                       Das Begleitprogramm zur                  Familienpreis CHF 25.–                    mittlerin) und Regula Straumann

 tungen und Workshops. Das
                                            Grosser Ausstellungssaal        20. 04. Frühling wird’s                 Ausstellung:
                                                                                                                                                                                                       (Kunstvermittlerin)
                                                                            27. 04.	Highlights in                    www.kunsthaus.ch                       Der Mond im Mittelpunkt                   29. / 30. April und 2. / 3. Mai,
                                            Guillaume Bruère                         der Sammlung                                                            und vieles drum herum                     9 – 16 Uhr

 ganze Programm unter                       24. Mai – 8. September 2019
                                            Vernissage 23. Mai, 18 Uhr
                                                                                               JE DE N LE TZ
                                                                                                    SA MS TAG
                                                                                                   IM MO NAT!
                                                                                                             TE N   MOND-BALL
                                                                                                                    Samstag, 11. Mai, ab 20 Uhr
                                                                                                                                                             So 28. April                              Abschlusspräsentation:
                                                                                                                                                                                                       3. Mai, 16.30 Uhr
                                                                                                                                                             Mondlandschaften
 www.kunsthaus.ch
                                            EG Müllerbau                                                            Die ausserirdische Party                                                           CHF 125.–. Anmeldung:
                                                                            04. 05. Himmlische Liebespaare          Vorverkauf CHF 45.– /Abendkasse                                                       www.kulturvermittlung-zh.ch
                                                                                                                                                             So 30. Juni
                                            Stunde Null.                    11. 05. Tag und Nacht, gemalt           CHF 55.– / Mitglieder CHF 40.–
                                            Kunst zwischen Resigna-                 um 1900
                                                                                                                                                             Welche Farbe hat                          Sommerwerkstatt in
                                            tion und Aufbruch               18. 05. Giorgio de Chirico
                                                                                                                                                             das Wasser?                               den Sommerferien
                                                                            01. 06. Abgehoben: Atmosphäri-          Werner Merzbacher            TI P P !
                                                                                                                                                                                                                                      SOMMER
                                            7. Juni – 22. September 2019                                            im Gespräch                              So 28. Juli                               Anmeldung für einen oder        FERIEN
                                                                                    sche Wolkenbilder
                                            Vernissage 6. Juni, 17 und                                                                                                                                 mehrere Tage möglich:
                                                                            08. 06. Augusto Giacomettis 		          Dienstag, 21. Mai, 18.30 Uhr
                                            18.30 Uhr                                                                                                                                                  16. / 17. / 18. / 19. Juli
                                                                                    Blick zu den Sternen            Der Sammler spricht mit                  Familientag Mondlandung
                                            1. OG Müllerbau                                                                                                                                            13. / 14. / 15. / 16. August
                                                                            15. 06. Bodenständig: Erdige            Kunsthaus-Direktor Christoph             Malatelier, Raketenbasteln,
                                                                                                                                                                                                       jeweils von 10 – 16 Uhr
                                                                                    Untergründe                     Becker über sein Leben,                  Mondbibliothek, Führungen und
                                              www.kunsthaus.ch/de/                                                                                                                                     CHF 40.– pro Tag
                                                                            22. 06. Real / surreal –                die Kunst und das Kunsthaus.             Geschichten für Erwachsene
                                            ausstellungen/aktuell                                                                                                                                      Lunch mitbringen.
                                                                                    Skulpturen von                  Vorverkauf ab 1. Mai an der              und Kinder (ab vier Jahren).
                                                                                    Alberto Giacometti              Kunsthaus-Kasse: CHF 10.– /              So 26. Mai, 11 – 17 Uhr
                                                                                                                                                                                                                CLUB 3PLUS
                                                                            06. 07. Giovanni Giacometti und         Mitglieder CHF 5.–                       Familie: CHF 35.– (max. 4 Pers.)
                                                    SAMMLUNG                                                                                                                                              KINDER ZWISCHEN 3 UND
                                                                                    Cuno Amiet                                                               Einzeln: CHF 23.– / reduziert                6 JAHREN IN BEGLEITUNG
                                                                            13. 07. Schweizer Kunst in                                                       CHF 18.– / Kinder CHF 5.–
                                            Installationskunst 3                    der Gründerzeit
                                                                                                                    Guillaume Bruère
                                                                                                                                                                                                       Neue Daten nach den Sommer-
                                            bis 12. Mai 2019                20. 07. Alpenbilder                     Die Ausstellung wird von                                3 – 6 JAHRE
                                                                                                                                                                                                       ferien.
                                            1. OG / EG Müllerbau                                                    drei Veranstaltungen begleitet.                      (IN BEGLEITUNG)
                                                                            Poetischer Rundgang                     Details dazu auf Seite 25.
                                                                                                                                                                                                               CLUB 6PLUS
                                            Die geheimnisvollen             Paris: Rilke meets Rodin                                                         Villa Kun(s)terbunt                          KINDER ZWISCHEN 6 UND
                                            Musen                           So 5. Mai, 15 – 16 Uhr                  Generalversammlung                       10. / 24. Mai, 7. / 21. Juni, 5. Juli,             9 JAHREN
 INFORMATIONEN                              bis 22. September 2019          CHF 25.– / Mitglieder CHF 10.–          der Zürcher Kunst-                       10 – 11.30 Uhr
                                            1. OG Moserbau                                                          gesellschaft                             Bitte Znüni mitbringen und                Neue Daten nach den Sommer-
 MUSEUM                                                                                                                                                      Arbeitskleider anziehen – es wird         ferien.
                                                                            Kunst und Religion                      Montag, 27. Mai, 17.30 Uhr
                                                                                                                                                             bunt. Anmeldung für einzelne
 Heimplatz 1, 8001 Zürich                                                   im Dialog: Seele
 Eintrittskasse 044 253 85 43                       FÜHRUNGEN                                                                                                oder mehrere Termine möglich.                      CLUB 9PLUS
                                                                            Mit Ulrike Büchs (Theologin) und                WORKSHOPS                        CHF 18.– pro Morgen
 Fr – So / Di 10 –18 Uhr                                                                                                                                                                                    KINDER AB 9 JAHREN
                                                                            Sibyl Kraft (Kunstvermittlerin)
 Mi/Do 10–20 Uhr                                   AUSSTELLUNGEN
                                                                            So 12. Mai, 15 – 16.30 Uhr              Aufgeweckte                                           AB 5 JAHREN                  Rollentausch – Theater
                                            Fly me to the Moon.             Kosten: Sammlungseintritt.              Kunst-Geschichten
 DIREKTION UND VERWALTUNG                                                   Eine Anmeldung ist nicht
                                                                                                                                                                                                       spielen und malen
                                            50 Jahre Mondlandung *                                                  Ein Angebot für Menschen                 Malatelier am Sonntag
 Tel. 044 253 84 84                                                         erforderlich.                                                                                                              Du kannst dich für einen oder
                                                                                                                    mit Demenz und ihre Angehöri-            5. / 12. / 19. Mai, 2. / 9. / 16. /
 Fax 044 253 84 33                          Mittwochs 18 Uhr und sonntags                                                                                                                              mehrere Termine anmelden.
                                                                                                                    gen oder Betreuungspersonen.             23. Juni, 10.30 – 12 Uhr, CHF 12.–
 info@kunsthaus.ch                          11 Uhr                          Kunst-Stück                             Di 4. / 11. / 18. / 25. Juni,
                                                                                                                                                                                                       25. Mai, 15. Juni, 6. Juli,
                                                                                                                                                                                                       10.30 – 12.30 Uhr
                                                                            In zwei Stunden einen Überblick         14.45 – 16.45 Uhr                                     Sonne, Mond
 GRAFISCHE SAMMLUNG                         Stunde Null.                    über die wichtigsten Epochen            CHF 60.– für vier Nachmittage,
                                                                                                                                                                                                       CHF 18.– pro Mal
 STUDIENSAAL                                Kunst zwischen Resigna-                                                                                         FRÜH-         und Sterne
                                                                            der Kunstgeschichte erhalten            inkl. Imbiss für zwei Personen.         L IN G S
 Mo – Fr nach Voranmeldung                  tion und Aufbruch               und Künstlerinnen und                                                           F E R IE N    Mi 24. April, Mi 12. Juni,   Anmeldung für alle Veranstal-
 Tel. 044 253 85 36 / 39                    Sa 15. Juni, 13 Uhr                                                                                                           14 – 16 Uhr, CHF 15.–        tungen erforderlich:
                                                                            Künstler vom Mittelalter bis ins             ERWACHSENE UND
 grafischesammlung@kunsthaus.ch             So 7. Juli, 11 Uhr                                                                                                                                         044 253 84 84 oder kunstver-
                                                                            20. Jahrhundert kennenlernen.            JUGENDLICHE AB 16 JAHREN
                                            Do 5. September, 15 Uhr         Do 25. April / 9. Mai / 23. Mai                                                  Der Mond im Mittelpunkt                   mittlung@kunsthaus.ch.
                                                                                                                                                                                                       Preise inkl. Eintritt und Material.
 BIBLIOTHEK                                                                 Englisch: Do 13. Juni                   Early Bird:                              Sa 22. Juni, 10.30 – 12.30 Uhr
 Rämistrasse 45, 8001 Zürich                * Mit elektronischem            jeweils 18 – 19.45 Uhr                  Fiktion und Realität V                   CHF 15.–
 Tel. 044 253 85 31                         FM-Gruppenführungssystem.                                                                                                                                  Änderungen vorbehalten.
                                                                            CHF 39.– / CHF 29.– Mitglieder          Mit Eveline Schüep (Kunsthaus
 Fax 044 253 86 51                          Speziell auch für Personen                                                                                                     7 – 12 JAHRE
                                                                                                                                                                                                       Freie Gruppen und Schulklassen
                                                                            und reduziert (inkl. Sammlungs-         Zürich) und Cynthia Gavranic
 Ausleihe Tel. 044 253 85 32                mit Hörminderungen geeignet.                                                                                                                               nur nach Voranmeldung.
                                                                            eintritt, Einführung Kunstge-           (Migros Museum für
 Mo – Fr 13 –18 Uhr                         Billett CHF 6.– / Mitglieder    schichte, Führung «Highlights»          Gegenwartskunst)                         Halbmond, Vollmond,
 www.kunsthaus.ch/bibliothek                                                                                                                                                                           Das ganze Angebot der Kunstver-
                                            CHF 4.–. Bitte an der Kasse     in der Sammlung).                       Fr 14. Juni, 9 – 11 Uhr                  Sichel …
                                            lösen. Teilnehmerzahl                                                                                                                                      mittlung auch auf
                                                                                                                    CHF 20.– (Barzahlung)                    Fr 26. April,                  FRÜH-
                                                                                                                                                                                                        www.kunsthaus.ch
 Für die Sonderöffnungszeiten               beschränkt! Geräteausgabe                                                                                        10.30 – 14.30 Uhr
                                                                                                                                                                                           L IN G S
                                                                                                                    Anmeldung:                                                            F E R IE N
 während den Ferien und                     10 Minuten vor Beginn.                                                                                           CHF 25.–
                                                                                                                      www.kulturvermittlung-zh.ch
 Feiertagen: siehe Website.                                                                                                                                  Lunch mitbringen.
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