VIELFÄLTIGE SICHERHEITEN - GESELLSCHAFTLICHE DIMENSIONEN DER SICHERHEITSFORSCHUNG KONFERENZPROGRAMM AM 27. UND 28. JUNI 2019 - SIFO FACHDIALOG ...

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VIELFÄLTIGE SICHERHEITEN - GESELLSCHAFTLICHE DIMENSIONEN DER SICHERHEITSFORSCHUNG KONFERENZPROGRAMM AM 27. UND 28. JUNI 2019 - SIFO FACHDIALOG ...
Vielfältige Sicherheiten
Gesellschaftliche Dimensionen der Sicherheitsforschung
Konferenzprogramm am 27. und 28. Juni 2019
VIELFÄLTIGE SICHERHEITEN - GESELLSCHAFTLICHE DIMENSIONEN DER SICHERHEITSFORSCHUNG KONFERENZPROGRAMM AM 27. UND 28. JUNI 2019 - SIFO FACHDIALOG ...
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Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Informationen                                                 3

Eröffnung                                                                4

Sessionen                                                               10
Session 1 – Gestaltung und Steuerung vielfältiger Sicherheiten          14
Session 2 – Strukturen der Verletzlichkeit                              16
Session 3 – Einsatzkräfte: Herausforderungen, Ressourcen, Reflexionen   18
Do. 14:00 – 15:30 Uhr Vorträge der Sessionen 1-3                        20
Do. 16:00 – 17:30 Uhr Vorträge der Sessionen 1-3                        26
Fr. 09:15 – 10:45 Uhr Vorträge der Sessionen 1-3                        34

Podiumsgespräch                                                         40

Treffen des Graduierten-Netzwerks „Zivile Sicherheit“                   46

Ausstellung der BMBF-Nachwuchsgruppe BIGAUGE                            50

Posterausstellung                                                       52

Alphabetisches Verzeichnis der Mitwirkenden                             54

Raumpläne des Harnack-Hauses                                            56

Impressum                                                               60
VIELFÄLTIGE SICHERHEITEN - GESELLSCHAFTLICHE DIMENSIONEN DER SICHERHEITSFORSCHUNG KONFERENZPROGRAMM AM 27. UND 28. JUNI 2019 - SIFO FACHDIALOG ...
ALLGEMEINE INFORMATIONEN                                                                       3

Allgemeine Informationen
Veranstaltungsort
Harnack-Haus
Ihnestraße 16-20
14195 Berlin-Dahlem

Veranstaltungsräume
Eröffnung: Goethesaal, EG, siehe Übersichtsplan S. 56/57
Sessionen 1-3: Goethesaal, Hahn-Hörsaal, Meitner-Saal, EG, siehe Übersichtsplan S. 56/57
Kaffeepausen: Planck-Lobby und Foyer vor Meitner-Saal,
siehe Übersichtsplan S. 56/57
Posterausstellung: Planck-Lobby
Ausstellung der BMBF-Nachwuchsgruppe BIGAUGE: Planck-Lobby
Empfang und Abendbuffet: Planck-Lobby, EG und Restaurant im Sockelgeschoss,
Außenbereiche, siehe Übersichtspläne S. 56-59

Ihre Kontaktpersonen während der Konferenz
Dr. Nicholas Eschenbruch
Logistik und Organisation: Friederike Schreiber
Mobil: 0152 22928672
Fachdialog Sicherheitsforschung
Centre for Security and Society CSS
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Werthmannstraße 15 | 79098 Freiburg i. Br.
fachdialog@css.uni-freiburg.de | sifo-dialog.de

Die Beiträge in diesem Heft geben die Position des jeweiligen Referenten oder der jeweiligen
Referentin wieder, die der Meinung des Herausgebers nicht entsprechen muss.
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                Eröffnung der
                Konferenz im Plenum                                                        Moderation der Konferenz
                (Goethesaal)
                                                                                           Elif Şenel (*1978 in Köln) studierte Politische Wissenschaft,
Donnerstag      Dr. Michael Meister, MdB                                                   Neuere Geschichte und Islamwissenschaft in Bonn und
27. Juni 2019   Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung      Grenoble. Von 2006 bis 2007 absolvierte sie beim WDR ein
10:00 – 12:30   und Forschung
                                                                                           Programmvolontariat und war anschließend als Moderatorin
                Prof. Dr. Teresa Koloma Beck                                               für verschiedene Hörfunkwellen wie Cosmo, 1LIVE, WDR 5,
                Institut für Soziologie und Volkswirtschaftslehre an der Universität der   DLF und im Fernsehen bei Phoenix, dem Ereignis- und Doku-
                Bundeswehr München sowie Hamburger Institut für Sozialforschung            mentationskanal von ARD und ZDF, tätig. Aktuell moderiert sie das WDR 5-Magazin
                Sicherheit als Alltagspraxis. Auswirkungen veränderter Sicherheits-
                                                                                           „Neugier genügt“. Seit 2008 übernimmt sie außerdem Veranstaltungsmoderationen
                wahrnehmungen und deren politische Implikationen
                                                                                           zu bewegenden politischen und gesellschaftlichen Themen.
                Prof. Dr. Dr. Ino Augsberg
                Lehrstuhl für Rechtsphilosophie und Öffentliches Recht an der
                Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
                Sicherheit als soziale Imagination. Die Rolle des Rechts bei der
                                                                                              @ElifEsraSenel
                Konstruktion ziviler Sicherheit

                Moderation:
                Elif Şenel
                Journalistin beim Westdeutschen Rundfunk
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ERÖFFNUNG                                                                                       7

Eröffnung
Sicherheit ist eine Grundvoraussetzung für Lebensqualität und Wohlstand in unserer
modernen und weltoffenen Gesellschaft. Mit dem Rahmenprogramm der Bundes-
regierung „Forschung für die zivile Sicherheit 2018–2023“ haben wir die Weichen
gestellt und investieren in die Sicherheit von morgen.

Sich verändernde sicherheitspolitische Rahmenbedingungen, der zunehmende Trend
zur Digitalisierung im privaten und beruflichen Umfeld und der gesellschaftliche
Wandel erfordern innovative Antworten. Soziale, kulturelle und regionale Verän-
derungen wirken sich auf Sicherheitsempfinden und Sicherheitskultur in unserer
Gesellschaft aus.

Die zivile Sicherheitsforschung stellt sich diesen Herausforderungen. Fachleute aus
Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis vernetzen sich miteinander. Sie beleuchten im
interdisziplinären Dialog die gesellschaftlichen Dimensionen der Sicherheitsfor-
schung und entwickeln Lösungen, die unseren freiheitlichen Lebensstil schützen.

Dr. Michael Meister, MdB wurde am 9. Juni 1961 in Lorsch
geboren. Er ist promovierter Mathematiker und seit 1994
Mitglied des Bundestages. Er war von 2002 bis 2004 Vor-
sitzender der Arbeitsgruppe Finanzen und danach bis Ende
2013 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestags-
fraktion, zuständig u. a. für Finanzen und Haushalt. Von
Dezember 2013 bis März 2018 war Michael Meister Parlamen-
tarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen.
Seit März 2018 ist er Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für
Bildung und Forschung.

Bundesministerium für Bildung und Forschung, Kapelle-Ufer 1, 10117 Berlin | bmbf@bmbf.bund.de
VIELFÄLTIGE SICHERHEITEN - GESELLSCHAFTLICHE DIMENSIONEN DER SICHERHEITSFORSCHUNG KONFERENZPROGRAMM AM 27. UND 28. JUNI 2019 - SIFO FACHDIALOG ...
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Sicherheit als Alltagspraxis. Auswirkungen                                                        Sicherheit als soziale Imagination.
veränderter Sicherheitswahrnehmungen                                                              Die Rolle des Rechts bei der Konstruktion
und deren politische Implikationen                                                                ziviler Sicherheit
Vor dem Hintergrund einer Reihe terroristischer Anschläge in europäischen Städten                 Zivile Sicherheit ist nicht einfach ein gegebener Zustand einer Gesellschaft. Sie ist
wächst seit einigen Jahren die Sensibilität für die Bedrohung ziviler Sicherheit durch            eine soziale Konstruktion, durch die sich die Gesellschaft mit einer bestimmten
politische Gewalt. In diesen Diskussionen erscheint „Sicherheit“ als etwas, das von               Idealvorstellung von sich selbst konfrontiert. Auf die bekannte Frage „How safe is safe
bestimmten Akteuren und Akteurinnen durch spezifische Strategien und Programme                    enough?“ gibt es keine tatsächliche, sondern nur eine normative Antwort. Das Recht
hergestellt wird, beispielsweise durch polizeiliche Ermittlungen oder Präventions-                zeigt sich in dieser Perspektive nicht nur als ein Mittel, um die vielfältigen Formen
programme. Weitgehend unbeachtet bleibt dabei, dass die Herstellung von Sicherheit                gesellschaftlicher Sicherheitsbedürfnisse abzusichern. Es ist vorweg bereits entschei-
nicht nur ein Handlungsfeld von Experten und Expertinnen ist, sondern auch ein                    dend daran beteiligt, die Frage zu beantworten, was in der Gesellschaft überhaupt als
fester Bestandteil von Alltagspraktiken. Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürf-             sicher oder unsicher gilt. Mit Hilfe des Rechts wird festgelegt, wann eine mögliche
nis, dem Rechnung getragen wird, indem sich alltägliche Routinen und Handlungs-                   Abweichung von durchschnittlichen Erwartungshaltungen noch zu tolerieren ist und
weisen so gut wie möglich auf aktuelle Risikolagen einstellen. Somit verändern neue               wann sie so weit geht, dass Gegenmaßnahmen erforderlich erscheinen.
(Un-)Sicherheitswahrnehmungen nicht nur politische Entscheidungen oder die Praxis
von Sicherheitsbehörden, sondern auch den gesellschaftlichen Alltag. Politisch brisant
an diesen Prozessen ist, dass sie sich schleichend vollziehen, dabei jedoch nachhaltige
gesellschaftliche Strukturveränderungen hervorbringen können. Gerade in demokra-
tischen Systemen, denen die öffentliche Debatte als zentraler Motor gesellschaftlicher
Veränderungen gilt, sind sie deshalb in besonderer Weise problematisch. Der Vortrag
rekonstruiert die Reaktion von Alltagsstrukturen auf veränderte Sicherheitswahrneh-               Prof. Dr. Dr. Ino Augsberg wurde 1976 in Gießen geboren. Er
mungen in theoretischer Perspektive und diskutiert deren Implikationen für Politik                studierte Philosophie, Kunstgeschichte, Literatur- und Rechts-
und Gesellschaft.                                                                                 wissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.
                                                                                                  und der Universität Heidelberg. 2001 erfolgte in Freiburg die
                                                                                                  Promotion zum Dr. phil. mit einer Arbeit über Heidegger. Nach
Prof. Dr. Teresa Koloma Beck ist Professorin für Soziologie der                                   den 2004 und 2006 abgelegten juristischen Staatsexamina wurde
Globalisierung an der Universität der Bundeswehr München und                                      Augsberg 2008 durch die Fakultät für Rechtswissenschaft der
Senior Research Fellow am Hamburger Institut für Sozialfor-                                       Universität Hamburg zum Dr. iur. promoviert. Das Thema der
schung (HIS). Im Zentrum ihrer Arbeit steht die alltagssoziolo-                                   Dissertation bildete die Frage nach der „Lesbarkeit des Rechts“. Anschließend war er als
gische Beschäftigung mit Konflikt-, Gewalt- und Globalisierungs-                                  Akademischer Rat a. Z. am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Kirchenrecht der Ludwig-
dynamiken. Sie forschte unter anderem in Angola, Mosambik und                                     Maximilians-Universität München tätig. Dort erfolgte 2013 die Habilitation. Die Habilita-
Afghanistan. Im Jahr 2015 wurde sie mit dem Thomas. A. Herz-                                      tionsschrift beschäftigt sich mit „Informationsverwaltungsrecht“. Seit dem Wintersemester
Preis für qualitative Sozialforschung der Deutschen Gesellschaft                                  2013/14 ist Ino Augsberg Inhaber des Lehrstuhls für Rechtsphilosophie und Öffentliches
für Soziologie (DGS) ausgezeichnet.                                                               Recht und Co-Direktor des Hermann Kantorowicz-Instituts für juristische Grundlagenfor-
                                                                                                  schung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Institut für Soziologie und Volkswirtschaftslehre, Universität der Bundeswehr München,
Werner-Heisenberg-Weg 39, 85579 Neubiberg sowie Hamburger Institut für Sozialforschung,           Lehrstuhl für Rechtsphilosophie und Öffentliches Recht, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel,
Mittelweg 36, 20148 Hamburg | tkb@unibw.de                                                        Leibnizstraße 6, 24118 Kiel | augsberg@law.uni-kiel.de
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09:00   Registrierung
                10:00   ERÖFFNUNG DER KONFERENZ IM PLENUM

Donnerstag      12:30
                        (Goethesaal)
                        Mittagsimbiss
27. Juni 2019
                14:00   SESSION 1 – Gestaltung und Steuerung                       SESSION 2 – Strukturen der Verletzlichkeit                   SESSION 3 – Einsatzkräfte: Herausforderungen,
                bis     vielfältiger Sicherheiten                                                                                               Ressourcen, Reflexionen
                15:30

                        Moderation: Prof. Dr. Hans Vorländer, Zentrum für          Moderation: Prof. Dr. Thomas Görgen, Fachgebiet              Moderation: Prof. Dr. Maja Apelt, Professur für Orga-
                        Verfassungs- und Demokratieforschung, Institut für         Kriminologie und interdisziplinäre Kriminalprävention,       nisations- und Verwaltungssoziologie, Universität
                        Politikwissenschaft, Technische Universität Dresden        Deutsche Hochschule der Polizei (DHPol), Münster             Potsdam

                        Problemverschiebungen. Zur Zukunft der zivilen             Migration und Sicherheit. Befunde und Diskurse               Polizei und Gesellschaft
                        Sicherheitsforschung

                        Prof. Dr. Wolfgang Bonß, Lehrstuhl für allgemeine          Prof. Dr. Elisa Hoven, Lehrstuhl für Strafrecht, Strafpro-   PD Dr. Fabien Jobard, Centre de recherches socio-
                        Soziologie, Universität der Bundeswehr München             zessrecht und Medienstrafrecht, Universität Leipzig          logiques sur le droit et les institutions pénales (CESDIP),
                        Zwischen Normalisierung und Veränderung.                   Die Angst vor kriminellen Migranten als politische           Guyancourt sowie Centre Marc Bloch (CMB), Berlin
                        Zur Zukunft der zivilen Sicherheitsforschung               Strategie                                                    Die Franzosen und die Polizei: Erklärungen einer
                                                                                   Prof. Dr. Eva Groß, Professur für Kriminologie, Hoch-        Vertrauenskrise
                        Prof. Dr. Christopher Daase, Institut für Politikwissen-
                        schaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main               schule in der Akademie der Polizei Hamburg                   Dr. Daniela Hunold, Fachgebiet Kriminologie und inter-
                        Progressive und degenerative Problemverschiebungen.        Furcht vor Kriminalität im Einfluss von sichtbarer eth-      disziplinäre Kriminalprävention, Deutsche Hochschule
                        Eine kritische Würdigung der zivilen Sicherheitsfoschung   nischer Vielfalt und allgemeinen sozialen Ängsten            der Polizei (DHPol), Münster
                                                                                                                                                Was weiß die Polizei über die Gesellschaft? – Zum
                                                                                                                                                Verhältnis von Fakten- und Erfahrungswissen im
                                                                                                                                                Polizeialltag
                15:30   Kaffeepause

                16:00   Sicherheit in föderalen Strukturen                         Gefährliche Orte?                                            Diversität in Behörden und Organisationen mit
                bis     Prof. Dr. Wolfgang Seibel, Fachbereich Politik- und        Prof. Dr. Rita Haverkamp, Stiftungsprofessur für             Sicherheitsaufgaben
                17:30   Verwaltungswissenschaften, Universität Konstanz            Kriminalprävention und Risikomanagement, Juristische         Prof. Dr. Antonio Vera, Fachgebiet Organisation und
                        Sicherheit in föderalen Strukturen. Das Beispiel der       Fakultät, Eberhard Karls Universität Tübingen und            Personalmanagement, Deutsche Hochschule der Polizei
                        NSU-Morde                                                  Dr. Tim Lukas, Lehrstuhl für Bevölkerungsschutz,             (DHPol), Münster
                        Prof. Dr. Ursula Münch, Akademie für Politische            Katastrophenhilfe und Objektsicherheit,                      Weibliche Führungskräfte in einer männlichen Organi-
                        Bildung Tutzing                                            Bergische Universität Wuppertal                              sation: Eine empirische Analyse von Führer-Prototypi-
                        Wie gefährlich ist der Bundesstaat? Die föderale           Öffentlicher Raum für alle? Umgang mit marginalisier-        kalität, Macht und Geschlecht in der Polizei
                        Sicherheitsarchitektur in der politischen und öffentli-    ten Gruppen im Bahnhofsviertel                               Prof. Dr. Ilona Horwath, Juniorprofessur für Technik
                        chen Debatte                                               Gabriel Bartl M.A., Bereich Infrastruktur, Wirtschaft        und Diversity, Fakultät für Maschinenbau, Universität
                                                                                   und Finanzen, Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin      Paderborn
                                                                                   und Dipl. Soz.-Wiss. Niklas Creemers,                        Brandherd Diversity? Aktuelle Entwicklungen im
                                                                                   Bereich Infrastruktur, Wirtschaft und Finanzen,              Feuerwehrwesen
                                                                                   Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin
                                                                                   Kommunale Zusammenarbeit für sichere und
                                                                                   vielfältige Städte
                18:00   ERÖFFNUNG DER POSTERAUSSTELLUNG
                18:30   Abendbuffet mit Musik
VIELFÄLTIGE SICHERHEITEN - GESELLSCHAFTLICHE DIMENSIONEN DER SICHERHEITSFORSCHUNG KONFERENZPROGRAMM AM 27. UND 28. JUNI 2019 - SIFO FACHDIALOG ...
09:15   SESSION 1 – Gestaltung und Steuerung vielfältiger         SESSION 2 – Strukturen der Verletzlichkeit                  SESSION 3 – Einsatzkräfte: Herausforderungen,
                bis     Sicherheiten                                                                                                          Ressourcen, Reflexionen

Freitag         10:45

                        Moderation: Prof. Dr. Hans Vorländer                      Moderation: Prof. Dr. Thomas Görgen                         Moderation: Prof. Dr. Maja Apelt
28. Juni 2019

                        Digitalität, Demokratie und Sicherheit                    Gesellschaftliche und analytische Dimensionen von           Gewalt gegen und durch Einsatzkräfte
                                                                                  Verletzlichkeit

                        Dr. Timo Leimbach, School of Communication and                                                                        Prof. Dr. Karoline Ellrich, Sozialwissenschaftliche
                        Culture - Information Science, Aarhus University          Prof. em. Dr. Helmut Kury, Albert-Ludwigs-Universität       Fakultät, Hochschule für Polizei Baden-Württemberg
                        Internetplattformen als Quelle der (Un-)Sicherheit        Freiburg i. Br.                                             Gewalt gegen die Polizei: Aktuelle Entwicklungen und
                        Dr. Lena Ulbricht, Weizenbaum-Institut für die            Sicherheit und Verletzlichkeit: Was wissen wir darüber      zukünftige Herausforderungen
                        vernetzte Gesellschaft, Wissenschaftszentrum Berlin für   und welche politische Bedeutung haben die Konzepte          Prof. Dr. Tobias Singelnstein, Lehrstuhl für Kriminolo-
                        Sozialforschung                                           Prof. Dr. Martin Voss, Institut für Sozial- und Kulturan-   gie, Ruhr-Universität Bochum
                        Sicherheitsgovernance durch Algorithmen. Demo-            thropologie, Freie Universität Berlin                       Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamte und
                        kratische Implikationen und Gestaltungsmöglichkeiten      Der dreifach vulnerable Mensch – Nutzen und                 Polizeibeamtinnen
                                                                                  (Neben-)Wirkungen von Analysekategorien und
                                                                                  Zuschreibungen

                10:45   Kaffeepause
                11:15   RESÜMEE AUS DEN SESSIONEN (Goethesaal)
                11:45   PODIUMSGESPRÄCH (Goethesaal)
                13:30   Mittagsimbiss
VIELFÄLTIGE SICHERHEITEN - GESELLSCHAFTLICHE DIMENSIONEN DER SICHERHEITSFORSCHUNG KONFERENZPROGRAMM AM 27. UND 28. JUNI 2019 - SIFO FACHDIALOG ...
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Session 1

Gestaltung und Steuerung vielfältiger
Sicherheiten
Die Herstellung und Gewährleistung ziviler Sicherheit wird heute weitgehend in
einem Modus „verteilter Sicherheit“ gestaltet und gesteuert: Verteilte Sicherheit meint
nicht zuletzt, dass der Staat zunehmend weitere Akteure und Akteurinnen in Wirt-
schaft und Gesellschaft in die Gewährleistung von Sicherheit einbezieht oder deren
Ressourcen dafür mobilisiert. Dies ist keineswegs neu, aber seit der Jahrtausendwende
wird es zunehmend in Sicherheitsstrategien oder Sicherheitskonzepten explizit for-
muliert und forciert – sei es zum Beispiel im Katastrophenschutz, im Bereich urbaner
Sicherheit oder beim Schutz kritischer Infrastrukturen. Die Session verhandelt in drei
Bereichen die Motivation für eine derartige Sicherheitsproduktion, deren Effekte und
Ausprägungen sowie damit verbundene Problemlagen.

Mit Problemverschiebungen. Zur Zukunft der zivilen Sicherheitsforschung wird die
Frage aufgenommen, welche Effekte die Inanspruchnahme der Wissenschaft zur                Moderation der Session 1
Bearbeitung von Sicherheitsproblemen hat. Wenn als erster Effekt die Etablierung
eines Feldes ziviler Sicherheitsforschung konstatiert werden kann, so verfolgt das        Prof. Dr. Hans Vorländer (*1954 in Wuppertal) studierte Politische
Panel in einer selbstreflexiven Schleife die Frage nach den Ergebnissen und Effekten,     Wissenschaft und Rechtswissenschaften in Bonn und Genf;
nach ihrer inneren Dynamik, wie auch danach, wie ihr innovatives und kritisches           Promotion 1980. Nach Forschungsaufenthalten an der Harvard
Potential in Zukunft zu gewährleisten ist.                                                Universität (Cambridge, USA) und Vertretungsprofessuren an den
                                                                                          Universitäten in Frankfurt und Essen, baute er an der TU Dresden
Im Panel Sicherheit in föderalen Strukturen wird ein schon klassisch zu nennender         das Institut für Politikwissenschaft mit auf. Seit 1993 hat er dort
Modus verteilter Sicherheit betrachtet. Der Föderalismus steht immer wieder in            den Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte inne. Gastprofessuren führten ihn
der Kritik, gerade wenn es um mögliche Fehlleistungen bei der Prävention oder der         nach Paris, Mexico City, Turin und Bologna. Hans Vorländer war Gründungsmitglied und ab
Aufklärung von extremistischer Gewalt geht. So notwendig eine detaillierte Rekon-         2000 stv. Sprecher des Sonderforschungsbereiches 537 „Institutionalität und Geschichtlich-
struktion im Einzelfall ist, welche auch „normale Probleme“ föderaler Strukturen in       keit“ (1997-2008), von Juli 2009 bis Juni 2014 Gründer und Sprecher des Sonderforschungs-
den Blick rückt, so gilt es auch, die spezifischen Stärken föderaler Strukturen bei der   bereiches 804 „Transzendenz und Gemeinsinn“. Seit 2005 ist er Direktor des Zentrums für
Gewährleistung von Sicherheit aufzuzeigen.                                                Verfassungs- und Demokratieforschung an der TU Dresden, seit 2017 ebendort Direktor
                                                                                          des Mercator Forums Migration und Demokratie (MIDEM). Von 2001 bis 2005 war er Vor-
Im Panel Digitalität, Demokratie und Sicherheit werden zwei Brennpunkte gegen-            sitzender des Wissenschaftlichen Beirates der Bundeszentrale für politische Bildung, 2003
wärtiger Sicherheitsdiskussionen aufgegriffen. Verteilte Sicherheit bedeutet auch,        bis 2005 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft. Er ist Mitglied
Sicherheit durch den Einsatz von Algorithmen, Big Data und Künstlicher Intelligenz        des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration und wurde
zu gewährleisten, was die Frage mit sich bringt, wie solche Technologien in demokra-      zuletzt von der Bundesregierung in die Fachkommission zu den Rahmenbedingungen von
tischem Sinne zu regulieren sind. Ein zweites Thema beschäftigt sich mit der Frage,       Integrationsfähigkeit berufen.
ob und wie die Nutzung von Internetplattformen zur öffentlichen Meinungsbildung
im Sinne einer Stabilisierung der Demokratie beitragen kann.                              Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Dresden, Bergstraße 53, 01069 Dresden |
                                                                                          hans.vorlaender@tu-dresden.de
VIELFÄLTIGE SICHERHEITEN - GESELLSCHAFTLICHE DIMENSIONEN DER SICHERHEITSFORSCHUNG KONFERENZPROGRAMM AM 27. UND 28. JUNI 2019 - SIFO FACHDIALOG ...
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Session 2

Strukturen der Verletzlichkeit
Diskussionen um eine spezifische Verletzlichkeit oder Risikoexposition bestimmter
gesellschaftlicher Gruppen sind in den Geistes- und Sozialwissenschaften immer wie-
der kontrovers geführt worden. Gegenstand der Debatte ist dabei schon der Begriff
„Vulnerabilität“ selbst, da er implizit Rollen wie „Opfer“ oder „Täter“ sowie Attribute
der Stärke oder Schwäche zuschreibt. Die Fragen, ob oder inwiefern bestimmte
soziale Räume Verletzlichkeiten produzieren oder begünstigen können und welcher
Zusammenhang zwischen Verbrechensängsten und der allgemeinen Lebenssituation
von Menschen besteht, spielen in der Forschung ebenfalls eine wichtige Rolle. Die
drei Panels der Session „Strukturen der Verletzlichkeit“ gehen in diesem Kontext auf
ausgewählte Themen und Aspekte ein, die im öffentlichen Diskurs derzeit besonders
virulent sind.

Im Panel Migration und Sicherheit. Befunde und Diskurse werden verschiedene
Ursachen, Faktoren und Einflussgrößen für die in Teilen der Bevölkerung vorhan-
dene Angst vor einer Kriminalitätszunahme durch Geflüchtete und Migranten und
Migrantinnen beleuchtet. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Wechselwirkungen
mit allgemeinen sozialen Ängsten sowie auf Gefahren einer Instrumentalisierung von
Kriminalitätsfurcht und fremdenfeindlichen Einstellungen.

Das Panel Gefährliche Orte? nimmt Sicherheit und Sicherheitswahrnehmungen ver-
schiedener Gruppen in urbanen Räumen in den Blick und fokussiert auch auf Strate-
gien lokaler Akteure und Akteurinnen zur Reduzierung von Unsicherheit. Diversität,
Vielfalt, Ambivalenzen und Kontraste sind zentrale Merkmale des Lebens in Städten.
Wie der öffentliche Raum gestaltet werden kann, um eine Teilhabe für alle Menschen
zu ermöglichen, ist Gegenstand des Panels.                                                Moderation der Session 2
Vor dem Hintergrund von Verunsicherungstendenzen in der Gesellschaft fragt das            Prof. Dr. Thomas Görgen ist seit 2008 Professor an der Deutschen
dritte Panel unter dem Titel Gesellschaftliche und analytische Dimensionen von Ver-       Hochschule der Polizei (DHPol), Münster und leitet dort das Fach-
letzlichkeit, inwiefern Größen wie Sicherheit, Verletzlichkeit oder Kriminalitätsfurcht   gebiet Kriminologie und interdisziplinäre Kriminalprävention.
erfasst und gemessen werden können. Dabei wird auch über Eignung, Implikationen           Aktuelle Arbeitsschwerpunkte liegen in den Themenfeldern po-
und Auswirkungen solcher Analysekategorien reflektiert.                                   litischer Extremismus, Radikalisierung und Radikalisierungsprä-
                                                                                          vention, schwere Gewaltkriminalität, terroristische Gewalt, Hasskriminalität, Viktimi-
                                                                                          sierungsrisiken im Alter und bei Pflegebedürftigkeit, kriminalpräventive Strategien und
                                                                                          Handlungsansätze.

                                                                                          Kriminologie und interdisziplinäre Kriminalprävention, Deutsche Hochschule der Polizei (DHPol),
                                                                                          Zum Roten Berge 18-24, 48165 Münster | thomas.goergen@dhpol.de
18                                                          VIELFÄLTIGE SICHERHEITEN      SESSIONEN                                                                                              19

Session 3

Einsatzkräfte: Herausforderungen,
Ressourcen, Reflexionen
Die Einsatzkräfte der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben spielen
eine tragende Rolle bei der Herstellung und Wahrnehmung von Sicherheit. Die
medialen, politischen und gesellschaftlichen Erwartungen an sie sind hoch, auch die
technischen Herausforderungen ihres Alltags, etwa durch digitale Vernetzung, werden
komplexer. Dabei lassen sich auf den ersten Blick uneindeutige Entwicklungen
beobachten: Uniformierte Polizei im Straßenbild scheint zum Beispiel von den Bürgern
und Bürgerinnen wieder stärker erwünscht zu sein, gleichzeitig mehren sich Berichte
über Pöbeleien und Angriffe durch Bürger und Bürgerinnen. Generell stehen Einsatz-
kräfte unter hohem Veränderungsdruck. Die drei Panels der Session Einsatzkräfte:
Herausforderungen, Ressourcen, Reflexionen widmen sich Themenbereichen, die zuletzt
stärker ins öffentliche Bewusstsein und in den Fokus der Wissenschaft gerückt sind.

Das Panel Polizei und Gesellschaft beginnt mit einem Blick nach Frankreich. Es legt den
Fokus auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Ursachen für den aktuellen
Vertrauensverlust in die dortige Polizei, und kann so auch das Bewusstsein für Gemein-
samkeiten und Unterschiede zu Deutschland schärfen. Anschließend wird untersucht,
wie das Bild der deutschen Polizei von der Gesellschaft, in der sie tätig ist, zustande
kommt. Zur Diskussion stehen in beiden Fällen die Wechselwirkungen zwischen der
Polizei und ihrem Umfeld.

Gesellschaftliche Vielfalt sollte sich auch in der Personalstruktur der Behörden und
Organisationen mit Sicherheitsaufgaben abbilden. Trotz verstärkter Anstrengungen ist      Moderation der Session 3
das aber kein leicht zu erreichendes Ziel. Das Panel Diversität in Behörden und Organi-
sationen mit Sicherheitsaufgaben schildert Rollenerwartungen an weibliche Führungs-       Prof. Dr. Maja Apelt ist Professorin für Organisations- und Ver-
kräfte bei der Polizei und analysiert die Anstrengungen der Feuerwehren, auch bislang     waltungssoziologie. Sie forscht u. a. zu Organisationen der Sicher-
wenig repräsentierte Bevölkerungsgruppen zu rekrutieren. Deutlich wird dabei das          heitsproduktion und zu Diversity in Organisationen. 2010-2013
Spannungsfeld zwischen etablierten Handlungsmustern in Organisationen und den             leitete sie das Teilprojekt „Soziologische Perspektiven auf Muster-
sich wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen.                                         erkennung und Video Tracking“ des BMBF-geförderten Projekts
                                                                                          „Mustererkennung und Video Tracking: Sozialpsychologische,
In welcher Hinsicht und warum Polizeibeamte und -beamtinnen aktuell häufiger              soziologische, ethische und rechtswissenschaftliche Analysen (MuViT)“ und 2013-2016
Gewalt erleben und in welchem Maße sie selber unangebrachte Gewalt anwenden, ist          das Teilprojekt „Netzwerkanalyse“ des BMBF-Forschungsprojekts „Soziale Bestimmungs-
Gegenstand des abschließenden Panels Gewalt gegen und durch Einsatzkräfte. Es unter-      gründe der Sicherheit am Flughafen (SoftParts)“.
nimmt damit eine sachliche und datengestützte Analyse eines kontrovers diskutierten
aktuellen Themenbereiches. Dabei wird sowohl darüber reflektiert, was der Forschung       Lehrstuhl für Organisations- und Verwaltungssoziologie, Universität Potsdam, August-Bebel-Straße 89,
zur Datenlage in beiden Bereichen bekannt ist, als auch darüber, wo Ursachen der          14482 Potsdam | maja.apelt@uni-potsdam.de
Gewalt liegen könnten.
20                                                                    VIELFÄLTIGE SICHERHEITEN   SESSION 1                                                                                              21

27.06.2019 | 14:00 – 15:30 | Gestaltung und Steuerung vielfältiger Sicherheiten                  27.06.2019 | 14:00 – 15:30 | Gestaltung und Steuerung vielfältiger Sicherheiten

Problemverschiebungen. Zur Zukunft der zivilen 		                                                Problemverschiebungen. Zur Zukunft der zivilen
Sicherheitsforschung                                                                             Sicherheitsforschung
Zwischen Normalisierung und Veränderung. Zur Zukunft der zivilen                                 Progressive und degenerative Problemverschiebungen. Eine kritische Würdigung der
Sicherheitsforschung                                                                             zivilen Sicherheitsforschung

Sicherheit ist ein Querschnittsthema, das innerhalb der letzten drei Jahrzehnte                  Die Entwicklung von Forschungsfeldern kann im Sinne kumulativen Erkenntnisfort-
erheblich an Bedeutung gewonnen hat. Aber gerade weil es ein Querschnittsthema                   schritts (Popper), progressiver und degenerativer Forschungsprogramme (Lakatos)
ist, entwickelt sich die Sicherheitsforschung kaum systematisch, sondern eher in                 oder wissenschaftlicher Revolutionen (Kuhn) dargestellt werden. Entlang dieser
Abhängigkeit von politisch aktuellen Sicherheitsthemen. Die Entwicklung einer                    Perspektiven sollen die Erfolge und Misserfolge der Sicherheitsforschung skizziert
systematischen sozialwissenschaftlichen Sicherheitsforschung erscheint vor diesem                und der Wandel des sicherheitspolitischen Forschungsfeldes erklärt werden. Zwar
Hintergrund eher unwahrscheinlich. Der Beitrag soll diese Entwicklung dokumen-                   hat die Sicherheitsforschung zu einer progressiven Problemverschiebung (i. S. v.
tieren und zugleich die Frage nach der Zukunft der Sicherheitsforschung stellen, die             Lakatos) beigetragen, doch zeichnen sich zunehmend Ermüdungserscheinungen und
mit Einschränkung eher in einer Umstellung auf eine neu zu skizzierende “Unsicher-               degenerative Tendenzen ab. Um die Innovationsfähigkeit der Sicherheitsforschung zu
heitsforschung” liegen sollte.                                                                   stärken, sollten Grundlagenforschung einerseits und anwendungs- bzw. politikorien-
                                                                                                 tierte Forschung andererseits stärker miteinander verknüpft werden.

                                                                                                 Prof. Dr. Christopher Daase ist Professor für Internationale
                                                                                                 Organisationen an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frank-
                                                                                                 furt a. M., Mitglied des Exzellenzclusters „Normative Ordnungen“
                                                                                                 und stellvertretender Direktor des Leibniz-Instituts Hessische
                                                                                                 Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Er studierte in
                                                                                                 Hamburg, Freiburg i. Br. und Berlin Germanistik, Philosophie,
                                                                                                 Kunstgeschichte und Politikwissenschaft und promovierte 1996
                                                                                                 mit einer Arbeit über unkonventionelle Kriegsführung. Als MacArthur-
                                                                                                 Fellow absolvierte er ein Aufbaustudium an der Harvard Universität. Von 2004 bis 2009 hat-
Prof. Dr. Wolfgang Bonß ist Professor für Allgemeine Soziologie                                  te er den Lehrstuhl für Internationale Politik an der Ludwig-Maximilians-Universität Mün-
an der Universität der Bundeswehr in München und Sprecher des                                    chen inne. Neben Projekten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Deut-
dort ansässigen Forschungszentrums RISK. Zu seinen Forschungs-                                   schen Stiftung Friedensforschung (DSF) koordinierte er das BMBF-Projekt „Sicherheitskultur
schwerpunkten gehören u. a. Risiko und Unsicherheit in modernen                                  im Wandel“. Christopher Daase ist langjähriger Herausgeber der „Zeitschrift für Internationale
Gesellschaften. Er ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beratungs-                                 Beziehungen“, Vorsitzender des Forschungsrates der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)
kreis (WBK) des Fachdialogs Sicherheitsforschung des BMBF.                                       und vertritt die Politikwissenschaft im Fachkollegium Sozialwissenschaften der DFG.

                                                                                                 Institut für Politikwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt a. M., Max-Horkheimer-Straße 2, 60629
Lehrstuhl für allgemeine Soziologie, Universität der Bundeswehr München,                         Frankfurt a. M. sowie Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK),
Werner-Heisenberg-Weg 39, 85579 Neubiberg | wolfgang.bonss@unibw.de                              Baseler Straße 27-31, 60329 Frankfurt a.M. | daase@normativeorders.net
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27.06.2019 | 14:00 – 15:30 | Strukturen der Verletzlichkeit                                             27.06.2019 | 14:00 – 15:30 | Strukturen der Verletzlichkeit

Migration und Sicherheit. Befunde und Diskurse                                                          Migration und Sicherheit. Befunde und Diskurse
Die Angst vor kriminellen Migranten als politische Strategie                                            Furcht vor Kriminalität im Einfluss von sichtbarer ethnischer Vielfalt und allgemeinen
                                                                                                        sozialen Ängsten
Vorgestellt wird eine Analyse von knapp 250 Pressemitteilungen der Alternative für
Deutschland (AfD) aus dem Jahr 2018, die sich mit Entstehung, Erscheinungsformen                        Furcht vor Kriminalität in der Bevölkerung ist eine relevante Größe für die strate-
und Folgen von Kriminalität befassten.                                                                  gische Ausrichtung alltäglicher Polizeiarbeit. Fluchtbewegungen nach Europa seit
Die Untersuchung geht zunächst der Frage nach, welche Bilder von Straftaten, Tätern,                    2015 allgemein, aber auch medienwirksame Kriminalfälle durch Geflüchtete, bringen
Täterinnen und Opfern gezeichnet werden. Eine Analyse der Auswahl der beschrie-                         das Thema „Migrantenkriminalität“ prominent auf die Tagesordnung des öffent-
benen Phänomene, der Art ihrer Darstellung sowie der Umgang mit Statistiken zeigt,                      lichen Diskurses, was Auswirkungen auf die allgemeine Furcht vor Kriminalität in
auf welche Weise Ängste vor Kriminalität und Zuwanderung geschürt werden. In                            der Bevölkerung hat. Um mehr über die Entstehung solcher allgemeinen Unsicher-
einem zweiten Schritt werden Ursachenzuschreibungen betrachtet. Da Kriminalität                         heitsgefühle und deren Zusammenhang mit den Anteilen ethnischer Minoritäten in
maßgeblich mit einer unkontrollierten Zuwanderung erklärt wird, gewinnen die                            der näheren Umgebung zu erfahren, untersuchten wir anhand von repräsentativen
Mitteilungen eine politische Dimension: Straftaten werden als Folge politischen und                     Befragungsdaten aus Linz einerseits die in der Kriminologie bekannte Ethnische-
staatlichen Versagens präsentiert. Abschließend wird betrachtet, welche Maßnahmen                       Heterogenitäts-These, andererseits das Schnittfeld von Kriminalitätsfurcht, Straflust
zur Bekämpfung von Kriminalität gefordert werden.                                                       und fremdenfeindlichen Einstellungen in einem aus allgemeineren sozialen Ängsten
                                                                                                        aufgespannten Befindlichkeitsraum. Ansätze und Ergebnisse dieser Untersuchungen
                                                                                                        werden in dem Vortrag präsentiert.

Prof. Dr. Elisa Hoven ist Professorin für Strafrecht, Strafprozess-
recht und Medienstrafrecht an der Universität Leipzig. Sie studier-
te Rechtswissenschaft an der Freien Universität Berlin und promo-
vierte im Bereich des Völkerstrafrechts. In dieser Zeit war sie als                                     Prof. Dr. Eva Groß studierte in München Soziologie, in Hamburg
Gastwissenschaftlerin an den Universitäten Cambridge und                                                internationale Kriminologie und promovierte an der Fakultät für
Berkeley tätig und arbeitete in der Opfervertretung des Khmer-                                          Soziologie der Universität Bielefeld (2016). Von 2008 bis 2015
Rouge Tribunals sowie am Internationalen Strafgerichtshof. Im                                           arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für
Anschluss an ihr Rechtsreferendariat leitete sie ein empirisches                                        interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität
Projekt zur Nebenklagebeteiligung in internationalen Strafverfahren und war als Gast-                   Bielefeld. Von 2015 bis 2018 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin
wissenschaftlerin an den Universitäten Phnom Penh und Harvard beschäftigt, bevor                        an der kriminologischen Forschungsstelle des Landeskriminalamts
sie zur Juniorprofessorin an der Universität zu Köln berufen wurde. Für ihre Habilitations-             (LKA) Niedersachsen und trat im Dezember 2018 eine Professur für
schrift „Auslandsbestechung. Eine rechtsdogmatische und rechtstatsächliche Untersu-                     Kriminologie im Fachhochschulbereich der Akademie der Polizei in Hamburg an. Ihre
chung“ erhielt sie den Habilitationspreis der Universität Erlangen-Nürnberg.                            Forschungsschwerpunkte sind gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Vorurteile, vorur-
Sie war Sprecherin der Arbeitsgruppe „Migration“ des Jungen Kollegs der Nordrhein-                      teilsmotivierte Kriminalität, Rechtsextremismus, (Jugend-)Gewalt, (Online-)Radikalisierung,
Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste und Mitverantwortliche des                         Viktimisierung/Dunkelfeld, Ökonomisierung des Sozialen, institutionelle Anomie und
Projekts „Flucht als Sicherheitsrisiko?“.                                                               soziale Ungleichheit.

Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Medienstrafrecht, Universität Leipzig, Burgstraße 21,   Fachgebiet Kriminologie, Hochschule in der Akademie der Polizei Hamburg, Carl-Cohn-Straße 39,
04109 Leipzig | sekretariat.hoven@uni-leipzig.de                                                        22297 Hamburg | eva.gross@polizei-studium.org
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27.06.2019 | 14:00 – 15:30 | Einsatzkräfte: Herausforderungen, Ressourcen, Reflexionen                       27.06.2019 | 14:00 – 15:30 | Einsatzkräfte: Herausforderungen, Ressourcen, Reflexionen

Polizei und Gesellschaft                                                                                     Polizei und Gesellschaft
Die Franzosen und die Polizei: Erklärungen einer Vertrauenskrise                                             „Was weiß die Polizei über die Gesellschaft?“ – Zum Verhältnis von „Fakten- und
                                                                                                             Erfahrungswissen“ im Polizeialltag
Die französische Polizei wird von der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in Frank-
reich geschätzt. Dennoch ist das Vertrauen gegenüber der Polizei deutlich geringer                           Um im Berufsalltag Entscheidungen treffen zu können, greifen Polizeibeamte und
ausgeprägt als zum Beispiel in Deutschland. Ein wesentlicher Teil der Bevölkerung in                         -beamtinnen auf einen institutionellen Wissensvorrat zurück, der Handlungsorien-
Frankreich ist davon überzeugt, dass Polizeibeamte und -beamtinnen die Menschen                              tierungen im Zusammenhang mit Personen und Personengruppen sowie Örtlichkei-
ungleich behandeln. Obwohl die Polizeikräfte nach den Anschlägen in Paris im Jahr                            ten in alltäglichen Polizeieinsätzen bietet. Der Beitrag greift in diesem Zusammen-
2015 ein sehr hohes Vertrauen zu genießen schienen, sanken diese Werte ein paar                              hang die Bedeutung von Erfahrungswissen sowie empirisch zusammengetragenen
Monate später wieder ab. Grund hierfür war die sehr harte Herangehensweise der                               Erkenntnissen, die sich u. a. in Lagebildern und Statistiken niederschlagen, auf.
Einsatzkräfte während der Proteste gegen die Arbeitsrechtsreform (2016) und während                          Hierbei wird auch thematisiert, wie neuere Strategien des „evidence-based-policing“
der Gelbwesten-Bewegung (2018-19), in deren Rahmen auch Waffen verwendet wur-                                Einzug in alltägliche Arbeitsprozesse halten. Schließlich wird der Frage nachgegan-
den, die unter das Kriegswaffengesetz fallen, und zwanzig Personen ein Auge sowie                            gen, auf welche Weise die Polizei mittels verschiedener Wissenspraktiken (Stadt-)
fünf Personen eine Hand verloren. Ziel des Vortrags ist es, die Ursachen sowohl dieser                       Gesellschaft konstruiert und inwiefern hierbei stereotype Muster bedient werden.
Härte als auch der Vertrauenskrise gegenüber der Polizei in Frankreich zu erklären.
Dabei soll insbesondere auf die Organisation und die Geschichte der Polizei in Frank-
reich eingegangen werden.

                                                                                                             Dr. Daniela Hunold ist zurzeit Gastwissenschaftlerin an der Deut-
                                                                                                             schen Hochschule der Polizei (DHPol), Münster. Sie studierte
PD Dr. Fabien Jobard ist Forschungsleiter einer Abteilung der                                                Geographie sowie Kriminologie und promovierte am Max-Planck-
französischen Forschungsorganisation Centre national de la                                                   Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in
recherche scientifique (CNRS). Er arbeitet sowohl am Centre de                                               Freiburg i. Br. zum Alltagshandeln der Polizei in multiethnischen
recherches sociologiques sur le droit et les institutions pénales                                            Stadträumen. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf den Themen
(CESDIP) in Versailles als auch am Centre Marc Bloch (CMB) in                                                Polizei in der Einwanderungsgesellschaft, raumorientierte Krimi-
Berlin. Er untersucht die zeitgenössischen Formen der Gewalt-                                                nologie und Raumsoziologie. Aktuell leitet sie ein von der
ausübung durch die Polizei und die sozialen Bewegungen in                                                    Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Projekt mit dem Titel „Die Kon-
Frankreich, die Rolle der Kriminalität und der Strafe in der                                                 struktion von Räumen im Kontext von Sicherheit - Raumwissen bei der Polizei“, welches
Gestaltung der Gesellschaft in Deutschland und Frankreich und die (Un-)Gleichbehandlung                      die verschiedenen Wissenspraktiken der Polizei zur Identifizierung problematischer Räume
der Angeklagten durch die französische Strafjustiz.                                                          und zur Umsetzung von raumorientierten Maßnahmen beleuchtet.

Centre de recherches sociologiques sur le droit et les institutions pénales (CESDIP), 43 boulevard Vauban,   Fachgebiet Kriminologie und interdisziplinäre Kriminalprävention, Deutsche Hochschule der Polizei
78280 Guyancourt, Frankreich | fabjob@cmb.hu-berlin.de                                                       (DHPol), Zum Roten Berge 18-24, 48165 Münster | daniela.hunold@dhpol.de
26                                                                      VIELFÄLTIGE SICHERHEITEN   SESSION 1                                                                                       27

27.06.2019 | 16:00 – 17:30 | Gestaltung und Steuerung vielfältiger Sicherheiten                    27.06.2019 | 16:00 – 17:30 | Gestaltung und Steuerung vielfältiger Sicherheiten

Sicherheit in föderalen Strukturen                                                                 Sicherheit in föderalen Strukturen
Sicherheit in föderalen Strukturen. Das Beispiel der NSU-Morde                                     Wie gefährlich ist der Bundesstaat? Die föderale Sicherheitsarchitektur in der
                                                                                                   politischen und öffentlichen Debatte
Gegenstand des Vortrags ist ein spezifisches Segment des Polizeiversagens bei der
Fahndung nach den Serienmördern und -mörderinnen, die von 2000-2007 neun                           Die verschiedenen islamistischen und rechtsterroristischen Anschläge der letzten
Gewerbetreibende mit Migrationshintergrund und eine baden-württembergische                         Jahre lösten jeweils eine kontroverse Debatte über die Form der Gewährleistung der
Polizistin töteten, heute bekannt als NSU-Morde. Der Beitrag analysiert die Hand-                  Inneren Sicherheit in Deutschland aus. Bei der politischen und medialen Fehler-
habung des Polizeiföderalismus und die Funktionsweise der gesetzlich vorgese-                      analyse gerät immer die föderale Sicherheitsarchitektur ins Visier. Mängel bei der
henen Korrekturmechanismen, die den negativen Folgen einer Fragmentierung                          Aufdeckung und Verfolgung rechtsextremer und terroristischer Gewalttaten werden
von Kompetenzen vorbeugen sollen. Nachgegangen wird der Frage, warum diese                         der föderalen Aufgabenverteilung zugeschrieben. Diese monokausale Fehleranalyse
Korrekturmechanismen – vor allem die in § 4 Bundeskriminalamt-Gesetz eröffnete                     erscheint auch deshalb verkürzt, weil sie übersieht, dass die föderale Organisation des
Möglichkeit der Kompetenzübertragung auf das Bundeskriminalamt – im Fall der                       staatlichen Sicherheitsapparates nicht nur historisch begründet ist, sondern Vorteile
NSU-Morde trotz entsprechender Initiativen aus den Polizeiapparaten sowohl der                     gerade auch bei der Prävention von Extremismus bietet.
Länder als auch des Bundes nicht genutzt wurden. Die These ist, dass es im Umgang
mit den Stärken und Schwächen des Polizeiföderalismus einerseits auf abwägenden
Pragmatismus, andererseits auf klare Prioritätensetzung beim Schutz gegen schwere
und schwerste Straftaten ankommt – eine Voraussetzung, die in den untersuchten
Entscheidungsepisoden nicht erfüllt war.

Prof. Dr. Wolfgang Seibel ist Professor für Politik- und Verwal-
tungswissenschaft an der Universität Konstanz und Adjunct                                          Prof. Dr. Ursula Münch ist Professorin für Politikwissenschaft an
Professor of Public Administration an der Hertie School of                                         der Universität der Bundeswehr München (derzeit beurlaubt) und
Governance, Berlin. Er studierte Politikwissenschaft, Deutsche                                     seit November 2011 Direktorin der Akademie für Politische Bil-
Literatur und Linguistik an der Universität Marburg und Verwal-                                    dung Tutzing – einer wissenschaftlichen Einrichtung, die unab-
tungswissenschaft an der Hochschule für Verwaltungswissen-                                         hängig und überparteilich die politische Bildung fördert.
schaften Speyer. 1982 wurde er im Fachbereich Wirtschafts-                                         Sie wurde an der Ludwig-Maximilians-Universität München pro-
wissenschaften der Universität Kassel zum Dr. rer. pol. promo-                                     moviert und habilitiert. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u. a.
viert. 1988 habilitierte er sich dort für das Fach Politikwissenschaft. Seibel hatte Gastprofes-   Föderalismus- und Parteienforschung sowie Politikfeldanalysen
suren an der Universität von Kalifornien in Berkeley (1994), der Stanford University (2014),       (u. a. Sozial-, Bildungs- und Asylpolitik, Innere Sicherheit), Fragen der gesellschaftlichen
der Central European University (2014, 2016) und der University of Pretoria (2017) inne. Er        Integration und der (gesellschafts-)politischen Auswirkungen der digitalen Transformation.
leitet seit 2017 das Forschungsprojekt „Schwarze Schwäne in der Verwaltung: Seltenes Or-           Sie ist u. a. Mitglied des Wissenschaftsrates, des Hochschulrats der Ludwig-Maximilians-
ganisationsversagen mit schwerwiegenden Folgen“, das im Rahmen des Reinhart-Koselleck-             Universität München, des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (BIDT)
Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird.                               sowie des interdisziplinären Forschungszentrums RISK (Risiko, Infrastruktur, Sicherheit und
                                                                                                   Konflikt) an der Universität der Bundeswehr München.
Fachbereich Politik und Verwaltungswissenschaften, Universität Konstanz, Universitätsstraße 10,
78464 Konstanz | wolfgang.seibel@uni-konstanz.de                                                   Akademie für Politische Bildung Tutzing, Buchensee 1, 82327 Tutzing | u.muench@apb-tutzing.de
28                                                            VIELFÄLTIGE SICHERHEITEN   SESSION 2                                                                                              29

27.06.2019 | 16:00 – 17:30 | Strukturen der Verletzlichkeit

Gefährliche Orte?
Öffentlicher Raum für alle? Umgang mit marginalisierten Gruppen im Bahnhofsviertel

Bahnhofsviertel sind seit jeher durch einen eher schlechten Ruf geprägt, der in den      Prof. Dr. Rita Haverkamp ist seit 2013 Stiftungsprofessorin für
vergangenen Jahren jedoch vielerorts Ausgangspunkt kommunaler Bemühungen                 Kriminalprävention und Risikomanagement an der Eberhard Karls
war, das zentrumsnahe Umfeld der Bahnhöfe als attraktives Entrée in die Innenstadt       Universität Tübingen. Zuvor war sie als wissenschaftliche Referen-
aufzuwerten. In den Fokus geraten dabei besonders die marginalisierten Gruppen der       tin im Bereich Sicherheitsforschung am Max-Planck-Institut für
Wohnungslosen und Suchtkranken, deren Lebensmittelpunkt häufig das Bahnhofs-             ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg i. Br. tätig.
viertel bildet. Ordnungspolitische Instrumente wie der Einsatz kommunaler Ord-           Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen u. a. urbane Sicherheit,
nungsdienste oder die Verwendung von Elementen der sogenannten „hostile                  elektronische Aufenthaltskontrolle, Menschenhandel, Strafvoll-
architecture“ sind Teil einer Aufwertungsstrategie, mit der subjektiv unerwünschtes      zug und Zuwanderung. Sie ist Mitglied im Wissenschaftlichen
Verhalten aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden soll.                               Beratungskreis (WBK) des Fachdialogs Sicherheitsforschung des BMBF und koordiniert das
In der Folge können unwirtliche öffentliche Plätze entstehen, die von den Bürge-         vom BMBF geförderte Verbundprojekt „Sicherheit im Bahnhofsviertel (SiBa)“.
rinnen und Bürgern gemieden werden. Der Vortrag konfrontiert die Befunde einer
schriftlich-postalischen Bevölkerungsbefragung zum Sicherheitsgefühl im Bahnhofs-        Stiftungsprofessur für Kriminalprävention und Risikomanagement, Juristische Fakultät, Eberhard Karls
viertel und zur Wahrnehmung kommunaler Ordnungsdienste mit den aus Interviews            Universität Tübingen, Geschwister-Scholl-Platz, 72074 Tübingen | rita.haverkamp@uni-tuebingen.de
und teilnehmenden Beobachtungen gewonnenen Erfahrungen der Menschen mit
Lebensmittelpunkt Straße.

                                                                                         Dr. Tim Lukas ist seit 2011 Akademischer Rat im Fachgebiet Be-
                                                                                         völkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit an der
                                                                                         Bergischen Universität Wuppertal. Er studierte Soziologie an der
                                                                                         Universität Bielefeld und wurde an der Albert-Ludwigs-Universi-
                                                                                         tät Freiburg i. Br. mit einer Arbeit zu den Möglichkeiten der städte-
                                                                                         baulichen Kriminalprävention in Großsiedlungen promoviert.
                                                                                         Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der urbanen
                                                                                         Sicherheit und Sicherheitswahrnehmung. Im Rahmen des Sicher-
                                                                                         heitsforschungsprogramms der Bundesregierung ist er an dem vom BMBF geförderten
                                                                                         Projekt „Sicherheit im Bahnhofsviertel (SiBa)“ beteiligt.

                                                                                         Lehrstuhl für Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit, Bergische Universität Wupper-
                                                                                         tal, Gaußstraße 20, 42119 Wuppertal | lukas@uni-wuppertal.de
30                                                            VIELFÄLTIGE SICHERHEITEN   SESSION 2                                                                                                31

27.06.2019 | 16:00 – 17:30 | Strukturen der Verletzlichkeit

Gefährliche Orte?
Kommunale Zusammenarbeit für sichere und vielfältige Städte

Gesellschaftliche Vielfalt beinhaltet zahlreiche Potenziale aber auch Momente der        Gabriel Bartl, M.A ist seit April 2018 wissenschaftlicher Mitarbei-
Verunsicherung und des Konflikts. Um mit dieser Entwicklung umgehen zu können,           ter am Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), Berlin. Zuvor war
braucht es diversitätsorientierte Sicherheitsstrategien, die einer Pluralisierung von    er seit 2012 Teil der Arbeitsgruppe Interdisziplinäre Sicherheits-
Sicherheitsbedürfnissen und -herausforderungen Rechnung tragen. Daher skizziert          forschung an der Freien Universität Berlin, wo er neben diversen
dieser Beitrag die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlicher Vielfalt und Sicherheit     Lehrtätigkeiten am Institut für Informatik in zwei BMBF-Projekten
in der Stadt und umreißt ein Konzept diversitätsorientierter Sicherheitsstrategien.      im Rahmen der zivilen Sicherheitsforschung tätig war: „Social-Area
Dazu werden erste Forschungsergebnisse aus dem BMBF-geförderten Projekt                  Framework for Early Security Triggers at Airports (SAFEST)“ und
„Sicherheit und Vielfalt im Quartier (DiverCity)“ vorgestellt.                           „Resilience by Design – Strategie für die technolo­gischen Zukunfts-
Es handelt sich dabei einerseits um Erkenntnisse aus Experten- und Expertinnen-          themen (RESILIEN­-TECH)“. Neben seiner Tätigkeit im Projekt „Sicherheit und Vielfalt im
interviews, die mit Vertretern und Vertreterinnen aus deutschen Kommunen geführt         Quartier (DiverCity)“ promoviert Gabriel Bartl bei Prof. Dr. Wolfgang Bonß zum gesell-
wurden und andererseits um Ergebnisse einer Befragung kommunaler Verwaltungen            schaftlichen Umgang mit Unsicherheit am Beispiel der Wahrnehmung und Akzeptanz von
deutscher Städte. Die Befragung gibt Aufschluss über die Kooperation verschiedener       Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen.
Akteure und Akteurinnen zur Förderung der urbanen Sicherheit an ihren Schnittstel-
len zu Fragen gesellschaftlicher Vielfalt.                                               Bereich Infrastruktur, Wirtschaft und Finanzen, Deutsches Institut für Urbanistik, Zimmerstraße 13-15,
                                                                                         10969 Berlin | bartl@difu.de

                                                                                         Dipl. Soz.-Wiss. Niklas Creemers ist seit April 2018 wissenschaft-
                                                                                         licher Mitarbeiter im Bereich Infrastruktur, Wirtschaft und Finan-
                                                                                         zen des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), der Forschungs-,
                                                                                         Fortbildungs- und Informationseinrichtung für deutsche Städte
                                                                                         und Gemeinden. Nach seinem Studium der Sozialwissenschaften
                                                                                         an der Universität Duisburg-Essen arbeitete er am Zentrum Tech-
                                                                                         nik und Gesellschaft der Technischen Universität Berlin (TUB) als
                                                                                         wissenschaftlicher Mitarbeiter in verschiedenen Forschungspro-
                                                                                         jekten im Bereich der Stadt-, Sicherheits- und Technikforschung. Zuletzt war er Stipendiat
                                                                                         am Graduiertenkolleg „The World in the City“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft
                                                                                         (DFG) am Center for Metropolitan Studies der TUB.

                                                                                         Bereich Infrastruktur, Wirtschaft und Finanzen, Deutsches Institut für Urbanistik, Zimmerstraße 13-15,
                                                                                         10969 Berlin | creemers@difu.de
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27.06.2019 | 16:00 – 17:30 | Einsatzkräfte: Herausforderungen, Ressourcen, Reflexionen           27.06.2019 | 16:00 – 17:30 | Einsatzkräfte: Herausforderungen, Ressourcen, Reflexionen

Diversität in Behörden und Organisationen mit                                                    Diversität in Behörden und Organisationen mit
Sicherheitsaufgaben                                                                              Sicherheitsaufgaben
Weibliche Führungskräfte in einer männlichen Organisation: Eine empirische Analyse               Brandherd Diversity? Aktuelle Entwicklungen im Feuerwehrwesen
von Führer-Prototypikalität, Macht und Geschlecht in der Polizei
                                                                                                 Im internationalen Feuerwehrwesen stehen Diversity-Programme schon lange auf
Führungserfolg hängt auch in Polizeiorganisationen entscheidend von Führer-Proto-                der Agenda. In Deutschland bemühen sich Feuerwehren seit einigen Jahren verstärkt
typikalität, d. h. dem Ausmaß, in dem eine Führungskraft die typischen Eigenschaften             um eine Integration von Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund. Wie
einer ‚guten‘ Führungskraft und die Identität einer bestimmten Gruppe oder Orga-                 internationale Erfahrungen zeigen, zieht eine formale Öffnung der Organisation
nisation verkörpert, und von Macht ab. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusam-               für bislang kaum repräsentierte Bevölkerungsgruppen jedoch nicht automatisch
menhang aber auch das Geschlecht. Die meisten Menschen stellen sich eine gute                    die fachliche und soziale Integration neuer Rekruten und Rekrutinnen nach sich.
Führungskraft als männlich vor, sodass Frauen in Führungspositionen oftmals nicht                Der Beitrag gibt auf Basis empirischer Daten Einblick in aktuelle Entwicklungen
den typischen Rollenerwartungen entsprechen. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die             zur Förderung von Diversität im deutschen Feuerwehrwesen, diskutiert technische,
Polizei mit ihrer „white, male organizational culture“. Die vorgestellte Studie analysiert       organisationale und soziale Herausforderungen in diesem Prozess und fragt, welche
daher den Einfluss des Geschlechts auf die Zusammenhänge von Führer-Prototypika-                 Auswirkungen sich für die Auswahl und den Einsatz von Technik sowie für sicheres
lität, Macht und Führungserfolg in der Polizei.                                                  und effizientes Handeln im Einsatz ergeben.

                                                                                                 Prof. Dr. Ilona Horwath ist seit 2017 Juniorprofessorin für
                                                                                                 Technik und Diversity an der Fakultät für Maschinenbau der Uni-
                                                                                                 versität Paderborn. Im Rahmen des inter- und transdisziplinären
Prof. Dr. Antonio Vera hat Wirtschaftswissenschaften an der                                      NRW-Forschungskollegs „Leicht-Effizient-Mobil“ leitet sie die
Universität Wuppertal und Kulturwissenschaften sowie Euro-                                       Forschungscluster Einsatz- und Rettungswesen, Re-Use und
päische Moderne an der FernUniversität Hagen studiert.                                           Recycling sowie Medizintechnik. Ihre Forschungsschwerpunkte
Zudem hat er in Betriebswirtschaftslehre und Geschichte promo-                                   liegen darüber hinaus in der Geschlechter-, Organisations- und
viert und sich an der Universität zu Köln in Betriebswirtschafts-                                sozialwissenschaftlichen Technikforschung. 2013 erschien ihre
lehre habilitiert. Seit 2007 ist er Professor für Organisation und                               Promotion unter dem Titel „Gleichstellung im Feuerwehrwesen: ,Gut Wehr!‘ und die
Personalmanagement in der Polizei und Leiter des gleichnamigen                                   HeldInnen von heute“ im Springer Verlag, seit 2019 leitet sie das vom BMBF geförderte
Fachgebiets an der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol)                                      Projekt “Organisation, Technik, Diversität: Neue Ansätze für Sicherheit, Effizienz und soziale
in Münster.                                                                                      Integration im Feuerwerwesen (FORTESY)“.

Fachgebiet Organisation und Personalmanagement in der Polizei, Deutsche Hochschule der Polizei   Fakultät für Maschinenbau, Universität Paderborn, Pohlweg 47-49, 33098 Paderborn |
(DHPol), Zum Roten Berge 18-24, 48165 Münster | antonio.vera@dhpol.de                            ilona.horwath@uni-paderborn.de
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