Einbürgerung A2/B1 Niveau
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Niveau
A2/B1
Einbürgerung
im Unterricht Deutsch als
Zweitsprache für Erwachsene
Lehrerhandreichung
mit Kopiervorlagen
Gaby WegscheiderEinbürgerung im Unterricht Deutsch als Zweitsprache für Erwachsene Lehrerhandreichung mit Kopiervorlagen auf A2 / B1 Niveau Gaby Wegscheider
Vorwort ............................................................................................................................................................. 5
1 Einleitung ................................................................................................................................................. 7
2 Die Einbürgerung als Thema im DaZ-Unterricht ......................................................... 8
3 Der Baustein „Einbürgerung“: Kompetenzziele und Lerninhalte .................. .10
4 Die Umsetzung des Bausteins „Einbürgerung“ im DaZ-Unterricht ............ 12
4.1 Modul 1 – Die Vorteile .. ...................................................................................................... 14
4.2 Modul 2 – Die rechtlichen Grundlagen .................................................................. 20
4.3 Modul 3 – Porträts ............................................................................................................... 28
4.4 Modul 4 – Das Antragsverfahren ............................................................................... 38
Anhang: Abkürzungen/Literaturverzeichnis ... ........................................................................... 46Vorwort
Der deutsche Pass hat viele Gesichter.
Dieses Motto der Berliner Einbürgerungskampagne bringt das Anliegen auf den Punkt. Es kann nicht im
Interesse einer demokratischen Gesellschaft liegen, wenn ganze Bevölkerungsgruppen von voller gesell-
schaftlicher Teilhabe ausgeschlossen sind.
Das ist aber immer noch der Fall. In manchen Stadtbezirken Berlins hat etwa ein Viertel der Bevölkerung
nur eingegrenzte Rechte, weil ihm die Staatsbürgerschaft fehlt. Damit können die Menschen sich nicht
einmal an Volksentscheiden, geschweige denn Wahlen beteiligen.
Aus diesem Grunde wirbt Berlin seit Jahren für die Einbürgerung. Einbürgerung bedeutet gleiche Rechte
und gleiche Pflichten. Einbürgerung stärkt unsere Demokratie. Das ist im Interesse aller, denn Deutsch-
Sein bestimmt sich längst nicht mehr über Herkunft, Hautfarbe oder Religion.
Ich freue mich, dass die Volkshochschulen dieses Anliegen aufgreifen und das Werben für die Einbür-
gerung unterstützen. Für diese Initiative danke ich allen Beteiligten. Die Volkshochschulen sind wichti-
ge Kooperationspartner: Menschen, die vorhaben, sich einbürgern zu lassen und den deutschen Pass
beantragen wollen, können sich in Kursen auf den Einbürgerungstest vorbereiten. Außerdem bieten die
Volkshochschulen Integrationskurse an. In ihnen können Themen wie Staatsbürgerschaft und Einbürge-
rung vertiefend behandelt werden.
Mit dem vorliegenden Material werden neue Möglichkeiten erschlossen, Fragen rund um Demokratie und
Staatsbürgerschaft in die Sprachkurse zu integrieren. Damit wird Neubürgerinnen und Neubürgern von
Anfang an die klare Botschaft vermittelt: In Berlin hat man verstanden, dass bei Integration ein Schwer-
punkt auch auf die staatsbürgerschaftliche Gleichstellung gesetzt werden muss. Berlin will darum Einbür-
gerung. Berlin hält es für selbstverständlich, dass in einer modernen, weltoffenen Stadt die Bürgerinnen
und Bürger, egal welche ethnischen, kulturellen, religiösen usw. Hintergründe sie besitzen, die gleichen
Rechte haben und mitbestimmen.
Günter Piening
Beauftragter des Senats für Integration und Migration
4„Die Volkshochschulen“, heißt es im Berliner Schulgesetz, „haben die Aufgabe, den Bürgerinnen und
Bürgern im Sinne eines lebensbegleitenden Lernens ein Angebot zu machen, das ihnen die Möglichkeiten
eröffnet, ... sich als Teil von Staat und Gesellschaft zu verstehen und an deren Gestaltung m
itzuwirken.“
Somit ist die Förderung gesellschaftlicher Teilhabe Aller an Staat und Gesellschaft nicht nur selbst ge-
stecktes Ziel, sondern gesetzlicher Auftrag der öffentlich verantworteten Weiterbildung. Vor diesem Hin-
tergrund startete unter dem Titel „Die Berliner Volkshochschulen – Partner für Integration und Einbür-
gerung“ und mit Unterstützung des Berliner Integrationsbeauftragten eine Einbürgerungskampagne in
den Bezirken, deren Ziel es war und ist, unter Migranten für die Einbürgerung zu werben sowie über den
Nutzen von Einbürgerung für Staat und Gesellschaft zu informieren.
Neben einem ganzseitigen Werbeauftritt in allen Berliner Programmheften der Volkshochschulen, einer
Plakatausstellung, die in zwölffacher Ausführung zeitgleich in allen VHS-Häusern gezeigt wurde, und vie-
len dezentralen Informations- Diskussionsveranstaltungen zum Thema in den Bezirken, wurde auch eine
„Fortbildung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Berliner Erwachsenenbildung“ durchgeführt um die
Kursleiterinnen und Kursleiter in Deutsch- und Integrationskursen in die Lage zu versetzen, Einbürgerung
im Unterricht kompetent zu thematisieren.
In diesem Zusammenhang entstand die Idee, „Einbürgerung“ in allen Deutschkursen der Volkshoch-
schule, vor allem auch in den niederschwelligen Deutschkursen für Eltern und Mütter in Schulen und
Kitas zu thematisieren. Da alle vorhandenen Materialien zum Thema sprachlich zu anspruchsvoll für den
Unterricht unterhalb der Niveaustufe B1 waren oder für Jugendliche
konzipiert waren, haben die Volkshochschulen Mitte und Neukölln
das vorliegende didaktisierte Material zum Thema Einbürgerung er-
arbeiten lassen. In der hier vorgelegten Lehrerhandreichung wird die
Informationsbroschüre des Senats „Passt mir!“ zum Ausgangspunkt
für eine kleine Unterrichtsreihe genommen, um so den Kursleiterin-
nen und Kursleitern konkrete Hilfestellungen für den Unterricht an die
Hand zu geben.
Erste Probeläufe mit diesem neuen Material haben gezeigt, dass
es auf sehr großes Interesse unter den Kursteilnehmerinnen und
-teilnehmern stieß und so ermuntern wir alle Lehrkräfte in den ent-
sprechenden Kursen, diese Unterrichtseinheit zum Thema Einbür-
gerung durchzuführen.
Michael Weiß Bernd Müller
Volkshochschule Berlin-Mitte Volkshochschule Berlin-Neukölln
51
Einleitung
Das Thema Einbürgerung wird in der hier vorgelegten „Handreichung für den Deutsch als Zweitsprache
(DaZ)-Unterricht“ aus der Perspektive potentieller Antragsteller/-innen betrachtet, die beim individuellen
oder familiär gesteuerten Entscheidungsprozess für oder gegen eine Einbürgerung und beim Abwägen
der Vor- und Nachteile einer solchen Entscheidung unterrichtlich unterstützt werden sollen. Zum anderen
werden sie konfrontiert mit den Erwartungen und Interessen von Staat und Gesellschaft – hier Sprach-
kenntnisse und Wissenstest-, denen die Einbürgerungsbewerber/-innen gerecht werden müssen. Eine
weitere Ebene des Unterrichts bezieht sich auf den gesamten Prozess des Antragsverfahrens, von der
Antragstellung bis zur Einbürgerungsfeier.
Erwartungen und
Entscheidungsprozess Interessen von Staat Antragsverfahren
und Gesellschaft
Abb. 1: Die Einbürgerung aus der Perspektive potentieller Antragsteller/-innen
Eine solche Herangehensweise ist im DaZ-Unterricht für Erwachsene neu, insbesondere in den Inte-
grationskursen und den Einbürgerungskursen werden die Erwartungen und Interessen von Staat und
Gesellschaft thematisiert, beim „Entscheidungsprozess“ und „Antragsverfahren“ werden die Lernerinnen
und Lerner weitgehend alleine gelassen.
Im hier vorgelegten Konzept wird ein curricularer Baustein für die Erarbeitung des Themas Einbürgerung
entwickelt, in dem Kompetenzziele und Lerninhalte definiert werden, die eben nicht nur die Anforderun-
gen an die Einzubürgernden in den Mittelpunkt stellen, sondern vor allem auch die beiden bislang ver-
nachlässigten Themenbereiche Entscheidungsprozess und Antragstellung lebenspraktisch aufnehmen.
Die sich anschließenden und daraus abgeleiteten Unterrichtsverlaufsskizzen folgen der Idee, die vom
Beauftragten des Berliner Senats für Integration und Migration herausgegebene Broschüre „Passt mir“1
so zu didaktisieren, dass sie für einen Deutschunterricht auf A 2 / B1-Niveau quasi als eine Art „Kursbuch“
eingesetzt werden kann. Als Ergänzung zur genannten Broschüre dient die ebenfalls vom Beauftragten
des Senats für Integration und Migration herausgegebene „Handreichung zur Einbürgerungskampagne.
1 Passt mir: Der Beauftragte des Senats von Berlin für Integration und Migration (Hrsg.), Berlin 2010.
6 1 | EinleitungDer deutsche Pass hat viele Gesichter“ (Lubig-Fohsel, Evelin, Berlin 2009)2, die vor allem für den Un-
terricht mit Jugendlichen konzipiert wurde. Die darin dargestellten Porträts werden für den hier in Rede
stehenden Unterricht mit erwachsenen Deutschlernern und -lernerinnen in vereinfachter und vor allem
gekürzter Form verwendet und didaktisch aufbereitet. Die erwachsenen Kursteilnehmer/-innen haben
dadurch vielfache Identifikationsmöglichkeiten und können so in anschaulicher Weise Lebenslagen und
Motive der Porträtierten mit ihren eigenen vergleichen. Die hier vorgelegten Kopiervorlagen entstammen
daher zum Großteil den Texten und Fotos der beiden genannten Broschüren und sollen zusammen mit
den Verlaufsskizzen für eine Unterrichtseinheit von ungefähr 10 UE zum Thema Einbürgerung den Kurs-
leiterinnen und Kursleitern Hilfe und Unterstützung bei der Planung und Durchführung des Unterrichts
geben, ohne den Anspruch zu erheben, bereits eine detaillierte Unterrichtsfeinplanung darzustellen.
2 Lubig-Fohsel, Evelin: Der deutsche Pass hat viele Gesichter Der Beauftragte des Senats von Berlin für Integration und
Migration (Hrsg.), Berlin 2009.
7 1 | Einleitung2
D
ie Einbürgerung
als Thema im DaZ-Unterricht
Mit der vorliegenden Handreichung soll das Thema Einbürgerung für den Unterricht in „Deutschkursen
für Eltern/Mütter“, die die Berliner Volkshochschulen in Kitas und Schulen durchführen, erschlossen wer-
den. Erste Probeläufe mit diesen Materialien haben uns darin bestätigt, dass das Thema in den Familien
und damit auch im Unterricht auf ein starkes Interesse stößt. Die Materialien können aber auch in allen
anderen Deutschkursen für Menschen, die dauerhaft hier leben wollen, thematisiert werden.
Im Integrationskurs nach AufenthG § 433 und im Einbürgerungskurs4 erscheint das Thema Einbürgerung
zunächst nicht als notwendiger inhaltlicher Bestandteil. Der Integrationskurs, bestehend aus Sprach-
kurs und Orientierungskurs, behandelt an vielen Stellen umfassend Themen aus Politik, Geschichte und
Gesellschaft, also Themen, die für einen zukünftigen deutschen Staatsbürger von Belang sind. Der Ein-
bürgerungskurs wiederum baut auf den Themen des Integrationskurses, hier insbesondere des Orien-
tierungskurses auf, erweitert und vertieft diese und bereitet die Kursteilnehmenden für die Fragen des
Einbürgerungstests vor.
2.1 Das Thema Einbürgerung im Integrationskurs
Der Integrationskurs bezieht sich im Sprachkursteil auf das „Rahmencurriculum für Integrationskurse
Deutsch als Zweitsprache“, das „auftragsgemäß lediglich Lernziele des Sprachkurses“ (Rahmencurri-
culum für Integrationskurse Deutsch als Zweitsprache, 2007, S. 3)5 definiert. Eine Auseinandersetzung
mit dem Thema Einbürgerung ist daher nicht Bestandteil des Sprachkurses, könnte jedoch ohne die
Erreichung des sprachlichen Niveaus aus den Lernzielen in den Handlungsfeldern „übergreifende Kom-
munikation“ des Rahmencurriculums nicht bewältigt werden, da sie grundlegende sprachliche Voraus-
setzungen darstellen, um sich als Antragssteller mit Einbürgerungsfragen beschäftigen, Informationen
einholen, Ämter aufsuchen sowie Formulare ausfüllen zu können.
Zieht man das „Curriculum für einen bundesweiten Orientierungskurs“6 in Fragen der Einbürgerung zu
Rate, ergeben sich aus den Vorgaben an den Orientierungskurs, wie sie in der Integrationskursverord-
nung (IntV)7 definiert sind, sämtliche Lernziele, die sich auf die Erwartungen und Interessen von Staat und
Gesellschaft beziehen.
„Vermittlung von Alltagswissen sowie von Kenntnissen der Rechtsordnung, der Kultur und der Geschich-
te in Deutschland, insbesondere auch der Werte des demokratischen Staatswesens der Bundesrepublik
Deutschland und der Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung, Toleranz und Religionsfrei-
heit“ (§ 3 Abs.1 Nr. 2 IntV).
Der Prozess der Einbürgerung, die Entscheidungsfindung, die Motivation zur Einbürgerung und das
Einbürgerungsverfahren, die in dieser Berliner Handreichung thematisiert werden, werden im gesamten
Curriculum für einen bundesweiten Orientierungskurs thematisch nicht weiter vertieft, zumal es nach den
3 Vgl. Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet
(Aufenthaltsgesetz – AufenthG), verkündet in Artikel I des Gesetzes zur Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung
und zur Regelung des Aufenthalts und der Integration von Unionsbürgern und Ausländern (Zuwanderungsgesetz, BGBl.
2004 I, S. 1950).
4 Vgl. Einbürgerungstestverordnung (EinbTestV) §1 Einbürgerungstest und Einbürgerungskurs, 2008.
5 Vgl. Buhlmann, Rosemarie, Ende, Karin u. a.: Rahmencurriculum für Integrationskurse, Deutsch als Zweitsprache, im
Auftrag des Bundesministeriums des Inneren, Goetheinstitut 2007.
6 Vgl. Curriculum für einen bundesweiten Orientierungskurs, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Hrsg.), Nürnberg
2007.
7 Integrationskursverordnung für Ausländer und Spätaussiedler (IntV) § 10 Grundstruktur des Integrationskurses, 2007.
8 2 | Die Einbürgerung als Thema im DaZ-UnterrichtVorgaben der Integrationskursverordnung auch nicht vorgesehen ist. Nur im Kursabschlussmodul wird
das Thema Einbürgerung als Schlüsselthema aufgegriffen, indem auf die Möglichkeit der Einbürgerung
und das Einbürgerungsverfahren verwiesen werden soll.
2.2 Das Thema Einbürgerung im Einbürgerungskurs
In den übergreifenden Zielvorstellungen des „Rahmencurriculums für den Einbürgerungskurs“ heißt es:
„Der Einbürgerungskurs soll die Einbürgerungsbewerber in die Lage versetzen, ihre staatsbürgerlichen
Rechte und Pflichten erkennen und aktiv wahrnehmen zu können“ (Rahmencurriculum für den Einbür-
gerungskurs, S. 144)8.
Dabei baut der Einbürgerungskurs auf den Themen des Orientierungskurses auf und erweitert und ver-
tieft sie mit Blick auf staatsbürgerliche Handlungsmöglichkeiten9. Das Einführungsmodul I setzt fest, aus
welchem Blickwinkel die Einbürgerung im Einbürgerungskurs betrachtet werden soll. Darin werden die
übergeordneten Lernziele und Schlüsselthemen definiert als Erwartungen und Interessen des deutschen
Staates und der Gesellschaft, die mit der Einbürgerung, der deutschen Staatsangehörigkeit sowie dem
Einbürgerungskurs verbunden werden10. Hierzu dienen Modul II „Leben in der Demokratie“, Modul III
„Geschichte und Verantwortung“ und Modul IV „Mensch und Gesellschaft“. Im Abschlussmodul soll das
weitere Verfahren besprochen und auf die Einbürgerungsfeier aufmerksam gemacht werden11.
2.3 Ein positives Einbürgerungsklima: Was fehlt in den Integrations-
und Einbürgerungskursen?
Die Vermittlung der gesellschaftlichen Erwartungen an die Eingebürgerten allein wird nicht ausreichen, ein
positives Einbürgerungsklima zu erzeugen. Was fehlt, ist die Perspektive der Migrantinnen und Migranten
selbst, die ihre lebensbestimmende Entscheidung, einen Einbürgerungsantrag zu stellen oder nicht zu
stellen, vor dem Hintergrund höchst unterschiedlicher Lebenssituationen, Lebensgeschichten und Zu-
kunftschancen, besetzt von Hoffnungen und Ängsten, zu fällen haben. „Was immer für oder gegen den
deutschen Pass spricht – es sind vor allem individuelle Entscheidungen von Menschen“12 (Topcu, 2007,
S. 13).
Das Thema Einbürgerung im Unterricht kann und sollte an diesen individuellen Entscheidungen an
knüpfen. Dabei sind der „individuelle Entscheidungsprozess“ und das „Antragsverfahren“, wie in Abb. 1
beschrieben, durchaus geeignete Ebenen, auf denen die individuell ablaufenden Prozesse von Migran-
tinnen und Migranten unterstützt und begleitet werden können. Es bietet sich daher an, sie bereits im
Sprachkursteil der Deutschkurse zu verankern.
8 Vgl. Einbürgerungstestverordnung (EinbTestV), Anlage 2: Rahmencurriculum für den Einbürgerungskurs, S. 144.
9 Vgl. Einbürgerungstestverordnung (EinbTestV), Anlage 2: Rahmencurriculum für den Einbürgerungskurs, S. 144.
10 Vgl. Einbürgerungstestverordnung (EinbTestV), Anlage 2: Rahmencurriculum für den Einbürgerungskurs, S. 151.
11 Vgl. Einbürgerungstestverordnung (EinbTestV), Anlage 2: Rahmencurriculum für den Einbürgerungskurs, S. 174.
12 Vgl. Topcu, Canan: EinBÜRGERung, Lesebuch über das Deutsch-Werden. Portraits, Interviews, Fakten. 1. Aufl.,
Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2007.
9 2 | Die Einbürgerung als Thema im DaZ-Unterricht3
D
er Baustein „Einbürgerung“:
Kompetenzziele und Lerninhalte
Im nachfolgend und in Tabellenform dargestellten Baustein „Einbürgerung“ wurden zunächst in der linken
Spalte die Kompetenzziele – in Form von can-do-Beschreibungen – festgelegt, die die Kursteilnehmerin-
nen und Kursteilnehmer am Ende der Unterrichtseinheiten und -abschnitte erreicht haben sollen. In
einem nächsten Schritt (zweite Spalte) wurden die Inhalte definiert (Lerninhalte), die als Voraussetzung
notwendig sind, um diese Kompetenzziele zu erreichen.
Um die Ebenen „Entscheidungsprozess“ und „Antragsverfahren“ im Unterricht behandeln zu können,
werden vier aufeinander aufbauende Kompetenzziele beschrieben. Dabei wurde der individuelle Enst-
cheidungsprozess für oder gegen eine Einbürgerung anhand von drei Kompetenzzielen unterstützt und
angeregt, das Antragsverfahren dagegen mit der Erreichung eines Kompetenzziels abgedeckt:
Zunächst scheint es notwendig, dass die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer die Bedeutung der
Vorteile einer Einbürgerung für sich einschätzen können. Ist ihr Interesse an einer Einbürgerung geweckt,
geht es im zweiten Kompetenzziel um die Frage der Beurteilung, ob für sie selbst oder eine ihnen nahe-
stehende Person, beispielsweise aus dem engeren Familienkreis, aus rechtlicher Sicht eine Einbürgerung
in Frage kommt. Das dritte Kompetenzziel baut auf der Frage auf, wie die Teilnehmenden eine eigene
Position für oder gegen eine Einbürgerung entwickeln können. Wer sich für eine Einbürgerung entschie-
den hat, lernt einen Einbürgerungsantrag (im vierten Kompetenzziel) zu stellen.
Kompetenzziel 1
Die TN können die Bedeutung der Vorteile einer Einbürgerung einschätzen.
Kompetenzziel 2
Die TN können beurteilen, ob für sie oder eine andere Person rechtlich eine Einbürgerung
in Frage kommt.
Kompetenzziel 3
Die TN können eine begründete Position zum Thema Einbürgerung bilden.
Kompetenzziel 4
Die TN können einen Einbürgerungsantrag stellen.
Abb 2: Die Kompetenzziele im Baustein „Einbürgerung“
10 3 | Der Baustein „Einbürgerung“: Kompetenzziele und LerninhalteBaustein: Einbürgerung
Umfang ca. 10 UE
Die TN können Das beinhaltet:
die Bedeutung der Vorteile nndas Wissen um Vorteile der deutschen Staatsangehörigkeit,
einer Einbürgerung insbesondere
einschätzen. ooWahlrecht
ooFreizügigkeit innerhalb der EU
oofreie Berufswahl
ooErleichterung bei Familiennachzug und bei Einbürgerung
Angehöriger
ooSchutz vor Ausweisung und Auslieferung
ooSchutz durch die sozialen Systeme (Bafög, Ausbildungshilfe
etc.)
nndie Fähigkeit, die Relevanz der Vorteile einer Einbürgerung zu
reflektieren
beurteilen, ob für sie oder nndie Kenntnis elementarer Begriffe aus dem Aufenthaltsrecht
eine andere Person der z. B. „befristeter, unbefristeter Aufenthaltstitel“, „gesicherter
Erwerb der deutschen Aufenthaltsstatus, „Niederlassungserlaubnis“, „Erlaubnis zum
Staatsangehörigkeit Daueraufenthalt-EG“
durch Geburt oder durch nndie Kenntnis der rechtlichen Grundlagen von Anspruchs-
Einbürgerung in Frage kommt. und Ermessenseinbürgerung
nndie Kenntnis der wesentlichen rechtlichen Grundlagen des
Staatsangehörigkeitsgesetzes (StAG):
ooErwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Geburt
(§ 4 Absatz 3 StAG) – Optionsregelung (§ 29 StAG)
ooErwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch
Einbürgerung § 10 Absatz1 StAG mit den Voraussetzungen:
–– achtjähriger regelmäßiger Aufenthalt in Deutschland, in
bestimmten Fällen genügen sieben bzw. sechs Jahre (§ 10
Abs. 3 StAG, weitere Privilegierung von Ehepartnern und
Kindern möglich; gesicherter Aufenthaltsstatus
–– wirtschaftliche Unabhängigkeit, d. h. Bestreitung des
Lebensunterhalts ohne staatliche Hilfen (d. h. ohne
Sozialhilfe/Arbeitslosengeld II); Ausnahmen sind in
besonderen Fällen (z. B. Ausbildung) möglich
–– ausreichende Deutschkenntnisse
–– Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung sowie
der Lebensverhältnisse in Deutschland
–– Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung
Deutschlands
–– Straffreiheit (keine erhebliche Verurteilung)
–– Aufgabe der alten Staatsbürgerschaft
eine eigene begründete nndas Wissen um die Diversität von Migrationshintergründen und
Position zum Thema Einbürgerungs-bedingungen
Einbürgerung bilden. nndie Kenntnis unterschiedlicher Motive für die Einbürgerung
nndie Fähigkeit, Argumente für die Einbürgerung nachvollziehen
zu können
einen Einbürgerungsantrag nndie Kenntnis der Grundzüge des Antragsverfahrens,
stellen. insbesondere um das Wissen,
oower den Antrag stellen kann
oowelcher Antrag gestellt werden muss und welche Unterlagen
erforderlich sind
oowelche Behörde zuständig ist und entscheidet
oowie viel die Einbürgerung kostet
oowie lange das Antragsverfahren dauert
nndie Fähigkeit, den „Antrag auf Einbürgerung“ auszufüllen
11 3 | Der Baustein „Einbürgerung“: Kompetenzziele und Lerninhalte4
D
ie Umsetzung des Bausteins „Einbürgerung“
im DaZ-Unterricht
Der dargestellte Baustein „Einbürgerung“ wird für die Umsetzung im Sprachunterricht – wie in Abbil-
dung 3 dargestellt – entlang der vier definierten Kompetenzziele in vier Module untergliedert:
Modul 1 – Die Vorteile
Modul 2 – Die rechtlichen Grundlagen einer Einbürgerung
Modul 3 – Porträts
Modul 4 – Das Antragsverfahren
Dabei ist der gesamte Baustein mit einem Umfang von ca. 10 UE (1 UE umfasst 45 Minuten) für einen
Einsatz im Sprachkurs auf A 2 / B1 Niveau konzipiert. Wieviel Zeitaufwand im Unterricht für das einzelne
Modul notwendig ist, hängt von der Kursteilnehmerstruktur, dem vorhandenen Vorwissen und nicht zu-
letzt vom Interesse der Kursteilnehmenden am Thema Einbürgerung ab.
Folgende Module werden unterschieden:
Modul 1 Modul 2 Modul 3 Modul 4
Kompetenzziel 1 Kompetenzziel 2 Kompetenzziel 3 Kompetenzziel 4
Vorteile Rechtliche Porträts Antrags-
Grundlagen verfahren
Abb. 3: Die vier Module zum Baustein „Einbürgerung“
Die in der vorliegenden Handreichung gewählte Abfolge der Behandlung des Bausteins „Einbürgerung“
im Unterricht ist nicht unbedingt in der vorgeschlagenen Weise einzuhalten. Sicher bietet es sich an, die
Bedeutung der Vorteile, wie sie das Kompetenzziel 1 fordert, an den Anfang der Unterrichtseinheit zu
setzen, um das Interesse der Teilnehmenden am Thema zu wecken. Allerdings können Modul 2 „Die
rechtlichen Grundlagen“ und Modul 3 „Porträts“ in der Reihenfolge vertauscht werden. Ob die Teilneh-
menden im Anschluss an die „Vorteile einer Einbürgerung“ als nächsten Schritt beurteilen lernen, ob für
sie rechtlich eine Einbürgerung in Frage kommt (siehe Kompetenzziel 2), oder ob sie zunächst auf der
Grundlage von porträtierten Antragstellenden erst eine eigene begründete Position zum Thema Einbür-
gerung erarbeiten (siehe Kompetenzziel 3), ist der Entscheidung des jeweiligen Kursleitenden überlassen.
Das Antragsverfahren (Modul 4) sollte auf jeden Fall ans Ende einer Behandlung des Themas Einbürge-
rung im Sprachunterricht gestellt werden.
Ebenso wie eine mögliche Vertauschung in der Abfolge einzelner Module kann auch der Kursleitende
entscheiden, ob der Baustein „Einbürgerung“ als kompakte Unterrichtseinheit mit einem Umfang von
ungefähr 10 UE behandelt wird, oder ob es in der jeweiligen Kursstruktur sinnvoller erscheint, die Module
einzeln, mit einem größeren zeitlichen Abstand versehen, im Unterricht zu bearbeiten.
12 4 | Die Umsetzung des Bausteins „Einbürgerung“ im DaZ-UnterrichtIm Folgenden wird beispielhaft dargestellt, an welchen Stellen in einem der einschlägigen Kursbücher ein
solcher Baustein „Einbürgerung“ auf A 2- und B1-Niveau passend verankert werden könnte. Als Beispiel
wurde das Lehrwerk „Schritte plus“13 aufgelistet und es wurde aufgeführt, an welchen Stellen Anknüp-
fungspunkte gegeben sind. Eine Zuordnung zu anderen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
zugelassenen Lehrwerken ist selbstverständlich auch möglich, darauf wurde hier aus Platzgründen ver-
zichtet.
Lehrerhandbuch zu Lektion Lernziel des Lehrwerks (ausgewählte Teile) Kompetenzziel
Schritte plus 3 L5 Die TN können am Telefon Auskunft einholen. 4
L6 Die TN können Gefühle ausdrücken und ihre Meinung sagen. 1, 3
L6 Die TN können mit Hilfe einer Vorlage einen Lebenslauf 4
schreiben.
L6 Die TN können in einem Beratungsgespräch auf einfache Fragen 4
Auskunft geben.
Schritte plus 4 L8 Die TN können über Wünsche sprechen. 1, 3
L9 Die TN können Gegenstände, Personen usw. miteinander 3
vergleichen.
L 10 Die können unpersönliche Sachverhalte verstehen. 2
L 10 Die TN können ihre Meinung ausdrücken. 1, 3
Schritte plus 5 L2 Die TN können Personen näher beschreiben. 3
L4 Die TN können nachfragen, wenn Sie etwas nicht verstehen. 4
L4 Die TN können etwas begründen. 1, 2, 3
L4 Die TN können über die Wichtigkeit von Sprachkenntnissen 2, 4
sprechen.
Schritte plus 6 L 11 Die TN können über ihre Erfahrungen in der Fremde berichten. 1, 2, 3
L 12 Die TN können ein Problem beschreiben und um Hilfe bitten. 2, 4
L 12 Die TN können über eigenes Engagement sprechen. 1
L 12 Die TN können sich über Beratungsangebote informieren. 4
L 13 Die TN können politische Entscheidungen kommentieren und 1
vergleichen.
L 14 Die TN können über persönliche Zukunftswünsche sprechen. 1, 3, 4
L 14 Die TN können Wissen zu einem Thema sammeln. 1, 2
Die im Nachfolgenden dargestellten Verlaufsskizzen für den Unterricht und die dazugehörenden Kopier-
vorlagen können jeweils als in sich abgeschlossene Einheiten betrachtet werden und daher durchaus
auch mit einer zeitlichen Verzögerung im Unterricht verankert werden. Durch einen vielfältigen Methoden-
und Sozialformwechsel in den vorgeschlagenen Unterrichtsplänen lässt sich der Baustein aber auch
abwechslungsreich als kompakte Unterrichtseinheit gestalten.
13 Schritte plus, Band 3 – 6, Deutsch als Fremdsprache, Lehrerhandbuch, Hueber Verlag, 2010.
13 4 | Die Umsetzung des Bausteins „Einbürgerung“ im DaZ-Unterricht4.1 Modul 1 Die Vorteile
Kompetenzziel 1:
Die TN können die Bedeutung der Vorteile einer Einbürgerung einschätzen.
Das beinhaltet:
nn das Wissen um die Vorteile der deutschen Staatsangehörigkeit, insbesondere
oo Wahlrecht
oo Freizügigkeit innerhalb der EU
oo freie Berufswahl
oo Erleichterung bei Familiennachzug und bei Einbürgerung Angehöriger
oo Schutz vor Ausweisung und Auslieferung
oo Schutz durch die sozialen Systeme (Bafög, Ausbildungshilfe etc.)
nn die Fähigkeit, die Relevanz der Vorteile einer Einbürgerung zu reflektieren
Verlaufsskizze:
Aktivitäten / Material/
Methodische Hinweise
Sozialformen Medien
Die methodische Vorgehensweise in Modul 1 ist
so angelegt, dass sich die TN auf der Grundlage
eines positives Einbürgerungsklimas in Deutschland
mit der Bedeutung der Vorteile einer Einbürgerung
auseinandersetzen können.
1 Einstieg im Plenum: nn
OHP Es ist empfehlenswert, die gesamte Unterrichtseinheit zum
KL zeigt Folie von Kopiervorlage nn
Folie von Thema Einbürgerung von hinten her aufzuziehen. Das Bild,
M 1/ KV 1: M 1/ KV 1 das die Freude eines Eingebürgerten über den Erhalt des
„Was sehen Sie? Beschreiben Sie.“ deutschen Passes widerspiegelt, soll die TN in eine positive
Grundstimmung versetzen und ihr Interesse an den Vorteilen
einer Einbürgerung wecken.
Sollte der Begriff „Einbürgerung“ von den TN nicht genannt
werden, ergänzt der KL diesen.
Alternativ: Als Einstieg kann auch mit den TN ein Wortigel zum
Thema Einbürgerung an der Tafel als Brainstorming erarbeitet
werden.
2 Partnerarbeit: nn
M 1/ KV 2 Die TN werden über die authentische Äußerung eines
Jedes Paar erhält die Kopiervorlage nn
Folie von in Deutschland Eingebürgerten weiter an das Thema
M 1/ KV 2 mit dem Auftrag: M 1/ KV 2 herangeführt. Über die Vorteile einer Einbürgerung wird das
„Bitte lesen Sie den Text und im Einstieg angerissene Thema weiter verfolgt und das
ergänzen Sie die Tabelle!“ Interesse am Thema Einbürgerung kann weiter geweckt
werden. Dabei spielt es noch keine Rolle, dass noch nicht alle
Ergebnisse der Partnerarbeit werden
Vorteile im Text genannt werden, sondern wichtig ist, dass
im Plenum besprochen, KL ergänzt
die TN zunächst die von einer Person genannten Vorteile für
Tabelle auf der Folie von M 1/ KV 2.
eine Einbürgerung erfahren.
Gegebenenfalls Vorentlastung unbekannter Wörter im Text.
14 4.1 Modul 1 Die VorteileVerlaufsskizze:
Aktivitäten / Material/
Methodische Hinweise
Sozialformen Medien
3 Gruppenarbeit: nn
M 1/ KV 3 Die TN erhalten einen Gesamtüberblick über die Vorteile einer
KL verteilt an alle Gruppen nn
leere Einbürgerung. Die individuelle Einschätzung der einzelnen
umgedreht auf dem Tisch einen DIN-A3- Vorteile kann durch die Argumentationen der anderen
Kartensatz von M 1/ KV 3 mit den Blätter, Gruppenmitglieder weiter fundiert werden.
Vorteilen einer Einbürgerung sowie Kleber, Durch das Ranking werden die TN angeregt, sich damit
ein leeres DIN-A3-Blatt und Kleber: nn
Pin-Wand auseinanderzusetzen, welche Relevanz die einzelnen Vorteile
„Bitte drehen Sie der Reihe nach einer Einbürgerung tatsächlich für sie haben. Dabei gibt es
ein Kärtchen um und diskutieren in kein „richtiges“ oder „falsches“ Ranking.
der Gruppe, welche Bedeutung die
Gegebenenfalls Vorentlastung unbekannter Wörter.
einzelnen Aussagen für Sie haben.“
„Bringen Sie die Kärtchen dann
in eine Reihenfolge: Was ist am
wichtigsten, was am zweitwichtigsten
usw. Kleben Sie die Kärtchen in der
Reihenfolge auf das DIN-A3-Blatt.“
Zur Ergebnissicherung werden die Der KL sollte bei der Präsentation der Ergebnisse darauf
DIN-A3-Blätter an der Pin-Wand achten, dass nicht der Eindruck bei den TN entsteht, es gäbe
befestigt und die Ergebnisse von ein „richtiges“ oder „falsches“ Ranking.
einem Gruppenmitglied vorgetragen.
15 4.1 Modul 1 Die VorteileDie Vorteile
16 4.1 Modul 1 Kopiervorlage 1Die Vorteile
Rami Nasser aus Katar
Ich habe in Deutschland die meiste Zeit
meines bisherigen Lebens verbracht, ich bin
hier aufgewachsen, bin mit dem Leben hier
vertraut, habe hier meinen Lebensmittelpunkt
und mir eine Existenz aufgebaut. Der Pass ist
ein Zeichen der Akzeptanz, dass wir angekommen
sind. Aber unabhängig davon sind die Vortei
le eines deutschen Passes nicht zu übersehen:
er ist ein Stück Papier, das mir Sicherheit
bietet. Wenn ich etwas leasen möchte, ein Auto
z. B., dann lege ich meinen deutschen Pass hin
und dann ist das in Ordnung. Wenn ich ver
reisen möchte, brauche ich kein Extradokument,
30 Jahre alt,
ich muss nicht alle zwei/drei Jahre zur
Computerspezialist
Ausländerbehörde. Ich bin viel entspannter,
wenn ich mit meinem deutschen Pass die Polizei
sehe. Der deutsche Pass macht das Leben
einfacher.
Was wissen Sie über Rami Nasser?
Lesen Sie bitte den Text und ergänzen Sie die Tabelle.
Familienname
Vorname
Geburtsort
Alter
Beruf
Wie lange lebt er in Deutschland?
Welche Vorteile hat für ihn
der deutsche Pass, d. h.
die deutsche Staatsbürgerschaft?
17 4.1 Modul 1 Kopiervorlage 2Die Vorteile
✁
Mitbestimmen, wer in Deutschland regiert
Nicht mehr zur Ausländerbehörde müssen
Frei in der Europäischen Union reisen können
und sogar noch weiter nach Island, Liechtenstein,
Norwegen und die Schweiz)
Keine Visa mehr beantragen für viele andere Staaten
außerhalb Europas
Freier Zugang zu allen Berufen
Umfassender Schutz vor Ausweisung
Gleichberechtigter Schutz durch die Systeme
der sozialen Sicherung
Wählen und gewählt werden
18 4.1 Modul 1 Kopiervorlage 34.2 Modul 2 Die rechtlichen Grundlagen
Kompetenzziel 2:
ie TN können beurteilen, ob für sie oder eine andere Person der Erwerb der deutschen
D
Staatsangehörigkeit durch Geburt oder durch Einbürgerung in Frage kommt.
Das beinhaltet:
nn die Kenntnis elementarer Begriffe aus dem Aufenthaltsrecht z. B. „befristeter, unbefristeter
Aufenthaltstitel“, „gesicherter Aufenthaltsstatus, „Niederlassungserlaubnis“, „Erlaubnis zum
Daueraufenthalt-EG“
nn die Kenntnis der rechtlichen Grundlagen von Anspruchs- und Ermessenseinbürgerung
nn die Kenntnis der wesentlichen rechtlichen Grundlagen des Staatsangehörigkeitsgesetzes (StAG):
oo Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Geburt (§ 4 Absatz 3 StAG) – Optionsregelung
(§ 29 StAG)
oo Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung § 10 Absatz1 StAG mit den
Voraussetzungen:
–– achtjähriger regelmäßiger Aufenthalt in Deutschland, in bestimmten Fällen genügen sieben
bzw. sechs Jahre (§ 10 Abs. 3 StAG, weitere Privilegierung von Ehepartnern und Kindern
möglich; gesicherter Aufenthaltsstatus
–– wirtschaftliche Unabhängigkeit, d. h. Bestreitung des Lebensunterhalts ohne staatliche Hilfen
(d. h. ohne Sozialhilfe/Arbeitslosengeld II); Ausnahmen sind in besonderen Fällen
(z. B. Ausbildung) möglich
–– ausreichende Deutschkenntnisse
–– Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung sowie der Lebensverhältnisse
in Deutschland
–– Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung Deutschlands
–– Straffreiheit (keine erhebliche Verurteilung)
–– Aufgabe der alten Staatsbürgerschaft
Verlaufsskizze:
Aktivitäten / Material/
Methodische Hinweise
Sozialformen Medien
Wichtig ist, dass die TN den Bezug zwischen den
gesetzlichen Voraussetzungen und Grundlagen für eine
Einbürgerung auf der einen Seite, ihrer Person oder einem
Familienmitglied auf der anderen Seite herstellen können.
Sie sollen einerseits in der Lage sein, festzustellen,
welche Voraussetzungen sie bereits erfüllen, und
andererseits reflektieren, ob sie zur Abgabe ihrer alten
Staatsbürgerschaft bereit sind.
1 Einstieg im Plenum: nn
Tafel Vermutlich nennen die TN „befristeter Aufenthaltstitel“ und evt.
KL schreibt „Aufenthaltstitel“ in die auch, wie lange dieser Gültigkeit hat. Sicherlich gibt es auch
Mitte der Tafel und rechts und links TN, die ihren Pass nicht dabei haben oder keine Angaben aus
daneben „befristet“ und „unbefristet“ ihrem Pass vorlesen wollen, was unbedingt akzeptiert werden
und bittet die TN: sollte.
„Bitte schauen Sie in Ihren Pass.
Welchen Aufenthaltstitel haben Sie?“
19 4.2 Modul 2 Die rechtlichen GrundlagenVerlaufsskizze:
Aktivitäten / Material/
Methodische Hinweise
Sozialformen Medien
2 Einzelarbeit: nn
M 2/KV 1 Durch die für die TN vertrauten Bilder aus Pässen, können die
KL verteilt M 2/ KV 1 und sagt: sehr komplexen Begrifflichkeiten rund um den Aufenthaltstitel
„Schauen Sie sich bitte die eingeführt werden.
3 Bilder an und ordnen sie diese
den Aussagen zu.“
Besprechung der Ergebnisse im
Plenum.
KL: „Bei welchem Aufenthaltsstatus nn
Tafel Die elementaren Begriffe aus dem Bereich Aufenthaltsrecht wie
hat man einen befristeten oder z. B. „Niederlassungserlaubnis“ können durch ein gemeinsam
unbefristeten Aufenthaltstitel?“ erarbeitetes Tafelbild systematisiert und auf Nachfrage noch
KL ergänzt das Tafelbild auf Zuruf näher erklärt werden. Die Erklärungen sollten nicht zu detailliert
der TN. erfolgen, wichtig ist die jeweilige Zuordnung zu „befristet“ und
„unbefristet“.
Bitten Sie die TN das Tafelbild in ihr Heft zu übertragen.
3 Partnerarbeit: nn
M 2/ Die komplizierten rechtlichen Grundlagen der Einbürgerung
KL verteilt Kopiervorlage M 2/ KV 2 a KV 2 a werden in Form eines Quiz behandelt. Das ist motivierend
an alle Paare und sagt: „Bitte und für die TN leichter, als einen schwierigen Text bearbeiten
machen Sie das Quiz. Welche zu müssen. Das Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen
Antworten sind richtig?“ Grundordnung wird an dieser Stelle nur genannt, da dieses
ausführliches Thema des Orientierungskurses ist.
Die Ergebnisse werden im Plenum
Fragen der TN zu den einzelnen Quizfragen kann der KL
besprochen.
im Plenum beantworten.
KL verteilt M 2/KV 2 b an die Paare nn
M 2/ Die schematische Darstellung der rechtlichen Voraussetzungen
und sagt: „Bitte schneiden Sie die KV 2 b zur Einbürgerung erleichtert den TN, die nächste Aufgabe
richtigen Antworten aus und kleben nn
Schere, zu bearbeiten.
Sie die Karten auf das Blatt.“ Kleber
4 Gruppenarbeit: nn
M 2/ Die Überlegungen von einbürgerungswilligen Migranten und
KL verteilt an jede Gruppe einen KV 2 b, Migrantinnen, ob sie die Voraussetzungen für eine Einbürgerung
Text von M 2/ KV 3 a und eine Kopie 3 a, 3 b erfüllen oder nicht, versetzt die TN in die Lage, die Situation
von M 2/ KV 3 b: „Bitte kleben Sie des Fragenden mit den zuvor gelernten rechtlichen Grundlagen
ihren Text in die Kopie und beurteilen abzugleichen und zu einer eigenen Beurteilung zu gelangen.
Sie, ob diese Person eingebürgert Anhand des Schemas aus Kopiervorlage M 2/ KV 2 b können
werden kann. Schreiben Sie, welche die TN erkennen, welche Voraussetzungen zur Einbürgerung
Voraussetzungen gegebenenfalls die von ihnen zu bearbeitenden Personen erfüllen und welche
noch fehlen. Nehmen Sie das ihnen noch fehlen.
Schema der letzten Aufgabe zu Sehr geübte TN können auch mehrere Texte bearbeiten.
Hilfe.“
Alternativ: Die Übung kann auch in Partnerarbeit durchgeführt
Die Gruppen präsentieren ihre werden. Jeweils zwei Paare bekommen denselben Text und
Ergebnisse im Plenum, indem vergleichen danach ihre Ergebnisse.
sie die Situation der betroffenen
Person vorstellen und die anderen
TN im Plenum befragen, wie sie die
Situation beurteilen würden.
5 Partnerarbeit: nn
M 2/ Die Partnerarbeit soll den TN dabei helfen, gemeinsam
KL verteilt nochmals M 2/ KV 3 b und KV 3 b mit dem/der Partner/-in zu beurteilen, ob für ihn/sie eine
sagt: „Bitte stellen Sie ihrem Partner Einbürgerung formal in Frage kommt, welche Voraussetzungen
die Fragen 1– 6 der letzten Kopie bereits erfüllt bzw. welche noch nicht erfüllt sind.
und beurteilen Sie, ob für ihn eine
Da die Fragen teilweise sehr persönlich sind, sollte darauf
Einbürgerung in Frage kommt.
hingewiesen werden, dass nicht alle Fragen im Interview
beantwortet werden müssen.
Die TN sollten die Kopie mit ihren Antworten mit nach
Hause nehmen, um sie evtl. bei späteren Überlegungen zur
Einbürgerung zur Hand zu haben.
20 4.2 Modul 2 Die rechtlichen GrundlagenDie rechtlichen Grundlagen
Bild A
Bild C
Bild B
Welches Bild passt? Kreuzen Sie an!
(Es können auch 2 Antworten richtig sein.)
Aussage Bild A Bild B Bild C
Die Person hat eine Niederlassungserlaubnis.
Die Person hat einen befristeten Aufenthaltstitel.
Die Person hat eine Aufenthaltserlaubnis zum Studieren
nach § 16 Abs. 1 Aufenthaltsgesetz (AufenthG).
Sie kann sich deshalb nicht einbürgern lassen.
Die Person hat eine Niederlassungserlaubnis.
Eine Niederlassungserlaubnis ist immer unbefristet.
Die Person hat einen unbefristeten Aufenthaltstitel,
d. h. einen gesicherten Aufenthaltsstatus.
Die Person hat zwar eine befristete Aufenthaltserlaubnis,
die aber kein Hindernis für eine Einbürgerung ist.
Einen unbefristeten Aufenthaltstitel haben Personen
mit Niederlassungserlaubnis oder einer Erlaubnis zum
Daueraufenthalt-EG.
21 4.2 Modul 2 Kopiervorlage 1Die rechtlichen Grundlagen
Quiz: Was ist richtig? Kreuzen Sie an!
Wer Deutscher werden will, …
✁ … muss in der Regel einen
unbefristeten Aufenthaltstitel haben … muss ausreichende
und sich seit mindestens acht Jahren Deutschkenntnisse besitzen
rechtmäßig in Deutschland und nachweisen können.
aufhalten.
… muss in Deutschland geboren sein … muss sich, wenn er in Deutschland
und beide Elternteile müssen geboren ist, spätestens mit 18 Jahren
die deutsche Staatsbürgerschaft für eine, d. h. für die deutsche
besitzen. Staatsbürgerschaft entscheiden.
… darf nicht kriminell sein und
… muss viele Freunde
wegen einer schweren Tat verurteilt
in Deutschland haben,
worden sein. Kleine Straftaten, z. B.
die schon eingebürgert sind.
Diebstahl, sind kein Problem.
… muss in der Regel seine alte
Staatsbürgerschaft aufgeben und … muss jedes Jahr zur
seinen Lebensunterhalt selbst Ausländerbehörde gehen.
verdienen.
… muss einen Einbürgerungstest
bestehen und sich zur freiheitlich- … muss in Deutschland zur Schule
demokratischen Grundordnung gegangen sein oder in Deutschland
bekennen. studieren.
22 4.2 Modul 2 Kopiervorlage 2 aDie rechtlichen Grundlagen
Kleben Sie die 6 richtigen Antworten ein!
hier einkleben
hier einkleben
hier einkleben
Wer Deutscher werden will, ...
hier einkleben
hier einkleben
hier einkleben
23 4.2 Modul 2 Kopiervorlage 2 bDie rechtlichen Grundlagen
✁
Adrian
Ich komme aus Rumänien und bin in Deutschland seit 2002.
Ich war diese Woche bei der Ausländerbehörde und habe mir
eine Daueraufenthaltsbescheinigung-EU ausstellen lassen.
Ich habe sie sofort bekommen. Ich habe mich sehr gefreut, weil es
bei einem Freund viel länger gedauert hat. Ich arbeite seit 6 Jahren,
bin bei einer großen Firma angestellt.
Kann ich mich einbürgern lassen?
Kadem
Ich bin Türke, aber in Deutschland geboren.
Meine Aufenthaltserlaubnis gilt nur noch bis Ende des Jahres.
Ich wollte in den nächsten Tagen einen Antrag auf Einbürgerung stellen.
Aber ich wurde wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis angeklagt,
höchstwahrscheinlich wird es zu keiner Verurteilung kommen,
vielleicht aber zu erzieherischen Maßnahmen oder Sozialstunden.
Kann ich mich trotzdem einbürgern lassen?
Berkan
Ich bin Ägypter. Ich studiere im 4. Semester und lebe seit 5 Jahren
in Deutschland. Ich habe ein großes Interesse daran, hier zu leben und
Deutscher zu werden.
Mein Wunsch war so groß, dass ich die deutsche Sprache
neben der Schule zu Hause in Ägypten gelernt habe.
Meine deutschen Freunde halten mein Deutsch für sehr gut.
Meine Frage ist: Kann ich mich auch als Student einbürgern lassen?
Ivana
Ich bin Kroatin, 48 Jahre und lebe seit 30 Jahren in Deutschland.
Ich bin seit 9 Jahren mit einem deutschen Mann verheiratet und
ich bin von der ersten Klasse an in Deutschland zur Schule gegangen.
Ich habe hier auch Pädagogik studiert.
Ich habe einen unbefristeten Aufenthaltstitel.
Reicht das für eine Einbürgerung?
24 4.2 Modul 2 Kopiervorlage 3 aDie rechtlichen Grundlagen
… Kleben Sie hier den Text ein …
Kann er/sie sich einbürgern lassen? Lesen Sie den Text.
Name:
1. Wie lange lebt er/sie in Deutschland?
2. Welchen Aufenthaltstitel hat er/sie?
3. Welche Deutschkenntnisse kann er/sie
nachweisen?
4. Welche Kenntnisse der Rechts- und
Gesellschaftsordnung kann er/sie nachweisen?
5. Ist er/sie wegen einer schweren rechtswidrigen
Tat zu einer Strafe verurteilt worden?
6. Kann er/sie für den Lebensunterhalt selbst
aufkommen?
Kann er/sie sich einbürgern lassen? Begründen Sie.
ja, warum?
nein, warum nicht?
Was muss er/sie für eine Einbürgerung noch tun oder nachweisen?
Diskutieren Sie bitte in der Gruppe und schreiben Sie.
Er/sie muss noch
25 4.2 Modul 2 Kopiervorlage 3 b4.3 Modul 3 Porträts
Kompetenzziel 3:
Die TN können eine eigene begründete Position zum Thema E
inbürgerung b
ilden.
Das beinhaltet:
nn das Wissen um die Diversität von Migrationshintergründen und Einbürgerungsbedingungen
nn die Kenntnis unterschiedlicher Motive für die Einbürgerung
nn die Fähigkeit, Argumente für die Einbürgerung und die Entscheidung Eingebürgerter
nachvollziehen zu können
Verlaufsskizze:
Aktivitäten / Material/
Methodische Hinweise
Sozialformen Medien
Die Arbeit mit den Porträts ermöglicht es den TN,
vielfältige Migrationshintergründe und Motive für
eine Einbürgerung kennenzulernen, diese mit ihrer
eigenen Situation zu vergleichen sowie einen eigenen
Standpunkt zu einer Einbürgerung zu entwickeln.
1 Einstieg im Plenum: nn
Folie Die Fotos ermöglichen den TN einen ersten Zugang
KL zeigt das 1. Foto auf Folie von von M 3/ zu den Lesetexten, d. h. zu den Porträts. Indem die
M 3/ KV 1 a (2. Bild bleibt noch KV 1 a TN Vermutungen über mögliche Einbürgerungsgründe
abgedeckt) und fragt: nn
OHP der Personen anstellen, wird ihr Vorwissen aktiviert
„Diese Person hat sich einbürgern und gleichzeitig die Neugier auf die tatsächlichen
lassen. Was denken Sie: Migrationshintergründe und Beweggründe der Personen
Woher kommt diese Person? geweckt.
Warum hat sie sich einbürgern
lassen?“
KL schreibt die Vermutungen der TN
neben das Foto.
KL verfährt mit den anderen Fotos
ebenso.
26 4.3 Modul 3 PorträtsVerlaufsskizze:
Aktivitäten / Material/
Methodische Hinweise
Sozialformen Medien
2 Gruppenarbeit: nn
M 3/ Die TN bekommen anhand der Zuordnung der Fotos
KL verteilt die 4 ausgeschnittenen KV 1 a, zu den Texten zunächst einen eher gefühlsbetonten
Fotos von M 3/ KV 1 a und die Texte 1 b, 1 c, Zugang zu den Porträts. Durch die Texte erhalten
von M 3/ KV 1 b, c, d und e und bittet 1 d, 1 e sie einen Einblick in verschiedene Migrations- und
die TN: nn
Kleber Einbürgerungshintergründe. Die Hypothesen der TN aus
„Lesen Sie bitte die Texte und ordnen Übung 1 werden mit den Informationen aus den Texten
Sie die Bilder den Texten zu“. verglichen.
Nach kurzem Abgleich der
zugeordneten Bilder im Plenum,
können diese an die dafür
vorgesehene Stelle geklebt werden.
(KL verteilt Kleber).
Gruppenarbeit: nn
M 3/ KV 2
KL verteilt die Tabelle mit den Fragen nn
Tafel
von M 3/ KV 2 und weist jeder Gruppe
einen Text zu:
„Ergänzen Sie bitte die Tabelle
anhand ihres Textes“ und
beantworten die Fragen.
KL überträgt die Tabelle und die
Fragen aus M 3/ KV 2 an die Tafel und
verteilt an alle die Kopiervorlagen
M 3/ KV 2.
Zur Ergebnissicherung im Plenum
stellt jeweils ein TN aus jeder Gruppe
das Porträt seiner Person vor und
ergänzt zusammen mit allen im
Plenum an der Tafel die zugehörige
Spalte und die Antworten zu den
Fragen, die anderen TN ergänzen in
ihrem Heft.
3 Einzelarbeit: nn
M 3/ KV 3 Bei der Bearbeitung der Aufgabe setzen sich die TN
KL verteilt M 3/ KV 3 und sagt: nochmals mit zentralen Argumenten für eine Einbürgerung
„Bitte ordnen Sie die Aussagen den auseinander. Die Argumente dienen überdies als Anregung
Personen aus den Porträts zu.“ für die nachfolgende Aufgabe, in der die TN kurz darstellen
Ergebnissicherung im Plenum. sollen, welche Gründe für sie für oder gegen eine
Einbürgerung sprechen.
Stillarbeit: In Einzelarbeit können die TN nun selbst – mit Blick auf
KL bittet die TN: „Warum möchten ihren eigenen Migrationshintergrund – ihre Motive für oder
Sie sich einbürgern lassen, oder gegen eine deutsche Staatsbürgerschaft reflektieren und
warum nicht? Schreiben Sie bitte.“ äußern.
Freiwillige TN können Ihre
Äußerungen im Plenum vorlesen
27 4.3 Modul 3 PorträtsPorträts
✁
28 4.3 Modul 3 Kopiervorlage 1 aPorträts
Warum haben sich die Leute einbürgern lassen?
Welches Bild passt? Lesen Sie die Texte und ordnen Sie die Bilder zu.
Porträt 1
Tuyet-Mai To Thi, Studentin
Ich bin 20 Jahre alt und lebe mit meinen Eltern
und meiner kleinen Schwester zusammen in
Berlin-Hohenschönhausen. Meine Großeltern und
die anderen Verwandten leben in Vietnam. Hin und
wieder telefonieren wir, aber so richtig verbunden
Kleben Sie hier
fühle ich mich nicht mehr. Vietnam ist mir inzwischen
das Foto ein.
sehr fremd.
Ich bin hier zu Hause, so wie meine Familie und
meine Freunde. Meine Zukunftschancen liegen in
Deutschland. Ich bin hier in Deutschland in einer
Demokratie groß geworden und möchte demo
kratische Prinzipien in meinem Leben nicht missen.
Ich kann z. B. sagen was ich will, es gibt unabhängige
Gerichte, und ich kann die Regierung in freien
Wahlen wählen. Auch später im Beruf habe ich als
EU-Bürgerin größere V orteile. Außerdem genieße ich
mit dem deutschen Pass größere Freiheiten, z. B.
Bewegungsfreiheit, wenn ich in andere Länder r eisen
will. Jetzt bin ich jedes Mal, wenn eine Kontrolle
stattfindet, genervt.
Bei den Deutschen schaut die Polizei nur flüchtig auf
den Ausweis, bei mir ist das viel komplizierter.
29 4.3 Modul 3 Kopiervorlage 1 bPorträts
Warum haben sich die Leute einbürgern lassen?
Welches Bild passt? Lesen Sie die Texte und ordnen Sie die Bilder zu.
Porträt 2
Nalan Kılıç, Oberstudienrätin
Ich bin 38 Jahre alt, bin in Berlin geboren und im
Wedding aufgewachsen. Die Familie meines Mannes
und meine Familie leben in der Türkei. Wir fahren oft
in die Türkei, der Kontakt ist uns wichtig, er soll auch
nicht abreißen. Aber Deutschland ist mein Land, ich
Kleben Sie hier
gehöre dazu, auch wenn ich etwas dunkler aussehe.
das Foto ein.
Für mich ist die deutsche Staatsbürgerschaft vor
allem wichtig, weil ich wählen, Einfluss nehmen und
mich problemlos in Europa bewegen kann. Bin ich
türkisch, bin ich deutsch? Ich sage immer: Meine
Heimat ist Berlin. Hier ist mein Lebensmittelpunkt,
hier bin ich aufgewachsen, hier ist meine Familie,
hier leben meine Freunde. Ich bin Deutsche mit
türkischen Wurzeln und ansonsten fühle ich mich
als Europäerin und Weltbürgerin. Ich will mich
in der Welt zu Hause fühlen und da spielt nationale
Zugehörigkeit für
mich keine große Rolle. Ich habe von mir nicht
das Verständnis, dass ich hier ankommen und mich
integrieren muss; ich bin hier geboren und bin Teil
dieser Gesellschaft, Deutschland ist mein Land
und ich gehöre dazu.
30 4.3 Modul 3 Kopiervorlage 1 cPorträts
Warum haben sich die Leute einbürgern lassen?
Welches Bild passt? Lesen Sie die Texte und ordnen Sie die Bilder zu.
Porträt 3
Isaac Obeng-Asamoah, in der Ausbildung
Ich bin 21 Jahre alt, in Ghana geboren und vor
19 Jahren mit meiner Mutter und meiner älteren
Schwester nach Deutschland gekommen.
Ich habe den deutschen Pass beantragt, weil man
Kleben Sie hier
bessere Chancen in der deutschen Gesellschaft hat. das Foto ein.
Man hat eine sehr gute Voraussetzung für einen
Ausbildungsplatz. Oft wird man diskriminiert,
nur weil man keinen deutschen Pass hat. Ich lebe hier
schon seit 19 Jahren, bin hier aufgewachsen.
Mit einem deutschen Pass habe ich die Möglichkeit,
in ganz Europa zu arbeiten und zu leben. Ich spare
dadurch viel Geld. Ich muss nicht immer ein Visum
beantragen, um in ein anderes Land in Europa
einzureisen. Ich bin zwar dreimal in Ghana gewesen,
aber trotzdem bin ich nicht so vertraut mit dem Land
wie mit Deutschland. Ich bin ein Deutscher mit
einer anderen Hautfarbe.
31 4.3 Modul 3 Kopiervorlage 1 dSie können auch lesen