Handy in der Schule Unterrichtsmaterialien - Mit Übungen für den Unterricht

 
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Handy in der Schule Unterrichtsmaterialien - Mit Übungen für den Unterricht
Handy
in der Schule
Mit Chancen und Risiken kompetent umgehen

                                    Unterrichtsmaterialien

                            Mit Übungen für den Unterricht
Inhalt

                      Teil 1: Mit Chancen und Risiken kompetent umgehen
                      Einführung: Das Handy im Alltag von Kindern und Jugendlichen              4–5

                      Exzessive Nutzung: Wann wird das Handy zu viel?                               6
              1       Übung Leben ohne Handy                                                        7

                      Rechtliche Fragen: Was dürfen Lehrende?                                       8
             2
                      Übung Handyabnahme in der Praxis                                              9

                      Verhaltensvereinbarung oder Hausordnung?                                     10
             3        Übung Wir erstellen eine Verhaltensvereinbarung für unsere Klasse             11

                      Elternarbeit: Wie können Eltern und Schule zusammenspielen?                  12
             4
                      Übung Elternbefragung zu Handy in der Schule                                 13

                      Paradigmenwechsel: Das Handy im Unterricht                                   14
             5
                      Übung Eine Weiterbildungsmaßnahme für Lehrende planen und umsetzen           15

                      Schummeln mit dem Handy: Welche Maßnahmen können helfen?                     16
             6        Übung Lernkultur mit Handy oder Smartphone reflektieren                      17

                      Ungeeignete Inhalte: Kinder kompetent begleiten                              18
             7
                      Übung So schütze ich mich vor Dingen, die mir Angst machen                   19

                      Schüler/innen als Medienproduzent/innen                                     20
             8        Übung Checkliste für Filmemacher/innen                                       21

                      Sexting: Welche Rolle hat die Schule?                                   22 – 24
             9
                      Übung Sexting-Plakate gestalten                                              25

                      Cyber-Mobbing: Sinnvolle Maßnahmen dagegen?                             26 – 28
             10       Übung Learning-Apps rund um Cyber-Mobbing                                    29

                      Teil 2: Handy, Smartphone oder Tablet aktiv
                              und kreativ im Unterricht nutzen
                      Weiterführung: Beispiele für den Unterricht                             30 – 43

                      Überblick: 10 Tipps zum Handy in der Schule                            44 – 45
                      Impressum                                                                   50

Erst denken, dann klicken.                                                                Handy in der Schule   3
Einführung
Teil 1:       Mit Chancen und Risiken kompetent umgehen

                                          Das Handy im Alltag von Kindern
                                          und Jugendlichen

                                         E
                                               in Leben ohne Handy? Das ist für viele Menschen un-
                                               denkbar. Auf Kinder und Jugendliche trifft das be-
                                               sonders zu. Im Schnitt bekommen österreichische
                                          Kinder mit zehn Jahren ihr erstes Handy, manche aber
                                          auch schon früher.  Bei den Jugendlichen sind Smart-
                                          phones, also besonders funktionsreiche Handys,
                                          hoch im Kurs – um mit anderen zu chatten, Spiele
                                          zu spielen, Infos zu recherchieren oder Fotos zu
                                          schießen. Die Zeiten, wo mit dem Handy „nur“
                                          telefoniert oder gesimst wird, sind schon
                                          lange vorbei.

                                          Herausforderungen für die Schule

                                          Mit dem Smartphone ist auch das Internet in der Hosentasche in die
                                          Schule eingezogen. Es kann kaum kontrolliert werden und steht den
                                          Kindern potenziell immer zur Verfügung. Das bringt einige Verände-
                                          rungen:

                                          k Das Leben wird online
                                            dokumentiert, und zwar
                                            in Bildern oder Status-
k Die Kommunikation der                     meldungen. Immer sind
  Kinder untereinander                      die Freundinnen und
  verändert sich. Ein nicht                 Freunde online „live“
  zu unterschätzender                       dabei. Dabei werden                   k Das Wichtigste ist immer              k Ungeeignete Inhalte
  Teil der Kommunikation                    tendenziell eher die                    mit dabei. Auf Spiele                   werden getauscht. Das
  läuft über das Handy,                     „schönen“ Seiten des                    muss man nicht war-                     Handy dient manchmal
  etwa über Messenger                       Lebens dargestellt. Vor                 ten, bis man wieder zu                  auch dazu, um scho-
  wie WhatsApp – egal,                      allem Burschen fällt es                 Hause vor dem Compu-                    ckierende Bilder oder
  ob es um die Schule                       schwer, negative Gefüh-                 ter sitzt. In den Sozialen              Videos zu tauschen.
  geht („Was kommt zum                      le in der Online-Welt                   Netzwerken ist man                      Auch Nacktfotos ma-
  nächsten Test?“) oder                     auszudrücken.  Man-                     immer „on“. Der Drang,                  chen immer wieder die
  um Privates. Die Grenzen                  che Online-Aktivitäten                  immer auf das Handy                     Runde. Wenn Lehrende
  zwischen Unterrichtszeit                  führen zu Konflikten, im                schauen zu müssen,                      von jugendgefährden-
  und Freizeit verschwim-                   schlimmsten Fall wird                   kann zu Problemen im                    den Inhalten erfahren,
  men.                                      daraus Cyber-Mobbing.                   Unterricht führen.                      müssen sie eingreifen.

1
    Quelle: Education Group (2014): 4. Oö. Kinder-Medien-Studie, www.edugroup.at/detail/4-ooe-kinder-medien-studie-2014.html
2
    Quelle: Büro für nachhaltige Kompetenz B-NK GmbH (2013): Ich im Netz. Selbstdarstellung von weiblichen und männlichen Jugendlichen in Sozialen Netzwerken,
    www.selbstdarstellung.at

    4           Handy in der Schule                                                                                            Erst denken, dann klicken.
Video
           „Handy in der Schule!?“
           Warum ist das Handy für Jugendliche so wich-
           tig? Welche Herausforderungen muss die Schu-
           le meistern? Wie kann die verantwortungsvolle
           Handynutzung gemeinsam gelingen?
           Eine kurze Video-Einführung:
           http://youtu.be/zEKrLdy8c9E

Funktionen des Handys für Schülerinnen und
Schüler

Organisation des Alltags: Erreichbar sein, Kommunikation
mit Freund/innen und Eltern, auf dem Laufenden bleiben,
Verabredungen planen und schulische Belange organisie-
ren (z.B. in WhatsApp-Gruppen).
                                                           Selbstdarstellung: Mit dem Handy lässt sich die Selbstdar-
Beziehungs- und Gefühlsmanagement: Freundschaften          stellung im Internet laufend managen und entwickeln. Vie-
pflegen, neue Kontakte knüpfen, die aktuelle Gefühlslage   le Tools helfen dabei. Soziale Netzwerke bieten eine breite
ausdrücken. Kinder und Jugendliche haben auch eine „Be-    Bühne.
ziehung“ zum Gerät selbst.
                                                           Spaß und Zerstreuung: Das Handy bietet Zeitvertreib jegli-
Identitätsbildung: Das Handy als wichtiges „symbolisches   cher Art. Wenn Jugendlichen fad ist, greifen sie zum Handy,
Kapital“, vergleichbar mit Mode oder Musik. Marke, Aus-    um zu spielen, Updates zu checken, Musik oder Filme zu
stattung, Apps oder Cover können eine wichtige Rolle als   konsumieren etc.
Statussymbole spielen oder wichtig für die Gruppenzuge-
hörigkeit sein.

                                            Link
                                        www.saferinternet.at/handy-smartphone – Häufige Fragen & Antworten zur
                                        sicheren und verantwortungsvollen Handynutzung.

Erst denken, dann klicken.                                                               Handy in der Schule       5
1
     THEMA
                              Exzessive Nutzung:
                              Wann wird das Handy
                              zu viel?

            „Das Smartphone macht unsere
            Kinder süchtig. Sie spielen in der
            Pause nicht mehr miteinander.“

E
      s ist nicht immer leicht, das rechte Maß für die Nut-
      zung von Handy oder Smartphone zu finden. Schließ-
      lich haben diese Geräte zahlreiche praktische Funktio-
nen für den Alltag. Fällt der Akku einmal aus, werden viele                   In den Unterricht einbinden
Nutzer/innen unruhig und bemerken, wie abhängig sie                        k Besprechen Sie mit Ihren Schüler/innen: Wie
bereits vom Handy sind. Und das geht keineswegs nur Ju-                      reagiert unser Körper, wenn uns etwas zu
gendlichen so! Sie beobachten unter Umständen Erwach-                        viel wird (z.B. beim Computerspielen, bei der
sene, die am Spielplatz weniger Augen für ihre Kinder als                    Facebook- oder WhatsApp-Nutzung, ...). Was
für die E-Mails auf dem Smartphone haben. Sie erleben                        passiert dann mit uns – Kopfweh, Unruhe,
vielleicht Eltern, die auch in der Freizeit ständig für berufli-             schlechte Laune, …?
che Belange erreichbar sind.                                               k Was könnten Kinder und Jugendliche bei
                                                                             Überforderung tun? Welche Alternativen gibt
                                                                             es, außer von einem Bildschirm zum nächsten
Tatsächlich steigt der gesellschaftliche Druck, immer und                    zu wechseln, also beispielsweise vom Smart-
überall verfügbar zu sein. Beruf und Privatleben klar von-                   phone zum Fernseher?
einander zu trennen, das wird immer schwieriger. Dieser                    k Welche Regeln können in der Familie aufge-
„Trend“ macht auch vor Kindern nicht Halt. Doch die ha-                      stellt werden, damit auch Erwachsene ihrer
ben – im Gegensatz zu Erwachsenen – noch nicht erfahren,                     Vorbildwirkung nachkommen können? Zum
wie wichtig es ist, die eigenen Grenzen zu kennen und zu                     Beispiel: medienfreie Essenszeiten.
wahren, auch was die Nutzung von Handy und Smartpho-
ne betrifft.

           Unterstützen Sie Ihre Schü-
           ler/innen dabei, verantwor-
           tungsvoll mit dem Handy          Es ist aber falsch, wenn man        Links
           umzugehen – etwa, indem          glaubt, das Handy mache         www.praevention.at – Institut für Suchtpräven-
           sich eine Klasse auf handy-      „unsozial“. Oft tauschen        tion OÖ mit zahlreichen Infomaterialien.
           freie Zeiten einigt. In den      sich Kinder sehr rege darü-     www.supro.at/projekte/reflect-and-act – ermu-
           ersten Klassen der Sekun-        ber aus, spielen miteinan-      tigt Jugendliche, ihre Lebenswelt und damit für
           darstufe 1 wird das oft ge-      der und organisieren den        sie relevante Themen zu reflektieren.
           macht, um das soziale Mit-       gemeinsamen Alltag – da-
           einander zu fördern.             durch werden Beziehungen
                                            gefestigt und nicht etwa
                                            gestört.

 6         Handy in der Schule                                                                      Erst denken, dann klicken.
Leben                                                                                                       ÜBUNG
                                                                                                                  1
ohne Handy
  Alter:                                   Alle Schulstufen
  Unterrichtsfächer:                       Soziales Lernen, Sprachen
  Digitale Kompetenzen digikomp8:          1.1 Bedeutung von IT in der Gesellschaft,
                                           3.4 Kommunikation und Kooperation
  Dauer:                                   ein bis drei Unterrichtseinheiten

Ziele
k Die Auswirkungen des Handys auf die zwischenmenschliche Kommunikation einschätzen lernen
k Die eigene Handynutzung reflektieren

        Ablauf
        Phase 1                                                            Experiment
        Die Schüler/innen ergänzen einzeln oder zu zweit fol-              Die Schüler/innen verzichten einen Tag (oder
        gende Sätze:                                                       mehrere Tage) lang auf ihr Handy. Sie proto-
        • Ich nutze mein Handy/Smartphone vor allem ...                    kollieren mit, wie sie ihren Alltag bewälti-
        • Praktisch an Handys/Smartphones finde ich ...                    gen:
        • An Handys/Smartphones stört mich …                               • Was fällt ohne Handy weg?
        • Das Leben ohne Handy/Smartphone ...                              • Was wird stattdessen gemacht?
                                                                           Die Ergebnisse von allen Schüler/innen wer-
                                                                           den in einem Blog oder in der Lernplattform
        Phase 2                                                            gesammelt.
        In Kleingruppen bearbeiten die Schüler/innen nun
        folgenden Arbeitsauftrag:
        Beschreibt, wie sich die Gesellschaft durch die Verbrei-
        tung von Smartphones verändert hat. Wie bewertet ihr
        das?
                                                                                   Kostenloses Blog erstellen:
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        k Beim Weggehen starren alle nur noch auf ihr Handy.                       www.live-writer.de
        k In der Pause oder im Schulbus spielen die Kinder                         www.jimdo.com
          nicht mehr miteinander.

        Jede Gruppe bereitet ihre Meinung als kurzes State-
        ment vor. Dann werden die Statements verglichen.
        Wie stark unterscheiden sich die Meinungen in der Klas-
        se? Worin unterscheiden sich die Meinungen der Schü-
        ler/innen von denen der Lehrenden?

                   Lesetipp:
                   Artikel im SchülerStandard über „Handyfasten“ (2. Juni 2014): http://derstandard.at/2000001704417/
                   Sieben-Tage-Handyfasten

Erst denken, dann klicken.                                                                  Handy in der Schule       7
2
     THEMA
                             Rechtliche Fragen:
                             Was dürfen Lehrende?

Dürfen Lehrende
Schüler/innen-Handys
kontrollieren?                                                        „Wir Lehrkräfte dürfen Handys
                                                                      wegnehmen, wenn sie stören,
Entscheidend ist, ob Lehrende einen
                                                                      oder?“
konkreten Verdacht auf jugendge-
fährdende Inhalte auf den Handys von
Schüler/innen haben. Wenn ja, haben
Lehrende nicht nur das Recht, sondern
sogar die Pflicht, einzuschreiten und
gegebenenfalls den Schüler/innen die
Handys abzunehmen. Jeder Verdacht        Jugendgefährdende Inhalte am
sollte darüber hinaus dokumentiert       Handy – was nun?
werden, um Vorfälle und Handlun-
gen für andere nachvollziehbar zu        Das Ausreizen und Übertreten von            Wenn jugendgefährdende Inhalte die
machen, zum Beispiel für die Schullei-   Grenzen gehört im jugendlichen Al-          Runde machen, sollte das besprochen
tung, die Eltern oder die Polizei.       ter grundsätzlich dazu. Es ist Teil einer   werden:
                                         normalen Entwicklung auf dem Weg            k Was mache ich, wenn ich extreme
         Achtung! Eine routinemä-        zum Erwachsenwerden. Auch das                 Inhalte auf mein Handy bekomme?
         ßige Kontrolle von Handys       Konsumieren und Verbreiten von ju-          k Warum soll ich diese Inhalte lö-
         ohne Verdacht verletzt die      gendgefährdenden Inhalten ist stets           schen und nicht an andere weiter-
         Privatsphäre der Schüler/in-    in diesem Kontext zu sehen.                   schicken?
         nen! Dasselbe gilt auch für                                                 k Was können gewalttätige oder por-
         das Kontrollieren von Schul-                                                  nografische Inhalte bei jüngeren
         taschen.                                                                      Mitschüler/innen und Klassenka-
                                                                                       merad/innen bewirken?

     Lehrende müssen den Verdacht einer strafbaren Handlung
     an die Schulleitung melden. Das betrifft auch strafrechts-
     widrige Inhalte auf Handys von Schüler/innen. Die Schul-                            Expert/innen einladen
     leitung entscheidet dann, ob eine Anzeige erforderlich
     ist, wobei § 79 StPO (Strafprozessordnung) bzw. § 45 BDG            Als Sensibilisierungsmaßnahme können
     (Beamten-Dienstrechtsgesetz) zu berücksichtigen sind.               Workshops mit externen Expert/innen
     Hat die Schule eine gute Gesprächsbasis mit den zustän-             sehr wirkungsvoll sein. Je nach Thema und
     digen Präventionsbeamt/innen, empfiehlt es sich, diese zu           Anlassfall gibt es beispielsweise folgende
     kontaktieren und das weitere Vorgehen zu besprechen. In             Möglichkeiten:
     der Praxis wird oft gemeinsam beurteilt, ob eine Anzeige           k Gespräche mit Präventionsbeamt/innen der
     notwendig ist.                                                       Polizei unter www.clickundcheck.at
                                                                        k Workshops zur Gewaltprävention. Infos und
     Anzeigepflicht besteht beispielsweise dann nicht, wenn               Kontakte unter: www.gemeinsam-gegen-
     die Anzeige das Vertrauensverhältnis zwischen Schüler/in             gewalt.at
     und Lehrkraft gefährden und in Folge die Unterrichts- und          k „Saferinternet.at-Schutzimpfung“ für Schü-
     Erziehungsarbeit behindern würde. Doch auch ohne Anzei-              ler/innen, Lehrende und Eltern – Infos und
     ge muss die Schule aktiv werden, um andere Schüler/innen             Anmeldung unter: www.saferinternet.at/
     vor Gefahren zu schützen. Zu den Maßnahmen kann auch                 veranstaltungsservice
     die Abnahme von Handys gehören.

 8         Handy in der Schule                                                                    Erst denken, dann klicken.
Handyabnahme                                                                                                  ÜBUNG
                                                                                                                   2
in der Praxis
  Alter:                                  Ab der 7. Schulstufe
  Unterrichtsfächer:                      Deutsch, Politische Bildung, Soziales Lernen
  Digitale Kompetenzen digikomp8:         1.2 Verantwortung bei der Nutzung von IT,
                                          3.3 Suche, Auswahl und Organisation von Information
  Dauer:                                  ein bis zwei Unterrichtseinheiten mit Hausübung
  Vorbereitung:                           Zusammenstellung der notwendigen Gesetzestexte

Ziele
k Eigene Rechte und die Rechte anderer wahrnehmen und bewerten können
k Gesetzestexte lesen können

             Link
        www.kinderrechte.gv.at/meine-rechte – die Rechte von Kindern und Jugendlichen

                                                                  Phase 1
        Ablauf                                                    Die Schüler/innen vergleichen die Gesetzestexte mit
                                                                  der Praxis an ihrer Schule.  In der Klasse wird diskutiert,
        Jedes Bundesland in Österreich hat ein eigenes Jugend-    wo es Ungereimtheiten gibt und wo die Situation klar
        schutzgesetz, nach dem Lehrende verpflichtet werden       ist.
        können, bei einem „konkreten Hinweis auf rechtswid-
        rige Inhalte“ das Handy abzunehmen. Gleichzeitig gilt     Phase 2
        in Österreich die Kinderrechtskonvention, die das Recht   Die Schüler/innen schreiben als Hausübung eine Erör-
        auf Privatsphäre festschreibt.                            terung über Theorie und Praxis der Handyabnahme.
                                                                  Andere mögliche Textsorten: Zeitungsartikel, Blogbei-
        In dieser Übung sollen sich die Schüler/innen mit dem     trag, Brief an die Schüler/innen-Vertretung, ...
        Gesetzestext in ihrem Bundesland beschäftigen:
                                                                  Phase 3
        k Jugendschutzgesetze aller Bundesländer unter help.      Wenn die Praxis an der Schule nicht den gesetzlichen
          gv.at k Jugendliche k Jugendrechte k Freizeit k         Grundlagen entspricht, sollten die Schüler/innen einen
          Jugendgefährdende Medien                                entsprechenden Passus für die Hausordnung oder eine
                                                                  Verhaltensvereinbarung formulieren. Danach stimmen
        k 147 Rat auf Draht erklärt, was in der Schule erlaubt    die Schüler/innen den Textvorschlag mit der Direktion
          ist und was nicht. rataufdraht.orf.at/?story=13673      ab. Abschließend stellen sie ihn dem Schulgemein-
                                                                  schaftsausschuss vor.
        k Relevant ist außerdem, was in der Hausordnung der
          Schule steht.

Erst denken, dann klicken.                                                                   Handy in der Schule         9
3
     THEMA
                             Verhaltensvereinbarung
                             oder Hausordnung?
               „Wozu
         Verhaltensvereinbarun-
     gen? Bei uns steht eh ein Handy-
     verbot in der Hausordnung.“
                                                       Anregungen für eine Schulvereinbarung
                                                       Wenn Sie gemeinsam mit Ihren Schüler/innen eine Verhal-
                                                       tensvereinbarung ausarbeiten, sollten Sie folgende Fragen
                                                       berücksichtigen:

In welchen schulischen (und außerschuli-               Erlaubt sind Anrufe in der Mittagspause.
schen) Situationen ist das Handy erlaubt?              Nicht erlaubt sind Anrufe im Unterricht; …
Wann darf es nicht benutzt werden?

                 Wo darf wo muss das Handy während                Auf dem Tisch; in der Schultasche; …
                 des Unterrichts in der Klasse sein?

         Wo wird das Handy während des Turn­              In der Umkleidekabine; im Turnsaal,
         unterrichts aufbewahrt?                          bei der Lehrkraft; …

            Wo können Handys sicher während der                Im Lehrenden-Zimmer; in einem gemeinsamen
            Nachmittagsbetreuung verstaut werden?              Rucksack im Spind; …

In welchem Ausmaß darf in der Schule mit dem Handy               Nur mit mündlichem Einverständnis der Abge­­bil-
fotografiert oder gefilmt werden? Unter welchen Be-              deten; nur mit einer schriftlichen Einverständnis­
dingungen dürfen Fotos oder Videos von Schüler/innen             erklärung der Abgebildeten am Schuljahresbe-
und Lehrer/innen veröffentlicht werden?                          ginn; nur im Zuge von Schul- und Klassenprojek-
                                                                 ten; gar nicht; ...
     Welche Handy-Anwendungen dürfen in
     der Schule genutzt werden, welche nicht?          Die Handy-Kamera darf nur für den Unterricht verwendet
                                                       werden; Messenger wie WhatsApp sind nur in der Pause oder
                                                       in bestimmten Pausen erlaubt; …
Wie bindend sind die aufgestellten Verhaltens­
vereinbarungen für alle Beteiligten? Welche Kon-            Verhaltensnote (bis 7. Schulstufe); Disziplinar-
sequenzen haben Verstöße?                                   konferenz; Diskussion im Schulforum; ...

                                                              Schulforum; Klassendiskussion; regelmäßige gemein­
     Wie werden die ausgemachten Regeln überprüft?            same Evaluierung in der gesamten Schule oder in ein-
                                                              zelnen Schulstufen; …

                Wie wird die Handynutzung auf             Mit den Eltern im Vorfeld abstimmen, z.B. Handyverbot
                Schulveranstaltungen geregelt?            mit Ausnahme einer halben Stunde vor dem Abendessen.

10         Handy in der Schule                                                               Erst denken, dann klicken.
Wir erstellen               3
                                                                                                          ÜBUNG

eine Verhaltensvereinbarung
für unsere Klasse
  Alter:                                  Ab der 5. Schulstufe
  Unterrichtsfächer:                      KLAVO-, KoKoKo- (Kommunikation-Kooperation-Konfliktlösung) bzw.
                                          Mediations-Stunden, Deutsch, Soziales Lernen
  Digitale Kompetenzen digikomp8:         1.2 Verantwortung bei der Nutzung von IT
  Dauer:                                  zwei bis drei Unterrichtseinheiten mit Hausübung

Ziele
k Die eigene Handynutzung reflektieren                                    Achtung! Diese Übung sollte nur dann durch-
k Gemeinsame Lösungen erarbeiten und Kompromisse                          geführt werden, wenn die Schulpartner das
  schließen                                                               gemeinsame Erarbeiten von Verhaltensver-
k Eine umsetzbare Verhaltensvereinbarung für die                          einbarungen akzeptieren.
  Klasse schaffen

        Ablauf                                                   k Wie soll die Handynutzung auf Schulveranstaltun-
                                                                   gen geregelt sein?
        Phase 1                                                  k Wie könnte die Einhaltung der aufgestellten Regeln
        Den Schüler/innen wird einleitend erklärt, warum die       überprüft werden?
        Handynutzung in der eigenen Klasse zu Konflikten füh-
        ren kann und warum eine „Verhaltensvereinbarung“         Phase 3
        hilfreich ist, um diese Konflikte zu lösen.              Die Klasse überlegt gemeinsam Fragen, um auch die El-
                                                                 tern einzubeziehen. Als Hausaufgabe interviewen die
        Phase 2                                                  Schüler/innen ihre Eltern und notieren die Ergebnisse.
        Anschließend sammeln die Schüler/innen Themen in
        Kleingruppen, die ihnen in einer Verhaltensvereinba-     Phase 4
        rung zum Umgang mit dem Handy in der Schule wich-        Die Meinungen von Schüler/innen, Eltern und Lehre-
        tig wären. Anhand der ausgesuchten Themen versu-         renden werden in der Klasse zusammengetragen. Ab-
        chen sie, erste grobe Regeln zu formulieren.             schließend wird gemeinsam ein Vorschlag für eine Ver-
                                                                 haltensvereinbarung zum Umgang mit dem Handy in
        Leitfragen könnten sein:                                 der Schule erstellt.
        k Sollen Handys in den Pausen genutzt werden dür-
          fen?
        k Was soll mit Handys in der unterrichtsfreien Zeit in              Vorschlag für eine Diskussion rund um
          der Schule passieren?                                             Gruppen in Sozialen Netzwerken, etwa auf
        k Welche Regeln soll es für das Fotografieren und Fil-              WhatsApp:
          men mit dem Handy in der Schule geben?                   k   Welche Gruppen haben wir?
        k Wie gehen die Schüler/innen in Sozialen Netzwer-         k   Warum wurden diese Gruppen gegründet?
          ken miteinander um, zum Beispiel in WhatsApp-            k   Wer ist für welche Gruppen verantwortlich?
          Gruppen?                                                 k   Welche Regeln haben wir? Welche sollten wir
        k Unter welchen Bedingungen dürfen in der Schule               haben?
          mit dem Handy aufgenommene Fotos oder Videos             k   Was tun, wenn man bemerkt, dass jemand fertig
          veröffentlicht werden?                                       gemacht wird?

Erst denken, dann klicken.                                                                Handy in der Schule       11
4
         THEMA
                                         Elternarbeit:
                                         Wie können Eltern und
                                         Schule zusammenspielen?

                                                                 „Es ist alles sinnlos.
                                                                 Die Eltern hintertreiben
                                                                 jedes Handyverbot.“

Warum ist es Eltern wichtig,
dass ihre Kinder Handys haben?

E
     ltern wollen ihre Kinder im Notfall jederzeit anrufen                            Konflikte mit Lehrenden – vor allem an Schulen, wo das
     können oder für sie erreichbar sein. Viele berufstätige                          Handy verboten ist – sind dadurch vorprogrammiert. Eine
     Eltern nutzen das Handy auch, um mit ihren Kindern                               Lösung, die alle Beteiligten zufriedenstellt, kann eine ge-
während der Arbeitszeit in Kontakt zu stehen. Für Eltern                              meinsam erstellte Verhaltensvereinbarung zum Umgang
kann es daher wichtig sein, dass ihre Kinder das Handy in                             mit dem Handy in der Schule sein.
die Schule mitnehmen und dort auch benützen können.

                                                                                                                Handy als Gesprächs-
                                                                                                                anlass nutzen
         Große Sorge: Handydiebstahl                                                                        Das Handy kann ein guter Anlass
         Der Verlust des Geräts, etwa durch Diebstahl, zählt zu einer der größten                           sein, um mit Eltern ins Gespräch
         Sorgen, die Eltern in Bezug auf die Handynutzung ihrer Kinder haben.3                              zu kommen, die kaum zu Eltern-
         Wird ein Handy in der Schule gestohlen, haften in der Regel die Eltern,                            abenden oder -sprechtagen gehen.
         nicht die Schule. Es ist daher sinnvoll, die Eltern darüber aufzuklären.                           Lehrende berichten immer wieder
         Tatsächlich gibt es in manchen Schulen laufend (Handy-)Diebstähle.                                 von sehr produktiven Aussprachen,
         Immer wieder kommt es auch zu „Schein-Diebstählen“ – ein Weg für                                   wenn Eltern zu ihnen kommen, weil
         Jugendliche, zu einem neuen, cooleren Handy zu kommen. Fragwürdi-                                  eine Schülerin oder ein Schüler wie-
         ge „Handygeschenke“ unter Schüler/innen, die keineswegs freiwillig                                 derholt mit dem Handy den Unter-
         sind, sondern vielmehr erpresst werden, sind für Lehrende eine weitere                             richt gestört hat. Dies ist eine gute
         Herausforderung, auch in der Kommunikation mit den Eltern.                                         Gelegenheit, um auch andere schu-
                                                                                                            lische Themen zu besprechen.

Elternabende für gegenseitiges Verständnis
Ein regelmäßiger Austausch zum The-                       unwesentlich, ob alle Eltern vollzählig         Rückschlüsse des Fehlverhaltens von
ma Handy, beispielsweise bei einem                        erscheinen, denn meist erreichen die            Schüler/innen auf die Familienver-
Elternabend, kann für ein besseres                        besprochenen Inhalte auch die Nicht-            hältnisse. Vielmehr sollte ein gemein-
Gesprächsklima zwischen Eltern und                        Anwesenden rasch. Tabu sind jeden-              samer, konstruktiver Weg gefunden
Lehrenden sorgen und das gegensei-                        falls Schuldzuweisungen an die Eltern,          werden, um die Kinder in ihrer Medi-
tige Verständnis fördern. Dabei ist es                    etwa Kritik an der Erziehung oder               enkompetenz besser zu unterstützen.

3
    Quelle: Handywissen.at-Studie „Eltern, Kinder und das Handy im familiären Spannungsfeld“ (2009).

    12           Handy in der Schule                                                                                     Erst denken, dann klicken.
Elternbefragung                                                                                            ÜBUNG
                                                                                                                 4
zum Handy in der Schule

  Alter:                                   Ab der 6. Schulstufe
  Unterrichtsfächer:                       Bildnerische Erziehung, Deutsch, Mathematik, Wirtschaftskunde
  Digitale Kompetenzen digikomp8:          1.1 Bedeutung von IT in der Gesellschaft,
                                           3.2 Berechnung und Visualisierung
  Dauer:                                   zwei bis vier Unterrichtseinheiten

Ziele
k Die Rolle der Eltern bei der eigenen Handynutzung reflektieren
k Selbstständig eine Befragung durchführen

        Tipp
        Die Umfrage kann mit einem Online-Tool umgesetzt werden, das auch gleich eine statistische Erstauswertung
        bietet. Beispiele: surveymonkey.com, limesurvey.com (Basisversion kostenlos).

        Ablauf                                                    k Wann sollen Kinder für Eltern erreichbar sein, wann
                                                                    nicht?
        Die Schüler/innen sollen sich mit den vielfältigen Rol-   k Was nervt an der Handynutzung der Kinder? Was
        len auseinandersetzen, die Eltern bei der Handynut-         führt zu Konflikten?
        zung ihrer Kinder spielen. Zu diesem Zweck konzipie-      k Wie stehen Sie zu einem Handyverbot in der Schule
        ren sie eine Befragung, setzen diese um und werten sie      oder auf Schulveranstaltungen?
        in Grundzügen statistisch aus. Die Ergebnisse können
        dann in der Schülerzeitung, auf Schulplakaten oder        Phase 2
        über andere Schulpublikationen verbreitet werden.         Die Schüler/innen befragen (ihre) Eltern und werten
                                                                  die Ergebnisse anschließend anonymisiert aus.
        Phase 1
        Die Schüler/innen sammeln in Gruppen mögliche Fra-        Phase 3
        gen für die Eltern, zum Beispiel:                         Die Ergebnisse werden für die (Schul-)Öffentlichkeit
        k In welchem Alter haben Ihre Kinder ihr erstes Handy     aufbereitet. Je nach gewähltem Medium (Plakat, Zei-
          bekommen?                                               tungsartikel, Blogbeitrag, Video, …) kann das unter-
        k Was waren die Gründe für das erste Handy?               schiedlich aussehen. Ist eine Verbreitung über Social
        k Warum finden Sie es wichtig, dass Ihre Kinder ein       Media-Kanäle geplant, können auch Infografiken er-
          Handy haben?                                            stellt werden – zum Beispiel mit www.easel.ly.

Erst denken, dann klicken.                                                                 Handy in der Schule       13
5
      THEMA
                             Paradigmenwechsel:
                             Das Handy im Unterricht

                                   „Die Schüler ‚wissen‘ viel mehr und
                                   untergraben die Autorität von uns
                                   Lehrkräften.“

D
        ie Präsenz von Handys im Alltag der Kin-
        der und Jugendlichen bietet einiges an
        Konfliktstoff, zum Beispiel:

k Das Handy stört den Un-                                                   In den Unterricht einbinden
  terricht und lenkt ab.         k Teile aus dem Unterricht
                                   können unautorisiert ge-             k Thematisieren Sie die Bedeutung von Han-
                                   filmt und über Soziale                 dys. Warum sind die Geräte so wichtig?
k Schüler/innen   können           Netzwerke verbreitet wer-              Wann sind sie wichtig? Wann könnten wir
  den Vortrag der Lehren-          den.                                   auch darauf verzichten?
  den zeitgleich mit Infos
  aus dem Internet ge-                                                  k Arbeiten Sie mit dem Handy statt dage-
  genchecken und unter           k Konflikte der Kinder und               gen. Dazu gehören „Spielregeln“ für den
  Umständen damit die              Jugendlichen untereinan-               Unterricht wie auch für den fairen Umgang
  Autorität der Lehrkraft          der, bei denen das Handy               der Schüler/innen miteinander.
  untergraben.                     eine Rolle spielt.
                                                                        k Nutzen Sie das Handy als Arbeitsinstrument.
k Mit dem Smartphone                                                      Schüler/innen fliegt der kompetente Um-
  wird geschummelt.                                                       gang mit den Geräten für spätere berufliche
                                                                          Belange nicht automatisch zu, wenn sie das
                                                                          Handy ausschließlich in der Freizeit nutzen.

      Kein Wunder, dass regelmäßig        punkt, in anderen Fällen sind es die     diese an Regeln halten würden, die
darüber diskutiert wird, wie mit Han-     Verhaltensweisen der Schüler/innen       ihnen nicht nützlich erscheinen. Hin-
dy und Co. in Schulen umgegangen          untereinander. Der Versuch Soziale       zu kommt der Wunsch der Eltern, ihre
werden soll – bis hin zur Frage, ob       Prozesse mit Verboten zu regeln, miss-   Kinder jederzeit erreichen zu können
nicht ein Handyverbot das Klügste         lingt jedoch häufig. Zu wichtig sind     (siehe dazu auch Seite 12).
wäre. Oft steht dabei das Handy als       Handy und Smartphone im Alltag der
„Störfaktor“ im Unterricht im Mittel-     Kinder und Jugendlichen, als dass sich

      Links
www.virtuelle-ph.at – Virtuelle PH: Kurs „Mobile Learning“.
www.edugroup.at/innovation/tablets-mobiles.html – Education Group: Tipps und Tests zu Tablets und Smartphones.
Offene Online-Gruppen, zum Beispiel „iPad@School“ oder „(e)learning“ auf Facebook, „Digitale Bildung“ auf Google+.

 14        Handy in der Schule                                                                   Erst denken, dann klicken.
Eine Weiterbildungs-                                                                                           ÜBUNG
                                                                                                                     5
maßnahme für Lehrende
planen und umsetzen
  Alter:                                    Ab der 8. Schulstufe
  Unterrichtsfächer:                        fachübergreifendes Projekt
  Digitale Kompetenzen digikomp8:           1.2 Verantwortung bei der Nutzung von IT,
                                            1.4 Entwicklung und berufliche Perspektiven,
                                            3.1 Dokumentation, Publikation und Präsentation
  Dauer:                                    je nach Aufwand unterschiedlich
  Vorbereitung:                             Gruppe von Lehrenden organisieren, die sich von Schüler/innen schulen
                                            lassen will. Ort und Zeit der Weiterbildung festlegen. Mit der Direktion
                                            und Schulentwicklungsgruppe abstimmen und sicherstellen, dass das
                                            Projekt auch als Weiterbildung für Lehrende anerkannt wird (z. B. von der
                                            Direktion).

Ziele
k Das eigene Wissen weitergeben und Bestätigung erhalten                    Achtung! Planen Sie das Projekt nur dann,
k Präsentationstechniken erlernen                                           wenn es auch umgesetzt werden kann. Es
                                                                            können auch Lehrende einer anderen Schule
                                                                            „dazustoßen“.

        Ablauf
        Phase 1                                                     Phase 3
        Die Schüler/innen sammeln gute Apps für den Unter-          Die Schulung wird umgesetzt. Zumindest zwei Schü-
        richt und testen diese. Die Apps werden nach Themen-        ler/innen sollten die Dokumentation übernehmen.
        gebieten geordnet. Für die Recherche werden auch
        Gruppen in Sozialen Netzwerken – zum Beispiel iPad-
        Klassen auf Facebook – genutzt.                                  Link
                                                                    www.edugroup.at/innovation/tablets-mobiles – eine
        Phase 2                                                     Fundgrube für nützliche Apps. Falls doch keine Schu-
        Die Schüler/innen erarbeiten ein Konzept für die Schu-      lung für Lehrende stattfindet, können die Schüler/in-
        lung, in dem Themen und Apps vorgeschlagen werden.          nen zumindest eine Linkliste mit Apps für Lehrende zur
        Der/die Lehrende gibt dazu Feedback. Gemeinsam wird         Verfügung stellen, inklusive einer Kurzbeschreibung
        ein Ablaufplan für die Schulung erstellt.                   (Unterrichtsfach, Einsatzgebiet, Kosten etc.).

                    Video
                    Als Einstieg in die Schulung kann ein Video über das Projekt [L3T] präsentiert werden. Es zeigt die Sicht
                    von Kindern auf verschiedene Technologien und verdeutlicht, warum es Sinn macht, Smartphones und
                    Tablets in den Unterricht einzubeziehen. http://youtu.be/ZLbT5O8vmgU

Erst denken, dann klicken.                                                                     Handy in der Schule       15
THEMA

       6                     Schummeln mit dem
                             Handy: Welche Maß-
                             nahmen können helfen?
 a
   log u2 n            = c                     2
                     b
                 a += n· a
                                   2

                u=                           log u
                                       y = sin x
                                                          „Die Schüler/innen schummeln
                                                          mit dem Handy – und zwar
                                                          nicht erst bei der Matura.“

                                 2rπ
M
          it dem Smartpho-       großen Bruder zu schicken     det. Auch als Taschenrech-      beliebter Trick ist auch, Lö-
          ne steht Schüler/      oder ihn am Klo mit einem     ner, Formel- oder Vokabel-      sungshilfen daheim als Au-
          innen ein raffi-       vorab deponierten Handy       speicher eignen sich Handys     diodatei vorzubereiten und
niertes Mittel zur Verfü-        anzurufen, wären mögli-       hervorragend. Durch das         die Kopfhörer beim Test
gung, um ihre Lehrer/innen       che Varianten. Oder es wird   mobile Internet können          unter den Haaren zu verste-
auszutricksen. Während der       gleich das ganze Angabe-      Antworten zudem einfach         cken.
Schularbeit ein Rechenbei-       blatt mit der Handykamera     recherchiert oder Textstel-
spiel via WhatsApp an den        abfotografiert und versen-    len übersetzt werden. Ein

Konstruktive Lösungen                      Nicht erlaubt: Störsender
Grundsätzlich entscheidet die Lehr-        Vor allem in Bezug auf die Matura sind    den Aufgaben der öffentlichen oder
kraft, was im Unterricht erlaubt ist und   Störsender im Umfeld von Prüfungs-        staatlichen Sicherheit, der Verteidi-
was nicht. In manchen Fällen spricht       räumen und Toiletten im Gespräch.         gung oder der Strafrechtspflege be-
vielleicht nichts dagegen, wenn Schü-      Auch wenn sie österreichische Anbie-      traut sind. Wer sich nicht daran hält,
ler/innen Notizen am Handy abrufen.        ter an Schulen offiziell verkaufen, ist   riskiert eine Strafe von bis zu 4.000
Um die Handynutzung während einer          ihre Anwendung nach § 74 des TKG          Euro. Auch die Österreichische Daten-
Schularbeit zu unterbinden, sammeln        (Telekommunikationsgesetz) verbo-         schutzbehörde (www.dsb.gv.at) sieht
Lehrende vorher oft alle Geräte ein        ten. Störungen dieser Art dürfen          das Aufstellen von Störsendern prob-
oder lassen sie auf die Tische legen       nur Behörden veranlassen, die mit         lematisch.
und setzen die Klasse zusätzlich kom-
plett um. Das kann funktionieren, so-
lange Schüler/innen nicht irgendwo
geschickt ihre Zweit- und Dritthandys                 Handys offiziell zulassen?
platziert haben. Besser wäre es daher,                k Sprechen Sie bei Ihren Schüler/innen offen die Herausforderung
Aufgaben zu stellen, die nicht reines                   des Schummelns an.
Faktenwissen abfragen, sondern Re-                    k Klären Sie, ob alle Schüler/innen damit einverstanden wären,
flexion erfordern und somit nicht so                    wenn das Handy zugelassen wird.
schnell mit dem Handy gelöst werden                   k Wie müsste sich der Lernstoff dann ändern oder zunehmen?
können.                                               k Welche Anwendungen könnten sich eignen (z.B. Wörterbücher,
                                                        Taschenrechner, …)?

 16        Handy in der Schule                                                                     Erst denken, dann klicken.
Handy-Lernkultur                                                                                          ÜBUNG

                                                                                                                6
reflektieren
  Alter:                                    Ab der 5. Schulstufe
  Unterrichtsfächer:                        KoKoKo- (Kommunikation-Kooperation-Konfliktlösung) und Mediations-
                                            Stunden, Soziales Lernen
  Digitale Kompetenzen digikomp8:           1.2 Verantwortung bei der Nutzung von IT,
                                            3.4 Kommunikation und Kooperation
  Dauer:                                    ein bis zwei Unterrichtseinheiten mit Hausübung

Ziele
k Das gemeinsame Lernverhalten in der Klasse reflektieren                Achtung! Bei dieser Übung können Konflik-
k Besser miteinander lernen und zusammenarbeiten können                  te zutage treten, die sonst nicht offensicht-
                                                                         lich sind, zum Beispiel Ausgrenzung oder
Schummeln kann von Lehrkräften nicht gutgeheißen werden.                 Mobbing unter Schüler/innen. Diese Prob-
Nichtdestotrotz ist es eine Art des gemeinschaftlichen Arbei-            leme müssen unbedingt aufgegriffen und
tens unter Schüler/innen. In dieser Übung wird reflektiert, in           bearbeitet werden.
welchen anderen Formen die Schüler/innen zusammenarbei-
ten, miteinander lernen und sich gegenseitig unterstützen –
und welche Rolle Handys dabei spielen.

           Ablauf
           Phase 1                                               Phase 2
           Jede/r Schüler/in überlegt für sich:                  Die Schüler/innen schreiben einen Aufsatz über das
                                                                 gemeinsame Lernen und Unterstützen. Danach wer-
           k Wann und wo lerne ich mit anderen?                  den die Aufsätze in der Klasse verglichen.
           k Wie unterstützen wir uns gegenseitig beim
             Lernen?
           k Von wem bekomme ich Infos, wenn ich etwas                  Variante
             versäumt habe?                                      Die Schüler/innen überlegen in Kleingruppen, wie das
           k Welche Rolle spielt das Handy dabei?                gemeinschaftliche Lernen in der Praxis ausschaut. Es
           k Welche Rolle spielen Soziale Netzwerke, zum Bei-    wird darauf geachtet, ob alle in der Klasse beteiligt
             spiel Facebook- oder WhatsApp-Gruppen?              sind oder einzelne Schüler/innen ausgegrenzt wer-
                                                                 den. Gemeinsam werden Regeln überlegt, z. B. für
                                                                 WhatsApp, um das gemeinsame Lernen in der unter-
                                                                 richtsfreien Zeit zu verbessern.

Erst denken, dann klicken.                                                                Handy in der Schule        17
7
                                                          THEMA
                                                                                       Ungeeignete Inhalte:
                                                                                       Kinder kompetent
                                                                                       begleiten
                                                     Liebe Eltern!

                                                     Durch das große mediale Interesse am Songcontest und
                                                     dem Sieg von Conchita Wurst, sind bei den Kindern rege
                                                     Diskussionen entstanden, die uns wieder mitten ins The-                     „Die Kinder schauen sich viel
                                                     ma Aufklärung katapultiert haben. Ein Thema, das mir
                                                     sehr am Herzen liegt, weil mit einigen Kindern zu Hause
                                                                                                                                 zu früh Pornos oder andere
                                                     darüber gar nicht gesprochen wird (und das Thema auch                       ungeeignete Inhalte an.“
                                                     im Lehrplan verankert ist!).
                                                     Mir ist aufgefallen, dass das Vorwissen der Kinder zu die-
                                                     sem Thema enorm groß ist – sie allerdings viele Informati-
                                                     onen aus dem Fernsehen und leider auch aus dem Internet
                                                     (Pornos) haben, die so gar nicht der Realität entsprechen.    Wie reagieren, wenn jugendgefährdende Inhalte unter
                                                     Ich habe mich heute im Unterricht bemüht ihnen ein biss-      Schüler/innen kursieren?
                                                     chen davon zu erzählen, was in den nächsten Jahren auf
                                                     sie zukommen wird. Wie aus Freundschaften Beziehungen
                                                                                                                   k Sorgen Sie dafür, dass die Inhalte        denden Inhalten nicht
                                                     werden können, wie erste Annäherungsversuche aussehen
                                                     bis hin zu einer Schwangerschaft. Auch das Thema Verhü-         gelöscht werden – durch Sie selbst        erlaubt ist. Dazu zählen
                                                     tung haben wir besprochen.                                      oder die Schüler/innen. Stellen Sie       auch sexuelle Darstellun-
                                                     Den Kindern war es ganz wichtig zu wissen, wann der rich-       sicher, dass wirklich alles auf allen     gen von Menschen mit
                                                     tige Zeitpunkt für all dies gekommen ist. Ich denke, dass       Handys gelöscht wurde.                    Tieren. Informieren Sie
                                                     dies nicht zu beantworten ist. Mir war wichtig ihnen mit-                                                 die Eltern, dass ihr Kind
                                                     zugeben, dass sie auf ihre innere Stimme vertrauen kön-
                                                                                                                   k Finden Sie heraus, welches Kind           bereits darüber aufge-
                                                     nen, dass sie nur das zulassen, was auch ihnen ein Bedürf-
                                                     nis ist. Da von den Kindern sehr viele Fragen kamen, haben
                                                                                                                     die Inhalte verbreitet hat und spre-      klärt wurde, warum das
                                                                                                                     chen Sie mit ihm. Erklären Sie, wa-       verboten ist.
Dank an Julia Ebert für die Erlaubnis zum Abdruck

                                                     wir das Thema bis ins kleinste Detail besprochen.
                                                     Ich bitte Sie, zu Hause noch einmal nachzuspüren, ob bei        rum Besitz und Verbreitung nicht
                                                     Ihrem Kind noch Fragen offen sind und ob es noch mehr           in Ordnung sind. Weisen Sie darauf      k Verständigen Sie die El-
                                                     Klärungsbedarf gibt.                                            hin, dass ein derartiges Verhalten in     tern der Kinder, die be-
                                                     Ganz wichtig ist auf jeden Fall, die Einstellungen an Com-      Zukunft Folgen hat – zum Beispiel         sonders verstörende In-
                                                     putern und Handys, zu denen die Kinder Zugang haben,
                                                                                                                     die Verständigung der Eltern.             halte konsumieren muss-
                                                     so vorzunehmen bzw. Filter zu installieren, dass sie keinen
                                                     Zugang zu pornografischem Material haben. Und dies war
                                                                                                                                                               ten. Kinder können durch
                                                     bei einigen Kindern definitiv der Fall.                       k Verständigen Sie bei Bedarf die           die Konfrontation mit
                                                     Liebe Grüße,                                                    Eltern – vor allem, wenn sich die         solchen Inhalten trauma-
                                                                                                                     Vorfälle wiederholen. Machen Sie          tische Erfahrungen ma-
                                                                                                                     die Eltern darauf aufmerksam, dass        chen. Eltern müssen ihre
                                                                                                                     die Verbreitung von jugendgefähr-         Kinder im Umgang damit
                                                                                                                                                               unterstützen.
                                                    Was Kinder wissen sollen
                                                    „Wenn du im Internet auf Websites stößt, die dir unange-                      Link
                                                    nehm sind oder dir Angst machen, schließe diese Seiten. Es               www.saferinternet.at/fuer-eltern/#c2317 – Filterprogram-
                                                    kann immer wieder passieren, dass man unabsichtlich auf                  me, -Apps & Co. – wie kann ich Computer und Smartpho-
                                                    solche Seiten kommt. Das gleiche gilt auch, wenn dir etwas               ne sicherer machen?
                                                    Grausliches auf das Handy geschickt wird. Wenn du nicht
                                                    vergessen kannst, was du gesehen hast, dann sprich mit
                                                    deinen Eltern darüber oder anderen Erwachsenen, denen                             Beachten Sie: Technische Lösungen („Sperren“)
                                                    du vertraust. Zeige die Inhalte aber nicht auch noch deinen                       alleine können keinen ausreichenden Schutz
                                                    Freunden und Freundinnen!“                                                        bieten.

                                                     18          Handy in der Schule                                                                             Erst denken, dann klicken.
Vor Dingen schützen,                                                                                      ÜBUNG
                                                                                                                7
die mir Angst machen
  Alter:                                 Ab der 1. bis zur 6. Schulstufe
  Unterrichtsfächer:                     Alle
  Digitale Kompetenzen digikomp8:        1.2 Verantwortung bei der Nutzung von IT
  Dauer:                                 eine Unterrichtseinheit

Ziel
k Mit angstmachenden Inhalten besser umgehen lernen

        Ablauf
        Phase 1
        In Kleingruppen sammeln die Schüler/innen Dinge, die    k Überlegen, welchen Erwachsenen man sich anver-
        ihnen Angst machen könnten. Sie zeichnen diese auf        trauen könnte – es müssen nicht immer die Eltern
        Plakate. Pro Gruppe soll ein gemeinsames Plakat ent-      sein, da diese manchmal mit Verboten reagieren.
        stehen. So kann später nicht so einfach nachvollzogen     Vielleicht können aber Großeltern, Onkeln, Tanten
        werden, welches Kind welchen Beitrag geleistet hat.       oder große Geschwister weiterhelfen.
        Die Kinder sind so eher vor Hänseleien geschützt.
                                                                Phase 3
        Phase 2                                                 Gemeinsam erstellen die Schüler/innen ein weiteres
        Die Kinder diskutieren miteinander, wie sie reagieren   Plakat, auf dem alle Tipps gesammelt sind. Das Plakat
        können, wenn sie auf Dinge stoßen, die ihnen Angst      wird im Klassenzimmer aufgehängt.
        machen. Zum Beispiel:
                                                                          Achtung! Auch das bloße Reden über „Angst-
        k Website, App oder Programm schließen.                           macher“ kann Kinder ängstigen. Die Kinder
        k Wenn der Schreck nicht nachlässt und sich schlaflo-             sollten daher entsprechend begleitet wer-
          se Nächte oder Alpträume einstellen, mit Erwachse-              den. Eine Information der Eltern ist zu emp-
          nen darüber reden.                                              fehlen.

Erst denken, dann klicken.                                                                Handy in der Schule       19
THEMA

       8                     Schüler/innen als
                             Medienproduzent/innen

D
      amit Schüler/innen ihre Produkte aus dem Unter-
      richt rechtlich abgesichert veröffentlichen dürfen,
      empfiehlt es sich, vorab eine Einverständniserklä-                „Das Handy verleitet
rung der Eltern einzuholen. Schüler/innen ab 14 Jahre kön-             dazu, gemeine Videos zu
nen diese Zustimmung zusätzlich auch selbst geben. Da-
                                                                     machen. Die Kids fotografie-
rüber hinaus sollte die Veröffentlichung eines Fotos oder
Videos immer von allen abgebildeten Personen freigege-               ren und filmen ohne Zustim-
ben sein.                                                             mung und veröffentlichen ihr
                                                                       Material auch noch.“

Fotos/Videos veröffentlichen

Ich, Frau/Herr				                       , bin einverstan-    Werke veröffentlichen
den, dass mein Sohn/meine Tochter
im Zuge von Schulveranstaltungen oder -projekten foto-        Ich, Frau/Herr				                     , bin einverstan-
grafiert oder gefilmt wird und diese Fotos und Videos auf     den, dass die Schule			                        während
der Schulwebsite und in sonstigen Publikationen der Schu-     des Schulunterrichts entstandene Werke meines Soh-
le veröffentlicht werden dürfen. Die Fotos zeigen Schüler/    nes/meiner Tochter, 				                             , in
innen beim Arbeiten oder im Schulalltag. Es werden kei-       Publikationen der Schule sowie in sonstigen im schuli-
ne Porträts oder Bilder mit den vollständigen Namen der       schen Kontext stehenden Publikationen veröffentlichen
Schüler/innen veröffentlicht.                                 darf.

        Achtung! Auch wenn für die Schule einige Ausnahmen im Urheberrecht bestehen und dadurch vieles möglich
        ist, müssen Schüler/innen trotzdem den richtigen Umgang damit erlernen. Seien Sie selbst ein Vorbild!

k Liegt eine Einverständniserklärung     k Achten Sie die Urheberrechte. Wenn     k Besprechen Sie Urheberrechtsver-
  vor, dürfen Schüler/innen auf Fotos      Schüler/innen für ihre Werke frem-       letzungen, etwa auch in Sozialen
  oder Videos der Schule vorkommen         des Material verwenden möchten,          Netzwerken. Das Urheberrecht ist
  bzw. ihre eigenen Werke im Zusam-        dürfen sie das nur, wenn sie dafür       eine komplexe Materie, die Kindern
  menhang mit der Schule veröffent-        die Erlaubnis des Urhebers/der Ur-       und Jugendlichen aus ihrem Erle-
  lichen. Schüler/innen oder deren El-     heberin haben! Bei Bildern oder          ben heraus wenig nachvollziehbar
  tern können dieses Einverständnis        Musik mit einer Creative Com-            ist. Warum zum Beispiel darf man
  jederzeit widerrufen!                    mons- oder Public Domain-Lizenz          einen Link in einem Sozialen Netz-
                                           ist das in der Regel automatisch der     werk posten, während es schon
                                           Fall.                                    eine Urheberrechtsverletzung sein
          Video                                                                     kann, ein Foto zu teilen?
          Musik trifft Urheberrecht: http://youtu.be/JVJPH5axlgI

      Links
rataufdraht.orf.at/?story=25004 – Welche Fotos dürfen bei Facebook & Co. gepostet werden? Artikel von 147 Rat auf Draht.
www.saferinternet.at/fileadmin/files/Materialien_04_2010/Creative_Commons.pdf – KPHVIE/Saferinternet.at: Creative
Commons – ein Informations- und Arbeitsheft für Schüler/innen, Studierende und Lehrende.

 20        Handy in der Schule                                                                  Erst denken, dann klicken.
Checkliste für                                                                                            ÜBUNG

                                                                                                                8
Filmemacher/innen
  Alter:                                   Ab der 6. Schulstufe
  Unterrichtsfächer:                       Bildnerische Erziehung
  Digitale Kompetenzen digikomp8:          1.2 Verantwortung bei der Nutzung von IT,
                                           1.4 Entwicklung und berufliche Perspektiven
  Dauer:                                   eine Unterrichtseinheit

Ziele
k Grundlegendes Wissen zum Urheberrecht aneignen
k Den Wert von „geistigem Eigentum“ verstehen lernen

        Ablauf
        Phase 1                                                  Phase 2
        Die Schüler/innen überlegen, welche Schritte für die     Die Schüler/innen gestalten ein Plakat, auf dem Tipps
        Erstellung eines Films notwendig sind:                   rund um das Urheberrecht für Filmemacher/innen ge-
                                                                 sammelt werden. Das Plakat wird in der Klasse aufge-
        k   Drehbuch schreiben                                   hängt.
        k   Locations suchen
        k   Ausstattung organisieren
        k   Schauspieler/innen finden                                   Variante
        k   Bilder einbauen                                      Die Schüler/innen entwickeln Learning-Apps, die die
        k   Musik und Soundeffekte einbetten                     gesammelten Fakten zum Urheberrecht abfragen. An-
        k   Aufnahme und Schnitt                                 regungen dazu gibt es unter: www.learningsapps.org
        k   Im Internet veröffentlichen

        Als nächsten Schritt versuchen die Schüler/innen her-
        auszufinden, wo überall das Urheberrecht relevant sein
        könnte.

                 Achtung! Die rechtliche Situation kann un-
                 terschiedlich sein, je nachdem, wo der Film
                 oder das Video veröffentlicht wird. Dies un-
                 bedingt bei der Erstellung berücksichtigen!
                 Auch das „Recht am eigenen Bild“ der ab-
                 gebildeten Personen muss berücksichtigt
                 werden.

             Link
        www.virtuelle-ph.at/oer – Schummelzettel „Freie Bildungsinhalte nutzen – Urheberrechtsprobleme vermeiden“.

Erst denken, dann klicken.                                                                Handy in der Schule       21
9
      THEMA
                             Sexting:
                             Welche Rolle spielt
                             die Schule?

                                                                  „Jugendliche verschicken
                                                                  Nacktfotos in der Freizeit.
                                                                 Was geht das die Schule an?“

                                                             I
                                                               nspiriert durch TV-Shows, Werbeplakate, Teenie-Zeit-
                                                               schriften etc. ist es unter Kindern und Jugendlichen „in“
                                                               geworden, möglichst aufreizende Bilder von sich selbst
                                                             zu machen. Vor dem Spiegel werden unterschiedliche Po-
                                                             sen ausprobiert und mit dem Handy fotografiert. Die „bes-
                                                             ten“ Bilder landen in Sozialen Netzwerken oder werden
                                                             per Messenger an Freund/innen geschickt. Man spricht
                                                             hier auch von „Sexting“.

Das Problem dabei: Sind solche Bilder     text auftauchen – zum Beispiel auf      Kontakt aufzunehmen. Deshalb ist es
einmal in Umlauf, besteht so gut wie      Kinderporno-Seiten. Einmal verbreite-   notwendig, mit Kindern bereits mög-
keine Möglichkeit mehr, ihre Verbrei-     te Aufnahmen können immer wieder        lichst früh über die Rolle von intimen
tung zu stoppen. Auch wenn Fotos im       auftauchen und Schaden anrichten.       Fotos zu sprechen.
Internet „nur“ für „Freund/innen“ frei-   Gefährlich wird es auch dann, wenn
gegeben sind, kann nicht ausgeschlos-     Pädophile durch die aufreizenden Fo-
sen werden, dass sie in falsche Hände     tos im Internet angelockt werden und
geraten oder in einem anderen Kon-        versuchen, mit den Minderjährigen

          Videos
          Ein Aufklärungsvideo zum Thema „Sextorsion“ aus Spanien: http://youtu.be/tge2tgH2dDo
          www.saferinternet.at/sexualitaet-internet – Häufige Fragen und Antworten zum Thema Sexualität & Internet
          rataufdraht.orf.at/?story=23609 – Artikel von 147 Rat auf Draht: Erpressung nach „Sex-Skype“

 22        Handy in der Schule                                                                  Erst denken, dann klicken.
Sexting
                      Auch wenn keine verlässlichen Zahlen     Dabei kann es zu Missbrauch kom-
                      dazu vorliegen, ist davon auszugehen,    men, etwa in Form von Erpressung,
                      dass „Sexting“, also das Verschicken     um zu verhindern, dass der/die andere
                      erotischer Bilder via Handy, mittler-    Schluss macht. Oder um eine Person
                      weile gängige Praxis bei den älteren     zu schädigen, die einen verletzt hat.
                      Jugendlichen ist. Die Gründe dafür       Ganz oft passiert aber auch gar nichts
                      sind vielfältig:                         – mit dem Ergebnis, dass anfängliche
                      k Erotische Aufnahmen als Teil des       Bedenken über Bord geworfen wer-
                         Sexuallebens                          den und Sexting zu einem „normalen“
                      k Anbahnung von Beziehungen              Verhalten wird.
                         durch aufreizende Fotos
                      k Verschicken an Freund/innen, um
                         cool und anerkannt zu sein

       Kinderpornografie
       Alle Aufnahmen mit sexuellen Inhal-       wenn der/die Jugendliche noch unter
       ten von Jugendlichen unter 18 Jahren      14 Jahren ist, wird der Fall aktenkun-
       gelten nach dem § 207a StGB als por-      dig und das Jugendamt eingeschaltet.
       nografische Darstellungen Minder-         Es trägt dazu bei, dass Jugendliche
       jähriger, kurz: Kinderpornos. Schon       vorsichtiger mit extremen Inhalten
       deren Besitz ist verboten. Sollte die     umgehen, wenn sie wissen, dass die
       Polizei zufällig kinderpornografische     Verbreitung von jugendgefährden-
       Bilder auf dem Handy eines Schülers/      den Inhalten rechtliche Folgen haben
       einer Schülerin finden, der/die „nur“     kann. Dazu gehören auch Nacktfotos
       gesammelt hat, was gerade im Um-          anderer Jugendlicher.
       lauf war, muss sie das anzeigen. Selbst

                                                                         Sextorsion
                                                                         Immer häufiger passiert es, dass Jugendliche in
                                                                         Chats potenzielle Sexualpartner/innen für einen
                                                                         „Cyber-Quicke“ via Skype kennenlernen, dann
                                                                         aber in die Falle gelockt werden. Die Jugendli-
                                                                         chen werden mithilfe eingespielter Pornos zu
                                                                         sexuellen Handlungen vor der Webcam aufge-
                                                                         fordert, die heimlich mitgeschnitten werden. Die
                                                                         Jugendlichen werden in weiterer Folge erpresst.
                                                                         Dieses Phänomen ist europaweit zu beobachten.

Erst denken, dann klicken.                                                                  Handy in der Schule      23
9
      THEMA
                                Sexting:
                                Welche Rolle spielt
                                die Schule?

       Tipps: Was tun bei einem Sexting-Fall
       in der Schule?
1. Vorfall sofort anspre-        3. Bilder löschen. Sorgen
   chen. Sie können sich            Sie dafür, dass die Bilder
   sicher sein: Wenn es             aus dem Internet ver-
   einmal Lehrende mitbe-           schwinden: Man kann
   kommen, weiß längst die          Inhalte in Sozialen Netz-
   ganze Schule Bescheid.           werken melden und ei-
                                    nen Löschantrag stellen.
2. Die Betroffenen unter-           Die Schüler/innen in den
   stützen. Wurde das               beteiligten Klassen soll-
   Nacktbild eines Schü-            ten dazu aufgefordert
   lers/einer Schülerin ver-        werden, das Bild oder
   öffentlicht, so braucht          Video vor den Augen der
   diese/r ganz unabhängig          Lehrkraft vom Handy zu
   vom eigenen „Verschul-           löschen. Dabei sollten sie
   den“ Unterstützung und           daran erinnert werden,
   eventuell auch psycholo-         dass solche Bilder als kin-   4. Schüler/innen sensibili-   5. Versöhnung. Eventuell
   gische Betreuung. Über-          derpornografisches Ma-           sieren. Nachdem sich          lassen sich auch Formen
   legen Sie mit dem Schü-          terial zu werten sind und        die ersten Wogen ge-          der Wiedergutmachung
   ler/der Schülerin, wie die       deren Besitz verboten ist        glättet haben, sollte in      überlegen: Was könnten
   Eltern informiert werden         (siehe Seite 23).                den Klassen unbedingt         die Veröffentlicher/innen
   könnten, wer ihr/ihm                                              zu Themen wie „Recht          tun, um zu zeigen, dass
   beistehen kann etc.                                               am eigenen Bild“, „Mei-       es ihnen leid tut?
                                                                     ne Spuren im Netz“ oder
                                                                     „Cyber-Mobbing“ gear-
                                                                     beitet werden.

                                                  Tipp
                                                147 Rat auf Draht, der Notruf für Kinder, Jugendliche und deren Bezugsper-
                                                sonen bietet Unterstützung, wenn in einem akuten Fall Handlungsbedarf
                                                besteht. 147 Rat auf Draht bietet neben der Telefonberatung auch eine On-
                                                line- und Chat-Beratung. www.rataufdraht.at

 24        Handy in der Schule                                                                      Erst denken, dann klicken.
Sexting-Plakate                                                                                               ÜBUNG
                                                                                                                    9
gestalten
  Alter:                                   Ab der 9. Schulstufe
  Unterrichtsfächer:                       Bildnerische Erziehung
  Digitale Kompetenzen digikomp8:          1.2 Verantwortung bei der Nutzung von IT,
                                           4.1 Darstellung von Information
  Dauer:                                   drei bis vier Unterrichtseinheiten
  Vorbereitung:                            Sicherstellen, dass die Plakate öffentlich sichtbar in der Schule hängen dür-
                                           fen und eine Umfrage in der Schule durchgeführt werden kann.
                                           Unentgeltlich nutzbare Bilder verwenden, z. B. suchen unter search.
                                           creativecommons.org, pixabay.com

Ziele
k Die eigene Selbstdarstellung im Netz reflektieren
k Die Folgen unüberlegten Handelns einschätzen lernen
k Rollenbilder hinterfragen lernen

        Ablauf                                                      Phase 3
                                                                    In der Klasse wird die Wirkung der Plakate reflektiert.
        Phase 1                                                     Sind die Plakate und Aussagen bei Mädchen und Bur-
        Jede/r Schüler/in (oder geschlechtshomogene Gruppe)         schen unterschiedlich angekommen? Bräuchte es für
        formuliert drei Tipps zum Thema „Nacktbilder im Inter-      Mädchen und Burschen unterschiedliche Plakate? Wie
        net“ und kreiert dazu ein möglichst auffälliges Plakat.     beurteilt die Klasse die Aufklärungskampagne? Welche
        Das Plakat sollte so gestaltet sein, dass es zwar mit dem   Parallelen zu Werbung und Unterhaltungsshows sind
        Jugendschutzgesetz konform geht, aber frei nach dem         erkennbar?
        Motto „Sex sells“ von den Schüler/innen anderer Klas-
        sen wahrgenommen wird. Das Plakat wird nicht mit                    Anmerkung zum Jugendschutzgesetz:
        Namen, sondern mit einer Nummer signiert. Im Sinne                  Das Jugendschutzgesetz ist in Österreich auf
        einer Aufklärungskampagne rund um Nacktfotos sol-                   Landesebene geregelt. In jedem Bundesland
        len Themen wie „Der eigene Ruf im Netz“, „Verbreitung               gibt es leicht unterschiedliche Bestimmun-
        von Kinderpornografie“ oder „Cyber-Mobbing“ verar-                  gen. Überall gleich ist jedoch, dass die Wei-
        beitet werden.                                                      tergabe von z.B. pornografischen, national-
                                                                            sozialistischen oder gewaltverherrlichenden
        Phase 2                                                             Inhalten an Jugendliche verboten ist und Ju-
        Die Plakate werden für zwei Wochen gut sichtbar in                  gendliche solche Inhalte auch nicht besitzen
        der Schule aufgehängt. Danach werden Schüler/innen                  dürfen. Doch wo genau die Grenze zwischen
        anderer Klassen befragt, wessen Plakat a) den besten                Erlaubtem und Unerlaubtem verläuft, ist
        Inhalt hatte und b) grafisch am besten umgesetzt wur-               nur schwammig definiert. Vor allem Werbe-
        de. Weiters könnte abgefragt werden: Welche Plakate                 und Musikbranche bewegen sich oft an der
        wirken wie? Welche Aussagen sind besonders einpräg-                 Grenze des Legitimen oder überschreiten sie.
        sam? Was ist wichtiger: Slogan oder Bild?
                                                                            Eine Übersicht über alle österreichischen Ju-
                                                                            gendschutzgesetze:
                                                                            www.oesterreichisches-jugendportal.at/
                                                                            themen/jugendschutz-recht/jugendschutz

Erst denken, dann klicken.                                                                    Handy in der Schule       25
10
     THEMA
                           Cyber-Mobbing:
                           Sinnvolle Maßnahmen
                           dagegen?

     „Gegen Cyber-Mobbing hilft
     doch nur ein Handyverbot,
     oder?“

              Was regelt das „Recht am eigenen Bild“?

             D
                    as „Recht am eigenen Bild“, festgeschrieben in
                    § 78 Urheberrechtsgesetz, schützt eine abgebildete
                    Person vor der ungewollten Veröffentlichung eines
              nachteiligen Fotos oder Videos. Fotos, Videos und/oder
              deren Begleittext, die eine abgebildete Per-
              son „bloßstellen“ oder „herabsetzen“, dürfen
              nicht veröffentlicht werden. Es reicht aller-
              dings nicht, wenn sich die oder der Abgebildete
              einfach nur hässlich findet – eine Bloßstellung
              muss objektiv nachvollziehbar sein!

26       Handy in der Schule                                             Erst denken, dann klicken.
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