IBA_LAB No 7 "DIGITALE STADT?" - DOKUMENTATION DER FACHKONFERENZ 20. + 21. SEPTEMBER 2019 - IBA Heidelberg
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IBA_LAB
No 7
»DIGITALE STADT?«
DOKU M E NTATION D E R
FACHKONF E RE NZ
20. + 21. S E P TE MB E R 2019
D E R F I LM
ZU R KO N F E R E NZ
AU F
I BA . H E I D E LB E RG. D EIBA_LAB No 7 »DIGITALE STADT?« DOKU M E NTATION D E R FACHKONF E R E NZ 2 0. + 21. S E P TE MB E R 2 019
Inhalt Vorwort 5 Programm 6 Grußworte 8 Statements 14 Keynotes 16 Die digitale Stadt in vier Themenfeldern 24 Resümee 54 Lebensläufe 58 Impressum 62
Vorwort Herzlich Willkommen bei der Internationalen Bauausstellung Heidelberg! Sie halten die Dokumentation der Fachkonferenz IBA_LAB N°7 »Digitale Stadt?« in den Händen. Von 2012 bis 2022 ist die IBA Heidelberg unter dem Motto »Wissen schafft Stadt« in der gesamten Stadt aktiv. Sie initiiert, berät und hilft bei der Umsetzung von städtebaulichen und architektonischen Projekten, die für die Wissensgesellschaft beispielhaft sind. Die jährliche Fachkonferenz, das IBA_LAB, fand 2019 auf der Konversionsfläche Patrick-Henry- Village statt. Das Gelände wurde ursprünglich als Wohnsiedlung der US-Armee gebaut und ist mit einer Fläche von knapp 100 Hektar fast so groß wie die Heidelberger Altstadt. Gemeinsam mit der IBA und weiteren Partnern entwickelt die Stadt Heidelberg das PHV zu einer »Wissens- stadt von morgen«. Wo ließe sich also besser über das Thema der digitalen Stadt debattieren? Am konkreten Beispiel PHV stellte die Konferenz die Frage, ob und wie sich Digitalisierung und Raumstrukturen gegenseitig beeinflussen. Wie reagiert die »Wissensstadt von morgen« bei ihrer Entstehung und im Betrieb auf die Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitali- sierung? Welche Anforderungen hat die globalisierte, wissenszentrierte und zunehmend digitale Gesellschaft an die gebaute Umwelt? Unbestritten ist, dass sämtliche Bereiche des urbanen Lebens durch die Digitalisierung künftig berührt werden. Die Neuordnung der Mobilität, neue Formen und Orte der Arbeit und des Lernens, der Produktion und der Dienstleistung oder die Veränderung der Kommunikation sind dabei nur einige Beispiele. Gleichzeitig sind wir bei der IBA davon überzeugt, dass der Mensch bei allen Überlegungen zur Europäischen Digitalen Stadt im Vordergrund stehen muss. Das Themenspektrum der Fachkonferenz trug dieser Vielfalt Rechnung: Vorträge von Expert*innen aus den Feldern Bildung und Wissenschaften, Wohnen und Wirtschaften, Öffentliche Räume, Mobilität sowie Stoffkreisläufe beleuchteten die Digitalisierung und ihre Auswirkungen. Wie beeinflusst der anhaltende Wandel die Planungen in den unterschiedlichen Disziplinen? Viel Wissen wurde bereits erarbeitet: Seit 2016 läuft der umfangreiche Planungsprozess zur Entwicklung eines dynamischen Masterplans für das PHV. Im zweiten Teil der Konferenz wurden daher vorhandene Kernthesen der PHV-Planer*innen und die in den Impulsvorträgen gewonnenen Erkenntnisse gegenübergestellt und gemeinsam diskutiert – die Ergebnisse finden Sie hier zusammengefasst. Wir danken allen Teilnehmer*innen für eine spannende und inspirierende Konferenz und wünschen viel Freude und Erkenntnis beim Lesen! Das Team der IBA Heidelberg IBA_LAB No 7 | Vorwort ▸ 5
IBA_LAB No 7
»DIGITALE STADT?«
Freitag 20.09. 2019 Samstag 21.09. 2019 11.40 UHR ▸ FACH F O RU M 2 ▸
MODERATION MODERATION ÖFFENTLICHE RÄUME UND MOBILITÄT WO H N E N U N D W I RT SCHAF T E N
Antje Grobe | Dr. | DIALOG BASIS | Tübingen Antje Grobe | Dr. | DIALOG BASIS | Tübingen
IMPULSE Welche Anforderungen müssen Wohn- und Wirt-
Martina Baum | Prof. Dr. | Universität Stuttgart schaftsräume in der digitalen Gesellschaft erfül-
17.00 UHR ▸ BEGRÜSSUNGEN 9.15 UHR ▸ TALK »DIGITALE STADT?« len? Wie und in welchem Umfang verändern sich
KOMMENTAR Typologien und Raumnutzungskonzepte?
Michael Braum | Prof. | IBA Heidelberg Anouk Kuitenbrouwer | KCAP | Zürich
Ernst Hubeli | Prof. | Herczog Hubeli | Zürich
Ralf Schulze | Bundesministerium des Innern, Michael Braum | Prof. | IBA Heidelberg
FACH F O RU M 3 ▸
für Bau und Heimat Jürgen Odszuck | Erster Bürgermeister der
Ö F F E NTLI CH E R ÄU M E U N D M O B I LITÄT
Andreas Schütze | Ministerium für Inneres, Digi- Stadt Heidelberg 12.20 UHR ▸
talisierung und Migration Baden-Württemberg Nikolas Neubert | Austrian Institute of URBANE STOFFKREISLÄUFE Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf
Technology | Wien die Verkehrsnetze und die Mobilitätsbedürfnisse?
IMPULSE
Wie wirken sich diese Veränderungen auf den öf-
18.00 UHR ▸ KEYNOTES Daniela Perrotti | Prof. | UCLouvain
fentlichen Raum aus?
10.00 UHR ▸ Dieter Grau | Ramboll Studio Dreiseitl | Über-
Vinton G. Cerf | Google | Mountain View
BILDUNG UND WISSENSCHAFTEN lingen
»Digital Cities – What makes a City Smart?« FACH F O RU M 4 ▸
IMPULSE U RBAN E S TO F F KR E I S L ÄU F E
KOMMENTAR
Thomas Ramge | Sachbuchautor und Wirtschafts- Dorte Kristensen | atelier PRO | Den Haag
Undine Giseke | Prof. | TU Berlin Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der Aus-
journalist | Berlin Sascha Friesike | Prof. Dr. | Weizenbaum-Institut
gestaltung urbaner Stoffkreisläufe? Ergeben sich
»Digitale soziale Marktwirtschaft vs. für die vernetzte Gesellschaft | Berlin
durch die Digitalisierung neue Flächenansprüche
Datenkapitalismus«
▸ MITTAGSPAUSE und Gestaltungsmöglichkeiten?
KOMMENTAR
19.00 UHR ▸ PODIUMSDISKUSSION Karl-Heinz Imhäuser | Dr. | Carl Richard Montag
Förderstiftung | Bonn
Nicole Huber | Stadt Heidelberg ▸ VORSTELLUNG DER ERGEBNISSE
Willem van Winden | Dr. | Amsterdam University 14.00 UHR ▸ FACHFOREN
Jochen Rabe | Prof. | TU Berlin IM PLENUM
of Applied Science In den Fachforen werden die Impulse des Vormit-
Kees Christiaanse | Prof. | KCAP | Zürich
tages aufgegriffen und gemeinsam Ideen für das
US-Areal entwickelt. 16.45 UHR ▸ RESÜMEE
10.40 UHR ▸
Carl Zillich | Prof. | IBA Heidelberg
▸ GET TOGETHER WOHNEN UND WIRTSCHAFTEN
FACH F O RU M 1 ▸
IMPULSE
B I LD U N G U N D W I S S E N SCHAF T E N
Angelus Eisinger | Dr. | Hochschule Luzern
Robert Kaltenbrunner | Dr. | BBSR | Bonn Wie müssen Lernräume und wissenschaftliche Ein-
richtungen gestaltet sein, damit sie als Entwick-
KOMMENTAR lungsmotoren in der digitalen Stadt wirksam und
Dieter Läpple | Prof. Dr. | HCU Hamburg sichtbar werden?
Ernst Hubeli | Prof. | Herczog Hubeli | Zürich
IBA_LAB No 7 | Programm ▸ 6Stadt im
digitalen Wandel
MICHAEL BRAUM | PROF.
IBA HEIDELBERG
Sehr geehrte Gäste, I am glad to welcome you at auch im Bereich der technischen Innovationen
the PX-Store of Patrick-Henry-Village. Six years – ob in der Mobilität, der Abfallbeseitigung, der
ago, the Americans gave up this location. The Energiegewinnung, der Ressourceneinsparung –
IBA Heidelberg has been working with the PHV bessere Prozessabläufe haben, als wir sie heute
for about three years. In our »PHVision«, we kennen. Das Betriebssystem der Stadt wird opti-
want to design nothing less than a model quarter miert. Die Stadt wird anders funktionieren. Dabei
of a knowledge city of tomorrow. And this city wird es neue Möglichkeiten geben, Stadt zu ver-
of tomorrow will be a digital one. Does this city handeln. Durch mehr Daten können Entscheidun-
look different than the one we have described as gen und Abwägungen informierter und rationaler
a European city so far? If you look at the project getroffen werden. Beides, die Neuaufstellung der Michael Braum zur Eröffnung des IBA_LAB N°7.
label »Smart City« worldwide, the first thing Infrastrukturen als auch die verbesserten Entschei-
that catches your eyes is a commercialization of dungsgrundlagen, sind mit einem hohen technischen
the cities. They all resemble each other with Aufwand verbunden und bieten privatwirtschaftli-
their clean technical skyscrapers and the public chen Interessen Raum, sich überproportional zu
geschwindigkeiten und den Unternehmen, die die tung ein. Nur im gemeinsamen und im gegenseiti-
spaces often look like the insight of a shopping entfalten. Bisher hat unsere Profession – Städte-
Digitalisierung als Kerngeschäft betreiben, zu gen Respekt wird die Digitalisierung als Kit und
mall. In Asia and in America in unusual dimen- bauer, Stadtplaner, Architekten, Landschafts-
geben. Dies auszuhandeln, ist die zentrale Heraus- nicht als digital divide gestaltet werden können.
sions – sorry – in Europe they come across a architekten und alle, die sich irgendwie mit Stadt-
forderung und hat mit Städtebau relativ wenig zu Wir müssen dabei über eine Schwarzweißmalerei
little more pleasing, but they also differ from the entwicklung beschäftigen – die Stadt in Abstim-
tun. Leben wir schon in einer digital durchdrun- hinauswachsen und dennoch regionale beziehungs-
usual image of a livable mixed city. But enough mung mit der Stadtgesellschaft und der Politik
genen Stadt aus Mobilitäts-Apps und sozialer weise europäische Narrative entwerfen, die gestalt-
of the Larmoyanz. What is our IBA_LAB about? unter den gegebenen Rahmenbedingungen, wie
Integration, die nicht zur Vereinsamung, sondern et, geplant und auch durchgesetzt werden wollen.
Digitale Stadt!? Gesetzen, Finanzierungsmöglichkeiten oder räum-
zu neuem Schwarmverhalten geführt hat? Sind
lichen Restriktionen, verhandelt. Im Zuge der
»brick and mortar« doch eine Bastion gegen »bits With this in mind I would like to thank everyone
Die Digitalisierung verändert unsere Welt radi- Digitalisierung werden andere Entscheidungsmus-
and bytes«, die sich nicht jeder Welle beugen, who came and wish our small conference a produc-
kal. Die einen feiern sie mit einer erschreckend- ter generiert. Abwägungen werden auf Basis mehr
sondern ein europäisches Verständnis von Räumen tive course.
en Naivität, die anderen warnen vor der Macht oder weniger vollständiger Datensätze getroffen
und Häusern bewahren helfen? Sie sehen, Fragen
der Digitalkonzerne. Unbestritten ist, dass sich und hier sind die Rahmensetzungen noch nicht
über Fragen. Und deswegen sitzen wir heute hier.
unsere Städte auf dem Weg von der Industrie-, abschließend geklärt und Gesetze erst in Ansätzen
Ich habe noch keine Antworten. Die substantiellen
über die Informations- bis hin zur Wissensge- vorhanden. Zudem – und das ist viel wichtiger –
Fragen sind dabei die ethischen: Der Datenschutz
sellschaft den veränderten ökonomischen stellt sich die Frage der Finanzierung im öffentli-
und die Datensicherheit. Um das Thema in seiner
Anforderungen anpassen müssen. Doch wird chen Bereich zu diesem neuen Thema. Es scheint
Komplexität jedoch gleichzeitig unter den Implika-
sich das Bild der Stadt verändern? Ich glaube offensichtlich ein Ungleichgewicht zwischen
tionen für die Produktion städtischer Räume – jetzt
nicht so sehr, wie ich das noch vor zwei oder Kommunen mit ihren demokratischen Entschei-
ist die Architektur und der Städtebau dran – zu dis-
drei Jahren angenommen hatte. Sicherlich dungsebenen und teils langen Entscheidungs-
kutieren, luden wir Positionen aus dem IBA-Kontext,
werden wir hybride Häuser bauen. Wir werden
aus der Wirtschaft, sowie der öffentlichen Verwal-
IBA_LAB No 7 | Grußwort ▸ 8Grußwort
RALF SCHULZE |
BUNDESMINISTERIUM DES INNEREN,
FÜR BAU UND HEIMAT
Die »Digitale Stadt« oder wie wir den Begriff lokale Ökonomie? Welche Governance-Strukturen
gewählt haben, die »Smart City« – worum geht es brauchen wir für die Zukunft? Nach anderthalb
dabei? Es geht um einen Prozess, der weit über Jahren haben die Teilnehmer den Wunsch geäußert,
Stadtentwicklung und ebenso weit über Innovati- festzuhalten, was wir zusammen diskutiert haben.
on oder IT hinausgeht, in der Tat eine Umwäl- Etwas zu schaffen, das ein bisschen länger Nachhall
zung, eine digitale Transformation: Es ist eine hat, als die Diskussionen an sich. Daraus ist der Ge-
gesellschaftliche Entwicklung. danke einer Charta entstanden, die wir im Sommer
2017 veröffentlicht haben.
Ralf Schulze begrüßt beim IBA_LAB N°7.
Ich habe das Glück gehabt, etwas zu der »Smart
City Charta« beitragen zu dürfen. Wir hatten die Wesentlich sind hier vier Leitlinien gewesen. Zuerst
Aufgabe vom Staatssekretärsausschuss für nach- muss man sich Ziele setzen. Wir brauchen Strategien
haltige Entwicklung bekommen, eine nationale und Strukturen, um die Entwicklung voranzubringen.
Dialogplattform einzurichten. Dazu haben wir Durch Transparenz, Teilhabe und Mitgestaltung
siebzig Experten aus den Bundesresorts, von den wollen wir eine digitale Spaltung vermeiden und die
Ländern, den Kommunen, von den kommunalen Demokratie stärken. Dazu braucht es Infrastrukturen, und anschließend fünf Jahre Zeit für die Umsetzung. genz-Vorlage dann tatsächlich bauliche Veränderun-
Spitzenverbänden, aus der Wissenschaft, und von Daten und Dienstleistungen. Klar ist dabei, dass wir Drei Modellprojekte sollen direkt in die Umsetzung gen vorzunehmen, braucht eine erhebliche Zeit.
Fachverbänden, der Industrie- und Sozialverbän- unter anderem den Breitbandausbau brauchen. Die gehen.
de, eingeladen, um mit uns zu diskutieren, wie Datenhoheit der Kommunen war ein wesentlicher Auch wenn wir die Planung beschleunigen, dauert
wir uns eine intelligente oder eine »smarte« Aspekt, genauso wie der gezielte Einsatz von Res- In der Einladung für dieses IBA-LAB N°7 stand: allein das Bauen. So schnell wie sich dabei Verän-
Stadt vorstellen. sourcen und Kompetenzen. Wir wollten einige Dinge, »Wie werden wir Raum in der Zukunft nutzen und derungen in den Entwicklungen ergeben, sind wir
die wir in der Charta angelegt haben, in der Praxis wie bedingt der Raum unser Zusammenleben?« vielleicht mit künstlicher Intelligenz in drei Wochen
Da die klassischen Ansätze sehr von den Indust- probieren. Dazu haben wir vier Staffeln mit Modell- Ich würde ergänzen, dass es gar nicht so sehr eine bereits bei einer anderen Lösung. Wir müssen also
rien getrieben oder fachspezifisch waren, war projekten initiiert. Für insgesamt fünfzig Projekte absolut räumliche Frage ist, wieviel Entscheidungs- eine gewisse Kontinuität haben und uns überlegen,
unser Ansatz geprägt vom Bild der integrierten wollen wir dazu 750 Millionen Euro zur Verfügung raum die Digitalisierung uns in Zukunft lässt. Viel wie wir mit diesen Fragestellungen grundsätzlich
Stadtentwicklung. Wir wollten alle Sektoren, die stellen. In der ersten Staffel waren es 170 Millionen wichtiger ist: Wir müssen unseren Wertekompass umgehen. Das ist in der Tat eine gesellschaftliche
in der Lebenswirklichkeit der Menschen – näm- für dreizehn Projekte. Bei den Projekten geht es in haben, und wissen, was wir haben und behalten Herausforderung und gar nicht so sehr eine bautech-
lich in den Städten – zusammenkommen, auch erster Linie darum, dass die Teilnehmer die Aufga- wollen. Wenn wir mit künstlicher Intelligenz zu- nische oder stadtentwicklungspolitische Aufgabe.
zusammen denken und überlegen: Welche Möglich- be haben zu lernen und für andere mitzudenken, künftig verstärkt arbeiten, dann werden uns Lösun- Deswegen wollen wir die Dialogplattform weiter
keit bietet uns das Digitale, Dinge intelligent Erfahrungen zu machen und sehr transparent die gen vorgegeben und es wird viel Kraft kosten, für betreiben, um sowohl in der Praxis aus den Modell-
miteinander zu vernetzen? »Big Data« und die Ergebnisse zur Verfügung zu stellen – also ein gewählte Vertreter unserer Kommunen oder auch projekten heraus, aber auch in der Dialogplattform
Probleme einer »Digitalen Spaltung« wurden lernendes System. Die Projektbetreuenden haben Länder oder des Bundes, sich darüber hinwegzuset- diesen Diskurs weiter zu führen.
thematisiert. Was sind die Auswirkungen auf die jetzt zwei Jahre Zeit, eine Strategie zu entwickeln zen. Die Entscheidung, aus einer künstlichen Intelli-
IBA_LAB No 7 | Grußwort ▸ 10Grußwort
ANDREAS SCHÜTZE |
MINISTERIUM FÜR INNERES, DIGITALISIERUNG UND MIGRATION
DES LANDES BADEN-WÜRTTEMBERG
Ich freue mich, heute Abend das Grußwort der Kern handelt es sich um intelligente Lösungen für
Landesregierung – insbesondere von Herrn die Stadtentwicklung in den Bereichen Energie,
Minister Strobl – überbringen zu dürfen. Lassen Infrastruktur, Gebäude, Mobilität, neue Dienstleis-
Sie mich berichten, was das Land tut. Es ist ein tungen und der Verwaltung selbst. Die öffentliche
ambitioniertes Ziel der Landesregierung, als Verwaltung muss aus meiner Sicht ein Treiber der
innovativste digitale Leitregion Europas in Digitalisierung sein. Raum dafür bietet die Ent-
Erscheinung treten zu wollen. Am 18. Juli 2017 wicklung neuer Stadtquartiere. Aktuell initiieren
hat Baden-Württemberg als erstes der 16 Bun- wir Bürgerdienste über Onlineplattformen und
desländer eine umfassende Digitalisierungsstra- Sharing-Angebote sowie Bürger-Apps mit Infor-
tegie unter unserer Dachmarke »digital@bw« mationen über das örtliche Leben, den Beschlüs- Der Veranstaltungsort im ehemaligen Supermarkt des PHV war gut besucht. Knapp 400 Gästen fanden den Weg zum IBA_LAB N°7.
beschlossen. Der Landtag von Baden-Württem- sen der Verwaltung und der kommunalen Gremi-
berg hat die Summe von einer Milliarde Euro en. »Mein Heidelberg« heißt hier das Projekt, in
zur Verfügung gestellt. Etwa die Hälfte ist für dem man in Beteiligungsplattformen über kom-
digitale Infrastruktur, die andere Hälfte für munalpolitische Sachfragen abstimmen kann. Mit
Wir wollen den Verkehr besser zählen und damit Grundvoraussetzung für eine »Smart City« ist aus
Projekte, die unter dieser Dachmarke in den intelligenten Mobilitäts-Apps können Verkehrsda-
auch besser lenken. Wir sind mit unseren Modell- unserer Sicht die Echtzeitübertragung von Daten
letzten zwei Jahren ins Leben gerufen wurden. ten in Echtzeit ausgewertet und die Parkplatzsuche
projekten für autonomes Fahren und der Teststrecke durch Glasfasernetze und 5G-Mobilfunkstandard
Wir haben sechs Schwerpunktthemen und vier erleichtert werden. Es entsteht eine Routenpla-
in der Technologieregion Karlsruhe aktiv. Autono- mit neuen Basisstationen. Die Landesregierung hat
Querschnittsbereiche von der Telemedizin über nung, die nicht zuletzt auch Mobilitätseinge-
me Kleinbusse werden schon bald neue ÖPNV- es sich zum Ziel gesetzt, eine flächendeckende Ver-
autonomes Fahren bis hin zur Cybersicherheit. schränkten dient. Wir wollen unsere Ärzte digital
Angebote in den Städten ermöglichen. Ein weite- sorgung mit schnellem Internet bis zum Jahr 2025
vernetzen, die Nachbarschaftshilfe, Apotheken,
res Stichwort ist mehr Sicherheit durch eine intel- in Baden-Württemberg zu organisieren. Wir beschleu-
Wir haben siebzig wegweisende Modellvorha- Sanitätshäuser für Rehabilitationen und Pflege zu
ligente Videoüberwachung an Kriminalitätsbrenn- nigen den Aufbau der Gigabitnetze durch neue För-
ben und einen landesweiten Ideenwettbewerb, Hause digital fit machen und neue digitale Ange-
punkten. Wir wollen regionale Digitalisierungs- derrichtlinien. Insgesamt können wir in unterver-
»Digitale Zukunftskommune@bw«, ausgelobt. bote kreieren, nicht zuletzt durch den örtlichen
zentren für die Wirtschaft, so genannte »digital sorgten Gebieten, wo uns die Europäische Union dies
Heidelberg, Karlsruhe, Ludwigsburg und Ulm, Handel. Baden-Württemberg will als Treiber einer
hubs«, und neue Dienstleistungsangebote für die gestattet, mit Förderquoten von 90% sehr dynamisch
sowie ein Landkreisverbund aus verschiedenen bürgernahen Verwaltung bis Jahresende 2019
Wirtschaft im Internet der Dinge schaffen, zum die Entwicklung vorantreiben.
größeren Städten sind Leuchttürme der Digita- digitale Verwaltungsleistungen über das Service-
Beispiel die intelligenten Ladesäulen für E-Autos.
lisierung. Wir wollen mithalten mit Metropolen Portal des Landes in Webseiten von Kommunen
Wir wollen die Bürger einbeziehen durch Werk- Natürlich können wir uns vorstellen, dass gerade
im Städtenetzwerk »Open & Agile Smart Cities«, integrierbar machen, sodass es künftig möglich
stattformate und dazu Foren, Veranstaltungen und auch von diesem Projekt in Heidelberg eine Vorbild-
wie London, Wien und Helsinki. sein wird, vom heimischen Sofa aus den eigenen
Umfragen digital aufstellen. »Digital@bw« dient wirkung für das ganze Land ausgehen kann. Ich
Wohnsitz ins Ausland abzumelden, Geburtsurkun-
als Schaufenster der Digitalisierung mit unserer weiß, dass noch viele Hürden zu nehmen sind. Aber
»Smart City« heißt für uns, Potenziale von digi- den anzufordern, Gewerbe anzumelden und
aktuell angelaufenen Sensibilisierungskampagne bei allen Risiken und Herausforderungen, vor denen
talen Technologien zu nutzen, um mit weniger Baugenehmigungen zu beantragen. Wir werden
des Landes »Alles beim Neuen«. wir stehen, bin ich dankbar, dass es mutige Projekte
Ressourcen mehr Lebensqualität zu schaffen und über Sensoren den Hochwasserschutz verbessern
wie dieses gibt. In diesem Sinne: Möge von der
dabei die regionale Wirtschaft zu stärken. Im und einen intelligenten Winterdienst entwickeln.
heutigen Veranstaltung ein gutes Signal ins ganze
Land ausgehen!
IBA_LAB No 7 | Grußwort ▸ 12Statements »Wir hab en das Problem, das s die Stadt
drei Eb enen von G eschwindigkeit hat . Die
geb aute Struk tur is t ex trem träge, das
»Zu n ä c h s t gin g e s in d e r Pl an u n g d ar u m, Nut zungspro gramm is t et was schneller,
›Digitale Stadt‹ als Disziplin während der und die Ent wicklung der digitalen Te ch -
Mas terplanung zu inte grieren und die indi - nolo gie is t rasend schnell. Eine digitale
rek ten Auswirkungen auf den physischen Stadt kann man nicht ent wer fen. Eine
Raum zu unter suchen. Ein wichtiges Thema Smar t Cit y mu s s ein willk ürliches Stück
ist das Betreibermodell, da es viele Schnit t- Stadt sein, in dem Leu te wohnen und arb eiten, die Teil
s tellen mit den anderen Disziplinen Mobil - eines regional übergreifenden transformativen Prozesses
ität, Freiraum und Energie hat. Diese Büchse werden mit Hilfe von digitalen Te chnolo gien.«
der Pandora haben wir geöf fnet. Wir als KEES CHRISTIAANSE | PROF. | KCAP | ZÜRICH
Fachplaner aber vor allem die Stadt stehen
nun vor der Herausforderung die ›PHV – City on Demand‹ »Wie der Münchner S oziolo ge A rmin
zu konkretisieren. Wir haben bisher sehr schöne Erkennt- Nas sehi definier te, ›etablier t Stadt die
nisse, aber je intensiver wir daran arbeiten, des to mehr Gleichzeitigkeit von Unterschiedlichem‹.
Fragen kommen auf.« Eine demokratische Ent wicklung braucht
ANOUK KUITENBROUWER | KCAP | ZÜRICH kontingente N arrative. Wir brauchen
neue Betreibermodelle z wischen den Kom -
munen und Digitalkonzernen, um die vor-
handenen D aten und Leis tungen in das
»Digitalisierung ist kein Trend, sondern ein Gemeinwohl einer Stadt zu bringen.«
gesellschaftliches Phänomen. Was ist dabei JOCHEN RABE | PROF. | TU BERLIN | IBA KURATORIUM
die Aufgabe der Stadt? In den Services der
Daseinsvor sorge und Sof t wareinte gration
müs sen wir die S chnit ts tellen re gionaler »Utopische Visionen zur Smart City verschleiern
und internationaler Kooperationen neu meis t den schrit t weisen Umset zungsprozes s
definieren und die Datenhoheit diskutieren, neuer Planungs - und Raummus ter. Die Planer
um den S chut z unserer B ürger zu wahren. werden vor die Herausforderung ges tellt, die
Die B eteiligung der lokalen Ak teure is t Leitplanken der Digitalen Stadt mit der
dab ei eine Not wendigkeit .« Gesellschaf t zu definieren.«
JÜRGEN ODSZUCK | ERSTER BÜRGERMEISTER DER STADT HEIDELBERG NIKOLAS NEUBERT | AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY | WIEN
IBA_LAB No 7 | Statements ▸ 14»Digital Cities – What
makes a city smart?«
VINTON G. CERF
GOOGLE | MOUNTAIN VIEW
Wie entwirft man eine Smart City? Wir It is a real honor to participate in this event and I
wissen nicht, wie man eine digitale Stadt thought before I get into my prepared remarks, I
plant, aber wir können das Gelernte wanted to share my reaction to what I heard.
formen, experimentieren, prüfen, messen
und verfeinern. Es gibt immer mehr Möglich- When you start out to make some pilots, you have
keiten, Informationen zu nutzen, um die to ask yourself whether what you learn will scale
digitale Stadt besser zu machen als die up. We do not know for sure how to design a
analoge Stadt der Gegenwart. Dabei digital city. We can only experiment, test, measure »Was macht eine Stadt smart?« – Schlüsselvortrag des Internetpioniers Vinton Cerf.
sollten wir aber nicht vergessen: Je mehr and refine what we learn, and some of what we
at many different levels, we have the possibility of
Komplexität wir in diese Systeme einbauen, learn will cause us to adapt the designs, the and economic impact. And every time you deal
actually modelling this city. And that means we can
desto höher ist das Risiko, wenn sie nicht implementations and the way in which we use the with social and economic impact, you deal with
compare the measurements with what the model
funktionieren. Wir wollen auf jeden Fall information that is produced by the digital city. politics. That means that we have to be much
predicts about the city’s behavior. A smart city will
sicherstellen, dass die Arbeits- und Lebens- This leads us to another important recognition. broader in our thinking about how the digital city
try to adapt, it will try to take actions to move back
umgebungen so flexibel wie möglich sind. What we call »artificial intelligence« today, is will work and how emergent behaviors will arise.
to a preferred and predicted state of operation.
Wenn wir aus der Umsetzung unserer Smart usually machine learning, which is a very narrow The issue about improving access to Internet is of
There is an effort in Singapore to build such an
City Lehren ziehen, können wir helfen, das kind of artificial intelligence. We should be careful course something very dear to my heart. The Chief
accurate and detailed model of the way Singapore
bestehende System anzupassen. Es wird to remember that our experiences with machine Internet Evangelist at Google has a primary task:
works. Within its satisfactorily detailed model, you
das Leben und Arbeiten komfortabler und learning are that machine learning algorithms are Get more Internet implemented around the world,
can test whether some of the ideas will work. How
bequemer machen. Wenn wir die Stadt brittle. They are dramatically powerful in deep and make Internet more accessible to everyone.
will traffic flow change? How many people in the
erweitern und den Umfang der Infrastruktur narrow ways. But these systems also make mis-
city walk to work, how many people take taxis?
erhöhen ist es außerdem äußerst wichtig, takes and we cannot always predict how they will
»T h e m o re co m p l ex i t y we b u il d What about the arrival of self-driving cars, how
auf mögliche langfristige Risiken zu achten. fail. When we think about using these technolo-
does that change the way in which the city is used
Wir müssen die Öffentlichkeit schützen, was gies, we should think about how we will back up in t o s y s t e m s , t h e hi gh e r t h e r i s k ,
by its residents? You can compare the tests on the
bedeutet, dass die Qualitätskontrolle für and recover when things fail to work properly. w h e n t h e y d o n o t wo r k .« model with actual tests in the real city to validate
intelligente Technologien geregelt werden There is this increasing opportunity to use infor-
the model and to improve your ability to make
muss. Und abschließend, um sicherzustellen, mation to make the digital city better than the Let me now switch to my prepared talk. There is a
predictions. There is the possibility within a
dass es Anreize zur Erreichung einiger analogue city of the present, but we should also lot of data being generated by the digital city. We
suitable model to make decisions for the way in
dieser erstrebenswerten Rahmenbedingun- remember: the more complexity we build into are now challenged to figure out how it can be
which this city is used by its residents, to decide
gen gibt, muss es auf allen Ebenen Verant- these systems, the higher the risk, when they do helpful. I want to express, first of all, my expecta-
where to put libraries or stores or office buildings
wortlichkeiten für die Produktion und den not work. tion that there will be literally billions of program-
in order to reduce transfer time from home to work.
Betrieb, die Gestaltung und den Umgang mable devices that will be part of our digital cities,
You might even be able to determine whether it is
mit den Komponenten geben, die eine But there is more than just technology at stake. as they are already part of our analogue cities. As
possible for some part of the population to work at
Stadt intelligent machen. Whatever we do in the digital city will have social we begin to collect data about the state of the city
IBA_LAB No 7 | Keynote ▸ 16But that raises another problem. We have to build can put in place to achieve the results that we want.
these devices to be a little suspicious when they And finally, I think that we should take in the back
are getting new software. Even though communi- of our minds the fact that we do have a global
cation is very important to all of us, electrical warming problem. It will have impacts on the cities
power might be even more important. As you think that we live in, whether they are smart or not. If it is
about a digitalized city, it is going to run on electric- a smart city we might ask ourselves what can we do
ity. We have to be thoughtful about our deep depend- with the instrumentation of the smart city in order to
ence on electricity to maintain the city’s operation respond to the challenges of global warming, which
even when we lose power. are ample challenges for those who are interested in
designing and building such a smart city.
» A s m ar t c i t y w ill t r y t o a d ap t ,
To sum up some main points for you, the first thing
i t w ill t r y t o t ake a c t i o n s t o m ove is to be careful about designing the system to avoid
b a c k t o a p re fe r re d an d p re di c t e d a fragile future. This is not something that you want
to be responsible for. Make sure that we have back-
s t a t e o f o p e ra t i o n .« up capability in order to make things work when
things break. There is never a time when everything
These are just conditions that I think would assist is working and yet the system has to function some-
in building safe and secure and habitable smart how. We should look for modularity and flexibility
cities. Among those things would be building and in the design so we can replace things easily with-
Vinton G. Cerf spricht über die Möglichkeiten und Grenzen der Digitalisierung.
instrumenting the city so that we understand what out disrupting everything. We certainly want to make
state the city is in. We have the ability to control sure that the working and living environments are as
how the city is operating. But we absolutely have flexible as possible, so as we learn lessons from
home instead of coming into the office. It changes their city’s resources. The question then is how do to add up standards for safety and security and implementing our smart city, we can help adapt the
the demand for transportation. It may also help us you protect personal data and under what condi- privacy! In Europe, you have the General Data system so that it makes living and working more
figure out how to cope with emergencies, how to tions? How do we protect people’s privacy? Protection Regulation which is an important step comfortable and convenient. I think it is also very
cope with situations, whether it is a natural disaster, However, there are some other concerns which I in the direction of establishing standards for that important to pay attention to potential long-term
a power outage, a flood because of heavy rain, hope you share, and that has to do with safety and purpose. Another thing which I think is vital to you risks as we scale up the city and increase the amount
congestion, earthquakes. These are intended uses security. Every Internet-of-things-device, every and me as consumers of these things is interopera- of equipment that has been put into it. We must
of the virtual Singapore model that the Singapore device that is programmable and part of a net, bility of equipment across brands. The last thing in protect the public, which means that there needs to
government is investing in. Virtual Singapore is a becomes a potential vulnerability. A lot of these the world you want is to have a choir of devices be regulation in quality control for the smart equip-
very ambitious project and it makes me think a devices have not been given much security, partly from different manufacturers, only to discover that ment. And finally, in order to make sure there are
little bit about what might happen here in the because the designers did not think that they they do not work together and you end up having incentives for achieving some of those desirable
Patrick-Henry-Village. needed it. Nobody wants an unsafe device in their to have different control systems and different apps conditions, there needs to be accountability at all
home, whether it is a vulnerability for all the other in your mobile in order to manage these things. It levels of the system for the production and opera-
But it has already been mentioned that there are equipment that you are relying on or it is a privacy is an obligation of the designers of these devices to tion, design and operation of the elements which
some risk factors associated with the design and exposure or a security and safety exposure. I also think about these demands. Regarding the question make the city smart.
construction of a digital city. The most visible worry a lot about devices that malfunction. If of accountability, we have to know who is respon-
issue is privacy. As we look at the collection of anyone here has ever written any software, you sible for the design, operation and function of the
information about the way the city functions and will know how easy it is to make mistakes and various parts of the smart city. There have to be
the way in which people use it, everyone is under- how hard it is to find them. If we are going to build incentives that will drive accountability which do
standably concerned about how anonymous or how a digitalized city with a lot of programmable devices, not necessarily have to be punishments. Accounta-
personal that information is. In the case of the we must recognize that there will be mistakes that bility can be a positive thing – you can reward peo-
Singapore model there is an attempt to model the need to be corrected. The software needs to be ple for taking into account what their responsibili-
population of the city not as personal individuals updated which means we must build an infrastruc- ties are but it’s going to take some thoughtful
but in the way in which those individuals consume ture that will allow the software to be replaced. analysis to figure out what kinds of incentives we
IBA_LAB No 7 | Keynote ▸ 19Digitale soziale
Marktwirtschaft vs.
Datenkapitalismus
THOMAS RAMGE |
SACHBUCHAUTOR UND WIRTSCHAFTSJOURNALIST | BERLIN
Ich bin sehr glücklich, dass ich Ihnen die keiten von Mitfahrenden und Fahrenden besser
Kernthesen des Buches »Das Digital – Markt, zusammen zu führen. Das ist im Grunde nichts
Wertschöpfung und Gerechtigkeit im Daten- anderes als die Magie, die auf datenreichen Märk-
kapitalismus« von Viktor Mayer-Schönberger ten herrscht. Angebot und Nachfrage intelligenter
Thomas Ramge im Gespräch mit Vinton Cerf und Michael Braum vor dem PX-Store, dem Veranstaltungsort des IBA_LAB N°7.
und mir präsentieren, sowie die indirekten zusammen zu führen, als das jemals vorher der
Bezüge zur »Smart City« aufzeigen kann. Fall war.
Es ist ein Buch an den Schnittstellen von Tech-
» S m ar t C i t y - Ko n ze p t e s in d ni c h t s
nologie, Datenwissenschaft und Ökonomie, das
aber politische Ableitungen trifft aus der an d e re s al s d a s O r g ani s i e re n vo n
Frage, wie Daten zurzeit die Welt verändern. Zu s am m e n l e b e n u n d Zu s am m e n ar-
Ein Aspekt ist sowohl im akademischen Dis- was Digitalisierung und Datenreichtum bisher on hat. Die klassische österreichische National-
kurs als auch in der öffentlichen Debatte über b e i t ü b e r d a t e n re i c h e M är k t e.« hervorgebracht haben, sind unter anderem die ökonomie besagt, dass alle verfügbaren Informati-
digitale Veränderungen stark unterreflektiert. stärksten und wertvollsten Unternehmen der Welt. onen auf einem Markt zumindest idealtypisch in
Nämlich die Frage, wie der neue Daten- Dieses intelligente Matching hat einen interessanten Das ist trotzdem kein Widerspruch. Denn ein einem einzigen Datenpunkt kondensiert sind. Auf
reichtum Märkte eigentlich verändert. Das, Nebeneffekt. Märkte stehen plötzlich in Konkur- überwiegender Teil ihrer Umsätze und Gewinne einem idealen Markt bildet sich der Preis über die
was wir heute Digitalisierung nennen, würde renz zu einer anderen Organisationsform, den kommt vom Organisieren von Märkten. In gewisser Informationen, die verfügbar sind. Das ist nicht
unter Umständen besser »Datafizierung« Firmen. Von oben betrachtet standen Märkte und Hinsicht sind die Superstar-Firmen Märkte »in mehr wirklich nötig, wenn Angebot und Nachfra-
heißen. Weil die Daten sind im Kern der Firmen schon immer in Konkurrenz zueinander und disguise«, verkleidet. Unternehmen, die im Ver- ge sich so genau beschreiben können und Infor-
großen Veränderung. Und eine relativ offen- zwar als Koordinationsmechanismen von Zusam- gleich zu ihrer Wirkung und ihren Profiten relativ mationen auf Märkten so schnell und präzise und
kundige Veränderung ist, dass auf Märkten menarbeit. Der Industriekapitalismus und der Finanz- wenige Mitarbeiter haben mit der Aufgabe, Markt- von Algorithmen auswertbar fließen können, güns-
der Datenreichtum plötzlich das »Matching« kapitalismus des 19. Jahrhunderts waren das Zeitalter plattformen zur Verfügung zu stellen. tig und in Echtzeit, dass plötzlich der Preis nur
unglaublich stark verbessert. Warum? Weil der Firmen, in denen Firmen immer mächtiger wur- noch ein Datenpunkt unter vielen ist.
sich Angebot und Nachfrage über Daten, also den. Warum? Weil sie mit Informationen besser Die dritte These unseres Buchs ist, dass Daten das
über maschinenlesbare Informationen, viel umgehen konnten als Märkte. Informationen wurden neue Geld sind. Nein, natürlich sind Daten nicht Unterm Strich bedeuten diese drei Thesen eine
besser finden können. in hierarchischen Organisationen intelligent orga- das neue Geld. Aber Daten und datenreiche Märkte große Chance. Nämlich, dass die Marktwirtschaft
nisiert. Die Form der Zusammenarbeit in der verändern die Funktion von Geld in mindestens und der Kapitalismus die Chance haben, sich neu
Ein Beispiel, das uns ermutigt hat, war ein Organisation war viel besser, als wenn lose verbun- einer sehr erheblichen Weise, denn: Welche Funk- zu erfinden und über ein besseres Matching viel
französisches Startup Namens »BlaBlaCar«, dene Menschen etwas gemeinsam schaffen wollten. tion hat Geld? In der Ökonomie, etwas vereinfacht ressourcenschonender, viel intelligenter und viel
eine digitale Mitfahrzentrale. Der Name Und genau das ändert der datenreiche Markt jetzt. ausgedrückt, sind es drei Hauptfunktionen. Die kollaborativer zu sein als der Finanz- und Indust-
»BlaBlaCar« steht für die Datafizierung einer Das, was wir in unserem Buch den »Datenkapitalis- erste Funktion ist das Speichern von Werten. Die riekapitalismus der letzten 200 Jahre. Sie werden
sehr lustigen Eigenschaft, nämlich der Ge- mus« nennen, die nächste Stufe des Kapitalismus, zweite Funktion ist die Fähigkeit, einen Wert an ganz vielen Stellen sehen, dass »Smart City«-
schwätzigkeit von Menschen. Per se gibt es wird kein Zeitalter der Firmen mehr sein. Das übertragbar zu machen. Die dritte und vielleicht Konzepte auch nichts anderes sind als das Organi-
ein Matching, das versucht, die Persönlich- scheint kontraintuitiv in vielerlei Hinsicht, denn wichtigste ist, dass Geld eine Informationsfunkti- sieren von Zusammenleben, Zusammenarbeit über
IBA_LAB No 7 | Keynote ▸ 20dann kaufen das mehr, dann kann ich mehr in- good« sind, also etwas, das verschiedene Parteien
vestieren, dann steigt das Produkt und insofern gleichzeitig benutzen können. Im Gegenteil steigt
kann ich über den Skalen-Effekt Marktanteile der Wert dieses Gutes mit dem Gebrauch, genau
erobern. Dabei gab es im Industriekapitalismus wie beim Wissen. Und wenn wir es schaffen, die
zwei Mechanismen, die Monopolen entgegenge- Datenschätze unter fairen Wettbewerbsbedingun-
wirkt haben. Das eine war das Kartellrecht und gen mehr Unternehmen, mehr klugen Köpfen, und
das zweite war die Innovation. Die Ökonomie der vielleicht auch mehr staatlichen Organisationen
letzten 25 Jahre ist geprägt worden durch einen zugänglich zu machen, dann hat der Kapitalismus
zweiten Effekt, dem so genannten »Netzwerk- eine Chance, die negativen Tendenzen zu korrigie-
Effekt«, von Hal Varian, Chief Economist von ren. Bisher können wir nicht nur sagen, wir haben
Google und seinem Kollegen, Stanford-Professor das Gefühl, sondern können nachweisen, dass
Shapiro. Der besagt, dass digitale Plattformen Digitalisierung Ungleichheiten eher erhöht als
deshalb immer größer werden, weil sie attraktiver verringert – wider dem eigentlichen Versprechen.
werden, je mehr Menschen oder Marktteilnehmer Dass die Kapitalquote, also die Rendite auf Kapi-
aufspringen. Zu diesen beiden Effekten kommt ein talerträge, fast überall auf der Welt steigt, die
dritter Effekt hinzu, der »Feedback-Effekt«. Oft Lohnquote aber sinkt, zeigt uns, dass wir ein paar
unter dem Label »künstliche Intelligenz« zurzeit grundsätzliche Dinge neu regeln müssen, auf eine
verkauft, geht es dabei de facto um die Fähigkeit Art, die aus einer deutschen Perspektive mit
von Computern, aus Beispielen zu lernen und »digitaler sozialer Marktwirtschaft« beschrieben
diese in einen anderen Kontext zu übertragen. Der werden könnte. Das ist per se nicht im Sinne eines
Feedback-Effekt besagt, dass die wichtigste digitalen Sozialismus gedacht, sondern bedeutet
Ressource der Innovation heute in den Produkten im Grunde, eingebettet in einem ordoliberalen
selber eingebaut ist. Je mehr Autofahrer beispiels- Gedankengerüst, dass wir faire Wettbewerbsregeln
weise bei Tesla, wenn der Autopilot läuft, ins brauchen.
Steuer greifen, weil eine bestimmte Fahrsituation
entsteht, desto schneller lernt das System. Der
»W i r h a b e n e i n e › p r o g r e s s i v e
Feedback-Effekt besagt, dass ein lernendes System
Thomas Ramge berichtet aus der gemeinsamen Publikation mit Viktor Mayer-Schönberg »Das Digital«. automatisiert besser wird. Es ist eine Teilautomati- D a t e n s h ar in g - P f li c h t‹ vo r g e s c h l a -
sierung der Innovation. Wir stehen an der Stelle, g e n , u m di e M o n o p o li s i e r u n g im
wo wir mit relativ hoher Vorhersagewahrschein-
lichkeit sagen können, dass wir erst den Anfang D a t e n kap i t ali s m u s z u b re m s e n .«
der Konzentration von Marktmacht im digitalen
datenreiche Märkte, in einer effizienteren und » M ar k t w ir t s c h a f t u n d Kap i t ali s m u s
Zeitalter gesehen haben. Und das ist nicht gut für Die Kernbotschaft, so politisch kritisch sie gemeint
nachhaltigeren Art als geplante Ökonomie, die wir
könnten üb er ein b es seres Matching Ökonomie. Innovation und Marktwirtschaft brau- ist, soll eine optimistische sein. Datenreiche Märkte
im städtischen Kontext noch haben. Datenkapita-
chen einen fairen Wettbewerb. und ein besseres Matching haben das Potenzial, dass
lismus kommt allerdings mit einer erheblichen v i e l re s s o u rce n s c h o n e n d e r, in t e lli -
wir Marktwirtschaft künftig intelligenter organisieren
Herausforderung. Denn die Digitalisierung der
g e n t e r u n d ko ll ab o ra t i ve r s e in .« Wir haben etwas vorgeschlagen, um die Monopo- und gestalten können. Die Zusammenarbeit können
letzten zwei Jahrzehnte ist angetreten mit einer
lisierung im Datenkapitalismus zu bremsen, das wir global verbessern, wenn wir intelligente Wege
Demokratisierung von Ökonomie, mit einem »level-
Zu den politischen Ableitungen der Geschichte, wir auf Deutsch die »progressive Datensharing finden, den Markt besser zu regulieren, als wir es
ling of playing field«. Was wir gesehen haben, ist
die wir erzählen, gehört, dass wir das Kartellrecht Pflicht« (engl. »progressive data sharing manda- zurzeit tun.
im Gegensatz dazu der Aufstieg in vielen digitalen
innovieren müssen. Das, was wir an Monopolisie- te«) nennen, ähnlich wie die progressive Einkom-
Märkten von Oligopolen oder Monopolen. Es
rungstendenzen bereits in den ersten 20, 25 Jahren menssteuer. Sie besagt, dass, wenn digitale Firmen In Deutschland wurde bereits ein Gesetz auf Basis
kommt dabei wie in jedem Monopolkapitalismus
der Durchdigitalisierung von Leben, Arbeit, Ge- eine bestimmte Größe erreicht haben, sie einen unseres Vorschlages ausgearbeitet, das »Daten für
zu einem erheblichen Preis, der Verlangsamung
sellschaft und Ökonomie gesehen haben, verstärkt bestimmten Marktanteil überschritten haben, dann alle«-Gesetz. Data-Sharing, als eine intelligentere,
von Innovation und Wettbewerb. In vielerlei Hin-
sich durch einen Effekt, den wir den »Feedback müssen sie einen Teil ihres Datenschatzes, der sanftere Form der Regulierung, ist ein Vorschlag.
sicht fühlt es sich nur so an, als ob wir in wahnsin-
Effekt« nennen. Aufbauend auf dem Skalen-Effekt Ressource ihrer Innovation, mit ihren Wettbewer- Es zeigt uns, dass wir schon gestalten können. Wir
nig innovativen Zeiten leben, aber wenn wir auf die
der klassischen Industriegesellschaft, also der bern und unter Umständen auch mit öffentlichen müssen nur endlich anfangen, es zu tun.
harten Innovationszahlen gucken über alle Bran-
Fähigkeit, wenn ich mehr von einem Produkt Institutionen teilen. Data-Sharing ist insofern
chen hinweg, dann verlangsamt sich Innovation.
produziere, dann kann ich es günstiger anbieten, interessant, da Daten so etwas wie ein »non-rivalry
IBA_LAB No 7 | Keynote ▸ 23THEMENFELD 1 PROGRAMMATISCHE THESEN ZUR
ETABLIERUNG EINER INNOVATIVEN
BILDUNGSLANDSCHAFT:
Die Quartiere, die im Rahmen des städtebauli-
chen Entwurfs angelegt werden, müssen in der
programmatischen Ausgestaltung dabei die Be-
»BILDUNG UND WISSENSCHAFT« ▸ »Innovation durch Mischung« lebt von
darfe, die sich aus dem sukzessiven Ausbau des
Gesamtareals ergeben, berücksichtigen. Sie müs-
neuen Querbezügen (sozial, wirtschaftlich, sen aber auch auf externe Vorgaben reagieren,
wissenschaftlich) die durch die Planung nur schwer zu beeinflussen
sind. Es wird deswegen vorgeschlagen, den ho-
▸ Die Anker werden zentral organisiert
hen Innovationsanspruch vorerst in klar definier-
und erlauben Besuchenden sowohl den
ten und bewusst gesetzten Innovationsbereichen
Einblick in das Areal als auch die
zu konzentrieren, die zu Entwicklungsmotoren des
Beteiligung an der Ausgestaltung des
Gesamtareals werden: Innovationsflächen und
Areals (z.B. Werkstätten und Auditorien)
Das Gelände der Konversionsfläche Patrick- Betrieb auf die Möglichkeiten und Herausforde- Innovationsanker. Der Ansatz einer »Innovation
Henry-Village wurde als Wohnsiedlung für die rungen der Digitalisierung? Welche Auswirkun- ▸ Unterstützung des lebenslangen Lernens durch Mischung« lebt von neuen Querbezügen
US-Armee gebaut und ist mit einer Fläche von gen hat die globalisierte, wissenszentrierte und durch den proaktiven Aufbau neuer Aus- (sozial, wirtschaftlich, wissenschaftlich).
knapp 100 Hektar fast so groß wie die Heidel- zunehmend digitale Gesellschaft auf die gebaute und Weiterbildungsangebote (»Reskillling«)
berger Altstadt. Umwelt? Die thematisch ausgerichteten Innovationsanker
▸ Aufbau eines integrativen und vernetzenden
sind Einzelgebäude. In Kooperation mit Hochschu-
Bildungsclusters notwendig, der möglichst
Am konkreten Beispiel der Transformation von In den Planungen zu PHV sind bereits Kernthesen len sollen Gebäude entstehen, in denen gezielt
alle Lebenszyklen umfasst
PHV stellt die Konferenz die Frage, ob und wie zu verschiedenen Themenfeldern entwickelt wor- soziale und technische Innovationen gefördert und
sich Digitalisierung und Raumstrukturen gegen- den. Diese boten an der Konferenz IBA_LAB die dargestellt werden. Die Anker werden zentral or-
seitig beeinflussen. Wie reagiert die »Wissens- Grundlage für vertiefende Diskussionen. ganisiert und erlauben Besuchenden sowohl den
stadt von morgen« bei ihrer Entstehung und im Einblick in das Areal als auch die Beteiligung an
DIE »WISSENSSTADT VON MORGEN« dessen Ausgestaltung mit entsprechenden Ange-
boten (z.B. Werkstätten und Auditorien). Es han-
PHV - »City on demand« Der Mensch steht bei allen Überlegungen zur delt sich um kompakte Gebäude, die sich zur Stra-
Europäischen Stadt im Vordergrund. Von einem ße hin öffnen und alle Altersgruppen einladen.
herausragenden Interesse ist dabei die Erhöhung Sie können in den Erdgeschossen als Testräume
des Komforts und die Nachhaltigkeit des Lebens sowohl neuen Einzelhandelskonzepten Raum ge-
durch Digitalisierung, nicht die Kommerzialisierung ben als auch zukunftsorientierte Produktions- und
von Daten und Services. Die Digitalisierung birgt Manufakturflächen aufnehmen.
neue Chancen für die Bewohner und ermöglicht
ein breit gefächertes Angebot in vielen Bereichen Weltweit zeichnet sich im Bereich »Bildung und
des Lebens. Als schleichende Revolution wird sie Wissenschaft« die Herausforderung ab, Arbeit-
die Stadt nicht grundsätzlich anders aussehen nehmende aller Bereiche auf die Veränderungen
lassen. Die Auswirkungen auf den physischen durch neue Technologien vorzubereiten. Es ent-
städtischen Raum entstehen vielmehr aus sich än- steht eine neue Querschnittsindustrie, auf die ers-
dernden Prozessen und neuen Erkenntnissen, die te Hochschulstandorte schon reagieren. In Heidel-
durch Digitalisierung ermöglicht werden. Es geht berg wird in diesem Sinne der proaktive Aufbau
in der Frage um »Bildung und Wissenschaft« also eines neuen Aus- und Weiterbildungsangebotes
nicht nur um den Aufbau einer Kindertagesstätte vorgeschlagen.
oder einer Grundschule, um absehbare Bedürf-
nisse und Nachfragen zu befriedigen, sondern es
geht auch um den Aufbau eines integrativen und
vernetzenden Bildungsclusters welcher möglichst
alle Lebenszyklen umfasst.
IBA_LAB No 7 | Bildung und Wissenschaft ▸ 25
© AITDigitalization –
©Ronald Tilleman
An architectural turn? but look what happened to bookstores and libraries.
They became much more than a library, they’ve
become social hubs! We built one in northern Holland
where we combined a theater, a music center and a
DORTE KRISTENSEN drama school with a library. These places became a
ATELIER PRO | DEN HAAG sort of cultural living room. And what happened to
the schools? We got community schools where we
don’t only have a school but we added kindergar-
tens, we added libraries, we added cultural functions,
we added community functions – we started design-
ing a learning space which was meant for living. We
Meine erste Reaktion auf die Frage Ȁndert Being an architect from Holland, I will try to answer even started using these hubs as an instrument for
sich die Architektur durch die Digitalisie- the following question. Does the rise of digital tools gentrification of badly working neighborhoods. Some
rung und den zunehmenden Einsatz digita- and digitalization change the architecture? of these learning spaces worked and some of them
ler Technologien?« war: Nein. Aber dann didn’t. The ones that worked are the ones where people
schaute ich mich um: Das Internet beschleu- My initial conclusion was: No. Because we’ve thought about cooperating with the community. So,
nigt die Kommunikation, aber es ermög- always been able to design complex and intriguing we have an instrument there – which evolved with
licht uns auch den Zugang zu Wissen und buildings. But on the other hand, when I look at our digitalization.
Daten. Man könnte meinen, dass wir keine office: we got the internet, we’re working freely,
persönlichen Begegnungen mehr brauchen. we’re scripting and it’s a fantastic tool. It enables us If we go inside the schools, things have also changed.
Aber gerade weil wir Zugang zu all diesen to do things much faster than we could before and In the 90s we started having schools which were
Daten haben und all diese Möglichkeiten probably also enables us to do things we couldn’t do more than just classrooms – they were spaces for
kennen, müssen wir kommunizieren! Wir before. The internet speeds up the communication, interacting. We started realizing that we have to
haben jetzt Gemeinschaftsschulen, in denen but it also enables us to access knowledge and data prepare our children and ourselves with 21st century
wir Kindergärten, Bibliotheken, kulturelle that we weren’t able to get in touch with before. In skills. Today, from the beginning on, we teach chil-
und gemeinschaftliche Funktionen zusam- fact, we don’t need to be face-to-face anymore. I can dren to work together. We design schools with space
men bringen – wir haben begonnen, Lern- take my computer and go back to Denmark – where for social interaction – and that is becoming the
räume zu entwerfen, die vor allem zum I originally come from – and still run my office. most important part of the learning process. Because
Leben da sind. Wir haben erkannt, dass I don’t need to be there. So, we could easily go back of the computer we were able to introduce personal-
wir und unsere Kinder Fähigkeiten des 21. to the world of Jacques Tati, each of us living in a ized learning in all different shapes and sizes. So the Residential Care Center Scheldehof, atelier PRO
Jahrhunderts erlernen müssen. Heute, von cubicle with a computer and a telephone – but we computer became a catalyst for a more personal and
Anfang an, lehren wir Kindern die Zusam- didn’t. In fact, the offices turned upside down and individual approach. And that has an impact on space.
©NARODIZKIY0
menarbeit, wir planen Schulen mit Räumen became sort of community hubs where you can also From now on it’s not only class rooms you need but
für soziale Interaktion – und das ist der play table tennis. Because we understood something you also need individual spaces and space for smaller
wichtigste Teil des Lernprozesses geworden. – that we needed to be face-to-face, we needed to be groups. You need social structures and social spaces.
part of a community. Knowing all this data, knowing So, I realize, the space outside of the classrooms is
Zurück zur Frage: Ja, die Digitalisierung all these possibilities, we needed to communicate even more important than the classroom itself!
hat die Architektur verändert. Der Computer about it. We needed to collaborate.
ermöglichte es uns, unabhängig von Zeit Back to the question: Does the rise of digital tools
und Raum zu arbeiten, aber wir entschei- What happened in the field of education? I remem- and digitalization change the architecture? Yes, it
den uns, beisammen zu sein, weil wir die ber in the 90s I attended these events where we did. The digitalization is a catalyst for something
Wichtigkeit des persönlichen Kontaktes in seriously discussed whether we needed schools at which was already growing. The computer enabled
einer Gemeinschaft und sozialer Verbun- all because you could just have all the children back us to work regardless of time and space, but we
denheit verstehen. home and teach them in the open air. The belief was, chose to be together. We understood the quality of
you don’t need schools anymore. You don’t need being face-to-face in a community, of being social.
books anymore because they’re all on the internet;
Der Letovo Schul Campus in Moskau, atelier PRO
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