Juli 2019 - Kostenlos mitnehmen!

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Vo
                       Fahrbericht: Yamaha 700 Ténéré                                                  DAS n
                       VERLOSUNG: Boxermotor-Bausatz
                       Reise: Italien-Estland • Erfahrung: Honda X-eleven
                       Ausprobiert: Helite Airbag-Weste • u.v.m.

                                                                            n Motorradfa
                                                                                                        orddeutsche

                                                                                         hrern für M
                                                                                                                    Motorradm
                                                                                                                   agazin

                                                                                        otorradfahre
                                                                                               r

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                                                                                                                        www.kradblatt.de
                                                                                                        Juli 2019

                                                                                                           H 25175
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Editorial                                                               3
                                            nicht einfach so hinnehmen, denn sie           feld beschreiben. Wer keinen Bock auf
                                            bedrohen nicht nur uns selbst sondern          die Rumtipperei hat, aktiviert einfach
                                            auch andere.                                   die Diktierfunktion seines Handys. Einzig
                                               Die Mühe, die Gefahrenstelle der            und allein eine GPS-Standortbestimmung
                                            zuständigen Straßenverkehrsbehörde             wäre noch wünschenswert. Der über die
                                            zu melden, macht sich aber wohl kaum           App gemeldete straßenbauliche Man-
                                            jemand von uns – ich ehrlich gesagt            gel wird dann vom IfZ an die zuständige
                                            auch nicht. An wen wendet man sich,            Behörde weitergeleitet. Einfach mal run-
                                            welche Unterlagen muss man ausfüllen?          terladen, die App ist kostenlos.
                                            Schon beim Gedanken an die deutsche
                                            Bürokratie hat man die Gefahrenstelle
                                            vergessen und konzentriert sich auf die
                                            nächste Kurve. Einzig bei echt akuter
                                                                                           Eaktuellen
                                                                                              in weiterer Punkt zu Sicherheit betrifft
                                                                                              unsere Bekleidung, gerade bei den
                                                                                                      Temperaturen von z.T. über 30
                                            Gefahr wähle ich die 110 und melde diese.      Grad Celsius. Das ist muckelig warm und
                                            So wie neulich, als ich auf einer Ölspur in    gerade an der Ampel rinnt so mancher
                                            einer Autobahnauffahrt schlingernd und         Schweißtropfen kitzelnd vom Rücken in
                                            wohl nur dank meines fleißigen Schutz-          die Kimme. Trotzdem: tragt zumindest
              Sicherheit im Kleinen …       engels einem Sturz entging.                    einen rudimentären Schutz. Biker-Jeans
                                               Straßenbauliche Mängel kann man             verhindern hässliche Abschürfungen und
BStraßen
    isweilen gibt es ja das Gemecker,
    dass im Osten Deutschlands alle
          im Bestzustand sind, die im
                                            aber eigentlich recht einfach melden:
                                            Das Institut für Zweiradsicherheit (IfZ) hat
                                            bereit 1996 einen Meldebogen initiiert,
                                                                                           sind trotzdem bequem, eine Jacke oder
                                                                                           ein Protektorenhemd mit Mesh, stark
                                                                                           perforierte leichte Handschuhe und luf-
Westen dafür zu Schlaglochpisten ver-       den man über die Website www.ifz.de            tige Stiefel, alles ohne Membran, helfen
kommen. Dass dem nicht so ist, haben        herunterladen und per E-Mail oder Post         ungemein und schützen dennoch mehr
wir bei unserer Kradblatt-Leserreise        versenden kann. Nun ist so ein Meldebo-        als Shorts und T-Shirt. Manch einer kennt
nach Mecklenburg-Vorpommern erlebt.         gen heutzutage natürlich schon wieder          im Internet sicher die Bilder von Brittany
„Hüben wie drüben“ gibt es nagelneue        Mega-Oldschool und auch mir persön-            Morrow, die 2005 als Sozia in Sweatshirt
und echt üble Pisten.                       lich zu aufwendig. Tipp: einfach die App       und Jeans abgeflogen und gerutscht ist.
   Am allgemeinen Straßenzustand kann      „MOTO“ des IfZ aufs Smartphone laden,           Kürzlich postete sie auf Instagram ein Up-
man als Einzelperson nun nicht so ganz      die gibt’s für iOS und Android in den ent-     date. Sie fährt immer noch leidenschaft-
viel ändern. Was aber immer wieder ein      sprechenden Stores.                            lich Motorrad, was man ja gut verstehen
Ärgernis und auch eine Gefahr darstellt,       Neben vielen guten Infos, z.B. zu           kann, aber die Narben sind auch nach
gerade für uns Motorradfahrer, sind         Bestimmungen in Reiseländern, IfZ-Kam-         all den Jahren heftig. Tut euch das nicht
Schlaglöcher, Spurrillen, abgenutzte        pagnen, Sicherheitstrainings usw. findet        an, euer Händler hat für jedes Wetter die
Fahrbahnoberflächen, Bitumen-Schmie-         sich die Funktion „Meldebogen“. So lässt       passende Kleidung! Und jetzt raus aufs
rereien oder übermäßig rutschige Mar-       sich die Gefahrenstelle per Smartphone-        Bike, genießt den Sommer!
kierungen! Diese muss und sollte man        Kamera fotografieren und/oder im Text-                                    Marcus Lacroix
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4                                                 FFahrbericht
                                                    ahhrrbericchht

                 ré 70                      0
          Té n é
Ya   maha
     I N I E RT
RAFF CH
EINFA

Mit der Ténéré 700 setzt Yamaha
ein starkes Zeichen gegen das welt-
weite Wettrüsten: Die Reiseenduro
                                      M   an kann Leon Oosterhof zusehen, wie er sich in freudige Begeisterung redet. Der
                                          Niederländer steht auf einem kleinen Podest, von Scheinwerfern angeleuchtet,
                                      in einem dunklen Gewölbesaal. Der Raum ist ein uraltes Gemäuer, Teil der spani-
verzichtet bewusst auf überbordende   schen Festung Tortosa aus dem zehnten Jahrhundert nach Christus. Die Historie
Elektronik. Kleine Macken verzeiht    liegt schwer in der Luft.
man der neuen Mittelklasse-Queen         Das einzige, was hier neu, leicht und wahrlich luftig ist: das Motorrad, das Ooster-
deshalb gerne.                        hof in Wallung bringt. Die Ténéré 700. Yamaha stellt endlich das Motorrad vor, auf
                                      das viele Yamaha-Fans und Enduristen lange Jahre gewartet haben.
                                         Das historische Ambiente im Parador zu Tortosa, auf halbem Wege zwischen Valen-
                                      cia und Barcelona, macht durchaus Sinn: Auch die Ténéré hat schon lange Geschichte
                                      geschrieben. Sie hat über fünfunddreißig Jahre Modellentwicklung im Gepäck. Im
                                      Jahr 1983 kam als Urahnin der Baureihe die Ténéré 600 auf den Markt; sie basierte

                                               Die drei Farben
                                                „Ceramic Ice“
                                                 „Tech Black“
                                                     und
                                             „Competition White“
                                                  stehen zur
                                                   Auswahl
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Yamaha Ténéré 700                                                        5

                                             mit ihrem Einzylinder-
                                             motor auf der XT500
                                             und den Erfahrungen
                                             mit den Wettbewerbs-
                                             maschinen der Rallye
                                             Dakar.
                                               Dieses Rennen hat
                                             Yamaha Ende der
                                             Neunzehnsiebziger
                                             Jahre dominiert.
                                             Seither hat sich
                                             der Markt aber
                                             stark verändert:
                                             Der Name Ténéré
                                             hat immer noch
                                             einen guten
                                             Klang in der
                                             Reise- und
                                             Offroad Szene,
aber die Nachfolgemodelle der Ténéré 600 – sei es als
Ein- oder Zweizylinder – haben die ursprüngliche Herr-
schaft über die afrikanischen Dünen und später dann in
Südamerika nicht fortschreiben können. Auch der Markt
der mittelschweren und ganz großen Enduros wird inzwi-
schen von anderen beherrscht: Die Platzhirsche kommen
aktuell von den Herstellern BMW, Honda, KTM und auch
Triumph hat frische Modelle nachgelegt.
   Yamahas neuer Anlauf in der Enduro-Mittelklasse
hat deshalb einen hohen Anspruch, aber gleichzeitig
auch eine hohe Erfolgsschwelle. Das Fahrzeug soll,
laut Yamaha, der „ideale Allrounder“ werden und den
Ténéré-Mythos fortschreiben: „Wir haben das Motor-
rad im Koordinatensystem zwischen sportlichen
Fähigkeiten, gediegenem Fahrkomfort und Spaß
auf der Straße angesiedelt,“ sagt Leon Oosterhof
vorne auf der Bühne.
   Als sichere Zielgruppen für das Fahrzeug haben
Oosterhof, als verantwortlicher Yamaha-Projekt-

                                                                                                                     Fehmarn

                              Vertrauen Sie auf über 30 Jahre Erfahrung !           Kaköhl       Hansühn

                              Ältester BMW und KTM Händler in Schleswig-Holstein.   Schönwalde
                                                                                                           Lensahn

                                     Neumaschinen, riesiges Gebrauchtmaschi-
                                     nenangebot, Motorradvermietung, Zubehör,
                                     Bekleidung, uvm.
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6                                    Fahrbericht Yamaha Ténéré 700

                                      manager für die Ténéré 700, und die anderen Entwickler sportliche Geländefahrer,
                                      Globetrotter als auch Wochenendausflügler ausgemacht. Um diesen ziemlich weiten
                                      Spagat zu meistern und sich gleichzeitig eigenständig zu positionieren, soll die neue
                                      Ténéré 700 „sportlich, stark, leicht“ sein, aber vor allem „pur und günstig“.
                                         Die Lösung haben die Japaner im Mut zur vermeintlichen Armut ausgemacht:
                                      Yamaha macht die elektronische Hochrüstung in der mittleren Enduro-Klasse einfach
                                      nicht mit. Die Ténéré 700 hat keine der mittlerweile klassenüblichen Standards, keine
                                      Fahrmodi, keine Traktions-Kontrolle, keinen Quickshifter, kein TFT-Display, keinen
                                      Joystick am Lenker und schon gar keine „Connectivity“. Navigation, Telefon, Musik:
                                      Fehlanzeige.
                                                                        Yamaha verzichtet radikal auf den direkten Ver-
                                                                      gleich mit den Mitbewerbern wie z. B . der neuen
                                   Pirelli Scorpion STR über-         BMW F 850 GS Adventure oder der KTM 790. Leon
                                 zeugen auch auf der Ténéré           Oosterhof sagt: „Wir haben auf unnötiges Bling-Bling
                                                                      verzichtet und einfach ein gutes Motorrad gebaut.“
                                                                        Yamaha – und auch Oosterhof ist immer mit von
                                                                      der Partie – stellte die Ténéré 700 der Presse an zwei
                                                                      Fahrtagen im Hinterland von Tortosa vor. Der etwa
                                                                      500 Kilometer langen Rundkurs hat alles, was eine
                                                                      straßenorientierte Enduro mit guten Offroad-Eigen-
                                                                      schaften fordern sollte und gleichzeitig das Testerherz
                                                                      schneller schlagen lässt: schnelle Autobahnstrecken,

Keep it simple – Reiseenduro ohne elektronische Hochrüstung
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700 ccm auch fürs Grobe              7
 einsame Landstraßen, staubige und
 schnurgerade „Camino Rurals“, holp-
 rige Feldpisten, schlüpfrige Waldwege,
 technische Kletterpassagen und üble
 Sandlöcher.
    Schon mal vorab: Die Ténéré 700
 passt perfekt zu dieser wilden Mischung.
    Bereits der Erstkontakt ist ermutigend.
 Die Sitzhöhe von 875 mm (durch eine
 höhere Rallye-Sitzbank aus dem Zube-
 hör auch 919 mm), der breite Lenker und
 das sehr übersichtliche Cockpit mit dem
 simplen Instrument in Rallye-Anmutung
 verströmen sofort Vertrautheit. Sowohl
 kleine Fahrer als auch Sitzriesen über
 185 cm finden ein Zuhause, aus dem
 heraus es sich leicht manövrieren lässt:
 Mit 204 kg Gewicht inklusiv vollem Tank
 ist die Ténéré 700 vergleichsweise leicht
 geraten. Die 850er Adventure BMW-En-
 duro z.B. bringt 244 kg auf die Waage.
    Auch akustisch ist die Ténéré 700 eine
 angenehme Zeitgenossin. Im Chassis
 mit dem langen Radstand von 1595 mm
 arbeitet der bewährte, wassergekühlte
„Crossplane CP2“-Zweizylinder-Reihen-
 motor. Er leistet in der Ténéré 700 mit
 geändertem Auspuff, anderem Ansaug-
 trakt und angepasster Einspritzung 73
 PS. Optimiert wurde dabei der Durchzug
 im unteren Drehzahlbereich.
    Reichen 73 Pferdchen für eine             Solisten finden allemal genug Platz
 Enduro? Im Gelände immer. Aber auch
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8                                                   Back to the roots

auf der Straße? Ja, sie reichen. Das merkt man bereits auf den ersten Testmetern und
den schnellen Landstraßen, über die wir uns zunächst bewegen. Die Enduro, auf den
auf der Straße und im leichten Gelände überzeugenden Pirelli Scorpion STR-Reifen,
zieht wuchtig wie an einem Gummiband gezogen aus den Kurven, schluckt jede
Unebenheit im Belag weg und signalisiert: alles im grünen Bereich. Also Fahrspaß
pur und man merkt: Kurven-ABS, sechs Fahrmodi oder zwei Handvoll Traktionskon-
troll-Einstellungen, man braucht es auf der Ténéré 700 einfach nicht.
   Yamahas neue Offroaderin kann als „Waffe“ auf Asphalt trotz – oder gerade mit
dem 21 Zoller vorne und dem 18 Zoll-Hinterrad – locker mit einem Sport- oder Naked-
Bike aus der gleichen PS-Klasse mithalten. Und das Fahrzeug kann natürlich mehr:
Ausgestattet mit einer Packrolle, Koffern und dem 16 Liter-Tank – der Verbrauch
zwischen 4 und 5,5 Litern je nach Terrain ist gut für Distanzen zwischen 350 und
400 km – lädt die Ergonomie und der Sitz im Besonderen zur Langstrecke ein. Auf
der Ténéré 700 lässt es sich formidabel von der Weltumrundung und dem Outback
träumen.
   Die eigentliche Heimat der Ténéré 700 sind nämlich die staubigen Feldstraßen
und das holprige Geläuf. Dafür ist das Yamaha-Bike bestens vorbereitet: lange

                                            Diverse Extras kann man sich …

                                   … im Online-Konfigurator zusammenklicken
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Yamaha Ténéré 700                                          9

                                                                Federwege, gute Stehposition, klapp-
                                                                bare Brems- und Schalthebel, massiver
                                                                Unterfahrschutz, im Zubehör ist selbst
                                                                eine Werkzeug-Box im Angebot.
                                                                   Ab ins Gelände also: Das Display
                                                                hinter dem Windschutz lässt sich auch
                                                                verstaubt noch gut ablesen und bietet
                                                                das einzige elektronische Zugeständ-
                                                                nis, das Yamaha dem Fahrer macht. Mit-
                                                                tels eines einfachen Druckknopfs lässt
                                                                sich – wenn das Fahrzeug steht – das
                                                                für die Straße vorgeschriebene ABS im
                                                                Geländebetrieb komplett ausschalten.
                                                                Dadurch wird es richtig lustig: Das Hin-
                                                                terrad schmeißt Dreck, dreht bei Bedarf
                                                                durch oder geht voll auf Block; das Heck
                                                                bricht aus, man schlittert über Stock und
                                                                Stein. Herrlich!
                                                                   Aber auch der gewollte Spurverlust
                                                                geschieht bei der Ténéré 700 sehr kon-
                                                                trolliert. Das Motorrad gibt immer Rück-
                                                                meldung, was gerade Sache ist, und
                                                                man glaubt zu ahnen, dass die Ténéré
                                                               700 lebt, und vorsichtige Anfragen stellt:
                                                               „Hallo, darf es noch etwas mehr sein?“
Alu-Koffer + Sturzbügel aus dem „Explorer-Paket“                   Denn mehr ist allzeit drin: Die Brem-
                                                                sen sprechen direkt, aber nicht allzu
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10                                                    Yamaha Ténéré 700
                                                                                     knackig an. Die Federelemente kom-
                                                                                     men auch bei sportlichem Stochern
                                                                                     auf Huckel- und Lochpisten erst lange
                                                                                     nach den meisten Piloten an ihre Gren-
                                                                                     zen. Wenn es richtig dreckig wird, ist
                                                                                     die Ténéré 700 ohne Fehl und Tadel.
                                                                                     Sie ist keine feine Sportenduro, aber
                                                                                     den vermeintlichen Klassen-Prima-
                                                                                     donnen kann sie Offroad locker den
                                                                                     Schneid abkaufen.
                                                                                         Wenn es doch etwas an Yamahas
                                                                                     neuem Angebot zu mäkeln gibt, sind
                                                                                     es Kleinigkeiten: Das Display z. B .
                                                                                     wackelt im Gelände und bei hohen
                                                                                     Geschwindigkeiten unnötig stark im
                                                                                     Cockpit; es könnte eine verstärkte
                                                                                     Aufhängung vertragen. Richtig ärger-
                                                                                     lich ist nur das programmierte Verhal-
                                                                                     ten der ABS-Abschaltung. Wenn der
                                                                                     Fahrer den roten Kill-Schalter betätigt
                                                                                     – das geschieht im Gelände oft, z.B.
                                                                                     wenn man stoppt und die Route aus-
                                                                                     baldowert – springt das ABS von OFF
                                                                                     wieder auf ON und die Straßen-Einstel-
                                                                                     lung zurück! Man ist also bei der Wei-
                                                                                     terfahrt unbewusst mit veränderten
                                                                                     Bremseigenschaften unterwegs. Das
                                                                                      ist nicht nur nervig, sondern potentiell
                                                                                     auch gefährlich.
                                                                                         Ohnehin könnte man sich gerade
 Front im Rallye-Stil mit Vierfach-LED-Scheinwerfer

                                                                                     beim ABS doch etwas mehr an sinn-
                                                                                     voller Elektronik vorstellen: Eine dritte
                                                                                     Stufe – geregelte Bremskraft am Vor-
                                                                                     derrad, hinten ohne Regelung – wäre
                                                                                     eine gute weitere Option. Damit ließe
                                                                                     sich die Maschine in schnellen Kurven
                                                                                     mit dem Vorderrad gefühlvoll einbrem-
                                                                                     sen, während man sich das blockierte
                                                                                     Hinterrad durch den Drift schon mal
                                                                                     für die Beschleunigung aus der Kurve
                                                                                     zurechtlegt.
                                                                                         Nach zwei Tagen spanischem
                                                                                     Staub und Regen bleibt ein einfaches
                                                                                     Fazit: Yamaha schreibt die Ténéré-Ge-
                                                                                     schichte mit einem ganz feinen Fahr-
                                                                                     zeug fort.
                                                                                         Und verlangt dafür einen fairen
                                                                                     Preis: Die Grundausführung kostet
                                                                                     bis 31. Juli 2019 bei Onlinebestellung

                                                             Sehr übersichtliches Cockpit
Sportliche Reiseenduro aus Japan                                          11

                                   und Auslieferung über einen Händler
                                   der Wahl 9.299 Euro plus Nebenkosten.
                                   Danach steigt der Preis im Laden auf
                                   9.599 Euro.
                                     Drei Dekore haben sich die
                                   Yamaha-Designer für die Ténéré ausge-
                                   dacht: Der Kunde kann ohne Aufpreis
                                   zwischen „Ceramic Ice“, „Power Dark“
                                   und „Competition White“ wählen und
                                   jede Farbgebung mit zwei fertigen

                                    Zubehör-Paketen kombinieren. Das
                                    Rallye-Paket mit einem Aufpreis von
                                    1695,95 Euro soll u. a. mit einer 40 mm
                                    höheren Sitzbank, einem Akrapovič-Aus-
                                    puff und einer kürzeren Kennzeichen-
                                    halterung sportliche Gelände-Fahrer
                                    ansprechen.
                                       Das Explorer-Paket für zusätzlich
                                    2114,95 Euro hat ab Herbst dagegen
                                    Langstreckenfahrer und Globetrotter
                                    im Visier: Es beinhaltet u. a. Seitenhal-
                                    terungen, zwei Koffer, einen Hauptstän-
                                    der, einen massiven Unterfahrschutz,
                                    Motorprotektor und einen Solo-Sitz mit
                                    Gepäckträger.
                                       Online kann man mit den Optionen im
                                   „Konfigurator“ auf der Yamaha-Website
                                    herumspielen und sich seine Maschine
                                    zusammenstellen. Per App ist dies mit
                                   Yamahas „My Garage“ möglich – in 3D
                                    und mit 360°-Ansicht.
12                        Fahrbericht Yamaha Ténéré 700

                                                  Also hin zum Händler, die Ténéré 700
                                               holen? Leider nicht. Yamaha und straffe
                                               Zeitpläne, die werden in diesem Leben
                                               wohl keine Freunde mehr. Die Entwick-
                                               ler haben ein begeisterndes Fahrzeug
                                               mit einem überzeugenden Konzept auf
                                               die Beine gestellt – allerdings mit min-
                                               destens zwei Jahren Verspätung und
                                               quälender Wartezeit für die Fan-Ge-
                                               meinde.
                                                  Jetzt ist die Ténéré 700 endlich da
                                               und das Wartespiel geht lustig weiter:
                                               Gebaut werden die Ténérés für den
                                               europäischen Markt im französischen
                                               Yamaha-Werk – und dort sind erst ein-
                                               mal lange Sommerferien. Die ersten
                                               2000 Maschinen sind online bereits ver-
                                               kauft – wer also jetzt bestellt, wird die
                                               beste Ténéré, die es jemals gab, voraus-
                                               sichtlich im September oder Oktober in
                                               Empfang nehmen dürfen. Aber besser
                                               spät als nie …
                                                                     Jochen Vorfelder

           É       NÉRÉ 700
  YAMAHA T
                               enmotor
             izylinderreih
Motor: ZweSechsgang, manuell
 Getriebe: um: 689 ccm
       Hubra
                      4 kW / 73 PS
    Leistung: 500 U/min
          bei 9.0            nt:
            Drehmome0 U/min
                    i 6 .5 0
      68 Nm be hwindigkeit:
     Höchstgesc5 km/h
                > 19             / 150/70-18
   re ifun g  v/ h: 90/90-21 200 mm
 Be                 v/h: 210 /
    Federweg eiheit: 240 mm
        B o d e n fr                 tankt
                      04 kg vollge
     Gewicht: 2 inhalt: 16 l
              Tank           9 Euro
             Preis: 9.59
14                                                         Ausprobiert

Helite Airbag Weste
A  ls vor Jahren die ersten Airbag-Sys-
   teme auf den Markt kamen, wurde
noch fleißig drüber gespöttelt. Allerdings
                                               Helite Turtle 2. Was mich dabei am
                                               meisten interessierte: Nervt die
                                               Handhabung der Reißleine im
war es ja bei elektronischen Fahrhilfen        Alltag oder nicht?
wie ABS und Traktionskontrolle das                Die Franzosen
Gleiche und vermutlich haben unsere            entwickeln seit
(Ur-)Großväter auch über die ersten           2002 ihre Air-
Sturzhelme gelacht – braucht doch kei-         b a g - Sy s -
ner, einfach nicht hinfallen und gut ist.      teme unter
Leider klappt das nicht immer und aus          dem Motto
eigener Erfahrung kann ich sagen: je-         „so technisch
der Knochenbruch ist auf längere Sicht         wie nötig, so
betrachtet einer zu viel. Bleibt also, das     einfach wie mög-
Risiko bei einem der besten Hobbys der         lich“. Auf Messen
Welt – dem Motorradfahren – möglichst          und bei Händler-Ver-
zu minimieren.                                 anstaltungen haben
   Ohne zumindest halbwegs angemes-            sicher schon viele von
sene Schutzkleidung sind wohl nur die          euch das Helite-System
wenigsten unserer Leser unterwegs.             in Aktion gesehen und evtl.                                                      einen
Kommt das Gespräch allerdings auf Air-         sogar ausprobiert. Spätestens                                                 großen,
bag-Systeme, ist das manch einem dann          dann dürfte klar sein, dass so                                            CE-geprüften
schon wieder zu viel. Zu viel Geld, zu viel    manche Verletzung mit einem                                           SAS-TEC-Rücken-
Getüdel und überhaupt – ans Stürzen            Airbag vermieden werden könnte.                                   protektor verfügt.
denkt natürlich keiner gerne …                 Eine Vollkasko gegen Knochenbrüche                            Zusätzliche Rückenprotek-
   Dabei ist der Mehraufwand für mehr          ist ein Airbag aber natürlich auch nicht!                 toren zum Umschnallen oder in
Sicherheit wirklich gering. Den Airbag als        Das Helite-Sortiment umfasst verschie-            der Bekleidung sind daher nicht
Weste zieht man einfach drüber, den in         dene Westen für Tourer und Racer, begin-         notwendig, die Aufprallenergie wird
die Kleidung integrierten merkt man beim       nend bei 449 Euro UVP sowie Leder- und        „sanft“ verteilt. Die Weste „GP-AIR 2.0“
Anziehen gar nicht. Bleibt noch bei autar-    Textil-Jacken mit integriertem Airbag ab        eignet sich für Rennkombis mit Höcker.
ken Systemen das gelegentliche Laden           689 Euro.                                        Alle Helite-Systeme werden über eine
des Akkus der Auslöseelektronik und               Die Westen sind vor allem für Motorrad-     Reißleine ausgelöst, die fest mit dem
bei mechanisch ausgelösten Systemen            fahrer interessant, die – wie ich – je nach    Motorrad verbunden wird. Bei einem
das An- und Abstöpseln an die Reißleine.       Motorrad, Style und Einsatzzweck unter-        Abflug löst die Leine einen Schlagbolzen
   Eine Weste mit solch einem mechani-         schiedliche Klamotten tragen oder einfach      aus, der in eine CO2-Kartusche hämmert
schen Auslöser bekamen wir im Frühjahr         ein paar Euro sparen möchten. Die Turtle       und aus der das Gas schlagartig in den
von der französischen Firma Helite zum         (engl. = Schildkröte) Weste hat gegenüber      Airbag entweicht und ihn so aufbläst.
Ausprobieren zur Verfügung gestellt: die       der „Airnest“ den Vorteil, dass sie über       Das Ganze dauert 80–100 Millisekunden,
                                                                                              was auf den ersten Blick wirklich schnell
                                                                                              erscheint. Hier kommen wir allerdings
Eindrucksvoll – der „Live-Test“ im Helite-Store überzeugt
Helite Airbag-Weste im Alltag                                                 15
zu einer Einschränkung im Vergleich zu
den teureren autarken sensorgestützten
Systemen, z.B. von Dainese: Zur eigentli-
chen Aufblaszeit addiert sich die Zeit bis
zur Auslösung. Hier muss man für sich
selbst einen Kompromiss finden, da man
die Länge der Reißleine fest einstellt. Je
kürzer die Reißleine, je weniger Bewe-
gungsraum hat man auf dem Motorrad
aber desto schneller löst der Airbag aus.
An meinen beiden Bikes ist die Leine, die
auch einzeln erhältlich ist, damit man
sich den Umbau zwischen mehreren
Maschinen spart, so eingestellt, dass
ich mich auch mal aufrichten kann. Bei
einem seitlichen Einschlag z.B. in einen
PKW, hilft die Weste beim Erstaufprall so
natürlich gar nicht, denn bis sie auslöst
beiße ich auch bei nur 50 km/h schon in
die Dachkante. Erst beim zweiten Auf-
prall auf die Straße hilft dann der Airbag.
Da meine bisherigen Stürze aber alle
einen Freiflug beinhalteten, kann ich mit
dem Kompromiss gut leben. Es versteht
sich sicher von selbst, dass man die
Reißleine in Sitznähe, z.B. am Rahmen
oder der Tankhalterung montiert und
nicht am Lenker (auch wenn das einfa-
cher wäre). Man fliegt i.d.R. schließlich
nach vorne ab …
   Nun endet ja nicht jeder Sturz in einer
Katastrophe und hier kommt ein Plus-
punkt des Helite-Systems zum Tragen:                                     Ein Kompromiss: Reißleinen-Länge vs. Auslösung
Wenn der Airbag äußerlich nicht beschä-
digt wurde, kann er durch den Austausch
der CO 2 -Kartusche (22 Euro, ab 2XL          schluss und der Gewissheit, dass die    se-Schnalle an der Weste in einer kleinen
da mehr Inhalt 26 Euro) direkt wieder         Weste bei einem Abflug die Jacke am      Tasche verstecken könnte, wenn man am
startklar gemacht werden. Gerade bei          Körper hält. Sicherheit ist immer ein   Bikertreff oder sonst wo unterwegs ist.
Urlaubsreisen eine gute Sache.                Kompromiss.                             Witze à la „Wenn ich daran ziehe, bläst du
   Was mich persönlich überraschte ist,         Kritikpunkte gibt es nur wenige. So   dich dann auf?“ sind nach dem zehnten
wie schnell man sich an das Tragen der        wäre es schön, wenn man die Auslö-      Mal nämlich echt öde. Zur Abhilfe klipse
Weste und die Stöpselei gewöhnt. Wie
das An- und Abschnallen im Auto wird es
in kurzer Zeit zur Selbstverständlichkeit.
Das „Abschnallen“ habe ich zwar schon
ein paarmal vergessen, das ist aber kein
Problem. Zum Auslösen wird eine Zug-
kraft von 30 Kilogramm benötigt, das ist
schon ein recht kräftiger Ruck. Wendet
man sich vom Motorrad ab, erinnert einen
ein leichter Zug an die Reißleine.
   Der Tragekomfort der Weste ist hoch,
nichts scheuert oder stört. Das Gewicht
von 1,63 kg (Gr. M) spürt man im Alltag
nicht. Die Weste ist über Klettbänder
justierbar und liegt bewusst nicht eng
an sondern hat ein ca. faustbreites Spiel,
damit der Airbag sich nach innen auf-
blasen kann.
   Praktisch ist die kleine Schlüsselta-
sche über der linken Brust, gerade wenn
man mit einem Keyless-Ride System
unterwegs ist.
   Bedenken hatte ich, als wir bei über
30 Grad Celsius in Mecklenburg Vor-
pommern unterwegs waren, die Weste
verdeckt schließlich die Brustbelüftung
meiner Textiljacke. Mit der Einschrän-
kung kann man aber ganz gut leben. Ich
fuhr mit leicht geöffnetem Frontreißver-
16                                                     Helite Airbag-System
ich den Reißleinen-Clip am                                                Stabilisierung von
Treff bisweilen in die untere
Verschlussschnalle, dann                                                         und                            Oberkörper gestützt und
fällt der Auslöser nicht so                                                                                         versteift, somit
auf. Bei eisigen Temperatu-                                                                                       widerstandsfähiger
ren und ausgekühlten Fin-                                                                                           gegen äußere
                                  Kompletter Schutz:                                                               Krafteinwirkung.
gern lässt sich die Schnalle
der Reißleine außerdem
nur recht schwer zusam-
mendrücken. Wer damit
Probleme hat, tauscht das
Kunststoffteil am besten
gegen einen Karabiner aus
(Gruß an Bianca und danke
für den Hinweis!).
   Statt in freundlichem
                                      Oberkörper gegen
Schwarz mit Reflexstreifen
                                Verdrehungen geschützt.
gibt es die Airbag-Wes-
ten gegen Aufpreis auch
in „Hi-Vis“ (engl. highly

                                                               Die Bilder von der Helite-Website verdeutlichen den Sitz der
                                                               Airbag-Schläuche und die Kraftverteilung des Protektors.

                                                                  Wenn man sich so         lasst sie euch erklären und vorführen.
                                                               überlegt, für was für       Wie sich meine Weste aufbläst, könnt ihr
                                                               einen überflüssigen         euch auch auf unserem Youtube-Kanal
                                                               Spielkram man beim          bzw. auf unserer Website www.kradblatt.
                                                               Motorradfahren so           de anschauen. Was die Alltagstauglich-
                                                               seine Kohle ausgibt,        keit angeht, braucht ihr euch jedenfalls
                                                               ist ein Airbag sicher       keine Gedanken zu machen, von mir
                                                               nicht die schlechteste      gibt’s dafür beide Daumen hoch.
                                                               Investition, denn wenn         Alle Infos zu Helite sowie ein Händler-
                                                               schon die Profis auf        verzeichnis findet man online unter www.
                                                               der Rennstrecke Air-        helite.de. Helite stellt übrigens nicht nur
                                                               bags tragen, macht es       Airbagsysteme für Motorradfahrer her.
                                                               auf der Landstraße mit      Auch im Reitsport ist die Firma aktiv und
                                                               ihren vielen Unwäg-         für sturzgefährdete Senioren gibt es spe-
                        Links: die CO2-Patrone                 barkeiten noch viel         zielle Hüftprotektor-Airbags. In Kürze
                                                               mehr Sinn. Und die          sollen außerdem unter dem Namen
visible = sehr gut sichtbar) – sprich in      dummen Sprüche werden sich, wie beim        „B’Safe“ sensoraktivierte Airbags für
Warnwesten-Neongelb für mehr passive          ABS, auch mit der Zeit erübrigen …           Radfahrer verfügbar sein. Das Thema
Sicherheit. Die Airnest ist außerdem in         Schaut euch die Airbag-Systeme am          bleibt auch in Zukunft interessant …
verschiedenen bunten Farben verfügbar.        besten live bei eurem Händler an und                                   Marcus Lacroix

     Das Hamburger
     Original. Seit 1971.                                                           mobile.de      Facebook        Newsletter

                                                                                 Stüdemann GmbH
                                                                                 Merkurring 116
                                                                                 22143 Hamburg
                                                                                 Tel 040 308 54 34 – 70
                                                                                 info@stuedemann.de
                                                                                 www.stuedemann.de
Im Rückspiegel
                                                            XXX                                                              17

      MeckPomm Onroad
A  nfang Juni fand die 9. Kradblatt-Leser-
   reise statt und in diesem Jahr statte-
ten wir Mecklenburg-Vorpommern einen
                                             Verkauf, keine Kaffeefahrt! Dafür aber
                                             neben dem direkten Draht zum Fachmann
                                             die Möglichkeit, verschiedene Produkte
Besuch ab.                                   am nächsten Tag probezufahren. Gerade
   Wer das flächenmäßig sechstgrößte          die Entwicklungen im Airbag-Bereich fand
Bundesland bisher nicht besucht hat in       ich persönlich hochinteressant.
der Annahme, da gibt es eh nichts zu            Die Straßenqualität in MeckPomm reicht
sehen, sollte sich unbedingt mal auf den     von nagelneu bis „das ist nicht euer Ernst“.
Weg machen. MeckPomm ist wirklich            Zwischen den Dörfern trifft man noch auf
schön! Nicht nur die Küste bietet mit den    Kopfsteinpflaster und „Hosenträger-Wege“
tollen Sandstränden an der Ostsee und        – zwei Betonstreifen, auf denen es bei
der eigenwilligen Boddenlandschaft viel      Gegenverkehr eng wird. Ob sozialistischer
Abwechslung. Das Inland besticht durch       Betonmangel
eine teils erstaunlich hügelige Landschaft   oder hohe
mit riesigen Feldern, großen Wäldern         Effizienz beim
und (lt. Wikipedia) über 2028 Seen mit       Materialeinsatz,
einer Gesamtfläche von 738 km². Darun-        es funktioniert
ter auch der Müritzsee, der größte See       problemlos.
innerhalb der deutschen
Landesgrenzen.
   Am Müritzsee, genauer im
Schlosshotel in Klink, bezo-
gen wir unseren Stützpunkt
für die Tagestouren. Das
Hotel bietet nicht nur eine
tolle Architektur, die Lage
direkt am See, einen großen
Wellnessbereich und eine                                                                    MeckPomm lohnt sich!
wirklich gute Küche, sondern
aufgrund der Zimmerzahl bei
großen Gruppen auch den
Vorteil, dass man als Rei-
severanstalter
ein gewisses
Kontingent für
einen Zeitraum
reservieren kann.                                      Manche Nebenstraßen waren
Man weiß ja nie                                        so hoppelig, dass die Reiseen-
so genau, wie                                          duro-Fahrer ein breites Grin-
viele Teilneh-                                         sen im Gesicht hatten.
mer letztend-                                             Auch architektonisch findet
lich zusammen-                                         man in MeckPomm (noch) die
kommen.                                                volle Bandbreite von liebevoll
   In diesem Jahr                                      restaurierten alten Gemäuern über typische Einfa-
hatten wir zwei                                        milienhaus-Neubauten, Siedlerhäuser, vergessene
Gruppen, von                                           Bruchbuden (die vermutlich günstig zu erwerben
denen die eine                                         sind) bis zu scheußlichen DDR-Plattenbauten, die
gemütlich und                                          auch mit neuem Anstrich nicht wesentlich hübscher
die andere ein wenig flotter unterwegs        anzuschauen sind. Und zwischen den Orten immer wieder
war. Spaß hatten alle und das bei teils      kilometerlange Strecken, wie man sie im Weser-Ems-Elbe-
hochsommerlichen Temperaturen über           Raum kaum findet.
30 Grad Celsius, zum Glück ohne die             Sieht man bei Kühlungsborn dann die Ostsee auftauchen, fühlt man sich bisweilen
anderswo niedergegangenen Gewitter.          glatt ans Mittelmeer erinnert. Schööööön – Meer ohne Deich!
In den Pausen suchten alle den Schat-           Organisiert wurde auch diese Kradblatt-Leserreise von Curva-Biketravel (Tel.
ten und Getränke – abends bevorzugt          04222-920579, www.curva-biketravel.com), die neben Urlaubstouren auch diverse
gehopft – wurden reichlich konsumiert.       Tagesfahrten im Programm haben. Für die 10. Kradblatt-Leserreise versuchen wir wie-
   Erstmals war Dainese mit einem Info-      der ein Kurventraining auf dem Harzring zu organisieren, das kam seinerzeit sehr
abend dabei – kein Muss, kein                   gut an. Infos gibt es rechtzeitig zum Buchungs-
                                                    start im Dezember.
                                                                       Marcus Lacroix
9
                                                           Handewitt/
                                                           Weding

Deine Suzuki Vertragshändler                                  12

erwarten Dich mit:                                                  Husum
                                                                                                       7
  ausgereifter Technik
  großem Zubehör-Programm                                                                Kiel
  guter Beratung
  ausgezeichnetem Service
                                                                                                  8
                                                                        11
                                                 17
                                                  7                               Neumünster                           6
                                                          Wilster
                                                                                                           Lübeck
                                               Cuxhaven                                 10
                                                                             Tornesch
                             13
                                                                                             5     4
         14                                                    16
              Südbrook-                             18
                                                                                                       1
              merland       Wilhelms-                                                        2
                            haven                         Bremervörde
                                               Hagen                                 Hamburg                  3

                                                         Bremen                                             Embsen/
                                               19
                                                                                                            Lüneburg
   22                                                              15
                                   Delmenhorst
        Haren/Ems                                                       Verden
                                                                                             20

                                                                21                                Bergen

                                                                        Drakenburg

 1 20537 Hamburg · Zweiradtechnik Schielmann · Süderstr. 226–230 · Tel. 040/2501664 · www.zts-bikes.de
 2 21149 Hamburg · Motorrad Süderelbe K. Gerken · Cuxhavener Str. 431 · Tel. 040/7013865 · www.motorrad-suederelbe.de
 3 21409 Embsen · Motorradtechnik Martynow · Bahnhofstr. 27 · Tel. 04134/909090 · www.my-suzuki.de
 4 22397 Hamburg-Duvenstedt · Dumke + Lütt · Wragekamp 12 · Tel. 040/607697-0 · www.dumke-luett.de
 5 22459 Hamburg-Niendorf · Motorrad-Technik-Hbg · Sperberhorst 23 · Tel. 040/8318037 · www.motorrad-hamburg.de
 6 23566 Lübeck · Reiner Storm · Im Gleisdreieck 8 · Tel. 0451/6194000 · www.suzuki-storm.de
 7 24159 Kiel · Motorsport Service Friedrichsort · Friedrichsorter St. 29 · Tel. 0431/2374411 · www.motorsport-kiel.de
 8 24539 Neumünster · Bergmann & Söhne GmbH · Havelstr. 2 · Tel. 04321-558669-0 · www.bergmann-soehne.de
 9 24976 Handewitt OT Weding · Böwadt & Hansen · Heideland-Süd 14 · Tel. 0461/94240 · www.suzukihaendler.de
10 25436 Tornesch · Bergmann & Söhne GmbH · Pinneberger Str. 18 · Tel. 04122/954949 · www.bergmann-soehne.de
11 25554 Wilster · mas · Klosterhof 27 · Tel. 04823/1211 · www.mas-wilster.de
12 25813 Husum · Raudzus Motorrad GmbH · Bredstedter Str. 2–8 · Tel. 04841/898917 · www.raudzus.de
FEEL THE EDGE

                                                 Ab sofort bei deinem
                                                Suzuki Vertragshändle
                                                                      r
Mit 150 PS zurück in die Zukunft.
Die neue KATANA 1000 ist eine echte Zeitmaschine. Sie beamt dich mit ihrem kantigen Look aus dem Stand in die 80er
und holt dich mit 150 PS und moderner Technik auch schnell wieder zurück. Wie das Ursprungsmodell vor fast vierzig Jahren
wird auch die KATANA 1000 extrem polarisieren. Aber so soll das auch sein. Denn diese Maschine will lieber von vielen
geliebt werden, als von allen gemocht. Wie stehst du zu diesem einzigartigen Bike? Finde es heraus, bei einer Probefahrt!

          DIE SUZUKI
          MOTORRAD APP                                                                                        www.suzuki.de

13 26389 Wilhelmshaven · Harms und Herrmann · Kanalweg 14 · Tel. 04421/202999 · www.harms-herrmann.de
14 26624 Südbrookmerland · Motorrad Diele · Auricher Str. 21 · Tel. 04942/204008 · www.motorrad-diele.de
15 27283 Verden · Freizeit und Spaß · Eitzer Straße 217 · Tel. 04231/63444 · www.suzuki-hakelberg.de
16 27432 Bremervörde · Bergmann & Söhne GmbH · Gewerbering 10 · Tel. 04761/71190 · www.bergmann-soehne.de
17 27472 Cuxhaven · S. Maske · Papenstraße 127 · Tel. 04721/72190 · www.s-maske.de
18 27628 Hagen · HJM-Motorradtuning · Heidkamp 4 · Tel. 04746/726630 · www.hjm-motorradtuning.de
29 27751 Delmenhorst · N+L · Annenheider Allee 114 · Tel. 04221/65070 · www.natuschke-lange.de
20 29303 Bergen · Motor-Service Hohls · Hünenburg 10 · Tel. 05051/910303 · www.motorradhohls.de
21 31623 Drakenburg · Scholly’s · Verdener Landstraße 6 · Tel. 05024/981516 · www.scholly.de
22 49733 Haren/Ems · Pricker & Buß GmbH · An der Bundesstraße 1 · Tel. 05932/996262 · www.suzuki-emsland.de

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20                              Reise- / Erfahrungsbericht

 Von Italien über die Alpen
 AKTIVE NAFRI-FLUCHTHILFE
                              Saufchon  immer lag mir das Wohlbefinden der nordafrikanischen Wüstenbewohner
                                  sehr am Herzen. Ich bin der festen Überzeugung, dass auch Tuareg ein Anrecht
                                   stabile Lebensverhältnisse und gesicherte Ersatzteilversorgung haben. Um das
                              aktiv zu unterstützen, habe mir ein Flugticket von Hamburg nach Neapel gekauft.
                                 14 Kilogramm Gepäck kamen schnell zusammen, Helm, Regenkombi (sehr wichtig
                              in Neapel), zwei Paar Handschuhe, Lederhose, Motorradstiefel, ein wenig Werkzeug,
                              Kabelbinder, Alles was man so brauchen könnte, kam mit. Die Tasche mit der Spann-
                              gurtumwicklung sah abenteuerlich aus und in Fuhlsbüttel wollten die das nur als
                              aufpreisloses Sperrgepäck einchecken – geschenkt. Mit einer unendlichen Anzahl
                              Rentner im Flieger (wollten die alle für 29 Euro zum Vesuv?) ging es mit Eurowings
                              über die Alpen.
                                                     Wie bitte? O.k., alles zurück auf Los, dann erkläre ich mal den
                                                 Vorlauf zu dieser Alpenüberquerung.
 Rallye-Feeling mit 349 ccm                          Ich habe 2017 durch ein berufliches Missgeschick das Motorrad-
                                                  fahren in alter Form – Supermoto mit 900 plus x ccm – nicht mehr
                                                  so richtig gepackt. Als Alternative nach der REHA habe ich dann
                                                 zum Wiedereinstieg mit einer kleinen Aprilia Tuareg Wind, einer
                                                  Enduro, wieder angefangen zu spielen. Aber wenn man gerne
                                                  schraubt, dann vermehren sich Motorräder irgendwie. Also stan-
                                                  den am Ende drei der Aprilia Enduros mit dem 350er Rotax Motor
                                                  in der Werkstatt: Eine für meinen Stiefsohn, eine für einen guten
                                                  Bekannten und eine für einen Neuseeländer, der hier in Estland,
                                                  wo ich aktuell lebe, hängengeblieben ist.
                                                     Doch irgendwie fehlte dann noch das „letzte“ Modell, eine
                                                  350er Tuareg Wind der zweiten Generation in dieser Reihe. Aber

                                                                    Ende der 1980er Jahre gab’s noch Zeiger
Mit der Tuareg über die Alpen               21
diese kleine Motorisierung gibt es fast
nur in Italien.
   In der heutigen Zeit führen nicht alle
Wege nach Rom sondern zur Face-
book-Gruppe, Aprilia Tuareg und ETX in
Italien. Und dort habe ich solange Ver-
käufer angeschrieben bis irgendwo im
Süden, 90 Kilometer hinter Neapel, mir
und meinem rudimentären Italienisch
jemand folgen konnte.
   Giuseppe hatte eine passende Tua-
reg Wind zu verkaufen. Der Preis war
o.k. und ich davon fest überzeugt, dass
man irgendwie mit der italienischen
Zulassung das Motorrad übernehmen                Von Neapel aus ging es dann mit
kann, es in stabile Verhältnisse überführt,   dem Überlandbus bis Avellino weiter.
zulässt und der Wüstenbewohner eine           Zwei Cappuccino später holte Giuseppe
neue Heimat findet.                            mich dort ab und per Fiat, womit auch
   Wer sich mit diesem Thema in den letz-     sonst, ging es weiter in die Berge nach
ten Jahren beschäftigt hat, der wird jetzt    Lioni, denn dort stand das Objekt der
den Kopf schütteln und an Worte wie:          Begierde für mich bereit.
Impossibile, Libretto, Targa und Guardia         Mit den Papieren sind wir zur Agen-
Finanza denken. Mir war das egal – mit        cia Nittoli, einem staatlich lizenzierten
der festen Überzeugung, die italienische      Makler, gefahren. Lange Diskussionen
Bürokratie unter Kontrolle bringen zu         und 150 Euro später, mein Italienisch
können, stieg ich in den Flieger.             war schon fast verhandlungssicher,

  Links nach Neapel, rechts nach Rom und geradeaus
  direkt ans Meer. Stilecht neben einer Pegaso geparkt.
22                                                                     Überführungsfahrt
 Lenketasche für die Handy-Navigation

                                                                gelangte dann ein gestempeltes und         bringt alles nach Hause. Das ist seit
                                                                mit einer Wertmarke verziertes Schrift-    mehr als zwanzig Jahren in Estland.
                                                                stück in meinen Besitz. Dem Inhalt zur        Führen alle Wege nach Rom? Nein,
                                                                Folge war ich nun Eigentümer der Aprilia   an der ersten Autobahnkreuzung ging
                                                                Tuareg Wind, die eigentliche Abmeldung     es links nach Neapel, rechts nach Rom
                                                                würde aber erst später erfolgen. Seit      und ich fuhr geradeaus ans Meer. Navi-
                                                                dem Sommer 2018 ist dies möglich.          gation? Kein Problem, die Datenflatrate
                                                                Allerdings war ich deren erster Kunde,     und Google-Maps mit einem wasser-
                                                                der dann auch überzeugend versprach        dichten Outdoorhandy machen alles
                                                                geschätzte 3500 km weiter am anderen       möglich. Den einzigen kostenlosen
                                                                Ende von Europa dafür zu sorgen, dass      Abschnitt am Strand zu finden, das ist
                                                                a) das Nummernschild zurückgeschickt       dort die Kunst. Stilecht konnte ich die
                                                                wird                                       Tuareg Wind sogar neben einer Pegaso
                                                                b) die Tuareg im Ausland neu zugelas-      parken. Frisch gebadet ging es dann
                                                                sen wird                                   auf der Via Appia vorwärts.
                                                                und c) die neue Zulassung in Kopie mit        Um Rom herum und dann auf der Via
                                                                in den Umschlag wandert.                   Aurelia an der Küste entlang, Bella Italia
                                                                   Jetzt kam die praktische Prüfung, das   vom Feinsten. So 300 km pro Tag waren
                                                                ganze Gepäck wurde turmhoch auf der        als Pensum angesetzt, das ist und war
                                                                Aprilia verstaut – Spanngurte wirkten      realistisch, ohne Autobahn und ohne
                                                                Wunder. Giuseppe steuerte noch ein         Maut.
                                                                Topcase und eine Handyhalterung bei           Am nächsten Morgen dann in Tar-
                                F... – da funkte nichts mehr!   und zeigte mir den Weg zur Hauptstraße     quinia der große Schock, das Mistding
                                                                Richtung Avellino, raus aus den Bergen.    springt nicht an. Tolle Nummer, 28 Grad
                                                                   Ab jetzt war es ja theoretisch ganz     im Schatten, Gepäck schon drauf und
                                                                einfach: Immer nach Norden, da ist         nichts geht. Ok, Werkzeug raus, irgend-
                                                                Hamburg. Da parkte mein VW Bus, der        was muss ja zu finden sein. Verklei-
Von Italien über Hamburg nach Estland                                          23

                         Preiswertes Hotel direkt am Strand in Marina de Cecina ...

dungen weggebaut, Tank
zurück, Kerzenstecker run-
ter und kein Zündfunke –
Stecker kaputt. Dottore il
ingegnere hatte das Ding
vor X-Jahren mit Isoband geflickt und die Schraubverbindung Zündka-
bel-Stecker ist auch schon ganz grün vor Wut. Den Hotelier gefragt, wo
es hier einen Laden gibt, eine Werkstatt, den ADAC, die Bergrettung,
egal nur irgendwas. Der Finger zeigte gen Himmel, zu Gott?
   Nein, den Berg rauf, da soll es eine Werkstatt geben. Und oh Wunder,
die fanden in ihren Beständen WD40, einen neuen Zündkerzenstecker
sowie diverse Muttern und Schrauben, die auch irgendwie abhanden
gekommen waren. Perugini SRL., du bekommst meinen persönlichen
Piaggio-Gruppen Service Award! Ich ging den Berg wieder runter und
der Chef von Perugini in die Mittagspause. Die neue Iridiumkerze, noch
von Tante Louise aus Hamburg mitgebracht, reingeschraubt und den
neuen Stecker drauf – der Rotax ballerte los. Ich liebte Italien wieder,
in Angesicht des Schweißes, denn der lief in Strömen nun schon drei
Stunden in die Lederhose. Das T-Shirt klebte bereits nach dreißig
Minuten am Körper.
   Weiter im Text und auf der Via Aurelia. Die Küste wurde immer schö-
ner und zur Belohnung fand ich ein preiswertes Hotel für 50 Euro
direkt am Strand in Marina de Cecina. Sand und Sonne, Flachköpper          ... sogar mit Stellplatz für die Tuareg
in die Wellen und ein funktionierendes Motorrad – Entspannung total
24                                               Aprilia Tuareg 350 Wind

mit einem Dach über meinem Kopf und              Dann kamen die Regenwolken der            In Bologna war dann der Spaß zu
einem überdachten Stellplatz für die          etruskischen Küste bedenklich nahe und    Ende, auf geraden Landstraßen an
Tuareg. Ich blieb dort drei Tage und zur      durch die Toskana bin ich über Pistoia    Mantua mit nördlichem Kurs vorbei.
Belohnung für Ross und Reiter gab es          auf der SS64 gen Sasso Marconi wei-       Ab Verona gab es strömenden Regen,
einen Ausflug ins Piaggio Museum nach          tergereist.                               allerdings war das bei 23° Celsius kein
Pontedera. Dort ist der Eintritt frei, des-      Kurven und Berge satt, der italieni-   wirklich großes Problem.
halb konnte ich nach dem Anblick von          sche LKW-Fahrer auf einem extremen           Zehn Kilometer vor Rovereto starb der
geschätzten 261 Rollern das gesparte          Bergabschnitt gab die Pace vor. Ich       Handyakku und damit auch die Navi-
Geld in einen Haufen Calamaro Fritto          ahnte immer schon, dass ich kein beson-   gation, die Hotelbuchung, die Hotelad-
investieren.                                  ders guter Motorradfahrer bin.            resse und das Ganze direkt vor dem Ziel

  Besuchenswert: das Piaggio-Museum in Pontedera
Motorradkauf als Abenteuer                                        25

                                                    Ab Hamburg ging’s dann mit dem Bus weiter nach Estland

im Trentino. Geniales Timing, aber fing
der Name des Hotels nicht mit Maso
an? Und steht da nicht ein Schild „Hotel
Maso xyz nach rechts? Ich bin gerettet.
   Geklingelt und es erschien: „Sie“;
der Ausblick ins Tal war schon nett,
aber: Liebe Frau des AZIENDA AGRI-
COLA MASO SPERON D’ORO, die du mir
in höchster Not die Tür geöffnet hast,
mich mit Strom, Wärme, strahlenden         holt. Unglaublich was da alles in die
Augen und schwarzem Humor versorgt         Alpen wollte. Wie schön, dass der Stau
hast; ich werde vielleicht den Aus- und    mit Stop-go meistens nur auf der Gegen-
Anblick eures Tals vergessen, aber         fahrbahn war und ich mit italienischem
dich nie! Sie erklärte mir dann wo das     Nummernschild konsequent die meisten
gebuchte Hotel, auf der anderen Tal-       Verkehrsregeln nicht beachten musste.
seite nur 4 km weiter, zu finden ist. Und      Und dann war ja auch schon die öster-
bedauerte, dass sie mir keine Unter-       reichisch-deutsche Grenze erreicht, von
kunft anbiete könne, weil in ihrem Hotel   grenzsichernden Schergen keine Spur
eine Hochzeit stattfinden würde. Dann       und so kam der Nafri ungesehen über
feudelte sie lächelnd die Hotellobby       die Alpen. Ich war in Bayern. Das war
wieder trocken. Jetzt weiß ich, dass       sofort klar, denn Seehofer hing (wahl)
meine Motorradstiefel nicht wasserdicht    werbend am Baum. Den Anblick habe
sind, das Wasser läuft wieder raus.
   Am nächsten Morgen habe ich dann
die eigentlichen Alpen überquert. Bin
über Meran zum Reschenpass hoch,
habe in Nauders getankt, an Landeck
vorbei und unzählige Wohnwagen über-
26                                          Mit der Tuareg über die Alpen

                         Zuhause in Estland gab’s dann nicht nur einen neuen Kettensatz

ich nicht lange ertragen (müssen), denn     ich am nächsten Morgen dann doch die       Versorgung und liebevoller Pflege unter
via Kempten bin ich entspannt übers         Auffahrt zur A7 genommen. Kein wirk-       estnischem „Targa“. Ende gut, alles gut!
Land ins Schwäbische gefahren.              licher Spaß, viel Fahren im LKW-Wind-         Über die weiteren technischen
   In Bad Buchau „Am Kreuz“ erwartete       schatten, seit 2017 spielen meine Hals-    Schwierigkeiten der Reise will ich hier
mich ein motorradfreundliches Hotel         wirbel nicht mehr so mit, aber am Abend    nicht viel schreiben. Die Feder für den
und am nächsten Morgen, einem Mon-          um 18 Uhr stand ich in Hamburg Hamm        Seitenständer ist in den Alpen geblie-
tag, ein geschäftlicher Termin im nächs-    mit der Aprilia Tuareg neben meinem        ben, das hintere Kettenrad hat sich fast
ten Dorf.                                   VW T4 und habe sie verladen.               ohne Zähne durchgebissen. Ich kann
   Ich erspare jetzt dem Leser die exakte      Insgesamt kamen mehr als 2500 km        jetzt besser einschätzen, auf Grund wel-
Wegbeschreibung von Betzenweiler            auf dem Tacho zusammen und der Nafri       ches Pflege- und Reparaturverhaltens
nach Hamburg. Hinter Würzburg habe          erfreut sich jetzt stabiler technischer    einige Biker Abstand von „Flüchtlingen“
                                                                                       aus Italien nehmen. Aber mir war es das
                                                                                       wert, Urlaub, ein Stück Abenteuer – und
                                                                                      „Mann“ muss ja einmal mit dem Motor-
                                                                                       rad in den Alpen gewesen sein.
                                                                                                         Christoph Hamkens
                                                                                                     Biogas Pirates Oü, Estland
BMW Motorrad

             MAKE LIFE A RIDE.

 Bei der Leserwahl 2019 in der PS (Ausgabe 06/19) sind gleich mehrere Modelle von BMW Motorrad erfolgreich unterwegs:
 Unser Performance-Allrounder, die BMW S 1000 XR*, sichert sich den ersten Platz als bestes Crossover-Bike. Ebenso setzt sich
 die BMW R 1250 GS/R 1250 GS Adventure in der Kategorie ‚Adventure Sport‘ klar an die Spitze. Auf weitere Podiumsplätze
 sprinten das Superbike BMW S 1000 RR und der Sport-Tourer BMW R 1200 RS. Entdecke Deinen persönlichen Sieger bei einer
 Probefahrt. Mehr Infos zu unseren Modellen findest Du unter bmw-motorrad.de

* Die BMW S 1000 XR wird ab Modelljahr 2017 ausschließlich mit der gesetzlich vorgeschriebenen Ausstattung (z. B. Reflektoren nach Euro 4 Standard) ausgeliefert.

 Stüdemann GmbH                      Bergmann & Söhne GmbH                      Bergmann & Söhne GmbH                       Bobrink GmbH
 Merkurring 116                      Havelstraße 2                              Elmshorner Straße 81-83                     Stresemannstraße 319
 22143 Hamburg                       24539 Neumünster                           25421 Pinneberg                             27580 Bremerhaven
 Tel. 040 3085434-70                 Tel. 04321 5586690                         Tel. 04101 585610                           Tel. 0471 98280-19
 www.stuedemann.de                   www.bergmann-soehne.de                     www.bergmann-soehne.de                      www.bobrink.de

                                                                                                                            Helming & Sohn GmbH
 Bert von Zitzewitz                  G. Wilhelmsen                              H. Freese GmbH & Co.                        Motorradzentrum
 Motorradhandel                      Motorradtechnik GmbH                       Am Hamjebusch 49                            Ems-Vechte
 Karlshof 5                          Stapelholmer Weg 10                        26655 Westerstede                           Einsteinstraße 3
 23758 Karlshof                      24988 Oeversee                             Tel. 04488 520200-0                         49835 Wietmarschen-Lohne
 Tel.: 04528 915015                  Tel. 04630 90600                           www.freese-gruppe.de                        Tel. 05908 919990
 www.bvz.de                          www.motorradtechnik.de                                                                 www.motorradzentrum-
                                                                                                                            ems-vechte.de
28                                   Benzingespäche …

                   -T Y P
              UPER
     Der S ... eine Geschichte
                    Geschich von der Passhöhe
                                          30 Kilometer mit dem Motorrad durch die Südtiroler Berge. Groß-
                                          300
                                          artige Erlebnisse wegen großartiger Freundschaften, unzähliger
                                          ar
                                           Ku
                                           Kurven, erhitztem Reifengummi und alles durchdringendem
                                           La
                                           Lachen. Aber diese Stories von diesem Super-Typ auf dem
                                           M
                                           Mendel-Pass ...

                                           Ndurften,
                                               ach einer speditiven Fahrt auf den Mendel-Pass, während der
                                               zwei Superdukes von KTM ihre Motorkraft in den Asphalt drücken
                                                     streckte ich meine Beine unter den Tisch des Pass-Res-
                                            taurants. Kurz zuvor befanden sich diese mal links, mal rechts vor
                                            dem Motorrad, im Wechsel der Kehren am Berghang oberhalb von
                                             Kaltern. Davon würde ich übrigens den ersten Muskelkater des
                                             Jahres mit nach Hause nehmen ...
                                                 Der Zucker in meinem Cappuccino hatte sich noch nicht
                                              komplett aufgelöst, als sich ein weiterer Motorradfahrer in den
                                              Wintergarten gesellte und sich an den Nebentisch setzte. Er
                                              trug eine verschlissene und verdreckte Enduro-Jacke, wirkte
                               en!
                    etränk nipp                leicht derangiert, seine rechte Hand schmutzig grau/eitergelb
         Besser am G                            bandagiert. Meinem Kopfnicken erwiderte er: „Geniales Wetter
                                                heute, oder?“
… zum Weglaufen                                                             29

    Ein recht kreativer Konversations-Be-       „Eine Yamaha FZ1 mit dem Motor der             Ja wie? Er muss mein erneutes
 ginn, und so wollte ich mich wieder mei-     R1 – die absolute Waffe!“                    Stirn-Runzeln bemerkt haben, denn ohne
 nem Kaffee widmen. Dem folgenden                Unbestritten ein ernsthaftes Motorrad,    eine Nachfrage zu erlauben, fuhr er fort:
 Wortschwall konnte ich jedoch nicht          wenn auch schwächer und sanfter als (m)     „Unter 7.000 U/min läuft gar nichts, aber
 entkommen – innerhalb von Augenbli-          eine KTM Superduke. Mit (nur) einem Liter    dann geht sie brutal vorwärts.“ Und: „Der
 cken wurde ich von ihm zugetextet: es        Hubraum, vier Zylindern in Reihe, um die     erste Gang reicht bis 140 ...“ und „... dann
 liefe schon ganz gut, nicht wahr? Aber       160 PS und aufrechter Sitzposition ein       drehe ich den zweiten Gang bis 11.000
 er müsste zuerst einen Reifensatz „fertig    gutes Gerät im Kurvenreich, deswegen        U/min.“
 fahren“, denn nach dem langen Winter         erbot ich ihm mit den Worten „Ah, das ist       In Gedanken wanderte ich zurück
 verliere man komplett die Übung und          hier sicher ein geniales Motorrad“ meinen    in meine 1000er Vierzylinder-Zeit, und
 könne deswegen nicht redlich Kurven          Respekt. Offensichtlich empfand er das       mir fielen wirklich nicht mehr als drei
 fahren. Aber danach „kann man es wieder      aber nicht auch so, denn „... ich komme      Gelegenheiten ein, in denen ich den
 richtig krachen lassen“. Offensichtlich      hier nicht mal in den dritten Gang!“         Motor meiner Yamaha FZR 1000 Exup
 war er mit seinen Übungs- und Einstel-
 lungsfahrten schon länger beschäftigt,
 denn „... der Asphalt hat heute die opti-
 male Temperatur.“
    Nun, darüber habe ich mir in den letz-
 ten 25 Jahren eigentlich nie Gedanken
 gemacht. Auch heute nicht, anlässlich
 meiner ersten Fahrt nach dem Winter.
 Mich kümmerte eher das eigene Befin-
 den: mehr als die Temperatur der Straße
 ist mir die Temperatur meiner Hände
 wichtig. Rein vom Fahrgefühl war es bei
 mir wie immer, trotz langer Winterpause:
 spaßig, lustig, easy, schräg, kontrolliert
 und ohne Verspannungen. Das konnte
 ich aber nicht mitteilen, denn der Kol-
 lege am Nebentisch fuhr engagiert fort:
 heute seien seine Reifen erstmals in ihr
„Temperatur-Fenster“ gekommen und „...
 rutschen aus den Kehren nur maximal
20, 30 cm.“
    Nicht schlecht. Ich legte meine Stirn
 kurz in Falten und versuchte mich zu erin-
 nern. Aber nein, der Monstermotor meiner
 KTM hat bei der Fahrt auf den Berg – trotz
 deaktivierter Traktionskontrolle – den
 Hinterreifen nicht aus der Spur gerissen.                                                          Das Kurvenreich – ein Teil
 Nicht um einen Zentimeter, erst recht                                                            des Weges zum Mendelpass
 nicht um 20 – der auf dem Rheinring
 angefahrene Corsa-Pirelli verhielt sich
 komplett unauffällig. Grip war also aus-
 reichend da – der Super-Typ musste also
 eine extremst starke Maschine oder uralte
 Reifen fahren, deswegen fragte ich ihn
 danach.
30                                              Der Super-Typ auf der Passhöhe
auf einer Passstraße höher als 10.000 U/
min gedreht hätte. Zu stressig, zu schnell,
zu heftig und unkontrollierbar wäre der
Vorschub gewesen. „... hier muss man
aber schon wissen, was man tut!“
   Nun, diesen Gedanken hatte ich in den
letzten Jahren immer mal wieder – vor
allem auf der Fahrt zum Mendel-Pass.
   Auf der engen, bisweilen uneinseh-
baren und ausgesetzten Straße, entlang
von schroffen Felsen und am Rande eines
argen Abgrunds in Richtung Kaltern, sollte
man seine Sinne schon immer funktionie-
rend und vollständig beisammen haben.
Ein Literbike nur in den ersten beiden
Gängen hier hochtreiben, gehört für mich
nur bedingt in die Kategorie „Wissen, was
man tut.“
  „Erst wenn man weiß, welche Kurven
man schneiden kann, dann kommt man
auf einen guten Schnitt.“
   Ich musste meiner gerunzelten Stirn
mit einem Kratzen am Kopf nachhelfen.
OK, also, man sollte wissen, was man tut,
und man sollte wissen, welche Kurven
man schneiden kann, um in angemes-
sener Zeit ans Ziel zu kommen. 96 km/h
im Schnitt will er so auf einer Fahrt auf
die Mendel erreicht haben.
   Ich versuchte noch, schönes Motor-
radfahren mit runden Linien und tiefen          – in einer Kurve weit und touchierte mit
Schräglagen mit dem Thema „Kurven-              dem linken Fuß den Pfosten einer Leit-
schneiden“ und „Motor gnadenlos aus-            planke. Ich wollte noch nachfragen, wie
drehen“ zusammenzubringen – was mir             so etwas bei so guter Streckenkenntnis
natürlich nicht gelang – da erklärte mir        überhaupt vorkommen könne, wollte
der Super-Typ seine Ortskenntnis, die           gleichzeitig anzweifeln, dass ein Leitplan-
ihm das heilbringende Kurvenschneiden           ken-Pfosten, der hinter (!) der Leitplanke
erlaubt: „Ich kenne hier ja jeden Stein und     steht, einen Fuß auf einem schrägliegen-
kann die Strecke blind fahren.“                 den Motorrad als erstes erwischen könne,
   Ja, das kann gerne sein. Das sollte ich      da erläuterte er das Geschehen nochmals
von meinem Hausberg, dem Stilfser Joch,         ausführlicher:
eigentlich auch sagen können – aber ich            „Bremse hinten überhitzt, Motorrad ließ
hüte mich davor, denn die Straße ist bei        sich deswegen nicht weiter in Schräglage
jeder Fahrt anders, Buckel entstehen und         bringen, Notausgang gewählt, Leitplanke
vergehen, Risse tun sich auf, Asphalt löst       als Bande benutzt, nicht gestürzt, Stie-
sich vom Untergrund und verwandelt sich         fel blieb am Pfosten hängen, beim Stie-
in rutschiges Geröll. Im Blindflug ist auf       fel-Ausziehen fielen zwei Zehen heraus.“
dem Motorrad jede Straße eine Todes-                Eine bergauf überhitzte Bremse (???)
falle – und an der Mendel ist es nicht          wäre mir nie als Grund für zu geringe
anders. Ich rückte ein wenig von dem Typ        Schräglage oder falsche Linienwahl ein-
weg, seine Aussagen verursachten mir            gefallen.
mehr und mehr körperliche Schmerzen.                Es nahm krasse Züge an, ich bekam
Doch auch damit kannte er sich natürlich        das Erzählte in keine logische Rei-
aus, denn „... letztens bin ich hier an einer   henfolge mehr. Ich stellte mir an einer
Leitplanke hängengeblieben.“                    Leitplanke abgetrennte Zehen vor, die
   Sprachlos setzte ich ein verblüfftes         in einem zerstörten Stiefel verblieben,
Gesicht auf. Beim Anrauchen ging er –           dieser aber vom Super-Typen trotz der
seine Wortwahl nun ganz MotoGP-like             schweren Verletzung einfach ausgezogen
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