Erasmus-Berichte aus Sevilla 2013/2014

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Erasmus-Berichte aus Sevilla 2013/2014

E-Mail: Adresse auf Anfrage
Studienfächer: Romanistik/Politikwissenschaften
Gasthochschule: Universidad Pablo de Olavide (Sevilla)
Auslandsaufentahlt von/bis: September 2013 - Februar 2014

Verwaltung

Die Bewerbungsphase gehört grundsätzlich zum unkomplizierteren Teil des Auslands-
aufenthaltes. Man reicht das Motivationsschreiben, die bisherige Leistungsübersicht und die
Übersicht mit den ersten drei Wunschuniversitäten beim Erasmusbüro ein und überlässt die
Entscheidung dann den entscheidungstragenden Personen. Zusätzlich reicht ein Dozent, den
man vorher um ein Empfehlungsschreiben gebeten hat, jenes ebenfalls im Erasmusbüro ein.
Nach einigen Wochen, bei uns war dies im Februar, bekommt man dann den Bescheid über
die Uni, die man besuchen kann/darf. Dies muss nicht immer die Erstwahl sein, jedoch wird
der Erstwunsch sehr oft berücksichtigt.
       Große Organisationsarbeit besteht dann erst einmal für einige Monate nicht mehr.
Diese beginnt erst dann wieder, wenn es darum geht, sich seine Wunschkurse im Ausland
auszuwählen und das Learning Agreement fertigzustellen. Hierbei geht es darum, sich die
Kurse an der Partneruniversität auszuwählen, die einem an der Heimatuniversität potentiell
angerechnet werden können. Hierbei muss man darauf achten, dass man den aktuellen
Vorlesungs- und Kursplan der Partneruniversität nutzt, der nicht allzu lang vor Beginn des
spanischen Semesters erst veröffentlicht wird. Wurde das Learning Agreement daraufhin
abgezeichnet, dies wird vom International Office erledigt, ist die formelle Planung soweit
abgeschlossen.
       Man darf das unterzeichnete Learning Agreement in keinem Falle vergessen.
       Man muss sich in Sevilla nicht an das Einwohnermeldeamt wenden, dies ist für ein
halbes Jahr Aufenthalt nicht von Nöten. Alle studentischen Vergünstigungen bekommt man
auch so, durch Vorlage des Studentenausweises der Pablo de Olavide. Diesen Studenten-
ausweis bekommt man bei der Einführungsveranstaltung am ersten Tag in der Uni
ausgehändigt. Dies verläuft reibungslos.
       Die Ansprechpartner an der Universität sitzen im International Office, wo sich dieses
befindet und wen man genau ansprechen kann, wird einem direkt in der Einführungs-
veranstaltung zu Beginn des Semesters mitgeteilt. Die Veranstaltung läuft sehr übersichtlich
ab und man lernt die Gesichter der Mitarbeiter des International Office direkt kennen.
       Bei den Formalitäten an der Universität gab es tatsächlich gar keine Schwierigkeiten.
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Studium

Die Gasthochschule Universidad Pablo de Olavide liegt in einem Vorort von Sevilla namens
Dos Hermanas. Es handelt sich also nicht um die Hauptuniversität, die sich inmitten des
wunderschönen Altstadtzentrums von Sevilla befindet. Die Uni ist recht neu und gut
ausgestattet, von außen und innen jedoch keine Schönheit, was aber ja auch nicht im
Vordergrund stehen sollte. Das spanische Unisystem funktioniert ein bisschen anders als in
Deutschland. Die Kurse finden immer 2 Mal pro Woche statt, erst in theoretischer Form für 2
Unterrichtsstunden pro Woche und dann in praktischer Form entweder vierzehntätig jeweils 2
Stunden oder jede Woche jeweils 1 Stunde. Dort muss man wirklich genau darauf achten,
wann die „prácticas“ denn nun genau stattfinden, da man mit den Kursen sonst ganz schön
durcheinanderkommen kann. Es ist nicht empfehlenswert, mehr als vier Kurse zu belegen, da
u. a. auch durch die Doppelbelastung von theoretischen und praktischen Kursen der
Arbeitsaufwand relativ hoch ist. In Spanien ist der Bachelor nicht in Semester gegliedert,
sondern in Studienjahre. Also erstes Jahr, zweites Jahr usw. Belegt man Kurse, achtet man
also darauf, aus welchem Studienjahr man die Kurse belegen möchte.
        Man muss sich seinen eigenen Stundenplan zusammenstellen, dies kann man aber mit
der von der Universität gemachten Auflistung der Kurse sehr gut erledigen. Bei uns von der
philosophischen Fakultät kommen bei der Auswahl unserer Kurse folgende grados in Frage:
http://www.upo.es/fhum/contenido?pag=/portal/fhum/oferta_academica/Grados/Grados_Men
u&menuid=&vE=D34580
        Ich habe bei meinen Studieninhalten vor allem darauf geachtet, dass ich mir Kurse für
mein Ergänzungsfach Politikwissenschaften anrechnen lassen kann.
        Ich habe viele Kurse aus dem Bereich Geografie, Politik und Geschichte genommen,
wie z. B. den Kurs „Globalización y Sostenibilidad“, bei Frau Maria Pilar Paneque, der
wirklich sehr zu empfehlen ist und dessen Abschlussklausur auch gut zu bestehen ist. Des
Weiteren belegte ich den Kurs „Geografía Política y Económica“ bei Herrn José Torres, ein
tatsächlich sehr anspruchsvoller Kurs mit viel Eigen- und Heimarbeit, der aber letztlich auch
zu bestehen war. Auch einen englischsprachigen Kurs belegte ich, nämlich den Kurs „History
of Europe and the World“ bei Miss Bethany Aram, eine sehr junge, sehr engagierte Studentin,
die jedoch darunter zu leiden hatte, dass außer 5 Leuten (4 Erasmusstudenten und 1 mutiger
Spanier) niemand an ihrem Kurs teilnehmen wollte, da er auf Englisch stattfand und die
Spanier eine natürliche Abneigung gegen englische Kurse zu hegen scheinen. Dieser Kurs
war dennoch absolut weiterzuempfehlen, da die Dozentin absolut rücksichtsvoll war und der
Kurs sehr gut zu bestehen war. Leider gab es ein wenig Probleme bei dem Kurs „Historia de
América Latina Contemporánea“ bei Herrn Póstigo. Der Kurs war leider komplett überfüllt
und irgendwie wusste man die ganze Zeit nicht, was jetzt zu welchem Zeitpunkt zu erledigen
ist und wie man letztendlich den Kurs besteht. Diesen Kurs würde ich demnach nicht
unbedingt weiterempfehlen, obwohl der Dozent einen Unterrichtsstil hat, der durchaus
interessant und unkonventionell ist. Alle diese Kurse gaben mit den jeweiligen Prüfungen
jeweils 6 Credit Points. Wichtig ist zu erwähnen, dass die Prüfungen, anders als in
Deutschland, oft nicht 100 Prozent der Note ausmachen. Auch Faktoren wie abgegebene
Essays, Referate und sogar die Beteiligung im Kurs spielen eine wichtige Rolle.
        Zwei der Kurse, nämlich „Globalización y Sostenibilidad“ sowie „Geografía Política y
Económica“ beantrage ich im Fach Politikwissenschaften als Kernkurse im Modul Bereiche
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& Prozesse zur Anerkennung. Bisher scheint dieses Vorhaben auch zu glücken. Den Kurs
„History of Europe and the World“ werde ich mir im fächerübergreifenden
Wahlpflichtbereich anerkennen lassen. Den vierten Kurs „Historia de América Latina
Contemporánea“ habe ich leider nicht bestanden.
        In „Globalización y Sostenibilidad“ sowie „Geografía Política y Económica“ sowie
„History of Europe and the World“ wurden normale Abschlussklausuren am Ende des Kurses
geschrieben. In dem ersten genannten Kurs fand dies in Form eines Essays über eine
globalisierungsrelevante Fragestellung statt, im zweiten genannten Kurs auch in Form eines
Kurzessays sowie in Form einer Multiple-Choice-Klausur und im dritten Kurs wieder in Form
eines Essays als Stellungnahme zu einer geschichtlichen Quelle. Der Kurs über Lateinamerika
hatte anstatt einer Abschlussprüfung fünf verschiedene Essays über verschiedene Themen als
Voraussetzung.
        Die Qualität der Dozenten war durchweg in Ordnung.
        Durch die Aula Virtual wurde eine gute und funktionierende Plattform für
Unterrichtsmaterialien geboten.
        Meine Sprachkompetenz hat sich in jedem Falle deutlich verbessert, am meisten wohl
im Bereich des Hörverständnisses. Durch die Belegung der spanischsprachigen Kurse hat man
viel dazugelernt und viele Hemmungen verloren, auf Spanisch vor vielen Leuten zu sprechen.

Universität

       Meiner persönlichen Meinung nach ist die Unibibliothek nicht so gut bestückt. Die
Bücher, die ich für Referate brauchte, habe ich deshalb an der Universidad de Sevilla gesucht
und gefunden. Die Nutzung erfolgt durch ein ganz normales Suchsystem von Büchern wie an
der HHU auch.
       Es wird kein kostenfreier Sprachkurs der Universität angeboten. Da die Kosten so oder
so schon hoch genug waren, habe ich keinen Sprachkurs besucht.
       Es gibt mehrere Mensen und Cafeterien. Eine gegenüber des Rektorats, eine in einem
Innenhof zwischen den Gebäuden und diverse kleinere Shops und Automaten, an denen man
sich bedienen kann. Das Essen in der Mensa ist wirklich nicht gut, was sowohl ausländische
als auch einheimische Studenten bestätigen können.

Unterkunft

Die Suche nach einer Wohnung gestaltet sich tatsächlich relativ schwierig, zumal in einer so
großen Stadt wie Sevilla. Ich hatte bereits Monate vor Abreise begonnen, bei easypiso.com
und pisocompartido.com nach einem WG-Zimmer zu suchen oder besser gesagt mich generell
einmal über Preis- und Wohnungssituation zu informieren und habe Vermieter und Mieter
angeschrieben. Viele haben auch sehr höflich geantwortet, jedoch gab es dann immer wieder
ein Problem. Hauptsächlich scheiterte es daran, dass nur Ein-Jahres-Verträge abgeschlossen
wurden. Für ein halbes Jahr war es beinah unmöglich, ein Zimmer mit spanischen
Mitbewohnern zu finden, denn man musste auch noch darauf achten, dass man eine Wohnung
in der Nähe einer Metrostation bekommt, um die Pablo de Olavide überhaupt erreichen zu
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können. Da sich die Universität in einem Vorort von Sevilla, nämlich Dos Hermanas,
befindet, ist es notwendig, in der Nähe einer Metrostation zu wohnen. Infolgedessen war die
Auswahl an möglichen Stadtvierteln, in denen man wohnen kann, schon etwas kleiner.
Empfehlenswert ist es, sich eine Wohnung in Los Remedios (wo ich gewohnt habe), in der
Nähe der Puerta Jerez, in Nervión oder in der Nähe anderer Metrohaltestellen zu suchen.
Letztlich habe ich eine Wohnung über die Agentur aluni gefunden, die Wohnungen an
Austauschstudenten vermietet. Zu empfehlen ist diese Agentur allerdings auch nicht, die
angebotene Wohnung war zwar einwandfrei, jedoch war die Miete eindeutig zu hoch
angesetzt und dafür, dass die Wohnung einer Agentur gehörte, wurden Probleme innerhalb
der Wohnung viel zu spät bis gar nicht gelöst. Das ging von kaputten Elektrogeräten bis hin
zu kaputten Haustüren. Aluni ist, wie ich noch einmal widerhole, also eindeutig nicht zu
empfehlen. Letztendlich wird es das Beste sein, doch wieder über die öffentlichen
Internetseiten wie easypiso.com usw. zu gehen. Man darf nur nicht die Geduld verlieren oder
zu hohe Ansprüche haben.
        Die Studentenwohnheime sind z. B. in Vorortvierteln Sevillas wie „Las Letanías“.
Diese Viertel sind nicht gut zu erreichen und auch von Sevillanern selber wurde mir
abgeraten, in den Wohnheimen dieser Viertel zu wohnen.

Stadt und Leben

In Sevilla gibt es neben Bussen auch eine Metro, die direkt zur Pablo de Olavide fährt. Da die
Metro nur eine Strecke befährt, ist es sehr einfach, diese zu finden. Es gibt für
Erasmusstudenten keine Ermäßigungen was den Nahverkehr angeht, weshalb ich empfehlen
würde, diesen nicht zu oft zu benutzen, außer für den Weg in die Uni.
        Den zukünftigen Erasmusstudenten in Sevilla würde ich auch dringend empfehlen,
kulturell so viel mitzunehmen wie möglich. Viele Dinge, wie z. B. der Eintritt in die Giralda,
oder der Eintritt in viele Museen, sind in Sevilla für in Sevilla eingeschriebene Studenten
unter der Vorlage des Ausweises kostenlos, es lohnt sich also, alles auch mehrfach zu
besuchen. In nachhaltiger Erinnerung ist mir vor allem die Kunst und Schönheit des Museo de
Bellas Artes geblieben. Zwei große Kinos gibt es auch, einmal im Einkaufszentrum von
Nervión und eins in der Nähe des Busbahnhofs am Plaza de Armas. Für Fans von
Programmkinos empfehlen sich diese in der Alameda de Hercules.
        Es gibt die Möglichkeit den Unisport zu nutzen. Empfehlen würde ich dies allerdings
nicht, da dieser, wie der Name schon sagt, hauptsächlich an der Uni stattfindet und es sich
meiner Meinung nach nicht lohnt, jedes Mal die Fahrtkosten dafür in Kauf zu nehmen. In
Sevilla gibt es mehr als genug Möglichkeiten Sport zu treiben, entweder aus Eigeninitiative
oder durch Anmeldung z. B. in einer Tanzschule. Ich habe in einer Tanzschule im Stadtteil
Nervión einen Zumba-Kurs belegt.
        Ein nicht unwesentlicher Teil der Freizeit wurde auch darauf verwendet, ein bisschen
das spanische Nachtleben auszukosten, sei es nun durch Besuche in Tapasbars, Cafés oder
Diskotheken. Die Spanier gehen unglaublich viel und unglaublich lange aus, in Sevilla an
beinah allen Tagen in der Woche und das sevillanische Nachtleben hat viele Facetten zu
bieten. Besonders beliebt zum Ausgehen sind der Stadtteil Triana mit seiner Calle Betis, die
Alameda de Hercules und die Alfalfa.
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       Ich habe Sevilla als sehr sicher empfunden und habe mich überall sorgenfrei bewegt,
auch nachts.
       Das Klima empfand ich als sehr angenehm. Bei der Ankunft im September 2013 war
es noch sehr heiß, an die 40 Grad jeden Tag, und das sonnige Wetter hielt bis in den
November hinein an. Nur Ende November und im Dezember war es eher kühl, man sollte also
auf jeden Fall eine Winterjacke mitnehmen. Ab Januar wurde es dann schon wieder milder.
       In der Uni, bei Tandem-Programmen, beim Sport, beim Ausgehen. Die Möglichkeiten,
Einheimische kennenzulernen, sind wirklich vielfältigt.
       Bei der momentanen Wirtschafts- und Joblage in Spanien ist es eher nicht möglich
Nebenjobs zu finden.

Fazit

Ich habe gelernt, dass ich auch in einer anderen Kultur sehr gut zurechtkommen kann. Ich bin
selbstständiger und selbstbewusster geworden und habe auch sprachlich viel dazugewonnen.
Durch die Möglichkeit, eine neue Kultur kennenzulernen, habe ich auch den Blick auf meine
eigene Kultur verändern können. Ich traue mir nun zu, auch nach diesem Aufenthalt noch
einmal länger ins Ausland zu gehen, diesmal vielleicht sogar weiter weg als Europa.
        Die direkten Auswirkungen auf mein weiteres Studium sind vor allem in sprachlicher
Sicht zu erkennen. Ich sehe mich nun besser vorbereitet, an spanischsprachigen Kursen aktiv
teilzunehmen und habe einen Großteil der vorhergehenden Hemmungen verloren. Bei meinen
beruflichen Überlegungen bin ich mir nun sicher, dass ich auch eine Stelle im
spanischsprachigen Ausland annehmen würde.
        Es könnte mehr Geld gezahlt werden. Der Eigenaufwand war extrem hoch und teils
unverhältnismäßig.
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