Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation - CPR-Schulungszentrum
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CPR-Schulungszentrum
Handbuch
Basic Life Support mit
Frühdefibrillation
Ausgabe April 2004
CPR-Schulungszentrum * Inselspital * Postfach 25 * 3010 Bern
Tel. 031 632 2722 * Fax 031 632 2721 * Mail cpr@insel.chHandbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
3. Auflage revidiert auf der Grundlage der International Guidelines 2000 for CPR and
ECC (Emergency Cardiovascular Care) und unter Berücksichtigung von Kursanforde-
rungen 2002 des Swiss Resuscitation Councils (SRC)
Unter Mitarbeit:
- des IFA: M. Bachofen, M. Luginbühl, H.U. Rieder, S. Oesch
- des CPR-Zentrums: R. Eggenschwiler, B. Gfeller
- des Notfallzentrums: H.P. Kohler, P. Rupp, H. Zimmermann
- des AZI: H. Anneler
- der Kardiologie: J. Fuhrer
- der AIB: R. Dietler
- der Medifan GmbH Freiburg im Breisgau: E. Bührle
(Zeichnungen: Chr. Langenegger, AUM/FGZ)
Das vorliegende Handbuch bildet die Grundlage für die praktischen Kurse in Basic Life
Support des Inselspitals und des Ausbildungszentrums Insel (AZI).
In diesem Handbuch werden alle Personen in der männlichen Form angesprochen.
Selbstverständlich gilt die männliche Form auch für das weibliche Geschlecht.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 2Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung...................................................................................................... Seite 4
2. Medizinisch-rechtliche Aspekte .................................................................. Seite 4
3. Überlebenskette............................................................................................ Seite 5
4. Primärer Handlungsablauf ......................................................................... Seite 5
Bewusstseinskontrolle.....................................................................................Seite 6
Alarmieren ......................................................................................................Seite 6
A: Atemweg ....................................................................................................Seite 7
B: Beatmung ...................................................................................................Seite 7
C: Circulation..................................................................................................Seite 8
D: Defibrillation..............................................................................................Seite 8
Überblick der Erstmassnahmen bei plötzlichem Kollaps ...............................Seite 9
5. Einzelmassnahmen des BLS...................................................................... Seite 10
5.1 Stabile Seitenlage....................................................................................Seite 10
5.2 Beatmung ................................................................................................Seite 11
5.3 Thoraxkompression.................................................................................Seite 13
5.3.1 Druckpunkt ...................................................................................Seite 13
5.3.2 Handhaltung..................................................................................Seite 14
5.3.3 Kompressionstechnik....................................................................Seite 15
5.3.4 Fehler und deren Folgen ...............................................................Seite 15
6. Koordination Thoraxkompression und Beatmung................................. Seite 16
6.1 Zweihelfermethode .................................................................................Seite 16
6.2 Einhelfermethode ....................................................................................Seite 17
7. Frühdefibrillation....................................................................................... Seite 18
7.1 Einleitung ................................................................................................Seite 18
7.2 Durchführung ..........................................................................................Seite 19
7.3 AED in besonderen Situationen..............................................................Seite 19
7.4 Frühdefibrillations-Algorithmus .............................................................Seite 20
7.5 Geräte-Bedienung ...................................................................................Seite 21
7.6 Technische Aspekte ................................................................................Seite 21
7.7 Dokumentation und Auswertung ............................................................Seite 22
8. Erfolgreiche Wiederbelebung ................................................................... Seite 22
9. Anhang ........................................................................................................ Seite 23
9.1 Akutes Koronarsyndrom .........................................................................Seite 23
9.2 Hirnschlag ...............................................................................................Seite 24
9.3 Sauerstoffapplikation ..............................................................................Seite 26
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 3Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
1. Einleitung
Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems stellen in den westlichen Ländern die häufigste
Todesursache bei Erwachsenen dar. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist der
plötzliche Kreislaufstillstand Folge eines Kammerflimmerns.
Im Gegensatz zum (älteren) Erwachsenen ist ein Herz-Kreislaufstillstand bei Kindern
überwiegend die Folge einer primären Atemstörung und führt in der Regel über eine
Bradykardie zur nachfolgenden Asystolie. Diese Unterschiede erklären, weshalb bei Er-
wachsenen die Defibrillation, beim Kind hingegen die Beatmung zur wichtigsten thera-
peutischen Massnahme wird.
Im vorliegenden Manual beschränken wir uns auf die Reanimation des Erwachse-
nen.
Häufiges Leitsymptom einer lebensbedrohlichen Störung stellt die Bewusstlosigkeit
dar. Innerhalb von wenigen Sekunden (10-12 Sek.) nach eingetretenem Kreislaufstill-
stand wird ein Patient bewusstlos und fällt zusammen. Von diesem Moment an entschei-
den rasche gezielte Massnahmen über einen Behandlungserfolg.
Zu Beginn aller notfallmedizinischen Massnahmen steht daher ein einfach aufgebau-
ter Handlungsablauf. Dieser muss innerhalb kürzester Zeit Auskunft über das Vorhan-
densein und die Qualität der vitalen Funktionen (Bewusstsein, Atmung, Kreislauf) geben
können.
2. Medizinisch-rechtliche Aspekte
Die Defibrillation durch nicht-ärztliches Medizinalpersonal ist in der Schweiz unbestrit-
ten und basiert auf dem ungeschriebenen Gesetz der Delegation. Die Rechtmässigkeit der
Delegation hängt von der richtigen Auswahl, der korrekten Instruktion und der effektiven
Kontrolle ab. Medizinische Laien fallen nicht unter das Delegationsprinzip.
Nach Art. 128 des StGB ist aber jedermann verpflichtet, Hilfe zu leisten, wenn ein
Mensch in unmittelbarer Lebensgefahr schwebt. Die Pflicht zur Hilfe besteht nur, wenn
sie nach den Umständen zumutbar ist. Das ist aus medizinischer Sicht nach entsprechen-
der Schulung sowohl bei BLS wie bei der Defibrillation mit einem AED der Fall, d.h. das
Bundesgesetz ermöglicht den Einsatz von AED durch Laien. Unterlassung der Nothilfe
ist nur bei Vorsatz, nicht aber bei Fahrlässigkeit strafbar.
Von grosser Wichtigkeit ist die Haftung, wenn ein Patient oder eine Drittperson durch
den Einsatz eines Defibrillators zu Schaden kommt. Ein genereller Schutz vor Schadens-
ersatzansprüchen bei Nothilfe (wie in vielen Saaten der USA) besteht bei uns nicht. An-
wender, Gerätehersteller und ärztliche Betreuer sollten entsprechend haftpflichtversichert
sein.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 4Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
3. Überlebenskette
Die Rate von überlebenden Menschen nach Kreislaufstillstand ohne schwere Folgeschä-
den ist noch sehr klein (Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
Der Ablauf im Einzelnen:
Bewusstseinskontrolle
Laut ansprechen und leichtes Klopfen auf die Schulter2.
Wenn keine Antwort
Kneifen im Bereich des M. Pectoralis beidseits, oder an der Oberarminnenseite
beidseits3
Laut ansprechen und klopfen auf die Kneifen.
Schultern.
Alarmieren
2. Falls keine Reaktion, Patient bewusstlos: Rettungsdienste alarmieren, Defibrillator
anfordern (wenn vorhanden 2. Person damit beauftragen)
2
Klopfen ist ein schwächerer Reiz als Kneifen und wird in den Richtlinien von American Heart Association und Europe-
an Resuscitation Council empfohlen, weil dem Patienten bei zu starkem Kneifen Verletzungen zugefügt werden könn-
ten. Am Inselspital wird seit einigen Jahren Kneifen empfohlen, ohne dass in der Praxis Probleme aufgetreten sind.
3
Kneifen ist ein stärkerer Reiz als Rütteln, und es besteht weniger die Gefahr, bei instabilen Halswirbelsäulenverletzun-
gen unnötige Bewegungen zu verursachen.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 6Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
A: Atemweg
3. Inspektion der Mundhöhle (innert Sekunden). Falls Fremdkörper vorhanden, Mund
ausräumen. Fest sitzende Prothesen belassen.
4. Atemwege freimachen durch Kopfreklination (eine Hand auf der Stirn, die Finger der
anderen Hand heben das Kinn an, von der Seite ausgeführt). Cave: bei Verdacht auf
HWS-Verletzung keine Kopfreklination sondern nur Kinn anheben.
Medianschnitt des Kopfes mit typischer
Kopfreklination und mit eröffnetem,
oberem Atemweg.
5. Enge Kleidung lockern und öffnen.
B: Beatmung
6. Atmungskontrolle durch Hören, Sehen, Fühlen (Ohr am Gesicht, Blick gegen Brust
und Abdomen) während zwei eigenen Atemzügen (ca. 10 Sekunden).
Kopfreklination
Ohr des Helfers über dem Patien-
tengesicht mit Blick des Helfers auf
Thorax/Abdomen. Hören und Füh-
len, ob Luft ein- und ausströmt, Se-
hen, ob sich Thorax/Abdomen hebt
und senkt.
7. Falls keine Spontanatmung: zweimal beatmen (Beatmungstechnik siehe S. 10) und/
oder sofortige Suche nach Kreislaufzeichen.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 7Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
C: Circulation
8. Suche nach indirekten Kreislaufzeichen: Husten, Spontanatmung, Bewegungen (z.B.
als Reaktion auf Beatmung),
9. Medizinalpersonen: Suche nach Puls an der A. carotis einseitig während der Dauer
von zwei eigenen Atemzügen (max. 10 Sekunden).
Zwei Finger an der Hals-
schlagader an einer Seite auf
Höhe des Schildknorpels.
10. Bei fehlenden Kreislaufzeichen unverzüglicher Beginn mit Thoraxkompression
(Herzdruckmassage) (siehe Seite 12).
D: Defibrillation
11. Falls ein automatischer externer Defibrillator (AED) verfügbar ist, Gerät sofort an-
schliessen und Anweisungen befolgen (siehe Schema S. 19).
Die Zeit bis zum Beginn der lebenserhaltenen Massnahmen (Basic Life Support)
und die Zeit bis zur Wiederherstellung einer spontanen Herz-Kreislaufaktion (Früh-
defibrillation, Advanced Cardiovascular Life Support) sind massgebend für die
Prognose. Der Basic Life Support muss in allen Phasen korrekt ausgeführt werden.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 8Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
Überblick der Erstmassnahmen bei plötzlichem Kollaps
Bewusstseinskontrolle
+
ABCD
Bewusstlos Bewusstlos
Atmung vorhanden Atemstillstand
Puls vorhanden Bewusstlos Kreislaufstillstand
und/oder indirekte Atemstillstand
Kreislaufzeichen Puls vorhanden
und/oder indirekte
Kreislaufzeichen - BLS
- Frühdefibrillation
- stabile Seitenlage
- regelmässig Bewusst-
sein, Atmung und
Kreislauf kontrollieren
- Patient wenn möglich - Rückenlage
nicht verlassen - Beatmung
- regelmässig Bewusst-
sein, Atmung und
Kreislauf kontrol-
lieren
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 9Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
5. Einzelmassnahmen des BLS
5.1 Stabile Seitenlage
Bewusstlose Patienten mit erhaltener Atmung und Kreislauf (z.B. bei gewissen Intoxi-
kationen, Hypoglykämie, bei Hirnschlag oder nach epileptischem Anfall) können bis
zum Eintreffen der Rettungskräfte in Seitenlage gedreht werden. Dies schützt vor Ma-
gensaftaspiration und hält den Atemweg offen.
Diese Lagerung darf bei
dringendem Verdacht
auf eine Wirbelsäulen-
verletzung nicht durch-
geführt werden!
Die wichtigsten Schritte:
Seitlich an den Bewusstlosen knien, Gestrecken Arm des Patienten unter sein
Knie des Patienten auf der Helferseite Gesäss schieben. Gegenüberliegenden
anwinkeln, leicht zur Gegenseite drücken, Arm zu sich holen.
so dass sich sein Gesäss etwas anhebt.
Dabei vor allem den Kopf des Patienten
schützen. Bei gesicherter Kopflage Dre- An Schulter und Becken (Gürtel?) packen
hung vollenden, Hand vor das Kinn legen, und kräftig zum eigenen Körper ziehen.
Arm der gegenüberliegenden Seite am
Schultergelenk herausziehen und Ellenbo-
gengelenk leicht anwinkeln.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 10Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
5.2 Beatmung
Der Patient liegt auf dem Rücken, der Kopf wird überstreckt (Kieferwinkel angehoben),
wobei die Zunge nach vorne verlagert und der obere Atemweg frei wird.
Es wird soviel Atemzugvolumen insuffliert, dass sich der Thorax-Abdomen-Bereich des
Patienten gut sichtbar hebt. Bei zu schneller oder zu grosser Insufflation besteht die Ge-
fahr der Magenblähung mit Beeinträchtigung der Beatmung und Gefahr der Aspiration.
Der Erfolg der Beatmung wird während jedes Atemstosses durch das Beobachten der
Thorax-Abdomen-Exkursionen kontrolliert.
Bei nicht erfolgreicher Beatmung (fehlende Thorax-Abdomen-Exkursionen) können die
Atemwege durch eine ungenügende Kopfhaltung (Zunge) oder einen Fremdkörper ver-
legt sein.
Der Mund wird mechanisch von Fremdmaterial gesäubert. Falls möglich kommt eine
Absaugvorrichtung zum Einsatz. Ist die manuelle Reinigung notwendig, so wird der
Kopf auf die Seite gedreht, um Erbrochenes oder Schleim abfliessen zu lassen. Feste Be-
standteile und lockere Zahnprothesen werden aus dem Mund ”geangelt”: Der Helfer
spreizt den Mund des Patienten und hält mit der zweiten Hand den Unterkiefer des Pati-
enten. Die erste Hand versucht nun, den oralen Fremdkörper zu entfernen. Sollte der Pa-
tient zubeissen, so wird mit dem Helfer-Zeigefinger von aussen die Patientenwange zwi-
schen die Zahnreihen gedrückt und so eine Beisshemmung erzielt.
Wenn immer möglich wird mit Hilfe einer Einwegventilmaske (Kissenmaske) und mit
Sauerstoff beatmet. Zum Beispiel mit Hilfe eines Sauerstoff-Katheters, der unter die
Maske gelegt wird. Der Sauerstofffluss soll 10 oder mehr l/min betragen.
Handhaltung des Maske auf dem Gesicht
des Patienten.
Atemzugvolumen mit O2 Zusatz:
6-7 ml/kg KG (400 bis 600 ml),
Atemzugvolumen ohne O2 Zusatz:
10 ml/kg KG (700-1000 ml).
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 11Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
Sind keine Hilfsmittel greifbar, so wird eine Mund-zu-Nase oder Mund-zu-Mund-
Beatmung durchgeführt.
Mund-zu-Mund-Beatmung
Handhaltung wie im Bild darge-
stellt, zusätzlich wird die Nase des
Patienten zugeklemmt.
Der Geübte wird einen Beatmungs-Beutel mit Maske und dazugehörigem Sauerstoffan-
schluss wählen. Im Falle eines Patienten mit losen Zahnprothesen werden die lockeren
Prothesen entfernt. Zusätzlich kann ein Güdeltubus in den Mund eingeführt werden.
Handhaltung der Maske und des
Beatmungsbeutels auf dem
Oberschenkel.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 12Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
5.3 Thoraxkompression
Vorbemerkung:
Der präkordiale Faustschlag wird nur bei EKG-monitorisierten Patienten empfohlen,
deren Herz-Kreislaufstillstand unmittelbar beobachtet wird4.
5.3.1 Druckpunkt
Der Patient wird auf den Rücken gelagert (s.u.). Der ideale Druckpunkt5 (geometrisch
gesehen natürlich eine Fläche) ist die fussseitige Brustbeinhälfte: Mit beiden nebenein-
ander gehaltenen Händen werden Jugulum und Schwertfortsatz durch die Zeigefinger be-
stimmt. Die Drucktiefe beträgt beim Erwachsenen 4-5 cm.
Das Brustbein des Patienten
wird durch die zwei Helferhän-
de wie im Text beschrieben zur
Hälfte geteilt. Ein Handballen
fusswärts von der Sternummitte
markiert den idealen Druck-
punkt.
4
Ein präkordialer Faustschlag kann einen bestehenden Rhythmus zum Kammerflimmern degenerieren lassen. Dies
macht den präkordialen Faustschlag zu einer Handlung, die im Basic Life Support keinen Platz hat.
5
Der Druckpunkt unmittelbar auf dem Schwertfortsatz geht mit einer erhöhten Verletzungsgefahr der Oberbauchorga-
ne einher. Schäden entstehen sofort beim ersten, falsch plazierten Stoss, deshalb empfiehlt es sich von Anfang an,
korrekt und ”einschleichend” zu massieren.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 13Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
5.3.2 Handhaltung
Die Handballen werden übereinander gelegt, die Finger bleiben abgespreizt vom Patien-
tenthorax getrennt. Die Finger beider Hände werden ineinander verschränkt. Die Arme
sind gestreckt, die Schultern des Helfers senkrecht über dem Brustbein.
Handballen übereinander auf dem
Thorax, Finger gespreizt ohne Patien-
tenkontakt, Arme gestreckt.
Seitenansicht des knienden Helfers:
Schultern senkrecht über dem Sternum
des Patienten, Drehpunkt Hüftgelenk,
Arme senkrecht und gestreckt, Knie des
Helfers an Patienten anlehnend.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 14Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
5.3.3 Kompressionstechnik
Der Helfer drückt mit dem Gewicht des Oberkörpers mit einer Frequenz von 100 pro
Min. auf den Thorax mit Drehpunkt: Hüfte. Die Hände behalten Hautkontakt. Das Ver-
hältnis Kompressionszeit zu Dekompressionszeit soll 1 zu 1 betragen, damit ein maxima-
ler Fluss erzielt wird. Wir zählen dabei laut ”1 und 2 und 3 und ...”, da die einsilbigen
Worte ein zeitliches Verhältnis von 1 zu 1 wiedergeben und eine Koordination mit weite-
ren Helfern erlauben.
Patienten werden immer im Spitalbett belassen und werden mit einer normalen Spital-
matratze ohne Hilfsmittel unter dem Rücken massiert. Das Bett wird ganz hinun-
tergefahren, um dem Helfer die Arbeit für die Thoraxkompression zu erleichtern. Nur bei
“Superweich”-Matratzen kommt ein Rückenbrett zum Einsatz6.
Im Spital werden Patienten im Kreislaufstillstand nur in wenigen Ausnahmefällen trans-
portiert, dann in der Regel erst nach Sicherung des Luftweges durch Fachpersonal (Intu-
bation).
5.3.4 Fehler und deren Folgen
Fehler Folgen
Falscher Druckpunkt Rippen-,Sternumfraktur, Verletzung
innerer Organe
Einknicken in der Ellenbeuge Kraftverlust, Ineffizienz
Gekreuzte Hände Sternumfraktur
Hüpfen oder Federn auf Thorax7 Verlust des optimalen Druckpunktes
Finger auf Thorax seitlich abgestützt Innere Verletzungen, Sternum-
Rippenfraktur
Kurzer stossartiger, zu schneller Druckimpuls Ineffizienz, Frakturgefahr
Zu schnelle oder langsame Frequenz Ineffizienz
6
Die Eindrücktiefe ist nur rund 5 mm geringer ohne Rückenbrett bei einer normalen Matratze. Bei superweichen Mat-
ratzen geht hingegen zuviel Energie durch die Matratzenkompression verloren (rund 10 mm Eindrücktiefe weniger).
Als Brett eignet sich das Fussbrett des Spitalbettes, welches angehoben und herausgekippt wird.
7
Hüpfen und Federn führen zu einer Verschiebung des Druckpunkt und erhöhen die Gefahr von Rippen-
(knorpel)frakturen.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 15Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
6. Koordination Thoraxkompression und Beatmung
Im Rahmen des Basic Life Support werden beim Kreislaufstillsstand Thoraxkompression
(Herzdruckmassage) und Beatmung abwechslungsweise angewendet, meistens durch
zwei Helfer.
6.1 Zweihelfermethode
Die Zweihelfermethode ist immer vorzuziehen.
♦ Helfer 1 ist auf Thoraxhöhe und sucht wie oben beschrieben den optimalen Druck-
punkt für die äussere Thoraxkompression (Herzdruckmassage) auf.
♦ Helfer 2 überstreckt den Kopf und legt die Kissenmaske seitlich an.
♦ Sofort beginnt Helfer 1 mit der Thoraxkompression (Herzdruckmassage) und dem
Zählen ”1 und 2 und 3 und 4 und 5 bis ..........15”. Nach 15 Thoraxkompressionen
(Herzdruckmassagen) mit einer Frequenz von 100/min folgen übergangslos 2 Be-
atmungsstösse (Verhältnis Massage:Beatmung = 15:2).
♦ Solange kein gesicherter Atemweg mit einem gecufften Tubus vorhanden ist, darf die
Inspiration nicht mit einem Massagestoss behindert werden, hingegen ist die ”forcierte
Exspiration” durch den ersten Massagestoss unproblematisch (Synchronisation).
Zwei-Helfermethode von je einer Seite.
Nach zwei Minuten führt Helfer 2 eine
Beurteilung des Patienten durch (Puls,
Pupillen und weitere indirekte Kreis-
laufzeichen). Unterbrüche sollen nicht
länger als 10 Sekunden dauern.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 16Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
6.2 Einhelfermethode
Die Ein-Helfer-Methode kann entweder von der Seite oder über Kopf ausgeführt wer-
den. In beiden Fällen findet kein Positionswechsel des Helfers zwischen Beatmung und
Massage statt. Diese Methode wird angewendet, wenn kein zweiter Helfer verfügbar ist
oder während der Zeit, in welcher dieser alarmiert und Material (Automatischer Defibril-
lator) bereitstellt.
Einhelfermethode von der Seite
♦ Druckpunkt auf Thorax bestimmen und 15 Thoraxkompressionen (Herz-
druckmassagen) applizieren.
♦ Wechsel zum Kopf. Nach Überstrecken des Kopfes werden 2 Atemstösse mit der
Kissenmaske oder Mund-zu-Mund / Mund-zu-Nase gegeben.
Einhelfermethode über Kopf
Die Ueberkopf-Methode eignet sich nur für die Beatmung mit dem Beutel, nicht aber
bei Beatmung Mund zu Maske oder gar Mund zu Mund!
Vorgehen
♦ Thoraxkompression mit gestreckten Armen über der fussseitigen Sternumhälfte.
Handposition: Erste Hand (im Kontakt mit dem Thorax des Patienten) wie bei Zwei-
Helfer-Methode. Zweite Hand umfasst das Handgelenk der ersten Hand.
♦ Beatmung mit Beatmungsbeutel.
Der Oberschenkel kann als Stütze für den Beatmungsbeutel dienen.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 17Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
Ablauf:
♦ Verhältnis Massage:Beatmung = 15:2, d.h. 15 Thoraxkompressionen (Herz-
druckmassagen) und 2 Beatmungsstösse im Wechsel. Thoraxkompressionsfre-
quenz (Herzdruckmassagefrequenz) 100/Min.
♦ Nach zwei Minuten führt der Helfer eine Reevaluation (Puls, Pupillen, ev. weitere in-
direkte Kreislaufzeichen) durch.
♦ Unterbrüche sollen nicht länger als 10 Sekunden dauern.
7. Frühdefibrillation
7.1 Einleitung
Ein Kreislaufstillstand ist bei Erwachsenen in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle
durch ein sog. Kammerflimmern („Fibrillieren“), eine ungeordnete elektrische Aktivität
der Herzmuskelzellen, bedingt. Ein von aussen zugeführter starker Stromstoss kann zur
Wiederherstellung einer geordneten Herzmuskelkontraktion führen. Diese Massnahme
nennt man „Defibrillation“. Frühzeitig angewendet, ist die Defibrillation eine le-
bensrettende Massnahme. Je rascher nach Auftreten des Kammerflimmerns defibrilliert
wird, desto besser sind die Chancen des Patienten, zu einem suffizienten Kreislauf zu-
rückzufinden und ohne Schaden zu überleben.
Überlebenschance durch Frühdefibrillation:
Die Überlebenschance vermindert sich um 7-10% pro Minute
Die Verfügbarkeit von sogenannten „Automatischen Externen Defibrillatoren“ AED
macht es möglich, dass auch nichtärztliches Personal bis hin zum medizinischen Laien
diese Therapiemethode anwenden kann. Seit 1997 ist daher die Frühdefibrillation Be-
standteil des Basic Life Support geworden.
Voraussetzung für die Anwendung ist eine adäquate Schulung, um grösstmögliche Si-
cherheit für den Patienten und den Anwender zu gewährleisten.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 18Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
7.2 Durchführung
Die schnellstmögliche Durchführung der Defibrillation hat Vorrang vor Notruf und BLS,
falls AED verfügbar. Ist nur ein Helfer zur Stelle, (AED-ausgebildet), hat die AED
beim Kammerflimmern dann Vorrang, wenn voraussichtlich innerhalb der ersten Minute
möglich. Wird für die Beibringung des AED mehr als eine Minute benötigt, soll der Hel-
fer sich auf Thoraxkompression (Herzdruckmassage) und Beatmung beschränken und al-
lenfalls die Beibringung des AED delegieren.
Sind zwei ausgebildete Helfer zur Stelle (davon 1 AED-ausgebildet), wird für die Dau-
er der Vorbereitung des AED die Einhelfermethode empfohlen.
Vor jedem Auslösen des Schocks muss der Bediener eine laute, deutliche Warnung
aussprechen und sich davon überzeugen, dass sie wahrgenommen worden ist und dass
niemand den Patienten berührt.
Jede nicht behebbare technische Störung muss zum Abbruch des Defibrillationsschemas
und zur sofortigen Durchführung des BLS führen.
Wenn nach drei Schocks kein Puls tastbar ist, wird weiter BLS durchgeführt und die
Anweisung des Gerätes befolgt, bis professionelle Hilfe eintrifft.
7.3 AED in besonderen Situationen
Wasser und Nässe:
Wegen der Leitfähigkeit des Wassers besteht die Möglichkeit eines Stromübertritts an
Helfer und Umstehende. Zudem kann der Flüssigkeitsfilm auf der Brust des Patienten die
Effektivität des Stromimpulses herabsetzen, wenn der Strom aufgrund des niedrigen Wi-
derstandes über den Flüssigkeitsfilm abfliesst. Aus diesen Gründen wird empfohlen, ei-
nen Patienten vor Anwendung des AED in eine trockene Umgebung zu bringen und den
Brustkorb abzutrocknen.
Medikamentenpflaster
Generell sollten Pflaster vor Aufkleben der AED-Elektroden entfernt werden. Zu ver-
meiden ist auf jeden Fall, dass die Elektroden auf oder unmittelbar neben dem Pflaster
angebracht werden, da einerseits die Effektivität der Defibrillation herabgesetzt sein kann
und andererseits kleine Brandwunden entstehen könnten. Bei Nitroglyzerinpflaster be-
steht sogar Explosionsgefahr.
PM / ICD-Geräte
Diese Geräte, deren Aggregat bei den meisten Patienten als Vorwölbung unterhalb des
Schlüsselbeins sicht- und tastbar ist, stellen grundsätzliche keine Kontraindikation für die
Anwendung eines AED dar. Allerdings ist zu beachten, dass die Elektroden in einem Ab-
stand von mindestens 2,5 cm angebracht werden, da sonst die Effektivität der Defibrilla-
tion vermindert sein oder das implantierte Gerät beschädigt werden kann. Die Funktion
der implantierten Herzschrittmacher/ICD muss nach AED-Anwendung in jedem Fall
überprüft werden.
Schwangerschaft
BLS, Frühdefibrillation und ACLS-Massnahmen wie bei einer Nicht-Schwangeren. Bei
Hochschwangeren einen Keil unter die rechte Hüfte der Frau legen, damit bei Reanimati-
onsmassnahmen in Rückenlage der gravide Uterus den Blutrückfluss zum Herzen nicht
behindert (Cavakompressionssyndrom).
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 19Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
7.4 Frühdefibrillations-Algorithmus
Bewusstlose Person
Alarmieren, AED holen lassen
ABCD
AED greif- nein BLS, warten auf profes-
bar sionelle Hilfe
ja
Gerät einschalten
Anweisungen befolgen
Schock emp- nein Geräteanweisung
fohlen befolgen
ja
Schock auslösen
Anweisungen befolgen
Nach 3 erfolglosen Schocks
BLS während einer
Minute
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 20Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
7.5 Geräte-Bedienung
♦ Patient ist bewusstlos, atmet nicht, und hat keinen Puls
♦ Gerät einschalten
♦ Aufforderungen befolgen:
Elektroden aus Verpackung entfernen
Schutzfilm abziehen
Elektroden wie angegeben auf Brustkorb aufkleben (nach Entfernen der Kleidung
ev. Trocknung der Haut oder Rasieren starker Brustbehaarung)
Elektrodenstecker neben dem blinkenden Licht in die Dose stecken
♦ Wenn Defibrillation (Schock) empfohlen:
Warnung ”Schock” und Kontrolle, dass niemand im Kontakt mit Patienten ist
Schockknopf drücken (falls der Schockknopf nicht innert 30 Sek. gedrückt wird,
entlädt sich das Gerät automatisch).
7.6 Technische Aspekte
Im Inselspital sind zwei Modelle in Einsatz. Der ForeRunner FR1 und als neueres Modell
der Heartstream FR2. Im folgenden werden einige techn. Aspekte dieser Geräte erläutert.
B B
A A
Die Energie wird sogenannt biphasisch abgegeben, d.h. der Strom fliesst in der ersten
Phase von A nach B und in der zweiten umgekehrt. Die Defibrillation wird damit effi-
zienter und gewebeschonender (weniger Postdefribrillationsarrhythmien). Ausserdem
wird der Energiebedarf pro Defibrillation gesenkt, was sich auf die Lebensdauer der Bat-
terie auswirkt.
Das Gerät überprüft seine Funktionstüchtigkeit selbständig in regelmässigen Abständen.
Eine Fehlfunktion wird durch ein blinkendes rotes Kreuz angezeigt. Die Art des Fehlers
erscheint im Display.
Der FR2 ist auf Thoraxwiederstände von 25-180 Ω festgelegt. Es werden je nach Haut-
widerstand 140-160 Joule abgegeben (bei monophasischer Defibrillation 200-360 Joule).
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 21Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
Anhand eines Analyseprogramms unterscheidet das Gerät zwischen Rhythmusstörun-
gen, bei denen „Schock empfohlen“ wird und solchen, bei denen „Schock nicht empfoh-
len“ wird. Das Gerät kann Artefakte feststellen und die Elektrodenkontaktqualität via
Hautwiderstandsmessung (Impedanzmessung) beurteilen. Treten Artefakte auf, wird die
Analyse abgebrochen, was vom Gerät akustisch mitgeteilt wird. Mögliche Artefaktquel-
len sind: Patient wird bewegt oder geschüttelt, Radio- und Elektrointerferenzen aus der
Umgebung. Spontanbewegungen oder Spontanatmung des Patienten werden ebenfalls
registriert.
ForeRunner FR1 Heartstream FR2
Batteriekapazität 100 Schocks oder 5 Std. 300 Schocks oder 12 Std.
Überwachung Überwachung
Lebensdauer der Batterie im 1 Jahr 5 Jahre
Standby-Modus
(eine schwache Batterie wird
akustisch und optisch ge-
meldet)
7.7 Dokumentation und Auswertung
Wenn immer möglich sollten die CPR-Einsätze mit Anwendung der AED dokumentiert
und durch Fachexperten ausgewertet werden. Für die Auswertung und Dokumentation
der Einsätze im Bereich des Inselspitals informiert das Reanimationsteam den CPR-
Schulleiter, damit eine Rückmeldung erfolgen kann.
8. Erfolgreiche Wiederbelebung
Mit BLS alleine kann fast nie ein Spontankreislauf wiederhergestellt werden. Schnapp-
atmung kann u.U. auch bei effizienter Thoraxkompression auftreten/persistieren ohne,
dass ein Spontankreislauf vorhanden ist.
Wird durch BLS und Frühdefibrillation ein ROSC (Return of spontaneous circulation =
Rückkehr zu einem spontanen Kreislauf) erzielt, ist dies durch unspez. Lebenszeichen
(Änderung der Gesichtsfarbe, Schnappatmung, spontane Bewegungen, engere Pupillen,
etc.) ersichtlich. In diesem Fall, Patienten weiter überwachen und umgehend professio-
nelle Weiterbetreuung in die Wege leiten (falls nicht bereits erfolgt). Der AED bleibt an-
geschlossen und überwacht fortlaufend den Herzrhythmus. Ein Wiederauftreten eines
Kammerflimmerns wird sofort automatisch erkannt.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 22Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
9. Anhang
9.1. Akutes Koronarsyndrom:
Bei Patienten mit Arteriosklerose der Herzkranzarterien (Koronargefässe) können sich
akute Durchblutungsstörungen einstellen, welche das Risiko eines Herz-
Kreislaufstillstandes stark erhöhen und zum akuten Herz-Tod führen können. Diese
Krankheitbilder werden unter dem Begriff „akutes Koronarsyndrom“ zusammengefasst.
Das Leitsymptom des akuten Koronarsyndroms
kann akuter, starker Brustschmerz sein, klassi-
scherweise hinter dem Brustbein, eventuell aus-
strahlend in den Hals oder den linken Arm, und
verbunden mit unbestimmter Angst oder Engege-
fühl. Oft präsentieren sich Koronarpatienten auch
mit Oberbauchschmerzen.
Auslöser können sein: körperliche Anstrengung,
Kälte, voller Magen, Aufregung oder mehrere Fak-
toren.
Die Krankheitsbilder „angina pectoris“ und „instabile angina pectoris“ werden unter dem
Begriff „akutes Koronarsyndrom“ zusammengefasst. Je nach Dauer und Ausmass der ko-
ronaren Durchblutungsstörung entwickelt sich ein Myocardinfarkt:
Kammerflimmern kann sowohl bei instabiler angina pectoris als auch beim akuten Herz-
infarkt auftreten, meist in den ersten Stunden nach Beginn der Symptome. Deshalb ster-
ben die Hälfte der Patienten mit akutem Herzinfarkt innerhalb der ersten Stunden an
Kammerflimmern, das nicht rechtzeitig defibrilliert werden kann.
Patienten mit den oben erwähnten Symptomen (akutes Koronarsyndrom) müssen deshalb
rechtzeitig einer geeigneten kardiologischen Behandlung zugeführt werden.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 23Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
9.2 Hirnschlag
Der „Hirnschlag“ wird am häufigsten durch akute Durchblutungsstörungen des Ge-
hirns, seltener durch Hirnblutungen verursacht. Während es bis vor einigen Jahren beim
Hirnschlag wenig therapeutische Möglichkeiten gab, und man sich darauf beschränken
musste, den eingetretenen Schaden zu dokumentieren und die Entwicklung zu beobach-
ten, besteht heute an Zentrumskliniken die Möglichkeit, verschlossene Hirngefässe
wieder durchgängig zu machen und damit das Ausmass des Hirnschadens zu be-
grenzen, oder einen solchen sogar zu verhindern. Diese modernen Therapiemöglich-
keiten haben jedoch nur Erfolg, wenn sie innert 3-6 Stunden nach Auftreten der Sym-
ptome durchgeführt werden.
Aus diesem Grunde müssen die Symptome des akuten Hirnschlages einer breiten Bevöl-
kerung bewusst gemacht werden. Sie werden deshalb auch im Rahmen des Basic Life
Support behandelt.
Einfache Tests ermöglichen es, Patienten mit akutem Hirnschlag zu identifizieren und
dann rasch möglichst einer geeigneten Therapie zuzuführen.
Leitsymptom sind akute aufgetretene Störungen der Motorik oder Sensibilität
(Schwäche einer oder mehrerer Extremitäten, Gefühlsstörungen). Meistens sind die Pati-
enten ansprechbar, Augen offen, reagieren auf Schmerzreize.
Achtung: Ein Hirnschlag, beeinträchtigt oft auch das Sprachzentrum, so dass die Patien-
ten nicht mehr richtig sprechen können.
Untersuchung:
1. Aufforderung, beide Arme horizontal nach vorne zu strecken und während mindestens
10 Sekunden zu halten:
Normal: Bei Hirnschlag:
Arme werden gehalten oder sinken Absinken eines Armes (Zeichen
beide leicht ab (symmetrisch) der Halbseitenlähmung oder –
schwäche)
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 24Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
2. Aufforderung an den Patienten, die Zähne zu zeigen (beide Mundwinkel nach hinten
zu ziehen.
Normal: Bei Hirnschlag:
Beide Mundwinkel werden sym- Ein Mundwinkel bleibt vorn (Zei-
metrisch nach hinten gezogen chen der Hirnnervenlähmung oder
–schwäche).
3. Patienten Worte nachsprechen lassen:
• Normal: Patient spricht die Worte normal aus (nicht verwaschen)
• Bei Hirnschlag: Sprache verwaschen, verwendet falsche Wörter oder kann gar nicht
sprechen.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 25Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
9.3 Sauerstoffapplikation
Eine zentrale Bedeutung im Basic Life Support und generell in der Behandlung von Pati-
enten mit gefährdeten Vitalfunktionen hat die Applikation von Sauerstoff. Im Folgenden
seien deshalb einige praktische Hinweise dazu zusammengefasst.
Sauerstoffquellen:
In Spitälern wird der Sauerstoff meistens aus fix installierten Pipelines (Wandanschlüs-
sen) bezogen. Sobald ein Patient transportiert werden muss, kommen Sauerstoff-
Flaschen zum Einsatz.
Wandspender: Inbetriebnahme:
Am weissen Drehknopf nach links (im
Gegenuhrzeigersinn) drehen, um ge-
wünschten O2 Flow (l/min) einzustellen.
Alte Flasche: Inbetriebnahme:
1.
2. 1. 2.
4.
3. 3.
1. Haupthahn 1. Bombe öffnen, am Schlüssel nach links
2. Manometer (Flaschendruck) (im Gegenuhrzeigersinn) drehen.
3. Flowmeter mit Drehknopf 2. Flaschendruck am Manometer ablesen.
4. Feststellschraube 3. Am weissen Drehknopf nach links (im
Gegenuhrzeigersinn) drehen, um ge-
wünschten O2 Flow (l/min) einzustellen.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 26Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
Neue Flasche:
1.
2.
1. Indiaktor für Flaschenöffnung
2. Manometer (Flaschendruck)
Inbetriebnahme:
3.
1.
1. Weisses Rad nach links (im Gegenuhr-
zeigersinn) von 0 auf I drehen (Farb-
wechsel von Rot auf Grün).
2. Flaschendruck am Manometer ablesen
(siehe Frontansicht).
3. Inneres Rad nach rechts (im Uhrzeiger-
sinn) drehen um gewünschten O2 Flow
(l/min) einzustellen.
In Flaschen wird der Sauerstoff komprimiert. Im vollen Zustand beträgt der Flaschen-
druck 200 bar (Anzeige am Manometer). Der Manometerdruck ist dabei proportional
dem Füllungszustand. Die effektiv verfügbare Sauerstoffmenge berechnet sich aus dem
Flaschendruck und dem Flaschenvolumen:
Beispiel (neue O2-Flasche): Volumen (5 Liter) x Druck (200 bar) = 1000 Liter O2 bei
Atmosphärendruck (= 1 bar).
Kennt man den zu applizierenden Sauerstoff Fluss (z.B. 15 l/min) so kann auf einfache
Art die Zeitspanne berechnet werden, wielange die in einer Flasche noch vorhandene
Menge reicht.
Beispiel: Flaschendruck 100 bar, Flaschenvolumen 5 Liter, Fluss 10 l/min: Vorrat reicht
für 50 Minuten.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 27Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
Effizienz verschiedener Applikationsformen
Je nach Applikationsart können unterschiedliche inspiratorische Sauerstoffkonzentratio-
nen erreicht werden.
O2 Fluss l/min Inspiratorische O2 Konzentration (%)
Nasenkanüle/O2 Maske ohne Reser- Maske mit Reser-
Brille voir voir
1 24
2 28
3 32
4 36
5 40
6 44 60 60
7 60 70
8 60 80
9 60 90
10 60 100
Bei chronischer Lungenerkrankung mit Ateminsuffizienz wird oft vor Sauerstoffapplika-
tion gewarnt, da bei einigen dieser Patienten die Atmung nicht durch den CO2 Partial-
druck, sondern durch den O2 Partialdruck gesteuert wird. Sauerstoffgabe würde bei die-
sen Patienten theoretisch den Atemantrieb schwächen und zu einer Atemdepression füh-
ren. Diese Zustände sind jedoch sehr selten. Sauerstoff soll deswegen keinem Patienten
mit Atemnot vorenthalten werden. Allerdings müssen Patienten mit chronischer Lungen-
erkrankung, denen Sauerstoff gegeben wird, einige Stunden überwacht werden, damit ei-
ne Atemdepression mit Bewusstseinseintrübung nicht verpasst wird.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 28Handbuch Basic Life Support mit Frühdefibrillation
Diese Basismassnahmen stellen das
Fundament jeder weiteren vernünftigen
Behandlung dar.
Werden weiterführende Massnahmen
ergriffen, müssen die Basismassnahmen
jederzeit gewährleistet bleiben.
CPR-Schulungszentrum/April 2004/Version 2.2 Seite 29Sie können auch lesen