Biographie von Bernardino della Chiesa OFM, China-missionar und Bischof von Peking

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Biographie von Bernardino della Chiesa OFM, China-
missionar und Bischof von Peking

Varianten der Bezeichnung:
Chinesisch: Yi Daren
Taufname Antonius
ab Ecclesiis

Relevanz für die Stochastik:
Von der Propaganda Fide nach China entsandt, Apostolischer Vikar von
Zhejiang mit Huguang, Titularbischof von Argolis in partibus infidelium und
Koadjutor von Peking, die Bischofsweihe 1. April 1680 durch François Pallu
MEP in Rom.
Ab 1696 Bischof von Peking (1696).

Geburts- und Todesdaten:
(∗) 8. Mai 1644 in Republik Venedig, heute Italien
(†) 21. Dezember 1721 Linqing/Provinz Shandong, China

Familiendaten:
Die Eltern von Antonius della Chiesa waren Gaspar und Anna Giugali.
Antonius trat 1663, mit 19 Jahren, in die Franziskaner-Provinz zur Hl. Kla-
ra ein. Am 6. August wurde er eingekleidet und erhielt den Ordensnamen
“Bernardino”.
Nach Abschluß seiner Studien 1671 wurde Bernardino della Chiesa zum Pries-
ter geweiht.

Ausbildung:
1673 wurde er Lektor für Philosophie und Theologie und im folgenden Jahr
für drei Jahre Guardian des Konvents des Hl. Laurentius von Orvieti und
geistlicher Berater der Königin Christine von Schweden. 1679 wurde della
Chiesa von François Pallu MEP (1626-1684) für die Chinamission gewonnen,
von Innozenz XI. zum Titularbischof von Argolis ernannt und am 1. April
1680 von Pallu zum Bischof geweiht. Am 17. April ernannt ihn Pallu zum
Koadjutor für sein Apostolisches Vikariat Fujian.
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Beruflicher Werdegang:
Piao: 4. Februar 1707.

Pallu ernannte della Chiesa am 17 April 1680, kurz nach saeiner Bischofswei-
he, zu seinem Koadjutor für die Provinz Fujian. Della Chiesa und seine vier
Gefährten aus dem Franziskanerorden, Giovanni Nicolai da Leonissa (1656-
1737), Angelo de Albano, Giambattista Morelli da Castronovo (1655-1716)
und Basilio Brollo da Gemona (1648-1704), wurden von der Propaganda
Fide, der päpstlichen Missionszentrale in Rom, ausgesandt. Sie sollten ein
Gegengewicht schaffen zu der von Portugal bestimmten Hierarchie und den
vom portugiesischen Padroado ausgesandten Jesuiten. Sie begannen am 18.
Oktober 1680 ihre lange Reise in Venedig durch das Mittelmeer, durch Vor-
derasien, Surat in Indien (22. Februar 1682), della Chiesa reiste über Bata-
via/Indonesien mit zwei Franziskanern nach Siam (19. Oktober 1682), wo sie
in Ayuthia Chinesisch lernten. Am 17. Juli 1684 landeten die drei in Canton.
Sechs Jahre wirkte della Chiesa nun in Südchina. Kurz vor seinem Tode
1684 hatte der Apostolische Vikar und Generaladministrator von ganz China
François Pallu ihn und Charles Maigrot MEP (1652-1730) zu seinen Nachfol-
gern ernannt, d.h. della Chiesa wurde zum Apostolischen Vikar von Zhejiang
mit Huguang, Sichuan und Guizhou. Das führte bald zu Streitigkeiten zwi-
schen beiden. Maigrot verlangte, wie auch schon Pallu, von allen Missionaren
den Gehorsamseid den Apostolischen Vikaren gegenüber. Della Chiesa dage-
gen sah die Unmöglichkeit dieses Vorgehens ein, das auf heftigen Widerstand
bei den vom portugiesischen Padroado und vom spanischen Patronato aus-
gesandten Missionaren stieß. Der Eid wurde zurückgenommen.
Durch die Neuordnung der Hierarchie in China, d.h. durch die Errichtung
der beiden neuen Diözesen Peking und Nanking als Suffraganbistümer von
Goa im Jahre 1690, die alle dem Portugiesischen Padroado unterstanden,
verlor della Chiesa de facto sein Amt als Apostolischer Vikar und wurde zum
Ausgleich Bischof einer der neugegründeten Diözesen, wurde aber zunächst
informiert, er sein Bistum sei Nanking. Daher richtete er sich dort eine Resi-
denz ein, mußte aber acht Jahre auf seine Breven warten. Erst am 30. Sep-
tember 1699 erfuhr er, daß es sich dabei um Peking und nicht um Nanking
handelte. Seinen Bischofssitz schlug della Chiesa in Linqing/Provinz Shan-
dong auf (es gehörte zur Dizese Peking), da in Peking schon die Jesuiten
waren und er eine gewisse Distanz zum Kaiser und zum Hof halten wollte.
1696 folgte dann die Neustrukturierung Chinas: die Bistümer wurde auf je
zwei Provinzen beschnitten, für die übrigen neun Provinzen wurde jeweils ein
Apostolisches Vikariat errichtet (1696).
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Seit 1707 wurde der ehrgeizige Carlo Orazi da Castorano OFM (1673-1755)
della Chiesas Generalvikar und führte, da della Chiesa eher konfliktscheu und
auf Harmonie bedacht war, die Geschäfte. Als der päpstliche Legat Charles-
Thomas Maillard de Tournon (1668-1710) vom April 1705 bis 1707 in China
als Gesandter beim Kangxi-Kaiser weilte und 1707 das Ritenverbot von 1704
per Dekret verbieten wollte, ermahnte ihn della Chiesa vergebens, den Kaiser
nicht zu verärgern, doch Tournon zeigte sich uneinsichtig. Kangxi ließ ihn
ausweisen und den Portugiesen in Macao ausliefern, wo er bis zu seinem Tode
gefangen war. Della Chiesa dagegen bekam mit Hilfe der Hofjesuiten am 4.
Februar 1707 das piao, die kaiserliche Aufenthaltsgenehmigung, nachdem er
versprochen hatte, daß er der Akkommodationsmethode Matteo Riccis immer
gefolgt sei und weiterhin folgen würde.
Anläßlich der Propagierung der Apostolischen Konstitution “Ex illa die” von
1715 im Jahre 1716, die die Ritenverbote von 1704 und 1710 bestätigte,
geriet della Chiesa jedoch in beträchtliche Schwierigkeiten beim Kaiser, der
ein Verbot der konfuzianischen Riten, die das Rückgrat des Staates bildeten,
nicht dulden konnte, und wäre beinahe ausgewiesen worden. Carlo Orazi da
Castorano dagegen, der die Verbote auf recht ungeschickte Weise verkündet
hatte, mußte für einige Tage ins Gefängnis. 1718 verdammte della Chiesa die
jesuitische Verteidigungsschrift Informatio pro veritate (Peking 1717), worin
der Jesuitenvisitator Kilian Stumpf (1655-1720) sich und seine Mitbrüder
gegen Orazi verteidigte, der den Jesuiten in einer Anklageschrift, die er nach
Rom schickte, für das Scheitern der Tournon-Gesandtschaft verantwortlich
machte. Della Chiesa unterwarf sich, wie die anderen Missionare auch, trotz
aller Schwierigkeiten dem päpstlichen Ritenverbot.
Della Chiesa war für viele Jahre der einzige Bischof in China. Er weihte zu
Bischöfen: Gregorio Lopez OP (1615/17-1691) im Jahre 1685 zum Titular-
bischof von Basilinopolis, Charles Maigrot MEP in Zhejiang (März 1700),
am 30. Mai 1700 Álvaro de Benavente OSA (1646-1709), am 14. Dezember
1716 Johannes Müllener CM (1673-1742), Titularbischof von Myriophyte,
Apostolischer Vikar von Sichuan (1673-1742) in Peking.

Wichtige Veröffentlichungen:

   • 406 Briefe della Chiesas in: Anastasius van den Wyngaert, Georgius
     Mensaert (eds.), Sinica Franciscana vol. V (Roma 1954).

   • Weitere 186 Briefe in: Georgius Mensaert (ed.), Sincia Franciscana, vol.
     VI (1961) pp. 453-766.
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   • Weitere 32 Briefe in: Fortunato Margiotti (ed.), Sinica Franciscana,
     vol. IX (Madrid 1995) pp. 1033-1081.

Referenzen:
• Necrologium Fratrum Minorum in Sinis (Hongkong 1978) pp. 188f.
• Anastasius Van den Wnygaert (ed.), Sinica Franciscana, vol. IV (Quarac-
chi 1942) pp. XXIV-LIX.
• Anastasius Van den Wnygaert (ed.), Sinica Franciscana. vol. V (Roma
1954) pp. XXXIV-LXII; 3-54; 793-804.
• Georges Mensaert (ed.), Sinica Franciscana, vol. VI (Roma 1961) pp. 421-
428.
Fortunato Margiotti (ed.), Sinica Franciscana, vol. IX (Madrid 1995) • Ro-
bert Streit, Bibliotheca Missionum, vol. V (Freiburg 1929) pp. 1033-1081.

  • Claudia von Collani, “Claudio Filippo Grimaldi S.J. zur Ankunft des
päpstlichen Legaten Charles-Thomas Maillard de Tournon in China”, Mo-
numenta Serica 42 (1994) pp. 329-359.
• Claudia von Collani, “Kilian Stumpf SJ zur Lage der Chinamission im Jah-
re 1708”, Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft 51 (1995).
• Henri Cordier, “Documents inédits pour servir à l’histoire ecclésiastique de
l’Extrême-Orient. V: Catalogus omnium missionariorum qui Sinarum impe-
rium ad haec usque tempora ad praedicandum Jesu Xti Evangelium ingressi
sunt”, Revue de l’Extrême-Orient II (1883) pp. 58-71.
• J. H. Heeren, “Bishop della Chiesa and the Story of the Lost Grave”, Jour-
nal of the North China Branch of the Royal Asiatic Society of Great Britain
and Ireland LIV (1923) pp. 182-199.
• Adelhelm Jann, Die katholischen Missionen in Indien, China und Japan:
ihre Organisation und das Portugiesische Patronat vom 15. bis ins 18. Jahr-
hundert (Paderborn 1915).
• Otto Maas, Die Wiedereröffnung der Franziskanermission in China in der
Neuzeit (Münster 1926).
• Otto Maas, “Die Franziskanermission um die Wende des 17. Jahrhunderts”,
Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft 22 (1932) pp.
1-17.
• Fortunato Margiotti, “La contesta validità della consecrazione Episcopale
di Mgr. Giovanni Müllener”, Antonianum 61 (1986) pp. 659-706.
• Georges Mensaert, “L’établissement de la hiérarchie catholique en Chine
de 1684 à 1721”, Archivum Franciscanum Historicum 31 (1938) pp. 17-47
• Georges Mensaert, “Les Franciscains au service de la Propagande dans
la Province de Pékin, 1705-1785”, Archivum Franciscanum Historicum 51
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(1956) pp. 161-200.
• J. de Moidrey, La Hiérarchie catholique en Chine, en Corée et au Japon
(1307-1914) (Chang-hai 1914).
• David E. Mungello, The Spirit and the Flesh in Shandong, 1650-1785 (Lan-
ham, New York 2001).
• C.P. Platel, Mémoires historiques sur les affaires des Jésuites avec le Saint
Siège vol. VI (Lisbon 1766).
• Sebald Reil, Kilian Stumpf 1655-1720. Ein Würzburger Jesuit am Kaiser-
hof zu Peking (Münster 1978).
• Antonio Sisto Rosso, Apostolic Legations to China of the eighteenth century
(South Pasadena 1948).
• Nicolas Standaert (ed.), Handbook of Christianity in China. Volume One:
635-1800 (Handbook of Oriental Studies, section 4: China 15/1. Handbuch
der Orientalistik, Abt. 4: China 15) (Leiden, Boston, Köln 2001).
• Anastase Van den Wyngaert, “Mgr Fr. Pallu et Mgr Bernardin della Chie-
sa Le serment de fidelité aux Vicaires Apostoliques 1680-1688”, Archivum
Franciscanum Historicum 31 (1938) pp. 17-47.
• Anastase Van den Wyngaert, “Le Patronat portugais et Mgr Bernardin
della Chiesa”, in: Archivum Franciscanum Historicum 35 (1942) pp. 3-34.
• Anastase Van den Wyngaert, “Les dernières années de Mgr della Chiesa”,
Archivum Franciscanum Historicum 38 (1945) pp. 82-105.
• Anastase Van den Wyngaert, “Mgr. Bernardin della Chiesa, Evêque de
Pékin et Mgr Charles Thomas Maillard de Tournon, Patriarche d’Antiochie”,
Antonianum 22 (1947) pp. 65-91.

Autor(en) dieses Beitrags:
Claudia von Collani

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