COMPOUNDS Gerhard Frömel + Stephan Ehrenhofer - Rote Insel
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
dr. julius | ap Leberstraße 60 10829 Berlin +49 30 243 743 49 info@dr-julius.de dr-julius.de rote-insel.com # 00054
COMPOUNDS Gerhard Frömel + Stephan Ehrenhofer Zwei österreichische zeitgenössisch minimal konkrete Künstler Mit Compounds zeigt dr. julius | ap eine Duo-Ausstellung zweier österreichischer Künstler un- terschiedlicher Generationen und Prägungen, die beide der zeitgenössischen minimal konkre- ten Kunst sehr eigenständige und individuell entwickelte Werke beisteuern. Gerhard Frömel [*1941] verbindet in seinen Objekten stets die Ebenen ihrer dreidimensionalen Geometrie und ihres Raumbezugs mit denen ihrer visuellen Wahrnehmung sowie der Bewegung der sie Betrachtenden. Dabei geht es ihm nicht um Täuschung, also nicht darum, eine Illusion von Körperlichkeit durch optische Gesetze zu erzeugen; indem er seine aus gefalteten, in meh- reren Ebenen geschichteten reliefartigen Werke so komponiert, dass sie von einem bestimmten Standpunkt aus als Raumkörper zu sehen sind, zielt er implizit vielmehr darauf, zu erkennen, dass dies bereits durch jede kleinste Veränderung des Blickwinkels sich wiederum auflöst und eine vollkommen andere Gestalt zu erkennen ist. Frömel versteht dieses Phänomen insofern sehr viel weiter reichend und, übertragen in das Geistige, auch als Impuls gegen jede Form der Erstarrung oder des Beharrens auf scheinbarer Wahrheit. Seine sichtbar gemachte Erkenntnis, dass jeder Standpunkt nur relativ ist und man immer in Bewegung bleiben sollte, verdichtet er daher in seinem persönlichen Leitsatz “Es ist was wird”. Seine Arbeiten bleiben gerade im Einsatz minimaler Mittel gestalterisch vielfältig. Dabei sind sie in allerhöchster Präzision ausgeführt und wissen seit vielen Jahren künstlerisch zu überzeugen. Stephan Ehrenhofer [*1964] verbindet seine aus der Textilkunst weiter entwickelte Prägung des planmäßigen Verwebens, dreidimensionalen Verzahnens oder schichtweise Verknüpfens unter- schiedlicher Werkstoffe und Medien immer mit seiner sehr ausgeprägt individuellen Farbpalette zu stark in den umgebenden Raum ausstrahlenden Objekten. Dabei hat er in seiner spürbaren Lust am Experimentieren mit Material und Form seit vielen Jahren höchst unterschiedliche Werk– reihen und Objektgruppen geschaffen, deren vielfältige Ausdrucksformen jedoch stets einer gleichen Grundhaltung folgen: Dass im künstlerisch und konstruktiv genau durchdachten Ver- binden von bislang so nicht zusammen gefügten Stoffen neue Wahrnehmungs- und Denkebenen eröffnet werden. Diese Grundhaltung ist dabei der eigentliche Rote Faden in den Arbeiten von Ehrenhofer. Insofern sind alle seine Arbeiten stets Produkte materialisierter geistiger Freiheit, die keine Vorbilder aus der Dingwelt abbilden sondern Neuschöpfungen aus seiner lebenslangen Beobachtung, Analyse und daraus abgeleiteten Synthetisierung des in der Welt Erkannten sind. Es verbindet die beiden Künstler insofern vor allem das Moment der geistigen Freiheit, die sie in ihrer Kunst materialisieren. Wie sie jeweils ihre dazu eingesetzten Mittel und Materialien miteinander verbinden und so ihre künstlerischen Haltungen in Werken und Ausdrucksformen visualisieren, erzeugt insbesondere in ihrem Gegenüber eine beinahe antipodische Spannung, die das Wesen der gemeinsamen Ausstellung bei dr. julius | ap ausmacht. 2
COMPOUNDS Gerhard Frömel + Stephan Ehrenhofer Two Austrian contemporary minimal concrete artists For Compounds, dr. julius | ap brings together two Austrian artists of different generations and characters, both of whose unique, individually-developed works make an important contribution to contemporary minimal concrete art. Gerhard Frömel [b. 1941] connects the three dimensional geometry and spatial relation- ships of his objects with their visual perception and the movement of viewers. His goal is not deception—not, in other words, to create an illusion of physicality by using optical principles—rather, by constructing his folded, many-layered, relief-like works in a way that makes them appear from a certain perspective like spatial bodies, his implicit goal is to show that this apparent volume can disappear with the slightest change in perspective, giv- ing rise to an entirely new form. Frömel also understands the broader implications of this phenomenon: on an intellectual level, it represents the rejection of any kind of solidification or insistence on the reality of appearances. The insight that he makes visible here—that all positions are relative and that one should always remain in motion—is summarized in his personal motto “It is what it becomes.” Even as he employs minimal resources, Frömel’s works remain artistically multifaceted. They are created with the greatest precision and have been compelling viewers for years. Stephan Ehrenhofer’s [b. 1964] textile-based work begins with the weaving, meshing, or layering of various materials and media; through further development and manipulation and the use of his distinctive color palette, the pieces become objects that radiate boldly into the surrounding space. For years, his palpable pleasure in experimentation with mate- rial and form has led to the creation of widely varying series and groups of objects, whose diverse appearances are nonetheless underwritten by the same basic attitude: that the ar- tistically and constructively well-considered combination of materials that have previously not been joined can open up new levels of perception and thought. This approach is the real leitmotif of Ehrenhofer’s work. In this regard, all his works are simply the embodiment of intellectual freedom; they are never representations of models from the world of things, but rather new creations that derive from lifelong observation and analysis—a synthesis of what he has become aware of in the world. Above all, the two artists are connected by the intellectual freedom that their art material- izes. The way each artist combines his chosen media and materials, thereby visualizing a single artistic attitude in different works and forms, creates an almost antipodal tension with the other artist, giving the exhibition at dr. julius | ap its unique essence. 4
Stephan Ehrenhofer – Rodeo Coils, 2015. Polypropylen-Bänder, Ø variabel von 10 bis 25 cm, siebenteilig 5
Gerhard Frömel 1941 geboren in Grieskirchen/Oberösterreich Schildermalerlehre, Grafikstudium bei Prof. Erich Buchegger Kunstschule Linz Seit 1975 Auseinandersetzung mit Konstruktiver/Konzeptueller Kunst 1975 –2003 Lehrtätigkeit an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung und KunstUniversität Linz Ausstellungen, Auswahl ab 2013 _ 2016 dr. julius | ap, Berlin Galerie La Ligne, Zürich [CH] Galerie Lindner Wien [AT] zs art, Wien [AT] Institut Konkrete Kunst und Poesie Rehau / IKKP Galerie Linde Hollinger, Ladenburg Museum Angerlehner, Wels [AT] Stadtgalerie Lebzelterhaus, Vöcklabruck [AT] _ 2015 Galerie La Ligne, Zürich [CH] Museum im Kulturspeicher Würzburg Museum Ritter Waldenbuch, Jubiläumausstellung Vasarely Museum, Budapest [HU] Galerie Lindner Wien [AT] Galerie Linde Hollinger, Ladenburg Galerie 422 Gmunden [AT], mit Galerie Lindner Wien [AT] Galerie Mariette Haas, Ingolstadt Galerie Bunsen/Götz, Nürnberg _ 2014 Galerie La Ligne, Zürich [CH] Vasarely Museum, Budapest [HU] Galerie Lindner Wien [AT] Galerie Linde Hollinger, Ladenburg Stiftung Konkrete Kunst Phleps, Freiburg im Breisgau QuadrART, Dornbirn [AT] Galerie Mariette Haas, Ingolstadt Stadtgalerie Lehen, Salzburg [AT] Städtische Galerie, Speyer _ 2013 dr. julius | ap, Berlin Galerie La Ligne, Zürich [CH] Galerie Linde Hollinger, Ladenburg Galerie Lindner Wien [AT] 8
Gerhard Frömel – HINTERGLAS 07/2016, RaumFragment. Acryllack auf Aluminium und Plexiglas klar, 37,5 x 37,5 x 6 cm 9
Gerhard Frömel – RaumPaar 2014, Doppelobjekt. Aluminium, Acryllack, je 50 x 55 x 5 cm, Außenmaß 130 cm 10
Gerhard Frömel – RaumPaar 2014. Detail 11
Gerhard Frömel – Kokon weiß, 2016. Aluminium, Acryllack, 37,5 x 28 x 5 cm 12
Gerhard Frömel – Wandobjekt o.T. 2008/2016, Aluminium, Acryllack, 37,5 x 18,7 x 4 cm [Edition 6] 13
Gerhard Frömel – Annäherung, 2014. Aluminium, Acryllack, zweiteilig, je 37,5 x 75 x 10 cm 14
Gerhard Frömel – Gerhard Frömel – Annäherung, 2014. Detail 15
16
17
Stephan Ehrenhofer 1964 in Zürich geboren 1985-89 Studium an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien 1989 Diplom Malerei + Grafik, Meisterklasse für Tapisserie 1990+91 Kunststipendien des Kantons Zürich 2015 Aufenthaltsstipendium Kunst an der Grenze, Jennersdorf [AT] 2017 Aufenthaltsstipendium Josef & Anni Albers Foundation, Bethany, CT [US] Ausstellungen, Auswahl ab 2010 _ 2016 Compounds [mit Gerhard Frömel], dr. julius | ap, Berlin, E 4. Internationaler Evard-Preis, Kunsthalle Messmer, Riegel am Kaiserstuhl Intermediate Programme, dr. julius | ap, Berlin _ 2015 matrix textilis, Galerie Göttlicher, Krems [AT] E RODEO!, Grenzkunsthalle, Jennersdorf [AT] E Konzept Papier, dr. julius | ap, Berlin Belle de Jour, Galerie Lindner, Wien [AT] E _ 2014 Accrochage, Galerie Göttlicher, Krems [AT] konzept:erscheinung, Künstlerforum Bonn Tech.Art.Intersect., artisengineering, Berlin Franz, Kulturverein Neumarkt an der Raab [AT] E Anonyme Zeichner 2014 | based in Berlin. pavillon am milchhof, Berlin Private View. By Appointment. dr. julius | ap, Berlin _ 2013 soft focus [mit Siegfried Kreitner], dr. julius | ap, Berlin E konnektor #21, konnektor – Forum für Künste, Hannover POI – Point of Interest, Galerie Lindner, Wien [AT] _ 2012 die Teile – das Ganze. Kunsthaus Deutschvilla, Strobl am Wolfgangsee [AT] FutureShock OneTwo, dr. julius | ap, Berlin _ 2011 Räume, Badisches Kunstforum, Ebringen bei Freiburg Fenster 34, berlin-weekly, Berlin E stacks, dr. julius | ap, Berlin E An Exchange with Sol LeWitt, MASS MoCa, North Adams, MA [USA] _ 2010 mehrfach_multiple, dr. julius | ap, Berlin Preview at Concrete Geometries Research Cluster, Architectural Association School of Architecture, London [UK] 2. Internationaler Evard-Preis, Kunsthalle Messmer, Riegel am Kaiserstuhl 18
Stephan Ehrenhofer – Rodeo 2 coils, 2015. Polypropylen-Bänder, Ø variabel 12 – 19 cm, h 5 cm. Detail 19
Stephan Ehrenhofer – Slow Turning, 2016. Acrylfaserstoff genäht, 154 x 80 cm. Detail 20
Stephan Ehrenhofer – Slow Turning, 2016 21
Stephan Ehrenhofer – Elefanten suchen, 3. Versuch, 2015. Polypropylen auf Aluminium, je 39 x 39 cm 22
Stephan Ehrenhofer – Elefanten suchen, 3. Versuch, 2015. Detail 23
Stephan Ehrenhofer – Die Theorie eines Flügelschlags in Farbe, 2016. Polyester auf Aluminium, 40 x 40 cm 24
Stephan Ehrenhofer – Die Theorie eines Flügelschlags in Farbe, 2016. Detail 25
Ausstellungsansichten Erster Galerieraum mit Blick in die Passage, zweiter Galerieraum [unten] 26
Passage mit Blick in den ersten Raum, zweiter Galerieraum [unten] 27
dr. julius | ap Programmgalerie für zeitgenössische konzeptuelle minimale neue konkrete Kunst + Architektur Seit 2008 Programme gallery for contemporary conceptual minimal new concrete art + architecture Since 2008 Impressum COMPOUNDS Gerhard Frömel + Stephan Ehrenhofer Zwei österreichische zeitgenössisch minimal konkrete Künstler Ausstellung vom 28. April bis 4. Juni 2016 Mit freundlicher Unterstützung durch Österreichisches Kulturforum Berlin Stauffenbergstraße 1 10785 Berlin Text Matthias Seidel Übersetzung Anne Posten Fotografien Stephan Ehrenhofer [S. 7, 11, 14, 21–27, Umschlag], Gerhard Frömel [S. 5, 12, 13, 15, 16], Matthias Seidel / VG Bild-Kunst [S. 3, 8/9, 18/19, 28, 29] Alle Rechte vorbehalten dr. julius | ap Matthias Seidel Dipl.-Ing. BDA Leberstraße 60 10829 Berlin +49 30 243 743 49 info@dr-julius.de dr-julius.de rote-insel.com © 2016 edition ROTE INSEL # 00054
dr. julius | ap Leberstraße 60 10829 Berlin +49 30 243 743 49 info@dr-julius.de dr-julius.de rote-insel.com # 00054
Sie können auch lesen