EINBLICK - AUSBLICK Fachpublikation - AUGENKLINIK - Charité - Universitätsmedizin Berlin

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EINBLICK - AUSBLICK Fachpublikation - AUGENKLINIK - Charité - Universitätsmedizin Berlin
UNIVERSITÄTSMEDIZIN BERLIN

AUGENKLINIK
 Band II

 EINBLICK - AUSBLICK
 Fachpublikation
EINBLICK - AUSBLICK Fachpublikation - AUGENKLINIK - Charité - Universitätsmedizin Berlin
EINBLICK - AUSBLICK Fachpublikation - AUGENKLINIK - Charité - Universitätsmedizin Berlin
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir freuen uns Ihnen das 2. Heft zu aktuellen Themen unserer Klinik über-
reichen zu können.

Wir haben für Sie Themen aus allen Bereichen der Klinik gesammelt und
hoffen so einen Überblick über unsere Tätigkeit zu geben.

Sprechen Sie uns gerne an wenn Sie an bestimmten Themenkomplexen
interessiert sind oder Problempatienten auf diesen Gebieten diskutieren
möchten.

Ich bin vielfach gebeten worden, Ihnen eine Liste mit Ansprechpartnern
an den beiden Klinikstandorten an die Hand zu geben. Diese Liste findet
sich getrennt nach Standorten mit den entsprechenden Kontaktdaten im Herr Prof. Uwe Pleyer leitet in altbewährter Weise den Schwerpunkt ent-
Anhang. zündliche und infektassoziierte Augenerkrankungen und nimmt die für uns
 als Universitätsklinik wichtige Aufgabe des Lehr-koordinators wahr.
In Kürze hier noch einmal die wichtigsten Schwerpunkte und Ansprech-
partner zusammengefasst: Frau Dr. Annakarina Maier (Hornhaut, vorderer Augenabschnitt),
 Herr Dr. Richard Bergholz (Neuroophthalmologie und Strabologie), Herr
 Dr. Johannes Gonnermann (vorderer Augenabschnitt, Okuloplastik),
Virchow-Klinikum: Herr Dr. Christoph von Sonnleithner (vorderer Augenabschnitt, Okulopla-
Herr Priv.-Doz. Dr. Eckart Bertelmann unterstützt mich als leitender Ober- stik) sowie Herr Dr. Matthias Klamann (Glaukom, vorderer Augen-
arzt. Seine chirurgischen und klinischen Schwerpunkte sind die Orbita- abschnitt) und Frau Dr. Juliane Schlomberg (Netzhautchirurgie) verstärken
erkrankungen sowie der vorderer Augenabschnitt (Katarakt, Glaukom, den Standort CVK als Funktionsoberärzte und Fachärzte.
Hornhaut, Okuloplastik).

Wir konnten bis Ende 2013 bereits über 350 DMEK Transplantationen Campus Benjamin-Franklin:
durchführen und konnten das Indikationsspektrum für die lammelläre Frau Priv.-Doz. Dr. Annette Hager ist seit April 2012 an unserer Klinik
Keratoplastik um Patienten mit schwierigen Ausgangssituationen tätig und nimmt in der Nachfolge von Herrn Prof. Jonescu die leitende
erweitern. Herr OA Dr. Necip Torun hat Ihnen darüber bei zahlreichen Oberarztposition am CBF ein. Frau Hager war als Oberärztin in
Gelegenheiten berichtet. Die Gesamtzahl der an der Augenklinik der Hamburg, später an der Universität Jena tätig und hat sich über Bild-
Charité durchgeführten DMEK Operationen hat Mitte des Jahres 2014 gebende Diagnostik in der Netzhautchirurgie habilitiert. Frau Hager ist
bereits 500 überschritten. chirurgisch im vorderen sowie im hinteren Augenabschnitt versiert (Kata-
 raktchirurgie, Glaukomchirurgie, Netzhaut- und Glaskörperchirurgie).
Der Glaukomschwerpunkt wird aktuell von Herrn OA Dr. Necip Torun,
Herrn PD Dr. Eckart Bertelmann und Herrn Dr. Matthias Klamann Seit Januar 2014 verstärkt uns Herr Priv-Doz. Dr. Matus Rehak am
geleitet. Campus Benjamin Franklin. Herr PD Dr. Rehak hat seine Facharztausbil-
 dung an der Universität Leipzig absolviert und dort über das Thema
Seit Oktober 2012 ist Herr OA Dr. Bert Müller wieder an unserer Klinik retinale Venenthrombosen habilitiert. Sein Interesse ist die chirurgische
tätig. Neben seiner bekannten netzhautchirurgischen Spezialisierung ist und konservative Retinologie. In einem Fellowship in Finnland hat er
er mit der Versorgung von Frühgeborenen mit ROP und Kindern mit seinen aktuellen Schwerpunkt auf dem Gebiet der okulären Onkologie
Retinoblastomen beauftragt. Aus der Netzhautchirurgischen Abteilung vertiefen können. Herr PD Rehak verstärkt oberärztlich das Tumorteam
am CVK ist Herr FA Dr. Florian Heußen zu einem Fellowship nach und den netzhautchirurgischen Bereich.
Liverpool, GB aufgebrochen. Frau OÄ Dr. Sibylle Winterhalter ist aus
der Elternzeit zurück an die Klinik gekehrt. Ab März 2015 werden wir Herr OA Dr. Christian Mai hat nach der Facharztausbildung am CVK
zudem durch Frau PD Dr. Tina Dietrich verstärk. verschiedene Stationen im Bereich des vorderen Augenabschnittes und
 der Strabologie und Neuroophthalmologie durchlaufen und hat sich
Herr Prof. Dr. Daniel Salchow hat 2012 die Leitung der Abteilung chirurgisch im Bereich des vorderen Augenabschnittes spezialisiert.
Strabologie und Neuroophthalmologie übernommen und diese um Seit Dezember 2013 ist er als Oberarzt im vorderen Augenabschnitt an
die Kinderaugenheilkunde mit Schwerpunkt Kindliche Katarakte und den Standort Steglitz gewechselt.
Glaukome erweitert.

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Frau OÄ Prof. Dr. Nicole Stübiger leitet die Uveitissprechstunde am
Standort Steglitz,

Frau OÄ Dr. Mirjam Doblhofer ist aus der Elternzeit zurückgekehrt und
verstärkt die Tumor-und Netzhautsprechstunden.

Herr OA Dr. Peter Ruokonen ist noch weiterhin einen Tag als Oberarzt
mit Schwerpunkt Glaukom an unserer Klinik tätig.

Frau OÄ Dr. Roswitha Gordes ist Ihnen seit langer Zeit bekannt und leitet
weiterhin die Abteilung für Neuroophthalmologie und Strabologie am
Standort Steglitz.

Sie wird von Frau F-OÄ Dr. Shideh Schönfeld untersützt.

Frau Dr. Ira Seibel und Herr Dr. Julian Klein verstärken den Standort CBF
als Funktionsoberärzte und Fachärzte.

Aus Ihren Reihen wurde wiederholt unsere zum Teil schwierige
telefonische Erreichbarkeit kommuniziert. Ich füge Ihnen im Anhang
unsere Telefonnummern an, bitte Sie aber gleichzeitig, auch die Möglich-
keit uns ein Fax oder eine e-mail zu schicken zu nutzen. Im Anhang finden
Sie ein Telefonverzeichnis.

Wir hoffen, Sie haben beim Studium unserer Beiträge genauso viel Spass
wie wir beim Erstellen.

Mit bestem Gruss
Ihre

Univ. Prof. Dr. Antonia Joussen
Direktorin der Klinik

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INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort Prof Dr. med. Antonia M. Joussen Seite 03

Chirurgie der altersbedingten Makuladegeneration –
im Zeitalter der intravitrealen Injektionen noch eine Option Prof Dr. med. Antonia M. Joussen Seite 07

Diabetisches Makulaödem und DORO-Studie
Dr. med. Claudia Brockmann, PD Dr. med. Matus Rehak, PD Dr. med. Annette Hager, Prof Dr. med. Antonia M. Joussen, Seite 11

Fundusautofluoreszenz zur Diagnose von Netzhauterkrankungen Dr. Tobias Duncker Seite 13

Aktuelle Behandlung der Patienten mit retinalem Venenverschluss PD Dr. med. Matus Rehak Seite 15

Vitreoretinale Membranen Dr. med. Tobias Brockmann, Dr. med. Bert Müller, Prof Dr. med. Antonia M. Joussen Seite 19

Therapie des Aderhautmelanoms und mögliche Folgen
Dr. med. Ira Seibel, PD Dr. med. Matus Rehak, Prof Dr. med. Antonia M. Joussen Seite 23

Ophthalmoonkologie ein ganzheitlicher Therapieansatz Dr. med. Ira Seibel, Dr. A. Riechardt Seite 25

Interdisziplinäre Schädelbasis-Tumorkonferenz Dr. Schlomberg, PD Dr. med. E. Bertelmann Seite 26

Unser Studienteam Seite 27

Intraokulare Entzündung im Kindesalter - eine interdisziplinäre Herausforderung
Prof. Dr. med. Uwe Pleyer, PD T. Kallinich, PD K. Minden Seite 30

Differentialdiagnostische Überlegungen zur Uveitis anterior Prof. Dr. Nicole Stübiger, Dr. Claudia Thieme Seite 34

Das primäre intraokulare Lymphom: Die Diagnose bleibt ernst -
die Therapie eine interdisziplinäre Aufgabe (Hinweise auf eine bundesweite
prospektive Registerstudie) Dr. Kristoph Jahnke Seite 39

Lokale Therapie bei MALT-Lymphom der Bindehaut PD Dr. Annette Hager Seite 43

Erblindung durch Bindehautentzündung?“ Das okuläre vernarbende Pemphigoid:
Eine problematische Erkrankung Dr. Anne Rübsam, Prof. Margitta Worm, Prof. Dr. med. Uwe Pleyer Seite 45

Multi-Center-Studie: Untersuchung neuer diagnostischer und
prognostischer Faktoren zur Immunreaktion nach
Hornhauttransplantation Prof. Dr. med. Uwe Pleyer, Dr. K. Maier, Dr. med. N. Torun Seite 49

Lamelläre Keratoplastik zur gezielten Behandlung von Hornhauterkrankungen Dr. med. N. Torun Seite 51

Minimalinvasive Kammerwinkelchirurgie
Dr. med. M. K. J. Klamann, Dr. med. N. Torun, Priv. Doz. Dr. med. E. Bertelmann Seite 52

Lidrekonstruktion am Okuloplastikzentrum Charité, Campus Virchow-Klinikum
PD. Dr. med. E. Bertelmann, Dr. med. Johannes Gonnermann, Dr. med. Christoph von Sonnleithner Seite 54

Schielen – zur Behandlung ist es nie zu spät Prof. Dr. Daniel J. Salchow Seite 57

Internationale Ophthalmologie und Vision 2020 Dr. Christian Mai Seite 59

Translationale Forschung an der Augenklinik
Prof. Dr. Olaf Strauß; Dr. Nadine Reichhart, Prof Dr. med. Antonia M. Joussen Seite 62

Impressum Seite 066

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Chirurgie der altersbedingten Makuladegeneration –
im Zeitalter der intravitrealen Injektionen noch eine Option ?
 Prof. Dr. med. Antonia M. Joussen

Seit etwas mehr als 10 Jahren haben die Injektionstherapien die Behand- Die Abhebung der Netzhaut erfolgt mög-
lungsmöglichkeiten der feuchten Makuladegeneration revolutioniert. lichst bis zum Äquator mit einer
Chirurgische Therapieverfahren, die seit den 80er Jahren kontinuierlich subretinalen Injektion über eine de-Juan Ka-
weiterentwickelt und erweitert wurden, sind heute durch die anti- VEGF nüle (40G Teflon Kanüle). Anschließend
Therapie weitgehend in den Hintergrund gedrängt. Die Wertigkeit der kann transskleral unter die abgehobene
retrospektiven Betrachtung und Analyse der einzelnen Verfahren liegt in Netzhaut temporal unten weiter injiziert
den aus diesen Erfahrungen gewonnenen pathophysiologischen Erkennt- werden und damit die gesamte Netzhaut
nissen über die Interaktion zwischen retinalem Pigmentepithel und Photo- bis an die Ora abgehoben werden. Eine
rezeptoren, retinaler Neurodegeneration- und Regenerationsfähigkeit. sehr kleine periphere Retinotomie hilft dann
 die subretinale Flüssigkeit abzulassen und
Exzision der subretinalen Membran nach zentraler Eingabe von Decalin oder
Voraussetzung für die chirurgische Exzision von neovaskulären Membra- Octalin kann die periphere 360° Retinotomie durchgeführt werden. An-
nen war die Entwicklung der subretinalen Chirurgie mit einem entspre- schließend wird die subretinale Membran nach Umklappen der
chenden Instrumentarium. Die vollständige Vitrektomie wird nach einer Netzhaut exzidiert und dann die Netzhaut vorsichtig mit stumpfen Instru-
Injektion von Flüssigkeit in den Subretinalraum zur Erzeugung einer zen- menten unter zentraler Netzhautanlage unter Octalin (Octalin hat eine
tralen makulären Ablösung von einer Retinotomie im Bereich der Gefäß- geringere Dichte als Decalin und bleibt damit kugelförmiger) in die ge-
straße oder in der Raphe gefolgt. Die Membran wird mit einer Thoma- wünschte Position gedreht. Hierbei wird die Makula in der Regel nach
spinzette gegriffen und kann über die kleine Retinotomie entbunden wer- temporal oben gedreht. Die Rotationsrichtung spielt eine Rolle für die er-
den. Die alleinige Exzision von subretinalen Membranen führt je nach forderliche Gegenrotation der Muskeln, die erforderlich ist, um ein auf-
Größe des unter dem Pigmentepithel liegenden Anteils oder der assozi- rechtes Bild zu erhalten.
ierten Pigmentepithelabhebung zu großen postoperativen Pigment- Die MARAN Studie war die bislang einzige randomisierte Multicenter-
epitheldefekten. studie, die die Makularotation im Vergleich zu den damaligen Standard-
Die größte randomisierte Studie, die die Wertigkeit der subretinalen verfahren (PDT oder Beoachtung) untersucht hat. Die Rekrutierung für eine
Exzision gegen den natürlichen Verlauf untersucht hat, ist der SST (sub- solche Studie gestaltete sich schwierig, da das Los für die Patienten zwi-
macular surgery trial). In der Zusammenschau der Daten muss man schen einer großen chirurgischen Maßnahme und einem konservativen
sagen, dass im Vergleich zur alleinigen Beobachtung durch die subma- Vorgehen entscheiden sollte. Wegen geringer Rekrutierung und der Ver-
kuläre Chirurgie kein Vorteil erzielt werden kann, bis auf die seltene Aus- fügbarkeit effizienter pharmakologischer Verfahren wurde die Studie ab-
nahme bei Blutungen. Im Zeitalter der Pharmakotherapie ist die alleinige gebrochen. Die Auswertung der ersten 28 Patienten wurde publiziert.
chirurgische Membranexzision damit keine Option für Patienten mit neo- Die Studie konnte keinen Unterschied zwischen der Rotationsgruppe und
vaskulärer AMD. der Kontrollgruppe hinsichtlich des Visus und der sekundären Endpunkte
 zeigen. Die Sehschärfe war tendenziell in der Rotationsgruppe besser,
Makularotation und Translokation ohne jedoch einen signifikanten Unterschied zu zeigen.
Das Konzept Zellen der Makula auf eine neue, „frische“ Unterlage zu
bringen, wurde von Machemer und später von deJuan vorgestellt. Ersatz von RPE Zellen und Zelltransplantation
Hierbei entsprach die „limited rotation“ (E. de Juan) der Beobachtung Der Ersatz von erkrankten RPE Zellen durch Transplantation ist seit über
des „slippage“ bei der Ablatiochirurgie, bei der durch eine Netzhaut- 20 Jahren das Ziel verschiedenster experimenteller und klinischer Studien
falte in der mittleren Peripherie eine Verlagerung der Makula entsteht. Bei gewesen und erlebt aktuell im Rahmen von Gentherapieansätzen eine
der Ablatiochirurgie ein verständlicherweise unerwünschter Effekt, Renaissance.
jedoch geeignet, um durch die zentrale Verlagerung die Fovea wieder Da trotz des Immunprivilegs des Subretinalraumes heterologe RPE Zellen
auf gesundes Pigmentepithel aufzulegen. Voraussetzung für den Erfolg „abgestoßen“ oder inaktiviert werden, ist die Transplantation autologer
war zum Zeitpunkt der Erstbeschreibung die gleichzeitige Exzision der Zellen die Methode der Wahl. Hierbei werden Zellen gesucht, die die
subretinalen Membran zum Beispiel durch eine kleine Retinotomie und Funktion der erkrankten RPE Zellen ersetzen können, also bezüglich aller
damit die vollständige Entfernung der Neovaskularisation. Das Verfahren Stoffwechseleigenschaften (Phagozytose, Wachstumsfaktorexpression,
wurde nicht weiter verfolgt, unter anderem weil es nur für sehr kleine Ionenpumpe) mindestens gleichwertig sind. Naheliegend ist die Verwen-
Membranen, oder exzentrisch gelegene Membranen geeignet war. dung von RPE Zellen, die aus den peripheren anterioren Bereichen oder
Die 360° Makularotation erlaubt es die Fovea bis zu 40° exzentrisch aus der peripapillären Region gewonnen werden können.
zu drehen. Hierbei ist eine 360° Retinotomie in der Netzhautperipherie Die Zellumgebung, das „Environment“ ist einer der wichtigsten Faktoren
nach vorheriger vollständiger Abhebung der Netzhaut erforderlich. Das für das Überleben transplantierter Zellen und stellt zugleich einen Diffe-
chirurgische Vorgehen hat verschiedene Verfeinerungen erfahren, nicht renzierungsfaktor dar. Hierbei ist die Transplantation von Zellen in eine
nur um die zunächst mit bis zu 50% angegebene PVR Rate zu senken. Umgebung der Atrophie und Zelldegeneration bei der trockenen oder

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feuchten Makuladegneration als eine schwierige Wirtsumgebung zu tierten zentralen RPE Zellen beobachtet wurde ist dieses Verfahren nur für
werten, in der vermutlich weder eine Differenzierung von praedifferen- eine sehr kleine Patientengruppe geeignet, bei denen trotz geographi-
zierten Zellen stattfinden kann noch entdifferenzierte Pigmentepithel- scher Atrophie keine Degeneration der zentralen Netzhaut entstanden
zellen überleben. ist. Hier kann die Mikroperimetrie über die zentrale Netzhautfunktion
 Aufschluß geben. Nur Patienten ohne relatives Skotom im fovealen Be-
Neben der Auswahl der „richtigen“ Zellart setzt die Transplantation einer reich und mit stabiler zentraler Fixation sollte ein chirurgisches Vorgehen
Zellsuspension von Pigmentepithelzellen das Vorhandensein eines ad- angeboten werden. Dies werden in der Regel Patienten mit einer kleinen
äquaten Substrates voraus auf dem die Zellen anhaften können. Zusam- zentralen Restinsel intakten RPEs bei bogen- oder halbmondförmiger
menfassend zeigen die präklinischen Studien, dass eine Implantation in Atrophie sein.
den Subretinalraum zumindest bei der neovaskulären AMD möglich ist, Eine Gliose, wenn eindeutig als visuslimitierender Faktor indentifiziert,
Pigmentzellen auf Substraten kolonisierbar und implantierbar sind und kann gepeelt nach ausführlicher Aufklärung des Patienten über die Rolle
funktionell gleichwertige retinale Pigmentepithelzellen aus Vorläufer- der AMD werden.
zellen kultiviert werden können. Problematisch ist die Frage der Nutzung
von Stammzellen aber auch die der Implantation in den Subretinalraum Chirurgische Möglichkeiten bei subretinalen Massenblutungen
eines erkrankten Auges mit bereits fortgeschrittenen degenerativen Subretinale Massenblutungen gehen mit einem plötzlichen Visusverlust
Veränderungen. einher. Das chirurgische Vorgehen hängt von der Fläche der subretinalen
 Blutung, aber auch von der Lokalisation der Blutung ab.
Während die Problematik der reinen Zelltransplantation bezüglich Sub- Während Blutungen bis in den Bereich der Gefäßstraße in der Regel mit
strat, Zelldifferenzierung und Zellumgebung (Environment) bereits weiter einer subretinalen Injektion von r-TPA und und einer pneumatischen Ver-
oben diskutiert wurden, hat die Transplantation von Aderhaut und Cho- lagerung mit SF6 ausreichend behandelt werden können, muss bei noch
rioidea inklusive der Bruch´schen Membran als Substrat nach der Erst- größeren Blutungen meist eine subretinale Exzision des Koagels mit der
publikation von Del Priore und Mitarbeitern 2001 fast einen Siegeszug zu Grunde liegenden subretinalen Membran diskutiert werden.
gehalten. Hierbei wird in der Netzhautperipherie nach Kauterisation Zur prognostischen Einschätzung, aber auch für die Planung der chirurgi-
transretinal ein Stück Aderhaut mit den darüber liegenden Pigment-epi- schen Exzision ist es unabdingbar das Ausmaß der sub-RPE Blutung oder
thelzellen ausgeschnitten (in der Regel in der unteren Netzhaut- der Pigmentepithelabhebung (PED) abzuschätzen. Je größer die PED, de-
peripherie) und über eine Retinotomie im Bereich der Gefäßstraße in den sto größer der postoperative RPE Defekt, der entweder durch eine 360°
Subretinalraum eingeführt und dort subfoveal von der Aderhautseite po- Rotation oder durch eine PATCH-Translokation ausgeglichen werden
sitioniert um die empfindlichen Pigmentepithelzellen nicht zu berühren. muss. Das Management der großen Massenblutung erfordert von durch-
Eine 180° Retinotomie und ein Umklappen der Netzhaut ist für die führenden Chirurgen immer die Kenntnis und flexible Anwendung von
PATCH Translokation nicht erforderlich und reduziert das PVR Risiko nicht. operativen Verfahren aus der subretinalen Membranexzision sowie der
Langzeitbeobachtungen konnten den Erhalt der Vitalität der transplan- 360° Retinotomie (Abbildung). Eine alleinige Vitrektomie mit Ölfüllung oh-
tierten RPE Zellen (mittels Autofluoreszenzmessungen) sowie der visuellen ne Exzision der subretinalen Membran zum Erhalt des peripheren Visus
Funktion bestätigen. Das Ausmaß der Vorschädigung der retinalen licht- („Stabilisierungschirurgie“) sollte eher zurückhaltend gesehen werden, ins-
sensiblen und lichtverarbeitenden Zellen ist ausschlaggebend für das besondere wenn die subretinale Membran anschließend (trotz Silikonöl-
funktionelle Ergebnis. Eine präoperative Mikroperimetrie kann hier Auf- füllung) nicht konsequent medikamentös therapiert wird. Diese „Stabilisie-
schluß geben. rungschirurgie“ sollte Patienten mit chirurgischen Kontraindikationen (sehr
Obwohl die vorliegenden Studien insgesamt zu einer sehr positiven Ein- hohes Alter und gutes Partnerauge, fehlende Möglichkeit zur Anti-Koagu-
schätzung der Methodik, ihrer chirurgischen Durchführbarkeit, des Ne- lationspause, Systemerkrankung etc.) vorbehalten bleiben.
benwirkungsprofils (PVR, Blutung), und der funktionellen Ergebnisse kom- Eine Antikoagulantientherapie in Kombination mit anderen systemischen
men, gibt es bislang keine randomisierte Untersuchung im Vergleich zur Risikofaktoren ist häufig die Ursache von subretinalen Massenblutungen,
aktuellen Pharmakotherapie der AMD. Hiermit muss auch die PATCH aber auch von Durchbrüchen von Blutungen in den Glaskkörperraum. In
Translokation unter Abwägung der chirurgischen Risiken als ein Verfahren Zusammenarbeit mit den internistischen Kollegen sollte die Möglichkeit
für Einzelfälle gesehen werden. Die PATCH Translokation eignet sich für eines Absetzens, ggf einer Reduktion der Antikoagulation besprochen
Patienten mit potentiell guter Visusfunktion, aber durch die aktuelle Phar- werden.
makotherapie nur unzureichend behandelbaren Membranen. Glaskörperblutungen bei unbekannter AMD können oft auch durch pe-
 ripher exsudativ hämorrhagische Veränderungen mit zum Teil großflächi-
Chirurgische Möglichkeiten der trockenen AMD? gen peripheren Pigmentepithelabhebungen und subretinalen und sub-
Insgesamt ist eine chirurgische Therapie oder eine chirurgische RPE Hämorrhagien bedingt sein. Bei Bedrohung der Makula sollten sie
Prävention der trockenen Degeneration nicht möglich. Obwohl bei der gleich einer aktiven neovaskulären Membran mit anti-VEGF therapiert
PATCH-Translokation keine unmittelbare Degeneration der transplan- werden.

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Zusammenfassung:
Die Erkenntnisse aus den chirurgischen Therapieverfahren für die Maku-
ladegneration haben das pathophysiologische Verständnis des komple-
xen Zusammenspiels von RPE, Aderhaut und Netzhaut verändert.
Die chirurgischen Verfahren kommen auch heute noch zum Einsatz wenn
pharmakologische Therapien versagen und sollten nicht nur für verzwei-
felte Fälle großer subretinaler Blutungen im Armamentarium des Netz-
hautchirurgen erhalten bleiben. Während die Netzhautrotation letzten
Augen (cave Doppelbilder trotz Gegenrotation der Muskeln) und grö-
ßeren Massenblutungen vorbehalten ist, scheint die PATCH Translokation
eines Stückchens peripherer Aderhaut ein erfolgreiches und geeignetes
Verfahren für Einzelfälle bei denen z.B. ein Untergang der zentralen Rest-
insel von Pigmentepithel bei geographischer Atrophie droht.
Die Transplantation von Vorläuferzellen und deren Differenzierung zu
funktionalen Pigmentepithelzellen hat die präklinischen Stadien erreicht, Abb.1: Schemata chirurgische Verfahren im Vergleich
stellt aktuell aber noch kein erprobtes Therapieverfahren dar - Langzeit-
studien müssen zeigen, ob der Subretinalraum bei lang bestehender
AMD das Überleben und die Differenzierung der transplantierten Zellen
erlaubt.

Eine ausführliche Version dieses Artikels ist in den klinischen Monatsblät-
tern im September 2014 publiziert. Literatur bei der Autorin

 Abb.2: PATCH Translokation
 Fixationsprüfung 6 Monate nach Transplantation zeigt eine stabile zentrale Fixation auf den Transplantat.
 Die Patientin erreichte ein stabiles Lesevermögen.

 Netzhautchirurgisches Team der Augenklinik:

 Prof. Dr. A. Joussen (CVK, CBF)

 Oberärzte
 Dr. B. Müller (CVK)
 Dr. S. Winterhalter (CVK)
 PD Dr. A. Hager (CBF)
 PD Dr. M. Rehak (CBF)

 Fachärzte
 Dr. I. Seibel (CBF) Abb.3: Chirurgie bei Massenblutungen:
 Dr. J. Klein (CBF) frische subretinale Massenblutung (links), nach 360° Rotation und anschließender Gegenrotation wieder
 Dr. J. Schlomberg (CVK) ein aufrechtes Bild. Die Neo-Makula ist frei. Das Schema zeigt die Rotationsrichtung. .

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Diabetisches Makulaödem und DORO-Studie
 Dr. med. Claudia Brockmann, PD Dr. med. Matus Rehak,
 PD Dr. med. Annette Hager, Univ.-Prof. Dr. med. Antonia M. Joussen

Die diabetische Retinopathie gehört zu den
Haupterblindungsursachen in den Industrielän-
dern. Allein in Deutschland gibt es aktuell knapp
6 Millionen diagnostizierte Diabetiker - Tendenz
weiter steigend (Tamayo 2014). Mit der Dauer
des Diabetes nehmen auch die mikro- und ma-
krovaskulären Komplikationen mit nachfolgen-
den Endorganschäden zu. Diabetische Fundus-
veränderungen im Sinne einer Retinopathie
(Abb.1.) treten zwanzig Jahre nach Erstdiag-
nose bei 60% der Typ II und bei fast allen Typ I Diabetikern auf (Fong
2004a; Fong 2004b). Die zwei entscheidenden Visus-reduzierenden
Komplikationen sind die proliferative diabetische Retinopathie (DRP,
Abb.2.) und das diabetische Makulaödem (DMÖ, Abb.3.) (Yau
2012).

Pathogenese
Ein Makulaödem kann unmittelbar fokal durch Flüssigkeitsaustritt von
zentralen Mikroaneurysmata entstehen oder als diffuses Ödem durch
eine generalisierte Leckage aus Kapillaren des hinteren Pols verursacht
werden. Eine dritte Ursache stellen okkludierte Kapillarbetten mit Abb. 1: Fluoreszenzangiographie (FGA) eines Abb. 2: Partnerauge des gleichen Patienten mit
Dilatation der vorgeschalteten Gefäße dar (Lang 2012). Die pathologi- Patienten mit diabetischer Retinopathie und aus- papillären und mittelperipheren Neovaskularisa-
schen Flüssigkeitsansammlungen sind Folge einer erhöhten Gefäßper- geprägten ischämischen Arealen. tionen.
meabilität, welche durch den Zusammenbruch der Blut-Retina-Schranke
(BRB) hervorgerufen wird (Bhagat 2009). Ein entscheidender Regulator
der BRB ist der vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor A (VEGF-A),
welcher erstmalig 1983 identifiziert wurde (Senger 1983). Hinzu
kommt eine Interaktion von VEGF mit Leukozyten, die eine Leukostase an
retinalen Kapillaren triggern. Die Leukozytenadhäsion behindert die En-
dothelfunktion und Perfusion der Gefäße durch eine Hochregulierung
des intrazellulären Adhäsionsmolekuls (ICAM-1) und die Induktion in-
flammatorischer Moleküle (Adamis 2008; Ishida 2003; Joussen Abb. 3: Optische Kohärenztomografie (optic coherence tomography, OCT) eines diabetischen Makula-
2002). ödems mit intraretinalen zystoiden Veränderungen.

Klinik Therapie
Basierend auf der optischen Kohärenztomographie (OCT) unterteilt man Die Laserkoagulation (LAKO) war lange Zeit die einzig verfügbare Thera-
das DMÖ in ein diffuses MÖ, zystoides MÖ (Abb.3.), MÖ mit neuro- pieoption und der Goldstandard zur Behandlung der DRP und des DMÖ
sensorischer oder Pigmentepithelabhebung und MÖ mit vitreoretinaler (ETDRS report number 9. 1991). Die panretinale LAKO stellt ein effektives
Traktion. Verfahren sowohl für die Hochrisikogruppe der nicht-proliferierenden als
Von einem klinisch signifikanten MÖ spricht man, wenn eines der fol- auch der proliferierenden Retinopathie dar. Mittels Laserkoagulation können
genden drei Kriterien erfüllt ist (ETDRS report number 1. 1985): 50% der Patienten mit fortgeschrittener DRP vor einem Visusverlust bewahrt
 werden (DRS Report Number 8. 1981). Beim Makulödem ohne foveale
• Ödem innerhalb von 500 µm um die Foveola oder
 Beteiligung werden die fokale und Grid-LAKO eingesetzt. Die fokale LAKO
• harte Exsudate innerhalb von 500 µm um die Foveola mit retinalem
 erzielte beim DMÖ allerdings bessere Ergebnisse als die Grid-LAKO
 Ödem oder
 (ETDRS report number 9. 1991).
• Ödem von mindestens einem Papillendurchmesser (PD) innerhalb
 Seit 2004 wurden mehrere VEGF-Inhibitoren zur intravitrealen Anwendung
 eines PD um die Foveola. bei der exsudativen altersbedingten Makuladegeneration zugelassen (Pe-
Neben dieser klassischen Einteilung wird das DMÖ heute vereinfacht gaptanib, Macugen®, Eyetech, USA, 2004; Ranibizumab, Lucentis®,
nur nach Fovea-Beteiligung eingeteilt (center-involving versus non-center- Genetech, USA, 2006; Aflibercept, Eyelea®, Regeneron Pharmaceuti-
invalving. cals, USA, 2012). Zur Behandlung des DMÖ ist aktuell nur Ranibizumab

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zugelassen. Ein weiterer, bisher nicht zugelassener und daher im off-la- digkeit einer intensivierten metabolischen Kontrolle auf die Progression
bel-Verfahren angewendeter VEGF-Inhibitor ist Bevacizumab (Avastin®, der diabetischen Retinopathie und auf die Effektivität intravitrealer VEGF-
Genetech, USA). Bei klinisch signifikanten Makulödem mit fovealer Be- Inhibierung bei diabetischem Makulaödem zu prüfen.
teiligung ist die aktuelle Therapie der Wahl die intravitreale Injektion von Vielen Dank für Ihre Mitarbeit !
Ranibizumab, da diese einer alleinigen Laserbehandlung überlegen ist
(Michaelidis 2010). Derzeit wird nach einer Aufladungsphase über 3
Monate die Therapie nach dem PRN-Regime (pro re nata) fortgeführt. Netzhautsprechstunde Campus Benjamin Franklin
 Univ.-Prof. Dr. Antonia M. Joussen
Obwohl die Effektivität von Ranibizumab in der Reduktion des DMÖ
 PD Dr. Matus Rehak
mehrfach nachgewiesen wurde, profitiert nicht jeder Patient mit einem Vi-
 PD Dr. Annette Hager
susanstieg davon (Brown 2013; Lang 2013). Man nimmt an, dass ein
möglichst niedriger HbA1c-Wert (
Fundusautofluoreszenz zur Diagnose von Netzhauterkrankungen

 Dr. Tobias Duncker

Fundusautofluoreszenz ist ein nicht-invasives Bildgebungsverfahren der
Netzhaut, das in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung
gewonnen hat.

Bei dieser Art der Bildgebung werden Fluorophore in der Netzhaut mit
einem blauen Laser mit ca. 488nm angeregt und das emittierte Licht
dann oberhalb von 500nm gemessen. Das Fundusautofluoreszenz-
Signal wird in erster Linie durch Lipofuszin im retinalen Pigmentepithel
(RPE) hervorgerufen.1 Lipofuszin reichert sich im Laufe des Lebens im RPE
an2 und entsteht als metabolisches Nebenprodukt des Sehzyklus bei der
Phagozytose der Photorezeptoraußensegmente.3 Verschiedene Studien
haben gezeigt, dass eine verstärkte Akkumulation von Lipofuszin toxisch
ist.3 Es wird angenommen, dass Lipofuszin eine zentrale Rolle in der Pa-
thogenese von Krankheiten wie Morbus Stargardt und der trockenden
AMD spielt. Es besteht die Hoffnung, dass einige Netzhautdegeneratio-
nen durch Lipofuszin-senkende Medikamente therapiert werden könnten.

Der Nutzen der Fundusautofluoreszenz im klinischen Alltag wird deutlich,
wenn man das normale Autofluoreszenzmuster des Fundus (A) mit den
Autofluoreszenzmustern bei trockender AMD (B), Retinitis Pigmentosa (C),
und des Morbus Stargardt (D) vergleicht. Bei diesen Netzhauterkrankun-
gen erleichtern die charakteristisch veränderten Autofluoreszenzmuster
die Diagnosestellung und ermöglichen eine Dokumentation des Krank-
heitsverlaufes. Gerade bei unklarem Visusverlust und Netzhautverände-
rungen, die funduskopisch schwer zu erfassen sind, stellt die Fundusau-
tofluoreszenz eine wertvolle diagnostische Hilfe dar.

 A. Fundusautofluoreszenz einer Person mit normaler Netzhaut. Im Bereich des Sehnerven und der
 retinalen Gefäße ist das Autofluoreszenz-Signal vermindert. Durch Absorption des makulären
 Pigments ist das Signal ebenfalls im Bereich der zentralen Makula reduziert. Ansonsten ist das Signal
 am hinteren Pol relativ homogen.
 B. Fundusautofluoreszenz bei trockender AMD. Bei diesem Patienten zeigen sich retikuläre Pseudodrusen
 (netzartiges Muster), parafoveale hyperautofluoreszierende Foki und zentral ein reduziertes Signal
 als Zeichen von RPE Atrophie.
 C. Fundusautofluoreszenz bei Retinitis Pigmentosa. Im Bereich der zentralen Makula zeigt sich ein hy-
 perautofluoreszierender Ring. Außerhalb dieses Ringes sind die Fotorezeptoren größtenteils
 degeneriert und die Sehfunktion erloschen. Innerhalb des Ringes sind die Fotorezeptoren
Literatur
1. Delori FC, Dorey CK, Staurenghi G, Arend O, Goger DG, Weiter JJ. In vivo fluorescence of the ocular fundus exhibits retinal weitestgehend erhalten und die Sehkraft intakt. Mit Voranschreiten der Erkrankung, verengen sich der
 pigment epithelium lipofuscin characteristics. Investigative ophthalmology & visual science 1995;36:718-29. hyperautofluoreszierender Ring und das Gesichtsfeldes des Patienten zunehmend.
2. Greenberg JP, Duncker T, Woods RL, Smith RT, Sparrow JR, Delori FC. Quantitative fundus autofluorescence in healthy eyes.
 D. Fundusautofluoreszenz bei Morbus Stargardt. Bei dieser Erkrankung, welche die häufigste Form der
 Investigative ophthalmology & visual science 2013;54:5684-93.
3. Sparrow JR, Gregory-Roberts E, Yamamoto K, et al. The bisretinoids of retinal pigment epithelium. Progress in retinal and juvenilen Makuladegeneration darstellt, kommt es zu einer verstärkten Akkumulation von Lipofuszin
 eye research 2012;31:121-35. aufgrund von Defekten im ABCA4 Gen. Charakteristisch sind hyperautofluoreszierende

 13
BIMATOPROST
 PRODUKTVIELFALT
 FÜR IHRE PATIENTEN

 STARK
 aber sanft

 NE U NEU
 Für neu diagnostizierte Die starke unkonservierte Wenn Monotherapie nicht Die erste unkonservierte1
 Glaukompatienten: Monotherapie:
 p mehr ausreicht: Fixkombination:

 Unkonservierte Einzeldosis

 LUMIGAN® 0,1 mg/ml Augentropfen / LUMIGAN® 0,3 mg/ml Augentropfen / Blepharospasmus, zystoides Maculaödem, Lidödem, Retraktion des Augenlids, Nebenwirkung war Hyperämie der Bindehaut (26 % der Patienten), die meist
 LUMIGAN® 0,3 mg/ml Augentropfen im Einzeldosisbehältnis periorbitales Erythem, Iritis, Netzhautblutung, Uveitis. Die am häufigsten beobach- geringgradig bis leicht ausgeprägt war und nur bei 1,5 % der Patienten zum
 Wirkstoff: Bimatoprost. Zusammensetzung: 1 ml Lösung enthält: Bimatoprost teten systemischen Nebenwirkungen waren: Kopfschmerzen, auffällige Leberfunk- Therapieabbruch führte. Häufige Nebenwirkungen: oberflächliche Keratitis punc-
 0,1 mg / 0,3 mg, Benzalkoniumchlorid (nur Mehrdosisbehältnis), Natriumchlor- tionswerte und Hypertonie. Gelegentlich wurden Abgeschlagenheit, Infektionen, tata, Hornhauterosion, Augenbrennen, Augenjucken, Augenstechen, Fremdkörper-
 id, Dinatriumhydrogenphosphat, Citronensäure und gereinigtes Wasser. Geringe Schwindel, periphere Ödeme und Hirsutismus beobachtet. Nebenwirkungen gefühl, Augentrockenheit, Liderythem, Augenschmerzen, Lichtscheu, Augensekret,
 Mengen Salzsäure oder Natriumhydroxid zur pH-Wert-Einstellung. Anwend- (Einzeldosisbehältnis 0,3 mg/ml): Sehr häufig beobachtete Nebenwirkungen Sehstörungen, Juckreiz am Augenlid, Verschlechterung der Sehschärfe, Augenlid-
 ungsgebiete: Senkung des erhöhten Augeninnendrucks bei chronischem Offen- am Auge: Hyperämie der Bindehaut. Häufig beobachtet wurden: Keratitis punctata, entzündung, Augenlidödem, Augenreizung, Epiphora, Wimpernwachstum, Lidpig-
 winkelglaukom und okulärer Hypertension bei Erwachsenen (als Monotherapie Reizung der Augen, Fremdkörpergefühl, Trockenheit der Augen, Augenschmerzen, mentierung, verstärkte Pigmentierung der periokularen Haut, Hirsutismus, Rhinitis,
 oder Zusatzmedikation zu einem Beta-Rezeptorenblocker). Gegenanzeigen: Augenjucken, Wimpernwachstum, Augenlid-Erythem, periokuläre Hauthyper- Kopfschmerzen. Gelegentlich beobachtete Nebenwirkungen: Iritis, Bindehautödem,
 Überempfindlichkeit gegenüber Bimatoprost oder einen der sonstigen Bestand- pigmentierung. Gelegentlich beobachtete okuläre Nebenwirkungen: Asthenopie, Lidschmerzen, Asthenopie, Trichiasis, verstärkte Irispigmentierung, Vertiefung der
 teile. Bei unerwünschten Reaktionen auf Benzalkoniumchlorid in der Krankenge- konjunktivales Ödem, Lichtscheu, verstärkte Lakrimation, verstärkte Irispigmen- Augenlidfurche. Außerdem wurde über das Auftreten eines zystoiden Makula-
 schichte. Hinweise: Lumigan® wurde nicht bei Patienten mit eingeschränkter tierung, verschwommenes Sehen, Augenlid-Pruritus, Augenlidödem. Die am häufig- ödems berichtet. Nebenwirkungen (Einzeldosisbehältnis): Die im Rahmen
 Atemfunktion und Leber- oder Nierenfunktion untersucht und sollte daher bei sten beobachteten systemischen Nebenwirkungen waren: Kopfschmerzen und der klinischen Prüfungen mit Ganfort® am häufigsten berichtete Nebenwirkung war
 diesen Patienten mit Vorsicht eingesetzt werden. Die Sicherheit und Wirksamkeit ungewöhnliches Haarwachstum. Verschreibungspflichtig. Stand: Juni 2013. Hyperämie der Bindehaut (21 % der Patienten), die meist geringgradig bis leicht
 bei Kindern im Alter von 0 bis 18 Jahren ist bisher noch nicht erwiesen. Lumigan® in Pharmazeutischer Unternehmer: Allergan Pharmaceuticals Ireland. Örtlicher ausgeprägt war und nur bei 1,4 % der Patienten zum Therapieabbruch führte.
 der Schwangerschaft nur bei strenger Indikationsstellung anwenden. Es ist nicht Vertreter: Pharm-Allergan GmbH, 76275 Ettlingen. Weitere Hinweise enthalten die Häufige Nebenwirkungen: Keratitis punctata, Augenreizung, Bindehautreizung,
 bekannt, ob Bimatoprost beim Menschen in die Muttermilch übergeht. Vor dem Fach- bzw. die Gebrauchsinformation, deren aufmerksame Durchsicht wir empfehlen. Augenjucken, Augenschmerzen, Fremdkörpergefühl im Auge, trockenes Auge,
 Eintropfen von Lumigan® Kontaktlinsen herausnehmen und frühestens nach 15 gesteigerter Tränenfluss, Augenliderythem, Photophobie, Wimpernwachstum,
 Minuten Einwirkzeit wieder einsetzen. Nebenwirkungen (Mehrdosisbehältnis GANFORT® 0,3 mg/ml + 5 mg/ml Augentropfen / Kopfschmerzen, verstärkte Pigmentierung der periokularen Haut. Gelegentlich
 0,1 mg/ml): Sehr häufig beobachtetet wurde Hyperämie der Bindehaut. Häufige GANFORT® 0,3 mg/ml + 5 mg/ml Augentropfen, im Einzeldosisbehältnis beobachtete Nebenwirkungen: Anomale Sinnesempfindungen des Auges, Jucken
 Nebenwirkungen am Auge sind Wimpernwachstum, Augenschmerzen, Augen- Wirkstoffe: Bimatoprost und Timololmaleat. Zusammensetzung: 1 ml Lösung am Augenlid, Augenlidödem, Asthenopie, Dunkelfärbung der Wimpern, Müdigkeit.
 jucken, Liderythem, Lidpruritus, Reizung der Augen, periokuläre Pigmentierung, enthält: 0,3 mg Bimatoprost und 5,0 mg Timolol als 6,8 mg Timololmaleat. Die Verschreibungspflichtig. Stand: Juli 2013. Pharmazeutischer Unternehmer:
 Hypertrichose und Keratitis punctata. Gelegentlich wurden Kopfschmerzen, sonstigen Bestandteile sind: Benzalkoniumchlorid (nur Mehrdosisbehältnis), Allergan Pharmaceuticals Ireland. Örtlicher Vertreter: Pharm-Allergan GmbH, 76275
 Asthenopie, Schleiersehen, Bindehauterkrankung, Bindehaut-Ödem, Überpigmen- Natriumchlorid, Dinatriumhydrogenphosphat 7H2O, Citronensäure-Monohydrat, Ettlingen. Weitere Hinweise enthalten die Fach- bzw. die Gebrauchsinformation,
 tierung der Iris, Madarose, trockene Haut, Verkrustung des Rands des Augenlids, Salzsäure oder Natriumhydroxid zur pH-Einstellung, gereinigtes Wasser. Anwen- deren aufmerksame Durchsicht wir empfehlen.
 Augenlid-Ödem, Pruritus und Übelkeit beobachtet. Nebenwirkungen (Mehrdosis- dungsgebiete: Senkung des erhöhten Augeninnendrucks bei erwachsenen
 behältnis 0,3 mg/ml): Sehr häufig beobachtete Nebenwirkungen am Auge Patienten mit Offenwinkelglaukom und okulärer Hypertension, die auf die topische 1. In der Substanzgruppe der Prostaglandine
 waren Hyperämie der Bindehaut, Wimpernwachstum und Augenjucken. Häufig Anwendung von Betablockern oder Prostaglandinanaloga nur unzureichend Pharm-Allergan GmbH, Pforzheimer Str. 160, D-76275 Ettlingen
 beobachtet wurden allergische Konjunktivitis, Asthenopie, Blepharitis, Katarakt, ansprechen. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen einen der Wirkstoffe
 konjunktivales Ödem, Hornhauterosion, Ausfluss aus dem Auge, Dunkelfärbung oder einen der sonstigen Bestandteile; reaktive Atemwegserkrankungen ein- DE/1174/2013
 der Wimpern, Liderythem, Lidpruritus, Augenschmerzen, Fremdkörpergefühl, schließlich Asthma bronchiale oder anamnestisch bekanntes Bronchialasthma,
 verstärkte Irispigmentierung, Brennen der Augen, Trockenheit der Augen, Reizung schwere chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen; Sinusbradykardie, Sick-Sinus-
 der Augen, Lichtscheu, periokuläre Pigmentierung, Keratitis punctata superficialis, Syndrom, sinuatrialer Block, atrioventrikulärer Block 2. oder 3. Grades, manifeste
 Tränen der Augen, Sehstörungen/verschwommenes Sehen und Verschlechterung Herzinsuffizienz, kardiogener Schock. Nebenwirkungen (Mehrdosisbehältnis):
 der Sehschärfe. Gelegentlich beobachtete okuläre Nebenwirkungen waren Die im Rahmen der klinischen Prüfungen mit Ganfort® am häufigsten berichtete

14
Aktuelle Behandlung der Patienten mit retinalem Venenverschluss

 PD Dr. med. Matus Rehak

Prävalenz und Klassifikation Risikofaktoren
Der retinale Venenverschluss (RVV) ist nach der diabetischen Retinopa- Die Pathogenese des RVV ist sehr komplex
thie die häufigste vaskuläre Netzhauterkrankung, die zu einer erhebli- und bis heute nicht vollständig geklärt. Ein
chen Sehbeeinträchtigung führt. Die Prävalenz der venösen wichtiger Kausalfaktor scheint eine Dys-
Verschlüsse wird zwischen 3,1 bis 4,6 % angegeben Es werden zwei funktion der Gefäßwand darzustellen,
unterschiedliche Formen (Abb. 1 und 2) des RVV unterschieden: Ve- welche überwiegend durch systemische
nenastverschluss (VAV) und Zentralvenenverschluss (ZVV). Die Wahr- Risikofaktoren wie höheres Lebensalter,
scheinlichkeit ein Venenverschluss am Partnerauge zu erleiden beträgt Hypertonie, Diabetes mellitus, Hyperlipid-
ca. 7 % innerhalb von 4 Jahren. Ein RVV tritt typischerweise bei ämie, Rauchen und Hyperhomozysteinä-
Patienten auf, die älter als 65 Jahre alt sind. Aber ein RVV im jüngeren mie bedingt ist. Der vermutlich wichtigste
Alter ist keine Seltenheit, ca. 16% der RVV-Patienten sind jünger als 45 systemische Risikofaktor ist die nicht ausrei-
Jahre. chend eingestellte systemische Hypertonie, die bei 63,6 % der RVV-Pa-
Das klinische Bild, die Prognose und der Therapieerfolg sind von der tienten im Vergleich zu 36,2 % der Kontrollprobanden vorkommt. Dia-
Form, Lokalisation und dem Ausmaß der Netzhautischämie abhängig. betes mellitus wurde signifikant häufiger bei Patienten mit einem ZVV
Anhand der Fläche der ischämischen Netzhaut, die mittels Fluoreszen- aber nicht mit einem VAV gefunden. Deswegen ist bei der Abklärung
zangiographie (FAG) beurteilt wird, werden Venenverschlüsse in zwei und Einstellung der systemischen Risikofaktoren eine enge Zusammenar-
Kategorien unterteilt Ein ischämischer Verschluss ist definiert durch eine beit mit dem Internisten oder dem Hausarzt erforderlich.
Fläche der ischämischen Netzhautbereiche, die bei ZVV mehr als 10 Hypermetropie und Glaukom stellen die lokalen augenärztlichen Risi-
und beim VAV fünf Papillenflächen beträgt oder durch das Vorhanden- kofaktoren dar.
sein von Neovaskularisationen an der Papille, Netzhaut und/oder Vor allem bei jungen Patienten wird in der Pathogenese eines RVV oft
einer Rubeosisiridis. die Rolle der Gerinnungsstörungen diskutiert. Die zu dieser Problematik
 publizierten Arbeiten sind aufgrund methodischer Unterschiede schlecht
 untereinander vergleichbar.
 Von den Gerinnungsstörungen, die vermutlich in der Pathogenese des
 RVV eine Rolle spielen, konnte eine signifikante Rolle nur für die Resistenz
 gegen aktiviertes Protein-C (APC-Resistenz) und das Antiphospholipid-
 syndrom (APS) nachgewiesen werden. Eine Abklärung der Gerinnungs-
 störungen wird nur bei Patienten empfohlen, bei denen keine systemi-
 schen kardiovaskulären Risikofaktoren vorliegen und die eine positive ei-
 gene oder Familienanamnese für ein thromboembolisches Ereignis ha-
 ben. Bei Nachweis einer Gerinnungsstörung wird die Zusammenarbeit
 mit einem Hämatologen empfohlen, um die Notwendigkeit einer pro-
 phylaktischen Antikoagulation zu beurteilen, die eine Re-Thrombose in
 Abb.1: Fundusbild eines anderer Lokalisation verhindern soll.
 Venenastverschlusses
 Makulaödem – wichtigste Ursache der Visusminderung
 Die wichtigste Ursache für die Sehverschlechterung bei RVV-Patienten
 ist das Makulaödem. Weitere mögliche Komplikation eines RVV stellt
 die Ausbildung der Neovaskularisationen dar, die zu einer Glaskör-
 pereinblutung, einer traktiven Netzhautablösung oder zu einem Neo-
 vaskularisationsglaukom führen kann.
 Der primäre Mechanismus, der zur Entstehung des Makulaödems
 führt, ist der Zusammenbruch der Blut-Retina-Schranke. VEGF ist der
 wichtigste Faktor, der in der ischämischen Netzhaut die vaskuläre Per-
 meabilität erhöht. Die Gefäßpermeabilität wird weiterhin durch zahl-
 reiche entzündliche Mediatoren, wie z. B. Interleukine, erhöht.

 Aktuelle Behandlungsstrategie
 Abb.2: Fundusbild eines Für eine kausale Therapie des RVV, wie zum Beispiel mittels Fibrinolyse
 Zentralvenenverschlusses oder Antikoagulation liegt derzeit nur eine schwache Evidenz und

 15
daher keine Allgemeinempfehlung vor. Auch die Empfehlung zur delten Augen ein Augendruckanstieg von mindestens 10 mmHg be-
Durchführung einer Hämodilution bei ZVV-Patienten muss im Hinblick obachtet. Die kritische Phase war jeweils der Zeitpunkt der maximalen
auf die seit kurzem nicht mehr vorliegende Zulassung für HAES kritisch Wirkung ca. 60 Tage nach der Injektion. Bei 25,5 % aller Patienten
betrachtet werden. musste während der verblindeten Phase der Studie eine
Die aktuelle Therapie ist ausgerichtet auf die Behandlung der Sekun- drucksenkende Lokaltherapie nach der ersten Implantation begonnen
därkomplikationen eines RVV wie Makulaödem und Neovaskularisa- werden. Weitere 10% kamen nach der 2. Implantation hinzu. Eine Ka-
tionen (Abb. 3). Die Diagnosesicherung eines Makulaödems und die taraktprogression wurde dokumentiert bei 29.8 % der phaken Augen,
Verlaufskontrollen während und nach der Behandlung sollten mittels die eine wiederholte Dexamethason-Implantation erhielten.
optischer Kohärenztomographie (OCT) erfolgen. Damit wird ermög-
licht, das Ansprechen und den Erfolg der Therapie exakt zu dokumen- Anti-VEGF-Medikamente
tieren und zu vergleichen. Zwei Anti-VEGF-Medikamente (Ranibizumab und Aflibercept) verfügen
 derzeit über eine europäische Zulassung zur Behandlung eines Maku-
 laödems in Folge eines RVV.
 Für die Behandlung von RVV Patienten mit Ranibizumab liegen die Er-
 gebnisse der multizentrischen, Phase III-Studien (BRAVO für VAV und
 CRUISE für ZVV) vor. In beiden Studien wurden die Wirksamkeit und Si-
 cherheit der monatlichen Applikation von Ranibizumab über einen Zeit-
 raum von 12 Monaten mit dem Verlauf in der Scheininjektion-Gruppe
 (in den ersten 6 Monaten, danach mit Ranibizumab) verglichen. In der
 Studie BRAVO konnten die Patienten nach drei Monaten zusätzlich mit
 Grid-Laserphotokoagulation behandelt werden. Nach Abschluss der er-
 sten 12 Monate in der BRAVO und CRUISE Studie konnten die Patienten
 in eine Extensionsstudie eingeschlossen werden (HORIZON Studie).
 Man kann zusammenfassen, dass die CRUISE, BRAVO und
 HORIZON Studien eine signifikante Wirksamkeit der intravitrealen In-
 jektionen von Ranibizumab zur Behandlung eines Makulaödems
 infolge eines RVV zeigten. Bei VAV Patienten konnte in diesen Studien
Abb.3: Neovaskularisationen der Papille als Komplikation eines ischämischen ZVV der erreichte Visusgewinn über zwei Jahre lang erhalten werden. Bei
 ZVV Patienten kam es im ersten Behandlungsjahr zur Visusstabili-
In Deutschland verfügen aktuell drei Medikamente über die Zulassung sierung. Im zweiten Jahr jedoch zur Visusreduktion, was durch die nicht
zur Behandlung des Makulaödems infolge eines RVV. Seit 2010 steht der Zulassung entsprechende Verlängerung des Kontrollintervalls von
das Dexamethason-Applikationssystem (OZURDEX®, Allergan) zur einem auf drei Monate erklärt werden kann..Es ist also erforderlich,
Verfügung, im Juni 2011 wurde der VEGF-Inhibitor Ranibizumab (Lu- ZVV Patienten engmaschig zu kontrollieren und bei Zeichen für ein Ma-
centis®, Novartis) zugelassenSeit Ende August 2013 liegt die Zulas- kulaödemrezidiv oder persistierende intraretinale Flüssigkeit
sung von Aflibercept (Eylea®, Bayer) vor. Aflibercept ist allerdings nur konsequent die Reinjektion vorzunehmen. Die Unterschiede zwischen
zur Behandlung von Patienten mit einem ZVV zugelassen, nicht aber VAV und ZVV im Bedarf für Re-Injektionen bestätigte auch die Retain-
für die Behandlung der VAV. Studie, in der Patienten insgesamt 34 Patienten mit einem VAV und 32
 ZVV-Patienten aus der Horizon-Studie prospektiv über einen Zeitraum
Intravitreale Steroide von weiteren 2 Jahren untersucht wurden. Abweichend zur Zulassung
Die intravitreale Anwendung von Dexamethason wurde in einer multi- erfolgten die Kontrolltermine im ersten Jahr der Retain-Studie monatlich,
zentrischen, prospektiven und randomisierten Phase III-Studie (GENE- im zweiten Jahr mindestens alle 3 Monate. Beim Auftreten von intrare-
VA-Studie) getestet, in der innsgesamt 1256 Patienten mit einem nicht- tinaler Flüssigkeit musste re-injiziert werden. Bei den VAV Patienten wur-
ischämischen VAV oder ZVV bis zu einem Verschlussalter von 9 de in den 76% der Fälle die letzte Ranibizumab Injektion innerhalb
Monaten behandelt wurden. Im ZVV-Arm ebenso auch im VAV-Arm von 2 Jahren nach Therapiebeginn notwendig. Im Gegensatz dazu
wurde 6 Monate nach der Applikation von Ozurdex ein signifikanter waren bei 56% der ZVV Patienten erneute Ranibizumab Applikationen
Visusanstieg durch eine Ödemreduktion nachgewiesen. Bei 85% der wären der gesamten Beobachtungszeit von 4 Jahren erforderlich.
Patienten, die initial ein Dexamethason-Implantat erhalten hatten, er-
folgte eine zweite Applikation. Zu den relevanten Nebenwirkungen Aflibercept zur Behandlung des ZVV
gehörten der Augendruckanstieg und die Kataraktprogression. Inner- Die Wirksamkeit und Sicherheit von Aflibercept bei Patienten mit ZVV
halb von 12 Monaten wurde bei insgesamt 33% aller initial behan- wurde in den Studien COPERNICUS (in den USA) und GALILEO (in

16
Europa) untersucht. In der Behandlungsgruppe erhielten die Patienten Die Patienten der experimentellen Gruppe erhielten eine Ranibizumab-
über einen Zeitraum von 6 Monaten monatlicheine Injektion mit 2 mg Applikation kombiniert mit einer selektiven Laserphotokoagulation der
Aflibercept. In der Kontrollgruppe wurden monatliche Scheininjektionen ischämischen Netzhautareale, die Kontrollgruppe wurde mit einer Ra-
durchgeführt. nibizumab-Monotherapie behandelt.
Von der GALILEO Studie wurden aktuell die 12 Monats Ergebnisse ver- Im Monat 12 erreichten die Patienten mit zusätzlicher Lasertherapie
öffentlicht. In Monat 12 wurde in der Behandlungsgruppe (nach mo- eine Visusbesserung von 14,0 ETDRS-Buchstaben im Vergleich zu 6,5
natlichen Aflibercept Injektionen) ein Visusgewinn von 16,9 Buch- Buchstaben im Kontrollarm. Diese Pilotstudie weist darauf hin, dass
staben dokumentiert. In der Kontrollgruppe verbesserte sich der Visus eine selektive Laserphotokoagulation der ischämischen
ohne Behandlung (Scheininjektionen) um 3,8 Buchstaben. Netzhautareale in Kombination mit Ranibizumab-Applikationen die Vi-
 susprognose der ZVV-Patienten verbessert. Wegen der geringen Pa-
Stellenwert der Laserphotokoagulation in der Ära der intravitrealen- tientenzahl sind jedoch die beschriebenen Unterschiede nicht
Injketionen signifikant und es muss eine größere Studie mit ausreichender Anzahl
Entsprechend der Ergebnisse der BranchVeinOcclusion Study Group der ZVV-Patienten durchgeführt werden.
(BVOSG) galt die gitterförmige zentrale Laserphotokoagulation (Grid-
Laserphotokoagulation) bei VAV-Patienten, bei denen ein Makulaödem Pars plana Vitrektomie in der Behandlung der RVV Patienten
mit einem Visus ≤0,5 über einen Zeitraum vonmehr als drei Monaten Die chirurgischen Techniken gehören bei den RVV Patienten nach der
vorliegt, als Goldstandard in der Behandlung von VAV Patienten. Der Einführung der intravitreal Applizierten Medikamente nicht mehr zu
positive Effekt dieser Methode auf die Sehschärfe wurde nur beim VAV, den Methoden der ersten Wahl. Da ein chronisches und rezidivieren-
nicht aber beim ZVV oder Hemi-ZVV gezeigt. Da der Effekt der GRID des Makulaödem oft eine sekundäre (reaktive) epiretinale Gliose aus-
Lasertherapie im Vergleich zur Behandlung mit Anti-VEGF Injektionen löst, ist für einige Patienten die Durchführung einer pars plana Vitrekto-
signifikant geringer ist, wird die Lasertherapie nur als Second-Line-The- mie mit Peeling der pucker- und MLI-Membran eine sinnvolle Therapie
rapie bei Patienten empfohlen, die auf diese Behandlung nicht ausrei- zur Behandlung des chronischen Ödems, das durch diese mechanische
chend ansprechen. Anders ist der Stellenwert der GRID-Laserphotoko- Komponente bedingt ist.
agulation bei der Ozurdex-Therapie. Bei VAV Patienten, die eine Ozur-
dex-Implantation erhielten kann durch diese Laser-Therapie eine zu-
sätzliche Visusbesserung erreicht werden.
Eine sektorale Laserphotokoagulation der Netzhautperipherie (Scatter
Laserphotokoagulation) ist indiziert bei einem ischämischen RVV mit
aktiven Neovaskularisationen und soll eine Glaskörpereinblutung oder
die Entwicklung eines Sekundärglaukoms verhindern. Bei schlechter
Adhärenz kann bei ischämischen RVV eine prophylaktische Laserbe-
handlung vorgenommen werden allerdingst liegt für diese Empfehlung
keine sichere Evidenz vor. Die bisher einzige publizierte randomisierte
Studie der Central VeinOcclusion Study Group (CVOSG) fand im Hin-
blick auf die Häufigkeit der Spätkomplikationen keinen Nutzen dieser
prophylaktischen Laserphotokoagulation.
 Netzhautchirurgisches Team der Augenklinik:
Selektive Laserphotokoagulation der peripheren Ischämie – CoRaLa
Studie Prof. Dr. A. Joussen (CVK, CBF)
Es wurde gezeigt, dass VEGF und andere entzündliche Mediatoren,
die in der Pathogenese des Makulaödemseine Rolle spielen, überwie- Oberärzte
gend in den ischämischen Netzhautarealen exprimiert werden. Des- Dr. B. Müller (CVK)
wegen wird vermutet, dass eine Kombination der Anti-VEGF-Therapie Dr. S. Winterhalter (CVK)
mit einer Laserphotokoagulation der ischämischen Netzhautareale die PD Dr. A. Hager (CBF)
Visusergebnisse der ZVV-Patienten verbessern könnte. PD Dr. M. Rehak (CBF)
In der Pilotstudie CoRaLa (Combination of Ranibizumab and Laser
photocoagulation) wurde die Effektivität und Sicherheit einer kombi- Fachärzte
nierten Therapie mit Ranibizumab und selektiver Laserphotokoagulation Dr. I. Seibel (CBF)
der ischämischen Netzhautarealen bei Patienten mit Makulaödem in Dr. J. Klein (CBF)
Folge eines ZVV untersucht. Dr. J. Schlomberg (CVK)

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