Elektrokonvulsionstherapie bei depressiven Störungen

 
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Elektrokonvulsionstherapie bei depressiven Störungen
Journal für

 Neurologie, Neurochirurgie
 und Psychiatrie
             www.kup.at/
 JNeurolNeurochirPsychiatr   Zeitschrift für Erkrankungen des Nervensystems

Elektrokonvulsionstherapie bei
                                                                               Homepage:
depressiven Störungen
                                                                       www.kup.at/
Baghai TC, Eser D, Möller HJ                                     JNeurolNeurochirPsychiatr

Nothdurfter C, Rupprecht R                                             Online-Datenbank
                                                                         mit Autoren-
Schüle C
                                                                      und Stichwortsuche
Journal für Neurologie
Neurochirurgie und Psychiatrie
2005; 6 (4), 20-28

                                                                                            Indexed in
                                                               EMBASE/Excerpta Medica/BIOBASE/SCOPUS

 Krause & Pachernegg GmbH • Verlag für Medizin und Wirtschaft • A-3003 Gablitz
 P.b.b. 02Z031117M,            Verlagsor t : 3003 Gablitz, Linzerstraße 177A /21           Preis : EUR 10,–
Elektrokonvulsionstherapie bei depressiven Störungen
DGfE 2022

60. Jahrestagung der DGfE
   27.–30. APRIL 2022 l Leipzig                                           © Jakob Fischer l shutterstock

   www.epilepsie-tagung.de                AbstrAct DEADlinE 09. DEzEmbEr 2021

                             73. Jahrestagung
                             Deutsche gesellschaft für neurochirurgie

                             abstract Deadline: 04. Januar 2022
                  Joint Meeting mit der griechischen gesellschaft für neurochirurgie
                             www.dgnc-kongress.de
Elektrokonvulsionstherapie bei depressiven Störungen
Elektrokonvulsionstherapie bei depressiven Störungen
                              T. C. Baghai, D. Eser, C. Schüle, C. Nothdurfter, H.-J. Möller, R. Rupprecht

     Trotz beträchtlicher Erweiterung der pharmakotherapeutischen Möglichkeiten in der Behandlung depressiver Erkrankungen und trotz Berücksichti-
     gung aktueller Erkenntnisse bezüglich der guten Wirksamkeit psychotherapeutischer Verfahren kann auch heute auf ein bereits vor 67 Jahren entwik-
     keltes Therapieverfahren noch nicht verzichtet werden. Eine Wirklatenz von meist mehreren Wochen sowie eine nicht unbeträchtliche Quote an
     behandlungsresistenten Depressionen stellen auch heute noch ernstzunehmende Probleme dar.
         Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist ein nichtpharmakologisches biologisches Behandlungsverfahren, dessen ausgezeichnete Wirksamkeit
     vor allem bei depressiven Störungsbildern, aber auch bei Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis in einer Vielzahl von kontrollierten
     Untersuchungen gut belegt werden konnte. Dies gilt nicht nur für Akutbehandlungen, die EKT kann auch im Rahmen einer Erhaltungstherapie zur
     Rezidivprophylaxe eingesetzt werden.
         Zudem sind Sicherheit und Verträglichkeit der Behandlung durch umfangreiche Modifikationen der Stimulationstechnik sowie durch die umfassenden
     Fortschritte der Anästhesiologie stetig verbessert worden. Somit konnten in den letzten Jahren viele Kontraindikationen weitgehend relativiert wer-
     den, sodaß heute auch Patienten mit erhöhten somatischen Risiken eine sichere Behandlung angeboten werden kann.
         Neueste Forschungsergebnisse führten zwar neben einem besseren Verständnis möglicher Wirkmechanismen der EKT zu einer sicheren und gut
     verträglichen Behandlung, konnten jedoch das eigentliche Wirkprinzip der Behandlung immer noch nicht vollständig klären.
         Trotzdem darf diese wirksame Therapieoption vor allem jenen schwer kranken Patienten, die durch andere Behandlungsformen, wie z. B. eine
     intensive kombinierte Pharmako- und Psychotherapie, keine ausreichende Besserung erfahren haben, nicht vorenthalten werden. Die EKT ist immer
     noch eine wichtige Therapieoption vor allem zur Behandlung pharmakotherapieresistenter Depressionen. Andere nichtpharmakologische Behandlungen,
     wie z. B. die transkranielle Magnetstimulation, die Magnetkonvulsionstherapie sowie die Vagus-Nerv-Stimulation, befinden sich noch im Entwicklungs-
     stadium.
         Umfassende Aufklärung in Krankenhäusern, aber auch die zunehmend sachlichere Aufklärung in öffentlichen Medien könnten zu einer Entstig-
     matisierung von psychiatrischen Erkrankungen und speziellen Therapieformen, wie beispielsweise der EKT, führen.

                                 Schlüsselwörter: Elektrokonvulsionstherapie, EKT, Depression, antidepressive Therapieverfahren

     Electroconvulsive Therapy in Depressive Disorders. In spite of recent developments in the pharmacotherapy of depressive disorders and despite of all
     knowledge concerning efficacious psychotherapeutic options, it is not possible to give up a therapeutic option which was developed 67 years ago.
     The latency of several weeks until clinical improvement and the non-response rate of approximately 30 % to conventional antidepressant pharmaco-
     therapy are major problems which are still unresolved.
          Electroconvulsive therapy (ECT) is a non-pharmacologic biological treatment, which has been proven to be a highly effective treatment option
     predominantly for depression, but also for schizophrenia in a variety of controlled investigations. This is not only true in acute treatments; ECT can
     also be used for relapse prevention during maintenance therapies.
          In addition safety and tolerability of electroconvulsive treatment were enhanced using modified stimulation techniques and due to the progress in
     modern anesthesia. During the last years in former times absolute contraindications became relative. Thus, today a safe treatment can be offered also
     to patients with higher somatic risks.
          Recent research contributed to an enhancement of the knowledge of possible mechanisms of action of ECT and to a safer and well tolerable
     treatment. The final clarification of the underlying crucial mechanisms still remains unresolved.
          Nevertheless, this highly effective therapeutic option should not kept back especially from patients who are resistant to other treatments such as
     combined pharmaco- and psychotherapies. ECT still represents an important option in the treatment of therapy resistant depressions. Other non-
     pharmacological treatments like repetitive transcranial magnetic stimulation, magnetic seizure therapy and vagus nerve stimulation are currently still
     under development.
          Comprehensive information in hospitals but also the growing objective and unbiased information in the press and other media could contribute
     to fight prejudice and stigma of psychiatric disorders and specific therapies such as ECT. J Neurol Neurochir Psychiatr 2005; 6 (4): 20–8.
                                         Key words: electroconvulsive therapy, ECT, depression, antidepressant therapies

     T   rotz aller Fortschritte der letzten Jahre stellt die Thera-
         pie depressiver Erkrankungen immer noch eine be-
     trächtliche Herausforderung dar. Ein besonderes Problem
                                                                                  Diese entwickelte sich zunächst aus konvulsiven Thera-
                                                                                  pieformen, bei denen pflanzliche Präparate, beispielswei-
                                                                                  se Helleborin aus der schwarzen Nieswurz (Helleborus
     der antidepressiven Pharmakotherapie ist eine regelhaft                      niger), zum Einsatz kamen. Vermutlich ab dem 16. Jahr-
     auftretende, mehrwöchige Latenz bis zum Eintreten der                        hundert (Paracelsus), sicher jedoch ab dem 18. Jahrhun-
     antidepressiven Wirkung bei allen bislang erhältlichen                       dert (Auenbrugger, Oliver) wurde Kampfer und ab 1934
     Präparaten. Die Nichtansprechquote bei antidepressiven                       Cardiazol (Meduna) verwendet, um die Konvulsionsthera-
     Pharmakotherapien liegt trotz aller Neuentwicklungen der                     pie besser steuern zu können. 1938 wurde durch Cerletti
     letzten Jahre weiterhin bei ca. 30 % [1]. Auch verschiede-                   und Bini erstmals ein epileptischer Anfall durch elektri-
     ne neue, derzeit noch experimentelle Therapieverfahren,                      sche Stimulation ausgelöst, um einen schizophrenen Pati-
     wie beispielsweise die transkranielle Magnetstimulation,                     enten zu behandeln (Tab. 1). Da zu dieser Zeit keine ande-
     konnten diese Quote nicht in klinisch relevanter Weise                       re somatische Therapie depressiver Erkrankungen etabliert
     beeinflussen. Die einzigen etablierten biologischen, nicht-                  war, wurden in den 1940er Jahren auch die ersten depres-
     pharmakologischen Behandlungsoptionen, die eine schnel-                      siven Patienten durch eine Elektrokonvulsionstherapie ef-
     lere antidepressive Wirksamkeit aufweisen, sind bislang                      fektiv behandelt [2]. Durch die erstmalige Einführung ei-
     die nur als Augmentationsverfahren eingesetzte Wachthe-                      ner biologischen Therapie depressiver Erkrankungen
     rapie und die Elektrokonvulsionstherapie (EKT).                              konnten die Mortalität und die Rate chronifizierter Erkran-
                                                                                  kungen gesenkt werden [3–7]. Nach Etablierung der
     Aus der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie,            Antidepressiva im Gefolge der Einführung des Imipramins
     Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland             (1958) ging die Anwendungshäufigkeit der EKT zurück.
     Korrespondenzadresse: Dr. med. Thomas C. Baghai, Klinik und Poli-
     klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Klinikum der Ludwig-              Auch die Einführung der besser verträglichen unilateralen
     Maximilians-Universität München, D-80336 München, Nußbaum-                   Stimulation (Goldmann, D’Elia), die Entwicklung von
     straße 7; E-Mail: baghai@med.uni-muenchen.de                                 Kurzpulsstimulationsgeräten, welche die älteren Sinus-

20   J. NEUROL. NEUROCHIR. PSYCHIATR. 4/2005

              For personal use only. Not to be reproduced without permission of Krause & Pachernegg GmbH.
Elektrokonvulsionstherapie bei depressiven Störungen
Tabelle 1: Entwicklung der Elektrokonvulsionstherapie                   Tabelle 2: Indikationen für eine Elektrokonvulsionstherapie

1934   Ciauzzi        Tierexperimentelle Untersuchung der sicheren      Therapie der 1. Wahl
1936   Bini           Auslösung generalisierter Konvulsionen durch      • Febrile Katatonie
                      elektrische Stimulation
                                                                        • Malignes neuroleptisches Syndrom
1938   Cerletti       1. italienischsprachige Publikation über eine     • Schwere depressive Episode (mit nicht beherrschbarer Suizidalität,
                      sichere elektrische Krampfauslösung beim            psychotischen Symptomen, depressivem Stupor)
                      Menschen                                          • Schizoaffektive und schizophrene Psychosen (mit nicht beherrsch-
       Bini           1. Publikation in englischer Sprache                barer Positivsymptomatik, akuter Selbst- oder Fremdgefährdung, bei
                                                                          Unverträglichkeit einer neuroleptischen Therapie)
1939   Kalinowski     Einführung der EKT in den USA                     • Bekannte Unverträglichkeit von Psychopharmaka bei depressiven
                                                                          und schizophrenen Erkrankungen
1940   Almansi und    Durchführung der 1. EKT in den USA (New York)
       Impastato                                                        Therapie der 2. Wahl
                                                                        • Therapieresistente Depression
       Goldman        Durchführung der 1. EKT mit unilateraler Stimu-
                      lation                                            • Therapieresistente schizoaffektive Störung
                                                                        • Therapieresistente Schizophrenie
1983   D’Elia         Weiterentwicklung der unilateralen Stimulation;   • Therapieresistente Manie
                      Einführung von Allgemeinanästhesie und Mus-       • Therapieresistentes depressives Syndrom oder psychotische Sympto-
                      kelrelaxation                                       me bei organischer Grunderkrankung

                                                                        Ultima ratio
wellenstimulatoren abgelöst haben, sowie die regelhafte                 • Therapieresistentes Zwangssyndrom
Anwendung der Allgemeinanästhesie mit Muskelrelaxa-                     • Dyskinesien
tion veränderte trotz besserer Verträglichkeit und erhöh-               • Therapieresistentes Gilles-de-la-Tourette-Syndrom
ter Sicherheit der Behandlung diesen Trend nicht. Wei-                  • Epilepsie
terhin blieb jedoch über viele Jahre die Wirksamkeit der                • M. Parkinson
EKT in der Therapie depressiver Erkrankungen ein Maßstab
zur Beurteilung der Wirksamkeit einer Pharmakotherapie
[2].                                                                    der Behandlung entstanden sind. Auch als Therapie der
                                                                        zweiten Wahl, bei pharmakotherapieresistenten psychia-
Nach diesen Entwicklungsschritten kann daher die EKT als                trischen Störungen, wird sie häufig zu spät bei der Aus-
die gezielte Auslösung einer Behandlungsserie generali-                 wahl möglicher Therapiealternativen berücksichtigt. Indi-
sierter zerebraler Krampfanfälle unter kontrollierten Bedin-            kation der ersten Wahl ist die EKT heutzutage nur noch
gungen definiert werden. Es ist heute klinischer Standard,              selten, am häufigsten wird sie bei pharmakotherapieresi-
diese Stimulation bei Allgemeinanästhesie und Muskel-                   stenten psychiatrischen Störungsbildern eingesetzt. Aus
relaxation sowie mit Kurzpulsstimulationsgeräten durch-                 klinischer Sicht kommt sie aber trotz fehlender kontrollier-
zuführen.                                                               ter Untersuchungen auch bei einigen psychiatrischen und
                                                                        neurologischen Krankheitsbildern als ultima ratio in Frage.
                     Wirkmechanismen                                    Eine Übersicht der derzeit üblichen Indikationen ist Tabel-
                                                                        le 2 zu entnehmen.
Durch wiederholte Induktion von Grand-mal-Anfällen im
Rahmen einer EKT kommt es zu Veränderungen der sero-                    Therapie der ersten Wahl
tonergen, adrenergen, dopaminergen, cholinergen, GABA-                  Nur selten wird EKT als Therapie der ersten Wahl einge-
ergen und glutamatergen Neurotransmission. Die Konzen-                  setzt, bei Vorliegen eines depressiven Stupors kann aller-
trationen von Adenosin, endogenen Opioiden, Neurotro-                   dings eine vitale Indikation ähnlich einer perniziösen Ka-
phinen und Neuropeptiden verändern sich. Hormone der                    tatonie vorliegen. Diese Patienten sind aufgrund der Ver-
Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsen- und -Neben-                       weigerung von Flüssigkeit und Nahrung, sowie aufgrund
nieren-Achse sind in veränderter Konzentration meßbar.                  der Bettlägerigkeit durch eine erhöhte Thromboseneigung,
Beispielsweise wird nach akuter Stimulation der Kortisol-               vital gefährdet. Die Zufuhr von Flüssigkeit und Nahrung
Sekretion durch eine EKT der häufig bei depressiven Pati-               über eine Magensonde oder auf parenteralem Weg ist
enten beobachtete Hyperkortisolismus langfristig reduziert              langfristig nicht immer problemlos möglich. Da die Durch-
und normalisiert. Zusätzlich lassen sich Veränderungen                  führung einer EKT die schnellste und hinsichtlich der Effi-
bei Transkriptionsfaktoren, Mediatoren, Second- und Third-              zienz der Behandlung auch sicherste Möglichkeit ist, die-
Messenger-Systemen nachweisen (Übersicht in [8]). Wel-                  sen Patienten zu helfen [9], muß sie bei der Therapiepla-
che dieser vielfältigen Veränderungen im einzelnen oder                 nung in Erwägung gezogen werden. Auch eine vitale Be-
in Kombination die Effektivität der EKT bei der Behand-                 drohung durch akute und manchmal auch im Rahmen be-
lung depressiver Erkrankungen bedingen, ist trotz intensi-              schützter Stationen kaum zu kontrollierende Suizidalität
ver wissenschaftlicher Bemühungen bislang noch nicht                    kann eine Indikation zur Durchführung einer EKT vor an-
geklärt.                                                                deren Therapiemaßnahmen darstellen [2].

                         Indikationen                                   Weiterhin kann bei Unverträglichkeit einer antidepressi-
                                                                        ven Pharmakotherapie bzw. bei Unverträglichkeit einer
Indikation für eine EKT ist meist die Akutbehandlung phar-              neuroleptischen Therapie bei einer schweren Depression
makotherapieresistenter psychiatrischer Krankheitsbilder.               mit psychotischen Symptomen die EKT eine raschere und
Im Gegensatz zur Anwendung in den USA, in Großbritan-                   gefahrlosere Therapieoption im Vergleich zur alleinigen
nien und in den skandinavischen Ländern wird die EKT in                 Pharmakotherapie darstellen. Die Durchführung einer EKT
Deutschland derzeit nur selten als Therapie der ersten                  kann auch bei zusätzlich schwer somatisch erkrankten
Wahl eingesetzt. Ursache dafür sind häufig Vorurteile, die              Patienten eine verträglichere und sichere therapeutische
durch Unkenntnis der zeitgemäßen Art der Durchführung                   Intervention sein [10–12].

                                                                                             J. NEUROL. NEUROCHIR. PSYCHIATR. 4/2005           21
Elektrokonvulsionstherapie bei depressiven Störungen
Trotzdem muß bei der aktuell im deutschen Sprachraum                                Kontraindikationen
     üblichen Verordnungspraxis die Frage gestellt werden, ob
     das Angebot, eine EKT durchzuführen, auf Patienten be-        Absolute Kontraindikationen für die Durchführung einer
     schränkt bleiben soll, die unter einer schweren pharmako-     EKT gibt es derzeit durch die Weiterentwicklung anästhe-
     therapieresistenten Depression leiden oder zusätzlich so-     siologischer Methoden nicht mehr. Entscheidend für eine
     matisch schwer erkrankt sind. Durch dieses Prinzip der        sichere Durchführung der Behandlung ist aber weiterhin
     eingeschränkten Indikationsstellung wird vor allem Pati-      die Narkosefähigkeit der Patienten. Generell muß vor je-
     enten, die noch nicht unter einer Chronifizierung ihrer Er-   der Behandlung eine individuelle Nutzen-Risiko-Analyse
     krankung leiden, die nachweislich wirksamste Therapie-        durchgeführt werden, bei der die interdisziplinäre Zusam-
     möglichkeit ihrer Depression zunächst für mehrere Wo-         menarbeit der Fächer Psychiatrie, Anästhesie und gege-
     chen bis Monate vorenthalten. Es wird vermutet, daß in        benenfalls auch der Inneren Medizin, Neurologie, Neurochir-
     Deutschland nur jeder 25. Patient, bei dem eine EKT indi-     urgie, Chirurgie und Orthopädie von entscheidender Bedeu-
     ziert wäre, diese Behandlung auch erhält [13, 14]. Gerade     tung ist. Ein erhöhtes somatisches und Anästhesierisiko
     bei depressiven Erkrankungen sind Dauer und Chronizität       muß der Risikoerhöhung durch die Verzögerung einer aller
     der Indexepisode ein negativer Prädiktor des weiteren         Wahrscheinlichkeit nach effektiven Behandlung der psy-
     Krankheitsverlaufes hinsichtlich der Entwicklung einer        chiatrischen Grunderkrankung gegenübergestellt werden.
     Therapieresistenz, sowohl gegenüber einer Pharmakothe-        Patienten und Angehörige müssen über erhöhte somati-
     rapie als auch gegenüber einer EKT [15–17]. Daher sollte      sche und psychiatrische Risiken umfassend aufgeklärt wer-
     jedem geeigneten Patienten das Angebot, eine EKT durch-       den. Eine Übersicht somatischer Faktoren, die eine Risiko-
     führen zu lassen, frühzeitig zur Verfügung stehen.            erhöhung bedingen können, ist in Tabelle 3 zusammenge-
                                                                   stellt.
     Therapie der zweiten Wahl
     Die häufigste Indikationsstellung zur Elektrokonvulsions-
     therapie bei depressiven Patienten ist die Antidepressiva-         Wirksamkeit bei depressiven Erkrankungen
     resistenz [18–21]. Obwohl es keine verbindlich festgeleg-
     ten Definitionen gibt, kann von einer Pharmakotherapie-       Depressive Episoden bei bipolaren affektiven Störungen
     resistenz ausgegangen werden, wenn zwei mindestens            (ICD-10: F31.3–F31.5)
     4wöchige Phasen einer medikamentösen antidepressiven          Die EKT ist eine effektive biologische Therapieform, die
     Behandlung unterschiedlicher pharmakologischer Wirk-          zur Behandlung depressiver Episoden gut geeignet ist. Ob
     prinzipien in ausreichend hoher Dosierung ohne therapeu-      diese im Rahmen einer bipolaren Störung oder im Rahmen
     tischen Effekt verstrichen sind [20, 22]. Sinnvoll ist auch   einer monopolaren Depression auftreten, scheint für die
     die Integration von Augmentationsverfahren, vor allem der     Effektivität der Behandlung keine wesentliche Rolle zu
     Lithiumaugmentation in diese Definition. Allerdings wird      spielen [2]. Wie bei jedem effizienten antidepressiven
     in Deutschland selbst in Kliniken mit umfangreichen EKT-      Therapieverfahren ist allerdings ein erhöhtes „Switch-Risi-
     Erfahrungen die Indikation zur EKT nur selten direkt nach     ko“ mit einem möglichen Stimmungsumschlag in ein hypo-
     dem Erreichen der Kriterien der Pharmakotherapieresistenz,    manes oder manisches Syndrom zu beachten [32, 33]. Im
     sondern meist sehr viel später als es der Zeitrahmen dieser   Gegensatz zu einer antidepressiven Pharmakotherapie
     Definition vermuten läßt, gestellt. Bei Einsatz der EKT bei   kann jedoch in diesem Falle die Behandlungsserie fortge-
     dieser Patientengruppe ist die Responserate etwas niedri-     setzt werden, da dann die antimanische Wirksamkeit der
     ger als bei Verwendung der EKT als Primärtherapie [17, 18],   EKT zum Tragen kommt. Außerdem kann es trotz mög-
     jedoch immer noch deutlich höher als bei alleiniger phar-
     makotherapeutischer Intervention [23–25]. Dies gilt vor
     allem auch bei Depressionen mit psychotischen Sympto-         Tabelle 3: Relative Kontraindikationen für eine Elektrokonvulsionstherapie
     men, selbst wenn eine adäquate antidepressive und antipsy-
                                                                   •   Erhöhter Hirndruck*
     chotische Pharmakotherapie durchgeführt wurde [26, 27].
                                                                   •   Frischer Hirninfarkt (nicht älter als 3 Monate)*
                                                                   •   Frischer Myokardinfarkt (nicht älter als 3 Monate)*
     Ebenso können nicht tolerable, unerwünschte Arzneimit-
                                                                   •   Intrazerebrale Raumforderung mit Begleitödem*
     telwirkungen und Interaktionen einer Pharmakotherapie
                                                                   •   Lebensbedrohliches Anästhesierisiko*
     mit somatischen Begleiterkrankungen oder einer somati-
                                                                   •   Kardiovaskuläre Erkrankungen (Herzrhythmusstörungen, instabile
     schen Begleitmedikation Gründe für die Umstellung der             Angina pectoris, Z. n. Myokardinfarkt, Herzklappenfehler, Herz-
     antidepressiven Therapie auf eine EKT sein [2, 28]. Eine          insuffizienz, schwer beherrschbare Hyper- oder Hypotonie,
     Symptomverschlechterung unter einer antidepressiven               Aortenaneurysma)
     Pharmakotherapie mit neu auftretender oder intensivierter     •   Andere internistische Erkrankungen (Blutgerinnungsstörung,
     Suizidalität kann auch eine Indikation für eine Behand-           schwere Lebererkrankung, schwere pulmonale Erkrankungen,
                                                                       Phäochromozytom)
     lungsumstellung und gegebenenfalls für die Durchführung
                                                                   •   Neurologische Erkrankungen (Hirntumoren, intrakranielle Blutungen,
     einer EKT sein [2].                                               vaskuläre Malformationen, zerebrale Ischämien, entzündliche ZNS-
                                                                       Erkrankungen, Hydrozephalus, dementielle Erkrankungen, Basal-
     Erhaltungstherapie und Rückfallprophylaxe                         ganglienerkrankungen, Z. n. Kraniotomie, Z. n. schwerem Schädel-
     Die längerfristige Durchführung einer EKT im Sinne einer          Hirn-Trauma)
     Erhaltungstherapie oder Rezidivprophylaxe sollte in Erwä-     •   Orthopädische Erkrankungen (Osteoporose)
     gung gezogen werden, wenn eine alleinige pharmako-            •   Ösophagushernie (Erhöhtes Anästhesierisiko bei Maskenbeatmung)
     therapeutische und psychotherapeutische Stabilisierung        •   Begleittherapie mit Pharmaka, welche das EKT-Risiko erhöhen oder
     nicht ausreicht, um einen weitgehend symptomfreien oder           die EKT-Wirksamkeit vermindern können (Antikoagulation, Lithium-
                                                                       therapie, Therapie mit MAO-Hemmern, Venlafaxin-Hochdosis-
     symptomarmen psychopathologischen Befund zu erhal-                therapie, Antikonvulsiva-Therapie, Benzodiazepin-Therapie, Theo-
     ten. Auch wenn aus der individuellen Krankengeschichte            phyllin-Therapie)
     eines Patienten ein solches Nichtansprechen bereits be-
     kannt und zu erwarten ist, kommt die Durchführung einer       * Früher als absolute Kontraindikation betrachtet; individuelle interdis-
                                                                   ziplinäre Nutzen-Risiko-Analyse erforderlich
     Erhaltungs-EKT in Frage [29–31].

22   J. NEUROL. NEUROCHIR. PSYCHIATR. 4/2005
Elektrokonvulsionstherapie bei depressiven Störungen
licher Unverträglichkeiten klinisch sinnvoll sein, durch       makotherapieresistenten Depressionen vorbehalten bleibt,
eine Kombinationstherapie mit Lithiumsalzen das erhöhte        wurden vor der EKT mindestens zwei adäquate antidepres-
Switch-Risiko zu senken [34]. Auch der kombinierte Ein-        sive Pharmakotherapieversuche, meist einschließlich einer
satz von Antiepileptika wie z. B. Valproat oder Carbama-       Lithiumaugmentation, durchgeführt. Bei Vorliegen psycho-
zepin als Stimmungsstabilisierer kann trotz der antikonvul-    tischer Symptome kann außerdem davon ausgegangen
siven Eigenschaft dieser Präparate in Erwägung gezogen         werden, daß auch die Kombination eines Neuroleptikums
werden, da die Durchführung einer erfolgreichen EKT            mit einem Antidepressivum verabreicht wurde. Parallel
trotzdem möglich ist [35–37].                                  fanden adäquate psychotherapeutische Bemühungen statt.

Depressive Episoden und rezidivierende depressive Stö-         Die Ansprechraten eines solchen Patientenklientels auf
rungen (F32–F33)                                               eine EKT werden meist mit 50–60 % angegeben [18, 51]
Offene und retrospektive Studien hatten nach Durchfüh-         und erreichen, wie aus einer Übersichtsarbeit von Dietz-
rung einer EKT Ansprechraten von 80–90 % berichtet [2].        felbinger et al. (1990) [13] ersichtlich ist, teilweise sogar
1964 wurde erstmals eine kontrollierte, doppelblinde Stu-      100 %. In einer Untersuchung von DeCarolis (1964) wur-
die publiziert, in der eine signifikante Überlegenheit der     den bei wenigen antidepressivaresistenten Patienten, die
EKT sowohl gegenüber einer Behandlung mit Placebo als          auf eine 4wöchige Imipramin-Therapie nicht respondiert
auch gegenüber der Behandlung mit trizyklischen Antide-        hatten, EKT-Ansprechraten zwischen 83 % und 85 % fest-
pressiva gezeigt werden konnte [38]. Weitere kontrollierte     gestellt [52]. Erhalten Patienten, welche das Kriterium der
Untersuchungen kamen zu dem gleichen Ergebnis [2, 9,           Pharmakotherapieresistenz nicht erfüllen, eine EKT als
39]. Eine mindestens ebenbürtige Wirksamkeit der EKT im        Therapie der ersten Wahl, so steigt die Ansprechrate auf
Vergleich zu trizyklischen Antidepressiva [23, 40] sowie       über 80–90 % [17, 18]. Diese Ansprechrate wird derzeit
zu Monoaminooxidase- (MAO-) Hemmern [23] wurde in              von keiner antidepressiven Pharmakotherapie erreicht.
weiteren Untersuchungen publiziert. In einer Metaanalyse
berichtete Janicak (1985) [41] von einer um 20 % besseren      Auch der Zeitablauf einer antidepressiven Pharmakothera-
Wirksamkeit der EKT im Vergleich zu trizyklischen Antide-      pie unterscheidet sich vom Verlauf einer EKT-Behandlungs-
pressiva sowie von einer 45 % besseren Wirksamkeit im          serie. Üblicherweise verstreichen ca. 4–6 Wochen, bis bei
Vergleich zu MAO-Hemmern. Allerdings muß einschrän-            gutem Ansprechen auf eine Pharmakotherapie eine voll-
kend erwähnt werden, daß die Kriterien der Durchführung        ständige Remission erreicht ist [53, 54]. Im Gegensatz da-
einer effizienten Pharmakotherapie nach gegenwärtigem          zu benötigt man bei Durchführung einer EKT, vor allem bei
Kenntnisstand von vielen dieser Untersuchungen nicht er-       frühzeitigem Einsatz bei noch nicht therapieresistenter
reicht werden [42]. Therapieempfehlungen für eine ad-          Depression, 8–9 Behandlungen [18, 55] bis zum Erreichen
äquate antidepressive Pharmakotherapie haben sich seither      einer ausreichenden Remission. Dies entspricht bei drei
hinsichtlich der Dosierungen, der Dauer der Behandlun-         Behandlungssitzungen pro Woche einem Zeitraum von bis
gen, möglicher Kombinationstherapien und eines geeigne-        zu drei Wochen. Somit ist im Vergleich zu einer pharmako-
ten Monitorings der Plasmaspiegel verändert [17, 43, 44].      logischen Therapie bei Durchführung einer EKT mit einem
Methodische Schwierigkeiten der Untersuchungen, wel-           schnelleren Ansprechen zu rechnen [56]. Allerdings ist bei
che die EKT direkt mit einer Pharmakotherapie verglei-         den Patienten mit antidepressivaresistenter Depression bis
chen, werden außerdem in einer Übersicht bei Abrams            zu einer vollständigen Remission meist von deutlich län-
(1982) [45] dargestellt. Auch der Effizienzvergleich einer     geren Zeiten auszugehen. Manchmal ist speziell bei diesen
EKT mit einer Lithiumaugmentation bei Patienten mit            Patienten während eines längeren stationären Aufenthalts
trizyklikaresistenter Depression erbrachte eine identische     lediglich ein gutes Ansprechen auf die Therapie mit deutli-
Effektivität [46]. Hinsichtlich der Geschwindigkeit des the-   cher Symptomreduktion auf unter 50 % des Ausgangs-
rapeutischen Ansprechens war in dieser Studie die Kombi-       niveaus, jedoch keine vollständige Remission zu erreichen.
nation eines Trizyklikums mit Lithium von Vorteil.             Zu einer vollständigen Remission kommt es häufig erst
                                                               nach mehrmonatiger pharmakologischer Anschlußbehand-
Kontrollierte Vergleiche der Wirksamkeit der EKT mit           lung, manchmal erst nach Entlassung aus der Klinik.
neueren Antidepressiva sind kaum zu finden, lediglich im
Vergleich zu einer Therapie mit Paroxetin [25] erschien        Anhaltende affektive Störungen (F34), „Double Depres-
die EKT bei Patienten mit einer antidepressivaresistenten      sion“ (F34.1 und gleichzeitig F32 oder F33)
Depression im Vorteil. Allerdings wurde die schlechtere        Eine „neurotische Depression“ oder eine reine Dysthymie
Wirksamkeit einer Monotherapie mit selektiven Serotonin-       nach aktueller Nomenklatur [57, 58] spricht nicht auf eine
wiederaufnahmehemmern im Vergleich zu trizyklischen            EKT an [2]. Allerdings ist bei Vorliegen der Kriterien einer
Antidepressiva gerade bei dieser Patientengruppe trotz         depressiven Episode oder einer rezidivierenden depressi-
teilweise kontroverser Meinungen mehrfach publiziert           ven Störung (F32–F33) eine Dysthymie in der Vorge-
[47, 48]. Kontrollierte Studien einer EKT im Vergleich zu      schichte kein negativer Prädiktor für das Ansprechen auf
modernen Antidepressiva, welche durch einen dualen             die Behandlung [2].
Wirkmechanismus gerade bei schweren und gegebenen-
falls auch bei bis dahin therapieresistenten Depressionen      Zwangsstörung (F42)
eingesetzt werden, gibt es bislang nicht. Allerdings fanden    Bei Patienten mit einer therapieresistenten Zwangsstörung
sich in retrospektiven Untersuchungen Hinweise darauf,         kann man vor allem dann ein Ansprechen auf eine EKT
daß auch eine Begleitpharmakotherapie mit Mirtazapin           erwarten, wenn gleichzeitig zu Zwangssymptomen eine
oder mit selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmern             starke affektive Komponente der Erkrankung vorliegt [59,
klinisch von Vorteil sein kann [49, 50].                       60]. Allerdings wurden auch gute Erfolge der EKT in der
                                                               Erhaltungstherapie einer Zwangsstörung berichtet [30].
Bei Beurteilung der Wirksamkeit einer EKT bei unipolaren
Depressionen muß die heute in Europa übliche Verord-           Persönlichkeitsstörung (F60)
nungspraxis und Indikationsstellung berücksichtigt wer-        Patienten mit einer komorbiden Persönlichkeitsstörung,
den. Da diese Behandlungsform meist Patienten mit phar-        welche die diagnostischen Kriterien einer depressiven Epi-

                                                                                 J. NEUROL. NEUROCHIR. PSYCHIATR. 4/2005       23
sode oder einer rezidivierenden depressiven Störung erfül-     Wenige Minuten nach dem Einleiten der Narkose erwa-
     len, sollte die EKT nicht generell vorenthalten werden [2].    chen die Patienten und werden, bis sie wieder vollständig
     Allerdings muß mit einer deutlich verringerten Ansprech-       bei Bewußtsein sind, noch für ca. 30 Minuten im Aufwach-
     rate gerechnet werden [61, 62]. Dem muß bei der Aufklä-        raum hinsichtlich der Vitalparameter (Blutdruck, Puls,
     rung dieser Patienten Rechnung getragen werden.                Atmung, Sauerstoffsättigung) überwacht, danach findet
                                                                    eine ca. 2- bis 3stündige Überwachung von Blutdruck und
     Organische depressive Störung (F06.3)                          Puls auf der Station statt. Im Anschluß daran nehmen die
     Patienten, welche unter einer „sekundären Depression“          Patienten ohne Einschränkungen am üblichen Therapie-
     als Folge einer organischen Erkrankung leiden, sprechen        programm der Klinik teil.
     generell auf rein symptomatische biologische Therapiefor-
     men, zu denen auch die EKT zählt, schlechter an, als Pati-               Sicherheit, Verträglichkeit und
     enten mit einer „primären Depression“, d. h. einer depres-                  unerwünschte Wirkungen
     siven Episode oder einer rezidivierenden depressiven Stö-
     rung [63–67]. Allerdings scheint die Durchführung einer        Generell ist die EKT als eine sehr gut verträgliche Therapie
     EKT bei Patienten mit einem Zustand nach einem Schlag-         mit einem niedrigen Risiko für schwerere Komplikationen
     anfall („poststroke depression“) insgesamt eine relativ gute   zu betrachten [39]. Die Rate an schweren Nebenwirkun-
     Effektivität zu besitzen [68–70].                              gen bzw. die Mortalitätsrate sind bei Durchführung einer
                                                                    EKT niedriger als bei einer Pharmakotherapie mit bei-
                   Praktische Durchführung                          spielsweise trizyklischen Antidepressiva [2]. Das Risiko
                                                                    einer schweren Komplikation [39] bzw. die Mortalitätsrate
     Alle Patienten werden nach Indikationsstellung vom             bei Durchführung einer EKT [71, 72] wird mit 1:50.000 bis
     behandelnden Arzt über die Möglichkeit der Durchfüh-           1:25.000 Behandlungen angegeben. Bei 1:10.000 Patien-
     rung einer EKT mündlich und schriftlich aufgeklärt. Sie        ten kann es zu schwerwiegenderen Komplikationen kom-
     erhalten die Gelegenheit, sich das Therapieverfahren           men [2]. Damit liegt die Rate nicht höher als das allgemei-
     genauer erläutern zu lassen und Fragen zu stellen. Das         ne Narkoserisiko bei kleineren operativen Eingriffen und
     Ziel der Therapie, die Durchführung, mögliche uner-            niedriger als das Mortalitätsrisiko bei Geburten [39, 52,
     wünschte Wirkungen und therapeutische Alternativen             73]. Die EKT ist damit eine der sichersten medizinischen
     werden umfassend erläutert. Anschließend muß vor der           Behandlungen unter Narkose.
     Therapie das informierte Einverständnis durch Unterschrift
     schriftlich bekundet werden. Vor Durchführung einer            Seltene Zwischenfälle können meist mit der Narkose zu-
     EKT erfolgt zunächst analog einer Operationsvorbereitung       sammenhängende kardiovaskuläre Komplikationen sein.
     eine sorgfältige internistische, neurologische und psy-        Solche Risiken werden jedoch durch eine sorgfältige Vor-
     chiatrische Voruntersuchung. Zusätzlich werden je nach         untersuchung minimiert. Des weiteren können verlängerte
     Alter und Vorerkrankungen der Patienten häufig Röntgen-        Krampfanfälle bis hin zum Status epilepticus auftreten [74,
     bilder des Brustkorbs sowie der Wirbelsäule angefertigt.       75], wobei dieses Risiko vermutlich durch eine gleichzeiti-
     Weiterhin erfolgt die Ableitung eines aktuellen Elektro-       ge Gabe von Theophyllin, die vermieden werden sollte,
     kardiogramms (EKG) zur Beurteilung der Herzfunktion.           erhöht werden kann [76–78]. Derart verlängerte Krampf-
     Eine umfangreiche Kontrolle verschiedener Laborpara-           anfälle werden jedoch gemäß der klinisch üblichen anti-
     meter wird durchgeführt. Eine mündliche und schriftliche       konvulsiven Therapie behandelt und damit beendet. Daß
     anästhesiologische Aufklärung über die mehrfach durch-         auch behandlungsbedürftige nichtkonvulsive Anfälle auf-
     zuführende Kurznarkose mit Muskelrelaxation findet ge-         treten können, zeigt, wie wichtig ein therapiebegleitendes
     sondert statt.                                                 EEG-Monitoring ist [74, 79]. Da eine begleitende Lithium-
                                                                    therapie eine Verlängerung der Wirkung von Muskelrela-
     Die lege artis durchgeführte EKT besteht aus einer Serie       xanzien an den motorischen Endplatten [80, 81] auch der
     von 6–12 Einzelbehandlungen, wobei im Durchschnitt             Atemmuskulatur bedingen kann, wird empfohlen, auf eine
     2–3 Behandlungen pro Woche stattfinden. Jede einzelne          solche Begleitbehandlung nach Möglichkeit zu verzich-
     Behandlungssitzung wird von einem speziell dafür ausge-        ten. Bei Eintreten dieser Komplikation ist jedoch durch
     bildeten Psychiater im Beisein von Anästhesisten durchge-      eine verlängerte Beatmung mit anschließender Überwa-
     führt. Nach Vorbereitung der Patienten (Überwachungs-          chung der Atemfunktion (Pulsoxymeter) eine Hypoxiege-
     monitor zur Erfassung von EKG, Pulsfrequenz, Blutdruck,        fahr für die behandelten Patienten abzuwenden. Ein früher
     Sauerstoffsättigung im Blut) wird eine Kurznarkose durch       von den Patienten häufiger nach der Behandlung beklagter
     intravenöse Gabe eines Injektionsnarkotikums eingeleitet,      Muskelschmerz ähnlich eines „Muskelkaters“ war auf die
     anschließend wird ein Muskelrelaxans injiziert. Nach Er-       Durchführung der Therapie ohne Muskelrelaxation zu-
     reichen der Bewußtlosigkeit im Rahmen der Narkose wird         rückzuführen und wird nur noch in seltenen Ausnahmefäl-
     meist eine Maskenbeatmung durchgeführt. Anschließend           len und in deutlich abgeschwächter Form beobachtet, da
     wird vom behandelnden Psychiater nach Ableitung eines          eine suffiziente pharmakologische Muskelrelaxation heute
     Ruhe-Elektroenzephalogramms (EEG) durch meist unilate-         klinischer Standard ist. Bei bis zu 45 % der Patienten kann
     rale elektrische Kurzpulsstimulation (Impulsbreite: 0,5 ms;    es zu postiktalen Kopfschmerzen kommen, welche mit den
     Energie: 5–200 J) über 0,5–8 Sekunden ein generalisierter      üblichen Schmerzmitteln Acetylsalicylsäure oder Para-
     Krampfanfall ausgelöst. Der Krampfanfall selbst ist durch      cetamol meist gut behandelt werden können. Bei Patien-
     die zuvor eingeleitete Muskelrelaxation häufig kaum zu         ten mit positiver Migräneanamnese kann es nach einer
     sehen, die Dauer des Anfalls wird durch ein EEG- und           Therapiesitzung zu stärkeren Kopfschmerzen kommen.
     Elektromyogramm-Monitoring überwacht. Der Krampfan-            Hier haben sich Triptane, z. B. Sumatriptan oral oder als
     fall ist selbstlimitierend und dauert meist 30–90 Sekunden.    Nasenspray appliziert, therapeutisch bewährt [82]. Eine
     Im Falle eines sehr selten vorkommenden prolongierten          nach Narkosen selten auftretende Übelkeit kann mit
     Anfalls wird dieser durch Injektion eines Antikonvulsi-        Metoclopramid gut behandelt werden. Bei Patienten, die
     vums oder eines antikonvulsiv wirkenden Anästhetikums          unter einer bipolaren affektiven Störung leiden, kann es
     beendet.                                                       durch eine EKT zu einem Umschlagen des Affekts in eine

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Hypomanie [33] oder ein manisches Syndrom kommen               dieser Methode beschreiben [107]. Darüber hinaus wurde
(„Switch“ in die Manie) [83, 84]. Diese unerwünschte Wir-      eine um 20 % bessere Wirksamkeit im Vergleich zu tri-
kung kann jedoch im Rahmen einer EKT wie bei jedem an-         zyklischen Antidepressiva, eine um 45 % bessere Wirk-
deren hochwirksamen antidepressiven Therapieverfahren          samkeit im Vergleich zu MAO-Hemmern [41] und eine
auch auftreten [85]. In Einzelfällen mit diesbezüglich er-     bessere Wirksamkeit im Vergleich zu dem SSRI Paroxetin
höhtem Risiko kann eine Lithiumbegleitbehandlung [85]          [25] publiziert. Zudem wurde im Vergleich zu Pharmako-
oder der Einsatz anderer Stimmungsstabilisatoren wie z. B.     therapien ein schnelleres Therapieansprechen berichtet
Valproat oder Carbamazepin [35] dieses Risiko vermin-          [18, 55]. Bei Patienten, die nicht das Kriterium der Phar-
dern.                                                          makotherapieresistenz erfüllen, ist mit deutlich höheren
                                                               Responseraten (bis zu 90 %) als bei pharmakotherapeuti-
Unerwünschte Wirkungen einer EKT können auch vor-              schen Interventionen (bis zu 70 %) zu rechnen [17, 18].
übergehende kognitive Störungen sein [2]. Diese können         Bei pharmakotherapieresistenten Depressionen kann
bei ca. einem Drittel der Patienten auftreten [86]. Hierbei    durch eine EKT eine Ansprechrate von 50–60 % erreicht
können ein postiktales delirantes Syndrom mit einer ver-       werden [51]. Frühere Arbeiten zeigten eine Überlegenheit
längerten postiktalen Orientierungsphase von Störungen         der bilateralen EKT im Vergleich zur unilateralen Stimula-
der Merkfähigkeit unterschieden werden. Diese können in        tion [56, 108]. Wenn die Behandlungsbedingungen aber
einer häufiger zu beobachtenden anterograden Amnesie,          eine höhere Stimulationsenergie erlauben, sind beide Be-
d. h. in einer Verminderung der Fähigkeit, sich neue Lern-     handlungsformen hinsichtlich der Wirksamkeit, aber auch
inhalte zu merken, oder in einer retrograden Amnesie, in       hinsichtlich unerwünschter Wirkungen als gleichwertig
der Störung der Erinnerungsfähigkeit an kürzlich zurück-       anzusehen [51]. Typische unerwünschte Wirkungen nach
liegende Ereignisse, bestehen. Davon können wiederum           EKT sind vorübergehende kognitive Störungen mit einer
Effekte auf das autobiographische und das übrige Lang-         Störung des Kurzzeitgedächtnisses, die bei bis zu 30 % der
zeitgedächtnis [87] unterschieden werden. Manche Pati-         behandelten Patienten auftreten können [86], sowie nega-
enten klagen auch über subjektive Gedächtnisstörungen,         tive Effekte auf das autobiographische Langzeitgedächtnis
die nicht psychometrisch erfaßbar sind. Außerdem kann es       [87]. Daher bestehen die neuesten Fortschritte der Be-
zu kognitiven Effekten kommen, die nicht auf einer Ge-         handlungstechnik vor allem in der Kombination einer gu-
dächtnisstörung beruhen (z. B. Konzentrationsstörungen,        ten therapeutischen Effizienz mit einer besseren Verträg-
Aufmerksamkeitsdefizit). Im Einzelfall kann es jedoch sehr     lichkeit vor allem hinsichtlich kognitiver Störungen. Die
schwierig sein, mögliche kognitive Wirkungen einer EKT         Nutzung der Kurzpulsstimulationstechnik ist daher obliga-
von Symptomen der Grunderkrankung Depression zu un-            torisch. Zudem können aufgrund anästhesiologischer Fort-
terscheiden, da hier viele Parallelen beobachtet werden        schritte auch Patienten mit speziellen somatischen Risi-
können [88, 89]. Es ist daher nicht selten, daß Patienten      ken, für die früher noch absolute Kontraindikationen gal-
nach einer EKT-Serie und nach klinischer Besserung der         ten, ebenfalls einer sicheren EKT zugeführt werden.
depressiven Symptomatik auch eine deutliche Verbesse-
rung kognitiver Funktionen berichten [90].                     Magnetkonvulsionstherapie (MKT)
                                                               Die MKT ist die Induktion generalisierter zerebraler Krampf-
Da die Rate an unerwünschten Wirkungen von den Stimu-          anfälle zu therapeutischen Zwecken mittels einer repeti-
lationsbedingungen abhängt [69, 91, 92], wurde dieses          tiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS). Es wird
Risiko durch die modifizierte EKT-Durchführung (unilate-       postuliert, daß die MKT eine neue Art der Konvulsions-
rale oder bifrontale [93] Kurzimpulsstimulation, Narkose       therapie darstellt, die bei ähnlich guter therapeutischer Ef-
mit Muskelrelaxation und ausreichender Oxygenierung)           fizienz ein besseres Nebenwirkungsprofil im Vergleich
deutlich reduziert [51, 55, 94, 95]. Wenn dennoch Störun-      zur EKT aufweisen könnte [109]. Bis heute gibt es aller-
gen der Gedächtnisfunktion auftreten, sind diese jedoch        dings nur wenige Berichte über den Einsatz der MKT bei
innerhalb von 1–4 Wochen nach der Behandlungsserie             depressiven Patienten. Der erste MKT-behandelte Patient
rasch rückbildungsfähig [96] und halten nur bei wenigen        erhielt vier Behandlungen und zeigte eine 50%ige Verrin-
Patienten länger als vier Wochen nach Beendigung der           gerung in Depressionsratingskalen, bevor eine EKT-Serie
EKT-Serie an. In Follow-up-Untersuchungen zeigte sich,         begonnen wurde [110]. Ein zweiter Fallbericht beschreibt
daß im Verlauf einer EKT-Serie aufgetretene kognitive Ne-      eine ebenfalls gute antidepressive Wirksamkeit bei weni-
benwirkungen vollständig reversibel [97–99] oder im Ver-       gen unerwünschten Wirkungen [111]. Eine kürzlich publi-
gleich zum Zeitintervall direkt vor EKT verbessert waren       zierte Vergleichsstudie zeigte im Vergleich zur EKT eine
[100]. Teilweise wurde jedoch bei älteren Patienten, wel-      gute Anwendbarkeit bei besserer Verträglichkeit [112]. Die
che früher eine EKT erhalten hatten, eine im Vergleich zu      Effektivität dieses neuen Verfahrens wurde jedoch bislang
einer Kontrollgruppe schlechtere kognitive Leistungsfähig-     noch nicht in kontrollierten Studien belegt, zudem sind
keit gemessen [101]. In vielfachen Einzelfallberichten,        bislang die technischen Voraussetzungen für eine Routine-
Fallserien und kontrollierten Studien konnte jedoch belegt     behandlung noch nicht gegeben. Daher ist die MKT zur
werden, daß es durch die Durchführung einer EKT zu kei-        Zeit noch experimentellen Behandlungen an spezialisier-
nen dauerhaften funktionellen [102, 103] und zu keinen         ten Zentren vorbehalten.
strukturellen Schädigungen des zentralen Nervensystems
kommt [104–106].                                               Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS)
                                                               Seit den ersten Fallberichten über eine antidepressive
            Aktuelle Entwicklungen und                         Wirksamkeit dieses ursprünglich aus der neurologischen
             neue Therapieverfahren                            Diagnostik stammenden Verfahrens gibt es immer mehr
                                                               Hinweise darauf, daß die rTMS für die Behandlung von
Aktueller Stand der Elektrokonvulsionstherapie                 Patienten mit nichtpsychotischen Depressionen geeignet
Seit der ersten Publikation einer placebokontrollierten        sein könnte [113]. Für einen genauen Überblick über den
Doppelblindstudie über die Effizienz der EKT in der De-        aktuellen Stand der Erkenntnisse sei auf zwei Übersichts-
pressionsbehandlung [38] ist eine Vielzahl ähnlicher Be-       arbeiten von Hajak et al. [114] und Padberg et al. verwiesen
richte erschienen, die eine gute therapeutische Effektivität   [115]. Inzwischen gibt es weitere Hinweise auf die Wirk-

                                                                                 J. NEUROL. NEUROCHIR. PSYCHIATR. 4/2005       25
samkeit dieses Therapieverfahrens gerade bei pharmako-                      12. Beliles K, Stoudemire A. Psychopharmacologic treatment of depres-
     therapieresistenten Depressionen [116, 117]. Auch eine                          sion in the medically ill. Psychosomatics 1998; 39: S2–S19.
     beschleunigte antidepressive Wirkung einer Amitriptylin-                    13. Dietzfelbinger T, Möller HJ, Steinmeier EM, Fimmers R. Elektro-
                                                                                     krampftherapie als Ultima ratio bei Antidepressiva-Nonrespondern.
     behandlung wurde beobachtet [113]. Trotzdem sollten vor                         In: Möller HJ (ed). Therapieresistenz unter Antidepressiva-Behand-
     Einführung dieser bislang noch experimentellen Behand-                          lung. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1990; 176–85.
     lungsoption in die klinische Routine, vor allem bei Einsatz                 14. Sauer H, Lauter H. [Electroconvulsive therapy. II. Indications, contra-
     in Form einer Monotherapie, weitere systematische, pla-                         indications and therapeutic technics of electroconvulsive therapy].
     cebokontrollierte Untersuchungen mit ausreichender Fall-                        Nervenarzt 1987; 58: 210–8.
     zahl sowie weitere systematische Untersuchungen der Sti-                    15. Black DW, Winokur G, Nasrallah A. Illness duration and acute re-
                                                                                     sponse in major depression. Convuls Ther 1989; 5: 338–43.
     mulationsbedingungen erfolgen [113].
                                                                                 16. Prudic J, Devanand DP, Sackeim HA, Decina P, Kerr B. Relative re-
                                                                                     sponse of endogenous and non-endogenous symptoms to electro-
     Vagus-Nerv-Stimulation (VNS)                                                    convulsive therapy. J Affect Disord 1989; 16: 59–64.
     Trotz interessanter Ergebnisse offener Pilotstudien zur the-                17. Prudic J, Sackeim HA, Devanand DP. Medication resistance and
     rapeutischen Hirnstimulation mittels zervikaler VNS, bei                        clinical response to electroconvulsive therapy. Psychiatry Res 1990;
     denen Responseraten von bis zu 30 % gefunden wurden                             31: 287–96.
     [118, 119], hat diese Therapieoption bislang ebenfalls nur                  18. Prudic J, Haskett RF, Mulsant B, Malone KM, Pettinati HM, Stephens
                                                                                     S, Greenberg R, Rifas SL, Sackeim HA. Resistance to antidepressant
     experimentellen Charakter. Bei einer 10wöchigen Dop-                            medications and short-term clinical response to ECT. Am J Psychia-
     pelblindstudie konnte allerdings keine Überlegenheit der                        try 1996; 153: 985–92.
     VNS gegenüber einer Placebobedingung gezeigt werden                         19. Warneke L. Managing resistant depression. When patients do not
     [120]. Weitere systematische Untersuchungen in kontrol-                         respond to therapy. Can Fam Physician 1993; 39: 843–50.
     lierten Studien sind erforderlich, um beurteilen zu können,                 20. Möller HJ. Therapieresistenz unter Antidepressiva: Definition, Epi-
     ob die VNS als effektives antidepressives Therapieverfah-                       demiologie und Risikofaktoren. In: Bauer M, Berghöfer A (eds). The-
                                                                                     rapieresistente Depressionen. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg,
     ren im Rahmen einer Monotherapie oder als Add-on-Stra-                          1997; 3–15.
     tegie geeignet sein könnte.                                                 21. Sackeim HA. The definition and meaning of treatment-resistant de-
                                                                                     pression. J Clin Psychiatry 2001; 62 (Suppl 16): 10–7.
                                     Fazit                                       22. Kornstein SG, Schneider RK. Clinical features of treatment-resistant
                                                                                     depression. J Clin Psychiatry 2001; 62 (Suppl 16): 18–25.
     Eine nach modernen Richtlinien durchgeführte Elektro-                       23. Davidson J, McLeod M, Law-Yone B, Linnoila M. A comparison of
     konvulsionstherapie stellt weiterhin eine sichere und hoch-                     electroconvulsive therapy and combined phenelzine-amitriptyline
                                                                                     in refractory depression. Arch Gen Psychiatry 1978; 35: 639–42.
     wirksame Therapieoption für Patienten, die unter schwe-
                                                                                 24. Kroessler D. Relative Efficacy rates for therapies of delusional de-
     ren psychiatrischen Störungen leiden, dar. Vor allem bei                        pression. Convuls Ther 1985; 1: 173–82.
     depressiven Erkrankungen und insbesondere, wenn es sich                     25. Folkerts HW, Michael N, Tolle R, Schonauer K, Mucke S, Schulze-
     um schwere Krankheitsbilder handelt, die einen raschen                          Monking H. Electroconvulsive therapy vs. paroxetine in treatment-
     Behandlungserfolg zur Abwendung einer vitalen Bedro-                            resistant depression – a randomized study. Acta Psychiatr Scand
     hung erforderlich machen, aber auch bei chronischen und                         1997; 96: 334–42.
     häufig pharmakotherapieresistenten Erkrankungen sollte                      26. Perry PJ, Morgan DE, Smith RE, Tsuang MT. Treatment of unipolar
                                                                                     depression accompanied by delusions. ECT versus tricyclic antide-
     betroffenen Patienten die Möglichkeit der Durchführung                          pressant-antipsychotic combinations. J Affect Disord 1982; 4: 195–
     einer EKT nicht vorenthalten werden.                                            200.
                                                                                 27. Flint AJ, Rifat SL. The treatment of psychotic depression in later life:
     Literatur:                                                                      a comparison of pharmacotherapy and ECT. Int J Geriatr Psychiatry
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