Fokus Gespräche, die heilen - SolidarMed persönlich Mit Familienplanung junge Frauen stärken

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Fokus Gespräche, die heilen - SolidarMed persönlich Mit Familienplanung junge Frauen stärken
Fokus

                                                                  20/3 08.2020
Schwerpunkt Eine Sitzbank für psychisch Kranke

SolidarMed persönlich Mit Familienplanung junge Frauen stärken

Integration Aids & Kind Projekte in Südafrika, Kenia und Indien

Gut zu wissen Die sinnvolle Geschenkidee

     Gespräche,
     die heilen
Fokus Gespräche, die heilen - SolidarMed persönlich Mit Familienplanung junge Frauen stärken
Im Fokus

             03 Standpunkt
             Krisen als Chancen
             Der stellvertretende Geschäftsleiter                                 11 Integration Aids & Kind
             Christian Heuss reflektiert die Folgen                               Gemeinsam stärker
             der Corona-Krise.                                                    Die traditionsreiche Stiftung Aids & Kind
                                                                                  schliesst sich SolidarMed an.
             04 Schwerpunkt
             Eine Sitzbank, die Hoffnung                                          15 Engagement
             bietet                                                               Solidarität zeigen – über den Tod
             Mit den «Gesundheitsbänken» bringt                                   hinaus
             SolidarMed Gesprächstherapien in                                     Wieso es sich lohnt, sich Gedanken um
             ländliche Gebiete.                                                   das eigene Ableben zu machen.

             08 SolidarMed persönlich                                             16 Gut zu wissen
             Mädchen stärken, Zahl früher                                         Die gute Geschenkidee: Eine
             Schwangerschaften senken.                                            SolidarMed Geschenkurkunde
             SolidarMed-Mitarbeiterin Nazaria                                     Zwei Geschäftsinhaber berichten,
             Baptista engagiert sich für Familien-                                wieso sie sich für SolidarMed-Geschenk-
             planung.                                                             urkunden entschieden haben.

             10 Projekte
             Covid-19:
             Grundversorgung sichern
                                                                                                           Die Person auf dem Cover
             SolidarMed setzt sich im südlichen
             und östlichen Afrika gegen das Corona-
                                                                                                           Die 70-jährige Tansanierin
             Virus ein.
                                                                                                           Veronica Mlimandola lebt
                                                                                                           zusammen mit ihrem Mann
                                                                                                           in Makelele, einem Nachbarort
                                                                                                           von Lugala. Ihre Kinder sorgen
                                                                                                           für sie. ob

Impressum «SolidarMed Fokus» 20/3                                                             SolidarMed SolidarMed verbessert die Gesundheitsversorgung
Verlag und Redaktion: SolidarMed, Obergrundstrasse 97, CH-6005 Luzern                         von 2,5 Millionen Menschen im ländlichen Afrika. Wir stärken
Telefon +41 41 310 66 60, kontakt@solidarmed.ch, solidarmed.ch                                das medizinische Angebot gezielt und erweitern das Fachwissen
Redaktion: Anna Bagemiel (ab), Benjamin Gross (bg), Christian Heuss (ch), Andrea              durch Aus- und Weiterbildung nachhaltig. Unsere Projekte ent-
Schneeberger (as) Layout: René Sager Bilder: Olivier B
                                                     ­ randenberg (ob), Maurice Haas (mh),    stehen in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, begleitet
Martin Ramsauer (mr), René Sager (rs) Druck: Brunner AG, Druck und Medien, Kriens             durch unsere Gesundheitsfachleute vor Ort. Als Schweizer
Papier aus 100% Recycling Auflage: 23’810                                                     Non-Profit-Organisation mit Zewo-Zertifikat arbeitet SolidarMed
«SolidarMed Fokus» erscheint viermal jährlich. Das Abonnement kostet jährlich CHF 5.–         effizient, gewissenhaft und transparent.
und wird einmalig von Ihrer Spende abgezogen. Für Vereinsmitglieder und Gönner ist es
im ­Jahresbeitrag enthalten. Jahresbeitrag Gönner: CHF 120.– Jahresbeitrag Einzelpersonen:
CHF 50.– Jahresbeitrag Familien und Institutionen: CHF 80.– Spenden an Postkonto
60-1433-9, lautend auf: SolidarMed, CH-6005 Luzern. IBAN: CH09 0900 0000 6000 1433 9
BIC: POFICHBEXXX Online spenden: solidarmed.ch/spenden Herzlichen Dank!
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Fokus Gespräche, die heilen - SolidarMed persönlich Mit Familienplanung junge Frauen stärken
Standpunkt

                              Krisen als Chancen

                              Die Corona-Krise ist längst nicht vorbei   regionalen und nationalen Ausschüssen
                              und wird uns weltweit noch über            unsere Expertise ein und setzen so
                              Monate beschäftigen. Die medizini-         wichtige Impulse. Doch wenn autokra-
                              schen, wirtschaftlichen und sozialen       tische Präsidenten die Infektionsge-
                              Unsicherheiten und mittelfristigen         fahr verniedlichen, dann kämpfen auch
                              Folgen sind ungewiss und – ja – auch       wir letztlich gegen Windmühlen.
                              beängstigend. Gesellschaftsgefüge und
                              politische Systeme werden durchge-         In einer globalen Krise dieser Art
                              schüttelt und einem Lackmustest            machen selbstverständlich auch wir
                              unterzogen. Das ist auch für SolidarMed    uns Sorgen um die Finanzierung
                              eine gewaltige Herausforderung - in        unserer Projekte. Bisher spüren wir
                              Afrika aber auch hier in der Schweiz.      eine grosse Unterstützung. Die Direk-
        Christian Heuss                                                  tion für Entwicklung und Zusammen-
   Leiter Kommunikation und
                              Seit die Gesundheitsbehörden in            arbeit (DEZA) und die Glückskette
       Mittelbeschaffung
                              Lesotho, Sambia, Simbabwe und              haben sehr früh und unkompliziert
                              Mosambik Tests durchführen, steigen        unsere Covid-19-Nothilfe-Programme
                              auch die Infektionszahlen rapide an.       im südlichen Afrika finanziert. Spen-
                              Überraschender ist da eher, dass           derinnen und Spender geben mit
                              Tansania seit Anfang Juni Covid-19-frei    kleinen und grossen Beiträgen ihrer
                              sein soll. Präsident John Magufuli hat     Solidarität Ausdruck. Das motiviert uns
                              sein Land per Dekret zum Corona-frei-      alle, diese Krise auch als Chance zu
                              en Land erklärt. Testresultate werden      verstehen. Die Mittel werden dringend
                              nicht veröffentlicht; unter einer          gebraucht. Vielen Dank.
                              wachsenden staatlichen Repression
                              trauen sich die Leute nicht über dieses    Willkommen Aids & Kind
                              Thema zu sprechen. Eine beunruhigen-       Mitte Jahr hat sich die Stiftung Aids &
                              de Situation, denn Epidemien können        Kind SolidarMed angeschlossen. Die
                              mit Kräutertee, Gebeten und Ignoranz       Projekte in Kenia, Indien und Süd-
                              leider nicht beendet werden.               afrika werden nun Schritt für Schritt
                                                                         in unsere Aktivitäten eingebaut. Für
                              Früher Akteur in allen Ländern             Kontinuität sorgt Martin Ramsauer,
                              Doch was heisst das für SolidarMed?        der als ehemaliger Co-Geschäftsleiter
                              Wir waren und sind vor Ort in allen        und Projektverantwortlicher zu Solidar-
                              Projektländern seit Beginn der Krise.      Med gewechselt hat. Wir freuen uns über
                              Wir erarbeiteten bereits früh Schutz-      diese Erweiterung und heissen damit
                              konzepte zusammen mit den lokalen          auch alle Spenderinnen und Spender
                              Gesundheitszentren. Wir schulen            von Aids & Kind herzlich willkommen.■
                              Gesundheitspersonal in Hygiene- und
                              Desinfektionsmassnahmen. Und wir
                              sensibilisieren die Menschen, wie
                              sie sich schützen können: mit Radio-
                              spots, Plakaten und Gesprächen. Auch
                              bringen wir durch Mitwirkung in

20/3 08.2020                                                                                                        3
Fokus Gespräche, die heilen - SolidarMed persönlich Mit Familienplanung junge Frauen stärken
Schwerpunkt

▲ Grossmütter in Simbabwe: Gesprächstherapie für Menschen mit psychischen Problemen. mh

Eine Sitzbank, die Hoffnung bietet
Die Behandlungssituation für psychisch kranke Menschen in Simbabwe
ist desaströs. Es gibt 15 Psychiater und 16 Psychologen für eine Bevölke-
rung von 14 Millionen Menschen. Mit den «Gesundheitsbänken» bringt
SolidarMed eine in Simbabwe entwickelte Gesprächstherapie in sehr länd-
liche Gegenden im Südosten des Landes.

Simbabwe Im Schatten eines Avocado-            Gogo», antwortet die Besucherin. «Gogo»
baums erwartet Melenia Motokari ihre           ist die liebevolle Bezeichnung für eine
Klientin. Locken winden sich um den            alte, kluge Dame. Mit gesenktem Kopf
Kopf wie ein dunkler Heiligenschein.           starrt Gumbeze auf ihre Finger, kratzt am
Motokari strahlt die Gelassenheit einer        dunkelblauen Nagellack. Schweigen.
73-jährigen aus, die sechs Kinder geboren      Melenia Motokari nimmt ihre Hand. «Du
und 23 Enkelkinder aufgezogen hat.             kannst mir anvertrauen, was auf dir
                                                                                           Simbabwe
Dorcas Gumbeze, gerade halb so alt wie         lastet.» Dorcas Gumbeze blickt ihr in die
sie, rutscht auf den freien Platz neben ihr.   Augen. «Ich traue mich nicht, meiner
                                                                                           Einwohner                   16’150’000
                                               Familie und meinen Freunden zu
                                                                                           Ärzte pro 1000 Einwohner           0,05
«Willkommen, mein Kind», begrüsst              gestehen, dass ich HIV-positiv bin»,        Lebenserwartung m/f         60/63 Jahre
Melenia Motokari die junge Frau. «Hallo        beginnt sie stockend. «Ich habe Angst,

4                                                                                                                     SolidarMed Fokus
Fokus Gespräche, die heilen - SolidarMed persönlich Mit Familienplanung junge Frauen stärken
Schwerpunkt

dass sie mich dafür verachten.» Nach         in dem Menschen mit psychischen               nach Ghana, Malawi, Sambia. Überall
einer Weile beginnt sie über ihren tiefen    Problemen stigmatisiert sind. Jede/r          fand er Voodoo-Zauberer, Exorzisten
Kummer zu sprechen. Über ihre Angst          Sechste ist in Simbabwe mit HIV infi-         und Hexer, die «Verrückte» heilen
zu sterben, die Angst vor dem Leben          ziert, fast jede/r vierte Patient/in leidet   wollten. Aber evidenz-basierte psychiat-
mit dem Virus. Über ihren Traum, nicht       an «Kufungisisa». Es ist das Shona-Wort       rische Behandlungen fehlten.
mehr ihren Körper verkaufen zu müs-          für Depression und bedeutet: «Wenn            Sein Weckruf war Patientin Erica. Weil
                                             du zu viel denkst». Man kann es               die Busfahrt von ihrem Dorf nach
« Es gibt nur einen Weg,                     umschreiben mit Sorgen, die nachts in         Harare zu teuer ist, hat sie ihre Therapie
                                             den Schlaf kriechen und Angst, die alle       abgebrochen. Zwei Wochen später
  einen Elefanten zu es-                     Kraft raubt. In Simbabwe sind psychi-         erhängte Erica sich in ihrem Dorf an
  sen – einen Bissen nach                    sche Krankheiten tabuisiert. Niemand          einem Apfelbaum. «Das war für mich der
                                             spricht darüber. Dabei ist Suizid eine        Moment des Erwachens.» Chibanda
  dem anderen. »                             häufige Todesursache in einem Land, in        suchte nach neuen Therapieformen, um
                            Desmond Tutu
                                             dem politische Konflikte und Armut
                                             psychische Erkrankungen zusätzlich
sen. Melenia Motokari hört zu und            fördern.                                        Der simbabwische Psychiater Dixon
schreibt mit. Es wird eine lange Liste.                                                      Chibanda entwickelte das Projekt
Auf ihrem Schoss liegt ein Fragebogen        Grossmütter als vertrauenswürdige               «Friendship Bench», um dem
mit gezielten Fragen: «Hast du in letzter    Verhaltenstherapeuten                           akuten Mangel an Behandlungs-
Zeit Probleme, dich zu konzentrieren?»,      Der 51-jährige Dixon Chibanda ist einer         möglichkeiten für Menschen
«Fehlt dir die Kraft, für dich oder andere   der wenigen praktizierenden Psychiater          mit psychischen Problemen in
zu sorgen?», «Schon einmal daran ge-         in Simbabwe. Ausgebildet in der Tsche-          Simbabwe zu begegnen.
dacht, dich umzubringen?» Die junge          choslowakei kehrte er Anfang der                Grossmütter und Gesundheits-
Frau stimmt in elf von 14 Punkten zu.        1990er-Jahre zurück in sein Land. «Was          berater/innen als Respektspersonen
Elf Symptome, die auf eine psychische        ich hier in der Psychiatrie erlebte,            mit kulturellem Gewissen der
Erkrankung hinweisen.                        erinnerte mich an den Film Einer flog           simbabwischen Gesellschaft
                                             über das Kuckucksnest.» Menschen, die           werden als Laientherapeut/innen
Was sich an diesem Morgen im Garten          wie Zombies durch die Gänge wandel-             in psychosozialer Beratung aus-
der Klinik Glen Norah am Rand der            ten, gefesselte Patientinnen und                gebildet. Sie wenden dabei etab-
Hauptstadt Harare abspielt, gleicht          Patienten, falsch eingesetzte Elektro-          lierte Methoden der Gesprächs-
einer stillen Revolution in einem Land,      schocks. Chibanda reiste durch Afrika:          therapie an, die sich bei Personen
                                                                                             mit psychischen oder neurolo-
                                                                                             gischen Erkrankungen oder Dro-
                                                                                             genmissbrauch als wirksam
                                                                                             erwiesen haben. Die Therapie wird
                                                                                             in der Sprache der Shona durch-
                                                                                             geführt und ist an lokale kulturelle
                                                                                             Konzepte angepasst. Die erste Stufe:
                                                                                             «kuvhura pfungwa», den Geist öffnen,
                                                                                             die zweite «kusimudzira», sich
                                                                                             aufrichten. Der nächste Schritt:
                                                                                             «kusimbisa», stärker werden. Ganz
                                                                                             nach dem Zitat von Desmond
                                                                                             Tutu: «Es gibt nur einen Weg,
                                                                                             einen Elefanten zu essen – einen
                                                                                             Bissen nach dem anderen.» Die
                                                                                             Laientherapeuten helfen so Schritt
                                                                                             für Schritt ihren Patient/innen,
                                                                                             ihre Probleme zu erkennen und
                                                                                             Lösungswege zu finden, um mit
                                                                                             ihren Sorgen umzugehen.
▲ Die Freundschaftsbänke in den Gesundheitszentren wirken dem Stigma psychischer Erkran-
  kungen entgegen. mh

20/3 08.2020                                                                                                                        5
Fokus Gespräche, die heilen - SolidarMed persönlich Mit Familienplanung junge Frauen stärken
Schwerpunkt

den akuten Mangel an ausgebildeten        Eigentlich ideale Voraussetzungen für      kam. Es klang nach Verrücktheit,
Psychotherapeuten zu überwinden und       eine Rolle als Gesprächstherapeuten.       Schwäche, Scham. Dann machten die
Menschen auch in Dorfgemeinschaften                                                  Grossmütter eine «Freundschaftsbank»
zu erreichen. Schnell kamen ihm die       Vor 14 Jahren begann er deshalb erste      daraus. Seither steigt die Nachfrage.
Grossmütter in den Sinn. Sie sind         Grossmütter als Laien-Gesprächsthera-
Rückgrat, Herz und Verstand vieler        peutinnen auszubilden. Viele waren         Mittlerweile gibt es mehr als
simbabwischer Familien. «Es sind die      bereits als Dorfgesundheitshelferinnen     100 «Freundschaftsbänke», verteilt
Hüterinnen von Weisheit und Erfah-        im Einsatz. Schnell fand er geeignete      auf 72 Gesundheitszentren in Harare,
rung», sagt Chibanda. «Sie sind empa-     Frauen und passte die standardisierten     der Nachbarstadt Chitungwiza und
thisch, die besten Zuhörerinnen,          und wissenschaftlich geprüften Therapie-   in Gweru. Die Grossmütter sind zu
Geschichtenerzählerinnen und Trösterin-   formen an. «Die grösste Herausforderung    einer kleinen Armee von mehr als
nen. Sie leben in den Dörfern, wo sie     war es, den Menschen die Angst zu          300 Seelsorgerinnen gewachsen im
gebraucht werden, und sie haben Zeit.»    nehmen», sagt er. Erst hiessen die         Kampf gegen «Kufungisisa». Dixon
                                          hölzernen Therapieplätze «Bank für         Chibanda hat das Konzept wissenschaft-
                                          psychische Gesundheit». Kaum jemand        lich validiert, Studien in internationalen
                                                                                     Zeitschriften publiziert. Sie zeigen:
                                                                                     die Laien-Therapeutinnen in Simbabwe

                                                                                                                               Illustration: Stefanie Sager

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Fokus Gespräche, die heilen - SolidarMed persönlich Mit Familienplanung junge Frauen stärken
Schwerpunkt

sind therapeutisch mindestens so erfolg-   «Gesundheitsbank»-Therapien statt.
reich wie professionelle Psychothera-      In den nächsten Monaten kommen             Hilfe für HIV-
peut/innen.                                weitere fünf Zentren dazu.                 betroffene Menschen
SolidarMed bringt Freundschaftsbänke       Um die Nachhaltigkeit des Therapiepro-     In einem eigenen Projekt im
in ländliche Regionen                      jekts zu fördern, ist das Angebot in die   Distrikt Bikita untersucht
Überzeugt von diesem Ansatz haben          örtlichen Gesundheitszentren integ-        SolidarMed zusammen mit dem
SolidarMed und Dixon Chibanda ein          riert. Dieses Konzept soll auch der        Institut für Sozial- und
gemeinsames Projekt für die ländli-        Stigmatisierung psychischer Erkrankun-     Präventivmedizin der Universität
chen Distrikte Zaka und Bikita in der      gen entgegenwirken. «Psychische            Bern die Wirksamkeit dieser
Provinz Masvingo entwickelt. Auch          Erkrankungen sind behandelbar so wie       Gesprächstherapie für HIV-
in diesen Regionen ist die Zahl von        andere Erkrankungen auch», sagt Dixon      betroffene Menschen. Psychische
Menschen mit psychischen Problemen         Chibanda. «Durch die Integration in das    Probleme gefährden oft den
erschreckend hoch. Insbesondere            Gesundheitszentrum machen wir den          Therapieerfolg HIV-betroffener
Menschen mit HIV-Erkrankungen              Menschen dies stärker bewusst.»            Menschen. Diese stoppen oder
kämpfen mit psychischen Problemen.                                                    vergessen die Einnahme von
Therapiemöglichkeiten fehlen.              Längst gibt es die Freundschaftsbänke      antiretroviralen Medikamenten,
SolidarMed baut daher ein neues            nicht mehr nur in Simbabwe. Chibanda       kommen nicht zu Nachfolgeun-
Therapieangebot im Distrikt Zaka auf.      hat Laiinnen und Laien in Malawi und       tersuchungen und erkranken damit
Bereits ausgebildete «Trainer» aus         auf Sansibar ausgebildet. Seine Metho-     öfters an AIDS. Die Studie unter-
Harare haben über 100 Grossmütter,         de wird unter Expert/innen bereits heu-    sucht, ob eine Gesprächstherapie
aber auch andere Dorfgesundheitsbe-        te als Vorzeigemodell diskutiert, wie in   auf einer «Freundschaftsbank» das
raterinnen in der Gesprächstherapie        sehr armen Ländern Menschen mit            Wohlbefinden der Betroffenen
ausgebildet. An bisher 20 Gesund-          psychischen Erkrankungen effektiv          steigert und die HIV-Behandlung
heitszentren finden nun regelmässig        geholfen werden kann.  ■                   verbessert werden kann.

                                                                                                  ◄ Die Behandlungssituation
                                                                                                    für psychisch Kranke ist
                                                                                                    ganz besonders in ländlichen
                                                                                                    Gebieten desaströs. mh

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Fokus Gespräche, die heilen - SolidarMed persönlich Mit Familienplanung junge Frauen stärken
SolidarMed persönlich

Mädchen stärken, Zahl früher Schwangerschaften senken

▲ Verhütungsmittel und Familienplanung: Direkter Austausch zu heiklen Themen. rs

Nazaria Baptista ist Expertin für sexuelle Gesundheit. An einem Gesund-
heitszentum im Norden Mosambiks spricht sie mit jungen Frauen und
Männern über Familienplanung und Verhütungsmittel. Anna Bagemiel
hat die engagierte Frau vor Ort getroffen.

Mosambik Ein überfülltes Behand-                 Hebammen aus dem Dorf, die die          informiert die Anwesenden zum
lungszimmer im Gesundheitszentrum                Frauen und ihre Partner zur Kontrolle   Thema Familienplanung. Mit grosser
in Ncumpe im Norden Mosambiks. Jun-              ins Gesundheitszentrum begleiten.       Genauigkeit erläutert die 49-jährige
ge Teenager-Mädchen sitzen auf dem                                                       Frau die Anwendung un-
Boden des Raums, eingehüllt in bunte             Trotz der vielen Anwesenden ist es      terschiedlicher Verhütungsmittel:
Tücher und Kleider. Dahinter stehen              ruhig im Behandlungsraum. Die           Kondome, Femidome, Dreimonats-
einige Männer, die ihre Partnerinnen             Aufmerksamkeit gehört ganz Nazaria      spritze oder die Pille. Die Frauen und
begleiten. Einer trägt sein Kind in              Baptista, die von ihrem Pult den        auch ihre Partner stellen Fragen.
einem Tragetuch auf dem Rücken. An               ganzen Raum überblickt. Ihre energi-    Nazaria Baptista beantwortet sie alle
der linken Wand des Raumes lehnen                sche, überzeugende und empathische      mit viel Geduld und Einfühlungs-
drei ältere Damen: traditionelle                 Art zieht alle in ihren Bann. Nazaria   vermögen.

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SolidarMed persönlich

«Diese Beratungstermine sind sehr                Doch gerade bei der individuellen
wichtig», sagt Nazaria Baptista danach.          Beratung in Familienplanungsfragen sei
«Denn Verhütungsmittel tragen                    viel Nachholbedarf nötig, sagt die
entscheidend dazu bei, dass der                  Spezialistin für sexuelle Gesundheit.
Abstand zwischen zwei Schwanger-                 Zwar gehöre zu jeder vorgeburtlichen
schaften steigt.» Und das schützt                Kontrolluntersuchung auch ein Ge-
die Gesundheit der jungen Frauen.                spräch über Verhütung. Doch viele
                                                 Frauen nehmen diesen Termin erst im
                                                 siebten Monat kurz vor der Geburt wahr.
« Teenager-Schwanger-                            «Das ist zu spät». Die vier vorgeburtli-
  schaften sind ein                              chen Termine wären wichtig, um
                                                 mögliche Komplikationen frühzeitig zu
  nicht zu unterschät-                           erkennen. «Und es wäre dann auch
  zendes gesundheitli-                           mehr Zeit vor der Geburt, um über

  ches Risiko für Mutter                         Familienplanungsfragen zu sprechen».
                                                 Doch viele der Frauen müssen kilome-
  und Kind. »                                    terlange Fussmärsche auf sich neh-
                           Nazaria Baptista      men, um überhaupt zum Gesundheits-
                                                                                            ▲ Mit Leidenschaft berät Nazaria Baptista junge
                                                 zentrum zu gelangen. Insbesondere
                                                                                              Frauen. rs
Schwangerschaften zu kurz nach-                  während der Schwangerschaft ein
einander erhöhen das Risiko von                  schwieriges Unterfangen.                   Gesundheitsteams zu ihnen. «Die Auf-
Schwangerschafts- und Geburtskom-                                                           klärungsarbeit zu Verhütung und den
plikationen. Das Gesundheitszentrum              Umso wichtiger sei die Arbeit von          Risiken einer Teenager-Schwangerschaft
in Ncumpe gibt die Verhütungsmittel              SolidarMed in den Dörfern. Anstatt zu      muss unbedingt ausgeweitet werden»,
auch gratis ab und berät die Paare in-           warten, bis die Menschen ins Gesund-       fordert Nazaria Baptista im Gespräch.
dividuell.                                       heitszentrum kommen, fahren die            Denn die sexuelle Aufklärung in
                                                                                            den Schulen komme zu kurz. Zudem
                                                                                            müssten die Mädchen vielerorts in
                                                                                            Mosambik nach ihrer ersten Menstrua-
                                                                                            tion die Schule verlassen. Oft seien eine
                                                                                            Schwangerschaft und Heirat in sehr
                                                                                            jungen Jahren die Folge. Nur gelegent-
                                                                                            lich kämen Eltern mit ihren Töchtern
                                                                                            ins Gesundheitszentrum, um Verhü-
                                                                                            tungsmittel zu erhalten. «Leider viel zu
                                                                                            selten.»

                                                                                            Auch wenn sich Nazaria einen Wandel
                                                                                            dieses gesellschaftlichen Phänomens
                                                                                            wünscht. Sie bezweifelt, dass weitrei-
                                                                                            chende Veränderungen schnell stattfin-
                                                                                            den können. Erst gerade hat sie von
                                                                                            einem Mitarbeiter erfahren, dass seine
                                                                                            11-jährige Schwester verheiratet wurde –
                                                                                            mit vollem Einverständnis ihrer Eltern.
                                                                                            Beispiele wie diese treiben Nazaria
                                                                                            Baptista an. Sexuelle Aufklärungsarbeit
                                                                                            und die Anwendung von Verhütungs-
                                                                                            mitteln seien ihr Beitrag, die Unabhän-
                                                                                            gigkeit der Mädchen zu stärken und
                                                                                            die Zahl von Teenager-Schwangerschaf-

▲ Bei einer Nachsorgeuntersuchung ist Raum auch über andere Themen zu sprechen. rs
                                                                                            ten zu reduzieren. ab■
20/3 08.2020                                                                                                                             9
Fokus Gespräche, die heilen - SolidarMed persönlich Mit Familienplanung junge Frauen stärken
Projekte

▲ Übergabe von Desinfektionsmittel, Seife und mobilen Wasserspendern zur Ver-    ▲ Temperaturmessung im Rahmen der Covid-19-Kontroll-
     besserung der hygienischen Massnahmen in Tansania. zvg                        untersuchungen in Lesotho. zvg

                                                                                 ▲ Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Mass-
                                                                                   nahmen: In Mosambik werden Masken produziert. zvg

▲ Mit Flyern wird in Lesotho auf das korrekte Verhalten in Zeiten von Covid-19
     hingewiesen. zvg

Covid-19: Grundversorgung sichern                                                ▲ Bereitstellung von notwendigen Materialien im Kampf gegen
                                                                                   das Corona-Virus im Spital von Chongwe in Sambia. zvg

SolidarMed hat zusammen mit Gesundheitszentren und Spitälern Mass-
nahmen ergriffen, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen und
Patient/innen mit anderen Erkrankungen zu schützen. In Mosambik,
Tansania, Sambia und Simbabwe entstanden Covid-19-Abteilungen und
Isolierungsstationen an Gesundheitszentren.

Gleichzeitig haben die lokalen SolidarMed-Teams das Gesundheitspersonal
an Partnerspitälern und Gesundheitszentren mit Schutzmasken, Hand-
schuhen, Schutzbrillen und -kleidung ausgerüstet und Thermometer sowie
eine Grundausstattung zum Händewaschen bereitgestellt. Unsere Gesund-
heitsmitarbeiter/innen erhalten Trainings, um Patient/innen mit Covid-
19-Symptomen frühzeitig zu erkennen und eine bestmögliche Behandlung             ▲ Die hygienischen Bedingungen werden in Simbabwe durch
zu gewährleisten. ab    ■                                                          das Bereitstellen von Seifenwasser verbessert. zvg

10                                                                                                                           SolidarMed Fokus
Integration Aids & Kind

Gemeinsam stärker!
Die traditionsreiche Stiftung Aids & Kind schliesst sich SolidarMed an.
Die bisherigen Aktivitäten für HIV/Aids-betroffene Jugendliche und
Kinder in Südafrika, Kenia und Indien gehen weiter. Ein Glücksfall für
beide Organisationen.

▲ HIV/Aids-betroffene Familien in den informellen Siedlungen von East London werden mit ihren Sorgen und Nöten nicht allein gelassen, sondern
  durch Sozialarbeiter/innen unterstützt. mr

Die Stiftung Aids & Kind setzte sich über        Schweiz. Das Virus bedrohte nicht nur das        Kenia und einige Jahre später auch auf
drei Jahrzehnte für Leidtragende der             Leben von Drogenabhängigen, sondern              Indien. HIV/Aids ist in diesen Ländern
HIV-Epidemie ein. Menschen, die oft              beschäftigte eine ganze Generation von           noch immer stark verbreitet und täglich
vergessen gingen. Entstanden zur Zeit            betroffenen Eltern sowie deren Kinder.           infizieren sich Kinder und deren Eltern
der offenen Drogenszene in Zürich,                                                                mit dem Virus.
war sie eine gewichtige Stimme in der            In dieser Zeit entstand die Stiftung
Schweiz zu Fragen rund um HIV-betrof-            Aids & Kind in Zürich. Sie setzte sich für       Nun schliesst sich die Stiftung Solidar-
fene Kinder. Die Bilder des Films                HIV- und Aids-betroffene Kinder und              Med an. Die Erträge aus Spenden hätten
«Platzspitzbaby» aus dem Jahr 2020               Jugendliche in Not in der Schweiz und            die Projekte nur noch eine beschränkte
haben die Erinnerungen an diese                  im Ausland ein, unterstützte besonders           Zeit finanzieren können. Mit dem
1980er-Jahre aufgefrischt. Mit der               Bedürftige und kümmerte sich um deren            Anschluss an SolidarMed werden die
offenen Drogenszene eng verbunden                Wohlergehen. Seit 2014 fokussierte die           bisherigen Projekte gemäss dem
ist auch die Ausbreitung von HIV in der          Stiftung ihre Aktivitäten auf Südafrika,         Stiftungszweck von Aids & Kind durch

20/1 03.2020                                                                                                                                    11
Integration Aids & Kind

SolidarMed weitergeführt. Der verant-      professionelle, psychologische und
wortliche Projektleiter und Co-Ge-         soziale Begleitung für stark traumatisier-
schäftsführer Martin Ramsauer wechselt     te Kinder, Jugendliche und ihre Bezugs-
nach Luzern (siehe Interview). Gleich-     personen. In Hausbesuchen, Einzel- und
zeitig überträgt die Stiftung ihr Stif-    Gruppentherapien wird an der Bewälti-
tungskapital aus einem früheren Legat      gung der Traumata gearbeitet. Die
an SolidarMed. Damit ist die Nachhaltig-   Klient/innen werden ermächtigt, ihr
keit der Projekte zugunsten der Begüns-    Schicksal wieder selbst in die Hand zu
tigten in Afrika und Indien gesichert.     nehmen, ihre Medikamente regelmässig
«SolidarMed ist für die Stiftung Aids &    einzunehmen, eine Arbeit zu suchen
Kind ein Glücksfall. Beide Organisatio-    bzw. eine Ausbildung zu machen. Immer
nen decken ähnliche Interessen             wichtiger wird die therapeutische Arbeit
zugunsten von HIV/Aids-betroffenen         mit den Angestellten von Kinderheimen
Kindern ab», sagt Prof. Walter Zingg,      und Kliniken: Nur wenn diese über ihre
Stiftungsratspräsident von Aids & Kind.    eigenen schmerzhaften Erfahrungen
«Durch den Zusammenschluss sind wir        hinweg sind, können sie sich um die
gemeinsam stärker.»                        ihnen anvertrauten Kinder und Erwach-
                                           senen kümmern.                               ▲ Schulbildung von HIV-betroffenen Kindern in
Mit der Übertragung der Projekte und                                                      Hyderabad sichern. mr

des Vermögens von Aids & Kind an           Im ländlichen Tzaneen im Norden des
SolidarMed erhalten Kinder und             Landes leben viele HIV-infizierte Kinder     Auch in einem Projekt in der Industrie-
Jugendliche mit HIV/Aids und Aidswai-      und Aidswaisen in extremer Armut.            stadt East London spielen die Hausbesuche
sen in Südafrika, Kenia und Indien         Mit regelmässigen Hausbesuchen und           unserer Sozialarbeiter/innen eine zentrale
eine sichere Perspektive. bg               Gruppenaktivitäten werden diese Kinder       Rolle. Denn nur im geschützten Rahmen
                                           in der Medikamententreue unterstützt         ihres Zuhauses lüften die Menschen ihr
Südafrika: Glückskinder – trotz HIV        und zu Themen wie HIV und sexueller          streng gehütetes Geheimnis ihrer HIV-
Die Kinder in den Aids & Kind-Projekten    Gesundheit geschult. Ihre Betreuerinnen,     Infektion. Um die Leute zu erreichen,
in Südafrika wachsen unter schwierigen     meist Grossmütter, besuchen Workshops        arbeitet die lokale Partnerorganisation mit
Lebensumständen auf. Viele haben ihre      zu Erziehungsthemen und lernen, wie sie      einer staatlichen Primarschule zusammen.
Eltern an Aids verloren. In den Town-      mittels Spar- und Leihgruppen, Garten-       Die Abgabe eines Frühstücks an die 800
ships von Johannesburg gehören zudem       bau oder dem Aufbau eines kleinen            Schüler/innen, regelmässiger Nachhilfe-
Vergewaltigung und Mord zum Alltag.        Geschäfts ihre ökonomischen Grundla-         unterricht, individuelle Beratungsangebote,
Die Partnerorganisation vor Ort leistet    gen verbessern können.                       Gesundheitskontrollen und ein Kinderta-
                                                                                        geshort verbessern die Zukunftschancen
                                                                                        der Kinder.

                                                                                        Kenia: Hilfe in Butere
                                                                                        In dieser ländlichen Projektregion im
                                                                                        Westen Kenias ist jede sechste Person
                                                                                        mit dem HI-Virus infiziert. Der Zugang zu
                                                                                        den lebensrettenden Medikamenten wird
                                                                                        durch die weit verbreitete Armut (oft fehlt
                                                                                        es am Geld für den monatlichen Klinik-
                                                                                        besuch) und schlecht ausgebildetes
                                                                                        Gesundheitspersonal stark erschwert.
                                                                                        Begonnen hat dieses Projekt mit einem
                                                                                        monatlichen Club-Treffen für infizierte
                                                                                        Kinder. Heute werden 65 HIV-positive
                                                  Neue SolidarMed Projektregionen
                                                  Bisherige SolidarMed Länder
                                                                                        Kinder und ihre Familien intensiv
                                                                                        betreut. Ein hochmotiviertes Team
                                                                                        besucht sie regelmässig zu Hause und
                                                                                        in der Schule und unterstützt sie beim

12                                                                                                                   SolidarMed Fokus
Integration Aids & Kind

Leben mit dem Virus. Allgemeine Ge-         Hyderabad/Secunderabad, wo sich die        viele Infizierte aufgrund der weit ver-
sundheitskontrollen, Begleitung in die      Nord-Süd- und West-Ost-Transitachse        breiteten Korruption ihre Tabletten
Klinik, Nachhilfeunterricht während der     durch den Subkontinent kreuzen, ist        nicht in genügender Anzahl. Das Projekt
Schulferien, Abgabe von Schuluniformen,     durch das Aufeinandertreffen von           ermöglicht und stärkt die Schulbildung
Unterstützung bei der Berufsbildung         Menschenhandel, Fernfahrern und            HIV-betroffener Kinder. Es unterstützt
und die Ausbildung von Peer-Educators       Zwangsprostitution die HIV-Verbreitung     sie und ihre Eltern gesundheitlich und
ergänzen das Programm.                      in den Risikogruppen mit 10–40 Prozent     in der Therapietreue, führt Präventions-
                                            jedoch ähnlich hoch. HIV-positive          kampagnen durch und bietet Kindern
Indien: Hoffnung in Hyderabad               Menschen werden aus der Gesellschaft       und Jugendlichen in Not eine temporäre
HIV/Aids ist in Indien insgesamt nicht so   ausgeschlossen. Obwohl Indien HIV-         Unterkunft sowie eine von der Regierung
stark verbreitet wie in Afrika südlich      Medikamente produziert und unter           anerkannte Berufsausbildung im eigenen
der Sahara. In der Millionen-Metropole      anderem nach Afrika exportiert, erhalten   Berufsbildungszentrum. mr  ■

«SolidarMed war für Aids & Kind der
Wunschpartner.»
Der bisherige Aids & Kind-Projektverantwortliche und Co-Geschäfts-
führer Martin Ramsauer wird bei SolidarMed die Projekte weiterhin
betreuen. Sie werden in die Programme von SolidarMed integriert.

Was erhoffen Sie sich für Ihre bisheri-     Wie schätzen Sie die Bedrohung durch
gen Projekte unter dem Dach von             HIV für Kinder im Jahr 2020 ein?
SolidarMed?                                 Glücklicherweise ist die Mutter-Kind-
Ich wünsche mir, dass die medizinische      Übertragung durch die entsprechenden
Komponente unserer Projekte durch das       Schutzmassnahmen in den letzten Jahren
Know-how von SolidarMed weiter              weltweit und auch in unseren Einsatzlän-
gestärkt wird. Zudem hoffe ich, dass        dern stark zurückgegangen. Die grösste
einige Projekte auch deutlich ausgebaut     Risikogruppe für Neuansteckungen im
werden können, wie dies ohne die            südlichen Afrika sind heute die 15 bis
Zusammenarbeit mit SolidarMed nicht         24-jährigen jungen Frauen, und zwar als
möglich wäre und wir so dazu beitragen,     Folge der Armut. Wir müssen den
dass mehr HIV/Aids-betroffene Kinder        Teufelskreis von Armut und HIV durch
ein gesundes und unabhängiges Leben in      einen ganzheitlichen Ansatz durchbre-
Würde führen können.                        chen – nur so wird es uns gelingen, die
                                            Bedrohung durch diesen Virus nachhaltig
Wie passt ein Projekt in Indien zu den      zu verringern.
Programmen in Afrika?
                                                                                       ▲ Martin Ramsauer betreut die Aids & Kind
Aids & Kind wurde in Indien tätig, weil     Welche Stärke von A&K sollte Solidar-        Projekte weiterhin. mr
die Not HIV-betroffener Menschen dort       Med unbedingt weiter pflegen?
ebenso gross ist wie in Subsahara-Afrika.   Der Erfolg unserer Arbeit gründet auf      war für Aids & Kind der Wunschpartner,
Viele HIV-Positive in Indien haben          vier Hauptpfeilern: der engen und sehr     weil wir denken und hoffen, diesen
immer noch keinen Zugang zu den             persönlichen Zusammenarbeit auf            erfolgreichen Weg auch unter dem neuen
lebensnotwendigen Medikamenten und          Augenhöhe mit den lokalen Partnerorga-     Dach beibehalten zu können. bg   ■
die riesige Stigmatisierung führt zur       nisationen, der Nähe zu den Begünstig-
sozialen Isolation und teilweise sogar      ten, dem ganzheitlichen Ansatz und dem
zum Schulausschluss der Kinder.             langfristigen Engagement. SolidarMed

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Augenblick

► Terzeina Jacinto lief mit ihrem
  einjährigen Sohn Atanasio Macia
  11 km, um ins nächste Health
  Center zu gelangen. Ihr Kind
  leidet unter Mangelernährung.
  Beide hatten an diesem Tag noch
  nichts gegessen. rs

  «Mangelernährung ist eng verknüpft
  mit der finanziellen Situation betrof-
  fener Familien. Verändert sich die
  wirtschaftliche Lage, verbessert sich
  auch die Ernährungssituation.»
  Marielle Jousse MD, Projektmanagerin MAMA, Mosambik

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Engagement

Solidarität zeigen – über den Tod hinaus
Es ist unangenehm, sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzuset-
zen. Aber wie Benjamin Franklin einst sagte: «Nichts ist so sicher wie
der Tod und die Steuern.»

Wir werden alle irgendwann einmal
gehen. Nur den Zeitpunkt kennen wir
nicht. Meistens – so denken wir – liegt
er in der Ferne und wir hätten noch
genügend Zeit unsere Angelegenheiten
zu regeln oder dies oder jenes zu tun.
Doch es kann schnell gehen. Ich erinnere
mich an den Tag, als mein Onkel kurz
nach seinem 50. Geburtstag plötzlich
verstarb. Kerngesund, in der Blüte seines
Lebens verlor er sein Leben beim
Fahrradfahren. Der einzige Trost, er ist
bei etwas gestorben, das er liebte –
dennoch war es ein schwerer Schlag für
die ganze Familie.

Deshalb ist es – so makaber es klingen
mag – niemals zu früh sich Gedanken
über sein eigenes Ableben zu machen.
Seine Wünsche zu notieren und ein
Testament aufzusetzen. So schaffen Sie        ▲ Andrea Schneeberger ist Ihre Ansprechpartnerin in Sachen Erbschaft. rs
Klarheit für sich, aber auch für Ihre
Hinterbliebenen.                              Organisation besonders am Herzen, die
                                              Sie über Ihren Tod hinaus weiter unter-
                                              stützen möchten.
« Eine Erbschaft an
  SolidarMed verhilft                         Wenn Sie eine Organisation begünstigen
                                              möchten, empfiehlt es sich, ein Legat
  vielen Menschen in                          zu vermachen, sofern Sie verheiratet sind
  Armut zu einer besse-                       und Kinder haben. Bei Unverheirateten                                       Bestellen
                                                                                                                                                                 « SolidarMed setzt sich

  ren Gesundheit. »                           und Kinderlosen können Organisationen                                       Sie unsere
                                                                                                                                                                   ein für eine Welt, in der
                                                                                                                                                                   alle Menschen gleich-
                                                                                                                                                                   berechtigten Zugang zu
                                                                                                                                                                   einer guten Gesundheits-
                                                                                                                                                                   versorgung haben. »

                                              wie SolidarMed auch als Erbin eingesetzt                                    Mappe zum
                      Andrea Schneeberger     werden.                                                                     Thema
                                                                                                      SolidarMed | Obergrundstrasse 97 | CH-6005 Luzern

                                                                                                                          «Legate &
                                                                                                      kontakt@solidarmed.ch | +41 41 310 66 60 | solidarmed.ch

Ein Testament zu schreiben ist einfacher      Existieren weder ein Testament noch                  Erbschaften» mittels beiliegender
als viele denken. Im ersten Schritt gilt es   gesetzliche Erb/innen, geht die gesamte              Antwortkarte. Gerne steht Ihnen
herauszufinden, welche Vermögenswerte         Hinterlassenschaft an den Staat über.                Andrea Schneeberger auch persön-
vorhanden sind, welche gesetzlichen                                                                lich bei Fragen zur Verfügung –
Erb/innen in der Familie existieren und                                                            vertraulich und unverbindlich.
welche anderen Personen aus dem Um-
feld Sie gerne berücksichtigen möchten.                                                                           solidarmed.ch/erbschaften
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Gut zu wissen

Die gute Geschenkidee:
Eine SolidarMed-Geschenkurkunde

Den beiden Inhabern der «Wirkungsgrad Ingenieure AG»
Nermin Prasovic und Nicolas Bless stellt sich die Frage
immer wieder: «Wie können wir unsere Kunden bewusst
und nachhaltig beschenken?» Im vergangenen Jahr haben
sie sich für Geschenkurkunden von SolidarMed entschieden.
«Wir fanden, was wir uns erhofft hatten: Ein sinnvolles
Geschenk mit einer nachhaltigen Wirkung und einer
Botschaft», freut sich Nicolas Bless.

Sein Partner Nermin Prasovic ergänzt: «Mit den Geschenk-
urkunden unterstreichen wir, für welche Werte wir einste-
hen und dass wir uns bewusst gegen das Verschenken von
Konsumgütern und für einen positiven Beitrag im südlichen
und östlichen Afrika entscheiden.»

Die Reaktionen zur weihnachtlichen Geschenkaktion der
beiden im vergangenen Jahr seien durchweg positiv gewe-       ▲ Die Geschäftsinhaber setzen für ihre weihnachtliche Geschenkaktion
sen, berichten die beiden Geschäftsinhaber begeistert. Die      auf SolidarMed-Geschenkurkunden. zvg

Rückmeldungen der Kund/innen hätten ihnen gezeigt, dass
ein Umdenken stattfindet, weg von einem gedankenlosen         Schenken auch Sie «sinnvoll»
Konsum hin zu Geschenken mit einer Sinnhaftigkeit.            Was kann ich Sinnvolles schenken, lautet die Frage daher
                                                              immer häufiger, ob als Privatperson oder Unternehmen, ob
«Das Tolle an den Urkunden ist, dass sie tatsächlich etwas    zum Geburtstag oder Jubiläum. Und vielleicht planen Sie gar
bewegen», meint Nermin Prasovic. «In einem Projekt, das       schon jetzt Ihre Geschenkurkunden fürs Jahresende. Wir
man selbst auserwählen kann.» Sein Partner Nicolas Bless      beraten Sie gerne und passen die Urkunden ganz auf Ihre
fügt an: «Diese positiven Rückmeldungen im beruflichen        Bedürfnisse an. Eines ist sicher: Weihnachten kommt
Kontext haben mich dazu inspiriert, auch im privaten          bestimmt. ab■
Umfeld meine Freunde und Familie mit Geschenkurkunden
zu beglücken.»                                                Mehr Infos unter:          solidarmed.ch/geschenkspende

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