Gestaltungsleitfaden Für ein attraktives Ortsbild! - Westzipfelregion
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westzipfelregion.de
Gestaltungsleitfaden
für die Westzipfelregion
Orientierungshilfe für die Gestaltung von
Gebäuden, Freiräumen, Werbeanlagen Für ein
und Außengastronomie attraktiv
es
Ortsbild
!Impressum
Herausgabe: Bearbeitung:
Für die Westzipfelregion: Planungsgruppe MWM
Stadt Heinsberg
Andreas van Vliet Städtebau | Verkehrsplanung
Apfelstraße 60 Auf der Hüls 128
52525 Heinsberg 52068 Aachen
Telefon: 02452 14-6011 Telefon: 0241 / 93866 - 0
Telefax: 02452 14-260 Telefax: 0241 / 513525
info@plmwm.de
www.planungsgruppe-mwm.de
Die deutsche Sprache bietet keine flüssigen Begriffe, die den angesprochenen weiblichen, männlichen und diversen Personen gleichermaßen
gerecht werden. Für eine bessere Lesbarkeit wird im folgenden Text nicht stets die weibliche, männliche und diverse Form einer Formulie-
rung verwendet, sondern der gängige Sprachgebrauch gewählt. Gleichwohl wird auf die Gleichberechtigung von allen Personen hingewiesen
und dementsprechend darauf, dass in den Fällen der Wiedergabe der männlichen Form auch weibliche und diverse Personen gemeint sind.
1. Auflage, Mai 2020Inhalt
3
1 Grußwort der Bürgermeister.................................................................................................................................................. 4
2
2.1
67
Hintergründe und Ziele...............................................................................................................................................................
Was ist ein Gestaltungsleitfaden?........................................................................................................................................................
2.2 Warum ein Gestaltungsleitfaden?.........................................................................................................................................................
8
2.3 Wo und wofür gilt der Gestaltungsleitfaden?..................................................................................................................................... 9
3
3.1
Werkzeugspektrum der Ortsgestaltung......................................................................................................................
Interkommunales Entwicklungskonzept............................................................................................................................................. 11
10
3.2 11
Bebauungspläne.........................................................................................................................................................................................
3.3 Gestaltungssatzungen..............................................................................................................................................................................
12
3.4 Sondernutzungssatzungen...................................................................................................................................................................... 12
3.5 Denkmäler und Denkmalbereichssatzungen....................................................................................................................................... 12
3.6 Gestaltungskonzepte für den öffentlichen Raum.............................................................................................................................. 12
3.7 Fußgänger- Parkplatz- und andere Leitsysteme........................................................................................................................13
4
4.1
Das Ortsbild: Die Identität der Westzipfelregion..................................................................................................
Historische Entwicklung...........................................................................................................................................................................
14
14
4.2 Merkmale der baulichen Identität...........................................................................................................................................................
18
4.3 Ableitung von Gestaltungsprinzipien..................................................................................................................................................... 22
5 Was uns verbindet: Gestaltungsleitlinien für die gesamte Westzipfelregion............................. 24
5.1 Gestaltung von Gebäuden.................................................................................................................................................................... 26
5.1.1 Das Gebäude im baulichen Zusammenhang........................................................................................................................................ 28
5.1.2 Dächer.............................................................................................................................................................................................................
29
5.1.3 Dachaufbauten............................................................................................................................................................................................ 31
5.1.4 33
Solaranlagen................................................................................................................................................................................................
5.1.5 Fassaden und Fassadengliederung...................................................................................................................................................... 34
5.1.6 Fassadenmaterial, -farben und -beleuchtung................................................................................................................................... 35
5.1.7 Haustüren und Fenster.............................................................................................................................................................................. 38
5.1.8 Schaufenster.................................................................................................................................................................................................
41
5.1.9 Vordächer, Markisen, Rollläden und Fensterläden............................................................................................................................ 42
5.1.10 Bepflanzung und Blumenschmuck......................................................................................................................................................... 43
5.2 Gestaltung von Gärten und Freiflächen......................................................................................................................................... 44
5.2.1 (Vor)gärten....................................................................................................................................................................................................
46
5.2.2 Gebäudevorzonen und Einfahrten.......................................................................................................................................................... 48
5.2.3 Einfriedungen..............................................................................................................................................................................................
49
5.2.4 Mülltonneneinhausungen......................................................................................................................................................................... 49
5.3 Gestaltung von Werbeanlagen.......................................................................................................................................................... 50
5.3.1 Werbeschriftzüge........................................................................................................................................................................................
53
5.3.2 Werbeausleger..............................................................................................................................................................................................
54
5.3.3 Hinweisschilder und Schaukästen.......................................................................................................................................................... 55
5.3.4 Schaufenstergestaltung und Schaufensterwerbung......................................................................................................................... 56
5.3.5 Mobile Werbung vor dem Gebäude........................................................................................................................................................ 57
5.4 58
Gestaltung von Sondernutzungen im öffentlichen Raum.....................................................................................................
5.4.1 Außengastronomie und Mobiliar.............................................................................................................................................................. 60
5.4.2 62
Warenauslagen.............................................................................................................................................................................................
5.4.3 Begrünungselemente vor Eingängen..................................................................................................................................................... 63
6 Was uns besonders macht: Gestaltungsleitlinien für einzelne Vertiefungsräume.............
66
64
6.1 Gestaltungsleitlinien in Gangelt...............................................................................................................................................................
6.2 Gestaltungsleitlinien in Höngen-Saeffelen.......................................................................................................................................... 70
5.3 74
Gestaltungsleitlinien in Kirchhoven........................................................................................................................................................
6.4 78
Gestaltungsleitlinien in Oberbruch.........................................................................................................................................................
7 Ihre Ansprechpartner.........................................................................................................................................................
83
82
Hinweise und Quellen................................................................................................................................................................................Liebe Mitbürgerinnen, 5
Liebe Mitbürger,
wir alle sind Teil einer Region, die für viele nicht nur Um diese charakteristische Gestalt zu schützen,
Raum zum Leben, Arbeiten, Einkaufen oder zum dient dieser Gestaltungsleitfaden als Hilfsinstru-
Freizeitvertreib darstellt. Diese Region ist unse- ment. Es geht hier nicht darum, Veränderungen zu
re Heimat. Auch die bauliche Identität ist mit dem vermeiden oder vorzuschreiben, sondern vielmehr
Begriff Heimat verknüpft. Erinnerungen an ein für darum, Anreize für Ihre eigenen Ideen sowie Ent-
uns besonderes Gebäude, einen Garten, eine Straße scheidungshilfen bei der Gestaltung des eigenen
oder einen Platz schaffen eine bestimmte Ortsiden- Gebäudes zu geben. Eine Sensibilisierung für einen
tität und erzeugen ein ganz bestimmtes Heimatge- bewussten und sorgsamen Umgang mit dem bau-
fühl in uns. lichen Erbe ist das wichtigste Ziel dieses Leitfadens.
Hierfür werden gestalterische Anregungen und
Alle Bürgerinnen und Bürger aus Gangelt, Heins- Empfehlungen für die Sanierung, den Umbau oder
berg, Selfkant und Waldfeucht leben zusammen in den Neubau Ihres Gebäudes oder Ihres Ladenlokals
einer Region, die auch als Gesamtes das Bild unse- sowie für die Gestaltung von öffentlichen und pri-
rer Heimat prägt. In allen Kommunen der West- vaten Freiflächen gegeben. Nur mit Ihrer Unterstüt-
zipfelregion gibt es eine bauliche Identität, die ein- zung als private Haus- und Grundeigentümerinnen
zigartig ist und zugleich das Erscheinungsbild der und -eigentümer wird es möglich sein, unsere re-
gesamten Region ausmacht. So sind viele Orte gionale Baukultur zu stärken und dabei die örtliche
ländlich geprägt mit älteren Hofhäusern mit Holzto- Individualität zu bewahren. Natürlich stehen Ihnen
ren sowie mit Doppel- und Einfamilienhäusern. Be- die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der jeweiligen
sonders charakteristisch sind die Ziegelsteinfassa- Verwaltung mit Rat und Tat zur Seite und beraten
den, die in verschiedensten Rottönen und Mustern Sie gerne. In diesem Sinne laden wir Sie herzlich ein,
ganze Straßenzüge prägen. Das ist das bauliche Bild dieses Angebot zu nutzen und aktiv an der attrakti-
unserer Heimat. ven Gestaltung unserer Region mitzuwirken.
Bernhard Tholen Herbert Corsten Wolfgang Dieder
Bürgermeister der Bürgermeister der Bürgermeister der
Gemeinde Gangelt Gemeinde Selfkant Stadt HeinsbergEin Gestaltungsleitfaden für die 7
Westzipfelregion
Die Westzipfelregion hat eine einzigartige Geschichte aus der
sich auch ihr heutiges, besonderes Erscheinungsbild zusam-
mensetzt. Viele kleine Orte formen gemeinsam das Ortsbild
der Region, das auch zukünftig erhalten und gepflegt werden
soll. Damit dies gelingt, gibt es den Gestaltungsleitfaden für
die Westzipfelregion als eine Orientierungshilfe.
2.1 Was ist ein die Gestaltung der öffentlichen Straßen, Plätze und
Gebäude, die natürlich das Ortsbild mitbestimmen.
Gestaltungsleitfaden? Die Gestaltung von privaten Flächen und Gebäuden
beeinflusst jedoch wesentlich mehr das Erschei-
Ein sogenannter Gestaltungsleitfaden, auch Ge- nungsbild eines Ortes. Bereits ein gestalterisch
staltungshandbuch oder Gestaltungsfibel genannt, unpassendes Gebäude kann z. B. innerhalb eines
ist ein Gestaltungs- und Ausstattungskonzept für Ortskernes oder Straßenzuges das gesamte Er-
einen bestimmten Raum. In diesem Werk werden scheinungsbild stören. Daher zielt ein Gestaltungs-
Leitlinien für die stadträumliche Gestalt und die Ge- leitfaden primär darauf ab, die privaten Eigentümer
bäude dieses Raumes definiert und Hinweise, Tipps anzusprechen und zu informieren, sodass sie für ein
und Vorlagen gegeben, um diese Leitbildziele zu einheitliches, charakteristisches Ortsbildes sensibi-
erreichen. So betreffen die Inhalte meist Themen lisiert sind. Bei zukünftigen Umgestaltungen, Um-
rund um die Gebäudegestaltung (Dach, Fassaden, baumaßnahmen oder Neubauten, kann dann auf
Fenster, Türen, Materialien, Farben), Werbeanlagen das identitätsstiftende, charakteristische Ortsbild
oder auch die Gestaltung von Freibereichen bzw. die der Westzipfelregion Rücksicht genommen werden.
Nutzung des öffentlichen Raums.
Bei einem Gestaltungsleitfaden handelt es sich
Als Grundlage dient ein typisches, schützenswer- nicht um ein hartes Instrument der Stadtplanung.
tes Ortsbild. Das Ortsbild ist das Erscheinungsbild Rechtlich festgelegte Planungsinstrumente sind
einer Ortschaft, das sich aus der Gestalt des geo- beispielsweise Bebauungspläne oder Satzungen,
graphischen Raums, des Stadtraums sowie den Ge- wie eine Gestaltungssatzung. Von diesen geht
bäuden, Straßen und Plätzen zusammensetzt. Die eine Rechtsverbindlichkeit aus, was bedeutet, dass
Außengestalt von Gebäuden und des öffentlichen sie als gültiges Gesetz von jeder Person beachtet
Raums bilden eine Art Kulisse, die das Ortsbild de- werden müssen. Ein Leitfaden hingegen stellt ein
finiert. In der Westzipfelregion setzt sich somit das informelles Instrument dar und dient eher als Ori-
typische, identitätsstiftende Ortsbild aus dem über- entierungsrahmen. Es werden Orientierungshilfen
wiegend landwirtschaftlich geprägten Kulturraum, gegeben, wie der Schutz des Ortsbildes im Optimal-
den dörflichen Siedlungen, den Ortsstraßen, Orts- fall umgesetzt werden könnte. Wird z. B. ein neues
plätzen und den Gebäuden zusammen. Auf diesem Gebäude in der Westzipfelregion gebaut, so können
Fundament baut der Gestaltungsleitfaden auf und sich die Eigentümer bei der Dach-, Fassaden- oder
dient dem Schutz und der Pflege dieses Ortsbildes. Fenstergestaltung ihres Gebäudes an den Vorschlä-
gen des Gestaltungsleitfadens orientieren, sodass
Auch wenn die kommunale Verwaltung die Pla- dieses harmonisch in das Ortsbild passt und nicht
nungshoheit in ihren Ortsgebieten hat, so muss be- als auffälliger Fremdkörper eine Störwirkung entfal-
achtet werden, dass sich die Gestalt eines Ortes in tet. Es handelt sich hierbei also um eine unverbind-
erster Linie aus Grundstücken und Bauwerken von liche Hilfestellung mit verschiedenen Gestaltungs-
privaten Eigentümern zusammensetzt. Die öffent- möglichkeiten und Beispielen für die ortsansässigen
liche Hand hat zunächst nur direkten Einfluss auf Menschen und ihre Gebäude und Grundstücke.8
Abbildung 1: Betrachtungsraum des Gestaltungsleitfadens in der Westzipfelregion.
2.2 Warum ein Raums, des Ortsbildes der Region als Kulisse bzw.
Lebensraum des alltäglichen Zusammenlebens so-
Gestaltungsleitfaden? wie als attraktiver Standort des Wohnens und Ar-
beitens. Das Ortsbild hat aber auch Auswirkungen
Die Westzipfelregion hat ein einzigartiges Erschei- auf die lokale Wirtschaft. Daher gibt es auch öko-
nungsbild und damit ein heimatstiftendes Element nomische Ziele, mit diesem Instrument die Iden-
für die Bürgerschaft. Darüber hinaus entfaltet ein tität, das Image und die Adressbildung der West-
attraktives Ortsbild aber auch Anziehungskraft und zipfelregion zu steigern und sie gegenüber anderen
ist ein wichtiger Standortfaktor. Gerade weil diese Regionen konkurrenzfähig zu halten. Aber auch
Qualität nicht allein durch die öffentliche Hand er- ökologische Ziele werden hier verfolgt, wie z. B. die
reicht werden kann, sondern private Eigentümer Förderung der Begrünung und Bepflanzung und der
eine entscheidende Rolle spielen, sind gut realisier- gleichzeitige Klimaschutz bzw. die Anpassung an
te private Projekte (straßenbegleitende Gebäude den Klimawandel.
und Privatflächen) von großer Bedeutung. Mit dem
Gestaltungsleitfaden werden vielschichtige Ziele Dieser Leitfaden ist außerdem Teil eines Interkom-
verfolgt, um eine positive Entwicklung eines attrak- munalen Entwicklungskonzepts für die Westzipfel-
tiven Erscheinungsbildes der Westzipfelregion zu region (IEK). Durch dieses Entwicklungsprogramm,
fördern. das vom Städtebau, über den Verkehr bis hin zu
sozialen Aspekten reicht, soll entsprechend dem
Wie bereits genannt gibt es einerseits identitäts- integrierten Ansatz ein Zusammenwachsen und die
und heimatfördernde Ziele. Das Bild der Westzip- Entwicklung der Region mithilfe von Städtebauför-
felregion soll so, wie sie viele Menschen kennen dermitteln erreicht werden. Die Aufstellung dieses
und in Erinnerung haben, erhalten werden. Es gibt Gestaltungsleitfadens stellt dabei nur eines von
andererseits auch städtebauliche und denkmalpfle- vielen Maßnahmen dar, um die Ziele dieses Kon-
gerische Ziele, wie die Aufwertung des öffentlichen zepts zu erreichen.9
Fassade Dach Dachdeckung Dachaufbauten Fenster
Vorgarten Haustür Schaufenster Werbung Anbauten
Abbildung 2: Anwendungsbereich des Gestaltungsleitfadens in der Westzipfelregion.
2.3 Wo und wofür gilt der und zeigen Gestaltungshinweise auf, die charakte-
ristisch und verbindend für die Region sind. Für die
Gestaltungsleitfaden? individuellen Besonderheiten der vier städtebauli-
chen Schwerpunktquartiere sind zusätzlich im Ka-
Der Betrachtungsraum für den Gestaltungsleitfa- pitel 6 dieser Arbeit berücksichtigt und gesondert
den ist die gesamte Westzipfelregion. Es handelt ausgearbeitet.
sich somit um ein Werk, das als Orientierungshilfe
von allen Kommunen und Ortschaften der Westzip- Der Gestaltungsleitfaden richtet sich an aktive Ak-
felregion genutzt werden kann. Sie setzt sich dabei teure, insbesondere an Eigentümer von Gebäuden,
aus den Gemeindegebieten von Gangelt, Heinsberg, Flächen und Mieter von Ladenlokalen. Mit zahl-
Selfkant und Waldfeucht zusammen. reichen Empfehlungen, Hinweisen, Tipps und Bei-
spielen sollen Gestaltungmöglichkeiten an die Hand
Die Untersuchungen zur Aufstellung des Leitfadens gegeben werden, sodass die Entwicklung einer at-
bauen auf dem Interkommunalen Entwicklungs- traktiven Westzipfelregion im Zusammenspiel von
konzept für die Westzipfelregion auf. Daher sind privaten und öffentlichen Akteuren gemeinsam ge-
die darin ausgewählten „städtebaulichen Quartiere“ lingen kann. Der Anwendungsbereich des Leitfa-
des Zentralorts Gangelt, der Heinsberger Stadtteile dens erstreckt sich allgemein auf Gebäude und ihre
Kirchhoven und Oberbruch sowie die zusammen- Dach-, Fassaden-, Fenster- und Türgestaltung. Da-
hängenden Ortsteile Höngen, Heilder und Saeffelen rüber hinaus gibt es auch Hinweise zu Werbeanla-
der Gemeinde Selfkant auch in diesem Leitfaden die gen und zur Gestaltung von Gärten, Stellplätzen und
vertiefende Betrachtungsräume. Nicht nur bei der Außenflächen, sowie der Nutzung des öffentlichen
Analyse und Bestandsaufnahme, sondern auch im Raums, wie z. B. durch eine Außengastronomie oder
Leitfaden selbst werden sie besonders berücksich- Verkaufsstände. Mit positiven und negativen Bei-
tigt. So sind die Inhalte dieses Gestaltungsleitfa- spielen wird veranschaulicht, wie sensibel mit dem
dens für die gesamte Westzipfelregion anwendbar Einfluss auf das Ortsbild umgegangen werden kann.Planerische Gestaltungsinstrumente in 11
der Westzipfelregion
Um die Gestaltung der Westzipfelregion positiv zu entwickeln,
gibt es eine Fülle an planerischen Werkzeugen, die auch Ein-
fluss auf die Gestalt der Region ausüben. Je nach Instrument
gibt es mehr oder weniger tiefgreifende Vorgaben zur Gestal-
tung von Gebäuden und Grundstücken. Dieser Gestaltungs-
leitfaden stellt nur ein Element dar, das es zu beachten gilt.
3.1 Interkommunales 3.2 Bebauungspläne
Entwicklungskonzept Ein Bebauungsplan, kurz auch B-Plan, ist ein Pla-
nungsinstrument, mit dem Kommunen die Art und
Eines der Fundamente, auf denen die Westzip-
Weise der möglichen Bebauung von Grundstücken
felregion fußt, ist das Interkommunale Entwick-
und die Nutzung der Bebauung und der Grundstü-
lungskonzept (IEK), das im Jahre 2016 in einer Zu-
cke festlegen können. Es handelt sich um beson-
sammenarbeit der Kommunen Gangelt, Selfkant
ders starke kommunale Planungsinstrumente, da
Waldfeucht und der Stadt Heinsberg aufgestellt
sie rechtswirksame, also für alle verbindliche, text-
wurde. Entsprechend der Zielsetzung eine gemein-
liche und zeichnerische Festsetzungen haben kön-
same Region mit einer nachhaltigen Raument-
nen, die es bei Bauvorhaben oder Veränderungen
wicklung und Kooperation zu entwickeln, wurden
baulicher Anlagen einzuhalten gilt.
im Rahmen des Interkommunalen Entwicklungs-
konzeptes der Zentralort Gangelt, die Heinsberger
Auch die vier Kommunen Gangelt, Heinsberg, Self-
Stadtteile Kirchhoven und Oberbruch sowie die zu-
kant und Waldfeucht der Westzipfelregion stellen
sammenhängenden Stadtteile Höngen, Heilder und
für verschiedene Bereiche ihres Ortsgebietes Be-
Saeffelen der Gemeinde Selfkant als Vertiefungs-
bauungspläne mit unterschiedlichen, spezifischen
räume im Konzept näher betrachtet.
Regelungen auf. Die Region ist somit eine Art Fli-
ckenteppich unzähliger Bebauungsplangebiete, die
Die Ortsteile stellen im Gesamtgefüge der West-
bei den Kommunen ausliegen bzw. in deren Online-
zipfelregion heute wichtige wirtschaftliche, soziale
auftritten eingesehen werden können.
und kulturelle Zentren dar. Aus diesem Grund sollen
sie als „Ankerpunkte der Daseinsvorsorge“ nach-
Die Inhalte von Bebauungsplänen können so um-
haltig gesichert und gestärkt werden. Von diesen
fassend sein, dass sie auch Vorgaben für die Außen-
fokussierten Bemühungen wird auch die Bewoh-
gestaltung von Gebäuden beinhalten können und
nerschaft in den übrigen Ortsteilen profitieren. Die
somit sehr stark Einfluss auf das Ortsbild nehmen.
Sicherung von zentralörtlichen Funktionen ist eine
Der Bebauungsplan Nr. 13 im Selfkanter Kirchfeld
ganzheitliche Aufgabe, die eng mit der städtebau-
beispielsweise schreibt vor, dass Außenwände von
lichen Entwicklung verknüpft ist.
Gebäuden keine grelle oder schwarze Farbe haben
dürfen und der Einsatz von glasiertem Putzmate-
Das Interkommunale Entwicklungskonzept dient als
rial nicht erlaubt ist. Der Bebauungsplan Nr. 11 in
roter Faden für die zukünftige Entwicklung der Orts-
Waldfeucht-Boket hingegen verbietet Dachgauben
teile. Auf Basis dieses Konzeptes war es möglich, in
zur Verkehrsfläche oder gibt umfangreiche Vorga-
das Städtebauförderungsprogramm „Kleinere Städ-
ben zum Dachmaterial und dessen Farbe. Daher ist
te und Gemeinden“ aufgenommen zu werden. Mit
bei sämtlichen Vorhaben ein Kontakt mit der Ver-
Hilfe von Fördermitteln werden derzeit konkrete
waltung bzw. eine Prüfung, ob es einen gültigen
Projekte umgesetzt, die sich unter anderem auch
Bebauungsplan für das entsprechende Gebiet gibt,
auf die Verbesserung der Ortsbilder beziehen.
sehr wichtig.12 3.3 Gestaltungssatzungen 3.5 Denkmäler und Denkmal-
Eine Gestaltungssatzung ist ein Planungsinstru-
bereichssatzungen
ment mit dem Kommunen Gestaltungs- und Aus-
Die zahlreichen Denkmäler in der Westzipfelregion
stattungsvorgaben für einen bestimmten städti-
zeugen von der historischen Nutzung und der Be-
schen Raum festlegen können. Es werden meistens
deutung, die verschiedene Gebäude inne hatten und
Vorgaben zur Gebäudegestaltung (Dach, Fassaden,
teilweise noch haben. Ist ein Gebäude in die Denk-
Fenster, Türen, Materialien, Farben etc.), Werbean-
malliste aufgenommen worden, muss seine äußere
lagen oder auch zur Gestaltung von Freibereichen
Erscheinung dem historischen Original auch in Zu-
bzw. zur Nutzung des öffentlichen Raums. In Man-
kunft treu bleiben.
chen Orten werden Werbeanlagen getrennt in einer
eigenen Werbeanlagensatzung behandelt. Auch
Eine Denkmalbereichssatzung schreibt vor, dass
die Gestaltungssatzung ist wie ein Bebauungsplan
Regelungen des Denkmalschutzgesetztes in Nord-
eine rechtsverbindliche, vom Rat der Gemeinde be-
rhein-Westfalen in dieser Zone Anwendung finden.
schlossene Satzung, die Anwendung bei allen Bau-
Dies bedeutet, dass bei jeder baulichen Maßnahme
vorhaben im Geltungsbereich findet.
innerhalb dieser Zone, unabhängig von Bebauungs-
plänen und Gestaltungssatzungen, die denkmal-
Sowohl die Gemeinde Selfkant als auch die Gemein-
schutzrechtlichen Belange ebenfalls eingehalten
den Waldfeucht und Gangelt verfügen über eine
müssen. Daher ist ein frühzeitiger Beratungstermin
Gestaltungssatzung. In Selfkant werden beispiels-
mit der Denkmalpflegeabteilung der Stadt oder Ge-
weise auf diese Art die maximale Ausdehnung von
meinde zu empfehlen.
Dachgauben und die Anpflanzung von Bäumen an
bestimmten Standorten vorgeschrieben. In Wald-
Durch eine solche Satzung wird z. B. in Waldfeucht
feucht dient die Gestaltungssatzung dem Erhalt
der historische Ortskern gestaltet. Es wird u. a. fest-
des historischen Erscheinungsbildes des Ortskerns.
gelegt, dass sich Neubauten in Anlehnung an den
Die Gemeinde Gangelt regelt über diese Satzung die
mittelalterlichen städtebaulichen Maßstab anpas-
Dacheindeckungen, die Größe und das Format der
sen müssen, dass Fassaden nur mit unglasiertem
Fenster sowie die Materialien freistehender Mau-
Ziegelmauerwerk herzustellen sind oder dass eine
ern, Geländer und Zäune. Im Kapitel 6 wird näher
waagerechte Unterteilung der Gebäude einzuhalten
auf die einzelnen Orte und auch die Vorgaben der
ist. Auch die Farbe und Materialwahl der zu wählen-
dortigen Gestaltungssatzungen eingegangen.
den Dacheindeckungen werden hier beschrieben.
3.4 Sondernutzungssatzungen 3.6 Gestaltungskonzepte
Als Sondernutzungen werden Nutzungen von öf- für den öffentlichen Raum
fentlichen Gehwegen und Fahrbahnflächen, zur
Aufstellung von Gerüsten, Bauzäunen, Lagerung Neben dem Spektrum an stadtplanerischen Inst-
von Baustoffen, Aufstellen von Abfallcontainern, rumenten, die insbesondere Vorgaben für private
Blumenkübeln, Schrägaufzügen, Werbeständen, Akteure in der Region treffen, legen sich die einzel-
Plakaten und Außenbewirtschaftung (Tische und nen Kommunen aber auch selbst Gestaltungsregeln
Stühle) zusammengefasst. Auch für diesen städti- auf, die sie einzuhalten haben. Da die Gemeinde-
schen Raum und seine Nutzung können Satzungen verwaltungen für die Erstellung des öffentlichen
mit Vorgaben aufgestellt werden, die rechtsver- Raums zuständig sind, liegen z. B. die Auswahl von
bindlich für alle sind. Bodenbelägen, Stadtmöbeln, Bepflanzungen und
vieler weiterer Elemente öffentlicher Straßen- und
Von besonderem Interesse sind hierbei die Rege- Platzräume, in ihrem Aufgabenfeld. Die Kommunen
lungen bezüglich der Gestaltung des öffentlichen haben die Aufgabe eine Gestaltung zu wählen, die
Raumes durch die Außenbewirtschaftung. Auch sie einerseits das historische Erbe, die umliegende Be-
üben Einfluss auf die Ausgestaltung des Ortsbildes. bauung und Stadtstruktur respektiert, andererseits
Die Gemeinde Waldfeucht hat diesbezüglich bereits aber auch eine optimale Nutzbarkeit gewährleistet.
eine Satzung erarbeitet. In dieser wird festgehalten, Daher werden behördenintern sogenannte Gestal-
dass z. B. die Möblierung der Außengastronomie tungskonzepte für den öffentlichen Raum entwi-
einheitlich gehalten werden muss. Im Sommer ha- ckelt. In diesem Richtlinien werden Gestaltungs-
ben Sonnenschirme in hellen oder Naturfarben zu elemente gewählt, mit denen der öffentliche Raum
sein, ohne Werbung für einen anderen Betrieb oder der Gemeinde einheitlich ausgestaltet werden soll.
eine andere Marke. Dies reicht von der Auswahl von Bodenbelägen,Bebauungspläne Gestaltungskonzept der öffentlichen Räume
13
Denkmal Denkmalbereichssatzung Sondernutzungssatzung
Gestalt der Westzipfelregion
Gestaltungssatzung Interkommunales Entwicklungskonzept Fußgängerleitsystem
Gestaltungsleitfaden Parkleitsystem
Abbildung 3: Planerisches Werkzeugspektrum zur Steuerung des Erscheinungsbildes der Westzipfelregion.
Pflasterungsmustern etc. über die Ausgestaltung
von Straßeneinteilungen für Fußgänger, Radfah-
3.7 Fußgänger-, Parkplatz-
rer, Autofahrer und den ruhenden Verkehr, bis hin und andere Leitsysteme
zur Auswahl geeigneter Straßenlaternen, Sitzbän-
ke oder anderer Stadtmöbel. Entsprechend werden In den Kommunen der Westzipfelregion gibt es ne-
im Gemeindegebiet einheitlich oder für bestimmte ben den privaten Gebäuden und Grundstücken und
festgelegte Zonen unterschiedliche Gestaltungs- der Gestaltung der öffentlichen Räume auch noch
konzepte des öffentlichen Raums umgesetzt. All zahlreiche andere Elemente, die mehr oder weniger
dies trägt zur Entwicklung eines ordentlichen, ein- das Erscheinungsbild beeinflussen. Auch wenn der
heitlichen und sauberen Ortsbildes bei. Effekt auf das Ortsbild eher geringer ist, so dürfen
auch Schilder und Leitsysteme nicht vergessen wer-
In der Westzipfelregion sind diese Gestaltungs- den. Insbesondere Schilder für Fußgänger, Touris-
richtlinien in den einzelnen Ortschaften im öffent- ten, parkplatzsuchende Autofahrer, Radfahrer oder
lichen Raum ablesbar. In der historischen Altstadt Wanderer sind in der gesamten Westzipfelregion
Gangelts beispielsweise dominieren eher in Natur- vorzufinden. Je nach Thema und Zugehörigkeit sind
stein gepflasterte Straßen und Gehwege und die diese wiederum sehr unterschiedlich gestaltet. Eine
Straßen werden von historisch anmutenden, grau- Fülle an vielen verschiedenen Schildern an einem
en Straßenlaternen beleuchtet. Einige Straßen sind Ort weckt den Eindruck von Unordnung und beein-
aber auch mit rötlichen Pflasterungen ausgestattet trächtigt das Erscheinungsbild. Aus diesem Grund
und harmonieren mit den zahlreichen Ziegelstein- achten die Kommunen der Region auch darauf, wo
gebäuden. In Heinsberg Oberbruch oder Kirchhoven und in welcher Form diese Leitsysteme angebracht
hingegen sind die Bodenbeläge eher in zurückhal- werden dürfen. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass es
tenden Grautönen gestaltet und die Straßen sind eben eine Fülle an größeren und kleineren Elemen-
asphaltiert. Stadtmöbel und Straßenbeleuchtung ten gibt, die allesamt gemeinsam Auswirkungen auf
sind gängige, neutral wirkende Standardelemente. die Gestalt der Region ausüben.Das Ortsbild - die Identi- tät der Westzipfelregion 4
Das charakteristische, bauliche Erschei- 15
nungsbild der Westzipfelregion
Das identitätsstiftende, typische Erscheinungsbild des geo-
graphischen Raums, ist eines der Elemente, das diese Region
zur Westzipfelregion macht. Diese setzt sich zusammen aus
der historischen Entwicklung und dem daraus resultierenden
heutigen Erscheinungsbild. Genau dies bildet die Grundlage,
auf der dieser Gestaltungsleitfaden aufbaut.
4.1 Historische Entwicklung die unterschiedlich wirtschaftlich genutzt wurden.
Im Hochmittelalter wurde einigen Orten wie Gan-
gelt oder Waldfeucht das Stadtrecht verliehen und
Die Entwicklung vieler Ortschaften in der Westzip-
die Siedlungen mit Stadtmauern befestigt. Andere,
felregion lässt sich bereits auf 2000 bis 3000 Jahre
kleine Ortschaften und Dörfer wie der Ort Selfkant
v. Chr. zurückverfolgen. Es wird angenommen, dass
hingegen blieben zunächst als Ansammlung von
mit dem Niederlassen der ersten Siedler besonders
landwirtschaftlichen Höfen bestehen.
an den zahlreichen Wasserläufen der Region, Sied-
lungen durch die zu dieser Zeit in die Rheinregion
Bis ins 15. Jahrhundert hinein ist die Entwicklung der
vordringenden keltische Völker erfolgte.
Region hauptsächlich durch politische Spannungen
zwischen verschiedenen Herrschaftsgeschlechtern,
Um Christi Geburt eroberten die Römer das Gebiet
Herzogtümern und deren Bündnissen und Feind-
westlich des Rheins und begannen hier ihre Infra-
schaften geprägt. Die mittlerweile mit Stadtrechten
strukturen einzurichten. Der Ausbau eines dich-
versehenen Orte wie Gangelt, Heinsberg und Wald-
ten Straßennetzes und daran angrenzende Ver-
feucht wuchsen mäßig weiter und wurden dichter
sorgungshöfe waren die Hauptmerkmale der Zeit.
bebaut. Die heute kleineren Ortschaften hingegen
Der heutige Ort Tüddern in der Gemeinde Selfkant
wurden nur von vereinzelten Gehöften besiedelt.
ist ein Beispiel für die Gründung dieser Raststatio-
Erst durch die Eroberung des linken Rheinufers
nen. Während die Römer 400 Jahre in dem Gebiet
durch Napoleon im Jahre 1797, kam Bewegung in
herrschten, entstanden vermutlich die Urformen
die Siedlungsentwicklung der Region. Das franzö-
der meisten heutigen Siedlungen. Dabei handelte
sische Verwaltungssystem wurde eingeführt, so-
es sich um Ansammlungen von einfachen Höfen mit
dass es auch zu politischen Umstrukturierungen
Beherbergungsräumen und Ställen für Tiere.
kam. Orte wie Gangelt und Waldfeucht verloren
ihre Stadtrechte und gleichzeitig ihre Bedeutung als
Ab ca. 400 n. Chr. verließen die Römer die Region
wichtige Siedlungen in der Region. Erst nach dem
und mit der Zeit nahmen die vorrückenden Franken
Zusammenbruch des französischen Herrschafts-
das Gebiet ein. Die gesamte Region wurde Reichs-
reichs wurden um 1816 die Gebiete westlich des
gut und hauptsächlich von der Merowinger Fürsten-
Rheins dem Preußischen Reich zugesprochen und
familie regiert. Bis ins Frühmittelalter hinein wurden
wieder deutsch verwaltet. In diese Zeit fällt auch
die Orte mehr und mehr besiedelt und es entwickel-
die Entstehung der Kreise Heinsberg, Erkelenz und
ten sich neue Grund- und Landesherrschaften. Die
Geilenkirchen. Während Orte wie Gangelt und Wald-
erste urkundliche Erwähnung vieler Kommunen der
feucht weiterhin an Bedeutung verloren, wuchs der
Westzipfelregion fällt in diese Zeit. Die Bedeutung
Status der Stadt Heinsberg immer deutlicher an.
der einzelnen Siedlungen stieg, da nun vereinzelte
Mit der aufkommenden Industrialisierung zum Ende
landwirtschaftliche Höfe zu einem dichteren Sied-
des 19. Jahrhunderts siedelten sich auch vermehrt
lungskörper zusammenwuchsen. Insbesondere in
größere Industriebetriebe in Heinsberg an, sodass
den Orten Heinsberg aber auch Gangelt entwickel-
sich der Ort deutlich zu einer Kleinstadt entwickeln
ten sich frühstädtische Strukturen. So gab es hier
konnte.
bereits zentrale Plätze für Märkte und Gebäude,16
2000 - 3000 v. Chr. 55 v. Chr. 400 n. Chr. 15. Jhd.
Keltische Völker dringen In der römischen Zeit Durch die Franken entsteht Das Heinsberger Land geht
bis an den Rhein vor und wurde ein dichtes die Herrschaft Heinsberg an die Herzöge von Jülich
werden sesshaft. Straßennetz angelegt. mit größeren Siedlungen. und dann an Napoleon.
Abbildung 4: Historische Entwicklung der Westzipfelregion im Zeitstrahl (QuelleQuelle).
Im 20. Jahrhundert war insbesondere Heinsberg senen Orten wie Gangelt und Waldfeucht hingegen
einem starken Wachstum ausgesetzt. Ganze Quar- gelang ein weitestgehend behutsamer Wiederauf-
tiere wurden neu angelegt, um die Arbeiter der an- bau nach Vorbild der Vorkriegszeit. Die Gemeinde
sässigen Industrien zu beherbergen. Andere Orte in Selfkant hingegen war von 1949 bis 1963 unter
der Region wuchsen hingegen nur mäßig, da sich niederländischer Verwaltung, sodass sie fast 5 Jah-
der Bedeutungsverlust auch bis ins 20. Jahrhundert re nicht Teil der Bundesrepublik Deutschland war.
durchzog.1932 wurden sogar die Kreise Heinsberg Erst im Jahre 1963 konnte nach zähen Verhandlun-
und Geilenkirchen zusammengelegt und Heinsberg gen die Eingliederung der Gemeinde zur Bundesre-
als der größte Hauptort in diesem Raum weiterhin publik ausgehandelt werden.
gestärkt. Diese Entwicklung dauerte bis zum zwei-
ten Weltkrieg an. Durch die zahlreichen Industrien Insbesondere in den Jahren des deutschen Wirt-
und die Grenznähe zu den Niederlanden war die schaftswunders ab den 1970er Jahren entwickelten
Region insbesondere zum Ende des Krieges Schau- sich alle Ortschaften und Kommunen der Region
platz von Kampfhandlungen. Dementsprechend erheblich. Besonders durch die Suburbanisierung
gab es, selbst in kleineren Dörfern, teilweise gro- und den Anstieg der Mobilität durch den Automo-
ße Kriegszerstörungen, wodurch insbesondere in bilverkehr, zogen verstärkt Menschen in die Region.
Heinsberg auch städtebauliche Strukturen verloren Dabei beschränkte sich das Wachstum jedoch nicht
gingen. nur auf den Hauptort Heinsberg. Auch in Gangelt,
Waldfeucht und in Selfkant entstanden neue Wohn-
In der Nachkriegszeit ab Mitte des 20. Jahrhunderts gebäude oder sogar Einfamilienhausquartiere. Da-
stand ein schneller Wiederaufbau auf der Agenda, mit einher ging auch der Ausbau der Infrastruktur
sodass in den dichten Siedlungsbereichen schnell durch neue Landstraßen, Autobahnen aber auch
zweckdienliche Gebäude errichtet wurden. Ins- Versorgungszentren. Diese Entwicklung setzt sich
besondere in Heinsberg ist dies noch im heutigen bis heute, wenn auch abgeschwächt, fort und prägt
Stadtbild erkennbar. In historisch langsam gewach- das Bild der Westzipfelregion.17
19. Jhd. 20. Jhd. 21. Jhd. Heute / Zukunft
Um 1816 entstehen die Im Krieg werden große Die Westzipfelregion Vernetzte, nachhaltige
Kreise Heinsberg, Erkelenz Teile der städtebaulichen wächst zusammen mit Region inmitten der Natur
und Geilenkichen. Strukturen vernichtet. individuellen Quartieren. und im Herzen Europas.
Diese umfangreiche, lebendige Geschichte ist in der Die heute sichtbaren baulichen Strukturen der
heutigen Baustruktur der Orte nur noch bedingt ab- Westzipfelregion sind insbesondere im späten 19.
lesbar. Die ältesten historischen Strukturen sind die und 20. Jahrhundert entstanden. Durch die ländli-
Straßenverläufe und Stadtgrundrisse. Denn auch che und landwirtschaftliche Prägung sind es Hofge-
wenn es Veränderungen wie Straßenverlegungen bäude, die auch in den zentralen Orten der Kommu-
gab, so reichen die Positionen der heutigen Straßen nen, trotz heutiger baulicher Überprägungen, noch
und Plätze viele Jahrhunderte zurück und sind meist immer vorzufinden sind. Darüber hinaus gibt es
die ältesten Zeugen der regionalen Geschichte. Teil- aber auch zahlreiche kleinmaßstäbige Wohn- und
weise gehen sie auf die Römerzeit zurück. Handwerksgebäude, die damals in den Baulücken
zwischen den Höfen errichtet wurden. Insbeson-
Baulich betrachtet sind es einzelne Gebäude, be- dere während der Jahrhundertwende zum 20. Jahr-
sonders Sakralbauten und vereinzelt noch land- hundert entstanden aber auch Arbeitersiedlungen
wirtschaftliche Höfe, die auf eine mehrere hundert für die Industriearbeiter. Doppelhaushälften und
Jahre zurückreichende Historie blicken können. Al- Reihenhausquartiere sind hierfür typisch. Ganze
lerdings muss dazu gesagt werden, dass es sich um so entstandene Quartiere sind beispielsweise in
Einzelgebäude handelt, die zudem im Laufe der Zeit Heinsberg-Oberbruch noch vorhanden. Der Großteil
baulich überprägt wurden. In vielen Fällen steht nur der Bebauung geht jedoch auf die Nachkriegszeit
noch das Fundament, auf dem in späteren Zeiten bis zur Jahrtausendwende zurück. Besonders Ein-
dann neue Gebäude errichtet wurden. So ist ledig- familienhäuser ihrer Zeit eroberten in den 1960er
lich die Zeit des Spätmittelalters in einigen Kommu- bis 1980er Jahren weite Teile der Westzipfelregion.
nen noch vereinzelt an der Baustruktur ablesbar, Mittlerweile werden sie an einigen Stellen durch
wie z. B. Gangelt St. Nikolaus oder Waldfeucht Alt- moderne Architekturen aktueller Strömungen er-
stadt. In Gangelt stehen zudem noch Stadttore und gänzt. Das historisch gewachsene Erscheinungsbild
Teile der historischen Stadtmauern, die ebenfalls der heutigen Region lässt sich somit hauptsächlich
auf diese Zeitepoche zurückgehen. auf diese Entwicklungen zurückführen.18
Abbildung 5: Eindrücke der baulichen Identität der Gemeinden Gangelt, der Heinsberger Stadtteile Kirchho-
ven und Oberbruch und der Gemeinde Selfkant.
4.2 Merkmale der Auch für die Westzipfelregion wurde eine solche
Ortsbildanalyse durchgeführt. Die Gemeinden Gan-
baulichen Identität gelt, Selfkant, Waldfeucht und die Stadt Heinsberg
sowie ein großer Teil der dazugehörigen Ortschaf-
Für die Entwicklung eines Gestaltungsleitfadens ten, Dörfer bzw. Stadtteile wurden besichtigt, foto-
bedarf es einer Grundlage, auf der das gesamte grafiert und bezüglich der baulichen Gestalt analy-
Werk aufbaut. Es muss deutlich sein, welches Ziel siert. Aus dieser Masse an gewonnen Daten konnten
mit dem Gestaltungsleitfaden verfolgt wird und dann einerseits in fast allen Kommunen auftreten-
somit auch, zu welchem Idealbild man das Erschei- de, typische und identitätsstiftende Merkmale der
nungsbild eines Ortes hinsteuern möchte. Um ein Westzipfelregion gefunden und zusammengefasst
solches Fundament zu entwickeln ist eine gründ- werden. Andererseits wurden in einigen Orte ein-
liche Recherche und Analyse des historisch ge- zigartige Besonderheiten festgestellt.
wachsenen und des heutigen Ortsbildes notwendig. Die Basis dieses Gestaltungleitfadens stellen in al-
Insbesondere eine Ortsbildanalyse, bei der die ak- len Kommunen häufig auftretende, typische bauli-
tuelle bauliche Gestalt aufgenommen wird, ist das che Merkmale dar, welche als bauliche Identität der
wichtigste Erfassungsinstrument bei der Erstellung Westzipfelregion zusammengefasst werden kön-
eines Gestaltungsleitfadens. Dabei wird nicht nur nen. Hierunter fallen sowohl Gebäudetypen als auch
die Bebauung aufgenommen, sondern das Orts- Baugestaltungsmuster, welche die Westzipfelregi-
bild auch hinsichtlich besonders attraktiver oder on ausmachen. Die einzelnen Besonderheiten der in
störender Elemente analysiert. So lässt sich letzt- diesem Leitfaden festgehaltenen Schwerpunkträu-
endlich schlussfolgern, was die bauliche Identität me Gangelt, der Heinsberger Stadtteile Kirchhoven
dieses Raumes ausmacht und was sie besonders und Oberbruch sowie der zusammenhängenden
positiv oder negativ beeinflusst. Entsprechende Ge- Ortsteile Höngen, Heilder und Saeffelen der Ge-
staltungsvorschläge können dann für den Leitfaden meinde Selfkant, sind hingegen im Kapitel 6 jeweils
aus dieser Analyse abgeleitet werden. zusammengefasst.Einfamilienhäuser
19
Doppelhäuser
Reihenhäuser Reihenhäuser mit Ladenlokal im EG
Hofhäuser
Abbildung 6: Häufigste, typische Gebäudetypen und ihre Variationen in der Westzipfelregion.
Gebäudetypologien als zwei zusammenhängende, baugleiche Gebäude,
Zunächst lassen sich insgesamt vier Gebäudetypen die an ihren Seitenwänden miteinander verbunden
in der Westzipfelregion erkennen, die am häufigs- sind, so spricht man von Reihenhäusern. Auch die-
ten auftreten und somit als typisch bzw. charakte- ser dritte Gebäudetypus ist charakteristisch für die
ristisch für die Kommunen der Region beschrieben Westzipfelregion, wenn er auch eher in den großen
werden können. So ist am häufigsten der Gebäude- Orten vorkommt und in Dörfern seltener ist. Beim
typ des Einfamilienhauses vorzufinden. Zwar gibt es Reihenhaus gibt es wiederum einige Unterformen.
hier sehr viele, unterschiedliche Variationen dieses Eine Sonderform stellt dabei die Ausstattung mit
Types, aber grundsätzlich handelt es sich dabei um Ladenlokalen bzw. Gewerberäumlichkeiten im Erd-
ein meist beidseitig freistehendes, ein- bis zweige- geschoss dar. Ähnlich wie bei den beiden zuvorge-
schossiges Wohngebäude für einen Haushalt. Die nannten Gebäudetypen, handelt es sich um meist
Dachform ist meist ein Sattel- oder ein Mansard- zweigeschossige Gebäude mit einem Satteldach.
dach und vielerorts ist das Gebäude giebelständig Besonders ist dabei, dass sich die Architektur eines
zur Straßenseite ausgerichtet. Es gibt aber auch Gebäudes in einer Reihe wiederholt. Schließlich sind
andere Dachformen und die traufständige Aus- die zahlreichen Hofhäuser als charakteristische
richtung zur Straße. Eine weitere, häufig auftreten- Gebäudetypen der Westzipfelreion zu nennen. Die
de Gebäudeform ist das Doppelhaus. Auch hierbei meist ein- bis zweigeschossigen, relativ langen Ge-
handelt es sich um meist freistehende, ein- bis bäude beherbergen ein Wohnhaus an einem Ende
zweigeschossige Gebäude. Wie der Name bereits und ein großes Einfahrtstor zum Hof am anderen
andeutet, handelt es sich um eigentlichen Sinne Ende des Baus. In den meisten Fällen gibt es ein
um zwei Einfamilienhäuser, die an jeweils einer Ge- großes Bogentor sowie vier Fenster im Erdgeschoss
bäudeseite miteinander verbunden sind und baulich auf der Fassadenseite. Da es sich meist um beson-
fast identisch aufgebaut sind. Auch hier gibt es ver- ders alte, identitätsstiftende Gebäude handelt, sind
schiedene Varianten dieses Gebäudetypus mit z. B. sie teilweise mit Verzierungen oder Fensterläden
Seiten- oder Fronteingängen. Gibt es hingegen mehr ausgeschmückt.Kreuzverband Fassadengestaltung
20 Über die Gebäudetypologie hinaus, kann die Gestal-
tung der Gebäude aber noch genauer analysiert wer-
den. Bei Betrachtung der Fassadengestalt der Ge-
bäude in der Westzipfelregion, lassen sich ebenfalls
charakteristische Materialien und Muster erkennen,
die sich in allen Gebieten der Region wiederfinden
lassen. So weisen unzählige Gebäude eine Ziegel-
stein- bzw. Klinkerfassade auf. Ziegelsteinformate
in rötlichen Farben bestimmen in allen Kommunen
teilweise sehr deutlich das Erscheinungsbild von
Gebäudefassaden und ganzen Straßenzügen.
Läuferverband
Diese Fassadengestaltung lässt sich historisch auch
auf die Nähe zu den Niederlanden zurückführen.
Gerade in ländlichen Regionen jenseits der Grenze
sind Ziegelsteingebäude weit verbreitet, In den an-
grenzenden niederländischen Ortschaften gibt es
teilweise sogar ganze Wohnquartiere mit reinen
Ziegelsteinbauten. Diese Bauweise bzw. Gestaltung
der Außenhaut von Gebäuden hat sich somit auch
bis in die Westzipfelregion durchgesetzt und stellt
somit ein besonders identitätsstiftendes und ein-
Wilder Verband zigartiges Alleinstellungsmerkmal der Kommunen
in der Region dar.
Bei genauerer Betrachtung der Mauerwerksverbän-
de ist dieser historische Bezug ebenfalls erkennbar.
So gibt es nicht nur typische Ziegelsteinfassaden,
sondern auch bestimmte Verlegemuster, die in al-
len Kommunen der Region vorkommen und als cha-
rakteristisch eingestuft werden können. Eines der
häufigsten Verbundmuster bei Ziegelsteinfassaden
ist der Kreuzverband. Wie der Name bereits ver-
rät, sind die Steine in Form eines Kreuzes angelegt.
Flämischer Verband Ebenso häufig und einfach ist der Läuferverband an
Hausfassaden weit verbreitet. Eine etwas komple-
xere Verlegeart ist der wilde Verband. Hierbei sind
die einzelnen Steine des Mauerwerks in unter-
schiedlichen Größen und oft auch in leicht unter-
schiedlichen Farben durchmischt verlegt. Darüber
hinaus gibt es Verbände, die die geographische Lage
und die historischen Bezüge widerspiegeln. So sind
im gemauerten Fassadenbild der Westzipfelregion
der Flämische und der Märkische Mauerverband
an zahlreichen Gebäuden sichtbar. Der Flämische
Verband geht zurück auf die Region Flandern im
Märkischer Verband
Grenzgebiet der Niederlande und Belgien und ver-
deutlicht, dass diese geographische wie historische
Nähe sogar im Ziegelsteinfassadenmuster einiger
Gebäude noch ablesbar ist. Darüber hinaus ver-
deutlicht ebenso der Märkische Verband die Nähe
zum norddeutschen und nordniederländischen
Plattland. Diese Fassadengestaltungsvariationen
sind daher in vielerlei Hinsicht bedeutend und orts-
bildbestimmend für die bauliche Identität der West-
zipfelregion.
Abbildung 7: Häufige, charakteristische. Fassaden-
mauerwerksmuster der Westzipfelregion.Dachform Dachmaterial Dachfarbe Dachaufbautenform Dachaufbauten
- Satteldach - Pfanne - Braun - Einzelgauben - Satteldachgaube
21
- Walmdach - Dunkelrot - Langgauben - Flachdachgaube
- Zwerchdach - Orange - Zwerchgiebel
- Krüppelwalmdach
Nutzung Fensterfarbe
- Wohnen - Weiß
- Wohnen und Gewerbe - Braun
- Gewerbe
- Kirche Fenstersprossung
- Keine
Gebäudeanordnung - Pfostensprossen
- Traufständig - Kreuzsprossen
- Giebelständig
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- Quadratisch
Fensterformate
Geschosse - Hochrechteck (vertikal)
- Eins - Breitrechteck (horizontal)
- Zwei - Mischform
- Drei - Quadratisch
Fassadenform Fassadenmaterial Fassadenfarbe Fassadenorientierung
- Lochfassade - Ziegel - Weiß-Farbtöne - Vertikal
- Putz - Beige-Farbtöne - Horizontal
- Braun-Farbtöne
- Gelb-Farbtöne
- Grau-Farbtöne
Abbildung 8: Zusammenfassende Darstellung der Gestaltungselemente eines typischen, charakteristischen
Gebäudes in der Westzipfelregion.
Das typische Gebäude der Westzipfelregion Bei den Fassaden hingegen dominieren deutlich die
Werden alle aufgenommenen und analysierten Lochfassaden. Es gibt also ein massives Mauer-
Gebäudegestaltungen der Westzipfelregion zu- werk, dass Löcher für Fenster und Türen besitzt.
sammengefasst, so lässt sich aus der Summe ein Glasfassaden hingegen sind untypisch für die Re-
Querschnitt bilden, der in einem symbolhaften gion und sind äußerst selten anzutreffen. Die Fas-
charakteristischen und typischen Gebäude für die sadengestaltung an sich wird deutlich durch die
Westzipfelregion dargestellt werden kann. Die für Verwendung von Ziegelsteingestaltungen, meist
dieses Gebäude beschriebenen Eigenschaften, fas- in hellen bis äußerst dunklen roten Farbtönen, be-
sen somit die gängigsten Gestaltungselemente al- stimmt. Darüber hinaus gibt es aber auch Putz-
ler Gebäude der Region zusammen. Es handelt sich fassaden, die jedoch eher in gedeckten Farben wie
somit um eine vereinfachte aber repräsentative weiß, grau, beige etc. gestaltet sind. Die Fensterfor-
Darstellung der zahlreichen Gebäudegestaltungen mate sind je nach Gebäudearchitektur unterschied-
der verschiedenen Kommunen in der Region. lich, sodass es sowohl hochrechteckige als auch
vertikalrechteckige Fenster gibt. Da das Wohnen die
Die häufigste Gebäudeform in der Westzipfelregion häufigste Nutzungsform der Gebäude darstellt, gibt
ist somit das Einfamilienhaus, weshalb es hier re- es entsprechend wenig Ladenlokale und Werbean-
präsentativ für alle Bauten steht. Meist sind die Ge- lagen. Hierbei fällt jedoch auf, dass in vielen Fällen
bäude zweigeschossig und weisen ein Sattel- oder die Werbeanlagen sehr groß, farbig und auffällig di-
Mansardendach auf, wobei es auch hierbei unzäh- mensioniert sind und das Erscheinungsbild des Ge-
lige Varianten gibt. Charakteristisch sind jedoch die bäudes beeinträchtigen. Eine Ebenso kritische Ent-
mit Ziegeln gedeckten Dächer, meist in grauen oder wicklung ist bei den Vorgärten zu beobachten. Zwar
roten Farbtönen. Einige Dächer sind mit Dachgau- sind die meisten Vorgärten begrünt und teilweise
ben oder Zwerchgiebeln ausgebaut, die meist als aufwendig und attraktiv bepflanzt und gepflegt, je-
Einzelgauben ausgeführt sind und sich harmonisch doch gibt es auch vermehrt Steinvorgärten, die eher
der Dach- und Fassadengestaltung unterordnen. ein graues und steriles Bild abgeben.Sie können auch lesen