Dezember 2021 Eine repräsentative Studie zur politischen Stimmung im Auftrag der ARD-Tagesthemen und der Tageszeitung DIE WELT - Infratest dimap
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Dezember 2021 Eine repräsentative Studie zur politischen Stimmung im Auftrag der ARD-Tagesthemen und der Tageszeitung DIE WELT
Der Inhalt dieses Berichtes darf ganz oder teilweise nur mit unserer schriftlichen Genehmigung veröffentlicht, vervielfältigt, gedruckt oder in Informations- und Dokumentationssystemen (infor- mation storage and retrieval systems) gespeichert, verarbeitet oder ausgegeben werden. © Infratest dimap, Alt-Moabit 96a, 10559 Berlin
Inhaltsverzeichnis Zusammenfassung..................................................................................................................... 1 Corona: Sorge vor Engpässen in der medizinischen Versorgung größer als vor einem Jahr 3 Kritik am Corona-Krisenmanagement, geschäftsführende Bundesregierung eher in der Kritik als Ampel-Parteien .......................................................................................................... 4 Mehrheit für Verschärfung von Corona-Regularien ................................................................. 5 Unterstützung für Impfpflicht, Widerspruch zu Einschränkungen im Bildungsbereich ......... 6 Politikerzufriedenheit: Scholz und Lindner mit deutlichen Verlusten .................................... 7 FDP bei Koalitionsverhandlungen im Vorteil ........................................................................... 8 Koalitionsvertrag: Hälfte sieht Antworten auf Fragen der Zukunft ........................................ 9 Ampel-Vorhaben: Ja zum Mindestlohn, Nein zur Absenkung des Wahlalters ..................... 10 Zweifel an Ampel-Rentenplänen ............................................................................................ 12 Sonntagsfrage: SPD verliert, Union legt zu ............................................................................ 13 Studieninformation .................................................................................................................. 14
Zusammenfassung
Deutschland befindet sich in der vierten Corona-Welle und kämpft mit Rekordinfektionszahlen. Die
Sorge, sich selbst mit dem Corona-Virus anzustecken, ist binnen eines Monats gestiegen und bewegt
derzeit jeden Dritten. Größere Sorgen als die eigene Infektion bereiten mögliche Ansteckungen bei
bislang ungeimpften Kindern, mehr noch aber schwerere Krankheitsverläufe bei Älteren. Sechs von
zehn treibt die Sorge vor neuen Varianten wie dem Omikron-Virus um. Ebenso viele und damit erkenn-
bar mehr als Ende letzten Jahres fürchten Engpässe in der medizinischen Versorgung von Erkrankten.
Die Furcht vor sich erneut ausdünnenden sozialen Kontakten bewegt die Hälfte der Deutschen. Wirt-
schaftliche Sorgen benennen im Zusammenhang mit Corona drei von zehn, sie sind damit verbreiteter
als im Dezember 2020.
Die Reaktion der Politik auf die vierte Pandemie-Welle überzeugt die Deutschen nicht. Acht von zehn
üben am Krisenmanagement von Bund und Ländern Kritik. Die Verantwortung für die aufgelaufenen
Probleme im Krisenmanagement wird weniger bei den Ländern als beim Bund gesehen und dort wie-
derum vor allem bei der sich noch im Amt befindlichen Bundesregierung, kaum dagegen bei den Ampel-
Parteien. Mit Amtsantritt wird im Bund auch die Ampelkoalition an ihrer Corona-Politik gemessen wer-
den. Die meisten Deutschen wünschen sich in der aktuellen Lage einen härteren Kurs. Sechs von zehn
gehen die bestehenden Corona-Maßnahmen nicht weit genug, so viele wie noch nie seit Ausbruch der
Pandemie. Zu den von deutlichen Mehrheiten unterstützten Corona-Maßnahmen gehören neben der
Einführung einer Corona-Impfpflicht der erneute Publikumsausschluss bei Bundesliga-Spielen, die stren-
gere Beschränkung von Kontakten sowie das Schließen von Bars und Kneipen wie auch von Weihnachts-
märkten. Während ein Lockdown für Kultureinrichtungen umstritten ist, fände ein Verbot touristischer
Übernachtungen ebenso wenig Unterstützung wie Schließungen in Gastronomie oder im stationären
Einzelhandel. Erneute Einschränkungen bei Schulen und in der Kita-Betreuung von Kindern lehnt anders
als Ende letzten Jahres jeweils eine klare Mehrheit ab.
Mitten in der vierten Pandemie-Welle vollzieht sich in Deutschland die Übergabe der Regierungsge-
schäfte. Zu Angela Merkel äußern sich zum Ende ihrer Kanzlerschaft knapp sieben von zehn zufrieden.
Sie ist damit unmittelbar vor ihrer Verabschiedung aus dem Kanzleramt die mit Abstand populärste
Politikerin und überzeugt mehr Wahlberechtigte als die Spitzen des künftigen Ampel-Bündnisses. Der
designierte Bundeskanzler Olaf Scholz findet aktuell Rückhalt bei jedem Zweiten. Der SPD-Politiker sieht
sich wie auch sein Koalitionspartner Christian Lindner von der FDP vor dem anstehenden Regierungs-
wechsel mit deutlicheren Sympathieeinbußen konfrontiert. Der von den Ampel-Parteien vorgelegte Ko-
alitionsvertrag trägt nach Ansicht von vier von zehn am ehesten die Handschrift der Liberalen. Für ein
Drittel haben sich die Sozialdemokraten in den Koalitionsverhandlungen am stärksten durchgesetzt, für
13 Prozent die Grünen. Während in den Reihen von SPD und FDP bei gut vier von zehn der Eindruck
besteht, die eigene Partei habe am besten verhandelt, teilt bei den Grünen-Anhänger nur jeder Sechste
diese Ansicht. Dennoch sind die Grünen-Anhänger mehr noch als die von FDP und SPD der Meinung, der
vorgestellte Koalitionsvertrag liefere die richtigen Antworten auf die Fragen der Zukunft. Von den Bun-
desbürgern insgesamt vertritt nur etwa jeder Zweite diese Position.
Zu den Vorhaben der Ampel-Koalition, die in der Bevölkerung eine deutliche Unterstützung finden, ge-
hören der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Einführung eines Klimachecks in der Gesetzgebung
des Bundes, ferner die geplante Anhebung des Mindestlohns sowie die Bündelung staatlicher Leistun-
gen für Kinder in einer Kindergrundsicherung. Überwiegenden Zuspruch finden ebenso ein vorzeitiger
Kohleausstieg sowie die Abschaffung des Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche. Auf ein eher
geteiltes Echo stoßen in der Bevölkerung dagegen Pläne zur Cannabis-Legalisierung. Eher ablehnend
stehen die Deutschen der vereinfachten Einbürgerung von Migranten sowie der Anschaffung von
Kampfdrohnen für die Bundeswehr gegenüber. Nur wenig Zuspruch findet der Vorschlag zur Absenkung
des Wahlalters bei Bundestagswahlen auf 16 Jahre. Die Rentenvorhaben der Ampel, angefangen von
A R D - D E U T S C H L A N D T R E N D D E Z M B E R 2 0 2 1 _____1der Stabilisierung des Rentenniveaus bis hin zur Aktienrente, wecken bislang nur wenig Euphorie. Sie-
ben von zehn sind skeptisch, dass die Pläne langfristig eine auskömmliche Rente sichern könnten.
In der aktuellen politischen Stimmung ergeben sich nur geringfügige Veränderungen. Bei einer Wahl
zum jetzigen Zeitpunkt hätte die SPD 25 Prozent in Aussicht, 2 Punkte weniger als im Vormonat. Die
Grünen liegen mit 17 Prozent (+1) etwas besser, die FDP mit 12 Prozent (-1) geringfügig schlechter. Die
Union legt im Monatsverlauf um 2 Punkte auf 23 Prozent zu. Die AfD verbessert sich um 1 Punkt auf 11
Prozent, während die Linke unverändert 5 Prozent in Aussicht hätte. Alle übrigen Parteien kämen zu-
sammen auf 7 Prozent (-1).
A R D - D E U T S C H L A N D T R E N D D E Z M B E R 2 0 2 1 _____2Corona: Sorge vor Engpässen in der medizinischen Versorgung größer als vor einem Jahr
Deutschland befindet sich in der vierten Corona-Welle seit Ausbruch der Pandemie und kämpft mit Re-
kordinfektionszahlen. Die Sorge, sich selbst mit dem Corona-Virus anzustecken, ist binnen eines Monats
gestiegen und bewegt derzeit jeden Dritten (33 Prozent; +9). Größere Sorgen als die eigene Infektion
bereiten den Deutschen weiterhin mögliche Ansteckungen bei bislang ungeimpften Kindern (57 Pro-
zent; +/-0), mehr noch aber schwere Krankheitsverläufe bei älteren Infizierten (73 Prozent; +11). Zwei
Drittel (64 Prozent; +28 zu Dezember 2020) und damit erkennbar mehr als während der zweiten Infek-
tions-Welle Ende letzten Jahres fürchten Engpässe in der medizinischen Versorgung von Corona-Erkrank-
ten. Sechs von zehn Bundesbürgern (60 Prozent) treibt derzeit die Sorge vor neuen Varianten wie dem
Omikron-Virus um.
ARD-DeutschlandTREND Dezember 2021
Corona-Pandemie: Sorgen, …
sehr groß / groß weniger groß / klein
dass ältere Bürgerinnen und Bürger schwer an +11 73 23
Corona erkranken
dass nicht jeder Erkrankte bei uns angemessen +28 64 33
medizinisch versorgt wird***
vor neuen Varianten des Corona-Virus, wie der -4 60 36
sogenannten Omikron-Mutation*
dass sich Kinder, die bislang noch nicht geimpft ±0 57 38
werden können, mit dem Corona-Virus anstecken
vor Vereinsamung, d.h. zu wenig Kontakten mit +3 47 52
Angehörigen, Freunden und Bekannten**
dass Sie sich mit dem Corona-Virus anstecken +9 33 65
dass sich Ihre persönliche wirtschaftliche Lage +7 31 68
verschlechtert***
Wie groß ist im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie Ihre Sorge, …?
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Werte in Prozent / Veränderungen in Prozentpunkten zu November 2021 / *Juli 2021 (damals: Delta-Variante) / **Februar 2021 / ***Dezember 2020
Fehlende Werte zu 100 Prozent: Weiß nicht / keine Angabe
Die Furcht vor sich erneut ausdünnenden sozialen Kontakten bewegt ähnlich wie zu Jahresbeginn etwa
die Hälfte der Deutschen (47 Prozent; +3 zu Februar), darunter überdurchschnittlich viele jüngere Bun-
desbürger. Wirtschaftliche Sorgen benennen im Zusammenhang mit Corona drei von zehn (31 Prozent;
+7), sie sind damit verbreiteter als im Dezember 2020.
A R D - D E U T S C H L A N D T R E N D D E Z M B E R 2 0 2 1 _____3Kritik am Corona-Krisenmanagement, geschäftsführende Bundesregierung eher in der Kri-
tik als Ampel-Parteien
Die bisherige Reaktion der Politik auf diese vierte Pandemie-Welle überzeugt die Deutschen nicht. Acht
von zehn (79 Prozent) üben am Corona-Krisenmanagement von Bund und Ländern Kritik, nur etwa jeder
Sechste (18 Prozent) äußert sich zufrieden. Die Verantwortung für die aktuellen Probleme im deutschen
Krisenmanagement sehen die Wahlberechtigten nicht in erster Linie bei den Ländern (29 Prozent), son-
dern beim Bund. Dort wiederum wird vor der Übergabe der Regierungsgeschäfte vor allem die noch im
Amt befindliche Bundesregierung für die aufgelaufenen Schwierigkeiten in der vierten Pandemie-Welle
verantwortlich gemacht (49 Prozent), weniger dagegen das in den Startlöchern stehende Bündnis von
SPD, Grünen und FDP (10 Prozent).
ARD-DeutschlandTREND Dezember 2021
Zufriedenheit mit dem Corona-Krisenmanagement in Bund und Ländern
Unzufriedene: Verantwortung für Probleme beim Corona-Krisenmanagement
geschäftsführende
Bundesregierung aus 49
Union und SPD
39 40
Bundesländer 29
17
1
sehr zufrieden weniger gar nicht SPD, Grüne und FDP 10
zufrieden zufrieden zufrieden
Wie zufrieden sind Sie mit dem Corona-Krisenmanagement in Bund und Ländern? // Wer trägt aus Ihrer Sicht in erster Linie die Verantwortung für die aktuellen Probleme
im Corona-Krisenmanagement?
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Werte in Prozent
Fehlende Werte zu 100 Prozent: Weiß nicht / keine Angabe
A R D - D E U T S C H L A N D T R E N D D E Z M B E R 2 0 2 1 _____4Mehrheit für Verschärfung von Corona-Regularien
Mit Amtsantritt wird im Bund die Ampelkoalition an ihrer Corona-Politik gemessen werden. Die meisten
Deutschen sprechen sich in der derzeitigen Situation für einen härteren Kurs aus. Sechs von zehn Wahl-
berechtigten (60 Prozent) gehen die bestehenden Corona-Maßnahmen in der Bundesrepublik nicht weit
genug, so viele wie noch nie seit Ausbruch der Pandemie. Nur jeder Fünfte (20 Prozent) bezeichnet die
geltenden Corona-Regularien als weiterhin angemessen, während sie für jeden Sechsten (17 Prozent)
zu weit gehen. In den Reihen der drei Ampel-Koalitionäre überwiegt die Unterstützung für weiterge-
hende Corona-Maßnahmen nicht nur bei den Anhängern von SPD (74 Prozent) und Grünen (70 Prozent),
sondern auch bei den Anhängern der FDP (56 Prozent). Mehrheitlichen Zuspruch findet eine Verschär-
fung der Corona-Regularien auch in den Reihen der Bundestagsopposition, die AfD-Anhänger ausge-
nommen.
ARD-DeutschlandTREND Dezember 2021
Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie
100
90
80
60 70
60 60 nicht weit genug
50
40
20 30
17
20 20 angemessen
17 zu weit
10
0
gehen zu weit sind angemessen gehen nicht weit
4. Nov.
18. Mrz.
18. Feb.
7. Okt.
6. Mai.
4. Mrz.
4. Feb.
10. Jun.
2. Dez.
1. Apr.
7. Jan.
genug
-6 -26 +31
Sind aus Ihrer Sicht die geltenden Corona-Maßnahmen in Deutschland alles in allem angemessen, gehen sie zu weit oder gehen sie Ihnen nicht weit genug?
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Werte in Prozent / Veränderungen in Prozentpunkten zu November 2021
Fehlende Werte zu 100 Prozent: Weiß nicht / keine Angabe
A R D - D E U T S C H L A N D T R E N D D E Z M B E R 2 0 2 1 _____5Unterstützung für Impfpflicht, Widerspruch zu Einschränkungen im Bildungsbereich
Zu den in der aktuellen Situation unterstützten Corona-Maßnahmen gehört die Einführung einer allge-
meinen Corona-Impfpflicht für Erwachsene, über die Bund und Länder zeitnah entscheiden wollen. Nach
57 Prozent im Vormonat sprechen sich aktuell 71 Prozent für eine solche Impfpflicht aus. Zuspruch findet
eine allgemeine Impfpflicht in den Reihen aller Parteianhängerschaften mit Ausnahme der AfD. Neben
einer Corona-Impfpflicht befürworten derzeit jeweils deutliche Mehrheiten den erneuten Publikumsau-
sschluss bei Bundesliga-Spielen (81 Prozent), eine strengere Beschränkung von Kontakten (67 Prozent)
sowie das Schließen von Bars, Kneipen (64 Prozent) wie auch von Weihnachtsmärkten (57 Prozent).
Während ein Lockdown von Kultureinrichtungen umstritten ist (50:45 Prozent), fände ein Verbot touris-
tischer Übernachtungen in der Bevölkerung keine Unterstützung (38:56 Prozent), ebenso Schließungen
in der Gastronomie (31:65 Prozent) oder im stationären Einzelhandel (27:69 Prozent). Jeweils eine klare
Mehrheit lehnt erneute Einschränkungen bei Schulen (23:73 Prozent) und Kitas (19:75 Prozent) ab. Ins-
besondere die Haltung der Deutschen zu Lockdowns im Handel, an Schulen und in der Kinderbetreuung
hat sich binnen eines Jahres komplett gewandelt. Anders als aktuell wurden entsprechende Einschrän-
kungen Ende 2020 noch überwiegend begrüßt.
ARD-DeutschlandTREND Dezember 2021
Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie
befürworte ich lehne ich ab
Fußball-Spiele in der Bundesliga ohne Publikum 81 16
Einführung einer allgemeinen Corona-Impfpflicht für Personen ab +14 71 26
18 Jahren
Beschränkungen von Kontakten 67 29
Schließung von Bars und Kneipen** -7 64 31
Schließung von Weihnachtsmärkten*** -7 57 39
Schließung von Kultureinrichtungen wie Theatern oder Kinos** ±0 50 45
Verbot touristischer Übernachtungen für Hotels und -12 38 56
Beherbergungsbetriebe**
Schließung von Restaurants** -8 31 65
Schließung des Einzelhandels und von Dienstleistungsbetrieben -40 27 69
mit Ausnahme von Geschäften des täglichen Bedarfs*
Schließung von Schulen bzw. Aussetzung der Präsenzpflicht* -45 23 73
Einschränkung der Betreuung durch Kindertageseinrichtungen* -37 19 75
Im Folgenden geht es um Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Bitte geben Sie jeweils an, ob Sie diese in der aktuellen Lage befürworten oder ablehnen.
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Werte in Prozent / Veränderungen in Prozentpunkten zu November 2021 / *Dezember Extra 2020 / **November Extra 2020 / ***September 2020
Fehlende Werte zu 100 Prozent: Weiß nicht / keine Angabe
A R D - D E U T S C H L A N D T R E N D D E Z M B E R 2 0 2 1 _____6Politikerzufriedenheit: Scholz und Lindner mit deutlichen Verlusten
Mitten in der vierten Pandemie-Welle steht in Deutschland die Übergabe der Regierungsgeschäfte an.
Mit der Arbeit von Angela Merkel sind zum Ende ihrer Kanzlerschaft knapp sieben von zehn Deutschen
(68 Prozent; -1) zufrieden. Sie ist damit unmittelbar vor ihrer Verabschiedung aus dem Kanzleramt die
mit Abstand populärste Partei-Politikerin und überzeugt mehr Wahlberechtigte als die Spitzen des künf-
tigen Berliner Ampel-Bündnisses. Von diesen schneiden Olaf Scholz (51 Prozent; -7) und Robert Habeck
(42 Prozent; +/-0) im aktuellen Urteil der Wahlberechtigten vergleichsweise am besten ab. Während
der Grünen-Parteichef ähnlich bewertet wird wie im Vormonat, sieht sich der designierte SPD-Bundes-
kanzler vor dem anstehenden Regierungswechsel mit deutlicheren Sympathieverlusten konfrontiert.
Auch der künftige FDP-Finanzminister Christian Lindner verliert bei den Bundesbürgern erkennbar an
Rückhalt, 38 Prozent (-6) bewerten ihn derzeit wohlwollend. Annalena Baerbock, zu der sich nur 29
Prozent (-1) positiv äußern, folgt erst mit größerem Abstand.
ARD-DeutschlandTREND Dezember 2021
Politikerzufriedenheit
Be-
sehr zufrieden / zufrieden weniger / gar nicht zufrieden kanntheit
Angela Merkel CDU -1 68 30 98
Olaf Scholz SPD -7 51 40 91
Markus Söder CSU -2 45 48 93
Robert Habeck Grüne ±0 42 37 79
Christian Lindner FDP -6 38 50 88
Annalena Baerbock Grüne -1 29 62 91
Jens Spahn** CDU -11 26 70 96
Ralph Brinkhaus CDU 21 26 47
Dietmar Bartsch* Linke +1 18 33 51
Saskia Esken SPD +1 17 43 60
Alice Weidel* AfD -1 12 59 71
Sind Sie mit der politischen Arbeit von …?
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Werte in Prozent / Veränderungen in Prozentpunkten zu November 2021 / *Oktober 2021 / **September 2021
Fehlende Werte zu 100 Prozent: Kenne ich nicht / weiß nicht / keine Angabe
Hinter der Grünen-Parteivorsitzenden liegt im aktuellen Bevölkerungsurteil Noch-Gesundheitsminister
Jens Spahn. Er fällt mit 26 Prozent (-11 zu September) auf den niedrigsten Zustimmungswert seit Juli
2018, sieben von zehn sehen seine Arbeit kritisch. Auf ihn folgt Unions-Fraktionsvorsitzender Ralph
Brinkhaus (21 Prozent), der allerdings gut jedem zweiten Bundesbürger kein Begriff ist. Auf den hinte-
ren Plätzen landen im Bevölkerungsurteil der Linken-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch (18 Prozent;
+1 zu Oktober) und die SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken (17 Prozent; +1). Schlusslicht im ARD-
DeutschlandTREND Dezember ist die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel (12 Prozent; -1 zu Okt.). Der
bayerische Ministerpräsident Markus Söder überzeugt zum Jahresende 45 Prozent der Wahlberechtigten
(-2 zu Nov.) und liegt damit im Urteil der Wahlberechtigten knapp vor dem künftigen Vizekanzler von
den Grünen.
A R D - D E U T S C H L A N D T R E N D D E Z M B E R 2 0 2 1 _____7FDP bei Koalitionsverhandlungen im Vorteil
Der von den künftigen Koalitionspartnern vorgelegte Koalitionsvertrag trägt nach Ansicht von 37 Prozent
am ehesten die Handschrift der Liberalen. Für 32 Prozent haben sich die Sozialdemokraten in den Koa-
litionsverhandlungen am meisten durchgesetzt, für 13 Prozent die Grünen. Während in den Reihen von
SPD (47 Prozent) und FDP (43 Prozent) bei gut vier von zehn den Eindruck besteht, die eigene Partei
habe am besten verhandelt, teilt bei den Grünen-Anhänger nur jeder Sechste diese Ansicht (16 Prozent).
ARD-DeutschlandTREND Dezember 2021
Welche Partei hat sich bei Koalitionsverhandlungen am meisten durchgesetzt?
Parteianhänger
Grüne 9 FDP 36 SPD 47
SPD
37 Grüne
11 35 43
SPD FDP
32 FDP
16 22 48
Grüne SPD FDP
13 Grüne
SPD Grüne FDP
SPD, Grüne und FDP haben sich auf einen Koalitionsvertrag zur Bildung der nächsten Bundesregierung geeinigt. Welche der drei Parteien hat sich Ihrer Meinung nach bei
den Koalitionsverhandlungen am stärksten durchgesetzt?
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Werte in Prozent
Fehlende Werte zu 100 Prozent: Weiß nicht / keine Angabe
A R D - D E U T S C H L A N D T R E N D D E Z M B E R 2 0 2 1 _____8Koalitionsvertrag: Hälfte sieht Antworten auf Fragen der Zukunft
ARD-DeutschlandTREND Dezember 2021
Koalitionsvertrag: richtige Antworten auf die Fragen der Zukunft?
Parteianhänger
auf jeden Fall / eher nein /
eher ja auf keinen Fall
Grüne 76 21
41 SPD 66 26
35
FDP 61 32
Linke 34 58
10
4 CDU/CSU 34 62
auf jeden Fall eher ja eher nein auf keinen Fall AfD 12 79
Geben die drei Parteien mit ihrem Koalitionsvertrag aus Ihrer Sicht die richtigen Antworten auf die Fragen der Zukunft?
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Werte in Prozent
Fehlende Werte zu 100 Prozent: Weiß nicht / keine Angabe
Auch wenn die Grünen-Anhänger sich bei den Koalitionsverhandlungen im Nachteil wähnen, sind sie
(76 Prozent) mehr noch als die Anhänger von SPD (66 Prozent) und FDP (61 Prozent) der Ansicht, dass
der vorgestellte Koalitionsvertrag durchaus die richtigen Antworten auf die Fragen der Zukunft liefert.
Von den Bundesbürgern insgesamt teilt etwa jeder Zweite (45 Prozent) diese Ansicht, ebenso viele (45
Prozent) sind gegenteiliger Meinung. Durchweg skeptisch äußern sich die Anhänger der Bundestagsop-
position, insbesondere die Wähler der AfD.
A R D - D E U T S C H L A N D T R E N D D E Z M B E R 2 0 2 1 _____9Ampel-Vorhaben: Ja zum Mindestlohn, Nein zur Absenkung des Wahlalters
Zu den Vorhaben der Ampel-Koalition, die in der Bevölkerung deutlich Unterstützung finden, gehören
die geplante Anhebung des Mindestlohns (86 Prozent) sowie die Bündelung staatlicher Leistungen für
Kinder in einer Kindergrundsicherung (80 Prozent), ebenso der Ausbau der erneuerbaren Energien (83
Prozent) sowie die Einführung eines Klimachecks in der Gesetzgebung des Bundes (75 Prozent). Über-
wiegenden Zuspruch finden ferner ein Vorziehen des Kohleausstiegs (56:37 Prozent) sowie die Abschaf-
fung des Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche (47:40 Prozent). Pläne der Ampel zur Cannabis-
Legalisierung stoßen bei den Bundesbürgern auf ein eher geteiltes Echo (43:47 Prozent). Überwiegend
ablehnend stehen die Deutschen einer vereinfachten Einbürgerung von Migranten (41:50 Prozent) so-
wie der Anschaffung von Kampfdrohnen für die Bundeswehr (39:48 Prozent) gegenüber. Nur wenig
Zuspruch findet der Vorstoß zur Absenkung des Wahlalters bei Bundestagswahlen auf 16 Jahre (30:65
Prozent).
ARD-DeutschlandTREND Dezember 2021
Inhalte des Koalitionsvertrages
richtige Richtung falsche Richtung
Anhebung des Mindestlohns von derzeit 9,60 EUR
86 11
auf 12 EUR die Stunde
Stärkerer Ausbau der erneuerbaren Energien 83 12
Bündelung staatlicher Leistungen für Kinder in einer
80 10
Kindergrundsicherung
Überprüfung aller Gesetze auf ihre Folgen für das Klima 75 17
Vorziehen des Kohle-Ausstiegs in der Stromerzeugung
56 37
von 2038 auf möglicherweise 2030
Abschaffung des Werbeverbots für
47 40
Schwangerschaftsabbrüche
Legalisierung von Cannabis für Erwachsene 43 47
Vereinfachung der Einbürgerung für Migranten
41 50
in Deutschland
Kauf von bewaffneten Kampfdrohnen
39 48
für die Bundeswehr
Absenkung des Mindestalters bei Bundestagswahlen
30 65
von 18 auf 16 Jahre
In ihrem Koalitionsvertrag haben sich SPD, Grüne und FDP verschiedene Vorhaben für die kommenden vier Jahre vorgenommen. Bitte geben Sie zu den folgenden
Vorhaben an, ob diese aus Ihrer Sicht in die richtige oder in die falsche Richtung gehen.
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Werte in Prozent
Fehlende Werte zu 100 Prozent: Weiß nicht / keine Angabe
A R D - D E U T S C H L A N D T R E N D D E Z M B E R 2 0 2 1 _____10ARD-DeutschlandTREND Dezember 2021
Inhalte des Koalitionsvertrages: Parteianhänger
SPD-Anhänger Grünen-Anhänger FDP-Anhänger
+ - + - + -
Anhebung des Mindestlohns von derzeit 9,60 EUR 97 82 16
97
auf 12 EUR die Stunde
Stärkerer Ausbau der erneuerbaren Energien 91 4 97 86 11
Bündelung staatlicher Leistungen für Kinder in einer 92 84 12
83 9
Kindergrundsicherung
Überprüfung aller Gesetze auf ihre Folgen für das Klima 88 7 94 78 18
Vorziehen des Kohle-Ausstiegs in der Stromerzeugung 96 53 42
65 26
von 2038 auf möglicherweise 2030
Abschaffung des Werbeverbots für 69 24 52 37
54 37
Schwangerschaftsabbrüche
Legalisierung von Cannabis für Erwachsene 44 48 56 34 49 43
Vereinfachung der Einbürgerung für Migranten 82 13 38 55
51 38
in Deutschland
Kauf von bewaffneten Kampfdrohnen 30 59 56 33
37 51
für die Bundeswehr
Absenkung des Mindestalters bei Bundestagswahlen 65 31 30 68
34 57
von 18 auf 16 Jahre
In ihrem Koalitionsvertrag haben sich SPD, Grüne und FDP verschiedene Vorhaben für die kommenden vier Jahre vorgenommen. Bitte geben Sie zu den folgenden
Vorhaben an, ob diese aus Ihrer Sicht in die richtige oder in die falsche Richtung gehen.
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Werte in Prozent
Fehlende Werte zu 100 Prozent: Weiß nicht / keine Angabe
In den Reihen der Ampel-Parteien treffen nicht alle Vorhaben gleichermaßen auf Gegenliebe. Einig sind
sich die Anhänger von SPD, Grünen und FDP in der mehrheitlichen Unterstützung eines höheren Min-
destlohns und der Bündelung von staatlichen Kinderleistungen, ebenso beim Ausbau der erneuerbaren
Energien und beim Klimacheck in der Gesetzgebung. Auch überwiegt in allen drei Anhängerschaften die
Zustimmung zur Abschaffung von Werbeverboten für Schwangerschaftsabbrüche. Dagegen stößt ein
vorgezogener Kohleausstieg bei gut vier von zehn FDP-Anhängern (53:42 Prozent) auf Widerspruch,
eine vereinfachte Einbürgerung von Migranten lehnt von ihnen mehr als die Hälfte ab (38:55 Prozent).
Während FDP-Wähler den Kauf von Kampfdrohnen befürworten (56:33 Prozent), sehen ihn SPD- (37:51
Prozent) und Grünen-Anhänger (30:59 Prozent) eher kritisch. Mit ihrer Unterstützung für eine Absen-
kung des Wahlalters (65:31 Prozent) und die Legalisierung von Cannabis (56:34 Prozent) stehen die
Anhänger der Grünen wiederum allein da. SPD- (34:57 Prozent) und FDP-Anhänger (30:68 Prozent) leh-
nen Änderungen im Wahlalter ab und sind in der Frage der Cannabis-Legalisierung gespalten.
A R D - D E U T S C H L A N D T R E N D D E Z M B E R 2 0 2 1 _____11Zweifel an Ampel-Rentenplänen
ARD-DeutschlandTREND Dezember 2021
Vertrauen in Maßnahmen der Ampel-Parteien zur Sicherung der Rente
Parteianhänger
sehr groß / groß weniger groß / klein
FDP 39 60
47
SPD 37 59
Grüne 28 66
21 23
CDU/CSU 17 80
3 Linke 17 82
sehr groß groß weniger groß klein AfD 15 83
SPD, Grüne und FDP wollen das Rentenniveau von mindestens 48 Prozent des Durchschnittseinkommens stabil halten und das Renteneintrittsalter von derzeit 67 Jahren
nicht anheben. Ein Teil der Rentenbeiträge soll künftig von der Rentenkasse am Kapitalmarkt angelegt werden. Schließlich soll für die freiwillige private Altersvorsorge ein
neuer öffentlich verwalteter Aktienfond eingerichtet werden. Wie groß ist Ihr Vertrauen, dass diese Maßnahmen langfristig eine auskömmliche Rente sichern?
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Werte in Prozent
Fehlende Werte zu 100 Prozent: Weiß nicht / keine Angabe
Die im Koalitionsvertrag vorgestellten Rentenvorhaben der Ampel-Parteien wecken bei den Deutschen
bislang nur wenig Euphorie. Sieben von zehn (70 Prozent) sind skeptisch, dass die Stabilisierung des
Rentenniveaus, die teilweise Anlage der Beiträge am Kapitalmarkt oder die Einführung einer Aktien-
rente dazu beitragen können, auch langfristig eine auskömmliche Rente zu sichern. Lediglich ein Viertel
(24 Prozent) äußert sein Vertrauen. Skepsis gegenüber der Wirksamkeit der vorgelegten Rentenpläne
überwiegt nicht nur in den Reihen der Opposition, sondern auch unter den Anhängern der künftigen
Koalitionsparteien.
A R D - D E U T S C H L A N D T R E N D D E Z M B E R 2 0 2 1 _____12Sonntagsfrage: SPD verliert, Union legt zu
In der politischen Stimmung ergeben sich nur geringfügige Veränderungen. Bei einer Wahl zum jetzigen
Zeitpunkt hätte die SPD 25 Prozent in Aussicht, 2 Punkte weniger als im Vormonat. Die Grünen liegen
mit 17 Prozent (+1) etwas besser, die FDP mit 12 Prozent (-1) geringfügig schlechter. Die Union legt im
Monatsverlauf um 2 Punkte auf 23 Prozent zu. Die AfD verbessert sich um 1 Punkt auf 11 Prozent,
während die Linke unverändert 5 Prozent in Aussicht hätte. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf
7 Prozent (-1).
ARD-DeutschlandTREND Dezember 2021
Sonntagsfrage zur Bundestagswahl
25
23
17
12 11
7
5
SPD CDU/CSU Grüne FDP AfD Linke Andere
-2 +2 +1 -1 +1 ±0 -1
Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre?
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland / Reihenfolge der Parteien entspricht dem Ergebnis der letzten Bundestagswahl
Werte in Prozent / Veränderungen in Prozentpunkten zu November 2021
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Die Sonntagsfrage zur Bundestagswahl misst aktuelle Parteipräferenzen und nicht tatsächliches Wahl-
verhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der
erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt
möglich. Viele Wähler legen sich kurzfristig vor einer Wahl fest. Eine große Bedeutung hat zudem der
Wahlkampf mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern.
A R D - D E U T S C H L A N D T R E N D D E Z M B E R 2 0 2 1 _____13ARD–DeutschlandTREND Dezember 2021
Repräsentative Studie zur politischen Stimmung im Auftrag
der ARD-Tagesthemen und der Tageszeitung DIE WELT
Studieninformation
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Autorin WDR Ellen Ehni 0221 220-1800
Redakteurin WDR Claudia Müller 0221 220-1800
Betreuung infratest dimap Roberto Heinrich 030 533 22-0
Grundgesamtheit Wahlberechtigte in Deutschland
Erhebungsmethode Zufallsbasierte Telefon*- und Online-Befragung
*davon: 60% Festnetz, 40% Mobilfunk
Fallzahl 1.316 Befragte
(860 Telefoninterviews und 456 Online-Interviews)
Gewichtung nach soziodemographischen Merkmalen und Rückerinne-
rung Wahlverhalten
Sonntagsfrage mit separater Gewichtung
Erhebungszeitraum 29. November bis 01. Dezember 2021
Schwankungsbreite 1.000 Befragte: 2* bis 3** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 10 Prozent
** bei einem Anteilswert von 50 Prozent
Durchführendes Institut infratest dimap
Ansprechpartner infratest dimap Dr. Nico A. Siegel 030 53322-0
Reinhard Schlinkert 0228 32969-3
Roberto Heinrich 030 533 22-0
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