ERASMUS an der Aix-Marseille Université im Wintersemester 2020/2021

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ERASMUS an der Aix-Marseille Université im Wintersemester 2020/2021

Liebe ERASMUS-Interessierte,

zum Wintersemester 2020/2021 hat die Universität Heidelberg zum ersten Mal einen ERAS-
MUS-Aufenthalt an der Aix-Marseille Université (AMU) angeboten. Da mir die Stadt schon
bekannt war, freute es mich besonders ein Semester in Aix-en-Provence verbringen zu dürfen.
Das Semester begann am 24. August und endete im Dezember 2020 mit Abschluss der Prüfun-
gen. Bis Mitte September fanden alle Veranstaltungen in Präsenz statt, doch aufgrund der Pan-
demielage in Frankreich ist die AMU dann zur Online-Lehre zurückgekehrt.

I. Einleitung
Aix-en-Provence ist eine lebendige Studentenstadt mit vielen Restaurants, Cafés und einem
großen kulturellen Angebot. Die wunderschöne Altstadt lädt zum Flanieren ein und gerade im
Wintersemester kommt man in den Genuss der spätsommerlichen Wärme, die sogar noch Aus-
flüge ans Meer ermöglicht. Aix bietet einerseits den entspannten Lebensstil des Südens, kann
aber andererseits auch mit akademischer Exzellenz glänzen. Die juristische Fakultät zählt zu
einer der besten Frankreichs. Kurzum der ideale Ort für einen Auslandsaufenthalt.

II. Vor dem Auslandsaufenthalt
1. Bewerbungsphase
Anfang März 2020 startete das Bewerbungsverfahren um die ERASMUS-Plätze. Die Zuteilung
der Plätze erfolgte überraschend schnell, sodass mich die Zusage für ein ERASMUS-Semester
in Aix bereits Mitte/Ende März erreichte. Nach der Registrierung und den weiteren administ-
rativen Schritten kam Ende April Leslie Karsenti – die ERASMUS-Koordinatorin der AMU –
auf die neuen ERASMUS-Studierenden zu. Sie erklärte uns, welche Bewerbungsschritte für die
AMU ausstehen und übersendete uns einen sehr liebevoll gestalteten „Lonely Guide“ für Aix.
Falls man Fragen hatte, war Leslie während des gesamten Aufenthalts immer gut per E-Mail
zu erreichen und man erhielt sehr schnell eine Antwort.

2. Wohnen
Die Wohnungssituation ist in Aix – wie in den meisten Studentenstädten – eher angespannt.
Die Wohnheime des CROUS stellen hier einen großen Vorteil für ERASMUS-Studierende dar,
da sie priorisiert ein Zimmer erhalten. Die Reservierung des Zimmers konnte ich bereits Anfang

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Juli durchführen, sodass man sich keine großen Gedanken mehr um die Zimmersuche zu ma-
chen brauchte. Aus meiner ERASMUS-Gruppe waren daher fast alle im Wohnheim unterge-
bracht (Wohnheim Cuques). Die Zimmer dort sind recht klein, aber jeweils mit einer eigenen
Bad-Kabine (Badezimmer wäre zu viel gesagt) und einem eigenen Kühlschrank ausgestattet.
Das Wohnheim Cuques ist 5 – 10 Minuten zu Fuß von der Fakultät und ca. 20 Minuten vom
Stadtzentrum entfernt.

III. Während des Auslandsaufenthalts
1. Ankunft
Am ersten Tag ging es zunächst um den Bezug des Wohnheims. Das tatsächliche Programm
startete am Dienstag mit einem viertägigen Einführungsworkshop in die französische Rechts-
sprache. Hier konnten sich die ERASMUS-Studierenden der juristischen Fakultät kennenler-
nen. In der Woche darauf wurde ein Französisch-Intensivkurs angeboten, bei dem auch ERAS-
MUS-Studierende anderer Fakultäten zusammenkamen. Die ersten zwei Wochen boten damit
einen sanften Einstieg in das Semester, zumal immer nur halbtags Kurs war. Beide Kurse waren
nicht verpflichtend, aber sie boten die Möglichkeit gleich schon einmal ein paar Leute kennen-
zulernen, sodass sich der Besuch anbietet.

2. Kurswahl
Für die Kurswahl schickt euch Leslie schon vor dem Auslandsaufenthalt ein PDF zu, in wel-
chem erklärt ist, welche Kurse ERASMUS-Studierende wählen können. Dies könnt ihr bereits
zum Ausfüllen des Learning Agreements nutzen. Die Studierenden aus Baden-Württemberg
müssen natürlich immer schauen, welche Kurse mit der Prüfungsordnung vereinbar sind. Da
ich bereits alle Scheine hatte, wählte ich Kurse querbeet, die ich in Frankreich aber zum Teil
noch einmal veränderte. Die ersten Uniwochen könnt ihr dazu nutzen, die verschiedenen Kurse
zu besuchen und dann das Learning Agreement nach den eigenen Interessen (und Professoren)
noch einmal anzupassen.
Die französischen Vorlesungen sind auf drei (Licence) oder zweieinhalb (Master) Stunden aus-
gelegt und sind zunächst einmal gewöhnungsbedürftig. Sobald die organisatorischen Fragen
am Anfang einer Stunde geklärt sind, werdet ihr schon bald ein gleichmäßiges Tippen im Saal
hören. Die französischen Studierenden schreiben fast wortgetreu die gesamte Vorlesung mit.
Die Prüfungen sind so angelegt, dass sie den „Cours“ können müssen. Das gilt auch für die
Prüfungen der ERASMUS-Studierenden.

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Gerade bei einem einjährigen Aufenthalt empfiehlt es sich, zunächst Licence-Kurse zu wählen.
Bei Licence 1 Kursen nehmen sich die Professoren mehr Zeit für die Erklärungen, in den Mas-
ter-Kursen ist das Tempo entsprechend höher. Aber man muss sich keine Gedanken um die
Aufschriebe machen, denn normalerweise kann man sich auch (ausschließlich oder nur zusätz-
lich) die Mitschriften eines französischen Studierenden besorgen. Das hat auch während des
Corona-Semesters geklappt, da wir gleich am Anfang Leute angesprochen haben – mit Blick
auf ein späteres Online-Semester.
Die Travaux Dirigées (TD) können von ERASMUS-Studierenden nicht gewählt werden. Das
ist meiner Ansicht nach aber auch nicht weiter schlimm, da sie vertiefend zur Vorlesung ange-
boten werden und man gerade bei einem einsemestrigen Aufenthalt im Zweifel lieber verschie-
dene Kurse hören möchte, um einen breiteren Einblick in das fremde Recht zu erhalten.
Neben den Vorlesungen kann semesterbegleitend ein weiterer Französischkurs besucht werden.
Ich entschied ich mich an einem solchen teilzunehmen. Dieser fand zweimal wöchentlich am
Abend statt und konnte aufgrund der kleinen Gruppe noch etwas länger in Präsenz abgehalten
werden. Der Französischkurs war sehr verschult, sodass man sich überlegen muss, ob man ne-
ben den Vorlesungen noch darauf Lust hat.

3. Mittagspause
Die CROUS Mensa bietet zu einem günstigen Preis ein solides Mittagessen an. Falls man zwi-
schen zwei Vorlesungen mehr Zeit hat, lohnt es sich auch in der Stadt etwas zu essen. Vom
Campus aus erreicht man die Altstadt in 5 – 10 Minuten zu Fuß, dort gibt es z.B. rund um die
Rue de la Couronne ein reichhaltiges Angebot an Takeaway. Immer zu empfehlen ist aber
„Pizza Capri“, die es an verschiedenen Stellen in der Stadt gibt.

4. Ausgehen
In Aix kann man gerade im Spätsommer wunderbar in eine der vielzähligen Bars und Restau-
rants gehen. Eine große Auswahl findet sich hier auf dem Place des Cardeurs und den Straßen
rund herum.

5. Transport
Aus Heidelberg ist man daran gewöhnt, das Fahrrad für jegliche Fortbewegung zu nutzen. Das
ist in Aix etwas schwerer, es gibt kaum Fahrradwege und die Autofahrer verhalten sich auch
nicht unbedingt „fahrradfahrerfreundlich“. Ich habe in Aix immer alles fußläufig erledigt. Wie
die Busverbindungen innerhalb von Aix sind, kann ich daher nicht sagen.

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Wenn ihr nach Marseille wollt, gibt es eine sehr schnelle Busverbindung (20 Minuten), welche
vom Busbahnhof abgeht. Hierfür und natürlich auch für Ausflüge in die Region lohnt sich die
kostenlose (Achtung: es gibt auch Abonnements) Carte „carteize“. Diese könnt ihr euch gleich
am Busbahnhof ausstellen lassen, wenn ihr eine Studienbescheinigung und ein Passfoto dabei-
habt (es empfiehlt sich gleich mehrere Passfotos mit nach Frankreich zu bringen, man braucht
sie auch zur Ausstellung des Studierendenausweises). Mit der Carte „cartreize“ kostet das Ta-
gesticket innerhalb der Bouches du Rhône, also z.B. nach Marseille, nur 2 Euro.

6. Sport
Die AMU hat ein riesiges Sportprogramm. Hier kann man von der Nähe zum Meer profitieren
und Sportarten wählen, die normalerweise in unseren Breitengraden weniger gut möglich sind
und sonst auch verhältnismäßig teuer sind (Tauchen, Segeln, etc.). Leslie wird euch hierzu zu
Beginn des Semesters Informationen zukommen lassen und euch auf die Anmeldefristen hin-
weisen.

7. Aktivitäten
Auch während der Pandemie waren Freizeitaktivitäten in einem gewissen Ausmaß möglich.
Neben der unten aufgeführten Liste bietet es sich natürlich an, den Süden Frankreichs zu er-
kunden und Städte wie Nizza, Cannes, Grasse, Montpellier usw. zu bereisen. Auch ein Abste-
cher nach Korsika ist mit der Fähre von Marseille aus möglich.

Hier ein paar pandemiekonforme Aktivitäten:
-   Stadttour in Marseille
-   Marktbesuch in Aix
-   Museen
       o Hotel Caumont (sehr schöne Ausstellungen)
       o Musée Granet (sehenswerte Dauerausstellung)
       o Fondation Vasarely (Museum ist weniger gut in Stand gehalten)
       o Atelier Cézanne (weniger sehenswert – nur ein Raum zu besichtigen)
       o Freiluftausstellung des Château La Coste (sehr sehenswert – Tagesausflug)
-   Die vielen wunderschönen Calanques
       o z.B. Les Goudes
       o Calanques rund um Cassis
-   Aufstieg auf den Sainte-Victoire

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IV. Fazit
Das ERASMUS-Semester war trotz der coronabedingten Einschränkungen eine tolle Möglich-
keit, das französische Rechtssystem und Studierende aus anderen EU-Ländern kennenzulernen,
und dabei den schönen Spätsommer in Aix zu genießen.

Ines Steitz

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