Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie - ÖGU - österreichische ...

 
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Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie - ÖGU - österreichische ...
EUR 9,– Jahrgang 23/2018 Österreichische Post AG, MZ 09Z038204M, Retouren an PF555, 1008 Wien
                                                                                ISSN 1997-8308, Universimed CMC GmbH, Markgraf-Rüdiger-Straße 6–8, 1150 Wien

                                                                                                                      Offizielles Medium der
                                                                                                                      ÖGO, ÖGU und ÖGOuT

                                                                                                                                   2 / 2018

                                                                       Orthopädie &
                                                                      Traumatologie
                                 www.universimed.com
                                                                      Rheumatologie
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                                                       Knochengesundheit | Seite 9
                                                       Osteoporose in der
                                                       orthopädischen Praxis
                                                       Wirbelsäulenchirurgie | Seite 26
                                                       Der zervikothorakale Übergang –
                                                       eine besondere Herausforderung
                                                       ACR/ARHP | Seite 57
                                                       Good News from San Diego
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26. OSTEOPOROSE FORUM
                        3. - 5. Mai 2018
                        St. Wolfgang
                        Eventresort Hotel scalaria

Gynäkologie,
 Orthopädie
und Knochen
                                        Tagungspräsidentin:
  Neue Leitlinien:           Univ.-Doz. Dr. Astrid Fahrleitner-Pammer
       DVO
    Arznei und
     Vernunft                                 Tagungssekretär:
                                          Prim. Dr. Peter Bernecker
         Knochen,
       Niere, Gefäße
      Ernährung und
         Knochen

      Neues und
     „Hands on“
  in der Osteologie                                  Kongress-Büro:
    Aus der Praxis                Wiener Medizinische Akademie, Alser Straße 4, 1090 Wien
    für die Praxis      T: +43 1 405 1383-17 F: +43 1 4078274 E: osteoporose2018@medacad.org

                        Fachausstellung:                             Hotelreservierung:
           „Rare bone   MAW - Medizinische Ausstellungs-             Reisebüro PRO TRAVEL
            diseases”   und Werbegesellschaft                        Pilgerstraße 152
                        Freyung 6, 1010 Wien                         5360 St.Wolfgang
           Sekundäre    T: +43 1 53663-48 F: +43 1 5356016           T: +43 6138 25250
          Osteoporose   E: maw@media.co.at, iris.bobal@media.co.at   F: +43 6138 3054
                        w w w . m e d a c a d . o r g / o s t e o p o r o s e 2 0 18
Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie - ÖGU - österreichische ...
Editorial

                            G. Holzer, Wien                                                         ORTHOPÄDIE & TRAUMATOLOGIE RHEUMATOLOGIE

Osteoporose und ihre
sekundäre Prophylaxe
   Die Osteoporose wird auch als „silent disease“ – als stille                               nur mehr etwa die Hälfte nach wie vor unter einer Therapie
Erkrankung – bezeichnet. Das ist ein Grund dafür, dass sie                                   befindet. Das ist dramatisch.
auch von den Patienten sehr spät wahrgenommen wird,
meist erst beim Auftreten der Komplikationen in Form von                                        Zweitens auf die Arbeit von Richard Dell und Denis
nicht traumatischen Frakturen.                                                               Greene (Curr Osteoporos Rep 2010; 8) mit Daten aus dem
                                                                                             Versicherungssystem „Kaiser Permanente“: Sie zeigt auf, wie
   Aber die Erkenntnis, dass die meisten Frakturen von                                       sich mit der Implementation einer Osteoporoseabklärung
Patienten im Alter von über 55 Jahren durch Osteoporose                                      und -therapieeinleitung die Anzahl der Frakturen innerhalb
bedingt sind, hat sich weitgehend auch unter Kollegen noch                                   des Systems kosteneffizient reduzieren lässt.
nicht durchgesetzt.
                                                                                                Diese beiden Arbeiten weisen auf die Dramatik der Situa-
   Die sekundäre Prophylaxe der Osteoporose ist nicht nur                                    tion und auf die Notwendigkeit der sekundären Prophylaxe
eine Notwendigkeit, sondern auch eine Verpflichtung für                                      der Osteoporose hin und zeigen, dass sich sogar Geld sparen
alle, die ältere Menschen mit Frakturen behandeln, seien es                                  lässt, das an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden
Unfallchirurgen oder Orthopäden, aber auch Spezialisten                                      könnte.
anderer Fachrichtungen, die mit nicht traumatischen Fraktu-
ren im höheren Lebensalter konfrontiert werden.                                                 Um dies zu erreichen, müssen Konzepte entwickelt
                                                                                             werden, die den lokalen Verhältnissen entsprechen. Vorge-
   An anderer Stelle habe ich es schon einmal so ausge-                                      fertigte „Fracture Liaison“-Programme helfen da oft nicht
drückt: Wir werden nie in der Lage sein, im Rahmen des                                       weiter.
Screenings alle Patienten, die an einer Osteoporose erkrankt
sind beziehungsweise ein erhöhtes Frakturrisiko haben, her-                                     Alle nicht traumatischen Frakturen zu verhindern, wird
auszufiltern. Mit den derzeitigen Methoden ist es nicht mög-                                 uns nie gelingen. Wir können und müssen aber versuchen,
lich. Aber auch in Zukunft, wenn bei den diagnostischen                                      die Zahl an Folgefrakturen zu reduzieren. Die Möglichkeiten
Verfahren Verbesserungen zu erwarten sind, wird es keine                                     dazu gibt es bereits jetzt.
hundertprozentige Identifizierung dieser Menschen geben.
Was wir jedoch zu hundert Prozent schaffen sollten, sind die
diagnostische Abklärung und im Bedarfsfall die Einleitung
einer Osteoporosetherapie bei den Patienten, bei denen im
Alter bereits nicht traumatische Frakturen aufgetreten sind.                                     Ihr

   In diesem Zusammenhang möchte ich auf zwei Artikel                                            Gerold Holzer
hinweisen: erstens auf die Arbeit von Veronique Rabenda et                                       Universitätsklinik für Orthopädie & Unfallchirurgie
al. (J Bone Joint Surg Am 2008; 90), die zeigen konnten,                                         Medizinische Universität Wien
dass bei Patienten, die initial nach einer Hüftfraktur eine
Osteoporosetherapie erhalten haben, sich nach einem Jahr

Wissenschaftliche Beiräte
D. Aletaha, Wien; W. Anderl, Wien; C. Bach, Leverkusen; N. Böhler, Linz; P. Bösch, Wr. Neustadt; H. Boszotta, Eisenstadt; M. Breitenseher, Horn; W. Brodner, Krems; E. Cauza,
Wien; K. Dann, Wien; M. Dominkus, Wien; U. Dorn, Salzburg; R. Dorotka, Wien; A. Engel, Wien; L. Erlacher, Wien; R. Eyb, Wien; C. Fialka, Wien; M. Friedrich, Wien; R. Ganger, Wien;
A. Giurea, Wien; R. Graf, Stolzalpe; W. Graninger, Graz; W. Grechenig, Graz; F. Grill, Wien; J. Grisar, Wien; G. Grohs, Wien; G. Gruber, Graz; K. Gstaltner, Wien; J. Hochreiter, Linz;
S. Hofmann, Stolzalpe; H. Imhof, Wien; S. Junk-Jantsch, Wien; F. Kainberger, Wien; R. Kdolsky, Wien; K. Knahr, Wien; R. Kotz, Wien; P. Krepler, Wien; M. Krismer, Innsbruck; W.
Lack, Wien; B. Leeb, Stockerau; K. Machold, Wien; R. Maier, Baden; S. Marlovits; Wien; M. Mousavi, Wien; T. Muellner, Wien; S. Nehrer, Krems; T. Neubauer, Horn; M. Nicolakis,
Wien; M. Nogler, Innsbruck; M. Ogon, Wien; A. Pachucki, Amstetten; G. Pflüger, Wien; R. Puchner, Wels; F. Rainer, Graz; H. Resch, Salzburg; P. Ritschl, Wien; K. Schatz, Wien; G.
Schippinger, Graz; M. Schirmer, Innsbruck; W. Schneider, Wien; H. Seitz, Judenburg; F. Singer, Laab i. W.; H. Tilscher, Wien; K. Trieb, Wels; H.-J. Trnka, Wien; C. Tschauner,
Stolzalpe; A. Ulreich, Gröbming; V. Vécsei, Wien; A. Wanivenhaus, Wien; R. Windhager, Wien; C. Wurnig, Wien; P. Zenz, Wien; J. Zwerina, Wien

          Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie 2 / 2018                                                                                                                         3
Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie - ÖGU - österreichische ...
Österreichische
                                           Gesellschaft für
                                           Unfallchirurgie

                               c h l ießlich

                                                Wissen-
                           s s
        i c h u  n gen au April 2018
Einre von 5.–26.                     en.at
    l i n e                i ru rg
 on                nfallch
                                                schafts-
    w   w   w  . u

                                                preise
                                                der ÖGU
                                                für die beste klinische
                                                und die beste
                                                experimentelle Arbeit
                                                auf dem Gebiet
                                                der Unfallchirurgie
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Inhalt

                                                                                                                                            ORTHOPÄDIE & TRAUMATOLOGIE RHEUMATOLOGIE

                                                                                                                                   36        Was passiert mit der
    ÖGOuT
                                                                                                                                             Bandscheibe nach
6        Orthopädie und Traumatologie –                                                                                                      Wirbelkörperfrakturen?
         Aus- und Fortbildung                                                                                                                M. Reschl, Wien
                                                                                                                                             C. Krestan, Wien
         C. Fialka, Wien
                                                                                                                                             K. Sarahrudi, Wien
         K. Trieb, Wels

                                                                                                                                   38 Klein, kleiner, am kleinsten – die
    OSTEOPOROSE                                                                                                                       vollendoskopische Bandscheibenchirurgie
                                                                                                                                             C. Woiciechowsky, Berlin
9        Osteoporose in der                                                                                                                  
         orthopädischen Praxis
         R. Dorotka, Wien                                                                                                          40 Spine 2018
                                                                                                                                     Innovationen für kindliche Skoliosen
12       Osteoporose und Endoprothetik                                                                                             43 Entgeltliche Einschaltung
         L. Holzer, Klagenfurt am Wörthersee                                                                                          Autologous Conditioned Plasma (ACP):
         
                                                                                                                                      eine therapeutische Option bei Kreuzschmerz?
                                                                                                                                             K. Uthoff, Hannover
16       Medikamentöse Therapie                                                                                                              
         der Osteoporose
         P. Peichl, Wien                                                                                                              PHYSIKALISCHE MEDIZIN & REHABILITATION
         
                                                                                                                                   46 Komplexes regionales Schmerzsyndrom
                                                                                                                                             M. Mödlin, Wien
    GOTS-NACHRICHTEN
                                                                                                                                             
22 Stressreaktionen und Stressfrakturen

                                                                                                                                      RHEUMATOLOGIE
    WIRBELSÄULE
                                                                                                                                   51        Rasche Diagnose und
26 Der zervikothorakale Übergang –
                                                                                                                                             effiziente Therapie der Gicht
   eine besondere Herausforderung                                                                                                            R. Lunzer, Graz
         G. Pajenda, Wien                                                                                                                    
         
                                                                                                                                   54 Entgeltliche Einschaltung
30       Entscheidungsfindung und
                                                                                                                                      Herausforderung Gerontorheumatologie
         Therapiekonzepte bei Typ-A-Frakturen
         der thorakolumbalen Wirbelsäule                                                                                           56 Autoimmunerkrankungen und B-Zellen:
         W. Urbanski, St. Pölten                                                                                                      Marker identifiziert
         P. Siegert, St. Pölten

34       Extrakorporaler Zementaustritt bei                                                                                        57 ACR/ARHP 2017
         zement­augmentierten Pedikelschrauben                                                                                        Good News from San Diego
         im Rahmen der dorsalen Stabilisierung:
         vorläufige Ergebnisse
         T. Grossauer, Salzburg
         R. Schwaiger, Salzburg

Impressum
Herausgeber: Universimed Cross Media Content GmbH, Markgraf-Rüdiger-Straße 6–8, 1150 Wien. E-Mail: office@universimed.com. Tel.: +43/1/876 79 56. Fax: +43/1/876 79 56-20.
Geschäftsführung: Dr. med. Bartosz Chłap, MBA. Chef­redaktion: Mag. Christine Lindengrün. E-Mail: christine.lindengruen@universimed.com. Pro­­jekt­leitung: Christian Gallei. E-Mail:
christian.gallei@universimed.com. Lektorat: DI Gerlinde Hinterhölzl, Dr. Patrizia Maurer, Mag. Sabine Wawerda, Mag. Josef Weilguni. Grafik: Amir Taheri. Produktion & Druck: AV + Asto-
ria Druck­zentrum GmbH, 1032 Wien. Artikel mit grauer Hinterlegung sind im Sinne des Österreichischen Mediengesetzes §26 als Werbung, Promotion oder entgeltliche Einschaltung zu
verstehen. Gerichtsstand: Wien. Offenlegung: Herausgeber: Universimed Cross Media Content GmbH (100%ige Tochter der Universimed Holding GmbH). Eigentümer und Medieninha-
ber: Universimed Holding GmbH
Bezugsbedingungen Abonnement: Bestellung bei Universimed oder unter www.universimed.com. Jahresabo EUR 45,–, Einzelheft EUR 9,– inkl. MwSt. und Versand innerhalb von Österreich; im Ausland zzgl. Versandspesen. ISSN 1997-8308. Das Medium JATROS
Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie ist für den persönlichen Nutzen des Lesers konzipiert und beinhaltet Informationen aus den Bereichen Expertenmeinung, wissenschaftliche Studien und Kongresse. Namentlich gekennzeichnete Artikel und sonstige Beiträge
sind die persönliche und/oder wissenschaftliche Meinung des Verfassers und müssen daher nicht mit der Meinung der Redaktion und des Herausgebers übereinstimmen. Mit der Übergabe von Manuskripten und Bildern gehen sämtliche Nutzungsrechte in Print und Inter-
net an Universimed über. Copyright: Alle Rechte liegen bei Universimed. Nachdruck oder Vervielfältigung – auch auszugsweise – nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. Die wiedergegebene Meinung deckt sich
nicht in jedem Fall mit der Meinung des Herausgebers, sondern dient der Information des Lesers. Die am Ende jedes Artikels vorhandene Zahlenkom­bination (z.B.: n0918) stellt eine interne Kodierung dar. Geschlechterbe-
zeichnung: Um die Les­barkeit der Informa­tionen zu erleichtern, wird bei Personenbezeich­nungen in der Regel die männliche Form verwendet. Es sind jedoch jeweils männliche und weibliche Per­­so­nen gemeint.

              Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie 2 / 2018                                                                                                                                                                                              5
Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie - ÖGU - österreichische ...
ÖGOuT                                                            Österreichische
                                                                 Gesellschaft für
ORTHOPÄDIE & TRAUMATOLOGIE                                       Unfallchirurgie                    C. Fialka, Wien

Orthopädie und Traumatologie –
Aus- und Fortbildung
Liebe Kolleginnen!
Liebe Kollegen!
Liebe Freunde der österreichischen
Orthopädie und Traumatologie!

   In der Facharztausbildung liegt die Ausbildungskompetenz
bei den Fachabteilungen, welche das theoretische und prak-
tische Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten vermitteln sol-
len. Der Routinebetrieb und der Leistungsdruck auf das
                                                                     5. Fortbildungsseminar
medizinische System zeigen, dass vor allem die theoretische
Vermittlung der wissenschaftlichen Grundlagen und des                 der Österreichischen
modernen Spezialwissens oft die Kapazitäten der Abteilun-
gen übersteigt.                                                    Gesellschaft für Orthopädie
   Aufbauend auf den Erfahrungen aus dem Projekt „Ausbil-
dungsseminare NEU“ haben die Fachgesellschaften der
                                                                   & Traumatologie (ÖGOuT) –
Orthopädie und Unfallchirurgie für das neue Sonderfach
„Orthopädie und Traumatologie“ ein mehrjähriges Fortbil-                     Block 5
dungsprogramm entwickelt. Die Organisation wurde der für
das neue Sonderfach zuständigen „Österreichischen Gesell-
schaft für Orthopädie und Traumatologie“ übertragen.                                9. bis 14. 4. 2018 ganztägig
   Alle Informationen zu den Fortbildungsseminaren finden
Sie auf der Homepage der Österreichischen Gesellschaft für                                  Programm:
Orthopädie und Traumatologie: www.oegout.at                                          Seminar Rheumaorthopädie
    Das Konzept „Fortbildungsseminare Orthopädie und Trau-                           Seminar Fußorthopädie und
matologie“ hat sich folgende Ziele gesetzt:
- verbesserte Unterstützung der Ausbildungsverantwortlich-                               Fußtraumatologie
  keit für Abteilungsvorstände
- flächendeckende einheitliche und strukturierte Wissensver-
                                                                                    Seminar Handorthopädie und
  mittlung an die in Ausbildung stehenden Fachärzte für                                 Handtraumatologie
  Orthopädie und Traumatologie
- verbesserte Kommunikation und Interaktion zwischen den
  in Ausbildung stehenden Fachärzten (E-Learning, Diskus-
  sion, Foren)
- verbesserte Vorbereitung auf die Facharztprüfung               nutzen, hat die Österreichische Gesellschaft für Orthopädie
- verbesserte Evaluierung von Lehr- und Lern-Input sowie         und Traumatologie eine Kooperation mit der Donau-Universi-
  des wissensbasierten Outcomes                                  tät in Krems vereinbart. Alle Fachärzte in Ausbildung können
                                                                 den Besuch der Seminare als „certified program“ entspre-
   Für jeden Seminartag erhalten die Teilnehmer je nach          chend der Bologna-Konvention als ECTS anrechenbar
Programm 8–10 DFP-Punkte für das persönliche DFP-Diplom,         machen. Dazu ist eine Anmeldung bei der Donau-Universität
für das seit 1. 7. 2017 einheitlich folgende Kriterien gelten:   Krems notwendig. Die Teilnahme am „certified program“ ist
- Fortbildungs-/Gültigkeitszeitraum 5 Jahre                      kostenlos; lediglich der Hochschulbeitrag von EUR 50,00 pro
- mind. 250 DFP-Punkte (davon mind. 200 medizinische             Semester muss selbst bezahlt werden.
  DFP-Punkte und 85 DFP-Punkte aus Veranstaltungen/
  Qualitätszirkeln)                                                 Wir hoffen, damit einen Beitrag geleistet zu haben, damit
                                                                 in Zukunft die hohe Kompetenz der österreichischen Fach-
   Um den in Ausbildung Stehenden die Möglichkeit zu bie-        ärzte für Orthopädie und Traumatologie und damit die Ver-
ten, moderne Lernmethoden und Kommunikationsformen zu            sorgung der Bevölkerung auf hohem Niveau gesichert sind.

6                                                                                            Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie 2 / 2018
Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie - ÖGU - österreichische ...
© Fleischmann
                                                                                                                                                    ÖGOuT
                                      K. Trieb, Wels                                                        ORTHOPÄDIE & TRAUMATOLOGIE

                                                                                chische Gesellschaft für Unfallchirurgie auch die Mitglieder
                                                                                der Fachgesellschaft für Orthopädie zur aktiven Mitgestal-
                    6. Fortbildungsseminar                                      tung ein.

                     der Österreichischen                                       Informationen zum Kongress finden Sie unter:
                                                                                www.unfallchirurgen.at/veranstaltungen/oegu-jahrestagung/

                  Gesellschaft für Orthopädie                                      Die Österreichische Gesellschaft für Orthopädie und
                                                                                orthopädische Chirurgie lädt unter Mitwirkung der ÖGU zu
                  & Traumatologie (ÖGOuT) –                                     einem Symposium am 15. Juni 2018 in Wels ein. Unter dem
                                                                                Titel „Update Orthopädie & Traumatologie“ hat Prof. Trieb

                            Block 6                                             Vortragende geladen, die einen weiten Bogen bei den The-
                                                                                men und den Anwendungsbereichen des neuen Sonderfaches
                                                                                „Orthopädie und Traumatologie“ spannen, um bei niederge-
                                                                                lassenen wie klinisch tätigen Kollegen Interesse zu wecken
                      5. bis 10. 11. 2018 ganztägig                             und einen Beitrag zur kontinuierlichen fachlichen Fortbil-
                  AUVA-Rehabilitationszentrum Weißer Hof                        dung der Ärzte zu leisten.

                                                                                  Wir würden uns freuen, wenn Sie von unseren Angeboten
                                 Programm:                                      der Weiterbildung zahlreich Gebrauch machen würden.

                         Seminar Neuroorthopädie,
                             Schädelhirntrauma
                           Seminar Rehabilitation
                   Seminar nichtchirurgische Traumatologie
                                                                                    Prof. Dr. Christian Fialka                 Prof. Dr. Klemens Trieb

                                                                                

                   Ebenfalls der Fortbildung dient die 54. Jahrestagung der                                                 Österreichische Gesellschaft für
                Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie vom 4. bis                                         Orthopädie und Traumatologie (ÖGOuT)
                6. Oktober 2018 in Salzburg, welche sich thematisch mit Ver-
                letzungen des Unterarmes und der Hand sowie deren Folgen                                                             Redaktion der Mitteilung:
                befassen wird. Kongresspräsident Prof. Fialka: „Somit setzen                                     Dr. Erwin Lintner (office@orthopaedics.or.at)
                wir den Fokus dieser Jahrestagung auf eine sehr häufig ver-
                letzte Körperregion, welche bezüglich der Frakturen von der                                                       Geschäftsstelle der ÖGOuT:
                distalen Radiusfraktur angeführt wird. Trotz intensiver Prä-                                           Mag. Birgit Magyar (office@oegout.at)
                ventionsmaßnahmen stehen Handverletzungen generell
                noch immer mit circa 40 Prozent an erster Stelle der Arbeits-
                unfälle. Diese Verletzungen sind vielfältig und können bei
                nicht adäquater Diagnostik, Therapie und Rehabilitation zu
                lebenslangen Beeinträchtigungen in Arbeit und Freizeit füh-
                ren.“ Wie auch in den vergangenen Jahren lädt die Österrei-

                      Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie 2 / 2018                                                                                    7
Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie - ÖGU - österreichische ...
PRAXIS-/PATIENTENZEITUNG

                                                                                            ab sofort kostenfrei verfügbar!

                                  März 2018                                        Ausgabe 1/18: Erscheinungstermin KW 13
                                                                                   Kinderorthopädie

                                  Wissenswertes für Patienten der Orthopädie       Ausgabe 2/18: Erscheinungstermin KW 29
                                  Im Wachstum: Von Kopf bis Fuß betreut            Arthrose, Hyperurikämie
                                  Wirbelsäule: Alles im Lot?
                                  Bewegen: Die beste Medizin für gesunde Gelenke   Ausgabe 3/18: Erscheinungstermin KW 38
                                                                                   Osteoporose: Folgen und Therapie
 © iStockPhoto.com/katrinaelena

                                                                                   Ausgabe 4/18: Erscheinungstermin KW 47
                                                                                   Beckenschiefstand, orthopädische Schmerztherapie

                                                                                   Die Patientenzeitung top Orthopädie bringt 4x im Jahr patientenfreundlich
                                                                                   aufbereitete wissenschaftliche und praxisnahe Themen auf den Punkt.

                                                                                   In Zusammenarbeit mit dem BVdO werden in dieser Informations­broschüre
                                                                                   die für Patienten wichtigsten Erkrankungen aufbereitet.

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Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie - ÖGU - österreichische ...
Referat

                       R. Dorotka, Wien                                                                                           OSTEOPOROSE

Osteoporose in der orthopädischen Praxis
Die Behandlung von Osteoporosepatienten in einer orthopädischen Kassenordination
ist tagtägliche Realität und in jedem Fall eine Herausforderung im Spannungsfeld
zwischen adäquater Patientenversorgung und vollem Wartezimmer.

I ch bin in einer Gruppenpraxis im ersten
  Wiener Gemeindebezirk mit Verträgen
mit allen Kassen tätig. Wir verfügen über
                                                       Knochendichtemessung bemühen, z.B.
                                                       wenn ein medizinisch nicht berechtigter
                                                       und beratungsresistenter Wunsch nach
                                                                                                           KEYPOINTS
                                                                                                           ●● Auch in der orthopädischen
                                                                                                              Kassenpraxis verläuft die
keine eigene „Osteoporosesprechstunde“,                Kenntnis seines persönlichen T-Werts be-
                                                                                                              Betreuung von Osteoporose-
die Betreuung erfolgt bei dieser Patienten-            steht. Die Bestimmung der Frakturwahr-
                                                                                                              patienten leitlinienkonform.
gruppe über Terminvergabe während der                  scheinlichkeit über die FRAX-App direkt
gesamten Öffnungszeit von Montag bis                   am Smartphone findet bei mir zuneh-                 ●● Die aufwendigere Betreuung
Freitag ganztags bzw. auch am Samstag-                 mend Verwendung.                                       von Osteoporosepatienten
vormittag. Prinzipiell stehen unsere Türen                Jeder Patient wird einer gründlichen                wird bei vollem Wartezimmer
auch Patienten mit akuten Beschwerden                  orthopädisch-klinischen Untersuchung                   zum Stressfaktor.
ohne Termin offen. Im Rahmen der Osteo-                unterzogen. Das Wartezimmer kann gar
                                                                                                           ●● Im Hintergrund läuft bei allen
poroseversorgung betreffen diese Akutter-              nicht so voll sein, dass auf diese wertvol-
                                                                                                              orthopädischen Patienten ein
mine meist Patienten mit akuten verte­                 le Manualdiagnostik verzichtet werden
                                                                                                              Screening hinsichtlich Risiko-
bralen Frakturen mit entsprechender                    würde. Neben der Untersuchung der Wir-
                                                                                                              faktoren für Osteoporose ab.
Schmerzsymptomatik, während Osteopo-                   belsäule mit Neurostatus werden auch die
rosepatienten mit vorbestehender Thera-                angrenzenden Gelenke miteinbezogen.                 ●● Bei komplexen Fällen ist die
pie in der Regel nach Terminvereinbarung               Bei entsprechendem Verdacht erfolgt im                 Zusammenarbeit mit Osteolo-
kommen.                                                Anschluss auch die Überweisung zum                     gen nicht unehrenhaft.
   Die eigentliche Herausforderung stellt              Röntgen der Region zum Ausschluss einer
                                                                                                           ●● Zusätzliches Kerngebiet der
aber das Screening von potenziell osteo-               Fraktur. Im Rahmen der Erstbegutach-
                                                                                                              Orthopädie sind auch die
porosegefährdeten Patienten dar, die we-               tung bzw. -untersuchung auf Osteoporose
                                                                                                              Sportberatung und der
gen ganz anderer Beschwerden die Ordi-                 wird auch eine Labordiagnostik eingelei-
                                                                                                              adäquate Einsatz orthopädie-
nation aufsuchen. Hier ist ständige Auf-               tet. Das Standardbasislabor beinhaltet
                                                                                                              technischer Maßnahmen.
merksamkeit gefordert, daran zu denken                 folgende Parameter: Blutbild, Senkung,
und allen Patienten – sowohl neuen als                 CRP, TSH, Serum-Kalzium, Serum-Phos-
auch bekannten – gezielt Fragen in diese               phat, Kreatinin, BUN, GGT, Eiweißelekt-
Richtung zu stellen. Beim Kassenarzt ori-
entieren sich die gezielten Fragen nicht                                                                 rophorese, alkalische Phosphatase und
nur an den aus Leitlinien bekannten Risi-                                                                ggf. Parathormon, Testosteron sowie
kofaktoren, sondern gehen zusätzlich                                                                     25-OH-Vitamin-D3.
auch schon in Richtung Verrechnungsvo-                                                                      Anhand der Anamnese und der Labor-
raussetzungen wie etwa für die Knochen-                                                                  befunde werden sekundäre Osteoporose-
dichtemessung. So kann etwa bei der                                                                      formen herausgefiltert und die Patienten
WGKK eine DXA bei Frauen ab dem 65.                                                                      entsprechend an die internistischen Fach-
Lebensjahr und bei Männern ab dem 70.                                                                    disziplinen weitergeschickt.
Lebensjahr ohne Voraussetzung verordnet                                                                     Akutpatienten mit starken, frakturver-
werden. Frauen zwischen dem 60. und                                                                      dächtigen Schmerzen erhalten noch am
65. Lebensjahr müssen 2 von 5 Risikofak-                                                                 selben Tag ein Röntgen. Eine Schmerz-
toren erfüllen (prädisponierende Erkran-                                                                 therapie wird sofort eingeleitet. Je nach
kung, Medikation, genetische Disposition,                                                                Komorbidität erfolgt die analgetische
Lebensstil, Sexualanamnese), um diese                                                                    Therapie nach dem WHO-Schema, zu-
Untersuchung auf Kassenkosten zu erhal-                                                                  sätzlich auch eine lokale, gezielte Infilt-
ten. Unabhängig von Geschlecht und Alter                                                                 rationstherapie. Bestätigt sich im Rönt-
besteht das Recht auf eine Kassen-DXA                  Abb. 1: Schematische Darstellung der beim Trai-   gen der Verdacht auf eine Wirbelkörper-
bei Patienten mit Fragilitätsfraktur und/              ning an Dr.-Wolff-Rückengeräten adressierten      fraktur, wird der entsprechende Wirbel-
oder Vorliegen einer osteoporoseinduzie-               tiefen Rumpfmuskulatur bei Rückenpatienten        säulenabschnitt mittels Mieder ruhigge-
renden Erkrankung oder Medikation. Al-                 (dunkelrot: M. multifidus lumbalis, hellrot: M.   stellt und Physiotherapie verordnet. Von
le anderen müssen sich um eine private                 transversus abdominis)                            Bettruhe wird abgeraten. Darüber hinaus

       Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie 2 / 2018                                                                                         9
Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie - ÖGU - österreichische ...
Referat

OSTEOPOROSE

wird als weiterer diagnostischer Schritt      tes Rehabilitationsprogramm mit Anlei-             fachärztlicher Begleitung und direkter
eine Magnetresonanztomografie (MRT)           tung zum Selbstüben anbieten, wird leider          Betreuung durch einen erfahrenen Trai-
verordnet. Die hauptsächlichen Fragestel-     doch noch oft von den Instituten die Phy-          ner an 5 speziellen Geräten vor allem die
lungen an die MRT sind das Vorliegen          siotherapie gestrichen und stattdessen auf         tiefe LWS-stabilisierende Muskulatur (M.
einer rezenten Fraktur oder auch einer        rein passive Konzepte gesetzt. Hier wäre           multifidus lumbalis, M. transversus abdo-
knöchernen Kompression im Bereich der         allerdings auch das Kassensystem gefragt,          minis) adressiert (Abb. 1). In einem 1-Jah-
Fraktur. Besteht bei Patienten mit Wirbel-    entsprechende personalintensivere Pro-             res-Programm erfolgt dann zunehmend
körperfrakturen bereits bei der Erstbe-       gramme adäquat zu vergüten.                        auch der Übergang zum Training der glo-
gutachtung eine akute neurologische              Darüber hinaus bieten wir in der Ordi-          balen Muskulatur mittels freier Gewichte
Auffälligkeit (motorisch und/oder Cauda-      nation auch unseren Osteoporosepatien-             und anderer Übungen (siehe auch JATROS
symptomatik), wird ohnehin ohne Verzö-        ten ein gezieltes Trainingsprogramm mit            Orthopädie & Traumatologie 4/17, Seite
gerung in ein wirbelsäulenchirurgisches       Dr.-Wolff-Rückentherapiegeräten an (RTC            70f.).
Zentrum (AKH Wien, Orthopädie) über-          nach Dr. Wolff, Fa. Domitner). Dabei wird             Nach Maßgabe der Ernährungsge-
wiesen und in diesen Fällen keine weite-      nach entsprechender Physiotherapie mit             wohnheiten bzw. Zusatzfaktoren wie Son-
re verzögernde Diagnostik veranlasst. In
den meisten Fällen lassen sich jedoch
sowohl akute als auch Langzeit-Osteopo-
rosepatienten adäquat konservativ thera-
pieren. In wenigen therapieresistenten
Fällen erfolgt sekundär nach Bestätigung
des Vorliegens einer rezenten Wirbelkör-
perfraktur in der MRT die Zuweisung ins
Spital zur eventuellen Frakturstabilisie-
rung mittels Kyphoplastik.
    Alle Patienten werden gebeten, mit ih-
rem Allgemeinmediziner die sonstige lau-
fende medikamentöse Therapie auf ihr
knochendichtereduzierendes Risiko zu
prüfen (z. B. Protonenpumpenhemmer,
Neuroleptika, Antidepressiva, Glukokorti-
koide). Ebenso werden Patienten auf die
Reduktion des Sturzrisikos (Stichwort:
Teppich) und die Therapie von Sturzursa-
chen (Stichwort: Fehlsichtigkeit) aufmerk-
sam gemacht. Jeder Betroffene wird ent-
sprechend seiner physischen Möglichkeit
hinsichtlich Sportoptimierung beraten
oder es wird eine Physiotherapie eingelei-
tet, wobei bei jüngeren Patienten mit ver-
ringerter Knochendichte ohne Frakturen
eine sportorthopädische Beratung ausrei-
chend erscheint (Krafttraining, Crosstrai-
ner, prinzipiell kaum Einschränkungen in
der Sportausübung). Bei Bedarf steht in
der Ordination auch ein Sporttrainer zur
Verfügung. Ältere Patienten oder Patien-
ten mit einer Fraktur werden routinemä-
ßig zur Physiotherapie zugewiesen. Auch
hierbei stehen Physiotherapeutinnen di-
rekt in der Ordination zur Verfügung, die
als Wahltherapeutinnen mit den Patienten
privat abrechnen; eine teilweise Rücker-
stattung der Kosten durch die Versiche-
rungen ist möglich. Patienten, die eine
vollständige Vergütung über die Kranken-
kasse bevorzugen, werden in ein physika-
lisches Institut überwiesen. Obwohl viele     Abb. 2: Beispiele für chefärztliche Bewilligungen mittels ABS über die Ordinationssoftware; oben:
Institute bei dieser Indikation ein adäqua-   Ablehnung nach insuffizienter Begründung, unten: Bewilligung nach ausreichender Begründung

10                                                                                                   Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie 2 / 2018
Referat

                                                                                                                                                OSTEOPOROSE

               nenexposition erfolgt die Verordnung von               Schriftverkehr vorkommen konnte, zeigt       aus orthopädischer Sicht keinesfalls auf
               Vitamin D3 und – bei geringer Kalzium-                 die persönliche Erfahrung der letzten        Begleitmaßnahmen, wie Sporttherapie
               aufnahme über die Nahrung – 1000mg                     Jahre, dass hier sehr wohl bei entspre-      bzw. -optimierung, Sturzprophylaxe, Rü-
               Kalzium täglich.                                       chender Formulierung der Begründung          ckenrehabilitation, und bei akuten Pati-
                   Nach der Klärung von Kontraindikati-               rasche Genehmigungen in der Mehrzahl         enten auf die orthopädietechnische Ver-
               onen wird prinzipiell mit Alendronat ein-              der Fälle möglich sind (Abb. 2).             sorgung inkl. operativer Maßnahmen
               mal wöchentlich begonnen, eine Aufklä-                     Ebenso genehmigungspflichtig ist Teri-   vergessen werden.                    n
               rung über den Einnahmemodus ist essen-                 paratid, das bei Frakturen trotz adäquater
               ziell. Bei fehlender Compliance oder Ge-               antiresorptiver Therapie zur Verfügung                                                   Autor:
               genanzeigen für die perorale Einnahme                  steht. Die Organisation der aufwendigen                         Univ.-Prof. Dr. Ronald Dorotka
               wird auf parenterales Ibandronat oder                  täglichen Verabreichung des Medikaments            Facharzt für Orthopädie und orthopädische
               Zoledronat gewechselt. Bei Vorliegen von               ist auf den ersten Blick im kassenärztli-          Chirurgie (Sportorthopädie, Rheumatologie)
               Nierenfunktionsstörungen oder sonstigen                chen Setting schwer durchführbar, wird                 Orthopädie-Zentrum Innere Stadt, Wien
               Kontraindikationen bezüglich der Bis-                  aber von der herstellenden Firma durch                                    www.med-fitness.com
               phosphonattherapie wird mit Denosumab                  Bereitstellung von geschulten Pflegeper-                    E-Mail: r.dorotka@ortho-zentrum.at
               begonnen, wofür im Gegensatz zu den                    sonen für die direkte Patientenbetreuung                                               n041320
               oben genannten Substanzen eine vorheri-                deutlich erleichtert.
               ge chefärztliche Bewilligung notwendig                     Bei unklaren Osteoporoseursachen
               ist. Entweder holen sich die Patienten per-            bzw. Vorliegen mehrerer internistischer      Literatur:
               sönlich bei ihrer Krankenkasse diese Be-               Erkrankungen sollte man sich nicht           beim Verfasser
               willigung oder die Genehmigung erfolgt                 scheuen, auch internistisch-osteologische
               direkt über den chefärztlichen Dienst per              Hilfe über Osteoporoseambulanzen in An-
               Online-Anfrage (ABS). Während vor eini-                spruch zu nehmen. Trotz aller Fortschrit-
               gen Jahren noch ein teils komplexer                    te bei der medikamentösen Therapie darf

               Vitamin D3 & Vitamin K2
                                                                                                                                    INNOVATION AUS ÖSTERREICH

               Das Duo für gesunde Knochen

                                                                                                                   3-er Kombi
                                                                                                                   mit Kalzium

               www.D3Solarvit.at
                      Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie 2 / 2018       Apothekenexklusiv                                                                   11
067_D3S_0218
Referat

OSTEOPOROSE                                                                     L. Holzer, Klagenfurt am Wörthersee

Osteoporose und Endoprothetik
Viele Patienten mit Osteoporose benötigen orthopädisch-chirurgische Inter­
ventionen wie beispielsweise endoprothetischen Gelenksersatz. Wegen der
Grunderkrankung sieht man bei osteoporotischen Patienten gehäuft Kompli­ka­
tionen wie beispielsweise intraoperative periprothetische Frakturen, peripro­
thetische Osteolysen, Implantatmigra­tion oder postoperative peripro­thetische
Frakturen. Die Evaluation der Knochenqualität scheint daher ein wesentlicher Punkt
im Patientenmanagement zu sein, um Patienten bestmöglich zu versorgen und um
chirurgische Ergebnisse langfristig zu optimieren.

I m Lauf der letzten Dekaden hat die Zahl
  der implantierten Endoprothesen stetig
zugenommen. Viele Patienten, die eine
                                              kerung bei allen Patienten mit normaler
                                              Knochenqualität anzustreben, da sich
                                              der Knochen in der porösen Struktur
                                                                                          lität der Spongiosa nur einen geringen
                                                                                          Einfluss auf die Migration des Prothe-
                                                                                          senschafts.
Endoprothese benötigen, sind höheren Al-      des Implantats integriert. Zementierte         Dieser Aspekt ist besonders wichtig
ters und haben unter Umständen eine ge-       Prothesen werden zumeist für ältere Pa-     bei der Versorgung osteoporotischer
ringere Knochenmasse. Dies zeigt bei-         tienten verwendet. Dies ist ein Ansatz,     Schenkelhalsfrakturen. Eine rezente
spielsweise eine Studie von Lingard et al.:   der auf der Annahme beruht, dass älte-      Metaanalyse untersuchte die Ergebnisse
Bei 199 Patienten mit einem Alter zwi-        re Patienten eine schlechtere Knochen-      zementierter versus zementfreier Kopf-
schen 65 und 80 Jahren, die für endopro-      qualität und ein höheres Risiko für eine    endoprothesen (KEP) bei osteoporoti-
thetischen Gelenksersatz (Hüft- oder Kni-                                                 schen Schenkelhalsfrakturen. Dabei
etotalendoprothesen; HTEP, KTEP) vorge-                                                   wurden fünf prospektive randomisierte
merkt waren, wurde eine Knochendichte-                                                    Studien mit insgesamt 950 Patienten
messung mittels Dual-Energy-X-Ray-Ab-
                                                   Die vorliegende Literatur              eingeschlossen. Zementfreie KEPs wie-
sorptiometrie (DEXA) durchgeführt. Die             zeigt, dass die Prävalenz              sen verglichen zu den zementierten
Inzidenz der Osteoporose (gemessen an             geringer Knochendichte in               KEPs eine signifikant höhere implanta-
Hüfte oder LWS) im untersuchten Kollek-                                                   tassoziierte Komplikationsrate (postope-
tiv war 23%. Weitere 43% der Patienten           der Patientenpopulation mit              rative periprothetische Frakturen) auf.
hatten eine Osteopenie. Eine andere Stu-             Endoprothesen hoch                   Die Operationsdauer war bei zement-
die (n=53) untersuchte die Prävalenz von                    ist (>2/3).                   freien KEPs signifikant kürzer. Hinsicht-
Osteoporose bei Frauen, die für eine ze-                                                  lich kardiovaskulären Ereignissen, Mor-
mentfreie HTEP vorgemerkt waren. 28%                                                      talität und funktionellen Ergebnissen
von ihnen hatten Osteoporose und 45%                                                      zeigten sich keine Unterschiede. Auf-
hatten eine Osteopenie. Diese Daten wei-      Implantatmigration haben (vor der os-       grund der geringeren Komplikationsrate
sen darauf hin, dass die Prävalenz gerin-     sären Integration) und somit von einer      favorisieren die Studienautoren zemen-
ger Knochendichte in dieser Patientenpo-      zementierten Prothese profitieren wür-      tierte Kopfendoprothesen bei Patienten
pulation hoch ist (>2/3). In diesem Über-     den. Die Evaluation der Knochenqualität     mit osteoporotischen Schenkelhalsfrak-
blick wird daher auf die Auswirkungen         bei geplanter Implantation einer Endo-      turen.
der Knochengesundheit in Bezug auf die        prothese hat daher an Bedeutung ge-            Diese Daten wurden in einer rezenten
Endoprothetik eingegangen.                    wonnen. Diesen Aspekt beleuchtete eine      randomisierten prospektiven Studie be-
                                              rezente Studie, bei der die intertrochan-   stätigt. Bei 69 Patienten der 140 geplant
Implantatverankerung: zementiert              täre Knochenqualität der Spongiosa als      einzuschließenden Patienten wurde die
versus zementfrei                             Prädiktor für die Migration des Prothe-     Studie aufgrund der signifikanten Unter-
                                              senschaftes bei HTEP untersucht wurde.      schiede in der Komplikationsrate abge-
  Ein wesentlicher Diskussionspunkt           Biopsien wurden intertrochantär im          brochen. In der Gruppe der zementfreien
bezüglich der zuvor genannten Proble-         Bereich des proximalen Femurs an der        Prothesenverankerung (n=34) ereigne-
matik ist die Frage der Prothesenveran-       Stelle des zukünftigen Prothesenschaf-      ten sich 9 Komplikationen (3 Luxationen,
kerung, nämlich zementiert versus ze-         tes entnommen und mittels Micro-CT          3 intraoperative periprothetische Fraktu-
mentfrei. Der aktuelle Konsens besteht        und biomechanischer Tests untersucht.       ren, 1 postoperative periprothetische
darin, primär eine zementfreie Veran-         Entgegen der Hypothese hatte die Qua-       Fraktur, 1 postoperative Schaftlocke-

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                                                                                                                             OSTEOPOROSE

rung, 1 periprothetischer Prothesenin-                 generalisiert reduzierten Knochenqua­        Vitamin D und Endoprothetik
fekt) innerhalb von 2 Jahren nach Im-                  lität zeigt sich auch durch eine lokal re-
plantation. Demgegenüber stand nur eine                duzierte Knochenmasse im Bereich des            Vitamin D ist essenziell für die Kno-
Luxation in der Gruppe der Patienten mit               Knochen-Implantat-Interfaces oder Kno-       chenentwicklung, das „bone remode-
zementierten       Prothesenverankerung                chen-Zement-Interfaces. Aus diesem           ling“, die physiologische Frakturheilung
(n=35).                                                Grund untersuchte eine Gruppe die peri-      und möglicherweise auch für die Muskel-
   Die vorliegende Literatur scheint un-               prothetische Knochendichte bei Patienten     kraft.
eins hinsichtlich der Empfehlung zemen-                mit zementierten und zementfreien               Hinsichtlich des optimalen Vitamin-D-
tiert versus zementfrei und lässt den Chi-             KTEP. In beiden Gruppen zeigte sich im       Spiegels bei orthopädisch-chirurgischen
rurgen ohne eindeutige Richtlinien allei-              Median 4 Jahre nach Implantation eine        Eingriffen, einschließlich der Endopro-
ne. Weitere qualitativ hochwertige pros-               Abnahme der periprothetischen Knochen-       thetik, gibt es viele Fragen. Diese bezie-
pektive Studien sind erforderlich, um                  dichte unabhängig von der Veranke-           hen sich nicht nur auf die Knochenstoff-
mehr Evidenz für dieses klinische wich-                rungsmethode. Als Schlussfolgerung           wechsel-assoziierten Effekte von Vitamin
tige Thema zu generieren.                              wurde vermutet, dass eine geringe Belas-     D, sondern auch auf dessen generelle
                                                       tung oder Mobilität für den Knochenab-       Auswirkung auf die postoperative Funk-
Periprothetische Frakturen                             bau verantwortlich sei.                      tion bei den zuvor genannten Eingriffen.
                                                                                                    Ein positiver Einfluss von Vitamin D auf
   Periprothetische Frakturen führen oft-              Periprothetische Osteolysen                  Remobilisierung und Sturzprävention
mals zu schwerwiegenden Konsequenzen,                                                               wird vermutet. Der vermutete positive
da sie unter Umständen schwierig zu re-                   Die Osteolyse ist eine lokale Reaktion,   Effekt von Vitamin D ist durch die hohe
konstruieren sind und sich der Genesungs-              die bei liegendem Implantat zur Reduk-       Prävalenz eines Vitamin-D-Defizits in di-
prozess der betroffenen Patienten lang-                                                             versen Beobachtungsstudien begründet.
wierig gestaltet. Darüber hinaus erreichen                                                          Eine retrospektive Studie mit 723 Patien-
viele dieser Patienten das frühere Aktivi-                                                          ten, die sich diversen orthopädisch-chir-
tätsniveau nicht mehr. Eine relativ große
                                                                   Die Mehrheit der                 urgischen Eingriffen unterzogen, zeigte,
Studie aus Großbritannien untersuchte                            vorliegenden Studien               dass 40% dieser Patienten ein Vitamin-
das Risiko für periprothetische Frakturen                       deutet darauf hin, dass             D-Defizit hatten (nach „Institute of
5 Jahre nach Implantation von HTEP oder                                                             Medicine“-Standards 25-OH-Vitamin-D
KTEP. Die Inzidenz von Frakturen nach
                                                             Bisphosphonattherapie die              Spiegel ≤20 ng/mL).
primärer HTEP war 0,9%, nach Revision                        knöcherne Integration von                 Eine Studie mit einem kleineren Kol-
einer HTEP 4,2%, nach primärer KTEP                          Implantaten verbessert, zu             lektiv an Patienten, bei denen eine HTEP
0,6% und nach Revision einer KTEP 1,7%.                                                             oder KTEP implantiert wurde, untersuch-
Die Inzidenz der Frakturen war bei weib-                      längeren Standzeiten und              te den Zusammenhang zwischen Kno-
lichen Patienten im Alter von über 70 Jah-                     weniger postoperativen               chendichte, Vitamin D und Arthrose.
ren höher.                                                          Frakturen führt.                84,7% der Patienten hatten einen Vita-
   Periprothetische Frakturen im Bereich                                                            min-D-Spiegel ≤30ng/mL, 20% der Män-
des Femurs bei liegenden HTEP sind im                                                               ner und 23,2% der Frauen hatten einen
klinischen Alltag häufig zu sehen und                                                               T-Score unter –2,5 als Hinweis auf Osteo-
grundsätzlich schwer zu behandeln. Der                 tion von Knochen am Interface zwischen       porose.
typische Patient, der eine solche Fraktur              Knochen und Implantat führen kann. Die          In einer großen prospektiven Studie
erleidet, ist älter, generell gebrechlich und          klinische Konsequenz dieses lokalen          zum Einfluss von Vitamin-D-Status und
hat Osteoporose. Hinsichtlich der Versor-              Knochenverlusts ist eine aseptische Im-      Knochendichte auf die Entwicklung einer
gung dieser Frakturen besteht kein klarer              plantatlockerung, ein vorrangiger Grund      nativradiologischen Gonarthrose zeigte
Konsens, da es an qualitativ hochwertigen              für Revisionen. Diverse Studien zeigten,     sich, dass bei denjenigen Patienten, die zu
Studien mangelt. Darüber hinaus gibt es                dass eine Bisphosphonattherapie osteo-       Beginn der Studie den niedrigsten Vita-
rezente Fallberichte über Bisphosphonat-               lytische Prozesse reduzieren kann und/       min-D-Spiegel hatten, die Gonarthrose am
induzierte periprothetische Frakturen.                 oder bei ihrer Behandlung nützlich sein      schnellsten fortschritt.
Solche Frakturen haben ein deutlich er-                könnte. Darüber hinaus wurden einige            In einer Studie, die den Einfluss des
höhtes Risiko für Pseudoarthrosen und                  Fallberichte publiziert, die einen positi-   Vitamin-D-Spiegels auf diverse funktio-
sind aufgrund der pathologisch veränder-               ven Effekt von Teriparatid auf peripro-      nelle Parameter nach Implantation einer
ten Knochenqualität besonders schwer zu                thetische Osteolysen zeigen konnte. Ge-      HTEP analysierte, zeigte sich jedoch,
behandeln.                                             nerell sind die Daten in diesem Bereich      dass niedrige Vitamin-D-Spiegel (≤20
   Niedrige Knochenqualität erhöht das                 jedoch eher gering. Insbesondere man-        ng/mL) die kurzfristige Funktionalität
Risiko, eine periprothetische Fraktur zu               gelt es in der Literatur an hochwertigen     nicht beeinflussten. Die Autoren schluss-
erleiden. Die klinische Bedeutung einer                Studien.                                     folgerten daraus, dass eine Operation

       Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie 2 / 2018                                                                                    13
Referat

OSTEOPOROSE

wegen niedriger präoperativer Vitamin-       die Rate des periprothetischen Locke-        Teriparatid und Endoprothetik
D-Spiegel nicht verschoben werden sollte,    rungssaums („radiolucent lines“) ebenfalls
diese jedoch postoperativ korrigiert wer-    signifikant reduziert.                          Teriparatid ist ein rekombinantes hu-
den sollten.                                    Eine Registerstudie aus Dänemark un-      manes Derivat des Parathormons und hat
                                             tersuchte den Effekt von Bisphosphona-       einen osteoanabolen Effekt. Es ist zur The-
Bisphosphonate und                           ten auf die Inzidenz von Revisionen nach     rapie der postmenopausalen, der Steroid-
Endoprothetik                                Implantation einer HTEP. Bei Langzeit-       induzierten und der männlichen hypogo-
                                             einnahme von Bisphosphonaten konnte          nadalen Osteoporose zugelassen. Teripa-
   Bisphosphonate sind zur Prävention        das Risiko für eine Revision (alle Ursa-     ratid wird täglich als subkutane Injektion
und Behandlung der Osteoporose zugelas-      chen miteingeschlossen) reduziert wer-       verabreicht. Off-label kommt Teriparatid
sen. Sie hemmen die Aktivierung von Os-      den, jedoch war das Risiko einer Revisi-     auch zur Unterstützung der Knochenhei-
teoklasten und reduzieren dadurch die        on aufgrund eines periprothetischen In-      lung zur Anwendung.
Knochenresorption. Diverse Studien bele-     fekts erhöht. Andere Studien zeigten            In einer experimentellen Studie an
gen die Reduktion des Frakturrisikos bei     keine erhöhte Infektrate unter Bisphos-      Hunden verbesserte sich durch die Anwen-
Patienten mit niedriger Knochendichte        phonattherapie.                              dung von Teriparatid die Integration des
unter Bisphosphonattherapie.                    Patienten mit HTEP unter Bisphospho-      Implantates bei Press-fit-Technik und die
   Tierstudien, bei denen Allografts oder    nattherapie zeigen ein niedrigeres Frak-     Einheilung des Implantats in den umlie-
Implantate vor der Implantation in Bis-      turrisiko verglichen mit Patienten ohne      genden Knochen.
phosphonatlösungen eingelegt worden          Therapie. Auch bei Patienten mit KTEP           Zwei Fallberichte beschreiben eine Ver-
waren, zeigten, dass die knöcherne Inte-     konnte gezeigt werden, dass die Einnah-      besserung des radiologischen Verlaufs bei
gration und mechanische Stabilität des       me von Alendronat 6 Monate postopera-        aseptischen Lockerungen von HTEP, ein
Implantats oder Allografts dadurch                                                        weiterer bei aseptischer Lockerung einer
verstärkt wurden. Dieser Effekt wurde                                                     KTEP.
jedoch in einigen anderen Studien wider-        Medikamente, die bekannte                    Eine Studie aus Taiwan untersuchte
legt.                                                                                     den Effekt einer Teriparatidtherapie bei
                                                  negative Auswirkungen
   Mit der Anwendung von Ibandronat,                                                      osteoporotischen Schenkelhalsfrakturen,
Alendronat, Risedronat, Pamidronat und            auf die Knochenqualität                 die mit zementfreien Kopfendoprothesen
Zoledronsäure konnte bei zementfreien           haben, sollten bei geplanter              versorgt wurden. In der Interventions-
HTEP der periprothetische Knochenver-                                                     gruppe zeigte sich eine signifikant gerin-
                                                Endoprothesenimplantation
lust nachweislich reduziert werden. Die                                                   gere Schaftmigration 6 sowie 12 Wochen
meisten Studien hatten ein Follow-up bis          pausiert oder zumindest                 nach Implantation verglichen mit der Kon-
zu 5 Jahre nach Implantation. Daten mit             in niedrigstmöglicher                 trollgruppe.
einem längeren Nachuntersuchungsinter-                                                       Eine andere Studie untersuchte die
                                                   therapeutischer Dosis
vall fehlen.                                                                              Auswirkung von Teriparatid auf die peri-
   Eine randomisierte, prospektive Studie            verabreicht werden.                  prothetische Knochendichte bei HTEP,
untersuchte den Effekt einer einmaligen                                                   verglichen mit Alendronat sowie Placebo.
Zoledronsäure-Infusion auf die Pfannen-                                                   In der Teriparatidgruppe zeigte sich eine
und Schaftmigration nach Implantation        tiv zu einem geringeren periprotheti-        signifikant erhöhte Knochendichte im Ver-
einer zementfreien HTEP. Zoledronsäure       schen Knochenverlust ein Jahr nach Ope-      gleich zu Placebo, jedoch waren die Werte
oder Placebo wurde den Patienten am ers-     ration führte. Dieser Unterschied konnte     vergleichbar mit Alendronat. Dieser Effekt
ten postoperativen Tag verabreicht. Nach     jedoch nach 3 Jahren nicht mehr nach-        konnte in einer rezenten Studie auch bei
2 Jahren konnte in der Gruppe mit Zoled-     gewiesen werden. Patienten, die Bisphos-     Patienten mit KTEP bestätigt werden. Ein
ronsäure eine signifikant geringere Pfan-    phonate einnehmen, haben eine längere        Jahr nach Implantation zeigte sich in der
nenmigration, verglichen mit der Placebo-    Standzeit der implantierten KTEP vergli-     Interventionsgruppe eine signifikant hö-
kontrolle, gesehen werden, wohingegen        chen mit Patienten ohne Therapie, wobei      here Knochendichte in den untersuchten
sich bei der Schaftmigration lediglich ein   dieser Effekt nicht in allen Studien ge-     periprothetischen Arealen sowohl femoral
Trend abzeichnete.                           zeigt werden konnte. Patienten unter         als auch tibial, verglichen mit der Kont-
   Eine Studiengruppe aus Skandinavien       Bisphosphonattherapie haben auch ein         rollgruppe.
untersuchte die Migration der Pfannen-       niedrigeres Frakturrisiko als jene ohne         Der Effekt von Teriparatid auf die tibi-
komponente nach Implantation von HTEP.       Therapie.                                    ale Implantatmigration bei KTEP wurde
Im Rahmen dieser Studie wurde nach Auf-         Die Mehrheit der vorliegenden Studien     in einer randomisierten Studie an 50 Pa-
fräsen des Acetabulums ein Tupfer, der       deutet darauf hin, dass Bisphos­   pho­
                                                                                   nat­   tienten untersucht. Die Patienten in der
zuvor in einer Ibandronatlösung eingelegt    therapie die knöcherne Integration von       Interventionsgruppe erhielten ab dem
war, vor der Implantation des definitiven    Implantaten verbessert, zu längeren Stand-   ersten postoperativen Tag einmal täglich
Implantates eingebracht. Mit dieser Me-      zeiten und weniger postoperativen Fraktu-    eine subkutane Injektion von 20µg Teri-
thode konnte die Pfannenmigration ge-        ren führt. Daher kann eine Fortsetzung der   paratid über 2 Monate postoperativ. Pri-
genüber der Vergleichsgruppe signifikant     Bisphosphonattherapie bei geplanter Endo-    märer Endpunkt war die Migration 1
reduziert werden. Darüber hinaus wurde       prothetik empfohlen werden.                  bzw. 2 Jahre postoperativ. Es konnte je-

14                                                                                           Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie 2 / 2018
Referat

                                                                                                                                  OSTEOPOROSE

doch kein signifikanter Unterschied in                 häufige Komplikationen nach Trauma,          Knochenqualität haben, wie beispielwei-
den beiden Studiengruppen festgestellt                 aber auch als Folge der Implantation von     se Protonenpumpeninhibitoren oder Glu-
werden.                                                Endoprothesen zu sehen. Im Regelfall ist     kokortikoide, sollten pausiert oder zu-
   Die vorliegenden Daten sprechen dafür,              die Formation einer heterotopen Ossifika-    mindest in niedrigstmöglicher therapeu-
dass Teriparatid als Adjuvans zur Unter-               tion klinisch nicht relevant, sie kann je-   tischer Dosis verabreicht werden. Bei
stützung der ossären Integration bei ze-               doch im Einzelfall Schmerzen und funk-       postmenopausalen Frauen, Männern
mentfreien Implantaten sowie zum Erhalt                tionelle Einschränkungen bewirken. Häu-      über 70 Jahre und Frauen und Männern
der periprothetischen Knochendichte ver-               fig sieht man heterotope Ossifikationen      mit einem erhöhten Risiko für Osteo­
wendet werden kann. Dies gilt insbeson-                bei Männern und bei Patienten mit be-        porose sollte innerhalb von 2 Jahren
dere für Patienten mit Osteoporose und                 stimmten rheumatischen Erkrankungen,         nach Implantation einer HTEP oder
schlechter Knochenqualität.                            wie beispielsweise der ankylosierenden       KTEP     eine    Knochendichtemessung
                                                       Spondylitis.                                 durchgeführt werden. Ein weiteres Inst-
Denosumab und                                             Eine klinische Studie untersuchte das     rument, das zur individuellen Frakturri-
Endoprothetik                                          Auftreten von heterotopen Ossifikatio-       sikoeinschätzung verwendet werden
                                                       nen 6 Monate nach Implantation von           kann, ist das „Fracture Risk Assessment
   Denosumab ist ein IgG2-Anti-RANKL-                  HTEP und den Einfluss der Gabe von           Tool“ (FRAX). FRAX ermöglicht es, an-
Antikörper, der im Knochenstoffwechsel                 Etidronat versus Indomethacin auf die        hand diverser patientenbezogener Fakto-
die Effekte von Osteoprotegerin (OPG)                  Formation. Zwischen den beiden Präpa-        ren das 10-Jahres-Frakturrisiko zu be-
imitiert, mit hoher Affinität am „receptor             raten konnte kein Unterschied festge-        stimmen. FRAX kann mit der Knochen-
activator of nuclear factor kappa B ligand“            stellt werden.                               dichtemessung kombiniert und somit
(RANKL) bindet und so dessen Interaktion                                                            präzisiert werden.
mit dem „receptor activator of nuclear fac-                                                            Bei Patienten mit reduzierter Kno-
tor kappa B“ (RANK) hemmt. Somit wer-                                                               chenqualität sollte eine Therapie mit Bis-
                                                                Bei postmenopausalen
den die Osteoklastendifferenzierung und                                                             phosphonaten oder Teriparatid in Be-
in weiterer Folge die Knochenresorption                          Frauen, Männern über               tracht gezogen werden, weil damit die
reduziert. Die Datenlage hinsichtlich des                      70 Jahre und Frauen und              ossäre Integration zementfreier Implan-
Effekts von Denosumab auf HTEP oder                                                                 tate und die Standzeit der Implantate
                                                             Männern mit einem erhöhten
KTEP ist gering.                                                                                    erhöht sowie periprothetische Frakturen
   Eine rezente Studie aus Skandinavien                      Risiko für Osteoporose sollte          und Frakturen im Allgemeinen reduziert
untersuchte den Effekt von Denosumab                            innerhalb von 2 Jahren              werden können. Bei Patienten mit mani-
auf die tibiale Implantatmigration bei                                                              fester Osteoporose kann die Zementie-
                                                                nach Implantation einer
KTEP in einer randomisierten Studie an                                                              rung von Prothesenkomponenten (im
50 Patienten. Die Patienten erhielten eine                       HTEP oder KTEP eine                Speziellen bei HTEP und KEP) in indivi-
Denosumabinjektion am ersten postope-                           Knochendichtemessung                duellen Fällen erforderlich werden. Diese
rativen Tag sowie ein weiteres Mal 6 Mo-                                                            Entscheidung obliegt beim aktuellen Wis-
                                                                 durchgeführt werden.
nate postoperativ. Primärer Endpunkt                                                                sensstand dem Chirurgen.               n
war die Migration 1 bzw. 2 Jahre post-
operativ. In der Gruppe mit Deno-                                                                                                                 Autor:
sumabtherapie zeigte sich eine signifi-                  Eine weitere kleinere Studie zeigte,                           Priv.-Doz. DDr. Lukas Holzer1, 2
kant geringere Migration gegenüber Pla-                dass Pamidronat heterotope Ossifikatio-                    1 AUVA-Unfallkrankenhaus Klagenfurt

cebo nach einem sowie zwei Jahren. Da                  nen nach HTEP reduzieren kann.                            2 Universitätsklinik für Orthopädie und

die Studienautoren auch die zuvor be-                                                                                                      Traumatologie
schriebene Studie hinsichtlich der Pro-                Empfehlungen                                                       Medizinische Universität Graz
thesenmigration und Teriparatid durch-                                                                                     E-Mail: lukas.holzer@auva.at
geführt hatten, schlussfolgerten sie, dass                Wie diese Übersicht zeigt, ist der An-                                               n041320
vermutlich die Hemmung der Knochen-                    teil von Patienten mit reduzierter Kno-
resorption von größerer Bedeutung ist als              chenqualität unter den endoprothetisch
die osteoanabole Stimulierung im post-                 zu versorgenden Patienten hoch. Daher
operativen Verlauf bei KTEP.                           erscheint es sinnvoll, die Knochenquali-     Literatur:
   Aufgrund der geringen Daten kann                    tät von Patienten bei geplanter Endopro-     Beim Verfasser
man bezüglich Denosumab zum aktuellen                  thesenimplantation präoperativ zu eva-
Zeitpunkt keine Empfehlungen hinsicht-                 luieren. Bei Bedarf sollten Patienten über
lich Endoprothesen aussprechen.                        eine notwendige Kalzium- und Vitamin-
                                                       D-Supplementation unterrichtet werden.
Heterotope Ossifikationen                              Darüber hinaus erscheint es sinnvoll,
                                                       perioperativ physiologische Vitamin-D-
  Heterotope Ossifikationen, also die Bil-             Spiegel anzustreben. Medikamente, die
dung von periartikulärem Knochen, sind                 bekannte negative Auswirkungen auf die

       Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie 2 / 2018                                                                                            15
Referat

OSTEOPOROSE                                                                                         P. Peichl, Wien

Medikamentöse Therapie
der Osteoporose
Die sozialmedizinischen Auswirkungen der unmittel- und mittelbaren Folgen von
Frakturen, die durch Osteoporose bedingt sind, werden oftmals sträflich unterschätzt.
Von der Prävention bis zur akuten spezifischen Therapie bedarf es eines sehr
differenzierten Wissens um die therapeutischen Möglichkeiten.

Überlegungen zur Pathophysiologe             aktivität vor. Der Verlust der Knochen-      chengerüstes. Es kommt zu einer Rarefi-
und Epidemiologie                            masse basiert auf der Verschiebung des       zierung und Vergröberung der Knochen-
                                             Gleichgewichtes zur erhöhten Osteoklas-      struktur. Die Mikroarchitektur des Kno-
   Die epidemiologische Bedeutung osteo-     tenaktivität. Die Aktivierung der Osteo-     chens geht unwiderruflich verloren. In
porosebedingter Frakturen von Wirbelkör-     klasten führt aber auch zu einer reduzier-   weiterer Folge kommt es zum gehäuften
pern und im Schenkelhalsbereich ist heut-    ten Osteoblastenfunktion. Regulatorisch      Auftreten von Frakturen, vor allem an der
zutage unbestritten. Bedingt durch die       trifft das vor allem das RANK/RANK-Li-       Wirbelsäule und im Schenkelhalsbereich.
Zunahme der Lebenserwartung und die          gand/OPG-System. Die Überaktivierung         Diese Frakturen treten gehäuft vom 70.
Geriatrisierung der Bevölkerungspyrami-      des RANK-Liganden führt zu einer ver-        bis zum 80. Lebensjahr auf. 42% aller
de zeigte sich in den letzten Jahren eine    mehrten Reifung mehrkerniger Osteo-          Frauen ab dem 65. Lebensjahr sind betrof-
progrediente Zunahme der Inzidenz von        klasten. Die Beeinflussung der RANK/         fen, aber auch Männer zeigen eine mit
osteoporoserelevanten Frakturen.             RANK-Ligand-Bindung stellt prinzipiell       dem Alter steigende Tendenz zu Wirbel-
   Der physiologische Knochenumbau ist                                                    körper- und Schenkelhalsfrakturen.
ein metabolischer Prozess, der die Struk-                                                     Gemäß einer Studie verursacht die Er-
turenfunktionalität des Knochens wäh-                                                     krankung allein in Europa jährlich direkte
rend des Erwachsenenlebens ermöglicht.                                                    Kosten in der Höhe von 31,7 Mrd. Euro.
                                                  Grundlage für jedwede
Der Knochenumbau beinhaltet sowohl                                                        Legt man der Erkrankung eine Prävalenz
Knochenresorption als auch Knochenauf-          Osteoporosetherapie ist eine              von 30% zugrunde, sind in Österreich et-
bau. Etwa 25% des trabekulären Kno-             aureichende Vitamin-D- und                wa 470 000 Frauen im Alter von über 50
chens und 3% des kortikalen Knochens                                                      Jahren gefährdet, eine Osteoporose zu
                                                       Kalziumzufuhr.
werden jedes Jahr bei einem gesunden                                                      entwickeln.
Erwachsenen erneuert. Prinzipiell ist die-                                                    Die volkswirkschaftlichen Folgen sind
se Umbaurate von Geschlecht und Alter                                                     nicht nur im sozialmedizinischen Bereich
abhängig. Die hauptverantwortlichen                                                       enorm. Osteoporose- oder frakturbeding-
Zellen für diesen Prozess sind: die Osteo-   einen wichtigen Gegenregulationsmecha-       te Krankenhausaufenthalte sind wesentli-
klasten, die für den Abbau zuständig         nismus zur Osteoklastenhemmung dar.          che Kostenfaktoren in unserem Gesund-
sind, die Osteoblasten, die für den phy-     OPG reguliert das Knochengleichgewicht       heitssystem. Obwohl obigen beschriebene
siologischen Knochenaufbau sorgen, und       über die Beeinflussung dieser RANK/          Problemstellungen allgemein bekannt
die Osteozyten, die regulativ die physio-    RANK-Ligand-Bindung.                         sind, stellen die Therapiecompliance, die
logische Balance entsprechend den Belas-        Auf der anderen Seite steht über der      Therapieadhärenz der Patienten ein enor-
tungen und Beanspruchungen am Kno-           Osteoblasten-/Osteozytenfunktion      ein    mes Problem dar. Aber nicht nur von Pati-
chen bewirken.                               weiteres Regulationssystem, das soge-        entenseite, sondern oftmals auch von ärzt-
   Die Osteoporose ist eine systemische      nannte Dickkopf-1-Sklerostin-System, wo-     licher Seite wird vor allem die präventive
Erkrankung des metabolisch aktiven Or-       bei Sklerostin zur Hemmung der Osteo-        frakturvermeidende Therapie vernachläs-
gans „Knochen“, die durch eine Vermin-       blastenfunktion und zur Aktivierung der      sigt und deren Notwendigkeit unter-
derung der Knochenmasse und vor allem        Osteozyten führt.                            schätzt.
durch mikroarchitektonische Veränderun-         All diese beschriebenen Mechanismen           Obwohl nach einem eingetretenen
gen an trabekulären und kortikalen           spielen bei der spezifischen Therapie der    Frakturereignis das Risiko, innerhalb ei-
Strukturen gekennzeichnet ist. Diese ver-    Osteoporose eine wichtige Rolle.             nes Jahres ein neuerliches Frakturereignis
änderte Knochenstruktur führt zu einer                                                    zu erleiden, bis um das 8-Fache gesteigert
reduzierten Stabilität und zu einer erhöh-      Bei der Osteoporose kommt es – neben      ist, wird oftmals auf eine Basistherapie
ten Anfälligkeit für Frakturen. Auf zellu-   einem beschleunigten Knochenmassenver-       mit Kalzium und Vitamin D sowie auf eine
lärem Niveau liegt ein Ungleichgewicht       lust von oft mehr als 10% pro Jahr – auch    spezifische Therapie zur Reduktion weite-
zwischen Osteoklasten- und Osteoblasten­     zu strukturellen Veränderungen des Kno-      rer Frakturereignisse vergessen.

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