Unternehmen im Wandel - Perspektiven von Beschäftigten auf mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz - Bertelsmann Stiftung
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regional
engagiert
Unternehmen im Wandel
Perspektiven von Beschäftigten auf mehr
Nachhaltigkeit und KlimaschutzUnternehmen im Wandel
Perspektiven von Beschäftigten auf mehr
Nachhaltigkeit und KlimaschutzUnternehmen im Wandel 4
Inhalt
Zentrale Ergebnisse und Interpretation 6
1 Einleitung 8
2 Methodik 10
3 Ergebnisse 11
3.1 Beschäftigte finden mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz in Unternehmen
überwiegend richtig 11
3.2 Mehr Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb – viele Beschäftigte sind noch
unentschieden 13
3.3 Mehrheit erwartet keine kurzfristigen Veränderungen am Arbeitsplatz 14
3.4 Mehrheit nicht dazu bereit, Kosten für mehr Nachhaltigkeit und
Klimaschutz mitzutragen 15
3.5 Mehrheit sieht in Nachhaltigkeit keine wirtschaftlichen Chancen für
das eigene Unternehmen 16
3.6 Große Mehrheit sieht Gefahr einer stärkeren sozialen Spaltung 17
4 Ausblick 19
Literatur 21
Hinweise zur CC-Lizenz dieser Veröffentlichung 22
Impressum 23
5Unternehmen im Wandel
Zentrale Ergebnisse und Interpretation
• Eine Mehrheit von 55 Prozent der Beschäftigten • Eine große Mehrheit von 72,9 Prozent der
begrüßt Forderungen nach mehr Maßnahmen Beschäftigten sieht die Gefahr einer zu
von Unternehmen für Nachhaltigkeit und Klima nehmenden sozialen Spaltung in Deutschland
schutz. Große Unterschiede gibt es nach Aus aufgrund von Maßnahmen für mehr Nach
wertung der Parteipräferenz, kleinere Unter haltigkeit und Klimaschutz. Lediglich 19,3 Prozent
schiede je nach Bundesland und Geschlecht. sehen diese Gefahr nicht.
• Änderungen im eigenen Unternehmen für mehr Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen, dass die
Nachhaltigkeit und Klimaschutz befürworten Beschäftigten beim Thema Nachhaltigkeit einerseits
42,6 Prozent der Befragten. Ein großer Prozent zwar Änderungen in Betrieben begrüßenswert fin-
satz ist unentschieden, ablehnend stehen der den, andererseits aber sehr verhalten sind bei den
Frage 20,3 Prozent gegenüber. Fragen, ob wirklich Veränderungen absehbar und ob
diese als Chancen für die Betriebe zu begreifen sind.
• Die Frage, ob in den nächsten zwölf Monaten eine Vielmehr besteht weitverbreitet die Befürchtung,
Veränderung am eigenen Arbeitsplatz aufgrund dass mehr Nachhaltigkeit soziale Spaltungen beför-
von mehr Maßnahmen für Nachhaltigkeit und dert. Oder anders ausgedrückt: Auf einer eher ab-
Klimaschutz zu erwarten sei, verneinen 70,9 strakten Ebene werden mehr Nachhaltigkeit und
Prozent der Beschäftigten. Nur 17,8 Prozent er Klimaschutz in Unternehmen als wünschenswert an-
warten Veränderungen am eigenen Arbeitsplatz. gesehen. Auf einer eher konkreten Ebene, wo es um
Umsetzungen und persönliche Betroffenheit geht,
• 51,1 Prozent der Beschäftigten würden Kosten antworten die Beschäftigten eher verhalten.
für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz nicht
oder eher nicht mittragen. 32,8 Prozent würden Die diesem Antwortverhalten möglicherweise zu-
Kosten von Maßnahmen mittragen, die zu mehr grunde liegenden Widerstände, Zielkonflikte und Be-
Nachhaltigkeit und Klimaschutz im eigenen fürchtungen sind ernst zu nehmen, wenn es darum
Betrieb führen. geht, Gelingensbedingungen für die nachhaltige
Transformation der Wirtschaft zu identifizieren.
• Eine Mehrheit von 52,7 Prozent sieht keine Denn politisch beschlossene Maßnahmen und Vorha-
oder eher keine wirtschaftlichen Chancen für ben (Paris Agreement, Green Deal der EU, Nachhal-
ihr Unternehmen durch mehr Maßnahmen für tigkeitsstrategie der Bundesregierung) entfalten ihre
Nachhaltigkeit und Klimaschutz. 31,4 Prozent volle Wirkkraft, wenn die Stoßrichtung dieser Politik
wiederum sehen wirtschaftliche Chancen. von Bürger:innen und Beschäftigten in der persönli-
chen Lebens- und konkreten Arbeitswirklichkeit an-
genommen und gelebt wird.
6Zentrale Ergebnisse und Interpretation
Vorbehalte gegenüber den neuen wirtschaftlichen
Chancen durch Nachhaltigkeit oder Befürchtungen
bzw. sogar Ängste bezüglich einer sozialen Spaltung
durch Nachhaltigkeit könnten Ausdruck eines Kom-
munikations- und/oder Verständnisproblems im Hin-
blick auf die notwendige sozialökologische Transfor-
mation sein. Für die Politik gilt es, dies zu antizipieren
und Antworten zu finden.
Eine zentrale Frage für die Zukunft wird sein: Wie
können Themen, Argumentationen und Verände-
rungsbereitschaft in die Lebensrealität von Beschäf-
tigten gelangen? Für den Erfolg einer nachhaltigen
Transformation der Wirtschaft wird es wichtig sein,
das Thema positiv zu besetzen, Vorteile herauszuar-
beiten und erstrebenswerte Leitbilder für die Zukunft
anzubieten.
Die Politik steht in der Verantwortung, intra- und in-
tergenerationell Wohlstand zu sichern und dabei die
Angst in der Bevölkerung vor Wohlstands- oder Frei-
heitsverlusten nicht zu schüren, sondern Lösungen
für eine klimaschonende und nachhaltige Zukunft für
Wirtschaft und Gesellschaft umzusetzen – gerecht
und teilhabeorientiert.
7Unternehmen im Wandel
1 Einleitung
Verhaltensänderungen hin zu mehr Nachhaltigkeit tels des EU Green Deal4 erreichen, dass Europa der
sind politisch gewollt, öffentlich legitimiert und natur- erste klimaneutrale Kontinent wird. Die Wirtschaft
wissenschaftlich fundiert1 eine absolute Notwendig- spielt dabei eine wichtige Rolle. Durch neue Pflichten
keit – die sozialökologische Transformation der Wirt- zu Transparenz und Berichterstattung über eigene
schaft hat begonnen. Doch eine Transformation hin zu Nachhaltigkeitsleistungen sollen Unternehmen ihren
mehr Nachhaltigkeit bleibt ein abstraktes Konstrukt, Beitrag zu einer sozialökologischen Transformation
solange es nicht von den Menschen gelebt wird oder der Gesellschaft leisten.5 Die EU-Taxonomieverord-
keinen Niederschlag in der Art und Weise findet, wie nung bewertet Geschäftsmodelle von Unternehmen
Unternehmen wirtschaften. Wir haben Beschäftigte danach, ob sie einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit
in der Privatwirtschaft nach ihren Einstellungen und im Sinne des EU Green Deal leisten. Zusätzlich zu
Einschätzungen zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz staatlichen Mitteln soll dadurch auch privates Kapital
befragt und wie sie die Situation bei ihren Arbeitge- in Unternehmen und Projekte gelenkt werden, die der
benden wahrnehmen. sozialökologischen Transformation Vorschub leisten –
die Bundesregierung hat mit der Deutschen Sustaina-
Die Verantwortung von Unternehmen wandelt sich. ble Finance-Strategie einen Fahrplan für diese Neu-
Während vorbildliche Unternehmen vor ein paar ausrichtung der Finanzmarktpolitik und -regulierung
Jahren Engagement am Standort zeigten, ihre Mit vorgelegt.6, 7
arbeitenden fair entlohnten und anhand von Nach-
haltigkeitsberichten Auskunft über ihre Nachhaltig Inwieweit Unternehmensengagement und -verant-
keitsbemühungen gaben, stellen Vorreiterunter wortung über das Kerngeschäft hinaus und schluss-
nehmen im Jahr 2021 ihr Kerngeschäft in Richtung endlich die sozialökologische Transformation der
Nachhaltigkeit um und positionieren sich zu der Frage einzelnen Betriebe gelingt, hängt auch von den je-
nach der eigenen gesamtgesellschaftlichen Wert- weiligen Beschäftigten auf allen betrieblichen Hie-
schöpfung, das heißt der Relation von gesellschaftli- rarchieebenen ab. Denn diese Beschäftigten arbei-
cher Wertschöpfung und Schadschöpfung.2 ten nicht nur in den Betrieben und bringen Projekte
voran, sondern sie sind gleichzeitig auch Konsumie-
Die Vereinbarung von Paris, die Erderwärmung unter rende und Vorbilder für die junge Generation.
zwei Grad zu begrenzen, wird durch ein Klimaschutz-
gesetz der Bundesregierung gesetzlich festgeschrie-
4 Siehe Ein europäischer Grüner Deal | EU-Kommission
ben: Bis 2030 sollen 65 Prozent weniger CO2 aus- (europa.eu)
gestoßen werden, Klimaneutralität soll bis 2045 5 Vgl. Europäische Kommission 2021: COM(2021) 189 final
erreicht werden.3 Die Europäische Union will mit- 6 Vgl. Nachhaltiges Finanzwesen und EU-Taxonomie: Kommis-
sion unternimmt weitere Schritte, um Geld in nachhaltige Tä-
tigkeiten zu lenken | Deutschland (europa.eu)
1 Vgl.: IPCC 2021: Summary for Policymakers
7 Vgl. Bundesministerium der Finanzen/Bundesministerium für
2 Siehe Value Balancing Alliance – Home (value-balancing.com) Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit/Bundesminis-
3 Siehe Klimaschutzgesetz: Klimaneutralität bis 2045. terium für Wirtschaft und Energie 2021: Deutsche Sustaina-
(bundesregierung.de) ble Finance-Strategie
8Einleitung
In dieser Publikation finden Sie die Ergebnisse der wie Maßnahmen für Nachhaltigkeit und Klimaschutz
dritten Beschäftigtenbefragung, die im Rahmen des sowohl hinsichtlich neuer wirtschaftlicher Chancen
Projekts „Unternehmensverantwortung regional für die Unternehmen als auch hinsichtlich einer stär-
wirksam machen“ der Bertelsmann Stiftung durch- keren gesellschaftlichen Spaltung bewertet werden.
führt wurde. Bei der ersten Befragung wurden im
März 2020 Beschäftigte danach gefragt, wie sie die
Bemühungen ihrer Unternehmen in den Bereichen
Klimaschutz, Engagementprojekte und Spenden, Lie-
ferkettenmanagement und Solidarische Gesellschaft
sehen. Die Ergebnisse der Publikation „Was Arbeit-
nehmer von ihrem Arbeitgeber erwarten und wozu
sie selbst bereit sind“ zeigen bereits, inwieweit abs-
trakte Zustimmung zu Maßnahmen für mehr Nach-
haltigkeit und konkrete Zustimmung bei persönlicher
Betroffenheit übereinstimmen – oder auch nicht. Für
die zweite Publikation „Mitarbeiterorientierung und
Engagement in schwierigen Zeiten“ haben wir im No-
vember 2020 die Zufriedenheit der Beschäftigten mit
dem Pandemie-Management ihrer Arbeitgebenden
erhoben. Die Unternehmen erhielten überwiegend
gute Noten, da sie in der Mehrheit sehr flexibel auf
die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden während des
ersten Jahres der Corona-Pandemie eingingen.
Die nun vorliegende dritte repräsentative Beschäf-
tigtenbefragung setzt sich mit der Perspektive der
Arbeitnehmenden auf die sozialökologische Trans-
formation der Betriebe auseinander. Damit wirft sie
einen Blick auf die Zeit nach der Bundestagswahl im
September 2021.
Ziel der Beschäftigtenbefragung ist es zu untersu-
chen, wie die Debatte um eine sozialökologische
Transformation, die zu wesentlichen Teilen als eine
Expert:innendiskussion in Wissenschaft und Politik
geführt wird, an der Basis, also bei den Beschäftigten
in den Betrieben ankommt und wie sie dort gesehen
wird. Dafür wurden insgesamt sechs Fragen zum The-
menkomplex Nachhaltigkeit und Klimaschutz an Be-
schäftigte in der Privatwirtschaft gestellt. Es wurde
gefragt, wie Forderungen nach mehr Maßnahmen in
Unternehmen bewertet werden und ob Unterneh-
men mehr Änderungen vornehmen sollten. Es wurde
aber auch gefragt, ob tatsächliche Veränderungen bei
den eigenen Arbeitgebenden erwartet werden und ob
die Bereitschaft besteht, etwaige Kosten für Verände-
rungen mitzutragen. Darüber hinaus wurde gefragt,
9Unternehmen im Wandel
2 Methodik
Die vorliegende Befragung wurde im Zeitraum vom wahren Wert in der Grundgesamtheit abweichen
21. Mai bis 10. Juni 2021 vom digitalen Markt- und kann. Die statistische Fehlertoleranz dieser Online-
Meinungsforschungsunternehmen Civey GmbH Befragung liegt bei +/– 2,5 Prozent. Lediglich bei dif-
durchgeführt. Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ferenzierteren Auswertungen nach einzelnen sozio-
wurden hierfür in Deutschland abhängig Beschäf- demografischen Merkmalen kommt es punktuell zu
tigte, die in der Privatwirtschaft arbeiten, also nicht einem höheren statistischen Fehler.
im öffentlichen Dienst oder in gemeinnützigen Orga-
nisationen, im Civey-eigenen Online-Panel befragt.
Pro Frage wurden aus allen Befragungsteilnehmen-
den quotierte Stichproben von rund 5.000 Personen
gezogen, sodass die soziodemografische Struktur der
Stichprobe bereits so gut wie möglich der Struktur in
der Grundgesamtheit entspricht. Die Quotierung er-
folgte nach soziodemografischen Variablen wie Alter,
Geschlecht und Wahlverhalten.
Anschließend wurden die Befragungsdaten gewich-
tet, um eventuell verbleibende Abweichungen zwi-
schen Stichprobe und Grundgesamtheit im Hinblick
auf bekannte soziodemografische Variablen auszu-
gleichen. In der Stichprobe unterrepräsentierte Grup-
pen erhalten somit ein höheres Gewicht, überreprä-
sentierte ein niedrigeres. Gewichtet wurde anhand
der Merkmale Alter, Geschlecht, Wahlverhalten,
Wahlabsicht, regionale Kaufkraft und Bevölkerungs-
dichte. Die offiziellen Bevölkerungsdaten, die der
Gewichtung zugrunde liegen, stammen vom Statisti-
schen Bundesamt bzw. vom Bundeswahlleiter.
Die Befragungsergebnisse sind unter Berücksichti-
gung des statistischen Fehlers somit repräsentativ
für die oben beschriebene Grundgesamtheit. Alle auf
Stichproben beruhenden Befragungen weisen auch
nach der Gewichtung eine gewisse statistische Un-
sicherheit auf, sodass das Befragungsergebnis vom
103 Ergebnisse
3.1 Beschäftigte finden mehr Nach Differenziert man das Antwortverhalten nach Partei-
haltigkeit und Klimaschutz in präferenz8, so weichen die Anteile von Zustimmung
Unternehmen überwiegend und Ablehnung zum Teil stark ab. Deutliche Zustim-
richtig mung mit knapp 90 Prozent kommt von Beschäftig-
ten, die der Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN na-
Allgemeinen Forderungen aus Politik und Öffentlich- hestehen. Beschäftigte, die der SPD und der Partei
keit nach mehr Maßnahmen von Unternehmen für DIE LINKE nahestehen, stimmen den Forderungen
Nachhaltigkeit und Klimaschutz stehen die Beschäf- nach mehr Maßnahmen zu jeweils mehr als 70 Pro-
tigten mehrheitlich positiv gegenüber. Immerhin ein zent zu. Auch rund die Hälfte der CDU/CSU-Wählen-
Viertel der Befragten schätzt solche Forderungen als den stimmt mehr Maßnahmen zu, ein gutes Viertel ist
falsch ein. Demgegenüber spricht mehr als die Hälfte dagegen. Nahezu ausgeglichen sind Zustimmung und
der befragten Beschäftigten davon, dass es „eher rich- Ablehnung bei FDP-Wählenden. AfD-Wählende leh-
tig“ oder „eindeutig richtig“ sei, mehr Nachhaltigkeit
8 Methodischer Hinweis: Auch wenn der statistische Fehler
von Unternehmen zu fordern.
durch die Ausdifferenzierung der Antworten nach Parteiprä-
ferenz größer ist als bei den Antworten der Befragten allge-
mein, so zeigt sich dennoch, dass aus der Parteipräferenz eine
deutliche Differenzierung der Antworten resultiert. Dieser
Erkenntnisgewinn wiegt in der Einschätzung der Autoren grö-
ßer als der Umstand des höheren statistischen Fehlers, was
begründet, warum hier die Ergebnisse differenziert nach Par-
teipräferenz präsentiert werden.
ABBILDUNG 1 P
olitik und Öffentlichkeit fordern mehr Maßnahmen von Unternehmen für Nachhaltigkeit und
Klimaschutz. Wie bewerten Sie das?
Abhängig Beschäftigte, die nicht im öffentlichen Dienst oder in gemeinnützigen Organisationen arbeiten, in Prozent
Richtig 30,2 % 24,8 % 55,0 %
Unentschieden 19,5 % 19,5 %
Falsch 12,7 % 12,8 % 25,5 %
Eindeutig richtig Eher richtig Unentschieden Eher falsch Eindeutig falsch
Stat. Fehler Gesamtergebnis: 2,5 % | Teilnehmende (gesamt): 5.029 | Befragungszeitraum: 21.5.–10.6.2021
11Unternehmen im Wandel
ABBILDUNG 2 Politik und Öffentlichkeit fordern mehr Maßnahmen von Unternehmen für Nachhaltigkeit und
Klimaschutz. Wie bewerten Sie das? Ausgewertet nach Wahlabsicht – Bund
Abhängig Beschäftigte, die nicht im öffentlichen Dienst oder in gemeinnützigen Organisationen arbeiten, in Prozent
CDU/CSU 18,2 31,6 22,8 15,9 11,5
SPD 38,1 35,9 15,4 9,1 1,5
BÜNDNIS 90/
72,4 17,0 7,6 1,2 1,8
DIE GRÜNEN
FDP 11,1 28,9 22,5 20,5 17,0
DIE LINKE 44,7 25,8 19,3 4,5 5,7
AfD 4,1 9,6 17,4 26,1 42,8
Sonstige 29,1 28,3 16,7 15,6 10,3
0% 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %
Eindeutig richtig Eher richtig Unentschieden Eher falsch Eindeutig falsch
Stat. Fehler Gesamtergebnis: 5,8 % | Teilnehmende (gesamt): 5.029 | Befragungszeitraum: 21.5.–10.6.2021
ABBILDUNG 3 Politik und Öffentlichkeit fordern mehr Maßnahmen von Unternehmen für Nachhaltigkeit und
Klimaschutz. Wie bewerten Sie das? Ausgewertet nach Geschlecht
Abhängig Beschäftigte, die nicht im öffentlichen Dienst oder in gemeinnützigen Organisationen arbeiten, in Prozent
Männer 52,2 18,7 29,1
Frauen 58,1 20,3 21,6
0% 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %
Richtig Unentschieden Falsch
Stat. Fehler Gesamtergebnis: 3,4 % | Teilnehmende (gesamt): 5.029 | Befragungszeitraum: 21.5.–10.6.2021
nen mehr Maßnahmen für Nachhaltigkeit und Klima- die Zustimmung zu Forderungen an die Unternehmen
schutz mit einer deutlichen Mehrheit ab. höher ist als im Osten Deutschlands, mit Ausnahme
von Berlin. Darüber hinaus scheinen, trotz leichter
Auch hinsichtlich anderer Merkmale finden sich Un- statistischer Unsicherheiten des Ergebnisses, mehr
terschiede im Antwortverhalten – so zum Beispiel Frauen als Männer mehr Maßnahmen für Nachhaltig-
im Vergleich der Bundesländer. Es zeigt sich das Bild, keit und Klimaschutz zuzustimmen.
dass im Westen und im Südwesten von Deutschland
12Ergebnisse
ABBILDUNG 4 P
olitik und Öffentlichkeit fordern mehr Maßnahmen von Unternehmen für
Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Wie bewerten Sie das? Ausgewertet nach
Bundesländern
Abhängig Beschäftigte, die nicht im öffentlichen Dienst oder in gemeinnützigen Organisationen arbeiten,
in Prozent
47,6 34,0
54,7 21,1
Mecklenburg-Vorpommern
Schleswig-Holstein
63,7 20,1
Hamburg
55,5 20,9
Bremen
54,2 25,5 58,0 23,5
Niedersachsen Berlin 49,8 26,8
45,7 33,5 Brandenburg
Sachsen-Anhalt
60,0 22,2
Nordrhein-Westfalen
45,4 37,3 45,6 33,5
57,0 24,8
Thüringen Sachsen
Hessen
57,0 22,0
Rheinland-Pfalz
57,9 27,2
Saarland
50,3 30,0
Bayern
57,7 21,9
Richtig Baden-Württemberg
Falsch
Stat. Fehler Gesamtergebnis: 6,7 % | Teilnehmende (gesamt): 5.029
Befragungszeitraum: 21.5.–10.6.2021
3.2 Mehr Nachhaltigkeit im eigenen Mehrheit der Befragten für mehr Nachhaltigkeit und
Betrieb – viele Beschäftigte sind Klimaschutz aus, allerdings sind es bei dieser Frage
noch unentschieden deutlich unter 50 Prozent. Der Mehrheit gegenüber
steht rund ein Fünftel der Befragten, die sich für we-
Auch mit Blick auf das eigene Unternehmen finden niger Änderungen im eigenen Unternehmen ausspre-
Beschäftigte, dass dort mehr Änderungen für Nach- chen. Es wäre interessant, durch vertiefende Unter-
haltigkeit und Klimaschutz vorgenommen werden suchungen herauszufinden, wie sich die große Gruppe
sollten. der Unentschiedenen zusammensetzt. So könnten
Beschäftigte dazugehören, die eine sehr differen-
Auffällig im Vergleich zur Einschätzung der abstrak- zierte Einstellung haben (sowohl mehr als auch weni-
ten Forderungen aus Politik und Öffentlichkeit an ger Änderungen werden als sinnvoll erachtet), aber
Unternehmen ist beim Blick auf das eigene Unter- auch Personen, die dazu keine Meinung haben oder
nehmen, dass hierbei deutlich mehr Befragte un- überfragt sind, weil sie sich nicht gut genug informiert
entschieden sind. Zwar spricht sich immer noch die fühlen, um diese Frage eindeutig zu beantworten.
13Unternehmen im Wandel
ABBILDUNG 5 Sollten in Ihrem Unternehmen eher mehr oder weniger Änderungen hinsichtlich Nachhaltigkeit und
Klimaschutz vorgenommen werden?
Abhängig Beschäftigte, die nicht im öffentlichen Dienst oder in gemeinnützigen Organisationen arbeiten, in Prozent
Mehr 17,6 % 25,0 % 42,6 %
Unentschieden 37,1 %
Weniger 10,6 % 9,7 % 20,3 %
Eindeutig mehr Eher mehr Unentschieden Eher weniger Eindeutig weniger
Stat. Fehler Gesamtergebnis: 2,5 % | Teilnehmende (gesamt): 5.034 | Befragungszeitraum: 21.5.–10.6.2021
Die Differenzierung der Antworten nach Parteipräfe- Betriebliche Veränderungen für mehr Nachhaltigkeit
renz, Alter, Geschlecht und Bundesland ergibt jeweils und Klimaschutz schlagen sich auch in veränderten
ein recht ähnliches Bild wie bei der Frage nach den all- Prozessen und Abläufen nieder. Veränderungen kön-
gemeinen Forderungen aus Politik und Gesellschaft. nen in Unternehmen nicht umgesetzt werden, ohne
Die größten Unterschiede eröffnen sich entlang der dass sie Konsequenzen für die Arbeit der Beschäftig-
Parteipräferenz. ten haben. Wenn wir davon ausgehen, dass die deut-
sche Wirtschaft am Anfang einer Transformation
steht, dann ist zu erwarten, dass sich an den Arbeits-
3.3 Mehrheit erwartet keine kurz plätzen der Beschäftigten noch viel verändern wird,
fristigen Veränderungen am auch wenn die Einschätzungen der Beschäftigten das
Arbeitsplatz derzeit noch nicht widerspiegeln.
Um einen Eindruck davon zu gewinnen, in welchem
Umfang die Unternehmen prozessuale Umstellungen
planen, also wie viel Aufbruch in den Unternehmen
in Richtung Nachhaltigkeit zu erwarten ist, haben wir
gefragt, welche Veränderungen Beschäftigte an ihrem
Arbeitsplatz erwarten.
Die überwiegende Mehrheit von 70,9 Prozent er-
wartet in den nächsten zwölf Monaten keine Verän-
derungen am Arbeitsplatz, nur 17,8 Prozent gehen
von auf sie zukommenden Veränderungen aus. Auch
wenn zwölf Monate aus Sicht von Betrieben eine eher
kurze Zeitspanne bilden, erwarten die Beschäftigten
keine kurzfristigen Veränderungen ihrer eigenen Tä-
tigkeiten.
14Ergebnisse
ABBILDUNG 6 E
rwarten Sie, dass sich in den nächsten zwölf Monaten aufgrund von Maßnahmen für Nachhaltigkeit
und Klimaschutz etwas an Ihrem Arbeitsplatz ändern wird?
Abhängig Beschäftigte, die nicht im öffentlichen Dienst oder in gemeinnützigen Organisationen arbeiten, in Prozent
Ja 5,8 % 12,0 % 17,8 %
Unentschieden 11,3 %
Nein 41,5 % 29,4 % 70,9 %
Ja, auf jeden Fall Eher ja Unentschieden Eher nein Nein, auf keinen Fall
Stat. Fehler Gesamtergebnis: 2,5 % | Teilnehmende (gesamt): 5.033 | Befragungszeitraum: 21.5.–10.6.2021
3.4 Mehrheit nicht dazu bereit, cher Betroffenheit der Transformation nicht ableh-
Kosten für mehr Nachhaltigkeit nend gegenübersteht. Bei einem Thema, bei dem die
und Klimaschutz mitzutragen Mehrwerte und positiven Auswirkungen von jetzigen
Handlungen in der Zukunft liegen und vor allem Men-
Wenn Nachhaltigkeit und Klimaschutz als abstraktes schen begünstigen, die sich außerhalb des eigenen Le-
Konstrukt zur Abstimmung gegeben wird, gibt es viel bens- und Erfahrungsraumes befinden, können diese
Zustimmung. Fordert dies jedoch Änderungen im per- Zustimmungswerte sehr positiv gesehen werden.
sönlichen Bereich, sinken die Zustimmungswerte. Um
diese Diskrepanz näher zu beleuchten, haben wir ge- Andererseits wird hier deutlich, dass Menschen eher
fragt, inwieweit Beschäftigte bereit wären, mögliche Schwierigkeiten haben, wenn es um die Transforma-
Kosten für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz für tion des eigenen Lebenswandels geht, als wenn es um
das Unternehmen mitzutragen. Das Ergebnis eröffnet abstrakte Zustimmung geht. 55 Prozent haben die
ein Spannungsfeld zwischen der abstrakten Zustim- Forderungen der Politik und Öffentlichkeit nach mehr
mung zu einem undefinierten Konstrukt von Nach- Nachhaltigkeit und Klimaschutz als richtig bewertet.
haltigkeit und dem eigenen Verzicht. Über 50 Prozent Über 50 Prozent würden die Kosten dafür im eigenen
sind nicht bereit, Kosten mitzutragen, die auf das ei- Betrieb nicht mittragen.
gene Unternehmen zukommen. Immerhin 32,8 Pro-
zent sind jedoch bereit, sich an diesen Kosten zu be- Gleichwohl erfordern die Antworten der Beschäftig-
teiligen, um dadurch bei der Finanzierung von mehr ten an dieser Stelle eine tiefer gehende Analyse, um
Nachhaltigkeit im Betrieb zu helfen. 16,1 Prozent sind herauszufinden, in welchem Umfang und in welcher
unentschieden. Art und Weise Beschäftigte bereit wären, selbst einen
Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu
Positiv gewendet ist über ein Drittel der Beschäftig- erbringen. Neben einfachen Kosten sind es vor allem
ten bereit, selbst Kosten für die Transformation im Verhaltensänderungen, die mit Anreizen stimuliert
Betrieb mitzutragen. Rechnet man die 16,1 Prozent werden können, um mehr Nachhaltigkeit in Betrieben
Unentschiedenen hinzu, kommt man zu der Aussage, zu erzielen.
dass fast die Hälfte der Beschäftigten bei persönli-
15Unternehmen im Wandel
ABBILDUNG 7 Angenommen neue Maßnahmen für Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind mit Kosten für Ihr
Unternehmen verbunden, würden Sie diese Kosten mittragen?
Abhängig Beschäftigte, die nicht im öffentlichen Dienst oder in gemeinnützigen Organisationen arbeiten, in Prozent
Ja 12,9 % 19,9 % 32,8 %
Unentschieden 16,1 %
Nein 19,7 % 31,4 % 51,1 %
Ja, auf jeden Fall Eher ja Unentschieden Eher nein Nein, auf keinen Fall
Stat. Fehler Gesamtergebnis: 2,5 % | Teilnehmende (gesamt): 5.031 | Befragungszeitraum: 21.5.–10.6.2021
3.5 Mehrheit sieht in Nachhaltigkeit Drei Gründe könnten mit dafür verantwortlich sein,
keine wirtschaftlichen Chancen dass die Mehrheit der Beschäftigten den möglichen
für das eigene Unternehmen wirtschaftlichen Chancen von Nachhaltigkeit für den
eigenen Betrieb noch verhalten gegenübersteht:
Wirtschaftspolitisch wird Nachhaltigkeit als Wachs-
tumschance betrachtet. Neue Technologien, Wachs- 1. Die wirtschaftlichen Chancen im Unternehmen
tumsmärkte, Innovationspotenziale – für die deut- wurden noch nicht klar genug erkannt, man hat
sche und europäische Wirtschaft werden nachhaltige sich nicht mit Nachhaltigkeit als Geschäftschance
Geschäftsmodelle als die Zukunft gesehen, in der sich auseinandergesetzt oder man glaubt gar, dass sich
Unternehmen profilieren und ihre Stellung sicher hier keine Chancen realisieren lassen.
können.
2. In der Nachhaltigkeit wurden zwar Chancen für
Die Beschäftigten folgen dieser Ansicht jedoch mehr- den wirtschaftlichen Erfolg erkannt – zum Bei-
heitlich nicht. Mehr als die Hälfte von ihnen glaubt spiel durch die Geschäftsführung –, allerdings sind
nicht daran, dass mehr Nachhaltigkeit und Klima- diese Chancen für die Mitarbeitenden noch nicht
schutz für das eigene Unternehmen wirtschaftliche nachvollziehbar kommuniziert worden.
Chancen eröffnet. Demgegenüber steht fast ein Drit-
tel der Beschäftigten, die hier zuversichtlich sind. 3. Nachhaltigkeit ist immer noch als „teuer“ geframt.
Nachhaltige Kleidung ist teurer als konventionell
Wenn Chancen für das eigene Unternehmen gesehen hergestellte Kleidung. Bioprodukte sind teurer
werden, so ist dies überwiegend in größeren Unter- als herkömmliche. Diese Grundeinstellung könnte
nehmen der Fall. Hier glauben 36,1 Prozent der Be- sich auch auf die Haltung der Beschäftigten ge-
fragten, dass ihnen mehr Nachhaltigkeit und Klima- genüber Geschäftsmodellen übertragen haben.
schutz unternehmerische Chancen bieten, knapp 50
Prozent sehen dies nicht. Bei Unternehmen mit we-
niger als 250 Mitarbeitenden sehen sogar nur knapp
über 20 Prozent wirtschaftliche Chancen in der
Transformation.
16Ergebnisse
ABBILDUNG 8A Glauben Sie, dass mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz Ihrem Unternehmen wirtschaftliche Chancen
eröffnen könnten?
Abhängig Beschäftigte, die nicht im öffentlichen Dienst oder in gemeinnützigen Organisationen arbeiten, in Prozent
Ja 14,0 % 17,4 % 31,4 %
Unentschieden 15,9 %
Nein 29,4 % 23,3 % 52,7 %
Ja, auf jeden Fall Eher ja Unentschieden Eher nein Nein, auf keinen Fall
Stat. Fehler Gesamtergebnis: 2,5 % | Teilnehmende (gesamt): 5.035 | Befragungszeitraum: 21.5.–10.6.2021
ABBILDUNG 8B G
lauben Sie, dass mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz Ihrem Unternehmen wirtschaftliche Chancen
eröffnen könnten?
Abhängig Beschäftigte, die nicht im öffentlichen Dienst oder in gemeinnützigen Organisationen arbeiten, in Prozent
Beschäftigte in Unternehmen mit
weniger als 50 Mitarbeitenden 21,0 14,1 64,9
Beschäftigte in Unternehmen
mit 50–249 Mitarbeitenden 22,7 15,3 62,0
Beschäftigte in Unternehmen
ab 250 Mitarbeitenden 36,1 15,8 48,1
0% 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %
Ja Unentschieden Nein
Stat. Fehler Gesamtergebnis: 2,5 % | Teilnehmende (gesamt): 5.035 | Befragungszeitraum: 21.5.–10.6.2021
3.6 Große Mehrheit sieht Gefahr diese Gefahr nicht. Auffällig sind die wenigen Unent-
einer stärkeren sozialen Spaltung schiedenen bei dieser Frage.
Noch größer als die Gruppe, die keine wirtschaft- Die Deutlichkeit des Ergebnisses und die Wichtigkeit
lichen Chancen in der Nachhaltigkeit sieht, ist die dieses Themas fordern dazu auf, an dieser Stelle ver-
Gruppe, die durch Nachhaltigkeit und Klimaschutz tiefende Untersuchungen anzuschließen. Was genau
eine stärkere soziale Spaltung erwartet. 72,9 Prozent wird hinsichtlich einer sozialen Spaltung erwartet?
der befragten Beschäftigten gehen davon aus, dass Und warum erwarten die Befragten eine stärkere so-
durch mehr Maßnahmen für Nachhaltigkeit und Kli- ziale Spaltung durch mehr Nachhaltigkeitsanstren-
maschutz eine stärkere soziale Spaltung in Deutsch- gungen?
land eintreten wird. Lediglich 19,3 Prozent sehen
17Unternehmen im Wandel
ABBILDUNG 9A Erwarten Sie, dass durch mehr Maßnahmen für Nachhaltigkeit und Klimaschutz eine stärkere soziale
Spaltung in Deutschland eintreten wird?
Abhängig Beschäftigte, die nicht im öffentlichen Dienst oder in gemeinnützigen Organisationen arbeiten, in Prozent
Ja 72,9 %
Unentschieden 7,8 %
Nein 19,3 %
Stat. Fehler Gesamtergebnis: 2,5 % | Teilnehmende (gesamt): 5.034 | Befragungszeitraum: 21.5.–10.6.2021
ABBILDUNG 9B Erwarten Sie, dass durch mehr Maßnahmen für Nachhaltigkeit und Klimaschutz eine stärkere soziale
Spaltung in Deutschland eintreten wird? Ausgewertet nach Wahlabsicht – Bund
Abhängig Beschäftigte, die nicht im öffentlichen Dienst oder in gemeinnützigen Organisationen arbeiten, in Prozent
CDU/CSU 47,9 30,7 9,0 8,9 3,5
SPD 29,4 39,9 9,3 16,2 5,2
BÜNDNIS 90/
15,4 28,2 13,7 31,1 11,6
DIE GRÜNEN
FDP 61,5 22,8 6,2 7,7 1,8
DIE LINKE 38,3 31,0 6,9 15,7 8,1
AfD 80,5 11,5 3,7 2,9 1,4
Sonstige 51,6 26,6 8,2 9,8 3,8
0% 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %
Ja, auf jeden Fall Eher ja Unentschieden Eher nein Nein, auf keinen Fall
Stat. Fehler Gesamtergebnis: 5,8 % | Teilnehmende (gesamt): 5.034 | Befragungszeitraum: 21.5.–10.6.2021
Interessant ist zudem, dass die Erwartung einer zu- mäß stark überwiegend mit einer Zunahme der sozia-
nehmenden sozialen Spaltung über alle Parteipräfe- len Spaltung rechnen, sind es auch bei Wählenden der
renzen hinweg ausgeprägt zu sein scheint. Während Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN noch über 40 Pro-
Wählende konservativer Parteien erwartungsge- zent, die damit rechnen.
184 Ausblick
Die Risiken für Wirtschaft und Gesellschaft, die vom auf Umwelt und Gesellschaft analysieren. Hier stellt
anthropogenen Klimawandel ausgehen, sind enorm. sich die Frage, welche Auswirkungen die Produktion
Die Vermeidungskosten der Unternehmen, den Kli- und der Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen
mawandel aktuell abzuschwächen, sind wesentlich haben.
geringer als die Anpassungskosten, die entstehen,
wenn nicht gehandelt wird.9 Laut einer Studie des Rats für Nachhaltige Entwick-
lung (RNE) zum Stand nachhaltigen Wirtschaftens
Neben der andauernden Corona-Pandemie sind es vom Mai 2021 sind lediglich 0,15 Prozent aller deut-
gleich mehrere große Herausforderungen, die die Ge- schen Unternehmen „nachhaltigkeitsorientiert“, das
sellschaften unter Druck setzen. Das starke Wachs heißt, sie genügen strengen Kriterien, die eine klare
tum der Weltbevölkerung begleitet von einem ste- Verankerung von Nachhaltigkeitszielen im Unterneh-
tigen Anstieg des Ressourcenverbrauchs und einer men vermuten lassen.10 Die angestrebte CO2-Neutra-
zunehmenden Nachfrage nach öffentlichen Gütern lität im Kontext einer nachhaltigen – also ressourcen-
vor dem Hintergrund planetarer Grenzen, eine schonenden – Wirtschaft ist so nicht zu erreichen.
wachsende Kluft zwischen Privilegierten und
Schlechtergestellten sowie Populismus, politische Die Größe und Komplexität der Herausforderung er-
Autoritarismen und die Schwächung internationaler fordert multilaterale und disziplinenübergreifende
Organisationen: All das verstärkt Klimaproblema Lösungen zwischen Politik, Zivilgesellschaft und
tiken, Ungleichheit und die Gefahren für freiheitlich- vor allem der Art unseres Wirtschaftens, um im 21.
demokratische Ordnungen. Jahrhundert bestehen zu können. Es braucht unter-
schiedliche Sichtweisen und Kompetenzen sowie die
Wenn es gelingen soll, dass sich ökonomisches Fähigkeit, diese zu neuen Lösungsansätzen zusam-
Wachstum mit sozialem und ökologischem Nutzen menzuführen. Es braucht einen gesellschaftlichen
verbindet und dass das Wohlergehen von Menschen, Diskurs über die notwendigen gesellschaftlichen
das gesellschaftliche Zusammenleben und der Er- Transformationspfade.
halt natürlicher Lebensgrundlagen in das Zentrum
des Wirtschaftens rücken, dann braucht es unter an- Problematisch, weil kontraproduktiv für eine gelin-
derem eine entschlossene und gut handelnde inter- gende Transformation, ist es, Nachhaltigkeit und Kli-
nationale Politik, die von aktiven Bürger:innen unter- maschutz im Rahmen einer Verbots- und Verzichts-
stützt wird; es braucht aber auch Unternehmen, die debatte zu thematisieren. Positive gesellschaftliche
ihre Geschäftsmodelle hinsichtlich ihres „Impacts“ Leitbilder entstehen nicht auf der Basis von simplifi
zierenden Aussagen wie zum Beispiel, dass mehr
9 Vgl. Klepper/Rickels/Schenker/Schwarze/Bardt/Biebeler/
Mahammadzadeh/Schulze 2017: Kosten des Klimawandels 10 Vgl. Sassen/Azizi/Bien/Braun 2021: Stand nachhaltigen Wirt-
und Auswirkungen auf die Wirtschaft schaftens in Deutschland
19Unternehmen im Wandel
Nachhaltigkeit zum Verbot von bestimmten Dingen
wie Fleisch oder Flugreisen führen wird, oder dazu,
dass sich nur reichere Menschen bestimmte Dinge
leisten können, während ärmere Schichten darauf
verzichten müssen.
Die Lenkungswirkung von steigenden Preisen für
Produktion oder Konsumption von nicht nachhaltigen
Gütern ist unbestritten. Ebenfalls unbestritten ist,
dass Preise von Gütern und Waren oftmals zu nied-
rig sind, wodurch Kosten für Umweltverschmutzung
oder soziale Verwerfungen externalisiert, also auf die
Gesellschaft übertragen werden.11 Die Kosten des
jetzigen Nichthandelns sind für jede:n Einzelne:n und
für die Unternehmen wesentlich größer, als wenn nun
Vorsorge getroffen würde.12 Die meisten politischen
Ansätze der großen Parteien in Deutschland zur Re-
duzierung von negativen Umweltkosten denken je-
doch die soziale Abfederung der Maßnahmen und
damit die Gewährleistung gesellschaftlicher Teilhabe
in unterschiedlicher Form mit.
Lösungen hierzu zu präsentieren, zum Beispiel wie
ein sozialer Ausgleich im Kontext einer nachhaltigen
Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft aussehen
könnte, scheint geboten und ist vor dem Hintergrund
der sich verschärfenden Klimaproblematik mit all
ihren Folgen ein entscheidendes Puzzlestück zur Si-
cherung gesellschaftlicher Teilhabe, wirtschaftlicher
Dynamik und persönlicher Freiheit.
11 Vgl. Pieper/Michalke/Gaugler 2020: Calculation of external
climate costs for food highlights inadequate pricing of animal
products
12 Vgl. IPCC 2021: Summary for Policymakers
20Literatur
Bundesministerium der Finanzen/Bundesministerium Pieper, Maximilian/Michalke, Amelie/Gaugler, Tobias
für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit/ 2020: Calculation of external climate costs for
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie food highlights inadequate pricing of animal
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fügbar unter: https://eur-lex.europa.eu/legal- eingesehen am 16.08.2021.
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9&from=EN; Zuletzt eingesehen am 16.08.2021.
IPCC 2021: Summary for Policymakers. In: Climate
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Contribution of Working Group I to the Sixth
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Klepper, Gernot/Rickels, Wilfried/Schenker, Oliver/
Schwarze, Reimund/Bardt, Hubertus/Biebeler,
Hendrik/Mahammadzadeh, Mahammad/Schulze,
Sven 2017: Kosten des Klimawandels und
Auswirkungen auf die Wirtschaft.
21Unternehmen im Wandel
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