Verbindung von Controlling und Risikomanagement: Eine empirische Studie der Gegebenheiten bei H-DAX Unternehmen

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FA 925

                                              Veröffentlicht in

                                                Controlling

                                                  6 / 2011

          „Verbindung von Controlling und Risikomanagement:
                   Eine empirische Studie der Gegebenheiten bei
                               H-DAX Unternehmen“
                                                 S. 308 – 316

                               Mit freundlicher Genehmigung der
                                Verlag C.H. Beck oHG, München
                            (http://rsw.beck.de/rsw/shop/default.asp?site=controlling)

Ein Service von:       FutureValue Group AG    eMail: Kontakt@FutureValue.de   Internet: www.FutureValue.de
308
                                                                                       CONTROLLING-WISSEN
                   Prof. Dr. Niels Olaf
                   Angermüller ist Inhaber     Verbindung von Controlling und
                   der Professur Finanz-
                   management an der
                   Hochschule Harz und
                                               Risikomanagement: Eine empirische
                   externer Prüfer am
                   Trinity College, Dublin.
                   Zudem ist er als selb-
                                               Studie der Gegebenheiten bei H-DAX
                   ständiger Berater und
                   Trainer tätig. E-Mail:
                   nangermueller@hs-
                                               Unternehmen
                   harz.de
                                               Niels Olaf Angermüller und Werner Gleißner1

                   Dr. Werner Gleißner ist         Da sich das Risikomanagement mit den Ursachen für Planabweichungen
                   Vorstand der Future-
                   Value Group AG, Leinfel-        (Chancen und Gefahren) befasst, ergeben sich zwangsläufig viele Berüh-
                   den-Echterdingen                rungspunkte zu Planung und Controlling. In einer Befragung der Verant-
                   sowie Leiter Risikofor-
                   schung der Marsh
                                                   wortlichen aus Risikomanagement und Controlling der H-DAX-Unterneh-
                   GmbH, Frankfurt am              men wurde untersucht, in wieweit Risikomanagement und Controlling in
                   Main. E-Mail: w.gleissner       der Praxis bereits verknüpft sind. Die empirischen Ergebnisse zeigen ins-
                   @FutureValue.de
                                                   gesamt noch erhebliche Verbesserungspotenziale bezüglich der Integra-
                                                   tion dieser Managementsysteme und der Schaffung einer gemeinsamen
                                                   Methoden- und Informationsgrundlage (z. B. im Sinne eines „stochasti-
                                                   schen Planungsansatzes“). So werden beispielsweise bei einem Großteil
                                                   der Unternehmen unsichere Annahmen der Unternehmensplanung, die
                                                   Risiken repräsentieren, nicht automatisch auch dem Risikomanagement
                                                   bekanntgegeben. Und auch bei strategischen unternehmerischen Ent-
                                                   scheidungen werden Risikoinformationen des Risikomanagements nicht
                                                   konsequent genutzt. Trotz der seit 1998 im IDW Prüfungsstandard 340 in-
                                                   folge des Kontroll- und Transparenzgesetzes (KonTraG) formulierte Anfor-
                                                   derung zur Aggregation der Risiken fehlen heute noch oft simulationsba-
                                                   sierte Risikoaggregationsverfahren zur Berechnung des Gesamtrisikoum-
                                                   fangs (Eigenkapitalbedarf ), die eine Verknüpfung von Planung, Control-
                                                   ling und Risikomanagement unterstützen würden.

                                               Die Bereiche Risikomanagement und                 Der folgende erste Abschnitt charakteri-
                                               Controlling weisen erhebliche Interde-            siert die Studie zunächst näher und ord-
                                               pendenzen auf. Definiert man Risiko als           net sie in die bestehende Literatur ein,
                                               Abweichung von einem geplanten Ergeb-             bevor im zweiten Abschnitt ihre Ergeb-
                                               nis, so ergibt sich unmittelbar eine Ver-         nisse dargestellt und kommentiert wer-
                                               bindung zur Planung. Letztere ist Gegen-          den. Der dritte Abschnitt fasst die we-
                                               stand von Überlegungen des Control-               sentlichen Erkenntnisse zusammen.
                                               lings, ebenso Planabweichungen. Analy-
                                               sen potenzieller Ursachen von Planab-             ........................................................
                                               weichungen (Risikoidentifikation), ihre           1. Motivation und
                                               Bewertung (Risikomessung) sowie die               Charakterisierung der Studie
                                               (Risiko-)Steuerung sind für beide Berei-          ........................................................
                                               che gleichzeitig von Bedeutung. So bietet         Blickt man in die Realität, so stellt sich
                                               sich auch im Risikomanagement die Nut-            die Frage, ob sich die oben skizzierte Ver-
                                               zung operativer und strategischer Kenn-           bindung von Risikomanagement und
                                               zahlen an (vgl. Angermüller, 2009). Die           Controlling in der unternehmerischen
                                               vorliegende Studie untersucht die Reali-          Praxis durchgängig findet. Dies scheint
                                               tät der Verbindung von Risikomanage-              nur partiell der Fall zu sein. Schwierigkei-
                                               ment und Controlling der H-DAX-Un-                ten finden sich beispielsweise oftmals bei
Stichwörter                                    ternehmen.                                        der Nutzung von im Unternehmen ver-
䊏 Kontroll- und Transparenzgesetz                                                                fügbaren Informationen bei wesentlichen
                                               1
䊏 Risikoaggregation                                Beide sind Mitglieder des Arbeitskreises
                                                   Risikomanagement und Controlling der          Entscheidungen unter Unsicherheit, der
䊏 Risikomaße                                                                                     Einbindung der Mitarbeiter in das Risi-
䊏 Strategische Risiken
                                                   Risk Management Association und des In-
                                                   ternationalen Controllervereins. Die Stu-     komanagement sowie der Verantwort-
䊏 Verknüpfung von Controlling und                                                                lichkeiten und der Dokumentation (vgl.
                                                   die wurde unter Mitarbeit von Frau Sina
   Risikomanagement                                Döring und Frau Beatrice Janetzki erstellt.   beispielsweise Gleißner/Witzel, 2010).

                                                                     CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG
Verbindung von Controlling und Risikomanagement: Eine empirische Studie der Gegebenheiten bei H-DAX Unternehmen                                         309

Gleichzeitig wird ein funktionierendes             risikogerechter Kapitalkosten erfordert                     H-DAX Unternehmen sowie der Antwor-
Risikomanagement gemäß den Ergebnis-               insbesondere die                                            ten der Untergruppe der DAX Unterneh-
sen einer anderen aktuellen Studie von                                                                         men separat in Klammern angegeben.
                                                   䊏   konsequente quantitative                Beschrei-
80 % der Unternehmen als Wettbewerbs-
                                                       bung von Einzelrisiken,
faktor angesehen (vgl. PwC, Pricewater-                                                                        Planungssicherheit, Simulation von
houseCoopers, 2010, S. 7 und S. 12).               䊏   die (simulationsbasierte) Aggregation                   Plangrößen und Risikoaggregation
Demnach plant mehr als die Hälfte der                  der Einzelrisiken zum Gesamtrisiko-
                                                                                                               Die Erfassung unsicherer Planannahmen
dort befragten Unternehmen, künftig                    umfang und
                                                                                                               und Ursachen eintretender Planabwei-
mehr in das Risikomanagement zu inves-
                                                   䊏   die Darstellung des Gesamtrisikoum-                     chungen erfolgt bei 18,2 % (10 %) der
tieren als bisher.
                                                       fangs durch ein geeignetes Risikomaß                    Unternehmen lediglich fallweise. Wäh-
Zu ähnlichen Resultaten bei mittelständi-              (wie den Value-at-Risk), das im Rah-                    rend 31,8 % (40,0 %) eine systematische,
schen Unternehmen kam jüngst auch die                  men der Berechnung von Kapitalkos-                      allerdings lediglich qualitative Erfassung
Studie von Beyer/Hachmeister/Lampenius                 ten oder Performancemaßen genutzt                       vornehmen, erfolgt bei 45,5 % (50,0 %)
(2010). Frühere Studien zum Risikoma-                  werden kann (zur Methodik siehe z. B.                   eine systematische qualitative und quan-
nagement der Unternehmen haben auch                    Gleißner/Wolfrum, 2008, 2009).                          titative Erfassung.
erhebliche Schwächen aufgezeigt, die ins-
                                                   Die z. B. bei Crasselt et al., 2010 und Ge-                 Von den antwortenden Unternehmen ga-
besondere am ökonomischen Nutzen der
                                                   ginat et al., 2006 festgestellten Probleme                  ben des Weiteren 54,5 % (50,0 %) an, es
bisher etablierten Systeme zweifeln lassen
                                                   bei der Bestimmung risikogerechter Ka-                      liege Transparenz über Planungssicher-
(siehe beispielsweise Denk et al., 2005;
                                                   pitalkosten für die wertorientierte Steue-                  heit in der Weise vor, dass im Wesent-
Hoitsch et al., 2006; Gleißner et al., 2005;
                                                   rung sind möglicherweise gerade auf der-                    lichen qualitative Aussagen vorliegen, wie
Berger/Gleißner, 2007; Hölscher et al.,
                                                   artige Methoden- oder auch tiefergehen-                     sicher diese sind bzw. in welchem Um-
2006, 2007). Diesen Studien zufolge sind
                                                   de Kenntnisdefizite zurückzuführen (sie-                    fang Planabweichungen möglich sind.
viele Risikomanagementsysteme primär
                                                   he speziell zur geringen Nutzung von Ri-                    Eine realistische Bandbreite wichtiger
auf die Erfüllung formaler Anforderun-
                                                   sikoaggregationsmodellen z. B. Berger/                      Planwerte, wie ein Konfidenzband, er-
gen (z. B. das Kontroll- und Transparenz-
                                                   Gleißner, 2007, S. 65). Speziell ist zu ver-                mitteln hingegen 45,5 % (50,0 %) der
gesetz, KonTraG, bzw. IDW PS 340) aus-
                                                   muten – und dies wird in der Studie ge-                     Unternehmen. Hier ist somit eine Aussa-
gerichtet und zeigen Schwächen, bei-
                                                   prüft -, dass die Kenntnis über den aggre-                  ge möglich, wie wahrscheinlich es ist,
spielsweise bei der Bestimmung des ag-
                                                   gierten Umfang der (nicht-diversifizier-                    dass sich die Planwerte innerhalb einer
gregierten Gesamtrisikoumfangs und
                                                   ten) Risiken fehlt, weil Risikoaggregat-                    bestimmten Bandbreite bewegen.
eben auch bei der Verknüpfung mit an-
                                                   ionsverfahren (Monte-Carlo-Simulation)
deren Managementsystemen (wie dem                                                                              Simulationsmodelle, welche die Pla-
                                                   nicht eingesetzt werden.
Controlling). Es wundert daher auch                                                                            nungsgrößen durch eine geeignete Wahr-
nicht, dass Wert- und Risikomanagement             Die Studie wurde im 1. und 2. Quartal                       scheinlichkeitsverteilung      beschreiben
bisher nur unzureichend verknüpft sind             2010 durchgeführt und bezieht die zum                       können, werden von 40,9 % (50 %) z. B.
(vgl. Crasselt et al., 2010). Der Review zu        01.01.2010 im H-DAX notierten Unter-                        auf Basis von Excel mit @Risk oder Crys-
bereits vorliegenden empirischen Er-               nehmen ein. Da dieser Index die Werte                       tal Ball regelmäßig für spezielle Fragestel-
kenntnissen zum Risikocontrolling in               der deutschen Indizes DAX, MDAX und                         lungen und für die Risikoaggregation ge-
deutschen Industrieunternehmen von                 TecDAX umfasst, weist er im Vergleich                       nutzt. Weitere 40,9 % (20,0 %) verwen-
Weißenberger/Löhr (2010) bestätigt im              zum DAX eine verbreiterte, branchen-                        den im Controlling ein simulationsba-
Wesentlichen diese Einschätzung und                übergreifende Basis auf. Im Rahmen der                      siertes Planungsmodell, z. B. um Pla-
verweist zudem darauf, dass als weiter-            Auswertung wurden die Ergebnisse für                        nungssicherheit zu beurteilen. Ein ge-
führende Erkenntnisse auch fallbasierte            die DAX Unternehmen als Untergruppe                         meinsam genutztes stochastisches Pla-
qualitative Forschungsmethoden (z. B.              separat dargestellt.                                        nungsmodell für Aufgaben in Control-
Experteninterviews) hilfreich wären.                                                                           ling und Risikomanagement wurde von
                                                   Den Unternehmen wurde ein Fragebo-
                                                                                                               keinem der Unternehmen verwendet.
Die vorliegende Studie widmet sich der             gen mit 15 Fragen sowie weitgehend
Ausprägung der Verbindung von Risiko-              standardisierten Antwortmöglichkeiten                       Hinsichtlich der Risikoaggregation im
management und Controlling in ausge-               zugeleitet. Die Rücklaufquote lag bei den                   Unternehmen gaben 9,1 % (20,0 %) an,
wählten deutschen Unternehmen. Als ein             H-DAX Unternehmen bei 22,7 % und                            keine Risikoaggregation der Einzelrisiken
besonderer Schwerpunkt soll durch die              bei den DAX Unternehmen bei 36,7 %.                         durchzuführen. Die mit 72,7 % (70,0 %)
Studie die These untersucht werden, dass           Einige befragte Unternehmen gaben hier-                     meisten Unternehmen setzen hierzu heu-
die Verknüpfung von Controlling und                bei an, sich grundsätzlich nicht an Um-                     ristische Verfahren ein, während Aggre-
Risikomanagement und die Nutzung von               fragen zu beteiligen.                                       gationen mittels Monte-Carlo-Simulatio-
Risikoinformationen für eine wertorien-                                                                        nen lediglich bei 9,1 % (10,0 %) zum
tierte Steuerung (Performancemanage-                ........................................................   Einsatz kommen. Weitere 9,1 % (0 %)
ment) insbesondere durch methodische               2. Ergebnisse der Studie                                    nutzen die Ergebnisse der Risikoaggrega-
Defizite behindert wird. Die Nutzung                ........................................................   tion, um z. B. risikogerechte Kapitalkos-
von Informationen des Risikomanage-                Die einzelnen Ergebnisse werden im Fol-                     tensätze im Rahmen eines wertorientier-
ments zur Performancemessung, Perfor-              genden dargestellt. Hierbei werden je-                      ten Managementsystems abzuleiten. Dies
mancemanagement und die Bestimmung                 weils Häufigkeiten von Antworten der                        erklärt die (z. B. in Crasselt et. al., 2010,

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310
                                                                                              CONTROLLING-WISSEN

                45,0
                                                                                40,9
                40,0
                                   36,4

                35,0

                30,0

                25,0
      Prozent

                20,0

                15,0                                                                                                          13,6

                10,0

                 5,0

                 0,0
                       keine quantitative Darstellung         Entwicklung einer Bandbreite ergänzend zum      Darstellung wichtiger Kennzahlen mit
                                                                                Planwert                           Wahrscheinlichkeits- oder
                                                                                                                       Häufigkeitsverteilung

 Abb. 1: Informationsstand der Unternehmensleitung bezüglich der Planungssicherheit

S. 408 f. und Geginat et al., 2006) festge-             Organisatorischer Aufbau,                          wurde. Auf die Frage, welche Wege des
stellten Probleme der Unternehmen risi-                 Informationsaustausch, gegenseitige                Austausches zwischen operativem Risiko-
kogerechte Kapitalkosten zu berechnen.                  Informationsnutzung                                management und Controlling genutzt
                                                                                                           werden, ergaben sich die in Abb. 3 darge-
Die Unternehmensleitung verfügt über                    Die organisatorische Beziehung zwischen
                                                                                                           stellten Ergebnisse (Mehrfachnennun-
ein unterschiedliches Ausmaß an Infor-                  Risikomanagement und Controlling er-
                                                                                                           gen). Über 50 % (50 %) der Unterneh-
mationen bezüglich der Planungssicher-                  wies sich als heterogen, wie die folgende
                                                                                                           men nutzen standardisierte Berichte zur
heit im Unternehmen wie an Hand der                     Abb. 2 mit den Ergebnissen hierzu zeigt
                                                                                                           Kommunikation. Bei 27,3 % (40 %) er-
Abb. 1 deutlich wird (Angaben zu den                    (Angaben bei den DAX Unternehmen:
                                                                                                           folgt die Kommunikation täglich oder
DAX-Unternehmen: 50 %: keine quanti-                    30,0 %: eigenständige Bereiche; 30,0 %:
                                                                                                           wöchentlich, bei 9,1 % (10 %) perma-
tative Darstellung, 30,0 %: Entwicklung                 Controllingsystem, das wesentliche Auf-
                                                                                                           nent mittels integrierter DV-Systeme und
einer Bandbreite zum Planwert, 10 %:                    gaben des RM/RC wahrnimmt; 40,0 %:
                                                                                                           bei 13,6 % (20 %) lediglich situativ
Darstellung wichtiger Kennzahlen mit                    eigenständiger Bereich innerhalb des
                                                                                                           (Mehrfachnennungen).
Wahrscheinlichkeits-/Häufigkeitsvertei-                 Controllings; 10 %: Sonstige, Mehrfach-
lung).                                                  nennungen möglich).                                Eine weitere Indikation für die Intensität
                                                                                                           der Zusammenarbeit von Risikomanage-
Bemerkenswert ist, dass bei mehr als                    Insbesondere bei den Unternehmen, wel-
                                                                                                           ment und Controlling stellen die Ant-
einem Drittel der Unternehmen der Un-                   che Risikomanagement und Controlling
                                                                                                           worten auf die Frage dar, inwieweit Er-
ternehmensleitung keine quantitative                    als eigenständige Bereiche auffassen, soll-
                                                                                                           gebnisse von Abweichungsanalysen des
Darstellung vorliegt (und diese offenbar                te eine intensivierte Zusammenarbeit ge-
                                                                                                           Controllings im Risikomanagement ge-
auch nicht gefordert wird). Dies bedeu-                 prüft werden (hinzuweisen ist darauf,
                                                                                                           nutzt werden. In 77,3 % (80 %) der Un-
tet, dass bezüglich der Planungssicherheit              dass aufsichtliche Anforderungen bei
                                                                                                           ternehmen erfolgen Abweichungsanaly-
die Steuerung des Unternehmens letzt-                   Banken und Versicherern (MaRisk (BA)
                                                                                                           sen im Controlling, welche mit dem Risi-
lich auf qualitativer Basis vorgenommen                 und MaRisk (VA) die Trennung der
                                                                                                           komanagement (individuell) diskutiert
wird und somit mit erheblichen Unsi-                    Funktionen teilweise vorgeben, siehe zu
                                                                                                           werden. Bei immerhin 22,7 % (20 %) der
cherheiten und Intransparenz behaftet                   einem vergleichenden Überblick der Re-
                                                                                                           Unternehmen erfolgt eine automatisierte
sein dürfte.                                            gelungen).
                                                                                                           Mitteilung der Ursachen sämtlicher Plan-
                                                        Interessant ist hierbei, wie der Informa-          abweichungen an das Risikomanage-
                                                        tionsaustausch zwischen Risikomanage-              ment. Allerdings werten nur 4,5 % (0 %)
                                                        ment und Controlling charakterisiert               der Unternehmen Planabweichungen der

                                                                            CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG
Verbindung von Controlling und Risikomanagement: Eine empirische Studie der Gegebenheiten bei H-DAX Unternehmen   311

 Abb. 2: Organisatorische Beziehung zwischen Risikomanagement und Controlling

 Abb. 3: Informationsaustausch zwischen operativem Risikomanagement und Controlling

23. Jahrgang 2011, Heft 6
312
                                                                                  CONTROLLING-WISSEN

 Abb. 4: Gemeinsame Nutzung von Risikomaßen

Vergangenheit statistisch aus, um die Ri-     4,5 % (10 %) der Unternehmen (Mehr-          nagement als auch im Controlling. Dies
sikoquantifizierung zu unterstützen. Die      fachnennungen).                              verdeutlicht die Abb. 4.
beiden letztgenannten Aspekte sind im
                                              Bei den meisten Unternehmen bleibt da-       Insgesamt 50 % (60 %) der Unterneh-
Sinne einer engen Verzahnung von Risi-
                                              mit unklar, ob die Planwerte (zumindest      men gab an, Kennzahlen des Controllings
komanagement und Controlling als an-
                                              intendiert) erwartungstreu sind, also        auch im operativen Risikomanagement
zustrebender Standard anzusehen. Keine
                                              „im Mittel“ eintreten – was notwendige       einzusetzen. Kennzahlen und Indikatoren
regelmäßigen Abweichungsanalysen er-
                                              Voraussetzung für die Nutzung dieser         (z. B. Auftragseingänge) nutzen 36,4 %
folgen bei 4,5 % (0 %) der Unternehmen.
                                              Planwerte bei unternehmerischen Ent-         (10 %) der Unternehmen; weitere 13,6 %
                                              scheidungen (z. B. Investitionsrech-         (20 %) gaben an, sie griffen gemeinsam
Risiken im Planungs-/Budgetierungs-
                                              nung) oder bei der Unternehmensbe-           auf Erkenntnisse zurück, indem bspw.
prozess sowie verwendete Risikomaße
                                              wertung wäre (siehe diesbezüglich IDW        der Value at Risk in beiden Bereichen ak-
                                              S1). Die Berechnung von Erwartungs-          tiv genutzt werde.
Die Art der Erfassung von Risiken im
                                              werten erfordert Kenntnis über den
Kontext von Planungs- und Budgetie-                                                        Die Nutzung von Frühwarnindikatoren
                                              quantitativen Umfang von Chancen und
rungsprozessen beinhaltet bei 22,7 %                                                       (wie dem Auftragseingang) legt nahe,
                                              Gefahren (Risiken), die Planabweichun-
(20 %) der Unternehmen einen traditio-                                                     dass hier in erster Linie Prognosen be-
                                              gen auslösen können und deren adäqua-
nellen Planwert, aber auch einen Mini-                                                     züglich der zukünftig zu erwartenden
                                              te Berücksichtigung bei der Bestimmung
mal- und Maximalwert; bei 68,7 %                                                           Entwicklung (z. B. des Umsatzes) ange-
                                              des Planwerts. Dies wiederum erfordert
(60 %) werden die einem Planwert zu                                                        strebt werden – also der Aufbau eines
                                              eine Integration von Controlling und
Grunde liegenden (unsicheren) Planan-                                                      Prognose- oder Frühaufklärungssystems,
                                              Risikomanagement, und die hier ermit-
nahmen explizit erfasst und dokumen-                                                       nicht eines Risikomanagementsystems,
                                              telten Befragungsergebnisse unterstüt-
tiert. Lediglich bei der Bestimmung des                                                    das über den Umfang möglicher Abwei-
                                              zen die Vermutung von Weißenberger/
Planwertes berücksichtigt, jedoch nicht                                                    chungen von den generierten Prognose-
                                              Löhr, 2010, S. 343, dass bisher tendenzi-
im Rahmen eines formalisierten Verfah-                                                     werten informiert. Zudem werden offen-
                                              ell ein geringer Integrationsgrad erreicht
rens explizit erfasst und quantifiziert                                                    bar kaum im eigentlichen Sinne relevante
                                              wird.
werden die Risiken bei 22,7 % (20 %) der                                                   Maße für den Risikoumfang (wie Value-
Unternehmen. Keine explizite Berück-          Die meisten der befragten Unternehmen        at-Risk oder Conditional-Value-at-Risk)
sichtigung von Risiken im Rahmen der          verwenden Risikomaße bzw. Kennzahlen         verwendet, und damit fehlt ein zahlen-
Budgetierung und Planung erfolgt bei          des Controllings sowohl im Risikoma-         mäßiger Ausdruck für den Umfang eines

                                                                 CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG
Verbindung von Controlling und Risikomanagement: Eine empirische Studie der Gegebenheiten bei H-DAX Unternehmen                              313

 Abb. 5: Zusammenarbeit bei der Steuerung strategischer Risiken

einzelnen Risikos oder den Gesamtrisiko-           aus der BSC in anderen Bereichen zur                verzahnen (Angaben zu DAX Unterneh-
umfang, mit dem – bei unternehmeri-                strategischen Steuerung, nicht aber im              men: Nein: 60 %; Ja, Aufbau standardi-
schen Entscheidungen – „gerechnet“ wer-            Risikomanagement zu nutzen, während                 sierter gegenseitiger Informationen:
den kann.                                          40,9 % (40 %) angaben, keine BSC oder               20 %; Ja, Aufbau integrierter systemi-
                                                   ein kennzahlenbasiertes Managementsys-              scher Lösungen und tägliche Zusammen-
Steuerung strategischer Risiken                    tem zu verwenden (Mehrfachnennun-                   arbeit (20 %); Ja, durch eine stärkere In-
                                                   gen).                                               tegration in wesentliche strategische Ent-
In vielen Fällen erfolgt bei wesentlichen
                                                                                                       scheidungen).
strategischen Risiken wie Unternehmens-
                                                   Vergütungssysteme
zukäufen keine Zusammenarbeit zwi-                                                                     An Hand der Ergebnisse wird deutlich,
schen Risikomanagement und Control-                Im Zuge der aktuellen Diskussion um die             dass hier zahlreiche Unternehmen einen
ling wie die Abb. 5 verdeutlicht (Angaben          Einbeziehung eingegangener Risiken in               Handlungsbedarf sehen. Als geplante Ak-
zu den DAX-Unternehmen: gar nicht:                 Vergütungssysteme – insbesondere bei                tivitäten diesbezüglich wurden u. a. ge-
60 %; Stellungnahme des RM: 10 %; ak-              Banken und Versicherern – war die Frage             nannt
tiver Einbezug des RM: 30 %). Sofern               von Interesse, ob die im Risikomanage-
                                                                                                       䊏   Einbeziehung der Ergebnisse des Risi-
eine Zusammenarbeit erfolgt, sind ent-             ment gemessenen Risiken Einfluss auf die
                                                                                                           komanagements im operativen und
weder Stellungnahmen oder ein aktiver              Vergütungssysteme haben. Hier antwor-
                                                                                                           strategischen Planungsprozess,
Einbezug des Risikomanagements gän-                teten 90,9 % (100 %) dies sei nicht der
gig.                                               Fall, 4,5 % (0 %) gaben an, bei der Festle-         䊏   Verknüpfung des Risiko-Reportings
                                                   gung variabler Gehaltsbestandteile künf-                mit dem Financial Reporting,
Die Balanced Scorecard (BSC) wird von
                                                   tig Risiken einbeziehen zu wollen, bei
den Unternehmen unterschiedlich im Ri-                                                                 䊏   Nutzung von Erkenntnissen des Risi-
                                                   13,6 % (10 %) kommt es bei Planabwei-
sikomanagement genutzt. In 4,5 % (10 %)                                                                    komanagements für die Erstellung von
                                                   chungen außerhalb einer Bandbreite zu
der Fälle wird diese sogar um eine Risi-                                                                   Planungsszenarien,
                                                   Negativauswirkungen auf die Vergütung
koperspektive erweitert; in 9,1 % (10 %)
                                                   (Mehrfachnennungen).                                䊏   Diskussion der Risikomanagement-Er-
der Fälle erfolgt eine Verwendung quanti-
                                                                                                           gebnisse im Jour Fixe Finanzen.
tativer und qualitativer Informationen, in
                                                   Perspektiven
22,7 % (10 %) nur eine Nutzung quanti-
tativer Informationen der BSC im Risiko-           Die Abb. 6 zeigt, in wieweit die Unter-
management. Weitere 27,3 % (30 %) der              nehmen beabsichtigen, Risikomanage-
Unternehmen gaben an, Informationen                ment und Controlling künftig stärker zu

23. Jahrgang 2011, Heft 6
314
                                                                                               CONTROLLING-WISSEN

 Abb. 6: Pläne zur engeren Verknüpfung von Risikomanagement und Controlling

........................................................
                                                           dem das Zusammenspiel von Controlling        Interpretation des IDW PS 340: „Die Ri-
3. Interpretation und praktische                           und Planung einerseits und Risikoanalyse     sikoanalyse beinhaltet eine Beurteilung
Implikationen                                              andererseits unumgänglich ist. Die Ag-       der Tragweite der erkannten Risiken in
........................................................
                                                           gregation von Risiken basiert auf der Be-    Bezug auf Eintrittswahrscheinlichkeit
3.1. Interpretation
                                                           rechnung einer großen repräsentativen        und quantitative Auswirkungen. Hierzu
Betrachtet man die Ergebnisse, fällt auf,                  Anzahl risikobedingter möglicher Zu-         gehört auch die Einschätzung, ob Einzel-
dass bei vielen Unternehmen die Poten-                     kunftsszenarien eines Unternehmens, um       risiken, die isoliert betrachtet von nach-
ziale durch eine konsequente Verknüp-                      die Bandbreite der Cash-Flow-Entwick-        rangiger Bedeutung sind, sich in ihrem
fung von Risikomanagement und Con-                         lung und den Umfang möglicher Verluste       Zusammenwirken oder durch Kumula-
trolling noch nicht erschlossen wurden.                    (Eigenkapitalbedarf) bestimmen zu kön-       tion im Zeitablauf zu einem bestandsge-
Verbesserungspotenziale bestehen dabei                     nen – und damit erfordert diese Monte        fährdenden Risiko aggregieren können.“)
sowohl im Hinblick auf Effizienz als auch                  Carlo Simulation eine Verknüpfung von
Aussagefähigkeit der Daten in Risikoma-                    operativer Unternehmensplanung (aus          Da Risikoanalyseergebnisse und Planung
nagement und Controlling. Mit der un-                      dem Controlling) und Risikoanalyse (aus      bei sehr vielen Unternehmen auch nicht
zureichenden Verknüpfung von Control-                      dem Risikomanagement). Offenkundig           konsequent für die Bestimmung von „er-
ling und Risikomanagement ist es mögli-                    sind die meisten Unternehmen nicht in        wartungstreuen“ Planwerten, wie sie
cherweise auch zu erklären, dass bei der                   der Lage, den aggregierten Gesamtrisiko-     Grundlage unternehmerischer Entschei-
Bestimmung des aggregierten Gesamtri-                      umfang transparent und fundiert herzu-       dungen sein müssen, verknüpft werden,
sikoumfangs noch hauptsächlich heuris-                     leiten und so die Implikationen für eine     wundert es nicht, dass die Erkenntnis der
tische Verfahren genutzt werden. Es ist                    risikogerechte Finanzierungsstruktur ab-     Risikoanalysen auch bei wesentlichen
den Autoren kein auch nur näherungs-                       zuleiten oder zu beurteilen, ob durch den    (strategischen) Entscheidungen nicht be-
weise transparentes und geeignetes Ver-                    Gesamtumfang von Risiken eine Be-            rücksichtigt werden. Wenn in circa 40 %
fahren bekannt, wie der aggregierte Ge-                    standsbedrohung ausgeht, weil diese          aller Unternehmen das Risikomanage-
samtrisikoumfang – ausgedrückt im risi-                    nicht mehr durch die Risikotragfähigkeit     ment bei strategischen Entscheidungen
kobedingten Eigenkapitalbedarf oder Va-                    (Eigenkapital- und Liquiditätsausstat-       gar nicht einbezogen und in vielen ande-
lue-at-Risk – basierend auf den Erkennt-                   tung) gedeckt sind. Genau eine derartige     ren offenbar zumindest keine quantitati-
nissen über quantifizierte Einzelrisiken                   Beurteilung der Bestandsbedrohung un-        ve Berücksichtigung von Risikoinforma-
und der Unternehmensplanung ohne Si-                       ter Berücksichtigung des aggregierten        tionen bei der Entscheidungsfindung
mulationsverfahren ermittelt werden                        Gesamtrisikoumfangs fordert aber das         stattfindet, muss man festhalten, dass ein
kann. Und genau hier ist ein Punkt, in                     Kontroll- und Transparenzgesetz (in der      systematisches Abwägen von erwarteten

                                                                              CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG
Verbindung von Controlling und Risikomanagement: Eine empirische Studie der Gegebenheiten bei H-DAX Unternehmen                                           315

Erträgen und Risiken selbst bei den wich-          mationen im Rahmen unternehmeri-                        (c) Maximalwert, was wiederum die
tigsten unternehmerischen Entscheidun-             scher Entscheidungen (Bewertung von                     Bestimmung von Erwartungswerten
gen nicht selbstverständlich ist. Selbst           Handlungsalternativen) zunächst metho-                  ermöglicht (siehe 1.). Auf diese Weise
wenn die Risikomanagementsysteme die               dische Herausforderungen gelöst werden                  entsteht Transparenz über Einzelrisi-
Transparenz über Einzelrisiken verbessert          müssen. Als weiteres Hemmnis ist sicher-                ken und das Risikomanagement kann
haben, so werden die Erkenntnisse des              lich anzusehen, dass ähnlich der Ergeb-                 Informationen über unsichere Plan-
Risikomanagements offenkundig für un-              nisse in früheren empirischen Studien                   annahmen erhalten, die z. B. für die
ternehmerische Entscheidungen nicht                (siehe Hoitsch et al., 2006), in 90 % der               Bestimmung des aggregierten Ge-
genutzt und können damit auch nur we-              befragten Unternehmen der Umfang der                    samtrisikoumfangs notwendig sind
nig dazu beitragen, potenziell bestands-           eingegangenen Risiken in den Vergü-                     (siehe 3.).
bedrohende Krisen zu vermeiden.                    tungssystemen nicht berücksichtigt wird.
                                                                                                       3. Aufbau (simulationsbasierter) Risi-
Die offenbar bei vielen Unternehmen                3.2. Implikationen für Praxis und                      koaggregationsmodelle: Der Aufbau
noch notwendige konsequentere Ver-                 Umsetzungsempfehlungen                                 simulationsbasierter Risikoaggregat-
knüpfung von Risikomanagement und                                                                         ionsmodelle (Monte-Carlo-Simula-
Controlling und die konsequente Nut-               Welche wesentlichen praktischen Emp-                   tion) ist die zentrale Aufgabe bei der
zung der dann grundsätzlich generierba-            fehlungen lassen sich aus den Studiener-               Verknüpfung von Controlling und Ri-
ren Risikoinformationen für unterneh-              gebnissen ableiten? Wenngleich generelle               sikomanagement, weil hier ein ge-
merische Entscheidungen scheint gemäß              Empfehlungen in Anbetracht der unter-                  meinsames (stochastisches) Planungs-
der Befragungsergebnisse vor zwei                  schiedlichen Integrationsgraden von                    modell geschaffen wird, in dem Pla-
Hemmnissen zu stehen: Zum einen fehlt              Controlling und Risikomanagement der                   nungs- und Risikoinformationen ge-
die organisatorische Integration, was              Unternehmen nur eine grobe Orientie-                   meinsam ausgewertet werden. Zudem
möglicherweise strukturelle und auch               rung bieten können, erscheinen für eine                wird durch die Ergebnisse der Risiko-
politische Gründe haben kann. Zum an-              deutliche Mehrheit der Unternehmen die                 aggregation die Bedeutung von Risi-
deren fällt auf, dass eine Vielzahl fachlich       folgenden Handlungsbedarfe zu beste-                   koinformationen für die Unterneh-
methodische Defizite bestehen, z. B. bei           hen:                                                   menspraxis deutlich, weil z. B. der ri-
der Aggregation von Risiken oder der               1. Erwartungstreue Planwerte: Not-                     sikogerechte Eigenkapitalbedarf (für
Nutzung von aussagefähigen Risikoma-                  wendig erscheint in vielen Unterneh-                Finanzierungsentscheidungen) oder
ßen (wie den Eigenkapitalbedarf als Vari-             men zunächst eine exakte und ver-                   risikogerechte Kapitalkostensätze (für
ante des Value-at-Risk).                              bindliche Definition des Begriffs                   die wertorientierte Steuerung) abge-
                                                      „Planwert“, typischerweise entspre-                 leitet werden können.
Die Ergebnisse bestätigen zudem insge-
samt die eingangs geäußerte These, dass               chend den Anforderungen der neuen                4. Anpassung der Entscheidungsver-
die Integration von Risikomanagement                  Grundsätze ordnungsgemäßer Pla-                     fahren in Vorstand und Aufsichtsrat:
und Controlling, also die Konzeption                  nung (GOP 2.1) (http://www.bdu.de/                  Zumindest bei manchen Unterneh-
eines integrierten Risikocontrollings, ge-            downloads/FG/AOU/gop2.1-web.pdf,                    men scheint zudem noch eine Grund-
rade auch durch methodische Defizite                  05.11.2010). Ausgangspunkt der Be-                  satzentscheidung erforderlich zu sein,
gehemmt wird. So zeigt sich insbesonde-               wertung von Unternehmen (wertori-                   dass wesentliche strategische Entschei-
re,                                                   entierte Steuerung) und unternehme-                 dungen des Vorstands (und die ent-
                                                      rischer Handlungsoptionen sind be-                  sprechende Zustimmung des Auf-
䊏   dass ein Anteil von 33,3 % der befrag-            kanntlich Erwartungswerte und deren
    ten Unternehmen über keine quantita-                                                                  sichtsrats bei zustimmungspflichtigen
                                                      Berechnung erfordert quantitative In-               Geschäften) nur erfolgen kann, wenn
    tiven Informationen zur Planungssi-               formationen bezüglich Chancen und
    cherheit verfügt (Frage 5),                                                                           vorher unter Einbeziehung des Risiko-
                                                      Gefahren (Risiken) und damit ein In-                managements eine (quantitative) Risi-
䊏   nur 9,1 % der Unternehmen mittels                 formationsfluss zwischen Risikoma-                  koanalyse durchgeführt wird.
    Monte-Carlo-Simulation eine Aggre-                nagement und Controlling/Planung.
    gation der Einzelrisiken zum Gesamt-              Ebenso ist ein einheitliches Risikomaß           ........................................................
    risikoumfang vornehmen (Frage 3)                  zu definieren, z. B. der auch intuitiv
                                                      leicht verständliche „Eigenkapitalbe-
                                                                                                       4. Zusammenfassung
    und                                                                                                ........................................................
                                                      darf“ (Value-at-Risk).
䊏   lediglich 13,6 % den (aggregierten)                                                                Die vorliegende Studie hat herausgear-
    Gesamtrisikoumfang durch definierte            2. Nutzung der Planungs- und Budge-                 beitet, dass in deutschen H-DAX Unter-
    Risikomaße (wie den Value-at-Risk)                tierungsprozesse für die Risikoana-              nehmen bereits beachtliche Schritte un-
    ausdrücken, die Eingang finden könn-              lyse: Eine hocheffiziente Verknüpfung            ternommen wurden, um Risikomanage-
    ten in die Berechnung (risikogerechter,           von Controlling und Risikomanage-                ment und Controlling zu verknüpfen
    divisionaler) Kapitalkosten oder Per-             ment wird erreicht, wenn die beste-              und hieraus Nutzen zu generieren. Insbe-
    formancemaße.                                     henden Planungs- und Budgetie-                   sondere findet ein mehr oder weniger
                                                      rungsprozesse dahingehend erweitert              standardisierter Informationsaustausch
Dies bestätigt insgesamt, dass für eine               werden, dass Planwerte grundsätzlich             durchgängig statt. Auch werden gemein-
Verbesserung der Integration von Risiko-              durch eine Bandbreite beschrieben                same Maße wie Kennzahlen und Indika-
management und Controlling und die                    werden, also z. B. durch (a) Mindest-            toren in Risikomanagement und Con-
konsequente Nutzung von Risikoinfor-                  wert, (b) wahrscheinlichsten Wert und            trolling genutzt. Bemerkenswert ist, dass

23. Jahrgang 2011, Heft 6
316
                                                                                     CONTROLLING-WISSEN
besonders im Bereich wichtiger strategi-
                                              what extent risk management and                  Geginat, J./Morath, B./Wittmann, R./Knüsel,
scher Entscheidungen oftmals jedoch                                                            P., Study: Kapitalkosten als strategisches Ent-
                                              controlling are already linked in prac-
keine quantitative Zusammenarbeit der                                                          scheidungskriterium, Roland Berger Strategy
                                              tice. The empirical results in general
Bereiche stattfindet. Auch erhält die Un-                                                      Consultants, Germany 03/2006.
                                              show a considerable potential for im-
ternehmensleitung in mehr als 1/3 der
                                              provement for an integration of the              Gleißner, W./Presber, R., Die Grundsätze ord-
Unternehmen keine Informationen be-                                                            nungsgemäßer Planung – GOP 2.1 des BDU:
                                              (two) management systems. This also
züglich der Planungsunsicherheit.                                                              Nutzen für die betriebswirtschaftliche Steue-
                                              includes the creation of a common un-
Besonders schwerwiegend erscheint, dass       derstanding of and for methods and               rung, in: Controller Magazin, Ausgabe 6,
                                                                                               November/Dezember, 2010, S. 82–86.
kaum Informationen über den aggregier-        information, e.g. in the sense of a „sto-
ten Gesamtrisikoumfang (z. B. ausge-          chastic planning approach“. For in-              Gleißner, W./Witzel, R., Aktuelle Entwicklun-
drückt im Eigenkapitalbedarf) fundiert        stance in a majority of companies un-            gen im Corporate Risk Management, in:
abgeleitet werden und Risikoinformatio-       certain assumptions in business plan-            Risiko Manager, H 1, (2010), S. 1–10.
nen selbst bei wesentlichen (strategi-        ning – which in fact represent risks –           Gleißner, W./Wolfrum, M., Eigenkapitalkos-
schen) Entscheidungen kaum genutzt            are not automatically reported to the            ten und die Bewertung nicht börsennotierter
werden.                                       risk management. And even in                     Unternehmen: Relevanz von Diversifika-
                                              the case of strategic management de-             tionsgrad und Risikomaß, in: Finanz Betrieb,
Perspektivisch ist bei vielen Unterneh-                                                        9/2008, S. 602–614.
                                              cisions (risk) information from risk
men die Absicht vorhanden, Risikoma-                                                           Gleißner, W./Wolfrum, M,. Risikomaße, Per-
                                              management are not used consistent-
nagement und Controlling intensiver zu                                                         formancemaße und Rating: die Zusammen-
                                              ly. Today simulation-based risk aggre-
verknüpfen als dies bisher der Fall ist.                                                       hänge, in: Hilz-Ward, R. M./Everling, O.
                                              gation methods for calculating the to-
                                                                                               (Hrsg.), Risk Performance Management:
Die Untersuchungsergebnisse bestätigen        tal aggregated risk exposure are of-             Chancen für ein besseres Rating, Wiesbaden
hier die These, dass die Verknüpfung von      ten missing, despite the requirements            2009, S. 89–109.
Controlling und Risikomanagement ins-         of the German auditing standard 340
besondere durch methodische Defizite          (IDW PS 340), based on the respec-               Gleißner, W./Berger, T./Rinne, M./Schmidt,
                                                                                               M., Risikoberichterstattung und Risikoprofi-
gehemmt wird.                                 tive law on Monitoring and Transpar-             le von HDAX-Unternehmen 2000 bis 2003,
                                              ency in Businesses (KonTraG) of                  in: Finanz Betrieb, 7. Jg. (2005), H. 5, S. 343–
Zudem ist es daher anzuraten, die heute
                                              1998. Such risk aggregation methods              353.
im Controlling und Risikomanagement
                                              would help linking planning, control-
verfügbaren Methoden weiter zu entwi-                                                          Hölscher, R./Giebel, S./Karrenbauer, U., Stand
                                              ling and risk management.                        und Entwicklungstendenzen des industriel-
ckeln (z. B. durch simulationsbasierte Ri-
sikoaggregationsverfahren, aussagefähige                                                       len Risikomanagements (Teil 1) und (Teil 2):
Risikomaße etc.) und für Controlling                                                           Ergebnis einer aktuellen Untersuchung an
                                             Literatur                                         der Universität Kaiserslautern, in: ZRFG,
und Unternehmensplanung eine gemein-                                                           H 4, (2006), S. 150–158 bzw. ZRFG, H 1,
same methodische Plattform zu schaffen       Angermüller, N. O., Verbindung von Control-       (2007) S. 5–13.
(z. B. durch sogenannte stochastische        ling und Risikomanagement – Nutzung ope-
Planungsmodelle, die traditionelle Plan-     rativer und strategischer Kennzahlen im Risi-     Hoitsch, H.-J./Winter, P./Baumann, N., Stand
                                             komanagement, in: Risk, Compliance and            des Risikocontrollings bei deutschen Kapital-
informationen und Ergebnisse der Risi-       Audit, 1. Jg. (2009), H. 1, S. 19–23.             gesellschaften – Ergebnisse einer empirischen
koanalyse verknüpfen).                                                                         Untersuchung, in: Controlling, Jg. 18 (2006),
                                             Berger, T./Gleißner, W., Risikosituation und      Heft 2, S. 69–78.
 Keywords                                    Stand des Risikomanagements aus Sicht der
 䊏 Correlation of controlling and risk
                                             Geschäftsberichterstattung, in: Zeitschrift für   Kajüter, P.; Winkler, C., Risikoberichterstat-
                                             Corporate Governance, 2. Jg. (2007), H. 2,        tung deutscher Konzerne, in: Die Wirt-
   management                                S. 62–68.                                         schaftsprüfung, Nr. 6, (2004), S. 249 –261.
 䊏 Law on Monitoring and Transpar-
   ency in Businesses (KonTraG)              Beyer, B./Hachmeister, D./Lampenius, N., Die      PricewaterhouseCoopers, Krise, Risiko, Ma-
 䊏 Measure of risk
                                             Bedeutung des Risikomanagements in Unter-         nagement. Welche Konsequenzen ziehen
                                             nehmen – Eine empirische Untersuchung,            deutsche Unternehmen aus der Finanzkrise,
 䊏 Risk aggregation
                                             in: Zeitschrift für Controlling & Manage-         Frankfurt am Main 2010.
 䊏 Strategic risks                           ment, 54. Jg. (2010), H. 2, S. 114–121.
                                                                                               Weißenberger, B. E./Löhr, B. W., Integriertes
 Summary                                     Crasselt, N./Pellens, B./Schmidt, A., Zusam-      Risikocontrolling in Industrieunternehmen,
 Because risk management deals with          menhang zwischen Wert- und Risikoma-              Status quo im deutschsprachigen Raum,
 causes for planning variances (risks        nagement, in: Controlling, 22. Jg. (2010),        in: Zeitschrift für Controlling & Manage-
 and chances), there are many points of      H. 7., S. 405–410.                                ment, 54. Jg. (2010), H. 5, S. 336–343.
 contact with planning and controlling.      Denk, R./Exner-Merkelt, K./Ruthner, R., Risi-     Winter, P., Risikocontrolling in Nicht-Fi-
 In a survey of responsible managers in      koberichterstattung börsennotierter Unter-        nanzunternehmen: Entwicklung einer trag-
 risk management and controlling of          nehmen in Österreich, Okt. 2005, http://          fähigen Risikocontrolling-Konzeption und
 H-DAX companies, it was examined to         www.contrast.at/4_news_veran/presse/RM_           Vorschlag zur Gestaltung einer Risikorech-
                                             Studie.pdf, Stand: 19.05.2010.                    nung, Lohmar/Köln, 2007.

                                                                   CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG
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