Was wir erben Ein Schwarzwald Tatort - SONNTAG, 25. APRIL 2021 - SWR
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TATORT
WAS WIR ERBEN::::::
Wenn‘s ans Erben geht, kommen unterdrückte Gefühle und verborgene Wahrheiten ans Licht: In
ihrem siebten Fall bekommen die Kommissare Franziska Tobler und Friedemann Berg tiefe Einblicke
in die Dynamik einer wohlhabenden Freiburger Unternehmerfamilie.
Der verdächtige Treppensturz der 78-jährigen Fabrikantenwitwe Elisabeth Klingler ruft die Kom-
missare Franziska Tobler und Friedemann Berg auf den Plan. Gerade hatte Klingler ihrer Tochter,
ihrem Sohn, der Enkelin samt dem Notar eine Testamentsänderung verkündet: Die Familienvilla
solle nach ihrem Tod an ihre Betreuerin Elena Zelenko gehen. Ein Schock für ihre Kinder, die mit
vehementer Empörung reagieren. Erst als ihre Mutter schon im Sterben liegt, erfahren Gesine
und Richard, dass Elisabeth Klingler und Elena Zelenko heimlich geheiratet hatten. Anders als ihre
Nichte Toni wollen sie diese Tatsache nicht akzeptieren. Zumal es jetzt um mehr als nur die Villa
geht. Hin- und hergerissen zwischen Trauer, dem Gefühl des Zurückgewiesenseins und der Angst
vor den finanziellen Auswirkungen präsentieren die düpierten Erben den Kommissaren diverse
Hinweise auf die Verstrickung Zelenkos. Franziska Tobler und Friedemann Berg gehen dem nach,
behalten aber auch die Familienmitglieder im Blick. Zumal sie bei ihren Ermittlungen feststellen,
dass die Klinglers und Elena Zelenko eine gemeinsame Vergangenheit hatten, deren Schatten Eli-
sabeth Klingler belasteten.
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SONNTAG, 25. APRIL 2021
20:15 UHR
EIN SCHWARZWALD TATORTBESETZUNG::::::
FRANZISKA TOBLER EVA LÖBAU
FRIEDEMANN BERG HANS-JOCHEN WAGNER
GESINE RATHMANN JENNY SCHILY
RICHARD RATHMANN JAN MESSUTAT
TONI WOOD JOHANNA POLLEY
ZOFIA JANCZAK JANINA ELKIN
ELISABETH KLINGLER-RATHMANN MARIE ANNE FLIEGEL
ELENA ZELENKO WIESLAWA WESOLOWSKA
NOTAR HÄGELE CHRISTOPH JUNGMANN
RECHTSANWALT KRETZ CHRISTIAN ERDT
LEITENDE KRIMINALTECHNIKERIN KATHARINA HAUTER
KARIN DEUTER ANNA BÖGER
STAB::::::
REGIE FRANZISKA SCHLOTTERER
BUCH PATRICK BRUNKEN
KAMERA STEFAN SOMMER
SCHNITT SABINE GARSCHA
MUSIK JOHANNES LEHNIGER
SEBASTIAN DAMERIUS
SZENENBILD IRENE PIEL
KOSTÜMBILD JULIANE MAIER
BESETZUNG BIRGIT GEIER
KARIMAH EL-GIAMAL
AUSFÜHRENDE
PRODUZENTIN FRANZISKA SPECHT
REDAKTION KATHARINA DUFNER
EINE PRODUKTION DES SÜDWESTRUNDFUNKS
GEDREHT SEPTEMBER/OKTOBER 2020 IN FREIBURG, BADEN-BADEN
UND UMGEBUNG.
TATORT
WAS WIR ERBEN::::::
SONNTAG, 25. APRIL 2021
20:15 UHR
EIN SCHWARZWALD TATORTGESPRÄCH MIT REGISSEURIN
FRANZISKA SCHLOTTERER
Beim Erben geht es meist nur äußerlich um Materielles, brisant wird es durch die tiefen Gefühle,
die damit verbunden sind. Was hat Sie am Erbfall der Familie Klingler interessiert, worauf kam
es Ihnen bei der Realisierung besonders an?
Ich finde das Thema Erben spannend, weil es viele von uns auf die ein oder andere Weise be-
trifft und Konflikte zu Tage fördert, die zu Lebzeiten vielleicht nicht ganz offen ausgefochten wurden.
Da mein Vater früh verstorben ist, war ich selbst schon als Jugendliche damit konfrontiert. Ich,
Scheidungskind und noch nicht mündig, musste zusehen, wie sich die Erwachsenen um das Erbe
gestritten haben. Das war eine sehr irritierende Erfahrung, da sich alle Beteiligten von einer Seite
gezeigt haben, die ich vorher nicht kannte.
Dies hat vielleicht dazu beigetragen, dass mir bei der Inszenierung der Klingler-Erben die Figu-
renzeichnung besonders wichtig war. Ich wollte die Motivation aller Figuren verstehen, auch von
denen, die wir nicht so sympathisch finden.
Bei dem Erbfall der Industriellen-Familie geht es neben dem materiellen Erbe auch um die Verant-
wortung, die man erbt und die Frage, wie man mit dieser Verantwortung umgeht. Diese Frage-
stellung finde ich historisch und gesellschaftspolitisch sehr relevant und interessant.
Und was bedeutete das für die Ästhetik des Films?
Schon als ich das erste Exposé von Patrick Brunken zum „Tatort – Was wir erben“ gelesen
habe, musste ich an die Filme von Claude Chabrol denken. Viele seiner Krimis spielen in großen
herrschaftlichen Villen und entlarven ihre bourgeoisen Besitzer als kultivierte Scheusale.
Diese Filme waren eine Inspiration für mich und haben sicherlich unterschwellig die Ästhetik des
Films, den Rhythmus, das Sounddesign und die Musik beeinflusst.
Ist es von besonderer Bedeutung, dass gerade das Haus im Mittelpunkt des Streits steht?
Wir verbringen viel Zeit mit der Familie im Haus. Es ist sozusagen das Zentrum der Fa-
milie, der Stammsitz, die Schaltzentrale. Hier wurde Familiengeschichte gelebt. Jedes Familien-
mitglied hat seine Erinnerungen an das Haus. Hier wurden die Rollen verteilt, und wenn man als
Erwachsener zurückkommt, kann man diese immer noch nicht abstreifen, auch wenn man längst
außerhalb der Familie jemand anderes geworden ist.
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EIN SCHWARZWALD TATORT
Das Haus kann man gut visualisieren und auch auf der akustischen Ebene erzählen. Die Villa hat
ihren eigenen Sound. Der Kies draußen um das Haus war für mich eins der wichtigsten Elemente,
um das Gefühl für dieses herrschaftliche Haus greifbar zu machen. Aber auch der knarrende Par-
kettboden oder das Rauschen der Bäume im Garten. Über solche Details erinnern wir später die
Orte unserer Kindheit. Wenn ich an das Haus meiner Großmutter denke, sehe ich die Schwingtür
aus Holz und Glas, die zur Küche führte, höre das Zwitschern der Vögel im Garten, die im Vogel-
bassin herumflattern und fühle den abgewetzten Bezug der alten Cordsessel im Arbeitszimmer.
Dieses Gefühl für einen vertrauten Ort der Kindheit habe ich versucht in dem Film zu vermitteln.
So unterschiedlich und auch hart die Reaktionen der Familienmitglieder sind, immer wieder
spürt man auch ihre Verbundenheit. Wie hat denn das Wissen um das Erbe das Verhältnis der
Familienmitglieder zueinander beeinflusst? Und wie hat das Ihre Besetzung und Inszenierung
beeinflusst?
Ich fand es sehr reizvoll, das Thema Familie und Geschwisterrivalität in diesem Tatort
zu beleuchten. Der Drehbuchautor Patrick Brunken hat das bei den Figuren im Drehbuch sehr
schön gezeichnet. Man liebt und hasst sich. Man kennt sich in- und auswendig und ist sich doch
fremd. Man sucht die Nähe der anderen und geht sich gleichzeitig auf die Nerven.
Bei Industriellen-Familienclans wie den Klinglers in unserem Film spielt das Erbe und die Firma,
denke ich, von früh an immer eine Rolle. Es ist das, was diese Familien zusammenhält und defi-
niert. Gleichzeitig besteht immer die Gefahr, sich darüber zu zerstreiten und so das Überleben des
Familienunternehmens und des gemeinsamen Wohlstands zu riskieren. Dieser potentielle Streit
geht ja nicht erst beim Erben los, sondern schon bei der Frage, wem die Eltern zutrauen das Un-
ternehmen weiterzuführen. Die anderen Geschwister müssen dann einen anderen Weg finden,
um sich zu beweisen und ihrem Leben einen Sinn zu geben.
Diese Fragestellungen habe ich versucht mit Jenny Schily, Jan Messutat und Johanna Polley her-
auszuarbeiten und ihr Spiel damit zu hinterlegen. Das hat uns allen großen Spaß bereitet und wir
konnten viel aus unserem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen.
Bei der Besetzung war es mir wichtig, ein glaubhaftes Geschwisterpaar zu finden. Hierbei war es
hilfreich, dass Jenny Schily und Jan Messutat eine ähnliche Körperlichkeit haben. Johanna Polley
ist ein ganz anderer Typ. Die Toni in unserem Film fühlt sich wie ein Außenseiter in dieser Familie
und das manifestiert sich auch in ihrem Aussehen.
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EIN SCHWARZWALD TATORTIn Ihrem Film geht es nicht nur um die Perspektive der Erben, sondern auch um die Motive der
Erblasserin; im Laufe der Ermittlungen stellt sich heraus, dass sie mit ihrem Besitz ein spezielles
Ziel erreichen wollte. Stellt sich mit dieser Wiedergutmachungsabsicht auch die Frage nach der
Verantwortung von Vermögenden?
Diese Fragestellung lag unserem Autor sehr am Herzen. Er hat dazu viel recherchiert
und die Gerechtigkeit des deutschen Erbrechts grundsätzlich in Frage gestellt. Denn Fakt ist, dass
durch das Prinzip des Vererbens die Reichen einer Gesellschaft reich bleiben und die Armen arm.
Die Vermögen, die durch Erbe entstehen, sind durch normale Lohnarbeit gar nicht zu erreichen.
So wird die Gesellschaft immer weiter gespalten.
Franziska Tobler und Friedemann Berg werden in den Familienkonflikt hineingezogen, kann
man sagen, dass Gesine Rathmann versucht sie zu instrumentalisieren? Und welche Haltung
entwickeln die beiden zu der Frage des Erbens?
Für Gesine Rathmann ist die Lage klar. Ihre Mutter hat sich von einer Erbschleicherin
manipulieren lassen. Das Erbe der Mutter kann nur den nächsten Verwandten zustehen. Ganz im
Sinne der Familie und der Firma. Die steht für sie noch vor der Familie an erster Stelle. Sie trägt die
Verantwortung dafür. Aus dieser Überzeugung heraus versucht Gesine, Tobler und Berg zu mani-
pulieren. Sie möchte sicher gehen, dass die beiden ihre Sicht der Dinge übernehmen. Sie fühlt sich
zunächst auch hundertprozentig im Recht. Sie ist eine Überzeugungstäterin. Sie hat nicht gelernt
zu zweifeln. Im Englischen gibt es ein tolles Wort dafür: Entitlement.
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EIN SCHWARZWALD TATORTEIN SCHWARZWALD TATORT
GESPRÄCH MIT DREHBUCHAUTOR
PATRICK BRUNKEN
Erben hat eine hochemotionale Seite, auch wenn es nicht um große Vermögen oder Firmen geht.
Zu Erben oder gerade nicht, lässt Konflikte aufbrechen. Was hat Sie am Erben/Vererben und der
Familienkonstellation der Klinglers interessiert?
Die Klinglers sind rein personell zum einen eine leicht wiedererkennbare Familien-
aufstellung von Firmenerben – genretypisch und beinahe schon stereotyp für Whodunits, in de-
nen es um große Erbschaften und Nachlässe geht. Besonders interessant finde ich dabei aber, wie
die verschiedenen Vertreter*innen der »Generation Erbe« mit der daraus entstehenden Verant-
wortung umgehen. Da gibt es ja ganz verschiedene Beispiele. Manche sind sich ihres Privilegs
und ihrer Verantwortung bewusst, andere verdrängen die erfolgreich. Es ist halt auch bequemer,
sich auf die eigenen Möglichkeiten und Chancen zu konzentrieren und nach vorne zu sehen, als
dahin zurück, wo das dafür nötige Vermögen eigentlich herkommt. Das eigene Privileg ist ja nicht
ohne Grund oft auch ein blinder Fleck. Eine besondere Form von Heuchelei ist es aber, wenn man
den dann partout nicht sehen will, obwohl man es besser wissen müsste – und sich dabei viel-
leicht noch als besonders achtsam oder aufgeklärt inszeniert, sich im Recht sieht, oder gar als
Opfer. Da gibt es ja jüngst ein paar Beispiele.
Aus Sicht der Klinglers ist es selbstverständlich, dass sie erben. Die Kommissare stellen diese Pra-
xis, bei der in Deutschland große Summen in Familien bleiben, schon eher in Frage. Zementieren
wir damit gesamtgesellschaftlich Ungleichheit?
Ganz einfach: Ja. Über die Hälfte aller privaten Vermögen in Deutschland stammt mitt-
lerweile nicht mehr aus der eigenen Hände Arbeit, sondern aus Erbschaften. Eine persönliche, aber
zunehmend auch gesamtgesellschaftliche Frage von Haben und Sein, ein Haus zu bauen oder nicht,
von Herkunft und Zukunft. Für Florenz konnte gezeigt werden, dass die meisten Familien der heu-
tigen Spitzenverdiener schon vor 600 Jahren reich waren – und die heute ärmsten Familien schon
damals arm. Erben mag also irgendwo auch glücklicher Zufall sein, aber nicht zuletzt ist es –- wie
gesagt – ein vererbtes Privileg, bestens gehütet von einer großen Lobby: All denen, die irgendwann
mal auf einen mehr oder weniger großen Erbfall hoffen. Richtig viel erben aber nur die wenigsten,
und die Schere der gesellschaftlichen Ungleicheit geht dadurch immer weiter auseinander. Aber wie
gesagt: Wer auch nur die geringste Hoffnung hat, macht da trotzdem mit und merkt nicht mal, dass
er längst zu den Benachteiligten gehört. Das Erbrecht ist eine dringend reformbedürftige Gesell-
schaftsfrage, aber ein extrem heißes Eisen.
TATORT
WAS WIR ERBEN::::::
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EIN SCHWARZWALD TATORTEIN SCHWARZWALD TATORT
Im Zuge der Ermittlungen wird deutlich, dass es nicht nur um die Weitergabe von Materiellem und
den Gradmesser von Anerkennung oder Zuneigung geht, sondern auch um das Erbe von Schuld
durch Zwangsarbeit und um Wiedergutmachung. Warum haben Sie diese Konstellation gewählt?
In dieser Konstellation tritt die oben beschriebene Ungerechtigkeit und auch die Heuche-
lei im Umgang damit, am deutlichsten zutage. Übrigens auch kleinere und mittelständische deut-
sche Firmen würde es heute wohl gar nicht mehr geben, wenn hierzulande nicht gezielt Menschen
unter unwürdigen Umständen ausgebeutet worden wären. Die so genannte Wiedergutmachung
war ein schlechter Witz und ein Feigenblatt: viel zu spät und viel zu wenig, weder von der Politik
noch von der Industrie gewollt. Es geht dabei auch um Anstand und Demut: Sich klar zu machen,
wem dieses Land seinen Wohlstand mit zu verdanken hat, anstatt es gezielt zu verdrängen.
Welche Rolle spielt das Schweigen bzw. Verschweigen dabei?
Das Schweigen ist der besagte blinde Fleck der Familie, das Unaussprechliche: Warum
manche heute noch immer reich sind, andere aber arm. Elisabeth hat lange gebraucht, sich dem zu
stellen – und geholfen hat ihr die Zuneigung einer betroffenen Frau, deren »Firmenerbe« ihr Chan-
cen und eine Zukunft verbaut hat.
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EIN SCHWARZWALD TATORTEIN SCHWARZWALD TATORT
EIN SCHWARZWALD TATORT
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