Die Reform des GmbH-Rechts in Österreich - aktueller Stand und künftige Entwicklungen - Mag. Thomas Traar, Richter im Bundesministerium für Justiz
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Die Reform des GmbH-Rechts in
Österreich – aktueller Stand und
künftige Entwicklungen
Mag. Thomas Traar, Richter im Bundesministerium für Justiz
1Überblick
Ausgangssituation / Politische Vorgaben
Mögliche Lösungsansätze
Möglicher Inhalt des
Begutachtungsentwurfs
Ausblick
2Ausgangssituation / Politische
Vorgaben
EuGH Judikatur zu Art. 48 EGV (Centros u.a.) –
„Wettbewerb der Rechtsordnungen“
Europaweiter Trend zur Verbilligung und
Beschleunigung von Gründungen
Das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und
zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) in
Deutschland
Die EU-Verordnung zur Europäischen
Privatgesellschaft (EPG, SPE)
Regierungsprogramm der XXIV.
Gesetzgebungsperiode
Umfangreiche Reformvorschläge aus der
Lehre und Praxis
3Mögliche Lösungsansätze
Umfassende GmbH-Reform jetzt,
oder
„Kleine“ GmbH-Reform jetzt √
Jetzt: Gründungserleichterungen samt
Begleitmaßnahmen
Prüfung weiterer Schritte nach Annahme der EU-
Verordnung zur Europäischen Privatgesellschaft (EPG,
SPE)
4Möglicher Inhalt des
Begutachtungsentwurfs - Überblick
Gründungserleichterungen
Begleitmaßnahmen im Bereich des
gesellschafts- und
insolvenzrechtlichen
Gläubigerschutzes
Erhöhung der internationalen
Mobilität österreichischer
Gesellschaften
Sonstige Regelungen 5Senkung des Mindeststammkapitals -
Ausgangspunkt
Befragung der Gründer von „Limiteds“:
Mindeststammkapital Hauptmotiv der
Rechtsformwahl
Bedeutung des Mindeststammkapitals
Individuelle und für die Rechtsform der GmbH
wichtige Seriositätsschwelle
Anfänglicher Kapitalpolster
Nicht: mit keinen
Mindeststammkapitalerfordernissen
ausgestattete Unterform der GmbH
6Absenkung des Mindeststammkapitals
- Im Einzelnen
Absenkung auf 10 000 Euro
Mindeststammeinlage von 70 Euro bleibt
Stammkapital < 35 000 Euro: 10 000 Euro
müssen jedenfalls in bar aufgebracht
werden
10 000 Euro müssen bereits bei der
Gründung einbezahlt sein
Keine Kapitalherabsetzung unter 35 000
Euro
7Erweiterung der Pflicht zur Bildung gesetzlicher Rücklagen Zwingende Regelung Voraussetzung: Stammkapital
Erweiterung der Pflicht zur Bildung
gesetzlicher Rücklagen Dispositive Regelung
Stammkapital von zumindest 35 000 Euro oder Summe
des Stammkapitals und der gebundenen Rücklage von
zumindest 35 000 Euro
Voraussetzung und Umfang: wenn und solange die
Eigenmittelquote ( 23 URG) weniger als 15 Prozent
beträgt
Höhe: 1/10 des (um einen Verlustvortrag geminderten)
Jahresüberschusses (nach Berücksichtigung der
Veränderung unversteuerter Rücklagen)
Sie besteht neben der Rücklagenbildungspflicht nach 23
Abs. 1 (für große GmbHs)
9Änderungen im Zusammenhang mit der
erweiterten Rücklagenbildungspflicht
Verwendung der Rücklagen:
Zur vereinfachten Kapitalerhöhung
(Kapitalberichtigungsgesetz)
Zum Ausgleich eines sonst auszuweisenden
Bilanzverlusts ( 229 Abs. 6 UGB)
Keine Bindung der Rücklagen mehr, wenn die
Voraussetzungen zur Rücklagenbildung nicht mehr
erfüllt sind
Anpassung der Bestimmungen zur Rückzahlung
von Nachschüssen ( 74 Abs. 2) und zur Haftung
der Gesellschafter bei unzulässiger
Einlagenrückgewähr ( 83 Abs. 2)
10Ausdehnung der
Publizitätspflichten
Voraussetzung:
Stammkapital < 35 000 Euro
die Posten scheinen nicht ohnehin im
offenzulegenden Jahresabschluss auf
(betrifft also nur kleine und mittelgroße
Gesellschaften)
Folge: Im Anhang sind jene Posten aus
der Bilanz und der Gewinn- und
Verlustrechnung anzugeben, aus denen
sich ergibt, ob die Gesellschaft zur Bildung
von Rücklagen verpflichtet ist und ob sie
dieser Verpflichtung nachkommt 11Stärkung des Gläubigerschutzes im
Insolvenzrecht
Vorteil: Anknüpfung der EU-InsVO an den
Mittelpunkt der hauptsächlichen Interessen
Bei Führungslosigkeit der Gesellschaft:
Verpflichtung der Gesellschafter (zumindest 50%)
zur Stellung des Konkursantrags
Anfechtbarkeit von Gewinnausschüttungen im
Jahr vor der Konkurseröffnung bei Gesellschaften
mit einem StammkapitalErhöhung der internationalen Mobilität
österreichischer Gesellschaften
Gesellschaftsrecht
Möglichkeit eines im Ausland
liegenden Verwaltungssitzes - eine
Tätigkeit oder Niederlassung der
Gesellschaft im Inland wäre nicht mehr
nötig
Besteht ein tatsächlicher
Anknüpfungspunkte im Inland: Die
Gesellschaft ist bei der Wahl des
Sitzes nicht völlig frei
13Erhöhung der internationalen Mobilität
österreichischer Gesellschaften
Kollisionssrecht
Gründungstheorie statt Sitztheorie für
„österreichische“ Gesellschaften, d.h.
Gesellschaften, die
ineinem österreichischen öffentlichen
Register eingetragen sind, oder,
mangels Registereintragung, nach
österreichischem Recht organisiert sind,
unterliegen ungeachtet des Ortes des
Verwaltungssitzes österreichischem Recht
14Reduktion der
Gründungskosten
Beibehaltung des Notariatsakts
Reduktion der Gründungskosten
wegen der geringeren
Bemessungsgrundlage (wegen des
niedrigeren Mindeststammkapitals)
Verbilligte Tarife für bestimmte
einfache Gründungen und
Kapitalerhöhungen
15Reduktion der
Gründungskosten
Betrifft Notariatsakt, Beglaubigung,
Beurkundung, RATG
Insb. Bemessungsgrundlage von 1 000 Euro
Ein-Personengründung
Durch eine natürliche Person
Mittels einer „Mustersatzung“
Nur Inhalt der 4 Abs. 1, 7 Abs. 2 GmbHG und GF
Bestellung
Nur bis 35 000 Euro Stammkapital und NeuFöG
Gründung
Kapitalerhöhung auf mind. 35 000 Euro
16Sonstige Bestimmungen
Erweiterung der Aufsichtsratspflicht (GmbH &
CO OG)
Einberufung der Generalversammlung auch
bei Erreichen der Kennzahlen des 22 Abs. 1 Z
1 URG bzw. 2 Abs. 1 Z 2 EKEG
Anmeldung einer inländischen
Geschäftsanschrift zum Firmenbuch –
rechtsformneutral und auch für
Zweigniederlassungen
Vereinfachte Ediktalzustellung an
Kapitalgesellschaften
17Diskutierte, aber nicht
aufgenommene Regelungen
Haftung bei qualifizierter Unterkapitalisierung
Erweiterte Anfechtung von
Geschäftsführergehältern
Abschaffung oder Einschränkung der
Notariatsaktspflicht
Einschränkung der Veröffentlichung in der
Wiener Zeitung
Gutgläubiger Erwerb von Geschäftsanteilen
Generelle Anfechtbarkeit von
Rechtshandlungen der Gesellschaft (deren
Stammkapital unter 35 000 Euro liegt) mit
Gesellschaftern
18Ausblick
• Begutachtungsentwurf November
2010
• EU-Verordnung zur Europäischen
Privatgesellschaft (EPG, SPE) –
Änderungsbedarf im nationalen Recht
– „große“ GmbH-Reform
19Vielen Dank für Ihre
Aufmerksamkeit!
thomas.traar@bmj.gv.at
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