InkluSIon: Schule für alle geStalten

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InkluSIon: Schule für alle geStalten
InformatIonen
    für lehrer und
    lehrerInnen

  InkluSIon:
  Schule für alle geStalten

         In fo r m atI o n en
     Pr a xIS beISPIel e
           e r I a l S a m m l u n g
      m at
            anregun gen

Inhalt
Alle reden von Inklusion                      02 / 03
Auf dem Weg zur inklusiven Schule             04 / 05
Erste Schritte in den inklusiven Unterricht   06 / 07
Materialsammlung und Impressum                08

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InkluSIon: Schule für alle geStalten
noch nicht
                                                                                                                                                                                                                                        die regel

A                                                                                                                                                               Die Inklusionskampagne der Aktion Mensch stellt Menschen
                                                                                                                                                                vor, die Inklusion vorleben. Zum Beispiel Josia. Er besucht
                                                                                                                                                                                                                              Während in Schleswig-Holstein fast
                                                                                                                                                                                                                              die Hälfte der Schüler mit Förderbedarf
                                                                                                                                                                                                                              an Regelschulen unterrichtet wird,
                                                                                                                                                                                                                              ist es im Nachbarland Niedersachsen
                                                                                                                                                                                                                              nicht einmal eines von zehn Kindern.
                                                                                                                                                                                                                              Im Durchschnitt besuchte in Deutsch-
                                                                                                                                                                eine Grundschule – und fühlt sich dort pudelwohl. Mehr über
                                                                                                                                                                                                                              land im Schuljahr 2009/10 ein Fünftel
                                                                                                                                                                ihn unter www.aktion-mensch.de/inklusion/josia.php
                                                                                                                                                                                                                              der Schüler mit Förderbedarf eine
                                                                                                                                                                                                                              Regelschule. Damit hinkt Deutschland
                                                                                                                                                                                                                              im europäischen Vergleich deutlich
                                                                                                                                                                                                                              hinterher.
                                               Liebe Lehrerinnen, liebe Lehrer,                                                   → Was ist Inklusion?
 „als ich das erste mal                                                                                                                                                                                                       Quelle: Klemm/Preuss-Lausitz, 2011:
                                               die Aktion Mensch engagiert sich seit ihrer Gründung für die gleichberechtigte     Der Begriff Inklusion (lat. includere = einbeziehen) wird in Abgrenzung zum
  von Inklusion hörte,                         Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft – durch die        Begriff Integration benutzt. Während Integration bedeutet, Menschen nachträg-
                                                                                                                                                                                                                              Auf dem Weg zur schulischen Inklusion
                                                                                                                                                                                                                              in NRW, Illustration: David Claaßen
                                               Förderung von sozialen Projekten und durch Aufklärungsarbeit, die dazu bei-        lich einzugliedern, geht es bei Inklusion darum, die Gesellschaft von Anfang an
  dachte ich: Bloß das nicht auch noch!        trägt, Barrieren und Vorbehalte abzubauen. Bildung spielt dabei eine zentrale      so zu gestalten, dass jeder Mensch gleichberechtigt an allen Prozessen teil-
  Dafür bin ich nicht ausgebildet. Als ich     Rolle.                                                                             haben und sie mitgestalten kann – unabhängig von individuellen Fähigkeiten,
  mich dann dem Thema näherte, ist mir                                                                                            ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter. Inklusive pädagogische
  bewusst geworden, dass viele von uns         Durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich Deutsch-       Ansätze betonen Vielfalt in Bildung und Erziehung als Bereicherung für alle, da
  Inklusion ja schon praktizieren, ohne        land verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem zu etablieren. Die politisch      soziale Kompetenzen und gegenseitiger Respekt gefördert werden und niemand
  das allerdings so zu nennen. Die Inklu-      Verantwortlichen sind aufgefordert, die in der Konvention beschriebenen            mehr vom gemeinsamen Lernen und Leben ausgeschlossen wird.
  sion, von der jetzt die Rede ist, ist aber   Bedingungen im Schulsystem zu schaffen und durch Schulgesetze zu gestal-
  sicherlich noch einmal eine besondere        ten. Damit Vielfalt als Bereicherung erlebt wird, sind fachlich gut ausgebildete
                                               Pädagoginnen und Pädagogen gefragt, die auf die besonderen Bedürfnisse von
                                                                                                                                  → Die UN-Behindertenrechtskonvention
  Herausforderung. Warum sollte das
  vereint nicht zu bewältigen sein?“           Schülerinnen und Schülern mit verschiedenen Behinderungsformen eingehen
                                                                                                                                  Am 13. Dezember 2006 verabschiedete die UN-Generalversammlung das
                                               können – mehr Personal und eine gut organisierte Aus- und Fortbildung sind
                                                                                                                                  Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Seit dem
  Günther Wollmer,                             hier wichtig. Die Aktion Mensch möchte den Inklusionsprozess an Schulen
                                                                                                                                  26. März 2009 gilt die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland. Bis auf
  Lehrer                                       begleiten und Ihnen mit diesem Heft den Einstieg erleichtern.
                                                                                                                                  wenige Ausnahmen wurde sie von allen europäischen Ländern unterzeichnet.
                                               Ein Workshop mit Pädagogen und Inklusionswissenschaftlerinnen zeigte uns,
                                                                                                                                  Die Konvention verpflichtet die Vertragsstaaten, Menschen mit Behinderungen
                                               dass in vielen Schulen täglich inklusive Praktiken angewandt, diese aber oft
                                                                                                                                  in allen Bereichen des täglichen Lebens eine gleichberechtigte Teilhabe zu er-
                                               nicht dem Thema Inklusion zugeordnet werden. Methodenvielfalt sowie Kom-
  Im Rahmen ihres Förderschwer-                                                                                                   möglichen: Hierzu zählen unabhängige Lebensführung, Arbeit, Gesundheit und
                                               petenz- und Entwicklungsorientierung sind für die meisten Lehrenden bereits
  punktes Inklusion bietet die Aktion                                                                                             Mobilität sowie Zugang zu Information und Kommunikation, Justiz und Bildung.
                                               Alltag. Darauf können wir aufbauen.
  Mensch neue Förderbausteine an:
  Das Förderprogramm Inklusion für
                                               Inklusion ist ein Prozess. Ein allgemeingültiges Rezept dafür gibt es nicht.       → Was bedeutet das für Unterricht und Schule?
  lokale Vernetzungsprojekte und die
                                               Alle Beteiligten – auch die Eltern – haben die Chance mitzuarbeiten und sich
  Förderaktion „Miteinander gestalten“.
                                               einzubringen. Denn jeder Schritt zum Abbau von Hindernissen und Vorbehalten        In Artikel 24 I der Konvention heißt es zum Bereich Bildung: „Die Vertragsstaa-
  Informationen unter
                                               ist ein Schritt in Richtung „Schule für alle“.                                     ten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um
  www.aktion-mensch.de/foerderung
                                                                                                                                  dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit
  > Förderschwerpunkt Inklusion
                                               Wir freuen uns, diesen Weg mit Ihnen zu gehen und sind gespannt, von Ihren         zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssys-
                                               Erfahrungen zu hören.                                                              tem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen (…)“.

                                                                                                                                  Für Schulen und Pädagogen ist die UN-Konvention eine Herausforderung, aber
                                                                                                                                  auch die Chance, gemeinsam mit allen Beteiligten ein Schulsystem zu etablie-
                                                                                                                                  ren, das den Anforderungen an eine „Schule für alle“ gerecht wird.

                                               Ihr Martin Georgi, Vorstand der Aktion Mensch

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InkluSIon: Schule für alle geStalten
„ein persönliches
                                                                                                                                                                                                                                  aufnahmegespräch
                                                                                                                                                                                                                                  L

AUF

                                             Der Inklusionsprozess setzt die Bereitschaft zur Veränderung voraus. Neben                     → Index für Inklusion
 „lehrer reagieren                           einem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft ist es Aufgabe der Verant wort-
                                             lichen in Politik und Schulverwaltung, die Grundlagen für inklusive Strukturen                 Der „Index für Inklusion“ definiert drei miteinander verbundene Dimensionen,
  ­zurzeit sehr ­emotional                   zu schaffen.                                                                                   mit denen sich Schulen und Pädagogen auseinandersetzen sollten, damit die
   auf Inklusion.                                                                                                                           Teilnahme und Teilhabe aller gelingen kann:
                                                                                                                                                                                                                                  Der „Index for Inclusion“ von Tony
                                             → Zu den konkreten Bedingungen für das Gelingen einer                                                                                                                                Booth und Mel Ainscow ist ein Grund-
  Einige haben Vorbehalte oder                                                                                                              1. Inklusive Kulturen schaffen: „Diese Dimension zielt darauf ab, eine sichere,
                                                                                                                                                                                                                                  lagenwerk mit praxisorientierten
  Berührungsängste
         ­­   ­        Menschen mit            inklusiven Schule gehören:                                                                      akzeptierende, zusammen arbeitende und anregende Gemeinschaft zu schaf-
                                                                                                                                                                                                                                  Hilfestellungen auf dem Weg zu einer
  Behinderungen gegenüber. Meis-                                                                                                               fen (…).“
                                                                                                                                                                                                                                  inklusiven Schule. Er wurde von Prof.
  tens aber ist es die Sorge, Schülern       ∙ Anpassung des Personalbedarfs durch die Beschäftigung zusätzlicher
                                                                                                                                                                                                                                  Andreas Hinz und Ines Boban für den
  mit Behinderung pädagogisch nicht            Lehrkräfte und Schulassistenzen                                                              2. Inklusive Strukturen etablieren: „Diese Dimension soll absichern, dass Inklu-
                                                                                                                                                                                                                                  deutschsprachigen Raum überarbeitet
  gerecht zu werden, da sich die                                                                                                               sion als Leitbild alle Strukturen einer Schule durchdringt.“
                                                                                                                                                                                                                                  und wird derzeit aktualisiert.
  Kolleginnen und Kollegen dafür nicht       ∙ Zusammenarbeit von Lehrern und Pädagogen in multiprofessionellen
  ausgebildet fühlen.                          Teams (Fachleute mit Erfahrungen im Umgang mit unterschiedlichen                             3. Inklusive Praktiken (weiter-)entwickeln: „Unterricht entspricht der Vielfalt der
  In meinen Fortbildungen versuche             Behinderungsformen arbeiten zusammen und gehen auf besondere                                    SchülerInnen. Sie werden dazu angeregt, dass sie aktiv auf alle Aspekte ihrer
  ich, ihnen diese Sorge zu nehmen,            Bedürfnisse der Schüler ein)                                                                    Bildung und Erziehung Einfluss nehmen (…).“
  indem ich ihnen zeige, dass sie bereits
  jetzt schon täglich im Unterricht mit      ∙ fachliche Fort- und Weiterbildungen                                                          (Index für Inklusion, S. 15f.)
  einer großen Vielfalt von Stärken und
  Schwächen, Problemen und Störungen         ∙ bauliche, technische und digitale Barrierefreiheit
                                                                                                                                            → Packen wir es an!
  umgehen können.
                                             ∙ flexible schulorganisatorische Rahmenbedingungen (z. B. Blockunterricht,
                                                                                                                                            Die folgenden Orientierungsfragen unterstützen Sie darin, inklusive Kulturen,
  Der wichtigste Schritt liegt darin, eine     individuelle Pausenzeiten, verlängerte Einzelstunden)
                                                                                                                                            Strukturen und Praktiken in Ihrer Schule zu fördern. Sie stehen beispielhaft für
  Haltung zu entwickeln, die jedes Kind
                                                                                                                                            eine Sammlung von Fragen, Anregungen und Empfehlungen, die Sie im „Index
  in seiner Individualität wertschätzt       ∙ Reflexion der Einstellungen und Haltungen der Lehrkräfte und aller an Schule
                                                                                                                                            für Inklusion“ finden:
  und Vielfalt als Bereicherung für            Beteiligter wie Schüler und Eltern (zu gelingender sozialer Integration, Team-
  erfolg reiches Lernen aller Schülerin-       arbeit und zur Übernahme von gemeinsamer Verantwortung)
                                                                                                                                            Inklusive Kulturen schaffen:
  nen und Schüler erkennt.
                                                                                                                                             ∙ Sind Informationen über die Schule für alle zugänglich und verständlich, in
  Und in Zukunft wächst eine Genera-         ∙ didaktische Rahmenbedingungen basierend auf der Erkenntnis, dass                                                                                                                   Ein Beispiel für eine Förderung inklu-
                                                                                                                                               verschiedenen Sprachen bzw. in einfacher Sprache, in Braille, auf verschiede-
  tion heran, für die der Umgang mit           Entwicklung und Lernen selbstbestimmte, konstruktive, soziale und                                                                                                                  siver Bildung durch die Aktion Mensch
                                                                                                                                               nen Medien (CD, Kassette), in Großdruck?
  Behinderung ganz selbstverständlich          entwicklungslogische Prozesse sind und jedes Kind auf Anerkennung, Dialog,                                                                                                         ist die Sophie-Scholl-Schule in
  sein wird!“                                  Kommunikation und Kooperation angewiesen ist                                                                                                                                       Gießen. Ihr Erfolg macht Mut. Schulen
                                                                                                                                            Inklusive Strukturen etablieren:
                                                                                                                                                                                                                                  können über einen Förderverein oder
                                                                                                                                             ∙ Gibt es Möglichkeiten für alle Lehrer (einschließlich neuer Mitarbeiter),
  Astrid Schulze,                            ∙ Angebot dialogischer, kooperativer, offener Lernformen und Differenzierun-                                                                                                         freie, gemeinnützige Organisationen
                                                                                                                                               sich über ihre Fähigkeiten und Sachkenntnis in Bezug auf Inklusion
  Lehrerin für Sonderpädagogik und             gen (das heißt der Lehrer ist ein Lernbegleiter, der Kompetenzen individuell                                                                                                       unterstützt werden.
                                                                                                                                               ­
                                                                                                                                               auszutauschen?
  Moderatorin in der Lehrerfortbildung         fördert und bewertet)                                                                                                                                                              Weitere Beispiele finden Sie unter
                                                                                                                                                                                                                                  www.aktion-mensch.de/karte.
                                                                                                                                            Inklusive Praktiken entwickeln:
                                             Auszug aus den Ergebnissen des Panels „Be-Hinderung“ im Rahmen der Tagung „Inklusion &
                                                                                                                                             ∙ Wird der Unterricht so angepasst, dass Schüler mit körperlichen oder Sin-
                                             Diversität als Herausforderung an Erziehung, Schule und LehrerInnenbildung“, 11./12.10.2011,
                                                                                                                                               nesbeeinträchtigungen z. B. auch im Sportunterricht, in Hauswirtschaft oder
                                             Universität Köln, www.cedis.uni-koeln.de
                                                                                                                                               Physik Wissen und Fertigkeiten erwerben können?

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InkluSIon: Schule für alle geStalten
E

                                          Die folgenden Anregungen unterstützen Sie auf dem Weg in einen inklusiven Un-       → Inklusion als Teamarbeit
 „zeit ist wichtig für                    terricht dabei, Ihre Arbeit regelmäßig zu reflektieren. Sie können sie unabhängig                                                                                                                   „das Schöne an
                                          von Fach und Inhalt nutzen.                                                         Inklusion gelingt nur im Team. Beim Austausch mit Kollegen und außerschuli-
  das gelingen,                                                                                                               schen Akteuren geht es nicht um Kontrolle, sondern um gegenseitige Unterstüt-                                     Inklusion ist:
                                                                                                                              zung und Anregung.
                                          → Lehrkraft als Moderator und Lernbegleiter
  denn wir brauchen für unsere Klasse                                                                                                                                                                                               Man merkt schnell, dass Kinder und
  mehr als ein Arbeitsblatt. Wir bieten                                                                                       ∙ Fächerübergreifender Unterricht ist wünschenswert. Um den Austausch mit                             Jugendliche mit Behinderung in erster
                                          Im inklusiven Unterricht kommt dem Lehrer verstärkt die Rolle eines Moderators
  verschiedene Herangehensweisen                                                                                                Kollegen zu fördern, können Sie wechselseitige Unterrichtsbesuche vereinba-                         Linie Kinder bzw. Jugendliche sind,
                                          und Lernbegleiters zu, der den Schülern Lernimpulse gibt und sie individuell
  und häufig kooperative Aufgaben und                                                                                           ren und sich gegenseitig Feedback geben.                                                            also ziemlich normal, und sich vor
                                          unterstützt. Wie Sie diese Rolle ausfüllen, hängt entscheidend von Ihrem beruf-
  kooperative Lernformen für alle an.                                                                                         ∙ Nutzen Sie die Chance, Ihre Unterrichtsplanung zu bereichern, indem Sie die                         allem wünschen, ganz normal dazu-
                                          lichen Selbst verständnis ab.
  So haben wir für unsere Neuner z. B.                                                                                          Erfahrungen von Kollegen berücksichtigen. So gestalten Sie einen anspre-                            zugehören. Wenn Lehrer eine solche
  bei der letzten Mathematikarbeit drei                                                                                         chenden und anspruchsvollen Unterricht.                                                             Selbstverständlichkeit signalisieren,
                                          ∙ Abwechslungsreicher Unterricht lebt von einem Wechsel der Sozialformen.
  verschiedene Tests vorbereitet: einen                                                                                       ∙ Gehen Sie neue Wege, indem Sie den Unterricht zum Beispiel an außerschuli-                          klappt es meist auch in der Klasse
                                          ∙ Binnendifferenziertes Arbeiten innerhalb einer Lerngruppe und gemeinsame
  Test mit Rechenaufgaben zur Addition                                                                                          sche Lernorte verlagern oder den Austausch mit Experten vertiefen.                                  ohne große Probleme. Da sind junge
                                            Unterrichtseinheiten ergänzen sich.
  und Subtraktion im Zahlenraum bis                                                                                                                                                                                                 Leute viel unkomplizierter als Erwach-
                                          ∙ Gemeinsam mit einem Kollegen arbeiten Sie als Team und unterstützen so
  100, einen Test zu den schriftlichen                                                                                                                                                                                              sene – solange man sie lässt.
                                            Ihre ­Schüler.                                                                    → Von der Grundschule lernen
  Rechenverfahren im Zahlenraum bis                                                                                                                                                                                                 Erwachsene holen schnell aus eigener
  1.000.000 und einen Test, in dem wir                                                                                          Vielen Grundschullehrern ist der Umgang mit Heterogenität                                           Befangenheit die Moralkeule aus dem
  lineare Funktionen abprüften.           → Kompetenz- und entwicklungsorientierter Unterricht                                                                                                                                      Schrank und stiften damit wider Willen
                                                                                                                                vertraut. Grund genug, einen Blick in den Unterrichtsalltag der
                                                                                                                                                                                                                                    Unfrieden. Verhaltensregeln gelten
  Damit unsere Schüler sich nicht är-     Im kompetenz- und entwicklungsorientierten Unterricht erarbeiten Ihre Schü-           „Kleinen“ zu werfen.                                                                                grundsätzlich für alle Schüler – soweit
  gern, wenn sie schlechter abschneiden   ler ein Thema über verschiedene Kommunikationsformen, Sozialformen und                                                                                                                    sie in der Lage sind, sie zu befolgen.
  als ihre Mitschüler in den ‚einfache-   Medien sowie mit personeller Unterstützung. Dabei werden unterschiedliche           „Bei uns hat jedes Kind sein eigenes Lernprogramm. Im ‚Haus für Deutsch‘ oder an der ‚Mathe-          Wenn nicht, muss darüber geredet
  ren‘ Tests, machen wir von Anfang an    Schwierigkeits-/Komplexitätsstufen und individuelle Lerngeschwindigkeiten           mauer‘ hängen für jedes Kind individuell und sichtbar die Lerninhalte und Kompetenzerwartungen,       werden.
  (schon ab Klasse 5) transparent, dass   berücksichtigt. Die Beurteilung erfolgt im Idealfall über variable Bewertungs-      die in der Grundschule gelernt werden, aus. So erhalten die Kinder (und auch die Eltern) einen
  wir je nach individuellen Möglichkei-   formen. Darauf abgestimmte Schulgesetze sind hier notwendig.                        Überblick darüber, was sie noch lernen werden. In einer regelmäßigen und persönlichen Beratung        Und wenn Konflikte entstehen, dann
  ten des Einzelnen auch unterschiedli-                                                                                       schätzen Schüler mithilfe des Lehrers ein, was sie schon sicher können oder was wiederholt bzw.       sollte man aufmerksam die Ursache
  che Anforderungen stellen.              ∙ Machen Sie die Entwicklungspotenziale Ihrer Schüler ausfindig. Überlegen Sie      neu erarbeitet werden sollte.                                                                         suchen und offen beiden Seiten zuhö-
  Diese Arbeitsweise ist nur als Team       sich, welche Kompetenzen Ihre Schüler haben: Welcher Schüler arbeitet be-         Beim gemeinsamen Unterrichtsbeginn wird ein Tagesplan erstellt, der den Schülern die Orientie-        ren. Kinder mit Behinderung brauchen
  zu schaffen! Eine gute Teamarbeit         sonders strukturiert? Welcher Schüler lernt eher auditiv, welcher eher visuell?   rung erleichtert. In der Freiarbeit arbeiten die Schüler in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit an   zuweilen Schutz. Aber sie brauchen
  kann sehr entlastend sein. Doch auch      Kommunizieren Sie diese Stärken offen, denn dann verstehen Schüler, warum         ihren individuell vereinbarten Lernzielen. Dabei überlegen sie selbst, was sie heute lernen wollen,   vor allem das tägliche Miteinander,
  hierfür benötigt man zusätzliche          manche Mitschüler häufiger mit spielerischen und andere eher mit textbezo-        und entscheiden, wie sie es lernen wollen. Ist eine Lerneinheit erfolgreich beendet worden, gibt es   um ihren Platz in der Gesellschaft zu
  Zeit für gemeinsame Planungen und         genen Aufgaben arbeiten.                                                          eine Urkunde für das Lerntagebuch.                                                                    finden.“
  Absprachen.“                            ∙ Setzen Sie in Gruppenarbeit Schüler mit unterschiedlichen Kompetenzen             Im Sachunterricht wird je nach individueller Voraussetzung die Herangehensweise zu einem
                                            zusammen: So können Schüler, die Inhalte bereits verstanden haben, andere         Thema differenziert angeboten. Ein Beispiel: Bei dem Thema ‚heimische Tiere‘ können die Schüler       Eva-Maria Thoms,
  Manfred Wagner,                           unterstützen und dadurch das eigene Verständnis des Gelernten vertiefen.          wählen, ob sie mit Bildmaterial, einem Fachtext/Sachbuch oder einem Hörbeispiel das Thema be-         Vorsitzende mittendrin e. V. und
  Lehrer                                  ∙ Lehnen Sie Ihre Leistungsbewertung an die unterschiedlichen Kompetenzen           arbeiten. Am Ende einer Lerneinheit (egal ob im Sachunterricht in den Fächern oder der Freiarbeit)    Mutter einer Tochter mit Trisomie 21
                                            und Entwicklungspotenziale Ihrer Schüler an und machen Sie diese                  berichten sie von ihren Ergebnissen und überprüfen, was sie heute gelernt haben.“
                                            transparent.
                                                                                                                              Uschi Brockerhoff, Rektorin

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InkluSIon: Schule für alle geStalten
→ Material- und Linksammlung

                                                  ∙ Booth, Tony; Ainscow, Mel: Index für Inklusion. Lernen und Teilhabe in der
                                                    Schule der Vielfalt entwickeln.
                                                      www.eenet.org.uk > Newsletters and Resources > Countries > Germany

                                                  ∙ Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft (Hrsg.): Inklusion vor Ort. Der Kom-
                                                    munale Index für Inklusion – ein Praxishandbuch.
                                                      www.kommunen-und-inklusion.de > Arbeitsbuch

                                                  ∙ Klemm, Klaus: Gemeinsam lernen. Inklusion leben. Status Quo und Heraus-
                                                    forderungen inklusiver Bildung in Deutschland.

                                                  ∙ Klemm, Klaus; Preuss-Lausitz, Ulf: Auf dem Weg zur schulischen Inklusion
                                                    in Nordrhein-Westfalen. Empfehlungen zur Umsetzung der UN-Behinderten-
                                                    rechtskonvention im Bereich der allgemeinen Schulen.
                                                       www.schulministerium.nrw.de > Inklusion, Gemeinsames Lernen
                                                       > Zum Gutachten
Impressum                                         ∙ www.inklusionspaedagogik.de – Informationsportal und Literatursammlung
                                                    zum Thema Inklusionspädagogik.
herausgeber:
Aktion Mensch e. V.                               ∙ www.inkoe.de – Informationsportal der Universität zu Köln zum Themen-
Heinemannstr. 36                                    schwerpunkt integrative/inklusive Bildung.
53175 Bonn
www.aktion-mensch.de                              ∙ www.vielfalt-in-bildung.de – Internetseite zur Förderung des Ausbaus inklusi-
                                                    ver Bildung und Erziehung in Deutschland.
Verantwortlich: Sandra Vuković
Projektleitung: Karin Jacek                       ∙ www.unesco.de/inklusive_bildung.html – Internetseite der Deutschen
(karin.jacek@aktion-mensch.de)                      UNESCO-Kommission mit Hintergrunddokumenten zur inklusiven Bildung in
Mitarbeit: Lena Schmitz                             Deutschland, Europa und weltweit.
(lena.schmitz@aktion-mensch.de)
                                                  ∙ www.eine-schule-fuer-alle.info – Internetseite des Kölner Elternvereins
In Zusammenarbeit mit dem                           „mittendrin e. V.“, der sich für inklusive Bildung einsetzt.
Lehrstuhl Pädagogik und Didaktik
bei Menschen mit geistiger Behinderung
Prof. Dr. Kerstin Ziemen
                                                  → Angebote der Aktion Mensch
Universität zu Köln
                                                  ∙ www.aktion-mensch.de – Internetseite mit Informationen zu Förderung,
                                                    Aufklärungsarbeit und Lotterie der Aktion Mensch.
bildnachweis:
Shutterstock (Seiten 1, 5, 8); Aktion Mensch
                                                  ∙ www.aktion-mensch.de/unterricht – Übersicht über die kostenlosen Bil-
(Seite 3); suze/photocase.com (Seite 7)
                                                    dungsmaterialien der Aktion Mensch zu den Themen Inklusion, Behinderung,
                                                    Bioethik und Armut.
hinweise:
Wir erklären mit Blick auf die genannten
                                                  ∙ www.aktion-mensch.de/familienratgeber – Online-Wegweiser für Menschen
Internet-Links, dass wir keinerlei Einfluss auf
                                                    mit Behinderung und ihre Angehörigen sowie die sie betreuenden und bera-
die Gestaltung und Inhalte der Seiten haben
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und uns deren Inhalte nicht zu eigen machen.

Bei Nennung mehrerer Personen (z. B. Schü-        → Über die Aktion Mensch
ler, Lehrer) wird im Text die männliche Form
benutzt. In diesen Fällen sind auch immer         Die Aktion Mensch ist die größte private Förderorganisation im sozialen Bereich
Mädchen und Frauen gemeint.                       in Deutschland. Die Soziallotterie wurde 1964 als Aktion Sorgenkind gegründet
                                                  und 2000 in Aktion Mensch umbenannt. Zu ihren Mitgliedern gehören: ZDF,
Stand: Januar 2012                                Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie, Der Paritätische
                                                  Gesamtverband, Zentrale Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Der Verein
                                                  unterstützt mit seinen Erlösen jeden Monat bis zu 1.000 soziale Vorhaben der
                                                  Behindertenhilfe und -selbsthilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe. Möglich
                                                  machen dies etwa 4,6 Millionen Loskäufer der Aktion-Mensch-Lotterie.
                                                  www.aktion-mensch.de
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