Königliches in Sternsingerkassen - 13,4 Mio - Dreikönigsaktion
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Das Infomagazin der
Dreikönigsaktion
www.dka.at
Die 2020er:
Ausnahme-
jahre
S. 6
einer gerechten Welt
13,4
Mio.
in Sternsingerkassen
königliches
DANKE!2 ê INHALT/AKTUELL
03 In Zeichen gesetzt
04 Rückblick: Sternsingen 2021
06 Die 2020er: Ausnahmejahre
08 Jahr gegen Kinderarbeit
09 Lieferkettengesetze stoppen Kinderarbeit
10 Nachhaltig leben: Magdalena kauft nix
11 Life(with)Style
12 Projekt & Partner/in
DIÖZE SEN SPEN DEN 2020
Wien 2.324.723,33 €
St. Pölten 1.221.517,06 €
Linz 3.003.790,78 €
Salzburg 1.040.806,74 €
Innsbruck 1.168.082,34 €
Feldkirch 745.998,03 €
Klagenfurt 1.104.422,61 €
Graz 2.001.210,04 €
Eisenstadt 707.817,54 €
bundesweite Spenden 53.487,42 €
Gesamt 13.371.855,90 €
Diözesanbüros der Katholischen Jungschar: Erzdiözese Wien, Tel.: 01/51552-3396, E-Mail: dlwien@jungschar.at • Diözese St. Pölten, Tel.: 02742/324-3359, E-Mail: stp.sternsingen@kirche.at
Diözese Linz, Tel.: 0732/7610-3342, E-Mail: dka@dioezese-linz.at • Erzdiözese Salzburg, Tel.: 0662/8047-7580, E-Mail: kath.jungschar.sbg@kirchen.net • Diözese Innsbruck, Tel.: 0512/2230-4662,
E-Mail: dka@dibk.at • Diözese Feldkirch, Tel.: 05522/3485-7133, E-Mail: dka@kath-kirche-vorarlberg.at • Diözese Gurk-Klagenfurt, Tel.: 0463/5877-2481, E-Mail: ka.kjs-dka@kath-kirche-kaernten.at
Diözese Graz-Seckau, Tel.: 0316/8041-279, E-Mail: dka@graz-seckau.at • Diözese Eisenstadt, Tel.: 02682/777-289, E-Mail: kj.kjs@kath-kirche-eisenstadt.at
Bundesbüro Dreikönigsaktion: Tel.: 01/4810991, E-Mail: office@dka.at
Impressum: Herausgeberin und Verlegerin: Dreikönigsaktion, Hilfswerk der Katholischen Jungschar, Wilhelminenstraße 91/2 f, 1160 Wien Redaktion: Christian Herret Mitarbeit: Teresa Millesi, Georg
Bauer, Silvia Kreczy, Matthias Kötter, Andrea Kadensky, Martina Podeprel, Herbert Wasserbauer Layout: Helmut Habiger Titel-Montage: Matthias Kötter Korrektorat: Coralie Riedler Fotos: IDAM, Yachay
Chhalaku, ASSIST, IRPAA, CIMI, DOR, DBFSD, Funarte, SKS, Arquivo Renser, NERSWN, Vanessa Rachlé, Heinz Stanger, Tom Weilguny, Privat Herstellung: Druckerei Schmitz ZVR: 405326502EDITORIAL ê 3
In Zeichen gesetzt
BETREFF:
WAS KOMMT JETZT?
Was für ein herausforderndes Jahr! Die Pandemie hat uns viel
abverlangt – und dennoch war das Jahr auch gefüllt mit schönen
Momenten. In dieser Ausgabe wollen wir einen Rückblick wagen auf die
Arbeit des letzten Jahres. Die Organisation der Sternsingeraktion war
geprägt von Zeitdruck, ständigem Austausch und großer
Planungsunsicherheit. Nichtsdestotrotz waren die Energie und Freude
daran ungebrochen. Vor welchen konkreten Herausforderungen die
Pfarren standen und wie sie darauf reagiert haben, lest ihr auf Seite 4. An
dieser Stelle möchte ich ein großes Dankeschön an alle Pfarren
aussprechen, die sich so viel Mühe gegeben haben, auch unter den
diesjährigen Umständen die Sternsingeraktion möglich zu machen. Und ich
möchte mich natürlich auch bei all unseren Spenderinnen und Spendern
bedanken, wir haben zahlreiche Rückmeldungen bekommen, dass die
seit klein auf mit dabei – übe
Kinder heuer besonders herzlich (mit Abstand natürlich) empfangen wurden. die Pfarre Pötzleinsdorf, Wie r
Eine große Motivation fürs nächste Jahr! Diözesanleitung, jetzt auf Bunner
ebene; gebürtige Kärntnerin des-
Aber nicht nur die Sternsingeraktion war von den Coronabedingungen lange in Wien gelebt und ,
2017 in Innsbruck als Kulturseit
betroffen, auch die Arbeit mit unseren Projektpartner/innen hat sich durch die
Literaturwissenschaftlerin - und
Pandemie verändert, zudem müssen wir mit einem Spendenrückgang rechnen. Forschung zu Landkonfliktetätig,
Andrea erzählt euch mehr dazu, was das für unsere Arbeit bedeutet (Seite 6). Lateinamerika und n in
grundsätzlichen Fragen der
Es war also ein Jahr voller Herausforderungen, aber: Was kommt jetzt? Verantwortung für unsere
Hobbys: Berg und See Welt;
Viel hört man vom Wunsch, zurück zur Normalität zu finden. Auch von einer
„neuen Normalität“ war mal die Rede, wobei damit eher das Gewöhnen an die
derzeitigen Einschränkungen gemeint war. Nicht unbedingt eine motivierende
Zukunftsvision. Lasst uns diese Zeit des Umbruchs lieber nutzen, um neue
Wege zu entdecken. Was ist euch wichtig, was wollt ihr verändern? Bei euch im Kleinen oder auch im
Großen? Magdalena liefert dazu schon mal erste Ideen und Erfahrungsberichte (Seite 10). Der Frühling
ist die Zeit des Wachsens, woran wollt ihr wachsen?
Es gibt so vieles, das wir als Weltgemeinschaft besser machen können. Und auch müssen, damit wir
zukünftigen Generationen einen lebenswerten Planeten hinterlassen können. Lasst uns diese
Veränderungen angehen. Lasst uns mutig einfordern, dass sich endlich was bewegt. Dass unser
Wirtschaftssystem sozial gerechter gestaltet wird und Missstände wie Kinderarbeit endlich Geschichte
werden (Seiten 8 und 9).
Corona hat nicht zuletzt gezeigt: So vieles, was wir für unverrückbar hielten, ist mit vereintem Willen
dennoch möglich geworden. Mit diesem Wissen wollen wir 2021 zum Aufbruchsjahr machen. Es gibt viel
zu tun, wir freuen uns drauf!
„Würdest du mir bitte sagen,
wie ich von hier aus weitergehen soll?''
„Das hängt zum großen Teil davon ab,
wohin du möchtest“, sagte die Katze.
(Alice im Wunderland)
Teresa Millesi
Bundesvorsitzende der Katholischen Jungschar
teresa.millesi@kath.jungschar.at4 ê STERNSINGERAKTION 2021
Ein Rückblick
STERNSINGEN Mit „Sternsinger-Hygiene-
konzept“ sicher und erlaubt.
2021
Schon im Vorfeld der Sternsingeraktion war klar: Wenn wir
auch heuer inmitten der Coronapandemie den Segen und
die Anliegen der Sternsinger/innen zu den Menschen
bringen wollen, dann müssen wir mutig verschiedenste
Wege gehen. Gemeinsam haben wir die schwierigste
Sternsingeraktion aller Zeiten geschafft. Für den großen
Einsatz und die Kreativität der Pfarren, den intensiven
Austausch aller Beteiligten und die großzügigen Spenden
sagen wir DANKE!
Sternsingen verboten?!
terium hat´s
Pfarren, die das traditionelle Sternsingen unter Coronabe- Das Gesundheitsminis
rnsingen bei Minister
dingungen durchführten, hielten sich vorbildlich an die erlaubt: Ste
strengen Vorgaben, und die Resonanz bei den besuchten Anschober.
Menschen war äußerst positiv. Ein spezielles „Sternsinger-
Hygienekonzept“ hat die Sternsingerbesuche möglich ge-
macht, allerdings mit strengen Sicherheitsbestimmungen:
kein Singen beim Sternsingen, keine Wohninnenräume be-
treten, Mindestabstand einhalten, Mund-Nasen-Schutz tragen.
Viele Pfarren führten aber auch eine etwas andere Stern-
singeraktion durch. Der Segen wurde mit Flugzettel und
Erlagschein per Post ausgetragen oder den Pfarrzeitungen
beigelegt. Es wurden Könige aus Holz getischlert und Stern-
singerkassen von Kindern bemalt, diese standen dann mit
Infomaterial bestückt vor Geschäften. In Kirchen wurden
„Sternsinger-Ecken“ hergerichtet, wo Säckchen mit Weih-
rauch und Segenskleber zur Abholung bereitlagen. Manche
Pfarren gestalteten einen Sternsinger-Rundgang mit Ker-
zenlicht und kleinen Holzkronen zum Mitnehmen. Kreativität an der Basis am
Dieser beeindruckende Einsatz in den Pfarren wurde Beispiel Pfarre Wilhelmsburg.
durch eine österreichweite Postwurfsendung und eine Bei-
lage in allen Kirchenzeitungen ergänzt.
Sternsingen 2.0 – der Segen findet immer seinen Weg!
Ein weiterer Weg führte uns online. So hieß die weihnacht-
liche Botschaft fortan „Frieden den Menschen auf Erden –
und im Internet“.
Schon große Teile der Sternsingeraktionsvorbereitung
passierten online. Besonders bereichernd waren die Online-
Austauschtreffen mit Pfarr- und Diözesanverantwortlichen.
Diese Leitung wollen wir auch zukünftig offenhalten. Auch
der Kontakt zu denen, für die gesammelt wird, war heuer
online: „Was passiert in eurem indischen Kinderparlament?“,
„Wieso sind bei euch Kühe heilig?“ Solche und weitere Fra-
gen stellten Sternsinger-Kindergruppen unseren indischen
Friede
Unser Motto für #Stern21:
en auf Erden … und im
den Mensch
Internet!STERNSINGERAKTION 2021 ê 5
Projektpartner/innen mittels Videodialog, da die altbewährten Besu-
che der Partner/innen in Schulen und Pfarren heuer leider ausfallen
mussten.
„Wenn wir nicht selbst in die Wohnzimmer der Menschen gehen kön-
Video der Sternsinger/innen der nen, um für sie zu singen und ihnen den Segen zu bringen, dann
Pfarre Altach (Diözese Feldkirch)
. wollen wir sie zumindest über die Computerbildschirme, Smartpho-
nes und Tablets besuchen – aber wie stellen wir das an?“
Auf diese Frage wurden in ganz Österreich viele verschiedene Ant-
worten gefunden.
Engagierte Pfarrgruppen erstellten Videos ihrer Sternsinger/in-
nen und brachten diese über die Pfarrwebseiten, über Facebook und
Instagram und über gute alte Mailverteiler unter die Leute. Auch auf
so manchem aufgestellten Holzkönig klebte ein QR-Code, der mit
dem Handy gescannt werden konnte, um direkt zum Sternsinger
video der Pfarre zu gelangen.
Auch auf www.sternsingen.at lautete das Motto „Schicke den Se-
gen weiter“. Dort konnte man sich eine eigene personalisierte Video-
grußbotschaft erstellen. So wurden über 8.000 einzigartige Videos
erstellt, mit denen die Menschen ihre virtuellen Sternsingergrüße
und guten Wünsche fürs Neue Jahr an Freund/innen und Familien
schickten. Auch der Segenskleber konnte heuer auf Sternsingen.at
Über 8.000 virtuelle Sternsin- bestellt werden, über 4.000 Segensbriefe haben wir verschickt. Und
gergrüße wurden verschickt! zu guter Letzt war auch unsere Online- Sternsingerkassa 24/7 geöff-
net.
Eine große Hilfe für die Sternsinger/innen und ihre Anliegen wa-
ren auch heuer Promis, Politiker/innen und Medien, die auf ihren
Social Media Seiten über die Sternsingeraktion geschrieben haben.
Sie machten auf die schwierigen Bedingungen der Aktion, aber auch
auf die umso größere Notwendigkeit, zu spenden, aufmerksam. Und
dankenswerterweise wurde die virtuelle Sternsingerkassa auf
www.sternsingen.at großzügig befüllt.
Rückblickend ist klar: Auch die beste und kreativste Aktion im In-
ternet kann keinen persönlichen Besuch einer Sternsingergruppe
ersetzen. Doch es war überwältigend, wie in ganz Österreich aus der
Not eine Tugend gemacht wurde, wie so viele neue Ideen und Kon-
zepte in wenigen Wochen auf die Beine gestellt wurden, ja, ganze
Videoproduktionen aus dem Boden gestampft wurden! Es hat sich
gezeigt: Das Internet kann es den Sternsinger/innen ermöglichen,
Unsere neuen Sternsingerst
icker den Segen auch denen zu bringen, die ihn auf anderem Wege nicht
wurden auf Insta, WhatsA
pp und
Co. eingesetzt … bekommen können. Das wollen wir uns auch für die Zukunft mitneh-
men. Der Segen findet immer einen Weg!
Das Spendenergebnis
Klar ist, der Spendenrückgang ist deutlich kleiner als im Vorfeld be-
fürchtet. Natürlich werden die Spenden gerade heuer besonders drin-
gend gebraucht, da nahezu alle Menschen in unseren Partnerprojek-
ten von der Coronapandemie betroffen sind. Teils von der Krankheit
selbst oder von massiven Ausfällen beim täglichen Einkommen, was
das Überleben besonders der armen und sozial nicht abgesicherten
Menschen im globalen Süden drastisch bedroht.
Für die Sternsingeraktion 2022 hoffen wir, dass diese wieder auf
traditionelle Weise durchgeführt werden kann – ergänzt jedoch
durch die wunderbaren neuen Ideen, die durch die Coronakrise ent-
standen sind.
Unser neuer Film „Sternsingen: Zeit – georg.bauer@dka.at, silvia.kreczy@dka.at, matthias.koetter@dka.at –
für Heldinnen und Helden“ wurde
fast 30.000-mal angeschaut.6 ê PROJEKTARBEIT
Die 2020er:
AUSNAHMEJAHRE
Covid-19 hat 2020 die Welt mit einem Schlag von Grund auf verändert und unser
Leben auf den Kopf gestellt. Sogar ein Land wie Österreich, eines der reichsten
Länder der Welt mit einem der besten Gesundheits- und Sozialsysteme, kommt
nach einem Jahr Pandemie an seine Grenzen.
Was bedeutet/e die Pandemie für unsere Projektpartner/innen, für die Menschen im
Globalen Süden, von denen viele in nicht funktionierenden Staaten leben?
Wie auch uns hat Corona die Partnerländer völlig unvorbereitet getroffen, kurzfris-
tig angekündigte Lockdowns haben viele Menschen in schwierige Situationen ge-
bracht. So fanden z. B. in Indien Tausende Wanderarbeiter/innen keine Arbeitsmög-
lichkeiten mehr vor, und der Heimweg mit öffentlichen Transportmitteln war auch
nicht möglich.
Gerade Arbeitende im informellen Sektor verloren ihre Einkommensquelle. Die
Angst vor Hunger übertraf die Sorge um die Infektion.
Für Millionen von Kindern bedeutete und bedeutet die Covid-19-Pandemie im-
mer noch Homeschooling, was für viele aufgrund fehlender Endgeräte und Zugang
zu einem funktionierenden Internet eine unlösbare Aufgabe bleibt.
Es besteht die Gefahr, dass diese Kinder und Jugendlichen nicht mehr ins Regel-
schulsystem zurückkehren, weil sie inzwischen andere Aufgaben, zum Teil Er-
werbsarbeit für die Familie, übernommen haben.
Sorge bereitet auch der Anstieg von – vor allem häuslicher – Gewalt. Es verwun-
dert nicht, dass in Zeiten von Angst und Perspektivlosigkeit das Aggressionspoten-
zial wächst, dennoch sind es wieder einmal die Frauen, die auch Ziel von gewaltsa-
men Übergriffen werden.
Unterstützungsprogramme seitens der Regierungen sind kaum vorhanden, eine
„Kurzarbeitsregelung“ oder „Umsatzentschädigung“ können sich Staatshaushalte
im Globalen Süden nicht leisten. Menschen sind auf ihrer Hände Arbeit angewiesen
und brauchen daher mehr denn je (finanzielle) Hilfe von außen.
Wie hat die Zusammenarbeit über Kontinentalgrenzen im globalen Lockdown
funktioniert?
Der erzwungene Digitalisierungsschub hat auch viel Positives bewirkt. Nach an-
fänglichen technischen Schwierigkeiten konnte mit fast allen Projektpartner/innen
online kommuniziert werden. Der direkte Kontakt wurde sogar öfter gewählt, um
sich gegenseitig über die aktuelle Lage zu informieren.
Es war klar, dass Projektaktivitäten nicht wie geplant durchgeführt werden konn-
ten, aber niemand wollte tatenlos zu Hause sitzen. Während der jeweils strengen
Lockdowns haben wir unseren Partner/innen ermöglicht, Personal- und Fixkosten
weiterzubezahlen, doch nach und nach sind auch kreative Ideen entstanden, wie
Projekte „anders“ umgesetzt werden können. Z. B. durch Onlinetrainings, Webinare,
Informationsverteilung über Nachrichten-Apps am Handy oder einfach durch klei-
nere Gruppentreffen mit größerem Abstand.
Nähkurse stellten auf Maskenproduktion um, da diese in allen Ländern benötigt
wurden und somit sogar ein kleines Einkommen generieren konnten.
Unsere Referent/innen haben mehrfach berichtet, dass man mit den Partner
organisationen durch die vermehrte Kommunikation über Skype, Zoom etc. einPROJEKTARBEIT ê7
wenig näher zusammengerückt ist und trotz der Distanz und des
Fehlens von Vor-Ort-Besuchen die Beziehungsebene profitiert hat.
Dennoch hoffen alle, dass der direkte Kontakt und Reisen in unsere
Partnerländer bald wieder möglich sein werden.
Waren unsere Partner/innen auch persönlich betroffen?
Leider gab es auch Betroffene und Todesopfer bei Partnerorganisati-
onen, die Pandemie hat hier nicht haltgemacht, und unser Mitgefühl
gilt den Familien und Angehörigen.
Hat Covid neue Probleme geschaffen, alte verstärkt oder gar welche
gelöst?
Man sagt ja auch, die Pandemie ist wie ein Brennglas, das auf die
Sorgen und Probleme der Welt gerichtet ist. Insofern zeigt die derzei-
tige Gesundheitskrise die Schwachstellen unserer Gesellschaft umso
mehr auf. Schwache Staaten – in Bezug auf politische Führung –, feh-
lende Gesundheitseinrichtungen, schwache Infrastruktur und Bil-
dungssysteme, die viele schon aufgrund der technischen Möglichkei-
ten ausgrenzen, werden nun sichtbar.
Es ist nicht verwunderlich, dass gerade Frauen und Kinder am
meisten betroffen waren vom teilweisen Zusammenbruch des öffent-
lichen Lebens.
Ein Licht der Hoffnung waren aber doch von uns unterstützte Pro-
jekte, die auf den Aufbau von kleinräumlichen Wirtschaftskreisläu-
fen setzen. Allein das Anlegen von Küchengärten hat vielen Familien
ein Überleben mit ausreichend Nahrung gesichert. Wo Gemeinde-
schulen nicht in Betrieb waren, hat informelle Bildung durch Haus-
besuche von Projektmitarbeiter/innen an Bedeutung gewonnen.
Wie geht es weiter in den Projektländern?
Auch wenn es international subventionierte Impfprogramme für alle
Länder gibt, wird die Verfügbarkeit von „Impfstoff für alle“ noch sehr
lange dauern. Die reichen Industrieländer haben sich ihre Rationen
gesichert und der Wille zu einer gerechten Verteilung des medizini-
schen Schatzes ist wohl enden wollend.
Sofern die Infektionszahlen sinken – sie waren beispielsweise in
Afrika nie sehr hoch – werden viele Länder zu einer neuen Normalität
zurückkehren. Was das konkret bedeutet, ist noch nicht ganz ab-
schätzbar.
Die Sternsingeraktion hat – auch aufgrund von Covid – einen massiven
Spendeneinbruch erlitten, Was bedeutet das für die Sternsingerpro-
jekte, für unsere Projektpartner/innen?
Der Spendenrückgang ist natürlich sehr bedauerlich, aber nicht un-
erwartet.
Wir haben bereits im Herbst 2020 gemeinsam mit unseren Projekt-
partner/innen begonnen, an Einsparungsmöglichkeiten zu arbeiten,
damit Gutes in diesem Jahr auch mit wenigem bewirkt werden kann.
Ich persönlich hoffe, dass wir uns aus der eigenen Betroffenheit
heraus mehr der Solidarität für andere besinnen.
– andrea.kadensky@dka.at –8 ê KINDERARBEIT STOPPEN
– AKTION –
2021
Einreichungen von Stopp-Händen,
JAHR GEGEN
bemalt oder anders kreativ gestaltet,
gerne mit einer persönlichen
Botschaft an die Politik, werden
KINDERARBEIT
ab sofort gesammelt und können
unter kinderarbeitstoppen@dka.at
eingesendet werden. Wir wollen
möglichst viele Symbolhände an
die österreichische Regierung über
geben, sei jetzt dabei!
Kannst du dich an letztes Jahr im Juni erinnern? Nicht nur an die
Lockerungen nach dem ersten Lockdown, sondern an den viralen
Aufruf, Kinderarbeit weltweit zu stoppen? Wie in den Medien die
brisante Problematik von ausbeuterischer Kinderarbeit
flächendeckend thematisiert wurde? Heuer beginnt der Auftakt
zur Kampagne mit der Fasten- und Osterzeit und erstreckt sich
– KINDERARBEIT FASTEN –
mit vielen Mitmachaktionen über das gesamte Jahr 2021 – denn
auch du kannst Kinderarbeit stoppen!
Die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar setzt sich zu-
sammen mit einem Bündnis engagierter Organisationen zum Tag
gegen Kinderarbeit am 12. Juni ein: Fairtrade, Weltumspannend
Arbeiten – der entwicklungspolitische Verein des ÖGB, die Kin-
dernothilfe, Butterfly Rebels und Jugend Eine Welt lancieren eine
gemeinsame Straßen- und Mitmachaktion für alle, die aktiv wer- 40 Tage die Welt verändern
den und politische Entscheidungsträger/innen zum Handeln auf- Mit diesem Motto ruft die Jungschar dazu auf,
rufen wollen. Konsumentscheidungen nachhaltig zu überdenken.
https://fastengefuehle.wordpress.com/
Du hast es in der Hand – gemeinsam Kinderarbeit stoppen!
Heuer erreicht die Initiative durch das Internationale Jahr gegen
Kinderarbeit besonderes Momentum. Die Dringlichkeit wird
durch die Covid-19-Pandemie drastisch verschärft. Die globale
Krise hat starken Einfluss auf das Leben von Kindern und Jugend-
– MACH DICH STARK ... –
lichen weltweit und wirkt sich negativ auf Grundrechte wie das
Recht auf Bildung, Gesundheit und Nahrung aus. Zum ersten Mal
seit 20 Jahren steigt Kinderarbeit wieder an.
Durch Hilfsprojekte in Indien und Ghana werden zielgerichtete
Programme zum Schutz der Kinder in die Wege geleitet und kon-
krete Alternativen und Wege zur Verhinderung von Kinderarbeit
aufgezeigt. Kinder sollten nicht arbeiten, sondern haben ein Recht
auf Spiel, Freizeit und Erholung. Die Dreikönigsaktion setzt sich
auch dafür ein, dass in Österreich gehandelt wird: Neben Bil-
dungsarbeit zu nachhaltigem Konsum fordert das Hilfswerk der
Katholischen Jungschar ein Gesetz, dass Ausbeutung aus globa-
len Liefer- und Wertschöpfungsketten verbannt wird. ... für fairen Kakao!
Aktionspaket und Workshop-Materialien für Sieben bis 14-Jähri- Fairtrade startete im März die Sweet Revolution.
ge sowie für Erwachsene unter www.kinderarbeitstoppen.at. Menschen erheben ihre Stimme mit einem Protestslo-
gan gegen den bitteren Beigeschmack von Schokolade
und Co. Denn Kinderarbeit ist auch in heimischen
Kakaoprodukten versteckt. Informiere dich über das faire
– martina.podeprel@dka.at – Produktsiegel: www.fairtrade.atKINDERARBEIT STOPPEN ê 9
Menschenrechte
LIEFERKETTEN-
GESETZE STOPPEN
KINDERARBEIT
Ausbeuterische Kinderarbeit ist verboten – durch internationale Konventionen
und nationale Gesetze vieler Länder. Dennoch gibt es sie! Viele große Konzerne
haben sich freiwillig verpflichtet, etwas gegen Kinderarbeit zu unternehmen,
allerdings folgen nach solchen Ankündigungen zu wenige konkrete Maßnahmen.
Es ist daher Zeit für einen neuen, wirksamen Ansatz: Staaten wie Österreich und
die Europäische Union tragen über ihre Importe von Produkten, in denen Kinder-
arbeit steckt, eine Mitverantwortung. Durch das Erlassen von Gesetzen können
sie Unternehmen dazu verpflichten, „menschenrechtliche Sorgfaltsprüfungen“
vorzunehmen. Dadurch übernehmen sie Verantwortung dafür, dass die Men-
schenrechte – und dazu gehört das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit – in glo-
balen Lieferketten eingehalten werden.
Erfreulicherweise geht derzeit ein Ruck durch Europa: Frankreich hat sich schon
2017 ein umfassendes Sorgfaltspflichtengesetz gegeben. In den Niederlanden
wurde 2019 ein spezifisches Gesetz zur Bekämpfung von ausbeuterischer Kinder-
arbeit verabschiedet. In Deutschland hat sich die Regierungskoalition unlängst
auf einen Vorschlag für ein Lieferkettengesetz geeinigt. Zivilgesellschaftliche Or-
ganisationen hoffen noch auf Verbesserungen im parlamentarischen Prozess. Am
10. März hat das EU-Parlament mit überwältigender Mehrheit für einen Initiativ-
bericht gestimmt und damit die Kommission aufgefordert, einen ambitionierten
Vorschlag für ein europäisches Lieferkettengesetz vorzulegen.
Und in Österreich? Auch hierzulande scheint die Thematik in Öffentlichkeit und
Politik angekommen zu sein. Die SPÖ hat dem Parlament einen Vorschlag für ein
„Sozialverantwortungsgesetz“ vorgelegt. Darüber hinaus haben Vertreter/innen
von ÖVP, SPÖ, Grünen und Neos in unterschiedlicher Akzentuierung zum Aus-
druck gebracht, dass sie in der Sache Handlungsbedarf sehen.
Unter dem Slogan „Menschenrechte brauchen Gesetze – damit Lieferketten
nicht verletzen!“ hat sich eine ganze Reihe zivilgesellschaftlicher Organisationen
zusammengefunden und fordert die Bundesregierung zu einem dreifachen Ak-
tivwerden auf: Die Regierung kann und soll …
• ... ein ambitioniertes europäisches Lieferkettengesetz unterstützen und voran-
treiben.
• ... konstruktiv zum derzeit im Rahmen der UNO verhandelten verbindlichen
Abkommen zu Wirtschaft und Menschenrechten beitragen.
• ... einen Entwurf für ein starkes österreichisches Lieferkettengesetz vorlegen.
Auf www.menschenrechtebrauchengesetze.at wurde für dieses Anliegen
eine Petition gestartet. Mach auch du mit!
Kinderarbeit verletzt die Rechte der Kinder auf eine Kindheit ohne Gewalt und
Ausbeutung, zerstört Zukunftschancen, verfestigt Armut und verhindert eine
nachhaltige Entwicklung. Regierungen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft müssen
an einem Strang ziehen: Lassen wir Kinderarbeit Geschichte werden!
– herbert.wasserbauer@dka.at –10 ê LIVE SIMPLY
Nachhaltig leben
MAGDALENA
KAUFT NIX
Kleidertauschpartys statt
Ein Jahr ohne neue Kleidung, ohne neue Schuhe, Schmuck oder Taschen. Die Shopping
Shoppingdiät nach dem Buch „Ich kauf nix“ von Nunu Kaller (siehe Seite 11) hat
das Leben von Magdalena nachhaltig verändert.
Wie bist du auf das Buch gekommen?
Das Buch habe ich vor ein paar Jahren zu Weihnachten von meinem Freund
geschenkt bekommen – und noch vor Silvester zu lesen begonnen. Ich habe mich
sehr schnell – schon Anfang Jänner – entschieden, die „Ich kauf nix“-Jahres
challenge auszuprobieren.
Worum geht’s bei „Ich kauf nix“ – was musst du tun?
Die Aufgaben sind: erstens ein Jahr lang keine neuen Kleidungsstücke, keine
Schuhe, keine Handtaschen – alles, was halt in diese Kategorie reinfällt, zu kau-
fen. Alles, was man selber macht, ist in Ordnung – nähen, stricken, häkeln – und
man darf Gewand tauschen. Ich habe mir selbst erlaubt, auch in Secondhandlä- Einst Kleid – jetzt neuer Rock
den einzukaufen. Zweitens: sich während dieses Jahres auch mit der Thematik
auseinanderzusetzen, wie unsere Kleidung produziert wird.
Was hat dir in dem Jahr gefehlt?
Was ich festgestellt habe, ist, dass Shoppen eine Freizeitbeschäftigung mit
Freundinnen ist – und das hat mir schon gefehlt. Bis wir auf die Idee gekommen
sind, Kleidertauschpartys zu veranstalten.
Wie hat deine Umwelt reagiert? Deine Familie?
– ZUR PERSON –
Mein Freund hat mich voll unterstützt – hat es auch ausgehalten, wenn ich ein
bissi gejammert hab, wenn ich irgendwo schöne Schuhe oder so was gesehen
hab. Meine Mutter war oft genervt, weil ich angefangen habe, mit ihr zu disku-
tieren, wenn sie sich was Neues gekauft hat. Ich wollte nicht „gescheit daherre-
den“, aber durch die Auseinandersetzung mit den Produktionsbedingungen
habe ich mitbekommen, dass da Menschen oft zu einem Hungerlohn schuften
müssen, und dass die Folgen dieses Wegwerfkonsums für unser Klima katastro-
phal sind.
Hat sich dein Leben nachhaltig verändert?
Ja, und wie! Ich kauf kaum noch Gewand neu. Ich kann dir jetzt in jedem Jahr
die Kleidungsstücke aufzählen, die ich mir gekauft hab – weil es so wenige sind.
Magdalena Guttmann kommt aus und lebt in Schwechat
Ich mache regelmäßig mit Freundinnen Kleidertauschpartys und ändere Klei-
und ist Pastoralassistentin im Pfarrverband Fischatal
dungsstücke, die mir nicht mehr gefallen. Ich bin draufgekommen, dass ich
Nord in Niederösterreich.
wahnsinnig viel habe. Bei vielem, was mir nicht mehr an mir gefällt, hab ich
gesehen, dass die Sachen jemand anderem passen und gefallen und jemand an-
derer damit sehr glücklich ist. Und das macht mich wiederum froh.
– christian.herret@dka.at –LIFE(WITH)STYLE ê 11
LIFE(WITH)STYLE
– AUSZEICHNUNG –
FAIRCOOKING
REZEPTE FÜR EINE GERECHTE WELT
REISFRÜHSTÜCK
Zutaten:
1 kleine Tasse Basmati-Reis
1 kleine Tasse Hirse
1 kleine Tasse Amaranth
Gewürze nach Belieben:
Zimt, Kardamom, Safran...
Reismilch oder Kokos-Reismilch
207 NOMINIERUNGEN Cashewnüsse
Trockenfrüchte nach Wahl: Foto: Steiner-Janesch/Weltladen.at
AUS 45 LÄNDERN UND Mangos, Ananas, Bananen...
1) Getreide kalt abspülen, bei geringer Hitze ein paar
6 KONTINENTEN Apfel
Honig
Minuten linden (umrühren!). Boden bedeckt mit
Wasser aufgießen und köcheln lassen.
2) Wenn das Wasser aufgesogen ist, mit Reismilch wei-
Ende März wurde der „Catalyst 2030 Award“ für ter aufgießen bis das Getreide gar ist (ca. 20 min.)
Errungenschaften rund um die Nachhaltigkeitsziele
3) Mit klein geschnittenem Apfel, Trockenfrüchten
der Vereinten Nationen, die SDGs, von einer hoch- und Nüssen servieren, nach Geschmack mit Honig
rangigen Jury vergeben. Die Dreikönigsaktion war süßen.
bei diesem globalen Event unter der Rubrik „Small Rezept: Tipp: Das Getreide lässt sich auch gut auf Vorrat kochen
Edith Steiner-Janesch und kann für 2-3 Tage luftdicht verschlossen im Kühl-
Donor Organisation“ nominiert – und konnte einen
Weltladen Klagenfurt schrank aufbewahrt werden. Viel Fairgnügen!
Anerkennungspreis erreichen.
Die Zutaten findest du unter anderem beim Weltladen in deiner Stadt.
Mehr Infos auf www.weltladen.at!
– SURFTIPP –
t
www.suedwind-buchwelt.a
Nunu Kaller
Ich kauf nix!
Kiepenheuer & Witsch (2013)
272 Seiten - 10,30€
Für viele wäre es wohl die
CC BY-NC 2.0 DW Akademie – Africa auf Flickr Höchststrafe. Die junge
Wienerin Nunu Kaller
ES IST NICHT ALLES macht es freiwillig: ein Jahr
Shoppingboykott, ein Jahr
GOLD, WAS GLÄNZT ... ohne neue Kleidung, ohne
neue Schuhe, Schmuck oder
Taschen. Aber ein Jahr voll neuer Styling-Ideen,
mit Spaß am Selbermachen - und jeder Menge
... und nicht jedes Gold zeugt von Schönheit. Unsere
neuer Lebensenergie. Am Ende des Jahres wird
Pastoralreferentin Sr. Anneliese Herzig zeigt die sie natürlich wieder shoppen - und zwar gerne.
Glanz- und Schattenseiten von Gold auf und stellt Aber bewusster und mit gutem Gewissen.
das Projekt „Gold und Kirche“ vor.
Südwind Buchwelt
www.feinschwarz.net/gold-glanz-und-schatten
9, Schwarzspanierstr. 15, Tel.: 01 4054434
buchwelt@suedwind.at www.suedwind-buchwelt.at– SPENDEN IST SOLIDARISCHE UNTERSTÜTZUNG –
Nairobi/Kenia
BILDUNG FÖRDERT WACHSTUM
Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben müssen, lernen viel, was
sie für den täglichen Überlebenskampf brauchen. Um dauerhaft der Armut
zu entkommen, ist aber zweierlei nötig: ein liebevolles Umfeld und gute
Bildung. Unsere Partnerorganisation Resuce Dada betreut die betroffenen
Mädchen in Nairobi/Kenia und ermöglicht Schulbesuch und berufliche
Ausbildung.
Die christliche Botschaft der Nächstenliebe ist ein Boden, auf dem der
Einsatz für notleidende Mitmenschen gut wachsen kann. Firmgruppen in
ganz Österreich setzen das seit 2017 ganz praktisch um und unterstützen
die Mädchen in Nairobi mit der Aktion PopUp WeltHoffen (auf dem Foto in
Innsbruck 2018, heuer coronakonform). Infos dazu auf www.justoneworld.at.
Unterstützen Sie bitte die
Straßenkinder in Kenia – mit
einmaliger Spende oder einem
Dauerauftrag. Herzlichen Dank!
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