PALACKY-UNIVERSITÄT IN OLMÜTZ MASTERARBEIT - PÄDAGOGISCHE FAKULTÄT - Interpretation des Werkes "Der Zauberberg" von - Theses

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PALACKY-UNIVERSITÄT IN OLMÜTZ

               PÄDAGOGISCHE FAKULTÄT

                   Institut für Fremdsprachen

                   MASTERARBEIT

                   Bc. Monika Skálová

    Interpretation des Werkes „Der Zauberberg“ von
                      Thomas Mann

Olomouc 2021         Betreuerin: doc. PhDr. Eva Maria Hrdinová, Ph.D.
Hiermit bestätige ich, dass ich meine Abschlussarbeit selbständig ausgearbeitet und alle
Quellen angeführt habe.

       Olomouc, den ………………………………………
Danksagung

Ich möchte mich herzlich bei der Betreuerin meiner Masterarbeit doc. PhDr. Eva Maria
Hrdinová, Ph.D. für die Ratschläge und Geduld bedanken. Meine herzliche Danksagung
gehört auch Mgr. Marek Bohuš, Ph.D. für die Korrektur. Ich sollte auch auf meine Familie
und vor allem meinen Freund Lukáš Podbehlý nicht vergessen, sie unterstützten mich die
ganze Zeit meines Studiums lang.
Inhaltsverzeichnis

1      Methodologie ............................................................................................................ 7
    1.1      Das Motiv ........................................................................................................... 7
    1.2      Das Thema ......................................................................................................... 8
    1.3      Der Topos/die Topoi .......................................................................................... 8
    1.4      Die Figur ............................................................................................................ 9
    1.5      Der Typ/Typus ................................................................................................... 9
    1.6      Die Liebe .......................................................................................................... 10
2      Thomas Mann ......................................................................................................... 10
    2.1      Thomas Manns Lebensgeschichte.................................................................... 11
    2.2      Thomas Manns Werk im Laufe seines Lebens ................................................ 17
    2.3      Thomas und Katia ............................................................................................ 19
    2.4      Der Zauberer und seine Kinder ........................................................................ 22
3      Der Zauberberg ....................................................................................................... 24
    3.1      Haupttopoi ........................................................................................................ 27
       3.1.1       Die Gemeinde Davos ................................................................................ 27

       3.1.2       Das Sanatorium ......................................................................................... 28

       3.1.3       Sanatorium in Davos ................................................................................. 28

4      Die Motive .............................................................................................................. 29
    4.1      Das Motiv der Krankheit .................................................................................. 29
       4.1.1       Die Tuberkulose ........................................................................................ 30

    4.2      Die Zeit............................................................................................................. 32
    4.3      Das Motiv der geschlossenen Gesellschaft ...................................................... 36
    4.4      Das Motiv des Krieges ..................................................................................... 39
    4.5      Das Motiv des Todes ........................................................................................ 40
5      Das Motiv der Liebe und Sexualität ....................................................................... 44
    5.1      Russisches Ehepaar .......................................................................................... 44
    5.2      Clawdia Chauchat ............................................................................................ 45
    5.3      Hippe ................................................................................................................ 48
    5.4      Doktor Krokowski – Liebe als Krankheit ........................................................ 53
Zusammenfassung .......................................................................................................... 59

                                                                 3
Anotace ........................................................................................................................... 64
Literatur und Quellen ...................................................................................................... 65

                                                                  4
Die Einleitung

Thomas Mann gilt als einer der wichtigsten Autoren der deutschen literarischen Szene.
Sein Werk und vor allem die Botschaften und Gedanken seiner Bücher stellen einen
großen Beitrag für die Weltliteratur dar. Die Wichtigkeit seines Werkes bestätigt sein
Nobelpreis für Literatur. Diese Auszeichnung erhielt Thomas Mann im Jahre 1929.1

Mit dem Thema Thomas Mann befasste ich mich schon in meiner Bachelorarbeit im Jahre
2018. In dieser Arbeit stellte ich mir zum Ziel Thomas Manns Exilzeit
zusammenzufassen, weiter beschrieb ich das Prozess Manns Einbürgerung in Proseč. Den
letzten Teil meiner Bachelorarbeit widmete ich einem der bedeutendsten Werke
von T. Mann – Dem Zauberberg. Ich stellte das Werk vor und schrieb über das Motiv der
Liebe in diesem Werk. Dieses Motiv kann der Leser im Buch sehr deutlich wahrnehmen,
jedoch ist Der Zauberberg sehr reich auch an andere verschiedene Motive. Mit meiner
Masterarbeit möchte ich gerade an die in Bachelorarbeit beschriebene Erkenntnisse
anknüpfen. Ich versuche das Werk detailliert zu analysieren und die Motive zu
erforschen.

Im ersten Kapitel dieser Abschlussarbeit werde ich mich der Methodologie widmen. Mit
der Hilfe der Fachliteratur beschreibe ich die Ausdrücke, die ich für meine Interpretation
des Buches benutzen werde.

Im zweiten Kapitel möchte ich zuerst Thomas Manns Lebensgeschichte präsentieren;
Jugendzeit, Müdigkeit und Leben im Exil bis zu seinem Tod. Weiter werde ich mich mit
seinem Werk befassen. Thomas Manns Werk enthält außergewöhnlich viele Titel, weil
er sehr früh mit seinen schriftlichen Versuchen anfing. Ich erwähne die bedeutende von
diesen und deute die Verbindung von Themen, die Mann öfter benutzte. Dieses Werk
wurde bis zu einem gewissen Maß von seiner Ehefrau Katia beeinflusst, dafür wird ein
Teil dieses Kapitels seiner Frau gehören, vor allem möchte ich an ihre Lungenerkrankung

1
    SKÁLOVÁ, Monika. Thomas Manns Staatsbürgerschaft in Proseč und das Motiv der Liebe in seinem
Werk Der Zauberberg. Olomouc, 2018. Bachelorarbeit. Pedagogická fakulta Univerzity Palackého
v Olomouci. Betreuer Mgr. Jan Kubica, Ph.D. S. 12.
                                                 5
im Kontext Manns Schaffen aufmerksam machen. Den theoretischen Teil der Arbeit wird
der Abschnitt über Manns Kinder abschließen. Hier erkläre ich, warum seine Kinder nur
als „der Zauberer“ den Vater ansprachen und thematisiere die Informationen über Klaus'
Homosexualität vor.

In dem dritten Kapitel werde ich mich auf die Interpretation der Motive im Werk
Der Zauberberg konzentrieren. Es handelt sich konkret und das Motiv der Krankheit, der
Zeit, der geschlossenen Gesellschaft, des Krieges und diese Reihe beendete ich mit dem
Tod.

Das letzte Kapitel wird die Informationen und Analyse über Liebe und Sexualität im
Werk enthalten. Ich möchte Manns Auffassung der Liebe im Werk andeuten. Weiter
beschreibe ich die Verbindung Castorps Liebe zu Madame Chauchat und Pribislav Hippe.
Zum Ende werde ich mich mit dem Thema Liebe als Krankheit befassen und führe die
Ähnlichkeiten des Zauberbergs mit anderen Werken an.

                                          6
1 Methodologie
Im Fokus meiner Arbeit steht das Buch Der Zauberberg, vor allem die Interpretation und
die Erklärung der Motive in diesem Werk. Aus diesem Grund deute ich in diesem Kapitel
alle Ausdrücke und Methoden an, die ich zum Schreiben der Arbeit brauchen werde.
Der Zauberberg ist sehr umfangreiches Werk, das den Lesern einen Einblick in vielen
Themen bringt. Der Leser musste einen gesamten Überblick haben, um die Gedanken zu
verstehen.

Bei der Erklärung werde ich hauptsächlich von Metzler Lexikon Literatur2 und der
Webseite www.duden.de3 ausgehen.

1.1 Das Motiv

Diesen Begriff erklärt Burdorf, Fasbender und Moennighoff als: „[mlat. motivum =
Gedanke, Einfall], kleinste bedeutungsvolle Einheit eines lit. Textes oder selbständig
tradierbares intertextuelles Element (Intertextualität).“4
„Nach der Bedeutung innerhalb eines Textes kann zwischen Haupt- bzw. Kernmotiven,
Neben- und Füllmotiven unterschieden werden.“5
„[bekanntes] allgemeines Thema o. Ä., Bild oder bestimmte Form [als typischer,
charakterisierender Bestandteil] eines Werkes der Literatur, bildenden Kunst o. Ä.“6
Nach der ausführlichen Bedeutung des Motivs in Metzler Lexikon Literatur können wir
sagen, dass das Motiv auf einer Abstraktionsebene liegt und zum Unterschied von dem
Stoff ist es nicht an bestimmte Namen, Orte und Zeiten gebunden.7

2
    BURDORF, Dieter, Christoph FASBENDER und Burkhard MOENNIGHOFF, ed. Metzler Lexikon
Literatur: Begriffe und Definitionen. 3., völlig neu bearbeitete Aufl. Stuttgart: J.B. Metzler, 2007.
3
    DUDEN. Wörterbuch [online]. © Bibliographisches Institut, 2021. erreichbar in: duden.de/woerterbuch
4
    BURDORF, Dieter, Christoph FASBENDER und Burkhard MOENNIGHOFF, ed. Metzler Lexikon
Literatur: Begriffe und Definitionen. 3., völlig neu bearbeitete Aufl. Stuttgart: J.B. Metzler, 2007. S 514.
5
    Ebd. S. 514.
6
    DUDEN. Wörterbuch [online]. © Bibliographisches Institut GmbH, 2021[zit. 6.4. 2021] erreichbar in:
https://www.duden.de/rechtschreibung/Motiv
7
    BURDORF, Dieter, Christoph FASBENDER und Burkhard MOENNIGHOFF, ed. Metzler Lexikon
Literatur: Begriffe und Definitionen. 3., völlig neu bearbeitete Aufl. Stuttgart: J.B. Metzler, 2007. S. 514.
                                                      7
1.2 Das Thema

Die Erklärung von diesem Begriff lautet: „Thema, n. [gr. Théma = das Gesetzte], 1. in
allg. Bedeutung die für einen Text oder Textabschnitt zentrale Problemkonstellation bzw.
der Leitgedanke. – Im Rahmen der komparatisch ausgerichteten Thematologie bezeichnet
>Th.< - in Anlehnung an engl. theme und frz. théme – häufig den Stoff, mitunter auch das
Motiv. In der dt. Lit. Wissenschaft bezieht sich das Th. Auf eine abstraktere Ebene als die
beiden Nachbarbegriffe (z.B. Identität als. Th., Amphitryon als Stoff, Doppelgänger als
Motiv).“8 Es gibt eine engere Grenze zwischen den Unterschieden für die Aufklärung
der Begriffe - das Motiv, das Thema und der Stoff.

1.3 Der Topos/die Topoi

Nach Kraus9 handelt es sich um ein Motiv, Bild oder um ein Gedank- oder
Ausdruckschema, das es in einem bestimmten kulturellen Gebiet gibt und es kommt in
verschiedenen historischen Epochen vor.10 Im Kontext der Literatur unterscheiden wir
zwei Varianten von Topoi - locus amoenus und locus terribilis. Locus amoenus umfasst
einen idyllischen Naturort, der mit einer angenehmen Atmosphäre im Zusammenhang
steht. In dieser Umwelt können auch die erotischen Szenen hervorgehoben werden.11
„Das Gegenstück zum locus amoenus ist der locus terribilis. Es ist ebenfalls ein Naturort,
eine Inszenierung der freien Natur also. In ihm stellen sich jedoch karge und
menschenfeindliche Landschaften in Ödnis und Dürre dar.“12 Diese Orte in den Werken
stimmen mit Emotionen der Figuren im Werk überein.13

8
     BURDORF, Dieter, Christoph FASBENDER und Burkhard MOENNIGHOFF, ed. Metzler Lexikon
Literatur: Begriffe und Definitionen. 3., völlig neu bearbeitete Aufl. Stuttgart: J.B. Metzler, 2007. S. 768.
9
    KRAUS, Jiří. Nový akademický slovník cizích slov A-Ž. Prag: Academia, 2005. S. 808.
10
     Neskl. S  liter. Motiv, obraz, myšlenkové a výrazové schéma sdílené určitou kulturní oblastí v růz.
Historických epochách: hora jako literární t.; topoi – eigene Übersetzung ins Deutsche.
11
     SCHWABL BA, Bettina. „Das Umkippen des locus amoenus in einen locus terribilis – Offenlegung
einer Bruchstelle zwischen Kirche, Welt und Individuum als Spiegel freier Handlungsmöglichkeiten“.
Wien, 2013. Masterarbeit. Deutsche Philologie. Betreuer O. Univ.-Prof. Dr. Matthias MEYER. S. 9.
12
     Ebd. S. 9.
13
     Ebd. S. 9.
                                                      8
1.4 Die Figur

Dieser Begriff gilt als sehr wichtiges Element im Kontext der Arbeit mit einem
literarischen Werk. „Figur, f. [lat. Figura = Gestalt], 1. rhet. Figur 2. durch einen
fiktionalen Text dargestellte Gestalt, der die Fähigkeit zu mentalen Prozessen
zugeschrieben wird. – F.en stehen meist in engem mimetischen Bezug zum Menschen,
können aber auch zoomorpher, künstlicher oder übernatürlicher Art sein.“14
Wir können die Figuren im Text nach unterschiedlichen Methoden analysieren, zum
Beispiel nach Eigenschaften und Strukturen (Körperbild, Persönlichkeit u. A.), Verhältnis
zu anderen Textelementen, Zusammenhang mit soziokulturellen Kontexten, usw.15

1.5 Der Typ/Typus

In Nový akademický slovní cizích slov16 gibt es mehrere Erklärungen der Bedeutung des
Begriffes „der Typ“. Für literarische Nutzung können wir diese verwenden: 1. Der Typ
als eine Person, der Träger von den charakteristischen Eigenschaften und den Merkmalen
für ganze Sorte von z.B. Dingen oder Personen. 2. Es ist auch die Bezeichnung, die auf
körperliche oder geistige Merkmale hinweist. 3. Eine Gruppe von Einzelpersönlichkeiten
oder Sachen, die identische charakteristische Eigenschaften verbinden.17
Nach Burdorf, Fasbender und Moennighoff wird die Bezeichnung der Typus erklärt als
„Person, Sachverhalt oder Ereignis, deren sprachliche Gestaltung als prägend für und
vorausweisend auf eine spätere sprachliche Gestaltung (Antitypos) angesehen wird (z.B.

14
     BURDORF, Dieter, Christoph FASBENDER und Burkhard MOENNIGHOFF, ed. Metzler Lexikon
Literatur: Begriffe und Definitionen. 3., völlig neu bearbeitete Aufl. Stuttgart: J.B. Metzler, 2007. S 238.
15
 Ebd. S. 238.
16
     KRAUS, Jiří. Nový akademický slovník cizích slov A-Ž. Prag: Academia, 2005. S 832.
17
     1. jedinec n. věc jako vzor, příklad, nositel charakteristických vlastností, znaků pro celou skupinu jedinců
n. věcí: t. obchodníka, být něčí t. mít vlastnosti odpovídající jeho představám; liter. Literární typ.; … 2.
tělesné n. duševní znaky charakteristické pro urč. Skupinu jedinců: sportovní t..; psych., fyzoul. Konstituční
t. tělesné znaky určující vzhled jedince na základě znaků vrozených i získaných: silný, slabý t.; … 3. souhrn
jedinců n. věcí se stejnými základními charakteristickými vlastnostmi, znaky, druh: … antr. Skupina lidí
stejných n. velmi podobných znaků… eigene Übersetzung ins Deutsche.
                                                         9
AT als Präfiguration des NT). Das theologisch-hermeneutische Verfahren der
Konstruktion von Typos-Antitypos-Bezügen ist die Typologie oder Figuraldeutung“18.

1.6 Die Liebe

Auf der Webseite www.duden.de19 wird die Liebe beschrieben als „starkes Gefühl der
hingezogenseins; starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem [nahestehenden]
Menschen“20. Der deutsche Soziologe und Philosoph Erich Fromm behauptete, dass die
Liebe eine Kunst ist. Sie erfordert eine große Anstrengung und Kenntnisse.21 Die Liebe
gilt als eine aktive Kraft der Menschen. Diese Kraft vereinigt die Leute, die aber die
eigene Individualität nicht verlieren. Es ist ein Paradox, dass zwei verliebte Wesen in
Eine verfließen, aber trotzdem frei bleiben.22

2 Thomas Mann

Wie ich in meiner Arbeit schon bemerkte, gilt dieser Schriftsteller als eine sehr
einzigartige Person der weltweiten Literatur. Obwohl es über diesen Autor in Tschechien
nicht oft gehört wird, finde ich ihn und seinen Nachlass sehr wichtig. Vor allem auch für
die tschechische Bevölkerung, weil er für uns als ein Symbol des Kampfes gegen
Nationalsozialismus verstanden werden kann.23

18
     BURDORF, Dieter, Christoph FASBENDER und Burkhard MOENNIGHOFF, ed. Metzler Lexikon
Literatur: Begriffe und Definitionen. 3., völlig neu bearbeitete Aufl. Stuttgart: J.B. Metzler, 2007. S. 787.
19
     DUDEN. Wörterbuch [online]. © Bibliographisches Institut GmbH, 2021[zit. 2.6. 2021] erreichbar in:
https://www.duden.de/rechtschreibung/Liebe
20
     Ebd. [zit. 2.6. 2021].
21
     FROMM, Erich. Umění milovat. übersetzt von Jan VINAŘ. Prag: Portál, 2015. S. 13.
22
     Ebd. S. 31.
23
     Diese Bezeichnung liegt daran, dass er in der Kleinstadt Proseč die Staatsbürgerschaft bekam. Das war
ein deutliches Signal des Standpunktes von den Einwohnern Prosečs.
                                                     10
2.1 Thomas Manns Lebensgeschichte

Thomas Mann wurde im Jahre 1875 in Lübeck geboren. Seine Familie war eine der
wohlhabenden Familien in der Stadt.24 Der Vater Thomas Johann Heinrich Mann
(Kaufmann, Konsul, Senator) stammte aus einer Kaufmannsfamilie, die eine langjährige
Tradition hinter sich hatte. Sein Urgroßvater kam aus Rostock. Dieser Ort wurde in dieser
Zeit als sehr ruhmreiche Hansastadt bezeichnet. Danach zog er nach Lübeck um, da ist er
ein berühmter Kaufmann geworden. Er errichtete eine Firma, die nach seinem Tod sein
Sohn Johann Siegmund jr. übernahm und diese Linie führte weiter bis zu dem Vater von
Thomas Mann.25 T. J. H. Mann folgte seinen Vorgängern nach. „Die Getreidehandlung
hatte gerade erst (im Mai 1890) ihr hundertjähriges Bestehen gefeiert, als der Vater am
13. Oktober 1891 mit nur 51 Jahren starb. Er verfügte testamentarisch die Auflösung der
Firma.“26

Die Mutter Julia Mann geb. Silva-Bruhns hatte ihre Wurzel sogar in Brasilien. „Ihr Vater
Johann Ludwig Hermann Bruhns versuchte 1837 in Brasilien mit einer Exportfirma für
Kaffee und Zucker sein Glück und heiratete zehn Jahre später Maria Luiza da Silva, die
im Jahr 1856 verstarb und sechs Kinder hinterließ.“27 Nach dem Tod seiner Frau kehrte
der Vater mit den Nachkommen zurück nach Lübeck. Hier trafen sich Manns Eltern. Nach
der Heirat hatten sie zusammen fünf Kinder. Der älteste von den Geschwistern war
Heinrich Mann (1871), als zweites Kind kam Thomas (1875), danach die beiden
Schwestern Julia (1877) und Carla (1881). Der letztgeborene war Viktor (1890).28

24
     SKÁLOVÁ, Monika. Thomas Manns Staatsbürgerschaft in Proseč und das Motiv der Liebe in seinem
Werk Der Zauberberg. Olomouc, 2018. Bachelorarbeit. Pedagogická fakulta Univerzity Palackého
v Olomouci. Betreuer Mgr. Jan Kubica, Ph.D. S. 7.
25
     SCHRÖTER, Klaus. Thomas Mann. 24. Auflage. Reibek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbich Verlag,
1964. S. 7–10.
26
     KURZKE, Hermann. Thomas Mann: Epoche - Werk - Wirkung/ von Hermann Kurzke. 2., überarb.
Auflage. München: Verlag C.H. Beck München, 1991. S. 14.
27
     Thomas Mann- Leben- Herkunft [online]. S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt [zit.10.3. 2021], erreichbar
in: https://www.thomasmann.de/leben/herkunft
28
     Thomas Mann- Leben- Herkunft [online]. S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt [zit.10.3. 2021], erreichbar
in: https://www.thomasmann.de/leben/herkunft
                                                    11
Nicht nur die Brüder Thomas und Heinrich sind mit dem geschriebenen Wort verbunden,
sondern auch der Bruder Viktor verfasste ein Buch Wir waren fünf, Bildnis der Familie
Mann. In diesem Buch erzählt Viktor Mann über sich selbst, aber auch über die Familie,
Geschwister und auch über seine Mutter.29 Nach Informationen von Viktor Manns Buch
versuchte die jüngste Schwester Carla eine Schauspielerin zu werden, leider brachten ihre
Anstrengungen keinen Erfolg und aus diesem Grund beging sie Selbstmord.30 Die
Schwester Julia heiratete den Münchner Bankier Josef Lohr, sie war die erste verheiratete
von den Geschwistern Mann. Julia beendete ihr Leben im Jahre 1927 durch Erhängen.31

Nach Skálová war Thomas Mann ein fröhliches zufriedenes Kind bis zum Anfang seiner
Schulpflicht.32 Er hasste die Notwendigkeit der Disziplin, die die Ausbildung mit sich
brachte. Er besuchte das Progymnasium Dr. Bussenius und nachher das Realgymnasium
Katharineum in Lübeck. Wie gesagt, er hasste die Disziplin des Studiums und konnte sich
damit nicht abfinden. Er wusste, dass er mit dem Studium nicht mehr vorfahren kann.33
Obwohl er als ein sogenannter „verkommende Gymnasiast“ genommen wurde,
engagierte er sich in der Schule. Er tat sich als Herausgeber der Schülerzeitung den
Namen „Der Frühlingsturm“.34

Schon zu dieser Zeit ist es klar, dass Thomas dem Schreiben sein Leben zu widmen kann.
Nicht nur er, sondern auch sein Bruder Heinrich hatte schriftstellerische Ambitionen. Aus
diesem Grund wusste der Vater von beiden Brüdern, dass er für die Firma mit langjähriger
Tradition keinen Nachfolger findet. „Papa hat schon klar erkannt, als er vor einer

29
     SKÁLOVÁ, Monika. Thomas Manns Staatsbürgerschaft in Proseč und das Motiv der Liebe in seinem
Werk Der Zauberberg. Olomouc, 2018. Bachelorarbeit. Pedagogická fakulta Univerzity Palackého
v Olomouci. Betreuer Mgr. Jan Kubica, Ph.D. S. 7.
30
     Ebd. S. 7.
31
     Thomas Mann- Leben- Herkunft [online]. S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt [zit.12.3. 2021], erreichbar
in: https://www.thomasmann.de/leben/herkunft
32
     SKÁLOVÁ, Monika. Thomas Manns Staatsbürgerschaft in Proseč und das Motiv der Liebe in seinem
Werk Der Zauberberg. Olomouc, 2018. Bachelorarbeit. Pedagogická fakulta Univerzity Palackého
v Olomouci. Betreuer Mgr. Jan Kubica, Ph.D. S. 8.
33
     Ebd. S. 8.
34
     Thomas Mann- Leben- Hanseat [online]. S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt [zit.26.3. 2021], erreichbar
in: https://www.thomasmann.de/leben/stationen/hanseat
                                                    12
Operation sein Testament schrieb. Ohne jede Äußerung des Unmutes stellte er fest, daß
seine ältesten Söhne ihren künstlerischen Neigungen folgen würden, bedauerte nur, daß
sein Jüngster nicht in der Wiege läge, da solche nachgeborenen oft recht gute
wirtschaftliche Fähigkeiten hatten, verfügte mit präziser Umsicht die Liquidierung der
groß und die sichere Anlage des bedeutenden Erlöses und bestimmte Erbteile, Mitgiften,
Auskehrungen und Verwaltung.“35 Der Vater starb im Jahre 1891 an Blasenkrebs. Damit
kamen unangenehme Zeiten für die Familie Mann. Mit dem Tod des Vaters endet auch
die bedeutende Lübecker Firma.36 Die Mutter zog mit den Kindern nach München, aber
Thomas blieb wegen des Studiums in Lübeck.37 „Nur ungern dachte er später an diese
verlorene       Zeit   zurück.     Der    preußische        Schuldrill   und   die   lebensfremde
Wissensvermittlung stießen ihn ab. Das ganze Jahr über sehnte er sich nach den
Ferienwochen in Travemünde, wo die Musik der Kurkapelle und des Meeres eine
eigenartige, >> episch>Anstalt
Lebens, denn er war nach der Suche sich selbst.40 Nach dem Aufenthalt in Italien, wo
Thomas Venedig, Rom und andere schöne Städte besuchte, kehre er zurück nach
Deutschland und begann als Lektor und Korrektor bei „Simplizissimus“.41

Als Mann sechsundzwanzig war, bekam sein Leben einen zukunftsweisenden Impuls.
Sein herausgegebenes Werk Buddenbrooks machte ihn sehr berühmt und er selbst wusste,
dass seine schriftstellerische Position dank diesem Werk fester wurde.42 „Dieses Buch
machte Thomas Mann berühmt und finanziell weitgehend unabhängig. mit diesem Erfolg
sah er sich aber auch selbst verpflichtet, sein Leben als Erfolgsautor zu verbringen, als
Schriftsteller von Niveau, Rang und Ansehen. Unterdessen hatte sich Thomas Mann ein
philosophisches und literarisches Wissen angeeignet: Wagner, Schopenhauer, Nietzsche
(das so genannte Dreigestirn), aber auch Dostojewski, Tolstoi und die deutschen
Klassiker. Mann war zeitlebens ein genialer Dilettant.“43

Im Jahre 1904 traf er seine zukünftige Frau Katharina Pringsheim. Mit dieser Frau blieb
Mann sein ganzes Leben und sie hatten zusammen sechs Kinder.

Um das Jahr 1930 stieg die Macht der Partei NSDAP und der Einfluss auf die deutsche
Gesellschaft verbreitete sich.44 Weil Thomas Mann mit der Partei nicht sympathisierte,
wusste er, dass Deutschland nicht mehr für ihn und seine Familie gefahrlos ist. Er und
seine Frau verließen am 10. Februar das Heimatland.45 Genauso wie andere Schriftsteller,

40
     SKÁLOVÁ, Monika. Thomas Manns Staatsbürgerschaft in Proseč und das Motiv der Liebe in seinem
Werk Der Zauberberg. Olomouc, 2018. Bachelorarbeit. Pedagogická fakulta Univerzity Palackého
v Olomouci. Betreuer Mgr. Jan Kubica, Ph.D. S. 9.
41
     KURZKE, Hermann. Thomas Mann: Epoche - Werk - Wirkung/ von Hermann Kurzke. 2., überarb.
Auflage. München: Verlag C.H. Beck München, 1991. ISBN 3406308708. S. 42.
42
     Thomas Mann- Leben- Stationen- kuenstler [online]. S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt [zit.4.4. 2021],
erreichbar in: https://www.thomasmann.de/leben/stationen/kuenstler
43
     Thomas Mann- Leben- Stationen- kuenstler [online]. S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt [zit.4.4. 2021],
erreichbar in: https://www.thomasmann.de/leben/stationen/kuenstler
44
     SKÁLOVÁ, Monika. Thomas Manns Staatsbürgerschaft in Proseč und das Motiv der Liebe in seinem
Werk Der Zauberberg. Olomouc, 2018. Bachelorarbeit. Pedagogická fakulta Univerzity Palackého
v Olomouci. Betreuer Mgr. Jan Kubica, Ph.D.S. 17.
45
     Ebd. S. 17.
                                                    14
Künstler oder Wissenschaftler wurde Mann in Deutschland zur Persona non grata. Seine
Bücher wurden verbrannt oder verboten. Diese Exilanten aus Deutschland mussten sich
andere Staatsbürgerschaft besorgen, es war oftmals sehr schwer, weil Europa unter dem
Druck von Hitler stand.

Thomas Mann hatte viele Kontakte in der Tschechoslowakei. Er besuchte mehrmals Prag
und dieses Land auch wegen seiner Autorenlesungen. Bei diesen Gelegenheiten traf er
sich zum Beispiel mit Karel Čapek oder Max Brod. Einige tschechoslowakische Künstler
und hochgestellte Persönlichkeiten unterstützten ihn bei dem Einbürgerungsprozess, zu
diesen gehörten Edvard Beneš, MUDr. Karel Weigner – Rektor der Karlsuniversität,
u.a.46 Thomas Mann, seine Frau und drei Kinder erhielten das Heimatrecht in Proseč im
August 1936, die Tochter Monika im März 1937 und Thomas' Bruder Heinrich schon im
Jahre 1935. Diese Tat von Prosečer Bürgern war sehr riskant, aber bewundernswert. Der
Bürgermeister der Stadt Jan Herynek musste wegen dieser Entscheidung mehrmals
nazistisches Verhör durchmachen. Thomas war sehr dankbar. Dies zeigt der Briefwechsel
mit Herrn Fleischmann. Er war einer von den wichtigsten Personen, die sich an dem
Prozess beteiligten. In einem Brief an Fleischmann dankte er ihm herzlich für die
damalige Hilfe.47

Als Thomas Mann Deutschland verließ, lebte er eine kurze Zeit lang in Frankreich, weiter
kehrte er in die Schweiz und im Jahre 1938 siedelte er sich in Amerika an. Später nahm
er die amerikanische Staatsbürgerschaft nieder.48 „In Amerika blieb Mann bis zum Jahr
1952, dann siedelte er wieder in die Schweiz um.“49 Er starb am 12. August 1955 in
Zürich.50

46
     PFEIFER, Ivan. Goetheinstitut: K ČESKOSLOVENSKÉMU OBČANSTVÍ HEINRICHA A THOMASE
MANNA [online]. Goethe-Institut Česká republika, 2016 [zit. 26. 4. 2021]. erreichbar in:
https://www.goethe.de/ins/cz/cs/kul/mag/20846945.html
47
     TOŠOVSKÝ, Václav und Marie Rút KŘÍŽKOVÁ. Moje Proseč a Thomas Mann. Svitavy: Trinitas,
2002. Studium (Trinitas). S. 51–65.
48
     SKÁLOVÁ, Monika. Thomas Manns Staatsbürgerschaft in Proseč und das Motiv der Liebe in seinem
Werk Der Zauberberg. Olomouc, 2018. Bachelorarbeit. Pedagogická fakulta Univerzity Palackého
v Olomouci. Betreuer Mgr. Jan Kubica, Ph.D. S. 24–25.
49
     Ebd. S.25.
50
     Ebd. S. 25.
                                                15
Sehr erwähnenswert sind das Verhältnis und die Unterschiedlichkeit von zwei ältesten
Brüdern Mann – Heinrich und Thomas. Heinrich Mann, das älteste Kind von Familie
Mann, wurde am 27. März 1871 geboren. Ebenfalls wie sein Bruder Thomas studierte er
Katharineum in Lübeck aber das Studium beendete er nicht.51 Heinrich wollte sich wie
Thomas auf jeden Fall als der beste Schriftsteller durchsetzen.

Die Brüder Mann hatten verschiedene Ansichten über das Leben, Politik und Schreiben,
was sie aber gemeinsam hatten war die Intensität von erotischen Erlebnissen.
Reich-Ranicki fügt bei, dass Heinrich weibliches Geschlecht bewunderte und Thomas
das männliche. Nach Heinrichs Tod wurden in seinem Schreibtisch viele obszöne Skizzen
von Frauen gefunden.52

Wie gesagt erlebte Thomas Mann eine wichtige Lebensphase in Italien mit seinem
Bruder. Hier fing er mit dem Schreiben eines großen Werkes an, das ihn später sehr
berühmt machte.53 Es ist die Rede über Buddenbrooks. Der Roman wurde erst in zwei
Bänden herausgegeben. Das zeigte sich als Fehler. Nach zwei Jahren (1903) erschien eine
neue Ausgabe, die nur noch in einem Band war, damit fing Manns Karriere sehr schnell
anzusteigen.54

Hilscher schreibt: „Dem Familienroman Thomas Manns kamen übrigens nicht nur der
ständige Gedankenaustausch mit dem Bruder und die Zwiesprache mit den literarischen
Vorbildern         zustatten,    sondern      auch       erbetene    stadtgeschichtliche     und
wirtschaftspolitische Erläuterungen seines Onkels, des Lübecker Konsuls W. Marty,

51
     SKÁLOVÁ, Monika. Thomas Manns Staatsbürgerschaft in Proseč und das Motiv der Liebe in seinem
Werk Der Zauberberg. Olomouc, 2018. Bachelorarbeit. Pedagogická fakulta Univerzity Palackého
v Olomouci. Betreuer Mgr. Jan Kubica, Ph.D. S. 14–15.
52
     REICH-RANICKI, Marcel. Mannovi: Thomas Mann a jeho rodina. Jinočany: H & H Vyšehradská, 2010.
S. 172.
53
     SKÁLOVÁ, Monika. Thomas Manns Staatsbürgerschaft in Proseč und das Motiv der Liebe in seinem
Werk Der Zauberberg. Olomouc, 2018. Bachelorarbeit. Pedagogická fakulta Univerzity Palackého
v Olomouci. Betreuer Mgr. Jan Kubica, Ph.D. S. 9.
54
     REICH-RANICKI, Marcel. Mannovi: Thomas Mann a jeho rodina. Jinočany: H & H Vyšehradská, 2010.
S. 165.
                                                    16
Erinnerungsblätter der Mutter und der Schwester Julia und viele Dokumente, Briefe und
Fotos. Als er im Frühjahr 1898 nach München zurückkehrte, hatte er bereits ein knappes
Viertel des späteren Gesamtmanuskript zu Papier gebracht.“55

Thomas Manns Debüt nahm Heinrich als eine große Konkurrenz. Reich-Ranicki widmete
sich detailliert dieser Spannung, die zwischen den Brüdern deutlich war. In seinem Buch
Mannovi Thomas Mann a jeho rodina redet er sogar über einen Konkurrenzkampf.56
Heinrich Mann war natürlich mit dem Schreiben vorwärts, als sein jüngerer Bruder.
Obwohl sein Werk nicht so erfolgreich war, sein Name wurde schon in den intellektuellen
Kreisen bekannt. Thomas stand in dieser Zeit völlig am Anfang seiner Karriere. Er hatte
so ein Gefühl, dass er seinen Bruder aufholen muss. Koopmann beschreibt diese
gespannten Verhältnisse der Brüder Mann: „Zwischen Heinrich und Thomas Mann gab
es keine  Brüderlichkeit mit ihren Unvermeidlichen Spannungen und
Übereinknüpfen; es war seit sie zu schreiben begonnen hatten, eine erbittere Konkurrenz.
Es ging um literarischen Erfolg, um das Erobern eines Marktes, um das Sichbehaupten
auf einem literarisch reich besetzten Feld, um den Versuch, Neues zu bieten, ohne darum
ins Revolutionäre oder ins Unverständliche zu verfallen – und immer wieder darum, sich
gegen den Anderen zu behaupten.“57

2.2 Thomas Manns Werk im Laufe seines Lebens

Thomas Mann schrieb schon seit seiner Jugendzeit. Der größte Erfolg kam erst mit dem
Familienroman Buddenbrooks (1901). Mit diesem autobiographischen Roman verband
Thomas Mann mehrere Themen zusammen. Der Leser hat eine Möglichkeit das Leben
mit den Familienmitgliedern Buddenbrook zu erleben, weiter wird hier das Funktionieren
der damaligen Gesellschaft gezeigt. Das Buch beschreibt den Verfall von der
Familienfirma. Autobiographische Merkmale können wir zum Beispiel in dem
Hauptthema - Familienfirma sehen. Familie Mann erlebte auch den Verfall des

55
     HILSCHER, Eberhard. Thomas Mann: Leben und Werk. Berlin: Vol kund Wissen, 1966. Schriftsteller
der Gegenwart. S. 13.
56
     REICH-RANICKI, Marcel. Mannovi: Thomas Mann a jeho rodina. Jinočany: H & H Vyšehradská, 2010.
S. 165.
57
     KOOPMANN, Helmut. Thomas Mann - Heinrich Mann: Die ungleichen Brüder. München 2005: Verlag
C. H. Beck oHG. S. 9.
                                                 17
väterlichen Unternehmens. Die Figuren hatten ähnliche Eigenschaften wie Manns
Verwandten. Sogar gibt es im Buch auch die Andeutung der Sexualität, mit der Mann
öfter bei dem Schreiben arbeitete. „Die Jahre von 1900 bis 1905 sind Novellenzeit. Der
Reihe nach entstehen Tonio Kröger, Tristan, Glaudius Dei, Die Hungernden, das
Wunderkind, Ein Glück, Beim Propheten, Schwere Stunde und Wälsungenblut, ferner die
dramatischen Dialoge Fiorenza. Für Doktor Faustus, Fellix Krull, Friedrich und
Königliche Hoheit werden die ersten Ideen notiert.“58 Außer diesen Novellen gehören zu
den bekanntesten noch Tod in Venedig (1911), Mario der Zauberer (1930), Die Betrogene
(1953), u.a. Nach der Ausgabe des Buches Buddenbrooks entstanden noch viele
erfolgreiche Romane – Königliche Hoheit (1909), Der Zauberberg (1924), Tetralogie
Joseph und seine Brüder (1933–1943), Lotte in Weimar (1939), Doktor Faustus (1947),
Der Erwählte (1951), Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1954). Wenn wir einige
Hauptideen und Hauptmerkmale in Manns Werk vergleichen, dann finden wir viele
Ähnlichkeiten. Die Werke sind mit ähnlichen Themen verbunden. Das Thema der
Krankheit können wir sowohl im Zauberberg als auch in den Novellen Tod in Venedig
und Die Betrogene finden. Im Zauberberg handelt es sich um die Tuberkulose, in Tod in
Venedig arbeitet Mann mit Choleraepidemie und Die Betrogene erzählt über eine Frau,
die an Krebs litt. Der Zauberberg und Tod in Venedig verbindet noch ein wichtiges
Merkmal - die homosexuelle Verliebtheit.

Im Zauberberg heißt die Hauptfigur Hans Castorp. Er kommt ins Davoser Sanatorium im
Berghof, um seinen Cousin Joachim zu besuchen. In Davos kurieren sich die Leute mit
der Tuberkulose und Castorp wird bald nach seiner Ankunft einer von diesen Patienten
sein. Anstatt drei Wochen, verbrachte er da oben sieben Jahre. Innerhalb von diesen
Jahren erlebt er eine große Verliebtheit, bekommt viele neue Erfahrungen und wird sich
an vielen philosophischen Diskussionen beteiligen. Das Buch ist sehr reich an
philosophischen, medizinischen oder auch politischen Themen.

In der Novelle Tod in Venedig arbeitete Mann auch mit einer männlichen Hauptfigur.
Gustav Aschenbach Münchner Schriftsteller ist nicht zufrieden mit seinem Leben und

58
     KURZKE, Hermann. Thomas Mann: Epoche - Werk - Wirkung/ von Hermann Kurzke. 2., überarb.
Auflage. München: Verlag C.H. Beck München, 1991. S. 42.

                                               18
sehnt sich nach Reisen. Er kommt nach Venedig, wo er die Verliebtheit in einen Jungen
erlebt. Gleichzeitig bricht in der Stadt Choleraepidemie aus und der Schriftsteller erliegt
in Einsamkeit der Krankheit.

Dass Thomas Mann mit dem nazistischen Regime nicht sympathisierte und in dieser
Ideologie eine Drohung für Deutschland und ganze Welt sah, wirkte sich in der Novelle
Mario der Zauberer und Doktor Faustus. Doktor Faustus zugleich mit dem Roman Der
Erwählte und Lotte in Weimar bearbeiten die Themen, die von weltweit bekannten
Persönlichkeiten inspiriert waren. Weiter können wir in Manns Werk auch Theaterstücke
oder Essays finden. Thomas Manns Bücher gehören zu den führenden schriftlichen
Künsten Deutschlands. Auch ganze Welt kennt sein Werk, natürlich auch wegen seinen
Schwierigkeiten, die er in der Hitlerzeit als verbotener Autor erlebte. Manns Werk gilt
auch als Vorlage für mehrere Filme. Verfilmt waren zum Beispiel Der Zauberberg,
Buddenbrooks, Mario der Zauberer, Tod in Venedig, Königliche Hoheit, usw.

2.3 Thomas und Katia

Nach dem großen Erfolg mit Buddenbrooks sucht Thomas Mann nach einer geeigneten
Ehefrau. Katia Mann (geb. Pringsheim) wurde im Jahre 1883 geboren. Die
Familienstellung in der Gesellschaft entsprach Manns Familie. Der Vater von Katia
wurde an der Universität in München als Mathematik Professor tätig und die Mutter
Hedwig war eine Schauspielerin. Die Familie Pringsheim hatte jüdische Wurzeln.
Thomas Mann wusste, dass Katharina aus einer gut situierten Familie stammt.59 Nach
Skálová lernten sie sich offiziell auf einer Feier in dem Haus Pringsheims kennen, obwohl
sie sich schon früher trafen.60 Nach dem offiziellen Treffen dauerte es sehr lange bis Katia
zu der Heirat ihre Zustimmung gegeben hatte. Katharina und Thomas wechselten
zahlreiche Briefe, bevor sie positiv geantwortet hatte.61 Katia Mann erinnerte sich an
diese Zeiten in dem Buch Meine ungeschriebenen Memoiren so: „Ich war zwanzig und

59
     Thomas Mann- Leben- Katia [online]. S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt [zit. 20.4. 2021], erreichbar in:
https://www.thomasmann.de/leben/katia
60
     SKÁLOVÁ, Monika. Thomas Manns Staatsbürgerschaft in Proseč und das Motiv der Liebe in seinem
Werk Der Zauberberg. Olomouc, 2018. Bachelorarbeit. Pedagogická fakulta Univerzity Palackého
v Olomouci. Betreuer Mgr. Jan Kubica, Ph.D. S. 10–11.
61
     Ebd. S. 10–11.
                                                     19
fühlte mich sehr wohl und lustig in meiner Haut, auch mit dem Studium, mit den Brüdern,
dem Tennisklub und mit allem, war sehr zufrieden und wußte eigentlich gar nicht, warum
ich nun schon so schnell weg sollte. Aber Thomas Mann hatte den dringenden Wunsch,
mich zu heiraten. Er wollte es offenbar sehr gern und war geradezu draufgängerisch.“62

Im Jahre 1905 gab sie ihre Zustimmung und heiratete Thomas Mann. Ihr Leben zielte sie
auf ihre Rolle als Thomas Manns Frau und die Mutter von Kindern, die in der kurzen Zeit
kamen. Sie brachten insgesamt sechs Kinder zur Welt: Erika (1905), Klaus (1906), Golo
(1909), Monika (1910), Elisabeth (1918) und Michael (1919).63 Alle Kinder wurden
irgendwie mit der Kunst verbunden. „Erika wirkte als Schauspielerin und Journalistin,
Klaus als begabter Romancier. Golo leistete historische Forschungsbeiträge, Monika
und Elisabeth schrieben Feuilletons und Erzählungen, und Michael übte den
Musikerberuf auf.“64

Nach den Notizen in Hedwig Pringsheims65 Notizbuch kam es im August 1911 bei ihrer
Tochter Katia zu einer Lungenreizung. Katia fühlte sich ständig nicht gut und war immer
fiebrig. Nach einer Konsultation mit dem Spezialist Hofrat May sollte sie eine
Gebirgsaufenthalt absolvieren. Katia verbrachte eine Zeit in Sils Maria in der Schweiz,
ihr Gesundheitszustand verbesserte sich aber nicht. Sie besuchte Sanatorium in Arosa,
Ebenhausen und am 11. März siedelte sie nach Davos – Waldsanatorium des Friedrich
Jessen über.66

Thomas Mann besuchte seine Frau im Sanatorium. Er verbrachte in Davos drei Wochen.
Weil er die ganze Zeit mit Katia in Briefwechsel stand, wusste er schon vor seiner
Ankunft viele Informationen über die Umwelt und die Gesellschaft, die es im Sanatorium

62
     MANN, Katia. Meine ungeschriebenen Memoiren. Frankfurt (Main): S. Fischer, 1974. S. 28.
63
     Thomas Mann- Leben- Katia [online]. S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt [zit.20.4. 2021], erreichbar in:
https://www.thomasmann.de/leben/katia
64
     HILSCHER, Eberhard. Thomas Mann: Leben und Werk. Berlin: Vol kund Wissen, 1966. Schriftsteller
der Gegenwart. S. 42.
65
     Die Mutter von Katharina Mann (1855–1942).
66
     JENS, Inge. Frau Thomas Mann: das Leben der Katharina Pringsheim. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt,
2003. S. 85–89.
                                                    20
gab. Als er nach Davos gekommen war, holte ihn Katia vom Bahnhof ab.67 Darüber
erzählt Katia: „Nun, er besuchte mich in Davos, und schon seine Ankunft war eigentlich
ziemlich       genau    wie    die   Ankunft     von    Hans     Castorp.    Er    stieg   auch   in
Davos-Dorf aus, und ich holte ihn unter ab, genau wie sein Cousin Ziemssen es tut. Dann
gingen wir zum Sanatorium hinauf und haben so endlos geschwätzt wie die Vettern. Ich
war doch schon monatelang dort und legte los, erzählte hundert Sachen und habe immer
wieder gesagt: Es ist doch so nett, daß man endlich wieder mit jemandem reden kann.“68
Im Buch Der Zauberberg gibt es viele ähnliche Situationen, die nicht nur Thomas Mann,
sondern auch Katia bei dem Aufenthalt in Davos erlebten. Mann trifft dort identisch
beschriebene Sorten von Leuten, zum Beispiel die „schlechten“ und die „guten“ Russen.
Katia Mann erinnert sich sogar an eine russische Frau, die als Vorbild einer von den
wichtigsten Figuren des Werkes stand. Mendelson beschreibt ihre Erinnerungen: „Eine
russische Dame, daran erinnerte sie sich genau, sei immer zu spät zu den Mahlzeiten
gekommen und habe die Glastür mit einem Schmettern hinter sich zugeworfen, so daß
jedermann zusammenzuckte; ihren Namen habe sie nie erfahren.“69 Solche Szene
passierte auch im Roman. Hans Castorp ärgerte sich über das Geräusch. Nach Manns
Abfahrt überdauerte noch Katias Informierung durch Briefwechsel über das Leben, die
Leute und Situationen im Sanatorium.70 „Ich habe meinem Mann absichtlich kleine
Details geschrieben, weil ich wußte, daß er an dem Buch arbeitete. Er hat gleich nach
seinem ersten Besuch in Davos damit begonnen, und als ich dann in Arosa war, hatte er
schon eine ganze Menge geschrieben. In den Briefen, die alle verloren sind, standen viele
Einzelheiten.“71 So erinnert sich Katia an die Zeit der Entstehung des Werkes.

Katia verbrachte in verschiedenen Sanatorien fast zwei Jahre. Die ganze Zeit der
Behandlung begleitete die kranke Tochter ihre Mutter. Nach Inge und Walter Jens hatte
diese enge Verbindung der Mutter und Tochter keine negativen Auswirkungen auf die

67
      DE MENDELSSOHN, Peter. Nachbemerkungen zu Thomas Mann. Frankfurt am Main: Fischer
Taschenbuch Verlag GmbH, 1982. S. 52.
68
     MANN, Katia. Meine ungeschriebenen Memoiren. Frankfurt (Main): S. Fischer, 1974. S. 87.
69
     DE MENDELSSOHN, Peter. Nachbemerkungen zu Thomas Mann. Frankfurt am Main: Fischer
Taschenbuch Verlag GmbH, 1982. S. 51.
70
     Ebd. S. 48.
71
     MANN, Katia. Meine ungeschriebenen Memoiren. Frankfurt (Main): S. Fischer, 1974. S. 89.
                                                   21
Ehe von Thomas und Katia.72 Wohlgemerkt, dass Katia zum Glück nie einen kritischen
Verlauf von dieser Krankheit hatte. Solche Sanatoriumsaufenthalte gelten zurzeit auch
als Modehit.73

Trotz Katias Anfangsmisstrauen zu dieser Heirat mit Thomas erfüllte sie immer die
Erwartung als Frau von einem begabten hochgestellten Mann. Sie unterstützte seinen
Mann, hielt Familienbande fest und repräsentierte ihn. Über Thomas Manns Zuneigung
zu Männern wusste sie und diese Tatsache ignorierte sie.74

2.4 Der Zauberer und seine Kinder

Wer ist der Zauberer? Diese Titulierung Thomas Manns können wir zum Beispiel in der
umfangreichen Korrespondenz zwischen Tochter Erika und ihrem Vater sehen. Fast
immer benutzt sie diese Anrede „Lieber Zauberer“ „Liebster Z.“, auch Thomas Mann
selbst unterschrieb die Briefe an die Kinder mit diesem Abschiedsnamen „Z.“, „Herzlich
Dein Z.“

„Der Titel kam auf, als die beiden Ältesten, Erika und Klaus, noch nicht ganz erwachsen
waren. In einem ein Jahr vor ihrem Tod (1969) geführten Gespräch über ihren Vater
nimmt Erika die Autorschaft für sich in Anspruch. Klaus sei im Irrtum gewesen, wenn er
den Namen mit dem Zauberberg in Zusammenhang brachte.“75 Klaus führte diese
Erinnerung auch in seinen Autobiographien an, dieser Titel von Thomas Mann sehr oft
falsch erklärt wird. Die Verbundenheit mit dem bekannten Zauberberg ist nur im Kontext
der Zeit zu sehen. T. Mann arbeitete zurzeit an diesem Werk.76 Nach Erika entstand dieser
Spitzname, weil einmal ein Faschingsfest stattfand und die zwei Kinder – Erika und Klaus

72
     JENS, Inge. Frau Thomas Mann: das Leben der Katharina Pringsheim. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt,
2003. S. 85–89.
73
     Thomas Mann- Leben- Katia [online]. S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt [zit.20.4. 2021], erreichbar in:
https://www.thomasmann.de/leben/katia
74
     Ebd. [zit.20.4. 2021].
75
 VON SCHIRNING, Albert. Die 101 wichtigsten Fragen Thomas Mann. Originalausgabe. Verlag C. H.
Beck, 2008. S. 21–22.
76
     MANN, Erika, Irmela von der LÜHE und Uwe. NAUMANN. Mein Vater, der Zauberer. Reinbek bei
Hamburg: Rowohlt, 1996. S. 21.
                                                    22
wollten daran teilnehmen. Obwohl das Fest für erwachsene Gesellschaft bestimmt war,
durften die zwei dorthin gehen, aber nur unter der Bedingung, dass der Vater mitgeht.
Solche Feste hasste er, aber die Mutter Katia verbrachte diese Zeiten entweder in Davos,
Arosa oder in anderen Sanatorien wegen ihrer Krankheit. Thomas musste sie vertreten.
Erika nahm die Handtücher und fertigte einen Turban an. Er sah wie ein Zauberer aus,
seitdem wurde er offiziell von seinen Kindern „der Zauberer“ genannt.77

Die Beziehung zwischen Thomas Mann und den Kindern war sehr unterschiedlich. Erika
Mann erzählt, dass er zu den älteren Kindern (Erika und Klaus) inklinierte.78 Zu den
hochwertigen Künstlerischen Leistungen von Manns Nachkommen gehören diese: Der
Roman Mephisto, der Klaus Mann im Jahre 1936 im Exil schrieb. Weiter das Werk mit
dem Titel Escape to Life. Deutsche Kultur im Exil. In diesem Buch geht es um deutsche
Literaturrepräsentanten, die in Deutschland wegen des politischen Regimes ungewünscht
waren.79 In den Titeln von Klaus Mann wurde oft das Thema der Homosexualität
besprechen. „In seinen frühen Erzählungen, die schon 1925 unter dem Titel Vor dem
Leben erscheinen, gestaltet er mit bereits erstaunlich sicherer schriftstellerischer Technik
ein jugendliches Lebensgefühl: Glückseligkeit und Unverstandenheit. In dieser Prosa
untersucht der Verfasser anhand seiner Figuren die Möglichkeiten eines eigenen Weges
und eines Lebens auf der anderen Seite. Diese andere Seite, sie meint Klaus Manns
Erfahrung mit einer außerhalb der Norm stehenden Sexualität, seiner Homosexualität.“80
Klaus' Leben beeinflusste ein Mann – Gustaf Gründgens, späterer Ehemann von seiner
Schwester Erika. Klaus' Gefühle zu diesem Mann zeigten sich in seinem Werk. Die
Sexualität und die damalige politische Situation führten zu seinem Selbstmord im Jahre
1949. Die Ursache war Überdosierung mit Medikamenten, weil er seine Depressionen
nicht mehr ertragen konnte.81 In dieser Zeit war das Thema der Homosexualität nicht so

77
     Ebd. S. 21.
78
     Ebd. S. 18.
79
     SKÁLOVÁ, Monika. Thomas Manns Staatsbürgerschaft in Proseč und das Motiv der Liebe in seinem
Werk Der Zauberberg. Olomouc, 2018. Bachelorarbeit. Pedagogická fakulta Univerzity Palackého
v Olomouci. Betreuer Mgr. Jan Kubica, Ph.D. S. 14.
80
     Fisch M. (1997) Klaus Mann (1906–1949). In: Busch A., Linck D. (eds) Frauenliebe Männerliebe. J.B.
Metzler, Stuttgart. erreichbar in: https://doi.org/10.1007/978-3-476-03666-7_56
81
     REICH-RANICKI, Marcel. Mannovi: Thomas Mann a jeho rodina. Jinočany: H & H Vyšehradská, 2010.
S. 193–197.
                                                   23
offen und die Gesellschaft reagierte oft negativ auf solche Leute. Die Gedankenbewegung
kam erst am Ende des 20. Jahrhunderts.82 Thomas Mann wollte nie mit Klaus dieses
Thema besprechen, denn es ekelte ihn - nach seinen Worten.83

3 Der Zauberberg

Im Vordergrund der Geschichte steht die Tuberkulose und die Behandlung dieser
Lungenkrankheit. Thomas Mann plante den Zauberberg zuerst als eine Novelle über
Davos zu schreiben. Beim Schreiben inspirierte er sich mit den existierenden Personen,
die er oder seine Frau in Davos trafen. Außerdem nahm er die Inspiration auch in seiner
täglichen Umgebung. Als ein Beispiel dieser Persönlichkeiten können wir Herrn Albin
erwähnen, der im Roman immer sehr nervös ist und will sein Leben mit einem Revolver
zu Ende bringen. Im Werk vertritt er die Position einer Figur, die Panik und Demotivation
von der Krankheit verbreitete. Solcher Mann existierte in Arosa, nicht im Sanatorium
Berghof.84 Der Mann mit dem Namen Settembrini kannte Thomas Mann auch von
woanders. Als Vorbild für den Arzt Krokowski stand ihm ein anderer Arzt aus Zürich.
Und die Person Leo Naphta war auch nicht mit Davos verbunden. Ähnlichen Mann traf
T. Mann in Wien.85

Der Zauberberg ist sehr umfangreicher Roman. Die Handlung verläuft in Davos, aber in
die Hauptlinie des Buches sind auch einzelne Geschichten von einigen Figuren belegt.
Der Leser gewinnt dafür die Möglichkeit die wichtigsten Personen besser zulernen und
versteht dann besser das Verhalten und die Ansichten, die sie vertreten. Zu der
Komposition des Werkes schreibt Mendelssohn folgendes: „Daß Der Zauberberg eine
dialektisch konzipierte Erzählung ist, liegt offen zu Tage. Wiedersprüche, Antagonismen,

82
      BYTHOWSKA, Alexandra, Beatrice FÄSSLER, Melanie KÖHLE, Madlaina ZEGG a Ivana
ZUPA. Ganz normal anders? Homosexualität im 19., 20. und 21. Jahrhundert [online]. [zit. 25.4. 2021].
erreichbar in: file:///C:/Users/skalo/Downloads/Homosexualitaet_Ganznormalanders.pdf
83
     REICH-RANICKI, Marcel. Mannovi: Thomas Mann a jeho rodina. Jinočany: H & H Vyšehradská, 2010.
S. 242.
84
     MANN, Katia. Meine ungeschriebenen Memoiren. Frankfurt (Main): S. Fischer, 1974. S. 89.
85
     Ebd. S. 90–91.
                                                   24
Gegensatzpaare, charakterliche und gedankliche, sind fast auf Schritt und Tritt die
Verspannungen dieser Konstruktion, dieser »Machart« Castorp und Ziemßen, Zivilist
und Militär; Settembrini und Naphta, Liberalismus und Totalitarismus; Flachland und
Allgemeinheit und Hochgebirge der Besonderheit, Abfall und Steigerung; Krankheit und
Gesundheit; Geist und Natur; Todesromantik und Lebensbejahung – damit sind nur die
sinnfälligsten Kontra-Punkte aufgezeigt.“86

Als sehr deutliche Antagonismen gelten Settembrini und Naphta. Diese zwei Männer
bekleiden eine wichtige Position im Werk. Settembrini spielt diese wichtige Rolle schon
ab Anfang des Buches, wohingegen Naphta erscheint erst in dem zweiten Teil der
Erzählung. Naphta und Settembrini haben ganz verschiedene Ansichten auf das Leben,
Politik und andere Themen, die im Buch diskutiert werden. Auch die Schlussszene
bestätigt die Verschiedenheit dieser Männer. Sie sind im Zweikampf, beide haben
Pistolen und sollen schießen. Settembrini schießt in die Luft und Naphta erschießt sich
selbst. Kurzke schreibt: „Naphtas Verankehrung in der Leitmotivwelt des Romans ist
antithetisch zu der Settenbrinis. Settembrini ist arm, schwärmt aber von der Arbeit und
von der Ökonomie des Kapitalismus, Naphta ist sehr gut ausgestattet, schwärmt aber von
der Muße und vom „Ruhebett“ als dem Ort der Komplementation bei Bernhard von
Clairvaux.“87

Weiter können wir die Gegenpole und sehr sichtbare Unterschiede beim Verhalten und
Ansichten auf das Leben zwischen den Hauptfiguren Hans Castorp und Joachim Ziemßen
finden. Ziemßen steht in der Position des anhänglichen Soldats. Er achtet auf Regeln und
Ordnung. Castorp ist ein anständiger und gut erzogener Junge, aber seine Ansichten
bezüglich des Lebens und der Regeln sind nicht so strikt. Joachim kommt immer
rechtzeitig und ist immer distinguiert. Auch Castorps unerwartete Verliebtheit in Madame
Chauchat zeigt, dass Castorp sein Verhalten nicht ständig unter Kontrolle hat. Er wollte
sich überwinden und seine persönlichen Regeln einhalten, aber die Sehnsucht war

86
     DE MENDELSSOHN, Peter. Nachbemerkungen zu Thomas Mann. Frankfurt am Main: Fischer
Taschenbuch Verlag GmbH, 1982. S. 99.
87
     KURZKE, Hermann. Thomas Mann: Epoche - Werk - Wirkung/ von Hermann Kurzke. 2., überarb.
Auflage. München: Verlag C.H. Beck München, S. 201.

                                              25
intensiver. Ziemßen als Soldat arbeitete mit seinen Gefühlen anders. Sein Leben hatte nur
eine Richtung, und zwar gesund zu werden und Militärdienst zu machen. Joachim hatte
sein Ziel und nicht Anderes. Ziemßens körperliches Aussehen stand auch als Gegensatz
zu Castorps. „Turnerarme sind das, dachte Hans Castorp; er hat immer gern geturnt,
während ich mir nichts daraus machte, und das hing mit seiner Lust zum Soldatenstande
zusammen. Immer war er gut körperlich gesinnt, viel mehr als ich, oder doch auf andere
Weise; denn ich war immer ein Zivilist, und es war mir mehr um warm baden und gut
essen und trinken zu tun, ihm aber um männliche Anforderungen und Leistungen.“88
Die Dauer des Aufenthaltes von beiden Cousins bestätigt auch diese Theorie. Castorp
kommt erst zu Besuch und Joachim ist wohnhaft im Berghof. In der Mitte des Buches
trennbar die Cousins ihre Rollen. Joachim kommt zurück nach der Verschlimmerung
seines Gesundheitszustandes und Castorp wird gerade derjenige, der sich im Berghof
besser orientiert und über die Mitpatienten alles weiß. „Eigentlich und gefühlsmäßig
gesprochen, war es nun so, daß Joachim an Hans Castorps Seite lebte und nicht mehr
umgekehrt: dieser war nun der Eingesessene, dessen Daseinsform der andere auf kurze
Zeit und besuchsweise teilte.“89

„Den Geist“ und „die Natur“ müssen wir auch erwähnen. Der Zauberberg ist sehr reich
an politischen Gedanken, gesellschaftlichen Themen, medizinischen Aspekten, und
vielen Unterhaltungen über die Patienten in Berghof. Diese Seite des Werkes erleichtern
die Beschreibungen der Umwelt, der Natur und des Wetters im Berghof. „Es war noch
einer dieser gepriesenen Oktobertage, ein Tag, heiß und leicht, festlich und herb zugleich,
mit südlich dunkler Himmelsbläue über dem Tal, dessen von Wegen durchzogene und
besiedelte Triften im Grunde noch heiter grünten, und von dessen rauh bewaldeten
Lehnen Kuhgeläut kam, - dieser blechern-fried-liche, einfältig-musikalische Laut, der
klar und ungestört durch die stillen, dünnen, leeren Lüfte schwebte, die Feierstimmung
vertiefend, die über hohen Gegenden walten.“90 Solche Beschreibungen gibt es im
Zauberberg eine Unzahl. Es ist schön zu sehen, dass Mann einen konkreten und ihm
bekannten Ort beschrieb. Es waren entweder seine oder die von Katias Briefen
übernommene Gedanken.

88
     MANN, Thomas. Der Zauberberg: Roman. 5. Auflage, Frankfurt am Main: S. Fischer, 2020. S. 272.
89
     Ebd. S. 763.
90
     Ebd. S. 381.
                                                  26
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