Produkt deklara tionen - zu den EPD's Umwelt - Betonshop

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Produkt deklara tionen - zu den EPD's Umwelt - Betonshop
Erläuterungen
zu den EPD’s
                Umwelt
                produkt
                   deklara
                   tionen
Produkt deklara tionen - zu den EPD's Umwelt - Betonshop
Impressum
Herausgeber:
InformationsZentrum Beton GmbH
Toulouser Allee 71, 40476 Düsseldorf
www.beton.org

Autoren:
Bauass. Dipl.-Ing. Alice Becke
Fachvereinigung Deutscher Betonfertigteilbau e.V.
Dipl.-Ing. Jochen Reiners
VDZ Technology gGmbH
Andreas Tuan Phan
Bundesverband der Deutschen Transportbetonindustrie e.V.

Gesamtproduktion:
© by Verlag Bau+Technik GmbH,
Steinhof 39, 40699 Erkrath, 2020
www.verlagbt.de

Titelbild:
Villa Hulliger – Das Dreieckshaus,
Philipp Architekten BDA –
Anna Philipp Dipl.-Ing. (FH) Architektin BDA

Druck:
Linsen Druckcenter GmbH, Siemensstraße 12, 47533 Kleve
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                         Umwelt
Erläuterungen
zu den EPD’s

                         produkt
                            deklara
                            tionen
                              für
                              Beton
         Inhaltsverzeichnis
         1		         Vorwort.................................................................................................................................... 3
         2		         Nachhaltigkeitszertifizierung und die ökologische Qualität von Gebäuden....... 4
         3		         Umweltproduktdeklarationen........................................................................................... 6
         4           Ökobilanz Beton.................................................................................................................. 7
         4.1         Anwendungsbereich und deklarierte Einheit............................................................. 7
         4.2         Datenerhebung und Repräsentativität......................................................................... 7
         4.3         Betondruckfestigkeitsklassen und Betonzusammensetzung............................... 8
         4.4         Lebensweg von Betonbauteilen..................................................................................... 9
         4.4.1       Allgemeines.......................................................................................................................... 9
         4.4.2       Produktionsstadium..........................................................................................................11
         4.4.3       Errichtung / Bauphase......................................................................................................13
         4.4.4       Nutzungsphase..................................................................................................................14
         4.4.5       Nutzungsende....................................................................................................................14
         4.4.6       Nutzen und Lasten außerhalb des Lebenszyklus von Gebäuden....................15
         5		         Ergebnisse der Ökobilanzierung..................................................................................15
         5.1         Darstellung in den Umweltproduktdeklarationen....................................................15
         5.2         Auswertung und Interpretation.....................................................................................15
         6		         Umweltinformationen für „Durchschnittsbeton“......................................................18
         7		         Übertragung der Ergebnisse auf das Gesamtgebäude.......................................19
         7.1         Berücksichtigung der Bewehrung bei Stahlbetonbauteilen................................19
         7.2         Weitere Einflüsse auf die Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden..............19
         7.2.1       Flexibilität und Umnutzungsmöglichkeit....................................................................21
         7.2.2       Dauerhaftigkeit...................................................................................................................21
         7.2.3       Schallschutz........................................................................................................................21
         7.2.4       Brandschutz........................................................................................................................21
         7.2.5       Energieeffizienz und thermischer Komfort................................................................21
         8		         Weiterführende Informationen......................................................................................22
         8.1         Links......................................................................................................................................22
         8.2         Andere Ökobilanzen und Umweltproduktdeklarationen.......................................22
         9		         Literaturverzeichnis...........................................................................................................23

         Anhang...............................................................................................................................................25
         A.1.  Ergebnisse der Ökobilanz für 1 Kubikmeter Konstruktionsbeton C20/25.....26
         A.2.        Ergebnisse der Ökobilanz für 1 Kubikmeter Konstruktionsbeton C25/30.....27
         A.3.        Ergebnisse der Ökobilanz für 1 Kubikmeter Konstruktionsbeton C30/37.....28
         A.4.        Ergebnisse der Ökobilanz für 1 Kubikmeter Konstruktionsbeton C35/45.....29
         A.5.        Ergebnisse der Ökobilanz für 1 Kubikmeter Konstruktionsbeton C45/55.....30
         A.6.        Ergebnisse der Ökobilanz für 1 Kubikmeter Konstruktionsbeton C50/60.....31
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1        Vorwort

Der Bundesverband der Deutschen Transportbeton-                Transportbetonwerken. Hierzu wurden die Ergebnisse aus
industrie e.V. (BTB) und die Forschungsvereinigung             dem Forschungsvorhaben der Forschungsgemeinschaft
der deutschen Beton- und Fertigteilindustrie e.V. unter        Transportbeton e. V. (FTB) „Energetische Optimierung
Federführung der Fachvereinigung Deutscher Betonfer-           der Betonherstellung im Transportbetonwerk – Bestands-
tigteilbau e.V. (FDB) haben dem Forschungsinstitut der         aufnahme und Ableitung von Optimierungspotenzialen“
Zementindustrie (Verein Deutscher Zementwerke) den             [BTB] herangezogen. Weiterhin ergeben sich Änderun-
Auftrag erteilt, Ökobilanzen für Betone sechs üblicher         gen in den Umweltwirkungen aus der verpflichtenden
Druckfestigkeitsklassen zu erarbeiten. Nach der Fertig-        Zuteilung von Emissions- und Energiebeiträgen der
stellung wurden die Ökobilanzen beim Institut Bauen und        Produktion von Steinkohleflugasche. Neu in der aktua-
Umwelt e.V. (IBU) eingereicht und verifiziert und liegen       lisierten Umweltproduktdeklaration ist die Berücksichti-
seit Juli 2013 als Umweltproduktdeklarationen (englisch:       gung der Carbonatisierung während der Nutzungsphase
Environmental Product Declaration EPD) vor.                    (Modul B1). Während dieser Phase nehmen Betonbau-
                                                               teile Kohlendioxid aus der Luft auf. Dies wird als negati-
Insbesondere für frühe Planungsphasen stellen EPDs             ves Treibhauspotenzial berücksichtigt.
Informationen für die Nachhaltigkeitsbewertung von Ge-
bäuden bereit. Zu diesem Zeitpunkt ist die Entscheidung,       Diese Broschüre soll Hilfestellung bei der Verwendung
ob die Ausführung von Gebäudeteilen in Transportbeton          der Ökobilanzdaten in den EPDs geben und einzelne
oder als Betonfertigteile erfolgt, oft noch nicht gefallen.    Hintergründe der Bilanzierung erläutern. In erster Linie
Mit den vorliegenden Beton-EPDs wurden einerseits die          sollen die bereitgestellten Daten dem Informationsaus-
bereits veröffentlichten ökobilanziellen Baustoffprofile für   tausch zwischen Unternehmen („Business-to-Business“)
Transportbeton aktualisiert und gleichzeitig Branchen-         dienen und als Grundlage für die Ökobilanzierung von
daten angeboten, die ein möglichst breites Spektrum            Gebäuden genutzt werden. Angaben in EPDs finden
der Betonindustrie abdecken.                                   ihre Anwendung bei der Nachhaltigkeitsbetrachtung
                                                               im Gebäude- oder Bauwerkskontext, sind aber für den
Die 2013 veröffentlichten Umweltproduktdeklarationen           Baustoffvergleich und eine Kommunikation zum privaten
für Beton mussten vor Ablauf ihrer Gültigkeit im Juli 2018     Konsumenten („Business-to-Consumer“) nicht geeignet.
aktualisiert werden [IBU1]. Die Überarbeitung der EPDs
erfolgte nach den Vorgaben der europäischen Norm                                                         Eine Environmental Pro-
EN 15804:2012-04 + A1:2013-05 „Nachhaltigkeit von                                                        duct Declaration (EPD)
Bauwerken – Umweltproduktdeklarationen – Grund-                                                          enthält wichtige Informa-
regeln für die Produktkategorie Bauprodukte“. Die in                                                     tionen für die Ökobilan-
2017 aktualisierte Umweltproduktdeklaration Zement                                                       zierung von Bauwerken,
bildete die Datengrundlage. Deklarationen wurden für                                                     z. B. im Rahmen einer
folgende sechs Druckfestigkeitsklassen erarbeitet:                                                       Nachhaltigkeitszertifizie-
C20/25, C25/30, C30/37, C35/45, C45/55, C50/60.                                                          rung.
Diese stehen unter www.beton.org/epd zur Verfügung.
                                                               Weitere Literatur zum Themenkomplex „Nachhaltig Bauen
Wesentliche Änderungen ergeben sich aufgrund der               mit Beton“ finden Sie u. a. auf der Internetseite
besseren Datengrundlage zum Stromverbrauch in                  www.nachhaltig-bauen-mit-beton.de.
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    2 Nachhaltigkeitszertifizierung und
      die ökologische Qualität von Gebäuden

    Wer die Nachhaltigkeit von Bauwerken bewerten will,               Dies schließt alle Prozesse von der Rohstoffgewinnung
    braucht umfangreiche Informationen zu den verwendeten             oder Rohstofferzeugung bis zur endgültigen Beseitigung
    Bauprodukten, den Bauverfahren, dem Bauprozess, der               ein (Abb. 4). Auf Grundlage dieser Zusammenstellung
    Nutzung des Gebäudes sowie dem Nutzungsende.                      werden potenzielle Umweltwirkungen, z. B. auf den Treib-
                                                                      hauseffekt oder die Versauerung von Boden und Wasser,
    Den beiden in Deutschland entwickelten Systemen zur               beurteilt.
    Zertifizierung der Nachhaltigkeit von Gebäuden
                                                                      Aufgrund der Fülle der Nachhaltigkeitskriterien und deren
    › BNB – Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für 		                Gewichtung sowie der großen Bedeutung der Nutzungs-
      Bundesgebäude [BNB]                                             phase für die Ökobilanz eines Gebäudes ist der Einfluss
    › DGNB – Zertifizierungssystem der Deutschen Gesell-              der Ökobilanz der Baustoffe der Tragkonstruktion relativ
      schaft für Nachhaltiges Bauen e.V. [DGNB]                       gering. Bei der exemplarischen Berechnung eines fiktiven
                                                                      Bürogebäudes mit Fundamenten, Decken und Keller-
    liegt jeweils eine derartige ganzheitliche Betrachtung zu-        wänden aus Beton betrug der Anteil der Ökobilanz der
    grunde. Alle weiteren Aussagen beziehen sich auf diese            Betonherstellung an der Gesamtbewertung nach DGNB
    beiden Systeme.                                                   weniger als 2 % [VDZ1]. Das zeigt, dass die Verwendung
                                                                      eines Baustoffes mit geringen Umweltwirkungen während
    Sie berücksichtigen den kompletten Lebenszyklus eines             seiner Gewinnung oder Herstellung nicht automatisch zu
    Gebäudes und beurteilen eine Vielzahl von Gebäude-                „nachhaltigeren“ Gebäuden führt.
    eigenschaften (Kriterien). Diese werden in verschiedene
    Themenbereiche untergliedert: „Ökologische Qualität“,             Aus diesem Grund sind Branchenquerschnittsdaten, wie
    „Ökonomische Qualität“, „Soziokulturelle und funktionale          sie mit den Beton-EPDs zur Verfügung gestellt werden,
    Qualität“, „Technische Qualität“, „Prozessqualität“ (Planung      im Allgemeinen ausreichend für die Ökobilanzierung von
    und Bauausführung) sowie „Standortqualität“ (Abb.1) und           Gebäuden im Rahmen der Nachhaltigkeitszertifizierung.
    sind in der Gesamtbewertung nach festgelegten Fakto-              Herstellerspezifische Ökobilanzen sind in der Regel nicht
    ren gewichtet. Innerhalb dieser Themenbereiche werden             erforderlich.
    zahlreiche Einzelkriterien betrachtet (Abb. 2).
                                                                      Bauprodukte können nicht als „gut“ oder „schlecht“
    Ein wesentlicher Teil der ökologischen Qualität wird mit          bewertet werden. Ihre Leistung sowohl aus technischer,
    Hilfe einer Ökobilanzierung des Bauwerkes quantifiziert.          wirtschaftlicher aber auch ökologischer Sicht ist immer
    Dabei werden zunächst alle Stoff- und Energieflüsse               im Gesamtsystem zu betrachten. So wirkt sich der intelli-
    zusammengestellt, die dem Gebäude im Verlauf seines               gente Einsatz des Baustoffes Beton, d. h. die geschickte
    Lebensweges zugeführt und davon abgegeben werden.                 Nutzung seiner Potenziale [BMD1] generell positiv auf
                                                                      die Nachhaltigkeit eines Gebäudes aus.

                                                                                                     Abb. 1: Die Nachhaltigkeit-
                                                                                                     squalitäten (Themenbereiche)
                                                                                                     in den Zertifizierungssystemen
                                                                                                     BNB [BMI1] sowie DGNB [DGNB]

                     Ökologische            Ökonomische            Soziokulturelle und
                      Qualität                Qualität             funktionale Qualität

                                            Technische Qualität

                                            Prozessqualität

                                            Standortqualität
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  Ökologische Qualität                        Ökonomische Qualität                            Standortqualität
    Ökobilanz des Gebäudes (emissi-              Gebäudebezogene Kosten                          Verhältnisse und Risiken
    onsbedingte Umweltwirkungen und              im Lebenszyklus                                 am Mikrostandort
    Primärenergiebedarf)                         Flexibilität und Umnutzungsfähigkeit            Quartiersmerkmale
    Risiken für die lokale Umwelt                Flächeneffizienz                                Verkehrsanbindung
    Verantwortungsbewusste                       Marktfähigkeit                                  Nähe zu nutzungsrelevanten
    Ressourcengewinnung                                                                          Objekten und Einrichtungen
    Trinkwasserbedarf und                                                                        Erschließung
    Abwasseraufkommen                         Prozessqualität
    Flächeninanspruchnahme                       Qualität der Projektvorbereitung
    Biodiversität am Standort                    Integrale Planung
                                                                                              Soziokulturelle Qualität
                                                 Sicherung der Nachhaltigkeitsaspekte
                                                 in Ausschreibung und Vergabe                    Thermischer Komfort
 Technische Qualität                             Dokumentation für eine nachhaltige              Innenraumluftqualität
                                                 Bewirtschaftung                                 Visueller Komfort
    Schallschutz
                                                 Verfahren zur städtebaulichen und               Akustischer Komfort
    Wärme- und Tauwasserschutz                   gestalterischen Konzeption                      Sicherheit
    Einsatz und Integration                      Baustelle / Bauprozess
    von Gebäudetechnik                                                                           Einflussnahmemöglichkeiten
                                                 Qualitätssicherung der Bauausführung            durch Nutzer
    Reinigung und Instandhaltungs-
                                                 Systematische Inbetriebnahme                    Aufenthaltsqualitäten innen und
    freundlichkeit
                                                 Nutzerkommunikation                             außen
    Rückbau, Trennung und Verwertung
                                                 FM-gerechte Planung                             Barrierefreiheit
    Widerstand gegen Naturgefahren
                                                                                                 Gestalterische und städtebauliche
    Immissionsschutz                                                                             Qualität
    Bedienungs- und Instandhaltungs-                                                             Zugänglichkeit
    freundlichkeit der TGA
                                                                                                 Mobilitätsinfrastruktur
    Mobilitätsinfrastruktur
                                                                                                 Kunst am Bau
Abb. 2: Sechs Themenfelder zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden und Kriterien, um diese zu spezifizieren. Je nach Gebäudetyp und
Bewertungssystem werden die Kriterien unterschiedlich gewichtet oder entfallen [DGNB und BNB].

Durch den Baustoff Beton werden nicht nur die ökolo-                  Für die Erfüllung der Bauaufgabe „Errichtung eines nach-
gischen, sondern auch zahlreiche andere Nachhaltig-                   haltigen Gebäudes“ muss ein komplexer Abwägungs-
keitskriterien beeinflusst: thermischer Komfort, Anpas-               prozess durchgeführt werden. Dabei führt der Vergleich
sungsfähigkeit, Flexibilität, Dauerhaftigkeit, Brandschutz,           von Baustoff-Ökobilanzen zum Zweck der Baustoffwahl
akustischer Komfort, Drittverwendungsfähigkeit etc.                   in der Regel zu Fehlschlüssen und ist unzulässig. Der
                                                                      Produktnutzen ist letztendlich nur auf der Ebene eines
                                                                      Gebäudes oder Gebäudeteils mit definierten Eigenschaf-
      Zahlreiche Nachhaltigkeitskrite-                                ten quantifizierbar.
      rien werden durch den Baustoff
      Beton positiv beeinflusst.
                                                                                                                    EPDs sind nicht für den
                                                                                                                    Baustoffvergleich geeignet.
Bei der Nachhaltigkeitszertifizierung werden auch viele
Kriterien betrachtet, die unabhängig von der Wahl des
Baustoffes sind. Hierzu gehören z. B. Barrierefreiheit, Ein-
flussnahme des Nutzers, Zugänglichkeit, Ausschreibung
und Vergabe, Qualitätssicherung der Bauausführung
(Abb. 2 und auch Kapitel 7.2).
Produkt deklara tionen - zu den EPD's Umwelt - Betonshop
6

    3 Umweltproduktdeklarationen

    Umweltproduktdeklarationen (EPDs) quantifizieren syste-              des Abfallaufkommens während der Herstellphase (inkl.
    matisch die Umweltwirkungen eines Produktes. Außer-                  der Herstellung aller verwendeten Baustoffe und deren
    dem können sie zusätzliche Angaben zu technischen                    Ausgangsstoffe), seiner langjährigen Nutzungsphase und
    Eigenschaften, die für die Einschätzung der Leistung                 für den Rückbau bzw. Abriss betrachtet.
    des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie
    Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den                    Umweltproduktdeklarationen werden in der Regel in
    Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft geben. Daten-            Übereinstimmung mit den Anforderungen der DIN EN
    grundlage bilden die Ergebnisse einer Ökobilanz. Eine                15804 „Nachhaltigkeit von Bauwerken – Umweltdeklarati-
    Wertung der Angaben erfolgt dabei nicht. Vielmehr muss               onen für Produkte – Grundregeln für die Produktkate-
    der Planer diese Informationen auf die Maßstäbe des                  gorie Bauprodukte“ [DIN3] und sogenannten Produkt-
    Zertifizierungssystems zur Bewertung der deklarierten                kategorieregeln (Product Category Rules – PCR) erarbei-
    Sachverhalte wie z. B. Energie- und Ressourceneinsatz                tet. Dabei wird die Zuverlässigkeit der Ökobilanz-Daten
    und Auswirkungen des Produktes auf Folgen wie Treib-                 über eine unabhängige Verifizierung sichergestellt.
    hauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der
    Ozonschicht anwenden.                                                Für die Beton-EPDs wurden folgende Produktkategorien-
                                                                         regeln für Bauprodukte aus dem Programm für Umwelt-
    Die Umweltwirkungen eines Produktes werden in der                    produktdeklarationen des Institutes Bauen und Umwelt
    Regel über eine Ökobilanzierung entsprechend den                     e. V. (IBU) berücksichtigt:
    Normen DIN EN ISO 14040 [DIN1] und DIN EN ISO
    14044 [DIN2] ermittelt. Hierfür werden alle Stoffströme,             › IBU PCR, Teil A: Rechenregeln für die Ökobilanz und
    die mit einem Produkt von der Rohstoffgewinnung bis                    Anforderungen an den Hintergrundbericht [IBU2]
    zur Entsorgung verknüpft sind, systematisch erfasst.                 › IBU PCR, Teil B: Anforderungen an die EPD für Beton-
    Potenzielle Umweltwirkungen dieser Stoffströme werden                  bauteile aus Ort- oder Lieferbeton [IBU3]
    charakterisiert und quantifiziert. Ökobilanzen bilden den            › IBU PCR, Teil B: Anforderungen an die EPD für Beton-
    eigentlichen Kern einer Umweltproduktdeklaration.                      fertigteile [IBU4]
                                                                         › EN 16757:2017 – Sustainability of construction works –
    Idealerweise werden die Umweltwirkungen sowohl bei                      Environmental product declarations – Product Category
    der Betrachtung des Gebäudes als auch bei den verwen-                   Rules for concrete and concrete elements [DIN7]
    deten Bauprodukten über den gesamten Lebenszyklus
    erfasst. Das heißt: Für ein Gebäude werden die Auswir-               Das nachfolgende Kapitel 4 erläutert die verschiedenen
    kungen des Stoff-, Energie- und Wasserverbrauchs sowie               Schritte zur Erstellung der Ökobilanz für Beton.

    Tafel 1: Parameter zur Beschreibung des Ressourceneinsatzes (links) und der Umweltwirkungen (rechts) im Rahmen einer Ökobilanz nach
    DIN EN 15804 [DIN3]

     Schutz natürlicher Ressourcen                               Schutz des Ökosystems
     (Ressourceninanspruchnahme)                                 (Wirkungen auf die globale und lokale Umwelt)

     · Primärenergieaufwand nicht erneuerbar (PEnem)             · Globales Erwärmungspotenzial (GWP)
     · Primärenergieaufwand erneuerbar (PEem)                    · Potenzial der Bildung troposphärischen Ozons (POCP)
     · Einsatz von Sekundärstoffen                               · Versauerungspotenzial von Boden und Wasser (AP)
     · Einsatz von erneuerbaren Sekundärbrennstoffen             · Eutrophierungspotenzial (Überdüngung) (EP)
     · Einsatz von nicht erneuerbaren 			                        · Abbaupotenzial der stratosphärischen Ozonschicht (ODP)
       Sekundärbrennstoffen
                                                                 · Potenzial für abiotischen Ressourcenabbau für
     · Einsatz von Trinkwasser                                     nicht fossile Ressourcen (ADPel)
                                                                 · Potenzial für abiotischen Ressourcenabbau für
                                                                   fossile Ressourcen (ADPfoss)
7

4 Ökobilanz Beton

4.1 Anwendungsbereich und deklarierte Einheit                          › durchschnittliche Transportentfernung der Ausgangs-
                                                                           stoffe zum Werk (Zement, Gesteinskörnung, Wasser,
Die Ökobilanz bezieht sich auf einen Kubikmeter [m³] in                    Flugasche, Betonzusatzmittel),
Deutschland hergestellten unbewehrten Beton für Bautei-                ›   Energieverbrauch im Bezugsjahr 2016 (elektrische
le im Hochbau (Wände, Decken, Balken, Treppen etc.), im                    Energie und Dieselkraftstoff – sofern möglich aufge-
Tiefbau (z. B. erdberührte Bauteile, Gründungselemente)                    schlüsselt in die verschiedenen Produktionsschritte),
und im Ingenieurbau (z. B. Brücken).                                   ›   durchschnittliche Transportentfernung zwischen Werk
                                                                           und Baustelle,
Für den Straßenbau kommt in der Regel Ortbeton aus                     ›   Umweltlasten typischer Arbeitsprozesse auf der Bau-
Anlagen zum Einsatz, die sich in unmittelbarer Nähe                        stelle.
der Einbaustelle befinden. In der Ökobilanzierung wurde
Straßenbaubeton daher nicht betrachtet.                                Für Transportbeton wurden repräsentative Betonzusam-
                                                                       mensetzungen aus einem Forschungsvorhaben des
Fertigteile, die nicht konstruktiv eingesetzt werden (z. B.            Deutschen Ausschusses für Stahlbeton e. V. [DAFSTB]
Pflastersteine, Gehwegplatten, Betonrohre, Dachsteine                  gewählt und mit Experten aus der Praxis sowie langjäh-
etc.) sind ebenfalls nicht von der Beton-EPD erfasst.                  rig geführten Verbandsstatistiken des Bundesverbandes
Für Umweltinformationen zu speziellen Betonfertigteilen                der Deutschen Transportbetonindustrie e. V. abgegli-
siehe https://ibu-epd.com/veroeffentlichte-epds/.                      chen. Für den Betonfertigteilbereich wurden seitens
                                                                       der Forschungsvereinigung der deutschen Beton- und
Für die Ökobilanzierung von Bauteilen aus Stahlbeton                   Fertigteilindustrie e. V. Daten von Fertigteilherstellern aus
ist der Bewehrungsstahl separat zu betrachten. Hinweise                dem gesamten Bundesgebiet mit stark unterschiedlichen
hierzu siehe Kapitel 7.                                                jährlichen Produktionsvolumina erhoben. Somit ist die
                                                                       Repräsentativität der Daten insgesamt sichergestellt. Die
     Die Daten der Beton-EPD                                           ermittelten Betonzusammensetzungen können demnach
     sind im Rahmen der Nach-                                          als typisch angesehen werden.
     haltigkeitszertifizierung von
     Gebäuden für alle aus Beton                                       Die anschließende Durchschnittsbildung erfolgte für
     hergestellten Bauwerksteile                                       jede Betondruckfestigkeitsklasse gewichtet nach dem
     anwendbar.                                                        Produktionsvolumen von Transportbeton und Betonfertig-
                                                                       teilen. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass
                                                                       – angepasst an den Produktionsprozess – statistisch hö-
                                                                       here Betonfestigkeiten eher bei Fertigteilen zum Einsatz
4.2 Datenerhebung und Repräsentativität                                kommen, während niedrigere Betonfestigkeiten mehr als
                                                                       Transportbeton verwendet werden (Abb. 3).
Für die Ökobilanzen wurden sowohl für Transportbeton
als auch für Betonfertigteile folgende Daten erhoben:

› Produktionsmenge im Bezugsjahr 2016,                                 In [BTB] sind Ergebnisse des Forschungsvorhabens
› durchschnittliche Betonzusammensetzung,                              „Energetische Optimierung der Betonherstellung in Trans-

    100 %

                                                                                               Betonfertigteile

     50 %

                             Transportbeton

      0%
       C20/25                  C25/30                 C30/37                  C35/45              C45/55               C50/60

                                                           Druckfestigkeitsklasse

Abb.3: Verhältnis der Produktionsmengen Transportbeton / Betonfertigteile (schematisch)
8

    portbetonwerken“ dokumentiert, in dessen Zuge eine                     bei der Planung geeignete Annahmen für die zu erwar-
    Bestandsaufnahme zum Energieverbrauch bei Trans-                       tenden Umwelteinwirkungen getroffen (z. B. trockene
    portbetonwerken durchgeführt wurde. Ausgewählt waren                   Innenraumluft, mäßige Feuchte, Schlagregen, Tausalzan-
    sechs Werke, die in den Anlagentypen, den Misch- und                   griff) und sogenannten Expositionsklassen zugeordnet
    Antriebssystemen und der Produktionsleistung variierten,               [DIN4]. Die Betonzusammensetzung variiert je nach
    um eine Vielzahl unterschiedlicher und gängiger Trans-                 Druckfestigkeitsklasse und Bauaufgabe.
    portbetonwerke abzudecken. Mit Hilfe eines elektrischen
    Leistungsmessgerätes wurden die Leistungsaufnahme                      Insgesamt wurden folgende sechs Betondruckfestigkeits-
    und der Energieverbrauch der jeweiligen Verbraucher im                 klassen im Rahmen der Ökobilanz untersucht: C20/25,
    laufenden Betrieb aufgezeichnet. Für die Ökobilanzierung               C25/30, C30/37, C35/45, C45/55 und C50/60. Tafel 2
    wurde ein Mittelwert herangezogen.                                     zeigt die durchschnittliche Zusammensetzung der dekla-
                                                                           rierten Betone.

                                                                           Die Auswahl der verschiedenen Druckfestigkeitsklassen
    4.3 Betondruckfestigkeitsklassen                                       soll es dem Planer ermöglichen, auch im frühen Pla-
    und Betonzusammensetzung                                               nungsstadium mit einer angemessenen Genauigkeit die
                                                                           Umweltwirkungen des verwendeten Betons abzuschät-
    Betonbauwerke und ihre Bauteile müssen die zu erwar-                   zen. Für den Fall, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine
    tenden Beanspruchungen sicher aufnehmen können und                     ausreichenden Informationen vorliegen, sind im Kapitel 6
    über viele Jahrzehnte dagegen widerstandsfähig bleiben.                zusätzlich die Umweltwirkungen eines „Durchschnitts-
    Dies verlangt eine sach- und materialgerechte Konstruk-                betons“ und weitere Hinweise zur Anwendbarkeit dieser
    tion, Bemessung, Baustoffauswahl und Bauausführung.                    Daten zu finden.
    Zur Sicherstellung der geforderten Eigenschaften werden

    Tafel 2: Durchschnittliche Zusammensetzung des deklarierten Betons (gewichtetes Mittel aus Transportbeton und Betonfertigteilen)
    [Angaben in kg je m³ Beton]

                                           C20/25            C25/30           C30/37            C35/45             C45/55          C50/60

     Zement                                  260               290               320              357                366               392

     Flugasche                                28                42                55                35                43                19

     Gesteinsmehl                             12                18                24                15                 5                 7

     Gesteinskörnung                       1.880             1.820             1.792             1.813             1.834           1.846

       davon Kies                            836               810               797              783                683               683

       davon Sand                            649               628               623              646                665               679

       davon Splitt                          376               364               356              369                482               480

       davon rezyklierte GK                   19                18                18                15                 4                 4

     Wasser                                  170               176               170              164                155               153

     Betonzusatzmittel                        1,3               1,2               1,3              1,7              3,03               3,3

     Summe                               2.351,3           2.347,2           2.362,3           2.385,7            2.406,3        2.420,3

    Tafel 3: Anhaltswerte für die Mindestdruckfestigkeitsklassen in Bezug auf die Umweltbedingungen (Expositionsklassen):

     Beschreibung der Umgebung und Beispiele für die Zuordnung                                           Mindestdruckfestigkeitsklasse

     Bauteile in Innenräumen mit üblicher Luftfeuchte (einschließlich Küche, Bad)                        C16/20

     Bauteile, zu denen die Außenluft häufig oder ständig Zugang hat,                                    C20/25
     z.  B. offene Hallen, gewerbliche Küchen, Bäder, Wäschereien, Hallenbäder etc.

     Außenbauteile mit und ohne direkter Beregnung                                                       C25/30

     Bauteile im Sprühnebelbereich von Verkehrsflächen, Einzelgaragen,                                   C30/37
     Außenbauteile in Küstennähe

     Teile von Brücken mit häufiger Spritzwasserbeanspruchung,                                           C35/45
     Bauteile, die mit Meerwasser in Berührung kommen,
     Bauteile in betonangreifenden Böden
9

Zur Abschätzung der anzuwendenden Betonfestigkeit            Zu folgenden Modulen werden Aussagen getroffen
lässt sich sagen, dass im Allgemeinen statisch hoch          (siehe auch Abb. 6):
ausgenutzte Bauteile wie Stützen und Unterzüge mit
höheren Festigkeiten hergestellt werden als z. B. Decken
und Wände. Die Umweltbedingungen, denen Außenbau-            › Produktstadium und Errichtungsphase:
teile ausgesetzt sind, bestimmen über die Expositions-         A1 bis A3, A4 und A5
klassen ebenfalls die erforderliche Betondruckfestigkeit.    › Nutzungsphase: B1
Für Innenbauteile werden im Allgemeinen geringere            › Ende des Lebensweges: C1, C2 und C3
Druckfestigkeiten verwendet als für Außenbauteile.           › Gutschriften und Lasten außerhalb des Lebenszyklus
                                                               des Gebäudes: D
Eine detaillierte Aufstellung siehe [VDZ2].
                                                             Die wesentlichen Arbeitsschritte zur Herstellung eines
                                                             auf der Baustelle geschalten Gebäudeteils aus Trans-
                                                             portbeton und eines Betonfertigteils sind annähernd die
4.4 Lebensweg von Betonbauteilen                             gleichen. Sie sind lediglich zeitlich verschoben (Abb. 6).

4.4.1 Allgemeines                                            Die bestehenden Unterschiede zwischen den beiden
Die Umweltproduktdeklarationen für Beton umfassen            Bauverfahren Betonfertigteilbauweise (BFT) und Trans-
den Lebensweg der Bauteile „von der Wiege bis zum            portbeton (TB) wirken sich in der Gesamtbilanzierung nur
Werkstor mit Optionen“ (cradle-to-gate with options). Im     gering aus:
Gegensatz zu einer oft verwendeten EPD „von der Wiege
bis zum Werkstor“ (cradle-to-gate) sind hier neben dem       BFT: geringere Anzahl von Transporten zwischen Werk
Produktionsstadium weitere ausgewählte Stadien des           und Baustelle mit jedoch teilweise deutlich größerer
Lebensweges eines Betonbauteils erfasst. Die unter-          Transportentfernung (durchschnittliche Entfernung:
schiedlichen Stadien werden nach DIN EN 15804 [DIN3]         180 km bei einer mittleren Nutzlast des Transportes
in sogenannte Module unterteilt und dem Lebensweg            von ca. 22 t)
eines Gebäudes zugeordnet (Abb. 5).
                                                             TB: häufigere Transporte mit dem Fahrmischer, über
                                                             meist geringere Entfernungen (durchschnittliche Trans-
       Die Beton-EPDs enthalten                              portentfernung 14,9 km bei ca. 7,5 m³ Transportvolumen
       Angaben für den gesamten                              der Fahrmischer)
       Lebensweg der Bauteile von
       der Gewinnung der Aus-                                BFT + TB: an das Bauverfahren angepasste Betonzu-
       gangsstoffe bis zum Abriss                            sammensetzung (z. B. hohe Frühfestigkeit für Betonfertig-
       des Gebäudes.                                         teile, längere Verarbeitbarkeit von Transportbeton)

                                                                                     Errichtung

                                                    Herstellung
                                                    Vorprodukte
                 Rohstoffabbau

                                                            Nutzungssende

                                  Recycling
                                                                                            Nutzung

Abb. 4: Lebensweg von Bauwerken
10

                                                                                                                                                                                                            Ende des                                                 Gutschriften und
                                     Produkt-                        Errichtungs-                                                                                                                        Lebensweges –
                                                                                                                                Nutzungsphase                                                                                                                        Lasten außerhalb
                                     stadium                            phase                                                                                                                             Entsorgungs-                                               des Lebenszyklus
                                                                                                                                                                                                             phase
            Rohstoffbereitstellung

                                                                                                                                                                                                                                                                         Wiederverwendungs-/
                                                                                                                                                                               Umbau / Erneuerung

                                                                                                                                                                                                                                                                          Rückgewinnungs-/
                                                                                                                                                                                                                          Abfallbehandlung
                                                                                                                                                    Instandsetzung
                                                                                                                                 Instandhaltung

                                                                                                                                                                                                                                                 Deponierung
                                                                                                  Bau / Einbau

                                                                                                                                                                                                                                                                             Recycling-
                                                      Herstellung

                                                                                                                                                                                                                                                                              potenzial
                                          Transport

                                                                                                                                                                                                              Transport
                                                                       Transport

                                                                                                                                                                                                    Abbruch
                                                                                                                      Nutzung

                                                                                                                                                                     Ersatz
            A1                            A2          A3              A4                         A5                   B1        B2                  B3               B4       B5                    C1        C2          C3 C41)                                               D

                                                                                                                      B6 – betrieblicher
                                                                                                                      Energieeinsatz 1)
                                                                                                                      B7 – betrieblicher
                                                                                                                      Wassereinsatz 1)                                                                                                1)
                                                                                                                                                                                                                                             Modul in der Ökobilanz Beton nicht deklariert

     Abb. 5: Stadien des Lebensweges und Module für die Beschreibung und Bewertung eines Gebäudes; Abbildung nach Bild 1 in DIN EN 15804
     [DIN2]

                                                                                                                                Lebenszyklusphasen

                                                        Gesteins-
                                                        körnung                                                                                                               Schalung
                                                                                   Transport zum Werk
                        Transportbeton

                                                                                                                                                                                                                                                               Abbruch
                                                           Zusatz-
                                                           stoffe/                                                 Lagern/                        Transport                     Pumpen
                                                                                                                  Dosieren/                          zur                                                        Neutral für
                                                           -mittel                                                                                                                                                                                         Transport
                                                                                                                  Mischen                         Baustelle                                                       Beton

                                                                                                                                                                                                                                                     Aufbereitung
                                                           Zement                                                                                                             Verdichten
                                                                                                                                                                              Ausschalen
                                                                                                                  Wasser
                                                                                                                                                                                                                                                                              Ergänzende
                                                                                                                                                                                                                                                                              Information
                                                                                                                                                                                                                                                                             außerhalb des
                                                                                                                                                                                                                                                                                Lebens-
                                                            A1                     A2                               A3                              A4                                         A5                         B                                      C               zyklus
                                                                                                                                                                                                                                                                             des Gebäudes
                                                                      Produktion                                                                                     Errichtung                                    Nutzung                             Entsorgung
                                                                                                                                                                                                                                                                                Rückgewin-
                                                                                                                                                                                                                                                                                  nungs-
                                                                                                                  Wasser                                                                                                                                                         potenzial

                                                        Gesteins-
                                                                                                                   Lagern/
                                                        körnung
                                                                                                                  Dosieren/                                                                                                                                    Abbruch
                                                                                   Transport zum Werk

                                                                                                                  Mischen
                        Betonfertigteil

                                                           Zusatz-                                                Schalung                        Transport                                                     Neutral für                                Transport
                                                           stoffe/                                                                                   zur                      Montage                             Beton
                                                           -mittel                                                                                Baustelle
                                                                                                                 Verdichten
                                                                                                                                                                                                                                                     Aufbereitung
                                                                                                                 Ausschalen

                                                                                                                 ggf. Wärme-
                                                           Zement
                                                                                                                 behandlung

                                                                                                                   interne
                                                                                                                 Transporte

     Abb. 6: Schema des Lebensweges eines Bauteils aus Beton mit Zuordnung zu den Modulen (in Anlehnung an DIN EN 15804)
11

                                                                                              4.4.2 Produktstadium
                                                                                              Förderung/Produktion der Betonausgangsstoffe
                                                                                              (Modul A1)

                                                                                              Beton wird hergestellt durch Mischen von Zement, grober
                                                                                              und feiner Gesteinskörnung und Wasser, mit oder ohne
                                                                                              Zugabe von Zusatzmitteln und Zusatzstoffen. Die durch-
                                                                                              schnittliche Zusammensetzung des deklarierten Betons
                                                                                              ist auf Tafel 2 angegeben.
Foto: BetonBild

                                                                                              Gesteinskörnung
                                                                                              Als Gesteinskörnung werden Sand, Kies und/oder Splitt
                                                                                              verwendet. Teilweise werden diese Primärrohstoffe durch
                  Abb. 7: Natürliche Ausgangsstoffe für Beton: Wasser, Zement,                rezyklierte Gesteinskörnungen ersetzt.
                  Gesteinskörnung

                                                                                              Zement
                                                                                              Zement ist ein hydraulisch erhärtendes Bindemittel. Er
                         Die verfahrenstechnischen                                            besteht aus einem Gemisch fein aufgemahlener, nicht
                         Unterschiede zwischen Trans-                                         metallisch-anorganischer Bestandteile. Zement kann
                         portbeton- und Betonfertig-                                          durch gemeinsames Vermahlen des bis zur Sinterung
                         teilbauweise wirken sich nur                                         gebrannten Zementklinkers mit anderen Haupt- und
                         gering auf die Ökobilanz aus.                                        Nebenbestandteilen oder durch Mischen getrennt fein-
                                                                                              gemahlener Haupt- und Nebenbestandteile hergestellt
                                                                                              werden.
                  Die einzelnen Lebenszyklusphasen und die berücksich-
                  tigten Prozesse werden nachfolgend näher erläutert.

                     Aufbereiten der Rohstoffe                                                                               Chemisches Umwandeln
                      Kalkstein und Ton                           Rohstoffe                 Rohmehl
                      Gewinnen         Brechen              Homogenisieren                 Trocknen         Homogenisieren               Brennen
                                                              und Lagern                  und Mahlen        und Abscheiden
                                                                                                                                         Zyklonvorwärmer

                                                        Mischbett-                                       Elektro-
                                                        silo                                             filter                          Calcinator

                                                                                                                                            Drehrohrofen

                      Steinbruch          Brecher
                                                                                              Rohmühle                                                Kühler

                                                                                        Klinker

                                     Mahlen                                              Lagern                              Abfüllen, Verladen, Transportieren

                              Lagern und               andere Hauptbestandteile              Zement CEM I bis CEM V
                            Homogenisieren                               Sulfatträger
                                                        Klinker
                                                                                                                                    Sackware
                                                                       Sichter
                      Klinkersilo

                                                                                                                                    lose Ware

                                                                  Zementmühle

                  Abb. 8: Zementherstellung (schematisch)
12

     Abb. 8 zeigt schematisch die Herstellung von Zement.           kraftwerken. Sie können sowohl bei der Zementherstel-
     Dabei entsteht zunächst aus einem Rohstoffgemisch,             lung als auch als Betonzusatzstoff eingesetzt werden.
     das in einer Ofenanlage bei einer Temperatur von mehr
     als 1.400°C bis zum Sintern erhitzt wird, sogenannter          Betonzusatzmittel
     Zementklinker. Die dafür verwendeten Ausgangsstoffe            Durch den Einsatz von Betonzusatzmitteln können die
     müssen hauptsächlich Calciumoxid (CaO) und Silicium-           Frischbetoneigenschaften beeinflusst werden. Zum Ein-
     dioxid (SiO2) sowie in geringen Mengen Oxide des               satz können z. B. kommen: Betonverflüssiger, Fließmittel,
     Aluminiums (Al2O3) und des Eisens (Fe2O3) enthalten.           Verzögerer, Luftporenbildner und Beschleuniger. Dabei
     Gesteine, die diese Verbindungen liefern, sind Kalkstein       werden die beiden zuerst genannten in Deutschland mit
     oder Kreide und Ton oder deren natürlich vorkommendes          Abstand am häufigsten angewendet.
     Gemisch, der Kalksteinmergel.
                                                                    Transport der Rohstoffe zum Transportbeton-/Fertig-
     Mögliche weitere Hauptbestandteile können z. B. Hüt-           teilwerk (Modul A2)
     tensand, Kalkstein, Flugasche oder gebrannter Schiefer
     sein. Zur Regelung des Erstarrens und der Festigkeitsent-      Die Transportentfernung variiert je nach Ausgangsstoff.
     wicklung werden Sulfatträger wie Gipsstein oder Anhydrit       Sie ist für Gesteinskörnungen relativ gering (gemittelt
     zugesetzt.                                                     LKW / Bahn / Schiff ca. 69 km), da historisch Betonwerke
                                                                    oft in der Nähe von Kies- / Sandgruben oder Steinbrü-
     Durch das Forschungsinstitut der Zementindustrie wurden in     chen errichtet wurden. Als durchschnittliche Transport-
     den Jahren 2016 und 2017 Ökobilanzierungen für verschie-       entfernung von Zement wurden 91 km angesetzt. Für
     dene in Deutschland hergestellte Zementarten durchgeführt.     Betonzusatzmittel und Flugaschen wurde eine durch-
     Es zeigte sich, dass insbesondere der Anteil des Zementklin-   schnittliche Entfernung von ca. 130 km bilanziert.
     kers die Ökobilanz eines Zementes entscheidend beeinflusst.
     Für die Ökobilanzierung von Betonen wurde deshalb der          Betonherstellung (Modul A3)
     Klinkeranteil für die verschiedenen Druckfestigkeitsklassen
     möglichst wirklichkeitsnah abgebildet.                         Die eigentliche Betonherstellung umfasst das Mischen
                                                                    des Betons aus den Ausgangsstoffen. Diese werden im
     Wasser/Abwasser                                                Betonwerk aus Silos und von offenen Halden über Rad-
     Neben Trinkwasser aus dem öffentlichen Versorgungs-            lader und Förderbänder in die Mischanlagen befördert.
     netz oder werkseigenen Brunnen wird in Betonwerken             Für die internen Transporte im Werk werden elektrische
     auch auf dem Werksgelände anfallendes Niederschlags-           Energie und Diesel benötigt.
     wasser z. T. zur Betonherstellung verwendet.
                                                                    Im Transportbetonwerk wird der Frischbeton direkt in den
     Wasser aus der Aufbereitung von Restbeton oder der             oberen Einfülltrichter der Fahrmischer gefüllt, um zur
     Reinigung von Mischern bzw. Fahrmischertrommeln wird           Baustelle transportiert zu werden (Abb. 9).
     in Betonwerken in entsprechenden Anlagen wiederauf-
     bereitet. Produktionsbedingte Abwässer fallen daher in         Im Anschluss an das Mischen wird der Frischbeton im
     Betonwerken nicht an.                                          Fertigteilwerk über Kübelbahnen und Betonverteiler in
                                                                    die vorbereiteten Schalungen eingebracht (Abb. 10) und
     Betonzusatzstoff: Steinkohleflugasche                          verdichtet (Abb.11).
     Flugaschen sind ein Verbrennungsrückstand aus Kohle-

     Abb. 9: Einfüllen des Frischbetons in den Fahrmischer          Abb. 10: Übergabe des Frischbetons im Fertigteilwerk
13

Um die Bauteile möglichst bald nach der Herstellung
ausschalen zu können, ist bei der Herstellung von Fer-
tigteilen die Frühfestigkeit des Betons von besonderer
Bedeutung. Die Erhärtung wird daher häufig durch eine
Wärmebehandlung des jungen Betons beschleunigt.
Nach ca. 12 bis 18 Stunden werden die Teile ausge-
schalt und z. B. per Kran zum weiteren Aushärten und
bis zum Transport auf die Baustelle auf den Lagerplatz
gebracht.

Während beim Transportbeton auf der Baustelle typi-
scherweise Stahlrahmenschalungen mit einer kunststoff-
beschichteten Schalhaut aus Holz eingesetzt werden,
kommen im Fertigteilwerk meist Stahlschalungen zum
Einsatz, die für Konsolen und variable Querschnittsteile
mit Holzschalung ergänzt werden.

4.4.3 Errichtung / Bauphase
Transport von Transportbeton und Betonfertigteilen
zur Baustelle (Modul A4)

Die Entfernung zwischen dem Werkstor und der Baustel-
le sind bei Transportbeton und Betonfertigteilen sehr un-
terschiedlich. Aufgrund der zeitlich begrenzten Verarbeit-   Abb. 11: Verdichten des Betons in der Schalung im Fertigteilwerk
barkeit des Frischbetons (90 Minuten) und des engen
Netzes von Transportbetonwerken legen Fahrmischer bis
zur Baustelle durchschnittlich eine Strecke von 14,9 km
zurück. Dagegen liegt die durchschnittliche Transport-
entfernung von Betonfertigteilen bei ca. 180 km. Dieser
Unterschied führt dazu, dass die Umweltwirkungen beim
Fertigteiltransport, bezogen auf den Kubikmeter Beton,
deutlich größer sind. Dieser Umstand wurde für die Öko-
bilanzierung bei der Ermittlung der durchschnittlichen
Umweltwirkungen des Betontransports berücksichtigt.
Außerdem wird eine leere Rückfahrt angesetzt.
                                                                                                                                Foto: BetonBild

Einbau von Transportbeton und Betonfertigteilen auf
der Baustelle (Modul A5)

Der Einbau von Transportbeton erfolgt meist mit Beton-       Abb.12: Einbau von Transportbeton mit Betonpumpe und Verdichtung
pumpen oder über Betonkübel, die per Turmdrehkran            durch Innenrüttler
bewegt werden. Nach dem Einbringen in die Schalung
wird der Beton im Regelfall mit Innenrüttlern verdichtet
und nach dem Erhärten ausgeschalt (Abb. 12).

Betonfertigteile werden nach der Anlieferung mit Kranen
(i. d. R. Autokran oder Turmdrehkran) vom Lieferfahrzeug
an die Einbaustelle gehoben und dort montiert (Abb. 13).

Der Einbau von Transportbeton auf der Baustelle benötigt
mehr Energie als der Einbau von Betonfertigteilen, da
Prozesse wie der Schalungsbau, das Einbringen des
Betons in die Schalung und die Verdichtung bei Beton-
                                                                                                                                Foto: BetonBild

fertigteilen bereits im Werk stattgefunden haben und
dort bilanziert wurden.

                                                             Abb. 13: Montage eines Betonfertigteils
14

     Auf der sicheren Seite liegend werden die Umweltwirkun-    Rückbau/Abbruch von Betongebäuden
     gen des Einbaus von Transportbeton in der EPD ausge-       und -bauteilen (Modul C1)
     wiesen.
                                                                Nach aktuellem Stand der Technik erfolgt der Rückbau
                                                                von Bauwerken aus Beton und Stahlbeton überwiegend
     4.4.4 Nutzungsphase
                                                                mit Baggern, die mit Abbruchzangen ausgerüstet sind.
     Nutzung (Modul B1)
                                                                Das Zerkleinern des Betons erfolgt dabei durch das Ein-
                                                                leiten von Druckkraft (Abb. 14).
     In der Gebäudenutzungsphase entstehen durch Beton-
     bauteile während der Referenznutzungsdauer von 50
                                                                Transport von Betonabbruch (Modul C2)
     Jahren [BMV1] in der Regel keine Umweltlasten.

                                                                Heutzutage wird der Betonabbruch häufig direkt an Ort
     Durch Carbonatisierung nehmen Betonbauteile während
                                                                und Stelle mit mobilen Brechanlagen zerkleinert. Der
     ihrer Nutzungsdauer Kohlendioxid aus der Luft auf. Durch
                                                                Transport erfolgt dabei üblicherweise über Bagger oder
     die Carbonatisierung des Betons wird die Freisetzung
                                                                Radlader, die den groben Bauschutt vor Ort der Brech-
     von Kohlendioxid bei der Baustoffherstellung teilweise
                                                                anlage zuführen.
     rückgängig gemacht. Dies kann als negatives Treib-
     hauspotenzial ausgedrückt werden. [DIN7] macht im An-
                                                                Abfallbehandlung – Betonaufbereitung (Modul C3)
     hang BB Angaben zur Quantifizierung der CO2-Aufnah-
     me. In der EPD wird folgende Annahme getroffen: „Unter
                                                                Von den im Jahr 2016 angefallenen rund 58,5 Mio. t
     Annahme eines 20 cm dicken Betonbauteils ergibt sich
                                                                Bauschutt wurden nur ca. 6,2 % der Abfallbeseitigung
     in der Nutzungsphase hierfür ein Wert von ca. -10 kg
                                                                zugeführt. Weitere 16,1 % wurden auf Deponien und
     CO2 je m³ Beton.“
                                                                im Rahmen der Verfüllung von Abgrabungen verwertet,
                                                                während ca. 77,7 % des Bauschutts recycelt wurden.
     Wartung (Modul B2) und Reparatur (Modul B3)
                                                                Überwiegend wurden recycelte mineralische Baustoffe
                                                                im Erd- und Straßenbau verwendet (74,8 %). Wieder als
     Die Betonzusammensetzung und die Konstruktion
                                                                Gesteinskörnung in der Asphalt- und Betonherstellung
     der Bauteile sind auf die Nutzungsdauer von 50 Jah-
                                                                wurden ca. 21,0 % (15,2 Mio. t) eingesetzt [MON].
     ren ausgelegt [DIN6]. Die tatsächliche Nutzungs- und
     Lebensdauer eines Bauwerks ist meist erheblich länger
                                                                Die Aufbereitung erfolgt heute üblicherweise mit Backen-
     und letztlich von der üblichen Instandhaltung abhängig.
                                                                oder Prallbrechern. Diese zerkleinern den Betonschutt,
     Betonbauteile in üblichen Umgebungs- und Witterungs-
                                                                dessen Teile nach dem Gebäudeabbruch noch Abmes-
     bedingungen weisen ein Dauerhaftigkeitspotenzial von
                                                                sungen von bis zu 80 cm haben, zu kleineren Kornfrak-
     weit über 100 Jahren auf.
                                                                tionen bis ca. 32 mm. Die Brechanlagen führen neben
     Weitere Hinweise zur Lebensdauer von Beton gibt z. B.      dem reinen Brechen auch eine Vorabsiebung und eine
     [BERG].                                                    Metallabscheidung durch.

     Für Betonbauteile sind Instandhaltungs- und Reparatur-
     maßnahmen während der Referenznutzungsdauer i. d. R.
     nicht erforderlich, sodass in diesen Modulen keine Um-
     weltlasten anfallen.

     Während der Gebäudenut-
     zung fallen durch die Beton-
     bauteile keine Umweltlasten
     an. Die Carbonatisierung
     während der Nutzungsphase
     wird als negatives Treib-
     hauspotenzial ausgedrückt.
                                                                                                                           Foto: fotolia / A. Erdbeer

     4.4.5 Nutzungsende
     Endet der Lebensweg eines Gebäudes, können darin
     verbaute Betonbauteile zurückgebaut oder abgebrochen
     werden (Modul C1). Der Betonabbruch wird meist zu
     Brechanlagen transportiert (Modul C2) und dort aufberei-
     tet (Modul C3).                                            Abb. 14: Abbrucharbeiten mit Baggern
15

4.4.6 Nutzen und Lasten außerhalb des Lebenszyklus
von Gebäuden
Rückgewinnung und Recycling (Modul D)

                                                                        Carbonatisierungs-
In der Brechanlage erreicht der Betonabbruch den
„end-of-waste“ Status, d. h. er gilt nicht mehr als Abfall,                                                                nach
sondern kann als Sekundärmaterial die Primärmaterialien                                                                    Rückbau

                                                                        fortschritt
Sand und Splitt/Schotter ersetzen. Hierfür werden öko-
bilanzielle Gutschriften im Modul D ausgewiesen.                                                    Nutzungsdauer

                                                                                                                                 Zeit
Die CO2-Aufnahme durch Carbonatisierung kann bis
zum „Zeitpunkt funktionaler Äquivalenz“ im Modul D als                Abb. 15: Quantitativer Verlauf des Carbonatisierungsfortschritts in
                                                                      Beton
negatives Treibhauspotenzial ausgewiesen werden. Da
die funktionale Äquivalenz mit dem Ersatz natürlicher
Gesteinskörnung (z. B. im Straßenunterbau) erreicht ist,
                                                                      nahme als mittleren Richtwert für die Langzeitaufnahme
wird in dieser Ökobilanz davon abgesehen, Carbona-
                                                                      von CO2 an. Unter dieser Voraussetzung ergeben sich die
tisierung im Modul D zu berücksichtigen. Stattdessen
                                                                      in Tafel 4 genannten Werte. Diese Werte sollten jedoch
wird die CO2-Aufnahme aus Carbonatisierung nach der
                                                                      nur als Anhaltswerte verstanden werden, da sie vielen
Nutzungsphase als „zusätzliche technische Information“
                                                                      Einflussfaktoren unterliegen.
ausgewiesen.

Zusätzliche technische Information:                                                                                    Die CO2–Aufnahme aus
Carbonatisierung nach dem Nutzungsende                                                                                 Carbonatisierung nach der
                                                                                                                       Nutzungsphase wird als
Auch nach der Weiterverwendung von Recyclingbeton im                                                                   „zusätzliche technische
Straßenunterbau findet eine Carbonatisierung von Beton                                                                 Information“ ausgewiesen.
statt. [DIN7] gibt 75 % der maximal möglichen CO2-Auf-

Tafel 4: Potenzial für die CO2-Aufnahme nach dem Nutzungsende, abhängig von der Betondruckfestigkeitsklasse nach [DIN7]

 Betonfestigkeitsklasse                 C20/25          C25/30           C30/37              C35/45        C45/55            C50/60

 Potenzial für CO2-Aufnahme nach
                                        59,3            67,5             76,2                87,4          100,4             106,9
 dem Nutzungsende [kg/m³ Beton]

5 Ergebnisse der Ökobilanzierung

5.1 Darstellung in den Umwelt-                                        Im Anhang sind die Ergebnisse der Ökobilanz für alle
produktdeklarationen                                                  Festigkeitsklassen zusammengefasst dargestellt. Diese
                                                                      wurden vom Institut Bauen und Umwelt e. V. IBU verifiziert
Unter Berücksichtigung der vorab dargestellten Lebens-                und bestätigt.
zyklusphasen und Prozesse sowie der aufgeführten
Annahmen wurden die Ökobilanzen für Beton errechnet.

                                                                      5.2 Auswertung und Interpretation
Deren Ergebnisse sind ein wichtiger Bestandteil für die
vorliegenden Umweltproduktdeklarationen. Die verschie-
                                                                      Erwartungsgemäß fallen bei der Ökobilanz von Beton-
denen Umweltwirkungen werden jeweils für die ein-
                                                                      bauteilen die größten Umweltwirkungen in der Herstell-
zelnen Module (Abb. 5) angegeben. Die Produktphase
                                                                      phase (Produktstadium Module A1 bis A3) an. Abb. 16
(Module A1 bis A3) wird zusammengefasst.
16

     zeigt den Anteil der verschiedenen Module ausgewählter                 schalten Betonbauteilen, sodass diese unter dem Strich
     Parameter der Bilanzierung eines Kubikmeters erhärteten                kaum ins Gewicht fallen.
     unbewehrten Betons der Druckfestigkeitsklassen C20/25
     und C50/60.                                                            Mit zunehmender Betondruckfestigkeit steigen die
                                                                            Umweltwirkungen der Betonherstellung an (Abb. 18).
     Modul D enthält die für die Verwendung von Betonab-                    Für eine angemessene Beurteilung der Umweltwirkung
     bruch als Sekundärrohstoff errechneten Gutschriften.                   ist jedoch generell der Bezug zum Nutzen des Baustoffs
                                                                            im Gebäude herzustellen. Dies geschieht in Abb. 18
     Schaut man sich das Produktstadium detaillierter an                    beispielhaft durch die Darstellung des Treibhauspotenzia-
     (Abb. 17), so wird deutlich, dass hier die Herstellung und             les (GWP) in Bezug auf die Betondruckfestigkeit (spe-
     die Gewinnung der Betonausgangsstoffe – und dabei                      zifisches Treibhauspotenzial). Hier wird deutlich, dass
     besonders die Zementherstellung – den größten Einfluss                 das spez. Treibhauspotenzial mit steigender Festigkeit
     auf die Ökobilanz von Beton haben. Die Zement-                         abnimmt. Damit zeigt sich, dass eine korrekte Beurtei-
     herstellung trägt mit rund 80 % und die Gewinnung                      lung der Umweltwirkungen nur im Zusammenhang mit
     und Produktion von Gesteinkörnung mit rund 5 % zum                     der konkreten Bauaufgabe mit den dortigen Randbedin-
     Gesamttreibhauspotenzial der Betonherstellung bei.                     gungen, also letztendlich auf Gebäudeebene, getroffen
     Dadurch relativieren sich auch die verfahrensbedingten                 werden kann [DAFSTB].
     Unterschiede zwischen vorgefertigten und vor Ort ge-

                   GWP              EP            ADPel           ADPfoss         PE ern         PE nern
       100 %                                       0,2
                    10,3                           0,6                            15,4
                                                                   23,6
        80 %        2,4                                                            4,2
                                    3,8                            5,5
        60 %
                    87,2                           99,3
        40 %                                                       70,9
                                    72,4                                          80,4            72,3
        20 %

         0%
                   -10,5           -12,9           -1,4           -19,7                           -22,1
                    -4,9
       -20 %                                                                      -42,0

       -40 %

       -60 %
                                                                                                                        Nutzungsende
       -80 %
                                                                                                                        Bauprozess

                                                                                                                        Produktstadium
                   GWP              EP            ADPel           ADPfoss         PE ern         PE nern
                    6,0                            0,3                                                                  Gutschriften (Modul D)
       100 %
                                                                   13,4            9,6
                    8,5                                                                                                 Gutschriften (Modul B1)
                                                                                   8,9
        80 %                        14,6                                                          18,4
                                                                   19,7
        60 %                                                                                                       GWP: Globales Erwär-
                                                   99,3
                    85,5                                                                                                    mungspotenzial
        40 %                                                                      81,4
                                    71,4                           66,9                           68,7             EP:      Eutrophierungspoten-
                                                                                                                            zial (Überdüngung)
        20 %                                                                                                       ADPel: Potenzial für den
                                                                                                                            abiotischen Abbau
         0%         -6,8                                                                                                    nicht fossiler
                                   -7,6            -0,8           -11,2                           -12,7                     Ressourcen
                    -2,8                                                          -26,2
       -20 %                                                                                                       ADPfoss: Potenzial für den
                                                                                                                            abiotischen Abbau
       -40 %                                                                                                                fossiler Brennstoffe
                                                                                                                   PEern: erneuerbare
       -60 %                                                                                                                Primärenergie
                                                                                                                   PEnern: nicht erneuerbare
       -80 %                                                                                                                Primärenergie

     Abb. 16: Starke Dominanz der Produktherstellung in der Ökobilanz von Beton (oben: C20/25 und unten: C50/60)
17

                 100 %            4,6
                                                9,5                                                   6,8
                                  2,6                       12,6                     13,4                             12,4              Zementherstellung
                      90 %        5,8           2,6
                                                3,7         2,2         25,6                         14,0
                                  3,2                                                 5,5                             6,4
                      80 %                      8,6                                                                                     Produktion Flugasche
                                                            14,0                      4,2                             3,9
                                                3,7                                                                                     Gewinnung/Produktion
                      70 %                                                           13,4                             14,2
                                                            8,3                                      21,8                               Gesteinskörnung
                      60 %                                  2,8                       7,0                             6,3
                                         99,8                                                                                           Zusatzmittelherstellung
                      50 %
                                  82,0                                                                                                  Verbrauch von Elektrizi-
                      40 %                                              73,3                                                            tät und Heizenergie im
                                                71,9
                                                            60,1                     56,5                                               Betonwerk
                      30 %                                                                                            56,8
                                                                                                     56,1
                                                                                                                                        Sonstiges (insbes.
                      20 %
                                                                                                                                        Transporte)
                      10 %

                      0%                                                                                                           GWP: Globales Erwär-
                                  GWP    ODP    AP          EP          ADPel        ADPfoss         PEern           PEnern                 mungspotenzial
                                                                                                                                   ODP: Abbaupotenzial der
                 100 %                                                                                                                      stratosphärischen
                                  3,1           6,5         7,6                                       4,5                                   Ozonschicht
                                                                                      9,2                              8,3
                                  6,6                                                                                              AP:      Versauerungspoten-
                      90 %        2,7           5,7         4,5
                                  3,7           5,7                                                                                         zial von Boden und
                                  1,3                                                16,8            24,0             17,5
                      80 %                      5,6                     36,8                                                                Wasser
                                                            21,0
                                                1,6                                                                                EP:      Eutrophierungspoten-
                      70 %                                                            6,3             1,7             5,8                   zial (Überdüngung)
                                                            5,5                       8,7                             9,4          ADPel: Potenzial für den
                                                                                                     15,3
                      60 %                                  1,2          0,4                                                                abiotischen Abbau
                                                                                      3,0                             2,7
                                         99,9                                                                                               nicht fossiler
                      50 %                                                                                                                  Ressourcen
                                  82,0                                                                                             ADPfoss: Potenzial für den
                      40 %                                              62,1                                                                abiotischen Abbau
                                                74,9
                                                            60,2                     55,9                                                   fossiler Brennstoffe
                      30 %                                                                                            56,1
                                                                                                     54,5                          PEern: erneuerbare
                      20 %                                                                                                                  Primärenergie
                                                                                                                                   PEnern: nicht erneuerbare
                      10 %                                                                                                                  Primärenergie

                      0%
                                  GWP    ODP    AP          EP          ADPel        ADPfoss         PEern           PEnern

Abb. 17: Einflussfaktoren auf die Wirkungs- und Sachbilanz eines Betons der Druckfestigkeitsklasse C20/25 (oben) und C50/60 (unten)
im Produktstadium

                       350                                                                                                                               12

                       300                                                                                                                               10
                                                                                                                q.
                                                                                                     kg   CO 2-Ä
                                                                                            G  WP in
                       250
                                                                                                                                                              GWP / fck in kg CO2-Äq. /(N/mm2)

                                                                                                                                                         8
  GWP in kg CO2-Äq.

                       200
                                                                                               spez. GWP in kg                                           6
                                                                                                                   CO2-Äq./(N/mm2
                                                                                                                                 )
                       150

                                                                                                                                                         4
                       100

                                                                                                                                                         2
                        50

                                                               Betondruckfestigkeit fck in N/mm2
                         0                                                                                                                               0
                             20            25          30                       35                    40                      45                    50

Abb. 18: Treibhauspotenzial (GWP) für die Herstellung (A1 bis A3) von 1 m³ Beton (schwarz) und bezogen auf die charakteristische Betondruck-
festigkeit (grau)
18

     6 Umweltinformationen
       für „Durchschnittsbeton“

     Für den Fall, dass zum Zeitpunkt der Ökobilanzierung                         sechs untersuchten Druckfestigkeitsklassen in Kombina-
     des Bauwerkes noch keine ausreichenden Informati-                            tion mit dem jeweiligen Produktionsvolumen in Deutsch-
     onen vorliegen, wurden Umweltwirkungen für einen                             land generiert. Da die Betonzusammensetzung aber
     „Durchschnittsbeton“ ermittelt. Diese basieren nicht auf einer               stark variieren kann, können die nachfolgenden Daten
     verifizierten EPD, sondern wurden aus den Ökobilanzen der                    nur als grobe Näherung dienen.

     Tafel 5: Umweltwirkungen für 1 m³ „Durchschnittsbeton“ – nicht verifiziert

      Parameter                    Einheit         A1-A3          A4              A5       B1        C1          C2         C3          D

      Globales Erwär-
                                [kg CO2-Äq.]       209,8         5,8          1,1         -10,0      3,1        12,0        6,0        -21,4
      mungspotenzial

      Abbaupotenzial der
      stratosphärischen       [kg CFC11-Äq.]     5,73E-08     1,15E-12     4,71E-12     0,00E+00   6,09E-13   2,37E-12    1,31E-11   -1,32E-10
      Ozonschicht

      Versauerungspoten-
      zial von Boden und        [kg SO2-Äq.]     3,04E-01     1,47E-02     1,60E-03     0,00E+00   3,00E-02   3,21E-02    1,13E-02   -4,73E-02
      Wasser

      Eutrophierungs-
                              [kg (PO4)3- Äq.]   5,71E-02     3,47E-03     2,57E-04     0,00E+00   6,53E-03   7,65E-03    2,17E-03   -8,86E-03
      potenzial

      Bildungspotenzial
      für troposphärisches     [kg Ethen Äq.]    2,48E-02     -4,92E-03    1,11E-04     0,00E+00   3,18E-03   -1,11E-02   9,74E-04   -2,79E-03
      Ozon

      Potenzial f. d. abio-
      tischen Abbau nicht        [kg Sb Äq.]     6,95E-04     6,18E-07     5,36E-07     0,00E+00   3,28E-07   1,28E-06    1,97E-06   -8,60E-06
      fossiler Ressourcen

      Potenzial für den
      abiotischen Abbau             [MJ]           954,8         78,5         10,5         0,0       41,7      163,0        68,4      -227,0
      fossiler Brennstoffe

      Einsatz Primär-
                                    [MJ]           201,2         5,3          5,9          0,0       2,8        11,0        20,7       -94,1
      energie erneuerbar

      Einsatz Primär-
      energie nicht                 [MJ]          1.058,6        78,8         13,7         0,0       41,9      163,0        78,7      -279,0
      erneuerbar
19

7 Übertragung der Ergebnisse
  auf das Gesamtgebäude

7.1 Berücksichtigung der Bewehrung                                                  7.2 Weitere Einflüsse auf die Nachhaltigkeits-
bei Stahlbetonbauteilen                                                             bewertung von Gebäuden

Mit den Werten aus den Beton-EPDs liegen die erforder-                              Zur Bewertung der Nachhaltigkeit sind komplexe Abwä-
lichen Informationen vor, um für die Beurteilung der öko-                           gungsprozesse zwischen den einzelnen Dimensionen
logischen Qualität eines Gebäudes die Umweltwirkun-                                 der Nachhaltigkeit, den technischen bzw. funktionalen
gen zu ermitteln, die dem Beton zuzuordnen sind. Das                                Eigenschaften des Bauwerkes sowie seiner Bauteile oder
Gesamtbetonvolumen der Konstruktion (soweit bekannt,                                Baustoffe zu berücksichtigen.
unterschieden in unterschiedliche Druckfestigkeitsklas-
sen) ist lediglich mit den Ökobilanzwerten pro m³ Beton                             Gerade bei der Konstruktion und Ausführung von Ge-
zu multiplizieren.                                                                  bäuden erweist sich der Baustoff Beton – im Sinne der
                                                                                    Nachhaltigkeit ganzheitlichen Betrachtung – als beson-
Der Bewehrungsanteil ist zusätzlich zu erfassen.                                    ders vielseitig und leistungsfähig.
Hierfür wurden ergänzend zu den Datensätzen in der
Ökobau.dat [BMI2] im September 2018 vom ift Rosen-
heim Umweltproduktdeklarationen für Betonstahl [IFT1]                                                                                      Neben den Umweltwir-
und Betonstahlmatten [IFT2] veröffentlicht. Darin deklariert                                                                               kungen werden durch
werden jeweils die gesamte Herstellphase (A1-A3) sowie                                                                                     den Baustoff Beton
der Transport in der Errichtungs- (A4) und Entsorgungs-                                                                                    zahlreiche weitere
phase (C2).                                                                                                                                Nachhaltigkeitskriterien
                                                                                                                                           positiv beeinflusst.
Zur Ermittlung der Ökobilanz eines Bauwerkes werden
die Ökobilanz-Datensätze auf die eingesetzten Gesamt-
massen angewendet (Tafel 6).

Tafel 6: Ökobilanzdaten 1 m³ Beton C45/55 und 1 Tonne Betonstahl

     Parameter                                                                                 EPD
                                                                                     1 m³ Beton C45/55 [IBU1]                                 EPD
                                                       Einheit                                                                           1 t Betonstahl
                                                                                   A1 bis A5,                                           A1 bis A4 [IFT1]
                                                                                                                        D
                                                                         (A1 bis A5 + B1 + C1 bis C3)

     Globales Erwärmungspotenzial
                                                    [kg CO2-Äq.]                  316,31) (327,9)                   -21,402)                  256,3
     (GWP)

     Abbaupotenzial der stratosphäri-
                                                  [kg CFC11-Äq.]                7,72E-8 (7,72E-8)                  -1,32E-10                 7,08E-6
     schen Ozonschicht (ODP)

     Versauerungspotenzial von Boden
                                                    [kg SO2-Äq.]                   0,480 (0,553)                     -0,047                   0,686
     und Wasser (AP)

     Eutrophierungspotenzial (EP)                 [kg (PO4)3- Äq.]              0,09836 (0,1147)                                              0,062
                                                                                                                    -0,0089

     Bildungspotenzial für troposphäri-
                                                   [kg Ethen Äq.]                0,0112 (0,0043)                                             0,0565
     sches Ozon (POCP)                                                                                              -0,0028

     Potenzial für den abiotischen Abbau
                                                    [kg Sb Äq.]                 1,02E-3 (1,03E-3)                   -8,60E-6                0,000301
     nicht fossiler Ressourcen (ADPel)

     Potenzial für den abiotischen Abbau
                                                        [MJ]                       1.765 (2.038)                     -227,0                   4.220
     fossiler Brennstoffe (ADPfoss)

     Primärenergie erneuerbar                           [MJ]                         314 (349)                        -94,1                   1.945

     Primärenergie nicht erneuerbar                     [MJ]                       1.909 (2.193)                     -279,0                   6.030
1)
     Im Wert für das GWP der Module A1 bis A3 nicht enthalten sind 42 kg CO2-Äq. aus der Verbrennung von Abfällen bei der Herstellung von Zementklinker. Nach dem
     Verursacherprinzip (EN 15804) wären diese dem Produktsystem zuzuordnen, das den Abfall verursacht hat.
2)
     Ein mögliches negatives Treibhauspotenzial aus der Carbonatisierung des Betons ist hier nicht erfasst.
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