Qualitätsbericht 2019 - der Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie an der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach - Landeskrankenhaus ...

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Qualitätsbericht 2019 - der Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie an der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach - Landeskrankenhaus ...
Qualitätsbericht 2019
       der Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie
       an der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach

Stand: 31.12.2019
Qualitätsbericht 2019 - der Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie an der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach - Landeskrankenhaus ...
QUALITÄTSBERICHT 2019
KLINIK NETTE-GUT

Inhaltsverzeichnis

0       Vorwort                                                                              6
1       Allgemeine Struktur- und Leistungsdaten der Klinik                                   8
1.1     Anschrift, E-Mail Adresse, Internetadresse der Klinik                                8
1.2     Institutionskennzeichen der Klinik                                                   8
1.3     Name des Trägers                                                                     8
1.4     Strukturdarstellung und Managementprozesse                                           8
1.5     Versorgungsschwerpunkte und Leistungsangebote in der Klinik                          9
1.6     Anzahl der Behandlungsplätze in der gesamten Klinik (Plan)                          11
1.7     Anzahl behandelter Patienten zum Stichtag 31.12. (Ist)                              11
2       Personalbezogene Daten                                                              13
2.1     Geplante Stellenbesetzung für das Berichtsjahr                                      13
2.2     Personalfluktuation                                                                 13
2.3     Personalqualifikation im ärztlichen Dienst (VK-Stellen)                             14
2.4     Personalqualifikation im Pflegedienst (VK-Stellen)                                  14
2.5     Personalqualifikation im psychologischen Dienst (VK-Stellen)                        14
2.6     Fort- und Weiterbildungsangebote der Rhein-Mosel-Akademie im Berichtsjahr           15
2.7     Fort- und Weiterbildungsangebot der Klinik Nette-Gut im Berichtsjahr                15
3       Patientenbezogene Daten                                                       16
3.1     Aufnahmen* und Beendigungen nach §§ 63 und 64 StGB, § 126a StPO und
        sonstigen §§ im Berichtsjahr                                                  16
3.2     Belegung nach §§ 63 und 64 StGB, § 126a StPO und sonstigen §§* im
        Berichtsjahr                                                                  16
3.3     Anzahl der Beendigungen bzw. Veränderungen des Vollzugs der Unterbringung
        nach §§ 63 und 64 StGB mit Gründen                                            16
3.4     Durchschnittliche Unterbringungsdauer ab erster Nacht der Unterbringung im
        Status §§ 63 und 64 StGB in einer Einrichtung (in Jahren) aller stationärer
        Patienten                                                                     17
3.4.1   § 63 StGB: Unterbringungsdauer ab erster Nacht der Unterbringung im Status §
        63 StGB in einer Einrichtung aller stationärer Patienten                      17
3.4.2   § 64 StGB: Unterbringungsdauer ab erster Nacht der Unterbringung im Status §
        64 StGB in einer Einrichtung aller stationärer Patienten                      17
3.5     Anzahl aller Patienten nach psychiatrischen Haupt-Diagnosen nach ICD-10 in der
        Gesamtklinik im Berichtsjahr                                                  17
3.6     Deliktverteilung bzw. Anlassstraftat der Patienten gem. §§ 63 und 64 StGB in der
        Gesamtklinik im Berichtsjahr                                                  18
3.7     Durchgeführte Vollzugslockerungen im Berichtsjahr                             19
3.8     Entweichungen im Berichtsjahr                                                 19
3.9     Einstufung aller stationärer Patienten in Behandlungsbereiche gemäß
        Psychiatrie-Personalverordnung (PsychPV Forensik) – Jahresmittel aus 4
        Stichtagserhebungen                                                           19
3.10    Erfüllungsgrad nach PsychPV Forensik                                          20
3.11    Besondere Vorkommnisse im Berichtsjahr                                        20
3.12    Aggressionsereignisse                                                         21
3.13    Bereich Empfang und Sicherheit                                                21
3.14    Administration                                                                21
4       Patientenbezogene Angebote der Klinik Nette-Gut                                     22
4.1     Patientenfürsprecherin                                                              22
                                                                           Seite 2 von 90
QUALITÄTSBERICHT 2019
KLINIK NETTE-GUT

4.2     Seelsorge/Pastoralrat                                                                 22
4.3     Laienhelferinnen                                                                      23
4.4     Suizidprävention                                                                      23
4.5     Beschwerdewege                                                                        23
4.6     Patientenbibliothek                                                                   24
4.7     Einkaufsgelegenheiten                                                                 25
4.8     Cafeteria                                                                             25
4.9     Angehörigen- und Selbsthilfegruppen                                                   25
4.10    Patientenrat                                                                          26
5       Veröffentlichungen, Forschung und Lehre                                               27
6       Zielsetzungen der Klinik                                                              28
7       Allgemeine Struktur- und Leistungsdaten der Psychomedizinischen
        Abteilung                                                                       34
7.1     Versorgungsschwerpunkte der Abteilung                                           34
7.2     Stationsbeschreibungen                                                          35
7.3     Anzahl der Behandlungsplätze                                                    37
7.4     Psychiatrische Diagnosen aller stationärer Patienten (Anzahl der Patienten nach
        Station)                                                                        37
7.5     Deliktverteilung bzw. Anlassstraftat der stationären Patienten gem. §§ 63 und 64
        StGB in der Abteilung                                                           38
7.6     Angebotsspektrum der Abteilung                                                  39
7.7     Durchschnittliche Unterbringungsdauer ab erster Nacht der Unterbringung im
        Status §§ 63 und 64 StGB (in Jahren) aller stationärer Patienten in der Abteilung
                                                                                        40
7.8     Lockerungsstand gemäß Förder- und Vollzugslockerungsstufen                      40
7.9     Vollzugslockerungszeiten                                                        41
7.10    Aggressionsereignisse                                                           41
7.11    Interkurrente Betreuung                                                         41
7.12    Räumliche Ausstattung                                                           42
7.13    Zielsetzungen                                                                   42
8       Allgemeine Struktur- und Leistungsdaten der Psychotherapeutischen
        Abteilung                                                                       45
8.1     Versorgungsschwerpunkte der Abteilung                                           45
8.2     Stationsbeschreibungen                                                          46
8.3     Anzahl der Behandlungsplätze                                                    48
8.4     Psychiatrische Diagnosen aller stationärer Patienten (Anzahl der Patienten nach
        Station)                                                                        48
8.5     Deliktverteilung bzw. Anlassstraftat der stationären Patienten gem. §§ 63 und 64
        StGB in der Abteilung                                                           49
8.6     Angebotsspektrum der Abteilung                                                  49
8.7     Durchschnittliche Unterbringungsdauer ab erster Nacht der Unterbringung im
        Status §§ 63 und 64 StGB (in Jahren) aller stationärer Patienten in der Abteilung
                                                                                        51
8.8     Lockerungsstand gemäß Förder- und Vollzugslockerungsstufen                      51
8.9     Vollzugslockerungszeiten                                                        51
8.10    Aggressionsereignisse                                                           52
8.11    Interkurrente Betreuung                                                         52
8.12    Räumliche Ausstattung                                                           52
8.13    Zielsetzungen                                                                   52

                                                                             Seite 3 von 90
QUALITÄTSBERICHT 2019
KLINIK NETTE-GUT

9       Allgemeine Struktur- und Leistungsdaten der Suchttherapeutischen
        Abteilung                                                                       56
9.1     Versorgungsschwerpunkte der Abteilung                                           56
9.2     Stationsbeschreibungen                                                          57
9.3     Anzahl der Behandlungsplätze                                                    58
9.4     Psychiatrische Diagnosen aller stationärer Patienten (Anzahl der Patienten nach
        Station)                                                                        59
9.5     Deliktverteilung bzw. Anlassstraftat der stationären Patienten gem. §§ 63 und 64
        StGB in der Abteilung                                                           60
9.6     Angebotsspektrum der Abteilung                                                  60
9.7     Durchschnittliche Unterbringungsdauer ab erster Nacht der Unterbringung im
        Status §§ 63 und 64 StGB (in Jahren) aller stationärer Patienten in der Abteilung
                                                                                        61
9.8     Lockerungsstand gemäß Förder- und Vollzugslockerungsstufen                      62
9.9     Vollzugslockerungszeiten                                                        62
9.10    Aggressionsereignisse                                                           62
9.11    Interkurrente Betreuung                                                         63
9.12    Räumliche Ausstattung                                                           63
9.13    Zielsetzungen                                                                   63
10   Abteilungs- und stationsübergreifende Therapieangebote                         68
Personalqualifikation im Bereich stationsübergreifende Therapien im Berichtsjahr (VK-
     Stellen)                                                                       68
10.1 Bildungszentrum                                                                69
10.2 Ergotherapie (inkl. Arbeitstherapie)                                           70
10.3 Sport- und Bewegungstherapie                                                   73
10.4 Kreativtherapien (Kunst-, Musik- und Theatertherapie)                          74
11      Allgemeine Struktur- und Leistungsdaten der Hausarztpraxis                            76
11.1    Versorgungsschwerpunkte der Hausarztpraxis                                            76
11.2    Angebotsspektrum der Hausarztpraxis                                                   76
11.3    Leistungsspektrum der Hausarztpraxis im Berichtsjahr                                  76
11.4    Zielsetzungen                                                                         77
12      Allgemeine Struktur- und Leistungsdaten der Forensisch-Psychiatrischen
        Institutsambulanz (FPIA)                                                  78
12.1    Versorgungsschwerpunkte der FPIA                                          78
12.2    Behandlungsplätze FPIA                                                    78
12.3    Anzahl der beurlaubten Personen nach Dauer der Beurlaubung                79
12.4    Anzahl der beurlaubten Personen nach psychiatrischen Haupt-Diagnosen nach
        ICD-10 im Berichtsjahr                                                    79
12.5    Deliktverteilung bzw. Anlassstraftat der beurlaubten Personen             80
12.6    Grundlage des Betreibens der FPIA                                         80
12.7    Angebotsspektrum der FPIA                                                 80
12.8    Zielsetzungen                                                             81
13      Abteilungsübergreifende Angebote                                                      83
13.1    Stabstelle QM und QM-Steuerungskreis                                                  83
13.2    Steuerungskreis Öffentlichkeitsarbeit                                                 83
13.3    Statistik und Dokumentation                                                           84
13.4    Kriminalprognostik/Fort- und Weiterbildung                                            84
13.5    Wissenschaftliche Beratung                                                            85
13.6    Pflegewissenschaft                                                                    85
13.7    Prognoseberatung/Gutachtenwesen                                                       86
                                                                             Seite 4 von 90
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13.8 Pädagogische Mitarbeit                                         87
14      Links                                                       88
15      Verantwortlichkeiten und Ansprechpartner                    89

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0     Vorwort

Insbesondere in den letzten Jahren hat sich deutlich gezeigt, dass die Qualität der Be-
handlung und Unterbringung im Maßregelvollzug zunehmend an gesellschaftlicher
Aufmerksamkeit gewinnt. Die Patientinnen und Patienten haben ein Recht auf eine am
wissenschaftlichen Standard orientierte Therapie. Um dies zu gewährleisten bedarf es
einer entsprechenden Personalausstattung – dies aber auch, um die Arbeitsbelastung
der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der gesamten Lebenswelt zu vereinbaren und
gesundheitliche Schädigungen zu verhindern. Und schließlich erwartet die Bevölkerung
einen ausreichenden Schutz unter verantwortungsvollem Einsatz ihrer Steuergelder.
In den letzten Jahren wurde das Thema Qualitätsindikatoren in einer Arbeitsgruppe zu-
sammen mit dem Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie
(MSAGD) zwischen den Vertretern der rheinland-pfälzischen Maßregelvollzugseinrich-
tungen intensiv erörtert. Ziel war es, Indikatoren zu identifizieren, an denen die Qualität
der Behandlung im Maßregelvollzug gemessen werden kann. Regelmäßig wird nun
nach Ablauf des Kalenderjahres ein Bericht zu den vereinbarten Qualitätsindikatoren
den Aufsichtsbehörden übersandt, die Daten dort bewertet und gemeinsam die weitere
Qualitätsentwicklung besprochen und vereinbart. Im Jahr 2019 war dies insbesondere
von der aktuellen Belegungssituation in der Suchttherapeutischen Abteilung geprägt.
Aber auch die weitere Reduzierung von Zwangsmaßnahmen konnte vereinbart werden.
So wurde der generelle Nachteinschluss aufgehoben, indem eine Ausweitung der
Nachtwachenplätze auf zwei geschlossenen Aufnahmestationen der Abteilungen zur
Behandlung von Patientinnen und Patienten gem. § 63 StGB erfolgte. Und auch für die
Umsetzung des BVerfG-Urteils zum Thema Fixierung wurden zusätzliche Mitarbeiter-
stellen bewilligt sowie eine einheitliche landeskrankenhausweite Verfahrensanweisung
erstellt, welche die Voraussetzungen, Dokumentation und Einbindung der Justiz- und
Aufsichtsbehörden regelt.
Das Ziel der Qualitätsverbesserung ist in der Klinik Nette-Gut kein neues Thema und
wird spätestens seit der Zertifizierung nach KTQ im Jahr 2009 intensiv in der Klinik be-
trieben. 2019 fand erstmals eine, sehr erfolgreiche, Zertifizierung nach DIN EN ISO
statt. Zusätzliches Gewicht erhielt dies durch die Einstellung einer nur für das Quali-
tätsmanagement verantwortlichen Mitarbeiterin.
Im Jahr 2012 entwickelte das Direktorium der Klinik Nette-Gut gemeinsam mit dem Ge-
schäftsführer auf Grundlage des Leitbildes des Landeskrankenhauses (AöR) fünf stra-
tegische Ziele. Auch in dem nun vorgelegten Qualitätsbericht der Klinik Nette-Gut findet
sich bei allen operativen Zielen eine Zuordnung zu den strategischen Zielen, damit die
Logik und Stringenz der Weiterentwicklung transparent und nachvollziehbar dargestellt
wird. Dies zeigt, dass Qualität und Qualitätsverbesserung in der Klinik Nette-Gut von all
ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern intensiv gelebt wird.
Zum Schluss des Vorworts möchten wir einen kleinen Ausblick geben, welchen Heraus-
forderungen wir uns in den nächsten Jahren stellen werden:
Die Reform der Unterbringungsvoraussetzungen des § 63 StGB bestimmt seit einiger
Zeit unsere Arbeit. Hieraus wurde in einem Projekt die frühzeitige Beachtung des Ent-
lassungsprozesses nach Aufnahme in unserer Klinik vereinbart und die gewonnenen
Erkenntnisse werden nun in die Konzepte und Standards eingearbeitet.
Darüber hinaus steht die Reform der Unterbringungsvoraussetzungen nach § 64 StGB
an. Die Belegung ist in der Suchttherapeutischen Abteilung insbesondere im zweiten
                                                                               Seite 6 von 90
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Halbjahr exorbitant angestiegen, bei guter Auslastung der beiden Abteilungen zur Be-
handlung nach der Unterbringungsgrundlage § 63 StGB. Die hohe Belegung resultiert
aus der sehr hohen Zuweisungsrate. Gleichzeitig erhalten die Patienten, bei denen die
Erledigung der Maßregel beantragt wurde, weitere Therapiechancen, was zu einer Zu-
nahme an therapieunmotivierten Patienten und kriminellen Strukturen auf den Stationen
führt. Hier gilt es, so schnell wie möglich Lösungen zu finden, damit diese Situation, die
für Mitarbeiter und Patienten belastend ist, verändert werden kann. Im Rahmen der Be-
ratungen über die Qualitätsindikatoren mit dem Ministerium (MSAGD) wurde dabei die
bauliche Herstellung einer weiteren Station zur Behandlung von Suchttherapiepatienten
vereinbart. Ein Raum- und Funktionsprogramm wurde beschlossen. Damit kann die Pa-
tientendichte in der Abteilung verringert werden. Auch erweiterte personelle Ressourcen
wurden zugestanden. Zur schnelleren Umsetzung soll vorerst eine Interimslösung um-
gesetzt werden.
Wir möchten uns bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken, die direkt oder
indirekt an der Erstellung des Qualitätsberichts mitgewirkt haben und die täglich dazu
beitragen, die Qualität unserer Arbeit zum Wohle der uns anvertrauten Personen sowie
der Gesellschaft kontinuierlich weiterzuentwickeln und auf einem hohen Stand zu hal-
ten. Sie erfüllen damit einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag. Dass sie diesen Auf-
trag gerne annehmen und an der Weiterentwicklung der Klinik Nette-Gut mitarbeiten
zeigt der nun vorgelegte Qualitätsbericht deutlich.

Dr. F. Goldbeck            A. Emmerich               P. Blum
Ärztlicher Direktor        Pflegedirektor            Administrator

Im Bericht wurden alle Daten – sofern nicht anderweitig vermerkt – zum Stichtag 31.12.
erhoben.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in diesem Bericht vornehmlich das generi-
sche Maskulinum verwendet, es sind aber immer alle Geschlechter gemeint.

                                                                             Seite 7 von 90
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1     Allgemeine Struktur- und Leistungsdaten der Klinik

        1.1      Anschrift, E-Mail Adresse, Internetadresse der Klinik

                 Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie
                 an der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach
                 Am Nette-Gut 2
                 56575 Weißenthurm
                 Tel.:        02637 911-0
                 Fax:         02637 911-3191
                 E-Mail:      info@kng.landeskrankenhaus.de
                 Internet:    www.klinik-nette-gut.de

        1.2      Institutionskennzeichen der Klinik

                 260710759

        1.3      Name des Trägers

                 Landeskrankenhaus (AöR)
                 Vulkanstraße 58
                 56626 Andernach

        1.4      Strukturdarstellung und Managementprozesse

                 Für das Landeskrankenhaus (LKH) als übergeordnetem Träger sind stra-
                 tegische Ziele festgelegt und kommuniziert, daraus leiten sich die strategi-
                 schen und operativen Ziele der Klinik Nette-Gut ab.
                 Managementprozesse wie das Finanz-, Bildungs- und Projektmanage-
                 ment sowie Personalentwicklung sind übergreifend im LKH angesiedelt,
                 sodass in den Einrichtungen gleiche Strukturen die Arbeit erleichtern und
                 transparent darstellbar sind. An den Hygiene- Arbeitssicherheits-, Notfall-
                 und Arzneimittelkommissionen nehmen jeweils Vertreter der Klinik Nette-
                 Gut teil.
                 Auch ist im LKH und in jeder Einrichtung, so auch in der Klinik Nette-Gut,
                 ein strategisches Risikomanagement angesiedelt. Dieses wird regelmäßig
                 mit dem Referat Innenrevision aktualisiert und von diesem in die Ge-
                 schäftsleitungssitzung des LKH eingebracht. Das Fehlermeldesystem für
                 kritische Vorkommnisse (CIRS) besteht trägerweit und die Meldungen der
                 Klinik Nette-Gut werden vom CIRS-Auswertungsteam (in derselben per-
                 sonellen Besetzung wie der QM-Steuerungskreis) bearbeitet.

                                                                                 Seite 8 von 90
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        1.5      Versorgungsschwerpunkte und Leistungsangebote in der Klinik

                 Die Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie ist mit 390 Behandlungs-
                 plätzen im stationären Bereich sowie durchschnittlich 178 ambulant be-
                 treuten Personen, die mit Abstand größte Maßregelvollzugseinrichtung
                 des Landes Rheinland-Pfalz. Im Jahr 2019 stieg die Belegung, analog der
                 Entwicklung in anderen Bundesländern, in der Suchtherapeutischen Abtei-
                 lung an, sodass es hier zu einer Überbelegung von durchschnittlich 8 Pa-
                 tienten gekommen ist. Insgesamt war die Klinik Nette-Gut im Jahr 2019 im
                 stationären Bereich über alle Abteilungen hinweg mit 100% der Bettenka-
                 pazitäten ausgelastet. Ende 2019 wurde für die Suchttherapeutische Ab-
                 teilung aufgrund der stetig steigenden Aufnahmen und als Interimslösung
                 eine geschlossen geführte Einheit von zusätzlichen 10 Betten auf der ge-
                 schlossenen Station G 2 geschaffen.
                 Die Behandlung dient nach Vorgabe des Landesgesetzes über den Voll-
                 zug freiheitsentziehender Maßregeln (Maßregelvollzugsgesetz - MVollzG,
                 welches in seiner neuen Fassung zum 01.01.2016 in Kraft getreten ist) der
                 Besserung und Sicherung von untergebrachten Personen, die nach Maß-
                 gabe der §§ 63, 64 StGB verurteilt wurden. Auch werden untergebrachte
                 Personen gemäß den §§ 81, 126a, 453c Strafprozessordnung (StPO) und
                 Menschen, welche gem. § 73 (1) des Landesjustizvollzugsgesetzes
                 (LJVollzG) unterzubringen sind, aufgenommen. Die Einweisung in die Kli-
                 nik Nette-Gut erfolgt auf der Grundlage des als Verwaltungsvorschrift er-
                 lassenen Vollstreckungsplans für den Vollzug freiheitsentziehender Maß-
                 regeln des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit aus
                 dem Jahr 2003.
                 In Einzelfällen werden auch Patienten nach § 1906 Bürgerliches Gesetz-
                 buch (BGB) in der Klinik untergebracht, 2019 betraf dies zwei unterge-
                 brachte Personen.
                 Alle Therapie- und Behandlungsmaßnahmen sind darauf ausgerichtet, die
                 möglichst rasche Resozialisierung der untergebrachten Personen mit der
                 größtmöglichen Sicherheit für die Bevölkerung zu verbinden. Organisato-
                 risch ist die Klinik Nette-Gut in Bezug auf die stationären Behandlungs-
                 plätze in drei fachlich eigenständige Abteilungen gegliedert, in denen die
                 untergebrachten Personen mit unterschiedlichen Krankheitsbildern und
                 Störungen behandelt werden.
                 Die den Störungsbildern gem. § 63 StGB zugeordneten Fachabteilungen
                 verfügen über jeweils eine Aufnahmestation. Auf diese Weise wird eine
                 individuelle, an den Erfordernissen des einzelnen Untergebrachten orien-
                 tierte Behandlung ab der Aufnahme ermöglicht.
                 Die Psychomedizinische Abteilung mit 134 Planbetten inkl. 9 Betten in der
                 Außenwohngruppe, behandelt Personen mit Psychosen und Intelligenz-
                 minderung. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Psychopharmakotherapie,
                 ebenso wichtig sind jedoch auch Psychoedukation sowie Gestaltung und
                 Aufbau eines stabilen sozialen Empfangsraums. Zu dieser Abteilung ge-
                 hören zwei gemischtgeschlechtlich belegte Stationen, eine Aufnahmesta-
                 tion, eine Therapie- und Rehabilitationsstation sowie die Möglichkeit zur
                 Belegung in der Außenwohngruppe. Bei einem Frauenanteil von etwa

                                                                               Seite 9 von 90
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                 sechs Prozent an der Gesamtbelegung entspricht dieser Wert in etwa dem
                 Bundesdurchschnitt.
                 Die Psychotherapeutische Abteilung behandelt Menschen mit schweren
                 Persönlichkeitsstörungen und sexuellen Devianzen. Diese verfügte im
                 Jahr 2019 über insgesamt 108 Betten inkl. vier Betten in der Außenwohn-
                 gruppe. Zur Auseinandersetzung und Aufarbeitung der rechtswidrigen Ta-
                 ten finden deliktspezifische Gruppen und eine intensive sozio- und milieu-
                 therapeutische Betreuung statt. Die Rehabilitation ist auch hier das obers-
                 te Ziel. Sofern eine Rehabilitation nicht möglich ist oder eine unterge-
                 brachte Person trotz Behandlung weiter gefährlich ist, tritt der auch im Ge-
                 setz formulierte Sicherungsauftrag in den Vordergrund. Hier steht dann
                 das Ziel der möglichst humanen Unterbringung mit Gewährung von ver-
                 tretbaren Freiheitsgraden im Vordergrund. Eine zum Gelände hin offen ge-
                 führte Station mit einem heilpädagogischen Konzept für Patienten mit In-
                 telligenzminderung ergänzt das Angebotsspektrum der Abteilung.
                 In der Suchttherapeutischen Abteilung, welche drogenabhängige unterge-
                 brachte Personen gem. § 64 StGB behandelt und welche inzwischen die
                 größte Abteilung der Klinik ist, werden 148 Betten vorgehalten, diese sind
                 verteilt auf fünf Stationen sowie einer großen Außenwohngruppe mit 28
                 Planbetten. In dieser Abteilung existieren zwei Aufnahmestationen. Hier
                 spielt zunächst die Behandlungsmotivation der Patienten zur aktiven The-
                 rapieteilnahme eine große Rolle. Neben der Deliktbearbeitung werden in
                 hohem Maße Behandlungsangebote unterbreitet, die sowohl die Suchter-
                 krankung als auch eine Rückfallprophylaxe mit der Möglichkeit des Zu-
                 rückgreifens auf Versorgungs- und Hilfsangebote nach der Entlassung be-
                 inhalten.
                 Der Bereich der Stationsübergreifenden Therapien rundet das Behand-
                 lungsangebot der Klinik ab. Hier werden Angebote aus den Bereichen Er-
                 gotherapie, Sporttherapie, Gartenpflege, Theaterpädagogik, Kreativthera-
                 pien und schulische Angebote des Bildungszentrums unterbreitet.
                 Im stationären Bereich wird zur Optimierung der allgemeinärztlichen Ver-
                 sorgung eine Hausarztpraxis innerhalb des gesicherten Geländes unter-
                 halten, in welcher drei Fachärzte für Allgemeinmedizin, unterstützt von
                 Arzthelferinnen, die somatischen Beschwerden der untergebrachten Per-
                 sonen abklären, Behandlungsmaßnahmen einleiten und ggf. konsiliarärzt-
                 liche Interventionen veranlassen. Gelegentlich werden auch untergebrach-
                 te Personen, die sich bereits in der Beurlaubung befinden und nicht selbst
                 krankenversichert sind, mitbetreut.
                 Gerade für die gesellschaftliche Eingliederung nach der Behandlung sind
                 Netzwerke von Beratungsstellen, eine erfolgreiche Integration auf dem Ar-
                 beitsmarkt sowie stabile soziale Kontakte von entscheidender Bedeutung.
                 Hier kommt das Team der Forensisch-Psychiatrischen Institutsambulanz
                 (FPIA) in die Behandlungsverantwortung, welches die beurlaubten bzw.
                 zur Bewährung entlassenen Personen aufsuchend behandelt und betreut.
                 Je nach erforderlicher Intensität ist die FPIA sehr flexibel, sodass bei ent-
                 sprechender Notwendigkeit auch mehrfach in der Woche Hausbesuche
                 möglich sind. Bei anderen Personen reicht ggf. jeweils ein quartalsweise
                 stattfindender Kontakt. Inzwischen gehören mehrere von der Justiz zuge-
                 wiesene geeignete Personen zum Klientel der FPIA.
                                                                                Seite 10 von 90
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                 Zur Versorgung der untergebrachten Personen gehört neben den diver-
                 sen, breit gefächerten Behandlungsmöglichkeiten, welche zunehmend
                 auch berufsgruppenübergreifend angeboten werden, eine valide prognos-
                 tische Einschätzung aus dem forensischen Kontext heraus. Die Klinik
                 Nette-Gut legt großen Wert darauf, moderne kriminalprognostische In-
                 strumente anzuwenden und alle Beteiligten in ein verlässliches, nachvoll-
                 ziehbares Risk-Assessment einzubeziehen.
                 Durch die im Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 24.07.2018 not-
                 wendig gewordene richterliche Genehmigung und einer verpflichtenden
                 1:1 bzw. Intensivbetreuung von Patienten während einer Fixierung, orien-
                 tieren sich auch die Mitarbeiter der Klinik Nette-Gut an der für das Lan-
                 deskrankenhaus (AöR) verbindlichen „Leitlinie für den Umgang mit ag-
                 gressivem Verhalten in der Psychiatrie: Prävention – Therapie – Zwangs-
                 maßnahmen“ sowie der Verfahrensanweisung „Vorgehen bei Fixierungen
                 und Zwangsmaßnahmen“.
                 Damit vor allem die präventiven Ansätze in der direkten Patientenversor-
                 gung gestärkt, ausgebaut und gelebt werden, sind zusätzliche Fort- und
                 Weiterbildungsangebote, wie die Einführung des „Safewards-Modells“ und
                 die „Gewaltfreie Kommunikation“ erfolgt. Auch das bereits erfolgreich um-
                 gesetzte Professionelle Deeskalationsmanagement „ProDeMa“, wird nach
                 der in 2019 erfolgten Konzeptevaluation fortlaufend weiterentwickelt.
                 Die Situation um Flüchtlinge und Abschiebehäftlinge ist aktuell ein wichti-
                 ges gesellschaftliches Thema. Speziell bei den Abschiebehäftlingen kann
                 es auch zu psychiatrischen Erkrankungen kommen, die behandlungsbe-
                 dürftig sind. Das Landeskrankenhaus (AöR) hat dem zuständigen Ministe-
                 rium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz
                 (MFFJIV) Unterstützung in den Fällen angeboten, in denen die psychiatri-
                 sche Krankheit des Abschiebehäftlings in einer Anstaltsklinik nicht behan-
                 delt werden kann. Insofern kann die Verlegung des Abschiebehäftlings in
                 die Klinik Nette-Gut als Klinik außerhalb des Vollzuges in Betracht kom-
                 men. Der Standard „Behandlung von Abschiebehäftlingen in der Klinik
                 Nette-Gut“ beschreibt und regelt dazu alle wesentlichen Themen. 2019
                 gab es insgesamt 15 Aufnahmen von Abschiebehäftlingen in der Klinik
                 Nette-Gut, die zur Begutachtung und entsprechenden Behandlung aufge-
                 nommen und später wieder zurückverlegt wurden. Von diesen wurde eine
                 Person zweimal aufgenommen.

                 Besteht ein Vollstreckungsplan für den Vollzug freiheitsentziehender Maß-
                 regeln?

                        Ja           Nein

        1.6      Anzahl der Behandlungsplätze in der gesamten Klinik (Plan)

                 390

        1.7      Anzahl behandelter Patienten zum Stichtag 31.12. (Ist)

                 389

                                                                               Seite 11 von 90
QUALITÄTSBERICHT 2019
KLINIK NETTE-GUT

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QUALITÄTSBERICHT 2019
KLINIK NETTE-GUT

2     Personalbezogene Daten

        2.1   Geplante Stellenbesetzung für das Berichtsjahr
              (darin sind Anteile der Rhein-Mosel-Fachklinik enthalten)
 Berufsgruppe/Dienstart                        Vollkräftestellen (VK) (Plan)*
 Ärztlicher Dienst                             23,6
 Pflegedienst (inkl. Sicherheitsdienst)        331,3
 Schreibdienst, Bildungszentrum, Apotheke, 15,3 (davon Anteil Landeskrankenhaus
 Labor etc.                                    (LKH) mit 0,16 VK)
 Psychologischer Dienst                        25,6
 Sozialdienst                                  18,6
 Bewegungstherapie (inkl. Sporttherapie)       5,2
 Funktionsdienst/Ergo (Arbeits-, Beschäfti-    23,9
 gungs-, Kunst-, Musik-, Theatertherapie)
 Klinisches Hauspersonal                       15,9
 Wirtschaftsdienst                             20,6
 Technischer Dienst                            10,5
 Verwaltungsdienst                             38,1 (davon Anteil LKH mit 10,3 VK)
 Personal der Ausbildungsstätten               3,4 (davon Anteil LKH mit 2,5 VK)
 Sonstiges Personal Schüler                    32,0
 Sonstiges Personal Azubis/Praktikanten        18,0
 Gesamt                                        582,0
*ohne Verrechnung

        2.2  Personalfluktuation
             (darin sind Anteile der Rhein-Mosel-Fachklinik enthalten)
Berufsgruppe                                  Neueinstellungen Beendigungen
                                                                    des Arbeitsver-
                                                                    hältnisses
Ärztlicher Dienst                             2                     8
Pflegedienst (inkl. BES)                      43                    22
Schreibdienst, Schule, Apotheke, Labor etc. 3                       3
Psychologischer Dienst                        3                     4
Sozialdienst                                  3                     3
Bewegungstherapie (inkl. Sporttherapie)       1                     -
Funktionsdienst/Ergo (Arbeits-, Beschäfti-    1                     -
gungs-, Kunst-, Musik-, Theatertherapie)
Klinisches Hauspersonal                       2                     2
Wirtschaftsdienst                             -                     2
Technischer Dienst                            2                     1
Verwaltungsdienst                             9                     6
Gesamt                                        69                    51

                                                                          Seite 13 von 90
QUALITÄTSBERICHT 2019
KLINIK NETTE-GUT

        2.3      Personalqualifikation im ärztlichen Dienst (VK-Stellen)

Abteilung                  Beschäftigte             Ärzte mit Beschäf-      Ärzte mit Beschäf-
                           Ärzte insgesamt*         tigungsgrundlage        tigungsgrundlage
                                                    Facharztstatus All-     Facharztstatus
                                                    gemeinmedizin           Psychiatrie
Psychomedizinisch        7,8                        -                       4,8
Psychotherapeutisch 1,0                             -                       -
Suchttherapeutisch       3,0                        -                       3,0
FPIA                     1,88                       -                       0,88
Hausarztpraxis           3,0                        3,0                     -
Gesamt                   16,68                      3,0                     8,68
*exkl. Ärztlicher Direktor (1,0 VK)

        2.4      Personalqualifikation im Pflegedienst (VK-Stellen)
Abteilung          Kranken-      Heilerzie-    examinier-   examinier-    Kranken-       Beschäf-
                   schwester/    hungs-        ten Kran-    ten Heiler-   pflegehel-     tigte, ohne
                   -pfleger      pfleger mit   ken-         ziehungs-     fer            einschlä-
                   oder Alten-   entspr.       schwes-      pfleger       (1 Jahr)       gige Aus-
                   pfleger mit   Fachaus-      ter/         oder Er-                     bildung
                   entspr.       bildung       -pfleger     zieher
                   Fachaus-      (3 Jahre +    oder Al-     (3 Jahre)
                   bildung       Fachwei-      tenpfleger
                   (3 Jahre +    terbil-       (3 Jahre)
                   Fachwei-      dung)
                   terbildung)
Psychomedi-        14,69         1,81          83,32        15,96         13,57          1,88
zinisch
Psychothera-       8,22          1,62          50,83        19,87         4,9            1,35
peutisch
Suchtthera-        16,07         2,0           55,98        20,25         1,75           1,25
peutisch
FPIA               5,0           --            --           --            --             --
Gesamt             43,98         5,43          190,13       56,08         20,22          4,48

        2.5      Personalqualifikation im psychologischen Dienst (VK-Stellen)

Abteilung               Dipl.-Psychologen       davon: Psycholo- davon: Fachpsycho-
                        bzw. Psychologen        gische Psychothe- logen für Rechts-
                        mit Masterab-           rapeuten          psychologie
                        schluss insgesamt
Psychomedizi-           4,0                     1,0                       2,0
nisch
Psychotherapeu-         8,52                    -                         2,0
tisch
Suchttherapeu-          9,91                    1,51                      0,52
tisch
FPIA                    -                       -                         -
Gesamt                  22,43                   2,51                      4,52

                                                                                       Seite 14 von 90
QUALITÄTSBERICHT 2019
KLINIK NETTE-GUT

        2.6      Fort- und Weiterbildungsangebote der Rhein-Mosel-Akademie im Be-
                 richtsjahr

                 Im Jahr 2019 wurden die Veranstaltungen der Rhein-Mosel-Akademie von
                 2.244 Teilnehmern der Klinik Nette-Gut genutzt. Hierbei entstanden Fort-
                 und Weiterbildungskosten von 214.827 €. Der zeitliche Aufwand der Teil-
                 nahme betrug insgesamt 9.004 Stunden.
                 Neben Pflichtveranstaltungen, die für alle Mitarbeiter bzw. Mitarbeiter aus-
                 gewählter Berufsgruppen verbindlich waren, wurden auch zahlreiche frei-
                 willige Veranstaltungen angeboten. Für die Pflichtveranstaltungen Brand-
                 schutz, Datenschutz und Hygiene wurde ein landeskrankenhausweites E-
                 Learning-Angebot genutzt.
                 Unter anderem wurden folgende Fortbildungen von den Mitarbeitern der
                 Klinik Nette-Gut besucht:
                 - Zertifikatskurs Führungskolleg
                 - Kompetenz im Umgang mit Menschen in der suizidalen Krise
                 - Kommunikation und Gesprächsführung professionell gestalten
                 - Resilienz stärken

        2.7      Fort- und Weiterbildungsangebot der Klinik Nette-Gut im Berichtsjahr

                 Neben dem Angebot der Rhein-Mosel-Akademie werden regelmäßig Ver-
                 anstaltungen von der Klinik Nette-Gut ausgerichtet. Hierzu zählen das Fo-
                 rum Nette-Gut, Schulungen zu aktuellen Fachthemen sowie halbjährliche
                 Intervisionstreffen für Forensische Gutachter.
                 Am 4. und 5. November 2019 organisierte die Klinik Nette-Gut zusammen
                 mit der Rhein-Mosel-Akademie die Forensiktage unter dem Titel "(Sexuel-
                 le) Gewalt und ihre Opfer". Neben der eigenen Mitarbeiterschaft haben
                 wieder zahlreiche externe Teilnehmer aus der Bundesrepublik, der
                 Schweiz und Luxemburg an der Tagung teilgenommen und die vielfältigen
                 Facetten dieses Themas anhand der von namhaften Referenten vorgetra-
                 genen Beiträge diskutiert.
                 Die Mitarbeiter der Klinik Nette-Gut nehmen die Möglichkeit der abtei-
                 lungsübergreifenden forensisch-psychiatrischen Fallvorstellungen wahr
                 sowie der berufsgruppenspezifischen als auch berufsgruppenübergreifen-
                 den Beteiligung an Fachtagungen.
                 Im Rahmen der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege besteht
                 eine enge Kooperation mit der Krankenpflegeschule der Rhein-Mosel-
                 Fachklinik Andernach. Die Teilnahme an der Fachweiterbildung Psychiat-
                 rie mit Schwerpunkt Forensik wird alle 2 Jahre für bis zu 6 Mitarbeiter pro
                 Ausbildungsgang gefördert. Bei 2 Mitarbeitern der Klinik Nette-Gut wird
                 die Teilnahme an einem Studiengang (Kath. Fachhochschule Mainz, Pfle-
                 geexpertise Vallendar) gefördert.

                                                                               Seite 15 von 90
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KLINIK NETTE-GUT

3     Patientenbezogene Daten

        3.1      Aufnahmen* und Beendigungen nach §§ 63 und 64 StGB, § 126a
                 StPO und sonstigen §§ im Berichtsjahr

Rechtsgrundlagen             Anzahl Aufnahmen        Anzahl Beendigungen
§ 63 StGB                    20                      17
§ 64 StGB                    98                      77
§ 67h/63 StGB bzw.           12                      12
§ 67h/64 StGB
§ 126a StPO, § 81 StPO,      38                      36
§ 453c StPO, sonstige
Gesamt                       168                     142
* ohne § 66 StGB, ohne Verlegungen, Umwandlungen werden als Aufnahmen gezählt

        3.2      Belegung nach §§ 63 und 64 StGB, § 126a StPO und sonstigen §§* im
                 Berichtsjahr

Rechtsgrundlagen                Durchschnittliche Belegung
                                männlich         weiblich             gesamt
§ 63 StGB (inkl. § 67h StGB)    192              20                   212
§ 64 StGB (inkl. § 67h StGB)    157              -                    157
§ 126a StPO, § 81 StPO, §       14               2                    16
65 StVollzG, § 453c StPO,
sonstige
Gesamt                          363              22                   385
*ohne § 66 StGB

        3.3      Anzahl der Beendigungen bzw. Veränderungen des Vollzugs der Un-
                 terbringung nach §§ 63 und 64 StGB mit Gründen

Gründe                                    Patienten       Patienten         gesamt
                                          nach            nach
                                          § 63 StGB       § 64 StGB
Aussetzung der Unterbringung zur Be- 13                   25                38
währung (§ 67 d Abs. 2 StGB)
Änderung der Reihenfolge der Vollstre- -                  -                 -
ckung/Überweisung in den Strafvollzug (§
67 Abs. 1 und 3 StGB)
Erledigung durch Erreichen der Höchst- -                  4                 4
frist (§ 67 d Abs. 4 StGB)
Erledigungserklärung der Maßregel         1               48                49
(§ 67 d Abs. 5 bzw. Abs. 6 StGB)
     davon wegen: Verhältnismäßigkeit u/o             1                                           1
  Wegfall d. Voraussetzungen d. Maßregel
Sonstige Gründe für Patientenabgänge 3                    -                 3
(z.B. Abschiebungen, Verstorbene)
Gesamt                                    17              77                94

                                                                                Seite 16 von 90
QUALITÄTSBERICHT 2019
KLINIK NETTE-GUT

        3.4      Durchschnittliche Unterbringungsdauer ab erster Nacht der Unter-
                 bringung im Status §§ 63 und 64 StGB in einer Einrichtung (in Jah-
                 ren) aller stationärer Patienten

Rechtsgrundlagen                Durchschnittliche Unter-      Anzahl Patienten
                                bringungsdauer (Jahre)
§ 63 StGB                       9,5                           209
§ 64 StGB                       1,2                           167

        3.4.1 § 63 StGB: Unterbringungsdauer ab erster Nacht der Unterbringung
              im Status § 63 StGB in einer Einrichtung aller stationärer Patienten

Unterbringungsdauer                          Anzahl Patienten

< 2 Jahre                                    37
2 - ≤ 4 Jahre                                33
4 - ≤ 6 Jahre                                29
6 - ≤ 8 Jahre                                16
8 - ≤ 10 Jahre                               12
10 - ≤ 15 Jahre                              38
15 Jahre und mehr                            44
Gesamt                                       209

        3.4.2 § 64 StGB: Unterbringungsdauer ab erster Nacht der Unterbringung
              im Status § 64 StGB in einer Einrichtung aller stationärer Patienten

Unterbringungsdauer                          Anzahl Patienten
< 1 Jahr                                     81
1 - ≤ 2 Jahre                                56
2 Jahre und mehr                             30
Gesamt                                       167

        3.5      Anzahl aller Patienten nach psychiatrischen Haupt-Diagnosen nach
                 ICD-10 in der Gesamtklinik im Berichtsjahr

ICD-10           Anzahl   Bezeichnung
F0               9        Hirnorganische Störung
F1               146      Primäre Sucht
F2               65       Schizophrene Störung
F2, F1           56       Schizophrene Störung und Sucht
F2,              2        Schizophrene Störung und Störung der Sexualpräferenz bzw.
F65-F66                   in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung
F2, F7           5        Schizophrene Störung und intellektuelle Minderbegabung
F3               1        Affektive Störung
F60-F63          23       Persönlichkeitsstörung
F65-F66          5        Störung der Sexualpräferenz bzw. in Verbindung mit der sexu-
                          ellen Entwicklung und Orientierung
F60-F63, F1 31            Persönlichkeitsstörung und Sucht
F60-F63,    29            Persönlichkeitsstörung und Störung der Sexualpräferenz bzw.

                                                                           Seite 17 von 90
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ICD-10           Anzahl   Bezeichnung
F65-F66                   in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung
F60-F63, F7      2        Persönlichkeitsstörung und intellektuelle Minderbegabung
F7               15       Intelligenzminderung
F7, F1           4        Intellektuelle Minderbegabung und Sucht
F7,              10       Intellektuelle Minderbegabung und Störung der Sexualpräfe-
F65-F66                   renz bzw. in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und
                          Orientierung
                 36       Andere Diagnosen bzw. andere Formen von Multimorbidität
                 -        Keine Diagnose
Gesamt           439

        3.6       Deliktverteilung bzw. Anlassstraftat der Patienten gem. §§ 63 und 64
                  StGB in der Gesamtklinik im Berichtsjahr

Unterbringungsdelikt       Patienten nach          Patienten nach       Gesamt
bzw. Anlassstraftat        § 63 StGB               § 64 StGB
                           w         m             w         m          w            m
Straftaten gegen das       4         35            -         3          4            38
Leben (außer Sexu-
aldelikte)
Brandstiftungsdelikte      3            10         -          1         3            11
Sexualdelikte              -            69         -          1         -            70
     zum Nachteil von              -         51          -         1            -             52
        Kindern
     zum Nachteil von              -         18          -         -            -             18
        Erwachsenen
Körperverletzung           10           71         -          9         10           80
Raub und Erpressung        2            4          -          31        2            35
Straftaten gegen die       1            10         -          1         1            11
persönliche Freiheit
Eigentumsdelikte           -            1          -          24        -            25
(Diebstahl, Unterschla-
gung, Betrug, Hehlerei
etc.)
Verstoß gegen das          -            -          -          111       -            111
BtMG
Sonstiges Delikt           1            8          -          2         1            10
Gesamt                     21           208        -          183       21           391

                                                                             Seite 18 von 90
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            3.7     Durchgeführte Vollzugslockerungen 1 im Berichtsjahr

Abteilung                                      Anzahl der durchge-             Anzahl der Stunden der
                                               führten Vollzugslo-             durchgeführten Voll-
                                               ckerungen                       zugslockerungen
Psychomedizinische Abteilung                   9.406                           30.357,80
Psychotherapeutische Abteilung                 6.549                           34.061,82
Suchttherapeutische Abteilung                  13.323                          94.414,17
Gesamt                                         29.278                          158.833,79
* geänderte Erhebungsmethode in 2019, daher kein Vergleich mit den Vorjahren möglich

            3.8     Entweichungen im Berichtsjahr

Abteilung                                      Anzahl der    Entweichungsart
                                               Entweichungen
Psychomedizinische Abteilung                   1             1 x Flucht
Psychotherapeutische Abteilung                 2             1 x Missbrauch einer Vollzugslo-
                                                             ckerungsstufe
                                                             1 x Flucht
Suchttherapeutische Abteilung                  1             1 x Missbrauch einer Vollzugslo-
                                                             ckerungsstufe
Gesamt                                         4

            3.9     Einstufung aller stationärer Patienten in Behandlungsbereiche ge-
                    mäß Psychiatrie-Personalverordnung (PsychPV Forensik) – Jahres-
                    mittel aus 4 Stichtagserhebungen

Allgemeine Psychiatrie                                   Abhängigkeitskranke
(Psychomedizinische und                                  (Suchttherapeutische Abteilung)
Psychotherapeutische Abteilung)
Behandlungsbereich             Anzahl                    Behandlungsbereich                          Anzahl
F1                             6,25                      FS 1                                        -
Regelbehandlung in der Ein-                              Regelbehandlung in der Ein-
gangsphase bis zu 3 Monaten                              gangsphase bis zu 3 Monaten
F2                             23,0                      FS 2                                        31,5
Intensivbehandlung in der Ein-                           Intensivbehandlung in der Ein-
gangsphase der Behandlung bis                            gangsphase der Behandlung bis
zu 3 Monaten oder im Verlauf                             zu 3 Monaten oder im Verlauf
F3                             54,75                     FS 3                                        -
Rehabilitative Behandlung                                Rehabilitative Behandlung
F4                             100,25                    FS 4                                        82,5
Langdauernde Behandlung                                  Langdauernde Behandlung
Schwer- und Mehrfachkranker                              Schwer- und Mehrfachkranker
F5                             50,75                     FS 5                                        40,5
Psychotherapie                                           Psychotherapie
Gesamt                         235,0                     Gesamt                                      154,5
1
    VLS   4 = Ausführung außerhalb des umzäunten Klinikgeländes in Begleitung von Mitarbeitern
    VLS   5 = Begleiteter Ausgang
    VLS   6 = Einzelausgang
    VLS   7 = Urlaub mit Übernachtung
    VLS   8 = Außenbeschäftigung ohne Aufsicht
                                                                                                 Seite 19 von 90
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        3.10 Erfüllungsgrad nach PsychPV Forensik

Für die Klinik Nette-Gut insgesamt, getrennt nach Berufsgruppen.
Berufsgruppe                                 Erfüllungsgrad nach PsychPV Forensik
                                             in %
Ärzte                                        51,49
Psychologen                                  112,75
Sozialarbeiter                               89,00
Pflegepersonal                               81,82

        3.11     Besondere Vorkommnisse im Berichtsjahr

Besondere Vorkommnisse werden über Sonderberichte der Klinik dokumentiert (Ag-
gressionsereignisse sind hiervon ausgenommen).
Besondere Vorkommnisse Psychomedizi- Psychotherapeu- Suchttherapeuti-
                              nische Abtei-   tische Abteilung sche Abteilung
                              lung
Somatischer Notfall           8               2                 2
Geiselnahme                   -               -                 -
Evakuierung                   -               -                 -
Psychiatrischer Notfall       8               1                 -
Lockerungsmissbrauch          1               2                 1
Suizid                        -               -                 -
unmittelbar bemerkter Aus- -                  -                 -
bruch
nicht unmittelbar bemerkter -                 -                 -
Ausbruch
Revolte                       -               -                 -
Regelverstoß, davon:          8               14                170
               Drogenkonsum                 5                 6              111
         verspätete Rückkehr                1                 4                51
Medikationsfehler             1               2                 2
Verlust sicherheitsrelevanter 1               -                 2
Gegenstände
Ausbruch eines Brandes        -               -                 -
Polizeieinsatz                12              2                 1
Auffinden verbotener Ge-      8               14                17
genstände
sonstiges                     5               -                 5
Gesamt                        52              37                200

                                                                     Seite 20 von 90
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        3.12     Aggressionsereignisse

Mittels des SOAS-R werden Fremd- und Eigenaggressionen der Patienten systema-
tisch dokumentiert.
               Aggressionsereignisse (im Berichtsjahr gesamt)
Abteilung      Häufigkeit beteiligte Ø Schwere- häufigstes      häufigstes
                              Patienten grad (0-22)    Aggressionsmittel           Aggressionsziel
Psychomedi-        1.143      90          11           verbale Aggression          Pflegepersonal
zinische Ab-
teilung
Psychothera-       180        59          10           verbale Aggression          Mitpatienten/
peutische                                                                          Pflegepersonal
Abteilung
Suchtthera-        88         50          8            verbale Aggression/         Mitpatienten/
peutische                                              Körpereinsatz               Pflegepersonal
Abteilung
Gesamt             1.411      199         9            verbale Aggression Pflegepersonal/
                                                                          Mitpatienten

        3.13     Bereich Empfang und Sicherheit

Besondere Diens- Fesselungen             Kfz-Kontrollen*   Gelände- und
te                                                         Zaunkontrollen**
Anzahl               228                 4.551             1.958
* ohne Kfz-Kontrollen der eigenen Fahrzeuge
** Erhöhung der Zaunkontrollen aufgrund der Überwachung der Baustelle für das ge-
plante Sozialzentrum (4 x pro Nacht)

Fahrten                  Gerichtsfahrten        Fahrten zu Prog-           Verschubungen
                                                nosegutachten
Anzahl                   177                    -                          51
Jahreskilometer          29.978                 -                          9.937
Stunden/ Jahr            1.609,5                -                          341

Personenkontrollen          Besucher           Anwälte          Besucher-             Fremdfirmen*
(ohne Kontrollen der                                            gruppen (Ein-         (Einzelper-
Patienten)                                                      zelpersonen)          sonen)
Anzahl                      12.800             1.155            501                   5.662

        3.14     Administration

Kostenübernahmen im Be-              Neubewilligungen               Beendigungen
richtsjahr
komplementäre Einrichtung            19                             18
eigene Wohnung                       5                              5
berufliche Wiedereingliederung       7                              6
      - stationäre Patienten
berufliche Wiedereingliederung       2                              9
      - beurlaubte Patienten

                                                                                        Seite 21 von 90
QUALITÄTSBERICHT 2019
KLINIK NETTE-GUT

4     Patientenbezogene Angebote der Klinik Nette-Gut

        4.1      Patientenfürsprecherin

                 Die Patientenfürsprecherin der Klinik Nette-Gut führt das Ehrenamt seit
                 1998 aus. Sie prüft eingehende Beschwerden und Anregungen der Pati-
                 enten und vertritt deren Anliegen gegenüber der Klinikleitung. Mit dem
                 Einverständnis der betroffenen Patienten kann sie sich jederzeit und un-
                 mittelbar an den Klinikträger oder die zuständigen Behörden wenden.
                 Darüber hinaus ist sie zum Stillschweigen über alle Sachverhalte verpflich-
                 tet.
                 Die Sprechstunden in der Klinik Nette-Gut finden an jedem ersten Freitag-
                 nachmittag eines Monats statt. Alle Patienten können sich außerdem
                 schriftlich mit ihren Anliegen an die Patientenfürsprecherin wenden.
                 Nach jahrelanger Übernahme des Ehrenamtes wurde die bisherige Pati-
                 entenfürsprecherin im Juli 2019 in den Ruhestand verabschiedet. Seit Au-
                 gust 2019 wurde diese Funktion neu vergeben.

        4.2      Seelsorge/Pastoralrat

                 Die Seelsorge in der Klinik Nette-Gut ist Bestandteil einer ganzheitlichen
                 Sorge um den Menschen. Sie versteht sich als aufsuchende und beglei-
                 tende Seelsorge für Patienten und deren Angehörige sowie für die Mitar-
                 beiter der Klinik.
                 Die Seelsorge bietet an:
                        -   Seelsorgegespräche (Einzel-, Gruppengespräche)
                        -   Feier der Gottesdienste (Kath. Wortgottesdienst oder Kath. Hl.
                            Messe, Evangelischer Abendmahlsgottesdienst, Ökumenische Got-
                            tesdienste)
                        -   Sakramentenspendung
                        -   Kasualien und Segnungen
                        -   Begleitung Sterbender und deren Angehörige
                        -   Trauerbegleitung
                        -   Beerdigungen
                        -   Organisation von spirituellen/kulturellen Ausflügen (Tagesfahr-
                            ten/Konzerte/Lesungen etc.)
                        -   religiöse Projektangebote
                        -   punktuelle Begleitung bei Ausführungen
                        -   Aktionen für Mitarbeiter
                        -   Aktionen für Angehörige von Patienten (z. B. am 4. Advent Informa-
                            tionsstand am Anmeldepavillon der Klinik Nette-Gut mit Ge-
                            sprächsangeboten zur Arbeit der Seelsorge)

                                                                                   Seite 22 von 90
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KLINIK NETTE-GUT

                 In der Klinik Nette-Gut wird jeden Samstag Gottesdienst (10.00 Uhr, Got-
                 tesdienstraum A-Haus) gefeiert. Zusätzliche Gottesdienste werden an den
                 Hochfesten des Kirchenjahres angeboten und auch nach Vereinbarung.
                 Die kirchlichen Angebote unterliegen dem Beichtgeheimnis und der seel-
                 sorgerischen Verschwiegenheit.
                 Neben christlichen können auch Seelsorger nichtchristlicher Glaubensrich-
                 tungen bei Bedarf angefragt werden.

        4.3      Laienhelferinnen

                 Seit den 70er Jahren engagiert sich der Verein der Freunde und Helfer für
                 psychisch Kranke e.V. für die Patienten der Klinik Nette-Gut, organisiert
                 gemeinsame Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern, Karnevalsfeiern,
                 Grillfeste u.a.
                 Einmal monatlich bieten die Laienhelferinnen ein abteilungsübergreifendes
                 Frühstück an, das im Haus L stattfindet und durchschnittlich von 25 Pati-
                 enten besucht wird. Zudem finden Freizeitangebote mit der Möglichkeit
                 zum Basteln, Malen und Musizieren statt. Darüber hinaus werden einzelne
                 Patienten von verschiedenen Laienhelferinnen besucht, eine Laienhelferin
                 ist als gesetzliche Betreuerin eines Patienten eingesetzt.

        4.4      Suizidprävention

                 Im Maßregelvollzugsgesetz vom 29. Dezember 2015 ist gem. § 2, Abs. 2
                 der Grundsatz festgeschrieben, dass „[e]in besonderes Augenmerk (…)
                 auf die Verhütung von Selbsttötungen zu richten (ist).“ In der Klinik Nette-
                 Gut wird der Standard „Suizidprävention“ umgesetzt, der festlegt, wie und
                 wann eine Einschätzung der Suizidalität zu erfolgen hat und welche indivi-
                 duell geplanten Maßnahmen bei suizidalen Patienten durchgeführt wer-
                 den. Jährlich wird im September der Welttag der Suizidprävention ge-
                 meinsam mit Mitarbeitern, Patienten und der Klinikseelsorge gestaltet. Im
                 Jahr 2019 fanden ein Gottesdienst und anschließend ein Austausch unter
                 Beteiligung der Patientenband (Musiktherapie) statt. Erneut wurde im Zu-
                 sammenhang mit dem Welttag der Suizidprävention mit interessierten Pa-
                 tienten eine Projektwoche zum Thema durchgeführt.
                 Die Stabstelle Statistik und Dokumentation erhebt jährlich die Anzahl der
                 Selbsttötungen und Suizidversuche von Patienten. Im Jahr 2019 gab es
                 keinen vollendeten Suizid.

        4.5      Beschwerdewege

                 Ein Beschwerdemanagement zur Verbesserung der Patientenzufrieden-
                 heit wird als wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Behandlung betrach-
                 tet.
                 In der Klinik Nette-Gut gab es seit 2008 eine Leitlinie Patientenbeschwer-
                 den. Die Leitlinie wurde 2017 in eine mit den beiden anderen Maßregel-
                 vollzugseinrichtungen des Landes Rheinland-Pfalz abgestimmte Ge-
                 schäftsordnung Beschwerdemanagement übergeführt. Diese neue Ge-
                 schäftsordnung präzisiert Beschwerdewege und die Beschwerdeauswer-

                                                                                Seite 23 von 90
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KLINIK NETTE-GUT

                 tung. 2019 wurde die Geschäftsordnung evaluiert und es wurden keine
                 Veränderungsnotwendigkeiten festgestellt.
                 Die Geschäftsordnung schafft Klarheit und Handlungssicherheit für die
                 Mitarbeiter, um auf dieser Basis das eigene Handeln und die damit ver-
                 bundene Wirkung bei Patienten oder nahestehenden Personen zu reflek-
                 tieren. Dazu werden Grundsätze, Verfahrensabläufe und Zuständigkeiten
                 dargestellt.
                 Auf interner Klinikebene können von den Patienten folgende Beschwer-
                 dewege genutzt werden:
                        -   Stationsebene: alle Mitarbeiter, Behandlungsteam, Patientenspre-
                            cher, Stationsversammlung
                        -   überstationäre Ebene: Abteilungsleitung, Bereichsleitung, Direkto-
                            rium
                 Weiterhin stehen den Patienten folgende externe Beschwerdekanäle zur
                 Verfügung:
                        -   Geschäftsführung des Landeskrankenhauses (AöR)
                        -   Patientenfürsprecherin
                        -   Fachkommission
                        -   Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV)
                        -   Landes-/Bundesministerien
                        -   Anwälte, Staatsanwaltschaften, Gerichte
                        -   Bürgerbeauftragter des Landes
                        -   Landtags-/Bundestagsabgeordnete
                        -   Kirchen oder religiöse und weltanschauliche Institutionen
                        -   ausländische konsularische Behörden oder Botschaften

        4.6      Patientenbibliothek

                 Die Klinik Nette-Gut verfügt über eine Patientenbibliothek, die im Rahmen
                 der Arbeitstherapie von zwei Patienten gepflegt und verwaltet wird. Die
                 Bibliothek steht allen Patienten und Mitarbeitern zur Verfügung. Von
                 dienstags bis freitags besteht die Möglichkeit zur Bücherausleihe oder
                 zum Büchertausch. Patienten, welche nicht über entsprechende Locke-
                 rungen verfügen, können samstags die Bücherei mit Personalbegleitung
                 nutzen.
                 Im Angebot befinden sich Unterhaltungsliteratur wie Romane, Krimis, Fan-
                 tasy- und Science-Fiction-Bücher sowie Sachbücher, aktuelle Zeitschriften
                 und eine beachtenswerte Sammlung von CDs und Filmen. Des Weiteren
                 findet sich Literatur in englischer und russischer Sprache.
                 Die Bücherei wird durch Spenden und Neuanschaffungen durch die Klinik
                 ständig erweitert und aktualisiert. Der Bestand beläuft sich auf über 4.000
                 Medien.

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KLINIK NETTE-GUT

        4.7      Einkaufsgelegenheiten

                 Einmal pro Woche haben alle Patienten die Möglichkeit auf dem Gelände
                 der Klinik im Nette-Shop einzukaufen. Im Sortiment befinden sich ausge-
                 wählte Nahrungsmittel, Getränke, Haushaltswaren, Spielwaren, Toiletten-
                 artikel sowie Zeitschriften. Denjenigen Patienten, die ihren Einkauf nicht
                 selbständig erledigen können, steht das Pflegepersonal helfend zur Seite.
                 Darüber hinaus gibt es einen von Patienten selbst organisierten Getränke-
                 verkauf und einen an drei Tagen in der Woche geöffneten Einkaufsladen
                 der Arbeitstherapie. Der Getränkeverkauf liefert wöchentlich Bestellungen
                 von Patienten und Mitarbeitern direkt auf die Stationen. Zusätzlich wird der
                 Einkaufsladen „Nette-Lädchen“ der Arbeitstherapie Haus L durch die
                 METRO beliefert. Hier können Patienten, Besucher und Mitarbeiter der
                 Klinik zum Selbstkostenpreis Getränke, Süßwaren, haltbare Lebensmittel
                 wie Nudeln, Reis, Mehl und Müsli und weitere Produkte erwerben. Patien-
                 ten mit entsprechender Vollzugslockerungsstufe haben zudem die Mög-
                 lichkeit Einkäufe außerhalb der Klinik zu tätigen.

        4.8      Cafeteria

                 Das Cafeteria-Projekt besteht seit dem Jahr 2009 und wird seit September
                 2017 im Rahmen der Arbeitstherapie betrieben. Einmal im Monat wird von
                 Patienten für Patienten, Besucher und Mitarbeiter selbstgebackener Ku-
                 chen und Kaffee zum Selbstkostenpreis angeboten. Die Patienten, die an
                 diesem Projekt teilnehmen, werden durch entsprechende Anleitung der
                 Arbeitstherapie unterstützt und begleitet. Fertigkeiten, wie der Umgang mit
                 Lebensmitteln nach geltenden Hygienebestimmungen, die Organisation
                 und Koordination der Abläufe und Aufgaben und das Einhalten von Ab-
                 sprachen, werden erlernt und umgesetzt. Darüber hinaus ist die Cafeteria
                 ein sozialer Treffpunkt für Besucher, Patienten und Mitarbeiter auf dem
                 Gelände der Klinik Nette-Gut.

        4.9      Angehörigen- und Selbsthilfegruppen

                 Für Familien mit Angehörigen in der Klinik Nette-Gut wurde im Jahr 2006
                 die deutschlandweit erste Angehörigengruppe an einer forensischen Klinik
                 ins Leben gerufen. Die Gruppe steht allen Angehörigen offen, die Aus-
                 tausch mit anderen Angehörigen, Informationen und Hilfe wünschen. Die
                 Gruppe ist Mitglied der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie, Bundesverband
                 der Angehörigen psychisch Kranker e.V., Bonn. Jeden dritten Donnerstag
                 im Monat findet ein Treffen in der Klinik Nette-Gut statt. Dieses dient dem
                 Austausch der Angehörigen untereinander, kann aber auch für Kontakte
                 mit der Klinikleitung zu organisatorischen Fragestellungen und Fragen zu
                 Krankheitsbildern genutzt werden. Weitere Selbsthilfegruppen werden in-
                 tern auf den Stationen durchgeführt. In der Suchttherapeutischen Abtei-
                 lung finden regelmäßig Angehörigenseminare zu vorher festgelegten
                 Themen statt.
                 Im Rahmen der Suchttherapie besuchen die Patienten externe Selbsthil-
                 fegruppen wie z. B. die AA-Gruppe (Anonyme Alkoholiker), die NA-Gruppe
                 (Narcotics Anonymous) oder EA-Gruppe (Selbsthilfegruppe für Menschen
                 mit emotionalen und seelischen Problemen).

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        4.10     Patientenrat

                 In der ersten Patientenbefragung 2010 wurde der Wunsch nach größerer
                 Beteiligung der Patienten geäußert. Dadurch angeregt wurde ein Patien-
                 tenrat installiert. Mit dem Patientenrat werden die Eigeninitiative und die
                 Eigenverantwortung der Patienten in der Klinik Nette-Gut gestärkt. In den
                 Bereichen Freizeit und „unmittelbares Zusammenleben“ finden Vorschläge
                 der Patienten Berücksichtigung, die Bereiche Therapie und Vollstreckung
                 sind ausgenommen.
                 Eine Projektgruppe erarbeitete eine Satzung für den Patientenrat und
                 2012 fanden die ersten Wahlen statt. Pro Fachabteilung werden zwei Mit-
                 glieder gewählt, für die besonderen Belange der untergebrachten Frauen
                 auf den gemischtgeschlechtlich belegten Stationen wird eine Patientin zu-
                 sätzlich als stimmberechtigtes Mitglied gewählt. Als beratendes Mitglied
                 nimmt ein Mitarbeiter der Klinik an den Sitzungen des Patientenrats teil.
                 Der Patientenrat tagt mindestens einmal im Monat.

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KLINIK NETTE-GUT

5     Veröffentlichungen, Forschung und Lehre

           Buchbeitrag
                 Kuhlmann, B., Emmerich, A. (2019) ‚Schwanger werden im Maßregelvoll-
                 zug. Verrückt?‘, in: Kobbé, U. (Hrsg.) Lilith im Maßregelvollzug - Ein frau-
                 enforensischer Praxisreader, Pabst, S. 507-522.
           Workshop
                 Goldbeck, F. (2019) Lockerungen als prognostische und therapeutische
                 Notwendigkeit. Workshop „Lockerungen im Maßregelvollzug am Beispiel
                 der Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie“ im Rahmen des DGPPN-
                 Kongresses Berlin, 29.11.2019
                 Goldbeck, F., Schmitt, Chr. (2019) Mad or bad? Die Arbeit mit dissozialen
                 Patienten im Maßregelvollzug. Workshop im Rahmen der Fachtagung
                 Persönlichkeitsstörung der MEDIAN Klinik Tönisstein, 08.05.2019
           Vorträge
                 Blum, P. (2019) Sicherheit in der Forensik, Rhein-Mosel-Akademie Ander-
                 nach und Alzey.
                 Blum, P. und LKA (2019) Ausbildung von Erstsprechern für den Fall einer
                 Geiselnahme.
                 Dette, S., Praml, C. (2019) Systemisches Anti-Gewalt-Training® in der Fo-
                 rensischen Psychiatrie. Vortrag im Rahmen der 16. Forensiktage Klinik
                 Nette-Gut Andernach, 04.11.2019
                 Goldbeck, F. (2019) Ich kann so nicht weiterleben. Umgang mit suizidalen
                 Opfern. Vortrag im Rahmen der Landestagung des Weißen Rings Rhein-
                 land-Pfalz Bingen, 04.05.2019
                 Weidmann, W. (2019). Dokumentation von Lockerungsdurchführungen in
                 Krankenhausinformationssystemen und deren statistische Erfassung. Vor-
                 trag im Rahmen des DGPPN-Kongresses Berlin, 29.11.2019
                 Stern-TV „Psychisch kranke Straftäter: Knochenjob Maßregelvollzug“,
                 31.07.2019
           Zeitschriftenartikel
                 Emmerich, A, Nitsche, T. (2019) Der Maßregelvollzug im Spannungsfeld
                 zwischen Vermeiden von Zwang – Anwenden von Zwang. Forensische
                 Psychiatrie und Psychotherapie, 26 (3), S. 311-322.
                 Nitsche, T., Reinecke, B. (2019) Patientenbefragungen im Maßregelvoll-
                 zug – Erfahrungen aus der Praxis. Forensische Psychiatrie und Psycho-
                 therapie, 26 (3) S. 294-310.

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QUALITÄTSBERICHT 2019
KLINIK NETTE-GUT

6       Zielsetzungen der Klinik

               Ziele des abgelaufenen Jahres mit Grad der Zielerreichung
Ziele                 Indikator                       Grad d. Zielerrei-          Strateg.
                                                      chung                       Ziel*
Zertifizierung nach Erfolgreiche Zertifizierung im 4. 100%                        1
DIN EN ISO            Quartal 2019
9001:2015
Beobachtung der Austausch mit den Aufsichts-          100%                        1
Entwicklungen im behörden über aktuelle Anfor-        wird weiter verfolgt
Hinblick auf eine     derungen zur suchttherapeuti-
Reformierung des schen Behandlung und Verfol-
§ 64 StGB und         gung des Gesetzgebungsver-
Nutzung der Mög- fahrens
lichkeiten zur früh-
zeitigen Steuerung
Weitere Optimie-      Regelmäßiges Treffen und In-    Ziel ist auf der Arbeits-   4
rung der Zusam-       formationsaustausch finden      ebene erreicht, als ei-
menarbeit mit der statt                               genständiges Ziel Di-
Gemeindepsychi-                                       rektorium nicht weiter
atrie                                                 zu verfolgen (Ziel für
                                                      FPIA), die Aufgabe der
                                                      Zusammenarbeit be-
                                                      steht weiter
Prüfung zusätzli-     Stellen des Wirtschaftsplans    Gewinnungsmaßnah-           2
cher Personalge-      sind besetzt                    men sind angepasst
winnungsmaß-                                          und erweitert worden.
nahmen für die                                        Maßnahmen sind um-
patientennahen                                        gesetzt, das Zielkriteri-
Berufsgruppen                                         um (Stellen besetzt)
Ärztlicher, Pflege-/                                  konnte nicht erreicht
Therapeutische                                        werden.
Dienste
Förderung und         Es liegt eine Rahmenvereinba- 80%                           2
Ausbildung von        rung für die Förderung vor und
Psychologischen       es sind geeignete Mitarbeiter
Psychotherapeu-       ausgewählt.
ten
Stellenbesetzung      Die sich abzeichnenden Va-      Nur teilweise erreicht,     1
der Oberarztstellen kanzen konnten erfolgreich und Nachbesetzungen ver-
                      zeitnah nachbesetzt werden.     liefen nicht immer er-
                                                      folgreich (vgl. Ziel zur
                                                      Personalgewinnung).
Weitere Stärkung      ILPrO-Konzept ist umgesetzt     90%                         1
der multiprofessio-
nellen Zusammen-
arbeit
Umsetzung des         Verabschiedung VA Fixierun-     100%                        1
Fixierungsurteils     gen, Umsetzung der daraus
des BVerfG            erfolgten Ableitungen
                                                                            Seite 28 von 90
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