SA 09. SO - Internationale Bachakademie Stuttgart

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SA 09. SO - Internationale Bachakademie Stuttgart
ABONNEMENTKONZERT III

                        SA+SO
                        09. 10.
                        FEBRUAR   FEBRUAR
SA 09. SO - Internationale Bachakademie Stuttgart
Inhalt                                                      ABONNEMENTKONZERT III
                                                            MOZARTS REQUIEM
                                                            Saison 2018 / 2019

Programm                                                3

Einführungstext                                         4
                                                            Samstag, 9. Februar 2019 | 19:00 Uhr
                                                            Sonntag, 10. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Gesangstexte                                                Stuttgart, Liederhalle, Beethoven-Saal

Requiem                                                16   Konzerteinführung
                                                            jeweils 18:15 Uhr im Beethoven-Saal mit Dr. Henning Bey

                                                            Konzertdauer ca. 80 Minuten
Biographien                                                 keine Pause

Sarah Wegener                                          20

Julia Böhme                                            21   Sarah Wegener Sopran
                                                            Julia Böhme Alt
Patrick Grahl                                          22   Patrick Grahl Tenor
                                                            Krešimir Stražanac Bass
Krešimir Stražanac                                     23
                                                            Gaechinger Cantorey
Gaechinger Cantorey – Die Ensembles der Bachakademie   24   Hans-Christoph Rademann Dirigent

Die Truhenorgel der Bachakademie                       28

Hans-Christoph Rademann                                30

Vorschau                                               32

                                                                          TRUMPF ist Partner der
                                                                          Gaechinger Cantorey
SA 09. SO - Internationale Bachakademie Stuttgart
PROGRAMM

    Joseph Martin Kraus (1756–1792)
    Symphonie funèbre c-Moll VB 148
    2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, Pauken, Streicher

    Andante mesto
    Larghetto
    Chorale
    Adagio – Andante mesto

    Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791)
    Requiem d-Moll KV 626
    (Fragment, vervollständigt von Franz Xaver Süßmayr)
    Soli (SATB), Chor (SATB), 2 Bassetthörner, 2 Fagotte, 2 Trompeten, Pauken,
    3 Posaunen, Streicher, Orgel

    INTROITUS                  Requiem aeternam (Solo S, Coro)

    KYRIE		                    Kyrie eleison (Coro)

    SEQUENZ                    Dies irae (Coro)
    		                         Tuba mirum (Soli SATB)
    		                         Rex tremendae (Coro)
    		                         Recordare (Soli SATB)
    		                         Confutatis (Coro)
    		                         Lacrimosa (Coro)

    OFFERTORIUM                Domine Jesu Christe (Soli SATB, Coro)
    		                         Hostias (Coro)

    SANCTUS                    Sanctus (Coro)

    BENEDICTUS                 Benedictus (Soli SATB, Coro)

    AGNUS DEI                  Agnus Dei (Coro)

    COMMUNIO                   Lux aeterna (Solo S, Coro)
2                                                                                 3
»Mozart am Klavier«
    Joseph Martin Kraus als Erfurter Student, 1775                   Unvollendetes Ölgemälde (1789) von Joseph Lange
    Holzstich von Evald Hansen nach einem zeitgenössischen Gemälde   (Salzburg, Mozart-Museum der Stiftung Mozarteum)
4                                                                                                                       5
JOSEPH MARTIN KRAUS                                                                                    WOLFGANG AMADÉ MOZART
    20. Juni 1756: geboren in Miltenberg als Sohn des Stadtschreibers und kurfürstlich-mainzischen         27. Jan. 1756: geboren in Salzburg als Sohn des Violinisten und Komponisten (ab 1763: fürsterz-
    Beamten Joseph Bernhard Kraus.                                                                         bischöflichen Vizekapellmeisters) Leopold Mozart.

    1768: nach Besuch der Lateinschule in Buchen Aufnahme als Stipendiat in das Mannheimer Jesuiten-       1763-1766: Große Westeuropa-Reise als Wunderkind mit den Eltern durch Deutschland, Belgien,
    gymnasium; hier werden die Grundlagen für seine musikalische und allgemeine Bildung gelegt.            Frankreich, England und Holland, auf denen er sich (mit Schwester Nannerl) als Geiger und Pianist
                                                                                                           präsentiert. In Paris und London erste Kompositionen (Sonaten bzw. Sinfonien).
    1773: Studium der Philosophie und der Rechte, zuerst an der Universität Mainz, dann an der
    Universität Erfurt. Dort vertieft er seine musikalischen Kenntnisse beim örtlichen Musikdirektor       1769: Eintritt in den Hofdienst als unbesoldeter, dritter Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle;
    G.P. Weimar und dem Organisten J.Chr. Kittel.                                                          erste Italien-Reise (bis 1771) mit dem Vater: Mailand, Rom, Bologna. 1771 & 1772 zwei weitere
                                                                                                           Italien-Reisen, jeweils mit Kompositionsaufträgen (Opern).
    1775: Unterbrechung des Studiums; Rückkehr für ein Jahr nach Buchen wegen einer Verleumdungs-
    klage gegen den Vater; in dieser Zeit entsteht der größte Teil seiner Kirchenmusikwerke, darunter      1773-1777: eine fruchtbare Salzburger Periode, in der Mozart u.a. zahlreiche Sinfonien, kirchen-
    ein Requiem, ein Te Deum und das Oratorium Der Tod Jesu (eigener Text).                                musikalische Werke, sechs Violinkonzerte sowie die Oper La finta giardiniera für den Münchner
                                                                                                           Karneval 1774 komponiert.
    Nov. 1777: Fortsetzung des Universitätsstudiums in Göttingen; Bekanntschaft mit Mitgliedern des
    Göttinger Hainbunds, einer literarischen Gruppe des Sturm und Drang (bereits hier erste Anzeichen      September 1777: Mozart unternimmt mit seiner Mutter eine Bewerbungsreise nach München,
    einer Lungenkrankheit). Schreibt musikästhetischen Traktat Etwas von und über Musik fürs Jahr 1777     Mannheim, Paris (bis 1779), von der er erfolglos und ohne die (in Paris verstorbene) Mutter zu-
    (erscheint 1778 in Frankfurt).                                                                         rückkehrt.

    1778: Kraus beschließt, sich ganz der Musik zu widmen und Deutschland zu verlassen; er reist mit       1779-1781: Hoforganist in Salzburg; schreibt die Oper Idomeneo, re di Creta für München, jedoch
    einem schwedischen Kommilitonen nach Stockholm.                                                        ohne Aussicht auf eine dortige Stelle.

    Juni 1781: nach drei entbehrungsreichen Jahren in Schweden großer Erfolg seiner Oper Proserpin;        1781: Bruch mit dem Salzburger Hof, selbstständiger Musiker in Wien. Veranstaltet eigene Konzerte
    König Gustav III. wird auf Kraus aufmerksam und macht ihn bald darauf zum königlichen Ka-              (Akademien) mit eigenen Werken. Freundschaft mit Joseph Haydn.
    pellmeister. Schreibt in den nächsten 10 Jahren die monumentale Oper Aeneas i Cartago, die das
    Zentrum seines Opernschaffens bildet.                                                                  16. Juli 1782: Premiere seines Singspiels Die Entführung aus dem Serail.

    1782-1786: im Auftrag des Königs unternimmt Kraus eine Reise in die europäischen Musikzentren:         1784: erschafft mit den Klavierkonzerten KV 450, 451, 453, 456, 459 den neuen Typus des
    Berlin, Dresden, Leipzig, Mannheim, Regensburg. In Wien Bekanntschaft mit Gluck, Albrechtsber-         »sinfonischen« Klavierkonzerts; erfolgreiche Reihe großer Subskriptionskonzerte (bis 1787),
    ger, Salieri, Reichardt u.a.; Reise nach Esterháza, dort persönliche Begegnung mit Joseph Haydn;       finanzieller Wohlstand. Tritt am 14. Dezember 1784 in die Freimaurerloge »Zur Wohltätigkeit« ein;
    Weiterreise nach Venedig, Florenz, Bologna, Rom, Marseille, Paris, London (Besuch der Händel-          1785: veröffentlicht sechs, Haydn gewidmete Streichquartette im Druck (KV 387, 421, 428, 458,
    Säkularfeier). Während dieser Reise entstehen zahlreiche Sinfonien sowie 6 Streichquartette.           464, 465); 1. Mai 1786: Le nozze di Figaro; 29. Oktober 1787: Don Giovanni.

    Juli 1787: Ernennung zum »Ordinarie Capellmästare«, befasst sich mit Neuorganisation des               Dezember 1787: Ernennung zum »k.k. Kammerkompositor«; 26. Januar 1790: Così fan tutte; Juli
    Stockholmer Musiklebens; wird Direktor der königlich-schwedischen Musikakademie; in dieser             1791: Kompositionsauftrag für das Requiem; 6. September 1791: La Clemenza di Tito; 30. September
    Zeit entstehen zahlreiche Bühnenmusiken.                                                               1791: Die Zauberflöte; Oktober 1791: Wiederaufnahme der Arbeit am Requiem, das Werk bleibt
                                                                                                           jedoch fragmentarisch.
    5. Jan. 1792: schreibt das Klavierlied Öfver Mozarts död (Über Mozarts Tod) VB 115.
                                                                                                           5. Dez. 1791: Mozart stirbt im Alter von 35 Jahren »an hitzigen Friesel Fieber« (Protokoll der amt-
    März 1792: König Gustav III. von Schweden wird während eines Maskenballs ermordet; Kraus               lichen Totenschau).
    komponiert eine Trauersinfonie (Symphonie funèbre) und eine Trauerkantate zur Aufbahrung und
    zur Beisetzung des Königs.

    15. Dez. 1792: Joseph Martin Kraus erliegt seiner Lungenkrankheit und stirbt im Alter von 36 Jahren.
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NÄHE UND FERNE –
    JOSEPH MARTIN KRAUS UND
    WOLFGANG AMADÉ MOZART
    Mozarts Requiem und die Trauersinfonie von Joseph Martin Kraus sind fast zur gleichen
    Zeit entstanden, Ende 1791 bzw. Frühjahr 1792. Die beiden Komponisten waren fast gleich
    alt, beide 1756 geboren. Es war ihr jeweils letztes Werk vor ihrem allzu frühen Tod, 1791
    bzw. 1792 komponiert. Und beides waren Werke zum Totengedächtnis oder Begräbnis.
    Darüber hinaus wurde Kraus späterhin als der »schwedische Mozart« bezeichnet. Mehr
    Nähe scheint kaum möglich.

    Freilich lebte der Odenwälder Joseph Martin Kraus seit 1778 in Stockholm und der
    Salzburger Mozart seit 1781 in Wien. Das schloss jedoch eine persönliche Begegnung
    keineswegs aus, denn Kraus hielt sich 1783 auf seiner großen Europareise immerhin ein
    halbes Jahr in Wien auf. Er wohnte sogar zunächst Am Kohlmarkt, schräg gegenüber von
    Mozarts damaliger Wohnung. Gesehen haben sie sich wohl, zumindest aus der Entfernung.
    In Wien fand Kraus einen besonders nahen und auch gesuchten Kontakt zu Christoph
                                                                                                                                                    Möglicher Ort der Begegnung »beider Mozarts«:
    Willibald Ritter von Gluck. Es war die Zeit, als auch Mozart einen engen Umgang mit Gluck                                                       Wien, Ansicht des Kohlmarkts vom Michaelplatz
    pflegte, mehrfach bei ihm zum Essen eingeladen war und in einer seiner Akademien dem                                                            Aquatinta von Carl Schütz, 1786
    anwesenden Gluck sein öffentliches Kompliment machte, indem er über ein Thema aus
    einem Singspiel von Gluck am Klavier improvisierte.* Es gab also auch – sofern das nötig
    war – eine gemeinsame Vermittlerperson von Rang.                                            Wie diese auch historisch so ähnliche Lebensspanne gefüllt wurde, ist allerdings von
                                                                                                größter Verschiedenheit. War Mozart schon als Wunderkind am Klavier und bald auch als
    Doch weder bei Mozart, noch bei Kraus ist in den Briefen oder überlieferten späteren        ungemein produktiver Komponist in der Öffentlichkeit aufgefallen und in ganz Europa
    Äußerungen von einer persönlichen Begegnung die geringste Spur zu finden. Gewiss,           herumgereicht und bewundert worden, so war Kraus eher ein Spätentwickler, der zwar im
    Kraus war in Wien noch ein Unbekannter, aber immerhin doch Kapellmeister in Diensten        Gymnasium in Mannheim schon intensiv mit Musik in Berührung gekommen war, aber erst
    des schwedischen Königs in Stockholm. Als solcher wurde er von Kaiser Joseph II. emp-       als über Zwanzigjähriger und im Überdruss eines Jurastudiums (in Erfurt und Göttingen)
    fangen, bei Haydn in Esterháza machte er einen beeindruckenden Besuch, in Wien hat er       den Entschluss fasste, Musiker zu werden. Mit keinem Instrument war er solistisch her-
    wahrscheinlich dieselben Konzerte besucht wie Mozart. Und doch scheinen Mozart und          vorgetreten, sein Beginn als Berufsmusiker war schon von daher äußerst mühsam. Ab-
    Kraus sich trotz dieser räumlichen Nähe aus dem Weg gegangen zu sein.                       gesehen davon hatte er wohl eine Zeit lang geschwankt, ob er nicht eher als Dramatiker
                                                                                                und Schriftsteller seinen Weg machen sollte.
    Das spätere Wort vom »schwedischen Mozart« war wohl ein allzu billiger Trick, um auf
    Kraus aufmerksam zu machen, indem man ihn mit diesem einprägsamen Etikett versah.           Mozart hatte von Beginn an die europäischen Metropolen für seine Karriere gesucht,
    Außer einigen recht zufälligen äußeren Lebensdaten hat seine Biographie mit der von         Salzburg war ihm nur ein stets verhasster Ausgangspunkt. In München, Wien und Prag
    Mozart kaum irgendwelche Gemeinsamkeiten. Gewiss, beide hatten eine fragile Nähe            hatte er für seine Opernpläne die geeignetsten Wirkungsstätten gefunden (abgesehen von
    zum Hof, Kraus als (allerdings gefährdeter) Hofkapellmeister bei Gustav III., Mozart mit    den drei Mailänder Jugendopern). Das weit gefächerte Wiener Musikleben bot Mozart auch
    einem bescheidenen Ehrenamt als Hofkammermusiker Josephs II. Beide genossen darüber         als Instrumentalkomponist beste Entfaltungsmöglichkeiten.
    hinaus die persönliche Sympathie »ihres« Monarchen.
                                                                                                Kraus hingegen war spät (1778) im spontanen und wenig vorbereiteten Entschluss nach
                                                                                                Stockholm gegangen, an den dunklen und abgelegenen Rand Europas, wo er sich erst
                                                                                                einmal einen Platz für irgendeine Wirksamkeit suchen musste. Kraus hatte immer etwas
    * Mozart hat diese Klaviervariationen später notiert (KV 455) und unter dem Titel           Unstetes an sich. Zunächst verstrickte er sich publizistisch in kulturpolitische Debatten,
      Ariette »Unser dummer Pöbel meint« avec Variations bei Artaria in Wien veröffentlicht.    daneben war er als Assistent mit der Einstudierung einer Gluckoper beschäftigt. Erst lang-

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Die große Bach „Pilgerreise“                                                                                    sam konnte er auch als Komponist auf sich aufmerksam machen. Der schwedische König,
     Erleben Sie Bachs Hauptwerke an seinen Wirkungsstätten mit der Gaechinger Cantorey                              Gustav III., brachte ihm allerdings viel Wohlwollen entgegen und machte ihn schon 1781
                                                                                                                     zum Hofkapellmeister. Außerdem ermöglichte er Kraus eine große Europareise von zwei
                                                                                                                     Jahren, die Kraus leichtfertigerweise allerdings auf vier Jahre ausdehnte. Seine Rückkehr
     Reisetermin: Freitag, 13.09.2019 - Montag, 16.09.2019                                                           nach Stockholm war deshalb von vielen Widrigkeiten begleitet, doch konnte er schließlich
                                                                                                                     seine alte Stellung als Hofkapellmeister wieder festigen.
     Freitag,             Bus-Abfahrt um 09.00 Uhr in Stuttgart. Fahrt nach Eisenach, Zimmerbezug
                                                                                                                     Die Musikgeschichte hat Kraus zu Unrecht lange völlig vergessen, erst vor etwa 40 Jahren
     13.09.2019           im 4-Sterne-Steigenberger-Hotel Thüringer Hof. Abends 3-Gang-Menü im Hotel.
                                                                                                                     ist er von begeisterten Musikern, u. a. Concerto Köln, wiederentdeckt worden und findet
                          Anschl. Konzert in Bachs Taufkirche, der Georgenkirche Eisenach:
                                                                                                                     zögerlich auch in der Musikwissenschaft Beachtung. Ein nicht geringes Verdienst um
                          J.S. Bach: Messe in h-Moll BWV 232, Gaechinger Cantorey, Solisten,
                                                                                                                     Kraus hat dabei die Stuttgarter Oper, die 2006 zum ersten Mal sein Hauptwerk, die Oper
                          H.-C. Rademann.                                                                            Aeneas i Carthago zur Aufführung brachte. Stilistisch ist Kraus einen gänzlich anderen
     Samstag,             Fahrt nach Dornheim zum Matinee-Konzert in Bachs Traukirche mit Kammermusik                Weg gegangen als Mozart, subjektiver, oft auch schroffer, manchmal experimentell, in
                                                                                                                     seinen späteren Werken auch mit dem Gestus der Erhabenheit und persönlichem Pathos.
     14.09.2019           von J.S. Bach, Mayumi Hirasaki (Barockvioline) und Christine Schornsheim
                          (Cembalo). Weiterfahrt nach Weimar und abends Konzert in der Herderkirche
                                                                                                                     Mozart hingegen ist wohl der erste Komponist, dessen Ruhm und Aufführungstradition
                          mit Bachs Weimarer Kantaten, Gaechinger Cantorey, Solisten, H.-C. Rademann.
                                                                                                                     ungebrochen wuchs und bis heute immer nur zunahm. Die Qualität seiner Musik sicherte
     Sonntag,             Vormittags Möglichkeit zu Besichtigungen in Eisenach (Bachhaus, Wartburg,                  ihm schon immer einen Ausnahmerang sondergleichen. Ihre Kühnheit und gedankliche
     15.09.2019           Lutherhaus), anschl. Fahrt zum Konzert um 16.00 Uhr in der Bachkirche                      Tiefe war jedoch immer eingebettet in ein Werben um die Zuhörer. Er wurde ein verklärter
                                                                                                                     Liebling für jeden Geschmack, der sich mancherlei Entstellungen (auch seiner Biografie)
                          Arnstadt: Bachs Johannes-Passion BWV 245, Gaechinger Cantorey, Solisten,
                                                                                                                     gefallen lassen musste und dessen Musik vor keinerlei Banalisierung in Werbung und
                          H.-C. Rademann. Abends 3-Gang-Menü im Steigenberger-Hotel in Eisenach.
                                                                                                                     Kommerz gefeit ist.
     Montag,              Fahrt nach Meiningen, Führung im Theatermuseum. Heimreise nach Stuttgart,
     16.09.2019           Ankunft gegen 17.00 Uhr.
                                                                                                                     Die Symphonie funèbre von Joseph Martin Kraus

                                                                                                                     Kraus schrieb diese Trauersinfonie zur Aufbahrung Gustavs III. in der Stockholmer
     Preis pro Person (inkl. Fahrt, 4 Konzertkarten in Kat. 1, 3x Übernachtung/Frühstück im 4-Sterne-
                                                                                                                     Riddarholmskirche am 13. April 1792. Der König war am 16. März auf einem Maskenfest
     Steigenberger-Hotel, 2x 3-Gang-Abendessen im Hotel, Führung/Eintritt im Theatermuseum Meiningen)
                                                                                                                     im Opernhaus, an dem auch Kraus selbst teilgenommen hatte, bei einem Pistolenattentat
     im DZ: 840,- €; im EZ: 980,- €
                                                                                                                     durch einen Adligen angeschossen worden und zwei Wochen später gestorben.** Gustav
     Kontakt/Reiseveranstalter: Heideker Reisen GmbH, Dottinger Str. 55, 72525 Münsingen.                            III. war eine höchst widersprüchliche Persönlichkeit und darin Kaiser Joseph II. durchaus
     Gerne schicken wir Ihnen im Vorfeld das ausführliche Reiseprogramm zu. Infos/Buchung unter:                     verwandt. Ein aufgeklärter und reformorientierter Herrscher in einem eher rückständigen
     info@heideker.de, Stichwort: „Bach Pilgerreise“; Tel.: 07381-93 95-0; www.heideker.de                           Land, den Künsten und Wissenschaften sehr zugetan und ihr engagierter Förderer, – man
                                                                                                                     sprach später bewundernd von der »gustavianischen Epoche«, – aber auch sich selbst
                                                                                                                     überschätzend, beratungsresistent und mit einer Neigung zu gewagten (auch militärischen)
                                                                                                                     Alleingängen, etwa mit einem Krieg gegen das Russland von Katherina II. Kraus verdankte
                                                                                                                     diesem König sehr viel und war wohl ein (nicht unkritischer) Anhänger von ihm. Das Attentat
                                                                                                                     durch eine entmachtete Adelspartei, das Kraus aus nächster Nähe miterleben musste, hat
                                                                                                                     ihn auch persönlich sehr betroffen gemacht, wie man der Trauer-Musik heraushören kann.

                                                                                                                     Als Hofkapellmeister hatte er die Aufgabe, die Musik für die Beisetzungsfeierlichkeiten
                                                                                                                     zu schreiben, die entsprechend der schwedischen evangelisch-lutherischen Staatskir-
                                                                                                                     che stattfanden. Die Sorgemusik över Gustav III. bestand in der Trauersinfonie für die

                                                                                                                     ** Guiseppe Verdi hat dieses Ereignis später zum Gegenstand seiner Oper Un ballo in
                                                                                                                       maschera (1859) genommen.
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Aufbahrung des Königs in der Riddarholmskirche in Stockholm am 13. April 1792 und in       musikalisch bekenntnishaft auszudrücken, hat es auch nie getan, weder beim Tod der
     einer Begräbniskantate für zwei Soprane, zwei Tenöre, Chor und Orchester, die bei der      Mutter oder des Vaters, noch beim Tod von vier seiner sechs Kinder, den er erleben musste.)
     eigentlichen Beisetzung am Abend des 14. Mai 1792 aufgeführt wurde. Bei den Proben
     dazu wurde Kraus ohnmächtig und konnte erst nach einer Intervention des Kronprinzen        Der Anlass zu der Komposition war eine anonyme Bestellung durch den Grafen Franz von
     weiterdirigieren.                                                                          Walsegg-Stuppach, der dieses Requiem zum Andenken an seine verstorbene Frau aufführen
                                                                                                wollte. Der selbst musikalisch praktizierende Graf hatte die Angewohnheit, fremde Werke
     Die Trauersinfonie hat das Pathos eines großen Staatsaktes. Sie besteht aus vier unmit-    aufzuführen und mit seiner Autorschaft zu postulieren.
     telbar folgenden Sätzen, alle in einem getragenen Tempo und musikalisch kunstvoll ver-
     schränkt. Sie beginnt mit dumpfen Paukenschlägen – die Pauken waren dazu mit schwarzem     Nachdem Mozart im September 1791 die Oper La clemenza di Tito als Krönungsoper für
     Tuch bedeckt, in einem Marschrhythmus, der vom Orchester aufgenommen wird, aber            Leopold II. in Prag herausgebracht hatte, – ein Werk in einem eher klassizistischen Stil,
     der Satz kommt kaum in Gang, umkreist nur immer wieder einen Seufzer-Halbtonschritt,       – hatte er kaum vier Wochen später in Wien Die Zauberflöte uraufgeführt, – eine Märchen-
     er erstickt geradezu in dieser minimalistischen Trauergeste von zugleich monumentaler      oper mit romantischen Zügen und in einem zukunftsweisenden Stilmix. Überhaupt war
     Erhabenheit. Ein folgendes Larghetto ist eher ein kurzes melodischeres Zwischenspiel im    dieses äußerst produktive letzte Jahr für Mozart eines der stilistischen Experimente, etwa
     3/8-Takt, bevor die Streicher einen Choral anstimmen, der sicher von der Trauergemeinde    mit der Musik für Glasharmonika, dem klanglichen Ausloten der Bassregion, etwa mit
     mitgesungen wurde: Lät oss thenna kropp begrafva (Lasst uns diesen Leib begraben). Das     der Konzertarie für Bass und solistischem Kontrabass oder den eher tiefen Registern des
     die Sinfonie abschließende Adagio greift frühere melodische Floskeln variierend auf, bis   Klarinettenkonzertes (es gibt noch mehr Beispiele). Man könnte diese Zeit als eine Suche
     sich zunächst ein ausdrucksvolles Horn-Solo darüber erhebt, danach von den Holzbläsern     verstehen: Aufbruch in neue stilistische Regionen, ohne dass sich schon ein eindeutig
     noch einmal die Choral-Melodie ertönt, bevor ein Fugato-Abschnitt den Satz weitet und      bevorzugter Weg abgezeichnet hätte. Es war ja in jeder Weise (politisch und kulturell)
     transzendiert, – um jäh wieder in den dumpfen Paukenbeginn des Anfangs der Sinfonie        eine Zeit der Gärung. Wie es weitergegangen wäre, wissen wir nicht, Mozart war ja noch
     zu fallen: die unerbittliche Strenge des monumentalen Trauer-Zeremoniells.                 jung. Welche Richtung hätte er bei der Oper eingeschlagen? Welche sinfonischen Schrit-
                                                                                                te wären der Trias der drei letzten Sinfonien gefolgt, insbesondere der monumentalen
                                                                                                Jupiter-Sinfonie? Welche Wege wäre er bei der Kammermusik, bei den Sonaten gegangen?
     Das Requiem von Wolfgang Amadé Mozart                                                      Wie wäre die Reihe der Preußischen Quartette weitergeführt worden?

     Von gänzlich anderem Duktus ist Mozarts Requiem, das sich eng an der liturgischen Tra-     Mozart widmete sich in diesen letzten Wochen seines Lebens dem Requiem, einem Auftrag,
     dition der katholischen Kirche orientiert. Darüber hinaus ist es ein Werk, das auch der    für den auch eine erhebliche Anzahlung bereits geleistet worden war. Über Mozarts Gedan-
     musikalischen Tradition verpflichtet ist, diese Rückbesinnung (etwa auf Händel) geradezu   ken bei dieser Arbeit wissen wir nichts. Er genoss ausführlich den Erfolg der Zauberflöte
     sucht. Und, – so ergreifend und emphatisch vor allem der Beginn des Werkes ist, – man      bis zu dem jähen Beginn der Krankheit, zwei Wochen vor seinem Tod. Da hatte er den
     sollte sich da nicht irre machen lassen von anekdotischen Ausschmückungen: es ist kein     Introitus und das Kyrie bereits vollständig komponiert und instrumentiert. Das Dies irae und
     Werk persönlicher Betroffenheit, sondern ein Auftragswerk, das Mozart in gänzlich pro-     die Sätze der Sequenz bis zum Lacrimosa waren in den Singstimmen angelegt, teilweise
     fessioneller Manier bearbeitete. (Mozart neigte ohnehin nicht dazu, persönliche Gefühle    auch mit den Stimmen der Streicher, – genauer datieren lässt sich nichts davon. Auch

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PILGERFAHRT                                                                                                während der kurzen und heftigen Krankheit (eine Infektion mit Fieberschüben, soviel

      INS BACHLAND                                                                                               lässt sich aus den Beschreibungen mit Sicherheit sagen, – mehr nicht!) war Mozart mit
                                                                                                                 dieser Komposition beschäftigt, besprach sie auch mit seinen Schülern, insbesondere
      Freitag 13. bis Sonntag 15. September 2019                                                                 Franz Xaver Süßmayr, was dessen späterer Bearbeitung und Vollendung eine gewisse
                                                                                                                 Authentizität verlieh. (Aber natürlich wurde von der Nachwelt auch der künstlerische
                                                                                                                 Abstand von Meister und Schüler mit viel gelehrtem Schweiß bekrittelt.)

                                                                                                                 Wie Mozart diese Komposition im Vollbesitz seiner künstlerischen Potenz vollendet hätte,
                                                                                                                 welche Einfälle zu den skizzierten Gedanken noch hinzugekommen wären, welche Farben
                                                                                                                 durch die Instrumentierung gewonnen wären, wie insbesondere der noch nicht skizzierte
                                                                                                                 Schluss (Agnus dei und Lux aeterna) von Mozart gestaltet worden wäre, bleibt ein offenes
                                                                                                                 Geheimnis. Man stellt die Leistung Süssmayrs, dieses Werk auf Grundlage von Mozarts
                                                                                                                 Skizzen und Gedanken in kürzester Frist zu vollenden, nicht in Frage, wenn man sagt: das
                                                                                                                 von Mozart selbst vollendete Werk hätte sicher anders geklungen – und das gilt ebenso
                                                                                                                 für die zahlreichen anderen Bearbeiter dieses Werkes.
Hans-Christoph                Dorothee                        Benedikt                         Benno
Rademann                      Mields                          Kristjànsson                     Schachtner
                                                                                                                                                                                                  Volkmar Braunbehrens

                                                                                                                 Volkmar Braunbehrens, 1941 in Freiburg geboren, studierte Literaturwissenschaft, Kunst-
      FREITAG, 13.SEPTEMBER 2019                            SONNTAG, 15. SEPTEMBER 2019                          und Musikgeschichte, lebt seit 1981 in Freiburg, bekannt geworden mit seiner Mozart-
                                                                                                                 Biografie, die mit den Legenden und Mythen um Mozart aufräumt.
      19:30 Uhr | Eisenach, Georgenkirche                   16:00 Uhr | Arnstadt, Bachkirche
      J.S. Bach: Messe in h-Moll BWV 232                    J.S. Bach: Johannespassion BWV 245
      Gaechinger Cantorey                                   Gaechinger Cantorey
      Hans-Christoph Rademann | Dirigent                    Hans-Christoph Rademann | Dirigent

      SAMSTAG, 14. SEPTEMBER 2019
      11:30 Uhr | Dornheim, Traukirche
      J.S. Bach: Werke für Violine und Cembalo
      Mayumi Hirasaki | Barockvioline
      Christine Schornsheim | Cembalo
      19:30 Uhr | Weimar, Stadtkirche St. Peter und Paul
      J.S. Bach: Weimarer Kantaten
      Gaechinger Cantorey
      Hans-Christoph Rademann | Dirigent

      Die Internationale Bachakademie Stuttgart lädt das Publikum ein, den Spuren Johann Sebastian Bachs
      zu folgen. An Originalschauplätzen, mit einem Klang, wie er dem barocken Großmeister der Musik vor-
      schwebte, gespielt von der Gaechinger Cantorey und Hans-Christoph Rademann sowie illustren Gästen.
      Weitere Informationen zur »Pilgerfahrt ins Bachland« finden Sie auf unserer Website:
      www.bachakademie.de/pilgerfahrt-ins-bachland.html

 14   Unser Partner Heideker bietet die Konzerte im Gesamtpaket inklusive Anreise, Eintritt und Unterkunft an.                                                                                                           15
GESANGSTEXTE                                                                            Judex ergo cum sedebit,         Wird nun der Richter zu Gericht sitzen,
                                                                                             quidquid latet apparebit        was im Verborgenen war, wird ans Licht kommen,
     REQUIEM                                                                                 nil inultum remanebit.          nichts wird unvergolten bleiben.

                                                                                             Quid sum miser tunc dicturus?   Was werde ich Elender dann sagen?
                                                                                             Quem patronem rogaturus,        welchen Anwalt werde ich erbitten,
     INTROITUS                                                                               cum vix justus sit securus?     wenn kaum der Gerechte sicher sein kann?

     Requiem aeternam dona eis, Domine:     Ewige Ruhe gib ihnen, Herr:
     et lux perpetua luceat eis.            und Licht für immer leuchte ihnen.               Rex tremendae majestatis,       König von erzittern-lassender Majestät,
     Te decet hymnus, Deus, in Sion.        Dir gebührt Lobgesang, Gott, in Zion.            qui salvandos salvas gratis,    der du die zu Rettenden errettest aus Gnade,
     et tibi reddetur votum in Jerusalem:   und dir erstattet man Gelübde in Jerusalem:      salva me, fons pietatis.        rette mich, Urquell der Milde.
     exaudi orationem meam,                 erhöre mein Gebet,
     ad te omnis caro veniet.               zu dir kommt alles Fleisch.
                                                                                             Recordare, Jesu pie,            Gedenke, Jesus in Milde,
                                                                                             quod sum causa tuae viae:       dass ich bin der Grund für deinen Weg
     KYRIE                                                                                   ne me perdas illa die.          auf dass du mich nicht verderbest an jenem Tage.

     Kyrie eleison,                         Herr, erbarme dich,                              Quaerens me, sedisti lassus:    Mich suchend, hast du dich erschöpft:
     Christe eleison,                       Christus, erbarme dich,                          redemisti crucem passus:        mich zu erlösen, das Kreuz hast du erlitten:
     Kyrie eleison!                         Herr, erbarme dich!                              tantus labor non sit cassus.    Solch große Mühe sei nicht vergeblich.

                                                                                             Juste judex ultionis,           Gerechter Anwalt der Vergeltung
     SEQUENZ                                                                                 donum fac remissionis           schenke Vergebung
                                                                                             ante diem rationis.             vor dem Tag der Abrechnung.
     Dies irae, dies illa,                  Tag des Zornes, jener Tag,
     solvet saeclum in favilla,             auflösen wird er das All in Staub,               Ingemisco tamquam reus:         Ich seufze wie ein Schuldiger:
     teste David cum Sibylla.               wie bezeugt von David und Sibylla.               culpa rubet vultus meus:        Schuld lässt schamrot werden mein Gesicht:
                                                                                             supplicanti parce, Deus.        dem sich Beugenden gewähre Schonung, Gott.
     Quantus tremor est futurus,            Welch ein Zittern wird es geben,
     quando judex est venturus,             wenn der Richter erscheinen wird,                Qui Mariam absolvisti,          Der du Maria vergeben hast,
     cuncta stricte discussurus!            alles streng zu prüfen!                          et latronem exaudisti,          und den Schächer erhörtest,
                                                                                             mihi quoque spem dedisti.       auch mir hast du Hoffnung geschenkt.
     Tuba mirum spargens sonum              Die Posaune wird mit wunderlichem Laut ertönen
     per sepulcra regionum                  über der Gräber Reich,                           Preces meae non sunt dignae:    Meine Bitten sind es nicht wert:
     coget omnes ante thronum.              zwingen wird sie alle vor den Richterthron.      sed tu bonus fac benigne,       aber du Guter, lass Güte walten,
                                                                                             ne perenni cremer igne.         auf dass nicht für ewig ich brenne im Feuer.
     Mors stupebit et natura,               Der Tod wird erstarren und die Natur,
     cum resurget creatura                  wenn auferstehen wird die Kreatur,               Inter oves locum praesta,       Unter den Schafen einen Platz weise mir zu,
     judicanti responsura.                  um vor dem Richter sich zu verantworten.         et ab haedis me sequestra,      und von den Böcken lass mich getrennt sein,
                                                                                             statuens in parte dextra.       stelle mich auf die Seite zu deiner Rechten.
     Liber scriptus proferetur,             Ein beschriebenes Buch wird man hervorholen,
     in quo totum continetur,               in welchem alles steht,
     unde mundus judicetur.                 aus ihm die Welt wird gerichtet werden.

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Confutatis maledictis                       Wenn vergehen werden die Verdammten,               SANCTUS
     flammis acribus addictis,                   die verzehrenden Flammen ausgesetzt werden,
     voca me cum benedictis.                     dann rufe mich zu den Gesegneten.                  Sanctus, sanctus, sanctus                Heilig, heilig, heilig
                                                                                                    Dominus, Deus Sabaoth.                   ist der Herr, der Gott Zebaoth.
     Oro supplex et acclinis,                    Ich bitte unterwürfig und demütig,                 Pleni sunt caeli et terra gloria tua.    Voll sind Himmel und Erde des Ruhmes dein.
     cor contritum quasi cinis:                  mit einem Herzen, in Reue zerknirscht wie Asche:   Osanna in excelsis.                      Hosianna in der Höhe.
     gere curam mei finis.                       Nimm dich hilfreich meines Endes an.

     Lacrimosa dies illa,                        Tränenreich ist jener Tag,                         BENEDICTUS
     qua resurget ex favilla                     an welchem auferstehen wird aus dem Staube
     judicandus homo reus:                       zum Gericht der Mensch als Schuldiger:             Benedictus qui venit in nomine Domini.   Gepriesen sei, der kommt im Namen des Herrn.
     huic ergo parce, Deus.                      Ihm doch gewähre Schonung, o Gott.                 Osanna in excelsis.                      Hosianna in der Höhe.
     Pie Jesu domine,                            Milder Jesus, o Herr,
     dona eis requiem. Amen.                     schenke ihnen Ruhe. Amen.
                                                                                                    AGNUS DEI

     OFFERTORIUM                                                                                    Agnus dei, qui tollis peccata mundi:     Lamm Gottes, der du trägst die Sünden der Welt:
                                                                                                    dona eis requiem.                        gib ihnen Ruhe.
     Domine Jesu Christe, Rex gloriae,           Herr Jesus Christus, König der Herrlichkeit,       Agnus dei, qui tollis peccata mundi:     Lamm Gottes, der du trägst die Sünden der Welt:
     libera animas omnium fidelium defunctorum   befreie die Seelen aller verstorbenen Gläubigen,   dona eis requiem sempiternam.            gib ihnen Ruhe auf ewig.
     de poenis inferni et de profundo lacu:      von den Höllenstrafen und vom abgründigen See,
     libera eas de ore leonis,                   befreie sie aus dem Rachen des Löwen,
     ne absorbeat eas tartarus                   auf dass sie nicht verschlinge die Unterwelt,      COMMUNIO
     ne cadant in obscurum:                      auf dass sie nicht fallen ins Dunkle:
     sed signifer sanctus Michael                sondern der Bannerträger, der Heilige Michael,     Lux aeterna luceat eis, Domine:          Das ewige Licht leuchte ihnen, Herr:
     repraesentet eas in lucem sanctam,          geleite sie in das heilige Licht,                  cum sanctis tuis in aeternum,            mit den Heiligen dein in Ewigkeit,
     quam olim Abrahae promisisti                welches du einst dem Abraham versprochen           quia pius es.                            denn gütig bist du.
     et semini eius.                             und seinem Samen.                                  Requiem aeternam dona eis, Domine:       Ewige Ruhe gib ihnen, Herr:
                                                                                                    et lux perpetua luceat eis.              und Licht für immer leuchte ihnen.
     Hostias et preces tibi, Domine,             Opfergaben und Gebete, Herr,                       Cum sanctis tuis in aeternum,            Mit den Heiligen dein in Ewigkeit,
     laudis offerimus:                           dir zum Lob, bringen wir dar:                      quia pius es.                            denn gütig bist du.
     tu suscipe pro animabus illis,              nimm sie auf für die Seelen jener,
     quarum hodie memoriam facimus:              derer heute wir gedenken:
                                                                                                                                             (Übersetzung: Paul-Gerhard Nohl, Lateinische
     fac eas, Domine,                            gib, dass sie, Herr,
                                                                                                                                             Kirchenmusiktexte, Kassel 1996)
     de morte transire ad vitam,                 vom Tode hinübergehen zum Leben,
     quam olim Abrahae promisisti                welches du einst dem Abraham versprochen
     et semini eius.                             und seinem Samen.

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SARAH WEGENER                                                            JULIA BÖHME
                                                       SOPRAN                                                                            ALT

     Sarah Wegener durchdringt jede Partie mit kammermusikalischer Intensität. Mit ihrem warmen          Julia Böhme wurde im sächsischen Eilenburg geboren. Sie studierte Schauspiel, Gesang und Tanz
     Timbre rief sie in letzter Zeit besonders bei Aufführungen von Mahlers 8. Sinfonie unter Eliahu     an der Berliner Schule für Bühnenkunst und nahm in München privaten Gesangsunterricht. Bis
     Inbal in Hamburg und Kent Nagano in Montreal Begeisterung hervor, ebenso wie bei ihrem              2012 studierte sie an der Hochschule für Musik »Carl Maria von Weber« in Dresden bei Regine
     um Werke von Händel und Purcell gesponnenen Programm Krieg und Frieden, das sie mit dem             Köbler und bei Christiane Junghanns. Die Liedklasse von Olaf Bär und Meisterkurse bei Ingeborg
     Ensemble il capriccio bei den SWR Schwetzinger Festspielen präsentierte. Auf der Opernbühne         Danz ergänzten ihr Studium. Sie wirkte an unterschiedlichsten musikalischen und szenischen
     debütierte sie zuletzt höchst erfolgreich mit Georg Friedrich Haas’ Morgen und Abend am Royal       Produktionen mit, u. a. 2006 am experimentellen Theaterstück Das Golem-Projekt am Europäi-
     Opera House London und an der Deutschen Oper Berlin. Gleichermaßen geschätzt als Interpretin        schen Zentrum der Künste Hellerau, 2008 als Ottavia in Monteverdis Die Krönung der Poppea und
     des klassischen und romantischen Repertoires wie zeitgenössischer Kompositionen, kann sie auf       2010 als Orpheus in Glucks Orpheus und Eurydike in Dresden. In der Spielzeit 2012/13 gastierte
     eine reichhaltige Diskografie verweisen, die u.a. Aufnahmen von Korngolds Die stumme Serenade,      sie an der Oper Halle und an der Semperoper Dresden. Eine enge Zusammenarbeit verbindet sie
     Schuberts Lazarus und Mozarts Messe c-Moll sowie Faurés Pélleas et Mélisande oder Rossinis          mit der Lautten Compagney Berlin, dem Collegium 1704 und dem Barockorchester Wrocław, mit
     Petite Messe solennelle umfasst. Ihre erste Lied-CD (Into the Deepest Sea) mit dem Pianisten Götz   welchen sie zahlreiche Konzerte und Opernprojekte verwirklicht. Sie arbeitete mit Dirigenten
     Payer wurde im November 2017 veröffentlicht. Mit ihrem Debüt bei den Salzburger Festspielen         wie Hans-Christoph Rademann, Helmuth Rilling, Václav Luks, Wolfgang Katschner and Jörg-Peter
     krönte Sarah Wegener die Saison 2017/18 – unter Leitung von Kent Nagano führte sie dort             Weigle und trat bei renommierten Festivals auf. 2015 sang sie in Händels Riccardo Primo die
     Pendereckis Lukas-Passion mit dem Orchestre Symphonique de Montréal auf. In dieser Saison           Titelrolle und begeisterte so neben Theaterbesuchern in Deutschland und der Schweiz auch
     kehrte sie zum Musikkollegium Winterthur zurück, gefolgt von einer Aufführung von Schönbergs        das Publikum bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen. 2016 gastierte sie bei den Salzburger
     Sechs Orchesterliedern mit der Deutschen Radio Philharmonie. Beim Orchestre Symphonique de          Festspielen, im Concertgebouw Amsterdam und in Versailles. Jüngste Höhepunkte waren erst-
     Montréal war sie, inzwischen regelmäßiger Gast, mit Händels Messiah zu erleben. Gemeinsam mit       malige Gastspiele im Wiener Musikverein, in der Laieszhalle Hamburg und bei den Thüringer
     Le Concert Lorrain nimmt sie Händels Brockes-Passion auf Tournee. Bei ihrem zweiten Gastspiel       Bachwochen. Im Sommer 2018 sang sie am historischen Ekhoftheater Gotha die männliche
     in der Elbphilharmonie, mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg unter Kent Nagano,         Titelpartie in Marc´Antonio e Cleopatra von Hasse. Seit 2012 ist Julia Böhme außerdem Mitglied
     stehen Mahlers 2. Sinfonie und Ligetis Requiem auf dem Programm. Die britisch-deutsche Sopra-       von AuditivVokal, einem Ensemble für zeitgenössische Musik in Dresden.
     nistin, die auch einen Abschluss als Kontrabassistin nachweisen kann, studierte Gesang bei Prof.
     Jaeger-Böhm in Stuttgart sowie in Meisterkursen bei Dame Gwyneth Jones und Renée Morloc.

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PATRICK GRAHL                                             KREŠIMIR STRAŽANAC
                                                     TENOR                                                                   BASS

     Als gebürtiger Leipziger war Patrick Grahl zunächst Mitglied des Thomanerchores unter           Der gebürtige Kroate Krešimir Stražanac studierte bei Dunja Vejzovic und Cornelis Witthoefft an der
     Georg Christoph Biller, anschließend vervollständigte er seine Gesangsausbildung an der         Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart sowie privat bei Hanns-Friedrich Kunz und
     Musikhochschule Leipzig »Felix Mendelssohn Bartholdy« bei Berthold Schmid. Meisterkurse         Jane Thorner Mengedoht. Der mehrfach ausgezeichnete Sänger war u. a. mit dem Staatsorchester
     bei Peter Schreier, Gotthold Schwarz, Gerd Türk, Ileana Cotrubas und Karl-Peter Kammerlander    Stuttgart, der Gaechinger Cantorey, den Bamberger Symphonikern, dem BR-Symphonieorchester,
     gaben ihm wichtige Impulse für seine künstlerische Entwicklung. 2016 gewann der Tenor den       dem Concerto Köln, der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Collegium 1704, La Orquesta
     1. Preis beim XX. Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb in Leipzig. Schon jetzt      Sinfónica del Principado de Asturias und dem Tokyo Symphony Orchestra zu erleben. In der
     ist er deshalb ein viel gefragter Oratorien- und Konzertsänger und wurde als Solist unter an-   Saison 2016/17 debütierte er u. a. beim Collegium Vocale Gent/Orchestre des Champs-Élysées
     derem vom Gewandhausorchester, der Dresdner Philharmonie, der NDR Radiophilharmonie,            unter Philippe Herreweghe, beim Gewandhausorchester Leipzig, beim hr-Sinfonieorchester,
     dem Gürzenichorchester Köln sowie der Accademia Nazionale di Santa Cecilia und dem London       beim Royal Flemish Orkest, beim Gürzenich-Orchester Köln, bei den Barocchisten und der
     Symphony Orchestra eingeladen und arbeitete dort mit Dirigenten wie Sir John Eliot Gardiner,    Radiotelevisione Svizzera sowie an der Bayerischen Staatsoper (Pietro Fleville in Umberto
     Daniele Gatti, Hartmut Haenchen, Ludwig Güttler, Peter Schreier, Andrew Manze und Leopold       Giordanos Andrea Chénier). Aktuelle Projekte führen ihn zu den Salzburger Festspielen, in den
     Hager zusammen. Nach wie vor ist er auch dem Thomanerchor und dem Dresdner Kreuzchor sehr       Wiener Musikverein, ans Londoner Barbican Center, zum Festspielhaus Baden-Baden, in das
     verbunden. Die laufende Saison führte Patrick Grahl u.a. zu den Klosterkonzerten Maulbronn,     Auditorio Nacional de Música Madrid oder ins Leipziger Gewandhaus sowie zu weiteren Debüts
     nach Leipzig zum Gewandhausorchester und demnächst nach Turin, Antwerpen, Gent, Hamburg,        mit Contentus Musicus Wien, MDR Sinfonieorchester unter Risto Joost oder European Union Youth
     Dresden oder nach Augsburg zum Mozartfest. Neben seinen zahlreichen Engagements auf der         Orchestra unter Manfred Honeck. Neben zahlreichen weiteren Aufnahmen sind aus jüngerer Zeit
     Konzert- und Opernbühne legt Patrick Grahl großen Wert auf kammermusikalische Projekte          insbesondere die DVD-Aufnahme von Bachs Matthäus-Passion (Bachbewegt! Tanz!) hervorzuheben;
     und Liederabende, zum Beispiel mit seinem Männerquartett Thios Omilos oder dem Ensemble         im Jahr 2018 folgten CDs u.a. mit Händels Messiah mit dem Collegium 1704 unter Václav Luks, Bachs
     Barockwerk Ost, mit dem er 2014 den 1.Preis des Förderpreises Alte Musik des Saarländischen     Johannes-Passion unter Herreweghe, Ein deutsches Requiem mit dem Chorwerk Ruhr unter Florian
     Rundfunks und der Akademie für Alte Musik im Saarland gewann. Patrick Grahl war zudem bis       Helgath, Peter Eötvös‘ Tri sestri (eine Produktion des Opernhaus Frankfurt), die erste Lied-CD mit
     2013 Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.                                             dem Pianisten Jonathan Ware, sowie eine CD mit Werken von Vatroslav Lisinski (Koproduktion mit
                                                                                                     dem Kroatischen Rundfunk).

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GAECHINGER CANTOREY –
     DIE ENSEMBLES DER BACHAKADEMIE
     Die Gaechinger Cantorey sind die Ensembles der Internationalen Bachakademie Stuttgart       Festspielen Europäische Wochen Passau, beim Rheingau Musik Festival, im Festspielhaus
     und vereinen europäische Spitzenmusiker unter dem Dirigat von Akademieleiter                Baden-Baden sowie sechs Konzerte im Rahmen einer USA-Tournee in Fort Lauderdale,
     Hans-Christoph Rademann. Dieser Name markiert seit der Saison 2016/17 eine neue Zeit-       Chapel Hill, Norfolk, Princeton, Los Angeles und Irvine. 2018 haben sich die Musiker der
     rechnung für die bereits weltbekannten Ensembles der Bachakademie, die jahrzehntelang       Gaechinger Cantorey bereits im Dresdner Kulturpalast, in der Bachkirche Arnstadt und
     als Bach-Collegium Stuttgart und Gächinger Kantorei Stuttgart unter Helmuth Rilling als     im Pariser Théâtre des Champs-Élysées hören lassen. Im Mai führte sie eine Tournee mit
     Bach-Botschafter gewirkt haben. Nun verbinden sich ein neu gegründetes Barockorchester      sechs Konzerten nach Südamerika, und im Juni gaben sie ihre klingende Visitenkarte beim
     und der reformierte Chor zu einem homogenen Originalklangensemble. Ziel ist die Ent-        Bachfest Leipzig als Teilnehmer an einem prominenten »Kantaten-Ring« (u.a. mit Masaaki
     wicklung eines neuen »Stuttgarter Bachstils«, der das Markenzeichen einer Bachakademie      Suzuki, Ton Koopman und Sir John Eliot Gardiner) ab.
     der Zukunft verkörpern wird.
                                                                                                 Die Debüt-CD der neuformierten Gaechinger Cantorey Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort mit
     Mit der Entscheidung für ein eigenes Barockorchester und einen nach aufführungsprak-        Reformationskantaten von J.S. Bach erschien im Mai 2017 beim Stuttgarter Carus-Verlag.
     tischen Kriterien zusammengestellten Chor hat die Bachakademie einen neuen Weg ein-         Die Kritik war begeistert: »Die Gaechinger Cantorey ist in neuer Besetzung und Ausrich-
     geschlagen. Klangliches Fundament und internationales Alleinstellungsmerkmal dieses         tung ganz oben dabei im Konzert der deutschen Barockensembles.« (kulturradio des rbb)
     neuen Weges ist der von der Bachakademie in Auftrag gegebene Nachbau einer 2013 im
     sächsischen Seerhausen entdeckten, originalen Truhenorgel aus der Orgelwerkstatt des        Nur wenige Monate später erschienen im September 2017 eine DVD-Aufnahme der
     legendären Bach-Zeitgenossen Gottfried Silbermann, der als originalgetreues Exponat         Matthäus-Passion sowie im Oktober 2017 eine Neueinspielung von Bachs Weihnachtsoratorium,
     barocker Klangvorstellungen das ideelle Zentrum der neuformierten Ensembles verkörpert.     die ebenfalls auf große Zustimmung stießen. Für die Zukunft sind CD-Veröffentlichungen
     Erste, erfolgreiche Schritte auf dem Weg zum neuen »Stuttgarter Bachstil« waren Auftritte   eines Programms mit Bach-Kantaten, von der vierten Fassung der Bachschen Johannes-
     der Ensembles im Jahr 2017 im Musikfest Stuttgart, in der Bachwoche Ansbach, bei den        Passion und von G.Fr. Händels Utrechter Te Deum geplant.

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„ ... dann fegt die letzte                                        BESETZUNG
brillante Klavierphrase alle                                      Sopran
                                                                  Henriette Autenrieth
                                                                                               Oboe
                                                                                               Katharina Arfken
                                                                                                                              Konzertmeisterin
                                                                                                                              Nadja Zwiener

Schatten von der Tastatur.“
                                                                  Heitzmann Beate              Julia Ströbel-Bänsch
                                                                  Miriam Burkhardt                                            Violinen
                                                                  Natasha Goldberg             Klarinette & Bassetthorn       Margret Baumgartl
                                                                  Ellen Majer                  Alvaro Iborra Jimenez          Sarah Flögel

                                                   J E TZ T       Christiane Opfermann
                                                                  Uta Scheirle
                                                                                               Juan Ullibarri                 Regine Freitag
                                                                                                                              Ada Gosling-Pozo

                                                  im              Anja Scherg                  Fagott                         Daniela Gubatz
                                              Buchh               Eva Soler Boix               Eckhard Lenzing                Astrid Kumkar
                                                    ande      l   Alt
                                                                                               Karin Gemeinhardt              Gundula Mantu
                                                                                                                              Regine Schröder
                                                                  Magdalena Fischer            Horn                           Lotta Suvanto
                                                                  Anne Hartmann                Stephan Katte                  Jonas Zschenderlein
                                                                  Constanze Hirsch             Susanne Wichmann
                                                                  Anna Krawczuk                Georg Köhler                   Viola
                                                                  Andrea Lehöcz                Claudia Pallaver               Oliver Wilson
                                                                  Sandra Marks                                                Yoko Tanaka-Zschenderlein
                                                                  Rebekka Neetz                Trompete                       Lothar Haass
                                                                  Sandra Stahlheber            Hans-Martin Rux-Brachtendorf   Isolde Jonas
                                                                  Patricia Wagner              Astrid Brachtendorf
                                                                                                                              Violoncello
                                                                  Tenor                        Posaune                        Joseph A. Crouch
                                                                  Jörg Deutschewitz            Steffen Schwartz               Lea Rahel Bader
                                                                  Wolfgang Frisch-Catalano     Sebastian Krause               Joachim Hess
                                                                  Tobias Liebelt               Fernando Günther
                                                                  Tobias Mäthger                                              Kontrabass
                                                                  Laurin Oppermann             Pauken                         Christine Sticher
                                                                  Christoph Pfaller            Michael Juen                   Mirjam Wittulsky
                                                                  Christopher Renz
                                                                  Gabriel Sin                                                 Orgel
                                                                  Friedrich Custodio Spieser                                  Boris Kleiner

                                                                  Bass
                                                                  Andrey Akhmetov
                                                                  Menno Koller
                                                                  Simon Millan
                                                                  Stefan Müller-Ruppert
                                                                  Jens Paulus
                                                                  Hanns Pommerien
Mathias Husmann - Präludien fürs Publikum II                      Georg Preißler
99 weitere Konzert- und Operneinführungen in aller Kürze          Florian Schmitt-Bohn
                                                                  Stefan Weiler
Mit künstlerischen Pressezeichnungen aus Oper und Tanz
€ 14,90 (D) • ISBN: 978-3-9818481-1-3                                                                                                                     27
DIE TRUHENORGEL
     der Internationalen
     Bachakademie

     Im Jahr 2013 wurde in der Schlosskapelle von
     Seerhausen, in der Nähe von Riesa, ein schwer be-
     schädigtes Truhenpositiv (eine tragbare Kasten-
     orgel) gefunden, von dem nahezu sämtliche Orgel-
     pfeifen und die Klaviatur fehlten. Auch wenn sich
     zunächst kein Hinweis auf den Erbauer entdecken
     ließ, so waren sich die herbeigerufenen Experten
     sicher, ein Instrument aus der ersten Hälfte des
     18. Jahrhunderts vor sich zu haben. Eingehendere
     Untersuchungen und Vergleiche des erhaltenen
     Materials (darunter eine Zinnpfeife, eine Taste und
     das Schnitzwerk auf dem Einsetzer unter der Kla-
     viatur) mit komplett erhaltenen Orgeln aus dem
     18. Jahrhundert durch die Orgelbauwerkstatt
     Kristian Wegscheider (Dresden) erbrachten schließlich den Nachweis, dass es sich bei dem   Ermöglicht und gefördert durch Herrn Michael und Frau Michaela Wirtz (Stolberg), hat die
     Truhenpositiv aus Seerhausen um ein Instrument aus der Werkstatt des berühmten sächsi-     Internationale Bachakademie von der Orgelbauwerkstatt Wegscheider einen Nachbau dieses
     schen Orgelbauers und Bach-Zeitgenossen Gottfried Silbermann (1683 – 1753) handelt. Die    Truhenpositivs von Gottfried Silbermann anfertigen lassen. Als Exponat eines mitteldeut-
     Datierung dieser sensationellen Entdeckung – bisher war kein derartiges Instrument von     schen Barockklangs verkörpert er das Herzstück einer neuen Ensemblekultur aus Chor und
     Silbermann bekannt — fixierte der Orgelbauer Hartmut Schütz auf das Jahr 1722.             Barockorchester mit historischen Instrumenten.

28                                                                                                                                                                                         29
NEUERSCHEINUNG
                                                                                                                          SCHRIFTENREIHE      MARTIN PETZOLDT                  THEOLOGISCH -
                                                                                                                          INTERNATIONALE                                       MUSIKWISSENSCHAFTLICHE
                                                                                                                           BACHAKADEMIE                                        KOMMENTIERUNG
                                                                                                                             STUTTGART                                         DER GEISTLICHEN VOKALWERKE
                                                                                                                           BAND 14.3                                           JOHANN SEBASTIAN BACHS

                                                                                                                                                                                                            Martin Petzoldt
                                                                                                                                                                                                            Bach-Kommentar, Band III
                                                                                         SCHRIFTENREIHE · BAND 14.3
                                                                                                                                                                BACH-KOMMENTAR
                                                                                                INTERNATIONALE
                                                                                                BACHAKADEMIE
                                                                                                                          MARTIN PETZOLDT
                                                                                                                          BACH-KOMMENTAR
                                                                                                                                                      BAND III FEST- UND KASUALKANTATEN
                                                                                                                                                               PASSIONEN
                                                                                                                                                                                                            Fest- und Kasualkantaten, Passionen
                                                                                                                                                                                                            Bärenreiter-Verlag, Kassel 2018
                                                                                                STUTTGART                    FEST- UND
                                                                                                                          KASUALKANTATEN
                                                                                                BÄRENREITER
                                                                                                KASSEL · BASEL · LONDON      PASSIONEN
                                                                                                NEW YORK · PRAG

                                                                                                                                                                                                            Editionsnummer: BVK 1743
                                                                                                                                                                                                            ISBN: 9783761817438
                                                                                                                                                                                                            912 Seiten
                                                     HANS-CHRISTOPH                                                                                                                                         79,00 €
                                                     RADEMANN
                                                                                         ISBN 978-37618-17438

                                                                                            ISBN 978-37618-17438
                                                                                                                                            Der Bach-Kommentar behandelt in vier umfangreichen Bänden                     Der Autor: Martin Petzoldt (1946–2015) war Professor für
                                                                                                                                            das gesamte geistliche Vokalwerk Johann Sebastian Bachs                       Systematische Theologie an der Theologischen Fakultät
                                                                                                                                            und führt dabei theologische Deutung und den aktuellen                        der Universität Leipzig. In seinem Nachlass hat sich
                                                                                                                                            Stand musikwissenschaftlicher Forschung zusammen.                             glücklicherweise ein komplettes Manuskript für diese beiden
                                                                                                                                            Band III umfasst neben den Passionen Bachs die Fest-                          ausstehenden Bände gefunden, das von einem Expertenteam
                                                                                                                                            und Begräbniskantaten sowie Kantaten ohne erkennbare                          unter der Leitung von Norbert Bolin (Mitarbeit: Jochen Arnold,
                                                                                                                                            Bestimmung. Der abschließende Band IV wird die Kommentare                     Michael Beyer) ediert und für den Druck vorbereitet wurde.
                                                                                                                                            zu Bachs Messe-Kompositionen, Magnificat und Motetten
                                                                                                                                            sowie verschiedene Register zu allen vier Bänden enthalten.

     Der Dirigent Hans-Christoph Rademann ist ein ungemein vielseitiger Künstler mit einem                                                  Landeshauptstadt Dresden (1994 bzw. 2014). Mehrmals erhielt er für seine zahlreichen
     breiten Repertoire, der sich mit gleicher Leidenschaft der Aufführung und Wiederentdeckung                                             CD-Aufnahmen den Preis der Deutschen Schallplattenkritik (zuletzt 2016) sowie den Grand
     Alter Musik wie der Uraufführung und Pflege Neuer Musik widmet. Geboren in Dresden und auf-                                            Prix du Disque (2002), den Diapason d’Or (2006 & 2011), den CHOC de l’année 2011, den
     gewachsen im Erzgebirge (Schwarzenberg), wurde er früh geprägt von der großen mitteldeut-                                              Best Baroque Vocal Award 2014. Außerdem wurde er 2016 mit dem Preis der Europäischen
     schen Kantoren- und Musiktradition. Er war Schüler im traditionsreichen Kreuzgymnasium,                                                Kirchenmusik der Stadt Schwäbisch Gmünd ausgezeichnet.
     Mitglied des berühmten Kreuzchors, der 2016 sein achthundertjähriges Bestehen feierte, und
     studierte an der Musikhochschule Dresden Chor- und Orchesterdirigieren. Während seines                                                 Seine im Oktober 2017 auf DVD beim Label Accentus Music erschienene Aufnahme einer
     Studiums gründete er den Dresdner Kammerchor und formte ihn zu einem internationalen                                                   getanzten Produktion von Bachs Matthäus-Passion (Choreografie: Friederike Rademann) mit
     Spitzenchor, der bis heute unter seiner Leitung steht. Ein eindrucksvoller Beleg für die Qua-                                          der Gaechinger Cantorey, ausgewählten Solisten und rund einhundert Schülern aus der Region
     lität dieser künstlerischen Zusammenarbeit ist die gefeierte Einspielung des Gesamtwerks                                               Stuttgart und aus Minden wurde für die International Classical Music Awards 2018 nominiert.
     von Heinrich Schütz beim Stuttgarter Carus-Verlag, die 2018 ihren Abschluss gefunden hat.
                                                                                                                                            Für seine beispielhafte Interpretation und Einspielung der gesamten Werke von Heinrich
     Hans-Christoph Rademann arbeitet mit führenden Chören und Ensembles der internationalen                                                Schütz hat Hans-Christoph Rademann im September 2018 den neu gestifteten Internationalen
     Konzertszene zusammen. Von 1999 bis 2004 war er Chefdirigent des NDR Chors und von 2007                                                Heinrich-Schütz-Preis erhalten.
     bis 2015 Chefdirigent vom RIAS Kammerchor. Regelmäßige Gastdirigate führten und führen
     ihn zum Collegium Vocale Gent, der Akademie für Alte Musik, dem Freiburger Barockorchester,                                            Hans-Christoph Rademann ist Professor für Chorleitung an der Hochschule für Musik Carl
     Concerto Köln, den Rotterdamer Philharmonikern, der Sächsischen Staatskapelle Dresden                                                  Maria von Weber in Dresden. Außerdem ist er Intendant vom Musikfest Erzgebirge, Botschafter
     u. a. Seit Juni 2013 ist Hans-Christoph Rademann der Akademieleiter der Internationalen                                                des Erzgebirges und Schirmherr des Christlichen Hospizdienstes Dresden.
     Bachakademie Stuttgart.

     Für seine künstlerische Arbeit ist Hans- Christoph Rademann mit Preisen und Ehrungen
     ausgezeichnet worden, darunter die Johann-Walter-Plakette des Sächsischen Musikrats
     (2014), die Sächsische Verfassungsmedaille (2008), der Förder- sowie der Kunstpreis der

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VORSCHAU                                                                               WIR DANKEN:
                                                                                            Die Arbeit der Internationalen Bachakademie Stuttgart ist nur durch die Identifikation und großzügige
                                                                                            Unterstützung zahlreicher Sponsoren, Partner und Förderer möglich. Wir danken Ihnen allen sehr herz-
                                                                                            lich und freuen uns auf gemeinsame musikalische Erlebnisse! Besonderer Dank gilt allen Mitgliedern des
                                                                                            Förderkreises, die mit Ihren Spenden zu besonderen Anlässen verschiedene Projekte ermöglicht haben.
     GASTSPIEL: MESSE H-MOLL IN MOSKAU           sowie als Referenten & Gesprächspartner:
                                                 Dr. Henning Bey, Dr. Reinmar Emans,
     Mittwoch, 13. Februar 2019 | 19:00 Uhr      Dr. Martina Falletta, Prof. Dr. Wolfgang     ZUWENDUNGSGEBER
                                                 Hirschmann, Prof. Dr. Konrad Küster,
     Moskau, Moscow Concert Hall Zaryadye        Dr. Carsten Lange, Dr. Ute Poetzsch,
                                                 Prof. Michael Schneider,
     JOHANN SEBASTIAN BACH                       Thomaskantor Prof. Gotthold Schwarz,
     Messe h-Moll BWV 232                        Prof. Dr. Peter Wollny                       UNTERNEHMEN

     Isabel Schicketanz | Sopran
     Marie Henriette Reinhold | Alt              SONDERKONZERT                                                                                                                             TRUMPF
     Benedikt Kristjánsson | Tenor               ZU BACHS 334. GEBURTSTAG                                                                                                                  ist Partner der
     Tobias Berndt | Bass                        & GASTSPIEL PARIS                                                                                                                         Gaechinger Cantorey
     Gaechinger Cantorey
     Hans-Christoph Rademann | Dirigent          Donnerstag, 21. März 2019 | 20:00 Uhr

                                                 Ludwigsburg, Forum am Schlosspark
     BACHWOCHE 2019                              19:20 Uhr: Konzerteinführung

     Im Dialog: Bach und Telemann                Freitag, 29. März 2019 | 19:30 Uhr
                                                 Paris, Théâtre des Champs-Élysées            STIFTUNGEN UND FÖRDERER
     Do, 14. März bis Mi, 20. März 2019
                                                 JOHANN SEBASTIAN BACH
     Podiumsgespräche & Vorträge                 Johannes-Passion BWV 245
     Eröffnungskonzert:                          (Fassung von 1749)
     Telemann Johannes-Passion
     Werkstattkonzerte I-III                     Dorothee Mields | Sopran
     Gottesdienst                                Wiebke Lehmkuhl | Alt
     Abschlusskonzert:                           Nicholas Mulroy | Tenor
     Kantaten von Bach & Telemann                Peter Harvey | Bass (Christus)
                                                 Matthias Winckhler | Bass (Arien)
     JSB Ensemble                                Gaechinger Cantorey                          M E D I E N PA R T N E R
     (erstmals auf historischen Instrumenten)    Hans-Christoph Rademann | Dirigent
     Meisterkurse Gesang:
     Emma Kirkby, Kai Wessel,
     James Gilchrist, Peter Kooij                                                             O R G A N I S AT I O N S - & V E R A N S TA LT U N G S PA R T N E R
     Musikalische Leitung & Werkstattkonzerte:
     Jos van Veldhoven,
     Hans-Christoph Rademann
     Mitsing-Chor der Bachwoche
     (Leitung Sabine Layer)
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Internationale Bachakademie Stuttgart

Vorsitzender des                                             Bildnachweis       akg images (4f., 9, 12f.), Simon
Vorstandes           Helmut Nanz                                                Wagner (20), anna.s (21), Agentur
Akademieleiter       Prof. Hans-Christoph Rademann                              (22), Patrick Vogel (23), Holger
Geschäftsführende                                                               Schneider (24-30)
Intendantin          Katrin Zagrosek                         Umschlaggestaltung LässingMüller
Redaktion            Holger Schneider                                             Werbeagentur GmbH & Co. KG
                     Dr. Henning Bey                         Satz                 gusedesign | Hannes Guse
Einführungstext      Der Text von Dr. Volkmar Braunbehrens   Druck                W. Kohlhammer Druckerei
                     ist ein Originalbeitrag für dieses
                     Programmheft.                                                Änderungen vorbehalten
Chronik S. 6f.       Dr. Henning Bey

                                   www.bachakademie.de
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