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conditio humana Beiträge zum Verlust von Welt und Leib 3 | 2021 Äthiopien: Zwischen ökonomischem Wachstum und ethnischen Konflikten Hrsg.: Reimer Gronemeyer, Jonas Metzger, Andrea Newerla, Gießen
Impressum Herausgeber: Reimer Gronemeyer (reimer.gronemeyer@sowi.uni-giessen.de), Jonas Metz- ger (jonas.metzger@sowi.uni-giessen.de), Andrea Newerla (andrea.newerla@sowi.uni-gies- sen.de) Erscheinungsort: Gießen, 2021 Gießener Elektronische Bibliothek 2021 Bibliographische Informationen der Deutsche Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbio- graphie. Detaillierte bibliographische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nd.de abruf- bar. Diese Veröffentlichung ist im Internet unter folgender Creative-Commons-Lizenz publiziert: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/ Coverbild: © Michaela Fink URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2021/16075/ URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:26-opus-160758
In diesem Heft 1 Reimer Gronemeyer & Inga-Luise Schüßler Äthiopien in der Zerreißprobe? 2 Kevin Leske & Carla Gerda Unger Die Arbeit der GIZ in Äthiopien I. Äthiopien: politisch, ökonomisch, sozial 9 Sabine Tröger „Committees“, a promising institution in Climate Change Communication and Adaption? 22 Hanna Rössner & Lilith Schmidt A Brief Overview of Women’s Movement in Ethiopia 35 Debora Yemane Ethiopia and Education, and Gender Role II. Textilparks in Äthiopien 40 Guido Zakrzewski Industrieparks und die wirtschaftliche Entwicklung Äthiopiens 57 Michaela Fink, Reimer Gronemeyer & Hanna Rössner Labour Turnover and Absenteeism in the Ethiopian Textile Industry 65 Reimer Gronemeyer & Fabian Pindus Has the Ethiopian Lion Awoken?
conditio humana |Nr. 03 Reimer Gronemeyer/Inga-Luise Schüßler Äthiopien in der Zerreißprobe? Es ist noch nicht lange her, da galt Äthiopien als Eindruck – wachsen mit der gleichen Geschwin- die ökonomische Lokomotive des afrikanischen digkeit wie sich Befürchtungen auftürmen. Kontinents. Das Wachstum des BIP lag im letz- ten Jahrzehnt bei durchschnittlich 10 Prozent. Die Idee für das Heft entstand innerhalb einer Neue Ansätze für die Überwindung ethnischer studentischen Arbeitsgruppe und im Januar 2020 Konflikte lagen auf dem Tisch, der Friedens- begann am Institut für Soziologie der JLU das schluss mit Eritrea eröffnete Aussichten auf bes- Projekt „Fluktuation von Arbeitskräften in sich sere internationale Handelsrouten und das industrialisierenden Entwicklungsländern: Res- internationale Renommee Äthiopiens wuchs sortforschung zur Textilindustrie in Äthiopien“, nicht zuletzt dank der Tatsache, dass der äthiopi- das vom Bundesministerium für wirtschaftliche sche Präsident Abiy Ahmed 2019 den Friedens- Zusammenarbeit finanziert wird. Es wird geleitet nobelpreis bekam. Gegenwärtig stehen diese von Prof. Reimer Gronemeyer und Dr. Michaela freundlichen Zukunftsaussichten infrage. 2020 Fink und durchgeführt in Kooperation mit Prof. eskalierte der Konflikt der äthiopischen Zentral- Tesfaye Semela Kukem (Universität Hawassa, regierung mit der Regionalregierung der nördli- Äthiopien) und Prof. Ingrid Miethe (Institut für chen Region Tigray zu heftigen Kämpfen. Es Erziehungswissenschaft an der JLU). sieht so aus, als hätten Soldaten der Armee Erit- reas wiederholt Massaker an der Bevölkerung Ti- Diese Ausgabe der Conditio Humana umfasst grays verübt. Diese Entwicklung könnte Beiträge zur Ökonomie, zur Entwicklungszu- ausländische Investoren abschrecken. Neben die- sammenarbeit, zur Bildung, zur kleinbäuerlichen sem militärischen Konflikt und verschiedenen Landwirtschaft und zur Industrialisierung in für den äthiopischen Staat bedrohlichen lokalen Äthiopien. Dabei steht die äthiopische Textilin- Autonomiebestrebungen (zum Beispiel 2019 in dustrie im Zentrum der Überlegungen. Von der Hawassa) hat die Coronapandemie Äthiopien gegenwärtigen deutschen Afrikapolitik (Com- schwer getroffen. Vor allem ist die aufstrebende pact with Africa), über die Folgen von Land Textilindustrie Äthiopiens durch Stornierungen, Grabbing bis hin zu den aktuellen, krisenhaften Fabrikschließungen und Infektionen beschädigt. Entwicklungen in der Textilindustrie reichen die Andererseits funktioniert die internationale Flug- hier gesammelten Beiträge. linie Ethiopian Airlines nach wie vor vergleichs- weise gut und sorgt für innerafrikanische und transafrikanische Verbindungen. Beobachter sind hin- und hergerissen: Ist Äthiopien in der Gefahr, zu einem failed state zu werden? Oder berechtigen die ökonomischen Potenziale Äthio- piens nach wie vor zu den schönsten Hoffnun- gen? Die sozialen Konfliktlagen – so ist der 1
conditio humana |Nr. 03 Kevin Leske & Carla Gerda Unger Die Arbeit der GIZ in Äthiopien Ein Interview mit Prof. Dr. Matthias Rompel vom 10.03.2020 „Ich persönlich als Berufsoptimist folge 2018 wird Äthiopien von einer Reformdynamik einer positiven Annahme, aber die Risiken, geprägt, bei der Deutschland durch seine Ent- die da für das Land insgesamt im Raum wicklungszusammenarbeit einen aktiven Beitrag stehen sind nicht unerheblich. Für den leisten will. Aber bevor man über die Entwick- Moment ist Äthiopien ein Erfolgsmodell.“ lungszusammenarbeit spricht braucht es ein Ver- (Prof. Dr. M. Rompel) ständnis des Landes. Äthiopien ist ein sehr komplexer Vielvölkerstaat mit 80 verschiedenen D ie Gesellschaft für Internationale Zu- ethnischen Gruppen und einer sehr umfassenden sammenarbeit (GIZ) arbeitet im Auf- und reichen Historie, die mehrere tausende Jahre trag des Bundesministeriums für zurückreicht. Das Land wurde seit dem 5. Jahr- wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwick- hundert durch ein großes Kaiserreich geprägt und lung (BMZ) seit 1964 in Äthiopien. Die äthiopi- ist der einzige afrikanische Staat, der nie koloni- sch-deutsche Zusammenarbeit fokussiert sich siert wurde. Vor der Wahl des neuen Präsidenten besonders auf die Förderung der Rahmenbedin- Abiy Ahmed war das Land durch eine stark staat- gungen für wirtschaftliche Entwicklung und Ar- lich gelenkte Wirtschaft geprägt, die mit sehr mutsbekämpfung. Wir – das sind Carla Unger massiven staatlichen Infrastrukturinvestitionen und Kevin Leske (Studierende der JLU Gießen) einherging. In diesem Modell – dem Develop- – haben Matthias Rompel, Abteilungsleiter mental State – wird eine von der Regierung ge- Südliches Afrika bei der GIZ, der zuvor Lan- lenkte staatliche Wirtschaft, mit vielen desdirektor der GIZ in Äthiopien war, um ein staatlichen Konzernen, anhand eines starken Interview gebeten. Wir wollten verstehen, wie Staatsinterventionismus gesteuert. Ziel dieses sich die deutsche Entwicklungspolitik auf die Vorgehens zielte stark auf wirtschaftliches Textilindustrie und die äthiopische Wirtschaft im Wachstum und mehr Beschäftigung ab. Alle so- Allgemeinen auswirkt. genannten Developemental States haben dies ge- mein. Allerdings haben sie auch gemein, dass es Die Arbeit der GIZ in Äthiopien besteht schon eine deutliche Einschränkung der bürgerlichen seit 56 Jahren. Mit dem Compact for Africa und Freiheitsrechte gibt, wie wir das aus China ken- anderen Initiativen wurde diese Zusammenarbeit nen. In Äthiopien war dies der Fall bis der neue intensiviert. Warum steht Äthiopien so im Zent- Präsident neue Akzente setzte. Deswegen be- rum der Arbeit der GIZ und welche Veränderun- gen erlebt das Land gegenwärtig? zeichneten einige Äthiopien als ‚Entwicklungs- diktatur‘. Äthiopien ist ein geopolitisch zentrales Land am Horn von Afrika, in dem mehr als 100 Millionen Das Modell Developemental State ist in Äthio- Menschen leben. Somit ist es das zweit-bevölke- pien der 1990er Jahre etabliert und umgesetzt rungsreichste Land Afrikas. Seit der Wahl des neuen Premierministers Abiy Ahmed im April 2
Kevin Leske & Carla Unger conditio humana |Nr. 03 worden und hat im Hinblick auf Entwicklungs- Der Kern der vom neuen Regierungschefs Abiy fortschritte Erfolge erzielt: Halbierung der Armut Ahmed seit April 2018 eingeläuteten Reformen und ein massives Wirtschaftswachstum in den bestand darin, verschiedene Demokratisierungs- letzten Jahrzehnten. Auch zeigte sich dieser Er- prozesse einzuleiten. Dazu gehörte zum Beispiel folg durch den Aufbau eines sehr modernen Bil- die Entlassung von politischen Gefangenen, den dungssystems. Vor 15 Jahren gab es landesweit Ausblick auf freie Wahlen, aber eben auch ein nicht einmal fünf Universitäten. Seitdem wurden Ausbau von bürgerlichen Rechten und Freiheits- 30 weitere dazu gebaut. rechten. Und das führt aktuell dazu, dass es bei einem gleichzeitigen Rückgang des starken Si- Für das Verständnis Äthiopiens ist wichtig, dass cherheitsapparates, trotzdem verstärkt ethnische das Land als ein föderaler Bundesstaat aufgestellt Konflikte ausbrechen. Es ist zudem zu vermuten, ist, mit der spezifischen Ausformung des soge- dass insbesondere die Reform-Verlierer im nannten ethnischen Föderalismus. In diesem Zweifelsfall diese ethnischen Konflikte anhei- Konzept erfolgten die Grenzziehungen der Bun- zen. desstaaten entlang der Siedlungsgebiete der gro- ßen ethnischen Gruppen. Es wurde von Was ist der Kern der Entwicklungsstrategie, wie Premierminister Meles Zenawi nach Ablösung ihn die Äthiopier*innen selbst beschreiben? der Militärdiktatur installiert, die wiederum dem Die äthiopische Regierung hat sich in den späten Kaiserreich folgte. Grundidee war die über das 1990er Jahren sehr stark auf das Thema Mecha- Kaiserreich etablierte Vorherrschaft einzelner nisierung in der Agrarwirtschaft und letztendlich ethnischer Gruppen zu beenden. Natürlich ließ auf die Weiterentwicklung von klassischer Sub- das Prinzip in einem Land mit mehr als 80 ethni- sistenzwirtschaft hin zu einer realen Agrarwirt- schen Gruppen nur ansatzweise realisieren. Man schaft fokussiert. Es ist aber zumindest seit den kann sich vorstellen, dass die ethnischen Grup- frühen 2000er Jahren deutlich geworden, dass pen unterschiedlich groß sind, und da ein politi- man – wenn man mit den festgeschriebenen Ent- scher Versuch ein Gleichgewicht herzustellen wicklungszielen im Bereich Wirtschaftswachs- von Anbeginn seine Grenzen hat. Es gibt unter tum weiter vorankommen will – auf eine diesen zwölf Bundesstaaten einige, die zumin- Industrialisierung der Wirtschaft setzten möchte. dest auf dem Papier relativ einheitlicher einer be- Entsprechend hat man in Äthiopien versucht, stimmten ethnischen Gruppe zugeordnet werden eine klassische Industriepolitik zu entwickeln, können, wie zum Beispiel die Oromo in der O- die darauf setzt mit Hilfe von Industrieparks ein romo-Region. Es gibt aber auch Bundesstaaten, regionaler Hub für Leichtindustrie zu werden. in denen man eher eine Sammlung von kleineren Ziel ist es für Äthiopien bis 2025 den Status Gruppen finden kann, wie zum Beispiel der Bun- „Land mit mittlerem Einkommen“ (Middle In- destaat Southern Nation Nationalities, in der come Country) zu erreichen und damit einen ei- viele der kleineren pastoralen Gruppen zusam- genen Beitrag zu leisten, um letztlich auch die mengefasst sind. Dieser Fokus auf einen ethni- Sustainable Development Goals (SDGs) zu errei- schen Föderalismus Anfang der 1990er nach chen. Dies ist auch das Ziel, das in der „Vision Ablösung der Militärdiktatur das politökonomi- 2025“ und im Growth and Transformation Plan sche Gebot der Stunde. Es gab vermutlich wenige 2 (GTP 2) so festgehalten wurde. Alternativen. Leider hat das auf mittlere Sicht dazu geführt, dass ethnische Konflikte zugenom- Wie sieht die deutsche entwicklungspolitische men haben und man in den letzten 30 Jahren das Strategie in Äthiopien aus? Land sehr viel stärker ethnisiert hat. 3
Kevin Leske & Carla Unger conditio humana |Nr. 03 Der Kern der deutschen Entwicklungspolitik auch durch die technische Zusammenarbeit, die liegt in der Unterstützung der Reformdynamik über die GIZ durchgeführt wird. Kurz gesagt und der Beschäftigungsförderung. Darüber hin- zeichnet sich eine Reformpartnerschaft durch hö- aus sind die berufliche und universitäre Ausbil- here Volumina, eine Fokussierung auf Themen dung, die landwirtschaftliche Entwicklung, rund um Wirtschaftsentwicklung und Beschäfti- Agribusiness, und die Biodiversität wichtige gungsfragen, und einen ausgeprägten Politikdia- Schwerpunkte. Diese Themen stehen im Fokus, log zu den Reformen aus. sie entsprechen zudem der nationalen Prioritäten- setzung entsprechen. Äthiopien wurde in die Was ist die Leichtindustrie und warum ist sie in Gruppe der sogenannten Reformpartnerländer Äthiopien so wichtig? aufgenommen, um den sogenannten Compact Hauptsächlich sprechen wir bei der Leichtindust- with Africa (CwA) von deutscher Seite zu hinter- rie von Textil- und Bekleidungsindustrie, Nah- legen. rungsmittelverarbeitung sowie chemischer und pharmazeutischer Industrie. Was ist der Compact with Africa? Das ist eine Initiative innerhalb der G20, die wäh- Man hat sich besonders auf sie fokussiert, weil rend der deutschen G20 Präsidentschaft zusam- sie arbeitsintensiv und exportorientiert ist. Sie men mit Südafrika entwickelt wurde und darauf folgt diesem Leitmotiv, um möglichst Viele in abzielt, über ausländische Direktinvestitionen der Bevölkerung in formale Beschäftigung und positive Beschäftigungseffekte in afrikanischen Devisen ins Land zu bringen, um damit Wirt- Ländern zu erzielen. Diese Initiative, die von schaftswachstum zu beflügeln. Dies geschieht deutscher Seite vom Finanzministerium (BMF) nicht erst seit 2015, sondern wurde auch schon in vorangetrieben wurde, hat sich das Bundesminis- den Jahren davor entwickelt. Äthiopien hat zu- terium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und letzt viele Jahre in Folge zweistellige Wachs- Entwicklung (BMZ) zu eigen gemacht und Re- tumsraten erzielt; mit 10-13 Prozent Wachstum formpartnerschaften mit ausgewählten Partner- des BIP waren das wirklich sehr überdurch- ländern in Afrika ausgerufen. Der CwA ist ein schnittliche Wachstumsraten. multilaterales Arrangement, in der die Weltbank Worum geht es bei dem Light Industrial Hub im und der Weltwährungsfond (IMF) eine beson- Kontext von Äthiopien? dere Rolle haben. Der Kernpunkt ist eine Re- formmatrix, in denen zentrale Reformprojekte Es geht dabei darum, die Leichtindustrie und den identifiziert sind. In diesem Kontext bettet sich Dienstleistungssektor zu entwickeln, um so nicht die Reformpartnerschaft ein. nur in der Region, sondern auf dem Kontinent führend zu werden. Und ausformuliert wurde das Was ist ein Reformpartnerland? sehr stark im Jahr 2015 mit dem GTP 2. Äthio- pien hat traditionell fünfjährige Entwicklungs- Ein Reformpartnerland ist aus Sicht der deut- pläne aufgesetzt, um gesellschaftliche schen Bundesregierung, ein Land mit einer be- Entwicklung und vor allen Dingen Wirtschafts- sonderen Reformdynamik, in dem die deutsche wachstum auf der politischen Ebene zu formulie- Entwicklungszusammenarbeit einen besonders ren und mit Zielen zu bestücken. Diese starken Hebel hat. Das heißt im Unterscheid zu Fokussierung auf klassische Industriepolitik hat „normalen“ bilateralen Partnerländern, dass be- sich dann in der „Vision 2025“ festgeschrieben. sonders große Volumina zum Einsatz kommen, sowohl über die finanzielle Zusammenarbeit, die durch die Entwicklungsbank KfW gedeckt ist, als 4
Kevin Leske & Carla Unger conditio humana |Nr. 03 Letztendlich ist das Ziel, Äthiopien zum Lea- die inzwischen sehr breit in Äthiopien produzie- ding-Manufacturing-HUB der Industrieproduk- ren. Der Textilsektor funktioniert nicht so, dass tion der Leichtindustrie zu machen. viele der genannten Firmen selbst produzieren, sondern, dass diese Zulieferfirmen haben, die in Was tut Äthiopien, um ein Industrial- oder Ma- ihrem Namen für sie produzieren. PVH verfolgt nufacturing Hub zu werden? ein gemischtes Modell. Sie arbeiten sehr umfang- Um dies zu erreichen, hat Äthiopien sehr stark reich mit Zulieferunternehmen vor Ort. PVH hat auf das Konzept der Industrieparks gesetzt. Man aber auch eigene Produktionen ausgebaut und hat im Prinzip insgesamt das Ziel, 25 staatliche verfolgt sozusagen beides – selbst produzieren Industrieparks im Land zu bauen, von denen un- und zukaufen. Die meisten anderen großen inter- gefähr 15 in Arbeit und 4 fertig gestellt sind. Es nationalen Marken kaufen ausschließlich zu und gibt daneben jetzt schon eine ganze Menge pri- sind also in dem Sinne eigentlich Handelsunter- vater Industrieparks von einzelnen Investoren. nehmen und haben keine eigene Produktion. Und internationale Firmen wie PVH haben inzwi- Neben den verschiedenen Sektoren wie Leder, schen entschieden, ihre komplette Produktion aus Nahrungsmittelverarbeitung, chemische- und Asien nach Afrika zu holen. Das demonstriert pharmazeutische Industrie liegt der Fokus sehr vielleicht nochmal die Bedeutung oder auch den klar auf der Textil und Bekleidungsindustrie. Un- Erfolg der Äthiopier. Denn sie schaffen es, kom- gefähr 80% der genannten Industrieparks sind plette Produktionslinien aus dem erfolgreichen Textil- und Bekleidungsindustrie. Zum Teil sind Asien, für den globalen Textilmarkt, herüber diese mit den Themen Lederproduktion und nach Afrika zu holen. Schuhwaren angereichert, in denen Äthiopien traditionell stark ist. Das Land hat schon vor 20 Warum Afrika und nicht Asien? Jahren Schuhe regional und global produziert, Es sind natürlich nicht nur Standortfaktoren, die aber das ist im Verhältnis zur Textil- und Beklei- große Firmen nach Äthiopien bringen, sondern dungsindustrie in den Hintergrund getreten. auch globale Handelsströmen und Freihandelsab- kommen. Deswegen ist es für die internationalen Äthiopien hat, wie sie bereits erwähnten, sehr Firmen attraktiver in Afrika zu produzieren, weil hohe Wachstumsraten erzielt. Warum ist dieses Konzept so erfolgreich? sie mit den bestehenden Freihandelsabkommen in der Regel einen kostenfreien Zugang zu den Einerseits kann man feststellen, dass sich das europäischen und dem US-amerikanischen Konzept der Industrieparks sehr positiv entwi- Markt haben. Das haben sie in Asien nicht. In an- ckelt hat. Ungefähr 23% des Bruttoinlandspro- deren Worten: Selbst wenn globale Transport- dukts entfallen auf die Leichtindustrie. kosten von einem Standort wie Bangladesch oder Andererseits ist die erfolgreiche Ansiedelung China in Richtung USA sehr viel günstiger sind von ausländischen Firmen und von ausländi- und Äthiopien als Landlockcountry sehr viel schen Direktinvestitionen, die inzwischen nach komplizierter ist, können diese Vorteile trotzdem Äthiopien gegangen sind, ein weiterer Faktor, der überwiegen. zum Erfolg beiträgt. Da sind große und klingende Namen dabei wie PVH (ehemals Phillips-Van Was sind weitere Gründe, die für Äthiopien spre- Heusen), die Firma, die die Rechte an den Mar- chen? ken Tommy Hilfiger und Calvin Klein hält, aber Zentraler Bestandteil des äthiopischen Konzepts auch Michael Kors, Seidensticker und Tchibo, ist die staatlich getragene Infrastruktur, die In- 5
Kevin Leske & Carla Unger conditio humana |Nr. 03 dustrieparks werden also vom Staat schlüsselfer- Hochseecontainer kommt, braucht mit dem LKW tig zur Verfügung gestellt, einschließlich zentra- 3 Tage bis Dschibuti. ler Dienste wie etwa Wasserkläranlagen. In asiatischen Ländern müssen Firmen die Infra- Die mangelnde Infrastruktur im Umfeld der In- struktur selbst hinstellen. Aus Sicht der Unter- dustriestandorte ist ein weiteres Thema. Vor dem nehmen ist natürlich auch die unbegrenzte Hintergrund des Entwicklungsgedankens und Verfügbarkeit von Arbeitskräften attraktiv. Denn dem Wunsch, Arbeitsplätze zu schaffen, hat die Äthiopien hat mehr als 100 Millionen Einwohner Regierung die neuen Industrieparks sehr syste- mit einem Durchschnittsalter von 15 Jahren. Je- matisch im gesamten Land verteilt. Dies ge- des Jahr streben 1 Million junge Menschen neu schieht, um nah an den Arbeitskräften zu sein, auf den Arbeitsmarkt. Zudem ist das Lohnniveau und damit alle Bundesstaaten gleichmäßig profi- im Verhältnis sehr viel niedriger als in Asien. Die tieren. Diese Strategie wird also aus einer gesell- hochsubventionierten Energiepreise sind ein wei- schaftspolitischen Perspektive formuliert. Für terer wesentlicher Punkt für Firmen, wie auch die Unternehmen ist das aber nur zum Teil erstre- Steuerfreiheit für mindestens 10-15 Jahre. benswert, da die logistischen Herausforderungen so noch verschärft werden. Denn dort müssten Was sind die Herausforderungen und die Risiken Waren einen langen Weg hinter sich bringen um für Firmen, die in Äthiopien investiert haben? angeliefert oder abgeholt zu werden. Die Herausforderungen für die Firmen sind sehr groß. Die Arbeitsplätze in Äthiopien sind zwar Jetzt wurde vor allem über die Herausforderung seitens der großen Unternehmen gesprochen. kostengünstig, aber in der Regel sind die Arbei- Aber wie wirkt sich die Transformation der ter*innen schlecht oder noch gar nicht ausgebil- Landwirtschaft auf Lokal- oder Kleinbauern det und müssen zunächst noch ausgebildet aus? werden. Es gibt einen hohen turn-over an Ar- Die Strategie im Agrarsektor ist es, mehr Ertrag beitskräften. Im Vergleich haben die Industriali- durch Mechanisierung, d.h. die Nutzung von Ma- sierungsprozesse in Deutschland 250 Jahre schinen zu erwirtschaften. Aber man muss sich gedauert. In Äthiopien passiert dies gleichsam in Folgendes fragen: Über wen reden wir da genau? Monaten. So kann es vorkommen, dass Arbei- Es gibt unterschiedliche Gruppen, über die man ter*innen direkt von der ländlichen Subsistenz- sprechen kann. Es gibt da teilmechanisierte land- wirtschaft in der Fabrik landen. Das ist eine wirtschaftliche Unternehmen. Das sind Personen, schwierige Realität. die das nicht zur eigenen Ernährung machen, sondern um Geld zu verdienen. Diese haben da- Ein weiterer für die Firmen schwieriger Faktor ist mit vermutlich erstmal kein Problem, weil die die Tatsache, dass es in Äthiopien kaum Zuliefer- Verfügbarkeit von Arbeitskräften ungebrochen industrie gibt. Produkte, wie zum Beispiel Reis- ist, da es jede Menge Unterbeschäftigung gibt. verschlüsse, Knöpfe oder Verpackungsmaterial werden alle von außerhalb des Landes importiert. Aus Sicht der Kleinbauern ist das anders. Sie sind Das bedeutet hohe Kosten für Firmen und ist auf die Mitarbeit der ganzen Familie angewiesen. langfristig nicht attraktiv. Wenn da einzelne Mitglieder der Familie abwan- dern, weil sie einen Job im Industriepark finden, Zudem ist die Logistik teuer und zeitaufwendig. dann hat das sicherlich Konsequenzen für die Ar- Der nächste Hafen von Addis Abeba – der Lan- beitsökonomie in einem Haushalt eines Klein- deshauptstadt Äthiopiens – ist 800 Straßenkilo- bauern. meter entfernt. Was in Addis Abeba in den den 6
Kevin Leske & Carla Unger conditio humana |Nr. 03 Aber die Modernisierung findet statt, ob da jetzt 5 Jahren niemand mehr da ist, der Subsistenz- ein Industriepark ist oder nicht. Anders gespro- wirtschaft macht. Das ist alternativlos. Selbst in chen: Ein*e 16-jährige*r hat sowieso nur be- dem positivsten Szenario in Bezug zu dem grenzt Lust darauf in die Fußstapfen der Eltern zu Thema Industrieparks sieht das nicht so aus. treten und in die Subsistenzwirtschaft einzustei- gen und so damit seinen eigenen Lebensunterhalt Baumwolle ist ein wichtiges Gut in der Textilin- zu verdienen. Die wollen etwas anderes machen: dustrie. Die Produktion der Baumwolle in Äthio- pien ist aber noch gar nicht ausgereift. Gib es da In die Stadt gehen, einen normalen Ausbildungs- spezifische Pläne? beruf erlernen oder in die Universität studieren. Das sind die Zukunftsträume der einer Million Ja die gibt es. Aber die Frage ist, wie realistisch Äthiopier, die in jedem Jahr neu auf den Arbeits- diese sind, bzw. was sich kurz-, mittel- und lang- markt kommen. Von daher muss man das ins fristig erreichen lässt. In der Tat kommt Baum- Verhältnis setzten. Aus der Sicht der Heranwach- wolle, die in Äthiopien verarbeitet wird, im senden selbst, wird man vermutlich mit dem, was Wesentlichen nicht aus Äthiopien selbst. Sie ein Industriepark bieten kann, eine bessere Per- kommt nicht mal aus Afrika, sondern aus Asien, spektive erlangen als mit der Perspektive einer weil diese sowohl von den klimatischen Bedin- ländlichen Subsistenzwirtschaft. gungen als auch von den globalen Kostenfakto- ren bislang attraktiver sind. Es ist offensichtlich, Wird es die Subsistenzwirtschaft dann irgend- dass die Baumwollproduktion in Asien aus Per- wann nicht mehr geben? Gibt es da Vorstellun- spektive des Weltmarkts noch sehr viel wirt- gen von der Regierung? schaftlicher ist, als es in vielen afrikanischen Generationen von Regierungsbeamten und Ent- Ländern der Fall ist. Man muss aber auch beden- wicklungsplanern haben sich für afrikanische ken, dass für den Großteil dieser Textilproduk- Länder vorgestellt, dass man in 5-15 Jahren keine tion gar nicht ausschließlich Baumwolle zum Subsistenzwirtschaft hat. Es ist aus gutem Grund Einsatz kommt, sondern auch Mischfasern. Die nie so gekommen. In einem Land wie Äthiopien werden erst recht überwiegend und kostengünsti- sichert die Subsistenzwirtschaft den Lebensun- ger in Asien hergestellt. Das führt zu dem etwas terhalt von 80 Millionen Einwohnern. Das sind paradoxen Ergebnis sich, dass auch wenn sich fast alle, die nicht im städtischen Bereich leben. der Standort der Textilproduktion nach Äthio- Selbst wenn die Industrialisierungsstrategie der pien verlagert, die Produktion der zugrundelie- Regierung hochgradig erfolgreich ist, wird das genden Stoffe sich trotzdem nicht unbedingt weiterhin in den nächsten 10-30 Jahre nur einen kurzfristig ebenso nach Afrika verlagern wird. Teil dieser ländlichen Bevölkerung erreichen. Sie werden auf absehbare Zeit im großen Stil wo- Aus dieser Perspektive wird Subsistenzwirt- anders produziert, um in Äthiopien weiterverar- schaft auf mittlere Sicht weiterhin für das Aus- beitet zu werden. Man ist, sowohl in Äthiopien kommen und Überleben der Bevölkerung in der als auch in Nachbarländern, dran, sich stärker als Fläche wichtig sein. Von daher ist die Antwort: Standort für Baumwollanbau zu etablieren. Ein Nein, es ist weder weg definierbar noch wäre es Beispiel hierfür ist der Sudan. Ansonsten wird in wünschenswert, wenn das auf kurze Sicht weg- vielen anderen afrikanischen Ländern Baum- fällt. Wohl aber reiht sich das ein in sehr langfris- wolle nur sehr kleinbäuerlich hergestellt. Sie ist tige Transformationsprozesse. Man muss sich die damit auf der Ebene von Weltmarktpreisen kaum Frage stellen, was in 50-80 Jahren ist und an die konkurrenzfähig. Es sei denn wir sprechen von Stelle dessen tritt. Die Frage ist nicht, ob jetzt in spezifischen Produkten, wie etwa fair herge- stellte und gehandelte Baumwolle wie ‚Cotton 7
Kevin Leske & Carla Unger conditio humana |Nr. 03 Made in Africa‘. Diese haben inzwischen in ‚Druck im Kessel‘ ist. Ich habe versucht dies an Deutschland einen breiteren Markt gefunden. den ethnischen Konflikten deutlich zu machen. Das heißt unter dem Strich: Ja, Baumwolle Das alles sorgt dafür, dass es relativ stark im kommt zum großen Teil aus Asien, aber Baum- Land brodelt und da ist – etwas zurückhaltend ge- wolle ist nicht das einzige Rohprodukt, dass be- sprochen – der Ausgang noch offen. Obwohl ich nutzt wird, sondern Kunstfasern und optimistisch bin, dass das alles positiv für die Ge- Mischprodukte kommen dazu. Aber es gibt samtentwicklung des Landes ausgeht, gibt es durchaus Bestrebungen, im regionalen Verbund, auch Risikofaktoren, die absurderweise gerade den Herkunftsmarkt Afrika für Baumwollpro- aufgrund der Reform-Dynamik im Raum stehen. dukte zu stärken, um die Textilproduktion in Af- Und das schließt die wirtschaftliche Entwicklung rika damit zu bedienen. mit ein. Wenn diese Konflikte eskalieren, ist das natürlich kein förderliches Umfeld für einen aus- Sie haben Erfolge wie auch Risiken genannt, die ländischen Investor. Der wird im Zweifelsfall Äthiopien verzeichnet. Wie würden sie die Ent- schnell zurückzucken, oder seine Gelder woan- wicklungen persönlich einschätzen? dershin umleiten. Das ist alles das breitere Bild, Die wachsende gesellschaftliche Dynamik seit welches man beachten muss, wenn man da in die April 2018 mit einem neuen Premierminister, der Zukunft schaut. Ich persönlich als Berufsoptimist insgesamt sehr viele Reformen angestoßen hat, folge einer positiven Annahme, aber die Risiken, beinhaltet auch viele wirtschaftliche Reformen. die da im Raum stehen, für das Land insgesamt, Damit wird Äthiopien anschlussfähiger zu dem, sind nicht unerheblich. Es gibt gerade im Bereich was wir in Deutschland und in Europa als Ziel- der ethnischen Konflikte eine ganze Menge an bild verstehen, besonders weil dies nicht nur As- Zentrifugalkräften, die momentan wahrnehmbar pekte einer reinen Marktwirtschaft, sondern einer sind. Gerade deswegen formulieren viele die sozialen Marktwirtschaft hat. Es wird also ein ge- Angst, dass auch Äthiopien den Weg geht, den in sellschaftlicher Ausgleich im Sinne der sozialen Europa Jugoslawien gegangen ist1. Da stehen ein und ökologischen Marktwirtschaft mitgedacht. paar Risiken im Raum, die noch nicht ganz abge- Damit wird versucht, einen Ausgleich zwischen räumt sind. Und die muss man sich schon sehr ökonomischen, sozialen und ökologischen As- deutlich anschauen, auch wenn man nur die Fra- pekten auszuhandeln und herzustellen. In dem gen beantworten will, wie die wirtschaftliche Dy- Sinne bewegt sich Äthiopien stärker als in der namik in den nächsten Jahren weitergeht. Für den Vergangenheit auf einen Wertekontext zu, wie Moment ist Äthiopien ein Erfolgsmodell, inwie- wir diesen aus Europa kennen. Gleichzeitig sorgt weit sich das so Fortschreiben lässt, ist aus mei- diese Reformdynamik an anderen Stellen dafür, ner Sicht eher offen. dass sozusagen gesellschaftlich relativ viel 1 Eine Balkanisierung und eine Aussplitterung in ganz vielen kleinen Zerfall Staaten, die in diesem relativ unübersichtliches politisches Terrain. Mit Negativ-Szenario daraus hervorgehen könnten. 8
conditio humana |Nr. 03 Sabine Tröger World Symposium on Climate Change Communication, Manchester, UM „Committees“, a promising institution in Climate Change Communica- tion and Adaption? and ‘participation’ with the need for ‘communi- Introduction: ‘Committees’, institutional cation’, true communication, which enables in- frameworks of NRM/CCA ter-subjectivity via a mutual exchange of people’s perceptions, interpretations and valua- C oinciding with the claim for decentrali- zation together with the mainstreaming tions, in short: social constructions. In summary, of participatory approaches in develop- committees are taken to be the platform for par- ment practice, we can observe a shift in policies ticipation in realization of the demand for ‘com- to advocate local actors and resource users play a munication’ regarding ‘giving people a voice’. more active role in NRM, which in many cases The presented case study from Ethiopia/South today means climate change adaptation (CCA). Omo reflects on the ambiguous effect of those Decentralization describes the process by which ‘Western’ democratic ideals in their meaning for bundles of entrustments, like regulatory and ex- processes of CC-communication in African envi- ecutive powers, responsibility and authority in ronments. The paper argues that societies, which decision-making, are transferred to local agents, envisage human dignity in a less individualistic which again calls for new institutions and pro- and more cooperative way, do also have a differ- cesses of institution building. ent way of interpreting the role of democratic in- These processes of decentralization come about stitutions. Communication in processes of CCA in the shape of ‘committees’. Committees have is to be based on the recognition of a plurality of mushroomed up in various development contexts forms of democracy and socially adapted institu- all over Africa focusing environments of obvious tions of power and trust. global change, which force local actors to unani- The argument outlines as follows: Following this mously and fundamentally adapt to the irreversi- introduction of the question in focus, the over- ble changes in nature. Informed by the ‘Western’ arching idea of ‘climate change communication’ ideal of democracy, the committees mirror the is related to the one of ‘participation’. These per- principal idea of equal representation and equal spectives are deducted from both, socio-philo- voice. The ideal of ‘participation’ has developed sophical as well as political theses, as these to be the counter-balance to the socio-political in- coincide in their impact on meaningful agency stitution of ‘committees’, which again, following towards climate change adaptation. Subse- prominent discourses on participation, claims to quently, this overarching ideal of participation ‘give people a voice’. The notion of ‘voice’ un- through communication is bound to the national ambiguously links the concepts of ‘committee’ 9
Sabine Tröger conditio humana |Nr. 03 context and related to the history of the ‘develop- the argument refers to a theoretical, overarching ment narrative’ in Ethiopia and the way this nar- perspective. It follows the idea of ‘dispositive’, rative has been and is being communicated. This which Foucault understands as an assemblage of narrative has ever centered around the interplay heterogeneous elements like discourses, institu- between the Government and government agents tions, administrative settings, and philosophical on the one and the actors in local environments, as well as morale guidelines. In accordance with the citizenry both in rural and urban environ- this thesis of discourses, which turn into a justifi- ments, on the other hand. In continuation, the ar- cation of set programs, the analysis aims at a gument depicts the ‘development narrative’, ever thorough understanding of the functional impact defined by the political power, along its historic of climate change communication facilitated by pathway and further develops and outlines to- the ‘political’ in contrast to the ‘police’ in the in- wards the present situation, when institution- terpretation of Rancière. Concluding, perspec- building shows up in the shape of ‘committees’. tives towards some way out of the trap of de- When the argument turns towards the case study politization enforced by westernized committees of the Nyangatom community, an indigenous are offered. The argument reflects on one of the pastoralist society right in the south of Ethiopia most recent discourses centered on ideas of re- is observed and analyzed in its realization of the politicization with reference to Chantal Mouffe1. claimed for climate change communication ‘on She states: the ground’. People, individuals are given a voice, and they are listened to when reflecting on “Societies that envisage human dignity in their perceptions and interpretations of climate a way that differs from the Western under- change adaptation communication as of their ex- standing of human rights also have a dif- perience. The argument concentrates on the artic- ferent way of envisaging the nature and ulation of social constructions, i.e. people’s role of democratic institutions”. interpretations of their experiences with the newly introduced ‘model’ for climate change ad- ‘Communication’ and ‘participation’, two aptation, the model of enclosed rangeland man- meaningful concepts related to adaptation agement. The data is taken from semi-structured to changing environments and climate interviews conducted in March 2015. It reflects change interpretations and perceptions articulated by Nyangatom pastoralists with relation to a climate Only if people can meet on equal grounds of un- change adaptation ‘model’, rangeland enclo- derstanding and interpretation as well as in free- sures, which had been introduced to the commu- dom to articulate their voice they can realize true nity in 2011 until 2012. The interviewees depict communication and, in consequence, true partic- interpretations, which directly relate to them- ipation. The argument links the here focal per- selves and indirectly to the government agents, spective of ‘communication’ with the democratic who were the ones to administratively introduce ideal of participation. People can only participate the technological innovation. The interview-sam- in environmental or climate change adaptation, if ple was taken at random. The data assessment they move on common grounds of understanding cannot claim to be representative quantitatively, and interpretation. There is no meaning in a mes- but it is considered valid, as it was triangulated. sage except what people put into it. Because of Only a small collection of answers and interpre- this reason, climate change adaptation initiatives tative perspective is presented in the paper in should take care of common grounds of under- consideration of gender and age. As a sixth step, standing! Furthermore, to understand human 10
Sabine Tröger conditio humana |Nr. 03 communication processes one must understand The ‘development narrative’ – past and how people relate to each other and to which present pathways and means of develop- framework they refer to. Communication is real- ment communication in Ethiopia ized against the social construction of meaning, which is to be shared and participated in, for the The challenge of ‘development’ has ever and ex- sake of true understanding. plicitly been the agenda of the ‘Ethiopia People Revolutionary Democratic Front (EPRDF), the But processes of communication do not manifest up to today and since 1991 ruling party of Ethio- in the open and freed from structural power, dom- pia. It has turned into the ‘development narra- inance and, on the other hand, exclusion and tive’, which in thematic variations guidelines the voicelessness. Amartya Sen 2 differentiates be- government policies. This ‘development narra- tween the two basic notions of ‘functionings’ and tive’ has evolved from its deep roots in the gov- ‘capabilities’. Functionings he defines as the ernment and people nexus in Ethiopia. It is the state of being and living, while he conceptualizes story of how policy ideas travel from the top to ‘capabilities’ as the actual freedom to access and the bottom4. With its emphasis on the environ- choose between different alternative combina- mental protection context, the development nar- tions of activities or ways of live, alternative op- rative focuses on rehabilitating degraded portunities to choose between different watersheds and promoting water-harvesting combinations of ‘beings and doings’. And, as measures. The current status of the natural re- Paolo Freire claims in his ‘Pedagogy of the Op- source management program is a result of the pressed’3, only when humans can meet in a space state’s use of a combination of hegemony and with no dominant authority they can contribute to governmentality projects to conform citizens into dialogue. In this context, Freire differentiates be- its developmental state ideology. The constitu- tween three levels of consciousness: the naïve- tion allows the regional governments to establish transitive, the semi-transitive, and the critical- sub-regional governments to ensure people’s par- transitive. Only the critical-transitive conscious- ticipation in their own administration and to pro- ness allows its holder to ultimately reach a situa- vide essential services to the citizens5. Hence, in tion of transformation from being a former object principle, the local governments are presumed to to a self-determined subject, which will be able be autonomous, representing and defending the to truly and freely communicate in a given socie- interest of their constituents. tal setting, and only at this moment, participation in this understanding means empowerment. However, as Ayele6 (2011) argues, local govern- ments continue to be part of the controlling appa- Against this background and as a consequence ratus of the state, rather than the representatives the quest for CCAC can only be fulfilled if atten- of interests of their constituents. This is due to an tion is given to the question of which type of con- absence of constitutional provisions on the power sciousness is possibly reached by the ways and and jurisdiction of regional governments and dis- means of ‘communication’ realized in committee trict governments, as well as the exclusive budg- meetings and activities. etary dependence of districts on regional governments. Thus, the centralized party deci- sions determine the national development agenda. Delivery and control of socio-economic advantages such as education, health, agricultural extension and food-for-work schemes have led 11
Sabine Tröger conditio humana |Nr. 03 the party to keep its grip on popular support both contribution towards promoting good gov- in rural and urban areas. ernance and human rights protection”12. The more or less same interventions were and This citation is taken from the Ethiopian Herald, still are being promoted by the governments in one of the Ethiopian daily newspapers in English, succession, labeled NRM, and very often farmers and accordingly meant for the educated upper and their backward practices have been blamed class, mentions three key-words of today’s ‘de- as prime drivers of degradation7. Following the velopment narrative in the country: ‘good gov- 2005 elections, EPRDF was even more explicit ernance’, ‘democratic’ and ‘institution’. The with its developmental state ideology. According argument of the paper will now primarily follow to Gebresenbet8, the state started to portray its de- these three notions and connect these with the velopment plans as a matter of national security. ideal of ‘development’, as analyzed above: The number of party members grew from 760.000 to 5 million in 20109. Party loyalty, es- ‘Governance’ and ‘good governance’, these two pecially in rural areas, is demonstrated by taking related terms indicate the approach towards ‘de- up agricultural practices promoted by the state. velopment’, which is guided by a transparent reg- The thus identified ‘model farmers’, as argued by ulatory framework led by rules and regulations Lefort10, have more to do with party loyalty than and watched by authorities, which have prefera- with farming competence. Hence, the penetration bly been elected in an egalitarian, democratic of the developmental ideology of the state de- way. These notions again introduce the need for pends on the legitimacy and competence in com- institutions, understood as “systems of estab- munication of its party members at the lished and prevalent social rules that structure community level. However, when people refused social interactions”13, in order to govern the pro- to take part in development related activities, the cesses of defining the regulatory framework. The leaders were advised to convince the people on conundrum of ensuring the sustainability of de- the ground by the establishment of by-laws and velopment interventions, again, is assumed to be regulatory principles of punishment. This mind- solvable by the proper involvement of beneficiar- set is, as argued by Hurni et al.11, in general, and ies in the supply and management of resources, all over Ethiopia evident in slow adoption of soil services and facilities. Participation has become conservation measures and the failure of farmers an act of faith in development, something, which to understand the importance of sustainably using is believed in and rarely questioned. ‘Participa- their natural environment. Very obviously, com- tion’ is even claimed to be the new paradigm of munication in favor of the development narrative development. Taking the concepts of institutions has reached its limits! and participation together theorizes that institu- tions help to formalize mutual expectations and cooperative behavior, allow the exercise of sanc- Committees: institutionalizing the ‘devel- tions for non-cooperation and thereby reduce the opment narrative’! costs of individual transactions. Associations, “Ethiopia, as a democratic country, has committees and by-laws channel participation in been striving to work for the realization of predictable and recognizable ways, the aim of good governance from which the public many development interventions apparently be- benefit from all spheres. … Indeed, demo- ing community structures that most clearly mir- cratic institutions could make a critical ror bureaucratic structures. 12
Sabine Tröger conditio humana |Nr. 03 Organizational approaches to institutions again social constellations on the ground, which had contain two strong and conflicting ideas about known some means and ways of mutual consen- participation. The focus on committee-like insti- sus finding by their own constitution as such. The tutions is associated with participation through Nyangatom, one of the unique pastoralist ethnic democratic representation and on the process of groups of Ethiopia’s south, situated in South election or selection of the committee members. Omo, numbering about 10.000 people and classi- And, additionally, there is also a strong assump- fied as UNESCO World Cultural Heritage, has, tion that meaningful participation in community like its neighboring pastoralist communities, ever meetings realizes by verbal contributions, i.e. since been guided by an ‘age-group system’. The verbal communication. It is assumed that people system is constituted by five age-groups: chil- will find it in their rational and individual interest dren, youths, herders of 25-50 years, the political to participate by giving themselves a voice, due class of the ‘elephants’ aged 50-65 years, and the to the assurance of benefits to ensue – with rela- very old and wise men in the role of spiritual tion to the material benefits of public goods – or, guides. to a lesser degree, to take over responsibility. Par- aphrases like: Members of pastoralist communities interpret this system as follows: “a village-level committee as the primary CBNRM (community based natural re- “The elders used to manage the grazing source management) organizations”, or land by telling the herders to shift from “The local community steering committee pasture to pasture. They sent young herd- is the representative body that screens all ers to check the condition of the grass, and proposals for community development then they decided on the migration paths. grants”14 If someone was seen taking his animals to the forbidden areas, he would be punished. match with the Ethiopian perspective in democ- But punishment is not constant. It will vary racy development, as expressed above. from people to people and it depends on the severity of the action” (Soya Kurupa, Natural resource management, as can be con- man – 14th March 2015, approx. 42 years). cluded, has in general been handed over to the governance of the local community. This govern- “The cultural management has no written ance will articulate in the very same constellation rules and regulations, because once the el- of a democratic ideal irrespective of given spe- ders pass the decision, no one will disobey. cific social and cultural frameworks. Informed by It is a management, where everyone has to the ‘Western’ ideal of democracy, the commit- obey. We have grown up with it, so we like tees mirror the principal idea of equal representa- it very much” (Moru Lomarle, woman – tion and equal voice. 12th March 2015, approx. 55 years). By listening to the people’s voice the modern Giving people a voice: committees, path- idea of committees does not match with the cul- ways of communication for CCA- turally established and believed in articulation of adaptation among the Nyangatom? authority and representation. Seen from a west- The outlined and to our ‘Western European’ eyes ern perspective the expressed obedience might normal and customized ideal of democracy meets not appear ‘right’ and equivalent, but it repre- 13
Sabine Tröger conditio humana |Nr. 03 sents customary regulations and a sense of be- stock and people in resource-scarce, cli- longing. Especially the emphasis on a fair, so- matically marginal and highly variable cially reflected and balanced execution of conditions”16 established rules and regulation contrasts the per- ception of today’s realization of power and au- In contrast to this optimistic interpretation does thority, as will be demonstrated below. the climate change imperative of recent dimen- sions emphasize that ‘coping’ with climate ‘vari- By the numerous anthropological studies con- ation’, as exercised by generations, does not ducted in South Omo pastoralist ethnic environ- work as it used to. Climate ‘variation’ has been ments the pastoralist age-group system, as replaced by climate ‘change’, which turns former depicted in the citation, is to be considered semi- coping measures inadequate and meaningless. In democratic, as it initially bases on processes of consequence, measures for climate change ‘adap- mutual consensus finding among the age groups tation’ were the demand of the hour especially in and within the politically decisive age-group of 2011, when climate change impacts paired with the ‘elephants’, the 4th age-group. This political El Niño effects. This crisis scenario seemingly age-group is initiated on agreement of the whole was and still is being repeated in 2016 until to- community. On the other hand does the system day, 2017, which again evokes memories of the not integrate women or young men into decision 1984 famine. taking, though women do have a voice and are listened to with relation to their specific fields of Answering the ultimate challenge of this sce- tasks and responsibilities. The pastoralist age- nario, the very ‘model’ of climate change adap- group system is not ‘democratic’ and ‘egalitar- tation 17 in pastoralist environments and ian’ in a ‘Western’ understanding, but it is surely livelihood systems, the Enclosed Rangeland representative in the sense of mutual consensus Management Scheme, was introduced to the finding among the most respected group of well Nyangatom community in 201118, accompanied recognized wise community members, the elders by the installment of a ‘committee’ in 2013 in ac- and as well the wise women. cordance with the above outlined pattern to dem- ocratically govern this technical innovation. The Global Environmental Change is ever pre- sent and has a serious impact. The Nyangatom To reflect on the meaning of this step, the follow- inhabit an environment, which is one of the most ing benchmarks accompanying the idea of ‘en- threatened by the climate change imperative in closure’ are to be considered: Pasture is a the country. As unanimously highlighted by em- pastoralist resource, and also a key social re- pirical qualitative data from 2009 and 201015, this source. The worry is that this means of survival impact has explicitly taken shape for about the will find its way into markets as a commercial last 20 years by now. Especially, when paralleled commodity. Nowadays, enclosures are the most by El Niño effects, the climate change imperative important (and negative) change within the cus- does not leave any space for maneuver to the ac- tomary pastoralist domain19. An enclosure does tors within their pastoralist livelihood system. In not represent a formal private property (full own- spite of the notion of a pastoralism as ership), but it fulfills the first four bundles of rights classified by Schlager and Ostrom 20 as “the finely-honed symbiotic relationship “access, withdrawal, exclusion and manage- between local ecology, domesticated live- ment”. Customarily, the legitimate ‘owner’ unit of an enclosure is a village or some households 14
Sabine Tröger conditio humana |Nr. 03 or families, but there is a growing tendency for “Enclosing becomes a strategic action to elite pastoralists to fence an area arguing that isolate a resource unit from the commons, they have huge herds and need extra pasture. As serving the purpose of ‘legitimizing’ indi- pressures increase on open ranges, the effective- vidual action”24. ness of traditional enclosures is getting weaker and trespassers have become more frequent. As a consequence, the system of rangeland en- closures has created a new threat to herders’ live- In general, property rights among (agro-) pastor- lihood security when practiced on a large scale. alists in Ethiopia are recognized as a clan-based Land use policies that favor private grazing en- common property. Reserving a section of range- closures, using informal practices as entry points, land for later use has always been an integral part can potentially contribute to rangeland degrada- of the pastoralist land use system. But this reser- tion and a rise in internal disputes. vation was done by to follow customary arrange- ments as described above. In consequence, the most important change in pastoralist livelihoods is the physical fencing of areas. Since the mid- 1970s, the expansion of range enclosure has been observed among different pastoralist groups in Ethiopia, primarily in eastern Ethiopia and Borana territory. As communal rangelands sup- port multiple users, roaming around to fulfill the biological needs of their herd, the expansion of Woman collecting fencing material for a range enclosure enclosure and private land use has started to re- (© by Sabine Tröger) shape the relationship between multiple users. An attempt to examine the effects of enclosure A mid-term summary of the argument above reminds us Hardin’s statement that “every new highlights a potential conflict line demarcated by enclosure of the commons involves the infringe- the structural logic and power rooted in the con- ment of somebody’s personal liberty”21. frontation between the basic constituents of the institution ‘committee’ on the one and intra-gen- The negative effects of rangeland enclosures are erationally transferred and long established rules not limited to the enclosures as such. and regulations in the field of political power and representation in the Nyangatom society, on the Processes of societal transformation are taking other hand. Embedded in these two demarcation place as emphasized by Dida22: ‘livestock was in- lines, we find the agro-technical innovation of itially monetized, then livestock products like ‘rangeland enclosures’, which by their disposi- milk, meat, hides, now the resources that support tion enforce the establishment of some societal livestock production are being monetized’. Since institution to govern these threats, which are investment in enclosing land requires the use of rooted in the very structural power of any enclo- trees from communal land to construct thorn sure established on formerly mutually reclaimed fences, serving as a demarcation of the boundary grazing grounds, the commons. of the enclosed area, it reduces the resource base for browsers. This leads to conflicts of interest Starting from this recognition, the following ar- between those enclosing and others rearing gument turns towards the perspective of ‘com- browsers like goat and camel over resource use.23 munication’ in the tentative realization of climate 15
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