Zuwanderung nach Deutschland von 1945 bis heute
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Z U WA NDE R U NG NA CH DEUTSCH LAN D VON 1945 BI S H EUTE
uwanderung nach Deutschland
Z
von 1945 bis heute
Prof. Dr. Lars P. Feld, Dr. Annabelle Doerr, Patrick Hirsch, Christoph Sajons, Ph.D., Freiburg i.Br.
Deutschland ist ein Einwanderungsland. Diese der Gesamtbevölkerung (vgl. Abbildung 2). Zur
Tatsache hat sich nicht aus politischen Vorgaben Gruppe der Menschen mit Migrationshinter-
der jüngeren Geschichte ergeben, sondern ist be- grund zählen alle Personen mit eigener Migrati-
reits seit Jahrhunderten fester Bestandteil der onserfahrung sowie deren direkte Nachfahren.1
Bevölkerungsentwicklung dieses Landes. Dabei
sind die Beispiele für Zuwanderung nach Im folgenden Kapitel wird die Geschichte Deutsch-
Deutschland ebenso zahlreich wie unterschied- lands als Einwanderungsland seit 1945 dargestellt.
lich – von der Immigration der französischen Anschließend wird auf die aktuelle asylbedingte
Hugenotten, die im 17. Jahrhundert vor religiö- Zuwanderung seit 2015 eingegangen.
ser Verfolgung flohen, über die Arbeitsimmigra-
Deutschland ist seit tion vor allem aus Süd- und Osteuropa während
Mitte der 1950er- der Industrialisierung im 19. Jahrhundert bis zur
Jahre ein Netto- Zuwanderung der sogenannten Gastarbeiter
Einwanderungsland. während des Wirtschaftswunders. Ende der
1980er-Jahre und nach dem Mauerfall kam es zu
einer weiteren Episode der Zuwanderung nach
Deutschland, die vor allem durch Asylbewerber
aus Ost- und Südosteuropa gekennzeichnet war.
Diese flüchteten in großen Zahlen aus den Kri-
sengebieten des Jugoslawienkrieges. In der Zeit
danach sanken die Zuwanderungszahlen nach
Deutschland aufgrund eines verschärften Asyl-
rechts und erreichten im Jahr 2008 einen Tief-
stand. Im Rahmen des EU-Freizügigkeitsabkom-
mens stiegen die Zuwanderungszahlen seither
wieder an. Dieser Trend wird seit dem Jahr 2014
durch die Fluchtmigration aus den Krisengebie-
ten in Syrien und dem Irak verstärkt. Insgesamt
sind seit Beginn der systematischen Erfassung
der Wanderungszahlen im Jahr 1950 im Saldo
deutlich mehr Menschen nach Deutschland zu-
gezogen als ausgewandert (vgl. Abbildung 1).
Deutschland musste also mit mehreren Ein
wanderungswellen unterschiedlichen Charak-
ters umgehen. Alleine im Jahr 2015 sind mehr als
2,1 Millionen Menschen zugezogen. Dies ist der
höchste Wert seit der Gründung der Bundesre-
publik. Damit lebten in diesem Jahr mehr als 17,1 1 Statistisches Bundesamt (2016). Bevölkerung und
Erwerbstätigkeit. Bevölkerung mit Migrations
Millionen Menschen mit Migrationshintergrund hintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus 2015,
in Deutschland. Dies entspricht rund 21 Prozent Wiesbaden, S. 4.
10 Malteser Migrationsbericht 2017ZUWAN D E R UN G N ACH DE UT S CHL AN D V ON 1 9 4 5 BIS H EU T E
Abbildung 1:
Zuzüge, Fortzüge und Wanderungssaldo (in Millionen) für Deutschland von 1950 bis 2015
2.5
2
1.5
1
0.5
0
-0.5
1950
1952
1954
1956
1958
1960
1962
1964
1966
1968
1970
1972
1974
1976
1978
1980
1982
1984
1986
1988
1990
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
2014
Wanderungssaldo Zuzüge Fortzüge
Quelle: Statistisches Bundesamt, 2017.
17,1 Mio
Abbildung 2:
Bevölkerung (in Tausend) mit und ohne
Migrationshintergrund im Jahr 2015
64.286 MENSCHEN IN DEUTSCHLAND HABEN EINEN
MIGRATIONSHINTERGRUND. DAS ENTSPRICHT
21 PROZENT DER GESAMTEN BEVÖLKERUNG.
5.023
16,7 %
4.323
6.430
DER PERSONEN MIT MIGRATIONSHINTER
1.342
GRUND STAMMEN AUS DER TÜRKEI UND
BILDEN DAMIT DIE GRÖSSTE ZUWANDERUNGS
GRUPPE, VOR POLEN MIT 9,9 PROZENT UND
RUSSLAND MIT 7,1 PROZENT.
Ohne Migrationshintergrund
11,5 Mio
Deutsche mit eigener Migrationserfahrung
Deutsche ohne eigene Migrationserfahrung
Ausländer mit eigener Migrationserfahrung
Ausländer ohne eigene Migrationserfahrung
Anmerkung: Gesamtbevölkerung: 81.404.000 Menschen. MENSCHEN, ALSO 14,1 PROZENT DER GE
SAMTEN BEVÖLKERUNG, HABEN EINE EIGENE
Quelle: Mikrozensus des Statistischen Bundesamts, 2015. MIGRATIONSERFAHRUNG.
11Z U WA NDE R U NG NA CH DEUTSCH LAN D VON 1945 BI S H EUTE
Geschichte Deutschlands als Einwanderungsland
Nachkriegsmigration aus den ehe bedeutete dies einen spürbaren Verlust an gut
maligen deutschen Ostgebieten qualifizierten, jungen Arbeitskräften.2
und der DDR (1945 bis etwa 1960)
Ein besonderes Kapitel der Migrationsgeschichte
Deutschlands stellen Flucht und Vertreibung von Anwerbung von Gastarbeitern
Deutschen aus Mittel- und Osteuropa dar. Bis (1955 bis 1975)
zum Jahr 1950 waren aus den ehemals deutschen
Ostgebieten, aus Polen, der UdSSR, Ungarn, Ru- Nach dem Ende der Mangelwirtschaft der unmit-
mänien, Jugoslawien und der Tschechoslowakei telbaren Nachkriegszeit stieg das Wirtschafts-
ca. 11,9 Millionen Personen nach Deutschland wachstum ab Mitte der 1950er-Jahre deutlich
eingewandert, davon 7,9 Millionen in die Bun- an, und die Anzahl der Arbeitslosen sank. Die
desrepublik und vier Millionen Menschen in die explodierende Nachfrage nach Arbeitskräften
DDR. Diese Herausforderung wurde zusätzlich konnte allein mit den Zuwanderern aus den ehe-
verschärft durch die Tatsache, dass das vom mals deutschen Ostgebieten nicht mehr gedeckt
Krieg zerstörte Deutschland elementare Proble- werden. Deshalb schloss die Bundesrepublik eine
me wie eine gravierende Wohnungsnot, Hunger Reihe von Abkommen zur Anwerbung soge-
und einen Mangel an lebenswichtigen Gütern zu nannter Gastarbeiter ab. Das erste Abkommen
bewältigen hatte. wurde im Jahr 1955 mit Italien geschlossen. Es
folgten Abkommen mit Spanien (1960), Griechen-
Die hohe Anzahl der Flüchtlinge und Vertriebe- land, der Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal
nen wurde von einem Großteil der eingesessenen (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968).
Bevölkerung als Belastung empfunden. Neben Bis 1960 blieb der Zuzug mit insgesamt ca. 330.000
den existenziellen wirtschaftlichen Nöten, die Arbeitern jedoch relativ gering. Nachdem der
sich mit der Währungsreform 1948 und dem dar- Bau der Berliner Mauer die Binnenmigration ab-
auf folgenden Aufschwung besserten, wurden rupt beendete, kam es zu einem starken Anstieg
nicht zuletzt kulturelle Unterschiede wie Dialekt der Anzahl der Gastarbeiter, sodass Ende 1964
oder Konfession problematisiert und führten zu bereits 1,2 Millionen Ausländer in Westdeutsch-
Konflikten im Alltag. Dass diese Einwanderung land lebten, was 2,1 Prozent der Gesamtbevölke-
heute rückblickend als Erfolgsgeschichte bewer- rung entsprach. Die größten Gruppen bildeten
tet wird, liegt daran, dass das Arbeitskräftepoten- dabei die Italiener, die Griechen und die Spanier
zial der „Heimatvertriebenen“ unmittelbar für mit Zuzügen von über 430.000 Gastarbeitern im
den Wiederaufbau zur Verfügung stand, waren Jahr 1964 (vgl. Abbildung 3). Als im Jahr 1973 die
sie doch einerseits gleichwertig zur einheimi- Anwerbung von Gastarbeitern im Zuge des Öl-
schen Bevölkerung qualifiziert und andererseits preisschocks eingestellt wurde, lebten ca. vier
flexibel, aufstiegswillig und leistungsbereit. Den- Millionen Ausländer in Deutschland. Diese An-
noch war die Flucht für die meisten Betroffenen zahl stieg Ende der 1970er Jahre mit dem einset-
vorübergehend mit einem massiven sozialen Ab- zenden Familiennachzug weiter an. Gleichzeitig
stieg verbunden.
Eigenschaften wie eine hohe Flexibilität und Leis-
tungsbereitschaft brachten in besonderem Maße
auch die etwa 2,7 Millionen Binnenflüchtlinge
mit, die bis zum Mauerbau 1961 aus der DDR in 2 Herbert, Ulrich (2014). Geschichte Deutschlands im
die Bundesrepublik übersiedelten. Für die DDR 20. Jahrhundert, München, S. 623 und 677–680.
12 Malteser Migrationsbericht 2017Italienische und griechische Gastarbeiter der ersten Stunde
wuchs die Anzahl der ausländischen Erwerbstä- aus. Dementsprechend orientierten sie sich am Die Anwerbung von
tigen auf etwa 2,1 Millionen im Jahr 1980.3 Lebensstandard und am Preisniveau ihres Hei- Gastarbeitern war
matlandes. Im Vergleich dazu war das in Deutsch- sowohl für die
Da die deutschen Unternehmen Arbeitskräfte für land erwirtschaftete Geld die Grundlage für die Entsendeländer als
niedrig qualifizierte Jobs in der industriellen Pro- Verbesserung ihrer dortigen sozialen Lage.5 auch für Deutsch-
duktion suchten, wanderten mit den Anwerbeab- land wirtschaftlich
kommen hauptsächlich ungelernte Arbeiter nach Diese Politik wurde von beiden Seiten als vorteil- vorteilhaft.
Deutschland.4 Rund 90 Prozent der Gastarbeiter haft angesehen. Für die deutsche Wirtschaft
waren in der Industrie tätig und erhielten durch stand die dämpfende Wirkung auf die Lohn- und
ihre meist an- und ungelernten Tätigkeiten rela- Preisentwicklung sowie die Verhinderung eines
tiv niedrige Löhne. Zugleich war für die meisten Arbeitskräftemangels im Vordergrund. Gleich-
von ihnen der Anreiz hoch, besonders schwere zeitig konnten die Entsendeländer ihre Arbeits
Tätigkeiten und Überstunden zu akzeptieren, losenzahlen senken und die Qualifikation ihrer
denn wie der deutsche Staat gingen sie von einem Erwerbsbevölkerung verbessern.
zeitlich begrenzten Aufenthalt in Deutschland
Der Anwerbestopp von 1973 stellte die Gastar-
3 Münz, Rainer; Ulrich, Ralf (2000). „Die ethische und beiter vor die Entscheidung, entweder in ihr
demographische Struktur von Ausländern und
Zuwanderern in Deutschland“, in: Alba, Richard; Heimatland zurückzukehren oder dauerhaft in
Schmidt, Peter; Wasmer, Martina (Hg.). Deutsche und Deutschland zu bleiben und ihre Familien nach-
Ausländer: Freunde, Fremde oder Feinde? Empirische
Befunde und theoretische Erklärungen, Blickpunkt
zuholen. Die Anzahl der Menschen, die durch
Gesellschaft 5, Wiesbaden, S. 11–53.
4 Münz, Rainer; Ulrich, Ralf (2000). 5 Herbert (2014). S. 788–791.
13Z U WA NDE R U NG NA CH DEUTSCH LAN D VON 1945 BI S H EUTE
den Familiennachzug in den 1970er-Jahren nach „Deutsche Migration“ der Aussiedler
Westdeutschland kamen, lag nur wenig unter und Spätaussiedler
der Anzahl der Rückkehrer. Auf den hohen Fa-
miliennachzug war die Politik nicht eingestellt Als Aussiedler oder ab dem Jahr 1993 amtlich als
und den Herausforderungen, die dieser für das Spätaussiedler werden in Osteuropa lebende
Bildungssystem und den Kulturtransfer mit sich Deutsche oder deutschstämmige Minderheiten
brachte, nicht gewachsen. Das zentrale Problem bezeichnet. Im Rahmen der Ostverträge, die in
einer dauerhaften Zuwanderung dieser Art war den Jahren 1970 bis 1973 geschlossen wurden,
die schleppende Entwicklung bei der beruflichen wurde die Ausreisefreiheit der oftmals benach-
Ausbildung und dem Erlernen der deutschen teiligten Minderheiten vereinbart. Bis Ende der
Sprache.6 Im Jahr 1984 betrug der Anteil der an- 1980er-Jahre kamen rund 1,5 Millionen Aussied-
oder ungelernten Arbeiter in dieser Bevölke- ler in die Bundesrepublik, zwischen 1988 und
rungsgruppe noch immer 70 Prozent. Durch eine 1998 waren es ca. 2,5 Millionen Menschen, davon
Politik der „Integration auf Zeit“ wurde die sozi- allein rund 400.000 im Jahr der deutschen Wie-
ale und gesellschaftliche Eingliederung nicht ak- dervereinigung. Seither geht die Zuwanderung
tiv gefördert. Stattdessen war es z. B. eines der dieser Gruppe stetig zurück, sodass in den Jah-
Ziele im Schulsystem, den Kontakt der Kinder ren von 1999 bis 2014 noch etwa 490.000 Perso-
zur Heimatkultur zu bewahren, um ihnen eine nen als Spätaussiedler immigriert sind. Der
spätere Rückkehr offenzuhalten.7 Rückgang und das allmähliche Auslaufen sind
nicht zuletzt auf gesetzliche Änderungen im Jahr
6 Göktürk, Deniz; Gramling, David; Kaes, Anton (2007). 2006 zurückzuführen, die nur noch Deutsch-
Germany in Transit. Nation and Migration 1955–2005, stämmigen, die vor dem Jahr 1992 geboren wur-
Berkeley et al., S. 23–25.
den, die Spätaussiedlereigenschaft zusprechen.8
7 Herbert (2014). S. 989f.
Der größte Teil der Spätaussiedler stammte aus
den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetuni-
„Wir werden die Aussiedler, die jetzt on, aus Polen und Rumänien. Bis zum Jahr 1992
neu hierhergekommen sind, verlief ihre Übersiedlung unbürokratisch, da sie
als Deutschstämmige Anspruch auf die deutsche
beschenken. Aber ich füge hinzu: Sie Staatsbürgerschaft hatten. Infolge des Kriegsfol-
beschenken uns auch. Sie beschenken genbereinigungsgesetzes von 1993, das nur noch
Deutschstämmigen in den Ländern der ehemali-
uns dadurch, dass sie ein Signal der gen Sowjetunion ein Kriegsfolgeschicksal und
Hoffnung in sich tragen, dass sie damit einen Vertreibungsdruck zuspricht, san-
ken die Einwanderungszahlen dieser Gruppe
nicht aufgegeben haben, dass sie über deutlich. In der Summe hat Deutschland zwi-
ein Jahrzehnt, zum Teil über schen 1950 und 2015 ca. 4,5 Millionen Aussiedler
aus Ostmittel- und Osteuropa aufgenommen.9
Jahrzehnte hindurch das Ziel vor
Augen hatten und als unverrückbares
Ziel vor Augen behielten: in die alte
Heimat, in ihr Vaterland 8 Worbs, Susanne; Bund, Eva; Kohls, Martin; Babka von
zurückkehren zu wollen.“ Gostomski, Christian (2013). (Spät-)Aussiedler in
Deutschland – Eine Analyse aktueller Daten und
Forschungsergebnisse, Forschungsbericht 20, Bundesamt
Bundeskanzler Helmut Kohl, 10. Dezember 1982, für Migration und Flüchtlinge, S. 7.
bei einem Besuch im Grenzdurchgangslager Friedland
9 Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2016). Migra
vor Aussiedlern aus dem Osten
tionsbericht 2015 im Auftrag der Bundesregierung,
Bundesministerium des Innern (Hg.), Nürnberg, S. 161.
14 Malteser Migrationsbericht 2017ZUWAN D E R UN G N ACH DE UT S CHL AN D V ON 1 9 4 5 BIS H EU T E
Abbildung 3:
Zuzüge nach Deutschland aus ausgewählten Herkunftsregionen von 1964 bis 1980
14.000.000
12.000.000
10.000.000
800.000
600.000
400.000
200.000
0
1964
1965
1977
1980
1966
1968
1972
1971
1973
1975
1979
1969
1978
1970
1967
1976
1974
Afrika Asien Europa Portugal Spanien Griechenland Italien
Anmerkungen: Es werden Zuzüge aus den Kontinenten Afrika, Asien und Europa, darunter ausgewählte Herkunftsländer der
Gastarbeiter, betrachtet. Die Daten sind ab 1964 veröffentlicht. Sie werden für die Türkei nicht gesondert ausgewiesen, da die Türkei
in den Statistiken dem europäischen Kontinent zugerechnet wird.
Quelle: Statistisches Bundesamt, 2017.
4,5 Mio
(SPÄT-)AUSSIEDLER SIND SEIT 1950
1,2 Mio
AUSLÄNDER LEBTEN BEREITS 1964 IN
NACH DEUTSCHLAND GEKOMMEN. WESTDEUTSCHLAND.
3,1 MILLIONEN LEBTEN IM JAHR 2015
IN DER BUNDESREPUBLIK.
36,5 %
ALLER PERSONEN MIT MIGRATIONS
90 %
DER GASTARBEITER WAREN IN
HINTERGRUND STAMMEN AUS GAST DER INDUSTRIE TÄTIG.
ARBEITER-ANWERBESTAATEN.
15Z U WA NDE R U NG NA CH DEUTSCH LAN D VON 1945 BI S H EUTE
Das Grenzdurchgangslager Friedland – ein offenes Kapitel
deutscher Migrationsgeschichte
Von Dr. Joachim Baur und Eva Völker, Museum Friedland
Mehr als vier Millio „Friedland war für mich die Ankunft an einem Auch die spätere innerdeutsche Grenze verläuft
nen Menschen haben Ort, der zwar fremd war, da war nicht das nahe dem Lager. So kommt es, dass zahlreiche
das Grenzdurch- Gefühl, ich bin zu Hause, aber ich bin gewollt. Flüchtlinge aus der DDR über Friedland in den
gangslager Friedland Der Krieg ist vorbei und auch die Flucht, und Westen gelangen. Von der Gründung der beiden
in den letzten jetzt geht es weiter.“ Annelie Keil erinnert sich, deutschen Staaten bis zur Öffnung der Mauer
70 Jahren passiert. wie sie als Kind 1947 ins Grenzdurchgangslager sind es 3,5 Millionen Menschen, die aus der
Darunter sind Friedland kam. Aus dem Bereich des heutigen DDR in die Bundesrepublik fliehen. Eine von
Flüchtlinge, Vertrie- Polen war sie mit ihrer Mutter gegen Kriegs ihnen ist Gisela Golsch: „Friedland bedeutet mir
bene und Ausgewie- ende vor der heranrückenden Roten Armee eigentlich auch Tor zur Freiheit. Die Freiheit, die
sene, entlassene Richtung Westen geflohen. Sie ist einer von ich hier bekommen habe, die hatte ich vorher
Kriegsgefangene und mehr als vier Millionen Menschen, die das nicht. Man konnte sich bewegen, man konnte
Displaced Persons, Lager in den letzten 70 Jahren passiert haben. hingehen, wo man wollte, man konnte sagen,
Aussiedler und was man wollte. Das war neu.“
Spätaussiedler, Das Grenzdurchgangslager Friedland bei
Schutzsuchende Göttingen ist eines der ältesten Flüchtlingslager Mit der „Operation Link“ beginnt 1950 die
aus vielen Teilen Deutschlands. Von seiner Gründung im Herbst Aufnahme von Aussiedlern, d. h. Deutschen aus
der Welt. 1945 bis heute spiegelt es die Dynamiken von Ost- und Mitteleuropa. Wie ein roter Faden zieht
Migration, aber auch die Versuche, sie zu sich ihre Ankunft durch die Geschichte Fried-
steuern und zu kontrollieren. Im Lauf der Jahre lands – von 1950 bis heute sind 4,5 Millionen
kamen ganz unterschiedliche Gruppen von Aussiedler nach Deutschland gekommen, etwa
Menschen an: Flüchtlinge, Vertriebene und die Hälfte von ihnen über das Grenzdurch-
Ausgewiesene, entlassene Kriegsgefangene und gangslager. Damit sind sie eine der größten
In den ersten fünf Displaced Persons, Aussiedler und Spätaussied- Zuwanderergruppen in der Geschichte der
Jahren der Geschich- ler, Schutzsuchende aus vielen Teilen der Welt. Bundesrepublik und mit Abstand die größte im
te des Grenzdurch- An der Herkunft der Ankommenden lässt sich Lager Friedland. Ursprünglich kommen sie
gangslagers bis 1950 ein wichtiges Kapitel der deutschen Migrations- vorwiegend aus Polen und Rumänien, seit der
sind es Deutsche, die geschichte ablesen. Davon erzählt das im März Öffnung des Eisernen Vorhangs vor allem aus
das Lager bewohnen, 2016 eröffnete Museum Friedland, das u. a. Russland, aber auch aus Kasachstan oder
als Flüchtlinge aus die Schicksale von Zeitzeugen wie Annelie Keil Kirgisien. Darüber hinaus hat die Bundesrepub-
der DDR und als zugänglich macht. lik seit 1991 mehr als 200.000 jüdische Einwan-
Aussiedler. derer aus der ehemaligen Sowjetunion als
Nach dem Zweiten Weltkrieg sind in Deutsch- Kontingentflüchtlinge aufgenommen.
land Millionen Menschen unterwegs. In
verschiedene Richtungen passieren sie die Mitte der 1950er-Jahre nimmt das Grenzdurch-
Grenzen der Besatzungszonen. Die britische gangslager die ersten internationalen Flüchtlin-
Militärverwaltung versucht, den Zuzug in ihre ge auf: Ungarn, die nach der Niederschlagung
Zone zu kontrollieren und richtet zu diesem des Volksaufstandes durch die sowjetische
Zweck das Lager Friedland bei Göttingen ein. Armee in den Westen gehen. In den Jahren
Der Standort ist ideal, da dort die britische 1956/57 reisen 13.000 Flüchtlinge aus Ungarn in
Besatzungszone an die amerikanische und die die Bundesrepublik ein. 3.500 von ihnen werden
sowjetische grenzt. zunächst in Friedland untergebracht.
16 Malteser Migrationsbericht 2017ZUWAN D E R UN G N ACH DE UT S CHL AN D V ON 1 9 4 5 BIS H EU T E
Im Dezember 1978 erreichen erste Boatpeople aus Vietnam das Lager Friedland. Schaulustige werden durch Polizisten und Mitarbeitende des
Deutschen Roten Kreuzes abgehalten, damit die Flüchtlinge aussteigen können
Das Ende des Ost-West-Konflikts Ende der über Friedland. Genau wie Annelie Keil, die es Nach dem Ende des
1980er-Jahre ist im Lager Friedland deutlich vor 70 Jahren dorthin verschlug. Die heute Kalten Krieges
spürbar. Viele Menschen nutzen die nun offenen 78-Jährige hat erst im Alter begonnen, sich mit spiegelt das Lager
Grenzen und kommen als Aussiedler in die ihrem Flüchtlingsschicksal auseinanderzuset- Friedland nicht mehr
Bundesrepublik. Um die Einwanderung zu zen: „Das Thema geht immer weiter, immer in erster Linie die
begrenzen, regelt die Bundesregierung das wieder sind Millionen Menschen in dieser Welt Folgen des Zweiten
Verfahren der Anerkennung mehrfach neu. unterwegs, darunter auch alte Menschen. Sie Weltkriegs, sondern
suchen irgendwo einen Ort, wo sie dann die globalen Krisen-
Mit zurückgehenden Aussiedlerzahlen ver wenigstens in Ruhe sterben können. Das darf herde von heute.
ändert sich das Lager Friedland: Aus der man nicht vergessen.“
Aufnahmeeinrichtung für Deutsche wird nach
und nach eine für Menschen aus aller Welt.
Damit spiegelt das Lager Friedland nach Ende
des Kalten Krieges nicht mehr in erster Linie
die Folgen des Zweiten Weltkriegs, sondern die
globalen Krisenherde von heute. Aktuell
stammen die meisten Personen, die nach
Deutschland fliehen, aus Syrien, dem Irak, Iran
und Afghanistan. Viele von ihnen kommen
17Z U WA NDE R U NG NA CH DEUTSC H LAN D VON 1945 BI S H EUTE
Asylbedingte Zuwanderung Konkurrenz am Arbeitsmarkt, um Wohnraum
und um Sozialleistungen wahr.10 In der damali-
Neben den bisher vorgestellten Einwanderungs- gen innenpolitischen Debatte wurde die Zahl der
gruppen spielten Asylsuchende lange Zeit eine Asylbewerber und ihr Anteil an der Zuwande-
zu vernachlässigende Rolle. Erst im Jahr 1980 be- rung jedoch stark überschätzt. Während im Zeit-
trug ihre Anzahl über 100.000 Personen in einem raum von 1990 bis 1994 ca. 1,5 Millionen Personen
Jahr (vgl. Abbildung 4). Ursächlich war dabei der in Deutschland Asyl beantragten, kamen weitere
Militärputsch in der Türkei. Später führten der 2,1 Millionen durch Familiennachzüge oder im
Niedergang der kommunistischen Regime in Rahmen ihrer Rechte als EG-Bürger vor allem
Der Asylkompromiss Osteuropa und insbesondere der Zerfall Jugosla- nach Westdeutschland. Im Vergleich dazu war
führte zu einem wiens ab dem Jahr 1988 zur stärksten Einwande- die Anzahl an Ausländern in den neuen Bundes-
deutlichen Rückgang rung von Ausländern seit der Gastarbeiteranwer- ländern ziemlich gering: Dort lebten noch aus
der Anzahl der bung. Darüber hinaus hatte der sich verschärfende Zeiten der DDR etwa 190.000 Vertragsarbeiter
Asylanträge in Konflikt in den türkischen Kurdengebieten be- aus Vietnam und Mosambik. Dabei handelte es
Deutschland. deutende Auswirkungen auf die asylbedingte sich mehrheitlich um junge, ledige Männer, die in
Zuwanderung. Insgesamt wurden im Jahr 1992 rechtlich unsicheren und prekären sozialen Ver-
ca. 438.000 Asylanträge in Deutschland gestellt, hältnissen, getrennt von der übrigen Bevölke-
was rund 30 Prozent der Gesamtzuwandererzahl rung, in Gemeinschaftsunterkünften lebten. Als
und knapp zwei Drittel aller Asylbewerber in gesellschaftliche Außenseiter wurden sie in den
Europa entsprach. turbulenten Wendejahren oft zur Zielscheibe ag-
gressiver Fremdenfeindlichkeit.11
Aus unterschiedlichen Gründen gehörten Asyl-
suchende in Deutschland tendenziell zu den sozi-
al schwachen Schichten. Daher nahmen Teile der 10 Herbert (2014). S. 994–996.
einheimischen Bevölkerung diese Gruppe als 11 Herbert (2014). S. 1171–1173.
Abbildung 4:
Asylantragszahlen in Deutschland von 1953 bis 2016
800.000
700.000
600.000
500.000
400.000
300.000
200.000
100.000
0
1987
1989
1991
1993
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
2011
2013
2015
1953
1955
1957
1959
1961
1963
1965
1967
1969
1971
1973
1975
1977
1979
1981
1983
1985
Quelle: BAMF, 2017.
18 Malteser Migrationsbericht 2017ZUWAN D E R UN G N ACH DE UT S CHL AN D V ON 1 9 4 5 BIS H EU T E
438.000
ASYLANTRÄGE WURDEN IM JAHR
1992 IN DEUTSCHLAND GESTELLT. IN
117.313
ERSTANTRÄGE WURDEN LAUT
BAMF VON JANUAR BIS JULI 2017
2015 WAREN ES 477.000 ASYLANTRÄGE. INSGESAMT GESTELLT.
19Z U WA NDE R U NG NA CH DEUTSCH LAN D VON 1945 BI S H EUTE
Rechtliche Grundlagen: Zuwanderungsgesetz12 und verschiedenen mit der EU vertraglich enger
verbundenen Staaten wie beispielsweise der Schweiz.
Arbeitsmigranten sind in verschiedenen Gruppen
Während in der öffentlichen Diskussion die Bezeich- erfasst. Akademische Fachkräfte erhalten mit der
nungen verschiedener Gruppen von Zuwanderern „Blauen Karte EU“ einen vereinfachten Aufenthaltstitel,
unscharf verwendet werden, verbinden sich mit jedem wenn sie ein abgeschlossenes Hochschulstudium
rechtlich anerkannten Status unterschiedliche Rechtsan- nachweisen können und eine Gehaltsmindestgrenze
sprüche. Von Zuwanderung oder Migration wird von 49.600 Euro (im Jahr 2016) einhalten. Für Auslän-
gesprochen, wenn es sich um Personen handelt, die der, die in Deutschland erfolgreich studiert haben,
längere Zeit in einem anderen Land zu bleiben beab- gelten weitere Erleichterungen. Qualifizierte Fachkräfte
sichtigen. Touristen oder Geschäftsreisende sind keine in Ausbildungsberufen können relativ unbürokratisch
Migranten. Langzeitmigranten sind Personen, die eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, wenn in der ent-
mindestens ein Jahr in einem anderen Land bleiben. Sie sprechenden Branche ein Mangel besteht oder wenn die
unterliegen den Regelungen des Gesetzes zur Steue- Bundesagentur für Arbeit mit einem Herkunftsstaat
rung und Begrenzung der Zuwanderung und zur eine Vermittlungsabsprache getroffen hat. Die Mangel-
Regelung des Aufenthalts und der Integration von berufe sind in einer Positivliste veröffentlicht. Zusätz-
Unionsbürgern und Ausländern (Zuwanderungsgesetz) lich zu einem Arbeitsvertrag ist die Gleichwertigkeit
vom 30. Juli 2004, welches u. a. das Aufenthaltsgesetz mit einer inländischen qualifizierten Ausbildung
und das Freizügigkeitsgesetz/EU novelliert und nachzuweisen. Eine Vorrangprüfung findet hingegen
Änderungen im Asylrecht vorsieht. Gemäß dem nicht statt. Die Zuwanderung unqualifizierter oder
Zuwanderungsgesetz ermöglicht eine Aufenthaltser- gering qualifizierter Arbeitskräfte ist nur befristet, etwa
laubnis eine befristete Dauer des Verbleibs im Inland. als Saisonarbeiter in der Landwirtschaft, möglich.
Eine Niederlassungserlaubnis ist hingegen ein unbefris-
teter Aufenthaltstitel. Sie berechtigt zur Ausübung einer Nach der Genfer Flüchtlingskonvention aus dem Jahr
Erwerbstätigkeit und ist zeitlich wie räumlich unbe- 1951 muss Menschen, die wegen ihrer Rasse, Religion,
schränkt (§ 9 Abs. 1 Satz 2 Zuwanderungsgesetz). Die Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten
Voraussetzungen für die Niederlassung sind in § 9 sozialen Gruppe, ihrer politischen Überzeugung oder
Abs. 2 Zuwanderungsgesetz festgelegt. aus geschlechtsspezifischen Gründen verfolgt sind,
Schutz gewährt werden. Sie dürfen nicht in Länder
Grundsätzlich sind vier Gruppen von Langzeitmigran- abgeschoben werden, in denen ihr Leben gefährdet ist
ten zu unterscheiden: solche, die Freizügigkeitsregeln oder ihnen Folter droht. Die Vereinten Nationen (UN)
nutzen, Arbeitsmigranten, Asylbewerber und Flüchtlin- fassen darunter zudem durch Krieg oder Bürgerkrieg
ge sowie Familiennachzügler. Zuwanderer, die Freizü- verfolgte Personengruppen. Die Genfer Flüchtlings-
gigkeitsregeln nutzen können, haben die Möglichkeit, konvention ist im Sekundärrecht der EU in der Qualifi-
ohne Einschränkung in ein Aufnahmeland zu migrieren kationsrichtlinie von 2011 verankert. Das deutsche
und sich für unbegrenzte Zeit dort aufzuhalten. Dieses Asylrecht setzt diese um und schützt vor staatlicher
Freizügigkeitsrecht gilt prinzipiell in der Europäischen Verfolgung. Dabei ist der Flüchtlingsbegriff in der
Union (EU), dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) Genfer Flüchtlingskonvention weiter gefasst als der
Asylbegriff im Grundgesetz, sodass das Bundesamt für
12 Siehe dazu insbesondere Brücker, Herbert; Hauptmann, Andreas; Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Asylberechti-
Trübswetter, Parvati (2015). Asyl- und Flüchtlingsmigration in die
EU und nach Deutschland, IAB-Bericht 8/2015, Institut für
gung und den Flüchtlingsschutz rechtlich prüfen muss.
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Nürnberg, S. 4f. Zudem kann subsidiärer Schutz für Personen gewährt
20 Malteser Migrationsbericht 2017ZUWAN D E R UN G N ACH DE UT S CHL AN D V ON 1 9 4 5 BIS H EU T E
werden, denen in ihrem Herkunftsland ernsthafter Sie können zudem zu undokumentierten Migranten
Schaden droht. werden. Die Abschiebung kann aus verschiedenen
Gründen, etwa gesundheitlicher oder administrativer
Im sogenannten Asylkompromiss wurde im Jahr 1993 in Art, vorübergehend ausgesetzt werden. Diese abgelehn-
einer Grundgesetzänderung das bis dahin schrankenlos ten Asylbewerber werden geduldet und haben keinen
geltende Grundrecht auf Asyl revidiert. Ausländer, die Aufenthaltstitel. Ende des Jahres 2016 befanden sich
über einen EU-Mitgliedstaat oder einen sonstigen rund 153.000 Geduldete in Deutschland.13
sicheren Dritt- oder Herkunftsstaat einreisen, können
sich seither nicht auf das Asylrecht berufen (Art. 16a Seit dem Jahr 2015 hat der Gesetzgeber eine Reihe von
Abs. 2 GG). Sichere Drittstaaten sind neben den Mit- Änderungen des Asylrechts, insbesondere durch die
gliedstaaten der EU Norwegen und die Schweiz. Asylpakete I und II, vorgenommen. Das Asylverfahrens-
Sichere Herkunftsstaaten werden durch Gesetz definiert. beschleunigungsgesetz vom Oktober 2015 erweitert u. a.
Ein Asylantrag aus einem solchen Staat gilt als unbe- die Anzahl sicherer Herkunftsstaaten, verlängert den
gründet, wenn keine Beweise für die politische Verfol- Verbleib in Erstaufnahmeeinrichtungen und nimmt
gung vorgelegt werden. gewisse Leistungskürzungen vor. Das Asylpaket II vom
März 2016 führt neben weiteren Verschärfungen des
Nach dem Dublin-Abkommen, das die EU-Mitgliedstaa- Asylrechts neue beschleunigte Asylverfahren ein. Das
ten, Island, Norwegen und die Schweiz unterzeichnet Integrationsgesetz vom August 2016 zielt hingegen auf
haben, müssen Asylbewerber einen Asylantrag in dem einen erleichterten Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylbe-
Land stellen, in das sie zuerst eingereist sind. Andere werber und anerkannte Asylsuchende ab.
Vertragsstaaten können Asylbewerber in diesen Staat
überführen. Problematisch ist die faktische Geltung Familiennachzug wird ausländischen Familienangehöri-
dieses Abkommens, soweit Mitgliedstaaten an der gen grundsätzlich gewährt und ist in Abschnitt 6 des
EU-Außengrenze Asylbewerber und Flüchtlinge nicht Zuwanderungsgesetzes geregelt. Dabei wird der Famili-
registrieren und zur Weiterreise motivieren. Zudem ennachzug zu Deutschen und zu Ausländern unterschie-
haben Verwaltungsgerichte und der Europäische Ge- den. Im letztgenannten Fall bestehen enge Grenzen:
richtshof für Menschenrechte in der Vergangenheit die Einerseits müssen für den Familiennachzug zu einem
Rückführung von Asylbewerbern und Flüchtlingen, Ausländer bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein (§ 29
insbesondere nach Griechenland, aufgrund unzureichen- Zuwanderungsgesetz). Andererseits wird Familiennach-
der humanitärer und sozialer Standards ausgesetzt. zug den Ehegatten und Kindern eines Ausländers,
anderen Familienangehörigen aber nur zur Vermeidung
Deutschland wendet ein zweistufiges Registrierungssys- außergewöhnlicher Härten erteilt.
tem an. Im Rahmen der Erstverteilung werden Asylbe-
gehrende in einem ersten Schritt erfasst (EASY). In einem
zweiten Schritt müssen Asylbewerber formell einen
Asylantrag stellen. Die Anzahl der EASY-Registrierungen
kann von den formellen Asylanträgen abweichen. Diese
Abweichungen waren im Zuge der Flüchtlingskrise der
Jahre 2015 und 2016 erheblich.
13 Siehe OECD (2017). Nach der Flucht: Der Weg in die Arbeit
Personen, deren Asylantrag abgelehnt wird, sind zur – Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen in Deutschland,
Ausreise verpflichtet und können abgeschoben werden. Paris, S. 17.
21Z U WA NDE R U NG NA CH DEUTSCH LAN D VON 1945 BI S H EUTE
Zwischen 1995 und Migration im zusammen- Durch die EU-Osterweiterung ist der Zuzug aus
2015 sind insgesamt wachsenden Europa diesen osteuropäischen Herkunftsländern deut-
13,9 Millionen Men- lich angestiegen. Zuwanderer aus Polen, Rumäni-
schen aus Europa Im Zuge der europäischen Integration und der en und Bulgarien sind darunter stark vertreten.
nach Deutschland Erweiterung der EU-Mitgliedstaaten sind struktu- Insbesondere seit der Finanz- und Wirtschaftskri-
eingewandert und relle Veränderungen der Zuwanderung zu beob- se der Jahre 2008/09 nahm die Einwanderung aus
11,1 Millionen Men- achten. Durch die schrittweise Einführung der Südeuropa wieder zu (vgl. Abbildung 5). Ähnlich
schen aus Deutsch- Arbeitnehmerfreizügigkeit können sich die Bür- wie zu Zeiten der Gastarbeiter ist dabei die Aus-
land nach Europa ger heute uneingeschränkt innerhalb von 28 EU- sicht auf einen Arbeitsplatz der Hauptgrund zur
ausgewandert. Mitgliedstaaten niederlassen und arbeiten. Neben Migration.
den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt schafft
dies neue Möglichkeiten für Auslandserfahrun-
gen, z. B. durch das Erasmus-Programm für Stu-
dierende. Insbesondere Deutschland, Frankreich Entwicklung der asylbedingten
Die Arbeitnehmer- und Großbritannien sind beliebte Zielländer der Zuwanderung in 2015/16
freizügigkeit und die EU-Binnenmigration. Seit der EU-Erweiterung
EU-Osterweiterung sind zwischen 1995 und 2015 insgesamt 13,9 Mil- Das jüngste Kapitel in der Geschichte Deutsch-
erhöhen die Binnen- lionen Menschen aus Europa nach Deutschland lands als Einwanderungsland bildete in den ver-
migration in der ein- und 11,1 Millionen Menschen aus Deutsch- gangenen Jahren der hohe Zuzug von Asylsu-
Europäischen Union. land nach Europa ausgewandert. chenden aus Nordafrika und dem Nahen Osten.
Abbildung 5:
Zuzüge nach Deutschland aus ausgewählten Herkunftsregionen von 1980 bis 2015
2.500.000
2.000.000
1.500.000
1.000.000
500.000
2010
2015
1985
1990
1995
2000
2005
1980
Afrika Asien Europa Bulgarien Rumänien Polen Spanien Italien
Anmerkungen: Es werden Zuzüge aus den Kontinenten Afrika, Asien und Europa, darunter ausgewählte
Herkunftsländer Süd- und Osteuropas betrachtet. Die Daten der neuen EU-Mitgliedstaaten sind erst seit
2007 verfügbar. Dies erklärt den starken Anstieg von 2006 auf 2007.
Quelle: Statistisches Bundesamt, 2017.
22 Malteser Migrationsbericht 2017ZUWAN D E R UN G N ACH DE UT S CHL AN D V ON 1 9 4 5 BIS H EU T E
Budapest – eine Stadt ist Zeugin
Erstellt von Projektmitarbeitern des Malteser Migrationsberichts
„Migration ist ein wiederkehrendes Phänomen.“ Diese Aussage wird
durch Bilder, die in den Jahren 1989 und 2015 in Budapest entstanden
sind, greifbar: Der erste Auszug mit zwei Bildern schildert die Situation
der DDR-Flüchtlinge 1989, der zweite Auszug berichtet von der Situation
im Herbst 2015, als Hunderte Flüchtlinge vor allem aus dem Nahen
Osten in Budapest am Bahnhof auf eine Weiterreise warten.
Ostdeutsche verlassen im Sommer und Herbst 1989 massenhaft die DDR,
um Mangelwirtschaft, Unfreiheit und Wahlfälschungen zu entkommen.
Viele fliehen über Ungarn und Österreich in den Westen. Die Anzahl der Die Malteser versorgen die in die deutsche
Ausreiseanträge steigt sprunghaft. Die SED verkennt die Lage und betont Botschaft in Ungarn geflüchteten Menschen aus
der DDR
die „Verbundenheit von Volk und Partei“. Die Flucht- und Ausreisewelle
verstärkt die Dynamik des Zerfalls des SED-Regimes.
Ungarn beginnt Anfang Mai 1989, seine Grenzanlage zu Österreich
abzubauen. Schließlich öffnet es im September die Grenze zum Westen
vollständig und ermöglicht eine ungehinderte Ausreise. Das SED-Regime
untersagt den Ostdeutschen zwar die Reise nach Ungarn – jedoch ohne
Erfolg. 25.000 Menschen nutzen nach der vollständigen Grenzöffnung bis
Ende September die Gelegenheit zur Flucht in den Westen. Der „Eiserne
Vorhang“ zerfällt.
(Petschow, Annabelle: Massenflucht, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der
Bundesrepublik Deutschland)
Auf dem Gelände der deutschen Botschaft
entstand eine kleine Zeltstadt, um alle gut
unterzubringen
Die Nacht vom 4. auf den 5. September 2015 gilt als Wende in der
Flüchtlingskrise. Bundeskanzlerin Angela Merkel entschied in nächt
lichen Telefonaten mit dem damaligen österreichischen Kanzler Werner
Faymann, für Tausende in Ungarn gestrandete Flüchtlinge die Grenzen
zu öffnen. Zuvor hatte sich die Lage am Budapester Ostbahnhof tagelang
zugespitzt: Polizeieinsätze, notdürftige Versorgung, Hungerstreiks. Am
4. September machten sich tagsüber Hunderte zu Fuß vom Budapester
Ostbahnhof auf den Weg Richtung österreichische Grenze – die Bilder
vom Fußmarsch entlang der Autobahn bei Budapest gingen um die Welt.
Am Abend entschied die Regierung von Viktor Orban überraschend, die
Flüchtlinge mit rund 100 Bussen zum Grenzübergang Hegyeshalom zu
bringen. Viele Flüchtlinge zögerten – aus Angst, in ein Lager gebracht zu Entlang der Autobahn marschieren Flüchtlinge
werden. Kurz nach Mitternacht verkündete Österreichs Kanzler Werner Richtung österreichische Grenze
Faymann dann: Die Grenze nach Nickelsdorf ist offen.
(Berichterstattung ARD Wien: Ralf Borchard)
23Z U WA NDE R U NG NA CH DEUTSCH LAN D VON 1945 BI S H EUTE
Abbildung 6: Während die Netto-Zuwanderung nach Deutsch-
Gestellte Asylanträge je 1.000 Einwohner 2015 und 2016 land im Zeitraum zwischen 2004 und 2009
durchweg unter 100.000 Personen lag, stieg sie
danach stetig an und verdoppelte sich zuletzt
Ungarn innerhalb eines Jahres von ca. 550.000 Menschen
Schweden im Jahr 2014 auf 1,1 Millionen im Jahr 2015 (vgl.
Österreich Abbildung 1). Den größten Anteil daran bildeten
Deutschland 890.000 Asylsuchende, die vor allem über die
Malta sogenannte Balkanroute aus dem Nahen Osten
Luxemburg eingereist waren (vgl. Abbildung 8).14 Zunächst
Schweiz deuteten die Registrierungszahlen im Jahr 2015
Finnland darauf hin, dass potenziell über eine Million
Norwegen Menschen in Deutschland Asyl beantragen
Zypern könnten. Aufgrund von Doppelregistrierungen
Liechtenstein und der Weiterreise vieler Personen wurden die
Griechenland Zahlen nach unten korrigiert.
Belgien
Bulgarien In Deutschland wurden in den Jahren 2015 und
Europäische Union (28 Länder) 2016 knapp 15 Asylanträge je 1.000 Einwohner
Dänemark gestellt (vgl. Abbildung 6). Damit liegt Deutsch-
Island land im europäischen Vergleich hinter Ungarn,
Niederlande Schweden und Österreich an vierter Stelle. Der
Italien Vergleich der Registrierungszahlen mit den im
Frankreich jeweiligen Monat gestellten Asylanträgen zeigt,
Vereinigtes Königreich dass viele Asylsuchende aufgrund der unerwar-
Irland tet hohen Anzahl der Ankommenden und damit
Slowenien verbundenen Engpässen beim Bundesamt für
Spanien Migration und Flüchtlinge (BAMF) ihren Asyl-
Polen antrag erst mit Verzögerung stellen konnten (vgl.
Kroatien Abbildung 7).
Lettland
Estland Der Hauptgrund für die stark gestiegene asylbe-
Tschechische Republik dingte Zuwanderung ist der seit dem Jahr 2011
Litauen anhaltende Bürgerkrieg in Syrien. Ein Ende des
Portugal Konflikts ist angesichts der komplizierten Situa-
Rumänien tion und der großen Anzahl an unterschiedlichen
Slowakei Akteuren nicht absehbar. Durch die zunehmend
unsichere Lage im Nahen Osten und der von
0 5 10 15 20 25
Terrororganisationen ausgehenden Bedrohung
Quelle: Eurostat (Erst- und Folgeanträge), eigene Berechnungen. besteht für die Zivilbevölkerung in den Krisen-
gebieten eine langfristige Perspektivlosigkeit.15
Des Weiteren kommen viele Geflüchtete aus Af-
890.000 37,6 %
rika südlich der Sahara, insbesondere aus Eritrea,
14 Bundesministerium des Innern (2016). 890.000 Asylsu-
chende im Jahr 2015, Pressemitteilung vom 30. Septem-
ASYLSUCHENDE SIND IM DER PERSONEN MIT
ber 2016.
JAHR 2015 NACH DEUTSCH MIGRATIONSHINTER
GRUND KOMMEN AUS 15 Birringer, Thomas; Ostheimer, Andrea E. (2015). Flucht
LAND EINGEREIST.
weltweit. Kurze Bestandsaufnahme aus drei Weltregio-
DEN 28 EU-STAATEN.
nen, in: Die Politische Meinung Nr. 534, 60. Jg., S. 51–60.
24 Malteser Migrationsbericht 2017ZUWAN D E R UN G N ACH DE UT S CHL AN D V ON 1 9 4 5 BIS H EU T E
Nigeria und Somalia. Die politischen Verhältnis- und der Länder, die Balkanstaaten als sichere Die Hauptgründe
se sind dort instabil und die wirtschaftliche Ent- Herkunftsländer zu definieren. für die stark
wicklung stagniert auf einem niedrigen Niveau. gestiegene asylbe-
Zusätzlich treiben Hungersnöte und Terrormili- Von integrationspolitischer Bedeutung ist die dingte Zuwande-
zen die Menschen zur Flucht. Viele versuchen demografische und sozioökonomische Zusam- rung sind humani
über Libyen und das Mittelmeer nach Europa zu mensetzung der Asylantragsteller. Die bei der täre Krisen und
kommen (vgl. Abbildung 8). Diese Route ist in Antragstellung erhobenen Daten zeigen, dass instabile politische
hohem Maße gefährlich, sowohl bei der Flucht 70 Prozent der Menschen unter 30 Jahren alt und wirtschaftliche
durch die Sahara als auch während der Überfahrt und über 30 Prozent sogar minderjährig sind Verhältnisse in
nach Italien. (vgl. Abbildung 10). Außerdem sind zwei von vielen Ländern.
drei Flüchtlingen männlich. Zwei Drittel von ih-
Insgesamt gelangten laut BAMF in den Jahren nen sind ethnische Araber und 75 Prozent mus
2015 und 2016 über 1,2 Millionen Geflüchtete limischen Glaubens.16 Ein Vergleich zur Alters-
nach Deutschland. Die größte Gruppe darunter struktur der deutschen Bevölkerung zeigt, dass
stammte in beiden Jahren aus Syrien, im Jahr die deutsche Bevölkerung merklich älter ist – nur
2016 gefolgt von Afghanistan, dem Irak und Iran etwa jeder Dritte ist unter 30 Jahren alt und sogar
(vgl. Abbildung 9). An fünfter Stelle folgte mit über 20 Prozent sind älter als 65 Jahre.
Eritrea das erste afrikanische Land. Unter den
europäischen Ländern flohen die meisten Men- Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich
schen aus Albanien. Jedoch gingen die Asylan- die Zuwanderung nach Deutschland anhand
träge von Personen aus allen Balkanstaaten im
Vergleich zum Jahr 2015 stark zurück. Dies ist 16 Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2017).
eine direkte Folge der Entscheidung des Bundes Das Bundesamt in Zahlen 2016, S. 23.
Abbildung 7:
Monatliche Asylantragszahlen und Registrierungen in den Jahren 2015 und 2016
250.000
200.000
150.000
100.000
50.000
0
Jan. 15
Feb. 15
März 15
Apr. 15
Mai 15
Juni 15
Juli 15
Aug. 15
Sep. 15
Okt. 15
Nov. 15
Dez. 15
Jan. 16
Feb. 16
März 16
Apr. 16
Mai 16
Juni 16
Juli 16
Aug. 16
Sep. 16
Okt. 16
Nov. 16
Dez. 16
Asylantragszahlen EASY-Registrierung
Anmerkungen: Registrierungen mittels EASY dienen als Indikator für die Zuwanderung der jüngsten Zuwande-
rungswelle. Durch Doppelerfassungen und nicht registrierte Ausreisen bilden die Registrierungen nur einen
ungefähren Wert ab. Durch Revision der Statistiken weichen die Gesamtjahreszahlen von einer Aufsummierung
der Monatszahlen ab.
Quelle: BAMF, 2017.
25Z U WA NDE R U NG NA CH DEUTSCH LAN D VON 1945 BI S H EUTE
Im historischen zweier Merkmale kennzeichnet: Zum einen stieg zu bekämpfen. Die Entwicklung der Arbeitsmig-
Verlauf haben sie über die betrachtete Zeit an. Zum anderen ration wird vor allem durch die Expansion der
unterschiedliche lassen sich Phasen identifizieren, in denen es zu Europäischen Union und durch die Umsetzung
politische oder besonders starker Zuwanderung kam. Diese der Personenfreizügigkeit bestimmt. Diese Art
wirtschaftliche wurden jeweils durch sehr konkrete Anlässe aus- der Zuwanderung findet heute gegenüber Zeiten
Sondersituationen gelöst. Dazu zählen die Vertreibung nach dem der Gastarbeiteranwerbung gleichmäßiger und
sowohl den Zweiten Weltkrieg, die Abkommen zur Rück- in ihrer Zusammensetzung vielfältiger statt.
Zuwanderungsum- kehr von Spätaussiedlern sowie die Kriege im
fang als auch die ehemaligen Jugoslawien. Heute sind es vor allem
Zusammensetzung Konflikte im Nahen Osten, die viele Menschen
der Gruppe der zur Flucht bewegen. Die weitere Entwicklung
Zuwanderer der Zuwanderungszahlen wird davon abhän-
bestimmt. gen, ob es gelingt, die Fluchtursachen wirksam
Abbildung 8:
Fluchtrouten nach Europa in den Jahren 2015 und 2016
Festgestellte illegale Grenzübertritte
an der EU-Außengrenze
Östliche Landroute
Insgesamt
1.927
in 2015 1.822.177
1.349
in 2016 511.371
Westliche Balkanroute
764.038
130.261
Zirkuläre Route von
Albanien nach Griechenland
8.932
5.121
Westliche Mittelmeerroute Östliche Mittelmeerroute
7.004 885.386
10.231 182.277
Zentrale Mittelmeerroute
Westafrikanische Route
153.946
874
181.459
671
Anmerkungen: Die Erfassung illegaler Grenzübertritte an den Außengrenzen Europas zeigt Fluchtrouten, die Menschen nach Europa
wählen. Die Zahlen beziehen sich auf die Jahre 2015 und 2016, die Gliederung nach Herkunftsstaaten jedoch nur auf das Jahr 2016.
Quelle: Frontex, 2017.
26 Malteser Migrationsbericht 2017ZUWAN D E R UN G N ACH DE UT S CHL AN D V ON 1 9 4 5 BIS H EU T E
Abbildung 9:
Asylanträge (Erst- und Folgeanträge) nach Herkunftsländern in den Jahren 2015 und 2016
2015 2016
33 % 34 % 27,5 % 36 %
2,5 %
4%
7%
11 %
7%
8% 13 % 17 %
Syrien Afghanistan Irak Albanien Kosovo Iran Eritrea Sonstige
Anmerkungen: Im Jahr 2015 stellten insgesamt 477.000 Personen einen Asylantrag in Deutschland. 2016 waren es 746.000.
Die Größe der Abbildungen ist proportional zur Anzahl der Anträge pro Jahr.
Quelle: BAMF, 2017.
Abbildung 10:
Altersstruktur der Asylantragsteller aus den Jahren 2015 und 2016 im Vergleich zur deutschen Bevölkerung
25 20 15 10 5 0 5 10 15 20 25
65 Jahre und älter
von 60 bis unter 65 Jahre
von 55 bis unter 60 Jahre
von 50 bis unter 55 Jahre
von 45 bis unter 50 Jahre
von 40 bis unter 45 Jahre
von 35 bis unter 40 Jahre
von 30 bis unter 35 Jahre
von 25 bis unter 30 Jahre
von 18 bis unter 25 Jahre
von 16 bis unter 18 Jahre
bis unter 16 Jahre
250.000 200.000 150.000 100.000 50.000 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000
männliche Asylantragsteller weibliche Asylantragsteller männliche Bevölkerung weibliche Bevölkerung
Anmerkungen: Untere Skala: Anzahl der Asylanträge der jeweiligen Gruppe. Obere Skala: Anteil der Personen der jeweiligen
Referenzgruppe in Deutschland in Prozent.
Quelle: BAMF (2017), Statistisches Bundesamt (2017) und eigene Berechnungen.
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