505 WOHNEN HEUTE IMM COLOGNE 2018 - BauNetz
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DIESE WOCHE
Auf der imm cologne gilt das Gesetz des Anything Goes. Es gibt fast so viele Stile, Styles und
Bild der Woche
gestalterische Nischen wie es Stände gibt. Die große Gleichzeitigkeit regiert, von skandinavischem
Hygge, französischer Leichtigkeit und deutscher Wertarbeit. Also erwarten Sie von uns bitte keine
Kaffeesatzleserei und auch keinen Blick in die Glaskugel. Womit Sie aber rechnen dürfen: Mikro-
Architekturen, Erleuchtungen, Siegertypen, Bewegungskünstler und eine Handtasche für Moder-
nistas. Lesen Sie selbst.
Tipp
3 Architekturwoche
6 Wohnen heute, imm cologne 2018
Dossier
10 Mikro-Architekturen 4 News
15 Allleuchtmittel
20 Immer auf Achse: Möbel für neue Nomaden
News
25 So sehen Sieger aus: Die Ausstellung „Pure Talents Contest. 15 Years“
28 Architect’s darling: Ferdinand Kramers Handtaschenentwurf
2
Von Jasmin Jouhar
32 Bild der Woche
Architekturwoche
Titel: Akktem „LightCurtain“, Visualisierung
oben: Bauschutt zu Bodenplatten: Das Design- und Ar-
chitekturkollektiv „They Feed off Buildings“ hat auf der imm
cologne 2018 das Projekt „Urban Terrazzo“ vorgestellt, Foto:
Urban Terrazzo
Inhalt
n mit
BauNetz Media GmbH
v e r pa sse et ter.
gabe e-Newsl
Redaktion: Jasmin Jouhar e Au s h
K e i n u n e t z w o c ie r e n !
Chefredaktion: Friederike Meyer
m B a b o n n
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Gestaltung / Artdirektion : Natascha Schuler Jetzt505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
FREITAG
3
Boris Johnson hat Talent dafür, selbst mit den absurdesten Ideen immer wieder in
die Schlagzeilen zu kommen. Nachdem der amtierende britische Außenminister
Architekturwoche
und Wegbereiter des Brexit beim Treffen mit Frankreichs Premier Emmanuel Mac-
ron eine Brücke zwischen Großbritannien und Frankreich ins Spiel gebracht hatte,
reagierten die britischen Medien amüsiert. Der Mann, der an einer Brücke über die
Themse scheiterte, will nun eine über den Kanal bauen, titelte The London Economic.
Oliver Wainwright vom Guardian wollte darauf wetten, ob Thomas Heatherwick
die Kanalbrücke bereits entworfen hat. Und The Times lies den Architekten Alan
Von Foreign and Commonwealth Office - Secretary of
Dunlop mit dem Kommentar zu Wort kommen: Es würde einfacher sein, Frankreich
etwas näher zu rücken. fm
Inhalt
State for Foreign and Commonwealth Affairs, CC BY 2.0505
NEWS
AUSSTELLUNG HOCH AUF DEM SONNEN- AUSSTELLUNG
HELGA PARIS. FOTOGRAFIE STEIN OBJEKT IM BAUNETZ WISSEN WOODLAND SWEDEN
Bild der Woche
LIVINGWOOD LIVINGWOOD
Architekturforum Architekturforum
Tipp
Foto: Winsstraße mit Taube, 1970er Jahre: Helga Paris Foto: Gerold Grimm, Leinefelde-Worbis Sommerhaus in Arboga, General Architecture.
holzhochdrei³ holzhochdrei³ Foto: Ake Lindman
Dossier
Wer an das Werk von Helga Paris Eine steile Felswand aus ockerfarbenem In Schweden wie auch in Deutschland
denkt, denkt an das Leben in der DDR, Muschelkalk ist namensgebend für den erlebt der Holzbau momentan eine
Donnerstag, den
das die heute fast 80-jährige Fotografin Sonnenstein in Thüringen. Die rund Donnerstag, den Renaissance. In kurzer Zeit mehr nach-
22. Februar 2018
für die Nachwelt festgehalten hat. Auf- 500 Meter hohe Erhebung im Eichsfeld 22. Februar 2018 haltige Wohnhäuser bauen ist das Ziel.
News
nahmen der mitteldeutschen Indust- bietet fantastische Aussicht ins Umland In Schweden werden seit den 1990er
in Köln
riestadt Halle gehören ebenso zu ihrem – den Harz, das Kyffhäusergebirge, die in Köln Jahren immer mehr mehrgeschossige
Œvre wie Bilder von Reisen nach Polen, goldene Mark und das Leinebergland. Wohnbauten aus Holz errichtet. Inzwi-
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Georgien und Siebenbürgen. Dank ihrer Ein guter Ort für ein Picknick also. schen entstehen etwa 15 Prozent aller
DACH+HOLZ
Fähigkeit, vernachlässigte Straßenzüge Oder für eine Herausforderung ab- DACH+HOLZ neuen Wohngebäude in Holzbautech-
Architekturwoche
und verfallende Häuser mit der gleichen seits der ausgetretenen Pfade, wie den nik. Einige davon zeigt die Ausstellung
International
mitfühlenden und zärtlichen Strenge Skywalk nach Plänen von Stadermann
International „Woodland“, konzipiert vom Schwedi-
zu fotografieren wie Kneipenbesucher Architekten. Der Steg mit Glasboden schen Institut und dem schwedischen
und spielende Kinder, gibt Paris den ragt neun Meter über die Felswand Architektenverband. Die Schau ist
Menschen und Dingen eine besondere hinaus, die Halt gebende Konstrukti- aktuell am Fachbereich Architektur der
t
jetz EN
Würde, heißt es in der Pressemitteilung. on verjüngt sich. Dank der gläsernen TU Darmstadt zu sehen und wird 2018
Nun macht die ifa-Tourneeausstellung Brüstung genießen Schwindelfreie ein noch an weiteren Orten in Deutschland
Zwischenstation in Stuttgart. uneingeschränktes Panorama. M E LD gastieren.
AN
Inhalt
bis 8. April 2018 bis 9. Februar 2018
www.ifa.de www.baunetzwissen.de/glas www.architektur.tu-darmstadt.de505
Baunetz Maps Architekten Meldungen Wissen
Bild der Woche
Jetzt über
6.000 im
Tipp
Baunetz
Dossier
veröffentlichte
Bauten und
News
Projekte
5
Architekturwoche
weltweit.
Inhalt
www.baunetz-maps.deInhalt Architekturwoche 6 News Dossier Tipp Bild der Woche
505
IMM COLOGNE 2018
WOH
-NEN
HEUTE
Showroom von Kartell während der imm cologne. Präsentiert wurde der Hocker „EUR“ von Fabio Novembre. Foto: Kartell505
WOHNEN
HEUTE
Bild der Woche
VON JASMIN JOUHAR
Es ist eine beliebte und zugleich gefürchte-
Tipp
te Frage, wenn sich zwei Besucher auf einer
Möbelmesse begegnen: „Und, schon einen
neuen Trend entdeckt?“ Denn dann sollte
Dossier
der Gefragte eine originelle Antwort parat
haben. Was aber praktisch unmöglich ist,
denn wie in jedem anderen kulturellen Feld
gilt auch in der Design- und Einrichtungs-
News
branche das Gesetz des Anything Goes. Es
gibt fast so viele Stile, Styles und gestalte-
rische Nischen wie es Stände auf der imm
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cologne gibt. Die große Gleichzeitigkeit re-
giert, von skandinavischem Hygge, franzö-
Architekturwoche
sischer Leichtigkeit und deutscher Wertar-
beit. Also erwarten Sie von uns bitte keine
Kaffeesatzleserei und auch keinen Blick
in die Glaskugel. Womit Sie aber rechnen
dürfen: Mikro-Architekturen, Erleuchtungen,
Siegertypen, Bewegungskünstler und eine
Handtasche für Modernistas. Lesen Sie
Inhalt
selbst.
Neu eingerichteter Showroom von Kvadrat in Köln. Foto: Patricia Parinejad505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
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Architekturwoche
Kölner Mosaik: Blick in den
Kartell-Showroom mit dem
Hocker „EUR“, Foto: Kartell.
Tisch „Kazimir“ von Philipp
Mainer für e15, jetzt neu auch
mit verzinktem Untergestell,
Foto: e15
Das Projekt „Urban Terrazzo war
Inhalt
im Nachwuchsbereich „Pure
Talents“ zu sehen. Foto: Urban
Terrazzo
Neu eingerichteter Showroom
von Kvadrat in Köln. Foto: Patri-
cia Parinejad505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
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Architekturwoche
Inhalt
Das französische Label Petite Friture lockerte seinen Messeauftritt mit Illustrationen von Lisa Laubreaux auf.505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
MIKRO-ARCHITEKTUREN
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Architekturwoche
Schmale Gänge zwischen meterhohen Trockenbauwänden: Der Besuch
einer Möbelmesse gleicht gerne mal einer Schluchtenwanderung. Die
Aussteller ziehen sich zurück in introvertierte Stände, schroff abgrenzt von
ihren Nachbarn. In Köln wunderbar zu besichtigen in Halle 11. Dass es auch
anders geht, nämlich offen und einladend, beweisen seit einigen Jahren
die Teilnehmer des designorientierten imm-Formats „Pure Editions“. Der
Verzicht auf die Trockenbau-Kisten wirkt jedoch nicht nur zeitgemäßer. So
Inhalt
entstehen auch immer wieder raffinierte, raumbildende Mini-Architekturen,
die viel mehr bieten als nur eine Bühne für die Produkte. Wir zeigen einige
Beispiele von der imm cologne 2018.505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
CC-TAPIS
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Dieser Stand war der Instagram-
Architekturwoche
Star der diesjährigen Möbelmesse.
Kein Wunder, so fotogen wie der
Auftritt des italienischen Teppich-
herstellers cc-tapis aussah. Das
lag natürlich an den Teppichen
selbst mit ihren berückend schönen
Foto: Andrea Bartoluccio Mustern und Farbkombinationen. Doch auch das Drumherum überzeugte: sowohl
Inhalt
im Detail mit Texturen und Materialien wie auch als Ganzes. cc-tapis hatte sich ein
kleines Haus mit einzelnen Räumen gebaut, die Wände vielfach durchbrochen von
überlangen, bogengekrönten Durchgängen. Das wirkte von weitem anziehend, und im
Inneren entstanden intime Situationen, die die Teppiche zur Geltung brachten.505
AUTHENTICS
Kennen Sie Authentics noch, die Designmarke mit den Kunststoff-Produkten? Sie
war in den Neunzigern sehr populär, doch zuletzt wirkte das Label etwas verschlafen.
Zur imm cologne inszenierte Authentics nun ein Comeback, mit neuen Produkten
und einem regenbogenbunten Eyecatcher als Messestand. Verantwortlich für das
Bild der Woche
Standdesign zeichneten die neue Artdirektoren, das Hamburger Gestalterduo Eva
Marguerre und Marcel Besau. Sie haben die Authentics-Farbpalette überarbeitet und
ein neues Display-Regalsystem für den Verkauf entwickelt. Beides kam in Köln auch
gleich zum Einsatz, in Form angedeuteter Wohnszenarien – Küche, Bad, Home-Office
oder Garderobe. Plus: ein Wiedersehen mit alten Bekannten wie den Abfalleimern von
Konstantin Grcic oder Hansjerg Maier-Aichen.
Tipp
Dossier
News
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Architekturwoche
Foto: Authentics
Inhalt505
NEW TENDENCY
Die Jungs von New Tendency aus Berlin traten mit der gebotenen hauptstädtischen
Lässigkeit auf: Ihren Stand hatten sie aus Lagerregalen, Glasscheiben und rohen
Bild der Woche
OSB-Platten gebaut. In der Mitte blieb ungewöhnlich viel freier Raum – sonst nut-
zen Aussteller die teure Standfläche gerne maximal aus. Leuchtstoffröhren tauchten
den Auftritt in unbarmherziges Putzlicht. Der passende Rahmen für ihr diesjähriges
Standthema „Truth to materials“, das unbehandeltes Aluminium und feinen Marmor
zusammenbrachte. Ein Zusammenprall der Oberflächen, nicht laut, aber angstfrei.
Tipp
Dossier
News
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Architekturwoche
Foto: Gerhard Kellermann
Inhalt505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
Foto: Richard Lampert
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Architekturwoche
RICHARD LAMPERT
Zugegeben, das Eiermann-Tischgestell ist alles andere als eine Neuheit. Es soll sogar
Leute geben, die das Ding nicht mehr sehen können, so oft haben sie sich in Architek-
tur-, Grafik- und anderen Kreativbüros schon das Schienbein am Rohrkreuz gestoßen.
Dass Richard Lampert dem Möbelklassiker noch neue Seiten abgewinnen würde,
hätten wir also eher nicht erwartet. Zum 25. Geburtstag seiner Möbelmarke setzte
Inhalt
Lampert trotzdem auf den „Eggman“, mit dem für ihn und sein Unternehmen alles
angefangen hatte. Standdesigner Alexander Seyfried, langjähriger Lampert-Begleiter,
türmte weiße Eiermänner sechs Etagen hoch und fertig war der Messestand. Wir
gratulieren zum Jubiläum und freuen uns auf weitere 25 Jahre unterm Kreuz.505
Bild der Woche
ALLLEUCHTMITTEL
Tipp
DER IMM COLOGNE GEHT
Dossier
EIN LICHT AUF
News
Neue Leuchten? Da ist die imm cologne eigentlich nicht die erste Adres-
se. Doch die Messegesellschaft feilt eifrig am Profil und propagiert nach
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Küchen oder Textilien jetzt Licht als Einrichtungsthema. Eindeutiges Zei-
chen: „Das Haus“, die alljährliche Wohninszenierung, verantwortete in
Architekturwoche
diesem Jahr die tschechische Designerin und Licht-Expertin Lucie Koldova.
Sie ist allerdings zugleich Artdirektorin beim Leuchtenhersteller Brokis,
und so schmückten ziemlich viele Brokis-Leuchten das diesjährige Haus.
Auch wirkte die Inszenierung nicht wirklich wohnlich, sondern verströmte
eher unterkühlten Glamour – das Interieur als Diva. Aber auch andernorts
strahlte das Licht hell, etwa in den Showrooms der Designpost neben dem
Messegelände, wo mit Wästberg, Marset und Midgard gleich drei relevante
Inhalt
Leuchten-Marken erstmals ihre Produkte vorstellen. Bei allen Herstellern in
Köln natürlich das Thema Nr. 1: LED als Allleuchtmittel. Von der tragbaren
Leuchte über Lichtschnüre bis zur hippen Filament-Lampe – LED macht das
Licht vielseitig wie noch nie.505
TALA
Kein neues Café ohne den warmen Schein der Filament-Birne. Die junge Marke Tala aus Großbritannien
gewinnt der Sache mit ihrem Leuchtmittel „Voronoi III“ noch eine weitere Seite ab. Der unregelmäßige
Glaskörper ist mundgeblasen, das Licht wird vielfach gespiegelt und gebrochen.
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
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Architekturwoche
ROPE LIGHT CHANDELIER
Licht zum Anfassen: Akttem, ein neues Designlabel aus Deutsch-
Inhalt
land, hat LED-Stäbe in einem Netzschlauch verpackt, der sich mit
wenigen Handgriffen verschlingen und in Schlaufen legen lässt.
Wirkt sehr zeitgenössisch und dekorativ zugleich. Das muss man
erst einmal schaffen.505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
JOURNEY
Die junge dänische Designerin Signe Hytte hat in ihrem Entwurf „Journey“ gleich eine
News
ganze Reihe von heißen Interior-Themen untergebracht: die milchige Glaskugel und –
je nach Version – das Messing-Detail, die Chrom-Oberfläche oder den Keramik-Look.
Mit dieser Tisch- und Wandleuchte kann man also rein gar nichts falsch machen.
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Architekturwoche
FEDERZUGLEUCHTE
Inhalt
In Hamburg arbeiten Joke Rasch und David Einsiedler weiter daran, die einstmals stolze Leuchtenmarke
Midgard wiederzubeleben. Zur imm cologne stellten sie nun die Federzugleuchte vor. Kommt Ihnen bekannt
vor? Kein Wunder, zu DDR-Zeiten produzierte Midgard sie in großer Zahl für Ikea – aber in weniger guter
Qualität.505
PHARE
Diese handliche Leuchte von Stanislaw Czarnocki für Menu folgt auf dem Fuß –
dank eingebautem Akku spendet „Phare“ unabhängig von Steckdose und Kabel
Licht. Kabellose Leuchten gibt es mittlerweile viele, aber nur wenige Exemplare
überzeugen so wie dieser kleine Leuchtturm.
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
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Architekturwoche
„DAS HAUS“
Lucie Koldova ließ die Wohninszenierung „Das Haus“ aus vielen Leuchten strahlen
– Licht war eindeutig der Protagonist in diesem Jahr. Die tschechische Designerin
setzte ganz auf einen divenhaften, kühlen Glamour. Garantiert ohne Schafffelle oder
Inhalt
Blütenzweige.
Foto: Koelnmesse505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
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Architekturwoche
Inhalt
„Das Haus“ von Lucie Koldova, Blick in das Badezimmer. Foto: Koelnmesse505
Bild der Woche
Tipp
IMMER AUF ACHSE:
Dossier
MÖBEL FÜR NEUE NOMADEN
News
Ob wir wollen oder nicht: Unterwegs sein ist das Ideal unserer Zeit. Immer
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ambulant, immer auf dem Sprung, nie ganz angekommen, nie ganz festge-
legt – so eilt der neue Nomade durchs Leben. Diese Haltung spiegelt sich
Architekturwoche
im Alltag genauso wieder wie in der Arbeitswelt und hat natürlich viel damit
zu tun, dass wir unsere ganze Existenz gespeichert auf dem Telefon in der
Hosentasche herumtragen können. Die Möbel- und Einrichtungsbranche ist
Seismograf genug, um auch für diesen Lifestyle die passenden Produkte
zu entwickeln. Das mag zunächst widersprüchlich klingen, schließlich sind
Polstermöbel, Schreibtische oder Leuchten eigentlich stationäre, oft sogar
ziemlich behäbige Objekte. Man denke nur an die Gravitas einer amtlichen
Inhalt
Sofalandschaft. Und doch: Es kommt Bewegung in die Bude. Tische versor-
gen uns mit Strom, Sofas bieten Abstellplatz fürs Notebook, und das rollba-
re Möbel feiert ein Comeback. Wem das alles zu hektisch ist: Wie wäre es
mit einer Runde Entspannungsschaukeln?505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
DOUWES / MASA
21
Immer unter Strom: Steckdosen sind die Oasen der digitalen Nomaden, aber
leider oft genauso schwer zu erreichen – in Ecken, hinter Schränken oder auf
Architekturwoche
zugigen Fluren. Unschön die Bilder von auf schmutzigen Flughafenfußböden
zusammengekauerten Menschen, die sich die neue Hose versauen, nur um
das Tablet aufzuladen. Wie viel eleganter und komfortabler könnte das Leben
sein, wenn der Strom einem vor der Nase baumeln würde. Wie bei diesem Duo
namens „Douwes“ vom dänischen Designlabel Menu. Leuchte und Steckdose sind in
ein feines Keramikkleid gehüllt und hübschen jede Loungeecke auf, auch unabhängig
voneinander. Beim Berliner Label New Tendency setzt man lieber auf die unsichtbare
Inhalt
Versorgung dank Induktionstechnologie, eingebaut in die Platte von „Masa“. Man legt
das Mobiltelefon einfach an der richtigen Stelle des Arbeitstisches ab, und schon
erlöst einen das Blinken des Ladebalkens.505
FOLD IT
Warum sich mit sperrigen Dingen beschweren, wenn nächsten Monat wieder
alles anders sein kann im Leben? Dafür gibt es doch Möbel wie „Fold it“: Der
Bild der Woche
Schreibtisch sieht anständig aus, obwohl er leicht zusammenzuklappen und zu
verstauen ist. Er hat eine einfache und damit günstige Konstruktion, zudem kann
die Platte ausgetauscht werden. Dieses Meisterstück hat allerdings keiner der
großen Hersteller vollbracht, sondern ein studentisches Team von der Bauhaus
Universität Weimar. Alissa Arends, Leon Bucher und Yelim Kim dürfen sich
verdientermaßen über eine Auszeichnung beim Nachwuchswettbewerb „Pure
Tipp
Talents Contest“ der imm cologne freuen.
Dossier
News
22
Architekturwoche
Inhalt505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
23
COR LAB
Architekturwoche
Schon vor der Möbelmesse machte der deutsche Hersteller Cor mit dem Projekt „Cor
Lab“ auf sich aufmerksam. Mehrere Designer und Designteams hatten sich im Auf-
trag von Cor Gedanken über zeitgemäße Arbeitsmöbel gemacht und eine Kollektion
aus Tischen, Hockern, Sofa und Raumteiler entwickelt, die nun auf der imm cologne
zu sehen waren. Es sind durchweg nützliche Objekte in zeitgeistig-bunten Farben
wie ein flexibler Raumtrenner, stapelbare Hocker oder ein höhenverstellbarer Tisch.
Doch vor allem: „Cor Lab“ feiert das Comeback des rollenden Möbels. Die Französin
Inhalt
Pauline Deltour etwa sieht uns auf Spinnenbeinen durchs Büro gleiten. Und das Duo
Aust+Amelung gibt uns rollbare Diener an die Hand. Weil wir auch im Büro eben
immer auf Achse sind.505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
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POW / SWING
Architekturwoche
Sie fragen zurecht: Was hat dieser gediegene Samt-Zweisitzer namens „Pow“ von
Pulpo mit mobilem Lifestyle zu tun? Der passt doch eher ins Boudoir als in den Co-
Working-Space. Doch der deutsche Designer Hermann August Weizenegger hatte
beim Entwurf sehr wohl die neuen Nomaden im Sinn: Deswegen hat „Pow“ nämlich
so eine breite, abgeflachte Lehne – damit das Notebook nicht herunterfällt. Und mit
dem losen Knautschkissen kann man sich den Rücken stützen. Ein Sofa ist bekannt-
lich nicht der ergonomischste aller Arbeitsplätze. Gemütlich geht es auch bei Ri-
Inhalt
chard Lampert zu, der zur imm cologne 2018 „Swing“ vom Designstudio Raw Edges
vorstellte. Das Sofa ist beweglich aufgehängt wie eine Hollywoodschaukel und sorgte
am Stand für sichtlich entspannte Gesichter. Ob ein erschöpfter Messebesucher beim
sachten Schwingen einschlief, ist allerdings nicht überliefert.505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
SO SEHEN SIEGER AUS:
DIE AUSSTELLUNG „PURE
News
TALENTS CONTEST. 15 YEARS“
25
Architekturwoche
Möbelmessen sind Durchlauferhitzer. Jedes Jahr geht es um die heißesten
Neuheiten – die dann allerdings zwölf Monate später häufig schon wieder
obsolet sind. So manches mit viel Aufwand präsentierte Produkt erreicht
nie den Markt. Und wenn Produkte ins Sortiment aufgenommen werden,
verschwinden sie oft nach wenigen Jahren in der Versenkung. Leider eifert
Inhalt
zudem ein Teil der Einrichtungsbranche der Modeindustrie nach, wo die
Neuheiten-Maschinerie bekanntlich noch heißer läuft. Doch in diesem Jahr
hat die imm cologne das Getriebe kurz angehalten – zumindest mit Blick
auf das junge Design.505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
Prominent platziert zwischen den Hallen 11 und 3 zeigte
die Ausstellung „Pure Talents Contest. 15 Years“ eine
Auswahl von Produkten, die in den vergangenen 15
26
Jahren beim Nachwuchswettbewerb der Messe dabei
gewesen waren. Im Fokus der von der Agentur Beyer
Architekturwoche
Foto: Koelnmesse Roth Weis gestalteten Inszenierung standen aber nicht
etwa die Gewinner der einzelnen Jahrgänge. Ausge-
wählt wurden Möbel, Leuchten und andere Produkte, die tatsächlich in Produktion
gegangen sind – und die bis heute von einem Hersteller produziert werden. Darwinis-
tisch gesprochen also die evolutionären Siegertypen, die Entwürfe, die alle Stufen der
natürlichen Auslese überstanden haben. Vom Prototyp im Nachwuchswettbewerb zum
Longseller im Markt. Beispielsweise der aus einem Stück Aluminiumblech geformte
Inhalt
„Pressed Chair“ von Harry Thaler, hergestellt von Nils Holger Moormann. Oder das
Leuchtensystem „Light Forest“, das sich wie Heizungsrohre im Altbau über Wand und
Decke ausbreitet, erdacht von Ontwerpduo, im Programm bei &tradition.505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
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Foto: Koelnmesse
Ein schlauer Zug der Ausstellungsmacher: Jedes Exponat war gleich zweimal zu
Architekturwoche
sehen. Sie stellten ein Exemplar aus der Serienproduktion dem Prototyp gegenüber,
mit dem die Designer im Wettbewerb der imm cologne angetreten waren, zu erken-
nen an den Schildern „Prototyp“ und „for sale“. Naturgemäß unterscheiden sich diese
beiden Stadien eines Produkts voneinander – manchmal nur im Detail, manchmal gibt
es auch massive Veränderungen. Es war ein vergnügliches Spiel, die Unterschiede Eine anschauliche Ausstellung, die einen im Messetrubel kurz innehalten und über die
zu suchen und sich zu fragen, was der Grund für die Überarbeitungen gewesen sein Mechanismen der Branche nachdenken ließ. Vorschlag für das nächste Jahr: Bitte
könnte. Bei der Akku-Leuchte „Pong“ von Simon Diener verbindet eine dekorative wiederholen, aber dann unter umgekehrten Vorzeichen. Gezeigt werden Entwürfe, die
Inhalt
Messingmanschette Schirm und Kabel. Der Prototyp löst diese Verbindung noch Hersteller in den vergangenen 15 Jahren mit viel Marketing-Tamtam auf der Messe
deutlich abstrakter. Oder der Raumteiler „Reverso“ aus Papier von Egli Studio, pro- präsentiert, aber nie produziert oder längst wieder aus dem Sortiment genommen ha-
duziert von Création Baumann: Der ursprüngliche Entwurf hat nicht nur ein anderes ben. Bevorzugt Produkte von Designern mit der Vorsilbe „Star-“. Das gäbe noch mehr
Format, sondern auch ein Rautenmuster, das in der Serienversion fehlt. Stoff zum Nachdenken.505
Bild der Woche
ARCHITECT’S DARLING:
TSATSAS LEGT EINEN
Tipp
Dossier
HANDTASCHENENTWURF
VON FERDINAND KRAMER
News
NEU AUF
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Architekturwoche
Es gibt bei jeder Messe ein paar Lieblingsprodukte, auf die sich alle einigen
können. Sebastian Herkners Stuhl „118“ für den deutschen Traditonsher-
steller Thonet war 2018 – kaum überraschend – so ein everybody’s darling.
Aber es gab auch erstaunliche Kandidaten: beispielsweise das Frankfurter
Taschenlabel Tsatsas mit seiner neuen „Edition Ferdinand Kramer 1963“.
Inhalt
Der Name verrät es: Esther Schulze-Tsatsas und Dimitrios Tsatsas haben
eine Handtasche wiederaufgelegt, die der Frankfurter Architekt und Sohn
eines Huthändlers Ferdinand Kramer 1963 für seine junge Frau Lore ent-
worfen hatte.505
Foto rechts: Gerhardt Kellermann
Foto links: Nora Cammann
Bild der Woche
Die Initiative zu dieser Re-Edition ging von der mittlerweile hochbetagten, aber immer
noch rührigen Lore Kramer aus. Sie hat die Tasche viele Jahre benutzt und ist nach
wie vor begeistert von dem Entwurf: Die Tasche „wirkt, als sei sie heute und nicht vor
über fünf Jahrzehnten entworfen“, sagt Kramer. „Die Form, die ausgewogenen Propor-
Tipp
tionen, die originelle Träger-Gelenk-Verbindung und nicht zuletzt die übersichtliche,
Ordnung ermöglichende Innenausstattung – das ist es auch, wodurch diese Tasche
noch immer aktuell ist.“ Ferdinand Kramer hat sich übrigens öfter auf das Feld der
Dossier
Mode gewagt. Dabei ist er jedoch stets seiner entwerferischen Haltung treu geblie-
ben, wie Lore Kramer anhand der Tasche erklärt: „Sie überzeugt durch Zeitlosigkeit,
Funktionalität, Flexibilität, Eleganz und reduzierte Form – wie seine Bauten.“
News
29
Architekturwoche
Die „Edition Ferdinand Kramer 1963“ ist ab sofort in drei
Größen und drei architektentypisch-gedeckten Farben
erhältlich. Tsastas fertigt alle Taschen im eigenen Atelier in
Offenbach, zum Einsatz kommen Rind- und Lammleder und
Inhalt
eigens konzipierte, in Italien hergestellte Gelenkelemente
aus Messing. Damit hat die Tasche nicht nur das Zeug zum
Kölner Publikumsliebling, sondern schafft es womöglich
auch bei Architektinnen Begehrlichkeiten zu wecken.505
Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
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Architekturwoche
Inhalt
Classicon „Piega Mirror” 2018 von der französischen Designerin Victoria Wilmotte, spiegelpoliertes Edelstahl, Foto: Elias Hassos505
_Boden
Bild der Woche
Tipp
Dossier
Belegreife
News
Cut-Loop
Designbeläge
31
Kunstharzestrich
Schrenzlage
Architekturwoche
Sportlinoleum
... noch Fragen?
Inhalt
Baunetz_Wissen_
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Bild der Woche
Tipp
Dossier
News
32
Architekturwoche
FLEISSARBEIT
Inhalt
Die Stadt Winterthur arbeitet derzeit an einem neuen Entwicklungsleitbild. In dem Zusammenhang lädt das Forum Architektur Winterthur die Bevölkerung zu interdiszip-
linären Stadtwerkstätten. Ein Arbeitsinstrument ist das 8 mal 15 Meter große Stadtmodell, das die Künstler Dominik Heim und Ron Temperli gestaltet haben. Spaß ist also
garantiert. // Fotos: Andreas Mader // fmSie können auch lesen